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Transformations-Paradoxon: Bedeutet, alles richtig zu machen, gleichzeitig Kapital zu vernichten?

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„Denk ich an Deutschland [4.0] in der Nacht,
dann bin ich um den Schlaf gebracht,
ich kann nicht mehr die Augen schließen,
und meine heißen Tränen fließen.“
Aus: Heinrich Heine, Nachtgedanken

 


Von Andreas Weber, Head of Value | English Version

 

Letzte Woche passiert. Ich war Augen- und Ohrenzeuge. CEO und CFO eines Traditionsunternehmens aus dem Maschinenbau präsentieren in der Finanzmetropole Frankfurt am Main die Jahresbilanzzahlen. 

Alles tiptop. Und alles im Plan! Denn das, was man vor Jahresfrist in Aussicht stellte, ist exakt so vollzogen worden. Manko: V. a. durch nicht zu beeinflussende Währungsschwankungen sind der Gesamtumsatz und entsprechend der Vor-Steuergewinn leicht rückläufig. 

An den guten Prognosen kann der Vorstand aber festhalten. Deutliches Wachstum durch Transformation um mindestens 500 Millionen Euro in vier Jahren (das heisst: Umsatz wächst von rund 2,5 Milliarden Euro auf 3 Milliarden Euro) bei deutlich steigender Rendite. Das Unternehmen wurde erfolgreich grundlegend neu aufgestellt und zeigt sich nicht nur fit und stabil, sondern über den eigenen Marktbereich hinaus global führend im Bereich der ‚Digitalen Transformation‘.

Aber: Bereits am Vortag der Bilanzpressekonferenz begann der Aktienkurs zu sinken und rutschte in der nachfolgenden Woche deutlich ab. Der Hauptgrund: Massive Leerverkäufe, also die Wette zur Spekulation auf sinkende Kurse. Die Marktkapitalisierung sank damit im Wert um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Weiterer Negativeffekt: Die Wirtschaftspresse wie auch Analysten können mit „Digitaler Transformation“ nichts rechtes anfangen. In den Nachberichten kommt es zu eklatanten Fehlern resp. Fehleinschätzungen und vor allem zum Weglassen des eigentlich Wichtigen! Tenor: „Recht unambitioniert: Lascher Ausblick setzt Heidelberger Druck-Aktie unter Druck“. Heidelberg enttäusche Anleger… — Puh! Verstehe das, wer will!

Zugegeben: Das Thema „Transformation“ ist hoch komplex. Und bedingt, dass man versteht: Transformation ist kein Ziel, sondern ein Zustand. Das Ziel lautet: Massive, bisweilen disruptive Veränderung der gesamten Geschäftsphilosophie. Kein leichtes Unterfangen. Und schon gar keines, dass sich von Heute auf Morgen bewältigen lässt. — Zurecht erklärte der CFO ruhig und gelassen: „Wer es eilig hat, muss langsam gehen!“

Apropos Philosophie: Plato wies in seiner antiken Lehre darauf hin, dass alles, was unter Zwang erworben wird, keinen Halt im Geist findet; oder anders ausgedrückt: Der Lehrer kann nicht lehren, wenn der Schüler nicht bereit ist zu lernen. (Dieses Momentum hatten CEO und CFO wohl unterschätzt, als sie die Bilanzpressekonferenz abhielten, und fatalerweise nicht zur Grundlage ihrer Kommunikationsstrategie gemacht.)

Der Erfolg von Transformation im Digitalzeitalter hängt maßgeblich vom Willen und der Disziplin ab, sich die Zeit zu nehmen, um zu lernen und zu üben, damit sich aus neuen Erfahrungen neue Erkenntnisse formen. Dieses Lernen beinhaltet das Lernen über sich selbst. Transformation erfordert Selbsterkenntnis.

Fazit

Eine Bilanzpressekonferenz als Lehrstück! Deutschland 4.0 scheitert bei der ‘Digitalen Transformation’ am grundlegenden Verständnis. Nicht am Willen der Apologeten.

 


 

Über den Autor

Seit mehr als 25 Jahren engagiert sich Andreas Weber als international renommierter Business Communication Analyst, Coach, Influencer und Transformer. Seine Aktivitäten fokussieren sich auf ‚Transformation for the Digital Age’ via Vorträgen, Management Briefings, Workshops, Analysen & Reports, Strategic Advice. — Mit seinem Blog www.valuetrendradar.com inspiriert er Leser aus über 140 Ländern der Welt.

 

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