Das von Jacques Michiels und Boris Andreas Weber moderierte Gespräch beleuchtet eindrucksvoll die vielschichtige Transformation der Druckindustrie in Österreich — sicher mit Vorbildfunktion für andere Regionen in Europa. Im Fokus stehen der Wandel von traditionellen zu modernen, dienstleistungsorientierten Betrieben, die tief verankerte Nachhaltigkeit der Branche und die unaufhaltsame Integration digitaler Technologien wie künstlicher Intelligenz (KI).
Die Experten stellen fest, dass Print im Jahr 2026 als nachhaltige und innovative Kommunikationsform hoch relevant ist, insbesondere in Österreich mit seiner starken Papier- und Faserkompetenz (z.B. Mondi, Lenzing).
Lebenszyklusanalysen zeigen laut Peter Sodoma, dass Print je nach Anwendung eine bessere CO2-Bilanz als digitale Alternativen aufweisen kann.
Der Verband Druck | Medien Österreich wirkt laut Peter Sodoma mit der Kampagne „Print wirkt nachhaltig“ gezielt Greenwashing entgegen und fördert einen differenzierten Kommunikationsmix, statt pauschal Digital oder Print zu bevorzugen. Die Branche hat sich von nostalgischen Bildern zu einer effizienten, evidenzbasierten Industrie entwickelt, die ökologische Verantwortung ernst nimmt, was durch Zertifizierungen wie das Österreichische Umweltzeichen unterstrichen wird.
V.l.o.n.r.u.: Jacques Michiels, Christian Handler, Peter Sodoma, Boris Andreas Weber. Foto: Screenshot aus Podcast-Aufzeichnung.
Ein zentrales Thema ist die Auseinandersetzung mit neuen Technologien. Hier liegt der Arbeitsschwerpunkt von Christian Handler. Ähnlich wie bei der Einführung des Desktop-Publishing in den 80er/90er-Jahren, stellt für ihn die aktuelle Welle von KI und Tools wie Canva eine Herausforderung dar, die proaktiv gemeistert werden muss. Anstatt diese abzulehnen, sollten Druckereien sich als Berater positionieren, die Kunden bei der Erstellung druckfähiger Daten unterstützen und so Mehrwert schaffen.
Gleichzeitig wird ein „Print-Revival” beobachtet: Gerade jüngere Generationen schätzen die Haptik, Beständigkeit und sinnliche Erfahrung von gedruckten Produkten wie Büchern als Statussymbol und Zeichen der Individualität in einer digitalen Welt.
Die größte Herausforderung und zugleich größte Chance liegt in der Synthese von menschlicher Kreativität und den Möglichkeiten der KI. KI wird als mächtiges Werkzeug (wie seinerzeit die Menschheitsentdeckung des Entzünden von Feuer) gesehen, das beherrscht werden muss. Es soll repetitive Aufgaben übernehmen und als „Resonanzraum” für Kreativität dienen, während strategische Vision, emotionale Intelligenz und die finale Kontrolle („human in the loop”) menschliche Domänen bleiben.
Kernbeobachtung von Christian Handler: Erfolgreiche Druckereien transformieren sich vom reinen Dienstleister zum kreativen Partner, der mithilfe von KI-Analysen maßgeschneiderte Kommunikationslösungen entwickelt.
Die wichtigsten Elemente der Diskussionsrunde
Struktur der Branche in Österreich: Rund 500 Druckbetriebe, stark regional geprägt. Der Verband Druck | Medien Österreich agiert als moderne, vernetzte Interessensvertretung für ca. 200 Mitgliedsunternehmen und Industriepartner.
Historie vs. Gegenwart:
Die Branche hat sich von ineffizienten „goldenen Zeiten“ zu einer hochmodernen Industrie entwickelt, die auf Effizienz, Qualität und Verantwortung setzt.
Nachhaltigkeit als Kernkompetenz:
Die gesamte Wertschöpfungskette (Maschinen, Papier, Druck) ist seit Jahrzehnten auf Nachhaltigkeit ausgerichtet (Cradle-to-Cradle, Recycling).
Ökologische Maßnahmen sind oft auch ökonomisch sinnvoll und stärken die lokale Wertschöpfung im Gegensatz zu globalen Digitalkonzernen.
Die Kampagne „Print wirkt nachhaltig“ kommuniziert evidenzbasiert die ökologischen Vorteile von Print und bekämpft Greenwashing.
Haptik und Wertigkeit als Alleinstellungsmerkmal: Die physische und sinnliche Erfahrung von Printprodukten gewinnt in einer digitalen Welt an Bedeutung und wird auch von jüngeren Zielgruppen als Statussymbol und Mittel zur Individualisierung geschätzt.
Proaktiver Umgang mit neuen Technologien:
Die Unsicherheit gegenüber KI und Canva spiegelt frühere Umbrüche (z.B. Desktop-Publishing) wider, die die Branche stets gemeistert hat.
Druckereien sollten Kunden bei der Nutzung neuer Tools wie Canva beraten, anstatt sie abzulehnen, um sich als kompetenter Partner zu positionieren.
KI als Chance, nicht als Ersatz:
KI ist ein unumgängliches Werkzeug zur Optimierung, Automatisierung und kreativen Transformation. Sie ersetzt nicht die menschliche Kreativität, sondern unterstützt sie.
Vom Dienstleister zum kreativen Partner:
Die Zukunft liegt darin, die Rolle vom Auftragsabwickler zum strategischen Berater zu wandeln, der für Kunden maßgeschneiderte Kommunikationslösungen entwickelt.
Mensch im Mittelpunkt („Human in the Loop”):
Trotz rasanter technologischer Entwicklung bleiben strategisches Denken, Kreativität und die finale Kontrolle entscheidende menschliche Kompetenzen. KI ist ein „guter Diener, aber ein schlechter Herr”.
Herausforderung Lesekompetenz:
Eine gesellschaftliche Sorge ist die abnehmende Fähigkeit zum sinnerfassenden Lesen bei Jüngeren durch schnelllebige digitale Inhalte, was auch die Printbranche betrifft.
Der Podcast #printisback findet sich auf den gängigen Plattformen von Apple und Spotify sowie im Kanal des Kooperationspartners PrintIsland auf YouTube.
Checkliste für Unternehmen und die Druckbranche
[ ] Kommunikationsmix strategisch prüfen:
Analysieren, ob für langlebige, haptische Inhalte Print und für Kurzinfos/Interaktion Digital besser geeignet ist.
Die Wertschätzung für Haptik bei jüngeren Zielgruppen als Verkaufsargument nutzen.
[ ] Nachhaltigkeit belegen und optimieren:
LCA-Daten (z.B. Öko-Institut-Studie) nutzen, um Greenwashing zu vermeiden.
Lieferkette (Papier, Energie, Farben, Lacke) auf Umweltwirkung und Recyclingfähigkeit prüfen.
[ ] Neue Technologien proaktiv annehmen:
Sich aktiv mit Tools wie Canva und KI auseinandersetzen.
Mitarbeiter durch In-House-Schulungen technologisch auf den neuesten Stand bringen.
[ ] Geschäftsmodell transformieren:
KI-Kompetenz aufbauen, um Prozesse zu optimieren und neue Dienstleistungen (z.B. Zielgruppenanalyse, Personalisierung) zu entwickeln.
Sich vom Auftragnehmer zum strategischen Berater und kreativen Partner für Kunden entwickeln.
[ ] Den Menschen im Fokus behalten:
Sicherstellen, dass Kreativität, Reflexion und persönlicher Kontakt trotz Automatisierung im Zentrum stehen (“Human in the Loop”).
[ ] Vernetzung und Dialog nutzen:
Partnerschaften mit Verbänden (z.B. für Lobbying auf EU-Ebene), Herstellern und IT-Unternehmen zur Teilung von Best Practices nutzen.
Den offenen Austausch über die Zukunft der Branche fördern (z.B. bei Tagungen wie am 6. November 2026 in Salzburg).
Erkenntnisse
Die Druckbranche befindet sich in einem ständigen, aber beherrschbaren Wandel. Anstatt Opfer der Digitalisierung zu sein, hat sie die Chance, sich als unverzichtbarer, nachhaltiger und kreativer Partner zu positionieren.
Die Lage ist oft besser als die Stimmung. Die Zukunft liegt in der intelligenten Synthese aus der emotionalen Stärke haptischer Produkte und der analytischen Kraft von KI. Der Erfolg wird jenen gehören, die es schaffen, ihre Kunden kompetent zu beraten, technologische Innovationen proaktiv als Werkzeug zu nutzen und sich vom reinen Produzenten zum visionären Kommunikationsgestalter zu entwickeln.
Mit dem Bewusstsein, dass Technologie ein Diener ist, die Kreativität und Strategie aber menschlich bleiben, kann die Branche ihre Relevanz in einem hybriden Medienmarkt sichern und sogar ausbauen.
Hinweis
Unter dem Motto „Transformation trifft Transformation“ widmet sich der Druck Medien Tag am 6. November 2026 in Salzburg der Frage, wie der Spagat zwischen bewährten Strukturen und notwendiger Transformation gelingen kann.
Im Mittelpunkt stehen dabei aktuelle Herausforderungen und Chancen: von Innovation und Nachfolge in Familienunternehmen über den Wandel der Medienlandschaft bis zu Diskussionen rund um Print und digitale Kanäle.
Fokus: Litho Days III In Türkiye – Ankara (5./6./7.12.2025)
Von Barbara Wilhelmi (Internationale Senefelder Stiftung)
‚Die Lithographie ist auf der ganzen Welt im Vormarsch!‘ – Dieser Satz des berühmten Lithografen Erich Mönch stand in den 70-iger Jahren an der Wand des Druckzentrums in Tübingen, und er erschien schon damals eine ironische Bemerkung zu sein. Bei den Litho Days III in der Türkei im Dezember 2025 wurde dieser Satz Realität, denn schon zum dritten Mal nach 2021 und 2023 hatte das Dou Printstudio von Doḡu Gündoḡdu und Naz Önen zu einem Litho-Event in die Türkei eingeladen und sie stützten sich auf die Kontakte die sie auch beim Internationalen Lithographie Kolloquium der Internationalen Senefelderstiftung im April 2024 geknüpft hatten.
Auch in diesem Jahr präsentierte das Dou Printstudio in Ankara wieder ein reichhaltiges Programm: Zu Beginn der Besuch in der großartigen Ausstellung „Separation and Merging Point“ (FOTO 1,1 + 1,2), in diesem Jahr gestaltet von der bekannte Kuratorin Eda Berkmen, in der Anafartalar Shopping Mall, No. 203. Zu sehen waren Lithographien von Künstlern, gedruckt im Dou Printstudio (Edition III). Die Werkstatt selbst konnte am Morgen des 6. Dezembers, dem Feiertag der Lithographen, besichtigt werden (FOTO 2).
Im Mittelpunkt der Litho Tage III stand danach das Panel: „DISCUSSING THE SUSTAINABILITY WITH ROOTED LITHOGRAPHY STUDIOS“ (FOTO 3) mit den Printmakern Christian Bramsen (Atelier Clot, Paris), Jan Pelkofer + Paul Klös (Tabor Presse Berlin, Deutschland), Kapser Fleng + Julie Peter Hjörring (Grafisk Värksted, Dänemark), Mikkjal Matras Andersson (Steinprent, Faroe Islands), Louise Aakermann Nielsen (Bornholm) – Moderation: Naz Önen.
Es ging um das Verhältnis der professionellen Drucker in den unterschiedlichen Werkstätten im Kontakt mit den Künstlerinnen und Künstlern, die Aspekte der professionellen Druckwerkstätten, die auf die eine oder andere Weise die Vorstellungen der Künstlerinnen und Künstler umsetzen. Die Qualitätssicherung auf hohem lithographischen Niveau wurde ebenso Thema wie der Vertrieb und die Vernetzung der Drucker untereinander, um Perspektiven für die Zukunft entwickeln zu können. Dazu wurde die Frage erörtert, ob Drucke nicht vielmehr den Status von Originalen haben sollten und sich dementsprechend dann auch die Preisgestaltung verändern würde (FOTO 4). Der Wandel ist einerseits geprägt durch den Wegfall der großen Druckereien, aber andererseits gibt es auch neues Entstehen von kleinen Printstudios wie dasjenige in Ankara und eine türkische Künstlerin Derin Tuksal, die seit vier Jahren Derin Print Shop leitet, das Gemeinschaftsatelier für Radierung in Istanbul.
Die Probleme, nicht mehr die Materialien kaufen zu können wie früher, werden nun oft auf unkonventionelle Weise gelöst durch Eigenproduktion. So ist in der Druckwerkstatt von Dou eine selbstgebaute Lederdruckwalze zu bestaunen (FOTO 5). Und dort hängt auch, wie ein Schutzpatron, das lithographische Porträt von Alois Senefelder neben Atatürk (FOTO 6). Das Panel der Lithodays III fand im Erimtan Archäologischen Museum statt, wo ebenfalls eine temporäre Ausstellung (“Litho Wall–1”) für jeweils drei Monate mit einer speziellen Auswahl aus dem Dou Printstudio zu sehen ist. Am Abend des 06.12.2025 gab der dänischen Botschafter, Ole Toft, in der dänischen Residenz in Ankara einen Empfang (FOTO 7). Das Projekt wurde möglich gemacht durch den Support vieler kultureller und politischer Institutionen, wie z.B. das Goethe-Institut in Ankara und weitere Botschaften vor Ort (siehe Aufzählung unten).👇
Vielen Dank für das unvergessliche Erlebnis der Lithoö Tage III. Viel Erfolg für Doḡu Gündoḡdu, Naz Önen und das Duo Print Studio – Barbara Wilhelmi
Fotos: Barbara Wilhelmi, Duo Print Studio
Litho Days III in Türkiye – Ankara December 5th to 7th of 2025
by Barbara Wilhelmi (Internationale Senefelder Foundation)
Lithography is on the rise all over the world! This statement by the famous lithographer Erich Mönch was displayed on the wall of the printing center in Tübingen in the 1970s, and even then it seemed like an ironic remark. At Litho Days III in Turkey in December 2025, this statement became reality, as the Duo Printstudio, comprised of Doḡu Gündoḡdu und Naz Önen, hosted a lithography event in Turkey for the third time, following previous events in 2021 and 2023 and they relied on the contacts they had also made at the International Lithography Colloquium of the International Senefelder Foundation in April 2024.
This year, the Dou Printstudio once again presented a rich program in Ankara:
It began with a visit to the magnificent exhibition “Separation and Merging Point” (PHOTO 1.1 + 1.2) in the Anafartalar Shopping Mall, No.203. The exhibition, curated by the renowned Eda Berkmen, featuring lithographs by various artists, printed by the Dou Printstudio (Edition III). The workshop could be visited on the morning of December 6, the lithographers’ day (PHOTO 2). The panel discussion of Litho Days III began that same afternoon: “DISCUSSING THE SUSTAINABILITY WITH ROOTED LITHOGRAPHY STUDIOS” (PHOTO 3) with printmakers Christian Bramsen (Atelier Clot, Paris), Jan Pelkofer + Paul Klös (Tabor Presse Berlin, Germany), Kapser Fleng + Julie Peter Hjörring (Grafisk Värksted, Denmark), Mikkjal Matras Andersson (Steinprent, Faroe Islands), and Louise Aakermann Nielsen (Bornholm) – moderated by Naz Önen (Dou Printstudio).
The discussion focused on the relationship between professional printers in different workshops and the artists, and the aspects of professional printmaking that, in one way or another, realize the artists’ visions. Quality assurance at a high lithographic level was discussed, as were distribution and networking among the printers to develop future perspectives. The question was discussed whether prints should have the status of originals and whether the pricing would change accordingly (PHOTO 4). The transformation is characterized on the one hand by the demise of large printing houses, but on the other hand, there is also the emergence of new small print studios, such as the one in Ankara, and a Turkish artist: Derin Tuksal, leading Derin Print Shop, the collaborative etching studio in Istanbul for four years.
Dou Print is currently the only independent collaborative lithography studio. The problem of no longer being able to purchase materials as before is now often solved in unconventional ways through in-house production. For example, a self-made leather printing roller can be admired in Dou’s printmaking workshop (PHOTO 5). And there, like a patron saint, hangs a portrait of Alois Senefelder next to Atatürk (PHOTO 6). The Lithodays III panel took place at the Erimtan Archaeological Museum with a temporal exhibition (“Litho Wall–1”) which showcases each time a special selection from Dou Print Studio’s collection for three month periods. On the evening of December 6, 2025, reception hosted by the Danish Ambassador, Ole Toft in the Danish Residence (PHOTO 7). The project was made possible by the support of many cultural and political institutions, such as the Goethe-Institut in Ankara and other local embassies (detailed list below).
Visiting the Lithodays III was a truly memorable experience for me and I wish all the best for Doḡu Gündoḡdu and Naz Önen and Dou Duo Print Studio in Ankara – with best regards Barbara Wilhelmi
Photos: Barbara Wilhelmi, Naz Önen / Duo Print Studio
Litho Days in Türkiye project has been made possible with the support of
the Ankara Metropolitan Municipality Directorate of Culture and Social Affairs,
the French Cultural Centre in Ankara,
the Goethe-Institut in Ankara,
the Embassy of Poland in Ankara,
the Ministry of Foreign Affairs of Denmark,
the Ministry of Culture Denmark and the Danish Arts Foundation
as a EUNIC (The Network of European National Cultural Institutes) project,
along with KAFT’s product and Radisson Blu’s accomodation sponsorship.
Zum 100. Geburtstag — Fotos aus dem Nachlass-Archiv bei Florian Kruck, Hamburg
Alles Gute: Vor 100 Jahren, am 12. Februar 1925, wurde der herausragende Künstler Christian Kruck in Hamburg geboren. Jugend und die erste Studienzeit verbrachte er in der Dürer-Stadt Nürnberg an der Akademie der Bildenden Künste. Sein Kommilitone war unter anderen der Mainzer Gustl Stark, später hochangesehen mit seinen einzigartigen künstlerischen Prägetiefdrucken. 1949, wieder in Hamburg, heiratete Christian Kruck die Malerin Linde Körner. Das Paar zog 1953 nach Frankfurt am Main, da Christian Kruck auf Empfehlung von Erich Heckel zum Leiter der Druckwerkstätten an der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule berufen wurde. Ab 1970 wurde er bis zu seinem Tod im Herbst 1985 auch Dozent für Druckgrafik.
„Mit Beginn der Tätigkeit an der Städelschule begann Christian Kruck, durch intensive Forschung und geschicktes Experimentieren die künstlerische Lithographie auf ein neues, bis dato unerreichtes Niveau zu heben. Das Ergebnis war die von ihm so benannte ‚Steindruckmalerei‘, gekennzeichnet durch das Drucken vieler Farben auf einem einzigen Stein“, erläutert Andreas Weber, Vorstandsmitglied der Internationalen Senefelder Stiftung, der Kruck als väterlichen Freund seit Kindheitstagen kannte. „Möglich wurde dies“, so Andreas Weber weiter, „da Christian Kruck eine Schreibtinte zum Vorzeichnen benutzte, die in den Stein eindrang, aber nicht mitdruckte. So konnte er passgenau Farbe um Farbe auftragen, was zu virtuosen Bilddarstellungen führte, die an Intensität und Farbkraft der Öl-Malerei in nichts nachsteht.“ Christian Kruck war aber nicht nur ein begnadeter Lithograph, sondern auch Maler, Bildhauer und verstärkt seit den 1970er Jahren Aquarellist.
Gut zu wissen: Infos von der Nachlass-Website von Christian Kruck
Auf der Website zu Christian Kruck wird zu seiner Lithographischen Arbeitsweise wie folgt erläutert: „Christian Kruck hat die Lithographie zu seinem persönlichen künstlerischen Ausdrucksmittel und Handwerkszeug gemacht. Statt Pinsel und Leinwand nutzt der Maler die besondere Beschaffenheit des Steines um Farben, Formen, Atmosphären und Stimmungen zu transportieren. Während beim üblichen lithographischen Farbdruck mehrere Steine verwendet werden, druckte Christian Kruck alle Farben von einem einzigen Stein.
Zunächst zeichnete er mit Schreibtinte die Konturen der zu druckenden Farbschicht auf ausgesuchte Kalkschieferplatten aus Solnhofen. Anschließend bearbeitete er die Oberfläche des Steins mit Wasser, Chemikalien und speziellen Farbmixturen und Materialien. Nach jedem Druckvorgang mit der Lithopresse wurde die gedruckte Farbschicht abgeschliffen, ohne dass dabei die Konturen der Schreibtinte verloren gingen.
In Ergänzung zu den ersten Flächen wurden jetzt die nächsten Motive aufgetragen, dann der Druck und Schleifvorgang wiederholt, bis alle Farben aufgetragen und die Bildkomposition abgeschlossen war. Bis zu 30 Farben hat Christian Kruck in einer Lithographie vereint. Für den aufwendigen Arbeitsprozess benötigte er nicht selten bis zu vier Wochen.
‚Die Farben überlagern sich in transparenten Schichten, gerinnen zu glasigen oder gedeckten Tönen, lösen sich in atomsphärisch wirkende Farbschleier auf und verdichten sich in Kernzonen‘. (Prof. Wilhelm Weber).
„Es geht mir nicht um die Vervielfältigung, sondern um die Vollkommenheit“ — Christian Kruck
Im Detail: Was macht die Lithographien von Christian Kruck aus?
Scan der Vorder- und Rückseite einer Originallithographie von Christian Kruck. Der Künstler hatte eine spezielle Technik, um auf der Rückseite einen zusätzlich Darstellungs-Effekt zu erzielen. Abbildung: Andreas Weber
Zur Bedeutung des Werks von Christian Kruck
Über seine lithografischen Erkenntnisse und Entdeckungen verfasste Christian Kruck bereits 1962 eine Schrift mit dem Titel „Technik und Druck der künstlerischen Lithographie“. Im selben Jahr 1962 erhielt er einen Lehrauftrag am renommierten Pratt Graphic Art Center in New York. „Keine Frage: Christian Kruck war im besten Sinne umtriebig, neugierig, stets auf Entdeckungsreisen, die ihn außer nach New York und Washington in den USA nach Italien, Spanien, Griechenland, Spanien, Israel und nach den Kanarischen Inseln führte“, erläutert Andreas Weber weiter. „Er konnte durch seine Bildwerke wie auch durch seine Erzählungen wunderbare Stimmungen vor allem rund um den Mittelmeer-Raum teilen. Insbesondere Italien galt seine große Leidenschaft.“
Die Kunstwelt war schon früh auf Christian Kruck aufmerksam geworden. Neben seiner Bekanntschaft mit Künstlerbund-Mitgliedern wie Erich Heckel, Otto Dix und Curth Georg Becker in den 1950er Jahren wurden Kunstexperten auf ihn aufmerksam. Der oben zitierte Kunst- und Lithographie-Experte Prof. Wilhelm Weber, seit Gründung der Internationalen Senefelder Stiftung im Jahr 1975 deren Beiratsvorsitzender bis 1999, stellte in seinem international anerkannten Standardwerk „Saxa loquuntur – Geschichte der Lithographie“ (1964 erschienen in München, London-New York und Paris) die hohe Bedeutung der Lithographie-Kunst von Christian Kruck vor. Ebenso wie Felix H. Man, der Christian Kruck in seinem Werk Artist’s Lithography (1970, London) würdigte. Für ausgewählte, bedeutende Künstler wie Emy Roeder und Oskar Kokoschka verwandelte er deren Vorlagen in künstlerische Lithographien.
Die Werke von Christian Kruck wurden in vielen Dutzend Ausstellungen gewürdigt und befinden sich über Deutschland hinaus in öffentlichen wie privaten Sammlungen in Amerika, England, Holland, Japan, Österreich und Schweiz. (Komplette Verzeichnisse sind in der Publikation der Edition H. W. Fichter „Christian Kruck – Italiens Tage“, 1998 in Frankfurt am Main erschienen).
Würdigungen durch die Internationale Senefelder Stiftung
„Mit Christian Kruck fand sich ein würdiger und hochverdienter Hauptpreis-Träger unseres allerersten Senefelder-Preises aus dem Jahr 1975. Wir werden sein Schaffen und Werk im Rahmen unserer Jubiläumsausstellung ‚50 Jahre Internationale Senefelder-Stiftung‘ im Offenbacher Haus der Stadtgeschichte besonders würdigen. Denn auch heute noch sind die künstlerischen Lithographien von Christian Kruck unerreicht und ein strahlendes Vorbild für nachfolgende Kunstschaffende“, wie Prof. Gerhard Kilger, Vorsitzender des Vorstands der Internationalen Senefelder-Stiftung, ausführt.
Und Eckhard Gehrmann, Vorstandsmitglied der Internationalen Senefelder Stiftung und Schüler von Christian Kruck, merkt an: „Christian Kruck hat zu seiner Zeit an der Frankfurter Städelschule die Druckgrafik als eigenständiges Medium durchgesetzt. In seiner Druckgrafik-Klasse hat er ganze Generationen von Studierenden für die Lithographie begeistert — unter anderem auch mich. In Christian Kruck’s Werkstatt herrschte eine ausgesprochen gute Gemeinschaft, eine große künstlerische Freiheit und seine Tür war, im wahrsten Sinne des Wortes, jederzeit offen.“
Weitere Informationen
Hinweis: Die vom Sohn Florian Kruck initiierte Website http://www.christiankruck.de/ gibt einen detaillierten Einblick in das Leben und Werk von Christian Kruck.
Informationen zu Internationale Senefelder Stiftung, dem Senefelder-Preis und der Jubiläumsausstellung 2025 finden sich auf der Website der Stiftung https://www.senefelderstiftung.de/
Gestern. Heute. Morgen. Der Print-Branche tut es gut, sich mit jungen Menschen auseinanderzusetzen. Denn die Generation Smartphone schätzt Print-Innovationen.
Kommentar von Andreas Weber, Head of Value
Mit der Premiere des Heidelberg Digital Print Forum 2019 ist auf Anhieb ein wirklicher Überraschung-Coup gelungen. Ambiente, Themen und Programmgestaltung im Wieslocher Print Media Center weichen vom Üblichen ab. Das Auditorium: grossartig, aufgeschlossen, neugierig, aber auch kritisch und wachsam. Mit anderen Worten: Ich habe mich extrem wohlgefühlt — wie die insgesamt über 170 anderen Teilnehmer und Co-Referenten auch.
Alles was ich heute erleben konnte, deckt sich mit meiner Analyse, die ich vorgetragen habe: Print als Medium und Druckereien als Kompetenzpartner profitieren dann, wenn der Nutzen in den Vordergrund gestellt wird. Das begeistert die, die als Kunde/Auftraggeber oder als Mediennutzer persönlich angesprochen, oder besser berührt werden wollen. Drucken kann nicht nur Inhalte vervielfältigen, sondern auf höchstem Niveau höchst individuell inszenieren.
Manuela Gomez und Wolfgang Hambrecht bei der Eröffnung
Manuela Gomez und Wolfgang Hambrecht bei der Eröffnung
Über 100 Firmen waren vertreten.
Jürgen Grimm und Andreas Weber vor ihren Keynote.
Daniel Szkutnik signalisierte als Agentur-Chef, dass er Partner sucht!
Produktmanager Marc Schmitz führt live via Facebook durch den Event.
Hochkarätige Fachvorträge: Johann Weigert zu Inkjet
Hochkarätige Fachvorträge: Johann Weigert zu Inkjet
Digitale Papier-Innovationen dürfen nicht fehlen.
Heidelberg-Azubis im Einsatz — bei Teilnehmer-Befragungen.
Alles gut gelaufen? Ja!
Fotos: Andreas Weber
Ob auf dem Podium oder beim Marktplatz oder den informativen kurzen Fachvorträgen, es hat sich gezeigt, dass die Print-Welt im Wandel ist, aber durchaus zum Schrittmacher im Digitalzeitalter werden kann.
Meiner Auffassung nach: Druckereien brauchen sich nicht zu verstecken. Sie können mutig und pro-aktiv nach vorne gehen, um neue Geschäftsfelder zu erschließen bzw. Bestehendes zu reformieren.
Die moderne Digitaltechnik im Print steht an der Spitze der Medientechnologien. Und erfüllt die Anforderungen um zeitgemäß und zukunftssicher profitabel Geschäft zu machen.
Die Veranstaltung hat aus meiner Sicht nicht nur wichtige Fragestellungen geliefert, sondern auch konkrete, nützliche Ergebnisse, die für die Branche wichtig sind.
Erfolgreiches Team (v.l.n.r.): Matthias Langner, Laura Sturm, Andreas Weber, Laura Breitner, Manuela Gomez, Daniel Szkutnik, Marc Schmitz. Foto: Heidelberg.
Ein Plädoyer für Print aus anderer Perspektive: Andreas Weber beginnt mit seinen Lieblingsbüchern, u.a Designing for Print und Vienna Stories. Foto: Juliette Pickl, Business Development Manager at Mondi Uncoated Fine Paper
Aus meiner Sicht als Referent ist folgendes wichtig:
Customization rückt in den Fokus! — Und hilft, den Akzidenzdruck zu reformieren.
Social Media kann ein Eldorado für Print sein! V.a. Facebook, Instagram im B2C und LinkedIn im B2B beflügeln neue Geschäftsmodelle.
Der Nutzen rückt in den Vordergrund. Digitaltechnik im Print ermöglicht das.
Das Marktpotential ist erheblich größer als man denkt und bietet Chancen für profitables Wachstum!
Eine von zahlreichen Innovation: Spektakuläre Neon-Bilder im Toner-Digitaldruckdruck
Video: Andreas Weber
Impressionen vom Forum und Statements der Organisatoren und Referenten
Von Prof. Dr. Gerhard Kilger, Vorstandsvorsitzender der Internationalen Senefelder-Stiftung
#Think!Paper — Edition 2, Vol. 4
Von einigen noch unbemerkt — vor allem in der Print- und Verlagsbranche — aber von vielen engagierten kreative Köpfen getragen, wurde am 15. März 2019 in über 200 Einrichtungen deutschlandweit der ›Tag der Druckkunst‹ begangen. Die Internationale Senefelder Stiftung mit Sitz in Offenbach am Main hatte zu einem besonderen Event eingeladen: Im Druck-Studio der Stiftung führte Prof. Dr. Kilger praktisch vor, wie man künstlerisch mit Steindruck umgehen kann. Über 100 Gäste zeigten sich begeistert. Im nachfolgenden Beitrag, erstmals publiziert als Leitartikel in der Zeitschrift ›kultur politik‹, Ausgabe 1/2019 ›Kulturerbe Druckkunst‹ des BBK Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler e. V., Berlin, erläutert Gerhard Kilger, welchen Wert Druckkunst gestern, heute und morgen darstellt. Und welchen Nutzen Drucktechnik stiftet. Aus meiner Sicht eine Pflichtlektüre für alle, die sich kreativ, künstlerisch und technisch mit Print beschäftigen. — Andreas Weber
»Wer in der Drucktechnik lediglich den Wert der Vervielfältigung sieht, hat die eigentlichen Potentiale nicht wahrgenommen.«
Es war im vergangenen Jahr 2018 ein großer Erfolg: Künstlerische Drucktechniken des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks, Durchdrucks und deren Mischformen sind von der Deutschen UNESCO-Kommission in das bundesweite Verzeichnis ›Immaterielles Kulturerbe‹ aufgenommen worden.
Damit sind die von Generationen über Jahrhunderte überlieferten Techniken nicht nur zu bewahren, sondern auch für zukünftige Generationen zu erhalten. Es war sehr klug, dass die UNESCO – erst seit wenigen Jahren – nicht nur materielles Kulturerbe, sondern kulturelle Formen gelebter Praxis vor dem Vergessen schützen möchte. Denn »Das Wesen der Dinge liegt in ihrem Gebrauch« – um diese wichtige Sichtweise des Philosophen Ludwig Wittgenstein auszudrücken und anzuwenden.
In der Begründung der Auszeichnung durch die Kommission heißt es deswegen: »Gedruckte Text- und Bildmedien sind fester Bestandteil der europäischen Kultur und Wissenschaftsgesellschaft. Künstler nehmen sich den traditionellen Drucktechniken kreativ an und entwickeln diese weiter (…)«. Gut bekannt sind Johannes Gutenberg und Albrecht Dürer, die am Anfang der damals innovativen Drucktechniken vor über 500 Jahren stehen, ebenso bekannt ist der damalige Einfluss der erstmaligen Vervielfältigung der Bibel auf die Reformation und neuzeitliche Entwicklungen.
Drucktechniken für Bildung und Demokratie
Weniger bekannt ist allerdings das seitdem hoch entwickelte Niveau handwerklicher Praxis, das für die Qualität von Druckerzeugnissen in hohen Auflagen bestimmend war. Das galt nicht nur für Texte, sondern vor allem für Abbildungen, die bis Ende des 18. Jahrhunderts fast ausschließlich durch Holzschnitt, Holz- oder Kupferstich möglich waren. Weniger bekannt ist auch, dass im 19. Jahrhundert durch die Erfindung von Alois Senefelder die Lithographie als Flachdruck die Industrialisierung des Bilderdrucks möglich machte. Neben Bildung und bunter Vielfalt im öffentlichen Raum wären die gesellschaftlichen Entwicklungen zu Demokratie und Sozialstaat nicht denkbar gewesen. Später kamen neuere Verfahren wie Lichtdruck, Durchdruck und Siebdruck dazu.
Photolithographische Techniken und Flachdruck auf Metallplatten führten im 20. Jahrhundert zum heutigen Offsetdruck, der spätestens seit den 1990er Jahren durch ganz unterschiedliche digitale Techniken ergänzt oder abgelöst wurde. Hinter all diesen professionellen Techniken standen Berufsbilder, für die hohes fachliches Wissen erforderlich war, sowie Menschenschicksale, auf deren Biographien technische Umwälzungen oft dramatischen Einfluss hatten. Heute sind traditionelle Kenntnisse der Drucktechnik industriell nicht mehr anwendbar.
Allerdings enthält die Auszeichnungsbegründung durch die Kommission eine wichtige Feststellung: »Künstler nehmen sich den traditionellen Drucktechniken kreativ an und entwickeln diese weiter«. Eine solche Feststellung kommt bei allen anderen Auszeichnungen immateriellen Erbes nicht zu Wort. Im Gegenteil: Während fast alle Kulturgüter mit dem Wegfall ihrer eigentlichen Funktion meist leblos in Museen konserviert oder in laienhafter Liebhaberei künstlich als Folklore entfremdet werden, erleben die traditionellen Drucktechniken in den Künstler-Werkstätten einen lebendigen Umgang und eine kreative Weiterentwicklung auf vielerorts ganz unterschiedliche Art und Weise.
Natürlich sind das ursprüngliche Fachwissen und die industrielle Berufserfahrung von professionellen Drucktechniken bei heutigen und zukünftigen Künstlerinnen und Künstlern nicht mehr zu erreichen – deren praktische Kenntnisse entsprechen eher denen von versierten Sportseglern, die heute auch keinen historischen Viermaster steuern könnten – aber sie haben hohe Kenntnis von diesen Techniken, obwohl ihr beruflicher Alltag ganz andere Absichten und Gewohnheiten verfolgt, als dies traditionell nötig war.
Impressionen vom Tag der Druckkunst im Druck-Studio der Internationalen Senefelder Stiftung in Offenbach am Main. Fotos/Video: Andreas Weber
Von Hand geschaffene Originale
Warum haben sich viele Künstlerinnen und Künstler diese aufwändigen Praktiken und das Wissen erworben, und welcher Wert wird darin von diesen gesehen? Worin unterscheidet sich ein von Künstlerhand gedrucktes Erzeugnis von üblichen Druckerzeugnissen? Welche Bedeutung haben zukünftig die traditionellen Drucktechniken für Kunst und Kultur?
In der Bildenden Kunst gilt, was ebenso für Musiker ganz offensichtlich ist: Jedes Instrument hat seinen Klang, seine unverwechselbare Ausdrucksform. Gerade Drucktechniken haben ihre werkspezifischen Charaktere, die mit anderen Techniken nicht zu schaffen sind. Zudem können durch Variation und Experiment bei Drucktechniken unzählige »Klänge« erzeugt werden, die für neue Kompositionen beste Voraussetzungen bieten. Ebenso wie mit Klängen kann unbegrenztes und überraschendes Neuland durch Experimente gefunden werden.
Wer in der Drucktechnik lediglich den Wert der Vervielfältigung sieht, hat die eigentlichen Potentiale von Radierung, Holzschnitt, Lithographie, Siebdruck und allen Mischformen nicht wahrgenommen. Längst hat ein künstlerischer Druck nicht mehr den Wert in hoher Auflage, jeder Abzug hat heute die Qualität eines von Hand geschaffenen Originals. Meist machen deswegen Künstlerinnen und Künstler keine hohen Auflagen, sondern beschäftigen sich lieber mit dem Schaffensprozess des Druckträgers als mit dem – demgegenüber monotonen – Drucken einer hohen Auflage.
Natürlich sind auch dafür sowohl die Einrichtung und der Betrieb einer historischen Werkstatt, als auch eine hohe Kenntnis von Material und Prozess notwendig. Diese ist heute sogar noch anspruchsvoller als damals, weil nun die Vollzüge ganzheitlich angelegt werden müssen: Gab es früher noch die Arbeitsteilung von Druckvorlagenherstellung, Andruck und Fortdruck, so muss man dies heute selbst beherrschen; wurden früher die Materialien aus dem Handel bezogen, so gilt es nun, nach alten Rezepten oder aus fernen Landen das notwendige Material zu beschaffen oder sogar selbst zu schaffen. Weil darüber hinaus in früheren Zünften die beruflichen Kenntnisse überwiegend als Geheimwissen betrachtet wurden, wurden schon seit Jahren die letzten Profis von künstlerischen Fachleuten noch zu Lebzeiten ausgefragt oder es mussten bestimmte Techniken durch Experimente neu entdeckt werden.
Heute kann man das Kulturerbe der Drucktechniken in den Händen von Künstlerinnen und Künstlern als qualitativ hohe Praxis bezeichnen, welche die historischen Techniken zwar nicht identisch reproduzieren, jedoch als lebendige Weiterentwicklung aus den überlieferten Kenntnissen alte und neue Formen der Drucktechniken lebendig werden lassen.
Aufgaben der Museen
Auch in einigen wenigen Museen leben diese handwerklichen Techniken weiter. Vor allem dort, wo nicht nur nach sammlungsorientierten Konzeptionen museale Gegenstände in Vitrinen präsentiert werden, sondern Kontexte für zugehörige Arbeitsvollzüge und Lebensgewohnheiten geschaffen werden. Auch dort werden Vorführungen oft von Künstlerinnen oder Künstlern gemacht, weil es für die Museen nicht einfach ist, das zugehörige Personal dafür zu schulen. Langfristig wird es für die Museen zur Aufgabe, das Immaterielle Kulturerbe neben dem Aufbau und der Pflege von Sammlungen zu bewahren.
Dabei werden sie sowohl das Weiterleben der experimentellen Drucktechniken dokumentieren als auch die besten Ergebnisse künstlerischer Arbeiten in ihre Sammlungen übernehmen. Hier ist auch einer der Gründe dafür ersichtlich, warum die Beantragung der Anerkennung der künstlerischen Drucktechniken als Immaterielles Kulturerbe gemeinsam vom BBK-Bundesverband und dem Museum für Druckkunst Leipzig erfolgt ist.
Nachdem es für die künstlerischen Drucktechniken in den letzten Jahren sowohl durch meist ungenügende Wertschätzung bei Ausbildungsgängen in den Hochschulen als auch bei der Haltung von Kuratoren, Sammlern und Händlern manche Enttäuschung gab und darüber hinaus die künstlerische Auseinandersetzung mit digitalen Medien die Sicht auf »alte Techniken« verstellt hat, ist nun zu erwarten, dass die Wahrnehmung für den echten Stellenwert dieser Kunstform wieder zunimmt.
Zur Person
Prof. Dr. Gerhard Kilger ist Museums-Fachmann, Physiker, freier Künstler und Dozent für Lithographie. Er war Gründungsdirektor der »DASA – Arbeitswelt Ausstellung« in Dortmund und ist Vorstandsvorsitzender der Internationalen Senefelder Stiftung mit Sitz in Offenbach am Main. http://www.senefelderstiftung.de
Zur Internationalen Senefelder Stiftung
»Die ISS macht durch die Verbindung von Tradition und Moderne den Wert von Print als unverzichtbarer Kulturtechnik anschaulich. Und zeigt auf, wie sich die kreative Techniknutzung durch künstlerisches Schaffen im Digitalzeitalter verankern lässt.«
Zur Erinnerung: Der Erfinder Alois Senefelder hat um das Jahr 1800 mit dem chemischen Druck vom Stein und von Metallplatten die Print-Branche in ein neues Zeitalter geführt. Noch heute profitieren wir davon, nicht nur bei der Drucktechnik, sondern sogar in der Halbleiter-Technologie. Zugleich wurde der Steindruck zum einzigartigen künstlerischen Medium mit anhaltend weltweiter Bedeutung.
Die ISS verfügt über einen hochkarätig besetzten Beirat (Vorsitz: Gert Kaiser) und seit 1. Januar 2019 über ein neues Vorstandsteam mit Prof. Dr. Gerhard Kilger (Vorsitz), Dr. Volker Dorsch (stv. Vorsitz), Hans-Jörg André, Eckhard Gehrmann, Andreas Weber und Dr. Ralph Philipp Ziegler.
Somit bestehen für Einzelpersonen wie auch für Firmen individuelle Möglichkeiten zur Mitgliedschaft und Förderung der Internationalen Senefelder Stiftung.
Kontakt:
Dr. Volker Dorsch, Mitglied im Vorstand und Leiter der ISS- und FISS-Geschäftsstelle im Bernardbau
Herrnstr. 61 | 63065 Offenbach am Main
When iron stirs emotions: Koenig & Bauer commended for product campaign by Marketing Club Dresden/ Germany. Photo: kba.com
Graphic Repro On-line News to Friday 15 December 2017
Welcome to a roundup of 15 News items, plus Laurel Brunner’s Verdigris environmental Blog, which this week looks at Kodak, as it hopes to become the leading company for sustainability in the graphics industry.
As the year draws to a close the news has also slowed down, so I shall leave you to browse through this week’s headlines which contain an excellent selection of mixed news once again. Of particular note are the leaders on Tuesday with Baldwin Technology having now finalised the acquisition of QuadTech from QuadGraphics; and then on Thursday we have Leonhard Kurz, as it announces ground breaking test results from INGEDE confirming flawless deinkability for the recyclability of KURZ’ foil-decorated papers and boards. Then Sappi on Friday, as it announces plans to significantly increase the production of dissolving wood pulp at its Saiccor and Cloquet Mills in South Africa and North America by 2020.
World Premiere: Dr. Ulrich Hermann, Member of the Board and Chief Digital Officer at Heidelberger Druckmaschinen AG, started at 12. December 2017 together with Tom Oelsner, SVP Sales Excellence, the go-to-market campaign for Heidelberg. Read our ValueCheck and ValueDialog report.
The tailender for this week goes to Koenig & Bauer (Monday) for the commendation it received for its current campaign ‘Built for Your Needs. The KBA B2 Presses’ product campaign, at an awards ceremony held at the Marketing Club in Dresden at the end of November.
If you are in the Southern Hemisphere and are due to close for the holidays during the coming week, do take care, stay safe and enjoy your time with your family and friends over the festive season and New Year. Please don’t drink and drive, or text and drive, or even use your cellphone when driving… we need you to stay alive. Have a wonderful Christmas and wish you a very Happy and Prosperous and Successful New Year 2018.
My best wishes and best regards
Mike Hilton
e-News comprises: Headline News – Online Feature Articles – the Verdigris initiative and our drupa Newsroom, all of which can be accessed from the Website Home Page and its Index. We also have News in Review, which provides an overview of the week’s news each weekend.
Headline News
Almost 30,000 news items have now gone online since we launched our Website in September 2001. News for the past 24 months can still be accessed via the Home Page and its continuation pages
Week beginning Mon 11 December – the published date appears in article footline
Tuesday Baldwin Technology acquires QuadTech Inc.
Acquisition creates vision and inspection print technology powerhouse for the commercial, newspaper, labels, packaging, converting and publication gravure industries…
Vaughan Patterson, product marketing manager for commercial and industrial print at Ricoh SA reports on the recent Two Sides global survey which included South African respondents…
drupa 2020 (drupa), the international flagship fair of the printing and media industry. Visit the drupa 2020 Website.You can also visit blog.drupa.comfor the latest industry news and developments.
Online Feature articles 2017
Only 49 articles last year – but you will find another eleven Expert Articles and ten drupa ante portas Blogs from Andreas Weber in our drupa Newsroom. There were over 70 in 2015, and over 90 in 2013 and in 2014 which can still be accessed via the Index on the Home Page.
Our Drupa Newsroom with news from Messe Düsseldorf in 2017 and for Drupa 2016 can be found in the Index. It is divided into Chapters for your convenience…just scroll down to view each Chapter
The various Chapters in the drupa Newsroom are highlighted below. When you enter, just scroll down to see and access the complete collection::
drupa daily; drupa Exhibitors’ show + post-show News; drupa pre-show Exhibitor news; post-drupa from Messe Düsseldorf; drupa ante portas Blogs from Andreas Weber; drupa Expert Articles – and more
If you would like to send news for consideration for the Graphic Repro On-line Website (ISSN 1814-2915) or to submit comments, please e-mail Mike Hilton at: graphicrepro.za@gmail.com.
GraphicRepro.Net e-News (ISSN 1814-2923) provides weekly updates from the Graphic Repro On-line Website and is compiled and published by Mike Hilton,graphicrepro.net, PO Box 10 Peterburgskoe Shosse 13/1, 196605 Pushkin 5, St. Petersburg, Russia. e-mail graphicrepro.za@gmail.com
Heidelberg, MPS in Obersulm and the publisher of turi2 edition selected the most important media persons in Germany for a unique, masscustomized cover page for a printed magazine. In total a number of 1,241. All together delivered as “pixels” a complete portrait of each single candidate printed on Primefire106. — One of those media VIPs was Andreas Weber, Head of Value, Frankfurt am Main/Germany.
Graphic Repro On-line News to Friday 24 November 2017
Welcome to a roundup of just 16 articles at the end of a quiet week for news, which tapered out almost completely by Friday. You’ll also find Laurel Brunner’s Verdigris Blog discussing the increasingly difficult problems encountered in successful paper recycling, as inks and coatings continue to change quite rapidly in their formulations and content. Rather like chasing moving goal posts.
Key news this week includes a more than £2-million pound spend by Taylor Bloxham of Leicester, UK on a new highly-spec’d Rapida 106 from Koenig & Bauer on Tuesday; while on Wednesday Wrap Cube became the first UK company to use 3M’s 780mC Reflective Wrapping Film, supplied by Spandex (you must see the photographs to appreciate why this gets a mention); and on Thursday,
Heidelberg celebrated the world premiere of the Primefire 106 with packaging printers from all over Europe at MPS-WestRock in Obersulm near Heilbronn, Germany at the beginning of November; and Scodix announces the start of its commercial roll-out of the E106 Digital Enhancement Press at an Open House, from 4 – 6 December at Gundlach Packaging Group’s facility in Oerlinghausen, Germany.
See as well the real-time report by Andreas Weber: “Value Check: Very well done — World Premiere of Heidelberg Primefire106 at MPS Multi Packaging Solutions in Germany”
To end the week on a high note, we had just one article from InPrint on Friday announcing that last week’s show in Munich ended with positive results. The next InPrint will take place in Milan at the end of 2018, before returning to Munich at the end of 2019.
That’s it until next time. There’s more to explore if you check out the headlines carefully, including the British Book Design and Production Awards winners on Monday; and some sound advice from Charl Vogel at Ricoh South Africa on Tuesday.
My best regards
Mike Hilton
e-News comprises: Headline News – Online Feature Articles – the Verdigris initiative and our drupa Newsroom, all of which can be accessed from the Website Home Page and its Index. We also have News in Review, which provides an overview of the week’s news each weekend.
Headline News
Almost 30,000 news items have now gone online since we launched our Website in September 2001. News for the past 24 months can still be accessed via the Home Page and its continuation pages
Week beginning Mon 20 November – the published date appears in article footline
Tuesday How some commercial printers get hamstrung over new kit
Some commercial printers who invest in new production equipment don’t necessarily get the returns they reasonably expect says Charl Vogel, head of Commercial and Industrial print at Ricoh SA…
Label Academy publishes new industry textbooks
The Label Academy has extended its book series with the publication of two new reference books, ‘Shrink Sleeve Technology’ and ‘Label Markets and Applications’…
Thursday World premiere of Heidelberg Primefire 106 at MPS
Heidelberg celebrates the world premiere of the Primefire 106 with packaging printers from all over Europe at MPS-WestRock in Obersulm near Heilbronn, Germany at the beginning of November…
Scodix E106 press available from December 2017
Scodix starts commercial roll-out of its E106 Digital Enhancement Press at an Open House from 4 – 6 December at Gundlach Packaging Group’s facility in Oerlinghausen, Germany…
drupa 2020 (drupa), the international flagship fair of the printing and media industry. Visit the drupa 2020 Website. You can also visit blog.drupa.com for the latest industry news and developments.
Online Feature articles 2017
Only 49 articles last year – but you will find another eleven Expert Articles and ten drupa ante portas Blogs from Andreas Weber in our drupa Newsroom. There were over 70 in 2015, and over 90 in 2013 and in 2014 which can still be accessed via the Index on the Home Page.
Our Drupa Newsroom with news from Messe Düsseldorf in 2017 and for Drupa 2016 can be found in the Index. It is divided into Chapters for your convenience…just scroll down to view each Chapter
The various Chapters in the drupa Newsroom are highlighted below. When you enter, just scroll down to see and access the complete collection::
drupa daily; drupa Exhibitors’ show + post-show News; drupa pre-show Exhibitor news; post-drupa from Messe Düsseldorf; drupa ante portas Blogs from Andreas Weber; drupa Expert Articles – and more
If you would like to send news for consideration for the Graphic Repro On-line Website (ISSN 1814-2915) or to submit comments, please e-mail Mike Hilton at: graphicrepro.za@gmail.com.
GraphicRepro.Net e-News (ISSN 1814-2923) provides weekly updates from the Graphic Repro On-line Website and is compiled and published by Mike Hilton,graphicrepro.net, PO Box 10 Peterburgskoe Shosse 13/1, 196605 Pushkin 5, St. Petersburg, Russia. e-mail graphicrepro.za@gmail.com
Es gibt wunderbare Momente. So wie gerade eben, als mich unvermittelt eine zauberhafte schriftliche Nachricht von Annett erreichte. Ich bin verzückt! Und will dies sogleich teilen. Viel Spaß, Andreas Weber, Head of Value.
Lieber Andreas,
manchmal kommen auch private Aufträge bzw. Aufträge von privaten Menschen, die etwas beschriftet haben möchten.
Da war z. B. ein Pärchen, dass ihrem Sohn zur Hochzeit einen Text aus der Bibel geschenkt hat. Oder eine Dame, die in ihrem Garten Bienenvölker beherbergt und deren Honig in beschrifteten Tüten und anderen Papieren verschenkt …
Eine andere Dame lud ihre Gäste mit originalbeschrifteten DIN A4-Karten zum Geburtstag ein …
Arbeiten, die so richtig Freude bereiten, und sicherlich gewertschätzt werden.
Es gibt viele Anlässe, Handschrift einzusetzen; abgesehen von Grußkarten und Dekoren. Vielleicht magst Du diese Beispiele? — NOCTURNE ist auch aufgeführt ;o))
You should keep the date 8 November 2017 in mind. Experts from around the globe joined the #Heideldruck #PackagingDays to get deep insights on how the packaging business makes progress to get transformed by innovation bizz concepts and digital print technologies. It’s all about the paradigmeshift from #massmarketing to masscustomization.
My take: It’s not a speculation anymore. It’s meanwhile a solide fact that modern print technologies like Heidelberg presented it take the lead to guide us in a sustainable way on the digital transformation journey. Driven by competency, creativity, relatedness and ‚German Mut’ we have new a solide basis to re-invent what we do. It’s amazing that such huge and fast growing markets like Label & Packaging were able to adopt print innovations in their sophisticated industrial environment on such a high level.
To make a long story short, I will share my real-time report via Twitter, a rich collection of quotes, comments, photos and video interviews produced in an authentic and unplugged manner during the event. It should give you the feeling like to have joined us in Wiesloch at the Heidelberg Print Media Center and at the MPS factory in Obersulm, Germany.
Note: For any reason there is probably a technical problem caused by WordPress. Some of the video thumbnails are shown upside down. But the videos should work properly if you click on it.
Prelude
A real world premiere commented by Andreas Weber.
Heidelberg CEO Rainer Hundsdörfer made clear that his company is the market leader in providing packaging print production solutions on a high-class quality & productivity level.
Steffen Schnizer, GM Sales at Multi Packaging Solutions MPS, Obersum/Germany, highlighted the excellent partnership with Heidelberg to make Primefire106 perfectly fitting to the needs of MPS customers demand.
Steffen Schnizel gave a special interview in German language as well. His key point: Packaging printing creates the highest demand regarding quality, color, productivity, reliability. At least Heidelberg could fulfill that now in the field of digital printing as well as in offset printing.
Heidelberg’s SVP Global Head of Digital Print Business Montserrat Peidro explains the relevance of digital print innovations for the market. Masscustomization is already the main topic to cover an increasing demand by brand owners! — (English version first, German version second).
Heidelberg’s Board member Stephan Plenz shared great insights to identify the right technological needs and solutions. The secret: It’s not enough to have the right digital print engine … The Heart or better: the brain is Prinect — Heidelberg’s digital frontend system architecture which’s able to manage all kind of digital printing machines plus offset printing machines in once.