drupa ante portas: Automatisierung, Flexibilisierung, Digitalisierung machen Print zum Top-Wachstumsmarkt!

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Von Andreas Weber | ENGLISH version

Mein Kommentar: Dies war wohl die wichtigste, weil ertragreichste Veranstaltung (mit der Wirtschaftspresse) im Umfeld einer drupa. Klar, es wurden Marktzahlen genannt. Aber nur als Leitlinie und als Beleg dafür, dass Print ein Wachstumsmarkt ist. Vielmehr wurde erstmals aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, wie sich das erfolgreiche Geschäft mit Print gewandelt hat. Einiges kommt sicher schon bekannt vor. Wichtig war aber, im Vorfeld der drupa 2016, die ein so weites Themen- und Ausstellungs-Spektrum wie nie zuvor abdecken muss, den Kontext anschaulich herzustellen, worum es tatsächlich geht. Und es war aufschlussreich zu beobachten, wie ernsthaft alle Protagonisten (in diesem Fall die wichtigsten „Macher“) der drupa als globale Leitmesse hinter dem stehen, was sie sagen und propagieren.

Keine Frage: Die Printwelt ist nicht mehr, was sie einmal war. Die Zeit des Jammern ist aber vorbei. Der Reset-Button ist gedrückt. Wer aber weiterhin glaubt, den Geschäftserfolg mit dem Kauf von neuen Maschinen abzusichern, läuft in die Irre und wird scheitern. Ganzheitliches Denken, über den Tellerrand hinaus, die umfassende Kenntnis und das souveräne Beherrschen sämtlicher Prozessschritte, der Automatisierung und das richtige, vorurteilsfreie Deuten der Digitalisierung im Kontext mit den fulminant geänderten Anforderungen an die Printbranche wird zum Erfolgsrezept.

Worauf es im Zusammenhang mit „Digitalisierung“ ankommt, hat im für mich persönlich wichtigsten Redebeitrag Dr. Gerold Linzbach vorgetragen. Auszug: „Wir sind den entscheidenden Schritt gegangen von der Technik-Orientierung hin zur Kunden-Orientierung. (…) Über allem steht der Kundennutzen. Wir betreiben nicht Technik um der Technik willen.“

Das Ergebnis muss sein: „Bestmöglicher Nutzen für unsere Kunden und letztlich für das, was die Branche weiter bringt.“

Willkommen im „Haus des Buches“

Mein Bericht: Zeitpunkt und Ort für das exklusive pre-drupa-Wirtschaftspressegespräch waren klug gewählt: Man traf sich am 4. April 2016 in Haus des Buches im Herzen der Finanzmetropole Frankfurt am Main. Die Themen: Marktbetrachtung, Packaging, Print 4.0, Digitalisierung — Der Gastgeber, Dr. Markus Heering, Geschäftsführer des Fachverbands Druck- und Papiertechnik im VDMA, konnte optimistisch auftrumpfen: „Print ist eine Branche mit Zukunft.“ Druckerzeugnisse seien in unserem Alltag mehr denn je allgegenwärtig und in der Brandbreite vielfältiger denn je. Messe Düsseldorf-Chef Werner Matthias Dornscheidt zeigte sich in seinen kurzen Grussworten zuversichtlich, die bestens vorbereitete drupa 2016 eine vollen Erfolg werden zu lassen, abgerundet durch attraktive Specials wie den drupa cube mit einem exzellenten Rahmenprogramm.

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Werner Matthias Dornscheidt, Messe Düsseldorf, und Dr. Markus Heering, Fachverband Druck- und Papiertechnik im VDMA. Foto: Andreas Weber

Dynamisches Wachstum auf breiter Front

„Aktuell spielt uns der globale Trend zu Flexibilisierung und Automatisierung in die Karten. Wie kaum ein Zweig im Maschinenbau hat der deutsche Druck- und Papiermaschinenbau Industrie 4.0 in die Realität umgesetzt“, sagte Dr. Heering weiter. Industrie 4.0 stehe Print 4.0 zur Seite, und wir könnten jetzt schon erleben, in welchem Maß Druckereien ihre Produktivität und Flexibilität durch voll vernetzte digitale Arbeitsprozesse steigern können. Gegenüber dem Vorjahr stieg 2015 der Auftragseingang für Druck- und Papiertechnik um 10 Prozent. Hersteller von Druckmaschinen erzielten ein Auftragsplus von 9 Prozent bei leicht rückläufigen Umsätzen vor allem im Inland; bei den Herstellern von Weiterverarbeitungsmaschinen stieg das Auftragsplus sogar um 21 Prozent. Dr. Heering erläuterte: „Dass Weiterverarbeitungstechnik gefragt ist, wie lange nicht mehr, zeigen auch die Umsatzzahlen. Der Inlandsumsatz stieg um 13 Prozent und im Ausland konnten unsere Hersteller ihre Umsätze um 9 Prozent steigern.“ Man könne also mit neuem Schwung auf die drupa 2016 als globale Leitmesse für die Branche zugehen.

Als Visionen und Leitbilder für den Druck- und Papiermaschinenbau kristallisieren sich laut VDMA zentrale Kernelemente heraus: „Vernetzung“ und „Flexibilität“; sowie drei zu bearbeitende Themenfelder:

  1. die flexible Erfüllung von individuellen Kundenbedürfnissen,
  2. die Verschmelzung von Technologien und Funktionen,
  3. Kooperation und Standardisierung von Schnittstellen.

Im Fokus stehe das erklärte Ziel, neue Anwendungsfelder dazu zu gewinnen und Print und Papier dadurch zu stärken.

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drupa-Präsident Claus Bolza-Schünemann, Vorstandsvorsitzender der Koenig & Bauer AG (KBA). Foto: Andreas Weber

Verpackungsdruck als Motor für Druckereigeschäft

drupa-Präsident Claus Bolza-Schünemann, Vorstandsvorsitzender der Koenig & Bauer AG (KBA), rückte den Verpackungssektor als Wachstumstreiber nach vorne, wobei die klassischen Drucktechniken hier führend und vorläufig unverzichtbar seien, der Digitaldruck aber neue Nutzungsmöglichkeiten einbringe: „Gemeinsam decken Flexo- und Offsetdruck aktuell rund zwei Drittel des von Smithers PIRA im für 2015 auf rund 415 Mrd. US$ bezifferten internationalen Verpackungsdruckmarktes ab. Der Anteil des Digitaldrucks ist mit ca. drei Prozent noch relativ klein, also genug Raum für Wachstum.“ Auf hohem Niveau wachse der Verpackungsmarkt für Druckereien jährlich um vier bis fünf Prozent.

Bolza-Schünemann betonte, das Gesamtvolumen, das mit Print weltweit erzielt werde, sei so hoch, wie man es sich kaum vorstellen könne: Von derzeit knapp über 900 Mrd. US$ sollen laut Prognosen die Umsätze bis fast eine Billion US$ im Jahre 2018 ansteigen. Und der drupa-Präsident ergänzte: „Wie stark sich die Druckwelt in Richtung Verpackung verschoben hat, mögen Sie daran sehen, dass KBA vor 10 Jahren noch gut 60 Prozent des Konzernumsatzes in medienorientierten Printmärkten erzielt hat und nur etwa 20 Prozent im Verpackungsdruck. Heute liegt der Verpackungsanteil nicht ganz ungewollt über 60 Prozent und der Publikationsdruck bei gut 10 Prozent“. Neben den hochwertig gestaltet und produzierten Umverpackungen rücken auch Umverpackungen in den Fokus. Bolza-Schünemann erwartet, dass die heute im eCommerce üblichen braunen Umverpackungen aus Wellpappe zunehmend farbiger werden. Der hochleistungsfähige Inkjet-Rotationsdruck sei daher bestens für den Wellpappenmarkt geeignet.

 

Meine Zwischenbemerkung:

Globale Umsatzzahlen klingen immer gut. Und die Aussicht, bald 1.000 Milliarden US$ mit der Herstellung von Printmedien zu erzielen, beeindruckt. Ist aber gleichzeitig auch sehr abstrakt. Zwar haben im Nachgang zum VDMA-Wirtschaftspresseevent z. B. die F.A.Z. dies aufgegriffen („Lebenszeichen aus einer bedruckten Welt”, Ausgabe 5. April 2016, Seite 18), und bestätigt, dass Print ein Wachstumsmarkt ist; auch durch den Hinweis, die Print-Branche setze mehr um als die Automobilbranche. Doch was sagt uns das? Zudem sind diese Zahlen schon seit fast 15 Jahren bekannt. manroland AG hatte diese als Grundlage ihrer Marktforschung definiert. Genutzt hat es den Augsburgern wenig, sie gingen in Konkurs. — Viel spannender erscheint mir die Frage (die nicht einfach zu beantworten ist): Welchen Anteil haben Printmedien an der Steigerung der Gesamtperformance der Gesamtwirtschaft? Wenn jetzt Verpackungen als Wachstumstreiber der Printbranche genannt werden, dann ist klar, dass alle Unternehmen, die „non-digitale“ Produkte, die verpackt werden müssen, verkaufen wollen, zu 100 Prozent auf Print setzen müssen. Das ist ein klares und einleuchtendes Statement. Oder? Im übrigen hat der Imaging-Konzern Canon — seit vielen Jahren bekannt für exzellente Fachstudien rund um Print und Multichannel — schlüssige Schaubilder entwickelt, die sich bestens für Vorträge eignen. Darin wird die Bedeutung von Print noch klarer!

Quelle: Canon Europa

 

 

Folgende Gründe für das starke, nachhaltige Wachstum bei Verpackungen führte drupa-Präsident Bolza-Schünemann an:

  1. Bedruckte Verpackungen haben für ihren Inhalt eine Schutz-, Konservierungs-, Werbe- und zunehmend auch eine Kommunikationsfunktion. Denken Sie hier nur an das Thema Verbraucherschutz mit entsprechenden Hinweisen auf der Verpackung.
  2. Verpackungen können nicht durch Flatscreens oder Smartphones ersetzt werden. Anders als gedruckte Zeitungen oder Kataloge sind sie nicht vom veränderten Medienverhalten betroffen, sondern profitieren eher davon.
  3. Die Weltbevölkerung und der internationale Wohlstand wachsen. In Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien wächst die kaufkräftige Mittelschicht. Mit dem Wohlstand wächst der Konsum und wo mehr konsumiert wird, wird mehr verpackt und bedruckt, zumal auch in Schwellenländern Shopping Malls aus dem Boden schießen.
  4. Verpackungen werden immer raffinierter und edler. Nur so finden sie am Point of Sale die nötige Aufmerksamkeit. Dieser Trend bringt mehr Wertschöpfung für die Druckbranche und aufwendiger ausgestattete Maschinen für die Lieferindustrie.
  5. Mehr Single-Haushalte mit einer Vorliebe für Fertiggerichte und der boomende Online-Versandhandel sind ebenfalls Wachstumstreiber.

Zu ergänzen ist: Der Einfluss von Multichannel-Lösungen und „Augmented Reality“ in Verbindung mit Individualisierung, die jede Art von Verpackung zum Startpunkt neuer Kontakt- und Dialogmöglichkeiten mit dem Käufer machen, stellen ein ungeheures Potential für Markenunternehmen dar. (Siehe dazu den ValueDialog mit dem Multichannel-Entwickler Jacob Aizikowitz).

 

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Kai Büntemeyer, Vorsitzender VDMA Druck- und Papiertechnik sowie Geschäftsführender Gesellschafter von Kolbus GmbH & Co KG. Foto: Andreas Weber

 

Alternativlos: Digitale Vernetzung der gesamten Wertschöpfungsprozesse

Der Unternehmer Kai Büntemeyer, Vorsitzender VDMA Druck- und Papiertechnik sowie Geschäftsführender Gesellschafter von Kolbus GmbH & Co KG, räumte mit dem Vorurteil auf, die Weiterverarbeitung sei mehr oder weniger der Appendix bei der Printmedien-Herstellung. Er warnte davor, sich unbedacht von Kaufangeboten attraktiver neuer Druckmaschinen verführen zu lassen, ohne die Gesamtprozesskette zu überblicken und alle Möglichkeiten der Vernetzung innerhalb und ausserhalb des Druckereibetriebs zu bewerten. „Eine von Interoperabilität, offenen Systemen und harmonisierten Schnittstellen geprägte Prozesswelt“, sei unerlässlich, so Büntemeyer. So habe sein Unternehmen die Schnittstellen-Syntax zum kostenlosen Herunterladen im Internet bereitgestellt, „denn die Geschwindigkeit der Evolutionsprozesse, die wir mit dem Begriff Print 4.0 umschreiben, steht und fällt mit der Transparenz seiner Akteure.“

Wichtig sei im Fall der Druck- und Papierbranche die Abgrenzung zwischen der Digitalisierung auf der einen Seite und dem Digitaldruck auf der anderen. „Digitaler Inkjet-Druck ist nur ein weiteres Verfahren, das es wie herkömmliche Offset-, Flexo- oder Tiefdruckverfahren in die digitalisierten Prozessketten zu integrieren gilt. Wobei der Druckprozess ein kleiner Ausschnitt der Gesamtkette ist.“

Die Gesamtprozesskette beginnt laut Büntemeyer wie folgt:

  • mit dem Empfang digitaler Auftragsdaten;
  • geht mit softwaregestützter Auftragsplanung zu optimierten Auslastung der Maschinen bei minimalen Rüstzeiten weiter;
  • umfasst Einkauf, Personalplanung;
  • und natürlich sämtliche Prozessschritte in Vorstufe und Weiterverarbeitung;
  • und sie endet erst mit der automatisierten Verpackung, Adressierung und dem Versand der Druckerzeugnisse.

All dies sei zwar schon länger bekannt, könne aber erst mit heutiger, leistungsfähiger Technologie gelöst werden, da erst seit neuestem Prozessorleistungen, Echtzeitkommunikations- und Big-Data-Softwarelösungen ihre marktgerechte Umsetzung erlauben würden.

Im Detail entwickelt Büntemeyer folgendes Szenario, das die Weiterverarbeitung in ein ganz neues Licht rückt: „Sensorische Inline-Überwachung gewährleistet gleichbleibend hohe Qualität. Doch die dabei erhobenen Daten können Mehrwerte erschließen: Mit Zustandsüberwachung der Maschinen können Reparaturen präventiv durchgeführt werden. Ausfallzeiten werden so planbar. Und so manche Störung können Servicespezialisten aus der Ferne beheben. Die erhobenen Daten werden in modernen Druckanlagen zudem auch für anonymisierte Benchmark-Vergleiche genutzt. Anwender können ihre Performance und Produktivität mit den Werten anderer Nutzer derselben Anlagen vergleichen.“

Klar ist für Büntemeyer aber auch: Die Branche hängt in ihrer Ausstattung auf breiter Front diesen Möglichkeiten nach — um mindestens 10 bis 15 Jahre, in denen man zu wenig prozess- respektive lösungsorientiert dachte und angemessen investierte. Zudem empfiehlt sich sogar die Vernetzung von Druckereien untereinander.

 

Meine Zwischenbemerkung:

Gut, dass dies mal klargestellt wurde. Denn letztlich, so meine Schlussfolgerung, geht es heute nicht mehr um Optimierungen im Detail und die Pflege eines überkommenen Silo-Denkens, sondern um neue, mitunter disruptive, ganzheitliche, automatisierte Geschäftsprozesse und die entsprechende Neu-Ausrichtung der Geschäftsmodelle. (Hinweis: Auf dem 4. Online Print Symposium, das am 17. und 18. März 2015 in München stattfand, war zu sehen, wie weit dies schon bei den extrem erfolgreichen Online-Druckereien wie u.a. Onlineprinters, Flyeralarm, United Print oder CIMPRESS vorangeschritten ist (siehe den Beitrag „Zippers Insights: Bericht vom 4. Online Print Symposium“) .

 

 


Dr. Gerold Linzbach, Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen AG hat Heidelberg neu ausgerichtet und auf Kunden-Orientierung getrimmt. Video: Andreas Weber

 

„Digitalisierung ist nicht gleich Digitaldruck!“

Die neue Rolle des Branchenprimus Heidelberger Druckmaschinen AG brachte der Vorstandsvorsitzende Dr. Gerold Linzbach im Nachgang zu seinem Statement beim VDMA-Presseevent auf den Punkt: „Wir sind den entscheidenden Schritt gegangen von der Technik-Orientierung hin zur Kunden-Orientierung.“ Dazu sei es ausschlagend, Digitalisierung wie andere Begriffe auch, nicht als „Buzz“-Wort zu nutzen, das alle im Mund führen ohne im Kern die Bedeutung zu wissen oder einheitlich abzustimmen.

Im Gespräch mit Kunden und vielen Marktpartnern wurden laut Dr. Linzbach bei Heidelberg drei Wesenselemente oder Ebenen der Digitalsierung für den Print-Markt festgeschrieben. Mit dem Ergebnis, dass Digitalisierung richtig verstanden, die Automatisierung und Flexibilisierung von Print möglich macht und somit den Anschluss an das Digitalzeitalter sicher stellt.

Zum ersten die  „Vernetzung“ im Sinne der automatischen Weitergabe von Maschinendaten (für den Druck und die nach gelagerte Weiterverarbeitung) untereinander mit adäquaten Schnittstellen, um für Menschen alle Prozessschritte transparent zu machen. Gerade in der heutigen Zeit, bei der die Fragmentierung der Auftragsbücher den Takt vorgibt, ist Automatisierung durch Vernetzung unabdingbar. Heidelberg-Kunden könnten nur so u.a. bis zu 3.000 und mehr Aufträge pro Tag meistern. Gerade auch der Erfolg in der reibungslosen Einbindung von Digitaldrucksystemen via PrintShop-Netzwerk zahle sich aus. In kurzer Zeit habe der Heidelberg-Vertrieb dadurch 1.000 OEM-Digitaldrucksysteme von Ricoh erfolgreich bei Druckereien platzieren können.

Dem Kunden, der Druckerei, werde automatisch abgenommen, zu entscheiden, wie nach Eingang der Auftragsdaten optimal produziert werde könne, ob im Offset- oder Digitaldruck. Es geht also nach Dr. Linzbach um die nahtlose Integration aller Produktionsmittel, die eine Druckerei einsetzen muss, zur Minimierung des Datenhandling-Aufwandes. Beim Online-Printing ist dies bereits Standard und werde sich auf alle Bereiche der Druckbranche ausdehnen. Dies ist auch notwenig, wenn wie im Verpackungsbereich der Dokumentationsaufwand enorm ansteige, um nachzuweisen, dass zum Beispiel Lebensmittel den Vorschriften gemäß verpackt wurden.

 

 

Zum Zweiten die Variabilisierung von Print, sprich die Personalisierung, Individualisierung im Sinne des häufigen Wechsels der Druckinhalte bei gleichzeitiger hoher Vielfalt der Substrate/Bedruckstoffe — naturgemäß eine Stärke digitaler Druckverfahren. Heidelberg habe dazu für die drupa 2016 ein ganzes Bündel von Digitaldrucklösungen konfiguriert und entwickelt. Hier verlagert sich sogar der Ort, an dem gedruckt wird, wie zum Beispiel das Bedrucken der individuell vom Endkunden gestalteten Müsli-Packungen vor Ort im Laden von mymuelsi.com.

Konnektivität spielt eine wichtige Rolle. Laut Dr. Linzbach darf man dabei nicht allein darauf vertrauen, Druckmaschinen mit tausenden Sensoren auszustatten, die ermöglichen, im Sekundentakt Daten auszulesen, die dann in riesigen Mengen abgespeichert werden. Für einen verantwortungsbewussten Technologiehersteller wie Heidelberg sei die Maßgabe, den Übergang von Big Data zu Smart Data zu gestalten. Sprich: Über die primär verwendungsneutralen Daten muss ein Filter gelegt werden, der aus der Masse an Auftragsdaten, Kundendaten und Applikationsdaten nur das wichtigste selektiert, also genau das, was wirklich relevant ist. Dies muss automatisch erfolgen können. Damit dies nicht zu theoretisch klingt, führte Dr. Linzbach ein Beispiel auf: Heidelberg werde eine E-Commerce-Plattform aufbauen, bei der die Kunden automatisch Hinweise bekommen, wenn zum Beispiel eine Materialbestellung des Kunden gar nicht zu dem bei ihm installierten Equipment passt. Das Ziel muss sein, Aufwand und vor allem auch Fehler zu vermeiden, soweit zu entlasten, dass sich der Kunde auf seine Kerntätigkeiten konzentrieren kann.

Dr. Linzbach stellt in Aussicht, dass alsbald selbst die kompliziertesten Technologien höchst einfach, quasi per Knopfdruck, zu bedienen sein werden. Gerade so, wie Konsumenten dies von ihren Smartphones und Tablets her kennen, die nahezu selbsterklärlich funktionieren und exakt die Ergebnisse liefern, die man sich wünscht, ohne jede einzelne technische Funktion überhaupt kennen zu müssen.

Nur so kann sichergestellt werden, dass Kunden aus dem Druckereisektor ihren eigentlichen Aufgaben nachgehen können. Laut Dr. Linzbach ist die Kernaufgabe eines Druckereiunternehmers nicht die „perfekte Druckqualität“ — das muss der Technikhersteller garantieren — sondern v. a.  Aufträge und hohe Auftragsvolumen zu managen, Marketing zu machen und Kundenkontakte zu pflegen.

Und damit ist die dritte Facette der Digitalisierung auf den Punkt gebracht: Sozusagen das „Reduce to the max“, die Verblendung von dem was heute technisch möglich ist durch geeignete Filter, die aus Kunden- und Anwendungskenntnis kommen, um das im Vordergrund zu halten, was tatsächlich relevant ist, um aus Daten zielführende Informationen werden zu lassen.

Das Fazit von Dr. Gerold Linzbach: „Über allem steht der Kundennutzen. Wir betreiben nicht Technik um der Technik willen, wir bauen nicht einfach nur ein, was technisch maximal möglich ist; sondern wir versuchen jederzeit das zu verblenden mit dem bestmöglichen Nutzen für unsere Kunden und letztlich für das, was die Branche weiter bringt.“

 

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HINWEIS: ValuePublishing berichtet umfassend und konstruktiv-kritisch über die wichtigen und v. a. relevanten pre-drupa-Geschehnisse. Siehe vor allem:

“drupa ante portas: Das Top-Thema für 2016 — Print im Kommunikationsmix!”

drupa ante portas: Ist Print (wieder) auf der Überholspur? JAEIN. 

 

Die Wirtschaftspresse hat die “good news” zur drupa 2016 und der Printbranche 4.0 sehr gut aufgenommen. Hier die Clippings einiger Berichte.

 

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