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Von Andreas Weber, Head of Sensing

Der wahrhaftige ‚Thought Leader‘ ist nicht der stärkste, reichste, kräftigste. Der, der am lautesten schreit. Es sind die ‚smarten Menschen‘, die die Kunst der ‚Smart Communication‘ verinnerlichten haben. Und die andere mit ihren Botschaften in ihrem tiefsten Inneren berühren können.

Im Beitrag „Print und die Krise (Teil 3): Zuhören, lernen, diskutieren, neu denken und handeln“ habe ich mir über das Wesen von Thought-Leadership Gedanken gemacht. Und am Beispiel von Mark Schaefer gezeigt wie es geht sowie Tipps gegeben. Bleibt nun, anschaulich zu machen, worauf es ankommt.

 

Sorry: Anspruchsvoll. Aber essentiell!

Die für mich zentrale Fragestellung lautet: Wie kommen Botschaften bei uns Menschen an?

Um unsere Kommunikations-Herausforderungen zu bewältigen, empfiehlt sich, dass wir mit den zeitgemäßen Prinzipien der Thought Leadership beschäftigen. Es geht um Wissens-Transfer und bestmögliche Wissens-Aufnahme.

Es gibt eine Reihe neuer Erkenntnisse aus Wissenschaft und Führungspraxis. Das für unseren Kontext sinnvollste habe ich selektiert.

1. Da ist zunächst das Modell ‚Faktoren des Wohlbefinden mit Dimensionen und Einflussfaktoren‘ gemäß dem israelisch-amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky. Er hat das Modell des Kohärenzgefühls entwickelt im Kontext mit der Salutogenese, ein nicht nur in der Medizin probates Rahmenkonzept, das sich auf Faktoren und dynamische Wechselwirkungen bezieht, die zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit führen. 

Denkanstoß: Wer es nicht beachten und beherzigt, stiftet nichts gutes. Die Erkenntnisse nützen im Prinzip jeder Person, die sich der Thought Leadership verpflichtet fühlt.

 



 

2. Der aus Deutschland stammende Wirtschaftswissenschaftler und Forscher am MIT, Dr. Otto Scharmer, wurde vielfach prämiert für seine „Theorie U“, die sich u. a. mit den Bewusstseinsstufen beschäftigt.

Dr. Scharmer unterscheidet drei Stufen:

  • Downloading — passiv (durch Berieselung)
  • Seeing — kognitiv (beginnt mit aktivem Zuhören)
  • Sensing — offen (durch die Empathie)

Denkanstoß: Die beste Form der Kommunikation ist die persönliche, von Mensch zu Mensch, wenn alle drei Bewusstseinsstufen als Ensemble durchlaufen werden; und das, was unter Punkt 3. aufgeführt ist, erfüllt wird. Unsere Herausforderung in Zeiten der physischen Distanz und Kontaktverbote: digitale Kommunikation muss so nah wie möglich an die personal herankommen.


 

3. Der führende deutsche Neurobiologe und Star-Hirnforscher Dr. Gerald Hüther, Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung, nimmt darauf explizit Bezug:

  • Es geht dabei um das Erspüren und Realisieren von Zukunftsperspektiven durch Innovation.
  • Das A + O: Die Schulung unserer eigenen Aufmerksamkeitsfähigkeit.
  • „Wir müssen die Dinge und v. a. auch uns selbst so mögen wie sie sind. Bedingungslos.“
  • „Theorie U von Otto Scharmer ist auch ein geeigneter Weg, um andere Menschen nicht länger als Objekte zu betrachten und zu behandeln, sondern ihnen von Subjekt zu Subjekt zu begegnen.“
  • Wer sich auf diesen Weg begibt, macht eine neue Erfahrung. Er erlebt zunächst sich selbst wieder als Subjekt (das sich zu öffnen und auf sein Gegenüber zuzugehen vermag). Er macht dabei aber auch die Erfahrung, dass dieses Gegenüber eigene Vorstellungen hat und eigene Ziele verfolgt, also ebenfalls ein Subjekt ist.
  • Und indem sich beide dann auf eine Begegnung in dieser jeweils eigenen Subjekthaftigkeit einlassen, machen sie dann beide die Erfahrung, dass sich aus dieser Begegnung und dem offenen Austausch etwas entwickeln kann, was keiner von beiden vorher für möglich gehalten hätte.
  • Von außen lässt sich so ein Prozess beobachten und beschreiben. Aber das Entscheidende in diesem Prozess spielt sich nicht auf dieser sichtbaren Ebene der Beziehung zwischen zwei Menschen ab. Das Entscheidende vollzieht sich dabei – von außen unsichtbar – im Inneren der beiden Personen. Sie machen beide eine neue Erfahrung, die in ihrem jeweiligen Gehirn verankert wird.
  • Wenn diese Erfahrung intensiv genug ist, verfestigt sie sich als eine neue innere Einstellung und Haltung – sich selbst gegenüber und auch dieser anderen Person gegenüber.
  • Die Herausbildung dieser anderen inneren Einstellung ist für mich das Entscheidende. Wenn sie nicht entsteht, kann jemand endlos üben, was Otto Scharmer beschreibt, er oder sie kann sich anstrengen und sich Mühe geben, so sehr es geht. Eine wirkliche Begegnung wird so nicht zustande kommen.
  • Und umgekehrt wird eine Person, der es auf irgendeine Art und Weise gelungen ist, sich selbst wieder zu mögen und die deshalb keine Angst mehr davor hat, sich gegenüber anderen zu öffnen, eine Subjekt-Subjekt-Beziehung eingehen können, ohne dazu irgendeine Anleitung zu brauchen. Sie wird andere einladen, ermutigen und inspirieren können, weil sie nicht nur sich selbst, sondern auch diese anderen Menschen mag, weil sie es spannend, bereichernd und faszinierend findet, zu entdecken, was in ihnen verborgen ist und darauf wartet, sich entfalten zu können.

Quelle: Gerald Hüther im Gespräch mit Daniel Hunziker, Oktober 2019

 


 

MEIN FAZIT

  1. Thought Leadership ist weder Worthülse noch Modebegriff, sondern entspricht fundamentalen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die sich um Kohärenzgefühl, Aufmerksamkeitsfähigkeit und letzlich das Wohlbefinden ranken.
  2. Thought Leadership fällt nicht vom Himmel. Sie basiert auf allem, was es möglich macht Menschen zu berühren, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen und zu erhalten. Und führt dazu, nicht wie bis dato per Massenkommunikation und Information-Overload zum Objekt zu machen, sondern durch Smart Communication Subjekt-Subjekt-Beziehungen von Mensch zu Mensch zu pflegen.
  3. Thought-Leadership durch smarte Menschen muss sich in der jetzigen heftigen Krise durch die sinnvolle Nutzung von digitalen Kommunikations-Möglichkeiten beweisen: Vom Video-Chat bis hin zu Social-Media-Kommunikation findet per Downloading das Seeing und Sensing statt. Wunderbar.

 


 

TIPP

Ich empfehle als Lektüre ein Video von mir auf YouTube, inkl. einer einfachen Checkliste, um ‚The Beauty of Smart Communication‘ besser zu begreifen: “ValueCheck! How smart communication should be .. (2006-2014)”

 


 

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Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen. — Chinesisch-Niederländische (!) Weisheit

Von Andreas Weber, Head of Humanity

„Jetzt bleiben wir doch mal sachlich…“ — Hört sich gut an. Führt aber zu wenig. Wir brauchen eine ‚Neue Sachlichkeit‘!

Sachlich wäre zu sagen: OK. Wir haben die schwerste Krise unserer Gegenwart. Jetzt müssen wir vor allen Dingen schauen, wie wir da einigermaßen heil wieder rauskommen, um weiter machen zu können wie bisher.

‚Neu-sachlich‘ Agieren heisst: Thought-Leadership („Meinungsführerschaft“) übernehmen und praktizieren. Mit der Ausgangsüberlegung: Wenn uns die Krise so kalt erwischen konnte und es uns ad hoc umhaut, war das, was wir bislang gemacht haben, richtig, weil lebenswichtig und/oder werthaltig?

Momentan ergibt sich bei vielen Unternehmen verständlicherweise ein Bild der Unruhe, Angst, bisweilen Hilflosigkeit. Notfallpläne werden geschmiedet. Getragen von der Hoffnung darauf irgendwie gerettet werden zu können.

Weitermachen wie bisher, ist das ein probates Ziel? Wohl kaum

Durch die Krise entsteht die Katharsis

Keine Frage: COVID-19 fegt über uns hinweg wie ein gigantisches Feuer zur Brandrodung. Zwar brennt uns bildlich gesprochen schon die Hütte, es sieht aber alles noch aus, wie wir es kennen, nur menschenleerer, ruhiger, zu häuslicher Gemeinschaft im engsten Kreis verdonnert. Doch der Schrecken und auch die Existenzangst sitzen tief.

Auswege bieten sich. Der US-Marketing-Vordenker, Keynote Speaker und Bestsellerautor Mark Schaefer wird nicht müde, seine Idee des „Embrace the Chaos“ zu kommunizieren und zu diskutieren. Sogar seit letzter Woche, als er einen COVID-19-Positiv-Test-Bescheid bekam.  Er steht via LinkedIn, Facebook und seinem Blog Rede und Antwort. Mark entwickelt im Gespräch mit hunderten und tausenden in Echtzeit neue Ideen. Und bietet mit kritischer Wachsamkeit kluge Ratschläge. Klug dadurch, dass er zuhören kann, durch Gespräche lernt, Bemerkungen anderer ernst nimmt, durchdenkt, bewertet und mit seinem Wissen abgleicht, um dieses dann anzureichern und mit anderen wiederum zu teilen.

In der Antike nannten das, was Mark Schaefer so leidenschaftlich betreibt,  Philosophen ‚das dialektische Prinzip’. Damals hat ein Autor nicht einfach seinen Inhalt publiziert und dann auf die KPIs geachtet (haha). Sondern er machte im kleinen Kreis mit seinen Peer-Groups Testlesungen. Um konstruktive Kritik zu erfahren, ggf. Änderungen vorzunehmen und so die Publikationsreife zu erlangen. Die Ergebnisse kennen wir: Es gibt zahllose Schriften die uns bis heute erhalten und lesenswert sind. Darauf besucht auch unser humanistisches Weltbild.

Nagelprobe: Schauen wir uns im WWW oder per Social Media Plattformen an, was zur Zeit von Unternehmenslenkern selbst oder im Auftrag publiziert wird, so ließt sich vieles ‚sachlich‘, wie ein Medikamenten-Beipackzettel. Alles und jedes wird OBJEKTIVIERT. Wo ist aber das Herzliche, das für uns Menschen gemachte? Wir als Menschen sind keine Objekte, sondern wir wollen als Subjekte wahrgenommen werden. Ist das nicht so, verfehlt es die Wirkung und kann uns im schlimmsten Fall krank machen.

Das Gegenteil von GUT ist GUTGEMEINT!

Die ‚neue Sachlichkeit‘ per Thought-Leadership stellt vor dem Reden und Handeln das ‚Zuhören können‘ in den Fokus. Um das zu können, muss man einfachste Grundprinzipien verstehen und beherzigen:

  1. Achtsamkeit, Transparenz und kritisches Denken kultivieren.
  2. Plumpes Männer-/Macho-Gehabe sein lassen. Und endlich Frauen als lebenswichtig akzeptieren und nicht weiter klein halten wollen.
  3. Be.More.Human: Wir haben es nicht mit ‚der Mitarbeiterschaft‘, ‚den Kunden‘, den ‚Anlegern/Investoren‘, ‚den Lieferanten‘ usw. zu tun. Sondern immer mit Menschen und Persönlichkeiten.
  4. Beziehungsfähigkeit ausbauen, über persönliche Kontakte, Peer-Groups, bei Kontaktverbot vorzugsweise über Social Media-Plattformen.
  5. Relevante Botschaften finden, die bei Menschen ankommen (können). Stichwort: Smart Communication (siehe LektüreTipp unten!).
  6. Im Idealfall: Knowledge-Worker werden.
  7. Das Prinzip der Hermeneutik verinnerlichen. Es geht immer um die Sinnhaftigkeit unseres Handeln und Tun. Weniger für uns selbst, sondern für uns alle.

Fortsetzung folgt!

PS: In der Zwischenzeit empfehle ich als Lektüre ein Video von mir auf YouTube, inkl. einer einfachen Checkliste, um ‚The Beauty of Smart Communication‘ besser zu begreifen: “ValueCheck! How smart communication should be .. (2006-2014)”

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In Memoriam Hajo Friedrichs. Fotos: Wikipedia

Ein offener Appell von Andreas Weber, Head of Critizism

 

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ — Hanns Joachim „Hajo“ Friedrichs, Nestor des Nachrichtenwesens

Seit über 30 Jahren arbeite ich als Journalist, Publizist und Analyst. Menschen wie Hajo Friedrichs hatten für mich stets Leitfunktion. Auch und gerade als ich vorübergehend Marketing-, Kommunikations- und Managementaufgaben sowie Verleger- und Chefredaktions-Tätigkeiten übernahm.

Als ich nach dem Studium und früher Selbständigkeit mit 28 Jahren meine erste Festanstellung als Fach-Redakteur bei Der Polygraph in Frankfurt am Main — der damals führenden Print-Fachzeitschrift mit der weltweit besten Reputation — antreten durfte, eröffnete sich mir eine wunderbare Welt. Es wurde intensiv der Kontakt zu Lesern gepflegt, tolle Menschen aus Druckereien, der Typografie-Szene und der Zulieferindustrie.

Erst die Freude, dann der Schock!

Umso größer war mein Schock, als ich, der unerfahrene Jungspund, in Vertretung des Chefredakteurs einen Top-Termin wahrnehmen durfte. Geladen hatte ein global führendes Druck-Technologie-Unternehmen zur Inbetriebnahme einer neuen, damals bahnbrechenden Produktionsanlage.

Ich war begeistert. Als wir uns verabschiedeten, sah ich, dass der PR-Chef (in Personalunion auch der Werbeleiter!) allen anwesenden Chefredakteuren ein Kuvert überreichte. Ich bekam auch eines und steckte es erstmal ein, während alle anderen dies wohl gewohnt waren, und gleich die Umschläge öffneten, reinschauten und einsteckten. Erst zuhause sah ich nach. Und bekam Schnappatmung. Im Kuvert lag ein Brief, dessen Inhalt strikt darauf hinwies, dass man sich bei der Fach-Berichterstattung minutiös an den vorgegebenen Pressetext zu halten habe. Und als Anlage gab es einen Barcheck über 500,00 Deutsche Mark.

Ich war so verschreckt, dass ich mich mit einem väterlichen Freund besprechen musste. Der sagte: Ja, so etwas wird gerne gemacht seitens der Industrie. Und ein Barscheck sei smart, um Dinge bestmöglich zu vertuschen. Ich war sprachlos, widerstand aber der Versuchung tapfer.

Kein Tanz ums Goldene Kalb!

Warum schildere ich das? Weil es für mich eine Zäsur darstellte. Ich verliess den Verlag alsbald und wechselte das Lager. In meiner Funktion als Marketing-Kommunikationschef eines global führenden Zulieferers für Druckvorstufen-Technik (ja, das gabs damals!) machte ich alles radikal anders.

Statt „Zuckerbrot und Peitsche“ setzte ich auf offene Kommunikation (ich nahm den Wettbewerb in meinen Presseverteiler auf, damit die armen Kollegen sich nicht hintenrum mühsam und heimlich diese besorgen mussten). Ich scheute keine Debatte und bat als erstes unsere Verkäufer, unsere Kunden und die Fachpressekollegen hemmungslos zu kritisieren, was wir, unsere Firma falsch machen. Ich habe mich vor Ort mit vielen getroffen.

Das war wie ein Dammbruch der Erleichterung. Und brachte uns extrem nach vorne. In kürzester Zeit. Das damals (1989) in Deutschland führende DTP-Magazin widmete uns ein Titelstory mit 10 Seiten Inhalt. Warum? Ich hatte dem Chefredakteur angeboten, zu uns zu kommen, mit der Deutschland-Geschäftsführung persönlich zu sprechen sowie Kontakte zum Headquarter und auch zur Produktentwicklung in den USA hergestellt. Getreu dem Motto: #VolleTransparenz #NullBackschisch. Der Deal: Er konnte fragen, was er wollte. Und er bekam konkrete Antworten. Wir weckten bei dem Chefredakteur und seinem Team die Achtsamkeit. Und begegneten uns mit Respekt. Ohne in Kumpanei zu verfallen. #Basta!

Der Chefredakteur rief mich nach Veröffentlichung an, um erschüttert und verärgert zu berichten, dass er einen unfassbaren Anruf vom Kommunikationsleiter unseres Hauptwettbewerbers erhalten hatte. Die Frage war: „Was kostet so eine Story bei Ihnen?“

Wie gesagt, das alles ist rund 30 Jahre her. Kann man aber sagen, das es heute besser ist?  Alle haben sich ja den Regeln der Corporate Governance anpasst.

Doch folgendes als Fakt:

  1. Das Leserinteresse an den meisten Print-Fachzeitschriften hat einen historischen Tiefpunkt erreicht.
  2. Viele Titel sind verschwunden.
  3. Dank der massiven Beauftragung von PR-Agenturen und der ubiquitären Verteilung von Pressemeldungen (über eigene Websites, Presseportale, eNewsletters etc.) sind die Fachmedien quasi gleichgeschaltet.
  4. Nur solche (leider wenige) Print-Fach-Titel sind noch beliebt, vor allem bei Lesern, die einen hohen Anteil eigenrecherchierter Stories bieten.
  5. Jetzt in der Krise – wie auch schon zuvor — sind die meisten Redaktionen sprachlos. Wahrscheinlich auch deswegen, weil ihre Anzeigenkunden keine #badnews lesen wollen.

Copy&Paste als Maxime?

Die allermeisten Fachtitel arbeiten nach dem Copy&Paste-Prinzip. Man muss sich nur anschauen, wie das jüngste, vom Inhalt her einwandfrei gehaltene Interview der drupa-Direktion zum Ausblick auf die drupa2021, nun mehr weltweit viele Autoren hat. Kollegen nehmen die Textvorlage, ändern wenn überhaupt nur wenig, zeichnen sogar zum Teil mit ihrem Namen und publizieren es in ihren Titeln. Hinterfragt wird kaum etwas.

Hinzu kommt, folgendes, was ich original aus einem Email von letzter Woche von einer international arbeitenden PR-Agentur zitiere:

„The article – available in English, German, French, Italian, Spanish, Chinese and Japanese (Russian coming soon) – as well as images can be downloaded from the XY pressroom at |LINK|

Thank you very much in advance for publishing this article and sending us the respective magazine and/or link.  Should you have any questions or need additional material, please don’t hesitate to contact us at [Email]“

Das passt natürlich zur gängigen Praxis: Firmen laden seit langem in die schönsten Locations der Welt ein, stellen neues vor, haben alle Publikationsmaterialen für Copy&Paste bestens vorbereitet. Organisieren Gala-Diners, zahlen die Reise- und Übernachtungskosten, auch wenn Presseteilnehmer etwas länger bleiben wollen. (Und diese erfreuen sich an der Flugmeilengutschriften)

MyTake

Das PR-Gehabe und der Umgang mit der Fachpresse ist erstens zutiefst unethisch resp. presserechtlich bedenklich und zweitens überhaupt nicht zielführend.

Das Makabre: Die wenigen, die im Dienst der Leser eigenständig recherchieren, neues wagen, kritisch hinterfragen und kommentieren, werden noch als die Bösen, die Miesmacher, die Nestbeschmutzer attackiert. Das jedoch NICHT mit offenem Visier, NICHT per offenem Dialog; sondern hinter vorgehaltener Hand werden Beschwerden geführt, in einem jüngsten Fall wurde unter Kollegen sogar zum Boykott aufgerufen! Geht’s noch?

Ich bin sicher — und das ist das Gute im Schlechten — die COVID-19-Krise wird hier eine Flurbereinigung vornehmen. Weil es auf einmal zählt, nicht opportun und gefällig zu sein, sondern systemrelevant. Durch Achtsamkeit, kritisches Denken, kritische Distanz und begeistertes Publizieren.

Wer sich jetzt mit mir duellieren will, kann dies gerne nach dem Aufheben des Kontaktverbots tun. Ich wähle als alter Fechter den Säbel! — Mit allen anderen bleibe ich wie bisher auf das Herzlichste verbunden.

 


 

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Von Andreas Weber, Head of Confidence

 

„Die Erfolgsformel für gute wie auch schlechte Zeiten: Mit wahrhaftiger Zuversicht völlige Klarheit schaffen, um durch maximale Kreativität die richtigen Entscheidungen treffen und adäquat kommunizieren zu können.“ — Andreas Weber

In Krisenzeiten gilt eigentlich immer das gleiche Prinzip: Mit der „McKinsey-Machete“ alles kappen, was schnell gekappt werden kann. Marketing- und Werbe-Ausgaben, Mitarbeiter, Standorte/Produktionsstätten, unrentables im Portfolio und anderes mehr. Doch reicht das?

Bei vielen, die abrupt durch Unvorhergesehenes in die sofortige Existenzkrise geraten, hat vorher schon einiges nicht gestimmt. Man hat sich quasi durch geschummelt, hat sich vor ‚bösen‘, weil gravierenden Entscheidungen gedrückt, und wollte sich nicht offen der Realität stellen. Und schon gar nicht Schwäche zeigen. Oder Fehler eingestehen.

Entscheidungen richtig zu treffen, ist aber überlebenswichtig. Im Persönlichen wie im geschäftlichen, ganz zu Schweigen von Politik und Gesellschaft.

Im Prinzip bilden Intuition, Empathie und gute Konversationen die beste Basis. Und das Befolgen von Erkenntnissen, die von uns als Menschen für Menschen gemacht werden.

Meine Empfehlung

Statt nur auf die McKinseys dieser Welt zu hören, sollte man dem klugen Rat von Hirnforschern und Psychologen folgen. Dr. Gerald Hüther, Neurologe und Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung, spricht einfach anzuwendende Empfehlungen aus für das Erspüren und Realisieren von Zukunftsperspektiven durch Innovation. U. a. sind zwei seiner wichtige Ratschläge relevant:

  1. Das A + O: Die Schulung unserer eigenen Aufmerksamkeitsfähigkeit.
  2. Wir müssen die Dinge und v. a. auch uns selbst so mögen wie sie sind. Bedingungslos.

Diplom-Psychologin Silke Brand empfiehlt als Programmatik, sich aufs Menschsein zu fokussieren. Ihr Thema: „Hilfe für die Seele“. Ihre Kernbotschaft: „Wir alle befinden uns in einer Ausnahmesituation. Zentrale Grundbedürfnisse wie Sicherheit, Kontakt, Autonomie und Spaß können nicht mehr so wie vorher ausgelebt werden.“ — Was aber tun?

Ihr wichtigster Rat: Klarheit schaffen, durch aufspüren, sichten, bewerten, diskutieren von Fakten und relevanten Informationen. Erst dann sei es möglich, volle Kreativität zu entfalten, die unverzichtbar ist, um die richtigen Entscheidungen zu treffen, die kurz-, mittel- und langfristig Erfolg bringen. Sie setzt auf Synchronizität, Verbündete zu finden, Meditation. Und: Gute Wünsche! Klingt einfach. Wirkt enorm. Also ran. #Mindchange #BeMoreHuman

 


 

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Von Andreas Weber, Head of Relationship | English version below

Mehr als #verwunderlich: Ein Großteil der Führungskräfte, gerade auch in den Vorstands- und Geschäftsführungs-Etagen, kommt mit der Gegenwart nicht klar. Ich spüre eine seltsame „Angst vorm Leben“. Viel zu viel Lebenselexier wird darauf ver(sch)wendet, den Status quo aufrecht zu erhalten. Ist das sinnvoll? Eher nicht.

Jetzt, in der Krise, trennt sich die Spreu vom Weizen. Auf einmal wird es klar, worauf es ankommt. Eben nicht auf Besitzstandswahrung, Profitmaximierung und Ellenbogenmentalität. Sondern darauf, seine Tätigkeiten darauf zu fokussieren, durch das eigene Denken und Tun dazu beizutragen, dass wir als Gemeinschaft davon profitieren und es alle besser haben können. #DontWorryBeHappy

Ich empfehle, statt weiter Business-Monopoly einfach mal ausgiebig Mensch-Ärgere-Dich-Nicht zu spielen. Da ist es normal und gewünscht, dass man scheitert, zum Ausgangspunkt zurückkehrt und von Neuem beginnt. Und trotzdem mit anderen Freude haben kann.

Wer nicht versteht, was ich meine, sollte sich die Live-Sessions von Mark Schaefer auf Facebook anschauen. Immer Dienstags und Freitags, jeweils nachmittags. Sein Thema: Embrace the Chaos. Topics: #BeMoreHuman #LeadersDespenseHope und vieles mehr.

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#WednesdayThoughts: fear eat up your soul!?!

By Andreas Weber, Head of Relationship

More than #surprising: A large part of the executives, especially on the executive boards and management floors, are unable to cope with the present. I feel a strange “fear of life”. Too much elixir of life is being used (and gets lost)  to maintain the status quo. Does this make sense? Rather not.

Now, in the crisis, the chaff separates from the wheat. Suddenly it becomes clear what is important. Not to protect the acquis, maximize profits and fighting with elbows. But to focus his activities on contributing through our own thinking and doing that we as a community benefit from it and that everyone can do better. #DontWorryBeHappy

I recommend that instead of playing more business monopoly, simply play extensively a game that we in Germany call „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“ (Man don’t annoy you!). The beauty of this (analog) game: It is normal and desirable that you fail, return to the starting point and start over. And still have fun with others.

If you don’t understand what I mean, check out Mark Schaefer‘s live sessions on Facebook. Always on Tuesday and Friday afternoons. His topic: Embrace the Chaos — #BeMoreHuman #LeadersDespenseHope and much more.

 


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Von Andreas Weber, Head of Kidding

#HeißerScheiß vorab aus dem #Homeoffice, zum 1. April 2020#Breakingnews

+++ Die Vorhut der Verlage sieht sich gestärkt und dynamisch durch die Koronalkrise. „Während andere zaudern, haben wir sofort gehandelt. Unsere Online-Aktivitäten haben wir massiv gestärkt und vervielfacht. Denn unsere E-Newsletter erscheinen jetzt nicht mehr wöchentlich, sondern täglich! Das wird neue Leser bringen“, heisst es zuversichtlich aus Verlegerkreisen. Und auch in Sachen Kosteneinsparung ist manchem bereits ein Coup gelungen — durch das fortschrittliche #Postponing: „Wir verschieben das Erscheinen unserer Print-Titel auf unbestimmte Zeit. Dadurch können wir die Kosten um 80 % senken. Das soll uns erst mal jemand nachmachen.“ Zudem mache das Arbeiten nun erst wieder richtig Spaß. Journalisten müssen nicht mehr zwischen Galadiners und Powerpoint-Orgien im Hotel sozusagen auf der Bettkante mühevoll Stories produzieren. Ein nicht namentlich genannt werden wollender Journalist stellt zufrieden fest: „Wir können nun ganz gemütlich, besonnen und mit ruhiger Hand im #Homeoffice lässig per Copy&Paste unsere Newsletter mit den wichtigen Meldungen der Industrie befüllen. Es geht uns nicht wie manchen anderen ums Phrasendreschen. Wir liefern harte Fakten aus Dritter Hand!“. — My Take: #Bravo. Da können wir lernen, wie man charmant aus der Not eine Tugend machen kann.+++

+++ Das Geschäftsmodell auf #Postponing umzustellen, ist derzeit auch im Event- und Messegeschäft der große No-Brainer. Der Chef eines führenden deutschen Messeunternehmens zeigt sich begeistert: „Wir haben soviel Zuspruch und positives Feedback bekommen auf unsere Ankündigungen, bis auf weiteres alle Messen zu verschieben. Viele bewundern unseren Mut! Das spornt an!“. Unbestätigten Berichten aus höchst zutraulichen Quellen zufolge sollen ab 2021 alle Messen jeweils im Jahresrhythmus verschoben werden. Das spare den Kunden und Besuchern enorm an Aufwand. Transporte und Reisen vor allem mit dem Flugzeug entfallen, was der Umwelt zugute komme. Zudem reagiere man so adäquat auf den Kollaps im Hotel- und Gaststättengewerbe. +++

+++ Auch im HighTech-Bereich sind durch Postponing der Kreativität kaum mehr Grenzen gesetzt: Nach der durch die Krise verschobenen feindlichen Übernahme eines Erz-Konkurrenten hat der US-Grossaktionär und Investment-Aktivist C. Bierhahn ein Happy-End gefunden: Vorstands- und Aufsichtsrat-Mitglieder beider Konzerne sollen sich per Homeoffice verbrüdern. Am besten gehe das durch gemeinsames Computerspielen. #Postponing erhält so durch #Gaming eine ganz neue Dimension.+++

[Anm. der Redaktion: Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit unserer Inhalte. Hauptsache endlich mal positive Nachrichten].

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Nice to remember: #drupa2016

#FreitagsGedanken von Andreas Weber | English version below

 

Die ganze Welt scheint nun erstarrt. Doch zu verharren wäre tödlich. Noch sind wir in der Lage, zu kommunizieren. Wenn auch nicht mehr persönlich von Angesicht zu Angesicht, so doch per Kommunikations-Technik. Wunderbar. Oder?

Aber: Ein Neustart in der Kommunikation nötig. Für uns in der Print-Branche hat Kommunikation eh eine ganz besondere Bedeutung. Sie ist Teil unserer DNA.

Darum hier aus meiner Sicht ein paar Anmerkungen und Tipps:

Haben Sie schon einen Notfallplan? Im Fokus: Vernetzung & Interaktion.

Besonders bedrohlich für uns im B2B:

Die Print-Fachpresse diffundiert; ca. die Hälfte oder sogar mehr der Titel wird wohl vom Markt verschwinden! Die ersten Verlage haben angekündigt, die Produktion der Print-Titel auszusetzen. Ob e-Newsletter, die Pressemeldungsinhalte der Herstellereindustrie kolportieren, Nutzen stiften, wage ich zu bezweifeln, 

Fachpressearbeit/PR, wie wir sie kennen, erscheint sowieso zu langsam in der Umsetzung, zumeist ohne eigenen Inhalt — und ohne Reichweite. Und ohne zu wissen, wie die Inhalte beim Empfänger ankommen.

Direktmarketing verpufft derzeit völlig. Denn: Viele arbeiten momentan nicht im Büro, an das die Mailings gehen.

 


 

Generell scheint für mich folgendes relevant:

  1. Egal was ich tue/anbiete: Wie erreiche ich überhaupt noch meine Kunden, Interessenten, Mediatoren und Multiplier?
  2. Wie evaluiere ich, was meine Stakeholder bewegt?
  3. Wie stelle ich sofort dynamische Beziehungen über Netzwerke her?
  4. Wie finde ich inhaltlich den richtigen Ton. Im Sinne von:  „Ich höre zu und gebe pro-aktiv Hilfestellung“. Und nicht: Ich sage Dir, was ich biete.
    Und spezifisch:
  5. Wie kann ich als Hersteller meine zur #drupa2020 geplanten Neuheiten ab sofort erfahrbar machen?
  6. Wie muss ich als Druckerei das Geschäft kommunikativ absichern bzw. Kontakte medial herstellen und ausbauen?
  7. Mit wem muss ich mich verbünden, um im Team schlagkräftiger zu sein.

Falls Se weitere Ideen oder Anregungen haben: Bitte bei mir melden. Wir schaffen das. Gemeinsam!

 


 

#FridayThoughts by Andreas Weber

 

Drupa wants to embrace the future. — We embrace the CHAOS!

The whole world now seems frozen. But to remain would be fatal. We are still able to communicate. If no longer face to face personally, it does so using state-of-the-art communication technology. Wonderful. Isn’t it?

But: A restart in communication is necessary. Communication has a very special meaning for us in the print industry. It is part of our DNA.

Therefore, from my point of view, here are a few comments and tips:

• Do you already have an emergency plan? In focus: networking & interaction.

Particularly threatening for us in B2B:

• The print trade press diffuses; about half of the titles or even more will probably disappear from the market! The first publishers have announced that the production of the print titles will be suspended. I doubt whether e-newsletters, crowded with press release content of the manufacturing industry, create benefits, will be the solution.

• PR work and trade press publishing as we know it seems too slow to implement anyway, mostly without its own content — and without reach. And without knowing how the content is received by the recipient.

• Direct marketing is currently evaporating completely. Because: Many are not currently working in the office to which the mailings go.

 


 

In general, the following seems relevant to me:

1. No matter what I do / offer: How can I still reach my customers, prospects, mediators and multipliers?

2. How do I evaluate what moves my stakeholders?

3. How do I instantly create dynamic relationships across networks?

4. How do I find the right tone in terms of content? In the sense of: “I listen and give proactive support”. And not: I tell you what I offer.

And specifically:

5. As a manufacturer, how can I make my new products planned for #drupa2020 tangible from now on?

6. As a print shop, how do I have to secure the business communicatively or establish and expand contacts in the media?

7. Who do I have to team up with to be more effective in the team?

If you have further ideas or suggestions: Please contact me. We can do it together!

BTW: I think the INKISH team could support all of us in the best way!

 


 

INKISH CEO Heidelberg Interview

Foto: Screenshot via INKTISH.TV

Von Andreas Weber | English version via INKISH.NEWS

 

„Heidelberg ist systemrelevant“, wie CEO Rainer Hundsdörfer im INKISH.TV-Interview mit Morten B. Reitoft äußerte. Das ist unzweifelhaft so, ob man es nun mag oder nicht. Wobei es besser heissen sollte: branchenrelevant:

Schon seit Jahrzehnten gilt die Maxime: Geht es Heidelberg gut, gehts auch der Branche gut — oder zumindest weitgehend OK.

Meine aktuelle Analyse der jetzigen Entscheidung für ein „ADHOC Action Package“, das gestern Abend per Pressemeldung angekündigt, und heute per Webcast vom CEO und CFO Markus A. Wassenberg erläutert wurde, hat ad hoc weltweit Reaktionen von Top-Experten ausgelöst, Marktkennern, Beratern wie auch Technik- und Druckerei-Spezialisten. Und von Partnern und Mitbewerbern.

Einhellig wird nicht das neue Finanzkonzept (inkl. Entschuldung zur Liquiditätssteigerung etc.) in Zweifel gezogen. Auch wenn das bei Reduzierung von rund 2.000 Mitarbeitern schmerzhaft wird. Wohl aber die Kollateralschäden, die die notwenigen Einsparungen verursachen.

 

 

Die wichtigsten Punkte aus der öffentlichen Diskussion, objektiv geschildert:

  1. Was soll man jetzt glauben? —Heidelberg hat in den letzten 20 Jahren aus Sicht vieler entscheidendes Vertrauen verspielt. In Serie gab es ständig Neues: Strategiewechsel, Kosteneffizienzprogramme, Organisations-Änderungen und Restrukturierungen. Vieles klang verheissungsvoll, wurde aber nicht konsequent umgesetzt, sondern durch wiederum neues ersetzt oder aufgegeben.
  2. In keinem Fall hat mit den Neuerungen auch zeitgleich ein Kulturwandel bei Heidelberg eigesetzt. Daran erscheint den Experten das Wesentliche stets zerbrochen zu sein. Dies fing schon in der Ära Mehdorn resp. danach an und zieht sich durch bis heute.
  3. Die Innovationskraft von Heidelberg wird kaum in Zweifel gezogen, wohl aber dass Heidelberg „die PS auf die Strasse bekommt“
  4. Wenn es jetzt heisst: „Zurück zum Kerngeschäft mit dem man auch Geld verdient“, so stellt sich die Frage: Was genau ist das Kerngeschäft resp. die Kernkompetenz von Heidelberg? Der Offsetdruck-Maschinenbau? Die IoT-Fähigkeit? Das Print-Prozess-Management?
  5. Gerade auch gegenüber der Technik-Entwicklungen gibt es Einwände:  Es ist von Ignoranz und Dummheit die Rede, wenn es darum geht, die Perspektive zu wechseln, v.a. bei wichtigen Technik-Details wie Farbauftrag/INK-Kontrolle etc. sowie Multi-Color-Farb-Management sowie Workflow-Prozessen im Pre-Media-Bereich.
  6. Einhellig wird die Beendigung der Primefire-106-Produktion als krasser Fehler gesehen. Wobei sicher das Ende noch nicht klar ist, da Heidelberg intensiv nach Partnern fürs Inkjet-Printing sucht. Unklar ist aber, wer das sein soll, da andere bereits viel weiter sind als Heidelberg.
  7. Wieviel Spielraum hat Heidelberg tatsächlich, um sich aus dem alten Korsett zu lösen, um vom Produktverkauf zu Lösungsangeboten und vor allem zum Platform-Betreiber und damit dynamsichem Dienstleistungsanbieter zu werden?
  8. Dienen Heidelberg-Neuerungen, gerade auch durch Digitalisierung der Produktion und des Business-Management sowie durch Automation nur dazu, die Kunden zu befähigen, schneller und mehr an Commodity-Produkten zu produzieren? Was aus Expertensicht gar nicht das Ziel sein darf, da es Probleme nicht löst, sondern höchstens aufschiebt.
  9. Und last but not least, betriff nicht nur Heidelberg: „Wird die Krise durch den #Corona-Virus Heidelberg vom Markt fegen, da kaum noch Verkäufe realsiert werden können?“ — Eine Frage, der sich viele Hersteller und Druckereien gleichermaßen stellen müssen.

 


 

UPDATE: Die Diskussion per LinkedIn und Blogs nimmt Fahrt auf:

Widerspruch und starke Bedenken

Nun werden auch Stimmen laut, die hart mit der Heidelberg-Entscheidung ins Gericht gehen. So Druckerei-Unternehmer und Print-Innovator Peter Sommer, seit langem Heidelberg-Kunde, der sich nunmehr stark empört. Oder INKISH-CEO Morten B. Reitoft, der der Heidelberg-Führung ins Gewissen redet. Wohlbegründet!

 

 


NACHTRAG: Video via INKISH.TV vom 2. April 2020

 

 


 

Ihre Meinung ist gefragt! Diskutieren Sie mit. Hier im Blog oder bessern noch per LinkedIn.

 


 

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Von Andreas Weber, Head of Value | English version via INKISH.News

 


Selbst mehr als eine Dekade nach dem Aufkommen von Social Media und den damit verbundenen dramatischen Veränderungen in der Kommunikation tut sich insbesondere die Print-Branche schwer mit der neuen, digitalen Art, Geschäftskommunikation per Social Media zu betreiben, um das Go-to-Market zeitgemäß und nachhaltig erfolgreich zu gestalten.

 


 

Für die #drupa2020 als globale Leitmesse einer Branche, die global pro Jahr rund 1.000 Milliarden Euro umsetzt, wird es wichtiger denn je, vor, während und nach der Messe wirkungsvoll zu kommunizieren und zu interagieren. Das gilt für alle: Messeveranstalter, Aussteller, Besucher und vor allem für Fachmedien.

Keine Frage: Es ist zwingend, einen eigenen Weg zu finden, um Kunden und Interessenten medial direkt anzusprechen. Und es gibt auch sinnvolle Möglichkeiten. Nur: Es werden teils wirre Thesen vertreten und kolportiert.

Viele folgen dem Prinzip ‚Gewollt, aber nicht gekonnt‘. Gerade auch Print-Fachmedien, die ihre Print-Titel mit Websites ergänzt haben, seit Jahren an Lesern, Reichweite und damit Bedeutung verlieren, und sich daher mit dem gewohnten Redaktionskonzept hilfesuchend auf Social Media stürzen, um auch dort die gleichen Inhalte zu publizieren.

Ähnlich tun es viele Unternehmen, die ihre Pressemitteilungen unverändert an Fachmedien senden, auf ihren Websites selbst publizieren und auf Plattformen wie Twitter, Facebook, XING oder LinkedIn teasern. Dass dies nicht wirken kann, ist evident: die meisten schaffen keinen nennenswerten Response, ihre Botschaften verpuffen.

Richtig oder Falsch? — Einige Tipps

Falsch: Social Media bietet viele Kanäle.

Richtig: Social Media ist ein Überbegriff für zahlreiche spezifische, auf Interaktion ausgerichtete Plattformen der digitalen Kommunikation. Plattformen für Bilder (z.B. Instagram), für Videos (z.B. YouTube oder auch Facebook), für Kurznachrichten (allen voran Twitter), fürs Geschichten erzählen (Blogs via WordPress, Medium u.a.), für Spaß und Unterhaltung (TikTok), für Podcasts (v.a. iTunes)  für persönliches Netzwerken (z. B. WhatsApp, Messenger, WeChat) und für B2B-Kommunikation (v.a. LinkedIn). Und last but not least: für kollaboratives Publizieren von Fachinhalten (z.B. für Print durch INKISH.TV und INKISH.News).

Falsch: Social Media lebt von vielen kurzen Meldungen, die gepusht werden, um möglichst viel Reichweite aufzubauen.

Richtig: Jede Art von Inhalt kann individuell, höchst spezifisch und multimedial genutzt werden, um Interaktionen zu erzeugen und Dialoge herzustellen. Fast wie bei einem persönlichen Gespräch.

Falsch: Social Media führt zur Informationsüberflutung.

Richtig: Wer per Social Media lernt, die richtigen Plattformen für seine Absichten auszuwählen, seine „Botschaften“ spezifisch gestaltet, inkl. dem Feedback-Management und der passenden Verschlagwortung, und sich bestens vernetzt, wird nicht Opfer von (sinnloser) Information, sondern deren Gestalter. Nebeneffekt: Kosten entstehen dabei kaum. Und sich kurz zu fassen, auf den Punkt zu kommen, um für sich und seine Inhalte Sympathie zu schaffen, ist ein riesiges Plus!

Falsch: Social Media ist oberflächlich und kurzlebig — Inhalte erleiden das Schicksal von Eintagsfliegen.

Richtig: Die wichtigsten Inhalte, ob beruflich oder privat, finden sich heute und morgen auf Social Media-Plattformen, sind messbar, werden grossteils von Google dauerhaft indiziert und sind stets auffindbar. Zudem ist die Interaktionsbereitschaft der Nutzer maximal hoch, da die Plattformen einfach zu bedienen sind, man sich nicht mit Anwendungstechniken, Updates etc. beschäftigen muss, sondern voll und ganz auf Inhalte fokussieren kann.

Lichtblick

Social Media hat sich bei Innovatoren und Start-ups im Print bereits erfolgreich etabliert. Smarte Anbieter von Fotobuch-Applikationen sowie Spezialanwendungen bei Textil- oder Tapetendruck, Mass Customization, Postkarten, Postern etc. begründen ihr Geschäftsmodell auf Social-Media-Plattformen. Die meisten tun dies für mobile Kommunikation via Smartphone und Tablet.

Zudem lassen sich Social Media-Inhalte und -Aktivitäten in Multichannel-Szenarien einbinden, was allerdings bei Druckereien wie auch bei ihren Lieferanten kaum richtig bewertet bzw. eingesetzt wird. Wie sonst könnte man darauf kommen, Social Media als Erweiterung von überkommenem Direktmarketing und damit als neuen Push-Kanal zur Informationsvervielfältigung dessen zu nutzen?

Fazit

Das Wesentliche ist aus meiner Sicht, auf Dialoge/Konversationen und Interaktionen zu setzen, sowie die Befindlichkeit der Einzelnen auf den unterschiedlichen Plattformen zu evaluieren und darauf einzugehen, was problemlos funktioniert, da Social Media erlaubt, Marktforschung in Echtzeit zu betreiben.

Damit könnte der neuen Maßgabe gedient werden, die das Digitalzeitalter zwingend macht: Nicht was ich kundtun will, ist relevant, sondern das, was ich lernen kann durchs Zuhören, Diskutieren, Durchdenken, Bewerten usw., um daraus kundenorientierte, maßgeschneiderte Angebote zu gestalten.

Ratschläge

  • Position überdenken — Perspektive wechseln!
  • Fundamental-Irrtümer unterlassen.
  • Sich persönlich durch aktive Social-Media-Arbeit kundig machen, um einen klaren Fokus zu finden.
  • Das Wesen moderner Kommunikation im Digitalzeitalter verinnerlichen: „Interaktion durch Konversation“ in den Mittelpunkt stellen und stringent verfolgen, um sich smart ins Gespräch zu bringen und als attraktiver Partner für Innovation und Transformation zu profilieren.
  • Nicht mehr den falschen Propheten folgen, sondern lieber eigene Wissensnetzwerke aufbauen.
  • Angesichts der Tatsache, dass sich im Zuge der Transformation der Print-Branche die bereits enorm große Komplexität noch steigert, z. B. durch Themen wie Künstliche Intelligenz, IoT, Subskritions-Modelle, Blockchain etc., sind kontinuierliche Konversationen in Netzwerken und auf Plattformen zwingend.

Wer das tut, wird schnell angenehm überrascht sein und wandelt sich im besten Fall zum exzellent vernetzten Wissensarbeiter!

Addendum

Ich selbst nutze Social Media von der ersten Stunde an. Und habe einen systematischen Ansatz entwickelt, die für mich relevanten Plattformen zu identifizieren und erfolgreich zu nutzen. Mit meinen Blogs erreiche ich über 150k Profis aus fast 160 Ländern, bin per LinkedIn mit fast 23k Entscheidern direkt im Kontakt, ergänzt durch zusammengefasst rund 10k weitere per LinkedIn, Twitter, Facebook, XING. Zahlose spannende Kontakte und Projekte konnten so generiert werden. 

Gerne gebe ich Interessierten weitere Tipps und Hilfestellung.

 


 

Hinweis

Für Innovationsinteressierte empehle ich die Lektüre von #hotspotsubscription, meinem neuen Fach-Blog zu digitaler Transformation durch neue Geschäftsmodelle via #subscription. Der Blog kann kostenfrei subskribiert werden!

 

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ISS Druckwerkstatt 2020.001

Fotos: Andreas Weber

 

„Die Kunst des Druckens vom Stein — auch chemischer Druck oder Lithographie genannt — ist die Königsdisziplin der künstlerischen Drucktechniken und ein wichtiges Weltkulturerbe. Dies nun didaktisch anschaulich und hochattraktiv in einer Druckwerkstatt in Offenbach am Main öffentlich zugänglich zu machen, ist ein echter Meilenstein.“ — Andreas Weber, Mitglied im Vorstand der Internationalen Senefelder-Stiftung, Offenbach am Main

 


 

Der Magistrat der Stadt Offenbach hat in seiner jüngsten Sitzung die Einrichtung einer Druckwerkstatt im Bernardbau beschlossen. Mit Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung soll das Haus der Stadtgeschichte gemeinsam mit dem Klingspor Museum bis Ende 2020 die Idee einer Druckwerkstatt im Erdgeschoss des Bernardbaus verwirklichen. Hierfür stehen rund 164 Quadratmeter Fläche der früheren EVO-Kundenberatung im ehemaligen Bürgerbüro der Stadt an der Herrnstraße zur Verfügung. Die beiden Museen sollen die öffentlich zugängliche Werkstatt in Zusammenarbeit mit der Internationalen Senefelder Stiftung (ISS) betreiben.

Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke freut sich sehr über den Beschluss des Magistrats: „Offenbach hat eine bedeutende Druckgeschichte. Die können wir nun endlich besser für unsere Kultur und für unsere Stadt sichtbar machen. Das ist Werbung für Offenbach im besten Sinne.“

Offenbach als Inkubator

Der Steindruck, der knapp anderthalb Jahrhunderte als eine der wichtigsten Drucktechniken weltweit galt, war ab 1800 erstmals in Offenbach kommerziell genutzt worden. Im Offsetdruck wirkte das Verfahren bis zur Gegenwart nach, künstlerisch ist der Steindruck noch immer sehr bedeutend. Die Innovationsstadt Offenbach ist nach München, wo das Verfahren durch Alois Senefelder erfunden worden war, wichtigster Ort und Wiege dieser Technik. Dies beruht auch auf der berühmten Tatsache, dass die Witwe von Wolfgang Amadeus Mozart dem Offenbacher Musikhaus André damals den Notennachlass ihres Mannes verkaufte. Dessen Kompositionen wurden in der Folgezeit lithografisch vervielfältigt und verbreitet. Auf diesen Weg erlangte Mozart posthum und maßgeblich durch Offenbacher Unterstützung Berühmtheit.

Offenbach ist bis heute stolz auf diese Geschichte und darauf, ein bedeutender Standort der Druckindustrie zu sein. Tausende Offenbacherinnen und Offenbacher arbeiteten früher bei Mabeg, Roland oder „beim Faber“ (so auch ein Urgroßvater des Oberbürgermeisters), wie die Druckmaschinenfabrik Faber & Schleicher im Volksmund hieß. Nach Jahrzehnten als Weltmarktführer gemeinsam mit Heidelberger Druck ist manroland sheetfed nach zahlreichen Schrumpfungen bis heute der fünftgrößte Druckmaschinenhersteller der Welt. Die Gießerei zählt zu den letzten großen originären Industrieproduktionsstätten in der Stadt.

Im Zuge der Bedeutung Offenbachs als Druck- und Lithografiestandort wurde auch die Buch- und Schriftkunst erheblich befördert. Mit dem Klingspor Museum ist Offenbach bis heute Heimat des einzigen Schriftkunstmuseums in Deutschland. Neben der Weltfirma manroland sheetfed ist im Kontext der Druckgeschichte auch die kaum weniger bekannte historische Schriftgießerei Gebr. Klingspor zu beachten. Klingspor sorgte zwischen 1900 und 1934 (dem Todesjahr Rudolf Kochs) für eine so nur in Offenbach bezeugte Vitalisierung des Schriftschaffens im unmittelbaren Schulterschluss zur bildenden Kunst. Der Hausdruckerei verdanken sich jene exquisiten Schriftproben, in denen die Tragweite der Schriften von Otto Eckmann und Peter Behrens zum Ausdruck gebracht ist. Bis heute inspirieren diese herausragenden Drucksachen Fachleute und Interessierte weltweit zum Besuch des Klingspor Museums.

„Nimmt man hinzu, dass heute diese Schriftproben durch das neu begründete Klingspor-Institut für Schriftgestaltung digitalisiert werden und die Druckwerkstatt der Hochschule für Gestaltung ebenso aktiv ist wie es der neuen Druckwerkstatt noch bevorsteht, wird die ungebrochene Wirkkraft der Geschichte Offenbachs in diesem Themenfeld umso offenkundiger evident“, sagt Dr. Stefan Soltek, der Leiter des Klingspor Museums.

 


Impressionen zur Darbietung der Druckkunst vom Stein im Haus der Statdgeschicht zu Offenbach. Fotos: Andreas Weber

 


 

Übergreifende Gemeinschaftsinitiative führte zum Ziel

„Offenbach wird nun einmal mehr mit wenig Geld viel bewegen, und damit die Profilierung als Stadt der Druckkultur schärfen“, so Schwenke weiter. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal Offenbachs, das ich nutzen will. Für die Bürgerinnen und Bürger sowie für Gäste erwarte ich von der neuen Werkstatt interessante Angebote für alle Altersklassen.“

Neben der Ausstellung historischer Druckmaschinen soll vor allem die museumspädagogische Arbeit an und mit diesen Maschinen im Vordergrund stehen. Die Maschinen stammen aus einer 2015 erfolgten Schenkung der Bestände des Vereins „Grafische Werkstatt für Technik und Kunst Offenbach am Main e. V.“ an die Stadt. Grundlage des geplanten Angebots ist das Konzeptpapier „Offenbach am Main. Eine Stadt der Druckkultur“, welches der Leiter des Klingspor Museums, Dr. Stefan Soltek, im Sommer 2019 im Namen des Forums Kultur vorgelegt hatte. Es stieß auf großen Zuspruch seitens der Politik und der Internationalen Senefelder-Stiftung.

Die Kosten für die Einrichtung der Druckwerkstatt belaufen sich auf einmalig rund 62.410 Euro. Dieses Geld steht für Laborbecken und Installation, Werkstatteinrichtung, Werkzeuge, Werkstattmöbel, Werkstattleitungsbüro, Transporte und Dienstleistungen zur Verfügung. Das Geld stammt aus übrig gebliebenen Haushaltsmitteln des Jahres 2019. Die jährlichen Betriebskosten werden auf 10.000 Euro beziffert – die Hälfte dieser Ausgaben soll durch Einnahmen aus Eintrittsgeldern für die Werkstatt refinanziert werden. Weiterhin ist eine halbe Stelle als Werkstattleitung vorgesehen. Die Aufwendungen für diese Person betragen jährlich rund 24.000 Euro und sind im städtischen Stellenplan ab 2021 eingeplant. Für das Jahr 2020 übernimmt die Dr. Marschner-Stiftung die anfallenden Personalkosten.

Die Werkstattleitung wird in Zusammenarbeit mit den Museen und der Internationalen Senefelder-Stiftung ein Programm konzipieren. Schwenke dankt sowohl der ISS als auch der Dr. Marschner-Stiftung für ihre Unterstützung: „Diese Zusammenarbeit beweist einmal mehr, dass wir in Offenbach trotz begrenzter Ressourcen mit vereinten Kräften einiges auf die Beine stellen können und wir auf diese Weise unsere Stadt immer auch ein Stück lebens- und liebenswerter machen.“

 


 

Veranstaltungstipp

Wer nicht bis zum Jahresende 2020 warten will, hat am 15. März 2020 die Gelegenheit, mit der Kunst des Druckens vom Stein hautnah in Berührung zu kommen. Gemeinsam mit dem BBK veranstaltet die Internationale Senefelder-Stiftung am 15. März 2020, dem Tag der Druckkunst, an verschiedenen Standorten in Offenbach am Main künstlerische Vorführungen. Weitere Informationen

 

ISS about us 2019 Update.002

 


 

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