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#ThinkPaper Quo Vadis Print&Paper

 

Von Andreas Weber, Head of Value

#Think!Paper — Edition 2, Vol. 6 | Hinweis: Der Beitrag erscheint in der Print-Version in DRUCKMARKT Ausgabe 120.

Moderne Digitaltechnologien ermöglichen, das Individuum und den individuellen Nutzen in den Fokus zu stellen. Dadurch wurde ein neues Szenario eröffnet, geprägt vom „Ich. Jetzt. Hier. Sofort.“ Smartphone- und Tablet-Nutzer kennen das von Anfang an. Printmedien-Nutzer erfahren das Schritt für Schritt. Denn die Digitaltechnik im Print ist ausgereift und eroberte sich eine Spitzenposition unter den Medientechnologien.

Der Wandel wird durch neue Anwendungen und kreative Print-Konzeptionen deutlich sichtbar. Bis dato war es wichtig und ökonomisch alternativlos, Print als Massenmedium einsetzen zu können. Je höher die Auflagen, umso günstiger der Stückpreis in der Fertigung. Der Fokus lag stets auf optimierten Herstellungskosten. 

Der Blick auf bestmögliche Wirkungsmöglichkeiten von und mit Print geriet dabei ins Hintertreffen. Ebenso wie die Sorgfalt, Inhalte, Design und Papier sowie neue Verfahrenstechniken bestens aufeinander abzustimmen. Doch gerade das macht den Erfolg von Print im Digitalzeitalter aus. Und hilft ganz entscheidend, Print als Medium auf Premium-Niveau zu positionieren.

 

Video Animation: Andreas Weber.
Fotos: Mondi, Studio Beryll, Michael Braun.

 


Zwischenspiel: Papier trifft Print trifft Zeitgeist!

Papier ist geduldig. Stimmt! — Mediennutzer sind ungeduldig. Warum? Befragt man junge Leute, die mit dem Smartphone in einer mobilen Welt aufwachsen, so stellt man fest, dass es gegen Printmedien kaum Vorbehalte gibt. Vorausgesetzt, Inhalte sind relevant, weil maßgeschneidert (Stichwort: Customization) oder sogar selbst erstellt. 

Über den Einsatz von außergewöhnlichen Papieren kann sogar echte Begeisterung geschaffen werden. Geschätzt wird vor allem, dass Drucksachen in Besitz genommen werden können. Man hebt sie sogar gerne auf, wenn sie mit Liebe und Sorgfalt gemacht wurden. Daten dagegen kann man nicht besitzen, man kann sie nur verwalten, so die Erkenntnis. 

Überprüfen kann dies jeder von uns in seinem persönlichen Umfeld. Im Kreise meiner Familie und Freunde habe ich einen Test gemacht. Mit Nichten, Neffen, Patenkindern im Teenageralter. Alle haben regelmäßig Kontakt mit Print. Und alle wissen zu differenzieren: Informative, massenhaft hergestellte Drucksachen wie Prospekte, Werbesendungen etc. sowie Zeitschriften und Zeitungen stießen auf wenig bis gar kein Interesse. Bücher, Verpackungen, Postkarten und Poster aber umso mehr. Ebenso wie individualisierte Druckprodukte, vom Bierdeckel bis zur Tapete. Am höchsten zeigte sich die Freude über ungestrichene Papiere. „Das fühlt sich gut an, weil so natürlich“, lautete das Urteil. Recycling und Reduktion von Verpackungsmüll haben ebenfalls bei den Jungen einen hohen Stellenwert.


 

Auch wenn mein persönlicher ‚Test‘ keinesfalls repräsentativ ist, so liefert er doch wichtige Indikatoren und Erkenntnisse, die sich mit denen decken, die man von Papierspezialisten erfahren kann. In meinem Fall mit Experten des Geschäftsbereichs Mondi Uncoated Fine Paper aus der Mondi Group (kurz: Mondi), dem Marktführer bei Digitaldruck-Papier und Spezialist für ungestrichene Papiere, die digital und/oder im Offsetdruck verwendet werden können. Neben Büchern, Magazinen und Corporate Design stehen Innovationen bei der Verpackung im Fokus.

Türöffner für Papier-Genuss

„Unsere Erfahrungen mit jungen und kreativen Zielgruppen zeigen deutlich, dass gerade über Social Media Plattformen – in unserem Fall schwerpunktmäßig Instagram und Facebook – großes Interesse für Papier auf Premium-Niveau geweckt werden kann“, sagt Markus Widmer, Team Lead Customer Experience bei Mondi Uncoated Fine Paper in Wien. Über Bilder und Kurztexte wird das Erlebnis im Umgang mit Papier fokussiert. Daraus entstehen wichtige Neukontakte und konkrete Leads für das Zusenden von Mustern, Informationen oder Event-Einladungen. Hinzu kommen Podcasts zu B2B-Themen.

 

 

Um die Vorzüge von Papier im Digitalzeitalter umfassend anschaulich zu machen, startete Mondi seit dem Jahr 2017 eine besondere Initiative: Um das Premium-Papier Pergraphica in voller Bandbreite erfahrbar zu machen, wurden nicht nur ein Showbook (mit dutzenden Beispielen) und Feelbook (zum ‚Begreifen‘ der Haptik) sowie ein Swatchbook (Musterbuch) produziert, sondern auch ein Fotokunst-Band der besonderen Art: „Vienna Stories“. Im Team mit dem in Wien geborenen Autor, Regisseur und Fotograf David Rühm sowie engagierten Designern, Vorstufen- und Farbspezialisten, Druckern und Buchbindern entstand ein einzigartiges Werk, dass alle Register der Druckkunst im Digitalzeitalter zieht. Und es zeigt, wie die komplexe Zusammenarbeit von der Idee bis zur Realisierung optimal gestaltet werden kann. 

Das Buch wurde wie ein Film respektive ein Filmdrehbuch angelegt. In 12 Szenen wird nicht nur das Erleben der Heimstadt Wien durch den Künstler David Rühm inszeniert, sondern auch die Möglichkeiten, per Print unnachahmliche Erlebnisse zu schaffen. Alle möglichen Finessen von Drucktechnik und Weiterverarbeitung, die die Intention des Autors David Rühm unterstützen, werden aufgeboten: Stanzungen, Prägungen, UV-Lackierungen mit Reliefeffekten, Applikationen, Panoramadarstellungen durch Ausklappen, das Mischen von Digital- und Offsetdruck sowie ein Design, dass brillante Fotos, Illustrationen, handschriftliche Notizen, und kurze, lesenswerte Texte zu einer Einheit formt. Da Vienna Stories im DIN A4-Überformat und querformatig angelegt ist, können sich beim Betrachten durch Aufklappen buchstäblich neue Horizonte auftun.


Foto von Zsolt Marton

Foto: Mondi

INFOBOX

Premium-Papier für Perfektion im Print

PERGRAPHICA wurde 2015 als neue Premium-Papiermarke für Offset- und Digitaldruck vorgestellt. Es entstand ein Portfolio an Premium-Papieren, um der Kreativ- und Druckindustrie neue Möglichkeiten zu verschaffen, damit Print zum echten Erlebnis werden kann. Das Credo: Die Wahl des Papiers ist nicht nur ein Detail von vielen — sondern es muss Differenzierungen ermöglichen. Papier erweckt Ideen zum Leben und verleiht der kreativen Arbeit taktile und emotionale Dimensionen.

PERGRAPHICA soll mit unterschiedlichen Färbungen, Haptiken und Grammaturen inspirieren und bietet drei Farbtönen: High White, Classic und Natural, alle in den taktilen Empfindungen Rough und Smooth. Neu, speziell für Buchpublikationen, ist Pergraphica Ivory Rough 1.5. Darüber hinaus kann man aus einer Vielzahl von Grammaturen auswählen. Neu zu den Weißtönen ist das Schwarz — Infinite Black genannt — hinzugekommen. Hochwertige kreative Druck- und Verpackungsmaterialien, um z. B. Einkaufstaschen, Geschenkboxen, Covers oder Beilagen in sanfter Haptik und sattem Schwarz zu entwickeln. Den Veredelungsideen sind kaum Grenzen gesetzt: z. B. bei Faltschachteln, dem Prägen oder Lackieren, gerade auch wenn lebensmittelechtes Papier benötigt wird.

Für die internationale Fachmesse RosUpack wurde eine Infinite Black-Sammelbox erstellt, um die vielfältigen Möglichkeiten für kreative Lösungen zu demonstrieren. Eine tief-schwarze Tasche mit schwarzen Griffen aus Seidenband trägt die Sammelbox. Die Box selbst enthält fünf innere Musterboxen, mit Veredelungsmöglichkeiten wie Folienprägen, selektivem UV-Lack oder Siebdruck. Zur Übersicht wurde ein Informationsblatt in Weiß auf Schwarz (!) gedruckt. Es beschreibt alle verwendeten Papiermaterialien sowie die verwendeten Druck- und Veredelungstechnologien für die gesamte Sammelbox.

PERGRAPHICA gibt es in den Grammaturen 90, 100, 120, 150, 240, 300 g/qm sowie in den Formaten 64 x 90 und 72 x 102 cm; Sonderformate auf Anfrage. Bezug über den Fachhandel.

Kontakt

Für Auskünfte steht Stephanie Kienapfel, Team Lead Professional Printing Papers at Mondi Paper Sales, Wien zur Verfügung. Telefon: +43 1 790 130. Web-Adresse: www.pergraphica.com

Foto von Zsolt Marton

Stephanie Kienapfel bei der Vorstellung des Vienna Stories-Buch in Wien. Foto: Mondi.


Keine Effekthascherei, sondern neue Erlebniswelten bieten!

„Das ist Weltklasse! Und bringt mir als Fan von Special Effects im Print totale Freude“, stellt Günter Thomas bei der Begutachtung von Vienna Stories fest. Der Gründer und Chef von GT Trendhouse42 in Gelsenkirchen ist international für seine exklusiven Spezialitäten im Druck bekannt. Seine Welt kennt bis dato nur hochwertige Spezialeffekte per Flexo-/Offsetdruck, oft in Verbindung mit Folien-Prägungen, auf gestrichenen Papier erzielen zu können. „Spannend ist für mich zu sehen, wie bei Pergraphica mit ungestrichenen Papieren super Ergebnisse erzielt werden können. Das habe ich so nicht erwartet“, führt Günter Thomas weiter aus. „Ich bin ziemlich neugierig auf Ergebnisse, wenn wir künftig damit experimentieren können.“

 

 

Diese Begeisterung von Günter Thomas kommt nicht von ungefähr. Mondi setzt in Marketing und Vertrieb auf Customer Experience und hat ein qualifiziertes Spezialisten-Team aufgebaut, das europaweit auf anspruchsvolle Druckereien zugeht, vor Ort informiert, Fachgespräche führt und Anregungen aufgreift. „Das passiert nicht alle Tage: Auf den Hunkeler Innovationdays in Luzern entsteht am 27. Februar spontan die Idee, dass Mondi am Beispiel von Pergraphica den Nutzen von Premium-Papieren auf einem unserer Kreativ-Workshops für junge Designer vorstellt. Und keine 10 Tage später, am 8. März, findet der Event bei uns im Hause schon statt“, freut sich Jeroen van Druenen, Geschäftsführer von Jubels print&more in Amsterdam. 

Jubels hat sich international einen Namen gemacht und seit mehr als einer Dekade per Digitaldruck hochwertige und innovative Produkte und Lösungen kultiviert. Die Wahl der Papiere erfolgt immer sorgsam und mit Bedacht: „Premium im Print muss auf viele Facetten setzen — von Multichannel-Einbindung zur Personalisierung bis zu Sonderfarben und -effekten per Digitaldruck. Unabdingbar ist aber die Premium-Qualität beim Papier. Das sehen nicht nur wir so, sondern auch unsere Kunden, viele davon Markenartikler. Insofern freut es uns, dass Mondi sich als solider, innovativer und kompetenter Partner für Premium-Print-Lösungen zeigt“, ergänzt Jeroen van Druenen.

Lukrative kommerzielle Vorteile

„Premium-Papier trägt entscheidend zur Differenzierung im Print bei — eine Chance, die Druckereien unbedingt wahrnehmen sollten“, ist sich Bernhard Cantzler, Head of Marketing & Innovation bei Mondi Uncoated Fine Paper, sicher. Das bedeutet für Druckereien ein Umdenken. Papier wird von den meisten als hoher Kostenfaktor angesehen, der stetig steigt. Doch gerade hierin liege die Chance, bei den Kunden der Druckereien zu punkten, wie Bernhard Cantzler ausführt: Eine „billige“ Drucksache sei dann extrem teuer, wenn sie ihren Zweck nicht erfülle und mehr oder weniger direkt im Abfall landet, ohne beachtet zu werden. Bei Massenauflagen kann das Prinzip „weniger ist mehr“ helfen. Ansonsten sticht als Trumpfkarte das Prinzip „Klasse statt Masse“. Maßgabe für Mondi sei daher, Papiere wie Pergraphica anzubieten, die hybride Druckproduktionen möglich machen, indem höhere Auflagen im Offsetdruck mit Individualisierungen oder auch Spezialeffekten durch Digitaldruck zu kombinieren.

Übrigens: Ein neues, hinreißend-ungewöhnliches Kochbuch des Brandstätter Verlag Wien setzt auf diese Differenzierungsmöglichkeiten mit Pergraphica Natural Rough. Und das bei einem erschwinglichen Preis von 30 Euro pro Buch. Titel: „Asado“. Ort der Buchvorstellung war das Genusswirtshaus in Göttlesbrunn, Österreich, von Adi Bittermann, der das Werk mit den Co-Autoren Franz Größing, Jürgen Kernegger und Leo Gradl realisierte. Die Fotos stammen von Thomas Apolt. 

Autoren, Fotograf und Verlag verbinden ihre gemeinsame Leidenschaft für das Grillen über offenem Feuer – kurz „Asado“ –, für das es nicht mehr braucht als zwei Ziegelsteine, einen Rost und viel Glut. Das gewählte Papier war ideal, um die Intention des Buches im Druck umzusetzen und Appetit zu wecken. Kulinarisches und Print als Dream-Team: Die Qualität des „Materials“ muss stimmen. Denn erstklassige Zutaten sind ein Muss. Und schaffen unvergessliche Erlebnisse. 

Mein Fazit

Auch im Zeitalter der Digitalisierung gilt, wir als Menschen bleiben analoge Wesen. Wie am Beispiel von Innovationen wie Pergraphica deutlich und unwiderlegbar zu erkennen ist: Premiumpapiere stellen aus meiner Sicht die wichtigste Schnittstelle dar, um mit Hilfe modernster Digitaltechnik im Print einzigartige Erlebniswelten für Menschen als Leser oder Nutzer zu eröffnen. 

 


 

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Bernhard Cantzler, Mondi Uncoated Fine Paper, Wien. Foto: Mondi

KURZINTERVIEW 

Perspektiven im Print: Customization ist Trumpf

Mondi Uncoated Fine Paper unterstützt die von Andreas Weber gestartet #Think!Paper-Initiative. Ziel ist es, eine neue Debattenkultur für Print im Digitalzeitalter zu schaffen und ein globales Expertennetzwerk zu gründen. Im Zentrum steht die Frage: Was kann Print leisten, um die Transformation im Digitalzeitalter zu beflügeln? Seitens Mondi gibt als Experte Bernhard Cantzler Auskunft zu drei zentralen Aspekten:

Was ist das Besondere von Print im digitalen Zeitalter?

Gedruckte Kommunikation ist in Bezug auf Personalisierung ebenso flexibel wie digitale Kommunikation. Das Zauberwort lautet: Customization. Print wird im Reigen der Medien von vielen immer noch als zuverlässiger und vertrauenswürdiger angesehen. Darüber hinaus ist es eine natürliche ‚digitale Entgiftung‘ und unterstützt das tiefere Denken.

Alles im mobilen Zeitalter ist extrem schnell. Warum ist die Anpassung von Innovationen der Digitaldrucktechnologie scheinbar so langsam?

Langsam ist relativ… Ich würde sagen, dass Drucksacheneinkäufer und ihr Fokus auf einen möglichst niedrigen Einkaufspreis pro 1000 Exemplare der Schlüsselfaktor sind. Wenn diese Käufer Kampagneneffizienz kaufen würden, würden sie vielleicht weniger drucken, aber die Inhalte per Digitaldruck personalisieren. Sie würden tatsächlich ‚Kampagneneffektivität‘ erwerben, wenn Print und Online optimal zusammenwirken können.

Was sind die Haupttreiber für ein leistungsfähiges und erfolgreiches Druckerei-Unternehmen heute und welche wird es in Zukunft sein?

Basierend auf dem, was ich oben geäußert habe: Stoppen Sie den Verkauf von Druckfarbe auf Papier. Beginnen Sie mit dem Verkauf von werthaltigen Kommunikationsergebnissen, Kampagnenergebnissen, reduzierten Contact Center-Anrufen pro Kunde oder anderen wertorientierten KPIs, die der Druck unterstützen kann.

 


 

Impressionen: Von der Kreation zum Druck 

 

 


 

Über den Autor

Andreas Weber begleitet als Wissensarbeiter/Advisor die Kommunikation mit Medien — geprägt durch eine Vorliebe für Print-Innovationen im Digitalzeitalter. 

Bis dato hat er über 500 Innovations-/Transformations-Projekten realisiert, diverse Lehraufträge wahrgenommen (u.a an der School of Visual Arts/NYC, Hochschule Liechtenstein, Hochschule RheinMain) und Vorträge in über 30 Ländern gehalten. 

Sein Blog valuetrendradar.com (ISSN-zertifiziert) inspiriert Entscheider aus mehr als 150 Ländern.

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PortraitGudrunZapf : Foto Frank Lübke

Gudrun Zapf-von Hesse, fotografiert von Frank Lübke, 2018.

 

»Die Schönheit und Modernität oder besser gesagt die Zeitlosigkeit des Schaffens von Gudrun Zapf-von Hesse erscheint nachhaltiger denn je. Das möchte ich getrost und voller Demut ›unaufdringliche Vollkommenheit‹ nennen.«

Andreas Weber, Frankfurt am Main

 

Ich besuchte Gudrun Zapf-von Hesse im August 2015, knapp drei Monate nach dem Tod ihres Mannes. Es war das erste Mal, dass wir uns alleine trafen. Sie hatte Tee und Kuchen vorbereitet. Wir residierten auf der Terrasse und sie bedankte sich bei mir für den Nachruf auf Prof. Hermann Zapf, den ich verfasst und in deutsch sowie englisch ›digital‹ publiziert hatte. Ich konnte ihr zudem ein von mir angelegtes Dossier übergeben mit Berichten aus aller Welt, speziell für sie ausgedruckt. Freudig blätterte sie darin, während ich erläuterte, dass vor allem Online, in Blogs und Websites sowie per Social Media, weltweit hohe Anteilnahme gezollt wurde. Gerade von Jüngeren aus der Digital-Zunft. Sie wirkte sehr zufrieden und schien doch ein wenig überrascht, dass ihrem Mann und durchweg immer auch ihr selbst solch hohe Wertschätzung widerfahre.

Süffisant und mit dem für sie typischen verschmitzten Lächeln merkte sie an, dass sie stets das Zeitgemäße schätze, wobei Zeit, ihre Zeit, nunmehr fast vier Generationen ausmachten, von denen sie beruflich über 80 Jahre aktiv war. Wir beschlossen den Nachmittag mit einer ausgiebigen Visite ihres Ateliers und ihrer großartigen Arbeiten. In Summe: Eine berührende, nachhaltige und wunderbare Begegnung, die ich nicht missen möchte. Und für die ich auf ewig dankbar sein werde.

Über ihr Leben hat Gudrun Zapf-von Hesse in Wort, Schrift und Bild selbst Auskunft gegeben: »Mein Berufsleben begann mit einer Buchbinder-Lehre bei Prof. Otto Dorfner in Weimar. Während dieser Zeit begann ich, mich mit Kalligraphie zu beschäftigen — in der Auseinandersetzung mit Büchern von Robert Koch und Edward Johnston [die Gudrun Zapf-von Hesse als Jugendliche abendlich von Hand abschrieb!]. Nach meinem Abschluss als Buchbinder-Meisterin arbeitete ich in Berlin und konnte kurzzeitig den Schriftunterricht von Johannes Boehland besuchen. Von da an war ich von Schriftkunst und Satzschriften begeistert. Von 1946 bis 1955 betrieb ich eine eigene Buchbinderwerkstatt in Frankfurt am Main. Ich dieser Zeit unterrichtete ich auch Schriftkunst an der Städel-Schule.«

 

Zapf Werkzeuge imgtoolkit.culturebase.org

 

Und weiter schildert Gudrun Zapf-von Hesse: »1948 führte ich die ersten Satzschriften-Entwürfe für die Schriftgiesserei D. Stempel AG in Frankfurt am Main aus. Die Schriften Diotima, Diotima Antiqua, Ariadne Initials und die Headline-Schrift Smaragd (Emerald) erschienen in den Jahren 1951 bis 1954 als Bleisatz-Schriften. Später wurden diese Schriften auch für die Linotype Setzmaschinentechnik übertragen. In den nachfolgenden Jahren habe ich weitere andere Alphabete gestaltet: Shakespeare Roman und Italian als Exklusivschriften für Hallmark Cards Inc. in Kansas City, und Carmina für Bitstream Inc. in Cambridge/Mass., gefolgt von Nofret und Christiana für die H. Berthold AG in Berlin sowie Alcuin und Columbine Script für URW in Hamburg. 1991 erhielt ich für mein Werk den Frederic W. Goudy Award, den renommiertesten Preis für Buch- und Schriftdesign in den Vereinigten Staaten von Amerika.«

Mit dieser ›Selbstauskunft‹ — und vor allem mit ihrer monografischen Buchveröffentlichung aus dem Jahr 2002 — hatte sie auf ihre Art, bescheiden, kompetent und äußerst würdevoll mit dem 20. Jahrhundert abgeschlossen. Das vollendet ausgestattete Buch, gesetzt aus der Nofret Antiqua, gestaltet von Hermann Zapf, erschien als deutsche Ausgabe bei der Gesellschaft zur Förderung der Druckkunst in Leipzig und auf Englisch mit dem Titel ›Gudrun Zapf Bindings Handwritten Books Typefaces Examples of Lettering and Drawings‹, verlegt durch Mark Batty, West New York/NJ.

 

 

Doch es sollte sich im 21. Jahrhundert noch weiteres und ganz bedeutendes tun. Gudrun Zapf-von Hesse schuf gemeinsam mit Akira Kobayashi, dem Leiter des Linotype-Schriften-Ateliers, die Diotima Classic als Digitalschrift, die 2008 publiziert wurde. Insgesamt entstanden 8 Schriftschnitte, unterstützt werden mindestens 33 Sprachen in den Formaten Pro / OT CFF. Und mit Hilfe des Berliner Typografen und Schriftforschers Ferdinand Ulrich schuf sie die Schriftfamilie ›Hesse Antiqua‹, indem ihre Entwürfe aus dem Jahr 1947f. in die digitale Welt übertragen wurden. Das Schriftenhaus Monotype publizierte die neue Schriftfamilie pünktlich zum 100. Geburtstag von Gudrun Zapf-von Hesse am 2. Januar 2018. 

Im darauffolgenden Herbst, am 8. November 2018, dem 100. Geburtstag von Hermann Zapf, wurde Gudrun Zapf-von Hesse eine besondere Ehre zuteil: Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling kürte sie zum Ehrenmitglied der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft Mainz. Gundela Kleinholdermann hat die Urkunde exzellent gestaltet, gesetzt aus Smaragd und Palatino, um die beiden eigenständigen Künstler mit zweien ihrer Glanzwerke der Schriftkunst zu vereinen. Zu diesem Anlass gab es eine Filmpremiere im Gutenberg-Museum. ›Alphabet Magic‹ ist die filmische Dokumentation betitelt, die das Leben und Wirken des Schrift- und Buchkunst-Ehepaares Zapf würdigt. Initiatoren des Films sind ihre Nichte, die Modedesign-Professorin Alexandra Albrand, sowie ihr Neffe Georg Grabkowsky. Die beiden arbeiteten seit 2013 an der Umsetzung. Regie führte Marita Neher. »Die Dokumentation schaut, auch unter Nutzung des Nachlasses von Hermann Zapf in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, den Künstlern über die Schulter und gibt mit Statements auch von Weggefährten und Kollegen einen Einblick in die Lebensgeschichte und das Werk der beiden«, wie Silvia Werfel in einer Zeitungsbesprechung anmerkte. 

 

Alphabeth Magic Exhibition NY 2019

 

Das Besondere in der Beziehung von Gudrun und Hermann Zapf — beide lernten sich 1948 kennen und heirateten im Jahr 1951 — ist kaum durch Worte zu beschreiben. Umso wichtiger, dass im März 2016 eine Würdigungen ganz besonderer Art stattfand. Die Ilke und Berthold Roland-Stiftung zeichnete das Schriftkünstler-Ehepaar mit seinem Kunstpreis aus. Ort des Gesehenes war wiederum das Gutenberg-Museum, im Beisein von Generaldirektor Thomas Metz, Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz, als Vertreter des Landes, und einer erlauchten Schar von Gästen. Museums-Direktorin Dr. Annette Ludwig schien es problemlos möglich, ad hoc aus eigenen Sammlungsbeständen zur Kunstpreis-Verleihung eine kleine, aber feine Ausstellung mit Werken beider Preisträger zu arrangieren, um ihre Laudatio abzurunden.

Dem Gutenberg-Museum als hehrem Ort der Buchdruck-Kunst tat es sichtlich gut, das Erbe Gutenbergs, dem man sich mit Leidenschaft widmet, mit der Kultur der Zapf’schen Schriftkunst zu verbinden. Es wurde für alle Anwesenden ersichtlich: Die vollendete, meisterhaft inszenierte Form hebt die gedruckten Inhalte auf das Siegerpodest — quasi ein Leitmotto im Schaffen der beiden Kunstpreisträger. Zapf&Zapf sind als Schriftentwerfer und Kalligraphen von Weltrang nicht ›Konkurrenten‹, sondern ein ›Dream-Team‹, wie man es sich besser gar nicht vorstellen kann. Sogar im Herzen des Silicon Valley war man sich dessen bewusst, als man im Jahr 2001 in der renommierten Public Library in San Francisco das ›Zapfest‹ als Mischung aus Ehrung, Ausstellung und Kolloquium organisierte. — Übrigens: Mit der Ausstellung von The Grolier Club of New York »Alphabet Magic: A Centennial Exhibition of the Work of Hermann & Gudrun Zapf«, die seit Februar 2019 bis zum 27. April 2019 zu sehen ist, setzt sich die hohe Wertschätzung für das Ehepaar Zapf in den Vereinigten Staaten von Amerika erfolgreich fort.

Wobei, das hat auch Hermann Zapf so gesehen und mir gegenüber persönlich geäussert, das künstlerische Schaffen seiner Frau deutlich weiter gefächert ist als das Seinige. Denn Gudrun Zapf-von Hesse hat ein perfekt ausgeprägtes künstlerisches Talent, das mit technischer Handwerkskunst auf höchster Ebene gekoppelt ist, wie gerade ihre freien Arbeiten belegen.

 


 

»Ein Jahrhundert – zwei Schriftkünstler«

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Am 14. April eröffnete die Ausstellung »Ein Jahrhundert – zwei Schriftkünstler« mit den Schriftkünstlern Gudrun Zapf-von Hesse und Helmut Matheis. Sie sind die ältesten noch lebenden Schriftkünstler der westlichen Welt und zählen (jeder!) 101 Jahre. Katharina Pieper und der Stiftung Schriftkultur e.V. in Homburg (Saar) ist damit ein echter, weltweit einzigartiger Coup gelungen. ist uns gelungen, beide in einer Ausstellung zu vereinen. Rechts: Heiner Müller mit Helmut Matheis in Bad Bergzabern. Der nachfolgende Text über Gudrun Zapf-von Hesse wurde für den Katalog verfasst.

Impressionen von der Eröffnung

#Weltklasse! Es lebe die Schriftkultur. Ein kleiner Schritt für die Kalligraphie, ein großer für die Menscheit. Katharina Pieper, Heiner Müller und ihre Mitstreiter bei der Stiftung Schriftkultur e.V. in Homburg (Saar) begeisterten am 14. April 2019 mit über 100 Exponaten mehr als 100 Besuchern für zwei über 100 Jahre alte, noch lebende Schrift-Künstler: Gudrun Zapf-von Hesse und Helmut Matheis faszinieren mit ihrem Lebenswerk. Kreativ, vollkommen, zeitlos entfaltet sich eine künstlerische Perfektion, die ihres Gleichen sucht. BRAVO 👏 BRAVISSIMO! — Der exzellente Katalog kann über Katharina Pieper zum Verkaufsreis von Euro 15,00 bezogen werden (ggf. fallen Versandkosten an). 

Foto-/Video-Animation: Andreas Weber

 


 

Dr. Hans A. Halbey, verdienstvoller früherer Direktor des Gutenberg-Museums sowie des Klingspor-Museums in Offenbach, merkte in seiner umfassenden wissenschaftlichen Würdigung von Gudrun Zapf-von Hesse aus dem Jahr 2002 wie folgt an: »Das Schreiben und Schriftentwerfen sowie das Buchbinden erfordern unbedingte Disziplin in der technischen Präzision und ganze Hingabe. Bei Gudrun Zapf-von Hesse kommt das angeborene Gefühl für Maß und Proportion hinzu, ihre Werke beweisen das, besonders an ihren Einbänden, wo Maßhalten und Sichbescheiden im Dekor ihren künstlerischen Stil bestimmen. Schließlich ist ihre Liebe zur Natur und zu den kleinen Dingen in ihren oft hauchzarten Zeichnungen und in den farblich verhaltenen Aquarellen erkennbar.«

Ich darf aus meiner Sicht ergänzend anmerken: Gudrun Zapf-von Hesse gehört zu den Universal-Talenten unserer Kunst- und Kulturgeschichte und könnte, auch heute noch, mit der Präzision eines Schweizer Spitzen-Uhrmachers oder eines Edel-Goldschmiedes mithalten. Nach der Perfektionierung des Schreibens von Hand begann sie als junge Frau, Messingstempel gemäß eigenen Buchstaben und Zeichen zu schneiden, um vor allem Goldprägungen vornehmen zu können. Testformen gab es keine, alles gelang auf Anhieb! Ihre Bucheinbände sind Unikat-Kunstwerke, wie man gleiches kaum zu finden vermag. Ihre von Hand geschriebenen Bücher sind Meilensteine der Buchkunst, bei denen man auf den ersten Blick nicht glauben mag, dass sie nicht mit perfekten Satzschriften gefertigt wurden. Ihre kalligraphisch-geprägten Aquarelle verzaubern. Seit 1952 stellte sie auf internationaler Ebene ihre Werke aus und erntete von allen Seiten Lob, Anerkennung und Bewunderung. Bis heute ist Gudrun Zapf-von Hesse vor allem der Schreibwerkstatt Klingspor Offenbach herzlich verbunden. Im Wohnhaus in Darmstadt werden, wie eingangs dargelegt, ihre Werke sorgsam bewahrt und inszeniert. Unaufdringlich, aber fulminant in der Wirkung. Wer immer dort sein darf, kommt aus dem Staunen nicht raus!


Martin Joppen Honorarfrei bei Urheberangabe/ Belegexemplar

Gudrun und Hermann Zapf während einem von Linotype organisierten Ehrenabend im Schloßhotel Kronberg, Hessen. Foto: Linotype


 

Hermann Zapf war ein glücklicher Mensch. Bis in den Tod hinein. Er durfte sich stets unbeschadet im Schatten seiner geliebten Frau sonnen. Ein Leben lang. Und er stand trotzdem immer im Mittelpunkt. Außer manchmal, wie bereits einige Male in der Gutenberg-Stadt Mainz, und nunmehr bei der Stiftung Schriftkultur e.V. im Gut Königsbruch, Homburg. Da stand und steht Gudrun Zapf-von Hesse im Mittelpunkt. Mit ungebrochener Freude und Dankbarkeit für ihr Leben und Wirken sowie für den Mann an ihrer Seite, den sie vermisst, der ihr aber nie fern sein wird.

 


Zapf Schiller

Diese Zeilen von Friedrich Schiller, die Gudrun Zapf-von Hesse vollendet in einem kalligraphischen Werk inszenierte, wurden im Goethe-Haus zu Frankfurt am Main von Frühjahr bis Herbst 2017 neben anderen Arbeiten von ihr ausgestellt.

Der Dialog mit der Kunst der Goethe-Zeit, vor allem auch mit Friedrich Hölderlin, hat Gudrun Zapf-von Hesse von früh an geprägt und lebenslang angespornt. — »Der Mensch ist aber ein Gott, so bald er Mensch ist. Und ist er ein Gott, so ist er schön.« (Aus: Zweites Buch, Hyperion an Bellarmin XXX, S. 141).


 

Die Schönheit und Modernität oder besser gesagt die Zeitlosigkeit des Schaffens von Gudrun Zapf-von Hesse erscheint nachhaltiger denn je. Das möchte ich getrost und voller Demut ›unaufdringliche Vollkommenheit‹ nennen.

Andreas Weber, Frankfurt am Main

 


 

Zum Autor

 

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Gudrun Zapf-von Hesse mit Andreas Weber im Gutenberg-Museum zu Mainz aus Anlass der Verleihung des Kunstpreises der Ilke und Berthold Roland-Stiftung am 6. März 2016. Foto: Andreas Weber.

Der in Homburg (Saar) geborene Andreas Weber studierte Geisteswissenschaften an der Johannes-Gutenberg-Universität zu Mainz. Über berufliche Stationen im Druck- und Verlagswesen, der Printtechnik-Industrie sowie durch eigene Unternehmens-Gründungen entwickelte er sich zu einem international anerkannten Experten für Kunst und Kommunikation. Gudrun Zapf-von Hesse und Hermann Zapf lernte er in den 1980er Jahren persönlich kennen. Der enge Kontakt zur Schriftbranche sowie gemeinsamen Freunden aus der Typografie- und Buchkunst-Szene — allen voran Gisela und Hermann Rapp — schafften stets eine große Verbundenheit.

 


 

Lesetipp

Im Blog www.valuetrendradar.com von Andreas Weber finden sich Beiträge zu Gudrun Zapf-von Hesse und Prof. Hermann Zapf (in deutscher und englischer Sprache):

»Meisterlich: RS-Kunstpreis für Gudrun Zapf-von Hesse und Hermann Zapf« vom 6. März 2017

»Nachruf auf Hermann Zapf: Mit Präzision und Leidenschaft zur Meisterschaft!« vom 8. Juni 2015

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ThinkPaper Quo Vadis Online Print.001

By Andreas Weber, Head of Value

#Think!Paper — Edition 2, Vol. 5. | Original German Version (Translation via Google Translator)

 

Preliminary note

These days in March 2019 caused confusion in the so-called online printing community. The pioneer CIMPRESS — progressive, successful, growth-oriented — demystified itself. Growth slowed, market capitalization halved, investors are turning their backs. Ouch! The fears: When the market leader coughs, the smaller ones get a flu. And: The gold rush mood, which was also experienced at the Online Print Symposium for many years, seems to be gone.

What’s happened

Do not worry: Online Printing is not going downhill. On the contrary. Online printing, like digital printing, is not a genre or even an industry, but a more or less useful auxiliary term for characterizing digital process paths in the production of printed matter. It started with web-to-print, leading to automated, standardized and scalable processes with the World Wide Web as a showcase. So one could win on the one hand customers who could order to date no printed matter; on the other hand, price advantages were used, as the optimized procedures allowed more favorable costs.

As a result, huge print volumes shifted from the classic commercial market to the ‘online printers’. So money has been redistributed. The actual new business areas remained marginal. Growth was thus achieved by repression, with a naturally not limitless effect.

Robert Keane recognized this early on. He used Vistaprint as a cash cow to acquire dozens of other companies. From this he formed a global corporation with a holding structure under the umbrella brand CIMPRESS. CIMPRESS itself does not have any customers other than shareholders; customers for print products of all kinds, including mass customization, belong to the sub-brands.

This has advantages and disadvantages. This was initially centralized to save costs and grow quickly. Now that growth has lost momentum, it has decentralized. Two things matter in this back and forth:

  • First, the cost of brand care is enormously high and inefficient, as it has little impact on CIMPRESS customers, investors.
  • Second, the consistent corporate culture is left behind. Many small kingdoms are most fond of themselves.

On to new shores

And thirdly, CIMPRESS is not dealing with homogeneous competitive structures, but romps in many areas and skirmishes with many “opponents”. Ultimately, such opponents are all those who have built digital literacy as part of the reform of their core business, from commercial printing to packaging, large format, etc. And thus able to offer technically savvy, highly efficient, cost-optimized and highly specialized. And with the support of their suppliers, which drive digital transformation in all directions. Heidelberg’s 1st Digital Print Forum on March 21, 2019 impressively demonstrates this.

To use a picture: CIMPRESS as an aircraft carrier or giant cruiser can not call every port and is not as agile as the tens of thousands of frigates, submarines and speedboats who want to win the battle in guerrilla style.

Conclusion: Real benefits or unique selling point of CIMPRESS can not be recognized. And those announcements of gigantic orders at drupa 2016 at Landa are completely fizzy. Like other more! In short: a lot of pampering — nothing except expenses. That will have become clear to the investors.

The problems of CIMPRESS are therefore largely home-made and by no means typical for those who see themselves as online printers. — Robert Keane is confident that he has recognized and counteracted.

Deceptive calm before the storm

Still, it will be difficult for everyone. The more digital the business, the more demanding it is to design customer relationships and promote customer loyalty. There is no loyalty in the e-commerce driven online print business. It is always about the best price and the highest ‘convenience’. To provide differentiation features becomes Herculean task.

From my point of view, the following central questions arise:

  1. Beyond Online Printing — How to make your own corporate culture so human that it attracts attention in the market and excites both internally and externally?
  2. Beyond Technocracy — How to reduce the overly focussed technology focus to better market insights through customer orientation to adapt to changing needs extremely quickly and effectively?
  3. Beyond Silo-Mentality — How to develop a new openness in mind and agility in doing, to identify differentiation traits and to develop a distinctive entrepreneurial personality?

As I will not be attending the #ops2019 in Munich this year, I am curious how seriously and openly the attendees will talk about the neuralgic points. And when the closed-conspired online print community repositions itself and finally opens to customers and prospects. Then there would certainly be other participants who could benefit from the online printing expertise as an orderer.

By the way: Many of my thousands of readers and network partners took my April Fool’s Day story seriously. Tenor: Bertelsmann regent Liz Mohn fancies getting in touch with CIMPRESS and above all the founder and CEO Robert Keane, in order to bring their Bertelsmann Printing Group, with 1.6 billion annual sales much smaller than CIMPRESS, back on track. — Maybe the idea of me is not so bad. If not already done, please read.

 

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About the author

Andreas Weber has been a print expert and internationally renowned business communication analyst, coach, influencer, and networker for over 25 years.

His activities focus on transformation for the digital age and include lectures, management briefings, workshops, analyses, reports, and strategic advice. – His blog www.valuetrendradar.com inspires readers from over 150 countries worldwide.

 

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Von Andreas Weber, Head of Value

#Think!Paper — Edition 2, Vol. 5

Prolog

Der März 2019 hatte es in sich für die sogenannte Online Printing-Gemeinde. Der Vorreiter CIMPRESS — progressiv, erfolgreich, wachstumsorientiert — entmystifizierte sich selbst. Das Wachstum schwächte sich ab, die Marktkapitalisierung halbierte sich, heisst: Anleger wenden sich ab. Autsch! Die Befürchtungen: Wenn der Marktführer hüstelt, bekommen die Kleineren eine Grippe. Und: Die Goldrausch-Stimmung, die auch auf dem Online Print Symposium über Jahre erfahrbar war, scheint dahin.

Status quo

Keine Bange: Mit Online Printing geht es nicht bergab. Im Gegenteil. Online Printing ist wie auch Digitaldruck keine Gattung oder gar Branche, sondern ein mehr oder wenig nützlicher Hilfsbegriff, um digitale Verfahrenswege bei der Drucksachenproduktion zu charakterisieren. Es fing mit Web-to-Print an, führte zu automatisierten, standardisierten und skalierbaren Abläufen mit dem World Wide Web als Schaufenster. So konnte man einerseits Kunden gewinnen, die bis dato keine Drucksachen bestellen konnten; zum anderen wurden Preisvorteile genutzt, da die optimierten Abläufe günstigere Kosten erlaubten. 

Dadurch verlagerten sich riesige Druckvolumen aus dem klassischen Akzidenzmarkt hin zu den ‚Online Printern‘. Es wurden also Gelder umverteilt. Das tatsächliche Neugeschäft blieb marginal. Wachstum wurde also durch Verdrängung erzielt, mit einem naturgemäß nicht grenzenlosem Effekt. 

Robert Keane hatte das frühzeitig erkannt. Er nutzte Vistaprint als Cash-Cow, um Dutzende andere Firmen zu akquirieren. Daraus formte er unter der Dachmarke CIMPRESS einen globalen Konzern mit Holdingstruktur. CIMPRESS selbst hat außer Aktionären keine Kunden, die Kunden für Printprodukte aller Art inkl. Mass Customization gehören den Submarken. 

Das hat vor und Nachteile. So wurde zunächst zentralisiert, um Kosten zu sparen und schnell wachsen zu können. Jetzt, da das Wachstum an Fahrt verloren hat, wurde dezentralisiert. Bei diesem Hin&Her fallen zwei Dinge ins Gewicht: 

  • Erstens ist der Aufwand in der Markenpflege enorm hoch und inneffizient, da es kaum Wirkung auf die CIMPRESS-Kunden, die Anleger, hat.
  • Zweitens bleibt die durchgängige Firmenkultur auf der Strecke. Viele kleine Königreiche bleiben sich selbst am liebsten treu.

Auf zu neuen Ufern

Und Drittens kommt hinzu: CIMPRESS hat es nicht mit homogenen Wettbewerbsstrukturen zu tun, sondern tummelt sich in vielen Bereichen und scharmützelt mit vielen „Gegnern“. Letztlich sind solche Gegner alle diejenigen, die im Zuge der Reformierung ihres Stammgeschäft, vom Akzidenzdruck bis zu Packaging, Large Format etc., Digitalkompetenz aufgebaut haben. Und damit technisch versiert, hocheffizient, kostenoptimiert und hochspezialisiert anbieten können. Und dies mit Unterstützung ihrer Lieferanten, die digitale Transformation in alle Richtungen vorantreiben. Das von Heidelberg veranstaltete 1. Digital Print Forum vom 21. März 2019 belegt dies eindrucksvoll.

Um ein Bild zu gebrauchen: CIMPRESS als Flugzeugträger oder Riesenkreuzer kann gar nicht jeden Hafen anlaufen und ist nicht so wendig wie die zehntausenden Fregatten, U-Boote und Schnellboote, die quasi in Guerilla-Manier die Schlacht gewinnen wollen. 

Fazit: Echte Vorteile oder Alleinstellungsmerkmal von CIMPRESS kann man gar nicht mehr erkennen. Und wilde Ankündigungen von gigantischen Bestellungen auf der drupa 2016 bei Landa sind völlig verpufft. Wie anderes mehr! Kurzum: Viel Gedöhns — ausser Spesen nichts gewesen. Das wird den Anlegern klar geworden sein.

Die Probleme von CIMPRESS sind also weitgehend hausgemacht und keinesfalls typisch für diejenigen, die sich als Online-Printer sehen. — Robert Keane ist zuzutrauen, das erkannt zu haben und gegenzusteuern.

Ruhe vor dem Sturm

Dennoch, es wird für alle schwierig. Je digitaler das Geschäft, um so anspruchsvoller die Gestaltung der Kundenbeziehungen und das Fördern der Kundenbindungen. Im E-Commerce-getriebenen ‚Online-Print‘-Geschäft gibt es keine Loyalität. Es geht stets um den besten Preis und die höchste ‚Convenience‘. Differenzierungsmerkmale zu bieten, wird zur Herkules-Aufgabe.

Aus meiner Sicht stellen sich folgende zentrale Fragen:

  1. Beyond Online-Printing — Wie kann man die eigene Unternehmenskultur so menschlich gestalten, dass es im Markt Aufmerksamkeit stiftet und intern wie extern begeistert?
  2. Beyond Technocracy — Wie kann man den überstarken Technik-Fokus reduzieren zugunsten einer besseren Marktkenntnis durch Kundenorientierung, um sich extrem schnell und effektiv auf sich wandelnde Bedürfnisse einzustellen?
  3. Beyond Silo-Mentality — Wie kann man eine neue Offenheit im Geist und Agilität im Tun entwickeln, um Differenzierungsmerkmale zu identifizieren und eine unverwechselbare Unternehmespersönlichkeit zu entwicklen?

Da ich dieses Jahr beim #ops2019 in München nicht selbst dabei sein werde, bin ich gespannt, wie ernsthaft und offen über die neuralgischen Punkte gesprochen wird. Und wann sich die geschlossen-verschworene Online-Print-Gemeinschaft neu positioniert und v. a. öffnet. Dann kämen sicher auch andere Teilnehmer hinzu, die vom Online-Printing-Knowhow als Auftrageber profitieren können. 

Übrigens: Von vielen meiner tausenden Lesern und Netzwerkpartnern wurde am 1. April meine Scherz-Story ernst genommen. Tenor: Bertelsmann-Regentin Liz Mohn liebäugele damit, mit CIMPRESS und vor allem dem Gründer und CEO Robert Keane in Kontakt zu kommen, um ihre Bertelsmann Printing Group, mit 1,6 Mrd. Jahresumsatz deutlich kleiner als CIMPRESS, auf Vordermann zu bringen. — Vielleicht ist die Idee von mir gar nicht so schlecht. Falls noch nicht geschehen, bitte nachlesen.

 

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Über Andreas Weber

Andreas Weber begleitet als Wissensarbeiter/Advisor die Kommunikation mit Medien — geprägt durch eine Vorliebe für Print-Innovationen im Digitalzeitalter. 

Bis dato hat er über 500 Innovations-/Transformations-Projekten realisiert, diverse Lehraufträge wahrgenommen (u.a an der School of Visual Arts/NYC, Hochschule Liechtenstein, Hochschule RheinMain) und Vorträge in über 30 Ländern gehalten. 

Sein Blog valuetrendradar.com (ISSN-zertifiziert) inspiriert Entscheider aus mehr als 150 Ländern.

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Gestern. Heute. Morgen. Der Print-Branche tut es gut, sich mit jungen Menschen auseinanderzusetzen. Denn die Generation Smartphone schätzt Print-Innovationen.

Kommentar von Andreas Weber, Head of Value

 

Mit der Premiere des Heidelberg Digital Print Forum 2019 ist auf Anhieb ein wirklicher Überraschung-Coup gelungen. Ambiente, Themen und Programmgestaltung im Wieslocher Print Media Center weichen vom Üblichen ab. Das Auditorium: grossartig, aufgeschlossen, neugierig, aber auch kritisch und wachsam. Mit anderen Worten: Ich habe mich extrem wohlgefühlt — wie die insgesamt über 170 anderen Teilnehmer und Co-Referenten auch.

Alles was ich heute erleben konnte, deckt sich mit meiner Analyse, die ich vorgetragen habe: Print als Medium und Druckereien als Kompetenzpartner profitieren dann, wenn der Nutzen in den Vordergrund gestellt wird. Das begeistert die, die als Kunde/Auftraggeber oder als Mediennutzer persönlich angesprochen, oder besser berührt werden wollen. Drucken kann nicht nur Inhalte vervielfältigen, sondern auf höchstem Niveau höchst individuell inszenieren.

 


 

Fotos: Andreas Weber


 

Ob auf dem Podium oder beim Marktplatz oder den informativen kurzen Fachvorträgen, es hat sich gezeigt, dass die Print-Welt im Wandel ist, aber durchaus zum Schrittmacher im Digitalzeitalter werden kann.

Meiner Auffassung nach: Druckereien brauchen sich nicht zu verstecken. Sie können mutig und pro-aktiv nach vorne gehen, um neue Geschäftsfelder zu erschließen bzw. Bestehendes zu reformieren.

Die moderne Digitaltechnik im Print steht an der Spitze der Medientechnologien. Und erfüllt die Anforderungen um zeitgemäß und zukunftssicher profitabel Geschäft zu machen.

Die Veranstaltung hat aus meiner Sicht nicht nur wichtige Fragestellungen geliefert, sondern auch konkrete, nützliche Ergebnisse, die für die Branche wichtig sind.


 

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Erfolgreiches Team (v.l.n.r.): Matthias Langner, Laura Sturm, Andreas Weber, Laura Breitner, Manuela Gomez, Daniel Szkutnik, Marc Schmitz. Foto: Heidelberg.

Ein Plädoyer für Print aus anderer Perspektive: Andreas Weber beginnt mit seinen Lieblingsbüchern, u.a Designing for Print und Vienna Stories. Foto: Juliette Pickl, Business Development Manager at Mondi Uncoated Fine Paper

 

Aus meiner Sicht als Referent ist folgendes wichtig:

Customization rückt in den Fokus! — Und hilft, den Akzidenzdruck zu reformieren.

Social Media kann ein Eldorado für Print sein! V.a. Facebook, Instagram im B2C und LinkedIn im B2B beflügeln neue Geschäftsmodelle.

Der Nutzen rückt in den Vordergrund. Digitaltechnik im Print ermöglicht das.

Das Marktpotential ist erheblich größer als man denkt und bietet Chancen für profitables Wachstum!


 

Eine von zahlreichen Innovation: Spektakuläre Neon-Bilder im Toner-Digitaldruckdruck

Video: Andreas Weber


Impressionen vom Forum und Statements der Organisatoren und Referenten

 

Video: Heidelberger Druckmaschinen AG/HDU


Alle Charts zum Vortrag von Andreas Weber via SlideShare.net

 

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ThinkPaper TagDerDruckkunst 15032019.001

 

Von Prof. Dr. Gerhard Kilger, Vorstandsvorsitzender der Internationalen Senefelder-Stiftung

#Think!Paper — Edition 2, Vol. 4

 


Von einigen noch unbemerkt — vor allem in der Print- und Verlagsbranche — aber von vielen engagierten kreative Köpfen getragen, wurde am 15. März 2019 in über 200 Einrichtungen deutschlandweit der ›Tag der Druckkunst‹ begangen. Die Internationale Senefelder Stiftung mit Sitz in Offenbach am Main hatte zu einem besonderen Event eingeladen: Im Druck-Studio der Stiftung führte Prof. Dr. Kilger praktisch vor, wie man künstlerisch mit Steindruck umgehen kann. Über 100 Gäste zeigten sich begeistert. Im nachfolgenden Beitrag, erstmals publiziert als Leitartikel in der Zeitschrift ›kultur politik‹, Ausgabe 1/2019 ›Kulturerbe Druckkunst‹ des BBK Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler e. V., Berlin, erläutert Gerhard Kilger, welchen Wert Druckkunst gestern, heute und morgen darstellt. Und welchen Nutzen Drucktechnik stiftet. Aus meiner Sicht eine Pflichtlektüre für alle, die sich kreativ, künstlerisch und technisch mit Print beschäftigen. — Andreas Weber


»Wer in der Drucktechnik lediglich den Wert der Vervielfältigung sieht, hat die eigentlichen Potentiale nicht wahrgenommen.«

 

Es war im vergangenen Jahr 2018 ein großer Erfolg: Künstlerische Drucktechniken des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks, Durchdrucks und deren Mischformen sind von der Deutschen UNESCO-Kommission in das bundesweite Verzeichnis ›Immaterielles Kulturerbe‹ aufgenommen worden. 

Damit sind die von Generationen über Jahrhunderte überlieferten Techniken nicht nur zu bewahren, sondern auch für zukünftige Generationen zu erhalten. Es war sehr klug, dass die UNESCO – erst seit wenigen Jahren – nicht nur materielles Kulturerbe, sondern kulturelle Formen gelebter Praxis vor dem Vergessen schützen möchte. Denn »Das Wesen der Dinge liegt in ihrem Gebrauch« – um diese wichtige Sichtweise des Philosophen Ludwig Wittgenstein auszudrücken und anzuwenden. 

In der Begründung der Auszeichnung durch die Kommission heißt es deswegen: »Gedruckte Text- und Bildmedien sind fester Bestandteil der europäischen Kultur und Wissenschaftsgesellschaft. Künstler nehmen sich den traditionellen Drucktechniken kreativ an und entwickeln diese weiter (…)«. Gut bekannt sind Johannes Gutenberg und Albrecht Dürer, die am Anfang der damals innovativen Drucktechniken vor über 500 Jahren stehen, ebenso bekannt ist der damalige Einfluss der erstmaligen Vervielfältigung der Bibel auf die Reformation und neuzeitliche Entwicklungen. 

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Drucktechniken für Bildung und Demokratie 

Weniger bekannt ist allerdings das seitdem hoch entwickelte Niveau handwerklicher Praxis, das für die Qualität von Druckerzeugnissen in hohen Auflagen bestimmend war. Das galt nicht nur für Texte, sondern vor allem für Abbildungen, die bis Ende des 18. Jahrhunderts fast ausschließlich durch Holzschnitt, Holz- oder Kupferstich möglich waren. Weniger bekannt ist auch, dass im 19. Jahrhundert durch die Erfindung von Alois Senefelder die Lithographie als Flachdruck die Industrialisierung des Bilderdrucks möglich machte. Neben Bildung und bunter Vielfalt im öffentlichen Raum wären die gesellschaftlichen Entwicklungen zu Demokratie und Sozialstaat nicht denkbar gewesen. Später kamen neuere Verfahren wie Lichtdruck, Durchdruck und Siebdruck dazu. 

Photolithographische Techniken und Flachdruck auf Metallplatten führten im 20. Jahrhundert zum heutigen Offsetdruck, der spätestens seit den 1990er Jahren durch ganz unterschiedliche digitale Techniken ergänzt oder abgelöst wurde. Hinter all diesen professionellen Techniken standen Berufsbilder, für die hohes fachliches Wissen erforderlich war, sowie Menschenschicksale, auf deren Biographien technische Umwälzungen oft dramatischen Einfluss hatten. Heute sind traditionelle Kenntnisse der Drucktechnik industriell nicht mehr anwendbar. 

Allerdings enthält die Auszeichnungsbegründung durch die Kommission eine wichtige Feststellung: »Künstler nehmen sich den traditionellen Drucktechniken kreativ an und entwickeln diese weiter«. Eine solche Feststellung kommt bei allen anderen Auszeichnungen immateriellen Erbes nicht zu Wort. Im Gegenteil: Während fast alle Kulturgüter mit dem Wegfall ihrer eigentlichen Funktion meist leblos in Museen konserviert oder in laienhafter Liebhaberei künstlich als Folklore entfremdet werden, erleben die traditionellen Drucktechniken in den Künstler-Werkstätten einen lebendigen Umgang und eine kreative Weiterentwicklung auf vielerorts ganz unterschiedliche Art und Weise. 

Natürlich sind das ursprüngliche Fachwissen und die industrielle Berufserfahrung von professionellen Drucktechniken bei heutigen und zukünftigen Künstlerinnen und Künstlern nicht mehr zu erreichen – deren praktische Kenntnisse entsprechen eher denen von versierten Sportseglern, die heute auch keinen historischen Viermaster steuern könnten – aber sie haben hohe Kenntnis von diesen Techniken, obwohl ihr beruflicher Alltag ganz andere Absichten und Gewohnheiten verfolgt, als dies traditionell nötig war. 


Impressionen vom Tag der Druckkunst im Druck-Studio der Internationalen Senefelder Stiftung in Offenbach am Main. Fotos/Video: Andreas Weber

 


Von Hand geschaffene Originale 

Warum haben sich viele Künstlerinnen und Künstler diese aufwändigen Praktiken und das Wissen erworben, und welcher Wert wird darin von diesen gesehen? Worin unterscheidet sich ein von Künstlerhand gedrucktes Erzeugnis von üblichen Druckerzeugnissen? Welche Bedeutung haben zukünftig die traditionellen Drucktechniken für Kunst und Kultur? 

In der Bildenden Kunst gilt, was ebenso für Musiker ganz offensichtlich ist: Jedes Instrument hat seinen Klang, seine unverwechselbare Ausdrucksform. Gerade Drucktechniken haben ihre werkspezifischen Charaktere, die mit anderen Techniken nicht zu schaffen sind. Zudem können durch Variation und Experiment bei Drucktechniken unzählige »Klänge« erzeugt werden, die für neue Kompositionen beste Voraussetzungen bieten. Ebenso wie mit Klängen kann unbegrenztes und überraschendes Neuland durch Experimente gefunden werden. 

Wer in der Drucktechnik lediglich den Wert der Vervielfältigung sieht, hat die eigentlichen Potentiale von Radierung, Holzschnitt, Lithographie, Siebdruck und allen Mischformen nicht wahrgenommen. Längst hat ein künstlerischer Druck nicht mehr den Wert in hoher Auflage, jeder Abzug hat heute die Qualität eines von Hand geschaffenen Originals. Meist machen deswegen Künstlerinnen und Künstler keine hohen Auflagen, sondern beschäftigen sich lieber mit dem Schaffensprozess des Druckträgers als mit dem – demgegenüber monotonen – Drucken einer hohen Auflage. 

 

 

Lebendige Weiterentwicklung überlieferter Kenntnisse 

Natürlich sind auch dafür sowohl die Einrichtung und der Betrieb einer historischen Werkstatt, als auch eine hohe Kenntnis von Material und Prozess notwendig. Diese ist heute sogar noch anspruchsvoller als damals, weil nun die Vollzüge ganzheitlich angelegt werden müssen: Gab es früher noch die Arbeitsteilung von Druckvorlagenherstellung, Andruck und Fortdruck, so muss man dies heute selbst beherrschen; wurden früher die Materialien aus dem Handel bezogen, so gilt es nun, nach alten Rezepten oder aus fernen Landen das notwendige Material zu beschaffen oder sogar selbst zu schaffen. Weil darüber hinaus in früheren Zünften die beruflichen Kenntnisse überwiegend als Geheimwissen betrachtet wurden, wurden schon seit Jahren die letzten Profis von künstlerischen Fachleuten noch zu Lebzeiten ausgefragt oder es mussten bestimmte Techniken durch Experimente neu entdeckt werden. 

Heute kann man das Kulturerbe der Drucktechniken in den Händen von Künstlerinnen und Künstlern als qualitativ hohe Praxis bezeichnen, welche die historischen Techniken zwar nicht identisch reproduzieren, jedoch als lebendige Weiterentwicklung aus den überlieferten Kenntnissen alte und neue Formen der Drucktechniken lebendig werden lassen. 

Aufgaben der Museen 

Auch in einigen wenigen Museen leben diese handwerklichen Techniken weiter. Vor allem dort, wo nicht nur nach sammlungsorientierten Konzeptionen museale Gegenstände in Vitrinen präsentiert werden, sondern Kontexte für zugehörige Arbeitsvollzüge und Lebensgewohnheiten geschaffen werden. Auch dort werden Vorführungen oft von Künstlerinnen oder Künstlern gemacht, weil es für die Museen nicht einfach ist, das zugehörige Personal dafür zu schulen. Langfristig wird es für die Museen zur Aufgabe, das Immaterielle Kulturerbe neben dem Aufbau und der Pflege von Sammlungen zu bewahren. 

Dabei werden sie sowohl das Weiterleben der experimentellen Drucktechniken dokumentieren als auch die besten Ergebnisse künstlerischer Arbeiten in ihre Sammlungen übernehmen. Hier ist auch einer der Gründe dafür ersichtlich, warum die Beantragung der Anerkennung der künstlerischen Drucktechniken als Immaterielles Kulturerbe gemeinsam vom BBK-Bundesverband und dem Museum für Druckkunst Leipzig erfolgt ist. 

Nachdem es für die künstlerischen Drucktechniken in den letzten Jahren sowohl durch meist ungenügende Wertschätzung bei Ausbildungsgängen in den Hochschulen als auch bei der Haltung von Kuratoren, Sammlern und Händlern manche Enttäuschung gab und darüber hinaus die künstlerische Auseinandersetzung mit digitalen Medien die Sicht auf »alte Techniken« verstellt hat, ist nun zu erwarten, dass die Wahrnehmung für den echten Stellenwert dieser Kunstform wieder zunimmt. 

 


 

Zur Person

 

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Prof. Dr. Gerhard Kilger ist Museums-Fachmann, Physiker, freier Künstler und Dozent für Lithographie. Er war Gründungsdirektor der »DASA – Arbeitswelt Ausstellung« in Dortmund und ist Vorstandsvorsitzender der Internationalen Senefelder Stiftung mit Sitz in Offenbach am Main. www.senefelderstiftung.de 


Zur Internationalen Senefelder Stiftung

»Die ISS macht durch die Verbindung von Tradition und Moderne den Wert von Print als unverzichtbarer Kulturtechnik anschaulich. Und zeigt auf, wie sich die kreative Techniknutzung durch künstlerisches Schaffen im Digitalzeitalter verankern lässt.« 

Zur Erinnerung: Der Erfinder Alois Senefelder hat um das Jahr 1800 mit dem chemischen Druck vom Stein und von Metallplatten die Print-Branche in ein neues Zeitalter geführt. Noch heute profitieren wir davon, nicht nur bei der Drucktechnik, sondern sogar in der Halbleiter-Technologie. Zugleich wurde der Steindruck zum einzigartigen künstlerischen Medium mit anhaltend weltweiter Bedeutung.

Die ISS verfügt über einen hochkarätig besetzten Beirat (Vorsitz: Gert Kaiser) und seit 1. Januar 2019 über ein neues Vorstandsteam mit Prof. Dr. Gerhard Kilger (Vorsitz), Dr. Volker Dorsch (stv. Vorsitz), Hans-Jörg André, Eckhard Gehrmann, Andreas Weber und Dr. Ralph Philipp Ziegler.

Die ›Freunde und Förderer der Internationalen Senefelder Stiftung e.V.‹ (FISS) sind mit Wirkung vom 7. November 2017 ein im Vereinsregister eingetragener, gemeinnütziger Verein (VR 5784). 

Somit bestehen für Einzelpersonen wie auch für Firmen individuelle Möglichkeiten zur Mitgliedschaft und Förderung der Internationalen Senefelder Stiftung.

Kontakt:

Dr. Volker Dorsch, Mitglied im Vorstand und Leiter der ISS- und FISS-Geschäftsstelle im Bernardbau
Herrnstr. 61 | 63065 Offenbach am Main

T: 069-98340506
F: 069-98340507
W:www.senefelderstiftung.de
E: info@senefelderstiftung.com

 

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#ThinkPaper Morten via INKISH.001

 

By Morten B. Reitoft, Editor/CEO INKISH, TV for- and about the printing industry, based in Roskilde, Zealand/Denmark

(The story was originally posted on LinkedIn, 5. March 2019)

#Think!Paper — Edition 2, Vol. 3 

Do you know the feeling of anti-climax? You have been busy for many days, maybe even been traveling, perhaps yet met a lot of people and, then you are back in your office, and things are quiet. Perhaps not more quiet than usual, but the contrast is what makes the anti-climax. This is how I am right now.

Last week I was at the Hunkeler Innovationdays #HID19 in Lucerne, Switzerland and it was actually one of the events I really anticipated to visit. Many friends, many business partners, potential business partners, and well – equipment that whatever you look at it as amazing. When you look at the digital printers, they are pretty amazing. The quality, the speed, the size, the – well – everything is just amazing. However, the binding is actually to some extent more amazing. You feed a roll in one end, and you see finished applications coming out in the other end. Books, statements, magazines, you name it, and I can’t help thinking about the amazing world what we live in. Technology keeps bringing us new amazing options, but most people in the printing industry don’t even know. The requirements for the vendors must be quite stressful from time to time. How do you keep innovating and how do you keep bringing new technology to the market when even the last great invention hasn’t sold in quantity expected?

At Hunkeler Innovationdays I spoke to CEO Michel Hunkeler and he kind of said (listen for yourself when we publish the interview) that Inkjet printers didn’t sell as fast as anticipated. It’s not cheap to develop machines like that and to be profitable, volume to some extent is required, or the price will be too high. Partnerships are seen as never before. Today we see technology from one vendor build into technology from another vendor. Some even re-brand products to get a wider distribution and who knows maybe shared development- and marketing cost. Two fresh examples are Ricoh/FujiFilm/Heidelberg or what about Argos/Plockmatic and then Hunkeler who build the amazing equipment that interfaces with practically every major supplier of inline or nearline binding equipment.

Houston we have got a problem. We – as an industry – continues to focus on effectiveness, lower cost and unfortunately don’t focus a lot on how to grow our industry. I have said this numerous times, and of course, my voice is a beep in the bigger world – but friends we have to do something.

 

Events #HID19

#HID19 was a big success according to all those exhibitors. Indeed, it was very well organized and highly informative. 

 

Where does it start? It starts with having a focus on growth rather than price – maybe not so much from the vendor side, but your hard work making machines better, faster, and more efficient drive the price development in the wrong direction. Your customers need to learn how to focus on growth – not just from a company perspective but an industry perspective. Some marketing people don’t know what we are capable of. Some people believe that print is old-fashion. Some people don’t see the value in push media and printed communication. Some of your customers don’t even know the basic skills when it comes to selling applications and solutions on anything but price?

I think we as an industry should figure out what to do. 

Many people in the industry actually do something about this – but all are small voices in a big world, and you should support these people. If you can make the industry grow your customers will increase revenue and profit, and they will be able to invest in your equipment – it’s that simple!

A few mentions! Deborah Corn and her Project Peacock educate the designers and print buyers. Matthew Parker teaches printers to sell not on price. Pat McGrew educate the market with her Print Sample TV. TwoSides about the environmental issues – and many more people – not to forget mentioning INKISH of course. We all work to make the printing industry better, more profitable, growing and exciting in the future as well – but vendors should financially support the future of the industry – and if you don’t want to encourage any existing channels just for the sake of marketing – find your projects that can support the industry you are part of and invest. The ROI in my opinion is higher and the impact on everybody is considerable. I personally buy magazines for more than $100 a month, I buy books frequently – if we all buy more print applications we support our industry and why shouldn’t we?

And then – After the Hunkeler Innovationdays I checked out some of the vendor’s websites – my god. Take a look at your own site and tell yourself that it does a good job – if you think so, fine – if not – do something about it. INKISH is about storytelling but to see websites in 2019 that still only focus on products – not even tell stories from users or inspire potential customers – my goodness – you will have a difficult time communicating with the younger generations.

DO something about that as well!

 


 

Response

There was immediately an interesting discussion on LinkedIn after Morton published his story. Here our selection via screenshot.

 

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Morten Photo

About Morten

Morten B. Reitoft is an experienced CEO with a passion for development of ideas and business. His statement: ”I am very creative and very hard working and one of my greatest strength is my ability to encourage people – whether these are customers, employees or business partners.”

Specialties: Creative, competitive, Great interest in both the detail and the overview, very good communication skills, inspiring, fast thinking, internationally oriented, great interest in people, business and processes.

Sign up for our INKISH.TV newsletter: http://eepurl.com/boQR_b

 


 

ThinkPaper Technocracy.001

More about the #Think!Paper project can be found in the ValueBlog.

 


 

ThinkPaper Diskurs.002

Von Andreas Weber, Head of Value

#Think!Paper — Edition 2, Vol. 2

 

„These — Antithese — Diskurs. Eine Debattenkultur muss an die traditionsreiche Kultur des Dialogs und der Dialektik anknüpfen. Nur so wird es möglich, Wissen zu erwerben oder zu überprüfen.“ —Andreas Weber

Meine Erkenntnis nach 45 Jahren Erfahrungen (Achtung: Ich bin noch kein Methusalem, habe aber sehr früh angefangen!): Die Print-Branche hat ein hohes Leidens- und Duldungspotential. Denn: In keiner anderen Branche wird soviel bewegt — ökonomisch-materiell, geistig-kulturell, menschlich-intellektuell und technologisch-innovativ! Und in kaum einer anderer Branche lässt sich man so viel gefallen, ohne zu murren. Da wird seit Aufkommen des World-Wide-Web das Ende von Print zelebriert, ohne dass konzertiert und mit relevanten Fakten überzeugend dagegen argumentiert wird. Da wird gerade in Deutschland, dem Mutterland der Druck-Kunst, das stets wachsende Markt- und Zukunftspotenzial kleingeredet, nur weil Print-Verlage und Druckereibetriebe straucheln, die sich nicht weiterentwickeln wollen oder können.

Fakt ist doch: Keine Branche hat soviel Talent, mit Innovationen umzugehen, wie die Print-Branche. 

Und kaum eine Branche durchläuft in immer kürzeren Zyklen solch durchgreifend strukturelle Veränderungen, die bis dato stets exzellent gemeistert wurde. Buchdruck, chemischer Druck (Flachdruck) und Digitaldruck haben jeder für sich fulminante Änderungen mit sich gebracht. Die Print-Branche ging immer gestärkt aus dem Wandel hervor. Das ist heute so. Und das wird wohl auch so bleiben. 

Auffällig erscheint mir, dass es der Branche trotz ihrer Innovationsfähigkeit nicht gelingt, sich über die Branchengrenzen hinaus Gehör zu verschaffen. Als „Industrie“ ist man extrem kleinteilig organisiert, viele kochen ihr eigenes Süppchen. Wenige blicken über den Tellerrand hinaus. Ein regelrechtes Gräuel sind mir sog. ‚Fachveranstaltungen‘, die angeblich neueste Trends aufzeigen; Events aller Art, die mal hochwertig, mal missraten, in jedem Fall aber immer hinter verschlossenen Türen stattfinden und daher weniger Resonanz finden als möglich wäre. Man bleibt scheinbar nur allzu gerne unter sich! Und schafft es nicht, konzertiert wichtige Botschaften an die Kunden und potentiellen Neukunden zu adressieren. Im Zeitalter der Digitalisierung und Transformation kommt es aber geradezu einem Suizid-Versuch gleich, nicht adäquat, offen und interaktiv zu kommunizieren. 

Andere können’s. Warum im Print kaum einer?

Betrachtet man über Branchengrenzen hinweg, was sich tut und wie sich was tut, wird der Unterschied deutlich: Bahnbrechende Neuentwicklungen wie Smartphone/Mobile, 3D Printing, Blockchain, Augmented Reality usw. haben sich dadurch rasend schnell entwickelt und verbreitet, weil sie smarte, moderne Kommunikationswege für sich nutz(t)en und vom Start weg öffentlich und durchaus kontrovers diskutiert wurden. Getreu dem Motto: Open Innovation meets Open Communication. Es fasziniert zu beobachten, mit welcher fachlichen Kompetenz und Leidenschaft Diskurse über neue digitale Innovationen per Social Media, Blogs und Expertenforen geführt werden. 

Doch: In der Print-Branche ist das leider anders! Diskussionen werden zumeist als Monologe von ‚Insidern‘ und Technik-Experten/-Herstellern dominiert, die wenig oder keine Kritik an ihren Worten und Taten zulassen. Wohl deswegen, weil sie es auch gar nicht gewohnt sind. In Summe könnte man das als eine Form von autokratisch-motivierter Inzucht bezeichnen! Und die tut selten gut.

 


„Mein Tipp: Es lohnt sich mehr denn je in diesen ach so modernen Zeiten, die Kunst der Debatten und Diskurse aus der Antike nachzulesen. Allen voran: Platon, Sokrates und Aristoteles…“


 

Ich wünsche mir daher eine neue Debattenkultur. Es gibt so viel kluge Köpfe im Print-Sektor, und gerade in den Druckereien, die es verdienen würden, Gehör zu finden. Die Apologeten schweigen aber beharrlich und melden sich nicht medial zu Wort… 

Debatten folgen Regeln. Und das ist gut so!

Wenn offen kommuniziert wird, muss man das korrekt machen. Ich selbst wurde gerade heftig in einer Privatnachricht gescholten. Ich sei ‚destruktiv‘ und meine Aussagen qualitätslos, weil ich mich gewagt habe, die Kommunikation der Ergebnisse eines Fachevents gründlich zu begutachten, zu analysieren und in ihrer Aussagekraft ad absurdum zu führen. Zudem wurde mir ganz infames unterstellt; mein Kritiker führte sogar an, er sei von verschiedenen darauf angesprochen worden, ob ich wohl käuflich sei, sprich Dritten gegen Geld Vorteile zu verschaffen. Von wem das gekommen sein soll, wurde nicht genannt… HOPPLA! Das stimmt erstens so nicht und ist zweitens keine gute Art, Debatten zu führen. Kritik muss immer Ross und Reiter benennen und darf nicht mit Gerüchten oder Spekulationen arbeiten. Ansonsten ist das schäbig und als Diffamierung zu bezeichnen.

Übrigens: Die Realität sieht anders und positiv aus. Meine Erfahrungen über meine eigenen Kommunikations-Aktivitäten via ValueBlog und Social-Media belegen eindrucksvoll: Es findet sich ein riesiges Publikum, dass sich für spannende Themen aus der Print-Welt interessiert, wenn sie verständlich und pointiert dargeboten werden. Als Einzelner erreiche ich Experten aus über 150 Ländern der Welt, je nach Thema und Relevanz entstehen hunderttausende Interaktionen in ganz kurzer Zeit.

Netzwerke wie LinkedIn bringen mir seit 16 Monaten 1.000 neue Kontakte pro Monat aus unterschiedlichsten Bereichen! Das erlaubt mir, immer besser zu erfahren, was der Blick über den Tellerrand bringt: Inspiration und neue Erkenntnisse durch aktive Kommunikation. Es lebe die Debatte. Auch wenn es manchmal schmerzt, Kritik zu erfahren. Darüber ins Denken zu geraten, lohnt sich aber allemal.


 

Über Andreas Weber

Andreas Weber begleitet als Wissensarbeiter/Advisor die Kommunikation mit Medien — geprägt durch eine Vorliebe für Print-Innovationen im Digitalzeitalter. 

Bis dato hat er über 500 Innovations-/Transformations-Projekten realisiert, diverse Lehraufträge wahrgenommen (u.a an der School of Visual Arts/NYC, Hochschule Liechtenstein, Hochschule RheinMain) und Vorträge in über 30 Ländern gehalten. 

Sein Blog valuetrendradar.com (ISSN-zertifiziert) inspiriert Entscheider aus mehr als 150 Ländern.

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ThinkPaper Quo Vadis PrintTends.001

Die Druckbranche ist angeblich auf dem Sprung in die Zukunft! Gelingt die Landung?

 

#Think!Paper Edition 2 / Volume 1

Von Andreas Weber, Head of Value, Initiator der Think!Paper-Initiative

Wer sich krampfhaft mit der Zukunft beschäftigt, verliert den Bezug zur Gegenwart!

Prolog

Da kommt vermeintlich Freude auf: „Druck ist die stabilste Währung“, lautet die Erkenntnis vom Print Trend Day 2019, den der Verband Druck & Medientechnik Österreich in Wien organisierte. In bewährter Manier präsentierten Experten Technologie- und Geschäftslösungen von morgen. Die Maßgabe war: Wie macht sich die Druckbranche zukunftsfit? Die Experten sind wie üblich zumeist Vertreter der Lieferindustrie, die auch den Event sponsern. 

Wir lernen: „Die Druckbranche ist [im Schulterschluss von Zulieferern und erfolgreichen Druckereien] bereit für den Sprung in die Zukunft. Die Digitalisierung schafft großartige neue Möglichkeiten, die nun mit vorausschauenden Investitionen und cleverem Marketing ergriffen werden.“

Und auch die „Print Trends zur Zeitenwende“ werden angesprochen: Print-Technologie-Experte Bernd Zipper stellte in Wien klar: „Online, Print, TV, Radio — all das sind Bestandteile des Medienkanons, den wir für unsere Information und Marktwirtschaft dringend benötigen.“

Lichtblick statt nur Ausblick: Heidelbergs Chef Digital Officer Dr. Ulrich Hermann, dynamischer Treiber der digitalen Transformation des Branchenprimus, empfiehlt, sich an den Besten der Branche zu orientieren, um „besser gerüstet für die ständig wachsenden Anforderungen der Kunden“ zu sein. Und er betont: „Print-Medien-Industrie 4.0 bedeutet hochflexible Produktion von individualisierten Druckprojekten, wobei die Druckerei in die digitale Lieferkette des Kunden eingebettet ist“. Das trifft ins Schwarze, kennzeichnet aber die Gegenwart und darf nicht als Zukunftsmusik gedeutet werden.

Gewollt, aber nicht gekonnt?

Warum mäkle ich an einem durchaus ehrenwerten Verbands-Event rum? Nun, er steht symbolisch für eine Vielzahl solcher Events, die mit viel Aufwand für Veranstalter, Redner, Sponsoren und auch fürs Auditorium verbunden sind; und zumeist nicht erfüllen können, was versprochen wird.

Mit Tunnelblick suhlt man sich im eigenen Saft und tauscht sich mit KollegInnen aus, ohne gemeinsam Botschaften zu entwickeln, die Kunden / Nutzer und Prospects von Print-Medien begeistert und ins Gespräch bringen kann. 

Sprich: Es entsteht wenig Nutzen und führt aus meiner Sicht kaum weiter. Denn hinterfragen wir, was eigentlich gemeint sein soll und wie die Gegenwart im Spiegel der sog, Trends aussieht,  kommen wir zu überraschenden Überlegungen, die von Absurdität geprägt sind: 

  • Muss man tatsächlich in die Zukunft ‚springen‘ können oder wollen, zumal diese doch von alleine kommt, selbst wenn man stehen bleibt oder sogar rückwärts läuft?
  • Ist Print tatsächlich eine ‚Währung‘? Wenn ja, was kann man z. B. mit einem exzellent gedrucktem Hochglanz-Prospekt ganz real bezahlen? 
  • Besteht der Medienkanon tatsächlich aus ‚Online, Print, TV und Radio‘? Was ist mit den Boom-Bereichen Blockchain, Streaming, KI, Mobile etc, die bereits im Hier & Jetzt alles auf den Kopf stellen?

Der Schlüssel zum Erfolg: Das Hier & Jetzt begreifen!

Während ich über die digital kolportierten ‚Print Trend Tag 2019’-Resultate sinniere und mich über die Tunnelblick-Mentalität wundere, erfahre ich parallel, was in der Welt tatsächlich wichtiges passiert. Zum Beispiel, dass Amazon quasi aus dem Stand heraus nach Google und Facebook die Nummer 3 im Werbemarkt geworden ist. Mit über 10 Milliarden US-Dollar Umsatz in 2018 und einer gigantischen Wachstumskurve. Das ist fast schon soviel, wie die OTTO Group, die gerade den gedruckten Hauptkatalog beerdigt hat, jährlich an Konzernumsatz erwirtschaften kann. Und weitaus mehr, als die auch international ambitionierten deutschen Großverlage Werbeeinnahmen generieren. So traurig das klingen mag: Print spielt bei dieser Art des profitablen und hochwirksamen Werbegeschäfts keine Rolle.

Ich erfahre auch, dass ein Bollwerk deutscher Finanzkunst wie die Deutsche Bank taumelt und im internationalen Vergleich zum Winzling geworden ist. Im Gegensatz zu N26, einem neuen FinTech-Unternehmen, das Geldgeber begeistert und schon einen Marktwert im mittleren Milliarden-Euro-Bereich verzeichnet. Das meint: Nutzenstiftende Innovation schlägt Tradition. 

Und fast noch spannender erscheint: Ich lerne als neuer Autor und Experte der europaweiten „MoreThanDigital“-Initiative von Benjamin Talin, Zürich, das sich die wissensdurstige Klientel — kleinere und mittlere Unternehmen aller Art, die an Transformation interessiert sind — bis dato mit allem auseinandersetzt, nur nicht mir Print! — Nun, das kann man ‚Zeitenwende‘ nennen, oder?

Meine Empfehlung

Wir sollten uns aktiver, cleverer und ehrlicher mit der Gegenwart auseinandersetzen, die immer Klärwerk und Katalysator für die Zukunft ist. Um die Gegenwart zu begreifen, gehört nämlich, die Vergangenheit richtig einschätzen zu können, um daraus Erkenntnisse für das hier und jetzt zu gewinnen. Damit tut man sich, warum auch immer, in der Print-Branche verdammt schwer. Und über den Tellerrand zu blicken, kann nicht schaden. Aber bitte nicht in der o. g. Form, die Trends verspricht und bisweilen wohlklingend Absurdes liefert.

Mein Resümee

Wer sich krampfhaft mit der Zukunft beschäftigt, verliert den Bezug zur Gegenwart! — Nichts für ungut, sich wie in Wien und anderswo unter Kollegen zu treffen, mag hilfreich sein, ist aber aus meiner Sicht in der geschilderten Form keinesfalls zielführend, um akute Probleme der Gegenwart zu lösen. Ebensowenig wie Zukunftsprognosen, die an anderer Stelle der VDMA als einer der Träger der #drupa2020 Ende des Jahres 2018 publizierte — sinngemäß: auch im Jahr 2040 wird noch gedruckt (!). Das sind für mich wie vieles andere im allzu wirren Trend-Geschehen nichts als teuer erkaufte Nebelkerzen.

Apropos drupa: Irre ich mich oder ist es so still wie nie zuvor um die globale Leitmesse der Print-Medien-Industrie geworden, die doch schon nächstes Jahr stattfinden soll? Schaun wir mal.

Vorher können wir uns bei dem für mich im Jahr 2019 wichtigsten internationalen Event, dem 7. Online Print Symposium (#OPS2019) Anfang April in München, selbst ein Bild machen, ob und welche Trends wirklich relevant ins Feld geführt werden. Und wie sich die Resonanz nach außen entwickelt.


 

Tipp zum Schnuppern

Die Plattform MoreThanDigital zeigt ganz hervorragend, wie man den Wissenstransfer und das Netzwerken rund um Innovation und Transformation im Digitalzeitalter erfolgreich gestaltet. Uns allen aus der Print-Branche ist das Anschauen&Mitmachen sehr zu empfehlen. Die Subskription des Newsletters ist kostenfrei möglich. Die Inhalte sind in deutsch und englisch gefasst.

 

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Über den Autor

Andreas Weber begleitet als Wissensarbeiter/Advisor die Kommunikation mit Medien — geprägt durch eine Vorliebe für Print-Innovationen im Digitalzeitalter. Bis dato hat er über 500 Innovations-/Transformations-Projekten realisiert, diverse Lehraufträge wahrgenommen (u.a an der School of Visual Arts/NYC, Hochschule Liechtenstein, Hochschule RheinMain) und Vorträge in über 30 Ländern gehalten. Sein Blog valuetrendradar.com (ISSN-zertifiziert) inspiriert Entscheider aus mehr als 150 Ländern.

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ThinkPaper Technocracy.001

By Andreas Weber, Head of Value, initiator of #Think!Paper | German Version

#Think!Paper Edition 1, Volume 8

If we are to overcome the paradox that has plagued the print media industry worldwide since the ’90s – having the best technologies but being confounded by frustration, stagnation and dwindling sales and suffering bankruptcies, misfortune and glitches – we need to stop believing that technology is the panacea.

Why?

“Buy my new technology and everything will be fine” – sounds great, but really it’s terrible advice. Think back to the brightest and best in the history of printing – such as the inventor Alois Senefelder, the typesetting technician Ottmar Mergenthaler, the grandfather of type and calligraphy Prof. Hermann Zapf (who is said to have inspired Steve Jobs), not to mention John Warnock and Charles Geschke who invented PostScript and founded Adobe. Three things stand out:

  1. Technology is ‘only’ ever a means to an end, serving to realize the higher ideal of enhancing our ability to communicate with one another.
  2. Technological innovation is important if we are to drive progress. However, changes for the better can only be achieved if new technological opportunities are utilized in an appropriate and creative way.
  3. Whether new ‘printing technology’ can evolve into beneficial and effective ‘printing art’ depends primarily on adopting a creative approach to shaping media-based communication and business scenarios.

Anyone who fails to take this on board as the ticket to escaping the dictatorship of technocracy is sure to fall into a nasty trap. They will be doing themselves more harm than good by pursuing completely nonsensical ideas. After all, messages like “the best of both worlds – digital printing is as good as offset” or “our new inkjet printer gives you a new business model at the same time” are no use to anybody – neither the customers ordering print products, nor the companies that produce them.

My message

“Let’s put an end to technocracy. Let’s go back to treating print with the respect it deserves, as the most beneficial form of communication in human history!” – Indeed, the end of technocracy heralds the start of success!

My call and the basic premise of #Think!Paper — The Beauty of Print&Transformation: We have to start using technoLOGY technoLOGICALLY again.

 

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More about the #Think!Paper project can be found in the ValueBlog.

 


 

ThinkPaper Technokratie.001.jpeg

Von Andreas Weber, Head of Value, Initiator von #Think!Paper | English Version

 

#Think!Paper Edition 1, Volume 8

Um das Paradoxon aufzulösen, dass die globale Print-Branche seit den 1990er Jahren lähmt— beste Technologien und trotz allem Frustration, Stagnation, Umsatzrückgänge bis hin zu Pleiten, Pech und Pannen — müssen wir uns von der Technikgläubigkeit als Heilsbringer verabschieden.

Warum?

„Kauf meine neue Technik und alles wird gut“, das ist ein gut klingender, aber letztlich fataler Ratschlag. Betrachtet man bedeutende Persönlichkeiten der Print-Historie, wie z. B. der Erfinder Alois Senefelder, der Satzsystemtechniker Ottmar Mergenthaler, der Typo- und Kalligrafie-Übervater Prof. Hermann Zapf (der sogar Steve Jobs inspirierte) oder die PostScript-Erfinder und Adobe-Gründer John Warnock und Charles Geschke, dann stellt man fest:

  1. Technik ist immer ‚nur’ Mittel zum Zweck und dient dazu, eine übergeordnete Idee zu verwirklichen, die den Menschen hilft, ihre Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.
  2. Technik-Innovation ist wichtig, um das Bestehende zu optimieren. Veränderungen zum Guten können aber erst entstehen, wenn neue technische Möglichkeiten adäquat und kreativ umgesetzt werden.
  3. Dass aus neuer ‚Druck-Technik‘ auch gedeihliche und wirksame ‚Druck-Kunst‘ werden kann, liegt v. a. an der kreativen Gestaltung von medialen Kommunikations-Szenarien.

Wer dies nicht beherzigt, um dem Diktat der Technokratie zu entrinnen, tappt in eine böse Falle. Und schneidet sich mit Nonsens-Denken ins eigene Fleisch. Denn Botschaften wie „Das Beste aus zwei Welten — Digitaldruck ist so gut wie Offsetdruck“ oder „Unsere neue Inkjet-Druckmaschine liefert Ihnen ein sogleich neues Geschäftsmodell mit“ nutzen niemandem, weder den Drucksachen-Bestellern noch den Drucksachen-Herstellern!

Meine Botschaft

„Beenden wir die Technokratie. Kehren wir zum werthaltigen Umgang mit Print als gedeihlichstem Kommunikationsmittel der Menschheitsgeschichte zurück!“ — Denn das Ende der Technokratie ist der Beginn des Erfolgs!

Mein Appell und die Grundlage von #Think!Paper — The Beauty of Print&Transformation: TechnoLOGIE muss wieder technoLOGISCH sinnvoll genutzt werden.

 

Weiteres zum #Think!Paper-Projekt findet sich im ValueBlog.

 


 

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Meilenstein für Print: Festliche Eröffnung durch Ministerpräsident Winfried Kretschmann des neuen Innovationszentrum von Heidelberger Druckmaschinen. Echtzeit-Prints dürfen nicht fehlen.—  Foto: Heidelberg

Von Andreas Weber, Head of Value

Ob Fluch oder Segen — ‚Digitale Transformation‘ gestaltet sich in jedem Fall hochkomplex, erscheint abstrakt und ist für die meisten schwer fassbar. Aber ab jetzt ist das anders: Der Print-Technik-Primus Heidelberger Druckmaschinen AG hat in der ehemaligen Produktionshalle 10 auf dem Werksgelände in Wiesloch sein neues  ‚Innovationszentrum‘ (kurz: IVZ) als Ideenschmiede Plattform für Innovation und Transformation eingerichtet, das sich organisch wie eine kleine Stadt strukturiert und auf Kommunikation, Interaktion und Kreativität ausgelegt ist. Damit wird in bisher nicht dagelegener Dimension anschaulich, wie Transformation im Digitalzeitalter funktionieren muss: arbeitsteilig-kooperativ, kreativ-forschend, erfinderisch, vernetzt, transparent und nutzbringend für alle — Heidelberg, seine Kunden und Partner.

 


Make Germany Great Again! 

Branchenprimus Heidelberger Druckmaschinen schickt sich am Standort Wiesloch an, mit seinem neuen Innovationszentrum #IVZ als globale Ideenschmiede und interaktives Kompetenzzentrum für Print-Innovation und -Transformation der wichtigste Impulsgeber und Garant für die Zukunftsfähigkeit der Branche zu sein. Damit kann Deutschland seine Innovationsführerschaft im Print weiter ausbauen. — Andreas Weber


 

Feierliche Eröffnung durch Winfried Kretschmann

„Heidelberger Druckmaschinen AG übernimmt eine Vorbildfunktion für Fortschritt im Digitalzeitalter“, urteilt entsprechend Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Und führt weiter aus: „Mit seinem Innovationszentrum zeigt die Heidelberg, wie ein Unternehmen die Zeichen der Zeit zu seiner Zukunft machen kann.“

Heidelberg hat laut Kretschmann in seiner Unternehmensgeschichte stets traditionsreiche Ingenieurs-Kultur mit innovativen Technologien verbunden. Nicht zuletzt dieser Verzahnung sei es zu verdanken, dass in Wiesloch die weltweit modernste Forschungsstätte für die Druckindustrie eröffnen werden konnte.

Und Kretschmann führt weiter aus: „Gerade die Digitalisierung erfordert ganz neue Formen der Zusammenarbeit. Mit ihrem Innovationszentrum reagiert die Heidelberger Druckmaschinen AG auf die Herausforderungen des Transformationsprozesses, der gegenwärtig in allen Bereichen stattfindet.“ In Baden-Württemberg, wo Spitzentechnologie, Präzision und absolute Verlässlichkeit Teil der Geschichte und Kultur sind, hat laut Kretschmann Heidelberg mit seinem IVZ eine Leuchtturm-Funktion inne, um den Weg zu zeigen, wie der digitale Wandel gelingen kann. „Durch die konsequente Vernetzung von Arbeitsebenen setzt das IVZ neue Maßstäbe von Kommunikation und Agilität“, lautet das Resümee des Ministerpräsidenten.

 



 

 

#IVZ — eine Herzensangelegenheit mit strategisch weitreichender Bedeutung

„Die Stärke des deutschen Maschinenbaus wird weltweit hoch geschätzt und in diesem Bereich sind wir nach wie vor die Nummer eins“, stellt Rainer Hundsdörfer, Vorstandsvorsitzender von Heidelberg, vor 200 geladenen Gästen bei der Eröffnungsfeier fest. „Mit unserer neuen Ideenschmiede wollen wir dafür sorgen, dass wir in Zukunft unsere Technologieführerschaft auch im Bereich der Digitalisierung der Printmedien-Industrie weiter ausbauen.“ 

Hundsdörfer hatte bei Amtsantritt im November 2016 das Innovationszentrum sogleich projektiert und zur Chefsache gemacht. Mit der Zielsetzung, den Innovations-orientierten Mitarbeitern eine neue Arbeitswelt zu bieten und den gesamten Entwicklungsprozess unter einem Dach und in direkter Nachbarschaft zur Produktion zusammenzufassen.

 



 

Mit dem neuen Innovationszentrum beginnt auch für die Mitarbeiter ein neues Zeitalter bei der Gestaltung ihrer Arbeitswelt“ so Hundsdörfer weiter. Modernste innovative Techniken kämen zum Einsatz, Teamarbeit und Kommunikation, Arbeiten an unterschiedlichen Orten und eine Kombination aus privatem Arbeitsplatz und Kommunikationszonen sollen für eine kreative, angenehme Atmosphäre sorgen. 

 


Infobox 

Global einzigartige Entwicklungsumgebung

Der Umbau einer ehemaligen Produktionshalle mit rund 500 Mitarbeitern in ein Innovationzentrum für über 1.000 Personen ist global einmalig. Auf insgesamt rund 40.000 m² Bruttofläche sind am Standort Wiesloch-Walldorf jetzt rund 26.000 m² modernste Bürofläche und ca. 14.000 m² Fläche für Labore und den Versuch entstanden. Die Bürofläche besteht aus 13 Quartieren für jeweils 80 Mitarbeiter, für die 43 Labore stehen allein ca. 3700 m² Fläche zur Verfügung. 


„Das neue Innovationszentrum ist eine auf Kommunikation und Transparenz beruhende Innovationsplattform und damit Schlüssel und Symbol für den kulturellen Wandel bei Heidelberg“, erläutert Stephan Plenz, Vorstand Heidelberg Technology.  

„Die Digitalisierung der grafischen Industrie schreitet rasant vorwärts und mit unserem strategischen Motto ‚Heidelberg goes Digital‘ treiben wir diesen Prozess aktiv voran. Unser neues Innovationzentrum spielt daher gleich mehrfach eine Schlüsselrolle in der Zukunftssicherung von Heidelberg und der Branche“, so  Stephan Plenz, Vorstand Heidelberg Digital Technology. 

Mit der einzigartigen Kompetenz seiner rund 1.000 hochqualifizierten Fachkräfte baue Heidelberg seine Technologieführerschaft weiter aus. Zudem könne die digitale Transformation in der ganzen Branche beschleunigt werden. Die Nähe des IVZ zur Produktion fördere gleichzeitig den agilen und bereichsübergreifenden Entwicklungsprozess. 

Plenz zieht als Fazit: „Das neue Innovationszentrum ist das Herz unseres Unternehmens und des künftigen High-Tech Campus, zu dem wir unseren Standort Wiesloch-Walldorf Schritt für Schritt ausbauen.“

 



Entwicklungsprojekte treiben den digitalen Wandel der Branche voran

„Bei unseren Kunden dreht sich alles um das Thema Digitalisierung“, stellt Frank Kropp, Leiter Forschung & Entwicklung bei Heidelberg, fest. „Das gilt zunehmend für die Möglichkeiten, individuelle Digitaldruckanwendungen in den drei klassischen Bereichen Akzidenz-, Verpackungs- und Etikettendruck industriell und damit kostenoptimal zu produzieren.“ 

Vor allem im Hinblick auf die Digitalisierung aller wertschöpfenden Prozesse gelte es, neue Geschäftsmodelle und eine höhere Gesamteffizienz für den Erhalt und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit zu ermöglichen. Kropp: „In unserem Innovationszentrum entstehen die genau passenden Lösungen für diese Herausforderungen – eben getreu nach dem Motto ‚Open for Innovation‘.“

 



 

Maßgabe sei es, der Veränderungsdynamik in einer zunehmend digitalisierten Welt gerecht zu werden: „Daher setzt Heidelberg verstärkt auf agile Arbeitsmethoden, wie z. B. Scrum. So kann die Entwicklung schnell und flexibel auf zunehmende und wechselnde Anforderungen der digitalen Welt reagieren und neue Markterkenntnisse rechtzeitig in den Entwicklungsprozess einfließen lassen. Produkte gelangen schneller zur Marktreife und können dann weiter in Zusammenarbeit mit Kunden auf spezifische Marktsegmente optimiert werden“, so Kropp weiter.

Zudem habe Heidelberg den Entwicklungsprozess auf Offenheit angelegt. So können Kunden, Lieferanten, Partnerunternehmen und auch Mitarbeiter jederzeit bei Bedarf in den Prozess integriert werden. Dies diene ebenfalls der Effizienz – im Hinblick auf die Kosten- und der Effektivität – im Hinblick auf den Kundennutzen.

Kropp zieht als Resümee: „Mit der Eröffnung des Innovationszentrums unter dem Motto ‚Open for Innovation‘ bricht also für uns eine neue, zukunftsweisende Ära an: Von der Idee und Patentierung über die Bildung eines digitalen Zwillings bis hin zur Qualifizierung von Einzelkomponenten und des Gesamtprodukts befindet sich der gesamte Entwicklungsprozess in dem Gebäude.“

 


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Impressionen von der festlichen Eröffnung des IVZ am 13. Dezember 2018 im Beisein von über 200 exklusiv geladenen Gästen. Fotos. Heidelberg.


 

Europäisches Entwicklungsnetzwerk mit einzigartiger Branchenexpertise

Das neue IVZ ist die Zentrale eines europäischen Entwicklungsnetzwerks, das Heidelberg mit weiteren Standorten in Kiel, Ludwigsburg, Weiden und St. Gallen (Schweiz) betreibt. Die über 1.000 Entwicklerinnen und Entwickler arbeiten im gesamten Netzwerk in den Bereichen Drucktechnologie, inklusive Druckvorstufe und Weiterverarbeitung, Steuerungen, Antriebssysteme und Software, inklusive Bedienoberflächen sowie Verbrauchsmaterialien mit Schwerpunkt in der Tintenentwicklung für den Digitaldruck. 

Weit über zwei Drittel von ihnen haben einen Hochschulabschluss oder sind promoviert. Sie verfügen neben dem klassischen Maschinenbau über Schlüsselkompetenzen in den Themen Digitalisierung und Bildverarbeitung, Elektronik- und Softwareentwicklung sowie Verfahrenstechnik und Chemie.

Darüber hinaus arbeiten verschiedene Entwicklungsteams an der Digitalisierung aller Prozesse in Druckereien, dem sogenannten Smart Print Shop, und dem weiteren Ausbau digitaler Geschäftsmodelle, wie z.B. ‚Heidelberg Subscription‘, bei denen Kunden verstärkt für den Nutzen, den ihnen ein System verschafft, bezahlen. Dabei kann die Entwicklung aus dem größten Datenschatz der Branche schöpfen, den Heidelberg seit über einem Jahrzehnt über die mit dem Unternehmen vernetzten Kundensysteme generiert.

 


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Ansichten vom Innenleben des IVZ, das sich an der organischen Struktur einer kleiner Stadt orientiert und rund 1.000 Mitarbeitern neue Formen der Arbeit und Zusammenarbeit bietet, — Fotos: Heidelberg


 

Das Gebäudekonzept zielt darauf ab, die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern bzw. die Teamarbeit so einfach wie möglich zu machen. So gibt es neben persönlichen Arbeitsplätzen nicht fest zugeordnete Büroumgebungen sowie aufgelockerte Sitzmöglichkeiten und sogar Arbeitsmöglichkeiten im Freien zur Förderung der Teamarbeit. Interaktive Monitore ermöglichen digitale Reviews. Ein Bistro und verschiedene Pausenzonen und Kaffeeküchen stehen sowohl den Mitarbeitern als auch Gästen zur Verfügung. Zugleich gibt es zahlreiche Rückzugszonen für ruhiges und ungestörtes Arbeiten.

 


 

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Key facts zum IVZ am Heidelberg-Standort Wiesloch

  • Modernstes Entwicklungszentrum der Branche nimmt am Standort Wiesloch-Walldorf den Betrieb auf
  • Industrieller Digitaldruck, Smart Print Shop und digitale Geschäftsmodelle im Fokus
  • Offener Entwicklungprozess passt sich dynamisch an Marktanforderungen an
  • Europäisches Entwicklungsnetzwerk mit Standorten in Wiesloch-Walldorf, Kiel, Ludwigsburg, Weiden und St. Gallen verfügt über einzigartige Branchenexpertise

Fakten und Zahlen: Forschung & Entwicklung bei der Heidelberger Druckmaschinen AG

Europäisches Entwicklungsnetzwerk mit Standorten in Wiesloch-Walldorf (Zentrale), Kiel, Ludwigsburg, Weiden, St. Gallen/ Schweiz

– Unternehmensweit 950 Entwickler in den Bereichen:

– Druckvorstufe, Druck und Druckweiterverarbeitung
– Drucktechnologie (Offset, Digital, Flexo)
– Steuerungen, Antriebssysteme, Bedienoberflächen, Workflow und Messsysteme
– Verbrauchsmaterialien (Tinten)

– 68 Prozent davon haben einen Hochschulabschluss oder sind promoviert

– Aufbau von Schlüsselqualifikationen bei:

  • Digitalisierung und Bildverarbeitung
  • Elektronik- und Softwareentwicklung
  • Verfahrenstechnik und Chemie
  • Maschinenbau (Schnittstellen Maschinensteuerung, numerische Simulation)

– 3.800 lebende Patente

– Verschiedene internationale Entwicklungskooperationen, z.B. mit Fujifilm

Kooperationen mit den wichtigsten Hochschulen und Universitäten der Branche

135 Millionen Euro Budget pro Jahr (ca. fünf Prozent vom Umsatz)



Informationen zum Heidelberg Innovationszentrum am Standort Wiesloch-Walldorf

  • Gesamtinvestitionssumme: rund 50 Millionen Euro
  • 1.020 Arbeitsplätze (Entwicklung und angrenzende Fachbereiche, z.B. Service)
  • 40.000 m² Bruttofläche mit Sozialräumen, Fluren, Mauern, Wege
    • 26.000 m² Bürofläche
    • 14.000 m² Fläche für Labore und den Versuch
  • Bürofläche: bestehend aus 13 Quartieren für jeweils 80 Mitarbeiter, 40 x 40 m,
    Höhe 3,5 m, komplett verglast
  • Hallenhöhe 11,5 m
  • 43 Labore mit ca. 3700 m² Fläche
    • Chemielabore: ca. 750 m² im Bereich Tinte und Inkjet
    • Elektronik-, Optik- und Reinraumlabore: ca:250 m²
    • Mechanik- und Elektroniklabore ca. 2700 m²
  • 7.105m² Fenster: 2.453m² Fassadenfenster + 4.423m² Oberlichter + 229m² Dachfenster
  • Erbaut gemäß Energiestandard KfW 70 und daher sehr gut isoliert
  • Jeder Arbeitsplatz mit 2 x 1GB Datenleitung erfordern insgesamt 80 km IT Verkabelung,
  • 750 kW peak Solaranlage auf dem Dach (Einspeisung in das eigene Netz)
  • Der Umzug der Mitarbeiter vom Standort Heidelberg nach Wiesloch-Walldorf mit 8.000 Kartons und 1.500 PCs benötigte 660 LKW-Fahrten

 

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ValueCheck Shakespeare Irrtum Novermber 2018.001

Von Andreas Weber, Head of Value

#Think!Paper Edition 1, Volume 7

Auch mehr als eine Dekade nach dem Aufkommen von Social Media und den damit verbundenen dramatischen Veränderungen in der Kommunikation tut sich insbesondere die Print-Branche schwer mit der neuen Art, Geschäftskommunikation zu betreiben. — Aber: Moderne Zeiten profitieren von Rückbesinnungen. Und da kann ein Topos des Schriftstellers und Vordenkers William Shakespeare hilfreich sein: Im Drama Romeo und Julia spielt der Satz Es war die Nachtigall und nicht die Lerche eine wichtige Rolle. Shakespeare zielt dabei auf den Irrtum bzw. die Verwechslung ab. Und zeigt die fatalen Folgen auf.

Warum ist das wichtig? Nun, die Geschichte der Kommunikation und speziell von Print ist gespickt mit Irrtümern. Das ist gut so, wie der Frankfurter Hirnforscher Henning Beck betont. Denn: Irren ist nützlich. — Allerdings: Fundamental-Irrtümer sind schädlich. Und hier erreichen wir momentan einen heiklen Kulminationspunkt. Dem gehen wir mal auf die Spur!


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Ohne Worte! Und sicher kein Irrtum. Haha!


Fundamental-Irrtum 1: Plattformen werden als Kanäle gesehen

Die meisten reden von neuen oder digitalen Kanälen, gerade so, wie in der alten Welt von TV, Radio oder Zeitungen/Magazinen, die unisono mit Inhalten bespielt werden. Kanäle dienen dazu, unternehmensbezogene Informationen zu pushen und möglichst große Reichweite zu erzeugen.

Erfolgstreiber sind bei Social Media aber ausschließlich Service-orientierte Plattformen wie Facebook, Twitter, Instagram, LinkedIn, Youtube, XING und andere. Ihnen zur Seite stehen ausgefeilte System-Plattformen wie Amazon, Apple/iTunes oder eBay. Hier wird „Interaktion durch Konversation“ in den Mittelpunkt gestellt werden, um sich smart ins Gespräch zu bringen und als attraktiver Partner für Innovation und Transformation zu profilieren. Präzise, für Zielpersonen relevante Botschaften, gute Verschlagwortung und schnelles Feedback erzeugen fokussierte Aufmerksamkeit, Nachfragen und Transaktionen.

Fundamental-Irrtum 2: Meine Inhalte sind für alle(s) gut!

Druckereien wie auch ihre Lieferanten, die noch im Kanal-Denken behaftet sind, gießen ihre Inhalte unverändert über alles aus, was sich ihnen bietet. Es wird dabei zumeist über das informiert, was man tut und kann, aber nicht über das eigentlich wichtige, den Nutzen, der sich im B2B für die Kunden und deren Kunden ergibt, um zukunftssicher Drucksachen im Digitalzeitalter einsetzen zu können.

Hinzu kommt der fast schon hemmungslose Umgang mit Inhalten. Beispiel: All diese Testimonial-infizierten, teuer produzierten Stories und Videos, die zeigen, wie ein Druckmaschinen-kaufender Kunde in großer Bedrängnis war und fast den Zug der Zeit verpasst hätte. Nunmehr, Gott sei Dank, durch Lieferant XYZ die neusten, bahnbrechenden Innovation installieren konnte, um wieder auf der Höhe der Zeit zu sein. — Puh. Mal abgesehen davon, dass ich einer solchen Druckerei nicht zutraue, sich und die Zukunft im Griff zu haben, darf der Lieferant ein solches Video vielleicht noch in Verkaufsmeetings anderen Druckereien zeigen, aber keinesfalls durch YouTube, Facebook oder LinkedIn öffentlich mache, da es bei kundigen Auftraggebern die Druckerei blamiert.

Fundamental-Irrtum 3: Was als neuer Trend propagiert wird, ist längst ein alter Hut.

Man kann gar nicht wissen, was man nicht weiß! Oder? — Wer heute nicht über Social-Media-Plattformen bestens vernetzt ist und hochaktuell sein Wissen anreichert, wird kaum noch nachvollziehen können, was tatsächlich richtig und wichtig ist.

Ein aktuelles Beispiel mit dem Charme des „Gutgemeint ist das Gegenteil von gut!“: Das Print-Fachmagazin Swiss Print+Communication wartet in Ausgabe 10-2018 mit einer kessen Titelstory auf: „Social Media: ein Drucksachengenerator.“ Das ist im Prinzip zutreffend. Aber ohne Neuigkeitswert, da seit längerem bekannt, vor allem im Bereich des Fotodrucks für Postkarten, Poster, Wandtapeten etc. Oder des Bücherdrucks aus Wikipedia oder aus Facebook-/Instagram-Chroniken. (Siehe den Bericht zum Start-up Passbook aus dem Jahr 2016). 


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