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Screenshot aus KI Festival-Video-Doku des Städel Museum mit Constanzes Kurz, Gitta Kutyniok, Ingo Dachwitz, Nora Al-Badri, moderiert von Vivian Perkovic

KI ist längst Alltag – und sie bleibt. Die Diskussion beim KI-Festival im Städel Museum mit Moderatorin Vivian Perkovic und Expertinnen und Experten wie Constanze Kurz, Prof. Gitta Kutyniok sowie Ingo Dachfeld zeigte eindrücklich: Wir stehen an einem Wendepunkt. Es geht nicht um Hype oder Angst, sondern um kluge Gestaltung.

Vom „Ausbruch“ der KI zur Verantwortung der Anbieter

Jüngste Vorfälle bei OpenAI und Anthropic, bei denen Modelle Sicherheitsbarrieren umgingen, wurden kontrovers bewertet:

Constanze Kurz sieht darin vor allem Marketing und warnt vor Vermenschlichung: KI simuliert Verhalten, hat aber weder Bewusstsein noch eigene Ziele.

Gitta Kutyniok betont die wachsende Mächtigkeit der Systeme: Der Fehler lag in der unzureichenden Abschottung – die Agentenkommunikation wirkt intelligent, bleibt aber zweckgebunden.

Kernpunkt: Verantwortung liegt bei den Anbietern – technische Grenzen müssen robust sein, Narrativen sollte man kritisch begegnen.

Der vergessene Faktor Mensch und die Lieferkette der KI

Ingo Dachfeld lenkt den Blick auf Produktionsbedingungen: Content-Moderation und Datenlabeling, oft ausgelagert in den globalen Süden, schützen Nutzerinnen und Nutzer, belasten aber jene, die diese Arbeit leisten. Verantwortung darf nicht in komplexen Lieferketten diffundieren. Fair-Work-Standards sind überfällig.

Daten, Vielfalt und Entmystifizierung

Datensätze prägen, was Modelle „sehen“. Historisch dominierte der globale Norden (z. B. ImageNet). Die Antwort: kuratierte, kontextbewusste Southern Data Sets und Projekte wie „Babylonian Vision“, die KI als Mustererkenner begreifen – als Werkzeug, nicht als Wesen.

Infrastruktur sichtbar machen

Rechenzentren verbrauchen Energie und Wasser – oft ohne Transparenz. Pflichtkennzahlen zu Verbrauch, Kühlung und Emissionen sind notwendig, damit Unternehmen und öffentliche Hand rational entscheiden können. Wenn Kapazitäten ausgebaut werden, braucht es klare Berichte und Audits.

Technik, Effizienz und Vertrauen

Neuromorphes und photonisches Computing versprechen Effizienzgewinne; Biocomputing zeigt experimentelle Pfade. Standards und Programmierbarkeit müssen mitwachsen.

LLMs halluzinieren. Vertrauen entsteht durch Herkunftsnachweise, Modellkarten, Risikoberichte, unabhängige Audits und Optionen für lokale, datenschutzfreundliche Nutzung ohne Zwangsintegration.

Medienkompetenz als Pflichtfach

LLMs haben kulturelle und politische Färbungen. Medienkompetenz muss dauerhaft in Schulen und Weiterbildung verankert werden – wer KI bewusst nutzen will, muss sie verstehen. Transparenzlabels, ähnlich dem Energieeffizienzlabel, könnten Verbrauch, Zuverlässigkeit und Datenherkunft sichtbar machen – echter digitaler Verbraucherschutz.

Chancen nicht übersehen

KI löst komplexe Theoreme und eröffnet personalisierte Medizin – schon heute. Gleichzeitig sollten versteckte Kosten (Energie, Wasser, epistemische Risiken, militärische Anwendungen) ehrlich eingerechnet werden. Oft sind kleinere, spezialisierte Modelle präziser und ressourcenschonender als Generalmodelle.

Kreativität, Kultur und digitale Souveränität

Künstlerische Praxis zeigt die konstruktive Kraft von KI: Projekte wie „The Post Truth Museum“ von Nora nutzen Deepfakes, um dekolonisierte Zukunftsnarrative zu imaginieren. Kulturinstitutionen und Qualitätsjournalismus können eine Renaissance erleben: kuratieren, kontextualisieren, Sinn stiften.

Europa sollte seine Werte – Datenschutz, Urheberrecht, Transparenz – selbstbewusst durchsetzen. Ein europäisches KI-Modell auf den Datenschätzen öffentlich-rechtlicher Sender, Bibliotheken und Forschung ist realistischer Aufruf zum Handeln.

Drei konkrete Schritte

  • Verantwortung sichtbar machen: Fair-Work-Standards entlang der gesamten Lieferkette, inklusive ausgelagerter Moderationsteams.
  • Transparenz verpflichtend machen: Energie- und Wasserberichte für Rechenzentren, Modellkarten, Herkunftsnachweise, unabhängige Audits und klare Datenschutzpraktiken.
  • Vielfalt in Daten fördern: Kuratierte, kontextreiche Datensets aus der globalen Mehrheit in Kooperation mit Communities, Kunst und Forschung.

Die Zuversicht entsteht nicht aus blindem Technikglauben, sondern aus unserer Fähigkeit, KI gemeinsam klug zu gestalten.


Screenshot der KI-Festival Videos des Städel Museum auf YouTube. Hier sind die Podiumsbeiträge per Live-Stream-Mitschnitt dokumentiert.


Im Rahmen der #besserleben Berichtsreihe werden von mir alle wichtigen Beiträge auf Bühne 1 des KI-Festivals thematisiert und kommentiert. 

Bereits im Blog erschienen:

Bitte auch die Posts auf LinkedIn beachten!


Wird fortgesetzt!


Blick in die Druckwerkstatt im Bernardbau. Foto: Thomas Lemnitzer

Oder: Warum wir wieder schwarze Finger brauchen

Wenn man den Bernardbau in Offenbach am Main betritt, wird man nicht von dem üblichen Summen unserer digitalen Geräte begrüßt, sondern von einem Duft. Eine Mischung aus frischer Farbe, Schmieröl und Terpentin – ein Hauch von Nostalgie. In einer Zeit, in der wir meist über die glatten Bildschirme unserer Smartphones streichen, fühlt sich die raue Oberfläche eines Solnhofener Kalksteins oder die Kühle einer metallenen Letter fast wie eine kleine Rebellion an.

Warum erlebt ein Handwerk, das von der Digitalisierung eigentlich schon abgeschrieben wurde, ein Comeback? Das „Hot Printing“ Druck-Festival in Offenbach gibt uns die Antwort: Wir sehnen uns nach etwas Greifbarem. Wir wollen nicht nur zuschauen, sondern die Welt wieder mit unseren Händen erleben.

Weltkarrieren starteten mit Steinplatten (und Mozart)

Dass dieses Festival in Offenbach stattfindet, ist kein Zufall. Die Stadt ist tief mit der Druckgrafik verbunden. Hier wurden Unternehmen wie Manroland zu Weltmarktführern, doch die eigentliche Revolution begann schon viel früher. Alois Senefelder erfand die Lithographie zwar in München, aber erst in Offenbach eroberte sie im 19. Jahrhundert die Welt.

Johann Anton André, ein Verleger mit einem Gespür für das Besondere, erkannte das Potenzial der Steinplatten und erwarb den musikalischen Nachlass von Wolfgang Amadeus Mozart. Mit der neuen Technik konnte er Mozarts Partituren in einer Qualität und Menge vervielfältigen, die es vorher noch nicht gegeben hatte. Man könnte sagen, in Offenbach wurde die „Popkultur“ geboren. André machte Hochkultur für die breite Masse zugänglich und erschwinglich – eine Art Vorläufer der heutigen Indie-Print-Szene und der Risographie-Kultur.

Dieses Erbe ist kein altes Relikt, sondern das Fundament, auf dem moderne Gestalter heute experimentieren, um der Beliebigkeit digitaler Bilder zu entkommen.

„Elisabeth“: Ein fünf Tonnen schwerer Gigant aus Eisen

Mitten in der Druckwerkstatt, wo die Maschinen ratternd arbeiten, steht „Elisabeth“ (als Leihgabe der Internationalen Senefelder Stiftung, die ihren Sitz in Offenbach am Main hat). Elisabeth ist eine motorisierte, speziell angefertigte Flachdruckmaschine von beeindruckender Größe, die den industriellen Geist vergangener Zeiten verkörpert. „Sie wiegt fast fünf Tonnen, so viel wie ein großer Elefant“, beschreibt Werkstattleiter Dominik Gußmann die Maschine mit einem Hauch von Ehrfurcht.

Während „Elisabeth“ für den effizienten, technisch ausgefeilten Druckvorgang steht, erlebt die manuelle Andruckpresse eine kleine Renaissance. Hier zeigt sich der schöne Kontrast zum maschinellen Flachdruck: Der Mensch ist der Taktgeber. Man muss die Kurbel mit etwas Kraft und dem richtigen Rhythmus bedienen – „Ruhig etwas schneller“, sagt Gußmann freundlich, damit das Druckbild schön scharf wird. Erst wenn das mechanische „Klick“ ertönt, ist alles fertig. Es ist eine schöne körperliche Erfahrung, die zeigt, wie ein Bild entsteht.

Experimentelle Alchemie: Von Mainwasser bis Borkenkäfer

Was die Besucher beim Festival begeistert, ist die Abkehr von der sterilen Perfektion. Das „Hot Printing“ – benannt nach einer Serie des experimentellen Druckers Hendrik Nicolaas Werkman – ist ein Spielplatz für Alchemisten. Hier wird die Technik zum Medium des Zufalls.

Stellt euch vor: Künstler sammeln Rückstände direkt vom Main und bannen sie auf Papier – das ist Wasserlithographie! Oder Materialdruck, bei dem Borkenkäfer zerfressene Rindenstücke in faszinierende, organische Druckstöcke verwandeln. Marina Kampka nennt das den „Wundermoment“. In der digitalen Welt können wir ja einfach „Strg+Z“ drücken und Fehler rückgängig machen. Im analogen Druck ist das anders: Ein Fehlgriff ist kein Datenmüll, sondern wird Teil des Kunstwerks. Diese Unvorhersehbarkeit, diese kleine Überraschung, die der digitalen Welt oft fehlt, macht jedes analoge Druckwerk zu einem einzigartigen Unikat.

Warum Handwerk plötzlich wieder „sexy“ ist

Die Sichtweise auf Handarbeit hat sich total gewandelt! Marina Kampka, heute 42, erinnert sich noch gut an ihre Studienzeit in Offenbach, wo Handwerk eher als uncool und altmodisch galt. Heute ist das genau umgekehrt: Wer sich die Hände schmutzig macht, ist voll im Trend. „Man merkt einfach, dass die Leute Handwerk brauchen, weil es immer weniger wird“, erklärt die Künstlerin Ina Hengstler den Wandel.

Hengstler, die für ihre Studien nach Japan und Südkorea gereist ist, bringt eine internationale Perspektive mit nach Offenbach. In Südkorea gibt es zum Beispiel eine lange Tradition des Handsatzes, die schon viel früher begann als bei Gutenberg; in Japan wird das Papierschöpfen und Buchbinden seit Jahrhunderten als Hochkultur gepflegt. Dieses Gefühl für Beständigkeit trifft in Europa auf eine Generation, die von der passiven Bildschirm-Welt genug hat.

Marina Kampka ergänzt: Es sei schön, „selbst etwas zu machen, nicht nur zu konsumieren. Und sich einfach mal die Hände schmutzig zu machen.“

Das bedrohte Erbe: Ein Hilferuf aus Blei

Aber hinter der Begeisterung des Festivals steckt auch ein bisschen Wehmut. Rainer Gerstenberg, mit 79 Jahren der letzte aktive Schriftgießer Deutschlands, steht vor den Trümmern seines Lebenswerks. Seit die Schließung des Darmstädter Hauses der Industriekultur Ende 2023 kam, darf er seine eigene Werkstatt nicht mehr betreten.

Stellt euch vor: Hier schlummern Schätze von unschätzbarem ideellem Wert – historische Maschinen aus der Zeit vor 1900 und über eine Million Matern, also Formen für lateinische, kyrillische und arabische Schriften. Das Ganze hat einen Sachwert von weit über 100.000 Euro! Leider droht diesen Schätzen die Verschrottung, weil das Land Hessen bisher noch keinen Platz für dieses wunderbare Erbe gefunden hat.

Dass das öffentliche Interesse an dieser Tradition riesig ist, zeigt die Tatsache, dass beim letzten Festival in Offenbach rund 2.500 Besucher dabei waren. Dorothee Ader, die Leiterin des Klingspor Museums, setzt sich mit voller Kraft für den Erhalt ein: „Das sind Zeugen eines riesigen Industriezweigs und echtes Kulturgut. Das darf einfach nicht verschwinden!“

Fazit: Die Zukunft ist analoger, als wir dachten! Die Renaissance der Druckkunst ist kein rückwärtsgewandter Kitsch, sondern eher ein Zeichen dafür, dass uns in der digitalen Welt etwas Wichtiges fehlt: die menschliche Wirksamkeit. Die Digitalisierung hat das Analoge nicht ersetzt, sondern vielmehr aufgewertet. Sie hat es vom Zwang der Massenproduktion befreit und zu einer Ausdrucksform für Individualität, Entschleunigung und Nachhaltigkeit gemacht.

Das Festival in Offenbach zeigt, dass die Sehnsucht nach Substanz wirklich generationsübergreifend ist. Wir brauchen die „schwarzen Finger“, um uns selbst in einer Welt zu spüren, die immer flüchtiger wird. Wann habt ihr das letzte Mal etwas mit euren eigenen Händen erschaffen, das man nicht einfach mit einem Klick wieder löschen kann?

Blick in die Druckwerkstatt im Bernardbau. Foto: Thomas Lemnitzer

9. Lithographie Symposium Tidaholm: Eckhard Gehrmann erklärt und demonstriert die ‚Kruck Technik‘ der Steindruckmalerei

Ein Kommentar von Boris Andreas Weber im Namen der Internationalen Senefelder-Stiftung sowie des Förderverein FISS, mit Sitz in Offenbach am Main

The summary in English can be found at the very bottom of the German text.

Stein, Papier, Leidenschaft

Warum eine schwedische Kleinstadt alle vier Jahre durch Senefelders Steindruck zum Nabel der graphischen  Kunstwelt wird

In einer Ära, in der die Halbwertszeit von Bildern in Millisekunden und Algorithmen gemessen wird, wirkt der Prozess fast wie ein anachronistisches Sakrileg: Künstlerinnen und Künstler, die im Jahr 2026 in Summe tonnenschwere Solnhofener Kalksteine schleifen, sie stundenlang mit Fettkreide bearbeiten und chemisch präparieren, nur um einen einzigen Abdruck zu erzeugen. Warum nimmt man diese körperliche Mühsal auf sich? Die Antwort liegt im schwedischen Tidaholm. Alle vier Jahre wird diese beschauliche Kleinstadt während des Internationalen Lithographie-Symposiums zum Zentrum einer globalen Bewegung für Entschleunigung und handwerkliche Tiefe. Vom 28. Juli bis zum 9. August 2026 zelebrierte die 9. Ausgabe dieses Treffens (bestens organisiert von Patrick Wagner) die Lithographie nicht als Museumsstück, sondern als hochaktuelles Medium für zeitgenössische Diskurse.

Foto: Barbara Wilhelmi

Die Vulcan-Insel: Wo Industrie auf Inspiration trifft

Das Epizentrum dieses künstlerischen Ausnahmezustands ist die „Vulcan-Insel“ im Herzen von Tidaholm. Wo einst die industrielle Produktion den Rhythmus vorgab, atmen heute die Druckwerkstätten der Lithographischen Akademie den Geist der Transformation. Es ist ein kuratorisches Statement für sich: Die Umwandlung eines ehemaligen Fabrikareals in ein Zentrum für Grafik symbolisiert die Beständigkeit der Kunst inmitten des industriellen Wandels. Während das benachbarte Marbodal Center in Vorträgen Raum für theoretische Reflexion bot, verwandelte das Symposium die gesamte Stadt in ein begehbares Gesamtkunstwerk. Die Ausstellungen sind dabei nicht auf einen Ort begrenzt, sondern erstrecken sich über drei Galerien im Stadtgebiet, was Tidaholm für zwei Wochen in ein echtes „Art Village“ verwandelt.

Eines der täglichen Highlights, das die Brücke zwischen technischem Erbe und moderner Anwendung schlägt, ist das „Printing on the Schnellpresse“ (Made by Faber&Schleicher in Offenbach/Main) unter der Leitung der Experten Ernst Hanke (1. Senefelder-Preisträger 1984) und Rolf Maas. In einer Welt des „Instant Print“ wird die Arbeit an historischen Maschinen zu einem innovativen Akt des Widerstands. Hier geht es nicht um Nostalgie, sondern um die Wiederentdeckung der Langsamkeit als Qualität. Die Bedienung dieser Kolosse erfordert eine physische Präsenz und eine Sensibilität für das Material, die im Digitalen verloren gegangen ist. Es ist die ‚Renovatio’ einer Technik, die durch ihre Widerständigkeit besticht und dem fertigen Druckkunstwerk eine Aura verleiht, die kein moderner Inkjet-Drucker imitieren kann.

Auf den Spuren von Alois Senefelder: Teilnehmer aus aller Welt beschäftigten sich in Tidaholm auf höchstem Niveau mit dem chemischen Druck durch die bahnbrechende Lithographie-Druckkunst

Das ‚globale Dorf‘ der Steindrucker

Trotz seiner geografischen Abgeschiedenheit ist Tidaholm während des Symposiums ein Schmelztiegel der internationalen Avantgarde. Diese Vielfalt bricht die Isolation des Ateliers auf und schafft ein kollektives Bewusstsein, das in den sozialen Medien unter dem Schlagwort „Litho Love“ weltweit Resonanz findet.

„Ich fühle mich so inspiriert und erfüllt von dieser ‚Litho Love‘ nach einer Woche des intensiven Austauschs … es ist eine fantastische Reise nach Schweden.“ — Danielle Creenaune, Teilnehmerin des Symposiums.

Das Fest der Lithograph*innen: Wenn Steine feiern könnten

Kunst entsteht nicht nur durch den Druck der Presse, sondern durch das soziale Bindegewebe der Gemeinschaft. Die traditionelle Lithographen-Party am Freitagabend, den 31. Juli, markierte den emotionalen Höhepunkt der ersten Symposiumswoche. In dieser informellen Atmosphäre werden jene Netzwerke geknüpft, die die internationale Grafik-Szene über Jahre hinweg tragen. Es ist das Fest einer Community, die verstanden hat, dass der Austausch von Wissen und Leidenschaft ebenso dauerhaft sein muss wie das Bild auf dem Stein.

Fazit: Ein Abdruck, der bleibt

Als am 9. August 2026 die Ausstellungen in den drei Galerien Tidaholms geschlossen wurden, blieb mehr zurück als nur bedrucktes Papier. Tidaholm beweist, dass die Lithographie kein Relikt ist, sondern ein lebendiges Labor für die Zukunft. Die Geduld, die ein Steindrucker aufbringt, ist eine Lektion in Demut gegenüber dem Material und der Zeit.

Vielleicht ist dies die wichtigste Frage, die wir alle aus Tidaholm ableiten können: Was könnten wir über die Qualität unseres eigenen Schaffens lernen, wenn wir der Entstehung unserer Ideen dieselbe Beharrlichkeit und physische Hingabe widmen würden, die Lithograph*innen für einen einzigen perfekten Abdruck aufwendet?

„Es war sehr eindrucksvoll, dass bei den interessanten Tagen in Tidaholm so viele Lithographinnen und Lithographen aus aller Welt in Begeisterung zusammenwirkten, sich austauschten und neue Freundschaften schlossen. Besonders beeindruckt hat mich die Vielfalt von experimentellen und spielerischen Anwendung lithografischer Techniken.“

So lautet auch das Fazit von Prof. Dr. Gerhard Kilger (Vorstandsvorsitzender der Internationalen Senefelder-Stiftung, ISS, mit Sitz in Offenbach am Main), der zusammen mit anderen Vertretern und Freunden der ISS am Symposium im schwedischen Tidaholm teilnahm.

(v.l.n.r.) Gerhard Kilger, Eckhard Gehrmann und Barbara Wilhelmi vom Vorstand der Internationalen Senefelder-Stiftung mit Sitz in Offenbach am Main waren vom 9. Lithographie Symposium im schwedischen Tidaholm hellauf begeistert.

Der Bericht von unserer geschätzten Kollegin Lorena Pradal, Leiterin der Freie Druckgraphik Werkstatt an der HfG Offenbach am Main, und Mitglied in verschiedenen Gremien der Internationalen Senefelder Stiftung / FISS, fasst hervorragend zusammen, was sich in Tidaholm ereignete und welchen Stellenwert eine solche Zusammenkunft hat.

Und im Nachgang nimmt mein ISS Vorstandskollege Eckhard Gehrmann noch Kommentierung und Erläuterungen vor.

Lorena Pradal (links) mit der Künstlerin und Lithographie-Liebhaberin Kiki, die auf Instagram via @printkikiprint fantastische Videoimpressionen aus Tidaholm präsentiert.

Bitte klicken, um sich das Video auf Instagram anzuschauen.


Foto: Lorena Pradal

Tidaholm: Eine globale Lerngemeinschaft rund um dem Stein

9. Internationales Lithographisches Symposium · Tidaholm, Schweden · 2026

Impressionen und Gedanken von Lorena Pradal

Im Mittelpunkt des diesjährigen Internationalen Lithographischen Symposiums in Tidaholm stand ein besonderes Thema: Bildung und Vermittlung. Mehrere Tage lang kamen Künstlerinnen, Druckerinnen, Lehrende, Forschende und Lithograph*innen verschiedener Generationen und aus unterschiedlichen geografischen Kontexten zusammen, um Wissen, Erfahrungen und Fragen rund um eine künstlerische Praxis auszutauschen, die keineswegs statisch ist, sondern sich kontinuierlich weiterentwickelt.

Das Symposium war in zwei miteinander verbundene Bereiche gegliedert. Am Vormittag fanden Vorträge und Präsentationen statt, in denen die Teilnehmer*innen Forschungsprojekte, Erfahrungen oder Aspekte ihrer jeweiligen Praxis vorstellten. Am Nachmittag wurden diese Themen direkt in die Werkstatt übertragen und durch Demonstrationen und praktische Experimente vertieft.

Eine Besonderheit veränderte diese Struktur jedoch grundlegend: Die Werkstatt stand allen Teilnehmer*innen rund um die Uhr zur Verfügung.

Die Werkstatt war damit nicht nur der Ort für die geplanten Demonstrationen. Sie wurde zu einem permanenten Raum für Begegnung, Beobachtung, Gespräch, Experiment und Produktion. Fragen, die während eines Vortrags entstanden waren, konnten Stunden später vor einem Stein weitergeführt werden; eine Demonstration konnte von anderen Teilnehmer*innen erneut aufgegriffen werden; eine Technik konnte beobachtet, diskutiert und anschließend in die eigene Praxis integriert werden.

Das Wissen endete nicht mit dem Ende eines Vortrags.

Lernen unter Gleichberechtigten

Diese Struktur ermöglichte eine Form des Lernens, die sich von ausschließlich vertikalen Vermittlungsmodellen unterscheidet. In der Werkstatt konnte jemand mit großer Erfahrung in einer bestimmten Technik die Rolle der Lehrenden übernehmen – und zugleich selbst zum Lernenden werden, wenn er oder sie mit einer unbekannten Praxis konfrontiert wurde.

Dabei geht es nicht darum, Unterschiede in Erfahrung oder Wissen aufzuheben, sondern darum, sie in Bewegung zu bringen und miteinander zu teilen.

Lernen findet zwischen Generationen und unter Gleichberechtigten statt: durch Beobachten, Fragen, Ausprobieren, Fehler machen, Wiederholen und Teilen. Viele dieser Formen der Wissensvermittlung sind nicht zwingend an institutionelle Strukturen gebunden. Sie entstehen im alltäglichen Leben einer Werkstatt, dort, wo technisches Wissen auf Körper, Materialien und konkrete Probleme der Praxis trifft.

Tidaholm war in diesem Sinne auch eine Erfahrung darüber, wie eine (internationale!) Lerngemeinschaft entstehen kann.

Viele Formen, Lithographie zu lehren, zu erlernen und zu praktizieren

Die Vielfalt der Präsentationen machte deutlich, dass es nicht nur eine einzige Möglichkeit gibt, Lithographie zu lehren oder zu praktizieren.

Per Andersson sprach über die Papiermühle von La Ceiba Gráfica und stellte die Verbindung zwischen Papierherstellung, grafischer Praxis und dem Aufbau von Gemeinschaften rund um technisches Wissen her.

Bemerkenswert: Der Film von Cathrine Alice Liberg aus Oslo sowie die Präsentation „Permeability of the paper“ von Abigail Mirro und Nicole  Kobylanski.

Miriam del Saz präsentierte die Erfahrung von La Nómada Gráfica sowie Arbeiten an der UPV, die sich mit Gemeinschaft und kollaborativen Lernprozessen beschäftigen. Ihre Präsentation öffnete den Blick auf künstlerische Bildung jenseits der Grenzen des Klassenzimmers und jenseits traditioneller Modelle der Wissensvermittlung.

Aus einem anderen geografischen und pädagogischen Kontext berichtete Satoru Itazu über die Lithografie in Japan, ihre Vermittlung an der Universität und über seine eigene Werkstatt, in der er Editionen entwickelt. Seine Präsentation zeigte, wie dieselbe technische Tradition unterschiedliche Formen annehmen kann, wenn sie sich durch verschiedene kulturelle und institutionelle Kontexte bewegt.

Brandon Gunn stellte Bildungsprogramme des Tamarind Institute als weltweit wichtigster Bildungseinrichtung für Lithographie vor, einer wichtigen Referenz für die Vermittlung und Professionalisierung der zeitgenössischen Lithographie. Brandon berichtete auf ganz lockere Art über die neuen didaktischen Angebote von Lithographie-Kursen, die gegenwärtig sehr viele, oft junge Leute begeistern.

Michal Günzburger eröffnete mit dem Projekt Drucken-Denken eine weitere Perspektive auf das Verhältnis von Denken, Praxis und grafischer Produktion.

Simoni Philippou präsentierte ihre Arbeit in ihrer Werkstatt auf Zypern und zeigte, wie sich lithographische Praxis in einem spezifischen geografischen und kulturellen Kontext entwickelt und vermittelt.

Patrycja Podkościelny brachte ihre Erfahrungen aus Grafikdesign und Lithografie ein und zeigte damit ein weiteres Feld des Austauschs: die Begegnung zwischen planographischen Techniken und den Anforderungen und Sprachen des zeitgenössischen Designs.

So unterschiedlich diese Erfahrungen waren, verband sie doch eine gemeinsame Frage:

Ein reichhaltiges Programm mit perfekter Balance zwischen Theorie, Praxis und persönlichem Erleben.

Wie vermitteln wir eine Praxis?

Tradition, Technik und Innovation

Die Demonstrationen und praktischen Erfahrungen vertieften diese Fragestellung.

Michael Barnes zeigte eine Demonstration zur Manier Noir-Technik und brachte damit ein Verfahren aus der Geschichte der Druckgraphik in den Dialog mit anderen graphischen Praktiken.

Eckhard Gehrmann präsentierte eine Demonstration zur Kruck Lithographie und machte dabei die unmittelbare Demonstration als eine wesentliche Form der Weitergabe technischen Wissens erfahrbar. (Hinweis: Christian Kruck gilt als bedeutendster Lithographie-Künstler und Lehrmeister, dessen sog. Steindruckmalerei ihn im Jahr 1975 als Ersten Preisträger des Internationalen Senefelder Preises qualifizierte. Eckhard Gehrmann als Krucks Schüler am Städel in Frankfurt am Main wurde selbst im Jahr 1991 als 1. Preisträger des Internationalen Senefelder Preises ausgezeichnet).

Franz Hoke zeigte, wie Aluminiumplatten für die Algrafie gekörnt werden, und eröffnete damit einen praktischen Dialog zwischen lithografischen Prinzipien und zeitgenössischen Verfahren auf Aluminium.

Danielle Creenaune stellte Mokulito vor und zeigte damit eine weitere Möglichkeit, lithografisches Denken durch alternative Materialien und Verfahren zu erweitern.

Peter Stephan entwickelte Demonstrationen und Experimente gemeinsam mit verschiedenen Künstler*innen, darunter Ana Pireva, und zeigte, wie technische Forschung zu einer gemeinsamen Praxis werden kann.

Ernst Hanke (1. Preisträger des Internationalen Senefelder-Preises 1984) arbeitete gemeinsam mit Rolf Maas und der Künstlerin Carolyn Muskat im Werkstattbereich und verband dort an allen Sympoiumstagen technisches Erfahrungswissen und Experiment unmittelbar mit der praktischen Produktion an einer originalen Offenbacher Schnellpresse von Faber&Schleicher.

Die Vielfalt der vorgestellten Verfahren machte etwas besonders deutlich: Tradition und Innovation sind keine zwangsläufigen Gegensätze.

Tradition erscheint nicht als ein abgeschlossenes Verfahren, das unverändert bewahrt werden muss. Sie kann vielmehr als Ausgangspunkt verstanden werden. Materialien verändern sich, neue Werkzeuge entstehen, neue Probleme tauchen auf – und damit auch neue Möglichkeiten.

Innovation bedeutet nicht zwangsläufig, die Tradition zu verlassen.

Manchmal bedeutet sie, zu einer historischen Technik zurückzukehren und zu fragen, welche neuen Möglichkeiten sie in der Gegenwart eröffnet.

Steine, Steinbrüche und Landschaft

Die Auseinandersetzung mit dem Stein erschien auch aus Perspektiven, die über seine rein technische Funktion hinausgingen.

Olivia Christen präsentierte Dokumentationen über Steinbrüche und lenkte damit die Aufmerksamkeit auf den materiellen Ursprung des lithografischen Steins und auf die Landschaften im deutschen Solnhofen, aus denen er stammt.

Ann Kristin Källström aus Schweden stellte ein künstlerisches Projekt vor, in dem Steine in der Landschaft ausgestellt werden. Der Stein ist damit nicht mehr nur eine Matrix, die ein Bild aufnimmt, sondern wird zu einem Objekt, das bewegt, betrachtet und neu interpretiert werden kann.

Diese Erfahrungen machen eine Frage, die meine eigene Forschung begleitet, besonders relevant:

Wohin gehen die Steine?

Ein lithographischer Stein ist selbstverständlich ein materielles Objekt. Gleichzeitig kann er als Träger von Erinnerung verstanden werden. Er bewegt sich zwischen Werkstätten und Generationen, wechselt den Besitzer, nimmt neue Bilder auf und sammelt Spuren und Nutzungen.

Doch die Steine reisen nicht allein.

Mit ihnen reisen Verfahren, Gesten, Wissen und Formen des Verständnisses einer Technik.

Zu fragen Wohin gehen die Steine? bedeutet deshalb auch zu fragen: Wohin geht das Wissen?

Wer bewahrt es?
Wer gibt es weiter?
Was geschieht, wenn eine Technik von einer Werkstatt in eine andere gelangt?
Was bleibt erhalten?
Was verändert sich?

In Tidaholm tauchten diese Fragen immer wieder auf, auch wenn sie nicht immer ausdrücklich formuliert wurden.

Von der Werkstatt ins Museum, von der Gemeinschaft zur Edition

Auch die Verbindung zwischen Technik, Edition und der Zirkulation von Wissen wurde durch verschiedene Projekte sichtbar.

Cora Texier aus Paris präsentierte das Editionsprojekt von Anthese Litho für die Produktion der Matisse-Ausstellung im Centre Pompidou. Ihre Präsentation zeigte, wie das technische Wissen einer Druckwerkstatt in groß angelegte Ausstellungs- und Editionsprojekte einfließen kann.

Lithografie bewegt sich ständig zwischen unterschiedlichen Kontexten:

• von der Werkstatt zur Universität,
• von der Universität zur Gemeinschaft,
• vom Steinbruch in die Werkstatt,
• von der Werkstatt ins Museum,
• vom Atelier der Künstler*innen in die Landschaft.

Und bei jeder dieser Bewegungen verändert sich etwas.

Work in progress…

Die Werkstatt als Form des Widerstands

Diese Erfahrung bestätigte eine Idee, die auch meine eigene pädagogische Arbeit begleitet: Die Werkstatt kann eine Form des Widerstands sein.

Ein Widerstand gegen das Verschwinden technischen Wissens; gegen den Verlust von Orten, an denen dieses Wissen praktiziert und weitergegeben werden kann; und gegen die Vorstellung, künstlerisches Wissen sei etwas Individuelles, Abgeschlossenes oder ausschließlich Institutionelles.

Die Werkstatt bietet eine andere Logik.

Sie ist ein Ort, an dem Wissen mit den Händen entsteht, aber ebenso durch Gespräche, Fehler, Fragen und gemeinsam verbrachte Zeit.

In Tidaholm haben wir uns alle als Gleichberechtigte im Dialog erlebt.

Das bedeutet nicht, dass alle dasselbe wussten. Im Gegenteil: Der Reichtum der Begegnung lag gerade in den Unterschieden. Jede/r Teilnehmer/in brachte eine spezifische Erfahrung mit und konnte diese mit der Gruppe teilen.

Wissen wurde dadurch von etwas, das ausschließlich der Person gehört, die es besitzt, zu etwas, das geteilt, verändert und weitergegeben werden kann.

Diese Form des Lernens ist gerade in einer Disziplin wie der Lithographie von besonderer Bedeutung. Ein wesentlicher Teil des technischen Wissens liegt in Gesten, Beobachtung und materieller Erfahrung und kann nicht vollständig durch Texte oder Anleitungen vermittelt werden.

Von den sozialen Netzwerken zu den Körpern

Eine der bereicherndsten Erfahrungen war es, Kolleg*innen, denen viele von uns seit Jahren in den sozialen Netzwerken folgen, plötzlich persönlich gegenüberzustehen.

In einer Zeit, in der ein großer Teil unserer professionellen Kommunikation über digitale Plattformen mit Fotos und Videos stattfindet, verwandelte die physische Begegnung diese virtuellen Beziehungen in materielle Erfahrungen: einen Stein gemeinsam zu bearbeiten, eine Demonstration zu beobachten, Papier in den Händen zu halten, über eine Farbe zu sprechen oder jemandem bei der Arbeit zuzusehen.

Kolleg*innen aus verschiedenen Teilen Europas, Asiens und Amerikas brachten ihre eigenen Geschichten, Materialien, Methoden und Arbeitskontexte mit.

Das internationale Netzwerk der Lithographie erhielt dadurch eine weitere Dimension. Es war nicht mehr nur ein Netzwerk aus Bildern und Ergebnissen, sondern ein Netzwerk aus Menschen, Werkstätten, Steinen, Werkzeugen, Papieren, Farben und Wissen.

Lernen an einem gemeinsamen Tisch

Die gemeinsamen Frühstücke waren ein scheinbar einfacher, aber zugleich sehr bedeutender Teil der Erfahrung.

Bevor wir in die Werkstatt gingen, trafen wir uns an einem gemeinsamen Tisch. Dort wurden Gespräche vom Vortag fortgesetzt, neue Fragen entstanden und Geschichten aus den verschiedenen Ländern und Arbeitszusammenhängen ausgetauscht.

Diese informellen Momente erinnern daran, dass eine Gemeinschaft nicht allein um eine Technik herum entsteht.

Sie entsteht auch an einem gemeinsamen Tisch.

Die Pädagogik der Begegnung fand sowohl in einer lithographischen Demonstration als auch in einem Gespräch beim Frühstück statt. In beiden Fällen entstand etwas, das schwer messbar, aber grundlegend ist: Vertrauen und ein Gefühl der Zugehörigkeit.

Ein generationenübergreifendes Netzwerk

Vielleicht war es eine der bewegendsten Erfahrungen des Treffens zu erkennen, dass Wissen weiterhin über Generationen hinweg weitergegeben wird.

In einer Zeit, in der viele handwerkliche Praktiken und historische Techniken vom Verschwinden bedroht sind, zeigt die Begegnung mit Künstler*innen, Lehrenden, Drucker*innen und Studierenden, die sich für Lithographie interessieren, dass die Technik weiterhin neue Körper und neue Fragen findet.

Bildung und Wissensproduktion in der Kunst reisen, verändern sich und breiten sich aus.

Sie bewegen sich nicht notwendigerweise linear und auch nicht ausschließlich innerhalb von Institutionen. Sie zirkulieren zwischen Werkstätten, Schulen, Universitäten, Begegnungen, Publikationen und Gemeinschaften. Sie werden von Lehrenden an Studierende weitergegeben, aber ebenso von Studierenden an Lehrende, von Kollegin zu Kollegin und von einer Generation an die nächste.

Dieses generationenübergreifende Netzwerk verweist letztlich auf eine Demokratisierung planographischer Techniken: Wissen soll zirkulieren können, Werkzeuge sollen gemeinsam genutzt werden können, und immer mehr Menschen sollen nicht nur Zugang zu den Ergebnissen einer Technik erhalten, sondern auch zu dem Wissen, das notwendig ist, um sie zu verstehen und weiterzuentwickeln.

Eine Begegnung, die weitergeht

Als wir in unsere jeweiligen Werkstätten zurückkehrten, nahm jede*r von uns neue Fragen, Verfahren, Materialien, Kontakte und Erfahrungen mit. Aber auch etwas weniger Greifbares: die Gewissheit, Teil einer internationalen Gemeinschaft zu sein, die geografische, institutionelle und generationelle Grenzen überschreitet.

Der Wert eines Treffens wie Tidaholm in Schweden liegt deshalb nicht allein in den erlernten Techniken oder den gezeigten Demonstrationen. Er liegt ebenso darin, Bedingungen zu schaffen, unter denen Wissen frei zwischen Menschen zirkulieren kann, die eine gemeinsame Praxis teilen und sie gleichzeitig verändern.

In diesem Sinne möchte ich mich besonders bei Patrick Wagner, dem Organisator des Symposiums, für seine enorme Arbeit und dafür bedanken, dass er die Voraussetzungen für diese Begegnung geschaffen hat.

Mein Dank gilt ebenso Bill Haberman und Jean Michael Schmidt als großartige Koordinatoren der Werkstatt und der Workshops in Tidaholm, für ihre Offenheit, ihre Großzügigkeit und dafür, dass sie die Werkstatt während des gesamten Treffens zu einem offenen, einladenden und lebendigen Ort gemacht haben.

Unser Dank gilt außerdem dem Verein, der das Symposium finanziell unterstützt hat. Diese Unterstützung war von großer Bedeutung, um diesen internationalen Raum für Austausch, Lernen und Wissensvermittlung zu ermöglichen.

Die Steine werden weiterreisen.

Und mit ihnen werden weiterhin Wissen, Fragen und Gesten derjenigen reisen, die mit ihnen arbeiten.

Vielleicht liegt genau darin einer der Gründe, warum die Lithografie lebendig bleibt:

Jede Generation übernimmt eine Tradition, aber keine Generation ist verpflichtet, sie genau so weiterzugeben, wie sie sie vorgefunden hat.

Sie übernimmt sie, arbeitet mit ihr, verändert sie – und gibt sie weiter.


Addendum

Eckhard Gehrmann beim Demonstrieren der kreativen Steindruckmalerei von Christian Kruck.

Addendum

Weitere Impressionen und Erläuterungen von Eckhard Gehrmann, der mit einem Vortrag sowie Exponaten am Symposium in Tidaholm beigetragen hat.

Dank an Lorena, Du hast einen wunderbaren Text geschrieben und die weltweite Lithogemeinschaft sehr gut dargestellt. Der freie, freundschaftliche Austausch von Fachwissen in solch einem Umfang war grandios. Der einzige Nachteil, man konnte nicht überall sein.

Ich habe mit Tonertusche eine Lasur auf einen Stein gezeichnet, um die Arbeitsweise von Christian Kruck an der Frankfurter Städelschule vorzustellen. Das anschließende Reduzieren in vielen Schritten in mehreren Farben kannten viele wohl nicht.

Die vielen Gespräche während der Arbeit waren sehr wichtig und ich habe viele neue Anregungen erhalten. Und dann sehe ich diese Hände vor mir, die meinen Stein feuchten. Ich kenne sie von Instagram, es sind die Hände von Saturo Itazu aus Tokyo. Und schon drucken wir zusammen ganz selbstverständlich ohne viele Worte. Wieder kommen andere hinzu, denen ich mein Material gebe, um damit Versuche zu machen.

Noch ergänzen sollte man, Bill Haberman und Jean Michael Schmidt sind die Werkstattleiter. Jean Michael musste am ersten Tag zur Beerdigung seines Vaters, so war es ein bisschen chaotisch. Später aber ging alles gut.

Tidaholm hat eine unglaubliche Werkstatt, ich glaube 10 Handpressen. Manches ist nicht in ganz so gutem Zustand, aber es kostet, so weit ich weiss, nichts um dort zu arbeiten.

Ein anschauliches Kurz-Video der legendären Schnellpresse Made in Offenbach in Aktion mit Ernst Hanke und Rolf Maas gibt es bei Stone Lithography auf Facebook. Link im Text.

Ernst Hanke und Rolf Maas haben an der Schnellpressee von Faber und Schleicher aus Offenbach eine Auflage gedruckt. Überhaupt Ernst Hanke, er ist der Größte, er reist mit über 80 Jahren durch Europa und die Welt (aktuell in China) gibt sein Wissen freigebig weiter. Dabei repariert er noch die Maschinen. Rolf Maas ist vom Steindruckmuseum in Holland. Ernst hat vor Kurzem dort gearbeitet und ihm vieles gezeigt.

Peter Stephan hat die ganze Woche den Auflagendruck mehreren Teilnehmern des Symposiums gezeigt.

Laurent Nikolai zeigte seine Farben, wie bei uns, beim ISS-Kolloquium in Offenbach.

Und Jim Berggren/ Eric Saline/ Bill Haberman haben die ganze Woche in einem eigenen Gebäude an einer Großen Flachbettpresse von Platten gedruckt zusammen mit den Chinesischen Teilnehmern.

Noch eine Anmerkung bezüglich der Neuen und Alten Techniken:

Wir selbst haben bei der Senefelder Preisvergabe eine „Neue Experimentelle Technik“ bevorzugt und die „alten“ Techniken nicht so stark berücksichtigt, um die Lithographie interessant zu halten.

Ich finde, die Neuen und die alten Techniken waren in Tidaholm sehr gut vertreten. Ich habe z. B. mit einer hervorragenden neuen Federfarbe, entwickelt von Brandon Gunn mit Cranfield, nach der alten Technik gedruckt.

Schönen Gruß

Eckhard Gehrmann, Friedrichsdorf, Hessen


Tidaholm Impressionen von Liesa und Eckhard Gehrmann

Hinweise

Das 10. Internationale Lithographie Symposium in Tidaholm wird im Jahr 2030 stattfinden.

Zuvor, 2028, wird der 14. Internationale Senefelder-Preis verliehen werden. Einreichungen sind noch bis 12. März 2027 möglich. Die Teilnahmeunterlagen können auf der Stiftung Website angesehen und runtergeladen werden.


Lesetipp

Würdigung von Christian Kruck zu dessen 100. Geburtstag am 12. Februar 2025.


English Summary

Litho-Love: Why Tonnes of Stone Hold the Key to Our Digital Fatigue

Introduction: The Longing for the Tangible

In an era where the lifespan of an image is measured in milliseconds and fleeting algorithms dictate our visual consumption, what happened in the Swedish town of Tidaholm in the summer of 2026 feels almost like a rebellious act of defiance. While the world drowns in the cult of “instant print,” artists grind tonnes of Solnhofen limestone, labor for hours with greasy crayons, and subject the stones to intricate chemical processes—all for the sake of a single, perfect print on paper.

Why endure such immense physical labor in today’s world? The answer lies in the 9th International Lithography Symposium. Every four years, this unassuming Swedish town transforms into the “epicenter of the graphic art world.” It’s a place of radical deceleration, where craftsmanship isn’t a nostalgic relic but a vital, physical counterbalance to the superficiality of the digital age.

The Vulcan Island: Where Industry Inspires Art

At the heart of this artistic revolution is the “Vulcan Island” in Tidaholm. Once dominated by industrial production, this former factory site now breathes with the creative energy of the Lithographic Academy’s workshops. The transformation of this industrial relic is a curatorial statement—it symbolizes the enduring power of art amid industrial change.

Organized by Patrick Wagner, Tidaholm became a true “art village” for two weeks. The exhibitions weren’t confined to sterile museum spaces but spread across three galleries throughout the town. This spatial integration sends a powerful message: when old industries fade, the human drive for material creation remains a steadfast foundation.

Innovation Through Resistance: The Rediscovery of Slowness

A highlight of the symposium was the project “Printing on the Schnellpresse”. Under the guidance of lithography legends Ernst Hanke—a master over 80 years young who still shares his expertise worldwide—and Rolf Maas, mechanical giants from Faber & Schleicher in Offenbach am Main were brought back to life.

This act of “renovatio” is far more than a technical revival. Operating these tonne-heavy presses demands physical presence—a stark contrast to the detached precision of modern inkjet printing. Innovation here also means reimagining materials: Brandon Gunn (Tamarind Institute) collaborated with Cranfield to develop a new “fountain solution,” blending ancient techniques with cutting-edge chemistry.

This deep connection has sparked a global movement under the banner “Litho Love.” Participant Danielle Creenaune captured the essence:
“After a week of intense exchange, I feel so inspired and fulfilled by this ‘Litho Love’… it’s an incredible journey to Sweden.”

The 24/7 Workshop: A Pedagogy of Connection

Perhaps the most radical decision by the organizers was opening the workshops round the clock. The workshop became a living space, fundamentally changing the dynamics of learning. While daytime lectures at the Marbodal Center provided theoretical insights, the nights were dedicated to hands-on experimentation with stone. Ideas weren’t just discussed—they were lived.

Vertical hierarchies dissolved here. What emerged was a “pedagogy of encounter” that transcended institutional boundaries. Seasoned masters became learners, and the “virtual relationships” once known only through Instagram images of hands on stone transformed into real, tangible experiences. Together, they held the paper, felt the stone’s dampness, and exchanged ideas over breakfast at a long table. It’s this social fabric—peaking in the traditional “Lithographers’ Party”—that sustains the community as much as the chemistry that binds ink to stone.

Tradition as a Starting Point: Technical Depth

The symposium proved that tradition is not a museum piece but a launchpad for contemporary discourse. The technical diversity was vast and international—here’s a glimpse:

Kruck Lithography: Eckhard Gehrmann, a student of the legendary Christian Kruck, demonstrated “stone painting” using toner ink and glazes—a process where the image is gradually reduced through multiple steps.

International Avant-Garde: Satoru Itazu brought Japanese tradition to the table, Simoni Philippou shared insights from her workshop in Cyprus, and Brandon Gunn showcased the professionalization efforts of the U.S.-based Tamarind Institute.

Hybrid Techniques: Whether Danielle Creenaune’s Mokulito (lithography on wood) or Franz Hoke’s Algrafie (on aluminum plates), the boundaries between classical stone printing and modern methods are fluid.

Innovation often means returning to historical techniques to uncover new possibilities in their very resistance to speed and disposability.

Where Do the Stones Go? The Journey of Knowledge

A stone is far more than a printing plate; it is a “carrier of memory.” This became especially clear when Olivia Christen documented the Solnhofen quarries, while Ann Kristin Källström presented a project where stones were returned to the landscape after serving as artistic media. The stone re-enters nature, its purpose fulfilled.

Lorena Pradal posed the pivotal question: “Where do the stones go?” Because with the stones travel techniques, gestures, and knowledge itself. When Satoru Itazu from Tokyo casually moistens a colleague’s stone, two cultures communicate wordlessly through the material.

Prof. Dr. Gerhard Kilger, Chairman of the International Senefelder Foundation, summed it up perfectly:
“It was truly impressive to see how, during the inspiring days in Tidaholm, lithographers from around the world came together in enthusiasm, exchanged ideas, and formed new friendships. What struck me most was the diversity of experimental and playful applications of lithographic techniques.”

Conclusion: A Print That Endures

The symposium in Tidaholm demonstrated that lithography functions as a “lab for the future.” The workshop is a form of resistance—against the erosion of technical knowledge and the fleeting nature of our digital existence. It’s not just about printed paper; it’s about the quality of engagement with the world.

At its core, the event leaves us with a fundamental question for our own, often digitally exhausted lives: What could we learn about the quality of our own creative work if we dedicated the same persistence, humility, and physical devotion to our ideas as lithographers do to a single, perfect print?

Perhaps this slow, laborious process is the only way to leave traces that aren’t washed away with the next feed update.


Notes


The 10th International Lithographic Symposium will return to Tidaholm in 2030.

Before then, in 2028, the 14th International Senefelder Prize will be awarded. Submissions are open until March 12, 2027. Application documents can be viewed and downloaded on the foundation’s website:
https://www.senefelderstiftung.com/de/senefelder-award-2028/


Jackson Pollock beim Action Painting: Offen für das Kommende. Ohne es kontrollieren zu wollen!

Die 150-Jahre-Baustelle: Warum wir aufhören müssen zu verwalten und anfangen müssen zu malen

Zusammenfassung des Podcast „Zukunft“ aus der Reihe „Besser Leben. Schöner Sterben.“ von Andreas Weber und dem Arzt David Sonntag.

1. Einleitung: Das Frösteln vor dem Morgen

Der Wind dreht sich. Es fröstelt uns. Nicht vor der Kälte, sondern vor dem Ungewissen. Wir blicken auf die kommenden Jahrzehnte und spüren eine unterkühlte Unsicherheit. Ist die Zukunft ein drohendes Schicksal, das wie eine Kaltfront über uns hereinbricht? Oder ist sie ein Raum, den wir erst noch betreten und gestalten müssen? Die Kälte ist lediglich eine Einladung, sich zu bewegen. Sind wir bereit, die Starre zu überwinden?

2. Die Pollock-Methode: Zukunft beginnt in einer Sekunde

Wir begreifen die Zukunft oft fälschlicherweise als einen fernen Horizont. Doch die Wahrheit ist radikaler: Die Zukunft beginnt in einer Sekunde. Alles danach ist bereits Erlebtes, geronnene Vergangenheit. Um diesen Übergang zu meistern, hilft uns die Ästhetik des Jackson Pollock. Sein „Action Painting“ war kein Plan, sondern ein Prozess. Die Leinwand lag auf dem Boden, die Farbe floss, spritzte und tropfte.

Das Bild entstand im Tun, ohne dass das Endergebnis vorab feststand. Diese Offenheit gegenüber dem Unbekannten ist das Fundament jeder Innovation. Wer krampfhaft am Status Quo festhält, gleicht einer Innovationsbremse, die aus Angst vor Fehlern die Leinwand weiß lässt. Wir müssen lernen, das Bild im Prozess zu entdecken, anstatt das Gestern zu verwalten.

3. Die 120-Jahre-Realität: Wenn das Leben zur Dauerleihgabe wird

Wir stehen vor einer biotechnologischen Konvergenz, die unser Verständnis von Biologie sprengt. Die heutige Medizin agiert oft noch als bloße „Krankheitsverwaltung“ – sie managt Defizite, anstatt die Gesundheit nachhaltig zu potenzieren, wie David Sonntag festgestellt. Doch der Gezeitenwechsel steht bevor:

In 10 Jahren: Die durchschnittliche Lebenserwartung erreicht die 120-Jahre-Marke.

In 30 bis 40 Jahren: Ein Alter von 150 Jahren wird zur statistischen Normalität.

Whole Genome Sequencing (WGS): Mit einem Preis von etwa 650 $ (bereits heute in den USA und China Realität) ist der demokratische Tipping Point erreicht. Die Entschlüsselung des eigenen Genoms via App wird zum Standard-Werkzeug.

Epigenetik: Wir begreifen unsere Gene nicht mehr als starres Schicksal, sondern als ein Set von Schaltern, die wir durch aktives Handeln und Prävention selbst steuern können.

4. Von Brain-Chips und lebenden Prozessoren

Die Grenze zwischen Mensch und Maschine erodiert. Während europäische Debatten oft in ethischer Bedenkenträgerei verharren, hat China die Phase der Tierversuche bereits hinter sich gelassen. Dort existieren längst Zulassungen, um Computerchips direkt in menschliche Gehirne zu implantieren. Noch beunruhigender und zugleich faszinierender ist das „Biological Computing“: Prozessoren, die mit lebenden menschlichen Gehirnzellen arbeiten. Die Hardware wird biologisch, der Mensch wird technologisch.

„Die Zeit, die es braucht, um über das Vergangene zu grübeln, fehlt, um die Zukunft zu gestalten.“

Wenn das Menschliche in die Technik transponiert wird und Chips in unsere neuronalen Netze wandern, ist eine tiefe ethische Reflexion unumgänglich. Während wir noch über das Vergangene grübeln, schaffen andere bereits vollendete Tatsachen.

5. Das Ende der Beschäftigungstherapie: Die 23-Stunden-Woche

Die Politik präsentiert uns oft „Reformpakete“, die sich bei näherem Hinsehen als bloße Flickenschusterei entpuppen – eine Reparatur der Vergangenheit, verkauft als Wurf für die Zukunft. Während man uns zuruft, wir müssten „mehr arbeiten“, zeigt die technologische Realität einen anderen Weg: Die 23-Stunden-Woche. Durch die Effizienz der KI wird Arbeit im klassischen Sinne zur Option.

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: „Beschäftigungstherapie“ vs. echtes „Wirken“. Ein 93-jähriger Schülerlotse, der jeden Morgen Kinder sicher über die Straße geleitet, ist kein Opfer des Arbeitsmarktes. Er ist ein Meister seiner eigenen Leinwand. Er arbeitet nicht für eine Bilanz, er wirkt für einen Sinn. Effektivität schlägt Effizienz; das Ziel ist nicht das Hamsterrad, sondern die Gestaltung von Lebensqualität.

6. Vorstellungskraft schlägt Wissen

Warum versagen unsere Prognosen? Weil Wissen stets ein Rückspiegel ist. Es basiert auf dem, was war. Albert Einstein wusste: „Wissen ist nichts im Vergleich zur Vorstellungskraft.“ Um wirklichen Fortschritt zu erzielen, müssen wir das Unmögliche denken und die Gabe der Vision kultivieren.

Andreas stellt im Podcast hierzu ein mutiges Postulat auf: Die 80/20-Regel der Selbstbestimmung. Er wettet darauf, dass 80 % unseres Lebens von uns selbst gestaltbar sind, während nur 20 % sich unserem Einfluss entziehen. Wer sich hinter den 20 % versteckt, betreibt Planwirtschaft des Geistes. Wahre Innovation braucht den Mut, sich jenseits des Wissensstandes neu zu erfinden.

7. Das Mantra der Zukunft: Be More Human

In einer Ära maximaler Technisierung wird „Be More Human“ zum ultimativen ethischen Kompass. Wir stehen vor einer anthropozentrischen Wende: Je mehr humanoide Roboter – in 50 Jahren womöglich zahlreicher als Menschen – unseren Alltag bevölkern, desto kostbarer wird das spezifisch Menschliche.

Die Zukunft ist eine Self-fulfilling Prophecy. Wer nur in den Rückspiegel starrt, wird unweigerlich kollidieren. Wenn wir uns jedoch eine Zukunft vorstellen, in der Technik uns die Freiheit schenkt, empathischer, kreativer und menschlicher zu sein, dann erschaffen wir genau diese Realität. Maximale Technik verlangt als Gegengewicht eine maximale Menschlichkeit.

8. Fazit: Ein offener Möglichkeitsraum

Andreas und David sind sich einig: Zukunft ist kein Schicksal, das uns zustößt, sondern ein dynamischer Prozess, der uns Anpassung und Lernfähigkeit abverlangt.

Visionäre wie Steven Spielberg (in seinem jüngsten Film „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“) lehren uns in ihren Werken – etwa wenn sie die intellektuelle Tiefe einer Begegnung mit dem Unbekannten ausloten –, dass wir nicht allein sind in unserem Gestaltungsdrang.

Wir müssen aus dem Schneckenhaus des Frusts heraustreten. Die Leinwand liegt vor uns, die Farben sind gemischt. Was ist der erste Pinselstrich, den Sie heute auf Ihre 150-jährige Leinwand setzen werden?


Links zum Podcast auf:

Spotify https://open.spotify.com/episode/43qvTUgaWumzay1hoXTuAa?si=XnRNq2WrSGySXx67VSt7vA

YouTube https://youtu.be/TskVRqv2Kkg?is=QoXFkZi5q55zMxiy


English translation, see below!

Fokus: Litho Days III In Türkiye – Ankara (5./6./7.12.2025)

Von Barbara Wilhelmi (Internationale Senefelder Stiftung)

‚Die Lithographie ist auf der ganzen Welt im Vormarsch!‘ – Dieser Satz des berühmten Lithografen Erich Mönch stand in den 70-iger Jahren an der Wand des Druckzentrums in Tübingen, und er erschien schon damals eine ironische Bemerkung zu sein. Bei den Litho Days III in der Türkei im Dezember 2025 wurde dieser Satz Realität, denn schon zum dritten Mal nach 2021 und 2023 hatte das Dou Printstudio von Doḡu Gündoḡdu und Naz Önen zu einem Litho-Event in die Türkei eingeladen und sie stützten sich auf die Kontakte die sie auch beim Internationalen Lithographie Kolloquium der Internationalen Senefelderstiftung im April 2024 geknüpft hatten.



Auch in diesem Jahr präsentierte das Dou Printstudio in Ankara wieder ein reichhaltiges Programm: Zu Beginn der Besuch in der großartigen  Ausstellung „Separation and Merging Point“ (FOTO 1,1 + 1,2), in diesem Jahr gestaltet von der bekannte Kuratorin Eda Berkmen, in der Anafartalar Shopping Mall, No. 203. Zu sehen waren Lithographien von Künstlern, gedruckt im Dou Printstudio (Edition III). Die Werkstatt selbst konnte am Morgen des 6. Dezembers, dem Feiertag der Lithographen, besichtigt werden (FOTO 2).

Im Mittelpunkt der Litho Tage III stand danach das Panel: „DISCUSSING THE SUSTAINABILITY WITH ROOTED LITHOGRAPHY STUDIOS“ (FOTO 3) mit den Printmakern Christian Bramsen (Atelier Clot, Paris), Jan Pelkofer + Paul Klös (Tabor Presse Berlin, Deutschland), Kapser Fleng + Julie Peter Hjörring (Grafisk Värksted, Dänemark), Mikkjal Matras Andersson (Steinprent, Faroe Islands), Louise Aakermann Nielsen (Bornholm) – Moderation: Naz Önen.

Es ging um das Verhältnis der professionellen Drucker in den unterschiedlichen Werkstätten im Kontakt mit den Künstlerinnen und Künstlern, die Aspekte der professionellen Druckwerkstätten, die auf die eine oder andere Weise die Vorstellungen der Künstlerinnen und Künstler umsetzen. Die Qualitätssicherung auf hohem lithographischen Niveau wurde ebenso Thema wie der Vertrieb und die Vernetzung der Drucker untereinander, um Perspektiven für die Zukunft entwickeln zu können. Dazu wurde die Frage erörtert, ob Drucke nicht vielmehr den Status von Originalen haben sollten und sich dementsprechend dann auch die Preisgestaltung verändern würde (FOTO 4). Der Wandel ist einerseits geprägt durch den Wegfall der großen Druckereien, aber andererseits gibt es auch neues Entstehen von kleinen Printstudios wie dasjenige in Ankara und eine türkische Künstlerin Derin Tuksal, die seit vier Jahren Derin Print Shop leitet, das Gemeinschaftsatelier für Radierung in Istanbul.

Die Probleme, nicht mehr die Materialien kaufen zu können wie früher, werden nun oft auf unkonventionelle Weise gelöst durch Eigenproduktion. So ist in der Druckwerkstatt von Dou eine selbstgebaute Lederdruckwalze zu bestaunen (FOTO 5). Und dort hängt auch, wie ein Schutzpatron, das lithographische Porträt von Alois Senefelder neben Atatürk (FOTO 6). Das Panel der Lithodays III fand im Erimtan Archäologischen Museum statt, wo ebenfalls eine temporäre Ausstellung (“Litho Wall–1”) für jeweils drei Monate mit einer speziellen Auswahl aus dem Dou Printstudio zu sehen ist. Am Abend des 06.12.2025 gab der dänischen Botschafter, Ole Toft, in der dänischen Residenz in Ankara einen Empfang (FOTO 7). Das Projekt wurde möglich gemacht durch den Support vieler kultureller und politischer Institutionen, wie z.B. das Goethe-Institut in Ankara und weitere Botschaften vor Ort (siehe Aufzählung unten).👇

Vielen Dank für das unvergessliche Erlebnis der Lithoö Tage III. Viel Erfolg für Doḡu Gündoḡdu, Naz Önen und das Duo Print Studio – Barbara Wilhelmi

Fotos: Barbara Wilhelmi, Duo Print Studio


Litho Days III in Türkiye – Ankara December 5th to 7th of 2025

by Barbara Wilhelmi (Internationale Senefelder Foundation)

Lithography is on the rise all over the world! This statement by the famous lithographer Erich Mönch was displayed on the wall of the printing center in Tübingen in the 1970s, and even then it seemed like an ironic remark. At Litho Days III in Turkey in December 2025, this statement became reality, as the Duo Printstudio, comprised of Doḡu Gündoḡdu und Naz Önen, hosted a lithography event in Turkey for the third time, following previous events in 2021 and 2023 and they relied on the contacts they had also made at the International Lithography Colloquium of the International Senefelder Foundation in April 2024. 

This year, the Dou Printstudio once again presented a rich program in Ankara:

It began with a visit to the magnificent exhibition “Separation and Merging Point” (PHOTO 1.1 + 1.2) in the Anafartalar Shopping Mall, No.203. The exhibition, curated by the renowned Eda Berkmen, featuring lithographs by various artists, printed by the Dou Printstudio (Edition III). The workshop could be visited on the morning of December 6, the lithographers’ day (PHOTO 2). The panel discussion of Litho Days III began that same afternoon: “DISCUSSING THE SUSTAINABILITY WITH ROOTED LITHOGRAPHY STUDIOS” (PHOTO 3) with printmakers Christian Bramsen (Atelier Clot, Paris), Jan Pelkofer + Paul Klös (Tabor Presse Berlin, Germany), Kapser Fleng + Julie Peter Hjörring (Grafisk Värksted, Denmark), Mikkjal Matras Andersson (Steinprent, Faroe Islands), and Louise Aakermann Nielsen (Bornholm) – moderated by Naz Önen (Dou Printstudio).

The discussion focused on the relationship between professional printers in different workshops and the artists, and the aspects of professional printmaking that, in one way or another, realize the artists’ visions. Quality assurance at a high lithographic level was discussed, as were distribution and networking among the printers to develop future perspectives. The question was discussed whether prints should have the status of originals and whether the pricing would change accordingly (PHOTO 4).  The transformation is characterized on the one hand by the demise of large printing houses, but on the other hand, there is also the emergence of new small print studios, such as the one in Ankara, and a Turkish artist: Derin Tuksal, leading Derin Print Shop, the collaborative etching studio in Istanbul for four years. 

Dou Print is currently the only independent collaborative lithography studio. The problem of no longer being able to purchase materials as before is now often solved in unconventional ways through in-house production. For example, a self-made leather printing roller can be admired in Dou’s printmaking workshop (PHOTO 5). And there, like a patron saint, hangs a portrait of Alois Senefelder next to Atatürk (PHOTO 6). The Lithodays III panel took place at the Erimtan Archaeological Museum with a temporal exhibition (“Litho Wall–1”) which showcases each time a special selection from Dou Print Studio’s collection for three month periods. On the evening of December 6, 2025, reception hosted by the Danish Ambassador, Ole Toft in the Danish Residence (PHOTO 7). The project was made possible by the support of many cultural and political institutions, such as the Goethe-Institut in Ankara and other local embassies (detailed list below).                                                                                                    

Visiting the Lithodays III was a truly memorable experience for me and I wish all the best for Doḡu Gündoḡdu and Naz Önen and Dou Duo Print Studio in Ankara – with best regards Barbara Wilhelmi  

Photos: Barbara Wilhelmi, Naz Önen / Duo Print Studio


Litho Days in Türkiye project has been made possible with the support of 

the Ankara Metropolitan Municipality Directorate of Culture and Social Affairs, 

the French Cultural Centre in Ankara, 

the Goethe-Institut in Ankara, 

the Embassy of Poland in Ankara, 

the  Ministry of Foreign Affairs of Denmark, 

the Ministry of Culture Denmark and the Danish Arts Foundation

as a EUNIC (The Network of European National Cultural Institutes) project, 

along with KAFT’s product and Radisson Blu’s accomodation sponsorship.

 

Invitation poster created by Duo Print Studio

Von Andreas Weber

Lang lebe #Print! Vor allem durch das Pflegen und Bewahren der hohen #Druckkunst. – Seit dem 15. März 2018 feiern wir in #Deutschland im Rahmen der Kultur des immateriellen Kulturerbes den sogenannten UNESCO #TagDerDruckKunst. Im Fokus stehen die künstlerisch genutzten grafischen Drucktechniken des Hochdruck, Tiefdruck und des Flachdrucks (besser gesagt: Chemischer Druck). Hier sind von Deutschland aus seit über 600 Jahren die wichtigsten Impulse gesetzt worden und in die ganze Welt gewandert.

Gestern, am 15. März 2025, durfte ich bei meinen guten Freund und Vorstandskollegen Eckhard Gehrmann in seinem Druckstudio in Friedrichsdorf nördlich von Frankfurt am Main sein. Eckhard und ich gehören seit langem dem Vorstand der Internationalen Senefelder Stiftung mit Sitz in Offenbach am Main an. 

Gut zu wissen!

Alois Senefelder hat vor über 200 Jahren mit der Erfindung des Chemischen Drucks das Medium Print nicht nur popularisiert, sondern wie kein anderer zuvor die Herstellung und Qualität von Printmedien nachhaltig innoviert. Durch den Chemischen Druck, bekannt auch als Lithographie – also das Drucken von Kalksteinplatten, später Aluminium –  konnten die Grundlagen gelegt werden für die modernen Flachdruck-Technologien, die wir als Offsetdruck kennen. Aber auch in der Halbleiter-Technologie ist der chemische Druck durch die sog. Photolithographie bis heute unverzichtbar. 

Fakt ist: durch die verfahrenstechnischen Eigenschaften und einzigartigen Vorteile der Lithographie inklusive der Vielfalt bzw. Güte an Farben und Farbpigmenten, die verwendet werden können, ist die Bebilderungsqualität des Chemischen Drucks unübertrefflich. Selbst modernste digitale Druckverfahren reichen daran nicht ran, was man einfach überprüfen kann, wenn man Original-Lithographien in anderen Druckverfahren reproduzieren möchte. Und auch die Darstellung auf Bildschirmmedien vermittelt eine andere Anmutung, die zwar beeindruckend ist, aber nicht die gleiche Wirkmechanismen besitzt wie der lithografisch-künstlerische Druck. Für mich steht fest: Künstler-Lithographien sind einzigartig in ihrer brillanten Darstellungsqualität und wirkungsvollen Vermittlung von gedruckten Inhalten aller Art. 

Eckhard Gehrmann führte gestern am #TagDerDruckKunst die Prinzipien des Chemischen Drucks vor. Und zeigte den interessierten Besuchern wie variantenreich und einzigartig hochwertigste Bilder gedruckt werden können, vom Kleinformat bis zum Grossformat (177 x 124 cm!). Dabei wird auch durch das Prinzip der sog. Non-Toxic-Lithography auf umweltbelastende Substanzen verzichtet. Es kommen ungiftige Lösungsmitteln und Druckfarben zum Einsatz. Auf seiner Website teilt der Künstler anschaulich seine Arbeit und sein Fachwissen.

Bei der Gestaltung der Bildmotive, die neben Zeichnen das Schreiben von Texten oder sogar im Tonerdruck vervielfältigte Fotos per Umdruckverfahren einschließen, sind keine Grenzen gesetzt. So gelingt eine Freiheit und Varianz bei der bildnerischen Formgestaltung mit raffinierten Effekten, wie sie anders kaum möglich sind. — Es sei denn, weltweit führende Special-Effect-Druckkunst-Spezialisten wie Günter Thomas und sein Team von GTTrendhouse42 in Gelsenkirchen, sind involviert :-).

Zum Video: Eindrücke vom 15. März 2025 in der Druckwerksatt von Eckhard Gehrmann in Friedrichsdorf bei Frankfurt am Main.


Aus Sicht der Nachhaltigkeit ist besonders hervorzuheben: Druckkünstler wie Eckhard Gehrmann, der übrigens bei dem legendären Steindruckmaler und Druckgrafik-Dozent Christian Kruck an der Städelschule in Frankfurt am Main ausgebildet wurde, schaffen Druckwerke, die nicht als kurzlebiges Verbrauchsgut verwendet werden, sondern hochwertige Sammlerstücke darstellen, die sorgsam bewahrt werden. Diese Druckwerke können auf Maschinen hergestellt werden, die nahezu unverwüstlich sind, über viele Dekaden eingesetzt werden bzw. aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen können. Nachhaltiger geht es kaum, Oder?

Zum 100. Geburtstag — Fotos aus dem Nachlass-Archiv bei Florian Kruck, Hamburg

Alles Gute: Vor 100 Jahren, am 12. Februar 1925, wurde der herausragende Künstler Christian Kruck in Hamburg geboren. Jugend und die erste Studienzeit verbrachte er in der Dürer-Stadt Nürnberg an der Akademie der Bildenden Künste. Sein Kommilitone war unter anderen der Mainzer Gustl Stark, später hochangesehen mit seinen einzigartigen künstlerischen Prägetiefdrucken. 1949, wieder in Hamburg, heiratete Christian Kruck die Malerin Linde Körner. Das Paar zog 1953 nach Frankfurt am Main, da Christian Kruck auf Empfehlung von Erich Heckel zum Leiter der Druckwerkstätten an der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule berufen wurde. Ab 1970 wurde er bis zu seinem Tod im Herbst 1985 auch Dozent für Druckgrafik.

„Mit Beginn der Tätigkeit an der Städelschule begann Christian Kruck, durch intensive Forschung und geschicktes Experimentieren die künstlerische Lithographie auf ein neues, bis dato unerreichtes Niveau zu heben. Das Ergebnis war die von ihm so benannte ‚Steindruckmalerei‘, gekennzeichnet durch das Drucken vieler Farben auf einem einzigen Stein“, erläutert Andreas Weber, Vorstandsmitglied der Internationalen Senefelder Stiftung, der Kruck als väterlichen Freund seit Kindheitstagen kannte. „Möglich wurde dies“, so Andreas Weber weiter, „da Christian Kruck eine Schreibtinte zum Vorzeichnen benutzte, die in den Stein eindrang, aber nicht mitdruckte. So konnte er passgenau Farbe um Farbe auftragen, was zu virtuosen Bilddarstellungen führte, die an Intensität und Farbkraft der Öl-Malerei in nichts nachsteht.“ Christian Kruck war aber nicht nur ein begnadeter Lithograph, sondern auch Maler, Bildhauer und verstärkt seit den 1970er Jahren Aquarellist.


Gut zu wissen: Infos von der Nachlass-Website von Christian Kruck

Auf der Website zu Christian Kruck wird zu seiner Lithographischen Arbeitsweise wie folgt erläutert: „Christian Kruck hat die Lithographie zu seinem persönlichen künstlerischen Ausdrucksmittel und Handwerkszeug gemacht. Statt Pinsel und Leinwand nutzt der Maler die besondere Beschaffenheit des Steines um Farben, Formen, Atmosphären und Stimmungen zu transportieren. Während beim üblichen lithographischen Farbdruck mehrere Steine verwendet werden, druckte Christian Kruck alle Farben von einem einzigen Stein.

Zunächst zeichnete er mit Schreibtinte die Konturen der zu druckenden Farbschicht auf ausgesuchte Kalkschieferplatten aus Solnhofen. Anschließend bearbeitete er die Oberfläche des Steins mit Wasser, Chemikalien und speziellen Farbmixturen und Materialien. Nach jedem Druckvorgang mit der Lithopresse wurde die gedruckte Farbschicht abgeschliffen, ohne dass dabei die Konturen der Schreibtinte verloren gingen.

In Ergänzung zu den ersten Flächen wurden jetzt die nächsten Motive aufgetragen, dann der Druck und Schleifvorgang wiederholt, bis alle Farben aufgetragen und die Bildkomposition abgeschlossen war. Bis zu 30 Farben hat Christian Kruck in einer Lithographie vereint. Für den aufwendigen Arbeitsprozess benötigte er nicht selten bis zu vier Wochen.

‚Die Farben überlagern sich in transparenten Schichten, gerinnen zu glasigen oder gedeckten Tönen, lösen sich in atomsphärisch wirkende Farbschleier auf und verdichten sich in Kernzonen‘. (Prof. Wilhelm Weber).


„Es geht mir nicht um die Vervielfältigung, sondern um die Vollkommenheit“ — Christian Kruck


Im Detail: Was macht die Lithographien von Christian Kruck aus?

Scan der Vorder- und Rückseite einer Originallithographie von Christian Kruck. Der Künstler hatte eine spezielle Technik, um auf der Rückseite einen zusätzlich Darstellungs-Effekt zu erzielen. Abbildung: Andreas Weber

Zur Bedeutung des Werks von Christian Kruck

Über seine lithografischen Erkenntnisse und Entdeckungen verfasste Christian Kruck bereits 1962 eine Schrift mit dem Titel „Technik und Druck der künstlerischen Lithographie“. Im selben Jahr 1962 erhielt er einen Lehrauftrag am renommierten Pratt Graphic Art Center in New York. „Keine Frage: Christian Kruck war im besten Sinne umtriebig, neugierig, stets auf Entdeckungsreisen, die ihn außer nach New York und Washington in den USA nach Italien, Spanien, Griechenland, Spanien, Israel und nach den Kanarischen Inseln führte“, erläutert Andreas Weber weiter. „Er konnte durch seine Bildwerke wie auch durch seine Erzählungen wunderbare Stimmungen vor allem rund um den Mittelmeer-Raum teilen. Insbesondere Italien galt seine große Leidenschaft.“

Die Kunstwelt war schon früh auf Christian Kruck aufmerksam geworden. Neben seiner Bekanntschaft mit Künstlerbund-Mitgliedern wie Erich Heckel, Otto Dix und Curth Georg Becker in den 1950er Jahren wurden Kunstexperten auf ihn aufmerksam. Der oben zitierte Kunst- und Lithographie-Experte Prof. Wilhelm Weber, seit Gründung der Internationalen Senefelder Stiftung im Jahr 1975 deren Beiratsvorsitzender bis 1999, stellte in seinem international anerkannten Standardwerk „Saxa loquuntur – Geschichte der Lithographie“ (1964 erschienen in München, London-New York und Paris) die hohe Bedeutung der Lithographie-Kunst von Christian Kruck vor. Ebenso wie Felix H. Man, der Christian Kruck in seinem Werk Artist’s Lithography (1970, London) würdigte. Für ausgewählte, bedeutende Künstler wie Emy Roeder und Oskar Kokoschka verwandelte er deren Vorlagen in künstlerische Lithographien.

Die Werke von Christian Kruck wurden in vielen Dutzend Ausstellungen gewürdigt und befinden sich über Deutschland hinaus in öffentlichen wie privaten Sammlungen in Amerika, England, Holland, Japan, Österreich und Schweiz. (Komplette Verzeichnisse sind in der Publikation der Edition H. W. Fichter „Christian Kruck – Italiens Tage“, 1998 in Frankfurt am Main erschienen).

Würdigungen durch die Internationale Senefelder Stiftung

„Mit Christian Kruck fand sich ein würdiger und hochverdienter Hauptpreis-Träger unseres allerersten Senefelder-Preises aus dem Jahr 1975. Wir werden sein Schaffen und Werk im Rahmen unserer Jubiläumsausstellung ‚50 Jahre Internationale Senefelder-Stiftung‘ im Offenbacher Haus der Stadtgeschichte besonders würdigen. Denn auch heute noch sind die künstlerischen Lithographien von Christian Kruck unerreicht und ein strahlendes Vorbild für nachfolgende Kunstschaffende“, wie Prof. Gerhard Kilger, Vorsitzender des Vorstands der Internationalen Senefelder-Stiftung, ausführt.

Und Eckhard Gehrmann, Vorstandsmitglied der Internationalen Senefelder Stiftung und Schüler von Christian Kruck, merkt an: „Christian Kruck hat zu seiner Zeit an der Frankfurter Städelschule die Druckgrafik als eigenständiges Medium durchgesetzt. In seiner Druckgrafik-Klasse hat er ganze Generationen von Studierenden für die Lithographie begeistert — unter anderem auch mich. In Christian Kruck’s Werkstatt herrschte eine ausgesprochen gute Gemeinschaft, eine große künstlerische Freiheit und seine Tür war, im wahrsten Sinne des Wortes, jederzeit offen.“


Weitere Informationen

Hinweis: Die vom Sohn Florian Kruck initiierte Website http://www.christiankruck.de/ gibt einen detaillierten Einblick in das Leben und Werk von Christian Kruck.


Informationen zu Internationale Senefelder Stiftung, dem Senefelder-Preis und der Jubiläumsausstellung 2025 finden sich auf der Website der Stiftung https://www.senefelderstiftung.de/


Heute, am 14. Dezember 2022, erschien die Anzeige in der Mainzer Allgemeinen Zeitung, initiiert von Monika Evelo, Valy Wahl und mir. Eine Herzensangelegenheit.

 

Daraufhin hat SWR 2 Kultur am Abend einen wunderbaren Radio-Beitrag gesendet. — Das Bild im Video ist eine Arbeit von Valy Wahl, geschaffen für die Jahresausstellung des Kunstvereins Ingelheim am Rhein im Dezember 2022.

 


 

 

01-Alle Vier Akteure

RLP Landtagsvizepräsidentin Astrid Schmitt (2.v.l.) mit Andreas Weber und dem Künstler-Duo Verena Reinmann und Christian Reinmann (rechts)

Vortrag von Andreas Weber
im Abgeordnetenhaus des Landtags von Rheinland-Pfalz

 

Reinmann & Reinmann — Das raffinierte Urgestein der rheinland-pfälzischen Kunst- und Kulturszene

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Frau Vizepräsidentin Astrid Schmitt, liebes Künstler-Duo Verena Reinmann und Christian Reinmann! 

„Worauf wir stehen …“ impliziert zunächst, dass wir den Blick bewusst zum Boden führen. Oder aber, dass wir intuitiv die Augen schließen, um den Untergrund zu erspüren. Beides dient der Orientierung und Standpunkt-Bestimmung. 

Und beides kreiert dieses besondere Spannungsfeld zwischen Erkenntnis durch den Intellekt und das instinktive Fühlen, das sich heute durch diese Ausstellung für uns in einzigartiger Weise darstellt. 

Ministerpräsidentin Malu Dreyer äußerte zum Jubiläumsfest des Bundeslandes Rheinland-Pfalz am 18. Mai 2022: „Die Vielfalt der Menschen und Regionen ist der Schatz unseres Landes.“ Menschen prägen eine Region, nachdem zuvor Regionen Menschen geprägt hatten. Mit dem römischen Erbe in Trier und Mainz erhielten wir hierzulande eine großartige Mitgift auf dem Weg in die kulturelle Entwicklung unserer Region. Rheinland-Pfalz war ein Schmelztiegel der Kulturen – gestaltet von Menschen aus vielen Ländern. 

Vielfalt ermöglicht oder besser bedingt Perspektivwechsel, so die Botschaft von Reinmann & Reinmann durch die hier ausgestellten Werke. 

Unser gemeinsamer Freund, der Kunsthistoriker Dr. Otto Martin, über Jahrzehnte in Mainz aktiv, vor allem mit dem Kunstverein Eisenturm, hat sich mit der Reinmann’schen Kunst intensiv auseinander gesetzt. Und führt an: „Für mich sind (diese) Arbeiten eine Hommage an die Natur – nicht auf direktem Wege, nein – in abstrakten Kompositionen, die an Archetypen der Landschaft erinnern, es baut sich etwas Auratisches zum Topos Landschaft auf, etwas Immerwährendes in innerer Stimmigkeit des Kunstwerks – etwas, das an die gute alte Harmonie im Kunstwerk denken lässt, nicht zuletzt auch formal unterstützt durch die Ausgewogenheit des oft gewählten Quadrates als Bildformat – diese können dadurch wie Module eingesetzt werden und ungeahnte Mobilität in Serien entfalten: zum ewig-kreativen Spiel!“ (Quelle: Vortrag vom Oktober 2014 zur Ausstellung Christian Reinmann „Spiegel der Erinnerung“ in der Mainzer Akademie der Wissenschaft und der Literatur, nachzulesen auf der Website von Christian Reinmann).

Und in der Tat, die Aura der hier versammelten Bildwerke und der noch in den Ateliers des Künstler-Duos versammelten Schätze hat mich sofort gepackt. Warum? Ich bin in der Pfalz großgeworden und 1978 nach Mainz umgesiedelt (wohl ungefähr zu der Zeit, als Verena Reinmann und Christian Reinmann ihr schönes Haus in Bodenheim bezogen haben). Das heisst, vom Kleinkind-Alter an, habe ich zunächst auf allen Vieren und später durch aufrechten Gang die Regionen, die Landschaften, die Natur erkundet. Teil meines Grundschul-Unterrichts in Kaiserslautern war, auf dem Feld bei der Kartoffelernte zu helfen. Noch heute ist mir das sinnhaft im Bewusstsein. Der Geruch der Erde, die Farbe und Beschaffenheit des Erdreiches der Ackerflächen auf dem Seß (wohl heute längst überbaut!), die mit Erdreich umgarnten Kartoffeln…

Mir war es sozusagen in die Wiege gelegt, die Regionen in RLP und ihren Naturreichtum zu erkunden. Durch die hier versammelten Bildwerke kann sich dieser persönliche Erinnerungs-Horizont aber entscheidend erweitern. 

 

 

Zur Erde — Zu Sand — Zur Kunst

Verena Reinmann und Christian Reinmann – ein leidenschaftliches Künstler-Duo – zwei Kreativ-Charaktere. Das zeigt sich, wie differenziert sie bei ihrer künstlerischen Arbeit mit ihrem Lieblingsmaterial aus der Natur umgehen. Aus Nah und Fern haben sie inzwischen eine weltweite, kunstvoll bearbeitete Sammlung von Originalsanden und -erden zusammengetragen. Der Ankerpunkt war aber immer Rheinland-Pfalz, das zur Heimat geworden ist. Dafür spricht insbesondere die ausdrucksstarke, als Tableau angelegte fünfteilige Bildkomposition, die Verena Reinmann zum 75-jährigen Bestehen des Landes geschaffen hat. 

Hier bietet sich ein einzigartiges Kaleidoskop an Erden und Sanden aus dem ganzen Land. Vom höchsten bis zum tiefsten Punkt, von Ost nach West und Nord nach Süd. Die Künstlerin nutzt dabei ihr kreativ-detektivisches Präzisions-Talent, ihre Sammel- und Dokumentationsleidenschaft, um Vorhandenes, eigentlich für uns alle Zugängliches, in einen unnachahmlichen künstlerischen Kontext zu stellen. Ihr Thema: „Worauf wir stehen“. Ihre Intention: Das Bewusstsein für die Schönheit unter unseren Füßen schärfen, sozusagen eine besondere, visuell-haptische Achtsamkeits-Erfahrung zu schaffen. 

Übrigens: Die wohl exklusivste Erd-Probe in der Kollektion von Verena Reinmann stammt vom Nordpol, geborgen in mehr als 4.000 m Tiefe.

Bedenkt man, dass unser leidenschaftliches Künstlerpaar global aktiv ist, so hat das Werk zum Rheinland-Pfalz-Jubiläum eine besonders strahlende Bedeutung. Die vielfältige Farbenkraft wirkt sogar für uns Lokalpatrioten unvermutet. Starke, intensive, mitunter bunte Farbigkeit verorten wir doch eher in der Karibik, in Afrika oder auch im orientalischen Raum. Aber weit gefehlt. – Und on top: Dieser Farb-Dynamik setzen die streng geometrischen Rahmenflächen eine Grenze, die hilft, die Vielfalt einzuordnen. 

 

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Sande und Erden (im Bild eine kleine Auswahl) aus aller Welt bilden das Roh-Material für die Kunstwerke von Verena Reinmann und Christian Reinmann.

 

Wenden wir uns kurz nochmal dem Gesamtbild der Ausstellung zu. Wir sehen die Werke zweier Künstler, die farbige Sande und Erden als Basis für ihr künstlerisches Schaffen nutzen. Und dabei zu ganz unterschiedlichen Gestaltungsansätzen finden, die gar nicht so leicht zu fassen sind, und uns beim Betrachten geradezu verblüffen. 

Und mich ganz eindrücklich berühren. — Nach meinem Atelierbesuch Ende Oktober, zur Einstimmung auf den heutigen Abend, kam mir spontan in den Sinn: 

Wenn man die Werke der beiden in andere Kunstgattungen transformieren könnte, so steht für mich die Arbeit von Verena Reinmann für Poesie, Lyrik – zum Beispiel im Sinne des Goethe’schen Impetus (Faust 1):

„Werd ich zum Augenblicke sagen:

Verweile doch! du bist so schön!

Dann magst du mich in Fesseln schlagen,

Dann will ich gern zugrunde gehn!“

Dahinter verbirgt sich das Streben nach Erkenntnis, die Suche nach Wissen und auch die damit verbundene Unrast und bisweilen auch Unzufriedenheit.

In Frage kommt auch die Anlehnung an Rainer Maria Rilkes „Sonette an Orpheus“ (publiziert 1922, Erster Teil, IV. Sonett): „Fürchtet euch nicht zu leiden, die Schwere, gebt sie zurück an der Erde Gewicht; schwer sind die Berge, schwer sind die Meere.“

Rilke sah seine Arbeit ja nicht als von spontaner Eingebung getrieben, sondern als Ergebnis akribischer, hoch präziser, intensiver Arbeit. Ganz klar ein Berührungspunkt mit Verena Reinmann – sicher finden sich ebensolche mit Dichterinnen wie Annette von Droste-Hülsdorff oder Ingeborg Bachmann.

Bei Christian Reinmann kam mir in den Sinn, dass er literarisch gesehen ein Geschichtenerzähler wäre, ein Romancier — vielleicht sogar gekoppelt mit Musik von Leonard Cohen, dessen Titel Hallelujah von 1984 gerade eine Renaissance feiert. Aber auch Gustav Mahler oder Antonín Dvořák kämen m. E. in Betracht. – Denken wir aber wieder literarisch. Mir kommt in den Sinn: Carl Zuckmayer, in Nackenheim, also in Nachbarschaft zum Rein-mann’schen Wohnort geboren: „Man steht am Ende der Welt und zugleich an ihrem Ursprung, an ihrem Anbeginn und in ihrer Mitte“, wie Zuckmayer 1966 in seiner Autobiografie „Als wärs eine Stück von mir“ schrieb.

Nicht durch Zufall hat Christian Reinmann aus meiner Sicht den lesens- bzw. hörenswerten Text tituliert „Christian Reinmann – Zu meinen Arbeiten“ verfasst, den ich vortragen möchte:

„In meinen ungegenständlichen Bildern sehe ich oft Erinnerungen an die auf vielen Reisen erlebten faszinierenden Wüstenlandschaften und vulkanischen Gebiete gespiegelt. Die Arbeiten bilden keine konkreten Wirklichkeiten, keine bestimmten Landschaften ab. Es sind Erinnerungsspuren, die in der Bildgestaltung ihren Niederschlag finden – als formale oder stimmungsmäßige Elemente. So finden die Eigenarten und Schönheiten rauer Natur ihren Ausdruck aber auch die in vielen Landschaften sichtbaren Verletzungen der Umwelt durch Eingriffe des Menschen oder durch Naturkatastrophen. 

Meine Bilder – auf Leinwand oder Papier – sind in ihren Oberflächen meist von einer ausgeprägten Materialität bestimmt. Dabei spielt Sand unterschiedlicher Herkunft, Körnung und Farbe eine wesentliche Rolle als strukturgebendes Element. Als Basismedium der aus vielen Schichten aufgebauten Arbeiten dient oft ein speziell gehärtetes Gipsmischmaterial – bei der Überarbeitung kommen selbstgewonnene Naturpigmente, seltener auch Acrylfarben, zum Einsatz. Mit den starken Strukturen, Zerklüftungen und den erdigen, naturhaften Farbtönen versuche ich im Idealfall eine ‚eigene Natur‘ zu formen.“

Wie gesagt, hat Dr. Otto Martin eine umfassende kunsthistorische Einordnung der Arbeit von Christian Reinmann beim eingangs genannten Vortrag in der Akademie vorgenommen — von der Art Brut über Jean Dubuffets Intention “die Materie zum Sprechen zu bringen” zum Spanier Antonio Tapies. Bemerkenswert erscheint mir zudem folgendes zum Werk selbst, ich zitiere Dr. Otto Martin: 

„Seine Bilder locken uns in einen andauernden Prozess zwischen genauer sinnlicher Wahrnehmung bis hin zum Tasten der Reflexion dieser Wahrnehmung und dem möglichen Bedeutungsumfeld. Dies obliegt weitgehend demjenigen, der sich auf den Prozess des Dialogs mit dem Kunstwerk einlässt. Dabei ist auch die Beschränkung auf Formal-Ästhetisches ein weiteres Erlebnisfeld.

(…)

Manche der Bildoberflächen erscheinen wie Bodenprofile – etwa die kleinen Landschaften, nahezu Assemblagen sind es, die im vergleichenden Blick auf die Natur eine Kraft entwickeln, als seien sie gerade geologischen Formationen entnommen. Man denkt an den sogenannten Lackabzug, an ein Verfahren, das die naturgetreue Bergung von Lockergesteinen erlaubt. Ein Erdschichtenbild entsteht, das naturgetreu, jedoch spiegelbildlich einen Ausschnitt der Ablagerungen in lockeren Sedimenten wiedergibt. In aufwändigen Arbeitsschritten werden mit Hilfe von Kunstharzen und Lacken dünne aber farbgetreue Schichten aus dem Grund herauspräpariert.“

Soweit Dr. Otto Martin. – Eine Beobachtung bzw. ein Erlebnis von mir schließt sich an: Im lichtdurchfluteten Atelier – umgeben von Ortschaft und Weinbergen – änderte sich meine Wahrnehmung der einzelnen Bildwerke mit ihren und durch ihre spezifischen Pigmente aus Sanden und Erden immerfort. Das heisst, die Werke bekommen je nach Lichtstimmung einen neuen Charakter und geben optisch wie spirituell immer mehr Inhalte frei. So wird das Betrachten zur sinnlich-experimentellen Erlebnistour, die nie enden will.

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Lenken wir zum Abschluss nochmals das Augenmerk auf das Tableau von Verena Reinmann zum 75-jährigen Jubiläum des Landes Rheinland-Pfalz. Sie erläutert detailgenau (und hier am Original-Werk per Skript nachzulesen) einige Beispiele für interessante Orte des Landes RLP.

Ich zitiere aus der Dokumentation von Verena Reinmann: „Bei den 133 Fundorten und über 270 Fundstellen in den Mosaikquadraten spielen nicht nur die vielen Farbvariationen der Erden eine Rolle, es sind auch herausragende geologische, geographische, historische, kulturgeschichtliche oder sonstige interessante Punkte des Landes Rheinland-Pfalz.

So zum Beispiel:

  • der Kastanienberg bei Neustadt, auf dem sich das Hambacher Schloss erhebt, das seit 1832 als Ort der Wiege der deutschen Demokratie gilt
  • am Rhein, direkt bei der Loreley-Statue
  • die Nationalen Geotope wie der „Druidenstein” im Westerwald oder der „Teufelstisch” in der Pfalz
  • die Fossilfundstätten wie das „Eckfelder Maar” in der Eifel oder die „Trift” in Rheinhessen
  • der steilste Weinberg Europas, der „Bremmer Calmont“ an der Mosel
  • ,,die Glöck“ in Nierstein a. Rh., die älteste dokumentierte Weinbergslage in Deutschland aus dem Jahr 742
  • der höchste Kaltwassergeysir der Welt in Andernach-Namedy
  • das einzige Felsenkloster nördlich der Alpen, die „Felseneremitage“ in Bretzenheim/Nahe
  • der höchste und niedrigste Punkt von RLP, der „Erbeskopf“ im Hunsrück und die Kalkgrube der Firma „Schaefer-Kalk” in Hahnstätten im Rhein-Lahn-Kreis (in die Grube passt sogar der Kölner Dom!)
  • die vielen unterschiedlichen Farbnuancen der wirtschaftlich bedeutenden Tonerden im Westerwald
  • aus der römischen Geschichte des Landes, der alte römische Steinbruch „Kriemhildenstuhl” in Bad Dürkheim oder auch
  • die Original-Tonerde, die die größte römische Töpferwerkstatt nördlich der Alpen verwendete; in Rheinzabern wurde das berühmte römische Terra-Sigillata-Geschirr gefertigt
  • das Material vom Mittelpunkt von Rheinland-Pfalz sowie von dem nördlichsten, südlichsten, östlichsten und westlichsten Ort des Landes.“

Soweit die Erläuterungen von Verena Reinmann zu den Highlights. Wenn Sie die umfangreiche Gesamtliste, die hier ausliegt, nachlesen – von Alsheim bis Zeller-Hamm – werden sie mit Freude erkennen, wieviel und welche Schätze es hierzulande zu entdecken gilt. 

Oder, wie Dr. Otto Martin in seinem genannten Vortrag so trefflich formulierte: „Es geht nicht um ein Verstehen auf die Schnelle, um ein befriedigendes Wiedererkennen, sondern es geht um den immer wieder neuen Austausch zwischen Betrachter und Bild – wenn dies gelingt, dann ereignet sich Kunst.“

In diesem Sinne: Auf in den Dialog mit Kunst und Künstler-Paar. Meine Frage wäre: Wie seid ihr darauf gekommen, das, was ihr macht, so zu tun wie ihr es macht?

Vielen Dank für ihre geduldige Aufmerksamkeit. Und Dank an den Landtag und die Organisatoren dieser gelungene Ausstellung. 

 

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Die Ausstellung läuft bis zum 6. Januar 2023. Mo–Fr 8.00 bis 20.00 Uhr, SA 10.00 bs 16.00

 


 

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Prof. Dr. Gerhard Kilger, Chairman of the International Senefelder Foundation. Photo: Andreas Weber

 

Internationaler Senefelder-Preis — SIEGEREHRUNG

Redetext von Prof. Dr. Gerhard Kilger, Vorstandsvositzender der Internationalen Senefelder Stiftung, Offenbach am Main   |  English translation below | Fotos und Videos von Andreas Weber, Franfiurt am Main

Heute begrüße ich das Festpublikum für die Siegerehrung des 12. Internationalen Senefelder-Preises. Allerdings ist in diesem Jahr das Publikum nicht in Offenbach: Durch die Pandemie müsse alle zuhause bleiben und die Zeremonie auf dem Bildschirm erleben. Die originalen Lithographien jedoch sind jetzt alle in diesem Ausstellungsraum des „Hauses für Stadtgeschichte“ in Offenbach versammelt. Hier ist es in den nächsten Wochen auch möglich, dass sie ganz real von interessierten Museumsbesuchern besichtigt werden können.

 



 

Als wir den Preis 2019 ausgelobt haben, konnten wir natürlich nicht ahnen, wie dieser Tag stattfinden würde. Deswegen war auch die Arbeit der Jury nicht einfach, sie hat aber ganz deutliche Entscheidungen getroffen. So wurden in diesem Jahr neben den drei Hauptpreisen auch zwei Sonderpreise vergeben. Gerade weil sich die Lithographie gegenwärtig in einem tiefgreifenden Wandel befindet, sind der Jury zwei Arbeiten besonders aufgefallen: Diese beiden weisen auf ganz unterschiedliche Art neben hoher künstlerischer Qualität durch ihre Technik zum Einen auf den langen Weg von der professionellen und industriell bedeutsamen Arbeitsweise hin zu den heute sehr unterschiedlichen Praktiken individueller Gestaltung, zum Anderen auf ganz neue Perspektiven zu experimentellen Formen der Lithographie.

 

 

Einer der Sonderpreise geht an den Lithographen Jean-Michel Machet in Paris, der mit dem bretonischen Künstler Jaques Gedan eine ganz bemerkenswerte Lithographie geschaffen hat: Bei dieser wird sowohl durch Farbgebung und kunstvolle Feinheiten als auch durch die besonders exakte Drucktechnik die hohe Meisterschaft der traditionellen Lithographie deutlich, wie sie heute weltweit kaum noch anzutreffen ist. Der Künstler hat – vielleicht unbewußt – in einer großartigen Metapher den Wandel der Lithographie in der Darstellung „Penduik auf der Reise zum Nordpol“ geschaffen: Die hohe Kenntnis des Segelns hat einen vergleichbaren Wandel durchgemacht, die alten Kapitäne und Seeleute sind verschwunden, Segelboote erfahren heute neue Anwendungen.

 

 

Ein weiterer Sonderpreis geht an Katarzyna Tereszkiewicz aus Polen. Sie hat eine ganz eigenwillige Arbeit geschaffen, die den Druck selbst nicht vollzieht, sondern den lithographischen Prozeß  zur künstlerischen Bearbeitung nutzt. Die Zinkplatte als Druckträger wird selbst zum Werk, die chemischen und künstlerischen Prozesse erzeugen ganz neue Farben und Formen, die in ihrer Struktur an eigenartige Malerei erinnern und die ihre eigene Ästhetik erzeugt. Hierbei wurden bekannte Techniken des Abreibens und Ätzens angewandt, die allerdings so zu ganz neuen Ergebnissen geführt hat. Dieser außergewöhnliche Eigensinn, keinen Druck, sondern das Ergebnis eines Experiments für den Wettbewerb einzureichen, hat die Jury überzeugt.

 


 

Die eigentlichen Hauptpreise sind für originale Lithographien vergeben, die alle drei nach ganz unterschiedlichen Kriterien begutachtet wurden. Natürlich stand bei allen die hohe künstlerische Qualität im Vordergrund, wichtig war für die Jury auch, dass hier Ausführungen von Lithographie sichtbar sind, die nicht bereits bekannt und vielfach angewandt wurden. Diese Kriterien anzuwenden, war tatsächlich nicht einfach, weil dafür durchaus viel mehr Preise hätten vergeben müssen als vorgegeben war. Diese Schwierigkeit läßt sich auch nachvollziehen, wenn man die Qualität in der heute eröffneten Ausstellung der 32 nominierten Kandidaten besichtigt.

Nun möchte ich aber Ihre Spannung nicht mehr überstrapazieren, wir kommen zu den drei Hauptgewinnen:

Der dritte Preis wurde an den Spanier Rafael Rodriguez Garcia vergeben, der seine Arbeiten in Belgien macht. Er hat einen Master in Fine Arts, Print Making an der Royal Academy of Fine Arts Antwerp gemacht und bereits viele internationale Preise erhalten. Die nun prämierte Arbeit mit dem Titel „Begegnung II“ ist 2019 entstanden. Rafael Rodriguez untersucht die Eigenschaften des Steins als Objekt und nicht als einfache Oberfläche, auf der ein Bild gezeichnet werden soll. Dieses entsteht bei ihm durch verschiedene Zustände, wobei die Oberfläche des Steins zwischen jedem Zustand leicht gelöscht wird. So wird die „Erinnerung“ des Steins Ausgangspunkt für den nächsten Zustand. Darüber hinaus werden Spuren und Fragmente früherer Zustände sichtbar, die er eine „Archäologie“ des Bildes nennt.

 

 

Die Jury hat dies besonders überzeugt: Der Künstler hat nicht einfach einen Druckträger bemalt, sondern die Eigenschaften des Steins und die der besonderen Wirkungen von Senefelders „Chemischer Steindruckerey“ als künstlerische Technik entwickelt.

Doch diese beeindruckende Arbeit wurde nach Einschätzung der Jury noch von zwei weiteren übertroffen:

Den zweiten Hauptpreis hat die Polin Magdalena Uchman erhalten. Sie ist Graphic Designerin und hat nach ihrem Diplom am Fine Arts Institut der Universität Rzesów sogar den Doktor an der Academy of Fine Arts in Cracow gemacht. Seit 2012 ist sie in der Lehre an der Universität Rzeszów tätig. Darüber hinaus hat sie seit 2006 sehr viele Ausstellungen im In- und Ausland gemacht.

 

 

Die sehr geheimnisvolle Arbeit aus dem Jahre 2018 verwendet das Bild im Bilde, so wie wir in deutsch das Bewußtwerden mit der Redewendung „über etwas im Bilde sein“ aussprechen. Es ist ihr „Movie“, den sie uns mit wasserfestem Marker auf „Algrafia“, der Zinkplatte vorführt. In Abreibetechnik sehen wir ihre persönliche Erscheinung als Bild von hinten. Sie schreibt uns: „Die Grafiken bestanden aus zwei Matritzen: gekörntes Aluminiumblech unter Verwendung von Lithografietinte und kombiniert mit Lithografie, die in der Technik des Nachdrucks und des wasserdichten Markers entwickelt wurde.“

Das eingereichte Blatt ist drucktechnisch von hoher Qualität, die Jury hat Magdalena Uchman mit dieser experimentellen Arbeit von hoher künstlerischen Ausdruckskraft voll überzeugt.

Nun kommen wir endlich zum hochbegehrten ersten Hauptpreis: Er geht an den Thailänder Amnat Kongwaree. Auch er ist in der Lehre tätig: Er ist Assistenzprofessor an der Silpakorn Universität in Bangkok für Graphic Arts, Faculty of Printing, Skulpture and Graphic Arts. Dort hat er auch seine Ausbildung zum B.F.A. und M.F.A. gemacht und schon seit 1995 viele Preise erhalten.

 

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Seine Arbeit ist 2019 auf Aluminiumplatten entstanden, weil dies – wie er sagt – in Thailand nicht anders möglich ist. Aber er hat die industriellen Platten mit traditioneller lithographischer Technik behandelt und dabei eine sehr beeindruckende Drucktechnik geschaffen. Bei dem eingereichten Blatt „Parasitism“ aus dem Jahre 2019 hat er zehn Platten verwendet und dadurch eine hohe Farbqualität erreicht. Die realistische Darstellung einer jungen Frau, die offensichtlich einen jungen Kukuk in der Hand hält, läßt eine geheimnisvolle Geschichte des „Parasitism“ vermuten. Das ganze Kunstwerk ist sowohl technisch als auch künstlerisch bis ins gegenständliche Detail durchgearbeitet und besticht durch seine geheimnisvolle Ausdruckskraft. Die originale Lithographie zeigt an diesem Beispiel eine in Farbe und Auflösung erstaunliche Qualität, die durch heutige Drucktechniken kaum zu erreichen ist. Es war ein ganz eindeutiges Votum der Jury, dass der Internationale Senefelder-Preis dieser Arbeit zugesprochen werden soll.

Bedauerlicherweise können die Preise nicht wie üblich persönlich überreicht werden. Doch wir hoffen alle, dass das persönliche Zusammentreffen der prämierten Lithographen in besseren Zeiten wieder möglich sein wird.

 


 

Impressionen zur Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte zu Offenbach am Main | Virtual tour throug the exhibition in the museum Haus der Stadtgeschichte Offenbach, Germany. Photo/Video: Andreas Weber


Auf einen Blick / At a glance

#ISSAward2020 — And the winner is… We proudly present:

1. Hauptpreis / 1st main award: Amnat Kongwaree , Bangkok/Thailand

2. Hauptpreis / 2nd main award: Magdalena Uchman, Rzeszów/Polen

3. Hauptpreis / 3rd main award: Rafael Rodriguez Garcia, Antwerpen/Belgium, Spain

Special Awards:
• Jean-Michel Machet, Paris/France (Drucktechnik)
• Katarzyna Tereszkiewicz, Rzeszów/Polen (Experimentalkunst)

Gratulation an alle Teilnehmer | Congrats to all fantastic attendees.

Die Offenbach Post hat einen lesenswerten Artikel von Reinhold Gries publiziert zur Verleihung des 12. Internationalen #Senefelder-Preises der Internationale Senefelder Stiftung am 6. Dezember 2020 und der Ausstellung der Finalisten und Gewinner im Haus der Stadtgeschichte (Offenbach).

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English Translation

International Senefelder Award — LAUDATIO

By Prof. Dr. Gerhard Kilger, Chairman of the International Senefelder Foundation

Today I greet the audience for the award ceremony of the 12th International Senefelder Award. However, this year the audience is not in Offenbach: Due to the pandemic, everyone has to stay at home and experience the ceremony on screen. The original lithographs, however, are all gathered in this exhibition room of „House of City History“ in Offenbach. In the next few weeks it is also possible that interested museum visitors can view them in real life.

 


 

 


 

When we announced the award in 2019, of course, we had no idea how this day would take place. That´s why the work of jury wasn´t easy, but it made very clear decisions. So this year, in addition to the three main prizes, two spezial prizes awarded. Just because the lithography currently in profound change, the jury are two particularly noticed work: These two have very different ways in addition to high artistic quality by their technique on the one hand the long way from the professional and industrial working method to the very different practices of individual design today, on the other hand to completely new perspectives on experimental forms of lithography.

 

 

One of the special prizes goes to the lithographer Jean-Michel Machet in Paris, who has created a very remarkable lithograph with the Breton artist Jaques Geda: With this, the high mastery of traditional lithography is demonstrated through the coloring artistic fineness as well the particularly precise printing technique clearly as it can hardly be found anywhere in the world today. The artist – perhaps unconsciously – created the change in lithography in a great metaphor in the description „Penduit on the journey to the Northpole“: The high level of knowledge of sailing has undergone a comperable change, the old captains and seamen have dissapeard, sailboats are experienced today new applications.

 

 

Another special award goes to Katarzyna Tereszkiewicz from Poland. She has created a very idiosyncratic work that does not print itself, but uses the lithographic process for artistic processing. The zink plate as pressure medium becomes the work itself, the chemical and artistic processes generate completely new colors and shapes, the structure of which is reminiscent of strange painting and which creates its own aesthetic. Well-known techniques of rubbing and etching were used, which, however, led to completely new results. This extraordinary stubborness of submitting the result of an experiment for the competition, not printing, convinced the jury.

The actual main prizes awarded for original lithographs, all three of which were appraised according to very different criteria. Of course, standing on the high artistic quality in the foreground, was important for the jury also that the works of lithography are visible here are not already known and have been widely used. Applying these criteria was actually not easy, because many more prizes shoult have been awarded than were given. This difficulty can also be understood if one inspects the quality in the exhibition of the 32 nominated candidates that opened today.

Now I don’t want to overstrain your tension, we come to the three main prizes:

The third prize was awarded to the Spaniard Rafael Rodriguez Garcia, who does his work in Belgium. He has a Masters in Fine Arts, Print Making at the Royal Academy of Fine Arts Antwerp and has already received many international awards. The now award-winning work entitled „Encounter II“ was created 2019. Rafael Rodriguez Garcia investigated the properties of the stone as an object and not as simple surface, on which a picture is to be drawn. This arises in him through different states, whereby the surface of the stone is slightly erased between each state. So the „Memory“ of the stone becomes the starting point for the next state. In addition, traces and fragments of earlier states become visible, which he calls an „Archeology“ of the picture.

The Jury was particuarly impressed by this: The artist did not simply paint a print substrate, but developed the properties of the stone and the special effects of Senefelder’s „chemical stone printing“ as an artistic technique.

But according to the jury, this impressing work was surpassed by two more:

The second main prize went to Magdalena Uchman from Poland. She´s Graphic Designer and has even made the doctor at the Academy of Fine Arts in Cracow after her diploma at the Fine Arts Institude of the University Rzesów. She has been teaching at the University of Rzeszów since 2012. In addition, since 2006 she has done a lot of exhibitions at home and abroad.

 

 

The very mysterious work from 2018 uses the picture in the picture, just as we pronounce awareness in German with the phrase“ being in the picture about somthing“. It is her „Movy“ that she shows us with waterproof marker on „Algraphia“, the zink plate. In the rubbing technique, we see her personal appearance as a picture from behind. She writes to us: „The graphics consisted of two matrices: grained aluminium sheet using lithographic ink and combined with lithography, which is develop using the technique of reprint and waterproof marker“.

The submitted lithograph is of high printing quality, the jury fully convinced Magdalena Uchman with this experimental work of high artistic expressivness.

 


 

Now we finally come to the coveted first main prize: It goes to the Thai Amnat Kongwaree. He is also active in teaching: He is assistant professor at the Silpakorn University in Bangkok for Graphic Arts, Faculty of Printing, Sculpture and Graphic Arts. There he also did his academic degree in BFA and MFA and have received many awards since 1995.

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His work was created on aluminium plates in 2019 because –  as he says – there is no other way in Thailand. But he has treated the industrial plates with traditional lithographic techniques, creating a very impressing printing technique. He used ten plates for the lithography „Parasitism“ submitted in 2019, which resulted in high color quality. The realistic depiction of a young woman who obviously holding a young cuckoo in her hand suggests a mysterious story of „Parasitism“. The entire work of art it worked through both technically and artistically down to the tanggible detail and impresses with  its mysterious expressiveness.In this example, the original lithograph shows an amazing quality in terms of color resolution, which can hardley be achieved with today’s printing techniques. It was a very clear vote of the jury that the International Senefelder Prize should be awarded to this work.

Unefortunately, the prizes cannot be presented personally as usual. But we all hope that the personal meeting of awardees is possible in better times.

 


Epilog

The celebration of all ISS Award 2020 attendees and winners was broadcasted live via YouTube. Youn can see the movies on the Youtube Page of Haus der Statdgeschichte Offenbach. Please follow the Links:

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And there will be also a booklet available showcasing the Award and the work of the winners in german and english.

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