Screenshot aus KI Festival-Video-Doku des Städel Museum mit Constanzes Kurz, Gitta Kutyniok, Ingo Dachwitz, Nora Al-Badri, moderiert von Vivian Perkovic
KI ist längst Alltag – und sie bleibt. Die Diskussion beim KI-Festival im Städel Museum mit Moderatorin Vivian Perkovic und Expertinnen und Experten wie Constanze Kurz, Prof. Gitta Kutyniok sowie Ingo Dachfeld zeigte eindrücklich: Wir stehen an einem Wendepunkt. Es geht nicht um Hype oder Angst, sondern um kluge Gestaltung.
Vom „Ausbruch“ der KI zur Verantwortung der Anbieter
Jüngste Vorfälle bei OpenAI und Anthropic, bei denen Modelle Sicherheitsbarrieren umgingen, wurden kontrovers bewertet:
Constanze Kurz sieht darin vor allem Marketing und warnt vor Vermenschlichung: KI simuliert Verhalten, hat aber weder Bewusstsein noch eigene Ziele.
Gitta Kutyniok betont die wachsende Mächtigkeit der Systeme: Der Fehler lag in der unzureichenden Abschottung – die Agentenkommunikation wirkt intelligent, bleibt aber zweckgebunden.
Kernpunkt: Verantwortung liegt bei den Anbietern – technische Grenzen müssen robust sein, Narrativen sollte man kritisch begegnen.
Der vergessene Faktor Mensch und die Lieferkette der KI
Ingo Dachfeld lenkt den Blick auf Produktionsbedingungen: Content-Moderation und Datenlabeling, oft ausgelagert in den globalen Süden, schützen Nutzerinnen und Nutzer, belasten aber jene, die diese Arbeit leisten. Verantwortung darf nicht in komplexen Lieferketten diffundieren. Fair-Work-Standards sind überfällig.
Daten, Vielfalt und Entmystifizierung
Datensätze prägen, was Modelle „sehen“. Historisch dominierte der globale Norden (z. B. ImageNet). Die Antwort: kuratierte, kontextbewusste Southern Data Sets und Projekte wie „Babylonian Vision“, die KI als Mustererkenner begreifen – als Werkzeug, nicht als Wesen.
Infrastruktur sichtbar machen
Rechenzentren verbrauchen Energie und Wasser – oft ohne Transparenz. Pflichtkennzahlen zu Verbrauch, Kühlung und Emissionen sind notwendig, damit Unternehmen und öffentliche Hand rational entscheiden können. Wenn Kapazitäten ausgebaut werden, braucht es klare Berichte und Audits.
Technik, Effizienz und Vertrauen
Neuromorphes und photonisches Computing versprechen Effizienzgewinne; Biocomputing zeigt experimentelle Pfade. Standards und Programmierbarkeit müssen mitwachsen.
LLMs halluzinieren. Vertrauen entsteht durch Herkunftsnachweise, Modellkarten, Risikoberichte, unabhängige Audits und Optionen für lokale, datenschutzfreundliche Nutzung ohne Zwangsintegration.
Medienkompetenz als Pflichtfach
LLMs haben kulturelle und politische Färbungen. Medienkompetenz muss dauerhaft in Schulen und Weiterbildung verankert werden – wer KI bewusst nutzen will, muss sie verstehen. Transparenzlabels, ähnlich dem Energieeffizienzlabel, könnten Verbrauch, Zuverlässigkeit und Datenherkunft sichtbar machen – echter digitaler Verbraucherschutz.
Chancen nicht übersehen
KI löst komplexe Theoreme und eröffnet personalisierte Medizin – schon heute. Gleichzeitig sollten versteckte Kosten (Energie, Wasser, epistemische Risiken, militärische Anwendungen) ehrlich eingerechnet werden. Oft sind kleinere, spezialisierte Modelle präziser und ressourcenschonender als Generalmodelle.
Kreativität, Kultur und digitale Souveränität
Künstlerische Praxis zeigt die konstruktive Kraft von KI: Projekte wie „The Post Truth Museum“ von Nora nutzen Deepfakes, um dekolonisierte Zukunftsnarrative zu imaginieren. Kulturinstitutionen und Qualitätsjournalismus können eine Renaissance erleben: kuratieren, kontextualisieren, Sinn stiften.
Europa sollte seine Werte – Datenschutz, Urheberrecht, Transparenz – selbstbewusst durchsetzen. Ein europäisches KI-Modell auf den Datenschätzen öffentlich-rechtlicher Sender, Bibliotheken und Forschung ist realistischer Aufruf zum Handeln.
Transparenz verpflichtend machen: Energie- und Wasserberichte für Rechenzentren, Modellkarten, Herkunftsnachweise, unabhängige Audits und klare Datenschutzpraktiken.
Vielfalt in Daten fördern: Kuratierte, kontextreiche Datensets aus der globalen Mehrheit in Kooperation mit Communities, Kunst und Forschung.
Die Zuversicht entsteht nicht aus blindem Technikglauben, sondern aus unserer Fähigkeit, KI gemeinsam klug zu gestalten.
Screenshot der KI-Festival Videos des Städel Museum auf YouTube. Hier sind die Podiumsbeiträge per Live-Stream-Mitschnitt dokumentiert.
Im Rahmen der #besserleben Berichtsreihe werden von mir alle wichtigen Beiträge auf Bühne 1 des KI-Festivals thematisiert und kommentiert.
Bild: Screenshot aus KI Festival Video-Doku des Städel Museum
Die Welt dreht sich schneller als je zuvor. Push-Nachrichten, endlose Social-Media-Feeds und eine Flut KI-generierter Bilder prasseln unaufhörlich auf uns ein. So die Ausgangslage für eine spannende Podiumsdiskussion am 5. September 2026 beim Ki-Festival im Städel Museum.
Es diskutierten Johanna Zorn, Kay Voges, Christoph Koch, moderiert von Eva Schulz, das Thema „Macht Kunst resilient gegen den Overload?“ und lieferten inspirierende und zuversichtliche Antworten.
Fakt ist: Viele fühlen sich oft erschöpft und überfordert von dem, was der Autor Douglas Rushkoff als „Gegenwartsschock“ bezeichnet. Doch wie können wir in diesem digitalen Sturm nicht nur bestehen, sondern gestärkt daraus hervorgehen?
Die Diagnose: Der Kampf um unsere Aufmerksamkeit
Unsere Aufmerksamkeit ist zur knappsten Ressource geworden. Wir scrollen endlos durch Inhalte auf zweidimensionalen Bildschirmen, die uns in unserer eigenen Komfortzone halten. Algorithmen auf TikTok oder Instagram liefern uns zwar eine enorme emotionale Bandbreite, doch am Ende bleiben wir in einer Art Homöostase – wir reagieren nur noch, statt wirklich in die Tiefe zu denken. Das Problem ist nicht nur die schiere Menge an Informationen, sondern auch der gefühlte Zwang, ständig darauf reagieren zu müssen. Wir wechseln rastlos zwischen Aufgaben, was unsere Konzentration schwächt.
Kunst als kraftvolles Gegenmittel: Fokus, Reibung und dreidimensionales Denken
Genau hier setzt die transformative Kraft der Kunst im KI-Zeitalter an. Anders als Algorithmen, die auf gefällige Bestätigung abzielen, kann Kunst eine „Zumutung“ sein – im besten Sinne. Sie irritiert, fordert uns heraus und schafft Reibung.
Fokus trainieren: Ein Museums- oder Theaterbesuch zwingt uns, innezuhalten und uns bewusst einer Sache zu widmen. Diese Fokussierung ist eine essenzielle Kompetenz in einer Welt der ständigen Ablenkung.
Tiefe statt Fläche: Kunst öffnet einen dreidimensionalen Gedankenraum. Im Theater oder bei der Lektüre eines Buches versetzen wir uns in andere hinein und üben Empathie – die Fähigkeit, einen fremden Standpunkt einzunehmen. Es geht um echte Bewegung und Erschütterung, nicht um stoische Gleichmütigkeit.
Wahrheit im postfaktischen Zeitalter: In einer Zeit, in der Fakten und Fiktion verschwimmen, kann Kunst einen Ort der Wahrheit erschließen. So bringen Theater wie das Schauspiel Köln mit Produktionen wie „Geheimplan gegen Deutschland“ faktenbasierte, journalistisch recherchierte Geschichten auf die Bühne und werden zu „Medienhäusern“, die analoge und digitale Welten verbinden.
KI in der Kunst: Jenseits der Imitation – Ein neuer, nachhaltiger Weg
Während die Debatte oft von der Flut an KI-generiertem „Slop“ geprägt ist, der meist nur frühere Medien wie die Fotografie imitiert, entstehen bereits visionäre Alternativen. Die künstlerische Auseinandersetzung mit KI begann schon vor über einem Jahrzehnt und hat stets die unsichtbare Infrastruktur hinterfragt: den enormen Energieverbrauch, die Ausbeutung von Ressourcen und die prekäre Klickarbeit.
Zwischenruf zur Perspektive von KI
Ein wegweisendes, noch nicht öffentliches Forschungsprojekt (Projektname LOSSI), das seit 2024 entwickelt wird, zeigt, dass es anders geht. In ihrer Live-Videosession „AI: ARTIST INCLUDED“ gab die Künstlerin Hito Steyerl, (seit 2024 als Professorin für Aktuelle Digitale Medien an der Akademie der Bildenden Künste München tätig) einen kurzen Einblick: Als erstes Modell seiner Art wird es ausschließlich mit gemeinfreien Daten trainiert – ohne Urheberrechtsverletzungen. Es ist transparent und verbraucht im Training mehr als zehnmal weniger Energie als herkömmliche Systeme. Die Ästhetik ist nicht fotorealistisch, sondern eigenwillig und schräg – sie spiegelt die Eigenheiten des Mediums wider, anstatt etwas zu kopieren.
Mit Zuversicht nach vorn: Wir gestalten unsere Zukunft aktiv
Kunst ist kein simples Wellnessprogramm, sondern ein Trainingsfeld für unsere kognitiven und emotionalen Fähigkeiten. Sie lehrt uns, uns abzugrenzen, Ambivalenz auszuhalten und der Welt mit geschärfter Wahrnehmung zu begegnen.
Die gute Nachricht ist: Wir können beides haben – die Vernetzung der digitalen Welt und die Tiefe des dreidimensionalen Denkens. Projekte wie LOSSI beweisen, dass eine ethische, nachhaltige und kreative KI möglich ist. Kulturinstitutionen entwickeln sich weiter zu „Trusted Sensemakern“, die in einer Welt des Überflusses Orientierung bieten.
Indem wir bewusst Räume für Kunst schaffen, unsere Feeds kuratieren und Irritationen zulassen, stärken wir unsere Resilienz.
Wir bleiben handlungsfähig und gestalten aktiv unsere Aufmerksamkeit. Das ist Grund zur Zuversicht – für einen bewussteren Umgang mit unserer Zeit und einen klaren Blick nach vorn. Die Reise für uns alle hat gerade erst begonnen.
Screenshot der KI-Festival Videos des Städel Museum auf YouTube. Hier sind die Podiumsbeiträge per Live-Stream-Mitschnitt dokumentiert.
Im Rahmen der #besserleben Berichtsreihe werden von mir alle wichtigen Beiträge auf Bühne 1 des KI-Festivals thematisiert und kommentiert.
Bild: Screenshot aus dem Live-Video des Städel Museums auf YouTube.
Zusammenfassung der Diskussionsrunde beim KI-Festival im Städel Museum zum Thema „Wie können wir Begegnungen schaffen im KI-Zeitalter?“ mit Bernhard Pörksen, Christian Uhle, Sarah Diefenbach, moderiert von Vivian Perkovic.
Wie verändern generative KI und Social Media unsere Gespräche, Beziehungen und die Qualität unserer Öffentlichkeit? Daten und Erfahrungen zeichnen ein konsistentes Bild: Wir erleben eine Entfremdungsdynamik, die Technik verstärken kann – und zugleich Werkzeuge bietet, um Verbundenheit neu zu gestalten.
Wesentliche Befunde:
Laut American Time Use Survey sinkt die Zeit mit Freunden seit 2005; Tiefstand in der Pandemie, weiterhin niedrig in 2024.
„Sex Recession“: Der Anteil der 18–64-Jährigen mit wöchentlichem Sex sank von 55% (1990) auf 37% (2004); Sexlosigkeit bei 18–29 steigt bis 2024 deutlich.
Freizeitmonitor: Treffen mit Freunden bleibt wichtig, verliert aber stark; regelmäßige Freundestreffen fielen von 37% (1986) über 41% (2003) auf 19% heute.
Deutsche Depressionshilfe: Etwa ein Viertel der Bevölkerung fühlt sich einsam; nach dem Pandemie-Peak weiterhin über dem Vorpandemischen.
Vivian Perkovic erläutert wichtige Statistiken aus aktuellen Studien. Foto: Weber
Was treibt die Entwicklung?
Social Media optimiert auf Aufmerksamkeit, Emotionalisierung und Retention
Intransparenz wird zur demokratischen Frage.
Und doch: Kein Kulturpessimismus. KI kann Resonanzräume öffnen – für Struktur, Recherche, Zusammenfassungen, Barrierefreiheit, kreative Impulse und bessere Konfliktkommunikation. Entscheidend sind Anreize und Design: Qualität der Begegnung statt Nutzungsdauer; Reflexion statt Echokammer.
Design für Bindungsqualität: Coachende Funktionen, die Selbstwirksamkeit und soziale Brücken fördern – nicht klebrige Retention.
Digitale Öffentlichkeit schützen: Regulierung mit wirksamen Standards (Transparenz, Altersdesign, Suchtprävention) und Bildung (z. B. ein Schulfach „Digitale Öffentlichkeit/Medienkompetenz“).
Demokratische Beteiligung erweitern: KI kann Konsensfelder erkennen und Politikgestaltung stärken.
Vorausschauend denken: „Cassandra“-Methoden für Worst-Case-Szenarien und werteorientiertes, resilientes Technikdesign.
Online-Dating fair gestalten: KI als „digitale Kupplerin“ mit Transparenz, Diversität und ohne manipulative Gamification.
Zuversichtlicher Ausblick
Die menschliche Sehnsucht nach echtem Gegenüber ist robust. Wenn wir Anreize verschieben – weg von Aufmerksamkeit, hin zu Qualität der Begegnung – entsteht ein produktiver Hybrid: mehr Fokus, bessere Informationen, stärkere Beziehungen. Unsere Aufgabe ist, Räume für konzentriertes Zuhören zu schaffen und Technologien so zu bauen, dass sie Reflexion statt Erregung belohnen. KI bleibt – die Frage ist, was sie ergänzen darf und was unersetzlich menschlich bleibt.
Echte Verbundenheit entsteht nicht in der perfekten Antwort, sondern im gemeinsamen Aushalten, Denken und Lachen. Genau das sollten wir wieder öfter kultivieren. Nicht „wird schon“, sondern „wir machen es gut“. Heute ist ein guter Tag, damit zu beginnen. Oder?
Hinweis: Der Bericht wird fortgesetzt mit Zusammenfassungen der weiteren Podiumsdiskurse auf der Hauptbühne des KI-Festivals.
Siehe auch: „Die Zukunft ist menschlich!“ — Bericht zur Keynote von Prof. Dr. Björn Ommer
Innerhalb unserer Arbeit der Ideenbörse für positive Lebens-Perspektiven, kurz „Besser Leben. Schöner Sterben.“ ist für den Arzt David Sonntag und mich äußerst wichtig, die Entwicklungen rund um und mit KI /AI besonders umfassend und real einschätzen zu können. Gemäß unserem Motto „be more human“ achten wir darauf, wie stets der Mensch und nicht die Technik im Fokus steht.
Prolog
Das KI-Festival im Städel Museum am 4. und 5. September 2026 setzt Maßstäbe.
Es erscheint geradezu wunderbar und bemerkenswert, was das Städel Museum in Frankfurt am Main mit seinem KI Festival 2026 als pure Inspirationsquelle auf die Beine gestellt hat. Nachfolgend erste kurze Anmerkungen zur noch laufenden Veranstaltungen, die wir umfassend auswerten werden.
These 1 — Die Zukunft ist menschlich: Warum KI uns zu den analogen Werten zurückführt
In einer digitalen Welt wächst die Sehnsucht nach dem Echten, Greifbaren und Menschlichen. Während KI heute Texte schreibt, die vielen besser gefallen als menschliche Werke, und digitale Normierung unseren Ausdruck vereinheitlicht, entsteht eine Gegenbewegung – nicht aus Protest, sondern aus einem tiefen menschlichen Bedürfnis.
These 2 — Vom Nerd zum Visionär: Eine Lektion in Demut
Lange belächelten wir technikaffine „Nerds“, bis sie zu Architekten unserer Zukunft wurden. Diese Erfahrung lehrt Demut. Statt KI aus Angst abzulehnen, sollten wir ihre Potenziale neugierig erkunden. Die Chance liegt darin, zu verstehen und mitzugestalten – nicht in der Sorge, Status zu verlieren.
These 3 — Die Renaissance des Analogen: Mehr als Nostalgie
Schon heute suchen junge Menschen bewusst analoge Erlebnisse: Museen, Buchmessen, echte Begegnungen. Der Mensch braucht nicht nur digitale Versorgung, sondern körperliche Erfahrungen und authentische Kontakte.
These 4 — Die neue Währung heißt Knappheit
In einer Welt des technologischen Überflusses gewinnt das Knappe und Einzigartige an Wert. KI wird viele Güter im Überfluss verfügbar machen. Doch was wird dann kostbar sein?
Das Original: Der Moment vor einem echten Kunstwerk wie Picassos „Guernica“.
Das Erlebnis: Unberührte Natur oder das Gefühl, an einem einzigartigen Ort zu sein.
Die Begegnung: Direkter, persönlicher Austausch – unersetzbar durch Videokonferenzen.
Diese „knappen Güter“ werden die wahren Statussymbole einer von KI geprägten Zukunft sein. Sie definieren Reichtum nicht über Besitz, sondern über authentische Erfahrungen.
These 5 — Unsere Chance: Brücken bauen, keine Mauern
Technologie ist kein Gegner, sondern ein Werkzeug. Nutzen wir digitale Möglichkeiten, um Menschen an das Analoge heranzuführen. KI kann Kontexte schaffen, die uns die Tiefe eines Originals erst richtig schätzen lassen.
Erste Erkenntnis: Die Zukunft ist nicht entweder digital oder analog – sie ist beides. Packen wir sie an.
Foto: Städel Museum via Instagram
Von der bloßen Optimierung zur echten Transformation
Tenor: KI formt die Zukunft – lass uns mitgestalten.
In seinem herausragenden Einführungsvortrag analysierte Professor Dr. Björn Ommer von der LMU München die dualistische Natur der künstlichen Intelligenz (KI), indem er die Risiken der reinen Optimierung (z.B. Monopolisierung, „AI-Slop”) der Chance einer transformativen Wertschöpfung gegenüberstellt. Er argumentiert, dass positive Ergebnisse nicht automatisch eintreten, sondern bewusste Anstrengungen in Bildung, Souveränität und die Entwicklung spezifischer KI-Anwendungen erfordern, und positioniert Museen als essenzielle Vertrauens- und Orientierungsinstanzen in einer zunehmend komplexen, von KI geprägten Informationsgesellschaft.
Die Rolle der KI im musealen Kontext
Es tut sich bereits einiges im Museumswesen. Björn Ommer beleuchtete die bereits existierenden und zukünftigen Anwendungen von KI als Werkzeug in Museen. Er stellt dar, wie KI Prozesse wie das Sammeln, Katalogisieren, Konservieren und Erforschen von Kunstwerken unterstützt und die Vermittlung an Besucher durch animierte Kunstwerke oder Museumsroboter bereichert. Im Prozess des Sammelns unterstützt KI das Erstellen und Verbinden von Katalogen, den Abgleich von Einträgen und das Finden von Duplikaten. Sie ermöglicht die automatische Objekterkennung und Bildsuche, während moderne LLMs (Large Language Models) auch heterogene Freitextdaten durchsuchen und so einen tieferen inhaltlichen Zugang schaffen. In der Konservierung wird KI zur Detektion von Schäden wie Farbabsprengungen oder zur Vorhersage von Alterungsprozessen eingesetzt.
Die Kunstforschung profitiert von der Analyse des Wandels von Stil und Duktus über Jahrhunderte, während ein anderes Projekt KI zur Entzifferung von Keilschrift nutzt. Für die Vermittlung werden Kunstwerke animiert, wie im Harvard Art Museum, oder Roboter wie der historische „Rhino” im Deutschen Museum Bonn als Führer eingesetzt. Der Wandel des Roboters Rhino vom Werkzeug zum Museumsobjekt selbst illustriert dabei den technologischen Wandel und leitet zur übergeordneten gesellschaftlichen Diskussion über.
Ausgewählte Charts aus der Präsentation von Björn Ommer.
KI als gesellschaftliche Herausforderung: Optimierung vs. Transformation
Es ist unverzichtbar, die kritische Unterscheidung zwischen der reinen Optimierung bestehender Prozesse und der echten Transformation durch KI zu analysieren. Björn Ommer argumentiert, dass eine rein optimierende KI zu negativen Folgen wie Monopolisierung, Jobverlusten im Einstiegsbereich und der Verbreitung von minderwertigen Inhalten („AI-Slop”) führt. So zeigt eine Studie in Nature, dass der Einsatz von KI in der Wissenschaft zwar zu mehr Publikationen (3x) und Zitaten (5x) für den Einzelnen führt, der Gesamt-Impact der Wissenschaft jedoch sinkt, da nur noch leicht automatisierbare Bereiche erforscht werden.
Die hohen Ressourcenkosten der KI (Chips, Energie) fördern eine Monopolisierung. Gleichzeitig entsteht eine Flut an „AI-Slop”, wobei künstlich generierte Inhalte bereits die von Menschen erstellten übersteigen. Diese Entwicklung führt zu einer Verlagerung der kognitiven Leistungsfähigkeit auf die KI und schafft Abhängigkeiten. KI wird zu einer Infrastrukturtechnologie, einem “Foundation Layer”. Ommer betont, dass diese negativen Konsequenzen automatisch eintreten, während die eigentliche, transformative Wertschöpfung bewusster Anstrengung bedarf.
Über die Hälfte der Firmen nutzt KI nur zur Effizienzsteigerung, obwohl die massive Wertschöpfung („Value Creation”) erst bei echter Transformation stattfindet.
Die zwei Zukünfte: Dystopie durch Passivität vs. Utopie durch Gestaltung
Entscheidend erscheint, die Dichotomie der KI-Zukunft darzustellen: eine, die automatisch zu Beliebigkeit und Kontrollverlust führt, und eine andere, die durch gezieltes Handeln Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft „empowern” kann. Der positive Ausgang ist nicht garantiert. Negative Effekte wie algorithmische Manipulation oder das Ersetzen von Einstiegsjobs treten automatisch ein. Positive, transformative Wertschöpfung hingegen erfordert bewusste Entscheidungen. Die Vorstellung einer KI als „Universal Problem Solver“, die alles automatisch verbessert, wird als steile Hypothese kritisiert. Im Bereich der Cybersicherheit herrscht bereits ein „Arms Race“, bei dem „Troll-Fabriken“ gezielt Desinformationen streuen, die laut Schätzungen bereits ein Drittel der ausgespielten Informationen manipulieren. In Anlehnung an Charles Dickens kann die Gegenwart als die „beste“ und „schlimmste“ aller Zeiten beschrieben werden: Sie ermöglicht einen beispiellosen Zugang zu Wissen, führt aber gleichzeitig zu einer Flut an Beliebigkeit („Arbitrarität”) und einem Verlust von Authentizität.
Voraussetzungen für transformative Wertschöpfung mit KI in Deutschland
Es lohnt sich, die Hürden und Potenziale für eine erfolgreiche KI-Transformation in Deutschland und Europa zu betrachten. Als zentrale Hemmnisse werden der Mangel an Fachkräften für eine komplette Transformation, die Abwanderung von Talenten in die USA, hohe Compliance-Hürden und ein im Vergleich zu den USA deutlich geringeres Investitionskapital identifiziert. Auch die hohen Energiekosten stellen eine Herausforderung dar. Demgegenüber stehen deutsche Stärken wie exzellent ausgebildete Forscher, eine starke industrielle Basis und der Zugang zu hochspezifischen Industriedaten durch Weltmarktführer.
Björn Ommer plädiert dafür, nicht den großen US-Modellen nachzueifern, sondern auf Nischen wie industrielle, physikalische und verlässliche KI zu setzen. Der größte Hebel für Wertschöpfung liegt in Investitionen in „Upskilling”, da diese eine mehr als fünffache Rendite bringen. Es ist eine Verpflichtung gegenüber der nächsten Generation, jetzt ins „Doing“ zu kommen und die Souveränität bei Technologie und Engineering-Skills zu sichern, anstatt bei der reinen Optimierung stehen zu bleiben.
Fotos: Städel Museum via Instagram
Die neue Rolle des Museums in der KI-Ära
Was hat all das mit dem Museum als Institution zu tun? Dessen Rolle wandelt sich in Zeiten von Informationsflut und schwindender Verlässlichkeit fundamental. In einer Welt, in der Content zur Commodity wird und die Verlässlichkeit von Informationen sinkt, gewinnen klassische museale Kompetenzen – die Prüfung von Provenienz, Kontext und Glaubwürdigkeit – eine neue, gesellschaftliche Relevanz. Während KI zu personalisierten Informationsblasen führt, steigt die Bedeutung gemeinschaftlicher Erlebnisse („Shared Experience“).
Museen werden zu unverzichtbaren Ankerpunkten und Vertrauensinstitutionen, die in einer „lauten”, schnelllebigen Welt Orientierung und Kontinuität bieten. Als „Cultural Memory Institutions“ bilden sie ein Gegengewicht zur kurzlebigen Aufmerksamkeitsökonomie, deren Horizont oft nicht über den Moment hinausreicht. Sie helfen, historische Entwicklungen und Wertewandel sichtbar zu machen, ohne eine feste Wahrheit vorzugeben, und unterstützen so die persönliche Entscheidungs- und Einordnungsfähigkeit in einer komplexen KI-Ära.
Zur Person
Björn Ommer ist Professor an der LMU München und leitet dort die „Computer Vision & Learning Group“. Darüber hinaus ist er als Co-Vorsitzender des Bayerischen KI-Rats sowie als langjähriger Associate Editor des führenden Journals zu KI, den IEEE T-PAMI, tätig. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen generative KI, automatisches Bildverstehen und erklärbare neuronale Netze. Ommer arbeitet an wegweisenden Ansätzen zur Demokratisierung generativer KI, darunter „Stable Diffusion“, einem revolutionären Open-Source AI-Modell, welches in der Lage ist, aufgrund von Text-Prompts fotorealistische Bilder zu erstellen. Diese Arbeiten finden breite Anwendung und haben bereits zahlreiche neue Wege in Forschung, Industrie, Medien und darüber hinaus eröffnet.
Hinweis: Der Bericht wird fortgesetzt mit Zusammenfassungen der weiteren Podiumsdiskurse auf der Hauptbühne des KI-Festivals.
Siehe auch den Bericht: „KI, Social Media und echte Begegnungen: Warum wir jetzt bewusst gestalten müssen“
Blick in die Druckwerkstatt im Bernardbau. Foto: Thomas Lemnitzer
Oder: Warum wir wieder schwarze Finger brauchen
Wenn man den Bernardbau in Offenbach am Main betritt, wird man nicht von dem üblichen Summen unserer digitalen Geräte begrüßt, sondern von einem Duft. Eine Mischung aus frischer Farbe, Schmieröl und Terpentin – ein Hauch von Nostalgie. In einer Zeit, in der wir meist über die glatten Bildschirme unserer Smartphones streichen, fühlt sich die raue Oberfläche eines Solnhofener Kalksteins oder die Kühle einer metallenen Letter fast wie eine kleine Rebellion an.
Warum erlebt ein Handwerk, das von der Digitalisierung eigentlich schon abgeschrieben wurde, ein Comeback? Das „Hot Printing“ Druck-Festival in Offenbach gibt uns die Antwort: Wir sehnen uns nach etwas Greifbarem. Wir wollen nicht nur zuschauen, sondern die Welt wieder mit unseren Händen erleben.
Weltkarrieren starteten mit Steinplatten (und Mozart)
Dass dieses Festival in Offenbach stattfindet, ist kein Zufall. Die Stadt ist tief mit der Druckgrafik verbunden. Hier wurden Unternehmen wie Manroland zu Weltmarktführern, doch die eigentliche Revolution begann schon viel früher. Alois Senefelder erfand die Lithographie zwar in München, aber erst in Offenbach eroberte sie im 19. Jahrhundert die Welt.
Senefelder & André — ein Dreamteam, das Geschichte schrieb. Noch heute leitet Hans-Jörg André das über 250 Jahre erfolgreiche Familiengeschäft.
Johann Anton André, ein Verleger mit einem Gespür für das Besondere, erkannte das Potenzial der Steinplatten und erwarb den musikalischen Nachlass von Wolfgang Amadeus Mozart. Mit der neuen Technik konnte er Mozarts Partituren in einer Qualität und Menge vervielfältigen, die es vorher noch nicht gegeben hatte. Man könnte sagen, in Offenbach wurde die „Popkultur“ geboren. André machte Hochkultur für die breite Masse zugänglich und erschwinglich – eine Art Vorläufer der heutigen Indie-Print-Szene und der Risographie-Kultur.
Dieses Erbe ist kein altes Relikt, sondern das Fundament, auf dem moderne Gestalter heute experimentieren, um der Beliebigkeit digitaler Bilder zu entkommen.
„Elisabeth“: Ein fünf Tonnen schwerer Gigant aus Eisen
Mitten in der Druckwerkstatt, wo die Maschinen ratternd arbeiten, steht „Elisabeth“ (als Leihgabe der Internationalen Senefelder Stiftung, die ihren Sitz in Offenbach am Main hat). Elisabeth ist eine motorisierte, speziell angefertigte Flachdruckmaschine von beeindruckender Größe, die den industriellen Geist vergangener Zeiten verkörpert. „Sie wiegt fast fünf Tonnen, so viel wie ein großer Elefant“, beschreibt Werkstattleiter Dominik Gußmann die Maschine mit einem Hauch von Ehrfurcht.
Das Flaggschiff unter den Druckpressen: die Elisabeth von Manfred Hügelow aus der Sammlung der Internationalen Senefelder-Stiftung.
Während „Elisabeth“ für den effizienten, technisch ausgefeilten Druckvorgang steht, erlebt die manuelle Andruckpresse eine kleine Renaissance. Hier zeigt sich der schöne Kontrast zum maschinellen Flachdruck: Der Mensch ist der Taktgeber. Man muss die Kurbel mit etwas Kraft und dem richtigen Rhythmus bedienen – „Ruhig etwas schneller“, sagt Gußmann freundlich, damit das Druckbild schön scharf wird. Erst wenn das mechanische „Klick“ ertönt, ist alles fertig. Es ist eine schöne körperliche Erfahrung, die zeigt, wie ein Bild entsteht.
Experimentelle Alchemie: Von Mainwasser bis Borkenkäfer
Was die Besucher beim Festival begeistert, ist die Abkehr von der sterilen Perfektion. Das „Hot Printing“ – benannt nach einer Serie des experimentellen Druckers Hendrik Nicolaas Werkman – ist ein Spielplatz für Alchemisten. Hier wird die Technik zum Medium des Zufalls.
Stellt euch vor: Künstler sammeln Rückstände direkt vom Main und bannen sie auf Papier – das ist Wasserlithographie! Oder Materialdruck, bei dem Borkenkäfer zerfressene Rindenstücke in faszinierende, organische Druckstöcke verwandeln. Marina Kampka nennt das den „Wundermoment“. In der digitalen Welt können wir ja einfach „Strg+Z“ drücken und Fehler rückgängig machen. Im analogen Druck ist das anders: Ein Fehlgriff ist kein Datenmüll, sondern wird Teil des Kunstwerks. Diese Unvorhersehbarkeit, diese kleine Überraschung, die der digitalen Welt oft fehlt, macht jedes analoge Druckwerk zu einem einzigartigen Unikat.
Warum Handwerk plötzlich wieder „sexy“ ist
Die Sichtweise auf Handarbeit hat sich total gewandelt! Marina Kampka, heute 42, erinnert sich noch gut an ihre Studienzeit in Offenbach, wo Handwerk eher als uncool und altmodisch galt. Heute ist das genau umgekehrt: Wer sich die Hände schmutzig macht, ist voll im Trend. „Man merkt einfach, dass die Leute Handwerk brauchen, weil es immer weniger wird“, erklärt die Künstlerin Ina Hengstler den Wandel.
Hengstler, die für ihre Studien nach Japan und Südkorea gereist ist, bringt eine internationale Perspektive mit nach Offenbach. In Südkorea gibt es zum Beispiel eine lange Tradition des Handsatzes, die schon viel früher begann als bei Gutenberg; in Japan wird das Papierschöpfen und Buchbinden seit Jahrhunderten als Hochkultur gepflegt. Dieses Gefühl für Beständigkeit trifft in Europa auf eine Generation, die von der passiven Bildschirm-Welt genug hat.
Marina Kampka ergänzt: Es sei schön, „selbst etwas zu machen, nicht nur zu konsumieren. Und sich einfach mal die Hände schmutzig zu machen.“
Das bedrohte Erbe: Ein Hilferuf aus Blei
Aber hinter der Begeisterung des Festivals steckt auch ein bisschen Wehmut. Rainer Gerstenberg, mit 79 Jahren der letzte aktive Schriftgießer Deutschlands, steht vor den Trümmern seines Lebenswerks. Seit die Schließung des Darmstädter Hauses der Industriekultur Ende 2023 kam, darf er seine eigene Werkstatt nicht mehr betreten.
Stellt euch vor: Hier schlummern Schätze von unschätzbarem ideellem Wert – historische Maschinen aus der Zeit vor 1900 und über eine Million Matern, also Formen für lateinische, kyrillische und arabische Schriften. Das Ganze hat einen Sachwert von weit über 100.000 Euro! Leider droht diesen Schätzen die Verschrottung, weil das Land Hessen bisher noch keinen Platz für dieses wunderbare Erbe gefunden hat.
Dass das öffentliche Interesse an dieser Tradition riesig ist, zeigt die Tatsache, dass beim letzten Festival in Offenbach rund 2.500 Besucher dabei waren. Dorothee Ader, die Leiterin des Klingspor Museums, setzt sich mit voller Kraft für den Erhalt ein: „Das sind Zeugen eines riesigen Industriezweigs und echtes Kulturgut. Das darf einfach nicht verschwinden!“
Fazit: Die Zukunft ist analoger, als wir dachten! Die Renaissance der Druckkunst ist kein rückwärtsgewandter Kitsch, sondern eher ein Zeichen dafür, dass uns in der digitalen Welt etwas Wichtiges fehlt: die menschliche Wirksamkeit. Die Digitalisierung hat das Analoge nicht ersetzt, sondern vielmehr aufgewertet. Sie hat es vom Zwang der Massenproduktion befreit und zu einer Ausdrucksform für Individualität, Entschleunigung und Nachhaltigkeit gemacht.
Das Festival in Offenbach zeigt, dass die Sehnsucht nach Substanz wirklich generationsübergreifend ist. Wir brauchen die „schwarzen Finger“, um uns selbst in einer Welt zu spüren, die immer flüchtiger wird. Wann habt ihr das letzte Mal etwas mit euren eigenen Händen erschaffen, das man nicht einfach mit einem Klick wieder löschen kann?
Blick in die Druckwerkstatt im Bernardbau. Foto: Thomas Lemnitzer
Warum die haptische Revolution gerade erst beginnt
Worum es geht: Das vorliegende Jahresmagazin „Print leben! 2026“ des Verbandes Druck und Medien Bayern thematisiert die Zukunftsfähigkeit und Relevanz gedruckter Medien in einer digitalisierten Welt. Die Beiträge heben hervor, dass Print durch seine haptische Qualität und multisensorische Wirkung eine tiefere Erinnerung sowie ein höheres Vertrauen beim Leser erzeugt. Experteninterviews und Fachartikel verdeutlichen zudem, dass gedruckte Erzeugnisse im direkten CO2-Vergleich oft ökologisch vorteilhafter abschneiden als digitale Werbeformate. Das Magazin präsentiert sich dabei selbst als Beispiel für hochwertige Veredelungstechniken, die durch kreative Gestaltung und technische Präzision ein besonderes Nutzererlebnis schaffen. Insgesamt dient die Publikation als Plädoyer für die Beständigkeit der Druckbranche und fordert ein neues Selbstbewusstsein im Umgang mit analogen Kommunikationsmitteln.
Wir stecken mitten in der Ära der „Digital Fatigue“. Wer kennt es nicht? Das Gefühl, „Chronically Online“ zu sein, gefangen im Doomscrolling, während wir von KI-generiertem „Slop“ – jenen minderwertigen, massenhaft ausgespülten Inhalten – überflutet werden. Der Futurologe Max Thinius zieht hier einen scharfen Vergleich: Er bezeichnet die aktuellen KI-Hypes wie ChatGPT als das „AOL der KI“. So wie AOL damals ein „Walled Garden“ war, der den Horizont des frühen Internets künstlich begrenzte, so limitiert uns der heutige KI-Einheitsbrei in unserer Tiefe und Wahrnehmung.
Inmitten dieser Beschleunigung sehnen wir uns nach einem Ankerpunkt. Die zentrale Frage lautet: Kann ein vermeintlich „altes“ Medium die Antwort auf eine überreizte Welt sein? Es ist das Paradoxon unserer Zeit: Je künstlicher unsere digitale Umgebung wird, desto mehr Wert gewinnt das Physische als verlässlicher Pol der Realität.
Fotos: VDMB 2026
Der CO₂-Schock: Warum Print die ökologische Überholspur nutzt
Es ist ein weitverbreiteter Irrtum unserer Intuition: Digital wirkt immateriell und daher „sauber“, während Print als Ressourcenfresser gilt. Die wissenschaftliche Realität der neuesten LCA-Studie des Öko-Instituts Freiburg (Stand November 2025) räumt radikal mit diesem Narrativ auf.
Der Vergleich der Emissionen pro einer Million Impressionen liefert einen echten „Aha-Moment“:
Print-Prospekt: 642 kg CO₂
Online-Prospekt: 3.360 kg CO₂
Ein gedruckter Prospekt verursacht somit nur etwa ein Fünftel der Emissionen seines digitalen Gegenstücks. Warum täuscht uns unser Gefühl so massiv? Weil wir die gigantische, energieintensive Infrastruktur hinter den Screens ausblenden. Allein 64 % der Emissionen eines Online-Prospekts entfallen auf die Serverinfrastruktur. Bei digitalen Werbebannern stammen sogar 78 % der Emissionen direkt aus den Endgeräten der Nutzer.
Der entscheidende strategische Unterschied: Der ökologische Fußabdruck eines Printprodukts ist nach der Herstellung weitgehend fix.
Digitaler Konsum hingegen ist kumulativ – jede Sekunde Aufmerksamkeit, jedes Tracking-Script und jede KI-gestützte Auktion im Hintergrund lässt den CO₂-Zähler unaufhörlich weiterlaufen.
Der Haptik-Hack: Warum unser Gehirn auf Papier „aufwacht“
Aber der Vorteil von Print ist nicht nur extern-ökologisch, sondern intern-biologisch. Olaf Hartmann vom Multisense Institut macht deutlich, dass rund 40 % unseres Gehirns allein mit der Verarbeitung haptischer Reize beschäftigt sind.
Wenn wir hochwertiges Papier berühren, geschieht etwas Magisches: Die Gehirnaktivität steigt durch multisensorische Verstärkung um den Faktor 10 (1.000 %). In einer Welt der digitalen Reizüberflutung ist das unser neuropsychologischer „Heimvorteil“. Verhaltensökonomen nennen diesen Effekt Tangibility – was wir konkret erleben und spüren, bewerten wir instinktiv höher als ein bloßes Versprechen auf dem Screen.
Olaf Hartmann bringt es brillant auf den Punkt: „Was wir spüren, akzeptieren wir. Wir können uns versehen. Wir können uns verhören. Aber wir kennen kein ‚Verfühlen‘.“
Haptik ist die Abkürzung an unserem kognitiven Werbefilter vorbei. Qualität im Print ist keine Behauptung, sie ist eine unmittelbare Erfahrung, die direkt im Langzeitgedächtnis ankert.
Die Analog-Rebellion: Warum ausgerechnet die Gen Z den Stecker zieht
Wer glaubt, Print sei ein Medium für Nostalgiker, verkennt die aktuelle Marktdynamik. Aufmerksamkeit ist die neue globale Währung, und Print wird gerade zu ihrem Goldstandard. Daten von Magnus Gebauer (MedienNetzwerk Bayern) zeigen: Ausgerechnet die 14- bis 29-Jährigen ziehen den Stecker. 47 % dieser Altersgruppe lesen mindestens wöchentlich gedruckte Bücher – damit liegen sie gleichauf mit der Generation 70+ und weit vor den 30- bis 69-Jährigen.
Diese „Analog-Rebellion“ ist kein kurzer Hype, sondern ein Ausdruck von Authentizität:
Offline-Kultur: Trends wie „Handwritten Journaling“, „Listening Bars“ oder „Offline-Clubs“ zeigen die Sehnsucht nach echter Zeit statt „digitaler Realtime“.
Status-Symbol Print: Die Gen-Z-Ausgabe von InStyle verkaufte im Testlauf beeindruckende 36.000 Exemplare. In einer Welt voller Filter wird das gedruckte Magazin zum physischen Beweis von Zugehörigkeit und Kuratierung.
Mehr als Tinte: Wenn Papier zum intelligenten Sensor wird
Print bricht im Jahr 2026 endgültig mit dem Vorurteil, „Low-Tech“ zu sein. Dank „Printed Electronics“ wird Druck zur funktionalen Hochtechnologie. Unternehmen wie die Schreiner Group – ein Hidden Champion, der jährlich rund 2,5 Milliarden Hightech-Labels produziert – beweisen diese Innovationskraft täglich.
Hier entsteht die notwendige Infrastruktur für die Ära der Künstlichen Intelligenz. Denn: KI lebt von Daten, ist aber ohne physische Schnittstellen „blind und taub“. Gedruckte Biosensoren, die Vitalfunktionen auf der Haut überwachen, oder smarte Verpackungen, die mit der Logistik kommunizieren, liefern die Daten, die KI erst nutzbar machen. Print liefert die robuste, flexible und kosteneffiziente Hardware für die Software der Zukunft.
Die visuelle Wucht: Warum wir „Entschleunigung“ riechen können
Christian Tönsmann, Art Director der Süddeutschen Zeitung, beschreibt Print als Medium der Dimension. Während das Smartphone das Format einer „Streichholzschachtel“ bietet, entfaltet eine Doppelseite im nordischen Format oder eine Blockaufschlagseite eine visuelle Wucht, die digital nicht reproduzierbar ist.
Hier geht es um Rhythmus, Seitengeometrie und das bewusste Spiel mit den Sinnen. Veredelungen und Papiere (wie die Gmund-Kollektionen) erzeugen Momente der Ruhe, die fast rituellen Charakter haben.
Tönsmann nutzt dafür ein starkes Bild: „Ein Magazin mit Sandkörnern im Bund und dessen Umschlag nach Sonnencreme riecht, hat für mich eine besondere Attraktivität und symbolisiert die pure Entschleunigung.“
Dieses haptische Erlebnis ist das Gegenteil von digitalem Stress – es ist Information, die man nicht nur konsumiert, sondern die man spüren und sogar riechen kann.
Fazit: Das polyzentrische Mediensystem der Zukunft
Wir bewegen uns laut Max Thinius in eine „Inklusive Ära“. Print wird Digitales nicht ersetzen, aber es wird als Zentrum für Werte, Vertrauen und Tiefe unverzichtbar. In diesem polyzentrischen Mediensystem sind digitale Kanäle wie die Mikrowelle: schnell und funktional. Print hingegen ist das „Backofengerät“ der Kommunikation – es braucht vielleicht länger, aber das Ergebnis hat eine völlig andere Qualität und Substanz.
Die zentrale Frage lautet: In einer Welt, in der KI alles (be-)schreiben kann – was ist uns so wichtig, dass wir es für die Ewigkeit durch Druck Üerhalten wollen?
Hinweis
Wer sich für aktuelle Meinungen, Einschätzungen, Analysen interessiert, kann das gerne mit dem #Podcast #Printisback tun, der gemeinsam vom belgischen Experten Jacques Michiels und mir, Boris Andreas Weber, in englischer Sprache moderiert und produziert wird. Über LinkedIn kann man weitere News abonnieren und sich die einzelnen Episoden anschauen. Darüber hinaus sind alle Episoden auch bei unseren Kollegen von #PrintIsland zugänglich.
9. Lithographie Symposium Tidaholm: Eckhard Gehrmann erklärt und demonstriert die ‚Kruck Technik‘ der Steindruckmalerei
Ein Kommentar von Boris Andreas Weber im Namen der Internationalen Senefelder-Stiftung sowie des Förderverein FISS, mit Sitz in Offenbach am Main
The summary in English can be found at the very bottom of the German text.
Stein, Papier, Leidenschaft
Warum eine schwedische Kleinstadt alle vier Jahre durch Senefelders Steindruck zum Nabel der graphischen Kunstwelt wird
In einer Ära, in der die Halbwertszeit von Bildern in Millisekunden und Algorithmen gemessen wird, wirkt der Prozess fast wie ein anachronistisches Sakrileg: Künstlerinnen und Künstler, die im Jahr 2026 in Summe tonnenschwere Solnhofener Kalksteine schleifen, sie stundenlang mit Fettkreide bearbeiten und chemisch präparieren, nur um einen einzigen Abdruck zu erzeugen. Warum nimmt man diese körperliche Mühsal auf sich? Die Antwort liegt im schwedischen Tidaholm. Alle vier Jahre wird diese beschauliche Kleinstadt während des Internationalen Lithographie-Symposiums zum Zentrum einer globalen Bewegung für Entschleunigung und handwerkliche Tiefe. Vom 28. Juli bis zum 9. August 2026 zelebrierte die 9. Ausgabe dieses Treffens (bestens organisiert von Patrick Wagner) die Lithographie nicht als Museumsstück, sondern als hochaktuelles Medium für zeitgenössische Diskurse.
Foto: Barbara Wilhelmi
Die Vulcan-Insel: Wo Industrie auf Inspiration trifft
Das Epizentrum dieses künstlerischen Ausnahmezustands ist die „Vulcan-Insel“ im Herzen von Tidaholm. Wo einst die industrielle Produktion den Rhythmus vorgab, atmen heute die Druckwerkstätten der Lithographischen Akademie den Geist der Transformation. Es ist ein kuratorisches Statement für sich: Die Umwandlung eines ehemaligen Fabrikareals in ein Zentrum für Grafik symbolisiert die Beständigkeit der Kunst inmitten des industriellen Wandels. Während das benachbarte Marbodal Center in Vorträgen Raum für theoretische Reflexion bot, verwandelte das Symposium die gesamte Stadt in ein begehbares Gesamtkunstwerk. Die Ausstellungen sind dabei nicht auf einen Ort begrenzt, sondern erstrecken sich über drei Galerien im Stadtgebiet, was Tidaholm für zwei Wochen in ein echtes „Art Village“ verwandelt.
Eines der täglichen Highlights, das die Brücke zwischen technischem Erbe und moderner Anwendung schlägt, ist das „Printing on the Schnellpresse“ (Made by Faber&Schleicher in Offenbach/Main) unter der Leitung der Experten Ernst Hanke (1. Senefelder-Preisträger 1984) und Rolf Maas. In einer Welt des „Instant Print“ wird die Arbeit an historischen Maschinen zu einem innovativen Akt des Widerstands. Hier geht es nicht um Nostalgie, sondern um die Wiederentdeckung der Langsamkeit als Qualität. Die Bedienung dieser Kolosse erfordert eine physische Präsenz und eine Sensibilität für das Material, die im Digitalen verloren gegangen ist. Es ist die ‚Renovatio’ einer Technik, die durch ihre Widerständigkeit besticht und dem fertigen Druckkunstwerk eine Aura verleiht, die kein moderner Inkjet-Drucker imitieren kann.
Auf den Spuren von Alois Senefelder: Teilnehmer aus aller Welt beschäftigten sich in Tidaholm auf höchstem Niveau mit dem chemischen Druck durch die bahnbrechende Lithographie-Druckkunst
Das ‚globale Dorf‘ der Steindrucker
Trotz seiner geografischen Abgeschiedenheit ist Tidaholm während des Symposiums ein Schmelztiegel der internationalen Avantgarde. Diese Vielfalt bricht die Isolation des Ateliers auf und schafft ein kollektives Bewusstsein, das in den sozialen Medien unter dem Schlagwort „Litho Love“ weltweit Resonanz findet.
„Ich fühle mich so inspiriert und erfüllt von dieser ‚Litho Love‘ nach einer Woche des intensiven Austauschs … es ist eine fantastische Reise nach Schweden.“ — Danielle Creenaune, Teilnehmerin des Symposiums.
Das Fest der Lithograph*innen: Wenn Steine feiern könnten
Kunst entsteht nicht nur durch den Druck der Presse, sondern durch das soziale Bindegewebe der Gemeinschaft. Die traditionelle Lithographen-Party am Freitagabend, den 31. Juli, markierte den emotionalen Höhepunkt der ersten Symposiumswoche. In dieser informellen Atmosphäre werden jene Netzwerke geknüpft, die die internationale Grafik-Szene über Jahre hinweg tragen. Es ist das Fest einer Community, die verstanden hat, dass der Austausch von Wissen und Leidenschaft ebenso dauerhaft sein muss wie das Bild auf dem Stein.
Fazit: Ein Abdruck, der bleibt
Als am 9. August 2026 die Ausstellungen in den drei Galerien Tidaholms geschlossen wurden, blieb mehr zurück als nur bedrucktes Papier. Tidaholm beweist, dass die Lithographie kein Relikt ist, sondern ein lebendiges Labor für die Zukunft. Die Geduld, die ein Steindrucker aufbringt, ist eine Lektion in Demut gegenüber dem Material und der Zeit.
Vielleicht ist dies die wichtigste Frage, die wir alle aus Tidaholm ableiten können: Was könnten wir über die Qualität unseres eigenen Schaffens lernen, wenn wir der Entstehung unserer Ideen dieselbe Beharrlichkeit und physische Hingabe widmen würden, die Lithograph*innen für einen einzigen perfekten Abdruck aufwendet?
„Es war sehr eindrucksvoll, dass bei den interessanten Tagen in Tidaholm so viele Lithographinnen und Lithographen aus aller Welt in Begeisterung zusammenwirkten, sich austauschten und neue Freundschaften schlossen. Besonders beeindruckt hat mich die Vielfalt von experimentellen und spielerischen Anwendung lithografischer Techniken.“
So lautet auch das Fazit von Prof. Dr. Gerhard Kilger (Vorstandsvorsitzender der Internationalen Senefelder-Stiftung, ISS, mit Sitz in Offenbach am Main), der zusammen mit anderen Vertretern und Freunden der ISS am Symposium im schwedischen Tidaholm teilnahm.
(v.l.n.r.) Gerhard Kilger, Eckhard Gehrmann und Barbara Wilhelmi vom Vorstand der Internationalen Senefelder-Stiftung mit Sitz in Offenbach am Main waren vom 9. Lithographie Symposium im schwedischen Tidaholm hellauf begeistert.
Der Bericht von unserer geschätzten Kollegin Lorena Pradal, Leiterin der Freie Druckgraphik Werkstatt an der HfG Offenbach am Main, und Mitglied in verschiedenen Gremien der Internationalen Senefelder Stiftung / FISS, fasst hervorragend zusammen, was sich in Tidaholm ereignete und welchen Stellenwert eine solche Zusammenkunft hat.
Und im Nachgang nimmt mein ISS Vorstandskollege Eckhard Gehrmann noch Kommentierung und Erläuterungen vor.
Lorena Pradal (links) mit der Künstlerin und Lithographie-Liebhaberin Kiki, die auf Instagram via @printkikiprint fantastische Videoimpressionen aus Tidaholm präsentiert.
Im Mittelpunkt des diesjährigen Internationalen Lithographischen Symposiums in Tidaholm stand ein besonderes Thema: Bildung und Vermittlung. Mehrere Tage lang kamen Künstlerinnen, Druckerinnen, Lehrende, Forschende und Lithograph*innen verschiedener Generationen und aus unterschiedlichen geografischen Kontexten zusammen, um Wissen, Erfahrungen und Fragen rund um eine künstlerische Praxis auszutauschen, die keineswegs statisch ist, sondern sich kontinuierlich weiterentwickelt.
Das Symposium war in zwei miteinander verbundene Bereiche gegliedert. Am Vormittag fanden Vorträge und Präsentationen statt, in denen die Teilnehmer*innen Forschungsprojekte, Erfahrungen oder Aspekte ihrer jeweiligen Praxis vorstellten. Am Nachmittag wurden diese Themen direkt in die Werkstatt übertragen und durch Demonstrationen und praktische Experimente vertieft.
Eine Besonderheit veränderte diese Struktur jedoch grundlegend: Die Werkstatt stand allen Teilnehmer*innen rund um die Uhr zur Verfügung.
Die Werkstatt war damit nicht nur der Ort für die geplanten Demonstrationen. Sie wurde zu einem permanenten Raum für Begegnung, Beobachtung, Gespräch, Experiment und Produktion. Fragen, die während eines Vortrags entstanden waren, konnten Stunden später vor einem Stein weitergeführt werden; eine Demonstration konnte von anderen Teilnehmer*innen erneut aufgegriffen werden; eine Technik konnte beobachtet, diskutiert und anschließend in die eigene Praxis integriert werden.
Das Wissen endete nicht mit dem Ende eines Vortrags.
Lernen unter Gleichberechtigten
Diese Struktur ermöglichte eine Form des Lernens, die sich von ausschließlich vertikalen Vermittlungsmodellen unterscheidet. In der Werkstatt konnte jemand mit großer Erfahrung in einer bestimmten Technik die Rolle der Lehrenden übernehmen – und zugleich selbst zum Lernenden werden, wenn er oder sie mit einer unbekannten Praxis konfrontiert wurde.
Dabei geht es nicht darum, Unterschiede in Erfahrung oder Wissen aufzuheben, sondern darum, sie in Bewegung zu bringen und miteinander zu teilen.
Lernen findet zwischen Generationen und unter Gleichberechtigten statt: durch Beobachten, Fragen, Ausprobieren, Fehler machen, Wiederholen und Teilen. Viele dieser Formen der Wissensvermittlung sind nicht zwingend an institutionelle Strukturen gebunden. Sie entstehen im alltäglichen Leben einer Werkstatt, dort, wo technisches Wissen auf Körper, Materialien und konkrete Probleme der Praxis trifft.
Tidaholm war in diesem Sinne auch eine Erfahrung darüber, wie eine (internationale!) Lerngemeinschaft entstehen kann.
Viele Formen, Lithographie zu lehren, zu erlernen und zu praktizieren
Die Vielfalt der Präsentationen machte deutlich, dass es nicht nur eine einzige Möglichkeit gibt, Lithographie zu lehren oder zu praktizieren.
Per Andersson sprach über die Papiermühle von La Ceiba Gráfica und stellte die Verbindung zwischen Papierherstellung, grafischer Praxis und dem Aufbau von Gemeinschaften rund um technisches Wissen her.
Bemerkenswert: Der Film von Cathrine Alice Liberg aus Oslo sowie die Präsentation „Permeability of the paper“ von Abigail Mirro und Nicole Kobylanski.
Miriam del Saz präsentierte die Erfahrung von La Nómada Gráfica sowie Arbeiten an der UPV, die sich mit Gemeinschaft und kollaborativen Lernprozessen beschäftigen. Ihre Präsentation öffnete den Blick auf künstlerische Bildung jenseits der Grenzen des Klassenzimmers und jenseits traditioneller Modelle der Wissensvermittlung.
Aus einem anderen geografischen und pädagogischen Kontext berichtete Satoru Itazu über die Lithografie in Japan, ihre Vermittlung an der Universität und über seine eigene Werkstatt, in der er Editionen entwickelt. Seine Präsentation zeigte, wie dieselbe technische Tradition unterschiedliche Formen annehmen kann, wenn sie sich durch verschiedene kulturelle und institutionelle Kontexte bewegt.
Brandon Gunn stellte Bildungsprogramme des Tamarind Institute als weltweit wichtigster Bildungseinrichtung für Lithographie vor, einer wichtigen Referenz für die Vermittlung und Professionalisierung der zeitgenössischen Lithographie. Brandon berichtete auf ganz lockere Art über die neuen didaktischen Angebote von Lithographie-Kursen, die gegenwärtig sehr viele, oft junge Leute begeistern.
Michal Günzburger eröffnete mit dem Projekt Drucken-Denken eine weitere Perspektive auf das Verhältnis von Denken, Praxis und grafischer Produktion.
Simoni Philippou präsentierte ihre Arbeit in ihrer Werkstatt auf Zypern und zeigte, wie sich lithographische Praxis in einem spezifischen geografischen und kulturellen Kontext entwickelt und vermittelt.
Patrycja Podkościelny brachte ihre Erfahrungen aus Grafikdesign und Lithografie ein und zeigte damit ein weiteres Feld des Austauschs: die Begegnung zwischen planographischen Techniken und den Anforderungen und Sprachen des zeitgenössischen Designs.
So unterschiedlich diese Erfahrungen waren, verband sie doch eine gemeinsame Frage:
Ein reichhaltiges Programm mit perfekter Balance zwischen Theorie, Praxis und persönlichem Erleben.
Wie vermitteln wir eine Praxis?
Tradition, Technik und Innovation
Die Demonstrationen und praktischen Erfahrungen vertieften diese Fragestellung.
Michael Barnes zeigte eine Demonstration zur Manier Noir-Technik und brachte damit ein Verfahren aus der Geschichte der Druckgraphik in den Dialog mit anderen graphischen Praktiken.
Eckhard Gehrmann präsentierte eine Demonstration zur Kruck Lithographie und machte dabei die unmittelbare Demonstration als eine wesentliche Form der Weitergabe technischen Wissens erfahrbar. (Hinweis: Christian Kruck gilt als bedeutendster Lithographie-Künstler und Lehrmeister, dessen sog. Steindruckmalerei ihn im Jahr 1975 als Ersten Preisträger des Internationalen Senefelder Preises qualifizierte. Eckhard Gehrmann als Krucks Schüler am Städel in Frankfurt am Main wurde selbst im Jahr 1991 als 1. Preisträger des Internationalen Senefelder Preises ausgezeichnet).
Franz Hoke zeigte, wie Aluminiumplatten für die Algrafie gekörnt werden, und eröffnete damit einen praktischen Dialog zwischen lithografischen Prinzipien und zeitgenössischen Verfahren auf Aluminium.
Danielle Creenaune stellte Mokulito vor und zeigte damit eine weitere Möglichkeit, lithografisches Denken durch alternative Materialien und Verfahren zu erweitern.
Peter Stephan entwickelte Demonstrationen und Experimente gemeinsam mit verschiedenen Künstler*innen, darunter Ana Pireva, und zeigte, wie technische Forschung zu einer gemeinsamen Praxis werden kann.
Ernst Hanke (1. Preisträger des Internationalen Senefelder-Preises 1984) arbeitete gemeinsam mit Rolf Maas und der Künstlerin Carolyn Muskat im Werkstattbereich und verband dort an allen Sympoiumstagen technisches Erfahrungswissen und Experiment unmittelbar mit der praktischen Produktion an einer originalen Offenbacher Schnellpresse von Faber&Schleicher.
Die Vielfalt der vorgestellten Verfahren machte etwas besonders deutlich: Tradition und Innovation sind keine zwangsläufigen Gegensätze.
Tradition erscheint nicht als ein abgeschlossenes Verfahren, das unverändert bewahrt werden muss. Sie kann vielmehr als Ausgangspunkt verstanden werden. Materialien verändern sich, neue Werkzeuge entstehen, neue Probleme tauchen auf – und damit auch neue Möglichkeiten.
Innovation bedeutet nicht zwangsläufig, die Tradition zu verlassen.
Manchmal bedeutet sie, zu einer historischen Technik zurückzukehren und zu fragen, welche neuen Möglichkeiten sie in der Gegenwart eröffnet.
Steine, Steinbrüche und Landschaft
Die Auseinandersetzung mit dem Stein erschien auch aus Perspektiven, die über seine rein technische Funktion hinausgingen.
Olivia Christen präsentierte Dokumentationen über Steinbrüche und lenkte damit die Aufmerksamkeit auf den materiellen Ursprung des lithografischen Steins und auf die Landschaften im deutschen Solnhofen, aus denen er stammt.
Ann Kristin Källström aus Schweden stellte ein künstlerisches Projekt vor, in dem Steine in der Landschaft ausgestellt werden. Der Stein ist damit nicht mehr nur eine Matrix, die ein Bild aufnimmt, sondern wird zu einem Objekt, das bewegt, betrachtet und neu interpretiert werden kann.
Diese Erfahrungen machen eine Frage, die meine eigene Forschung begleitet, besonders relevant:
Wohin gehen die Steine?
Ein lithographischer Stein ist selbstverständlich ein materielles Objekt. Gleichzeitig kann er als Träger von Erinnerung verstanden werden. Er bewegt sich zwischen Werkstätten und Generationen, wechselt den Besitzer, nimmt neue Bilder auf und sammelt Spuren und Nutzungen.
Doch die Steine reisen nicht allein.
Mit ihnen reisen Verfahren, Gesten, Wissen und Formen des Verständnisses einer Technik.
Zu fragen Wohin gehen die Steine? bedeutet deshalb auch zu fragen: Wohin geht das Wissen?
Wer bewahrt es? Wer gibt es weiter? Was geschieht, wenn eine Technik von einer Werkstatt in eine andere gelangt? Was bleibt erhalten? Was verändert sich?
In Tidaholm tauchten diese Fragen immer wieder auf, auch wenn sie nicht immer ausdrücklich formuliert wurden.
Zwischen Vorträgen, Vorführungen und der Zeit, die mit Zeichnen und Drucken von Lithografien verbracht wurde, waren in drei Galerien mehrere hundert Lithografien aus vielen Ländern zu sehen. Hier einige Gesamtansichten der verschiedenen Ausstellungen des Internationalen Lithografie-Symposiums in Tidaholm. Fotos: StoneLithography auf Facebook.
Von der Werkstatt ins Museum, von der Gemeinschaft zur Edition
Auch die Verbindung zwischen Technik, Edition und der Zirkulation von Wissen wurde durch verschiedene Projekte sichtbar.
Cora Texier aus Paris präsentierte das Editionsprojekt von Anthese Litho für die Produktion der Matisse-Ausstellung im Centre Pompidou. Ihre Präsentation zeigte, wie das technische Wissen einer Druckwerkstatt in groß angelegte Ausstellungs- und Editionsprojekte einfließen kann.
Lithografie bewegt sich ständig zwischen unterschiedlichen Kontexten:
• von der Werkstatt zur Universität, • von der Universität zur Gemeinschaft, • vom Steinbruch in die Werkstatt, • von der Werkstatt ins Museum, • vom Atelier der Künstler*innen in die Landschaft.
Und bei jeder dieser Bewegungen verändert sich etwas.
Work in progress…
Die Werkstatt als Form des Widerstands
Diese Erfahrung bestätigte eine Idee, die auch meine eigene pädagogische Arbeit begleitet: Die Werkstatt kann eine Form des Widerstands sein.
Ein Widerstand gegen das Verschwinden technischen Wissens; gegen den Verlust von Orten, an denen dieses Wissen praktiziert und weitergegeben werden kann; und gegen die Vorstellung, künstlerisches Wissen sei etwas Individuelles, Abgeschlossenes oder ausschließlich Institutionelles.
Die Werkstatt bietet eine andere Logik.
Sie ist ein Ort, an dem Wissen mit den Händen entsteht, aber ebenso durch Gespräche, Fehler, Fragen und gemeinsam verbrachte Zeit.
In Tidaholm haben wir uns alle als Gleichberechtigte im Dialog erlebt.
Das bedeutet nicht, dass alle dasselbe wussten. Im Gegenteil: Der Reichtum der Begegnung lag gerade in den Unterschieden. Jede/r Teilnehmer/in brachte eine spezifische Erfahrung mit und konnte diese mit der Gruppe teilen.
Wissen wurde dadurch von etwas, das ausschließlich der Person gehört, die es besitzt, zu etwas, das geteilt, verändert und weitergegeben werden kann.
Diese Form des Lernens ist gerade in einer Disziplin wie der Lithographie von besonderer Bedeutung. Ein wesentlicher Teil des technischen Wissens liegt in Gesten, Beobachtung und materieller Erfahrung und kann nicht vollständig durch Texte oder Anleitungen vermittelt werden.
Von den sozialen Netzwerken zu den Körpern
Eine der bereicherndsten Erfahrungen war es, Kolleg*innen, denen viele von uns seit Jahren in den sozialen Netzwerken folgen, plötzlich persönlich gegenüberzustehen.
In einer Zeit, in der ein großer Teil unserer professionellen Kommunikation über digitale Plattformen mit Fotos und Videos stattfindet, verwandelte die physische Begegnung diese virtuellen Beziehungen in materielle Erfahrungen: einen Stein gemeinsam zu bearbeiten, eine Demonstration zu beobachten, Papier in den Händen zu halten, über eine Farbe zu sprechen oder jemandem bei der Arbeit zuzusehen.
Kolleg*innen aus verschiedenen Teilen Europas, Asiens und Amerikas brachten ihre eigenen Geschichten, Materialien, Methoden und Arbeitskontexte mit.
Das internationale Netzwerk der Lithographie erhielt dadurch eine weitere Dimension. Es war nicht mehr nur ein Netzwerk aus Bildern und Ergebnissen, sondern ein Netzwerk aus Menschen, Werkstätten, Steinen, Werkzeugen, Papieren, Farben und Wissen.
Lernen an einem gemeinsamen Tisch
Die gemeinsamen Frühstücke waren ein scheinbar einfacher, aber zugleich sehr bedeutender Teil der Erfahrung.
Bevor wir in die Werkstatt gingen, trafen wir uns an einem gemeinsamen Tisch. Dort wurden Gespräche vom Vortag fortgesetzt, neue Fragen entstanden und Geschichten aus den verschiedenen Ländern und Arbeitszusammenhängen ausgetauscht.
Diese informellen Momente erinnern daran, dass eine Gemeinschaft nicht allein um eine Technik herum entsteht.
Sie entsteht auch an einem gemeinsamen Tisch.
Die Pädagogik der Begegnung fand sowohl in einer lithographischen Demonstration als auch in einem Gespräch beim Frühstück statt. In beiden Fällen entstand etwas, das schwer messbar, aber grundlegend ist: Vertrauen und ein Gefühl der Zugehörigkeit.
Carolyn Muskat Fotos: Ernst Hanke
Ein generationenübergreifendes Netzwerk
Vielleicht war es eine der bewegendsten Erfahrungen des Treffens zu erkennen, dass Wissen weiterhin über Generationen hinweg weitergegeben wird.
In einer Zeit, in der viele handwerkliche Praktiken und historische Techniken vom Verschwinden bedroht sind, zeigt die Begegnung mit Künstler*innen, Lehrenden, Drucker*innen und Studierenden, die sich für Lithographie interessieren, dass die Technik weiterhin neue Körper und neue Fragen findet.
Bildung und Wissensproduktion in der Kunst reisen, verändern sich und breiten sich aus.
Sie bewegen sich nicht notwendigerweise linear und auch nicht ausschließlich innerhalb von Institutionen. Sie zirkulieren zwischen Werkstätten, Schulen, Universitäten, Begegnungen, Publikationen und Gemeinschaften. Sie werden von Lehrenden an Studierende weitergegeben, aber ebenso von Studierenden an Lehrende, von Kollegin zu Kollegin und von einer Generation an die nächste.
Dieses generationenübergreifende Netzwerk verweist letztlich auf eine Demokratisierung planographischer Techniken: Wissen soll zirkulieren können, Werkzeuge sollen gemeinsam genutzt werden können, und immer mehr Menschen sollen nicht nur Zugang zu den Ergebnissen einer Technik erhalten, sondern auch zu dem Wissen, das notwendig ist, um sie zu verstehen und weiterzuentwickeln.
Eine Begegnung, die weitergeht
Als wir in unsere jeweiligen Werkstätten zurückkehrten, nahm jede*r von uns neue Fragen, Verfahren, Materialien, Kontakte und Erfahrungen mit. Aber auch etwas weniger Greifbares: die Gewissheit, Teil einer internationalen Gemeinschaft zu sein, die geografische, institutionelle und generationelle Grenzen überschreitet.
Der Wert eines Treffens wie Tidaholm in Schweden liegt deshalb nicht allein in den erlernten Techniken oder den gezeigten Demonstrationen. Er liegt ebenso darin, Bedingungen zu schaffen, unter denen Wissen frei zwischen Menschen zirkulieren kann, die eine gemeinsame Praxis teilen und sie gleichzeitig verändern.
In diesem Sinne möchte ich mich besonders bei Patrick Wagner, dem Organisator des Symposiums, für seine enorme Arbeit und dafür bedanken, dass er die Voraussetzungen für diese Begegnung geschaffen hat.
Mein Dank gilt ebenso Bill Haberman und Jean Michael Schmidt als großartige Koordinatoren der Werkstatt und der Workshops in Tidaholm, für ihre Offenheit, ihre Großzügigkeit und dafür, dass sie die Werkstatt während des gesamten Treffens zu einem offenen, einladenden und lebendigen Ort gemacht haben.
Unser Dank gilt außerdem dem Verein, der das Symposium finanziell unterstützt hat. Diese Unterstützung war von großer Bedeutung, um diesen internationalen Raum für Austausch, Lernen und Wissensvermittlung zu ermöglichen.
Die Steine werden weiterreisen.
Und mit ihnen werden weiterhin Wissen, Fragen und Gesten derjenigen reisen, die mit ihnen arbeiten.
Vielleicht liegt genau darin einer der Gründe, warum die Lithografie lebendig bleibt:
Jede Generation übernimmt eine Tradition, aber keine Generation ist verpflichtet, sie genau so weiterzugeben, wie sie sie vorgefunden hat.
Sie übernimmt sie, arbeitet mit ihr, verändert sie – und gibt sie weiter.
Addendum
Eckhard Gehrmann beim Demonstrieren der kreativen Steindruckmalerei von Christian Kruck.
Addendum
Weitere Impressionen und Erläuterungen von Eckhard Gehrmann, der mit einem Vortrag sowie Exponaten am Symposium in Tidaholm beigetragen hat.
Dank an Lorena, Du hast einen wunderbaren Text geschrieben und die weltweite Lithogemeinschaft sehr gut dargestellt. Der freie, freundschaftliche Austausch von Fachwissen in solch einem Umfang war grandios. Der einzige Nachteil, man konnte nicht überall sein.
Ich habe mit Tonertusche eine Lasur auf einen Stein gezeichnet, um die Arbeitsweise von Christian Kruck an der Frankfurter Städelschule vorzustellen. Das anschließende Reduzieren in vielen Schritten in mehreren Farben kannten viele wohl nicht.
Die vielen Gespräche während der Arbeit waren sehr wichtig und ich habe viele neue Anregungen erhalten. Und dann sehe ich diese Hände vor mir, die meinen Stein feuchten. Ich kenne sie von Instagram, es sind die Hände von Saturo Itazu aus Tokyo. Und schon drucken wir zusammen ganz selbstverständlich ohne viele Worte. Wieder kommen andere hinzu, denen ich mein Material gebe, um damit Versuche zu machen.
Noch ergänzen sollte man, Bill Haberman und Jean Michael Schmidt sind die Werkstattleiter. Jean Michael musste am ersten Tag zur Beerdigung seines Vaters, so war es ein bisschen chaotisch. Später aber ging alles gut.
Tidaholm hat eine unglaubliche Werkstatt, ich glaube 10 Handpressen. Manches ist nicht in ganz so gutem Zustand, aber es kostet, so weit ich weiss, nichts um dort zu arbeiten.
Ein anschauliches Kurz-Video der legendären Schnellpresse Made in Offenbach in Aktion mit Ernst Hanke und Rolf Maas gibt es bei Stone Lithography auf Facebook. Link im Text.
Ernst Hanke und Rolf Maas haben an der Schnellpressee von Faber und Schleicher aus Offenbach eine Auflage gedruckt. Überhaupt Ernst Hanke, er ist der Größte, er reist mit über 80 Jahren durch Europa und die Welt (aktuell in China) gibt sein Wissen freigebig weiter. Dabei repariert er noch die Maschinen. Rolf Maas ist vom Steindruckmuseum in Holland. Ernst hat vor Kurzem dort gearbeitet und ihm vieles gezeigt.
Peter Stephan hat die ganze Woche den Auflagendruck mehreren Teilnehmern des Symposiums gezeigt.
Laurent Nikolai zeigte seine Farben, wie bei uns, beim ISS-Kolloquium in Offenbach.
Und Jim Berggren/ Eric Saline/ Bill Haberman haben die ganze Woche in einem eigenen Gebäude an einer Großen Flachbettpresse von Platten gedruckt zusammen mit den Chinesischen Teilnehmern.
Noch eine Anmerkung bezüglich der Neuen und Alten Techniken:
Wir selbst haben bei der Senefelder Preisvergabe eine „Neue Experimentelle Technik“ bevorzugt und die „alten“ Techniken nicht so stark berücksichtigt, um die Lithographie interessant zu halten.
Ich finde, die Neuen und die alten Techniken waren in Tidaholm sehr gut vertreten. Ich habe z. B. mit einer hervorragenden neuen Federfarbe, entwickelt von Brandon Gunn mit Cranfield, nach der alten Technik gedruckt.
Schönen Gruß
Eckhard Gehrmann, Friedrichsdorf, Hessen
Tidaholm Impressionen von Liesa und Eckhard Gehrmann
Hinweise
Das 10. Internationale Lithographie Symposium in Tidaholm wird im Jahr 2030 stattfinden.
Zuvor, 2028, wird der 14. Internationale Senefelder-Preis verliehen werden. Einreichungen sind noch bis 12. März 2027 möglich. Die Teilnahmeunterlagen können auf der Stiftung Website angesehen und runtergeladen werden.
Litho-Love: Why Tonnes of Stone Hold the Key to Our Digital Fatigue
Introduction: The Longing for the Tangible
In an era where the lifespan of an image is measured in milliseconds and fleeting algorithms dictate our visual consumption, what happened in the Swedish town of Tidaholm in the summer of 2026 feels almost like a rebellious act of defiance. While the world drowns in the cult of “instant print,” artists grind tonnes of Solnhofen limestone, labor for hours with greasy crayons, and subject the stones to intricate chemical processes—all for the sake of a single, perfect print on paper.
Why endure such immense physical labor in today’s world? The answer lies in the 9th International Lithography Symposium. Every four years, this unassuming Swedish town transforms into the “epicenter of the graphic art world.” It’s a place of radical deceleration, where craftsmanship isn’t a nostalgic relic but a vital, physical counterbalance to the superficiality of the digital age.
The Vulcan Island: Where Industry Inspires Art
At the heart of this artistic revolution is the “Vulcan Island” in Tidaholm. Once dominated by industrial production, this former factory site now breathes with the creative energy of the Lithographic Academy’s workshops. The transformation of this industrial relic is a curatorial statement—it symbolizes the enduring power of art amid industrial change.
Organized by Patrick Wagner, Tidaholm became a true “art village” for two weeks. The exhibitions weren’t confined to sterile museum spaces but spread across three galleries throughout the town. This spatial integration sends a powerful message: when old industries fade, the human drive for material creation remains a steadfast foundation.
Innovation Through Resistance: The Rediscovery of Slowness
A highlight of the symposium was the project “Printing on the Schnellpresse”. Under the guidance of lithography legends Ernst Hanke—a master over 80 years young who still shares his expertise worldwide—and Rolf Maas, mechanical giants from Faber & Schleicher in Offenbach am Main were brought back to life.
This act of “renovatio” is far more than a technical revival. Operating these tonne-heavy presses demands physical presence—a stark contrast to the detached precision of modern inkjet printing. Innovation here also means reimagining materials: Brandon Gunn (Tamarind Institute) collaborated with Cranfield to develop a new “fountain solution,” blending ancient techniques with cutting-edge chemistry.
This deep connection has sparked a global movement under the banner “Litho Love.” Participant Danielle Creenaune captured the essence: “After a week of intense exchange, I feel so inspired and fulfilled by this ‘Litho Love’… it’s an incredible journey to Sweden.”
The 24/7 Workshop: A Pedagogy of Connection
Perhaps the most radical decision by the organizers was opening the workshops round the clock. The workshop became a living space, fundamentally changing the dynamics of learning. While daytime lectures at the Marbodal Center provided theoretical insights, the nights were dedicated to hands-on experimentation with stone. Ideas weren’t just discussed—they were lived.
Vertical hierarchies dissolved here. What emerged was a “pedagogy of encounter” that transcended institutional boundaries. Seasoned masters became learners, and the “virtual relationships” once known only through Instagram images of hands on stone transformed into real, tangible experiences. Together, they held the paper, felt the stone’s dampness, and exchanged ideas over breakfast at a long table. It’s this social fabric—peaking in the traditional “Lithographers’ Party”—that sustains the community as much as the chemistry that binds ink to stone.
Tradition as a Starting Point: Technical Depth
The symposium proved that tradition is not a museum piece but a launchpad for contemporary discourse. The technical diversity was vast and international—here’s a glimpse:
Kruck Lithography: Eckhard Gehrmann, a student of the legendary Christian Kruck, demonstrated “stone painting” using toner ink and glazes—a process where the image is gradually reduced through multiple steps.
International Avant-Garde: Satoru Itazu brought Japanese tradition to the table, Simoni Philippou shared insights from her workshop in Cyprus, and Brandon Gunn showcased the professionalization efforts of the U.S.-based Tamarind Institute.
Hybrid Techniques: Whether Danielle Creenaune’s Mokulito (lithography on wood) or Franz Hoke’s Algrafie (on aluminum plates), the boundaries between classical stone printing and modern methods are fluid.
Innovation often means returning to historical techniques to uncover new possibilities in their very resistance to speed and disposability.
Where Do the Stones Go? The Journey of Knowledge
A stone is far more than a printing plate; it is a “carrier of memory.” This became especially clear when Olivia Christen documented the Solnhofen quarries, while Ann Kristin Källström presented a project where stones were returned to the landscape after serving as artistic media. The stone re-enters nature, its purpose fulfilled.
Lorena Pradal posed the pivotal question: “Where do the stones go?” Because with the stones travel techniques, gestures, and knowledge itself. When Satoru Itazu from Tokyo casually moistens a colleague’s stone, two cultures communicate wordlessly through the material.
Prof. Dr. Gerhard Kilger, Chairman of the International Senefelder Foundation, summed it up perfectly: “It was truly impressive to see how, during the inspiring days in Tidaholm, lithographers from around the world came together in enthusiasm, exchanged ideas, and formed new friendships. What struck me most was the diversity of experimental and playful applications of lithographic techniques.”
Conclusion: A Print That Endures
The symposium in Tidaholm demonstrated that lithography functions as a “lab for the future.” The workshop is a form of resistance—against the erosion of technical knowledge and the fleeting nature of our digital existence. It’s not just about printed paper; it’s about the quality of engagement with the world.
At its core, the event leaves us with a fundamental question for our own, often digitally exhausted lives: What could we learn about the quality of our own creative work if we dedicated the same persistence, humility, and physical devotion to our ideas as lithographers do to a single, perfect print?
Perhaps this slow, laborious process is the only way to leave traces that aren’t washed away with the next feed update.
Notes
The 10th International Lithographic Symposium will return to Tidaholm in 2030.
Before then, in 2028, the 14th International Senefelder Prize will be awarded. Submissions are open until March 12, 2027. Application documents can be viewed and downloaded on the foundation’s website: https://www.senefelderstiftung.com/de/senefelder-award-2028/
Oder: Mit Zuversicht und innerer Stärke zurück ins Leben
Die vergangenen Monate waren eine Reise, wie ich sie nie erwartet hätte. Nach mehreren komplexen Herzoperationen, die letzte erst am 9. Juni dieses Jahres, fand ich mich in einer Situation wieder, die weit über das Physische hinausging. Eine unerwartete innere Blutung, die fast zum Exitus geführt hätte, und die anschließende Flüssigkeitsansammlung im Gewebe waren die sichtbaren Zeichen eines Körpers im Ausnahmezustand. Doch anstatt mich davon unterkriegen zu lassen, begann für mich ein neuer, bewusster Weg zurück zur Stärke.
Der Körper als Partner – nicht als Gegner
Nach den Operationen bemerkte ich eine deutliche Gewichtszunahme, die nicht auf meine Ernährung zurückzuführen war. Es war Gewebewasser, eine mechanische Last, die sich durch Medikamente allein nicht vertreiben ließ. Die Lösung? Eine Kombination aus gezielter Bewegung und professioneller Unterstützung.
In der ambulanten Nach-Reha, dem #Herzwerk, wurde ein speziell auf meine kardiologischen Befunde abgestimmtes Trainingsprogramm entwickelt. Dreimal bis viermal pro Woche sitze ich nun auf dem Ergometer, trainiere meinen Kreislauf und meine Ausdauer – immer im sicheren Pulsbereich. Quasi wie ein Belastungs-EKG. Ergänzt wird dies durch Übungen zur Mobilisierung des Oberkörpers und leichtes Krafttraining für die Beinmuskulatur. Besonders das Laufen hat Wunder gewirkt: Ein langes Wochenende in Weimar mit 15.000 Schritten pro Tag ließ zwei Kilogramm einfach verschwinden. Dies zeigte mir klar: Aktive Bewegung ist der Schlüssel, um dem Körper zu helfen, sich selbst zu heilen.
Manuelle Lymphdrainage: Sanfte Technik, große Wirkung
Seit Anfang August setze ich nun auf Lymphdrainage, um die hartnäckigen Wassereinlagerungen gezielt anzugehen. Es ist faszinierend zu erleben, wie diese sanfte, oberflächliche Technik das Gewebewasser mobilisiert und dem Lymphsystem hilft, es abzutransportieren. Es fühlt sich an, als würde man einem gestauten Fluss einen neuen, freien Weg bahnen. Bereits nach der ersten Behandlung war der Unterschied spürbar – das Gewebe fühlt sich weicher und leichter an. Ein wunderbares Gefühl, das Zuversicht schenkt und zeigt: Wir haben die Werkzeuge, um den Heilungsprozess aktiv zu unterstützen.
Mentale Stärke als Kompass
Doch die größte Veränderung fand im Kopf statt. Eine gescheiterte Operation lehrt einen demütig, aber auch unglaublich widerstandsfähig zu werden. Ich habe gelernt, mir klare, erreichbare Ziele zu setzen. Fünf Wochen nach der letzten OP stand ich in Kopenhagen auf einer Bühne und moderierte eine internationale Veranstaltung. Ein gewagter Schritt, aber er war mein persönlicher Beweis, dass ich die Kontrolle über mein Leben zurückerwerbe.
Diese Erfahrungen teile ich seit über einem Jahr in meinem Podcast “Besser leben, schöner sterben”, den ich gemeinsam mit David Sonntag, Facharzt für Psychosomatik, produziere. Wir sprechen über Themen wie Selbstwirksamkeit, Dankbarkeit und den bewussten Umgang mit der eigenen Endlichkeit. Es geht nicht darum, dem Tod einen Schrecken zu nehmen, sondern ihn als Teil des Lebens zu akzeptieren, um jeden Tag bewusster und kraftvoller zu gestalten.
Die Reise ist noch nicht zu Ende, aber der Kurs ist klar. Jeder Schritt, jede Trainingseinheit und jede neue Erkenntnis ist ein Sieg. Es ist ein Weg, der zeigt, dass wir selbst mit den größten Herausforderungen nicht nur überleben, sondern gestärkt und mit einem neuen, tieferen Verständnis für das Leben daraus hervorgehen können. Die Zukunft ist kein vages Versprechen, sondern ein Plan – und ich freue mich darauf, ihn zu gestalten.
Torsten Sträter & Felix Lobrecht bei ARD 1Live am 10. Juli 2026
Leben im Jetzt!
Schlusspunkt einer munteren Runde mit Publikunsfragen, die sich an die Themen unserer Podcast-Reihe „Besser Leben. Schöner Sterben“ anlehnt: „Leben im Jetzt – Was eine Krebs-Diagnose wirklich lehrt“!
Es gibt Gespräche, die anrühren, im Gedächtnis bleiben. Das Interview zwischen #Sträter und #Lobrecht ist eines davon. Sträter, bekannt für seinen trockenen Humor und seine unverblümte Ehrlichkeit, sprach offen über seine Krebsdiagnose – und über das, was sie ihm mitgegeben hat.
Keine dramatische Lebensbeichte, keine großen Worte. Stattdessen: echte, bodenständige Erkenntnisse, die jeder von uns brauchen kann – ohne erst selbst krank werden zu müssen.
Nicht verdrängen – auch wenn es gerade gut läuft
Sträters erste und wichtigste Botschaft klingt einfach, ist aber alles andere als selbstverständlich: Nicht verdrängen. Gerade wenn es einem gut geht, ist die Versuchung groß, unangenehme Wahrheiten beiseite zu schieben. Doch genau das kann gefährlich werden. Im Fall von Sträter war es diese Verdrängung, die ihn fast das Leben gekostet hätte.
Die Erkenntnis dahinter ist universell: Sich selbst im Blick behalten. Werte kontrollieren, Vorsorge ernst nehmen – nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung sich selbst gegenüber.
Vier Wochen sind verdammt viel
Hier wird es besonders stark. Statt in den klassischen Fünf-Jahres-Plänen zu denken, hat Sträter seinen Horizont bewusst verkürzt – auf vier Wochen. Und dabei festgestellt: Das ist eigentlich eine Menge Zeit.
In diese vier Wochen packt er nur das, was Sinn ergibt und Freude macht. 28 andere Anfragen? Kalt abgelehnt. Stattdessen: Projekte mit echtem Wert, Zeit im Garten, Spatzen beobachten.
Das klingt trivial. Ist es aber nicht. Es ist eine radikale Neubewertung dessen, was wirklich zählt – und ein Plädoyer dafür, die eigene Zeit als das zu behandeln, was sie ist: das wertvollste Gut, das wir haben.
Freiheit und Prioritäten
Was Sträter beschreibt, ist ein Privileg, das viele Menschen in ähnlicher Form besitzen – aber selten nutzen: die Freiheit, selbst zu entscheiden, womit man seine Zeit verbringt. Kein Chef, keine Arbeitsstelle, keine Verpflichtung, die wichtiger ist als das eigene Wohlbefinden. Die Frage, die er damit stellt, richtet sich an uns alle: Wofür sagst du Ja – und wofür solltest du endlich Nein sagen?
Das eigentliche Schlusswort
Am Ende des Gesprächs verrät Sträter sein persönliches Lebensziel: „Ich möchte in Kiel mindestens einmal größer auftreten als Du, Du Affe!“ — gemeint ist Felix Lobrecht. Das ist kein Witz – das ist Lebensphilosophie. Ein konkretes, erreichbares Ziel. Etwas, worauf man hinarbeiten kann. Etwas, das Freude macht.
Was ist das eine Ding, das dich antreibt – klein, konkret, bedeutsam nur für dich?
Manchmal braucht es keine große Lebenskrise, um das herauszufinden. Manchmal reicht ein gutes Gespräch. Danke, Torsten Sträter. Und danke, Felix Lobrecht, für dieses Gespräch.
Was passiert, wenn man in fünf Jahren zehnmal am Herzen operiert wurde, fast verblutet wäre und trotzdem jeden Tag mit voller Klarheit aufsteht?
Man hört auf, Zeit zu verschwenden. Und man fängt an, wirklich zu leben.
Ich bin Boris Andreas Weber. Kommunikationsanalyst, Blogger, Podcaster, Chairman der Freunde plus Vorstand der Internationalen Senefelder Stiftung und Initiator von „Besser leben. Schöner sterben.“ – und seit einigen Jahren vor allem eines: jemand, der gelernt hat, dass die Endlichkeit des Lebens kein Grund zur Lähmung ist, sondern der stärkste mögliche Antrieb.
Seit 2021 habe ich zehn Herzoperationen hinter mir. Vor fünf Jahren lautete die Lebenszeit-Prognose für mich: drei bis fünf Jahre. Heute frage ich meinen Chefarzt der Kardiologie an der Uniklinik, was wir an meinem 80. Geburtstag machen. Das ist keine Übertreibung – das ist das Ergebnis von medizinischer Spitzenbehandlung, unbedingtem Lebenswillen und einer Strategie, die ich „Selbstwirksamkeit auf Basis aktiver Hilflosigkeit“ nenne.
Schlimme Dinge in positive Impulse verwandeln
Vor fünf Wochen (7. Juni 2026) hatte ich nach einem routinemäßigen Herz-Schrittmacherwechsel eine innere Blutung. Innerhalb von unter zwei Stunden verlor ich drei Liter Blut. Das ist eine echte Nahtoderfahrung. Heute mache ich wieder Herzsport.
Ich erzähle das nicht, um Mitleid zu erzeugen. Ich erzähle es, weil genau diese Erfahrungen der Kern meines Projekts „Besser leben, schöner sterben” sind – einem Podcast mit inzwischen 58 Episoden, den ich gemeinsam mit meinem Arzt und Freund David Sonntag aufgebaut habe.
Die zentrale Botschaft: Es gibt passive Hilflosigkeit – und aktive. Ich wähle die aktive. Immer.
Eine Vision, die größer ist als ich
Was als persönliche Bewältigungsstrategie begann, ist längst zu einem ernsthaften gesellschaftlichen Projekt geworden. Mein Ziel ist es, aus dieser Initiative eine Genossenschaft zu entwickeln – ein Modell, das Bestand hat, das gemeinnützig wirkt und das konkrete Projekte hervorbringen kann: Z.B. neue Lebens- und Wohnformen für Senioren und Nachwachsende, Retreats, Events, Publikationen…
Warum eine Genossenschaft? Weil dieses Organisationsprinzip zu den langlebigsten überhaupt gehört. In Mainz, meiner langjährigen Heimatstadt, sieht man das besonders gut: Aus kaufmännischen Vereinigungen entstanden Unternehmen, die seit 150 Jahren bestehen. Was Wert hat, hält.
LinkedIn als Verstärker einer neuen Ära
Ich habe in meinem Berufsleben vor fast 200.000 Menschen in 35 Ländern Vorträge gehalten. Ich weiß, wie man Wirkung erzeugt – nicht um eigene Interessen durchzusetzen, sondern um anderen zur Hilfe zur Selbsthilfe zu verhelfen.
Jetzt stehe ich vor einer Transformation meiner Personal Brand. Nicht weil ich Follower brauche. Sondern weil LinkedIn genau das Publikum versammelt, das zu diesem Projekt passt: Menschen, die erfolgreich sind, die mitdenken, die mitgestalten wollen – als Partner, als Unterstützer, als Teil einer Gemeinschaft.
In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 hatte ich trotz durch lange Krankheitszeiten eingeschränkter LinkedIn-Präsenz mit wenigen Posts knapp eine halbe Million Impressions. Die Richtung stimmt. Jetzt geht es darum, die Positionierung zu schärfen.
Das Ziel findet sich beim Laufen
Am 15. Juli 2026 führe ich voraussichtlich ein Strategiegespräch mit einer kompetenten Person über den nächsten Schritt. Nicht weil ich Druck habe. Sondern weil ich verstanden habe, dass die Sommerzeit ideal ist, um Fundamente zu legen – damit der Herbst operativ werden kann.
Ich bin kein Mensch, der wartet. Ich bin ein Mensch, der analysiert, entscheidet und handelt. Jahrzehntelang als Kommunikationsanalyst und Unternehmer. Jetzt als jemand, der seinen eigenen Purpose lebt.
Wenn du dich angesprochen fühlst – weil du selbst an einem Wendepunkt stehst, weil das Thema Leben, Würde und sinnvolles Alter dich bewegt, oder weil du dir vorstellen kannst, Teil dieser Genossenschaftsidee zu sein – dann melde dich.
Das Ziel findet sich beim Laufen. Aber man muss anfangen zu laufen.
Herzlichst, Boris Andreas Weber – Kommunikationsanalyst, Blogger, Podcaster, Chairman der Freunde und Vorstand der Internationalen Senefelder Stiftung und Initiator von „Besser leben. Schöner sterben.“