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Tag Archives: Industrieller druck

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Meilenstein für Print: Festliche Eröffnung durch Ministerpräsident Winfried Kretschmann des neuen Innovationszentrum von Heidelberger Druckmaschinen. Echtzeit-Prints dürfen nicht fehlen.—  Foto: Heidelberg

Von Andreas Weber, Head of Value

Ob Fluch oder Segen — ‚Digitale Transformation‘ gestaltet sich in jedem Fall hochkomplex, erscheint abstrakt und ist für die meisten schwer fassbar. Aber ab jetzt ist das anders: Der Print-Technik-Primus Heidelberger Druckmaschinen AG hat in der ehemaligen Produktionshalle 10 auf dem Werksgelände in Wiesloch sein neues  ‚Innovationszentrum‘ (kurz: IVZ) als Ideenschmiede Plattform für Innovation und Transformation eingerichtet, das sich organisch wie eine kleine Stadt strukturiert und auf Kommunikation, Interaktion und Kreativität ausgelegt ist. Damit wird in bisher nicht dagelegener Dimension anschaulich, wie Transformation im Digitalzeitalter funktionieren muss: arbeitsteilig-kooperativ, kreativ-forschend, erfinderisch, vernetzt, transparent und nutzbringend für alle — Heidelberg, seine Kunden und Partner.

 


Make Germany Great Again! 

Branchenprimus Heidelberger Druckmaschinen schickt sich am Standort Wiesloch an, mit seinem neuen Innovationszentrum #IVZ als globale Ideenschmiede und interaktives Kompetenzzentrum für Print-Innovation und -Transformation der wichtigste Impulsgeber und Garant für die Zukunftsfähigkeit der Branche zu sein. Damit kann Deutschland seine Innovationsführerschaft im Print weiter ausbauen. — Andreas Weber


 

Feierliche Eröffnung durch Winfried Kretschmann

„Heidelberger Druckmaschinen AG übernimmt eine Vorbildfunktion für Fortschritt im Digitalzeitalter“, urteilt entsprechend Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Und führt weiter aus: „Mit seinem Innovationszentrum zeigt die Heidelberg, wie ein Unternehmen die Zeichen der Zeit zu seiner Zukunft machen kann.“

Heidelberg hat laut Kretschmann in seiner Unternehmensgeschichte stets traditionsreiche Ingenieurs-Kultur mit innovativen Technologien verbunden. Nicht zuletzt dieser Verzahnung sei es zu verdanken, dass in Wiesloch die weltweit modernste Forschungsstätte für die Druckindustrie eröffnen werden konnte.

Und Kretschmann führt weiter aus: „Gerade die Digitalisierung erfordert ganz neue Formen der Zusammenarbeit. Mit ihrem Innovationszentrum reagiert die Heidelberger Druckmaschinen AG auf die Herausforderungen des Transformationsprozesses, der gegenwärtig in allen Bereichen stattfindet.“ In Baden-Württemberg, wo Spitzentechnologie, Präzision und absolute Verlässlichkeit Teil der Geschichte und Kultur sind, hat laut Kretschmann Heidelberg mit seinem IVZ eine Leuchtturm-Funktion inne, um den Weg zu zeigen, wie der digitale Wandel gelingen kann. „Durch die konsequente Vernetzung von Arbeitsebenen setzt das IVZ neue Maßstäbe von Kommunikation und Agilität“, lautet das Resümee des Ministerpräsidenten.

 



 

 

#IVZ — eine Herzensangelegenheit mit strategisch weitreichender Bedeutung

„Die Stärke des deutschen Maschinenbaus wird weltweit hoch geschätzt und in diesem Bereich sind wir nach wie vor die Nummer eins“, stellt Rainer Hundsdörfer, Vorstandsvorsitzender von Heidelberg, vor 200 geladenen Gästen bei der Eröffnungsfeier fest. „Mit unserer neuen Ideenschmiede wollen wir dafür sorgen, dass wir in Zukunft unsere Technologieführerschaft auch im Bereich der Digitalisierung der Printmedien-Industrie weiter ausbauen.“ 

Hundsdörfer hatte bei Amtsantritt im November 2016 das Innovationszentrum sogleich projektiert und zur Chefsache gemacht. Mit der Zielsetzung, den Innovations-orientierten Mitarbeitern eine neue Arbeitswelt zu bieten und den gesamten Entwicklungsprozess unter einem Dach und in direkter Nachbarschaft zur Produktion zusammenzufassen.

 



 

Mit dem neuen Innovationszentrum beginnt auch für die Mitarbeiter ein neues Zeitalter bei der Gestaltung ihrer Arbeitswelt“ so Hundsdörfer weiter. Modernste innovative Techniken kämen zum Einsatz, Teamarbeit und Kommunikation, Arbeiten an unterschiedlichen Orten und eine Kombination aus privatem Arbeitsplatz und Kommunikationszonen sollen für eine kreative, angenehme Atmosphäre sorgen. 

 


Infobox 

Global einzigartige Entwicklungsumgebung

Der Umbau einer ehemaligen Produktionshalle mit rund 500 Mitarbeitern in ein Innovationzentrum für über 1.000 Personen ist global einmalig. Auf insgesamt rund 40.000 m² Bruttofläche sind am Standort Wiesloch-Walldorf jetzt rund 26.000 m² modernste Bürofläche und ca. 14.000 m² Fläche für Labore und den Versuch entstanden. Die Bürofläche besteht aus 13 Quartieren für jeweils 80 Mitarbeiter, für die 43 Labore stehen allein ca. 3700 m² Fläche zur Verfügung. 


„Das neue Innovationszentrum ist eine auf Kommunikation und Transparenz beruhende Innovationsplattform und damit Schlüssel und Symbol für den kulturellen Wandel bei Heidelberg“, erläutert Stephan Plenz, Vorstand Heidelberg Technology.  

„Die Digitalisierung der grafischen Industrie schreitet rasant vorwärts und mit unserem strategischen Motto ‚Heidelberg goes Digital‘ treiben wir diesen Prozess aktiv voran. Unser neues Innovationzentrum spielt daher gleich mehrfach eine Schlüsselrolle in der Zukunftssicherung von Heidelberg und der Branche“, so  Stephan Plenz, Vorstand Heidelberg Digital Technology. 

Mit der einzigartigen Kompetenz seiner rund 1.000 hochqualifizierten Fachkräfte baue Heidelberg seine Technologieführerschaft weiter aus. Zudem könne die digitale Transformation in der ganzen Branche beschleunigt werden. Die Nähe des IVZ zur Produktion fördere gleichzeitig den agilen und bereichsübergreifenden Entwicklungsprozess. 

Plenz zieht als Fazit: „Das neue Innovationszentrum ist das Herz unseres Unternehmens und des künftigen High-Tech Campus, zu dem wir unseren Standort Wiesloch-Walldorf Schritt für Schritt ausbauen.“

 



Entwicklungsprojekte treiben den digitalen Wandel der Branche voran

„Bei unseren Kunden dreht sich alles um das Thema Digitalisierung“, stellt Frank Kropp, Leiter Forschung & Entwicklung bei Heidelberg, fest. „Das gilt zunehmend für die Möglichkeiten, individuelle Digitaldruckanwendungen in den drei klassischen Bereichen Akzidenz-, Verpackungs- und Etikettendruck industriell und damit kostenoptimal zu produzieren.“ 

Vor allem im Hinblick auf die Digitalisierung aller wertschöpfenden Prozesse gelte es, neue Geschäftsmodelle und eine höhere Gesamteffizienz für den Erhalt und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit zu ermöglichen. Kropp: „In unserem Innovationszentrum entstehen die genau passenden Lösungen für diese Herausforderungen – eben getreu nach dem Motto ‚Open for Innovation‘.“

 



 

Maßgabe sei es, der Veränderungsdynamik in einer zunehmend digitalisierten Welt gerecht zu werden: „Daher setzt Heidelberg verstärkt auf agile Arbeitsmethoden, wie z. B. Scrum. So kann die Entwicklung schnell und flexibel auf zunehmende und wechselnde Anforderungen der digitalen Welt reagieren und neue Markterkenntnisse rechtzeitig in den Entwicklungsprozess einfließen lassen. Produkte gelangen schneller zur Marktreife und können dann weiter in Zusammenarbeit mit Kunden auf spezifische Marktsegmente optimiert werden“, so Kropp weiter.

Zudem habe Heidelberg den Entwicklungsprozess auf Offenheit angelegt. So können Kunden, Lieferanten, Partnerunternehmen und auch Mitarbeiter jederzeit bei Bedarf in den Prozess integriert werden. Dies diene ebenfalls der Effizienz – im Hinblick auf die Kosten- und der Effektivität – im Hinblick auf den Kundennutzen.

Kropp zieht als Resümee: „Mit der Eröffnung des Innovationszentrums unter dem Motto ‚Open for Innovation‘ bricht also für uns eine neue, zukunftsweisende Ära an: Von der Idee und Patentierung über die Bildung eines digitalen Zwillings bis hin zur Qualifizierung von Einzelkomponenten und des Gesamtprodukts befindet sich der gesamte Entwicklungsprozess in dem Gebäude.“

 


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Impressionen von der festlichen Eröffnung des IVZ am 13. Dezember 2018 im Beisein von über 200 exklusiv geladenen Gästen. Fotos. Heidelberg.


 

Europäisches Entwicklungsnetzwerk mit einzigartiger Branchenexpertise

Das neue IVZ ist die Zentrale eines europäischen Entwicklungsnetzwerks, das Heidelberg mit weiteren Standorten in Kiel, Ludwigsburg, Weiden und St. Gallen (Schweiz) betreibt. Die über 1.000 Entwicklerinnen und Entwickler arbeiten im gesamten Netzwerk in den Bereichen Drucktechnologie, inklusive Druckvorstufe und Weiterverarbeitung, Steuerungen, Antriebssysteme und Software, inklusive Bedienoberflächen sowie Verbrauchsmaterialien mit Schwerpunkt in der Tintenentwicklung für den Digitaldruck. 

Weit über zwei Drittel von ihnen haben einen Hochschulabschluss oder sind promoviert. Sie verfügen neben dem klassischen Maschinenbau über Schlüsselkompetenzen in den Themen Digitalisierung und Bildverarbeitung, Elektronik- und Softwareentwicklung sowie Verfahrenstechnik und Chemie.

Darüber hinaus arbeiten verschiedene Entwicklungsteams an der Digitalisierung aller Prozesse in Druckereien, dem sogenannten Smart Print Shop, und dem weiteren Ausbau digitaler Geschäftsmodelle, wie z.B. ‚Heidelberg Subscription‘, bei denen Kunden verstärkt für den Nutzen, den ihnen ein System verschafft, bezahlen. Dabei kann die Entwicklung aus dem größten Datenschatz der Branche schöpfen, den Heidelberg seit über einem Jahrzehnt über die mit dem Unternehmen vernetzten Kundensysteme generiert.

 


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Ansichten vom Innenleben des IVZ, das sich an der organischen Struktur einer kleiner Stadt orientiert und rund 1.000 Mitarbeitern neue Formen der Arbeit und Zusammenarbeit bietet, — Fotos: Heidelberg


 

Das Gebäudekonzept zielt darauf ab, die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern bzw. die Teamarbeit so einfach wie möglich zu machen. So gibt es neben persönlichen Arbeitsplätzen nicht fest zugeordnete Büroumgebungen sowie aufgelockerte Sitzmöglichkeiten und sogar Arbeitsmöglichkeiten im Freien zur Förderung der Teamarbeit. Interaktive Monitore ermöglichen digitale Reviews. Ein Bistro und verschiedene Pausenzonen und Kaffeeküchen stehen sowohl den Mitarbeitern als auch Gästen zur Verfügung. Zugleich gibt es zahlreiche Rückzugszonen für ruhiges und ungestörtes Arbeiten.

 


 

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Infobox

Key facts zum IVZ am Heidelberg-Standort Wiesloch

  • Modernstes Entwicklungszentrum der Branche nimmt am Standort Wiesloch-Walldorf den Betrieb auf
  • Industrieller Digitaldruck, Smart Print Shop und digitale Geschäftsmodelle im Fokus
  • Offener Entwicklungprozess passt sich dynamisch an Marktanforderungen an
  • Europäisches Entwicklungsnetzwerk mit Standorten in Wiesloch-Walldorf, Kiel, Ludwigsburg, Weiden und St. Gallen verfügt über einzigartige Branchenexpertise

Fakten und Zahlen: Forschung & Entwicklung bei der Heidelberger Druckmaschinen AG

Europäisches Entwicklungsnetzwerk mit Standorten in Wiesloch-Walldorf (Zentrale), Kiel, Ludwigsburg, Weiden, St. Gallen/ Schweiz

– Unternehmensweit 950 Entwickler in den Bereichen:

– Druckvorstufe, Druck und Druckweiterverarbeitung
– Drucktechnologie (Offset, Digital, Flexo)
– Steuerungen, Antriebssysteme, Bedienoberflächen, Workflow und Messsysteme
– Verbrauchsmaterialien (Tinten)

– 68 Prozent davon haben einen Hochschulabschluss oder sind promoviert

– Aufbau von Schlüsselqualifikationen bei:

  • Digitalisierung und Bildverarbeitung
  • Elektronik- und Softwareentwicklung
  • Verfahrenstechnik und Chemie
  • Maschinenbau (Schnittstellen Maschinensteuerung, numerische Simulation)

– 3.800 lebende Patente

– Verschiedene internationale Entwicklungskooperationen, z.B. mit Fujifilm

Kooperationen mit den wichtigsten Hochschulen und Universitäten der Branche

135 Millionen Euro Budget pro Jahr (ca. fünf Prozent vom Umsatz)



Informationen zum Heidelberg Innovationszentrum am Standort Wiesloch-Walldorf

  • Gesamtinvestitionssumme: rund 50 Millionen Euro
  • 1.020 Arbeitsplätze (Entwicklung und angrenzende Fachbereiche, z.B. Service)
  • 40.000 m² Bruttofläche mit Sozialräumen, Fluren, Mauern, Wege
    • 26.000 m² Bürofläche
    • 14.000 m² Fläche für Labore und den Versuch
  • Bürofläche: bestehend aus 13 Quartieren für jeweils 80 Mitarbeiter, 40 x 40 m,
    Höhe 3,5 m, komplett verglast
  • Hallenhöhe 11,5 m
  • 43 Labore mit ca. 3700 m² Fläche
    • Chemielabore: ca. 750 m² im Bereich Tinte und Inkjet
    • Elektronik-, Optik- und Reinraumlabore: ca:250 m²
    • Mechanik- und Elektroniklabore ca. 2700 m²
  • 7.105m² Fenster: 2.453m² Fassadenfenster + 4.423m² Oberlichter + 229m² Dachfenster
  • Erbaut gemäß Energiestandard KfW 70 und daher sehr gut isoliert
  • Jeder Arbeitsplatz mit 2 x 1GB Datenleitung erfordern insgesamt 80 km IT Verkabelung,
  • 750 kW peak Solaranlage auf dem Dach (Einspeisung in das eigene Netz)
  • Der Umzug der Mitarbeiter vom Standort Heidelberg nach Wiesloch-Walldorf mit 8.000 Kartons und 1.500 PCs benötigte 660 LKW-Fahrten

 

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Fotos: Heidelberger Druckmaschinen AG. Bildcollage: Andreas Weber, Mainz.

„Wir halten, was wir versprechen: die nachhaltig industrielle Fertigung mit Digitaldruck auf Premiumniveau!“ —Montserrat Peidro-Insa, Heidelberger Druckmaschinen AG

Interview: Andreas Weber, Head of Value | English version

Auf der drupa 2016 hunderttausenden Fachbesuchern vorgestellt und seit Januar 2017 Beginn der Pilotphase im Markt: Primefire 106 als erstes industrielles Digitaldruck-Premium-Produktionssystem im B1 Format meistert die Pilot-Phase und bewährt sich bei ‚MPS Multi Packaging Solutions‘. Damit ist ein wichtiger Kernpunkt der neuen Digitalstrategie bei Heidelberg erfüllt — und ein perfekter Zeitpunkt für ein Exklusivinterview von Andreas Weber zur Markteinführung der Heidelberg Primefire 106 mit Montserrat Peidro-Insa, Head of Digital Sales and General Manager Digital Sheetfed  bei Heidelberger Druckmaschinen AG (#Heideldruck).

Sie kamen zur drupa 2016 zu Heidelberg. Hatten Sie erwartet, dass das Traditionsunternehmen so rasend schnell zum Vorreiter im industriellen Digitaldruck auf Premiumniveau werden konnte?

Montserrat Peidro-Insa: Ich muss zugeben, dass ich äußerst positiv überrascht bin. Meine hohen Erwartungen wurden noch übertroffen. Ich habe in meiner Laufbahn reichhaltige Erfahrungen bei der Transformation bestimmter Marktsegmente durch Digitaldruck erworben. Mit der Offsetdruckwelt als Kernkompetenz von Heidelberg war ich aber bis dato nicht näher vertraut. Jetzt, wo  Heidelberg beides zusammenführt, bin ich überzeugt, dass wir heutige und künftige Bedürfnisse von Druckereien und deren Kunden bestmöglich erfüllen können.

Was macht Sie so optimistisch?

Montserrat Peidro-Insa: Zur drupa 2016 sah ich erstmals die Primefire 106 als Prototyp in Betrieb, um hochwertigste Druckmuster im Inkjet-Druck zu erzeugen. Im Nachgang erlebte ich innerhalb weniger Wochen, wie rasch und hochprofessionell die Implementierung bei Forschung und Entwicklung sowie Engineering ablief. Schließlich gilt es, nicht nur ambitionierte Maschinenspezifikationen zu erfüllen, sondern mithilfe von Technikinnovationen praxisgerecht auf industriellem Niveau produzieren zu können. Und das klappte in kürzester Zeit. Die Ingenieure waren offen im Denken, neue Ideen der Teams und Anregungen wurden sofort aufgegriffen und technisch umgesetzt. Und die Zusammenarbeit mit unserem Entwicklungspartner FujiFilm war fruchtbar für beide Seiten. Ganz ehrlich: So etwas hatte ich bis dahin noch nicht erlebt. Das waren echte Highlights für mich, die immer noch nachwirken.

Im Januar 2017 startete die Pilot-Phase für Primefire 106. Was ist das besondere daran?

Montserrat Peidro-Insa: Für eine erfolgreiche Pilot-Phase, in der bei Kunden unter Produktionsbedingungen gearbeitet wird, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein. 1. Die Technologie muss fertig, sprich ausgereift, sein. 2. Innovationen müssen den Bedarf der Kunden (über)treffen. Auf das Druckereigeschäft bezogen, heisst das, neue Drucktechnologien müssen sich aus dem Stand heraus bewähren, also nicht nur technisch, sondern auch kaufmännisch solide funktionieren. Die Hauptlast ist doch, Druckaufträge zu akquirieren, das ist für Druckereien harte Arbeit. Liegt der Auftrag vor, muss reibungslos und zuverlässig industriell produziert werden können. Das heisst mit maximaler Qualität und  Geschwindigkeit, extrem guter Wiederholbarkeit und höchster Maschinenverfügbarkeit bei minimalen Rüstzeiten. Die Voraussetzungen dafür zu schaffen, ist im Kern unser Job.

Sind hohe Qualität und beste ‚Up-time‘ im Digitaldruck nicht schon Standard?

Montserrat Peidro-Insa: Leider nein. Und das ist die große Stärke und Alleinstellung von Primefire 106 im Unterschied zu sonstigen Angeboten im Markt, die entweder das eine oder das andere bieten. Was bei vielen dazu führt, dass, wenn man maximale Qualität realisieren will, die Up-time auf bis zu 40 % runtergeht. Und umgekehrt: Setzt man auf maximale Produktivität, lassen sich hohe Qualitätsstufen nicht erreichen. Mit Primefire 106 bieten wir nachweislich beides in einem, wie es sich nachweislich in der Pilot-Phase beweist. Wir setzen damit hohe Maßstäbe für dependable  high quality performance, die in unseren Zielmärkten Packaging und Converting erforderlich und unabdingbar ist.

Der erste Kunde für die Primefire-Pilot-Phase ist der global agierende Konzern MPS Multi Packaging Solutions, mit Headquarter in New York City und seinem Produktionsstandort in Obersulm bei Stuttgart. Was gab den Ausschlag zur Zusammenarbeit?

Montserrat Peidro-Insa: Die exzellenten Produktspezifikationen sowie exzellente Features und v. a. unser Leistungsversprechen überzeugten, da alles die Vorstellungen und hohen Anforderungen bei MPS exakt trifft. Zudem verbindet beide Unternehmen eine langjährige Zusammenarbeit, da Heidelberg Hauptlieferant bei Offsetdrucktechnik ist und für den Offsetdruck bereits einige Pilot-Projekte erfolgreich durchgeführt wurden. Meine Kollegen haben einen brillanten Job gemacht, was über Jahre hohes gegenseitiges Vertrauen auf vielen Ebenen aufgebaut hat. Das überträgt sich jetzt nahtlos auf den Digitaldruck, mit dem großen Zusatzplus, das wir mit Fujifilm nicht nur einen Premium-Lieferanten für Inkjet-Druckköpfe haben, sondern Fujifilm sich als Entwicklungspartner mit Know-how und Manpower aktiv einbringt, um das Beste aus ihrer Technologie im Kontext mit unserem Maschinen- und Produktionskonzept rauszuholen. Das ist einzigartig. Hinzukommt unser Industrie-weit führendes Service-Netzwerk, mit Teams, die im Bedarfsfall schnell ‚remote‘ oder vor Ort helfen. Alle diese Punkte wurden übrigens bei unserem Primefire-Kundenevent Ende Januar 2017 von über 40 Firmen geschätzt und anerkannt.

Premiere der Heidelberg Primefire 106 als Highlight im Digitaldruck auf der drupa 2016. — Life-Video: Heidelberger Druckmaschinen, Juni 2016.

Im Kontext mit Primefire 106  wurde auf der drupa 2016 betont, dass für den Erfolg das Go-to-Market und neue Geschäftsmodelle entscheidend sein werden. Was ist zu beachten respektive was sind ggf. neue Herausforderungen?

Montserrat Peidro-Insa: Heidelberg ist — das wird auch vom Wettbewerb anerkannt — renommiert für seine exzellente Kundenbeziehungen und -treue. Eine gute Kundenbindung entsteht, wenn sich der Vertrieb wie auch der Service bestmöglich mit dem Kunden identifizieren, stets Präsenz zeigen und in den Kundenalltag integriert werden. Da dies seit langem der Fall ist, müssen wir beim Go-to-Market für Primefire das Rad nicht erst neu erfinden. Wir greifen auf Bewährtes und fest etablierte Strukturen im Account-Management zurück, die von unseren Kunden geschätzt werden…

… und wie verhält sich das bei Geschäftsmodellen?

Montserrat Peidro-Insa: Bei Geschäftsmodellen müssen wir umdenken, denn im industriellen Druck mit Inkjet-Technologie ist entscheidend wichtig: Unser Kunde muss jederzeit genau wissen, wofür er zahlt. Die im Digitaldruck gängigen ‚Clickcharge‘-Abrechnungmodelle funktionieren bei einer Vielzahl von Anwendungen, die sich aus der Summe vieler Einzeljobs oft mit kleinen Auflagen generieren. Die Klickkosten bestehen aus einem Fixum plus variablen Kosten und dürfen dabei maximal 20 % der Gesamt-Produktionskosten ausmachen, sonst wird es unrentabel…

… und das heisst konkret bezogen auf Primefire 106?

Montserrat Peidro-Insa: Bei hochvolumigen Produktionen mit Primefire 106 im Mehrschichtenmodus unter industriellen Fertigungsbedingungen braucht es in jedem Fall einen anderen Ansatz, gerade im Verpackungsdruck. Es muss vor Auftragsbeginn eine umfassende Kostentransparenz bestehen — über sämtliche Prozessschritte hinweg. Wir nennen das „Pay for what you consume“-Modell und haben neue Vertragsformen entwickelt, die neben Maschinen-Kaufpreisen per Vertrag alle Aspekte der Instandhaltung der Inkjet-Druckköpfe und sonstiger Inkjet-Druck-Produktionsfaktoren wie die Tinte umfasst. Damit bieten wir ein ökonomisch relevantes, für Verpackungsdruckereien zugeschnittenes Modell, das ein wichtiger Teil unseres Leistungsversprechens darstellt und das aus meiner Sicht zur Zeit kein anderer Hersteller bieten kann.

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Funktionsbereiche der Primefire 106: 1. Anleger 2. Conditioning-Werk 3. Jetring-Werk 4. Trocknersystem 5. Lackierwerk 6. Prinect Digital Center Inline mit Perfect Stack-Technologie. Foto: Heidelberger Druckmaschinen AG

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Nicht nur technisch, sondern auch ästhetisch ein Glanzstück. — Foto: Heidelberger Druckmaschinen AG

Wie wirkt sich dieser neue Geschäftsmodellansatz in der Praxis aus? Das Primefire-Konzept verändert ja auch die Art und Weise, wie Heidelberg-Kunden ihr Geschäft angehen können.

Montserrat Peidro-Insa: In der Tat, die Digitalisierung im Print ändert die Art und Weise des Geschäfts über viele Bereiche hinweg. Druckereien müssen abwägen, ob sie Primefire-Systeme in den bestehenden Betrieb integrieren oder in eine eigene Abteilung/Firma ausgliedern. Es gibt ganz verschiedene Möglichkeiten, wie man sein ‚Digital Business‘ ausrichten und organisieren möchte. Von der anwendungsbezogenen, technischen Seite oder den Prozessabläufen können wir alles flexibel unterstützen.

Haben Sie schon Feedback von Seiten der Kunden Ihrer Kunden, also Marken, die Verpackungen einsetzen?

Montserrat Peidro-Insa: Seit der drupa 2016 bekommen wir Feedback seitens der Auftraggeber für Verpackungen über unsere Kunden. Das Wichtigste ist, dass Digitaldruck-Lösungen hundertprozentig verlässlich sein müssen, da die Anforderungen extrem hoch sind. Markeninhaber respektive Print Buyer, die von der Primefire Technologie Kenntnis erhalten, gehen sofort aktiv auf unsere Kunden zu, um die Vorteil möglichst schnell für sich nutzen zu können. Dies ist insbesondere das Time-to-Market-Momentum am Point-of-Sale, um anspruchsvolle Produkte einfacher und schneller verkaufen zu können.

Und: Unsere Kunden erhalten zudem die Chance, nicht nur gemäß Kundenvorgaben Aufträge zu produzieren, sondern auf Basis der neuen Möglichkeiten der Primefire mit ihren Ideen aktiv auf ihre Kunden/Interessenten zuzugehen. Diese neue Form der Kreativität ist ausdrücklich erwünscht, um Marketingaktivitäten relevanter zu gestalten bzw. neue Zielgruppen besser zu erreichen! — Nebenbei, dieser Umstand hat dazu geführt, das unser Primefire-Pilotkunde MPS bereits seit Anfang Februar 2017 für Markenkunden aus dem Beauty-Bereich  echte Produktionen fährt – und nicht nur Testjobs quasi zur Bemusterung neuer Anwendungen. Diese schnelle Adaption neuer Print-Techniken beschleunigt die Transformation ganz erheblich.

Aus jetziger Sicht: Trifft der Erfolg der Pilot-Phase ihre Erwartungen?

Montserrat Peidro-Insa: Definitiv. Ohne dass ich konkret Zahlen nennen darf, die Anfragen sind enorm. Vor allem auch, weil Primefire 106 als Plattform ausgelegt ist, die Upgrade-fähig ist und daher in der Vorausschau bis zu zehn Jahre Produktionseinsatz bieten kann.

Können Sie zum Abschluss einen Ausblick geben, wie sich dieser Plattform-Ansatz mit Primefire 106 entwickeln wird?

Montserrat Peidro-Insa: Wir halten, was wir versprechen: Die nachhaltig industrielle Fertigung mit Digitaldruck auf Premiumniveau! An unserer Primefire Technologie wird in den nächsten Jahren kaum ein Änderungsbedarf entstehen, was Qualität, Druckkopftechnik und Druckbildauflösung angeht. Denkbar ist aber, den Durchsatz zu steigern, mit mehr Druckbogen pro Stunde. In den nächsten Jahren werden sicher neue Anwendungsbereiche hinzukommen. Zudem geplant werden spezifische Lösungen, wie z. B. für den Pharma-Bereich. Hierzu gehören auch neue Möglichkeiten im sog. Digital Finishing, z. B. mit Inline-Verarbeitung. Ganz wichtig ist aber festzuhalten: Erweiterungen der Primefire-Systeme können aufgrund unserer Plattform-Konzeption bei bestehenden Installationen auf absehbare Zeit vorgenommen werden. Damit sind Investitionen sicher und nachhaltig wirksam.

Besten Dank für das informative Gespräch. Mir scheint: Heidelberg hat dem industriellen Digitaldruck zum Durchbruch verholfen!


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Montserrat Peidro-Insa ist die neue Powerfrau im Digitalteam von Heidelberg. — Foto: Heidelberger Druckmaschinen AG

Zur Person

Montserrat Peidro-Insa ist die neue Powerfrau im Digitalteam von Heidelberg. Sie kam in Frühjahr 2016 gerade noch rechtzeitig vor der drupa zu Heidelberg. Die ehemalige HP Managerin hat viele Jahre Erfahrung in der Markteinführung von professionellen Digitaldrucksystemen. Davon möchte auch Heidelberg profitieren. Sie ergänzt daher das Team von Jason Oliver und ist jetzt Leiterin Digital Sales und General Manager Digital Sheetfed bei Heidelberg. Sie wird sich zusammen mit ihren Mitarbeitern um die Markteinführung der Heidelberg Primefire 106 kümmern.


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Von Andreas Weber | ENGLISH version

Mein Kommentar: Dies war wohl die wichtigste, weil ertragreichste Veranstaltung (mit der Wirtschaftspresse) im Umfeld einer drupa. Klar, es wurden Marktzahlen genannt. Aber nur als Leitlinie und als Beleg dafür, dass Print ein Wachstumsmarkt ist. Vielmehr wurde erstmals aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, wie sich das erfolgreiche Geschäft mit Print gewandelt hat. Einiges kommt sicher schon bekannt vor. Wichtig war aber, im Vorfeld der drupa 2016, die ein so weites Themen- und Ausstellungs-Spektrum wie nie zuvor abdecken muss, den Kontext anschaulich herzustellen, worum es tatsächlich geht. Und es war aufschlussreich zu beobachten, wie ernsthaft alle Protagonisten (in diesem Fall die wichtigsten „Macher“) der drupa als globale Leitmesse hinter dem stehen, was sie sagen und propagieren.

Keine Frage: Die Printwelt ist nicht mehr, was sie einmal war. Die Zeit des Jammern ist aber vorbei. Der Reset-Button ist gedrückt. Wer aber weiterhin glaubt, den Geschäftserfolg mit dem Kauf von neuen Maschinen abzusichern, läuft in die Irre und wird scheitern. Ganzheitliches Denken, über den Tellerrand hinaus, die umfassende Kenntnis und das souveräne Beherrschen sämtlicher Prozessschritte, der Automatisierung und das richtige, vorurteilsfreie Deuten der Digitalisierung im Kontext mit den fulminant geänderten Anforderungen an die Printbranche wird zum Erfolgsrezept.

Worauf es im Zusammenhang mit „Digitalisierung“ ankommt, hat im für mich persönlich wichtigsten Redebeitrag Dr. Gerold Linzbach vorgetragen. Auszug: „Wir sind den entscheidenden Schritt gegangen von der Technik-Orientierung hin zur Kunden-Orientierung. (…) Über allem steht der Kundennutzen. Wir betreiben nicht Technik um der Technik willen.“

Das Ergebnis muss sein: „Bestmöglicher Nutzen für unsere Kunden und letztlich für das, was die Branche weiter bringt.“

Willkommen im „Haus des Buches“

Mein Bericht: Zeitpunkt und Ort für das exklusive pre-drupa-Wirtschaftspressegespräch waren klug gewählt: Man traf sich am 4. April 2016 in Haus des Buches im Herzen der Finanzmetropole Frankfurt am Main. Die Themen: Marktbetrachtung, Packaging, Print 4.0, Digitalisierung — Der Gastgeber, Dr. Markus Heering, Geschäftsführer des Fachverbands Druck- und Papiertechnik im VDMA, konnte optimistisch auftrumpfen: „Print ist eine Branche mit Zukunft.“ Druckerzeugnisse seien in unserem Alltag mehr denn je allgegenwärtig und in der Brandbreite vielfältiger denn je. Messe Düsseldorf-Chef Werner Matthias Dornscheidt zeigte sich in seinen kurzen Grussworten zuversichtlich, die bestens vorbereitete drupa 2016 eine vollen Erfolg werden zu lassen, abgerundet durch attraktive Specials wie den drupa cube mit einem exzellenten Rahmenprogramm.

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Werner Matthias Dornscheidt, Messe Düsseldorf, und Dr. Markus Heering, Fachverband Druck- und Papiertechnik im VDMA. Foto: Andreas Weber

Dynamisches Wachstum auf breiter Front

„Aktuell spielt uns der globale Trend zu Flexibilisierung und Automatisierung in die Karten. Wie kaum ein Zweig im Maschinenbau hat der deutsche Druck- und Papiermaschinenbau Industrie 4.0 in die Realität umgesetzt“, sagte Dr. Heering weiter. Industrie 4.0 stehe Print 4.0 zur Seite, und wir könnten jetzt schon erleben, in welchem Maß Druckereien ihre Produktivität und Flexibilität durch voll vernetzte digitale Arbeitsprozesse steigern können. Gegenüber dem Vorjahr stieg 2015 der Auftragseingang für Druck- und Papiertechnik um 10 Prozent. Hersteller von Druckmaschinen erzielten ein Auftragsplus von 9 Prozent bei leicht rückläufigen Umsätzen vor allem im Inland; bei den Herstellern von Weiterverarbeitungsmaschinen stieg das Auftragsplus sogar um 21 Prozent. Dr. Heering erläuterte: „Dass Weiterverarbeitungstechnik gefragt ist, wie lange nicht mehr, zeigen auch die Umsatzzahlen. Der Inlandsumsatz stieg um 13 Prozent und im Ausland konnten unsere Hersteller ihre Umsätze um 9 Prozent steigern.“ Man könne also mit neuem Schwung auf die drupa 2016 als globale Leitmesse für die Branche zugehen.

Als Visionen und Leitbilder für den Druck- und Papiermaschinenbau kristallisieren sich laut VDMA zentrale Kernelemente heraus: „Vernetzung“ und „Flexibilität“; sowie drei zu bearbeitende Themenfelder:

  1. die flexible Erfüllung von individuellen Kundenbedürfnissen,
  2. die Verschmelzung von Technologien und Funktionen,
  3. Kooperation und Standardisierung von Schnittstellen.

Im Fokus stehe das erklärte Ziel, neue Anwendungsfelder dazu zu gewinnen und Print und Papier dadurch zu stärken.

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drupa-Präsident Claus Bolza-Schünemann, Vorstandsvorsitzender der Koenig & Bauer AG (KBA). Foto: Andreas Weber

Verpackungsdruck als Motor für Druckereigeschäft

drupa-Präsident Claus Bolza-Schünemann, Vorstandsvorsitzender der Koenig & Bauer AG (KBA), rückte den Verpackungssektor als Wachstumstreiber nach vorne, wobei die klassischen Drucktechniken hier führend und vorläufig unverzichtbar seien, der Digitaldruck aber neue Nutzungsmöglichkeiten einbringe: „Gemeinsam decken Flexo- und Offsetdruck aktuell rund zwei Drittel des von Smithers PIRA im für 2015 auf rund 415 Mrd. US$ bezifferten internationalen Verpackungsdruckmarktes ab. Der Anteil des Digitaldrucks ist mit ca. drei Prozent noch relativ klein, also genug Raum für Wachstum.“ Auf hohem Niveau wachse der Verpackungsmarkt für Druckereien jährlich um vier bis fünf Prozent.

Bolza-Schünemann betonte, das Gesamtvolumen, das mit Print weltweit erzielt werde, sei so hoch, wie man es sich kaum vorstellen könne: Von derzeit knapp über 900 Mrd. US$ sollen laut Prognosen die Umsätze bis fast eine Billion US$ im Jahre 2018 ansteigen. Und der drupa-Präsident ergänzte: „Wie stark sich die Druckwelt in Richtung Verpackung verschoben hat, mögen Sie daran sehen, dass KBA vor 10 Jahren noch gut 60 Prozent des Konzernumsatzes in medienorientierten Printmärkten erzielt hat und nur etwa 20 Prozent im Verpackungsdruck. Heute liegt der Verpackungsanteil nicht ganz ungewollt über 60 Prozent und der Publikationsdruck bei gut 10 Prozent“. Neben den hochwertig gestaltet und produzierten Umverpackungen rücken auch Umverpackungen in den Fokus. Bolza-Schünemann erwartet, dass die heute im eCommerce üblichen braunen Umverpackungen aus Wellpappe zunehmend farbiger werden. Der hochleistungsfähige Inkjet-Rotationsdruck sei daher bestens für den Wellpappenmarkt geeignet.

 

Meine Zwischenbemerkung:

Globale Umsatzzahlen klingen immer gut. Und die Aussicht, bald 1.000 Milliarden US$ mit der Herstellung von Printmedien zu erzielen, beeindruckt. Ist aber gleichzeitig auch sehr abstrakt. Zwar haben im Nachgang zum VDMA-Wirtschaftspresseevent z. B. die F.A.Z. dies aufgegriffen („Lebenszeichen aus einer bedruckten Welt”, Ausgabe 5. April 2016, Seite 18), und bestätigt, dass Print ein Wachstumsmarkt ist; auch durch den Hinweis, die Print-Branche setze mehr um als die Automobilbranche. Doch was sagt uns das? Zudem sind diese Zahlen schon seit fast 15 Jahren bekannt. manroland AG hatte diese als Grundlage ihrer Marktforschung definiert. Genutzt hat es den Augsburgern wenig, sie gingen in Konkurs. — Viel spannender erscheint mir die Frage (die nicht einfach zu beantworten ist): Welchen Anteil haben Printmedien an der Steigerung der Gesamtperformance der Gesamtwirtschaft? Wenn jetzt Verpackungen als Wachstumstreiber der Printbranche genannt werden, dann ist klar, dass alle Unternehmen, die „non-digitale“ Produkte, die verpackt werden müssen, verkaufen wollen, zu 100 Prozent auf Print setzen müssen. Das ist ein klares und einleuchtendes Statement. Oder? Im übrigen hat der Imaging-Konzern Canon — seit vielen Jahren bekannt für exzellente Fachstudien rund um Print und Multichannel — schlüssige Schaubilder entwickelt, die sich bestens für Vorträge eignen. Darin wird die Bedeutung von Print noch klarer!

Quelle: Canon Europa

 

 

Folgende Gründe für das starke, nachhaltige Wachstum bei Verpackungen führte drupa-Präsident Bolza-Schünemann an:

  1. Bedruckte Verpackungen haben für ihren Inhalt eine Schutz-, Konservierungs-, Werbe- und zunehmend auch eine Kommunikationsfunktion. Denken Sie hier nur an das Thema Verbraucherschutz mit entsprechenden Hinweisen auf der Verpackung.
  2. Verpackungen können nicht durch Flatscreens oder Smartphones ersetzt werden. Anders als gedruckte Zeitungen oder Kataloge sind sie nicht vom veränderten Medienverhalten betroffen, sondern profitieren eher davon.
  3. Die Weltbevölkerung und der internationale Wohlstand wachsen. In Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien wächst die kaufkräftige Mittelschicht. Mit dem Wohlstand wächst der Konsum und wo mehr konsumiert wird, wird mehr verpackt und bedruckt, zumal auch in Schwellenländern Shopping Malls aus dem Boden schießen.
  4. Verpackungen werden immer raffinierter und edler. Nur so finden sie am Point of Sale die nötige Aufmerksamkeit. Dieser Trend bringt mehr Wertschöpfung für die Druckbranche und aufwendiger ausgestattete Maschinen für die Lieferindustrie.
  5. Mehr Single-Haushalte mit einer Vorliebe für Fertiggerichte und der boomende Online-Versandhandel sind ebenfalls Wachstumstreiber.

Zu ergänzen ist: Der Einfluss von Multichannel-Lösungen und „Augmented Reality“ in Verbindung mit Individualisierung, die jede Art von Verpackung zum Startpunkt neuer Kontakt- und Dialogmöglichkeiten mit dem Käufer machen, stellen ein ungeheures Potential für Markenunternehmen dar. (Siehe dazu den ValueDialog mit dem Multichannel-Entwickler Jacob Aizikowitz).

 

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Kai Büntemeyer, Vorsitzender VDMA Druck- und Papiertechnik sowie Geschäftsführender Gesellschafter von Kolbus GmbH & Co KG. Foto: Andreas Weber

 

Alternativlos: Digitale Vernetzung der gesamten Wertschöpfungsprozesse

Der Unternehmer Kai Büntemeyer, Vorsitzender VDMA Druck- und Papiertechnik sowie Geschäftsführender Gesellschafter von Kolbus GmbH & Co KG, räumte mit dem Vorurteil auf, die Weiterverarbeitung sei mehr oder weniger der Appendix bei der Printmedien-Herstellung. Er warnte davor, sich unbedacht von Kaufangeboten attraktiver neuer Druckmaschinen verführen zu lassen, ohne die Gesamtprozesskette zu überblicken und alle Möglichkeiten der Vernetzung innerhalb und ausserhalb des Druckereibetriebs zu bewerten. „Eine von Interoperabilität, offenen Systemen und harmonisierten Schnittstellen geprägte Prozesswelt“, sei unerlässlich, so Büntemeyer. So habe sein Unternehmen die Schnittstellen-Syntax zum kostenlosen Herunterladen im Internet bereitgestellt, „denn die Geschwindigkeit der Evolutionsprozesse, die wir mit dem Begriff Print 4.0 umschreiben, steht und fällt mit der Transparenz seiner Akteure.“

Wichtig sei im Fall der Druck- und Papierbranche die Abgrenzung zwischen der Digitalisierung auf der einen Seite und dem Digitaldruck auf der anderen. „Digitaler Inkjet-Druck ist nur ein weiteres Verfahren, das es wie herkömmliche Offset-, Flexo- oder Tiefdruckverfahren in die digitalisierten Prozessketten zu integrieren gilt. Wobei der Druckprozess ein kleiner Ausschnitt der Gesamtkette ist.“

Die Gesamtprozesskette beginnt laut Büntemeyer wie folgt:

  • mit dem Empfang digitaler Auftragsdaten;
  • geht mit softwaregestützter Auftragsplanung zu optimierten Auslastung der Maschinen bei minimalen Rüstzeiten weiter;
  • umfasst Einkauf, Personalplanung;
  • und natürlich sämtliche Prozessschritte in Vorstufe und Weiterverarbeitung;
  • und sie endet erst mit der automatisierten Verpackung, Adressierung und dem Versand der Druckerzeugnisse.

All dies sei zwar schon länger bekannt, könne aber erst mit heutiger, leistungsfähiger Technologie gelöst werden, da erst seit neuestem Prozessorleistungen, Echtzeitkommunikations- und Big-Data-Softwarelösungen ihre marktgerechte Umsetzung erlauben würden.

Im Detail entwickelt Büntemeyer folgendes Szenario, das die Weiterverarbeitung in ein ganz neues Licht rückt: „Sensorische Inline-Überwachung gewährleistet gleichbleibend hohe Qualität. Doch die dabei erhobenen Daten können Mehrwerte erschließen: Mit Zustandsüberwachung der Maschinen können Reparaturen präventiv durchgeführt werden. Ausfallzeiten werden so planbar. Und so manche Störung können Servicespezialisten aus der Ferne beheben. Die erhobenen Daten werden in modernen Druckanlagen zudem auch für anonymisierte Benchmark-Vergleiche genutzt. Anwender können ihre Performance und Produktivität mit den Werten anderer Nutzer derselben Anlagen vergleichen.“

Klar ist für Büntemeyer aber auch: Die Branche hängt in ihrer Ausstattung auf breiter Front diesen Möglichkeiten nach — um mindestens 10 bis 15 Jahre, in denen man zu wenig prozess- respektive lösungsorientiert dachte und angemessen investierte. Zudem empfiehlt sich sogar die Vernetzung von Druckereien untereinander.

 

Meine Zwischenbemerkung:

Gut, dass dies mal klargestellt wurde. Denn letztlich, so meine Schlussfolgerung, geht es heute nicht mehr um Optimierungen im Detail und die Pflege eines überkommenen Silo-Denkens, sondern um neue, mitunter disruptive, ganzheitliche, automatisierte Geschäftsprozesse und die entsprechende Neu-Ausrichtung der Geschäftsmodelle. (Hinweis: Auf dem 4. Online Print Symposium, das am 17. und 18. März 2015 in München stattfand, war zu sehen, wie weit dies schon bei den extrem erfolgreichen Online-Druckereien wie u.a. Onlineprinters, Flyeralarm, United Print oder CIMPRESS vorangeschritten ist (siehe den Beitrag „Zippers Insights: Bericht vom 4. Online Print Symposium“) .

 

 


Dr. Gerold Linzbach, Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen AG hat Heidelberg neu ausgerichtet und auf Kunden-Orientierung getrimmt. Video: Andreas Weber

 

„Digitalisierung ist nicht gleich Digitaldruck!“

Die neue Rolle des Branchenprimus Heidelberger Druckmaschinen AG brachte der Vorstandsvorsitzende Dr. Gerold Linzbach im Nachgang zu seinem Statement beim VDMA-Presseevent auf den Punkt: „Wir sind den entscheidenden Schritt gegangen von der Technik-Orientierung hin zur Kunden-Orientierung.“ Dazu sei es ausschlagend, Digitalisierung wie andere Begriffe auch, nicht als „Buzz“-Wort zu nutzen, das alle im Mund führen ohne im Kern die Bedeutung zu wissen oder einheitlich abzustimmen.

Im Gespräch mit Kunden und vielen Marktpartnern wurden laut Dr. Linzbach bei Heidelberg drei Wesenselemente oder Ebenen der Digitalsierung für den Print-Markt festgeschrieben. Mit dem Ergebnis, dass Digitalisierung richtig verstanden, die Automatisierung und Flexibilisierung von Print möglich macht und somit den Anschluss an das Digitalzeitalter sicher stellt.

Zum ersten die  „Vernetzung“ im Sinne der automatischen Weitergabe von Maschinendaten (für den Druck und die nach gelagerte Weiterverarbeitung) untereinander mit adäquaten Schnittstellen, um für Menschen alle Prozessschritte transparent zu machen. Gerade in der heutigen Zeit, bei der die Fragmentierung der Auftragsbücher den Takt vorgibt, ist Automatisierung durch Vernetzung unabdingbar. Heidelberg-Kunden könnten nur so u.a. bis zu 3.000 und mehr Aufträge pro Tag meistern. Gerade auch der Erfolg in der reibungslosen Einbindung von Digitaldrucksystemen via PrintShop-Netzwerk zahle sich aus. In kurzer Zeit habe der Heidelberg-Vertrieb dadurch 1.000 OEM-Digitaldrucksysteme von Ricoh erfolgreich bei Druckereien platzieren können.

Dem Kunden, der Druckerei, werde automatisch abgenommen, zu entscheiden, wie nach Eingang der Auftragsdaten optimal produziert werde könne, ob im Offset- oder Digitaldruck. Es geht also nach Dr. Linzbach um die nahtlose Integration aller Produktionsmittel, die eine Druckerei einsetzen muss, zur Minimierung des Datenhandling-Aufwandes. Beim Online-Printing ist dies bereits Standard und werde sich auf alle Bereiche der Druckbranche ausdehnen. Dies ist auch notwenig, wenn wie im Verpackungsbereich der Dokumentationsaufwand enorm ansteige, um nachzuweisen, dass zum Beispiel Lebensmittel den Vorschriften gemäß verpackt wurden.

 

 

Zum Zweiten die Variabilisierung von Print, sprich die Personalisierung, Individualisierung im Sinne des häufigen Wechsels der Druckinhalte bei gleichzeitiger hoher Vielfalt der Substrate/Bedruckstoffe — naturgemäß eine Stärke digitaler Druckverfahren. Heidelberg habe dazu für die drupa 2016 ein ganzes Bündel von Digitaldrucklösungen konfiguriert und entwickelt. Hier verlagert sich sogar der Ort, an dem gedruckt wird, wie zum Beispiel das Bedrucken der individuell vom Endkunden gestalteten Müsli-Packungen vor Ort im Laden von mymuelsi.com.

Konnektivität spielt eine wichtige Rolle. Laut Dr. Linzbach darf man dabei nicht allein darauf vertrauen, Druckmaschinen mit tausenden Sensoren auszustatten, die ermöglichen, im Sekundentakt Daten auszulesen, die dann in riesigen Mengen abgespeichert werden. Für einen verantwortungsbewussten Technologiehersteller wie Heidelberg sei die Maßgabe, den Übergang von Big Data zu Smart Data zu gestalten. Sprich: Über die primär verwendungsneutralen Daten muss ein Filter gelegt werden, der aus der Masse an Auftragsdaten, Kundendaten und Applikationsdaten nur das wichtigste selektiert, also genau das, was wirklich relevant ist. Dies muss automatisch erfolgen können. Damit dies nicht zu theoretisch klingt, führte Dr. Linzbach ein Beispiel auf: Heidelberg werde eine E-Commerce-Plattform aufbauen, bei der die Kunden automatisch Hinweise bekommen, wenn zum Beispiel eine Materialbestellung des Kunden gar nicht zu dem bei ihm installierten Equipment passt. Das Ziel muss sein, Aufwand und vor allem auch Fehler zu vermeiden, soweit zu entlasten, dass sich der Kunde auf seine Kerntätigkeiten konzentrieren kann.

Dr. Linzbach stellt in Aussicht, dass alsbald selbst die kompliziertesten Technologien höchst einfach, quasi per Knopfdruck, zu bedienen sein werden. Gerade so, wie Konsumenten dies von ihren Smartphones und Tablets her kennen, die nahezu selbsterklärlich funktionieren und exakt die Ergebnisse liefern, die man sich wünscht, ohne jede einzelne technische Funktion überhaupt kennen zu müssen.

Nur so kann sichergestellt werden, dass Kunden aus dem Druckereisektor ihren eigentlichen Aufgaben nachgehen können. Laut Dr. Linzbach ist die Kernaufgabe eines Druckereiunternehmers nicht die „perfekte Druckqualität“ — das muss der Technikhersteller garantieren — sondern v. a.  Aufträge und hohe Auftragsvolumen zu managen, Marketing zu machen und Kundenkontakte zu pflegen.

Und damit ist die dritte Facette der Digitalisierung auf den Punkt gebracht: Sozusagen das „Reduce to the max“, die Verblendung von dem was heute technisch möglich ist durch geeignete Filter, die aus Kunden- und Anwendungskenntnis kommen, um das im Vordergrund zu halten, was tatsächlich relevant ist, um aus Daten zielführende Informationen werden zu lassen.

Das Fazit von Dr. Gerold Linzbach: „Über allem steht der Kundennutzen. Wir betreiben nicht Technik um der Technik willen, wir bauen nicht einfach nur ein, was technisch maximal möglich ist; sondern wir versuchen jederzeit das zu verblenden mit dem bestmöglichen Nutzen für unsere Kunden und letztlich für das, was die Branche weiter bringt.“

 

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HINWEIS: ValuePublishing berichtet umfassend und konstruktiv-kritisch über die wichtigen und v. a. relevanten pre-drupa-Geschehnisse. Siehe vor allem:

“drupa ante portas: Das Top-Thema für 2016 — Print im Kommunikationsmix!”

drupa ante portas: Ist Print (wieder) auf der Überholspur? JAEIN. 

 

Die Wirtschaftspresse hat die “good news” zur drupa 2016 und der Printbranche 4.0 sehr gut aufgenommen. Hier die Clippings einiger Berichte.

 

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