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Im Reich der Drohnen! — Das neue Kunst-Projekt von Fee Fleck

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@ 2015 by Value Communication AG, Mainz. Collage/Gemäldefoto und Text: Andreas Weber, Mainz/Frankfurt/Main. Foto (Kasten): AZ / hbz/Jörg Henkel. Gemälde: Fee Fleck, Mainz

Von Andreas Weber

„Ich klage mit meiner Arbeit niemanden an, ich bin auch keine Richterin. Ich sehe das Thema Drohnen nicht aus politischer Sicht, sondern aus gesellschaftlich-kultureller und menschlicher Perspektive, die mir unendlich Angst bereitet. Als Künstlerin ist es meine Pflicht, Missstände und Untaten zu entdecken, darauf hinzuweisen und zum Diskurs aufzufordern.“ —Fee Fleck

„Sie sind Malerin!“ —„Woher wissen Sie das?“ — „Ich habe Sie in der Zeitung gesehen.“ Ein kurzer Dialog, der auf dem Mainzer Wochenmarkt stattfand, als die Marktfrau beim Einkauf die Künstlerin Fee Fleck ansprach. Und die Marktfrau ist „nur“ eine von vielen. Eine solch hohe und weit gefächerte Aufmerksamkeit hat Fee Fleck, die Unermüdliche, in ihrer langen Künstlerlaufbahn noch selten erfahren. Jüngst am 17. Juli 2015 beim Pressefest der Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Vom frühen Abend bis Mitternacht ergab sich Gelegenheit, mit vielen klugen Köpfen aus Politik, Medien und Kunstszene Gespräche zu führen. Was Fee Fleck Freude und Unbehagen gleichermaßen beschert. Freude, weil sie hohe Aufmerksamkeit erfährt für ein schwieriges neues Thema: Drohnen als militärisch-perfektionierte Waffensysteme, die gnadenlose Zerstörung und plötzlichen Tod auf hinterhältige Art und Weise bringen. Und zu oft Unschuldige als Opfer treffen. — Unbehagen, weil Fee Fleck „normalerweise“ still und ungestört im Atelier ihrer Arbeit nachgeht. Und das Werk erst dann einem Publikum präsentiert, wenn es vollendet ist.

Nichts ist mehr wie es einmal sein wird! — Eigentlich arbeitete Fee Fleck nach der Fertigstellung des großartigen Gemäldezyklus „Medea — Die Fremde“ im Jahr 2012 an einer Serie von Porträts, die während langer Sitzungen und Gespräche entstanden. Und plötzlich, im Spätsommer 2014, hat sie ein Thema gepackt, das sie nun nicht mehr loslässt. „Bei meiner Lebensgeschichte ist es nicht verwunderlich, dass ich zutiefst betroffen und innerlich bewegt bin, wenn Drohnen zum Kriegführung eingesetzt werden”, erklärt Fee Fleck. Drohnen als fliegende Kampfmaschinen, ferngesteuert und anonym, die das Leben Anderer, zumeist Unschuldiger, so grausam und schonungslos auslöschen. Zunächst hat sie wie gewohnt ihre Ideen, Gedanken, Recherche-Notizen und bildhafte Skizzen akribisch in einem Arbeitsbuch eingetragen. Gerade auch während und nach der Lektüre des Buches von Grégoire Chamayou „Ferngesteuerte Gewalt. Eine Theorie der Drohne“. (Deutsche Ausgabe, Passagen Verlag, Wien: 2014; siehe Literaturkritik von Jakob Christoph Heller). Der Autor gibt detailliert und seitenlang Kostenproben, wie Dialoge des militärischen „Drohen-Teams“ beim Einsatz ablaufen. Eindrücklicher und schauriger geht es kaum.

In Chamayous Reflexion wird die Drohne – genauer: das unbemannte, bewaffnete Flugzeug – zu einem verwirrenden „‚unidentifizierten Gewaltobjekt‘ […]: Sobald man in etablierten Kategorien über sie nachzudenken versucht, erfasst eine intensive Verwirrung so elementare Vorstellungen wie Gebiet oder Ort (geografische und ontologische Kategorien), Tugend oder Tapferkeit (ethische Kategorien), Krieg oder Konflikt (zugleich strategische und politisch-rechtliche Kategorien).“ Heller schlussfolgert in seiner Buchbesprechung: „Während die Apologeten der Ausschaltung menschlicher Kontrolle – des Wandels von der Drohne zum Roboter – gerade die Menschlichkeit, da Emotions- und Affektlosigkeit, der automatisierten Entscheidung betonen, sieht Chamayou darin zum einen die Ausschaltung der Menschenwürde: ‚Maschinelle Akteure mit jenem Tötungsrecht auszustatten, das Kämpfenden in einem Krieg zukommt, würde bedeuten, das Töten eines Menschen auf dieselbe Ebene mit der Zerstörung einer bloßen materiellen Sache zu stellen’ – und zum anderen eine bedrohliche Krise juridischer Kategorien, deren implizite Ontologie die Unterscheidung von Waffe und Akteur benötigt. Mit der Identität von Waffe und Akteur, dem Verzicht auf einen intentionalen, menschlichen Akteur, diffundiert Verantwortung: ‚Ein Roboter begeht ein Kriegsverbrechen. Wer ist verantwortlich? Der General, der ihn eingesetzt hat? Der Staat, der sein Eigentümer ist? Der Industrielle, der ihn hergestellt hat? Die Informatiker, die ihn programmiert haben?‘ 

Entscheidungsträger ist, so Chamayou, letztlich ein Programm und die in ihm vorgenommenen Spezifikationen für Zielidentifizierung, Waffeneinsatz, Kollateralschadentoleranz. Chamayou zielt hierbei auf eine bedenkenswerte Pointe: Indem die einfache Setzung der Variablen, die Entscheidung über die Entscheidung, jeweils als Programm umgesetzt ‚vielfach multiplizierte, sehr konkrete – allzu konkrete – Effekte‘ hat, ist die ‚gewöhnliche militärische Gräueltat […] im Recht […]. Die modernen Formen der Grausamkeit sind massiv legalistisch. Sie funktionieren im Regelzustand, nicht im Ausnahmezustand. Wenn sie schließlich zu einer Art Ausnahme werden, dann weniger durch Aussetzung des Gesetzes als durch seine Spezifikation, indem man es entsprechend der eigenen Interessen soweit präzisiert, dass es ohne viel Widerstand katapultiert.‘ Bei allem Materialreichtum der Untersuchung, Detailverliebtheit und polemischer Schärfe ist vielleicht diese Pointe zum Souveränitätskonzept im Zeitalter der Drohnen-Kriegsführung ein sowohl diskussions- wie kritikwürdiger Höhepunkt von Chamayous lesenswertem Werk.“

Eine besondere Rolle nimmt beim Einsatz von Drohnen der Predator” wahr. Er verfolgt im Team mit anderen den Flug der Drohne und entscheidet über den todbringenden Knopfdruck. Ein grausames Rollenspiel, wie Grégoire Chamayou ausführlich darlegt.  In der Folge der Reflexion dieser Schilderungen entwickelte sich die künstlerische Arbeit von Fee Fleck anders als sonst…

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Mutig. Schonungslos. — Ein Aufschrei. Gegen das Vergessen, das Verdrängen, die Ignoranz.

„Die Pein bei meiner Arbeit am Drohnen-Zyklus war so groß und erschreckend“, sagt Fee Fleck. So qualvoll, dass sie darüber reden musste. Mit Freunden, mit Kollegen, mit ihrer Tochter. Und sie hat Öffentlichkeit gesucht, um sich mitzuteilen. Zeitungsreporter kommen in ihr Atelier. Sogar aus Japan, durch die Vermittlung des Philosophieprofessors Kakao Ito. Kulturredakteur Michael Jacobs von der Allgemeinen Zeitung schrieb einen exzellenten und eindrücklichen Besuchsbericht, mit dem Titel „Tod per Joystick“; er schreibt unter anderem: „Dem Drohnenkrieg, der perfidesten Form militärischen Tötens, hat die Mainzer Künstlerin Fee Fleck einen monumentalen Bildzyklus gewidmet, der in seinen der Flugbahn ferngesteuerter Kampfroboter nachführenden Szenenfolgen gewöhnliche Ausstellungsdimensionen sprengt. (…) Bis Jahresende will die Künstlerin ihr aufrüttelndes Großwerk gegen das technisierte Töten, dem eine ebenso ausladende Motivfolge mit Darstellungen der Liebe und Lebensfreude kontrastiv entgegengesetzt wird, fertig haben.“

Monumental heißt: Zwei Mal je fünf Bilder im Format zwei auf drei Meter. Also zwei mal 15 Meter Bildstrecke für den todbringenden Drohen-Flug durch die Welt sowie als Gegenpol die friedvolle Glückseligkeit als höchstes Gut des Menschseins. Plus ein dreidimensionales Objekt, das den „Wirkungsraum“ des Predators zeigt, jener zentralen Figur, die den „Todes-Knopf“ bedient.

Durch die gründliche, monatelang Vorarbeit, die vielen Gespräche und inspirierende Dialoge ging Fee Fleck das Umsetzen der Ideen auf der Leinwand flink von der Hand. Wer die Malereien im Original sieht, erkennt, wie ungebrochen durchgängig und fließend der Malduktus ist, bei völliger Andersartigkeit der einzelnen Bildtafeln. Eine Besonderheit im Arbeitsfluss entstand: Die Motive waren blitzartig klar definiert. Weniger als eine Kopfsache, denn per Herzensangelegenheit, wurde die Hand der Malerin bei der Arbeit gelenkt. Manches konnte aus Fee Flecks eigener Sicht von ihr fast nicht schnell genug gemäß den vorliegenden Skizzen umgesetzt werden.

Noch während der Fertigstellung der ersten Staffel mit den fünf Drohnen-Bilder entschloss sich Fee Fleck, „Verbündete“ zu suchen. Sie bildete ein Kuratorium, dem Prof. Valy Wahl (Künstlerin), Dr. Otto Martin (Kunsthistoriker) und Andreas Weber (Experte für Kunst & Kommunikation) angehören. Im ersten Schritt wurde ein Konzept ausgearbeitet, um das Thema des Bilderzyklus unter der Überschrift „Im Reich der Drohnen“ ins Gespräch zu bringen. Am 10. November 2015 wird es in Mainz eine Diskussionsrunde geben. Das Datum ist kein zufälliges, sondern bezeichnet den UNESCO Welttag der Wissenschaft für Frieden und Entwicklung. Danach soll über den besten Ausstellungsort entschieden werden. Dies soll weniger ein „gewöhnlich“ musealer Ort sein, im Stil einer Werkschau. Vielmehr soll es eine persönliche Begegnung mit dem Bilderzyklus, der Künstlerin und dem Kuratorium werden, um Menschen in den Dialog zu bringen.

„Erstaunlicherweise sind viele, denen ich von meinen Drohnen-Bildern erzähle, zunächst geradezu entzückt. ‚Meine Kinder besitzen so etwas und spielen damit‘, wurde mir gesagt. Auch, dass man künftig damit Pakete zustellen soll… Meine Wahrnehmung ist hierbei aber eine ganz andere, geprägt durch die militärische Nutzung, gekoppelt mit Tod und Verderben. Nicht einmal die beteiligten Solodaten kommen unbeschadet davon. Auch wenn sie fern ab sind, nur durch Monitore schauen, leiden sie nach dem Einsatz an schwersten psychischen Störungen. Denn anders als der Bomberpilot, der nicht unmittelbar sieht, was er anrichtet, schaut der Predator zu…“, stellt Fee Fleck fest.

Wichtig ist für die Künstlerin festzustellen: „Ich klage mit meiner Arbeit niemanden an, ich bin auch keine Richterin. Ich sehe das Thema Drohnen nicht aus politischer Sicht, sondern aus gesellschaftlich-kultureller und menschlicher Perspektive, die mir unendlich Angst bereitet. Als Künstlerin ist es meine Pflicht, Missstände und Untaten zu entdecken, darauf hinzuweisen und zum Diskurs aufzufordern.“

Der SWR (Landesstudio Rheinland-Pfalz)  drehte im September 2015 ein kurzes, beeindruckendes Porträt von Fee Fleck, gesendet am 28. September 2015 in der Landesschau, Rubrik: “Persönlich”. Redaktion: Regine Hennenlotter. Kamera: Oliver Kachlicki. Schnitt: Michael Schwarz. Titel: “Kunst gegen das Vergessen”. Hierin kommt zum Ausdruck, dass das Drohnen-Projekt getragen wird durch die Erfahrungen und Erkenntnis eines bedeutsamen Lebens. 

“Sie ist unbequem, provokant und wissbegierig. Wenn sie einmal nicht mehr malen könne, meint sie, dann ist sie tot. Die Künstlerin Fee Fleck aus Mainz.” —Regine Hennenlotter


Hinweise:

Wer sich beteiligen möchte, ist hiermit gerne eingeladen. Zur Diskussion, zu neuen Ideen, zum Finden des besten Ausstellungsortes. Denn: Wir tragen alle Verantwortung für das, was in unserem Namen und/oder in unserem Sichtfeld geschieht.

Angesichts der Wichtigkeit und Aktualität des Themas von Fee Fleck gehen wir in der begleitenden Kommunikation ganz neue Wege. Social Media spielt eine zentrale Rolle. Per Blog liefern wir die Hintergründe. Die für das „Drohnen“-Projekt eigens Fee Fleck gewidmete Facebook-Seite fasst aktuelle Neuigkeit zusammen (begleitet durch Twitter-Nachrichten sowie Videos). Geplant ist zudem ein digitales Buch per Apple iBook-Technik, erhältlich im iTunes Store.

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2 comments
  1. Reblogged this on valuetrendradar and commented:

    Der SWR (Landesstudio Rheinland-Pfalz) drehte im September 2015 ein kurzes, beeindruckendes Porträt von Fee Fleck, gesendet am 28. September 2015 in der Landesschau, Rubrik: “Persönlich”. Redaktion: Regine Hennenlotter. Kamera: Oliver Kachlicki. Schnitt: Michael Schwarz. Titel: “Kunst gegen das Vergessen”. Hierin kommt zum Ausdruck, dass das Drohnen-Projekt getragen wird durch die Erfahrungen und Erkenntnis eines bedeutsamen Lebens.

    “Sie ist unbequem, provokant und wissbegierig. Wenn sie einmal nicht mehr malen könne, meint sie, dann ist sie tot. Die Künstlerin Fee Fleck aus Mainz.” —Regine Hennenlotter

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