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Gastbeitrag: Weiterhin freie Bahn für die kleinen Flinken!

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Hommage an Kurt K. Wolf für sein neuestes Buch, das uns alle etwas angeht. Fotos: Midas. Kurt K. Wolf.

Bücher bewegen, und so ging es auch mir jetzt mit der Lektüre von Kurt K. Wolfs neuem Werk «Die Postscript-Revolution». Es liess mich nochmals in die Gründerjahre des Publisher abtauchen: Aldus mit PageMaker, Adobe mit Postscript und Apple mit dem grafischen Benutzer­interface gaben uns kleinen Flinken damals die Werkzeuge in die Hand, mit denen wir die grossen Trägen rechts überholten. Für uns jungen, wilden Desktop Publisher war dies die Chance für das, was man heute als Start-up bezeichnet: Ich nutzte diese, um mit dem Publisher eine neue Fachzeitschrift zu lancieren. Das Ganze war ziemlich disruptiv – viele etablierte Betriebe der grafischen Industrie mussten weichen, um uns «Wilden» Platz zu machen.

Als Kulturgeschichte der Druckindustrie beschäftigt sich das Buch „Die Postscript Revolution“ von Kurt K. Wolf mit der Entwicklung des Grafischen Gewerbes von der „Schwarzen Kunst“ zur einer hochtechnologischen Industrie. Ein spannendes Lehrstück in Sachen Disruption und Technologiewandel. Weitere Infos und/oder Bestellung über Midas-Verlag, Schweiz.

Die disruptiven Kräfte der digitalen Transfor­mation waren auch das grosse Thema an unseren diesjährigen swiss publishing days. Heute wie damals sind es einige wenige Firmen (Google, Facebook, Amazon etc.), welche auf der Basis von künstlicher Intelligenz eine neue Revolution antreiben. Und doch ist es irgendwie anders: Das an der Konferenz gezeigte Fallbeispiel Ringier machte das deutlich: Man nutzt einerseits KI-Technologie von Google, um das riesige Bildarchiv besser zu erschliessen. Gleichzeitig wird man als Verlag von Google im Kampf um Abonnenten und Marketingbudgets aufs härteste konkurrenziert. Und auch wir beim Publisher spüren diese Konkurrenz im Werbemarkt. Nicht primär kleine flinke Webportale aus der Schweiz machen uns als etabliertem Printmedium die Werbegelder streitig, sondern die multinationalen Riesen Google und Facebook.

Das Beispiel Intel scheint Schule gemacht zu haben: Nach dem Grundsatz des Gründers Andrew Grove, wonach nur Paranoide überleben, sind die Grossen heute brutal wild und flink geworden. Das allgemeine Unbehagen über die wachsende Dominanz und Macht dieser wenigen flinken Grossen – und über unsere Abhängigkeit von diesen – steigt, und das ist gut so. Ich persönlich sehe das Ganze nicht allzu pessimistisch, denn die Abhängigkeit ist eine gegenseitige. Ohne dass wir diese Moloche ständig mit unseren Daten füttern, würden diese ziemlich rasch verhungern. Solange wir uns dessen bewusst sind und auch danach handeln, wird auch künftig der Weg frei sein für neue Ideen und Taten von jungen Wilden und kleinen Flinken.

Martin Spaar, Herausgeber Publisher.ch, Winterthur, Schweiz

 

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