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Tag Archives: Verlag

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Die Buch-Krise ist größer als angenommen. Dem Buchmarkt sind von 2013 bis 2017 6,4 Millionen Käufer abhanden gekommen. Grafik: Andreas Weber. Foto: ZDF, Mainz.

 

#Think!Paper—  Edition 1, Volume 4

Von Andreas Weber, Head of Value

Die Frankfurter Buchmesse offenbart durch ihre Stärken die Schwächen der Verlage. Für fünf Tage im Jahr passiert das, was Leser sich wünschen, aber sonst nicht bekommen können: Persönlicher Kontakt mit Autoren, Büchermachern und tausenden anderen Buch-Liebhabern aus aller Welt. Somit ist man Teil des Geschehens.

Im wahren Leben ist das anders. Verlage kennen ihre Kunden nicht. Und schätzen deren Bedürfnisse falsch ein, was zu einer existentiellen Krise führt, die aktuell schlimmer denn je erscheint. (Anm.: In Deutschland sind dem Markt in den Jahren 2013 bis 2017 6,4 Millionen Buchkäufer verloren gegangen; das ist ein Minus von 18 %; Quelle: ZDF-Bericht vom 10.10.2018).

 


Die Umsätze mit e-Books liegen in Deutschland auf niedrigstem Niveau. Quelle: Statista.de


 

Der Fundamental-Irrtum der Verlagswelt (neben der Tatsache, dass das Kerngeschäft Print nicht innoviert resp. transformiert wird, sondern der Fokus nur auf Senkung der Herstellungskosten liegt): Nicht das e-Book wurde zum Feind des Gedruckten. Vielmehr sind es Zeit und Gelegenheit. Leser wenden sich den Plattformen und Blogs zu, die Inhalte anders, v. a. multimedial, per Movies und Bildwelten, inhaltlich kurz, prägnant aufbereiten und das ‚Konsumieren‘ einfach und angenehm machen; gerade auch, weil Inhalte sich damit an den Regeln der Mobile-Welt ausrichten. 

Hinzukommt: Die Menschen schätzen immer mehr, sich mit anderen auszutauschen und Konversationen zu betreiben. 

Ergo: Buchmesse top, Verlagswelt flop! 

#transformation #publishers # fmb18 #PDA #ThinkPaper

Lesetips

Zum Start der Frankfurter Buchmesse 2018 erschien die neueste Onlinestudie von ARD und ZDF.

Siehe auch den Kommentar von Beate Frees und Wolfgang Koch: „Onlinestudie von ARD und ZDF: Über 90 Prozent der Deutschen sind online“

Und: Sieben Fakten zum deutschen Buchmarkt (zdf-mediathek)

 

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English Abstract

#ValueCheck: Potemkin villages?

The Frankfurt Book Fair / Frankfurt Book Fair 2018 reveals the weaknesses of publishers due to its strengths.

For five days a year it’s possible to get, what readers want, but otherwise can not get: personal contact with authors, book makers and thousands of other book lovers from around the world. The beauty: you are part of the action.

It’s different in real life. Publishers do not know their customers. And therefore misjudge their needs, leading to an existential crisis that is currently worse than ever.

The fundamental error of the publishing world (in addition to the fact that the core business of print is not innovated or transformed, but the focus is only on reducing production costs): Not the e-book became the enemy of the printed book. Rather, it is time and opportunity. Readers turn to the platforms and blogs for different content, via  multimedia, movies and image worlds, short in terms of content, concise processing and making ‘consuming’ simple and enjoyable; also because content aligns with the rules of the mobile world.

In addition, people are increasingly appreciating the opportunity to interact with others and to engage in conversations.

Ergo: Book Fair top, publishing world flop!

#transformation #publishers # fmb18 #PDA #ThinkPaper

 


 

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Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, will im Interview beschwichtigen: Auch wenn die Buchkäufer-Zahlen rückläufig sind, gelesen würde so viel wie immer. — Foto: Screenshot aus ZDF-Interview vom 10.10.2018

 

Kommunikation will gelernt sein.

Kommentar von Christian Kopocz via XING

Sehr gut auf den Punkt gebracht, verehrter Andreas Weber. 

Verlage kennen die Kunden nicht. Das wird ein wichtiger Punkt sein. Vergleicht man mit den Teststores von Amazon. Ein Beispiel: Das Geschäft in Chicago zeigt prominent die Bestseller aus dem Viertel/regional bezogen und aus Online- und Offlinewelt gesammelte Informationen. Das macht nicht nur neugierig, es macht auch Sinn.

Verlage, die noch immer lieber in Massenproduktionen zu günstigstem Preis und einer Platzierung im Buchhandel kalkulieren, ohne einen Weg zu finden, die Informationen der Leser zu sammeln und vor allem sinnvoll zu nutzen, die haben einfach keine Zukunft. 

Doch es passiert einfach noch immer zu wenig. Perspektivlosigkeit, Alter, allgemeine Situation. Alles Ausreden für fehlenden Willen und Fähigkeit.

In der Tat ist der persönliche Kontakt schwer. Da haben es Verlage noch schwerer als der Buchhandel. Auch hier findet man nur selten wirkliche Konversation. Lesungen allein sind nicht das Mittel. 

Doch Kommunikation will gelernt sein. Da war wieder das böse Wort. LERNEN. Da liegt ein weiteres Problem. Lebenslanges Lernen. Tut nicht weh, doch wie oft soll man das noch sagen und beweisen?

#handel #buch #buchhandel #book #transformation #learning #change #customercentric

 

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Analyse und Kommentar von Andreas Weber, Head of Value

Klare Worte von Verleger Johann Oberauer, die ins Mark treffen: „Fachmedien für Print ticken seit Jahr und Tag alle ziemlich gleich. Sie verbreiten weitgehend die Nachrichten der [Zulieferer-]Industrie. Oft genug benutzen sie sogar denselben Wortlaut der jeweiligen Pressemitteilungen.“ — So geäußert im Oktober 2017 im Editorial von „Druck & Medien“. Und Anlass für einen ValueCheck zur Lage der Fachmedien für die Druckbranche.

Fakt ist: Kaum eine Branche ist seit Jahrhunderten gesellschaftlich, kulturell sowie wirtschaftlich so bedeutend wie die Druckbranche. Und gleichzeitig kommunikativ so ungeschickt und untalentiert. Denn: Branchenkommunikation über die eigenen Grenzen hinweg findet eigentlich nicht statt. Und innerhalb der Druckbranche kommt man eigentlich mit den Pressemeldungen der Hersteller-Industrie, der Fachmesse-Messeanbieter und der Verbände aus.

Dabei müssten nicht die Maschinen, sondern die Menschen, also die Drucker im Mittelpunkt stehen – und ihre drängenden Fragen, wie Johann Oberauer betont. Seinen Fachtitel ‚Druck & Medien‘ hat er darum komplett neu ausgerichtet und die Chefredaktion mit Sandra Küchler neu besetzt. Oberhauer will aus dem Kreislauf ausscheren, nicht mehr nur noch sozusagen als die verlängerte Werkbank von PR-Abteilungen und ihren Agenturen fungieren. Er möchte sein redaktionelles Angebot an der aktuellen und künftigen Situation der Leser aus der Druckbranche ausrichten und Antworten bieten für drängende Fragen:

  • Wie kann ich neue Kunden gewinnen oder bestehende noch besser betreuen?
  • Wie kann ich meine Erträge steigern – und muss ich dafür überhaupt mehr Umsatz haben?
  • Welche Maschinen brauche ich wirklich?
  • Wie laste ich sie sinnvoll aus?
  • Und sind Investitionen auch noch in drei Jahren sinnvoll?
  • Wie muss ich meine Mitarbeiter führen?
  • Soll ich IT-Kompetenz im Haus aufbauen oder zukaufen?

„Das ist ein komplett anderer Blick, das ist der Blick der Drucker“, schreibt Oberauer. Entsprechend will das neue „Druck & Medien“ in jeder Ausgabe zahlreiche Strategiegespräche mit erfolgreichen Druckern, eine Fülle von Best Cases und umfangreiche Dossiers, die den Druckern Orientierung in einer Phase des Umbruchs bieten.

 

 

 

My Take: Den ‚Gordischen Knoten‘ zerschlagen, um die Orientierung wiederzufinden!

Den Versuch, Leser und ihre Aktivitäten in den Fokus zu stellen, halte ich für absolut richtig. Gerade bei Fachmedien für die Druckbranche. Es bedeutet zwangsläufig neue Erlösmodelle zu schaffen und eine radikale Abkehr von dem, was sich seit fast einer Generation als Übel aufbaute: Da durch die zunehmende Automatisierung der Druck-Technik und ihrer Prozesse das Leserpotential dramatisch schrumpfte, fokussierten sich die Fachverlage auf Anzeigenkunden, um Erlöse zu erzielen respektive zu maximieren. Entsprechend wurden die Reaktionen personell ausgedünnt. Das Gros der Auflagen wird gratis verteilt. Die ‚redaktionelle Intelligenz‘ wurde sozusagen ausgelagert an die PR-Abteilungen der Werbekunden und deren PR-Agenturen.

Die negative Wirkung ist bekannt: Auflagen und damit Reichweite haben sich ebenso dramatisch reduziert wie die Anzahl der Titel, da der Nutzwert sich nahe null reduzieren kann. Denn die Hersteller haben ihre Kommunikationsinfrastruktur zu den Kunden, den Druckereien, extrem optimiert. Mit dem Effekt: Das, was die Fachzeitschriften-Redaktionen erreicht, wird parallel über viele Kanäle und Plattformen direkt (und oft auch besser/schneller/multimedialer als von den Verlagen) publiziert. PR-Agenturen und Marktforschungsinstitute wurden zudem selbst zu Verlagen, indem sie die Hersteller-News gratis in eigenen Portalen veröffentlichen.

Dieses Überangebot mit seinen Dopplungseffekten von Herstellerinformationen macht aber kaum Sinn, zumal die Hersteller in ihren Botschaften ziemlich ähnlich sind (alle sind die Besten, Marktführer, Innovatoren mit dem breitesten Angebot etc.). Im Gegenteil, es ist geradezu schädlich, es verwirrt und schafft Verdruss. Und vor allem: Die eigentlich wichtigen Themen, die helfen, die Veränderungen im Digitalzeitalter zu nutzen, um sich als Branche mit hoher Expertise für Print klar zu positionieren, werden nicht erkannt. Das, was wirklich relevant ist, spielt sich längst in den sozialen Netzwerken ab, mit hoher Interaktion durch die Leser, die unter sich bleiben, um sich auf Expertenniveau zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen. Print-Fachverlage spielen dabei kaum eine Rolle, da hier Kompetenzen und eine wirksame Präsenz fehlen oder einfach zu dilettantisch in Push-Manier agiert wird. Zu bedenken ist: Social Media Networking ist für Print und die Druckbranche so eminent wichtig. Durch Twitter und LinkedIn bieten sich vielfältige Möglichkeiten aufzuspüren, welche Themen tatsächlich wichtig sind, wo es Bedarf gibt und was die Menschen aus der Druckbranche und deren Kunden beschäftigt.

 

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Zum Autor

Andreas Weber widmet sich seit über 30 Jahren als Analyst, Keynote Speaker und Coach dem Thema Print im Digitalzeitalter. Sein Blog ValueTrendRadar.com wird von Lesern aus mehr als 125 Ländern der Welt als Kompendium aktiv genutzt. Die von ihm entwickelte #InfluenceB2B Programmatik bietet zeitgemäß Möglichkeiten, um Print adäquat zu positionieren und als wichtigste Säule von Multichannel- und Masscustomization-Szenarien erfahrbar zu machen.

Kontakt: Via Twitter @ValueCommAG und @zeitenwende007 sowie via LinkedIn: Andreas Weber

 


 

EPILOG: Ausnahmen bestätigen die Regel!

Gottseidank! — Es gibt noch Ausnahme-Publikationen, die als Leitbild dienen. Wie ‚Druckmarkt‘: Seit 1996 erscheint das gleichnamige Magazin in Deutschland, seit 2001 eine eigene Ausgabe für die Schweiz. Beide Magazine werden von Spezialeditionen flankiert: Die Impressions als PDF-/Online-Magazin sowie die Collection-Reihe zur fundierten Vertiefung von wichtigen Einzelthemen aus der Welt der Technik. Verleger und Chefredakteur Klaus-Peter Nicolay hält alles persönlich im Griff: Texte, Bilder, Layouts und eine Themensetzung, die ihresgleichen sucht. Mit Liebe zum Detail, exzellenter Typografie und stets einer Prise Humor bringt „Nico“ auf den Punkt, was die Print-Branche ausmacht. [Siehe auch unser Interview per ValueDialog]

Nach 21 Jahren stimmt das Konzept noch immer: „Seit 1996 versteht sich der Druckmarkt als unabhängiges Magazin der Graphic Arts Industrie und Management-Magazin für Unternehmer, Führungskräfte und Entscheider. Diesen bieten wir ein reichhaltiges Angebot an gedruckten Publikationen, Online-Informationen sowie das PDF-Magazin “Druckmarkt impressions” im Internet.“

Der Erfolg bei den Lesern ist nachhaltig und ganz hervorragend. Einen Neustart oder eine Neuausrichtung braucht Druckmarkt nicht. Eher, vor allem auf der Seite der Anzeigenkunden, ein neues Denken, das sich an der Werthaltigkeit und den Werten von Print orientiert. „Wie kann man denn für Print glaubhaft einstehen, wenn Print-Technologie-Hersteller Print als wichtigste Plattform für ihre eigene Geschäftskommunikation nicht mehr goutieren?“ — Ein Kritikpunkt, der unbedingt Beachtung finden sollte, wenn man sich selbst und der ganzen Branche nicht schaden will.

 

 

 


 

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Eine Kritik an der Medienkritik von Miriam Meckel

Grossartig. In vielem hat sie recht, die WiWo-Chefredakteurin Miriam Meckel, ehemals Kommunikationswissenschaftlerin in St Gallen. Und schickt uns trotzdem wie sich selbst auf die falsche Fährte… Auszüge aus ihrem Artikel „Zukunft der Medien: Unkreative Zerstörung in der Medienbranche“:

  • INTRO: Der digitale Wandel wirkt bei Medien und Werbung bisher nicht schöpferisch, sondern verdummend. Wir sollten das ändern, um unser Menschsein zu wahren.
  • Der derzeitige Slogan der Werbewirtschaft – „Klick mich!“ – hat ungefähr den erotischen Reiz der früheren Call-in-Werbeformate im Privatfernsehen.
  • In den vergangenen zehn Jahren hat sich unsere Aufmerksamkeitsspanne von zwölf auf acht Sekunden reduziert. Sie liegt damit nun unter der eines Goldfischs. Das liegt auch daran, dass das Werbemodell in der digitalen Medienwelt auf Reizüberflutung statt Qualitätsbotschaften, auf dumpfe Reaktion statt Engagement setzt.
  • (…) die Qualität von Inhalt und Werbung steht in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis. Wer gute Inhalte sucht, will werbemäßig nicht wie eine Dumpfbacke behandelt werden. Umgekehrt gilt das Gleiche.
  • Die Logik der biologischen Verödung des Menschen greift, wenn wir zulassen, dass im Zuge der Digitalisierung Inspiration gegen Bequemlichkeit und Qualität gegen das schnelle Abschöpfen von Quantität ausgetauscht werden.
  • Tatsächlich sollte es in unserem Leben so etwas wie ein verbindendes Element geben, das über unsere individuellen Präferenzen, unsere Wohlfühlzonen der Selbstgewissheit und Selbstverstärkung hinausreichen sollte. Das leisten auch soziale Netzwerke nur partiell (…)
  • Nur wer sich Überraschendem, Unvorhersehbarem aussetzt und sich neuen Aufgaben in immer wieder anderen Zusammenhängen stellt, bleibt im Kopf vital.
  • Wenn wir also nicht nur Ziel, sondern auch Treiber der digitalen Informationswirtschaft sein wollen, dann sollten wir nicht weiter zulassen, dass unser Gehirn mit Massenware überflutet wird, wie es derzeit in vielen digitalen Angeboten geschieht.
  • OUTRO: Unsere Haupteigenschaft ist, dass wir Mensch sind. Das ist nicht nur ein Gattungsbegriff, sondern bezeichnet auch eine Qualität. Für die Gestaltung unserer Medienzukunft wäre es gut, wenn wir kreative Zerstörung fördern würden, unter der Voraussetzung, dass der Mensch Teil der Gleichung bleibt. Alles andere wäre die weitreichendste Disruption, die wir uns vorstellen können: die des jahrtausendealten Geschäftsmodells der Humanität.

Meine Kritik: Please practice what you preach!

Kluge Worte nehmen Schaden und bringen kaum Nutzen, wenn man sie, wie Miriam Meckel als Mitverantwortliche der Plattform, auf der sie publiziert, in einem Umfeld präsentiert, das genau das anschaulich macht, was (zurecht) kritisiert wird. Zu dem zeigt Miriam Meckel keinen probaten Lösungsansatz auf. Hier gut, da schlecht, so ist die Welt gar nicht. Und Technologieentwickler wie Facebook oder Google als Volksverdummer zu brandmarken, weil sie Technik höchst einfach und leicht nutzbar machen, bringt wenig. Und trifft den Kern nicht: Die High-Tech-Newcomer mit ihren Algorithmen wollen gar nicht Medien sein.

Apropos Volksverdummung: Dummheit ist die Ausprägung von mangelnden Kenntnissen und damit verursacht durch ein Bildungsdefizit. Und hier liegt das Dilemma mit den werbefinanzierten Medien von denen Miriam Meckel spricht: Die, die diese Medien machen, haben die neue Welt und die Grundprinzipien der „Digitalisierung“ nicht verstanden. Hier sind seit mehr als 25 Jahren kreative Zerstörungen am Werk, die disruptivem Denken entsprechen. Wohlgemerkt: Denken. Technologien können per se nicht disruptiv sein, sie optimieren etwas, was schon in anderer Form vorhanden oder nicht möglich war. Mit dem Ergebnis: Die Königsdisziplin ist Multichannel! Technologie vernetzt, das Social Life zielt auf das Verstärken der Human-to-Human Kontakte ab. Medien und ihre Macher als Mittler im Datentransfer spielen da kaum eine Rolle bzw. werden nicht mehr wie bisher gebraucht. Wir alle können mit uns allen direkt in Kontakt treten, Daten nach belieben hin und her schaufeln, uns austauschen, Interaktionen herbeiführen, Dinge empfehlen. Was auch immer. Grenzen gibt es keine. Und gerade Blogger lieben es, über ihr Blogging Menschen persönlich zu erreichen, die sie anders kaum finden würden, und, wenn es passt, diese andere, neue Person persönlich zu treffen.

Liebe Frau Meckel, Sie ausgenommen, muss man feststellen: Die „Dumpfbacken“, wie sie es nennen, sitzen in den Chefetagen der (traditionellen) Medien. Das sind zu 99 Prozent „digitale Analphabeten“, die Smartphones und Tablets stolz besitzen, aber gar nicht professionell nutzen können. Das auf uns Leser/User/Zuschauer, sprich Empfänger (und damit uns alle) abzuwälzen, ist weder sinnvoll noch zielführend. Ihre „Medien“ haben doch schlichtweg den Anschluss verpasst. Und wollen an der Gier nach noch mehr Werbegeldern festhalten — und weniger an dem Wohl der Leser/User/Zuschauer. Alle Neuerungen, die das Kommunikations- und damit Medienverhalten beeinflussen und verändern, kommen von Dritten, ausserhalb der Medienbranche. Das kommt gut an. Warum auch nicht? Ergo: Ihre Medien sind nicht (mehr) meine/unsere Medien. Der „Qualitäts-Journalismus“, wie sie ihn einfordern, den gibt es seit langem nicht mehr, weil Journalisten per Diktat durch die „Dumpfbacken“ auf die Quote schielen müssen. Oder? (Siehe dazu meine Analyse zu Zeitungsverlagen). Das ist der wahre Grund für das Dilemma und die „Unkreative Zerstörung in der Medienbranche“, die sie anprangern. — Besser erscheint aus meiner Sicht, liebe Frau Meckel, zu praktizieren, was Sie predigen. Zeigen Sie doch, wie es gehen sollte, am eigenen Beispiel auf! Vielleicht können Sie uns dann wieder begeistern.

Beste Grüße aus der Gutenberg-Stadt Mainz, dem Ursprungsort unserer Kommunikationskultur! Hoch geschätzt von wenigen Deutschen — aber von vielen aus dem Silicon Valley sowie den Innovationszentren in China, Japan und Korea!

Ihr 

Andreas Weber

PS: Den Beitrag von Miriam Meckel fand ich nur, weil er auf Facebook von einem Freund gepostet wurde. Die WiWo-Website lese ich sonst nicht… Und das aus gutem Grund, wie der nachfolgende Screenshot von der WiWo-Website vom 23.10.2015 zeigt: Kommunikativ ein Desaster! Oder?

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Value Talk by Andreas Weber @ Ink Jet Day Event 20052014 FINAL.007

 

Ein bewusst „böser“ Kommentar von Andreas Weber,
Sprecher DigitaldruckForum, Mainz

 

Das ultimative Manager-Motto scheint zu sein:
“Man kombiniert etwas, was nicht funktioniert, mit etwas, was nicht stimmt.”

 

Zwei interessante Wochen liegen hinter uns: Interpack 2014 in Düsseldorf, Online Print Symposium 2014 und Fespa Digital in München sowie vor allem die Swiss Publishing Days in Winterthur mit dem Thema „Inkjet macht Druck“.

 

So beeindruckend die Vielfalt der gebotenen Informationen ist, so ernüchternd ist die Erkenntnis, das das größte Übel die sind, die sich als Marktführer und Brancheninnovatoren selbst beweihräuchern und die von ihnen verschandelte Realität ignorieren.

 

Hoch bezahlte Manager aus der Digitaldrucktechnik-Herstellerindustrie bringen ihre Botschaft nicht rüber (von wenigen Ausnahmen abgesehen, lieber François Martin!). Ihr Fach- und Branchenwissen ist lausig. Ihre Vortragsfähigkeiten sind grauenhaft. Null Empathie, null Emotion, aber dafür viel Hybris. Sie kommen zu solchen Events wie Gladiatoren, treten selbstbewusst auf, verbreiten Blödsinn. Und sind gleich wieder beim jeweiligen Event verschwunden, ohne mitzubekommen, was sich in ihrem Markt tatsächlich tut. Selbst Mitarbeitern, vor allem aus dem Vertrieb derselben Hersteller, ist so etwas mehr als peinlich! Und mindert den Erfolg dramatisch!

 

Was ist nur los? 

 

Nach über 20 Jahren sog. Innovation der Print- und Publishing-Branchen tun die meisten nur, was sie können, aber nicht mehr was sie tun sollten. Digitaldruck spielt nach wie vor im Profi-Print-Markt nur eine marginale Rolle (gemessen an Print-Output und Umsatzvolumen). Der Kardinalsfehler: Die neuen Print-Technologien werden in Konkurrenz zu den klassischen Verfahren gesetzt. Statt zu zeigen, dass Print wichtiger Bestandteil einer digitalen Kommunikationskultur sein kann und muss.

 

Manager bei Digitaldrucktechnik-Herstellern, die vor zehn Jahren bei Hersteller-Firma X grosse Fehler machten (wie z. B. die Bedeutung von Fotobüchern als Wachstumsmarkt zu verleugnen), sind heute bei Firma Y in neuen Top-Entscheider-Positionen. Und setzen ihr düsteres Schaffen eifrig fort. Selbst wenn die neuen Arbeitgeber am Abgrund stehen und ihre Kunden mit nach unten ziehen. Dieselben Manager, die nicht kommunizieren und präsentieren können, kippen auch die Budgets für PR und Marketing-Kommunikation. Die Folge ist, dass aus der einst hervorragenden Fachkommunikation der Print-Branche ein stupider Push von Pressemeldungen mit Produkt- und Messeneuheiten über alle Kanäle geworden ist, die keiner braucht und die keinen Nutzen bringen. Fachzeitschriften-Verleger wissen, wovon ich rede!

 

Hinzukommt: Marketingabteilungen werden transformiert zu Market & Business Development-Units, die aufgebläht plumpe Verkaufsförderung betreiben und deren Leistung darin besteht, Kundenbeispiele zu sammeln und auf teuren VIP-Events vorzustellen.

 

Stoppt diesen Wahnsinn!

 

Und die meisten Kunden dieser Hersteller, die Druckerei-Unternehmen, lassen sich diesen schädlichen Dilettantismus gefallen. Munter wird gekauft, was als neu und zukunftsträchtig gilt. Man nennt so etwas das Lemminge-Syndrom.

 

Scheinbar wird übersehen, was alles passiert beziehungsweise nicht passiert, und dadurch die Branche nachhaltig schädigt. Die einst so stolzen Drucker werden von Jungspunden aus dem Digitalsektor als Loser belächelt. Das ist skandalös, aber selbstverschuldet.

 

Und gelinde gesagt, ist das heller Wahnsinn. Und muss sofort gestoppt werden, wenn der Schaden nicht noch größer werden sollen. Immerhin reden wir davon, dass im Sog der Technik-Hersteller hunderttausende Druckerei-Betriebe Schaden nehmen. Milliardenverluste in den letzen sechs Jahren, auf globaler Ebene in deutlich zweistelliger Höhe, sind die Folge, ebenso wie Arbeitsplatzverlust und Pleiten. Dies nur auf Strukturveränderungen und Marktveränderungen abzuwälzen, ist Selbstbetrug. Innovative Technik und Marktchancen durch Innovation gibt es zuhauf. Allein die Markt- und Kommunikationskompetenz ist unterentwickelt; ebenso wie die Innovations-Freudigkeit, mit dem Anspruch, die Printwelt nachhaltig zu verändern und neu auszurichten.

 

Fazit: Der Fisch stinkt vom Kopf her. Jagt dilettierende, selbstverliebte Top-Manager zum Teufel. Kehrt zu den Wurzeln zurück, die Print stark gemacht haben: Pionier- und Innovationsgeist, Kompetenz, Zielstrebigkeit sowie Werthaltigkeit. Der „olle“ Gutenberg würde sich freuen. Und last but not least: Formuliert endlich klare Botschaften, Visionen und solide Leistungsversprechen, um das Ruder rumzureisen, bevor der Print-Kahn endgültig kentert.

 

Beste Grüße aus der Gutenberg-Stadt Mainz!

 

Value Talk by Andreas Weber @ Ink Jet Day Event 20052014 FINAL.013

 

Bildcollage von Andreas Weber, unter Verwendung des Gemäldes der Künstlerin Ying Lin-Sill “Gutenberg Memorial 2009”, Öl auf Leinwand.

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