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ValueCheck

#criticaldistance.001

In Memoriam Hajo Friedrichs. Fotos: Wikipedia

Ein offener Appell von Andreas Weber, Head of Critizism

Publikations-Reihe: #Print und die #Krise (Teil 2)

 

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ — Hanns Joachim „Hajo“ Friedrichs, Nestor des Nachrichtenwesens

Seit über 30 Jahren arbeite ich als Journalist, Publizist und Analyst. Menschen wie Hajo Friedrichs hatten für mich stets Leitfunktion. Auch und gerade als ich vorübergehend Marketing-, Kommunikations- und Managementaufgaben sowie Verleger- und Chefredaktions-Tätigkeiten übernahm.

Als ich nach dem Studium und früher Selbständigkeit mit 28 Jahren meine erste Festanstellung als Fach-Redakteur bei Der Polygraph in Frankfurt am Main — der damals führenden Print-Fachzeitschrift mit der weltweit besten Reputation — antreten durfte, eröffnete sich mir eine wunderbare Welt. Es wurde intensiv der Kontakt zu Lesern gepflegt, tolle Menschen aus Druckereien, der Typografie-Szene und der Zulieferindustrie.

Erst die Freude, dann der Schock!

Umso größer war mein Schock, als ich, der unerfahrene Jungspund, in Vertretung des Chefredakteurs einen Top-Termin wahrnehmen durfte. Geladen hatte ein global führendes Druck-Technologie-Unternehmen zur Inbetriebnahme einer neuen, damals bahnbrechenden Produktionsanlage.

Ich war begeistert. Als wir uns verabschiedeten, sah ich, dass der PR-Chef (in Personalunion auch der Werbeleiter!) allen anwesenden Chefredakteuren ein Kuvert überreichte. Ich bekam auch eines und steckte es erstmal ein, während alle anderen dies wohl gewohnt waren, und gleich die Umschläge öffneten, reinschauten und einsteckten. Erst zuhause sah ich nach. Und bekam Schnappatmung. Im Kuvert lag ein Brief, dessen Inhalt strikt darauf hinwies, dass man sich bei der Fach-Berichterstattung minutiös an den vorgegebenen Pressetext zu halten habe. Und als Anlage gab es einen Barcheck über 500,00 Deutsche Mark.

Ich war so verschreckt, dass ich mich mit einem väterlichen Freund besprechen musste. Der sagte: Ja, so etwas wird gerne gemacht seitens der Industrie. Und ein Barscheck sei smart, um Dinge bestmöglich zu vertuschen. Ich war sprachlos, widerstand aber der Versuchung tapfer.

Kein Tanz ums Goldene Kalb!

Warum schildere ich das? Weil es für mich eine Zäsur darstellte. Ich verliess den Verlag alsbald und wechselte das Lager. In meiner Funktion als Marketing-Kommunikationschef eines global führenden Zulieferers für Druckvorstufen-Technik (ja, das gabs damals!) machte ich alles radikal anders.

Statt „Zuckerbrot und Peitsche“ setzte ich auf offene Kommunikation (ich nahm den Wettbewerb in meinen Presseverteiler auf, damit die armen Kollegen sich nicht hintenrum mühsam und heimlich diese besorgen mussten). Ich scheute keine Debatte und bat als erstes unsere Verkäufer, unsere Kunden und die Fachpressekollegen hemmungslos zu kritisieren, was wir, unsere Firma falsch machen. Ich habe mich vor Ort mit vielen getroffen.

Das war wie ein Dammbruch der Erleichterung. Und brachte uns extrem nach vorne. In kürzester Zeit. Das damals (1989) in Deutschland führende DTP-Magazin widmete uns ein Titelstory mit 10 Seiten Inhalt. Warum? Ich hatte dem Chefredakteur angeboten, zu uns zu kommen, mit der Deutschland-Geschäftsführung persönlich zu sprechen sowie Kontakte zum Headquarter und auch zur Produktentwicklung in den USA hergestellt. Getreu dem Motto: #VolleTransparenz #NullBackschisch. Der Deal: Er konnte fragen, was er wollte. Und er bekam konkrete Antworten. Wir weckten bei dem Chefredakteur und seinem Team die Achtsamkeit. Und begegneten uns mit Respekt. Ohne in Kumpanei zu verfallen. #Basta!

Der Chefredakteur rief mich nach Veröffentlichung an, um erschüttert und verärgert zu berichten, dass er einen unfassbaren Anruf vom Kommunikationsleiter unseres Hauptwettbewerbers erhalten hatte. Die Frage war: „Was kostet so eine Story bei Ihnen?“

Wie gesagt, das alles ist rund 30 Jahre her. Kann man aber sagen, das es heute besser ist?  Alle haben sich ja den Regeln der Corporate Governance anpasst.

Doch folgendes als Fakt:

  1. Das Leserinteresse an den meisten Print-Fachzeitschriften hat einen historischen Tiefpunkt erreicht.
  2. Viele Titel sind verschwunden.
  3. Dank der massiven Beauftragung von PR-Agenturen und der ubiquitären Verteilung von Pressemeldungen (über eigene Websites, Presseportale, eNewsletters etc.) sind die Fachmedien quasi gleichgeschaltet.
  4. Nur solche (leider wenige) Print-Fach-Titel sind noch beliebt, vor allem bei Lesern, die einen hohen Anteil eigenrecherchierter Stories bieten.
  5. Jetzt in der Krise – wie auch schon zuvor — sind die meisten Redaktionen sprachlos. Wahrscheinlich auch deswegen, weil ihre Anzeigenkunden keine #badnews lesen wollen.

Copy&Paste als Maxime?

Die allermeisten Fachtitel arbeiten nach dem Copy&Paste-Prinzip. Man muss sich nur anschauen, wie das jüngste, vom Inhalt her einwandfrei gehaltene Interview der drupa-Direktion zum Ausblick auf die drupa2021, nun mehr weltweit viele Autoren hat. Kollegen nehmen die Textvorlage, ändern wenn überhaupt nur wenig, zeichnen sogar zum Teil mit ihrem Namen und publizieren es in ihren Titeln. Hinterfragt wird kaum etwas.

Hinzu kommt, folgendes, was ich original aus einem Email von letzter Woche von einer international arbeitenden PR-Agentur zitiere:

„The article – available in English, German, French, Italian, Spanish, Chinese and Japanese (Russian coming soon) – as well as images can be downloaded from the XY pressroom at |LINK|

Thank you very much in advance for publishing this article and sending us the respective magazine and/or link.  Should you have any questions or need additional material, please don’t hesitate to contact us at [Email]“

Das passt natürlich zur gängigen Praxis: Firmen laden seit langem in die schönsten Locations der Welt ein, stellen neues vor, haben alle Publikationsmaterialen für Copy&Paste bestens vorbereitet. Organisieren Gala-Diners, zahlen die Reise- und Übernachtungskosten, auch wenn Presseteilnehmer etwas länger bleiben wollen. (Und diese erfreuen sich an der Flugmeilengutschriften)

MyTake

Das PR-Gehabe und der Umgang mit der Fachpresse ist erstens zutiefst unethisch resp. presserechtlich bedenklich und zweitens überhaupt nicht zielführend.

Das Makabre: Die wenigen, die im Dienst der Leser eigenständig recherchieren, neues wagen, kritisch hinterfragen und kommentieren, werden noch als die Bösen, die Miesmacher, die Nestbeschmutzer attackiert. Das jedoch NICHT mit offenem Visier, NICHT per offenem Dialog; sondern hinter vorgehaltener Hand werden Beschwerden geführt, in einem jüngsten Fall wurde unter Kollegen sogar zum Boykott aufgerufen! Geht’s noch?

Ich bin sicher — und das ist das Gute im Schlechten — die COVID-19-Krise wird hier eine Flurbereinigung vornehmen. Weil es auf einmal zählt, nicht opportun und gefällig zu sein, sondern systemrelevant. Durch Achtsamkeit, kritisches Denken, kritische Distanz und begeistertes Publizieren.

Wer sich jetzt mit mir duellieren will, kann dies gerne nach dem Aufheben des Kontaktverbots tun. Ich wähle als alter Fechter den Säbel! — Mit allen anderen bleibe ich wie bisher auf das Herzlichste verbunden.

 


 

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Nice to remember: #drupa2016

#FreitagsGedanken von Andreas Weber | English version below

 

Die ganze Welt scheint nun erstarrt. Doch zu verharren wäre tödlich. Noch sind wir in der Lage, zu kommunizieren. Wenn auch nicht mehr persönlich von Angesicht zu Angesicht, so doch per Kommunikations-Technik. Wunderbar. Oder?

Aber: Ein Neustart in der Kommunikation nötig. Für uns in der Print-Branche hat Kommunikation eh eine ganz besondere Bedeutung. Sie ist Teil unserer DNA.

Darum hier aus meiner Sicht ein paar Anmerkungen und Tipps:

Haben Sie schon einen Notfallplan? Im Fokus: Vernetzung & Interaktion.

Besonders bedrohlich für uns im B2B:

Die Print-Fachpresse diffundiert; ca. die Hälfte oder sogar mehr der Titel wird wohl vom Markt verschwinden! Die ersten Verlage haben angekündigt, die Produktion der Print-Titel auszusetzen. Ob e-Newsletter, die Pressemeldungsinhalte der Herstellereindustrie kolportieren, Nutzen stiften, wage ich zu bezweifeln, 

Fachpressearbeit/PR, wie wir sie kennen, erscheint sowieso zu langsam in der Umsetzung, zumeist ohne eigenen Inhalt — und ohne Reichweite. Und ohne zu wissen, wie die Inhalte beim Empfänger ankommen.

Direktmarketing verpufft derzeit völlig. Denn: Viele arbeiten momentan nicht im Büro, an das die Mailings gehen.

 


 

Generell scheint für mich folgendes relevant:

  1. Egal was ich tue/anbiete: Wie erreiche ich überhaupt noch meine Kunden, Interessenten, Mediatoren und Multiplier?
  2. Wie evaluiere ich, was meine Stakeholder bewegt?
  3. Wie stelle ich sofort dynamische Beziehungen über Netzwerke her?
  4. Wie finde ich inhaltlich den richtigen Ton. Im Sinne von:  „Ich höre zu und gebe pro-aktiv Hilfestellung“. Und nicht: Ich sage Dir, was ich biete.
    Und spezifisch:
  5. Wie kann ich als Hersteller meine zur #drupa2020 geplanten Neuheiten ab sofort erfahrbar machen?
  6. Wie muss ich als Druckerei das Geschäft kommunikativ absichern bzw. Kontakte medial herstellen und ausbauen?
  7. Mit wem muss ich mich verbünden, um im Team schlagkräftiger zu sein.

Falls Se weitere Ideen oder Anregungen haben: Bitte bei mir melden. Wir schaffen das. Gemeinsam!

 


 

#FridayThoughts by Andreas Weber

 

Drupa wants to embrace the future. — We embrace the CHAOS!

The whole world now seems frozen. But to remain would be fatal. We are still able to communicate. If no longer face to face personally, it does so using state-of-the-art communication technology. Wonderful. Isn’t it?

But: A restart in communication is necessary. Communication has a very special meaning for us in the print industry. It is part of our DNA.

Therefore, from my point of view, here are a few comments and tips:

• Do you already have an emergency plan? In focus: networking & interaction.

Particularly threatening for us in B2B:

• The print trade press diffuses; about half of the titles or even more will probably disappear from the market! The first publishers have announced that the production of the print titles will be suspended. I doubt whether e-newsletters, crowded with press release content of the manufacturing industry, create benefits, will be the solution.

• PR work and trade press publishing as we know it seems too slow to implement anyway, mostly without its own content — and without reach. And without knowing how the content is received by the recipient.

• Direct marketing is currently evaporating completely. Because: Many are not currently working in the office to which the mailings go.

 


 

In general, the following seems relevant to me:

1. No matter what I do / offer: How can I still reach my customers, prospects, mediators and multipliers?

2. How do I evaluate what moves my stakeholders?

3. How do I instantly create dynamic relationships across networks?

4. How do I find the right tone in terms of content? In the sense of: “I listen and give proactive support”. And not: I tell you what I offer.

And specifically:

5. As a manufacturer, how can I make my new products planned for #drupa2020 tangible from now on?

6. As a print shop, how do I have to secure the business communicatively or establish and expand contacts in the media?

7. Who do I have to team up with to be more effective in the team?

If you have further ideas or suggestions: Please contact me. We can do it together!

BTW: I think the INKISH team could support all of us in the best way!

 


 

Be more huma by Reebok

Photo: Reebok Shoes | Freak Show Be More Human.

By Andreas Weber

Appreciate. Again you hit the point, dear Morten B. Reitoft, when you tell us: ”Marketing People Sucks – Get NEW ones NOW!“

Given the fact that digital transformation is dramatically changing the way companies are run, there is no doubt that this will have an impact on marketing.

Another important aspect is that the print business mainly consists of marketing services. So if you don’t understand marketing, you don’t understand your customers and their business.

The blogger and marketing thought leader Mark Schaefer from the USA, author of the must-read book MARKETING REBELLION, recently noticed that hardly any marketing professionals are being sought. He sees the development of marketing automation driven by algorithms rolling inexorably on us.

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I myself asked a few years ago: Throw out the so-called marketing professionals! Especially those who still have old school thinking and see marketing as a permanent sales pitch. I rarely got so much encouragement, especially from print shop entrepreneurs. But also from their suppliers.

 


From my point of view, what has changed is that a new briefing has clearly arisen: the focus is no longer on brand experience, but on customer experience and benefits.


 

My advice then as now is: Use Smart Communication as a driver of corporate success. Let people with the best understanding of communication move to the front row.

Because the Brand Experience Principle no longer applies. Customer sensitivities and expectations can best be met with an individually-tailored Smart Communication architecture, which should be designed with a customer experience focus.

 


If the Smart Communication strategy, which is so successful for i. e. for Apple, is structured in a systemic way, adapted to your company, and precisely understood in detail, the essence of Smart Communication, you will be able to respond extremely quickly to individual customer needs. There is no other choice! ‘Communication first’ thus goes hand in hand with ‘Customer benefits first.’


At least

Think different! Put your current branding and customer experience strategies to the test and discuss your findings with others.

Rethink and critically assess the values of your company’s current communication approach and processes.

 


 

Morten Reitoft

Morten B. Reitoft, Founder and CEO of INKISH. Photo: Andreas Weber

 

By Andreas Weber

 


It is quite rare in the print industry to have constructive discussions on social media. Morten B. Reitoft shows that it can be done differently. His provocative POV on INKISH.News inspired by my current interview regarding the resignation of Dr. Ulrich Hermann, Chief Digital Officer at Heidelberger Druckmaschinen AG, sparked a global debate. And that’s exactly what we need. Bravo!

Some stats for the very first 24h shows the importance:

  • a couple of thousands of readers for the full stories
  • more than 10k viewers plus many hundreds of interactions in real-tme on LinkedIn
  • around three dozend qualified comments which will be the bases for further sories

Here are excerpts from the current discussion on LinkedIn.


 

You should read the latest INKISH.News post by Morten B. Reitoft. It’s very valuable. It’s about: What if Heidelberg went out of business?

Morten actually posted on LinkedIn: “When almost the entire board has stepped down, a new board will most likely have to take an in-depth look into the strategy, and a new board rarely decides to adopt the previous board’s strategy without alterations. So it is not just about implementation – it is about developing a strategy that can be implemented and show it’s strength.” And attached a Link to his full story.

 


Es wurde kein Alt-Text für dieses Bild angegeben.

Here is my comment. Pls. feel free to comment on your own.

 

Appreciate your POV, dear Morten. And hopefully its a real wake-up call 🙂

Some input from my side:

  1. The board was downsized with a view to the future, not replaced.
  2. The strategy is and has been approved by the Supervisory Board and its new chairman, a profound expert in corporate strategy, and is fully supported.
  3. The CEO and CFO must now implement the strategy, supported by a newly established executive committee with solid experience in business operations. The motto: execute!
  4. Subscription fully relates to offset printing. This is not about a new sales model, but about digital business model design options that help customers to focus on an improved go-to-market in partnership. Heidelberg takes on the risk and takes over the complete technology, supply and service management to increase the value and profit of the print shop — all based on IoT / Big Data, AI and automation.
  5. It is doubtful that subscription customers go bankrupt because business management is highly transparent and verifiable in real time. It could hardly be better.
  6. The target is of course to establish a new eco-system for print shops. That is why Heidelberg has purchased Crispy Mountain, puts its IT on cloud solutions and in the future relies on AI.
  7. You are right: Ink-Jet Printing is a main topic for the future. Heidelberg’s clear statement is that they generally rely on partnerships in digital printing. And Heidelberg has a lot of catching up to do here.
  8. I wouldn’t say that Heidelberg marketing is poor. Right now it’s different. Talk to the people at Heidelberg Digital Unit, headed by Sonja Mechling. They are amazing. But of course there is still a lot to do…
  9. At least: You are right, we need a new communication approach. Therefor it’s great to see how INKISH makes progress. Heidelberg and others could and should learn from.
  10. The real problem at Heidelberg is: Too high costs for factories in Wiesloch/Germany that are too large. This results in drastic measures that everyone wants to avoid. And this is associated with a cultural change, since you don’t have to stay a mechanical engineer but become a digital solution provider for print in the digital age.

PS: The market capitalization of Heidelberg went down to 250 Mio. Euros in total. So the company is totally undervalued. — Maybe HP or Xerox or a joint HP Xerox will achieve Heidelberg. Or Koenig & Bauer to shut it down. Who knows?


 

A lot of others commented as well. This is great and exactly what we need to push things forward in the print industry!

 


 

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Future Key Visual.001

Thoughts by Andreas Weber

 

#drupa2020 ante portas: Is it enough to focus on the future, inevitably through a lot of promises or even speculation?

The fact is: tomorrow is determined by yesterday. But what about today?

Most struggle with the present, the here and now. — An essential aspect for me. And the explanation why we have to experience the greatest reluctance to invest ever in the #print industry.

#Rethink #StrategiesforToday #ThinkPaper #Confidence

 


 

#drupa2020 ante portas: Reicht es, die Zukunft in den Fokus zu stellen, zwangsläufig durch viele Versprechen oder gar Spekulationen?

Fakt ist: Das Morgen wird durch das Gestern bestimmt. Doch was ist mit dem Heute?

Die meisten hadern mit der Gegenwart, dem Hier und Jetzt. — Für mich ein wesentlicher Aspekt. Und die Erklärung, warum wir in der #Print-Branche die wohl größte Investitionszurückhaltung aller Zeiten verzeichnen müssen.

#Umdenken #StrategienFürsHeute #ThinkPaper #Zuversicht

 


 

 

#ThinkPaper Digital Transition 11-2019.001

Foto: Nice Branding Agency

 

Von Andreas Weber, Head of Value  | English Version

 

Im Vorfeld der drupa 2020 hat der Technologie-Konzern Ricoh im Rahmen seiner Inkjet-Printing-Aktivitäten eine interessante Fragestellung aufgeworfen: „Wie schätzen Experten den Stand bei der ‚Offset to digital transition‘ im professionellen Print ein?“ — Nachfolgend meine Einschätzung. Kommentare willkommen!

Vorweg: Ich kenne Ricoh’s Inkjet-Printing-Entwicklungen von Anfang an und war bei den Hunkeler Innovation Days 2019 sehr beeindruckt von Ricoh’s Fortschritten durch das Flaggschiff-Produkt VC70000. Meine Konversation mit Ricoh Europe’s Business Innovations and Solutions Director Erwin Busselot ergab, dass die Image Quality und Productivity quasi einen Quantensprung vollzogen hat und modernsten Anforderungen entspricht.

Zugleich ergab sich der Aspekte der optimalen Auslastung eines solchen High-End-Systems durch ‚Commercial Printers‘; und ob es derzeit und in naher Zukunft eine ausreichende Anzahl an PSP’s gibt, die über die erforderlichen riesigen Datenmengen problemlos verfügen und diese dann entsprechend verarbeiten können. Und das v. a. für den variablen Datendruck, der im klassischen Produktionsumfeld noch längst nicht Mainstream ist, aber absolut notwendig wird, um eine wirkungsvolle Alleinstellung zu markieren, respektive die Profitabilität und Zukunftsfähigkeit der Druckerei zu garantieren. 

Womit wir beim Kernthema angelangt sind, wenn wir uns Gedanken über die Offset-to-Digital-Transition machen: A) Welchem Drucktechnik-Verfahren gehört die Zukunft? Und entsprechend B): Wie gestalten sich nachhaltig erfolgreiche Print-Produktionen der nächsten Jahrzehnte, um die Anforderungen im Digitalzeitalter erfolgreich zu meistern?

Hier meine Einschätzungen und Anmerkungen:

A) Welchem Drucktechnik-Verfahren gehört die Zukunft?

„Alte Welt“

  • Offsetdruck wie auch Flexodruck als Verfahren sind klar spezifiziert, bestens erprobt und spätestens seit der drupa 2016 im Zuge von Industry 4.0-Lösungen durch Digitalisierung und Automatisierung sämtlicher Prozessschritte in der Lage, Auflagen jeder Art höchst produktiv und Effektiv zu gestalten. Autonomes Drucken hat hier der klassischen Druckwelt die Führung im industriellen On-Demand-Druck auch für Auflagen von 250 und weniger gebracht, wie sich vor allem im Online Printing, aber auch im klassischen Commercial Printing zeigt.
  • Durch die On-Demand-Befähigung bei kleinen Offsetdruck-Auflagen sind auch Versionierungen möglich und rechnen sich für Druckereien und deren Kunden.
  • Entsprechend ist der Produktivitätszuwachs, messbar durch die Overall Equipment Effectiveness OEE, im klassischen Druck exponential gestiegen. Einige Tausende Druckereien ist es bereits gelungen, sich vom Production Printing zur industriellen Produktionsweise weiterzuentwickeln. Allein der Zuwachs beim Printvolume im Offset- und Flexodruck, der nunmehr erzielt werden kann, übersteigt in Summe das Seitenvolumen der digital gedruckten Printjobs bei weitem.
  • Möglich wird dies durch Standardisierung, Skalierbarkeit und Automatisierung v.a. im Offsetdruck; damit einher gehen neue Geschäftsmodelle, die sich an Big Data/Industry 4.0/Realtime-Management u. a. m. orientieren sowie neue, hochinnovative Finanzierungsmöglichkeiten wie Subskription erlauben, bei denen nicht mehr Technik gekauft wird, sondern der Druckereiunternehmer für die Nutzung bezahlt — bei konstanter Steigerung der OEE.

 


Beispiel des Produktivitätszuwachs durch Autonomes Drucken im Offsetdruck bei Elle Media Group, UK.

Some stats from November 2019 which will see another 7 million plus impressions month [by a single offset printing system]:

Year on year 22% sales growth
2 mins 58 average makeready
1.96m impressions in 167 hrs
150k in 10 hrs
10.8k average operating sheets per hr

Quelle: Anthony Thirlby via LinkedIn


 

„Neue Welt“

  • Der Digitaldruck ist kein Begriff, der wie Offsetdruck eine spezifische Verfahrenstechnik kennzeichnet, sondern ist ein Hilfsbegriff für eine Vielzahl verschiedenster Drucktechniken, die sich an unzähligen spezifischen Anwendungsbereichen orientieren. Entsprechend ist der Entwicklungsaufwand enorm hoch, ebenso wie der Aufwand für die Inbetriebnahme, Services, Go-to-Market etc.
  • Ganz klar ist aber: Inkjet-Printing hat im Digitaldruck qualitativ wie auch effektiv die Führung übernommen. Derzeit werden durch Inkjet-Printing-Systeme der neuesten Generation aber neue Anwendungen möglich (z.B. im Verpackungsdruck) und weniger Offsetdruck-Systeme abgelöst als bestehende Tonerdruck-basierte Digitaldrucksysteme. Sprich: Die digitale Revolution im Druck frisst ihre Kinder.
  • Tatsache ist aber auch: Die überwiegende im Markt praktizierte Nutzung von Digitaldruck-Systemen erfüllt nicht die Anforderung einer industriellen Produktion; viele installierte Systeme werden quasi Stand-alone eingesetzt, mit eigenen, proprietären Digital Frontends und spezifischen Prozessen und erreichen einen unterdurchschnittlichen OEE.
  • Erschwerend kommt hinzu: Vieles im sog. Digitaldruck basiert auf falschen Annahmen. Am gravierendsten: im Frühjahr 2004 hatte die Marktforschungsagentur CAP Ventures (später durch InfoTrends übernommen) auf dem On Demand-Congress in New York City publikumswirksam prognostiziert, in naher Zukunft könne ein Drittel der weltweiten Offsetdruck-Seitenvolumen durch Digitaldruck in Schwarzweiss und Farbe substituiert werden. Ein fataler Irrtum! Bis zur drupa 2016 waren es deutlich weniger als 5 Prozent der weltweiten Druckvolumina, die digital gedruckt wurden. Dadurch wurde viel Geld verschwendet und unnötig Aufwand erzeugt.

Fazit: Die Digitalisierung hat gleichermaßen alle Print-Technologien erfasst.

„Klassische“ Druckverfahren haben längst die ‚Digital Transition‘ durchlaufen und sind heute wie auch in den nächsten 10 Jahren unabdingbar, um den Grossteil der Druckprodukte rund um den Globus in den geforderten riesigen Mengen kundengerecht herzustellen.

Digitaldruck kann aber durch industriell nutzbare Inkjet-Druck-Technologien an Boden gewinnen. Vorausgesetzt, Inkjet-Printing wird Teil der Industry 4.0-Evolution bei industriell ausgerichteten Druckereien, die die Klaviatur des Autonomen Druckers beherrschen und souverän alle für sie nützlichen Drucktechniken vernetzt und im Sinne der Kollaboration und Kohärenz einsetzen.

 


Spannend: In der Agenturszene setzt man sich, wie hier am Beispiel Nice Branding Agency, aktiv mit Print auseinander. Aber weniger aus Technik-Sicht, sondern aus der Nutzen-Perspektive.

 


 

B): Wie gestalten sich nachhaltig erfolgreiche Print-Produktionen der nächsten Jahrzehnte, um die Anforderungen im Digitalzeitalter erfolgreich zu meistern?

Den Takt gibt nicht das technisch Machbare vor, sondern der Nutzen für die Kommunikation der Auftraggeber von Print-Produktionen. Um den Nutzen zu erhöhen, müssen die Stärken von Print ausgeschöpft und bestens dargestellt sein.

Zugleich profitiert Print durch die Konvergenz. Bezogen auf Digitaldruck-Anwendungen sind variable Daten das Maß aller Dinge, wenn sie klug für zeitgemäße Multichannel-Kommunikations-Szenarien genutzt werden können. Damit ist auch ein klares Unterscheidungsmerkmal zu Offset- und Flexodruck-Anwendungen sichtbar.

Übrigens: In Deutschland wurde durch die Initiative „Creatura“ des f:mp Fachverband Medienproduktion ein Standardwerk in Buchform geschaffen, dass wissenschaftlich fundiert aufzeigt, was Print im Digitalzeitalter leisten kann und wie Qualitäts-Drucksachen wirken (siehe meine Besprechung zu „The Power of Print“).

Zum anderen hat das Expertennetzwerk #Think!Paper durch Kurzanalysen weltweit führender Experten eine Informationssammlung zusammengestellt, die im ValueBlog einsehbar ist. (Siehe: #ValueCheck: Print has a future! But the industry is facing a radical renewal! https://valuetrendradar.com/2019/07/24/valuecheck-print-has-a-future-but-the-industry-is-facing-a-radical-renewal/ ).

Es zeigt sich, dass im Wortbild „Print“ alle Schlüsselbegriffe stecken, die das Wertesystem und den Nutzen von Print darstellen:

P = Personal

R = Relevant

I = Iconic

N = Never-Ending

T = Trustful

Mehr bracht man nicht zu sagen oder wissen. Richtig?

 

ThinkPaper Wortbild PRINT

 


 

Zum Autor

Andreas Weber  begleitet als Wissensarbeiter/Advisor die Kommunikation mit Medien — geprägt durch eine Vorliebe für Print-Innovationen im Digitalzeitalter.

Bis dato hat er über 550 Innovations-/Transformations-Projekten realisiert, diverse Lehraufträge wahrgenommen (u.a an der School of Visual Arts/NYC, Hochschule Liechtenstein, Hochschule RheinMain) und Vorträge in über 30 Ländern gehalten.

Sein Blog valuetrendradar.com (ISSN-zertifiziert) inspiriert Entscheider aus mehr als 160 Ländern. Seit Sommer 2019 findet auch sein neuer Blog „#HotspotSubscription — The Renewal of Print“ bei Innovationsexperten weltweit Beachtung.

https://valuetrendradar.com
https://hotspot-subscription.blog

 

Andreas Weber Selfie mit Studie

Exzellent in Aufmachung und Inhalt: Andreas Weber präsentiert sein persönliches Expemplar (Nummer 168) der The-Power-of-Print-Metaanalyse. Foto: Andreas Weber

ThinkPaper Wortbild PRINT.png

Von Andreas Weber, Head of Value | English Version

Mit Blick auf dramatisch sinkende Börsenkurse: Stecken Druckmaschinenhersteller und mit ihnen die Druckereien (wieder einmal) in einer tiefen Krise? Die Antwort lautet: „Nein, aber…“ — Denn äußerst heikel ist, dass der Strukturwandel im Geschäft mit Printmedien tiefergehende Auswirkungen hat, als bislang angenommen.Und das haben die meisten unterschätzt.

Status quo: Nichts geht mehr vom Fleck weg!

  1. Die überwiegende Zahl der Druckereibetriebe kann ebenso wie ihre Lieferanten kein organisches Wachstum mehr erzeugen.
  2. Kostensenkungs-Maßnahmen sind weitgehend ausgenutzt resp. schon gar kein Erfolgsgarant auf lange Dauer.
  3. Die für die Branche probate Massnahmen in kritischen Situationen — das Umschwenken auf neue Technologien zur Printmedien-Herstellung (z.B. Inkjet-Druck) — zieht nicht mehr, da es seit Jahren nicht richtig in Schwung kommt und wirkt daher nur wie ein Tropfen auf den heissen Stein.
  4. Last but not least, gemäß Stimmen aus der Analystenszene: Medienwirksame, öffentliche Veranstatungen wie Pressekonferenzen auf Messen/Kongressen oder Bilanzpresse-Konferenzen sind zumeist völlig überfrachtet, verkropft und gespickt mit Insider-Detailinfos, die verhindern, den Blick für das Wesentliche zu erhalten.

Sind trotzdem Ad hoc-Maßnahmen möglich? Ja und nein. — Zuviel muss sich grundlegend ändern, wie die lesenswerte #Think!Paper-Expertenanalyse zeigt. In den letzten acht Tagen haben führende Köpfe aus Europa und Amerika ihre Einschätzung zur Zukunft von Print auf den Punkt gebracht. Tenor: Print hat Zukunft und passt bestens ins Digitalzeitalter. Vorausgesetzt, die Geschäftsphilosophie wird radikal renoviert und entsprechend neue Go-to-Market-Strategien und -Umsetzungslösungen gefunden werden.

 


Wer wissen will, wie sich das auf Lieferanten auswirkt, kann die im #Subscription-Blog nachlesen im Interview mit Dr. Ulrich Hermann, Chief Digital Officer bei Heidelberger Druckmaschinen: „Subscription & Print: Einblicke, Entwicklungen und Marktszenario“.


 

Die wichtigste Erkenntnis für Druckereien verdanken wir Fraser Church aus UK: Eigentlich hat die Branche beste Chancen. Denn Print als Medium liefert durch seine herausragenden Kerneigenschaften — Trust and Value – genau das, was Print-Betriebe und ihre Lieferanten für sich nutzen und geltend machen müssten.

Am besten gelingt dies durch vorbildhafte, auf Konversationen ausgelegte, Multichannel-Marketing-Kampagnen, die Print in vernetzten Kommunikations-Szenarien fulminant wirken lassen. — Doch davon ist bis dato weit und breit nichts zu sehen. Funktionierendes Gattungsmarketing war der Branche schon immer fremd! Jeder kocht immer sein eigens Süppchen. Schade!

 


Lesetipps

Die aktuellen und exklusiven Think!Paper-Experten-Analysen in Form von Kurz-Interviews im Überblick:

Rüdiger Maaß: Put the strengths of print in the right place!

Fraser Church: „Use print when you need something considered or need to promote trust and value!

Hamilton Costa: „Print is not a common thing anymore! But it’s still relevant!“

Peter Gunning: „Print creates an unspoken trust!“

François Martin: „Print will remain but it will never be what it was!“

Jeroen van Druenen: „Print is always the start of a good conversation“

Bernhard Cantzler: „Print is a natural ’digital detox’ and helps deeper thinking!“

Morten B. Reitoft: „Print has a way higher impact than mobile and web!“

 

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#Think!Paper — the key facts at a glance

What we do
We evaluate and profile print and its proponents as an effective driving force for transformation – across all industries!

Our mission
We show, first and foremost, that print is by no means driftwood in an ocean of transformation (with Titanic-style effects) but rather a solid anchor for the ‘tsunamis in our heads’!

Our USP

  • We are bringing together the brightest minds to form interdisciplinary #Think!Teams with a global outlook.
  • We are building up the finest pool of expertise with a clear focus on interaction, discourse, customer experience and sustainable conversations.
  • We are reinforcing the bedrock of any successful ‘digital’ transformation – proficient, dynamic and meaningful communication.

Benefits for our partners
We help our partners make new and market-relevant discoveries that inspire them and inject new energy into their development.

 


 

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Von Andreas Weber, Head of Value

#Think!Paper — Edition 2, Vol. 5

Prolog

Der März 2019 hatte es in sich für die sogenannte Online Printing-Gemeinde. Der Vorreiter CIMPRESS — progressiv, erfolgreich, wachstumsorientiert — entmystifizierte sich selbst. Das Wachstum schwächte sich ab, die Marktkapitalisierung halbierte sich, heisst: Anleger wenden sich ab. Autsch! Die Befürchtungen: Wenn der Marktführer hüstelt, bekommen die Kleineren eine Grippe. Und: Die Goldrausch-Stimmung, die auch auf dem Online Print Symposium über Jahre erfahrbar war, scheint dahin.

Status quo

Keine Bange: Mit Online Printing geht es nicht bergab. Im Gegenteil. Online Printing ist wie auch Digitaldruck keine Gattung oder gar Branche, sondern ein mehr oder wenig nützlicher Hilfsbegriff, um digitale Verfahrenswege bei der Drucksachenproduktion zu charakterisieren. Es fing mit Web-to-Print an, führte zu automatisierten, standardisierten und skalierbaren Abläufen mit dem World Wide Web als Schaufenster. So konnte man einerseits Kunden gewinnen, die bis dato keine Drucksachen bestellen konnten; zum anderen wurden Preisvorteile genutzt, da die optimierten Abläufe günstigere Kosten erlaubten. 

Dadurch verlagerten sich riesige Druckvolumen aus dem klassischen Akzidenzmarkt hin zu den ‚Online Printern‘. Es wurden also Gelder umverteilt. Das tatsächliche Neugeschäft blieb marginal. Wachstum wurde also durch Verdrängung erzielt, mit einem naturgemäß nicht grenzenlosem Effekt. 

Robert Keane hatte das frühzeitig erkannt. Er nutzte Vistaprint als Cash-Cow, um Dutzende andere Firmen zu akquirieren. Daraus formte er unter der Dachmarke CIMPRESS einen globalen Konzern mit Holdingstruktur. CIMPRESS selbst hat außer Aktionären keine Kunden, die Kunden für Printprodukte aller Art inkl. Mass Customization gehören den Submarken. 

Das hat vor und Nachteile. So wurde zunächst zentralisiert, um Kosten zu sparen und schnell wachsen zu können. Jetzt, da das Wachstum an Fahrt verloren hat, wurde dezentralisiert. Bei diesem Hin&Her fallen zwei Dinge ins Gewicht: 

  • Erstens ist der Aufwand in der Markenpflege enorm hoch und inneffizient, da es kaum Wirkung auf die CIMPRESS-Kunden, die Anleger, hat.
  • Zweitens bleibt die durchgängige Firmenkultur auf der Strecke. Viele kleine Königreiche bleiben sich selbst am liebsten treu.

Auf zu neuen Ufern

Und Drittens kommt hinzu: CIMPRESS hat es nicht mit homogenen Wettbewerbsstrukturen zu tun, sondern tummelt sich in vielen Bereichen und scharmützelt mit vielen „Gegnern“. Letztlich sind solche Gegner alle diejenigen, die im Zuge der Reformierung ihres Stammgeschäft, vom Akzidenzdruck bis zu Packaging, Large Format etc., Digitalkompetenz aufgebaut haben. Und damit technisch versiert, hocheffizient, kostenoptimiert und hochspezialisiert anbieten können. Und dies mit Unterstützung ihrer Lieferanten, die digitale Transformation in alle Richtungen vorantreiben. Das von Heidelberg veranstaltete 1. Digital Print Forum vom 21. März 2019 belegt dies eindrucksvoll.

Um ein Bild zu gebrauchen: CIMPRESS als Flugzeugträger oder Riesenkreuzer kann gar nicht jeden Hafen anlaufen und ist nicht so wendig wie die zehntausenden Fregatten, U-Boote und Schnellboote, die quasi in Guerilla-Manier die Schlacht gewinnen wollen. 

Fazit: Echte Vorteile oder Alleinstellungsmerkmal von CIMPRESS kann man gar nicht mehr erkennen. Und wilde Ankündigungen von gigantischen Bestellungen auf der drupa 2016 bei Landa sind völlig verpufft. Wie anderes mehr! Kurzum: Viel Gedöhns — ausser Spesen nichts gewesen. Das wird den Anlegern klar geworden sein.

Die Probleme von CIMPRESS sind also weitgehend hausgemacht und keinesfalls typisch für diejenigen, die sich als Online-Printer sehen. — Robert Keane ist zuzutrauen, das erkannt zu haben und gegenzusteuern.

Ruhe vor dem Sturm

Dennoch, es wird für alle schwierig. Je digitaler das Geschäft, um so anspruchsvoller die Gestaltung der Kundenbeziehungen und das Fördern der Kundenbindungen. Im E-Commerce-getriebenen ‚Online-Print‘-Geschäft gibt es keine Loyalität. Es geht stets um den besten Preis und die höchste ‚Convenience‘. Differenzierungsmerkmale zu bieten, wird zur Herkules-Aufgabe.

Aus meiner Sicht stellen sich folgende zentrale Fragen:

  1. Beyond Online-Printing — Wie kann man die eigene Unternehmenskultur so menschlich gestalten, dass es im Markt Aufmerksamkeit stiftet und intern wie extern begeistert?
  2. Beyond Technocracy — Wie kann man den überstarken Technik-Fokus reduzieren zugunsten einer besseren Marktkenntnis durch Kundenorientierung, um sich extrem schnell und effektiv auf sich wandelnde Bedürfnisse einzustellen?
  3. Beyond Silo-Mentality — Wie kann man eine neue Offenheit im Geist und Agilität im Tun entwickeln, um Differenzierungsmerkmale zu identifizieren und eine unverwechselbare Unternehmespersönlichkeit zu entwicklen?

Da ich dieses Jahr beim #ops2019 in München nicht selbst dabei sein werde, bin ich gespannt, wie ernsthaft und offen über die neuralgischen Punkte gesprochen wird. Und wann sich die geschlossen-verschworene Online-Print-Gemeinschaft neu positioniert und v. a. öffnet. Dann kämen sicher auch andere Teilnehmer hinzu, die vom Online-Printing-Knowhow als Auftrageber profitieren können. 

Übrigens: Von vielen meiner tausenden Lesern und Netzwerkpartnern wurde am 1. April meine Scherz-Story ernst genommen. Tenor: Bertelsmann-Regentin Liz Mohn liebäugele damit, mit CIMPRESS und vor allem dem Gründer und CEO Robert Keane in Kontakt zu kommen, um ihre Bertelsmann Printing Group, mit 1,6 Mrd. Jahresumsatz deutlich kleiner als CIMPRESS, auf Vordermann zu bringen. — Vielleicht ist die Idee von mir gar nicht so schlecht. Falls noch nicht geschehen, bitte nachlesen.

 

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Über Andreas Weber

Andreas Weber begleitet als Wissensarbeiter/Advisor die Kommunikation mit Medien — geprägt durch eine Vorliebe für Print-Innovationen im Digitalzeitalter. 

Bis dato hat er über 500 Innovations-/Transformations-Projekten realisiert, diverse Lehraufträge wahrgenommen (u.a an der School of Visual Arts/NYC, Hochschule Liechtenstein, Hochschule RheinMain) und Vorträge in über 30 Ländern gehalten. 

Sein Blog valuetrendradar.com (ISSN-zertifiziert) inspiriert Entscheider aus mehr als 150 Ländern.

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ThinkPaper Quo Vadis PrintTends.001

Die Druckbranche ist angeblich auf dem Sprung in die Zukunft! Gelingt die Landung?

 

#Think!Paper Edition 2 / Volume 1

Von Andreas Weber, Head of Value, Initiator der Think!Paper-Initiative

Wer sich krampfhaft mit der Zukunft beschäftigt, verliert den Bezug zur Gegenwart!

Prolog

Da kommt vermeintlich Freude auf: „Druck ist die stabilste Währung“, lautet die Erkenntnis vom Print Trend Day 2019, den der Verband Druck & Medientechnik Österreich in Wien organisierte. In bewährter Manier präsentierten Experten Technologie- und Geschäftslösungen von morgen. Die Maßgabe war: Wie macht sich die Druckbranche zukunftsfit? Die Experten sind wie üblich zumeist Vertreter der Lieferindustrie, die auch den Event sponsern. 

Wir lernen: „Die Druckbranche ist [im Schulterschluss von Zulieferern und erfolgreichen Druckereien] bereit für den Sprung in die Zukunft. Die Digitalisierung schafft großartige neue Möglichkeiten, die nun mit vorausschauenden Investitionen und cleverem Marketing ergriffen werden.“

Und auch die „Print Trends zur Zeitenwende“ werden angesprochen: Print-Technologie-Experte Bernd Zipper stellte in Wien klar: „Online, Print, TV, Radio — all das sind Bestandteile des Medienkanons, den wir für unsere Information und Marktwirtschaft dringend benötigen.“

Lichtblick statt nur Ausblick: Heidelbergs Chef Digital Officer Dr. Ulrich Hermann, dynamischer Treiber der digitalen Transformation des Branchenprimus, empfiehlt, sich an den Besten der Branche zu orientieren, um „besser gerüstet für die ständig wachsenden Anforderungen der Kunden“ zu sein. Und er betont: „Print-Medien-Industrie 4.0 bedeutet hochflexible Produktion von individualisierten Druckprojekten, wobei die Druckerei in die digitale Lieferkette des Kunden eingebettet ist“. Das trifft ins Schwarze, kennzeichnet aber die Gegenwart und darf nicht als Zukunftsmusik gedeutet werden.

Gewollt, aber nicht gekonnt?

Warum mäkle ich an einem durchaus ehrenwerten Verbands-Event rum? Nun, er steht symbolisch für eine Vielzahl solcher Events, die mit viel Aufwand für Veranstalter, Redner, Sponsoren und auch fürs Auditorium verbunden sind; und zumeist nicht erfüllen können, was versprochen wird.

Mit Tunnelblick suhlt man sich im eigenen Saft und tauscht sich mit KollegInnen aus, ohne gemeinsam Botschaften zu entwickeln, die Kunden / Nutzer und Prospects von Print-Medien begeistert und ins Gespräch bringen kann. 

Sprich: Es entsteht wenig Nutzen und führt aus meiner Sicht kaum weiter. Denn hinterfragen wir, was eigentlich gemeint sein soll und wie die Gegenwart im Spiegel der sog, Trends aussieht,  kommen wir zu überraschenden Überlegungen, die von Absurdität geprägt sind: 

  • Muss man tatsächlich in die Zukunft ‚springen‘ können oder wollen, zumal diese doch von alleine kommt, selbst wenn man stehen bleibt oder sogar rückwärts läuft?
  • Ist Print tatsächlich eine ‚Währung‘? Wenn ja, was kann man z. B. mit einem exzellent gedrucktem Hochglanz-Prospekt ganz real bezahlen? 
  • Besteht der Medienkanon tatsächlich aus ‚Online, Print, TV und Radio‘? Was ist mit den Boom-Bereichen Blockchain, Streaming, KI, Mobile etc, die bereits im Hier & Jetzt alles auf den Kopf stellen?

Der Schlüssel zum Erfolg: Das Hier & Jetzt begreifen!

Während ich über die digital kolportierten ‚Print Trend Tag 2019’-Resultate sinniere und mich über die Tunnelblick-Mentalität wundere, erfahre ich parallel, was in der Welt tatsächlich wichtiges passiert. Zum Beispiel, dass Amazon quasi aus dem Stand heraus nach Google und Facebook die Nummer 3 im Werbemarkt geworden ist. Mit über 10 Milliarden US-Dollar Umsatz in 2018 und einer gigantischen Wachstumskurve. Das ist fast schon soviel, wie die OTTO Group, die gerade den gedruckten Hauptkatalog beerdigt hat, jährlich an Konzernumsatz erwirtschaften kann. Und weitaus mehr, als die auch international ambitionierten deutschen Großverlage Werbeeinnahmen generieren. So traurig das klingen mag: Print spielt bei dieser Art des profitablen und hochwirksamen Werbegeschäfts keine Rolle.

Ich erfahre auch, dass ein Bollwerk deutscher Finanzkunst wie die Deutsche Bank taumelt und im internationalen Vergleich zum Winzling geworden ist. Im Gegensatz zu N26, einem neuen FinTech-Unternehmen, das Geldgeber begeistert und schon einen Marktwert im mittleren Milliarden-Euro-Bereich verzeichnet. Das meint: Nutzenstiftende Innovation schlägt Tradition. 

Und fast noch spannender erscheint: Ich lerne als neuer Autor und Experte der europaweiten „MoreThanDigital“-Initiative von Benjamin Talin, Zürich, das sich die wissensdurstige Klientel — kleinere und mittlere Unternehmen aller Art, die an Transformation interessiert sind — bis dato mit allem auseinandersetzt, nur nicht mir Print! — Nun, das kann man ‚Zeitenwende‘ nennen, oder?

Meine Empfehlung

Wir sollten uns aktiver, cleverer und ehrlicher mit der Gegenwart auseinandersetzen, die immer Klärwerk und Katalysator für die Zukunft ist. Um die Gegenwart zu begreifen, gehört nämlich, die Vergangenheit richtig einschätzen zu können, um daraus Erkenntnisse für das hier und jetzt zu gewinnen. Damit tut man sich, warum auch immer, in der Print-Branche verdammt schwer. Und über den Tellerrand zu blicken, kann nicht schaden. Aber bitte nicht in der o. g. Form, die Trends verspricht und bisweilen wohlklingend Absurdes liefert.

Mein Resümee

Wer sich krampfhaft mit der Zukunft beschäftigt, verliert den Bezug zur Gegenwart! — Nichts für ungut, sich wie in Wien und anderswo unter Kollegen zu treffen, mag hilfreich sein, ist aber aus meiner Sicht in der geschilderten Form keinesfalls zielführend, um akute Probleme der Gegenwart zu lösen. Ebensowenig wie Zukunftsprognosen, die an anderer Stelle der VDMA als einer der Träger der #drupa2020 Ende des Jahres 2018 publizierte — sinngemäß: auch im Jahr 2040 wird noch gedruckt (!). Das sind für mich wie vieles andere im allzu wirren Trend-Geschehen nichts als teuer erkaufte Nebelkerzen.

Apropos drupa: Irre ich mich oder ist es so still wie nie zuvor um die globale Leitmesse der Print-Medien-Industrie geworden, die doch schon nächstes Jahr stattfinden soll? Schaun wir mal.

Vorher können wir uns bei dem für mich im Jahr 2019 wichtigsten internationalen Event, dem 7. Online Print Symposium (#OPS2019) Anfang April in München, selbst ein Bild machen, ob und welche Trends wirklich relevant ins Feld geführt werden. Und wie sich die Resonanz nach außen entwickelt.


 

Tipp zum Schnuppern

Die Plattform MoreThanDigital zeigt ganz hervorragend, wie man den Wissenstransfer und das Netzwerken rund um Innovation und Transformation im Digitalzeitalter erfolgreich gestaltet. Uns allen aus der Print-Branche ist das Anschauen&Mitmachen sehr zu empfehlen. Die Subskription des Newsletters ist kostenfrei möglich. Die Inhalte sind in deutsch und englisch gefasst.

 

Screenshot MoreThanDigital-Website.png


 

Über den Autor

Andreas Weber begleitet als Wissensarbeiter/Advisor die Kommunikation mit Medien — geprägt durch eine Vorliebe für Print-Innovationen im Digitalzeitalter. Bis dato hat er über 500 Innovations-/Transformations-Projekten realisiert, diverse Lehraufträge wahrgenommen (u.a an der School of Visual Arts/NYC, Hochschule Liechtenstein, Hochschule RheinMain) und Vorträge in über 30 Ländern gehalten. Sein Blog valuetrendradar.com (ISSN-zertifiziert) inspiriert Entscheider aus mehr als 150 Ländern.

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Heute ist der internationale Tag der Handschrift. Also DER Tag von Annett Wurm, die dazu tolle Workshops anbietet! — Spannend-informatives Feature im Frühstücksfernsehen MOMA der ARD. Mit der Kernaussage: „Die Handschrift, so individuell wie ein Fingerabdruck. Keine ist wie die andere. Eine Kulturtechnik, auch Ausdruck von Persönlichkeit, von Emotion. Und wer mit der Hand schreibt, trainiert auch sein Gehirn.“

Wir lernen, was das Schreiben mit der Hand bewirkt, und über das Tippen und Wischen am Smartphone oder Tablet weit hinausführt! 

 

Auszug aus dem Workshop-Manual von Annett Wurm

EINGANGSGEDANKEN: Ein Plädoyer für die Handschrift

Wir streiten, wettern, rebellieren gegen den staatlich erfassten, Länder übergreifenden FINGERABDRUCK. Wir wehren uns gegen Uniformität jedweder Art, aber verzichten freiwillig auf unsere eigenwillige, einzigartige Handschrift. Das muss man sich wirklich mal vor Augen halten: 

Wir verzichten auf eines der wenigen Wesensmerkmale, die uns von jedem anderen unterscheidet. Wir halten uns lieber mit Begrifflichkeiten und Vermittlungsstrategien auf und verheddern uns im Wirrwarr eines zu erfindenden Namens für die erste Handschrift unserer Kinder. Da kann sich ja nur Unsicherheit breit machen — die der Lehrenden, demzufolge auch die der Schüler. 

Wir können es drehen und wenden, definieren, übersetzen, verschieben, abschieben … Jede Vermittlung trägt Verantwortung; uns gegenüber, unseren Schülern gegenüber und somit auch unserer Kultur gegenüber. 

Mit der Hand schreiben setzt Denken voraus (naja… sollte man meinen), entwickelt sich und entstehet im Tun. Und das mit unzählbaren Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten. Oftmals überdacht, gestrichen, ausgetauscht, verändert, korrigiert — bis sich der Kern entblößt, eine reflektierte Aussage, auch optisch — erkennbar wird. 

Heinrich von Kleist schrieb von der Verfertigung des Gedankens beim Schreiben. Denken und Schreiben gehören zusammen! Gedanken formen Formen und lassen neue Gedanken, Assoziationen wachsen, die ausgedrückt wer- den wollen. 

Handschrift ist ein Geschenk; ein einzigartiges, individuelles Geschenk — für den Schreibenden als auch für den Adressaten. Dem Empfänger wird mit hoher Aufmerksamkeit etwas Besonderes, Außergewöhnliches mitgeteilt. Hier hat sich jemand richtig ins Zeug gelegt, hat mir Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt. 

Und nicht nur das, Forschungen aus vielen Ländern haben ergeben, dass Handgeschriebenes der Klarkeit, somit der Merkfähigkeit dient und die Feinmotorik schult. Mit der Hand schreiben fördert kognitive Prozesse; Wahrnehmung, Vorstellungskraft und Kreativität werden gesteigert. 

Darauf wollen wir zugunsten einer uniformen Tastaturtipperei tatsächlich verzichten? Nein! Darauf kann nicht verzichtet werden, weil wir damit unsere Persönlichkeit aufgeben würden. 

Kontakt und weitere Infos zu den Workshops von Annett Wurm

Annett Wurm, Gestalterin
Yorkstr. 50, 52351 Düren
Mobil +49(0)171.30 700 71
E-Mail mail(at)annettwurm.de
www.annettwurm.de
www.express-yourself.online


 

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#Think!Paper ist eine neue Initiative um die Bedeutung von Print für das Digitalzeitalter zu manifestieren. Wir bedanken uns bei wichtigen Fördern wie MONDI, GT Trendhouse 42, DRUCKMARKT, ValuePublishing und vielen anderen.


 

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