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SKANDAL: Jeder macht was er kann, keiner was er soll!

Value Talk by Andreas Weber @ Ink Jet Day Event 20052014 FINAL.007

 

Ein bewusst „böser“ Kommentar von Andreas Weber,
Sprecher DigitaldruckForum, Mainz

 

Das ultimative Manager-Motto scheint zu sein:
“Man kombiniert etwas, was nicht funktioniert, mit etwas, was nicht stimmt.”

 

Zwei interessante Wochen liegen hinter uns: Interpack 2014 in Düsseldorf, Online Print Symposium 2014 und Fespa Digital in München sowie vor allem die Swiss Publishing Days in Winterthur mit dem Thema „Inkjet macht Druck“.

 

So beeindruckend die Vielfalt der gebotenen Informationen ist, so ernüchternd ist die Erkenntnis, das das größte Übel die sind, die sich als Marktführer und Brancheninnovatoren selbst beweihräuchern und die von ihnen verschandelte Realität ignorieren.

 

Hoch bezahlte Manager aus der Digitaldrucktechnik-Herstellerindustrie bringen ihre Botschaft nicht rüber (von wenigen Ausnahmen abgesehen, lieber François Martin!). Ihr Fach- und Branchenwissen ist lausig. Ihre Vortragsfähigkeiten sind grauenhaft. Null Empathie, null Emotion, aber dafür viel Hybris. Sie kommen zu solchen Events wie Gladiatoren, treten selbstbewusst auf, verbreiten Blödsinn. Und sind gleich wieder beim jeweiligen Event verschwunden, ohne mitzubekommen, was sich in ihrem Markt tatsächlich tut. Selbst Mitarbeitern, vor allem aus dem Vertrieb derselben Hersteller, ist so etwas mehr als peinlich! Und mindert den Erfolg dramatisch!

 

Was ist nur los? 

 

Nach über 20 Jahren sog. Innovation der Print- und Publishing-Branchen tun die meisten nur, was sie können, aber nicht mehr was sie tun sollten. Digitaldruck spielt nach wie vor im Profi-Print-Markt nur eine marginale Rolle (gemessen an Print-Output und Umsatzvolumen). Der Kardinalsfehler: Die neuen Print-Technologien werden in Konkurrenz zu den klassischen Verfahren gesetzt. Statt zu zeigen, dass Print wichtiger Bestandteil einer digitalen Kommunikationskultur sein kann und muss.

 

Manager bei Digitaldrucktechnik-Herstellern, die vor zehn Jahren bei Hersteller-Firma X grosse Fehler machten (wie z. B. die Bedeutung von Fotobüchern als Wachstumsmarkt zu verleugnen), sind heute bei Firma Y in neuen Top-Entscheider-Positionen. Und setzen ihr düsteres Schaffen eifrig fort. Selbst wenn die neuen Arbeitgeber am Abgrund stehen und ihre Kunden mit nach unten ziehen. Dieselben Manager, die nicht kommunizieren und präsentieren können, kippen auch die Budgets für PR und Marketing-Kommunikation. Die Folge ist, dass aus der einst hervorragenden Fachkommunikation der Print-Branche ein stupider Push von Pressemeldungen mit Produkt- und Messeneuheiten über alle Kanäle geworden ist, die keiner braucht und die keinen Nutzen bringen. Fachzeitschriften-Verleger wissen, wovon ich rede!

 

Hinzukommt: Marketingabteilungen werden transformiert zu Market & Business Development-Units, die aufgebläht plumpe Verkaufsförderung betreiben und deren Leistung darin besteht, Kundenbeispiele zu sammeln und auf teuren VIP-Events vorzustellen.

 

Stoppt diesen Wahnsinn!

 

Und die meisten Kunden dieser Hersteller, die Druckerei-Unternehmen, lassen sich diesen schädlichen Dilettantismus gefallen. Munter wird gekauft, was als neu und zukunftsträchtig gilt. Man nennt so etwas das Lemminge-Syndrom.

 

Scheinbar wird übersehen, was alles passiert beziehungsweise nicht passiert, und dadurch die Branche nachhaltig schädigt. Die einst so stolzen Drucker werden von Jungspunden aus dem Digitalsektor als Loser belächelt. Das ist skandalös, aber selbstverschuldet.

 

Und gelinde gesagt, ist das heller Wahnsinn. Und muss sofort gestoppt werden, wenn der Schaden nicht noch größer werden sollen. Immerhin reden wir davon, dass im Sog der Technik-Hersteller hunderttausende Druckerei-Betriebe Schaden nehmen. Milliardenverluste in den letzen sechs Jahren, auf globaler Ebene in deutlich zweistelliger Höhe, sind die Folge, ebenso wie Arbeitsplatzverlust und Pleiten. Dies nur auf Strukturveränderungen und Marktveränderungen abzuwälzen, ist Selbstbetrug. Innovative Technik und Marktchancen durch Innovation gibt es zuhauf. Allein die Markt- und Kommunikationskompetenz ist unterentwickelt; ebenso wie die Innovations-Freudigkeit, mit dem Anspruch, die Printwelt nachhaltig zu verändern und neu auszurichten.

 

Fazit: Der Fisch stinkt vom Kopf her. Jagt dilettierende, selbstverliebte Top-Manager zum Teufel. Kehrt zu den Wurzeln zurück, die Print stark gemacht haben: Pionier- und Innovationsgeist, Kompetenz, Zielstrebigkeit sowie Werthaltigkeit. Der „olle“ Gutenberg würde sich freuen. Und last but not least: Formuliert endlich klare Botschaften, Visionen und solide Leistungsversprechen, um das Ruder rumzureisen, bevor der Print-Kahn endgültig kentert.

 

Beste Grüße aus der Gutenberg-Stadt Mainz!

 

Value Talk by Andreas Weber @ Ink Jet Day Event 20052014 FINAL.013

 

Bildcollage von Andreas Weber, unter Verwendung des Gemäldes der Künstlerin Ying Lin-Sill “Gutenberg Memorial 2009”, Öl auf Leinwand.

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11 comments
  1. Michael Seidl said:

    Servus Andreas,

    Ich komme gerade von der Fespa Digital in München. Frage: Dürfte ich Deinen berechtigten Ärger aufnehmen und weiter kommentieren?

    M

    PS: Wir haben ja in A den jüngsten Außenminister Europas. Herrn Kurt. Was ich gut finde ist die Tatsache, dass er seine Unerfahrenheit damit kompensiert, sich Berater zu nehmen, die sich auskennen und auf die er hört.

  2. Kommentar via XING, Gruppe DigitaldruckForum.

    Von Peter Sommer, Elanders Germany, 24.05.2014, 11:21

    “Wow! Endlich bringt das mal jemand auf den Tisch! War überfällig!
    Bravo, Herr Weber”

  3. Kommentar via XING, Gruppe DigitaldruckForum.

    Von Rudolf Schwarm, 24.05.2014, 13:45

    “Respekt Herr Weber,

    Sie haben es erkannt !
    Die Industrie scheint nicht mehr am Boden der Druck-Tatsachen zu stehen, sonst würden die sogenannten neuen Highlights garnicht erst auf dem Markt erscheinen.

    Es geht doch schon lange nicht mehr darum dem Kunden (Druckerei) Neues zu bieten, sondern nur um neue Geräte mit höheren Kosten und keiner fragt, was benötigt der Kunde denn.

    Wenn dann mal eine neue Technik erscheint, wird sie nicht ausgereizt, sondern wie schon lange in der Computerbranche üblich, sofort durch eine neue Neuheit ersetzt,
    ohne daß das Marktvolumen der bisherigen nur ansatzweise erschlossen wurde.

    Ihr Artikel ist ein Highlight!”

  4. Kommentar via E-Mail am 24.05.2014, 11:09h

    Albert Brenner, Digital Transformation Group, Düsseldorf

    “Hallo Andreas,

    ich muss sagen, Dein Kommentar trifft es auf den Kopf. Das was Du beschreibst führt dazu, dass die Guten die Industrie verlassen! Der nächste verlässt Xerox Schweiz: http://www.it-markt.ch/News/2014/03/06/Christophe-Touton-kehrt-Xerox-den-Ruecken.aspx

    Gut, dass Du das so klar und offen gesagt hast. Spannend auch, wie viele Agenturen Ihre „Produktionsleiter“, die in der Geschäftsführung oder Geschäftsleitung tätig sein, ersetzen und diese Aufgabe auf Abteilungsleiter von ihrer Bedeutung herabsetzen.

    Ich fürchte, dass Du Deinen Zwischenruf auf Englisch und auf Japanisch übersetzen musst und in die Konzernzentralen schicken. Das Problem ist nämlich, dass es dort jenseits der Quartalsdenke und Technikorientierung an Strategie mangelt, wie das Hardware- und Softwareangebot Teil von, auf die Landesbedürfnisse zugeschnittener, ganzheitlicher Kommunikationslösungen sein kann, die man seinen Kunden anbietet.

    Es ist ein bisschen wie das kleine Tierchen (Hersteller und Druckdienstleister), das auf die Schlange (eine von den Kundenbedürfnissen und dem Markt getriebene Verlagerung von Kommunikation weg von Print) in Schockstarre schaut, bis sie gefressen werden.

    Viele Grüße aus Düsseldorf,

    Albert”

  5. Kommentar via XING, Gruppe DigitaldruckForum – 24.05.2014, 21:53

    Von Dirk Schmieg

    “Stimme uneingeschränkt zu!”

  6. Kommentar via XING, Gruppe DigitaldruckForum – 25.05.2014, 16:29h

    Alfred Schnitter

    Hallo Herr Weber, ich stimme Ihrem Artikel voll und ganz zu. Es ist aber auch nur ein Artikel. Nur wenn wir selber Anfagen was dagegen zu tun wird sich etwas ändern können. also packen wir es an.

    Alfred Schnitger

  7. Da haben Sie recht. Den Worten müssen Taten folgen, lieber Herr Schnitter.

    Ich wollte aber einfach mal den Anfang machen :-).

    Was nicht thematisiert wird, findet auch nicht statt. Oder?

  8. Kommentar via XING zum Thema Auswirkung von (rigiden) Management-Strategien der Hersteller –
    2605.2014, 8:30h

    [Verfasser will nicht genannt werden]

    “Guten Morgen Herr Weber,

    wir sehen das Dilemma im Moment sehr deutlich im Großformatdruck. In “guten” Zeiten wurde die Produktion hochgefahren um die Stückkosten zu senken, Händler wurden ins Boot geholt, die Vertriebsmannschaft vergrößert, Showrooms wurden eingerichtet, Techniker von anderen abgeworben.

    Dann ist der Markt in gewisser weise gesättigt oder sagen wir anders, der Kuchen scheint verteilt zu sein. Statt dass die Hersteller nun dafür sorgen, neue Kuchen zu backen, versuchen sie immer mehr Esser um den einen Kuchen zu versammeln. Es bleibt nicht aus, für einige fällt zu wenig ab und sie geben auf.

    Aber damit sinkt die Zahl der Abnehmer – oder Stellplätze, wie die Industrie sagt. Da die Produktion aber steht und die Stückzahlen entsprechend den Vorgaben (immer mehr und mehr und mehr) weiter ansteigen, müssen die Preise für die Maschinen sinken. Es geht auf einmal nicht mehr nur um Marge sondern auch um Kostenersparnis, die Läger leer zu machen.

    Es werden faule Verträge gemacht, in dem Wissen, dass wenn diese dann platzen, der verantwortliche Verkäufer (Verkaufsleiter) ja sowieso wegen “guter Ergebnisse” bereits auf einem anderen Posten ist.

    Dieses Verhalten macht es Marktbegleitern, die es ehrlich mit dem Kunden meinen und fair mit den eigenen Mitarbeitern umgehen, so unendlich schwer.

    Ich könnte die Gedanken jetzt noch weiter treiben, aber Sie selbst kennen das Szenario ja schon.

    Viele Grüße nach Mainz!”

  9. Klaus-Peter Nicolay said:

    Hallo Andreas,

    ob das ein Skandal ist, weiß ich nicht. Man hat sich doch längst dran gewöhnt und hört sich das Gefasel erst gar nicht ehr an. Trotzdem hast Du einen Klasse Kommentar geschreiben, der mich dazu animiert, das Thema noch einmal im Druckmarkt anzupacken. Du hörst noch von mir. Was mich aber noch mehr aufgeregt hat, ist das Gefasel von der “Neupositionierung” der drupa. Das kann doch nicht wahr sein, was die da von sich gegeben haben. Die haben die Branche doch jetzt völlig aus den Augen verloren!

    Viele Grüße Nico

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