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ValueMemo! — „Das Ziel findet sich durchs Laufen!“

ValueArt+Com ValueMemo! 2015.001

@ 2015 Value Communication AG, Mainz/Germany | Bildcollage von Andreas Weber. Links: Alfred Hrdlicka “Wunderkind Mozart”, Farbradierung, 2004, Sammlung Andreas Weber, Frankfurt am Main.

 

Ein sinnhaftiger Jahresgruss von Andreas Weber

“Being an artist is not just about what happens when you are in the studio. The way you live, the people you choose to love and the way you love them, the way you vote, the words that come out of your mouth… will also become the raw material for the art you make.” —Teresita Fernández, Visionary Sculptor

Die letzten 18 Monate waren äußerst herausfordernd, um nicht zu sagen brutal. Wo viel Licht ist, ist eben auch viel Schatten. Sei’s drum. Wichtiger und zielführender als zu Lamentieren ist in jedem Fall wohl überlegt zu agieren. Ohne in Aktionismus zu verfallen. Das fällt mehr und mehr Zeitgenossen schwer. Es häufen sich (leider vielfach) fruchtlose Debatten bis hin zu Streitereien, einfach nur um recht zu bekommen. Hinzu kommt: Je höher unser Technisierungsgrad wird, um so grösser die Konfusion. Das selbstständige Denken leidet. Warum und wieso beschreibt der Wissenschaftler und Hirnforscher Ernst Pöppel im Team mit Beatrice Wagner in seinem Buch „Dummheit: Warum wir heute die einfachsten Dinge nicht mehr wissen“. Dummheit sei unvermeidbar und gehöre zu unserem biologischen Erbe.

Der kluge Rat, um von Dummheit zu profitieren, lautet: „Ihre Fallen zu kennen, kann aber helfen.“ Ein Fazit der Wissenschaftler: „In Zeiten der rasanten Zunahme von Informationen gewinnt der einzelne Mensch nicht etwa an Wissen, sondern verliert es dramatisch. Intuitives Wissen, die Fähigkeit zur Selbstkontrolle, das Wissen um das menschliche Maß, Handlungswissen – was über Generationen überlebenswichtig war, werfen wir zugunsten von ‚immer mehr‘ und ‚immer schneller‘ über Bord.“

Sich der eigenen Dummheit zu stellen, ist kein einfaches, aber ein unabdingbares Unterfangen. Die größte Dummheit, die man begehen kann, besteht darin, sich nicht der Sinnhaftigkeit der Dinge und des eigenen Tuns zu widmen. Das Streben nach Sinnhaftigkeit, wie es die Hermeneutik lehrt oder wie es modern gefasst auf englisch heisst: „The Sense of Purpose“, ermöglicht Selbstständigkeit und Kommunikationsfähigkeit, das Einordnen in Gesamtzusammenhänge und Sinnvermittlung.

Der Sinn der Sinnhaftigkeit:
Auswirkungen verstehen

Sinnhaftigkeit ergibt sich primär durch Wissen, Interaktion und die Erfahrung kultureller Leistungen. Der Österreicher Karl Payer beschäftigte sich 2006 in seiner Auslegung von Martin Heideggers „Sein und Zeit“ mit der Analyse der Frage nach dem Sinn des menschlichen Daseins. Payer ist es gelungen, Heidegger mittels Alltagssprache zu kommentieren und seine Texte ins Netz zu stellen, damit möglichst viele Menschen sich damit auseinander setzen können. Siehe: http://seinundzeit.at/download.html

Ein Auszug:

(…) Um die Sinnhaftigkeit eines Ereignisses oder einer Handlung zu erfassen, ist es nicht notwendig, dass ich das Ereignis oder die Handlung verstehe, vielmehr ist es erforderlich, dass ich seine/ihre Auswirkungen verstehe. (“Ich verstehe zwar nicht, wie das zustande gekommen ist, aber ich sehe, dass es einen ausgesprochen positiven Effekt auf ihn hat, und das freut mich sehr!”)

So können wir sagen: Sinn ist das Woraufhin, das Ziel oder der Zweck des Entwurfs, aus dem heraus etwas verständlich wird.

Eine unsinnige Handlung ist eine Handlung, die aus Teilhandlungen besteht, welche keinen logischen Zusammenhang erkennen lassen. Beispiel für “Etwas Unsinniges tun”: “Einen roten Luftballon salzen, pfeffern und dann im Backrohr garen.”

Sinn und Prozess (Teilprozess – Gesamtprozess): Um etwas als sinnvoll zu bezeichnen, muss es aus mehreren Teilschritten bestehen, die nacheinander ablaufen und ein erkennbares Ziel haben. Es muss ein sich durchziehender roter Faden erkennbar sein; es muss in irgendeiner Weise ein Konzept dahinter stehen. Die Teilschritte sind wiederum Teil eines größeren Konzeptes, eines Entwurfs mit einem Woraufhin, also einem Ziel oder Zweck. (…)

Nicht der Weg führt zum Ziel, sondern das Ziel findet sich durchs Laufen!

Die letzten 18 Monate waren äußerst herausfordernd, um nicht zu sagen brutal. Wo viel Licht ist, ist eben auch viel Schatten. UND DAS IST GUT SO! — Dinge sind, ebenso wie all unser Handeln und Tun, alles andere als ein Selbstzweck. Nach über dreissig Jahren Beschäftigung mit Technologie und Innovation durch Kommunikation darf ich sagen: Die Sinnhaftigkeit im Leben der meisten unter uns ist diffundiert. Weil wir den roten Faden verloren haben. Weil wir (allzuoft!) ohne schlüssiges Konzept agieren. Beruflich wie privat. 

Allen, die sich der Sinnhaftigkeit widmen wollen, sei empfohlen: Sucht Euch eine übergeordnete Denk- und Erlebniswelt. Die nichts mehr mit Konsum(gewohnheiten) und Technikgläubigkeit zu tun hat. Für mich, für uns bei ValueArt+Com, war in den letzten 18 Monaten die intensive Beschäftigung mit Kunst und Künstlern ein wahrer Rettungsranker. Herausgekommen sind einzigartige Momente, Begegnungen, Publikationen, Ausstellungen, Neuheiten und Erfahrungen, die sich mit uns bei tausenden Menschen in vielen Ländern der Welt  festgeschrieben haben. In unseren Herzen. In unserem Verstand. In unserer Seele (soweit vorhanden!).

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