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„Das Museum von heute ist kein Mausoleum!“

Landesmuseum Bildcollage 2014.001

Bildcollage & Text. Andreas Weber, Mainz
Fotos: Landesmuseum Mainz, Andreas Weber, Mainz

 

 

„Kultur ist nicht Einzelleistung, sondern ein Netz geistigen Miteinanders“

• Was es braucht, um mit schöpferischen Menschen in Kontakt zukommen
• Landesmuseum Mainz geht neue Wege
• Spannendes Projekt zu Migration und Kunst auf hoher kultureller Ebene

 

Selten macht eine kleine, aber feine Publikation soviel Spass wie diese: „Um die Welt — Sammlungen neu sichten“. Dr. Andrea Stockhammer, Direktorin des Landesmuseum Mainz, stellte diese und die dazugehörigen Projektergebnisse persönlich am 16. Mai 2014 vor. Vorausgegangen war ein ambitionierter Dialog mit einer Gruppe von KünstlerInnen und Kunstinteressierten. Alle haben durch ihre Tätigkeiten Bezug zu Migration und multikulturellem Austausch. Über fast ein Jahr hinweg traf man sich regelmäßig im Landesmuseum, um sich auszutauschen und gemeinsam ausgewählte Sammlungsstücke zu betrachten und darüber zu diskutieren.

„Viele unserer Exponate, aus allen Epochen, der Vorgeschichte bis zu Moderne, können uns etwas darüber erzählen“, erläutert die Mainzer Museumsdirektorin. „Manche Kunstwerke sind weit gereist, andere zeugen von der im wahrsten Sinne bewegten Lebensgeschichte ihrer Schöpfer, wieder andere sind Zeuge kulturellen Austauschs.“

Dr. Andrea Stockhammer und ihr Team haben quer durch die Sammlung besondere Kennzeichnungen entwickelt, die dem Besucher anzeigen, welche Kunstwerke durch die Projektgruppe im Rahmen des Migrationsprojekts besonders erläutert wurden. Es sollen bald spezielle museumspädagogische Maßnahmen ergänzt werden. Spezielle Führungen für Migranten in Mainz sind denkbar. Des weiteren spezielle Programme für Gäste und Touristen aus anderen Ländern und Kontinenten. Das heisst, der Titel der o. g. Publikation, Sammlungen neu sichten,  ist zugleich auch Programm für die Zukunft.

 

Besonderer Fokus: China in Mainz

Dr. Ying Lin-Sill, in China geboren, u.a. in Belgien ausgebildet und promoviert als Kunstwissenschaftlerin und Malerin, ist seit 2009 in Mainz ansässig. Sie erläuterte am Beispiel „Der chinesische Kaiser“, eine Porzellan-Arbeit von Johann Peter Melchior aus dem 18. Jahrhundert, wie sich Realität und Fantasie vermischen. Es seien, so Ying Lin-Sill, viele chinesische Elemente – aber eben auch viel europäisches Rokoko miteinander kombiniert. „Vieles ist Phantasie, eine deutsche Sichtweise auf China“, resümiert die Kundige beider Welten. Sie hat Respekt davor, wie viel Wissen Melchior über China gehabt haben muss. Und sie fragt sich, wie dieses Wissen zu ihm gelangt sei. Denn selbst chinesische Meister der damaligen Zeit hätten die Details akribisch nachlesen und recherchieren müssen. Für Ying Lin-Sill ist daher damals wie heute entscheidend, sich auf vielschichtigen Ebenen über andere Kulturen zu informieren. Ob wie damals, Wissen über Reiseberichte und Missioniere zu uns kam, oder wie heute über digitale Medien und Plattformen, ist nicht wesentlich. Wesentlich ist für Ying Lin-Sill die persönliche Begegnung und der persönliche Austausch. Im Rahmen des Projekts „Value Artist in Residence“, das seit Januar 2013 zusammen mit dem Mainzer Andreas Weber als Privatinitiative läuft, engagiert sich Dr. Ying Lin-Sill darum, Begegnungen von Mainzern und Gästen aus China aus Sicht der Kunst und Kultur zu fördern.

„Eine solch wunderbare Initiative, wie dieses Migrationsprojekt im Landesmuseum Mainz, hat eine grosse Dimension. Es gilt, Migranten aktiver ins Museumsgeschehen einzubinden und gleichzeitig andere Kulturen im Museum einem einheimischen Publikum näher zu bringen“, zieht Dr. Ying Lin Sill als Fazit.

Übrigens: Das Migrationsprojekt des Landesmuseum ist Teil eines lang angelegten Projekts des Deutschen Museumsbundes, das durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien gemäß Bundestagsbeschluss getragen wird. Das Motto lautet: „Kulturelle Vielfalt im Museum: Sammeln, Ausstellen und Vermitteln“. Damit kehrt man heute zurück auf Ideen und Konzepte, die zur Anfangszeit des Landesmuseums Mainz vom damaligen Direktor, Prof. Wilhelm Weber, wie folgt formuliert wurden: „Das Museum von heute ist kein Mausoleum“. Kontakte mit schöpferischen Menschen herzustellen, sei gefordert. Denn: „Kultur ist nicht Einzelleistung, sondern ein Netz geistigen Miteinanders“, sagte Museumsdirektor Prof. Weber damals.

 

Hinweis

Die Publikation „Um die Welt – Sammlungen neu sichten“  ist im Landesmuseum Mainz erhältlich. Umfang: 44 Seiten, Umsetzung im Landesmuseum Mainz: Dr. Birgit Heide, Kathrin Brumm, Dieter Becker. Verlag & Redaktion: Agentur & Verlag Bonewitz, Bodenheim 2014.

 

Informationen zum Landesmuseum Mainz:

http://www.landesmuseum-mainz.de/

https://www.facebook.com/Landesmuseum.Mainz

 

Zeitungsbericht zum Projekt von Michael Jacobs:

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/landesmuseum-wirbt-um-migranten_13059130.htm

 

Value Art&Com-Impressionen:

https://www.facebook.com/ValueCommunicationAG

 

Value Art Com Screenshot Facebook 16052014

 

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