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Blick in die Druckwerkstatt im Bernardbau. Foto: Thomas Lemnitzer

Oder: Warum wir wieder schwarze Finger brauchen

Wenn man den Bernardbau in Offenbach am Main betritt, wird man nicht von dem üblichen Summen unserer digitalen Geräte begrüßt, sondern von einem Duft. Eine Mischung aus frischer Farbe, Schmieröl und Terpentin – ein Hauch von Nostalgie. In einer Zeit, in der wir meist über die glatten Bildschirme unserer Smartphones streichen, fühlt sich die raue Oberfläche eines Solnhofener Kalksteins oder die Kühle einer metallenen Letter fast wie eine kleine Rebellion an.

Warum erlebt ein Handwerk, das von der Digitalisierung eigentlich schon abgeschrieben wurde, ein Comeback? Das „Hot Printing“ Druck-Festival in Offenbach gibt uns die Antwort: Wir sehnen uns nach etwas Greifbarem. Wir wollen nicht nur zuschauen, sondern die Welt wieder mit unseren Händen erleben.

Weltkarrieren starteten mit Steinplatten (und Mozart)

Dass dieses Festival in Offenbach stattfindet, ist kein Zufall. Die Stadt ist tief mit der Druckgrafik verbunden. Hier wurden Unternehmen wie Manroland zu Weltmarktführern, doch die eigentliche Revolution begann schon viel früher. Alois Senefelder erfand die Lithographie zwar in München, aber erst in Offenbach eroberte sie im 19. Jahrhundert die Welt.

Johann Anton André, ein Verleger mit einem Gespür für das Besondere, erkannte das Potenzial der Steinplatten und erwarb den musikalischen Nachlass von Wolfgang Amadeus Mozart. Mit der neuen Technik konnte er Mozarts Partituren in einer Qualität und Menge vervielfältigen, die es vorher noch nicht gegeben hatte. Man könnte sagen, in Offenbach wurde die „Popkultur“ geboren. André machte Hochkultur für die breite Masse zugänglich und erschwinglich – eine Art Vorläufer der heutigen Indie-Print-Szene und der Risographie-Kultur.

Dieses Erbe ist kein altes Relikt, sondern das Fundament, auf dem moderne Gestalter heute experimentieren, um der Beliebigkeit digitaler Bilder zu entkommen.

„Elisabeth“: Ein fünf Tonnen schwerer Gigant aus Eisen

Mitten in der Druckwerkstatt, wo die Maschinen ratternd arbeiten, steht „Elisabeth“ (als Leihgabe der Internationalen Senefelder Stiftung, die ihren Sitz in Offenbach am Main hat). Elisabeth ist eine motorisierte, speziell angefertigte Flachdruckmaschine von beeindruckender Größe, die den industriellen Geist vergangener Zeiten verkörpert. „Sie wiegt fast fünf Tonnen, so viel wie ein großer Elefant“, beschreibt Werkstattleiter Dominik Gußmann die Maschine mit einem Hauch von Ehrfurcht.

Während „Elisabeth“ für den effizienten, technisch ausgefeilten Druckvorgang steht, erlebt die manuelle Andruckpresse eine kleine Renaissance. Hier zeigt sich der schöne Kontrast zum maschinellen Flachdruck: Der Mensch ist der Taktgeber. Man muss die Kurbel mit etwas Kraft und dem richtigen Rhythmus bedienen – „Ruhig etwas schneller“, sagt Gußmann freundlich, damit das Druckbild schön scharf wird. Erst wenn das mechanische „Klick“ ertönt, ist alles fertig. Es ist eine schöne körperliche Erfahrung, die zeigt, wie ein Bild entsteht.

Experimentelle Alchemie: Von Mainwasser bis Borkenkäfer

Was die Besucher beim Festival begeistert, ist die Abkehr von der sterilen Perfektion. Das „Hot Printing“ – benannt nach einer Serie des experimentellen Druckers Hendrik Nicolaas Werkman – ist ein Spielplatz für Alchemisten. Hier wird die Technik zum Medium des Zufalls.

Stellt euch vor: Künstler sammeln Rückstände direkt vom Main und bannen sie auf Papier – das ist Wasserlithographie! Oder Materialdruck, bei dem Borkenkäfer zerfressene Rindenstücke in faszinierende, organische Druckstöcke verwandeln. Marina Kampka nennt das den „Wundermoment“. In der digitalen Welt können wir ja einfach „Strg+Z“ drücken und Fehler rückgängig machen. Im analogen Druck ist das anders: Ein Fehlgriff ist kein Datenmüll, sondern wird Teil des Kunstwerks. Diese Unvorhersehbarkeit, diese kleine Überraschung, die der digitalen Welt oft fehlt, macht jedes analoge Druckwerk zu einem einzigartigen Unikat.

Warum Handwerk plötzlich wieder „sexy“ ist

Die Sichtweise auf Handarbeit hat sich total gewandelt! Marina Kampka, heute 42, erinnert sich noch gut an ihre Studienzeit in Offenbach, wo Handwerk eher als uncool und altmodisch galt. Heute ist das genau umgekehrt: Wer sich die Hände schmutzig macht, ist voll im Trend. „Man merkt einfach, dass die Leute Handwerk brauchen, weil es immer weniger wird“, erklärt die Künstlerin Ina Hengstler den Wandel.

Hengstler, die für ihre Studien nach Japan und Südkorea gereist ist, bringt eine internationale Perspektive mit nach Offenbach. In Südkorea gibt es zum Beispiel eine lange Tradition des Handsatzes, die schon viel früher begann als bei Gutenberg; in Japan wird das Papierschöpfen und Buchbinden seit Jahrhunderten als Hochkultur gepflegt. Dieses Gefühl für Beständigkeit trifft in Europa auf eine Generation, die von der passiven Bildschirm-Welt genug hat.

Marina Kampka ergänzt: Es sei schön, „selbst etwas zu machen, nicht nur zu konsumieren. Und sich einfach mal die Hände schmutzig zu machen.“

Das bedrohte Erbe: Ein Hilferuf aus Blei

Aber hinter der Begeisterung des Festivals steckt auch ein bisschen Wehmut. Rainer Gerstenberg, mit 79 Jahren der letzte aktive Schriftgießer Deutschlands, steht vor den Trümmern seines Lebenswerks. Seit die Schließung des Darmstädter Hauses der Industriekultur Ende 2023 kam, darf er seine eigene Werkstatt nicht mehr betreten.

Stellt euch vor: Hier schlummern Schätze von unschätzbarem ideellem Wert – historische Maschinen aus der Zeit vor 1900 und über eine Million Matern, also Formen für lateinische, kyrillische und arabische Schriften. Das Ganze hat einen Sachwert von weit über 100.000 Euro! Leider droht diesen Schätzen die Verschrottung, weil das Land Hessen bisher noch keinen Platz für dieses wunderbare Erbe gefunden hat.

Dass das öffentliche Interesse an dieser Tradition riesig ist, zeigt die Tatsache, dass beim letzten Festival in Offenbach rund 2.500 Besucher dabei waren. Dorothee Ader, die Leiterin des Klingspor Museums, setzt sich mit voller Kraft für den Erhalt ein: „Das sind Zeugen eines riesigen Industriezweigs und echtes Kulturgut. Das darf einfach nicht verschwinden!“

Fazit: Die Zukunft ist analoger, als wir dachten! Die Renaissance der Druckkunst ist kein rückwärtsgewandter Kitsch, sondern eher ein Zeichen dafür, dass uns in der digitalen Welt etwas Wichtiges fehlt: die menschliche Wirksamkeit. Die Digitalisierung hat das Analoge nicht ersetzt, sondern vielmehr aufgewertet. Sie hat es vom Zwang der Massenproduktion befreit und zu einer Ausdrucksform für Individualität, Entschleunigung und Nachhaltigkeit gemacht.

Das Festival in Offenbach zeigt, dass die Sehnsucht nach Substanz wirklich generationsübergreifend ist. Wir brauchen die „schwarzen Finger“, um uns selbst in einer Welt zu spüren, die immer flüchtiger wird. Wann habt ihr das letzte Mal etwas mit euren eigenen Händen erschaffen, das man nicht einfach mit einem Klick wieder löschen kann?

Blick in die Druckwerkstatt im Bernardbau. Foto: Thomas Lemnitzer

9. Lithographie Symposium Tidaholm: Eckhard Gehrmann erklärt und demonstriert die ‚Kruck Technik‘ der Steindruckmalerei

Ein Kommentar von Boris Andreas Weber im Namen der Internationalen Senefelder-Stiftung sowie des Förderverein FISS, mit Sitz in Offenbach am Main

The summary in English can be found at the very bottom of the German text.

Stein, Papier, Leidenschaft

Warum eine schwedische Kleinstadt alle vier Jahre durch Senefelders Steindruck zum Nabel der graphischen  Kunstwelt wird

In einer Ära, in der die Halbwertszeit von Bildern in Millisekunden und Algorithmen gemessen wird, wirkt der Prozess fast wie ein anachronistisches Sakrileg: Künstlerinnen und Künstler, die im Jahr 2026 in Summe tonnenschwere Solnhofener Kalksteine schleifen, sie stundenlang mit Fettkreide bearbeiten und chemisch präparieren, nur um einen einzigen Abdruck zu erzeugen. Warum nimmt man diese körperliche Mühsal auf sich? Die Antwort liegt im schwedischen Tidaholm. Alle vier Jahre wird diese beschauliche Kleinstadt während des Internationalen Lithographie-Symposiums zum Zentrum einer globalen Bewegung für Entschleunigung und handwerkliche Tiefe. Vom 28. Juli bis zum 9. August 2026 zelebrierte die 9. Ausgabe dieses Treffens (bestens organisiert von Patrick Wagner) die Lithographie nicht als Museumsstück, sondern als hochaktuelles Medium für zeitgenössische Diskurse.

Foto: Barbara Wilhelmi

Die Vulcan-Insel: Wo Industrie auf Inspiration trifft

Das Epizentrum dieses künstlerischen Ausnahmezustands ist die „Vulcan-Insel“ im Herzen von Tidaholm. Wo einst die industrielle Produktion den Rhythmus vorgab, atmen heute die Druckwerkstätten der Lithographischen Akademie den Geist der Transformation. Es ist ein kuratorisches Statement für sich: Die Umwandlung eines ehemaligen Fabrikareals in ein Zentrum für Grafik symbolisiert die Beständigkeit der Kunst inmitten des industriellen Wandels. Während das benachbarte Marbodal Center in Vorträgen Raum für theoretische Reflexion bot, verwandelte das Symposium die gesamte Stadt in ein begehbares Gesamtkunstwerk. Die Ausstellungen sind dabei nicht auf einen Ort begrenzt, sondern erstrecken sich über drei Galerien im Stadtgebiet, was Tidaholm für zwei Wochen in ein echtes „Art Village“ verwandelt.

Eines der täglichen Highlights, das die Brücke zwischen technischem Erbe und moderner Anwendung schlägt, ist das „Printing on the Schnellpresse“ (Made by Faber&Schleicher in Offenbach/Main) unter der Leitung der Experten Ernst Hanke (1. Senefelder-Preisträger 1984) und Rolf Maas. In einer Welt des „Instant Print“ wird die Arbeit an historischen Maschinen zu einem innovativen Akt des Widerstands. Hier geht es nicht um Nostalgie, sondern um die Wiederentdeckung der Langsamkeit als Qualität. Die Bedienung dieser Kolosse erfordert eine physische Präsenz und eine Sensibilität für das Material, die im Digitalen verloren gegangen ist. Es ist die ‚Renovatio’ einer Technik, die durch ihre Widerständigkeit besticht und dem fertigen Druckkunstwerk eine Aura verleiht, die kein moderner Inkjet-Drucker imitieren kann.

Auf den Spuren von Alois Senefelder: Teilnehmer aus aller Welt beschäftigten sich in Tidaholm auf höchstem Niveau mit dem chemischen Druck durch die bahnbrechende Lithographie-Druckkunst

Das ‚globale Dorf‘ der Steindrucker

Trotz seiner geografischen Abgeschiedenheit ist Tidaholm während des Symposiums ein Schmelztiegel der internationalen Avantgarde. Diese Vielfalt bricht die Isolation des Ateliers auf und schafft ein kollektives Bewusstsein, das in den sozialen Medien unter dem Schlagwort „Litho Love“ weltweit Resonanz findet.

„Ich fühle mich so inspiriert und erfüllt von dieser ‚Litho Love‘ nach einer Woche des intensiven Austauschs … es ist eine fantastische Reise nach Schweden.“ — Danielle Creenaune, Teilnehmerin des Symposiums.

Das Fest der Lithograph*innen: Wenn Steine feiern könnten

Kunst entsteht nicht nur durch den Druck der Presse, sondern durch das soziale Bindegewebe der Gemeinschaft. Die traditionelle Lithographen-Party am Freitagabend, den 31. Juli, markierte den emotionalen Höhepunkt der ersten Symposiumswoche. In dieser informellen Atmosphäre werden jene Netzwerke geknüpft, die die internationale Grafik-Szene über Jahre hinweg tragen. Es ist das Fest einer Community, die verstanden hat, dass der Austausch von Wissen und Leidenschaft ebenso dauerhaft sein muss wie das Bild auf dem Stein.

Fazit: Ein Abdruck, der bleibt

Als am 9. August 2026 die Ausstellungen in den drei Galerien Tidaholms geschlossen wurden, blieb mehr zurück als nur bedrucktes Papier. Tidaholm beweist, dass die Lithographie kein Relikt ist, sondern ein lebendiges Labor für die Zukunft. Die Geduld, die ein Steindrucker aufbringt, ist eine Lektion in Demut gegenüber dem Material und der Zeit.

Vielleicht ist dies die wichtigste Frage, die wir alle aus Tidaholm ableiten können: Was könnten wir über die Qualität unseres eigenen Schaffens lernen, wenn wir der Entstehung unserer Ideen dieselbe Beharrlichkeit und physische Hingabe widmen würden, die Lithograph*innen für einen einzigen perfekten Abdruck aufwendet?

„Es war sehr eindrucksvoll, dass bei den interessanten Tagen in Tidaholm so viele Lithographinnen und Lithographen aus aller Welt in Begeisterung zusammenwirkten, sich austauschten und neue Freundschaften schlossen. Besonders beeindruckt hat mich die Vielfalt von experimentellen und spielerischen Anwendung lithografischer Techniken.“

So lautet auch das Fazit von Prof. Dr. Gerhard Kilger (Vorstandsvorsitzender der Internationalen Senefelder-Stiftung, ISS, mit Sitz in Offenbach am Main), der zusammen mit anderen Vertretern und Freunden der ISS am Symposium im schwedischen Tidaholm teilnahm.

(v.l.n.r.) Gerhard Kilger, Eckhard Gehrmann und Barbara Wilhelmi vom Vorstand der Internationalen Senefelder-Stiftung mit Sitz in Offenbach am Main waren vom 9. Lithographie Symposium im schwedischen Tidaholm hellauf begeistert.

Der Bericht von unserer geschätzten Kollegin Lorena Pradal, Leiterin der Freie Druckgraphik Werkstatt an der HfG Offenbach am Main, und Mitglied in verschiedenen Gremien der Internationalen Senefelder Stiftung / FISS, fasst hervorragend zusammen, was sich in Tidaholm ereignete und welchen Stellenwert eine solche Zusammenkunft hat.

Und im Nachgang nimmt mein ISS Vorstandskollege Eckhard Gehrmann noch Kommentierung und Erläuterungen vor.

Lorena Pradal (links) mit der Künstlerin und Lithographie-Liebhaberin Kiki, die auf Instagram via @printkikiprint fantastische Videoimpressionen aus Tidaholm präsentiert.

Bitte klicken, um sich das Video auf Instagram anzuschauen.


Foto: Lorena Pradal

Tidaholm: Eine globale Lerngemeinschaft rund um dem Stein

9. Internationales Lithographisches Symposium · Tidaholm, Schweden · 2026

Impressionen und Gedanken von Lorena Pradal

Im Mittelpunkt des diesjährigen Internationalen Lithographischen Symposiums in Tidaholm stand ein besonderes Thema: Bildung und Vermittlung. Mehrere Tage lang kamen Künstlerinnen, Druckerinnen, Lehrende, Forschende und Lithograph*innen verschiedener Generationen und aus unterschiedlichen geografischen Kontexten zusammen, um Wissen, Erfahrungen und Fragen rund um eine künstlerische Praxis auszutauschen, die keineswegs statisch ist, sondern sich kontinuierlich weiterentwickelt.

Das Symposium war in zwei miteinander verbundene Bereiche gegliedert. Am Vormittag fanden Vorträge und Präsentationen statt, in denen die Teilnehmer*innen Forschungsprojekte, Erfahrungen oder Aspekte ihrer jeweiligen Praxis vorstellten. Am Nachmittag wurden diese Themen direkt in die Werkstatt übertragen und durch Demonstrationen und praktische Experimente vertieft.

Eine Besonderheit veränderte diese Struktur jedoch grundlegend: Die Werkstatt stand allen Teilnehmer*innen rund um die Uhr zur Verfügung.

Die Werkstatt war damit nicht nur der Ort für die geplanten Demonstrationen. Sie wurde zu einem permanenten Raum für Begegnung, Beobachtung, Gespräch, Experiment und Produktion. Fragen, die während eines Vortrags entstanden waren, konnten Stunden später vor einem Stein weitergeführt werden; eine Demonstration konnte von anderen Teilnehmer*innen erneut aufgegriffen werden; eine Technik konnte beobachtet, diskutiert und anschließend in die eigene Praxis integriert werden.

Das Wissen endete nicht mit dem Ende eines Vortrags.

Lernen unter Gleichberechtigten

Diese Struktur ermöglichte eine Form des Lernens, die sich von ausschließlich vertikalen Vermittlungsmodellen unterscheidet. In der Werkstatt konnte jemand mit großer Erfahrung in einer bestimmten Technik die Rolle der Lehrenden übernehmen – und zugleich selbst zum Lernenden werden, wenn er oder sie mit einer unbekannten Praxis konfrontiert wurde.

Dabei geht es nicht darum, Unterschiede in Erfahrung oder Wissen aufzuheben, sondern darum, sie in Bewegung zu bringen und miteinander zu teilen.

Lernen findet zwischen Generationen und unter Gleichberechtigten statt: durch Beobachten, Fragen, Ausprobieren, Fehler machen, Wiederholen und Teilen. Viele dieser Formen der Wissensvermittlung sind nicht zwingend an institutionelle Strukturen gebunden. Sie entstehen im alltäglichen Leben einer Werkstatt, dort, wo technisches Wissen auf Körper, Materialien und konkrete Probleme der Praxis trifft.

Tidaholm war in diesem Sinne auch eine Erfahrung darüber, wie eine (internationale!) Lerngemeinschaft entstehen kann.

Viele Formen, Lithographie zu lehren, zu erlernen und zu praktizieren

Die Vielfalt der Präsentationen machte deutlich, dass es nicht nur eine einzige Möglichkeit gibt, Lithographie zu lehren oder zu praktizieren.

Per Andersson sprach über die Papiermühle von La Ceiba Gráfica und stellte die Verbindung zwischen Papierherstellung, grafischer Praxis und dem Aufbau von Gemeinschaften rund um technisches Wissen her.

Bemerkenswert: Der Film von Cathrine Alice Liberg aus Oslo sowie die Präsentation „Permeability of the paper“ von Abigail Mirro und Nicole  Kobylanski.

Miriam del Saz präsentierte die Erfahrung von La Nómada Gráfica sowie Arbeiten an der UPV, die sich mit Gemeinschaft und kollaborativen Lernprozessen beschäftigen. Ihre Präsentation öffnete den Blick auf künstlerische Bildung jenseits der Grenzen des Klassenzimmers und jenseits traditioneller Modelle der Wissensvermittlung.

Aus einem anderen geografischen und pädagogischen Kontext berichtete Satoru Itazu über die Lithografie in Japan, ihre Vermittlung an der Universität und über seine eigene Werkstatt, in der er Editionen entwickelt. Seine Präsentation zeigte, wie dieselbe technische Tradition unterschiedliche Formen annehmen kann, wenn sie sich durch verschiedene kulturelle und institutionelle Kontexte bewegt.

Brandon Gunn stellte Bildungsprogramme des Tamarind Institute als weltweit wichtigster Bildungseinrichtung für Lithographie vor, einer wichtigen Referenz für die Vermittlung und Professionalisierung der zeitgenössischen Lithographie. Brandon berichtete auf ganz lockere Art über die neuen didaktischen Angebote von Lithographie-Kursen, die gegenwärtig sehr viele, oft junge Leute begeistern.

Michal Günzburger eröffnete mit dem Projekt Drucken-Denken eine weitere Perspektive auf das Verhältnis von Denken, Praxis und grafischer Produktion.

Simoni Philippou präsentierte ihre Arbeit in ihrer Werkstatt auf Zypern und zeigte, wie sich lithographische Praxis in einem spezifischen geografischen und kulturellen Kontext entwickelt und vermittelt.

Patrycja Podkościelny brachte ihre Erfahrungen aus Grafikdesign und Lithografie ein und zeigte damit ein weiteres Feld des Austauschs: die Begegnung zwischen planographischen Techniken und den Anforderungen und Sprachen des zeitgenössischen Designs.

So unterschiedlich diese Erfahrungen waren, verband sie doch eine gemeinsame Frage:

Ein reichhaltiges Programm mit perfekter Balance zwischen Theorie, Praxis und persönlichem Erleben.

Wie vermitteln wir eine Praxis?

Tradition, Technik und Innovation

Die Demonstrationen und praktischen Erfahrungen vertieften diese Fragestellung.

Michael Barnes zeigte eine Demonstration zur Manier Noir-Technik und brachte damit ein Verfahren aus der Geschichte der Druckgraphik in den Dialog mit anderen graphischen Praktiken.

Eckhard Gehrmann präsentierte eine Demonstration zur Kruck Lithographie und machte dabei die unmittelbare Demonstration als eine wesentliche Form der Weitergabe technischen Wissens erfahrbar. (Hinweis: Christian Kruck gilt als bedeutendster Lithographie-Künstler und Lehrmeister, dessen sog. Steindruckmalerei ihn im Jahr 1975 als Ersten Preisträger des Internationalen Senefelder Preises qualifizierte. Eckhard Gehrmann als Krucks Schüler am Städel in Frankfurt am Main wurde selbst im Jahr 1991 als 1. Preisträger des Internationalen Senefelder Preises ausgezeichnet).

Franz Hoke zeigte, wie Aluminiumplatten für die Algrafie gekörnt werden, und eröffnete damit einen praktischen Dialog zwischen lithografischen Prinzipien und zeitgenössischen Verfahren auf Aluminium.

Danielle Creenaune stellte Mokulito vor und zeigte damit eine weitere Möglichkeit, lithografisches Denken durch alternative Materialien und Verfahren zu erweitern.

Peter Stephan entwickelte Demonstrationen und Experimente gemeinsam mit verschiedenen Künstler*innen, darunter Ana Pireva, und zeigte, wie technische Forschung zu einer gemeinsamen Praxis werden kann.

Ernst Hanke (1. Preisträger des Internationalen Senefelder-Preises 1984) arbeitete gemeinsam mit Rolf Maas und der Künstlerin Carolyn Muskat im Werkstattbereich und verband dort an allen Sympoiumstagen technisches Erfahrungswissen und Experiment unmittelbar mit der praktischen Produktion an einer originalen Offenbacher Schnellpresse von Faber&Schleicher.

Die Vielfalt der vorgestellten Verfahren machte etwas besonders deutlich: Tradition und Innovation sind keine zwangsläufigen Gegensätze.

Tradition erscheint nicht als ein abgeschlossenes Verfahren, das unverändert bewahrt werden muss. Sie kann vielmehr als Ausgangspunkt verstanden werden. Materialien verändern sich, neue Werkzeuge entstehen, neue Probleme tauchen auf – und damit auch neue Möglichkeiten.

Innovation bedeutet nicht zwangsläufig, die Tradition zu verlassen.

Manchmal bedeutet sie, zu einer historischen Technik zurückzukehren und zu fragen, welche neuen Möglichkeiten sie in der Gegenwart eröffnet.

Steine, Steinbrüche und Landschaft

Die Auseinandersetzung mit dem Stein erschien auch aus Perspektiven, die über seine rein technische Funktion hinausgingen.

Olivia Christen präsentierte Dokumentationen über Steinbrüche und lenkte damit die Aufmerksamkeit auf den materiellen Ursprung des lithografischen Steins und auf die Landschaften im deutschen Solnhofen, aus denen er stammt.

Ann Kristin Källström aus Schweden stellte ein künstlerisches Projekt vor, in dem Steine in der Landschaft ausgestellt werden. Der Stein ist damit nicht mehr nur eine Matrix, die ein Bild aufnimmt, sondern wird zu einem Objekt, das bewegt, betrachtet und neu interpretiert werden kann.

Diese Erfahrungen machen eine Frage, die meine eigene Forschung begleitet, besonders relevant:

Wohin gehen die Steine?

Ein lithographischer Stein ist selbstverständlich ein materielles Objekt. Gleichzeitig kann er als Träger von Erinnerung verstanden werden. Er bewegt sich zwischen Werkstätten und Generationen, wechselt den Besitzer, nimmt neue Bilder auf und sammelt Spuren und Nutzungen.

Doch die Steine reisen nicht allein.

Mit ihnen reisen Verfahren, Gesten, Wissen und Formen des Verständnisses einer Technik.

Zu fragen Wohin gehen die Steine? bedeutet deshalb auch zu fragen: Wohin geht das Wissen?

Wer bewahrt es?
Wer gibt es weiter?
Was geschieht, wenn eine Technik von einer Werkstatt in eine andere gelangt?
Was bleibt erhalten?
Was verändert sich?

In Tidaholm tauchten diese Fragen immer wieder auf, auch wenn sie nicht immer ausdrücklich formuliert wurden.

Von der Werkstatt ins Museum, von der Gemeinschaft zur Edition

Auch die Verbindung zwischen Technik, Edition und der Zirkulation von Wissen wurde durch verschiedene Projekte sichtbar.

Cora Texier aus Paris präsentierte das Editionsprojekt von Anthese Litho für die Produktion der Matisse-Ausstellung im Centre Pompidou. Ihre Präsentation zeigte, wie das technische Wissen einer Druckwerkstatt in groß angelegte Ausstellungs- und Editionsprojekte einfließen kann.

Lithografie bewegt sich ständig zwischen unterschiedlichen Kontexten:

• von der Werkstatt zur Universität,
• von der Universität zur Gemeinschaft,
• vom Steinbruch in die Werkstatt,
• von der Werkstatt ins Museum,
• vom Atelier der Künstler*innen in die Landschaft.

Und bei jeder dieser Bewegungen verändert sich etwas.

Work in progress…

Die Werkstatt als Form des Widerstands

Diese Erfahrung bestätigte eine Idee, die auch meine eigene pädagogische Arbeit begleitet: Die Werkstatt kann eine Form des Widerstands sein.

Ein Widerstand gegen das Verschwinden technischen Wissens; gegen den Verlust von Orten, an denen dieses Wissen praktiziert und weitergegeben werden kann; und gegen die Vorstellung, künstlerisches Wissen sei etwas Individuelles, Abgeschlossenes oder ausschließlich Institutionelles.

Die Werkstatt bietet eine andere Logik.

Sie ist ein Ort, an dem Wissen mit den Händen entsteht, aber ebenso durch Gespräche, Fehler, Fragen und gemeinsam verbrachte Zeit.

In Tidaholm haben wir uns alle als Gleichberechtigte im Dialog erlebt.

Das bedeutet nicht, dass alle dasselbe wussten. Im Gegenteil: Der Reichtum der Begegnung lag gerade in den Unterschieden. Jede/r Teilnehmer/in brachte eine spezifische Erfahrung mit und konnte diese mit der Gruppe teilen.

Wissen wurde dadurch von etwas, das ausschließlich der Person gehört, die es besitzt, zu etwas, das geteilt, verändert und weitergegeben werden kann.

Diese Form des Lernens ist gerade in einer Disziplin wie der Lithographie von besonderer Bedeutung. Ein wesentlicher Teil des technischen Wissens liegt in Gesten, Beobachtung und materieller Erfahrung und kann nicht vollständig durch Texte oder Anleitungen vermittelt werden.

Von den sozialen Netzwerken zu den Körpern

Eine der bereicherndsten Erfahrungen war es, Kolleg*innen, denen viele von uns seit Jahren in den sozialen Netzwerken folgen, plötzlich persönlich gegenüberzustehen.

In einer Zeit, in der ein großer Teil unserer professionellen Kommunikation über digitale Plattformen mit Fotos und Videos stattfindet, verwandelte die physische Begegnung diese virtuellen Beziehungen in materielle Erfahrungen: einen Stein gemeinsam zu bearbeiten, eine Demonstration zu beobachten, Papier in den Händen zu halten, über eine Farbe zu sprechen oder jemandem bei der Arbeit zuzusehen.

Kolleg*innen aus verschiedenen Teilen Europas, Asiens und Amerikas brachten ihre eigenen Geschichten, Materialien, Methoden und Arbeitskontexte mit.

Das internationale Netzwerk der Lithographie erhielt dadurch eine weitere Dimension. Es war nicht mehr nur ein Netzwerk aus Bildern und Ergebnissen, sondern ein Netzwerk aus Menschen, Werkstätten, Steinen, Werkzeugen, Papieren, Farben und Wissen.

Lernen an einem gemeinsamen Tisch

Die gemeinsamen Frühstücke waren ein scheinbar einfacher, aber zugleich sehr bedeutender Teil der Erfahrung.

Bevor wir in die Werkstatt gingen, trafen wir uns an einem gemeinsamen Tisch. Dort wurden Gespräche vom Vortag fortgesetzt, neue Fragen entstanden und Geschichten aus den verschiedenen Ländern und Arbeitszusammenhängen ausgetauscht.

Diese informellen Momente erinnern daran, dass eine Gemeinschaft nicht allein um eine Technik herum entsteht.

Sie entsteht auch an einem gemeinsamen Tisch.

Die Pädagogik der Begegnung fand sowohl in einer lithographischen Demonstration als auch in einem Gespräch beim Frühstück statt. In beiden Fällen entstand etwas, das schwer messbar, aber grundlegend ist: Vertrauen und ein Gefühl der Zugehörigkeit.

Ein generationenübergreifendes Netzwerk

Vielleicht war es eine der bewegendsten Erfahrungen des Treffens zu erkennen, dass Wissen weiterhin über Generationen hinweg weitergegeben wird.

In einer Zeit, in der viele handwerkliche Praktiken und historische Techniken vom Verschwinden bedroht sind, zeigt die Begegnung mit Künstler*innen, Lehrenden, Drucker*innen und Studierenden, die sich für Lithographie interessieren, dass die Technik weiterhin neue Körper und neue Fragen findet.

Bildung und Wissensproduktion in der Kunst reisen, verändern sich und breiten sich aus.

Sie bewegen sich nicht notwendigerweise linear und auch nicht ausschließlich innerhalb von Institutionen. Sie zirkulieren zwischen Werkstätten, Schulen, Universitäten, Begegnungen, Publikationen und Gemeinschaften. Sie werden von Lehrenden an Studierende weitergegeben, aber ebenso von Studierenden an Lehrende, von Kollegin zu Kollegin und von einer Generation an die nächste.

Dieses generationenübergreifende Netzwerk verweist letztlich auf eine Demokratisierung planographischer Techniken: Wissen soll zirkulieren können, Werkzeuge sollen gemeinsam genutzt werden können, und immer mehr Menschen sollen nicht nur Zugang zu den Ergebnissen einer Technik erhalten, sondern auch zu dem Wissen, das notwendig ist, um sie zu verstehen und weiterzuentwickeln.

Eine Begegnung, die weitergeht

Als wir in unsere jeweiligen Werkstätten zurückkehrten, nahm jede*r von uns neue Fragen, Verfahren, Materialien, Kontakte und Erfahrungen mit. Aber auch etwas weniger Greifbares: die Gewissheit, Teil einer internationalen Gemeinschaft zu sein, die geografische, institutionelle und generationelle Grenzen überschreitet.

Der Wert eines Treffens wie Tidaholm in Schweden liegt deshalb nicht allein in den erlernten Techniken oder den gezeigten Demonstrationen. Er liegt ebenso darin, Bedingungen zu schaffen, unter denen Wissen frei zwischen Menschen zirkulieren kann, die eine gemeinsame Praxis teilen und sie gleichzeitig verändern.

In diesem Sinne möchte ich mich besonders bei Patrick Wagner, dem Organisator des Symposiums, für seine enorme Arbeit und dafür bedanken, dass er die Voraussetzungen für diese Begegnung geschaffen hat.

Mein Dank gilt ebenso Bill Haberman und Jean Michael Schmidt als großartige Koordinatoren der Werkstatt und der Workshops in Tidaholm, für ihre Offenheit, ihre Großzügigkeit und dafür, dass sie die Werkstatt während des gesamten Treffens zu einem offenen, einladenden und lebendigen Ort gemacht haben.

Unser Dank gilt außerdem dem Verein, der das Symposium finanziell unterstützt hat. Diese Unterstützung war von großer Bedeutung, um diesen internationalen Raum für Austausch, Lernen und Wissensvermittlung zu ermöglichen.

Die Steine werden weiterreisen.

Und mit ihnen werden weiterhin Wissen, Fragen und Gesten derjenigen reisen, die mit ihnen arbeiten.

Vielleicht liegt genau darin einer der Gründe, warum die Lithografie lebendig bleibt:

Jede Generation übernimmt eine Tradition, aber keine Generation ist verpflichtet, sie genau so weiterzugeben, wie sie sie vorgefunden hat.

Sie übernimmt sie, arbeitet mit ihr, verändert sie – und gibt sie weiter.


Addendum

Eckhard Gehrmann beim Demonstrieren der kreativen Steindruckmalerei von Christian Kruck.

Addendum

Weitere Impressionen und Erläuterungen von Eckhard Gehrmann, der mit einem Vortrag sowie Exponaten am Symposium in Tidaholm beigetragen hat.

Dank an Lorena, Du hast einen wunderbaren Text geschrieben und die weltweite Lithogemeinschaft sehr gut dargestellt. Der freie, freundschaftliche Austausch von Fachwissen in solch einem Umfang war grandios. Der einzige Nachteil, man konnte nicht überall sein.

Ich habe mit Tonertusche eine Lasur auf einen Stein gezeichnet, um die Arbeitsweise von Christian Kruck an der Frankfurter Städelschule vorzustellen. Das anschließende Reduzieren in vielen Schritten in mehreren Farben kannten viele wohl nicht.

Die vielen Gespräche während der Arbeit waren sehr wichtig und ich habe viele neue Anregungen erhalten. Und dann sehe ich diese Hände vor mir, die meinen Stein feuchten. Ich kenne sie von Instagram, es sind die Hände von Saturo Itazu aus Tokyo. Und schon drucken wir zusammen ganz selbstverständlich ohne viele Worte. Wieder kommen andere hinzu, denen ich mein Material gebe, um damit Versuche zu machen.

Noch ergänzen sollte man, Bill Haberman und Jean Michael Schmidt sind die Werkstattleiter. Jean Michael musste am ersten Tag zur Beerdigung seines Vaters, so war es ein bisschen chaotisch. Später aber ging alles gut.

Tidaholm hat eine unglaubliche Werkstatt, ich glaube 10 Handpressen. Manches ist nicht in ganz so gutem Zustand, aber es kostet, so weit ich weiss, nichts um dort zu arbeiten.

Ein anschauliches Kurz-Video der legendären Schnellpresse Made in Offenbach in Aktion mit Ernst Hanke und Rolf Maas gibt es bei Stone Lithography auf Facebook. Link im Text.

Ernst Hanke und Rolf Maas haben an der Schnellpressee von Faber und Schleicher aus Offenbach eine Auflage gedruckt. Überhaupt Ernst Hanke, er ist der Größte, er reist mit über 80 Jahren durch Europa und die Welt (aktuell in China) gibt sein Wissen freigebig weiter. Dabei repariert er noch die Maschinen. Rolf Maas ist vom Steindruckmuseum in Holland. Ernst hat vor Kurzem dort gearbeitet und ihm vieles gezeigt.

Peter Stephan hat die ganze Woche den Auflagendruck mehreren Teilnehmern des Symposiums gezeigt.

Laurent Nikolai zeigte seine Farben, wie bei uns, beim ISS-Kolloquium in Offenbach.

Und Jim Berggren/ Eric Saline/ Bill Haberman haben die ganze Woche in einem eigenen Gebäude an einer Großen Flachbettpresse von Platten gedruckt zusammen mit den Chinesischen Teilnehmern.

Noch eine Anmerkung bezüglich der Neuen und Alten Techniken:

Wir selbst haben bei der Senefelder Preisvergabe eine „Neue Experimentelle Technik“ bevorzugt und die „alten“ Techniken nicht so stark berücksichtigt, um die Lithographie interessant zu halten.

Ich finde, die Neuen und die alten Techniken waren in Tidaholm sehr gut vertreten. Ich habe z. B. mit einer hervorragenden neuen Federfarbe, entwickelt von Brandon Gunn mit Cranfield, nach der alten Technik gedruckt.

Schönen Gruß

Eckhard Gehrmann, Friedrichsdorf, Hessen


Tidaholm Impressionen von Liesa und Eckhard Gehrmann

Hinweise

Das 10. Internationale Lithographie Symposium in Tidaholm wird im Jahr 2030 stattfinden.

Zuvor, 2028, wird der 14. Internationale Senefelder-Preis verliehen werden. Einreichungen sind noch bis 12. März 2027 möglich. Die Teilnahmeunterlagen können auf der Stiftung Website angesehen und runtergeladen werden.


Lesetipp

Würdigung von Christian Kruck zu dessen 100. Geburtstag am 12. Februar 2025.


English Summary

Litho-Love: Why Tonnes of Stone Hold the Key to Our Digital Fatigue

Introduction: The Longing for the Tangible

In an era where the lifespan of an image is measured in milliseconds and fleeting algorithms dictate our visual consumption, what happened in the Swedish town of Tidaholm in the summer of 2026 feels almost like a rebellious act of defiance. While the world drowns in the cult of “instant print,” artists grind tonnes of Solnhofen limestone, labor for hours with greasy crayons, and subject the stones to intricate chemical processes—all for the sake of a single, perfect print on paper.

Why endure such immense physical labor in today’s world? The answer lies in the 9th International Lithography Symposium. Every four years, this unassuming Swedish town transforms into the “epicenter of the graphic art world.” It’s a place of radical deceleration, where craftsmanship isn’t a nostalgic relic but a vital, physical counterbalance to the superficiality of the digital age.

The Vulcan Island: Where Industry Inspires Art

At the heart of this artistic revolution is the “Vulcan Island” in Tidaholm. Once dominated by industrial production, this former factory site now breathes with the creative energy of the Lithographic Academy’s workshops. The transformation of this industrial relic is a curatorial statement—it symbolizes the enduring power of art amid industrial change.

Organized by Patrick Wagner, Tidaholm became a true “art village” for two weeks. The exhibitions weren’t confined to sterile museum spaces but spread across three galleries throughout the town. This spatial integration sends a powerful message: when old industries fade, the human drive for material creation remains a steadfast foundation.

Innovation Through Resistance: The Rediscovery of Slowness

A highlight of the symposium was the project “Printing on the Schnellpresse”. Under the guidance of lithography legends Ernst Hanke—a master over 80 years young who still shares his expertise worldwide—and Rolf Maas, mechanical giants from Faber & Schleicher in Offenbach am Main were brought back to life.

This act of “renovatio” is far more than a technical revival. Operating these tonne-heavy presses demands physical presence—a stark contrast to the detached precision of modern inkjet printing. Innovation here also means reimagining materials: Brandon Gunn (Tamarind Institute) collaborated with Cranfield to develop a new “fountain solution,” blending ancient techniques with cutting-edge chemistry.

This deep connection has sparked a global movement under the banner “Litho Love.” Participant Danielle Creenaune captured the essence:
“After a week of intense exchange, I feel so inspired and fulfilled by this ‘Litho Love’… it’s an incredible journey to Sweden.”

The 24/7 Workshop: A Pedagogy of Connection

Perhaps the most radical decision by the organizers was opening the workshops round the clock. The workshop became a living space, fundamentally changing the dynamics of learning. While daytime lectures at the Marbodal Center provided theoretical insights, the nights were dedicated to hands-on experimentation with stone. Ideas weren’t just discussed—they were lived.

Vertical hierarchies dissolved here. What emerged was a “pedagogy of encounter” that transcended institutional boundaries. Seasoned masters became learners, and the “virtual relationships” once known only through Instagram images of hands on stone transformed into real, tangible experiences. Together, they held the paper, felt the stone’s dampness, and exchanged ideas over breakfast at a long table. It’s this social fabric—peaking in the traditional “Lithographers’ Party”—that sustains the community as much as the chemistry that binds ink to stone.

Tradition as a Starting Point: Technical Depth

The symposium proved that tradition is not a museum piece but a launchpad for contemporary discourse. The technical diversity was vast and international—here’s a glimpse:

Kruck Lithography: Eckhard Gehrmann, a student of the legendary Christian Kruck, demonstrated “stone painting” using toner ink and glazes—a process where the image is gradually reduced through multiple steps.

International Avant-Garde: Satoru Itazu brought Japanese tradition to the table, Simoni Philippou shared insights from her workshop in Cyprus, and Brandon Gunn showcased the professionalization efforts of the U.S.-based Tamarind Institute.

Hybrid Techniques: Whether Danielle Creenaune’s Mokulito (lithography on wood) or Franz Hoke’s Algrafie (on aluminum plates), the boundaries between classical stone printing and modern methods are fluid.

Innovation often means returning to historical techniques to uncover new possibilities in their very resistance to speed and disposability.

Where Do the Stones Go? The Journey of Knowledge

A stone is far more than a printing plate; it is a “carrier of memory.” This became especially clear when Olivia Christen documented the Solnhofen quarries, while Ann Kristin Källström presented a project where stones were returned to the landscape after serving as artistic media. The stone re-enters nature, its purpose fulfilled.

Lorena Pradal posed the pivotal question: “Where do the stones go?” Because with the stones travel techniques, gestures, and knowledge itself. When Satoru Itazu from Tokyo casually moistens a colleague’s stone, two cultures communicate wordlessly through the material.

Prof. Dr. Gerhard Kilger, Chairman of the International Senefelder Foundation, summed it up perfectly:
“It was truly impressive to see how, during the inspiring days in Tidaholm, lithographers from around the world came together in enthusiasm, exchanged ideas, and formed new friendships. What struck me most was the diversity of experimental and playful applications of lithographic techniques.”

Conclusion: A Print That Endures

The symposium in Tidaholm demonstrated that lithography functions as a “lab for the future.” The workshop is a form of resistance—against the erosion of technical knowledge and the fleeting nature of our digital existence. It’s not just about printed paper; it’s about the quality of engagement with the world.

At its core, the event leaves us with a fundamental question for our own, often digitally exhausted lives: What could we learn about the quality of our own creative work if we dedicated the same persistence, humility, and physical devotion to our ideas as lithographers do to a single, perfect print?

Perhaps this slow, laborious process is the only way to leave traces that aren’t washed away with the next feed update.


Notes


The 10th International Lithographic Symposium will return to Tidaholm in 2030.

Before then, in 2028, the 14th International Senefelder Prize will be awarded. Submissions are open until March 12, 2027. Application documents can be viewed and downloaded on the foundation’s website:
https://www.senefelderstiftung.com/de/senefelder-award-2028/


Zum 100. Geburtstag — Fotos aus dem Nachlass-Archiv bei Florian Kruck, Hamburg

Alles Gute: Vor 100 Jahren, am 12. Februar 1925, wurde der herausragende Künstler Christian Kruck in Hamburg geboren. Jugend und die erste Studienzeit verbrachte er in der Dürer-Stadt Nürnberg an der Akademie der Bildenden Künste. Sein Kommilitone war unter anderen der Mainzer Gustl Stark, später hochangesehen mit seinen einzigartigen künstlerischen Prägetiefdrucken. 1949, wieder in Hamburg, heiratete Christian Kruck die Malerin Linde Körner. Das Paar zog 1953 nach Frankfurt am Main, da Christian Kruck auf Empfehlung von Erich Heckel zum Leiter der Druckwerkstätten an der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule berufen wurde. Ab 1970 wurde er bis zu seinem Tod im Herbst 1985 auch Dozent für Druckgrafik.

„Mit Beginn der Tätigkeit an der Städelschule begann Christian Kruck, durch intensive Forschung und geschicktes Experimentieren die künstlerische Lithographie auf ein neues, bis dato unerreichtes Niveau zu heben. Das Ergebnis war die von ihm so benannte ‚Steindruckmalerei‘, gekennzeichnet durch das Drucken vieler Farben auf einem einzigen Stein“, erläutert Andreas Weber, Vorstandsmitglied der Internationalen Senefelder Stiftung, der Kruck als väterlichen Freund seit Kindheitstagen kannte. „Möglich wurde dies“, so Andreas Weber weiter, „da Christian Kruck eine Schreibtinte zum Vorzeichnen benutzte, die in den Stein eindrang, aber nicht mitdruckte. So konnte er passgenau Farbe um Farbe auftragen, was zu virtuosen Bilddarstellungen führte, die an Intensität und Farbkraft der Öl-Malerei in nichts nachsteht.“ Christian Kruck war aber nicht nur ein begnadeter Lithograph, sondern auch Maler, Bildhauer und verstärkt seit den 1970er Jahren Aquarellist.


Gut zu wissen: Infos von der Nachlass-Website von Christian Kruck

Auf der Website zu Christian Kruck wird zu seiner Lithographischen Arbeitsweise wie folgt erläutert: „Christian Kruck hat die Lithographie zu seinem persönlichen künstlerischen Ausdrucksmittel und Handwerkszeug gemacht. Statt Pinsel und Leinwand nutzt der Maler die besondere Beschaffenheit des Steines um Farben, Formen, Atmosphären und Stimmungen zu transportieren. Während beim üblichen lithographischen Farbdruck mehrere Steine verwendet werden, druckte Christian Kruck alle Farben von einem einzigen Stein.

Zunächst zeichnete er mit Schreibtinte die Konturen der zu druckenden Farbschicht auf ausgesuchte Kalkschieferplatten aus Solnhofen. Anschließend bearbeitete er die Oberfläche des Steins mit Wasser, Chemikalien und speziellen Farbmixturen und Materialien. Nach jedem Druckvorgang mit der Lithopresse wurde die gedruckte Farbschicht abgeschliffen, ohne dass dabei die Konturen der Schreibtinte verloren gingen.

In Ergänzung zu den ersten Flächen wurden jetzt die nächsten Motive aufgetragen, dann der Druck und Schleifvorgang wiederholt, bis alle Farben aufgetragen und die Bildkomposition abgeschlossen war. Bis zu 30 Farben hat Christian Kruck in einer Lithographie vereint. Für den aufwendigen Arbeitsprozess benötigte er nicht selten bis zu vier Wochen.

‚Die Farben überlagern sich in transparenten Schichten, gerinnen zu glasigen oder gedeckten Tönen, lösen sich in atomsphärisch wirkende Farbschleier auf und verdichten sich in Kernzonen‘. (Prof. Wilhelm Weber).


„Es geht mir nicht um die Vervielfältigung, sondern um die Vollkommenheit“ — Christian Kruck


Im Detail: Was macht die Lithographien von Christian Kruck aus?

Scan der Vorder- und Rückseite einer Originallithographie von Christian Kruck. Der Künstler hatte eine spezielle Technik, um auf der Rückseite einen zusätzlich Darstellungs-Effekt zu erzielen. Abbildung: Andreas Weber

Zur Bedeutung des Werks von Christian Kruck

Über seine lithografischen Erkenntnisse und Entdeckungen verfasste Christian Kruck bereits 1962 eine Schrift mit dem Titel „Technik und Druck der künstlerischen Lithographie“. Im selben Jahr 1962 erhielt er einen Lehrauftrag am renommierten Pratt Graphic Art Center in New York. „Keine Frage: Christian Kruck war im besten Sinne umtriebig, neugierig, stets auf Entdeckungsreisen, die ihn außer nach New York und Washington in den USA nach Italien, Spanien, Griechenland, Spanien, Israel und nach den Kanarischen Inseln führte“, erläutert Andreas Weber weiter. „Er konnte durch seine Bildwerke wie auch durch seine Erzählungen wunderbare Stimmungen vor allem rund um den Mittelmeer-Raum teilen. Insbesondere Italien galt seine große Leidenschaft.“

Die Kunstwelt war schon früh auf Christian Kruck aufmerksam geworden. Neben seiner Bekanntschaft mit Künstlerbund-Mitgliedern wie Erich Heckel, Otto Dix und Curth Georg Becker in den 1950er Jahren wurden Kunstexperten auf ihn aufmerksam. Der oben zitierte Kunst- und Lithographie-Experte Prof. Wilhelm Weber, seit Gründung der Internationalen Senefelder Stiftung im Jahr 1975 deren Beiratsvorsitzender bis 1999, stellte in seinem international anerkannten Standardwerk „Saxa loquuntur – Geschichte der Lithographie“ (1964 erschienen in München, London-New York und Paris) die hohe Bedeutung der Lithographie-Kunst von Christian Kruck vor. Ebenso wie Felix H. Man, der Christian Kruck in seinem Werk Artist’s Lithography (1970, London) würdigte. Für ausgewählte, bedeutende Künstler wie Emy Roeder und Oskar Kokoschka verwandelte er deren Vorlagen in künstlerische Lithographien.

Die Werke von Christian Kruck wurden in vielen Dutzend Ausstellungen gewürdigt und befinden sich über Deutschland hinaus in öffentlichen wie privaten Sammlungen in Amerika, England, Holland, Japan, Österreich und Schweiz. (Komplette Verzeichnisse sind in der Publikation der Edition H. W. Fichter „Christian Kruck – Italiens Tage“, 1998 in Frankfurt am Main erschienen).

Würdigungen durch die Internationale Senefelder Stiftung

„Mit Christian Kruck fand sich ein würdiger und hochverdienter Hauptpreis-Träger unseres allerersten Senefelder-Preises aus dem Jahr 1975. Wir werden sein Schaffen und Werk im Rahmen unserer Jubiläumsausstellung ‚50 Jahre Internationale Senefelder-Stiftung‘ im Offenbacher Haus der Stadtgeschichte besonders würdigen. Denn auch heute noch sind die künstlerischen Lithographien von Christian Kruck unerreicht und ein strahlendes Vorbild für nachfolgende Kunstschaffende“, wie Prof. Gerhard Kilger, Vorsitzender des Vorstands der Internationalen Senefelder-Stiftung, ausführt.

Und Eckhard Gehrmann, Vorstandsmitglied der Internationalen Senefelder Stiftung und Schüler von Christian Kruck, merkt an: „Christian Kruck hat zu seiner Zeit an der Frankfurter Städelschule die Druckgrafik als eigenständiges Medium durchgesetzt. In seiner Druckgrafik-Klasse hat er ganze Generationen von Studierenden für die Lithographie begeistert — unter anderem auch mich. In Christian Kruck’s Werkstatt herrschte eine ausgesprochen gute Gemeinschaft, eine große künstlerische Freiheit und seine Tür war, im wahrsten Sinne des Wortes, jederzeit offen.“


Weitere Informationen

Hinweis: Die vom Sohn Florian Kruck initiierte Website http://www.christiankruck.de/ gibt einen detaillierten Einblick in das Leben und Werk von Christian Kruck.


Informationen zu Internationale Senefelder Stiftung, dem Senefelder-Preis und der Jubiläumsausstellung 2025 finden sich auf der Website der Stiftung https://www.senefelderstiftung.de/


Rainer Wagner Over the Skype via INKISHTV

Von Andreas Weber | Englische Text-Version via INKISH.News | Español

Gedanken zu meinem INKISH Over-The-Skype-Gespräch mit Rainer Wagner, Senior Technical Consultant LATAM, Costa Rica

Nichts bleibt so, wie es mal sein wird! — Erfahrungen aus der neuen Welt: Rainer Wagner ist ein Print-Experte allererster Güte, mit rund 40 Jahren Erfahrung an vorderster Front. Ihm entgeht nichts. Und er kann alles Neue sofort richtig einordnen. Seit über 30 Jahren lebt und arbeitet der in Deutschland Geborene und Ausgebildete in LATAM, also Süd- bzw. Mittelamerika, ohne die Bindung an Deutschland zu verlieren. Für INKISH D-A-CH und Andreas Weber ergab sich im Gespräch ein hochinteressantes Spannungsfeld zwischen: Aus Alt wird Neu. Ohne Kompromisse!

Die Lage in LATAM ist heikel. Doch die Menschen dort reagieren mit einem Mehr an Kreativität, einem Mehr an Flexibilität. Und dem Willen, das, was nicht mehr geht, radikal abzustellen. Die europäische Maxime des Festhaltens am Status-quo, der Besitzstandswahrung auf Teufel komm’ raus, des Kompensieren wollen von wirtschaftlichem Niedergang durch Staatsverschuldung etc. kommt in LATAM aus vielfältigen Gründen nicht infrage.

Stattdessen trägt die Einsicht: Wenn Dinge sich nicht (mehr) halten lassen, muss man sich anpassen. Veränderungsfähigkeit in drastischster Form wird zum Geschäftsprinzip, das die Print-Branche komplett umkrempeln wird. Die Krise von 2008/2009 schuf laut Rainer Wagner die besten Voraussetzungen, um mit den brutalen Effekten der Corona-Pandemie zurecht zu kommen. Es zeigt sich eine neue From des „digitalen“ Darwinismus: Nicht der Stärkere, Größere gewinnt, sondern der Agile, der Smarte, Wissende, der in Echtzeit agieren kann, um Dinge neu auszurichten.

Die wichtigsten Beobachtungen und Einschätzungen von Rainer Wagner:

  1. Wissen ist Trumpf. Erfolgreiche Druckereien in LATAM organisieren ihre Beschaffung und Invests in Eigenregie. Und vertrauen nicht mehr auf das Portfolio großer, dominanter Hersteller. Dabei setzten die kundigen Druckereien auf Künstliche Intelligenz (AI). Ziel ist es nicht nur, die Produktion zu automatisieren, sondern die kompletten Geschäftsprozesse inkl. Kundenmanagement hundertprozentig transparent zu gestalten, um agil und flexibel nicht Vorhersehbares frühzeitig zu erkennen und bewerten zu können.
  2. Weniger ist das neue Mehr. Integration trifft Diversifikation trifft Hybrid-Technik. Erfolgreiche Druckereien mischen souverän Offsetdruck, Flexodruck und Digitaldruck (Toner, Elektro-Ink; Inkjet Printing ist noch aussen vor, weil zu aufwändig/teuer). Was läuft, wird ausgebaut, was nicht läuft abgeschaltet. Änderungen sind in Wochen und wenigen Monaten möglich. Neben Up-Scaling muss jederzeit auch Down-Sizing möglich sein, wenn Umsätze weg brechen und das Auftragsvolumen sich extrem rasch und nachhaltig verkleinert.
  3. Des einen Freud’, des anderen Leid. Akzidenzdruck wie wir ihn kennen, wird sich nicht wiederbeleben lassen. Commodity-Produkte ohne Differenzierung und ohne Alleinstellungsmerkmale sind tot. Basta! — Am Leben bleibt nur, was Transaktionen und Kauferlebnisse beflügelt. Dadurch wird der Verpackungsdruck, in allen seinen Facetten (Corrugated, Labels, Flexibel Packaging, POS-Material etc.) blühen und gedeihen. Falls noch Akzidenzen vom Kunden gebraucht werden, erledigen das hybride Verpackungsdrucker „nebenher“.
  4. Über den Tellerrand blicken, Abhängigkeiten eliminieren. Während in der D-A-CH-Region viele meinen, die Kunst liegt in der Spezialisierung, läufts in LATAM komplett anders. Gefragt sind professionelle, übergreifend agierende Generalisten, die in der Lage sind, ihre „Fabrikation“ breit aufzustellen sowie hoch und runterzufahren oder umzuschichten, um ad hoc neue Anforderungen der Kunden bedarfs- und marktgerecht mit höchster Kreativität rasch und unkompliziert umzusetzen. Dazu wurden von einigen klugen Druckereiunternehmen Firmenzukäufe getätigt, um kreative Köpfe aus Design, Werbung, Fotografie in der Druckerei fest einzubinden.
  5. No risk — no fun! Wer sich als Lieferant für Druckereien in LATAM träge sowie unflexibel zeigt und nur mit Fokus auf eigene Interessen agiert sowie Versprechungen macht, die sich auf die alte Welt des Print beziehen, fällt durchs Raster und wird aussortiert. Den Vorzug haben zudem Anbieter von AI-Lösungen, die online und nahtlos integrierbar ihre Leistungen auf Basis von Pay-per-use abrechnen.

So ganz ‚nebenbei’ merkte Rainer Wagner an: „Während wir uns hier im Interview unterhalten, genau jetzt, findet die Zeitenwende statt. (…)  Ich bin froh darüber. Und voller Zuversicht. Denn eigentlich warte ich seit 20 oder 30 Jahren darauf, dass sich die Dinge im Print komplett und radikal ändern!“

 


Meine Empfehlung

Das vollständige Video auf INKISH anschauen und teilen.

Andreas Weber Over the Skype mit Rainer Wagner.png


 

My Take

Rainer Wagner skizziert am Beispiel der Entwicklungen in LATAM, wie aus der Not eine Tugend wird. Und wie Print selbst in Katastrophenzeiten wie Phönix aus der Asche steigen kann. Die „Neue Welt des Druckens“ hat mit der alten nur noch gemeinsam, dass Farbe auf Bedruckstoffe kommt.

In welcher Weise, mit welchen Konzepten für Produktion und Vermarktung, mit welcher Kreativität, Schnelligkeit und Qualität, das unterscheidet sich fundamental. Schlüsselfaktoren sind Künstliche Intelligenz bei Produktion, Administration und Geschäftsstrategie, getragen von einer neuen Form der digital-analogen ‚Brainware‘ bei Führungskräften in den Druckereien. Und alles immer im Echtzeit-Dialog mit Kunden/Auftraggebern.

Starre Systemwelten und Technik-Konzepte werden nicht überleben. Kunden der Druckereien verlangen von ihren Druck-Partnern, sich flexibel und agil auf den neuen Post-COVID-19-Konsumenten einzustellen, um ausschließlich Druckstücke zu fertigen, die sich erfolgreich am jeweiligen Verkaufsprozess orientieren.

Und vor allem: Es geht bei der Zukunftssicherung im Print nicht um einen Wechsel von Analog zu Digital, sondern um einen radikalen ‚Mindshift‘ vom traditionellen Anbieter-Denken (was kann ich wie, wo, wann bestmöglich vermarkten) zur agilen Gestaltung von bedarfsgerechten, jederzeit anzupassenden Echtzeit-Lösungen, um die sich ändernden Kundenbedürfnisse optimal bedienen zu können.

 


 

Gestern. Heute. Morgen. Der Print-Branche tut es gut, sich mit jungen Menschen auseinanderzusetzen. Denn die Generation Smartphone schätzt Print-Innovationen.

Kommentar von Andreas Weber, Head of Value

 

Mit der Premiere des Heidelberg Digital Print Forum 2019 ist auf Anhieb ein wirklicher Überraschung-Coup gelungen. Ambiente, Themen und Programmgestaltung im Wieslocher Print Media Center weichen vom Üblichen ab. Das Auditorium: grossartig, aufgeschlossen, neugierig, aber auch kritisch und wachsam. Mit anderen Worten: Ich habe mich extrem wohlgefühlt — wie die insgesamt über 170 anderen Teilnehmer und Co-Referenten auch.

Alles was ich heute erleben konnte, deckt sich mit meiner Analyse, die ich vorgetragen habe: Print als Medium und Druckereien als Kompetenzpartner profitieren dann, wenn der Nutzen in den Vordergrund gestellt wird. Das begeistert die, die als Kunde/Auftraggeber oder als Mediennutzer persönlich angesprochen, oder besser berührt werden wollen. Drucken kann nicht nur Inhalte vervielfältigen, sondern auf höchstem Niveau höchst individuell inszenieren.

 


 

Fotos: Andreas Weber


 

Ob auf dem Podium oder beim Marktplatz oder den informativen kurzen Fachvorträgen, es hat sich gezeigt, dass die Print-Welt im Wandel ist, aber durchaus zum Schrittmacher im Digitalzeitalter werden kann.

Meiner Auffassung nach: Druckereien brauchen sich nicht zu verstecken. Sie können mutig und pro-aktiv nach vorne gehen, um neue Geschäftsfelder zu erschließen bzw. Bestehendes zu reformieren.

Die moderne Digitaltechnik im Print steht an der Spitze der Medientechnologien. Und erfüllt die Anforderungen um zeitgemäß und zukunftssicher profitabel Geschäft zu machen.

Die Veranstaltung hat aus meiner Sicht nicht nur wichtige Fragestellungen geliefert, sondern auch konkrete, nützliche Ergebnisse, die für die Branche wichtig sind.


 

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Erfolgreiches Team (v.l.n.r.): Matthias Langner, Laura Sturm, Andreas Weber, Laura Breitner, Manuela Gomez, Daniel Szkutnik, Marc Schmitz. Foto: Heidelberg.

Ein Plädoyer für Print aus anderer Perspektive: Andreas Weber beginnt mit seinen Lieblingsbüchern, u.a Designing for Print und Vienna Stories. Foto: Juliette Pickl, Business Development Manager at Mondi Uncoated Fine Paper

 

Aus meiner Sicht als Referent ist folgendes wichtig:

Customization rückt in den Fokus! — Und hilft, den Akzidenzdruck zu reformieren.

Social Media kann ein Eldorado für Print sein! V.a. Facebook, Instagram im B2C und LinkedIn im B2B beflügeln neue Geschäftsmodelle.

Der Nutzen rückt in den Vordergrund. Digitaltechnik im Print ermöglicht das.

Das Marktpotential ist erheblich größer als man denkt und bietet Chancen für profitables Wachstum!


 

Eine von zahlreichen Innovation: Spektakuläre Neon-Bilder im Toner-Digitaldruckdruck

Video: Andreas Weber


Impressionen vom Forum und Statements der Organisatoren und Referenten

 

Video: Heidelberger Druckmaschinen AG/HDU


Alle Charts zum Vortrag von Andreas Weber via SlideShare.net

 

Bildschirmfoto 2019-03-22 um 09.34.52

 


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Von Andreas Weber, Head of Value, Initiator von #Think!Paper | English Version

 

#Think!Paper Edition 1, Volume 8

Um das Paradoxon aufzulösen, dass die globale Print-Branche seit den 1990er Jahren lähmt— beste Technologien und trotz allem Frustration, Stagnation, Umsatzrückgänge bis hin zu Pleiten, Pech und Pannen — müssen wir uns von der Technikgläubigkeit als Heilsbringer verabschieden.

Warum?

„Kauf meine neue Technik und alles wird gut“, das ist ein gut klingender, aber letztlich fataler Ratschlag. Betrachtet man bedeutende Persönlichkeiten der Print-Historie, wie z. B. der Erfinder Alois Senefelder, der Satzsystemtechniker Ottmar Mergenthaler, der Typo- und Kalligrafie-Übervater Prof. Hermann Zapf (der sogar Steve Jobs inspirierte) oder die PostScript-Erfinder und Adobe-Gründer John Warnock und Charles Geschke, dann stellt man fest:

  1. Technik ist immer ‚nur’ Mittel zum Zweck und dient dazu, eine übergeordnete Idee zu verwirklichen, die den Menschen hilft, ihre Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.
  2. Technik-Innovation ist wichtig, um das Bestehende zu optimieren. Veränderungen zum Guten können aber erst entstehen, wenn neue technische Möglichkeiten adäquat und kreativ umgesetzt werden.
  3. Dass aus neuer ‚Druck-Technik‘ auch gedeihliche und wirksame ‚Druck-Kunst‘ werden kann, liegt v. a. an der kreativen Gestaltung von medialen Kommunikations-Szenarien.

Wer dies nicht beherzigt, um dem Diktat der Technokratie zu entrinnen, tappt in eine böse Falle. Und schneidet sich mit Nonsens-Denken ins eigene Fleisch. Denn Botschaften wie „Das Beste aus zwei Welten — Digitaldruck ist so gut wie Offsetdruck“ oder „Unsere neue Inkjet-Druckmaschine liefert Ihnen ein sogleich neues Geschäftsmodell mit“ nutzen niemandem, weder den Drucksachen-Bestellern noch den Drucksachen-Herstellern!

Meine Botschaft

„Beenden wir die Technokratie. Kehren wir zum werthaltigen Umgang mit Print als gedeihlichstem Kommunikationsmittel der Menschheitsgeschichte zurück!“ — Denn das Ende der Technokratie ist der Beginn des Erfolgs!

Mein Appell und die Grundlage von #Think!Paper — The Beauty of Print&Transformation: TechnoLOGIE muss wieder technoLOGISCH sinnvoll genutzt werden.

 

Weiteres zum #Think!Paper-Projekt findet sich im ValueBlog.

 


 

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Wow! Nach der Krise folgt die Katharsis. — Wer hätte das gedacht: Xerox geht aus all den heftigen Streitereien in den Top-Führungsgremien des Konzerns gestärkt hervor. Es scheint, als habe man nicht einfach den ‚Re-Set-Button‘ gedrückt, sondern die Firma konnte aus sich heraus sich quasi komplett neu erschaffen! Und das auf Basis von ‚Core Values‘, die Xerox aus meiner Sicht seit jeher ausmachen und die entscheidend sind, um wie Phoenix aus der Asche zu steigen: Team-Geist, ungebrochene Innovationskraft, Offenheit und Kollegialität, Verantwortungs-Bewusstsein und emphatisches Gespür für das, was sich ändern muss.


Von Andreas Weber, Head of Value

 


English summary

#XeroxForum 2018: WOW! Digital can be more human!

After all those negative headlines about the proxy fight at Xerox, it seems even more exciting to look around personally at the #XeroxForum 2018 in Warsaw from May 22, 2018 to May 24, 2018 to assess the state of affairs.

My insights: Wow! After the crisis follows the catharsis. 

Who would have thought that? Xerox emerges strengthened from all the fierce quarrels in the top executive bodies of the group. It seems like you have not just pressed the ‘Re-Set-Button’, but the company could almost completely re-create itself! And on the basis of ‘Core Values’, the Xerox in my view from time immemorial and are crucial to rise like Phoenix from the ashes: team spirit, uninterrupted innovation, openness and collegiality, sense of responsibility and an empathetic sense for that, what needs to change.

Conclusion: It’s all about #hyperpersonalization.

Above all, the new task of Xerox is to shape the digital transformation so that human needs are not neglected.

 


Prolog

Nicht erst seit einigen Wochen, seit vielen Jahren kommt Xerox nicht mehr aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Dem Schlingerkurs in der Unternehmensstrategie seit 2010 folgten derbe Umsatzeinbrüche im Office-Solutions- und Highend-Printing-Sektor, Restrukturierungen bis hin zum Split Ende 2016 und aktuell ein bis dato nicht für möglich gehaltener offener Streit mit zwei Hauptaktionären. Das Kernproblem bis dato: Wie erreicht man starkes Wachstum durch eine pro-aktive Zukunftsplanung? Das größte Übel: Auf der Stelle treten!


“Hence, #Xerox is today a gradually melting iceberg, but far from a catastrophe.“ Source: Fortune May 21st, 2018: Paper Jam! How Carl Icahn And a Billionaire Partner Blocked Xerox’s Merger with Fujifilm

Foto Fortune Xerox


Umso spannender erschien es mir, mich auf dem global ausgerichteten #XeroxForum 2018 vom 22. Mai 2018 bis 24. Mai 2018 in Warschau persönlich umzuschauen, um zu beurteilen, wie der Stand der Dinge ist. 

Die Dramaturgie im Vorfeld konnte gar nicht besser sein:

Am Tag meiner Abreise nach Warschau schlug der o.g. Artikel in Fortune vom 21. Mai 2018 wie eine Bombe ein. Akribisch und tief gehend wurden alle Vertraulichkeiten offen gelegt, die durch aktuelle Gerichtsunterlagen dokumentierten, wie derb der Streit an der Spitze von vier ‚alten‘ Männern eine Unternehmens-Ikone wie Xerox nachhaltig beschädigt. (Darwin Deasen, Carl Icahn, Jeff Jacobson und Shigetaka Komori sind zusammen über 300 Jahre alt, letztlich alle geprägt von Egozentrik inkl. einem extremen Hunger nach Macht und Geld.)

Zum ersten Forums-Tag erinnerte mich Facebook an ein Foto aus meinem Account, dass exakt 10 Jahre alt ist. Es zeigt die unvergessliche Anne Mulcahy noch als Chairman & CEO von Xerox Corp., die mir erklärte, wie stolz und zufrieden sie sein könne, dass Xerox seine Innovationsführerschaft in einer solch guten Verfassung zukunftsorientiert auf solidem Fundament ausbauen kann. Insofern könne sie beruhigt den Stab als Chefin weitergeben…

 

Anne Mulcahy drupa 2008

 


Zerrbild oder Realität: Xerox — ‚ein schmelzender Eisberg‘?

Anna Naruszko, Chefredakteurin Poligrafika and Opakowanie Magazines, war vom #XeroxForum 2018 in ihrer Heimatstadt Warschau sichtlich beeindruckt. Sie sei quasi in ein Dilemma geraten, das sie so noch nicht kannte. Am Tag nach dem Event fielen ihr beim Interview mit Xerox-Top-Manager Andrew Copley kaum noch offene Fragen ein. „Das XeroxForum war perfekt organisiert, alles auf den Punkt gebracht, hoch informativ, unterhaltsam und inspirierend — ohne uns Zuhörer zu überfrachten“, sagte sie mir unmittelbar im Anschluss.

Andrew Copley, President, Graphic Communications Solutions,  hatte beim Presse- und Analysten-Briefing klar und ohne Umschweife Position bezogen. Copley betonte, dass Xerox trotz vieler Medienberichte zum ‚Proxy Fight’  im Tagesgeschäft völlig Intakt sei: „Daily business and operations aren‘t infected and absolutely stable“. 

Dass Copley Recht hat, ließ sich in meinen Gesprächen mit vielen der rund 500 Teilnehmern überprüfen. Nicht nur Top-Kunden aus aller Welt, sondern auch Händler und Partnerunternehmen aus dem Software- und Papier-Sektor waren präsent. Tenor: Hohe Kompetenz und Innovationskraft von Xerox lassen uns alle zuversichtlich sein, die Transformation-Journey im Digitalzeitalter bestens zu überstehen, weil Print durch Xerox-Innovationen auf vielen Ebenen stark bleibt.


Trumpfkarte ‚Hyperpersonalisierung‘

Was die Zukunft von uns allen ausmachen wird, erläuterte engagiert und motivierend Toni Clayton-Hine, SVP, Chief Marketing Officer, Xerox Corporation. Sie betonte was nicht nur für Xerox selbst, sondern vor allem für seine Kunden, Händler und Partner wichtig sei, um in allen Märkten Erfolg zu haben: #hyperpersonalization. 

Xerox habe sich entsprechend neu justiert, da nur so die Customer Experience inklusive Customer Benefits und Customer Relations als das Maß aller Dinge in den Fokus rücken können. 

 

‚Hyperpersonalisierung‘? Schon wieder so ein ‚Buzz-Word’ um eine neue Sau durchs Dorf zu treiben? Nein, keinesfalls! ‚Hyperpersonalisierung‘ ist existentiell von Belang, trifft den Nerv von Kunden im Digitalzeitalter und hindert daran, von den dunklen Seiten der Digitalisierung gepackt, als Individuum in Anonymität und Bedeutungslosigkeit zu versinken.

Das Besondere an #hyperpersonalization

Während ‚personalisierter Service‘ häufig bedeutet, den Kunden beim Namen zu nennen und seine Präferenzen zu verfolgen, wird der Umgang mit dem Kunden durch Hyperpersonalisierung auf ein viel höheres Niveau gehoben — mit weitaus höherem, persönlichen Nutzen. Denn es geht primär darum, Kundendaten in Echtzeit zu entschlüsseln, zu bearbeiten und v. a. in den Kontext zu stellen, mit dem was Win-Win-Szenarien leisten müssen.

Zum Bild: In der Mode- und Kosmetik-Welt ist Hyperpersonalisierung bereits angekommen. Siehe Instagram @londaprof oder YouTube: https://youtu.be/RNVA_PcbeGo

Fakt ist: Kunden von heute haben eine völlig andere Erwartungshaltung. Sie möchten mit Unternehmen und Marken interagieren, die sie als Individuum identifizieren, die ihnen sofortigen Zugriff auf Informationen über jede Interaktion in jedem Kanal bieten. Und die Probleme sofort verstehen und wissen, wie sie es lösen können, basierend auf den erfassten Daten. Das ganze kann und muss konform sein mit den Datenschutzrichtlinien.

Für Toni Clayton-Hine zeigt sich, dass Xerox dabei seine Stärken und Kompetenzen voll zur Entfaltung bringen kann. „Print in seinen modernen, durch Digitaltechnologien angereicherten Möglichkeiten, spielt im Kontext mit #hyperpersonalization eine ganz maßgebliche und auch auf lange Zeit unverzichtbare Rolle“, sagte sie mir im persönlichen Gespräch. Darauf sei nicht nur das Xerox-Leistungsangebot, sondern auch das Marketing von Xerox auf allen Ebenen ausgerichtet. 

Des Pudels Kern: Konversationen!

Dass dieser Anspruch von Toni Clayton-Hine ernst gemeint ist und kein bloßes Marketing-Palaver sein kann, zeigte sich mir in den letzten Wochen: Beinahe täglich war ich seit Anfang Mai 2018 auf der xerox.com-Website, um zusehen, was es zu den Konzernführungs-Streitigkeiten Neues gibt. 

 


Bildschirmfoto 2018-05-26 um 12.32.11 Screenshot von der Xerox Corp. Website per 26. Mai 2018


 

Ich wurde durchgehend vom 9. Mai 2018 bis dato (26. Mai 2018) auf die neueste Innovation von Xerox im Print hingewiesen, die auch auf dem #XeroxForum 2018 in Warschau zelebriert wurde: Iridesse – eine faszinierende neue Technologiebasis, die „BeyondCMYK“ das Digitaldrucken auf Premium-Niveau mit einem Feuerwerk an zusätzlichen Metallic-Farben in sog. One-Pass-Verfahrensweise, also in einem integrierten, durchgängigen Prozess, auf einer Vielzahl von Bedruckstoffen ermöglicht. So stark und gut platziert war bis dato bei Xerox auf Konzernebene noch keine Print-Innovation!

Beachtenswert: Jacob Aizikowitz, Präsident der Xerox-Tochter XMPIE, brachte auf den Punkt, worum es in seinen HiTech-Workflow- und Software-Anwendungen tatsächlich geht: „At least: it’s all about storytelling!“. 


 

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Storytelling ist kein Luxus. Sondern ein Muss!

Im Nachgang zum #XeroxForum ergab sich zu meinem o. g. Echzeit-Post eine interessante, ergänzende Diskussion auf LinkedIn. Jacob Aizikowitz führte in einem Kommentar weiter aus, was aus seiner Sicht unter Storytelling im Kontext mit Multichannel zu verstehen ist:

Its not fairytale stories… and its perfectly OK to collaborate with an Agency in order to invent, tell, and execute the ‘story’. Its not enough these days to say that you do just print; nor is it enough to say that you know how to do PURLs. These days you need to talk Customer Experience… Engagement… Journeys from touch point to touch point, moving between Print and Digital, outbound and inbound, leading towards some desired goal of success.

A hot example is the story of engaging a consumer via the package of the goods they purchased. The package’s QR code leads the consumer mobile into a landing site… interaction adds more data, helps identify desires, and maybe followed with an email and a coupon landing in the consumer’s e-Wallet. This is story-telling.

You need to know how to tell such story in order to get the job from your client. They need to be engaged by your story. And in order to create such stories, one needs experience, imagination, innovation, and a good set of tools for sketching, developing, telling, interacting, deploying, and managing the execution of all journeys that flow from the story.

Meine Ergänzung:

Fully agreed, Jacob Aizikowitz. — Addendum: But don‘t forget that it‘s also a challenge to have a best-in-class storytelling approach to communicate properly (mainly by Social Media in real-time!) that you are a storyteller in the way you described it.

 


 

Mit andern Worten: Die Aufgabe von Xerox ist vor allen Dingen, die digitale Transformation so zu gestalten, dass dabei menschliche Bedürfnisse und relevante Konversationen  nicht zu kurz kommen und persönliche Belange jederzeit beim Einsatz von digitalen Medientechnik-Prozessen zu berücksichtigen sind. 

Multichannel erhält dadurch eine neue Dimension: Humanity — Menschlichkeit! Das passt in Zeiten von Social Media, Social Responsibility und Social Selling perfekt ins Bild. — Der kanadische Musiker und Bestseller-Autor David Usher zeigte in seiner herausragenden multimedialen Präsentation wie im Mix aus persönlichem Vortrag, Live-Gesang, witzig-pointierten Charts, Videos (u.a. mit seiner kleinen Tochter) und dem Dialog mit dem Publikum des #XeroxForum vom Menschen erschaffene Kreativleistung inszeniert werden kann. #Benchmark


 

Neue Chancen. Neues Glück?

Die Art und Weise, wie das #XeroxForum 2018 konzipiert und durchgeführt wurde, haben das Publikum wie auch mich nachhaltig begeistert. Das Forum war (wie sonst vielfach üblich) kein Show-Act, um möglichst stark zu beeindrucken! Alle Beteiligten waren mit Herz und Verstand dabei und schafften einen Konsens für alle Branchenvertreter aus dem globalen Print-Business, dem sich niemand entziehen konnte. Dazu trug auch bei, dass die Referenten durchweg smart, eloquent und sympathisch ihr Publikum zu keiner Zeit aus den Augen verloren. Entsprechend funktionierte das Networking und Miteinander ganz hervorragend.

Ein wichtiger Indikator für den Erfolg: Das Echt-Zeit-Feedback via Social Media war phänomenal. Allein per Twitter wurden über 2,6 Millionen Impressions während des Events erreicht. Zehntausende reagierten auf der Business-Plattform LinkedIn. 

Zugleich zeigte sich, dass die eingangs zitierten Streitigkeiten auf Top-Führungsebene nach außen mehr Schaden anrichteten als Spuren im Inneren des Konzerns zu hinterlassen: Iridesse als komplexes Entwicklungsprojekt von Xerox mit Fuji Xerox litt und leidet unter keinerlei Schwierigkeiten im Miteinander. Im Gegenteil, die heterogenen Teams aus den USA und Japan verstehen sich bestens. Weiteres ist in der Pipeline.


Epilog

Zwei kleine ‚Schönheitsfehler‘ gab es am Rande des #XeroxForum 2018 zu beobachten:

  1. Es wurde wie in der Branche üblich noch immer darüber spekuliert, dass Druckereien / Print Service Provider nunmehr doch endlich Marketing Services Provider werden müssten. — Hoppla! Das ist Quatsch! Druckerei zu sein, ist auch im Digitalzeitalter keine Schande. Warum auch? Druckereien müssen mit dem was sie gut können einfach ‚nur’ einen richtig guten Job machen und stets über Innovations-Lösungen zeigen, dass Print werthaltig und heute wie morgen unverzichtbar ist. — Wenn schon ein neuer Begriff, dann doch eher: ‚Print Innovation Solution Partner‘. Kurz: #PISP. Oder?
  2. In einem Workshop wurde Druckereien anhand eines 10-Punkte-Plans pragmatisch erklärt, wie sie sich vernünftig präsentieren und ihre Geschäfts-Kommunikations- und -Marketing-Aufgaben optimieren. Ganz anschaulich und in den Anforderungen moderat, fast so, wie man das vor zehn Jahren hätte machen sollen. Für 99 Prozent der Teilnehmer war dies dennoch Neuland — und wird es wohl für viele auch künftig bleiben, je schneller die ‚Digital Transformation‘-Journey voranschreitet. — Autsch! — Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.


#XeroxForum 2018 via Twitter— ein starker Erfolg!

 

: Great success for on — 2,684,548 impressions by 113 contributors! — Most active: #1 #2 #3 | Results via

 


 

Video mit Galapräsentation

 


 

Die wichtigsten Tweets im Überblick

Per Value-Echtzeit-Report via Twitter Moments gibt es einen umfassenden und rasch erfahrbaren Überblick über alles Wichtige auf dem #XeroxForum 2018 (inklusive Fotos und Videos).


Addendum

Beispiel, wie Änderungen im Verbraucherverhalten durch Innovationen im Packaging auf innovative Weise ein Echo finden können.

 


 

Zum Autor

Andreas Weber ist Gründer und CEO von Value Communication AG. Als Analyst & Berater für Erfolg mit Print im Digitalzeitalter ist er zugleich auch globaler Netzwerker und Publizist. Sein Blog www.valuetrendradar.com inspiriert Nutzer/Leser aus über 130 Ländern.

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Dr. Ulrich Hermann, Vorstand und Chief Digital Officer der Heidelberger Druckmaschinen AG, gab am 12. Dezember 2017 im Team mit Tom Oelsner, SVP Sales Excellence, den Start für die Vermarktung von Heidelberg Assistant bekannt. Foto: Heidelberg.

Von Andreas Weber, Head of Value

—Link zur englischen Fassung—

Think global, act local — Diese Devise könnte nunmehr auch für Druckereien – kleine wie große – gelten: Egal wo der Inhaber/Manager sich aufhält: per Smartphone, Tablet oder PC wird es jederzeit über den Heidelberg Assistant als neuartige, Browser-basierte  Plattform möglich, alle wichtigen Abläufe und Prozessschritte im eigenen Unternehmen und nicht nur im Drucksaal zu überwachen und zu steuern. Hinzu kommen viele neue Möglichkeiten, etwa das eigene Unternehmen im Vergleich zu sehen mit anderen. Und alles was es braucht, um die Produktionsmittel am Laufen zu halten, erfolgt automatisch. Vom technischen Service/der Wartung, bis zur Materialbestellung. Diese neuartige Form des integrierten Betriebsmanagements ist nunmehr Realität und beschleunigt die Fahrt auf der „Digital Transformation Journey“ aufs Beste. Heidelberg selbst transformiert dabei sein Maschinenbaugeschäft in der Weise, ein zeitgemäß-innovativer Plattformbetreiber für die Druckbranche zu sein.

Die Faktenlage: Serienstart von Heidelberg Assistant in vier Ländern

Der Heidelberg Assistant geht marktreif an den Start. Damit ist laut Heidelberg die Basis geschaffen, um das Geschäft mit Printproduktionen aller Art auf eine neue Ebene zu heben. Das Ziel lautet, die Zusammenarbeit von Heidelberg als Lieferant mit tausenden seiner Druckerei-Kunden auf allen Ebenen nahtlos digital gestalten zu können. Pilotmärkte sind Deutschland, Schweiz, die USA und Kanada. Über 30 Kunden aus sechs Ländern waren in die Entwicklung involviert, flankiert von 400 Kundenbefragungen — vor allem auch in China. Der Clou: Der integrierte Plattform-Ansatz macht auch im klassischen Druck ganz neue Betreibermodelle und eCommerce Angebote möglich, damit sich Druckereien ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Gleichzeitig kann man in Bezug auf Heidelberg langfristig von höheren Umsätzen im Servicebereich und bei Verbrauchsmaterialien ausgehen. Die Basisversion des Heidelberg Assistant ist für Kunden kostenlos und wird sicher über eine individuelle Heidelberg-ID geregelt.

„Mit dem Heidelberg Assistant digitalisieren wir die Zusammenarbeit mit dem Kunden. Die daraus gewonnen Erkenntnisse sind Voraussetzung für den Aufbau unserer neuen digitalen Geschäftsmodelle und beschleunigen die digitale Transformation des Unternehmens“, legt Dr. Ulrich Hermann, Vorstand Heidelberg Services und Chief Digital Officer, dar.

 

Video: Heidelberg

 


 

Im Detail geht es laut Unternehmensangaben um folgendes:

  1. Digitale Zusammenarbeit mit dem Kunden über den gesamten Lifecycle — Heidelberg Assistant ermöglicht Kunden einen reibungslosen Ablauf ihrer Prozesse bzw. den smarten und effizienten Betrieb ihrer Druckerei.
    Vorteile: Anwender erhalten einen Gesamtüberblick über den Service- und Wartungsstatus ihrer Druckerei inklusive datengestützter Ausfallvorhersage. Zudem sollen Nutzer durch den Zugriff auf die größte Wissensdatenbank der Branche von neuen Performancedienstleistungen profitieren, mit denen sie das Potenzial ihrer gesamten Wertschöpfungskette möglichst vollständig ausnutzen können. Der Zugang zu Big-Data-Performance-Analysen soll weitere Potenziale zur Produktivitätssteigerung bieten.
    Zusatznutzen: Heidelberg kann mit dem Assistant seine bereits eingeführten Big-Data-Anwendungen wie Predictive Monitoring und Performance Consulting weiter im Markt skalieren.
  2. Digitalisierung der Servicekette — Persönlicher Zugang mit Echtzeitzugang zu Wissensdatenbank und Service.
    Vorteile: Kunden erhalten einen sicheren und persönlichen Zugang zum Heidelberg Assistant und können so alle Informationen, wie Status bzw. Produktivität ihrer Maschinen oder über in Anspruch genommenen Dienstleistungen rund um ihr Unternehmen überall und jederzeit abrufen.
    Zusatznutzen: Beispielsweise sind Softwareupdates, vorausschauende Wartungsmeldungen oder das Vertragsmanagement und ein Rechnungsüberblick im System möglich.
  3. Smartes eCommerce-Angebot bis hin zu neuen Geschäftsmodellen — Der Heidelberg Assistant bietet einen direkten Zugriff auf den neuen Heidelberg eShop (www.shop.heidelberg.com).
    Vorteile: Durch diese Verbindung entsteht eine smarte eCommerce-Lösung, da Produkte nach Kundeninstallation und bedarf individuell empfohlen werden können.
    Zusatznutzen: Verbrauchsmaterialien und ausgewählte Serviceteile werden in der Regel innerhalb von 24 Stunden geliefert.

 

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Foto: Heidelberg.

Das zusätzliche Highlight: Neue Formen für Betreibermodelle

Heidelberg sieht die Digitalisierung vor allem auch als Basis für neue digitale Geschäftsmodelle. Hierfür werden gemäß Unternehmensangaben zwei Bereiche angeführt, die jeweils dem Win-Win-Prinzip folgen:

  1. Big Data: Die umfangreiche Datenanalyse aus der weltweit installierten und vernetzten Basis an Maschinen und Software ermöglicht Heidelberg den Aufbau neuer digitaler Geschäftsmodelle. Insgesamt profitieren Kunden und Heidelberg von der Auswertung einer Datenbasis von über 10.000 angeschlossenen Maschinen- und über 15.000 Softwaresystemen.
    Vorteile: Daraus kann laut Heidelberg ein auf den exakten Bedarf des Kunden und seiner gesamten Wertschöpfungskette zugeschnittenes Angebot bestehend aus Equipment, Software Verbrauchsmaterialien und Service erstellt werden
    .
  2. Subscription: Betreibermodelle, bei denen Heidelberg mit Kunden einen fixen Preis für den bedruckten Bogen vereinbart, werden auf dieser Grundlage möglich. Heidelberg stellt dafür alle notwendigen Betriebsmittel zur Verfügung.
    Vorteile: Der Kunde kann sich voll auf die Vermarktung seines Angebots konzentrieren. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Anzahl von Kunden, die sich für ein Betreibermodell entscheiden, ist von steigenden Umsätzen auszugehen, bei Kunden wie bei Heidelberg.

 


Nachgefragt per ValueDialog — Tom Oelsner, Leiter Sales Excellence bei Heidelberg, stand beim Produkt-Launch von Heidelberg Assistant Rede und Antwort.

Sie haben ein echtes Mammut-Projekt gestemmt. Im Team mit über 30 Pilotkunden. Was waren dabei die größten Herausforderungen?

Tom Oelsner: Die größte Herausforderung bestand darin, einen interaktiven agilen Designprozess im Dialog mit ausgewählten internationalen Kunden zu schaffen und zielführend unsere digitalen Entwicklungen nach vorne zu bringen. Durch die Vorstellung des Heidelberg Assistant als Prototyp auf der drupa 2016 konnten wir bereits viel Kundenfeedback sammeln. Ein eigens zusammengestelltes Team erweiterte auf dieser Basis gemeinsam mit Kunden die Plattform, um sich hundertprozentig am Tagesbedarf der beteiligten Kundenmitarbeiter (vom Print-Operator über den Betriebsleiter, Einkäufer etc. sowie die  Geschäftsführung) zu orientieren. Dabei wurden über agile Entwicklung diese Erweiterungen schnell ausgestaltet und greifbar gemacht, die dann sehr rasch zur Diskussion und für weitere Tests bereit standen.

Welche Kriterien/Aspekte waren und sind für Ihre Kunden am Wichtigsten?

Tom Oelsner: Der Heidelberg Assistant begleitet den Kunden über den gesamten Lebenszyklus des Produkts. Es geht um industrielle Produktion, daher sind Maschinenverfügbarkeit und Produktivität die wichtigsten Ziele. Somit nehmen die Themen rund um Service und Wartung eine herausragende Stellung ein. Mit Fragen wie: Wann kommt welcher Techniker, wann welche Materialien etc. Grundsätzlich sind in den verschiedenen Produktionsbereichen, die unsere Kunden abbilden, Differenzierungen vorzunehmen, die auch vom Unternehmenstyp und von der Firmen-/Mitarbeiterstruktur abhängen. Es galt z. B. herauszufinden, ob es Vollzeit Einkäufer oder Doppel- und Mehrfachfunktionen in den Betrieben gibt, damit wir sicherstellen können, dass alle involvierten Mitarbeiter adäquat für ihre spezifischen Aufgaben durch ihren Plattform-Account unterstützt werden und sich wieder finden. Dadurch lösen wir komplexe Anforderungen und stellen einen maßgeschneiderten Rollen-/Aufgaben-spezifischen Umgang mit Heidelberg-Assistant sicher, der durch eigene Sub-Accounts ausdifferenziert werden kann.

Was ist für Sie persönlich das Spannendste an dem Projekt? Und wie wird es sich weiterentwickeln?

Tom Oelsner: Das Spannendste ist, dass erstmals eine Plattform mit einer Vielzahl von Interaktions-Möglichkeiten in Echtzeit entsteht. Damit erfüllen wir die Anforderungen der Platform-Economy und portieren diese in transparenter Form auf das Print-Produktions-Geschäft. Das Kunden-Feedback ist ausgezeichnet, mögliche Akzeptanzschwellen werden rasch überwunden. Die Weiterentwicklung vollziehen wir in drei Richtungen.

1. Reichweite: Weitere Kunden in den vier Pilot-Ländern ansprechen, um dort möglichst viele, am besten alle Heidelberg-Kunden einzubeziehen, sowie für die Plattform-Nutzung weitere Ländern erschließen wie Japan und China.

2. Produkt-Integration: Bis dato sind alle Produkte von Heidelberg-bereits integriert, aber noch nicht in gleicher Tiefe. Nach und nach wollen wir den Leistungsumfang für alle Heidelberg- und OEM-Produkte erweitern und beispielsweise die Ausfallvorhersage auch über Sheetfed-Maschinen hinaus anbieten..

3. Innovation: Derzeit haben wir über 200 neue Ideen aus den Teams, die wir auf technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit prüfen und in neue Releases einarbeiten. Das nächste Release der jetzigen Fassung Heidelberg Assistant 1 kommt bereits im März 2018, weitere werden dann durch extrem schnelle Zyklen alle drei Monate folgen.

Übrigens: Der Zuspruch intern bei Heidelberg, also aus der Kollegenbasis, ist fantastisch. Das alles zusammen macht große Freude und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, die digitale Transformation Wirklichkeit werden zu lassen.

Vielen Dank für das informative Gespräch!


 

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Zur Person

Tom Oelsner studierte an der Technischen Universität Dresden und schloss als Diplom-Informatiker ab. Seit 1990 war er für Linotype-Hell AG in verschiedenen Software-Entwicklungsbereichen/-Funktionen tätig. Seit 2002 entwickelte er als Program-Manager für Heidelberger Druckmaschinen AG die Remote Services/Heidelberg Cloud; 2008 wurde er Vice President Enterprise & Services und seit Oktober 2010 treibt er als SVP Sales Excellence Digitalisierungsprojekte für Heidelberg und seine Kunden voran.

 


 

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Analyse und Kommentar von Andreas Weber, Head of Value

Klare Worte von Verleger Johann Oberauer, die ins Mark treffen: „Fachmedien für Print ticken seit Jahr und Tag alle ziemlich gleich. Sie verbreiten weitgehend die Nachrichten der [Zulieferer-]Industrie. Oft genug benutzen sie sogar denselben Wortlaut der jeweiligen Pressemitteilungen.“ — So geäußert im Oktober 2017 im Editorial von „Druck & Medien“. Und Anlass für einen ValueCheck zur Lage der Fachmedien für die Druckbranche.

Fakt ist: Kaum eine Branche ist seit Jahrhunderten gesellschaftlich, kulturell sowie wirtschaftlich so bedeutend wie die Druckbranche. Und gleichzeitig kommunikativ so ungeschickt und untalentiert. Denn: Branchenkommunikation über die eigenen Grenzen hinweg findet eigentlich nicht statt. Und innerhalb der Druckbranche kommt man eigentlich mit den Pressemeldungen der Hersteller-Industrie, der Fachmesse-Messeanbieter und der Verbände aus.

Dabei müssten nicht die Maschinen, sondern die Menschen, also die Drucker im Mittelpunkt stehen – und ihre drängenden Fragen, wie Johann Oberauer betont. Seinen Fachtitel ‚Druck & Medien‘ hat er darum komplett neu ausgerichtet und die Chefredaktion mit Sandra Küchler neu besetzt. Oberhauer will aus dem Kreislauf ausscheren, nicht mehr nur noch sozusagen als die verlängerte Werkbank von PR-Abteilungen und ihren Agenturen fungieren. Er möchte sein redaktionelles Angebot an der aktuellen und künftigen Situation der Leser aus der Druckbranche ausrichten und Antworten bieten für drängende Fragen:

  • Wie kann ich neue Kunden gewinnen oder bestehende noch besser betreuen?
  • Wie kann ich meine Erträge steigern – und muss ich dafür überhaupt mehr Umsatz haben?
  • Welche Maschinen brauche ich wirklich?
  • Wie laste ich sie sinnvoll aus?
  • Und sind Investitionen auch noch in drei Jahren sinnvoll?
  • Wie muss ich meine Mitarbeiter führen?
  • Soll ich IT-Kompetenz im Haus aufbauen oder zukaufen?

„Das ist ein komplett anderer Blick, das ist der Blick der Drucker“, schreibt Oberauer. Entsprechend will das neue „Druck & Medien“ in jeder Ausgabe zahlreiche Strategiegespräche mit erfolgreichen Druckern, eine Fülle von Best Cases und umfangreiche Dossiers, die den Druckern Orientierung in einer Phase des Umbruchs bieten.

 

 

 

My Take: Den ‚Gordischen Knoten‘ zerschlagen, um die Orientierung wiederzufinden!

Den Versuch, Leser und ihre Aktivitäten in den Fokus zu stellen, halte ich für absolut richtig. Gerade bei Fachmedien für die Druckbranche. Es bedeutet zwangsläufig neue Erlösmodelle zu schaffen und eine radikale Abkehr von dem, was sich seit fast einer Generation als Übel aufbaute: Da durch die zunehmende Automatisierung der Druck-Technik und ihrer Prozesse das Leserpotential dramatisch schrumpfte, fokussierten sich die Fachverlage auf Anzeigenkunden, um Erlöse zu erzielen respektive zu maximieren. Entsprechend wurden die Reaktionen personell ausgedünnt. Das Gros der Auflagen wird gratis verteilt. Die ‚redaktionelle Intelligenz‘ wurde sozusagen ausgelagert an die PR-Abteilungen der Werbekunden und deren PR-Agenturen.

Die negative Wirkung ist bekannt: Auflagen und damit Reichweite haben sich ebenso dramatisch reduziert wie die Anzahl der Titel, da der Nutzwert sich nahe null reduzieren kann. Denn die Hersteller haben ihre Kommunikationsinfrastruktur zu den Kunden, den Druckereien, extrem optimiert. Mit dem Effekt: Das, was die Fachzeitschriften-Redaktionen erreicht, wird parallel über viele Kanäle und Plattformen direkt (und oft auch besser/schneller/multimedialer als von den Verlagen) publiziert. PR-Agenturen und Marktforschungsinstitute wurden zudem selbst zu Verlagen, indem sie die Hersteller-News gratis in eigenen Portalen veröffentlichen.

Dieses Überangebot mit seinen Dopplungseffekten von Herstellerinformationen macht aber kaum Sinn, zumal die Hersteller in ihren Botschaften ziemlich ähnlich sind (alle sind die Besten, Marktführer, Innovatoren mit dem breitesten Angebot etc.). Im Gegenteil, es ist geradezu schädlich, es verwirrt und schafft Verdruss. Und vor allem: Die eigentlich wichtigen Themen, die helfen, die Veränderungen im Digitalzeitalter zu nutzen, um sich als Branche mit hoher Expertise für Print klar zu positionieren, werden nicht erkannt. Das, was wirklich relevant ist, spielt sich längst in den sozialen Netzwerken ab, mit hoher Interaktion durch die Leser, die unter sich bleiben, um sich auf Expertenniveau zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen. Print-Fachverlage spielen dabei kaum eine Rolle, da hier Kompetenzen und eine wirksame Präsenz fehlen oder einfach zu dilettantisch in Push-Manier agiert wird. Zu bedenken ist: Social Media Networking ist für Print und die Druckbranche so eminent wichtig. Durch Twitter und LinkedIn bieten sich vielfältige Möglichkeiten aufzuspüren, welche Themen tatsächlich wichtig sind, wo es Bedarf gibt und was die Menschen aus der Druckbranche und deren Kunden beschäftigt.

 

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Zum Autor

Andreas Weber widmet sich seit über 30 Jahren als Analyst, Keynote Speaker und Coach dem Thema Print im Digitalzeitalter. Sein Blog ValueTrendRadar.com wird von Lesern aus mehr als 125 Ländern der Welt als Kompendium aktiv genutzt. Die von ihm entwickelte #InfluenceB2B Programmatik bietet zeitgemäß Möglichkeiten, um Print adäquat zu positionieren und als wichtigste Säule von Multichannel- und Masscustomization-Szenarien erfahrbar zu machen.

Kontakt: Via Twitter @ValueCommAG und @zeitenwende007 sowie via LinkedIn: Andreas Weber

 


 

EPILOG: Ausnahmen bestätigen die Regel!

Gottseidank! — Es gibt noch Ausnahme-Publikationen, die als Leitbild dienen. Wie ‚Druckmarkt‘: Seit 1996 erscheint das gleichnamige Magazin in Deutschland, seit 2001 eine eigene Ausgabe für die Schweiz. Beide Magazine werden von Spezialeditionen flankiert: Die Impressions als PDF-/Online-Magazin sowie die Collection-Reihe zur fundierten Vertiefung von wichtigen Einzelthemen aus der Welt der Technik. Verleger und Chefredakteur Klaus-Peter Nicolay hält alles persönlich im Griff: Texte, Bilder, Layouts und eine Themensetzung, die ihresgleichen sucht. Mit Liebe zum Detail, exzellenter Typografie und stets einer Prise Humor bringt „Nico“ auf den Punkt, was die Print-Branche ausmacht. [Siehe auch unser Interview per ValueDialog]

Nach 21 Jahren stimmt das Konzept noch immer: „Seit 1996 versteht sich der Druckmarkt als unabhängiges Magazin der Graphic Arts Industrie und Management-Magazin für Unternehmer, Führungskräfte und Entscheider. Diesen bieten wir ein reichhaltiges Angebot an gedruckten Publikationen, Online-Informationen sowie das PDF-Magazin “Druckmarkt impressions” im Internet.“

Der Erfolg bei den Lesern ist nachhaltig und ganz hervorragend. Einen Neustart oder eine Neuausrichtung braucht Druckmarkt nicht. Eher, vor allem auf der Seite der Anzeigenkunden, ein neues Denken, das sich an der Werthaltigkeit und den Werten von Print orientiert. „Wie kann man denn für Print glaubhaft einstehen, wenn Print-Technologie-Hersteller Print als wichtigste Plattform für ihre eigene Geschäftskommunikation nicht mehr goutieren?“ — Ein Kritikpunkt, der unbedingt Beachtung finden sollte, wenn man sich selbst und der ganzen Branche nicht schaden will.

 

 

 


 

By Andreas Weber, Head of Value

You should keep the date 8 November 2017 in mind. Experts from around the globe joined the #Heideldruck #PackagingDays to get deep insights on how the packaging business makes progress to get transformed by innovation bizz concepts and digital print technologies. It’s all about the paradigmeshift from #massmarketing to masscustomization.

My take: It’s not a speculation anymore. It’s meanwhile a solide fact that modern print technologies like Heidelberg presented it take the lead to guide us in a sustainable way on the digital transformation journey. Driven by competency, creativity, relatedness and ‚German Mut’ we have new a solide basis to re-invent what we do. It’s amazing that such huge and fast growing markets like Label & Packaging were able to adopt print innovations in their sophisticated industrial environment on such a high level.

To make a long story short, I will share my real-time report via Twitter, a rich collection of quotes, comments, photos and video interviews produced in an authentic and unplugged manner during the event. It should give you the feeling like to have joined us in Wiesloch at the Heidelberg Print Media Center and at the MPS factory in Obersulm, Germany.

 


Note: For any reason there is probably a technical problem caused by WordPress. Some of the video thumbnails are shown upside down. But the videos should work properly if you click on it.


Prelude

A real world premiere commented by Andreas Weber.


Heidelberg CEO Rainer Hundsdörfer made clear that his company is the market leader in providing packaging print production solutions on a high-class quality & productivity level.

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In medias res

Steffen Schnizer, GM Sales at Multi Packaging Solutions MPS, Obersum/Germany, highlighted the excellent partnership with Heidelberg to make Primefire106 perfectly fitting to the needs of MPS customers demand.

Steffen Schnizel gave a special interview in German language as well. His key point: Packaging printing creates the highest demand regarding quality, color, productivity, reliability. At least Heidelberg could fulfill that now in the field of digital printing as well as in offset printing.


Heidelberg’s SVP Global Head of Digital Print Business Montserrat Peidro explains the relevance of digital print innovations for the market. Masscustomization is already the main topic to cover an increasing demand by brand owners! — (English version first, German version second).

 

NOTE: See as well the ValueDialog with Montserrat Peidro I published earlier this year. It‘s about the specific benefits of Primefire106 and the advantage of industrial digital printing.

 


Focus on technology

Heidelberg’s Board member Stephan Plenz shared great insights to identify the right technological needs and solutions. The secret: It’s not enough to have the right digital print engine … The Heart or better: the brain is Prinect — Heidelberg’s digital frontend system architecture which’s able to manage all kind of digital printing machines plus offset printing machines in once.

 

 


At a glance via Value@Twitter Moments

 


 

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