Der österreichische Fernsehkanal ORF 2 nahm den Druck Medien Tag des Verband Druck Medien Österreich am 6. November 2026 in Salzburg zum Anlass einer Kurzanalyse für die Abendnachrichten. Referenten und Träger der Veranstaltung wurden zu Kurzinterviews herangezogen.
„Wir verteidigen das physische Printprodukt nicht aus Nostalgie, sondern als bewussten Gegenpol zur digitalen Hektik.“
Tenor
Österreichische Druckindustrie im Strukturwandel — Umsatzrückgänge, EU-Regulierungsdruck und Strategien zur Krisenfestigkeit
Tradition, Haptik und echter Mehrwert: Dennoch hat Print Zukunft!
Referenten und Träger des Events wurden vom ORF in Kurzinterviews einbezogen.
Synopsis
Die Druckbranche befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Sinkende Gesamtauflagen, steigender Kostendruck und zunehmende regulatorische Auflagen stellen Unternehmen vor spürbare Herausforderungen. Am 6. November 2026 trafen sich in Salzburg mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter österreichischer Druckereien, um Strategien und tragfähige Zukunftsmodelle zu erörtern.
Trotz der aktuellen Marktdynamik und des Konsolidierungsdrucks gibt es klare Stärken, die Zuversicht und unternehmerischen Mut begründen:
Die unersetzliche Kraft des Gedruckten
In einer von digitaler Schnelllebigkeit und Informationsflut geprägten Welt besinnt sich die Gesellschaft zunehmend auf den Wert entschleunigter Medien.
Haptik und Ruhe: Das Lesen einer gedruckten Zeitung oder eines hochwertigen Magazins bietet ein greifbares, beruhigendes Erlebnis – besonders geschätzt für den bewussten Qualitätskonsum.
Kulturhistorischer Wert: Print steht für Verlässlichkeit, Beständigkeit und nachhaltige Wertschätzung von Inhalten.
Effizienz und familiäre Widerstandskraft als Erfolgsfaktoren Unternehmen wie das Druckzentrum Salzburg begegnen den Herausforderungen proaktiv mit optimierten Prozessen, effizienter Bündelung von Druckkapazitäten und klarer Kostenkontrolle.
Ein wesentlicher Trumpf liegt in der Struktur der Branche: Ein Großteil der österreichischen Druckereien sind traditionsreiche Familienbetriebe. Diese Unternehmen haben über Generationen hinweg bewiesen, wie Anpassungsfähigkeit, gelebte Verantwortung und langfristiges Denken selbst anspruchsvolle Krisenzeiten in nachhaltige Chancen verwandeln können.
Fazit
Der Markt konsolidiert sich, doch Qualität, Glaubwürdigkeit und das haptische Erlebnis bleiben unverzichtbar. Mit klarem Fokus auf Innovation, schlanke Prozesse und die ureigenen Stärken physischer Druckerzeugnisse gestaltet die Druckbranche ihren Weg erfolgreich nach vorne.
printisback
Die Analyse der ORF-Redaktion im Detail
Die österreichische Druckindustrie steht vor einer existenziellen Konsolidierungswelle, getrieben durch kontinuierliche Auflagenrückgänge, steigenden Kostendruck und verschärfte EU-Bürokratie. Bei einem Branchenumsatz von knapp 1,8 Milliarden Euro – ein Minus von 100 Millionen Euro innerhalb von vier Jahren – gehen allein in einer Innsbrucker Druckerei gut 60 Arbeitsplätze verloren, während Betriebe wie das Druckzentrum Salzburg mit 42 Beschäftigten durch verdichtete Druckzeiten gegensteuern müssen. Wir verteidigen das physische Printprodukt nicht aus Nostalgie, sondern als bewussten Gegenpol zur digitalen Hektik. Während 59 % der Betriebe mit weiteren Umsatzeinbrüchen und nur 12 % mit Zuwächsen rechnen, liegt der strategische Handlungsspielraum in radikaler Prozesseffizienz, der Positionierung auf haptische Qualitätsmerkmale sowie der Krisenresilienz traditionsreicher Familienunternehmen.
Branchenerosion und Regulierungsdruck
1. Marktindikatoren und struktureller Rückgang
Umsatzerosion: Der österreichweite Branchenumsatz sank von 1,9 Milliarden Euro vor vier Jahren auf aktuell knapp 1,8 Milliarden Euro.
Erwartungshaltung: 59 % der Druckereibetriebe prognostizieren weitere Umsatzverluste für das laufende Geschäftsjahr. Lediglich 12 % der Unternehmen erwarten ein moderates Wachstum.
Kapazitätsabbau: Standorte wie Innsbruck verzeichnen Entlassungen von rund 60 Mitarbeitenden; im Druckzentrum Salzburg (Produzent u. a. für Salzburger Nachrichten, Salzburger Krone und Regionalauflagen der Presse) sinkt die Gesamtauslastung durch reduzierte Stückzahlen kontinuierlich.
2. Bürokratische Belastungsgrenzen
Regulatorische Vorgaben aus Brüssel: Vor allem die Verpackungsverordnung sowie die Zertifizierungs- und Entwaldungsverordnungen erfordern lückenlose Herkunftsnachweise für Papierrohstoffe bis hin zum QR-Code für Baumursprünge.
Prozessineffizienz: Die administrative Nachweispflicht für Lieferscheine, Lagerbestände und Etiketten erzeugt einen unverhältnismäßigen Mehraufwand, der die operative Marge mittelständischer Betriebe massiv belastet.
Strategische Hebel und Krisenbewältigung
1. Operative Kostenoptimierung
Schicht- und Zeitzusammenlegung: Reduktion der laufenden Druckfenster zur Senkung fixer Betriebskosten.
Personalanpassung: Da Personalkosten den größten Hebel darstellen, erzwingt die sinkende Kapazitätsauslastung eine fortlaufende Konsolidierung der Belegschaften.
2. Differenzierung und Resilienzfaktoren
Wertversprechen Haptik und Entschleunigung: Positionierung der gedruckten Zeitung als Premiumprodukt mit hoher Lese- und Ruhequalität im direkten Kontrast zu digitalen Medienkanälen, insbesondere am Wochenende.
Familiengeführte Strukturen: Ein Großteil der heimischen Druckereien sind generationenübergreifende Familienbetriebe, deren historische Transformationserfahrung als zentraler Stabilitätsfaktor im laufenden Strukturwandel dient.
Print neu denken: Kulturelles Erbe, technologische Transformation und menschliche Werte
Hotspot Salzburg — Druck Medien Tag 2026 des Verband Druck Medien Österreich! Der Impuls-Vortrag von Boris Andreas Weber „Print neu denken“ verbindet historische Tiefenschärfe mit aktueller Technologieschärfe: Ausgehend von Schumpeters „Schöpferischer Zerstörung“ wird Print als resilienter Kulturträger und Wirkungsmedium positioniert. Zugleich werden KI, Agentic Commerce und modernes VDP nüchtern bewertet, konkrete Marktverhältnisse benannt und die Notwendigkeit einer mentalen, strategischen und menschzentrierten Neuausrichtung bekräftigt.
Einleitung und theoretischer Transformationsrahmen
Boris Andreas Weber eröffnet mit einem zuversichtlichen Gruß an die Print-Fachcommunity, dankt den Organisatoren und verweist auf die bereits geleistete Vorarbeit: eine im Team mit Jacques Michiels realisierte Podcast-Episode der Reihe „PrintIsBack“ mit Verbandsgeschäftsführer Peter Sodomar und dem Print-Experten Christian Handler sowie den Beitrag „Mut zur Kreativität“ im aktuellen Druck Medien Magazin des Verbands. Der Vortragstitel „Print neu denken“ rahmt das Ziel, zentrale Branchenthemen zu verdichten und mit eigenen Erkenntnissen anzureichern – ohne vorgefertigte Rezepte, da die Anwesenden ihre unternehmerische Kompetenz bereits erwiesen haben.
Auszug aus dem Druck |Medien Magazin 09-2026
Als theoretisches Fundament wird Josef Schumpeter (geboren 1883 in Mähren, Österreich-Ungarn) mit seiner Kernthese der „Schöpferischen Zerstörung“ herangezogen: Fortschritt ist ein evolutionärer Prozess, in dem Neues Altes verdrängt. Daraus leitet der Redner die historische Resilienz der Druckindustrie ab, die über 500 bis 600 Jahre hinweg von Krisen, Disruptionen und Zensur geprägt wurde und gerade deshalb diejenigen belohnte, die sich nicht hinter teuren Maschinen verbergen, sondern ihr Tun radikal hinterfragen, um aus mentaler Transformation Perspektiven, Strategien und Handlungen abzuleiten.
Die Drupa 2016 markiert einen Wendepunkt: Der reine Kauf von Technik und die Optimierung von Verfahren genügen nicht, um neue Geschäftsmodelle zu schaffen oder autonome Transformationsprozesse zu ermöglichten. Transformation beginne im Kopf – über innere Haltung, offenen Diskurs, Austausch und iterative Denkprozesse. Erst wenn diese mental verankert sind, tragen Prozesse, Techniken und Verfahren die Umsetzung in die Praxis. Die aktuelle Marktkonsolidierung der Branche wird als Chance gesehen, den Agilsten und Fittesten Raum zur Behauptung zu geben, bei klarer Einsicht, dass niemand gegen Unvorhersehbares gefeit ist, die Branche aber gelernt hat, gestärkt aus Krisen hervorzugehen.
Print meets TV: Ein ORF 2 Team nahm den Druck Medien Tag zum Anlass für eine kompakte Branchenreportage.
Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Marktrealitäte
Die Einschätzung zur Künstlichen Intelligenz ist differenziert: KI ist in der Druckindustrie kein Novum, sondern seit Jahren Bestandteil automatisierter Abläufe, Wartung und Logistik und damit Teil eines schumpeterianischen Evolutionsprozesses. Der neue Fokus liegt auf externen Schnittstellen: Web-to-Print wird durch Online-Shopping-Prinzipien professionalisiert; als Hype wird „Agentic Commerce“ benannt, bei dem KI-Agenten auf Basis digitaler Ausschreibungen selbständig Produzenten bewerten und Druckaufträge vergeben. Der Redner warnt jedoch vor überhitzten Erwartungen und stützt sich auf wissenschaftliche Stimmen.
Professorin Dr. Katharina Zweig (Universität Kaiserslautern, Algorithm Accountability Lab) betont, dass KI-Agenten als algorithmische Entscheidungssysteme auf absehbare Zeit unzuverlässig bleiben, da die Fehlerquoten noch zu hoch sind. Professor Dr. Yasmin Weiß (TH Nürnberg) ergänzt, dass Unternehmensstrukturen und -prozesse vieler potenzieller Auftraggeber noch Jahre für den sinnvollen Einsatz solcher Agentensysteme benötigen. Der Marktanteil des dezidierten Online-Druckereigeschäfts liegt in der Schweiz, Österreich und Deutschland zusammengenommen jeweils nur nur bei etwa 15 bis maximal 20 Prozent des Volumendrucks; rund 80 Prozent oder mehr laufen nicht über offene Onlineshops. Folglich ist zu empfehlen: Große Onlinedruckkonzerne müssten frühzeitig praktische Erfahrungen sammeln, andere Betriebe sollten das Thema individuell beobachten, aber sich nicht von der Dynamik zu Hektik oder Panik treiben lassen.
Verstärkt wird dies durch eine in den USA erhobene und auf Europa übertragbare Studie von Alliance Insights, auf die der Online-Print-Experte Ludovic Martin Ende Oktober 2026 hinweist: 80 Prozent der Druckereien sehen KI als kritischen Wettbewerbsfaktor, teils als Überlebensfrage. Erwartet werden Gewinnsteigerungen durch Produktivität bei Menschen und Maschinen, Freisetzung von Ressourcen, Eliminierung repetitiver Aufgaben und Qualitätsverbesserungen; ebenso Initiativen in Designgenerierung, Personalisierung, Marketing und Kundenservice. Der zentrale Schwachpunkt: Es fehlen klare strategische Aktionspläne mit definierten Zielen, Erwartungen und Messmethoden; Innovationen bleiben fragmentiert, was die Adaption erschwert.
Ein weiteres Diagnosethema ist Prokrastination: Laut Gespräch mit Frank Siegel (Obility) zögern Akteure der Druckbranche bei Automatisierung und Softwarelösungen trotz eindeutigen Handlungsbedarfs. Die Ursache wird als kulturelles Problem beschrieben: Handlungswissen ohne Handeln. Die Fragen „Kann ich es nicht oder will ich es nicht?“ und der Hinweis, dass instinkt- und intuitionsgetriebene Entscheidungen ihren Sinn oft erst im Rückblick entfalten, führen zur Mahnung, Handlungsspielräume nicht ungenutzt zu lassen und Apathie zu vermeiden.
Vortragscharts, KI-generiert. Mit zwei KI-typischen Fehlern 🙂
Neupositionierung von Print: Wirksamkeit und Menschlichkeit
Boris Andreas Weber fordert einen Perspektivwechsel: Weg vom reinen Produktionswerkzeug hin zu einem vernetzten Wirkungsinstrument, das menschzentriert kommuniziert. Unter dem Ideal „Be more human“ wird herausgestellt, dass je digitaler, technischer und automatisierter unsere Lebenswelt wird und je mehr KI Infrastrukturcharakter erhält, umso wichtiger werden empathische, soziale und menschliche Werte. Print, von Menschen für Menschen gemacht, sei in seiner physischen und haptischen Qualität ein besonders wirksames Medium für herzliche, empathische Kommunikation.
Technologisch wird ein Paradigmenwechsel im variablen Datendruck (VDP) gefordert. Boris Andreas Weber kritisiert den lange geführten Dualismus Offset vs. Digitaldruck als kontraproduktiv und identifiziert im #PrintIsBack-Podcast mit Jacob Aizikowitz eine „Effizienzfalle“: Effizienz vor Effektivität. Viele VDP-Praktiken seien einfältig, erzeugten bisweilen tausende separate PDFs – ein „modernes Mail Merge“ –, das die Systeme belastet und Print künstlich von digitalen Kanälen isoliert. Die konstruktive Alternative ist „object-based Design“: Eine hochvariable Datei generiert automatisch die passende Version pro Empfänger und ermöglicht echte Hyper-Personalisierung sowie nahtlose Integration in moderne, dialogische Marketing-Automation. Dieser Schritt verlagert den Fokus von Produktionsoptimierung zu Wirksamkeit beim Kunden und stellt Print als vernetztes Kommunikationsinstrument neu auf.
Darüber hinaus wird der Begriff „Drucken mit beweglichen Daten“ geprägt: Durch die Transformation traditionsreicher Techniken lässt sich die Nachhaltigkeit gedruckter Kommunikation mit der Dynamik individueller Inhalte verbinden. Gedruckte Bücher werden zugleich als „Killer-Applikation“ beschrieben: Ihre symbolische Bedeutung und Faszinationskraft – auch für Digital Natives – sind hoch. Seit 2010 erfolgt die Wertschöpfung im Bücherdruck zunehmend durch direkte Beauftragungen von Privatpersonen, Organisationen und Unternehmen; klassische Verlagsaufträge sind nur noch ein Teil, der auf hohem Niveau stagniert.
Historische Evolution: Von der Lithographie zur modernen Hochtechnologie
Der historische Exkurs beginnt mit dem Veranstaltungsdatum des Salzburger Druck Medien Tag 2026, dem 6. November, dem Geburtstag von Alois Senefelder (1771), dessen Erfindung der Lithographie um 1800 den Flachdruck etablierte. Ausgehend von Mozarts Nachlass: Der Offenbacher Musikverleger Johann Anton André erwarb 1799 den handschriftlichen Nachlass von der Witwe von Wolfgang Amadeus Mozart, um die Noten zu publizieren. Vor der Lithographie mussten Musiknoten in Kupfer gestochen werden – ein zeit-, kostenintensives Verfahren ohne Korrekturmöglichkeit. Senefelder fand ein neues Verfahren, bei dem mittels Abstoßung von Fett und Wasser Farbe auf die Druckform und dann auf das Substrat übertragen wird. Der Solnhofener Kalkstein ermöglichte eine bis heute unübertroffene Druckqualität in reiner Halbtondarstellung ohne Rasterpunkte.
Die Lithographie verbreitete sich rasch – zunächst in Schwarz-Weiß, ab etwa 1830 durch Chromolithographie auch in Farbe – und ermöglichte vielfältige Anwendungen: Buch- und Grafikeditionen, Etiketten, Aktien, Banknoten, Handzettel, Plakate u.a.m.. Wien entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem Kompetenzzentrum, mit professionellen Lithographen wie Josef Kriehuber und Künstlern wie Gustav Klimt und Egon Schiele; zuvor und parallel prägten Persönlichkeiten wie Ferdinand Georg Waldmüller die Szene und international trugen Künstler wie vor allem Honoré Daumier durch tagesaktuelle Illustrationen und Karikaturen zur Popularisierung bei; die Technologie beflügelte illustrierte Zeitungen und Magazine und verbreitete sich bis nach Amerika und Argentinien, später stark im asiatischen Raum. Um 1910 schuf Max Slevogt eine Lithographie-Reihe zu Mozarts Zauberflöte.
Max Slevogt: Die Zauberflöte, 1910. Lithographie auf JWZanders-Bütten. Format des Bildmotivs: 23,5 x 28,5 cm
Ein technischer Meilenstein erfolgte 1871 mit der Gründung von Faber & Schleicher in Offenbach am Main als erste Steindruck-Schnellpressenfabrik der Welt. Die Prinzipien des Steindrucks wurden im 20. Jahrhundertmin den leistungsfähigen Offsetdruck überführt. Aus der Lithographie entwickelte sich zudem die Fotolithographie, heute Herzstück der Halbleiterfertigung: Winzige Schaltpläne werden mittels Licht auf Siliziumwafer projiziert, entwickelt und geätzt. Zeiss liefert die extrem präzisen Linsensysteme und Spiegeltechnologien, ASML baut die hochkomplexen Lithographiemaschinen, insbesondere EUV-Anlagen. Diese Kombination ermöglicht Schaltungsstrukturen im Nanometerbereich, die die Leistungsfähigkeit moderner Smartphones, Tablets und Computer begründen.
Die typografische Kunst und das Layout, über Jahrhunderte perfektioniert von Gutenberg bis Senefelder, sind das gestalterische Fundament heutiger Bildschirminhalte: Texte, Grafiken und Bilder auf Smartphones und Tablets sind letztlich Content auf neuen Substraten. Damit wird die Brücke geschlagen: Vom Stein zum Chip. Das Digitalzeitalter ist ohne die Drucktechnik und ihre Evolutionslinien nicht denkbar.
Zukunftsgestaltung und strategisches Fazit
Der Vortrag von Boris Andreas Weber schließt mit einem optimistischen, aber handlungsorientierten Ausblick: Die Branchenstimmung kann nachhaltig gut sein, doch Veränderungen geschehen nicht von selbst. Print ist kein isoliertes Puzzleteil; die digitale Welt ist Teil einer Kultur, die durch Print geformt wurde und weiter geprägt werden kann. Gedruckte Bücher stehen beispielhaft für die anhaltende Relevanz physischer Medien – ihre Wertschöpfung erfolgt seit 2010 maßgeblich außerhalb klassischer Verlagsstrukturen, durch direkte Beauftragungen von Privatpersonen, Organisationen und Firmen.
„Print neu denken“ bedeutet, die menschlichen Werte – Empathie, soziale Intelligenz, kulturelle Identität – bewusst zum Kern kreativer Praxis zu machen und diese als mitreißende Narrative in die digitale Gesellschaft einzubringen. Der Appell ist klar: Die Branche ist Gestalter, nicht Zuschauer. Das Credo „Wer druckt, der bleibt“ fasst die Haltung zusammen, mit der mentale Transformation, strategische Klarheit und technologische Integration zu einer zukunftsfähigen, wirksamen und kulturell tragfähigen Printwelt führen.
Hinweis: Im Rahmen des #PrintIsBack Podcast gibt es vom April 2026 eine Episode in Form eines Manifesto mit dem Titel ‚Print neu definiert‘, das für Druckereien konkrete Anleitungen bietet, wie man es sich weiterentwickeln und gegebenenfalls neu ausrichten oder im eigenen Tun optimieren kann.
Einige Ideen als Vorschläge fürs Printgeschäft im KI-Zeitalter
@Große Onlinedruckkonzerne
☐ Pilotprojekte zu Agentic Commerce aufsetzen, um praktische Erfahrungen mit KI-Agenten für Ausschreibung und Auftragsvergabe zu sammeln
☐ Evaluationsrahmen definieren (Ziele, Fehlertoleranzen, KPIs) für den Einsatz von KI-Agenten in Web-to-Print-Prozessen
@Druckereien (weitere Marktteilnehmer)
☐ Individuelle Beobachtung von Agentic-Commerce-Entwicklungen organisieren (Technologie-Scouting, Markt-Monitoring), ohne hektische Ad-hoc-Investitionen
☐ Strategischen KI-Aktionsplan entwickeln (klare Ziele, Erwartungen, Messmethoden), um fragmentierte Initiativen zu bündeln
☐ Prokrastination adressieren: interne Barrieren identifizieren (Prozess, Kultur), konkrete Umsetzungs-Roadmap für Automatisierung und Softwarelösungen festlegen
☐ VDP-Workflows auf „object-based Design“ umstellen (System- und Datenarchitektur, File-Formate, Render-Pipeline), um Hyper-Personalisierung und Marketing-Automation zu ermöglichen
@Verbände/Branchenorganisationen
☐ Praxisleitfaden zu KI in der Druckbranche veröffentlichen (Anwendungsfälle, Fehlerraten, Risikomanagement, rechtliche Aspekte)
☐ Best-Practice-Sammlung zu VDP und object-based Design kuratieren und zugänglich machen
☐ Bildungsangebote zu mentaler Transformation und Veränderungskompetenz (Workshops, Diskursformate) bereitstellen
@Technologieanbieter (Software/Automatisierung)
☐ Referenzarchitektur für integriertes VDP mit object-based Design und Marketing-Automation bereitstellen (Kompatibilität, APIs, Performance-Metriken)
☐ Metrik-Frameworks liefern, die Wirksamkeit (Response, Conversion, Relevanz) über reine Effizienzkennzahlen stellen
@Unternehmensführung (Druckbetriebe)
☐ Mentale Transformationsprogramme initiieren (Dialogformate, iterative Denkprozesse, Experimentierkultur) als Voraussetzung für Technik- und Prozessumsetzung
Portfolio-Strategie für physische Printprodukte mit hoher symbolischer und empathischer Wirkung schärfen (z. B. Buchprojekte, hochwertige Editionen)
Das von Jacques Michiels und Boris Andreas Weber moderierte Gespräch beleuchtet eindrucksvoll die vielschichtige Transformation der Druckindustrie in Österreich — sicher mit Vorbildfunktion für andere Regionen in Europa. Im Fokus stehen der Wandel von traditionellen zu modernen, dienstleistungsorientierten Betrieben, die tief verankerte Nachhaltigkeit der Branche und die unaufhaltsame Integration digitaler Technologien wie künstlicher Intelligenz (KI).
Die Experten stellen fest, dass Print im Jahr 2026 als nachhaltige und innovative Kommunikationsform hoch relevant ist, insbesondere in Österreich mit seiner starken Papier- und Faserkompetenz (z.B. Mondi, Lenzing).
Lebenszyklusanalysen zeigen laut Peter Sodoma, dass Print je nach Anwendung eine bessere CO2-Bilanz als digitale Alternativen aufweisen kann.
Der Verband Druck | Medien Österreich wirkt laut Peter Sodoma mit der Kampagne „Print wirkt nachhaltig“ gezielt Greenwashing entgegen und fördert einen differenzierten Kommunikationsmix, statt pauschal Digital oder Print zu bevorzugen. Die Branche hat sich von nostalgischen Bildern zu einer effizienten, evidenzbasierten Industrie entwickelt, die ökologische Verantwortung ernst nimmt, was durch Zertifizierungen wie das Österreichische Umweltzeichen unterstrichen wird.
V.l.o.n.r.u.: Jacques Michiels, Christian Handler, Peter Sodoma, Boris Andreas Weber. Foto: Screenshot aus Podcast-Aufzeichnung.
Ein zentrales Thema ist die Auseinandersetzung mit neuen Technologien. Hier liegt der Arbeitsschwerpunkt von Christian Handler. Ähnlich wie bei der Einführung des Desktop-Publishing in den 80er/90er-Jahren, stellt für ihn die aktuelle Welle von KI und Tools wie Canva eine Herausforderung dar, die proaktiv gemeistert werden muss. Anstatt diese abzulehnen, sollten Druckereien sich als Berater positionieren, die Kunden bei der Erstellung druckfähiger Daten unterstützen und so Mehrwert schaffen.
Gleichzeitig wird ein „Print-Revival” beobachtet: Gerade jüngere Generationen schätzen die Haptik, Beständigkeit und sinnliche Erfahrung von gedruckten Produkten wie Büchern als Statussymbol und Zeichen der Individualität in einer digitalen Welt.
Die größte Herausforderung und zugleich größte Chance liegt in der Synthese von menschlicher Kreativität und den Möglichkeiten der KI. KI wird als mächtiges Werkzeug (wie seinerzeit die Menschheitsentdeckung des Entzünden von Feuer) gesehen, das beherrscht werden muss. Es soll repetitive Aufgaben übernehmen und als „Resonanzraum” für Kreativität dienen, während strategische Vision, emotionale Intelligenz und die finale Kontrolle („human in the loop”) menschliche Domänen bleiben.
Kernbeobachtung von Christian Handler: Erfolgreiche Druckereien transformieren sich vom reinen Dienstleister zum kreativen Partner, der mithilfe von KI-Analysen maßgeschneiderte Kommunikationslösungen entwickelt.
Die wichtigsten Elemente der Diskussionsrunde
Struktur der Branche in Österreich: Rund 500 Druckbetriebe, stark regional geprägt. Der Verband Druck | Medien Österreich agiert als moderne, vernetzte Interessensvertretung für ca. 200 Mitgliedsunternehmen und Industriepartner.
Historie vs. Gegenwart:
Die Branche hat sich von ineffizienten „goldenen Zeiten“ zu einer hochmodernen Industrie entwickelt, die auf Effizienz, Qualität und Verantwortung setzt.
Nachhaltigkeit als Kernkompetenz:
Die gesamte Wertschöpfungskette (Maschinen, Papier, Druck) ist seit Jahrzehnten auf Nachhaltigkeit ausgerichtet (Cradle-to-Cradle, Recycling).
Ökologische Maßnahmen sind oft auch ökonomisch sinnvoll und stärken die lokale Wertschöpfung im Gegensatz zu globalen Digitalkonzernen.
Die Kampagne „Print wirkt nachhaltig“ kommuniziert evidenzbasiert die ökologischen Vorteile von Print und bekämpft Greenwashing.
Haptik und Wertigkeit als Alleinstellungsmerkmal: Die physische und sinnliche Erfahrung von Printprodukten gewinnt in einer digitalen Welt an Bedeutung und wird auch von jüngeren Zielgruppen als Statussymbol und Mittel zur Individualisierung geschätzt.
Proaktiver Umgang mit neuen Technologien:
Die Unsicherheit gegenüber KI und Canva spiegelt frühere Umbrüche (z.B. Desktop-Publishing) wider, die die Branche stets gemeistert hat.
Druckereien sollten Kunden bei der Nutzung neuer Tools wie Canva beraten, anstatt sie abzulehnen, um sich als kompetenter Partner zu positionieren.
KI als Chance, nicht als Ersatz:
KI ist ein unumgängliches Werkzeug zur Optimierung, Automatisierung und kreativen Transformation. Sie ersetzt nicht die menschliche Kreativität, sondern unterstützt sie.
Vom Dienstleister zum kreativen Partner:
Die Zukunft liegt darin, die Rolle vom Auftragsabwickler zum strategischen Berater zu wandeln, der für Kunden maßgeschneiderte Kommunikationslösungen entwickelt.
Mensch im Mittelpunkt („Human in the Loop”):
Trotz rasanter technologischer Entwicklung bleiben strategisches Denken, Kreativität und die finale Kontrolle entscheidende menschliche Kompetenzen. KI ist ein „guter Diener, aber ein schlechter Herr”.
Herausforderung Lesekompetenz:
Eine gesellschaftliche Sorge ist die abnehmende Fähigkeit zum sinnerfassenden Lesen bei Jüngeren durch schnelllebige digitale Inhalte, was auch die Printbranche betrifft.
Der Podcast #printisback findet sich auf den gängigen Plattformen von Apple und Spotify sowie im Kanal des Kooperationspartners PrintIsland auf YouTube.
Checkliste für Unternehmen und die Druckbranche
[ ] Kommunikationsmix strategisch prüfen:
Analysieren, ob für langlebige, haptische Inhalte Print und für Kurzinfos/Interaktion Digital besser geeignet ist.
Die Wertschätzung für Haptik bei jüngeren Zielgruppen als Verkaufsargument nutzen.
[ ] Nachhaltigkeit belegen und optimieren:
LCA-Daten (z.B. Öko-Institut-Studie) nutzen, um Greenwashing zu vermeiden.
Lieferkette (Papier, Energie, Farben, Lacke) auf Umweltwirkung und Recyclingfähigkeit prüfen.
[ ] Neue Technologien proaktiv annehmen:
Sich aktiv mit Tools wie Canva und KI auseinandersetzen.
Mitarbeiter durch In-House-Schulungen technologisch auf den neuesten Stand bringen.
[ ] Geschäftsmodell transformieren:
KI-Kompetenz aufbauen, um Prozesse zu optimieren und neue Dienstleistungen (z.B. Zielgruppenanalyse, Personalisierung) zu entwickeln.
Sich vom Auftragnehmer zum strategischen Berater und kreativen Partner für Kunden entwickeln.
[ ] Den Menschen im Fokus behalten:
Sicherstellen, dass Kreativität, Reflexion und persönlicher Kontakt trotz Automatisierung im Zentrum stehen (“Human in the Loop”).
[ ] Vernetzung und Dialog nutzen:
Partnerschaften mit Verbänden (z.B. für Lobbying auf EU-Ebene), Herstellern und IT-Unternehmen zur Teilung von Best Practices nutzen.
Den offenen Austausch über die Zukunft der Branche fördern (z.B. bei Tagungen wie am 6. November 2026 in Salzburg).
Erkenntnisse
Die Druckbranche befindet sich in einem ständigen, aber beherrschbaren Wandel. Anstatt Opfer der Digitalisierung zu sein, hat sie die Chance, sich als unverzichtbarer, nachhaltiger und kreativer Partner zu positionieren.
Die Lage ist oft besser als die Stimmung. Die Zukunft liegt in der intelligenten Synthese aus der emotionalen Stärke haptischer Produkte und der analytischen Kraft von KI. Der Erfolg wird jenen gehören, die es schaffen, ihre Kunden kompetent zu beraten, technologische Innovationen proaktiv als Werkzeug zu nutzen und sich vom reinen Produzenten zum visionären Kommunikationsgestalter zu entwickeln.
Mit dem Bewusstsein, dass Technologie ein Diener ist, die Kreativität und Strategie aber menschlich bleiben, kann die Branche ihre Relevanz in einem hybriden Medienmarkt sichern und sogar ausbauen.
Hinweis
Unter dem Motto „Transformation trifft Transformation“ widmet sich der Druck Medien Tag am 6. November 2026 in Salzburg der Frage, wie der Spagat zwischen bewährten Strukturen und notwendiger Transformation gelingen kann.
Im Mittelpunkt stehen dabei aktuelle Herausforderungen und Chancen: von Innovation und Nachfolge in Familienunternehmen über den Wandel der Medienlandschaft bis zu Diskussionen rund um Print und digitale Kanäle.
Screenshot aus KI Festival-Video-Doku des Städel Museum mit Constanzes Kurz, Gitta Kutyniok, Ingo Dachwitz, Nora Al-Badri, moderiert von Vivian Perkovic
KI ist längst Alltag – und sie bleibt. Die Diskussion beim KI-Festival im Städel Museum mit Moderatorin Vivian Perkovic und Expertinnen und Experten wie Constanze Kurz, Prof. Gitta Kutyniok sowie Ingo Dachfeld zeigte eindrücklich: Wir stehen an einem Wendepunkt. Es geht nicht um Hype oder Angst, sondern um kluge Gestaltung.
Vom „Ausbruch“ der KI zur Verantwortung der Anbieter
Jüngste Vorfälle bei OpenAI und Anthropic, bei denen Modelle Sicherheitsbarrieren umgingen, wurden kontrovers bewertet:
Constanze Kurz sieht darin vor allem Marketing und warnt vor Vermenschlichung: KI simuliert Verhalten, hat aber weder Bewusstsein noch eigene Ziele.
Gitta Kutyniok betont die wachsende Mächtigkeit der Systeme: Der Fehler lag in der unzureichenden Abschottung – die Agentenkommunikation wirkt intelligent, bleibt aber zweckgebunden.
Kernpunkt: Verantwortung liegt bei den Anbietern – technische Grenzen müssen robust sein, Narrativen sollte man kritisch begegnen.
Der vergessene Faktor Mensch und die Lieferkette der KI
Ingo Dachfeld lenkt den Blick auf Produktionsbedingungen: Content-Moderation und Datenlabeling, oft ausgelagert in den globalen Süden, schützen Nutzerinnen und Nutzer, belasten aber jene, die diese Arbeit leisten. Verantwortung darf nicht in komplexen Lieferketten diffundieren. Fair-Work-Standards sind überfällig.
Daten, Vielfalt und Entmystifizierung
Datensätze prägen, was Modelle „sehen“. Historisch dominierte der globale Norden (z. B. ImageNet). Die Antwort: kuratierte, kontextbewusste Southern Data Sets und Projekte wie „Babylonian Vision“, die KI als Mustererkenner begreifen – als Werkzeug, nicht als Wesen.
Infrastruktur sichtbar machen
Rechenzentren verbrauchen Energie und Wasser – oft ohne Transparenz. Pflichtkennzahlen zu Verbrauch, Kühlung und Emissionen sind notwendig, damit Unternehmen und öffentliche Hand rational entscheiden können. Wenn Kapazitäten ausgebaut werden, braucht es klare Berichte und Audits.
Technik, Effizienz und Vertrauen
Neuromorphes und photonisches Computing versprechen Effizienzgewinne; Biocomputing zeigt experimentelle Pfade. Standards und Programmierbarkeit müssen mitwachsen.
LLMs halluzinieren. Vertrauen entsteht durch Herkunftsnachweise, Modellkarten, Risikoberichte, unabhängige Audits und Optionen für lokale, datenschutzfreundliche Nutzung ohne Zwangsintegration.
Medienkompetenz als Pflichtfach
LLMs haben kulturelle und politische Färbungen. Medienkompetenz muss dauerhaft in Schulen und Weiterbildung verankert werden – wer KI bewusst nutzen will, muss sie verstehen. Transparenzlabels, ähnlich dem Energieeffizienzlabel, könnten Verbrauch, Zuverlässigkeit und Datenherkunft sichtbar machen – echter digitaler Verbraucherschutz.
Chancen nicht übersehen
KI löst komplexe Theoreme und eröffnet personalisierte Medizin – schon heute. Gleichzeitig sollten versteckte Kosten (Energie, Wasser, epistemische Risiken, militärische Anwendungen) ehrlich eingerechnet werden. Oft sind kleinere, spezialisierte Modelle präziser und ressourcenschonender als Generalmodelle.
Kreativität, Kultur und digitale Souveränität
Künstlerische Praxis zeigt die konstruktive Kraft von KI: Projekte wie „The Post Truth Museum“ von Nora nutzen Deepfakes, um dekolonisierte Zukunftsnarrative zu imaginieren. Kulturinstitutionen und Qualitätsjournalismus können eine Renaissance erleben: kuratieren, kontextualisieren, Sinn stiften.
Europa sollte seine Werte – Datenschutz, Urheberrecht, Transparenz – selbstbewusst durchsetzen. Ein europäisches KI-Modell auf den Datenschätzen öffentlich-rechtlicher Sender, Bibliotheken und Forschung ist realistischer Aufruf zum Handeln.
Transparenz verpflichtend machen: Energie- und Wasserberichte für Rechenzentren, Modellkarten, Herkunftsnachweise, unabhängige Audits und klare Datenschutzpraktiken.
Vielfalt in Daten fördern: Kuratierte, kontextreiche Datensets aus der globalen Mehrheit in Kooperation mit Communities, Kunst und Forschung.
Die Zuversicht entsteht nicht aus blindem Technikglauben, sondern aus unserer Fähigkeit, KI gemeinsam klug zu gestalten.
Screenshot der KI-Festival Videos des Städel Museum auf YouTube. Hier sind die Podiumsbeiträge per Live-Stream-Mitschnitt dokumentiert.
Im Rahmen der #besserleben Berichtsreihe werden von mir alle wichtigen Beiträge auf Bühne 1 des KI-Festivals thematisiert und kommentiert.
Wie Hotwired auf Expansionskurs reüssierte! – Interview mit Michael Winnick, San Francisco
#Flashback — HORIZONT Nr. 46 vom 13.11.1997, Seite 092 (Sonderteil HORIZONT Interactive)
Das ambitionierte Kultobjekt wandelt sich zum Big Business im World Wide Web. Valide Marktforschung ist künftig unerläßlich. Die Web Community wird zur Trumpfkarte. In San Francisco stand Hotwired-Marketing-Manager Michael Winnick Horizont Rede und Antwort. Interview: Andreas Weber
Seit diesem Jahr [1997] schreibt Hotwired schwarze Zahlen, zuvor waren zwei Verlustjahre zu verzeichnen. Was hat die Wende ausgelöst?
Michael Winnick: Hotwired ist in der denkbar frühesten Phase des Webs mit einem innovativen Business-Modell angetreten: Internet als Basis des geschäftlichen und privaten Lebens zu erschließen. Dieser Ansatz mußte und wurde kontinuierlich ausgebaut. Vieles war am Anfang pures Experiment, weil keinerlei Erfahrungswerte vorlagen – entsprechend waren Vorinvestitionen nötig. Wir konnten hierfür sogar Venture-Kapital gewinnen. Die zentrale Frage lautete aber stets: Wie kann man Umsatz generieren, um Investitionen wieder hereinzuholen? Wir haben im Prinzip nach zwei Jahren gelernt, daß da Werbeeinnahmen nicht genügen. Man muß andere Wege gehen.
Können Sie das präzisieren?
Winnick: Im Zuge der neuesten Version von Hotwired.com, 4.0, die im Frühsommer 1997 gelauncht wurde, haben wir neue Bereiche etabliert: Online-Commerce, Lizenzgeschäft und Allianzen. Commerce heißt, daß wir mit Markenartiklern kooperieren, um deren Produkte via Internet zu vermarkten, die ihrerseits wiederum unsere Produkte promoten. Hierzu zählt vor allem auch Merchandising. Gegenseitige Provisionszahlungen sind vereinbart. Lizenzabkommen haben wir beispielsweise mit NTT (Nippon Telegraph and Telephone) geschlossen, die hotwired auf japanisch adaptieren. Und wir haben ein erstes Abkommen mit der Nachrichtenagentur Reuters getroffen zusammen mit Yahoo. Partner sind aber auch High-Tech-Firmen wie Intel, Microsoft, Netscape oder Bell Atlantic.
Was macht Hotwired für Partner und Werbetreibende interessant?
Winnick: Über den Hotwired Content erreichen wir hochqualifizierte Zielgruppen, wobei man bei derzeit fast 650000 Subscribers mit hoher Verweildauer pro Tag und Woche schon von einer Community reden kann. Der Zuwachs pro Tag beträgt immerhin 5000. Interessant ist, daß unsere Partner und Werbekunden nicht nur diejenigen sind, die wir über Wired bereits erreichen. Unsere Sektion Webmonkey zum Beispiel zieht alle aktiven Webmaster dieser Welt als User an. Als Werbekunden erreichen wir durch Webmonkey alle, die dieses kleine, aber exklusive Zielgruppenprofil und -potential nutzen wollen, also Firmen unterschiedlichster Branchen, bis hin zu Automobilherstellern wie Toyota. Das nennen wir zielgruppengerechte und kontextorientierte Werbung, die sehr erfolgreich ist. Webmonkey ist mit rund 107 Prozent ständig ausverkauft.
Das heißt, Sie wollen und werden kein Massenpublikum ansprechen?
Winnick: Doch, aber das muß man differenzieren. Erstens haben wir eine weltweite, globale Userbasis, zweitens zählen wir die Elite der Online-User zu unserer Community. Und diese Basis wächst explosionsartig. Unsere Marktforschung belegt, daß Internet das am schnellsten wachsende Medium aller Zeiten ist: In nur fünf Jahren betrug die technische Reichweite des WWW fast 50 Millionen User. Zum Vergleich: Das Radio hat dazu etwa 38 Jahre gebraucht. Wenn wir die rasche Technologieentwicklung einbeziehen, werden Webangebote in Kürze auch über andere Medien wie Kabel-, Digital- oder Satelliten-TV verbreitet und die Reichweitenzahlen mittelfristig in die Milliarden gehen.
Was unterscheidet Internet-Konzepte und -Angebote dann noch von herkömmlichen Massenmedien?
Winnick: Etwas Entscheidendes: die Kreativität, Dynamik und Interaktivität des Users. Denn Hotwired verstehen wir als Medium mit der Möglichkeit der “Individual Participation”, kombiniert mit einer weltweiten Informations- und Kommunikationsplattform. Wir möchten für unsere User entsprechend den Begriff “Web-Participants” prägen. Denn das sind keine Web-couch-potatoes oder Surfer mehr, das sind Menschen, die aktiv und kompetent im Web sind: Web Sites entwickeln, Live Events per Webcast organisieren, programmieren, Live-Chats beiwohnen und selbst Reviews von Websites vornehmen für Print, TV oder Online-Medien. Wir schätzen, daß Web Participants bereits ein Viertel der Web-Population insgesamt ausmachen.
Wie ist diese Dynamik überhaupt in den Griff zu bekommen?
Winnick: Indem man sich als Anbieter klar positioniert, permanent den Markt beobachtet und seine Strategien anpaßt. Wir haben – wohl im Unterschied zu Europa und Deutschland – schon sehr valide Marktforschungsergebnisse, die nicht dazu dienen, uns selbst etwas vorzumachen, sondern Fakten zu liefern. Daran orientieren wir uns und unser Angebot ständig.
Wie sieht Ihre Positionierung denn aus? Ihr Kollege Mike Homer von Netscape sagt voraus, im Internet würden sich die “big five hubs” – Netscape selbst sowie Suchmaschinenanbieter – als Erstadressen etablieren, für mehr sei kein Platz.
Winnick: Von Hubs sprechen wir nicht, sondern von “Portal sites”. Das sind in der Tat Suchmaschinen und Websites mit mehr als 20 Millionen Zugriffen pro Monat. Die werden gefolgt von “Category Killers”, wie zum Beispiel Toys R” us, mit bis zu fünf Millionen Zugriffen pro Monat. Erst dann kommen “Micro Hobbies”, also Spezialangebote mit einer Million Zugriffen pro Monat, wie beispielsweise Hotwired. Klar ist, daß wir mittelfristg zur zweiten Gruppe gehören wollen.
Welche Strategie verfolgt Hotwired?
Winnick: Wir wollen und müssen Geld verdienen. Hotwired ist nichts für Freaks, sondern ein ernsthaftes Geschäft. Und das bedeutet Wachstum generieren einerseits und eine optimale Zusammenarbeit mit den Web Participants und den Anzeigenkunden andererseits. Wenn die Vorhersagen stimmen, werden wir 1998 allein in den USA 100 Millionen Internet-User haben – eine Steigerung von 2500 Prozent in vier Jahren. Zugleich steigt das Interesse von Firmen bei Online-Werbung und -Commerce.
Was muß man bei Kostenaspekten besonders berücksichtigen?
Winnick: Für die meisten kommerziellen Web-Anbieter wird der Erfolg gleichzeitig zum Problem. Ist man klein und elitär, kann man hohe Preise pro Customer per month (Cpm) erzielen – beispielsweise bis zu 150 Dollar pro 100 Cpm. Je höher die Userbasis ist, desto niedriger wird der Cpm – und pendelt sich bei einer Verzehnfachung der Userzahlen bei rund 30 Dollar ein. Dies muß man kaufmännisch in den Griff bekommen, sonst geht es leicht schief. Der zweite Aspekt ist die Online-Vermarktung. Hier haben wir bereits letztes Jahr für Wired Digital einen Top-Werbeprofi von J. Walter Thomson abgeworben: Hunter Madsen. Er treibt die Vermarktung von Hotwired kräftig voran.
Was ist Ihre größte Herausforderung?
Winnick: Das interaktive Medium Web noch multimedialer werden zu lassen und viel stärker in unser Privat- und Berufsleben einzubeziehen. Ich bin jetzt 23 Jahre alt und möchte gerne noch eine Zeitlang Action haben.
Das [seinerzeitige] Erfolgsrezept von Wired Ventures Inc.: High-Tech-Produkte und Digitaltechnologien prägen den Lifestyle moderner und erfolgreicher Menschen. 1994 wurde dem Printobjekt ein Cyber-Pendant zur Seite gestellt. Wired Digital Inc. umfaßt drei Geschäftsfelder: Hotwired (als selbständiges Online-Medium), wired.com (die Website zur Printausgabe mit Wired news) und hotbot (das Wired- eigene Search-Center, aktuell erweitert um den intelligenten Search agent newbot). Beschäftigt werden rund 160 Mitarbeiter, der Hauptsitz ist in San Francisco. Am 23. Oktober 1994 ging Hotwired mit Version 1.0 als erste kommerzielle Website ins Internet. Innovativ-avantgardistische Themen werden in unverwechselbarer Weise aufgegriffen. Getreu dem erfolgreichen Wired-Motto: Die Inhalte dynamisch, die Visualisierung fetzig und auffallend gestalten. Michael Winnick, 23, ist seit Sommer 1996 als Marketing-Manager für Hotwired verantwortlich.
Morten B. Reithoft, founder, CEO and Editor of INKISH.TV got a brillant idea! He created INKISH.INSTANT as a basis for a new way to succeed via state-of-the-art communication. Online + Social Media!
INKISH.INSTANT — A new offer by Morten B. Reitoft
Morten explanis: ”INKISH.INSTANT is a new service from INKISH enabling users to use film/video animations in your communication.
Regardless of travel bans, or just a need to get your communication to work instantly —this service will make it happen.
The Smartphones most of us have today are great. With your filming and our editing, we deliver a seamless great storytelling experience. We call it INKISH.INSTANT.”
To access INKISH.INSTANT is easy, convenient and effective. There is a freemium option to get startet. And there are some more cool options to benefit from a local and global network.
Selbst mehr als eine Dekade nach dem Aufkommen von Social Media und den damit verbundenen dramatischen Veränderungen in der Kommunikation tut sich insbesondere die Print-Branche schwer mit der neuen, digitalen Art, Geschäftskommunikation per Social Media zu betreiben, um das Go-to-Market zeitgemäß und nachhaltig erfolgreich zu gestalten.
Für die #drupa2020 als globale Leitmesse einer Branche, die global pro Jahr rund 1.000 Milliarden Euro umsetzt, wird es wichtiger denn je, vor, während und nach der Messe wirkungsvoll zu kommunizieren und zu interagieren. Das gilt für alle: Messeveranstalter, Aussteller, Besucher und vor allem für Fachmedien.
Keine Frage: Es ist zwingend, einen eigenen Weg zu finden, um Kunden und Interessenten medial direkt anzusprechen. Und es gibt auch sinnvolle Möglichkeiten. Nur: Es werden teils wirre Thesen vertreten und kolportiert.
Viele folgen dem Prinzip ‚Gewollt, aber nicht gekonnt‘. Gerade auch Print-Fachmedien, die ihre Print-Titel mit Websites ergänzt haben, seit Jahren an Lesern, Reichweite und damit Bedeutung verlieren, und sich daher mit dem gewohnten Redaktionskonzept hilfesuchend auf Social Media stürzen, um auch dort die gleichen Inhalte zu publizieren.
Ähnlich tun es viele Unternehmen, die ihre Pressemitteilungen unverändert an Fachmedien senden, auf ihren Websites selbst publizieren und auf Plattformen wie Twitter, Facebook, XING oder LinkedIn teasern. Dass dies nicht wirken kann, ist evident: die meisten schaffen keinen nennenswerten Response, ihre Botschaften verpuffen.
Richtig oder Falsch? — Einige Tipps
Falsch: Social Media bietet viele Kanäle.
Richtig: Social Media ist ein Überbegriff für zahlreiche spezifische, auf Interaktion ausgerichtete Plattformen der digitalen Kommunikation. Plattformen für Bilder (z.B. Instagram), für Videos (z.B. YouTube oder auch Facebook), für Kurznachrichten (allen voran Twitter), fürs Geschichten erzählen (Blogs via WordPress, Medium u.a.), für Spaß und Unterhaltung (TikTok), für Podcasts (v.a. iTunes)für persönliches Netzwerken (z. B. WhatsApp, Messenger, WeChat) und für B2B-Kommunikation (v.a. LinkedIn). Und last but not least: für kollaboratives Publizieren von Fachinhalten (z.B. für Print durch INKISH.TV und INKISH.News).
Falsch: Social Media lebt von vielen kurzen Meldungen, die gepusht werden, um möglichst viel Reichweite aufzubauen.
Richtig: Jede Art von Inhalt kann individuell, höchst spezifisch und multimedial genutzt werden, um Interaktionen zu erzeugen und Dialoge herzustellen. Fast wie bei einem persönlichen Gespräch.
Falsch: Social Media führt zur Informationsüberflutung.
Richtig: Wer per Social Media lernt, die richtigen Plattformen für seine Absichten auszuwählen, seine „Botschaften“ spezifisch gestaltet, inkl. dem Feedback-Management und der passenden Verschlagwortung, und sich bestens vernetzt, wird nicht Opfer von (sinnloser) Information, sondern deren Gestalter. Nebeneffekt: Kosten entstehen dabei kaum. Und sich kurz zu fassen, auf den Punkt zu kommen, um für sich und seine Inhalte Sympathie zu schaffen, ist ein riesiges Plus!
Falsch: Social Media ist oberflächlich und kurzlebig — Inhalte erleiden das Schicksal von Eintagsfliegen.
Richtig: Die wichtigsten Inhalte, ob beruflich oder privat, finden sich heute und morgen auf Social Media-Plattformen, sind messbar, werden grossteils von Google dauerhaft indiziert und sind stets auffindbar. Zudem ist die Interaktionsbereitschaft der Nutzer maximal hoch, da die Plattformen einfach zu bedienen sind, man sich nicht mit Anwendungstechniken, Updates etc. beschäftigen muss, sondern voll und ganz auf Inhalte fokussieren kann.
Lichtblick
Social Media hat sich bei Innovatoren und Start-ups im Print bereits erfolgreich etabliert. Smarte Anbieter von Fotobuch-Applikationen sowie Spezialanwendungen bei Textil- oder Tapetendruck, Mass Customization, Postkarten, Postern etc. begründen ihr Geschäftsmodell auf Social-Media-Plattformen. Die meisten tun dies für mobile Kommunikation via Smartphone und Tablet.
Zudem lassen sich Social Media-Inhalte und -Aktivitäten in Multichannel-Szenarien einbinden, was allerdings bei Druckereien wie auch bei ihren Lieferanten kaum richtig bewertet bzw. eingesetzt wird. Wie sonst könnte man darauf kommen, Social Media als Erweiterung von überkommenem Direktmarketing und damit als neuen Push-Kanal zur Informationsvervielfältigung dessen zu nutzen?
Fazit
Das Wesentliche ist aus meiner Sicht, auf Dialoge/Konversationen und Interaktionen zu setzen, sowie die Befindlichkeit der Einzelnen auf den unterschiedlichen Plattformen zu evaluieren und darauf einzugehen, was problemlos funktioniert, da Social Media erlaubt, Marktforschung in Echtzeit zu betreiben.
Damit könnte der neuen Maßgabe gedient werden, die das Digitalzeitalter zwingend macht: Nicht was ich kundtun will, ist relevant, sondern das, was ich lernen kann durchs Zuhören, Diskutieren, Durchdenken, Bewerten usw., um daraus kundenorientierte, maßgeschneiderte Angebote zu gestalten.
Ratschläge
Position überdenken — Perspektive wechseln!
Fundamental-Irrtümer unterlassen.
Sich persönlich durch aktive Social-Media-Arbeit kundig machen, um einen klaren Fokus zu finden.
Das Wesen moderner Kommunikation im Digitalzeitalter verinnerlichen: „Interaktion durch Konversation“ in den Mittelpunkt stellen und stringent verfolgen, um sich smart ins Gespräch zu bringen und als attraktiver Partner für Innovation und Transformation zu profilieren.
Nicht mehr den falschen Propheten folgen, sondern lieber eigene Wissensnetzwerke aufbauen.
Angesichts der Tatsache, dass sich im Zuge der Transformation der Print-Branche die bereits enorm große Komplexität noch steigert, z. B. durch Themen wie Künstliche Intelligenz, IoT, Subskritions-Modelle, Blockchain etc., sind kontinuierliche Konversationen in Netzwerken und auf Plattformen zwingend.
Wer das tut, wird schnell angenehm überrascht sein und wandelt sich im besten Fall zum exzellent vernetzten Wissensarbeiter!
Addendum
Ich selbst nutze Social Media von der ersten Stunde an. Und habe einen systematischen Ansatz entwickelt, die für mich relevanten Plattformen zu identifizieren und erfolgreich zu nutzen. Mit meinen Blogs erreiche ich über 150k Profis aus fast 160 Ländern, bin per LinkedIn mit fast 23k Entscheidern direkt im Kontakt, ergänzt durch zusammengefasst rund 10k weitere per LinkedIn, Twitter, Facebook, XING. Zahlose spannende Kontakte und Projekte konnten so generiert werden.
Gerne gebe ich Interessierten weitere Tipps und Hilfestellung.
Hinweis
Für Innovationsinteressierte empehle ich die Lektüre von #hotspotsubscription, meinem neuen Fach-Blog zu digitaler Transformation durch neue Geschäftsmodelle via #subscription. Der Blog kann kostenfrei subskribiert werden!
In the run-up to drupa 2020, the technology group Ricoh has raised an interesting question in the context of its inkjet printing activities: “How do experts rate the status of the ‘offset to digital transition’ happening in the production print arena? – Below my assessment. Comments welcome!
To be honest: I know Ricoh’s inkjet printing developments right from the start, and I was very impressed with Ricoh’s progress with its flagship product VC70000 at the Hunkeler Innovation Days 2019. My conversation with Ricoh Europe’s Business Innovation and Solutions Director Erwin Busselot showed that image quality and productivity has made a quantum leap and meets the most up-to-date requirements.
At the same time, aspects of the optimal utilization of such a high-end system by commercial printers were revealed; and whether there are currently and in the near future a sufficient number of PSP’s that have the necessary huge amounts of data easily available and then process them accordingly. Specially for variable data printing, which is far from mainstream in the classical production environment, but absolutely necessary to mark an effective unique position, respectively, to guarantee the profitability and future viability of the printing company.
Which brings us to the core issue, when we think about the offset-to-digital transition: A) Which printing technique is the future? And according to B): How are sustainably successful print productions of the next decades designed to successfully meet the requirements of the digital age?
Here are my assessments and comments:
A) Which printing technology process does the future belong to?
“Old World”
Offset printing as well as flexographic printing as a process are clearly specified, well-proven and, at the latest since drupa 2016 in the course of Industry 4.0 solutions through digitization and automation of all process steps capable of highly productive and effective editions of any kind. Autonomous Printing has brought the classic printing world the leadership in industrial on-demand printing for runs of 250 and less, as shown above all in Online Printing, but also in classic commercial printing.
Accordingly, the increase in productivity, measurable by the Overall Equipment Effectiveness OEE, has increased exponentially in classical printing. Several thousands of printers have already succeeded in evolving from production printing to industrial production. The increase in print volume in offset and flexo printing, which can now be achieved, exceeds the page volume of digitally printed print jobs by far.
This is made possible by standardization, scalability and automation in offset printing; This is accompanied by new business models that are based on Big Data / Industry 4.0 / Real-time Management a. s. o. As well as allowing new, highly innovative financing options such as subscriptions, in which technology is no longer bought, the printing company pays for its use – with a constant increase in OEE.
Example of productivity growth through Autonomous Offset Printing at Elle Media Group, UK, via LinkedIn:
Some stats from November 2019 which will see another 7 million plus impressions month [by a single offset printing system]:
Digital printing is not a term that, like offset printing, characterizes a specific technology, but is an auxiliary term for a large number of different printing techniques, which are based on countless specific areas of applications. Accordingly, the development effort is enormously high, as well as the effort for commissioning, services, go-to-market, etc.
However, it is quite clear that inkjet printing has taken the lead in digital printing both qualitatively and effectively. In fact, the latest generation of inkjet printing systems created new applications (for example in packaging printing) and are replacing less offset printing systems than existing toner-based digital printing systems. Note: The digital revolution in print eats its children.
The fact is in most cases that the use of digital printing systems does not meet the requirement of industrial production; many installed systems are used virtually stand-alone, with their own proprietary digital front-ends and specific processes.
To make matters worse: The vision of success in digital printing is based on wrong assumptions and has a long tradition! Most notably, in spring 2004, market research agency CAP Ventures (later acquired by InfoTrends) publicly announced at the On Demand Congress in New York City that in the near future, one-third of the worldwide offset page volume could be substituted by digital printing in black and white and color. A fatal mistake! Until drupa 2016, it was significantly less than 5 percent of the world’s print volumes that were printed digitally. As a result, a lot of money was wasted and unnecessary effort generated.
Conclusion: Digitization has captured all print technologies in equal measure. “Classic” printing processes have long gone through the digital transition and today, as in the next 10 years, they are indispensable in order to manufacture the majority of printed products around the world in the required huge quantities in a customer-oriented manner.
However, digital printing can gain ground through industrially usable inkjet printing technologies. Provided inkjet printing becomes part of the Industry 4.0 evolution of industrial printers, who are dedicated to the world of Autonomous Printing and are able to operate all printing techniques that are useful to them in terms of collaboration and coherence.
Exciting: In the agency scene, as with the example of the Nice Branding Agency, people actively engage with print. But less from a technology perspective, but from the benefit perspective.
B): How are sustainably successful print productions of the next decades designed to successfully meet the demands of the digital age?
Technology on its own cannot guarantee the success, but the benefit for the communication of the clients of print productions. In order to increase the benefits, the strengths of print must be exhausted and presented in the best possible way.
At the same time, print benefits from convergence. In terms of digital printing applications, variable data is the measure of all things when it can be used wisely for contemporary multichannel communication scenarios. This also makes a clear differentiator to offset and flexo printing applications visible.
By the way: In Germany, the “CREATURA” initiative of the f:mp Fachverband Medienproduktion has created a standard work in book form that scientifically demonstrates what print in the digital age can do and how quality printed matter works (see my review on “The Power of Print”).
It turns out that the term “print” contains all the key terms that represent the value system and the benefits of print:
P = Personal
R = Relevant
I =Iconic
N = Never-ending
T = Trustful
There’s nothing more you can say or know. Right?
About
As a knowledge worker and advisor, Andreas Weber accompanies communication with the media — characterized by a preference for print innovations in the digital age.
To date, he has realized more than 550 innovation / transformation projects, held various teaching assignments (including the School of Visual Arts / NYC, University of Liechtenstein, RheinMain University of Applied Sciences) and held lectures in more than 30 countries.
His blog valuetrendradar.com (ISSN certified) inspires decision makers from more than 160 countries. Since the summer of 2019, his new blog “#HotspotSubscription – The Renewal of Print” has received worldwide attention from innovation experts.
Nothing stands in the way of the prospering future of print. Assuming we know how it works! That’s the way to describe Rüdiger Maaß‘s credo. For about two decades, he has been tirelessly committed to contemporary, highly effective print media production with a penchant for digital printing and specialties in print. It is therefore fun to deal with him and his actions and to break new ground.
What is the beauty of print in the digital age?
Rüdiger Maaß:I think the right answer is a multi-layered list:
Multisensory and thus the possibility of deceleration to reach a best-in-class attention
Interaction to better bond with the brand
Experience through action
Immense credibility and navigation aid in the jungle of information aesthetics
etc. … the list can be extended as a never-ending story!
But in the end, it’s not just about the “beauty” of print, but about the effect. And this effectiveness becomes all the stronger, the more print is staged by an overall concept in line with digital communication. The task is – as always – to put the strengths of print in the right place.
Everything in the Mobile Age is so fast. Why is the adaption of digital printing technology innovations so slow?
Rüdiger Maaß: Is it really like that? I’m convinced that digital printing (in whatever form) is immensely fast and fully automated. From my experience, the associated ideas and concepts from the advertising industry are missing – and of course the access to the digital data of the “users”. And in the end it’s all about the courage ☺!
And “fast” is always in the eye of the beholder. Customers who do not know would be surprised to learn that they can get an individual print product in less than 24 hours or even a same day delivery.
What are the key drivers for a powerful & successful print service biz today and what will it be in the future?
Rüdiger Maaß: The key to success is certainly the conceptual advice — who can not afford, can only assert itself as a ‘print-mate’ in the niche. With our unique ’Creatura’ initiative, we developed the Creatura meta-analysis for advice support how to use print media and special effects in the best way.
This meta-analysis is the bible of ’print staging / conception’. However, the resulting knowledge base is immensely important not only for the service providers, but also for the advertising and communication agencies and for the advertising companies. The key to success is rethinking the direction of impact rather than moving on with speeding up the production process. Because knowledge about the effect of print beats ’quick&dirty reach’.
The Creatura meta-analysis “The Power of Print” is a must have and must read publication. Available in german and english.
About
Rüdiger Maaß is Managing Director of Fachverband Medienproduktion e.V. f:mp — the Association Media Production e.V. — f: mp. From the beginning, he has dedicated himself to the topic of digital printing and has always started effective initiatives to open up new application possibilities for and with print. In the meantime, f: mp has numerous projects and cooperations that lead beyond narrow industry boundaries. High-light is the congress trade fair PRINT & DIGITAL CONVENTION, which will be realized together with Messe Düsseldorf and will provide important impulses at drupa 2020.
Im Original: Die deutsche Textversion
Der prosperierenden Zukunft von Print steht nichts im Wege. Vorausgesetzt, wir wissen wie es geht!So könnte man das Credo von Rüdiger Maaß beschreiben. Unermüdlich setzt er sich seit rund zwei Jahrzehnten für eine zeitgemäße, hoch wirkungsvolle Printmedien-Produktion ein, mit einem Faible für Digitaldruck und Spezialitäten im Print. Es macht daher Spaß, sich mit ihm und seinem Tun auseinanderzusetzen und neue Wege zu beschreiten.
Frage 1
Ich denke, es ist eine vielschichtige Liste:
Multisensorik und damit die Möglichkeit der Entschleunigung mit höherer Aufmerksamkeit
Interaktion zur besseren Bindung mit der Marke
Erlebnis durch Aktion
Immense Glaubwürdigkeit und Navigationshilfe im Dschungel der Informationen
Ästhetik
usw. … die Liste lässt sich beliebig erweitern!
Aber am Ende geht es nicht nur um die „Schönheit“ von Print, sondern um die Wirkung. Und die Wirkungseffizienz wird umso stärker, je mehr Print durch ein Gesamtkonzept im Einklang mit der digitalen Kommunikation inszeniert wird. Aufgabe ist es also – wie schon immer – die Stärken von Print richtig in Szene zu setzen.
Frage 2
Ist das wirklich so? Ich bin überzeugt davon, dass gerade der Digitaldruck (in welcher Form auch immer) immens schnell und voll-automatisiert ist. Aus meiner Erfahrung fehlen die zugehörigen Ideen und Konzepte aus der werbungtreibenden Industrie – und natürlich der Zugriff auf die digitalen Daten der „User“. Und am Ende der Mut ☺!
Und „schnell“ liegt ja immer im Auge des Betrachters. Kunden, die es nicht besser wissen, wären sicher überrascht, zu erfahren, dass sie in weniger als 24 Stunden ein individuelles Printprodukt bekommen können. Oder sogar eine Lieferung am selben Tag!
Frage 3
Der Schlüssel zum Erfolg ist sicher die konzeptionelle Beratung – wer die nicht leisten kann, wird sich als ‚Print-Erfüllungsgehilfe‘ nur in der Nische behaupten können. Mit unserer Creatura-Initiative haben wir zur Beratungsunterstützung – quasi wie Print und Veredelung eingesetzt werden muss – die Creatura-Metaanalyse https://www.creatura.de/metaanalyse entwickelt.
Das ist quasi die ‚Bibel der Print-Inszenierung/Konzeptionierung‘. Die dadurch entstehende Wissens-Basis ist jedoch nicht nur für die Dienstleister immens wichtig, sondern auch für die Werbe- und Kommunikationsagenturen und für die Werbungtreibenden Unternehmen. Der Schlüssel zum Erfolg besteht im Umdenken in Richtung Wirkung und nicht im Weitermachen mit Geschwindigkeitssteigerungen im Produktionsablauf. Denn Wissen um Wirkung von Print schlägt schnelle ‚Reichweite‘.
Über Rüdiger Maaß
Rüdiger Maaß ist Geschäftsführer des Fachverband Medienproduktion e.V. f:mp. Von Anfang an hat er sich dem Thema Digitaldruck gewidmet und stets wirkungsvolle Initiativen begonnen, um für und mit Print neue Anwendungsmöglichkeiten zu erschließen. Inzwischen betreibt der f:mp zahlreiche Projekte und Kooperationen, die über enge Branchengrenzen hinausführen. High-light ist die Kongress-Messe PRINT & DIGITAL CONVENTION, die gemeinsam mit der Messe Düsseldorf realisiert wird und auf der drupa 2020 wichtige Impulse geben wird.
What we do We evaluate and profile print and its proponents as an effective driving force for transformation – across all industries!
Our mission We show, first and foremost, that print is by no means driftwood in an ocean of transformation (with Titanic-style effects) but rather a solid anchor for the ‘tsunamis in our heads’!
Our USP
We are bringing together the brightest minds to form interdisciplinary #Think!Teams with a global outlook.
We are building up the finest pool of expertise with a clear focus on interaction, discourse, customer experience and sustainable conversations.
We are reinforcing the bedrock of any successful ‘digital’ transformation – proficient, dynamic and meaningful communication.
Benefits for our partners We help our partners make new and market-relevant discoveries that inspire them and inject new energy into their development.
With regard to dramatically falling stock market prices: Are printing press manufacturers and, with them, the printers (once again) in a deep crisis? The answer is “no, but …” — because the most sensitive thing is that the structural change in the print media business has a deeper impact than previously thought. And most underestimated that.
Status quo: Nothing goes any further!
The vast majority of printers and their suppliers can no longer produce organic growth.
Cost-cutting measures are largely exploited resp. certainly not a guarantee of success in the long run.
The tried and tested measures for the industry in critical situations — the switch to new technologies for print media production (eg inkjet printing) — does not pull anymore, as it has not really got going for years and therefore only looks like a drop in the bucket.
Last but not least, according to the feedback from the audience: media-effective, public events such as press conferences at trade shows or financial press conferences are usually completely overcrowded, dripping and riddled with insider details that prevent them from gaining an eye for the essentials.
Are ad hoc measures still possible? Yes and no. — Too much has to change fundamentally, as the valuable #Think!Paper expert analysis shows. Over the past eight days, leading minds from Europe and America have come to the heart of their assessment of the future of print. Tenor: Print has a future and fits perfectly into the digital age. Provided the business philosophy is radically refurbished and new go-to-market strategies and implementation solutions are found accordingly
Thanks to Fraser Church from the UK, the most important finding for print shops is that the industry actually has the best chance. Because print as a medium delivers through its outstanding core properties — Trust and Value – exactly what print companies and their suppliers have to use and assert.
This is best achieved through exemplary multichannel marketing campaigns designed for conversations, which make print appear brilliant in networked communication scenarios. — But far from that there is nothing to see. Functioning genre marketing has always been foreign to the industry! Everyone always cooks their own soup. Pity!
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Further reading
The current and exclusive #Think!Paper expert analyzes in the form of short interviews at a glance:
What we do We evaluate and profile print and its proponents as an effective driving force for transformation – across all industries!
Our mission We show, first and foremost, that print is by no means driftwood in an ocean of transformation (with Titanic-style effects) but rather a solid anchor for the ‘tsunamis in our heads’!
Our USP
We are bringing together the brightest minds to form interdisciplinary #Think!Teams with a global outlook.
We are building up the finest pool of expertise with a clear focus on interaction, discourse, customer experience and sustainable conversations.
We are reinforcing the bedrock of any successful ‘digital’ transformation – proficient, dynamic and meaningful communication.
Benefits for our partners We help our partners make new and market-relevant discoveries that inspire them and inject new energy into their development.