Print meets TV — ORF berichtet über Druck Medien Tag in Salzburg

Der österreichische Fernsehkanal ORF 2 nahm den Druck Medien Tag des Verband Druck Medien Österreich am 6. November 2026 in Salzburg zum Anlass einer Kurzanalyse für die Abendnachrichten. Referenten und Träger der Veranstaltung wurden zu Kurzinterviews herangezogen.
„Wir verteidigen das physische Printprodukt nicht aus Nostalgie, sondern als bewussten Gegenpol zur digitalen Hektik.“
Tenor
- Österreichische Druckindustrie im Strukturwandel — Umsatzrückgänge, EU-Regulierungsdruck und Strategien zur Krisenfestigkeit
- Tradition, Haptik und echter Mehrwert: Dennoch hat Print Zukunft!









Synopsis
Die Druckbranche befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Sinkende Gesamtauflagen, steigender Kostendruck und zunehmende regulatorische Auflagen stellen Unternehmen vor spürbare Herausforderungen. Am 6. November 2026 trafen sich in Salzburg mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter österreichischer Druckereien, um Strategien und tragfähige Zukunftsmodelle zu erörtern.
Trotz der aktuellen Marktdynamik und des Konsolidierungsdrucks gibt es klare Stärken, die Zuversicht und unternehmerischen Mut begründen:
Die unersetzliche Kraft des Gedruckten
In einer von digitaler Schnelllebigkeit und Informationsflut geprägten Welt besinnt sich die Gesellschaft zunehmend auf den Wert entschleunigter Medien.
Haptik und Ruhe: Das Lesen einer gedruckten Zeitung oder eines hochwertigen Magazins bietet ein greifbares, beruhigendes Erlebnis – besonders geschätzt für den bewussten Qualitätskonsum.
Kulturhistorischer Wert: Print steht für Verlässlichkeit, Beständigkeit und nachhaltige Wertschätzung von Inhalten.
Effizienz und familiäre Widerstandskraft als Erfolgsfaktoren
Unternehmen wie das Druckzentrum Salzburg begegnen den Herausforderungen proaktiv mit optimierten Prozessen, effizienter Bündelung von Druckkapazitäten und klarer Kostenkontrolle.
Ein wesentlicher Trumpf liegt in der Struktur der Branche: Ein Großteil der österreichischen Druckereien sind traditionsreiche Familienbetriebe. Diese Unternehmen haben über Generationen hinweg bewiesen, wie Anpassungsfähigkeit, gelebte Verantwortung und langfristiges Denken selbst anspruchsvolle Krisenzeiten in nachhaltige Chancen verwandeln können.
Fazit
Der Markt konsolidiert sich, doch Qualität, Glaubwürdigkeit und das haptische Erlebnis bleiben unverzichtbar. Mit klarem Fokus auf Innovation, schlanke Prozesse und die ureigenen Stärken physischer Druckerzeugnisse gestaltet die Druckbranche ihren Weg erfolgreich nach vorne.
printisback
Die Analyse der ORF-Redaktion im Detail

Die österreichische Druckindustrie steht vor einer existenziellen Konsolidierungswelle, getrieben durch kontinuierliche Auflagenrückgänge, steigenden Kostendruck und verschärfte EU-Bürokratie. Bei einem Branchenumsatz von knapp 1,8 Milliarden Euro – ein Minus von 100 Millionen Euro innerhalb von vier Jahren – gehen allein in einer Innsbrucker Druckerei gut 60 Arbeitsplätze verloren, während Betriebe wie das Druckzentrum Salzburg mit 42 Beschäftigten durch verdichtete Druckzeiten gegensteuern müssen. Wir verteidigen das physische Printprodukt nicht aus Nostalgie, sondern als bewussten Gegenpol zur digitalen Hektik. Während 59 % der Betriebe mit weiteren Umsatzeinbrüchen und nur 12 % mit Zuwächsen rechnen, liegt der strategische Handlungsspielraum in radikaler Prozesseffizienz, der Positionierung auf haptische Qualitätsmerkmale sowie der Krisenresilienz traditionsreicher Familienunternehmen.
Branchenerosion und Regulierungsdruck
1. Marktindikatoren und struktureller Rückgang
Umsatzerosion: Der österreichweite Branchenumsatz sank von 1,9 Milliarden Euro vor vier Jahren auf aktuell knapp 1,8 Milliarden Euro.
Erwartungshaltung: 59 % der Druckereibetriebe prognostizieren weitere Umsatzverluste für das laufende Geschäftsjahr. Lediglich 12 % der Unternehmen erwarten ein moderates Wachstum.
Kapazitätsabbau: Standorte wie Innsbruck verzeichnen Entlassungen von rund 60 Mitarbeitenden; im Druckzentrum Salzburg (Produzent u. a. für Salzburger Nachrichten, Salzburger Krone und Regionalauflagen der Presse) sinkt die Gesamtauslastung durch reduzierte Stückzahlen kontinuierlich.
2. Bürokratische Belastungsgrenzen
Regulatorische Vorgaben aus Brüssel: Vor allem die Verpackungsverordnung sowie die Zertifizierungs- und Entwaldungsverordnungen erfordern lückenlose Herkunftsnachweise für Papierrohstoffe bis hin zum QR-Code für Baumursprünge.
Prozessineffizienz: Die administrative Nachweispflicht für Lieferscheine, Lagerbestände und Etiketten erzeugt einen unverhältnismäßigen Mehraufwand, der die operative Marge mittelständischer Betriebe massiv belastet.
Strategische Hebel und Krisenbewältigung
1. Operative Kostenoptimierung
Schicht- und Zeitzusammenlegung: Reduktion der laufenden Druckfenster zur Senkung fixer Betriebskosten.
Personalanpassung: Da Personalkosten den größten Hebel darstellen, erzwingt die sinkende Kapazitätsauslastung eine fortlaufende Konsolidierung der Belegschaften.
2. Differenzierung und Resilienzfaktoren
Wertversprechen Haptik und Entschleunigung: Positionierung der gedruckten Zeitung als Premiumprodukt mit hoher Lese- und Ruhequalität im direkten Kontrast zu digitalen Medienkanälen, insbesondere am Wochenende.
Familiengeführte Strukturen: Ein Großteil der heimischen Druckereien sind generationenübergreifende Familienbetriebe, deren historische Transformationserfahrung als zentraler Stabilitätsfaktor im laufenden Strukturwandel dient.
Hinweis
Siehe auch die Zusammenfassung des Eröffnungsvortrags „Print neu denken“!

