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Tag Archives: Wilhelm Weber

OF ISS Festabend am 06120218.001

Text, Fotos und Bildcollage: Andreas Weber.

Ein gelungener Senefelder-Festabend im Haus der Stadtgeschichte Offenbach am Main am Tag der Lithographie, dem 6. Dezember 2018. Die große Halle war gut gefüllt, das Publikum durchaus international. Offenbachs Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke betonte in seinem engagierten Grusswort die Verbundenheit der Stadt mit Senefelder und der Internationalen Senefelder Stiftung (ISS). Senefelders Lebensleistung sei durchaus vergleichbar mit der eines Industriepioniers wie Carl Benz. 

Der Stiftungs-Vorsitzende Prof. Dr. Gerhard Kilger betonte: „Es sind genau 200 Jahre her, dass Aloys Senefelder sein Lehrbuch zur ‚chemischen Druckerey‘ veröffentlicht hat. Fast 25 Jahre hatte er sich seit seiner Entdeckung Zeit gelassen, doch es war ihm wichtig, dass diese großartige Erfindung nicht in ihrem experimentellen Kinderschuhen, sondern als professionelle Drucktechnik in ihre Zukunft entlassen wird. Tatsächlich war in dieser Zeit seine Technik schon in vielen Druckereien der ganzen Welt wirtschaftlich erfolgreich. Alois Senefelder hatte in München durch viele Experimente den Flachdruck auf Stein entdeckt, in Offenbach hat er bei dem Musikverleger André seine erste professionelle Druckerei gegründet. Von dort aus begann der wirtschaftliche Erfolg durch die vielen Möglichkeiten des Flachdrucks. Man kann heute mit Recht behaupten, dass durch den Flachdruck bis heute Bilder, Graphik und farbige Vielfalt in das Leben einzog.“

Zugleich erinnerte Prof. Dr. Kilger an die Verdienste des Kunsthistorikers, Lithgraphie-Experten und Senefelder-Biografen Prof. Wilhelm Weber, der — 1918 geboren, 1999 verstorben — seit Gründung der Stiftung über eine Generation hinweg dem Stiftungs-Beirat vorstand. „Noch heute sind die Buchpublikationen von Prof. Weber die Standardwerke, um die hohe Bedeutung von Senefelder und der Lithographie für Kunst und Künstler rund um den Globus anschaulich zu machen.“ 

Andreas Weber, ebenfalls seit über 15 Jahren in der ISS engagiert, dankte im Namen seiner Familie, dass die Stiftung das Wirken und Werken seines Vaters in Ehren hält; und zitierte aus einer Notiz seines Vaters, die er im Nachlass fand: „Die Internationale Senefelder Stiftung hat dem genialen Erfinder der Lithographie nicht nur dauerhaft ein Denkmal gesetzt, sondern hält das Ergebnis seines Schaffens am Leben, um uns allen immer wieder Impulse und Anregungen zu verleihen. Kunst und Künstler sowie Technologie gehen dabei ein besondere Symbiose ein, getragen von unerschöpflicher Kreativität.“

In einer wissenschaftlich fundierten Analyse gab Museumsleiter Dr. Jürgen Eichenauer Einblick in die spannende und nicht immer geradlinig verlaufende Lebensgeschichte von Senefelder und seiner Geschäftsfreundschaft mit der Musikverleger-Familie Andrè, die aber die Welt verändern sollte. Dr. Harry Neß vom Internationalen Arbeitskreis Druck- und Mediengeschichte ließ in seiner Lesung aus dem Lehrbuch Senefelders ein wunderbares Stimmungsbild entstehen, dass detailreich den Antrieb und die Erfahrungen des genialen Erfinders nahe brachte. —aw

 

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ValueCheck Analysis: Communication, Art and Culture.009

Selbstbildnis von Prof. Wilhelm Weber während seines Malereistudiums in Dresden, 1943.

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#drupa2016 Review Teil 1 Key Visual.001

@ 2016 Foto/Collage: Andreas Weber, Mainz/Frankfurt am Main

Kritische und bewusst streng gehaltene, selektive Analyse von Andreas Weber, Head of Value, im Rückblick auf die famose #drupa2016 — Lesezeit: 10 Minuten. Halbwertzeit min. bis zur #drupa2020 — Die Themengliederung im Überblick:


Vorbemerkung

Andreas Weber ist Gründer und CEO der Value Communication AG sowie des DigitaldruckForum mit Sitz in der Gutenberg-Stadt Mainz. Seine Spezialität: Brainware&Solutions sowie per ValueTrendRadar.com-Blog klare Analysen zur Zukunft von Print im Kommunikationsmix, die er kontinuierlich mit über 100.000 Fachleuen in über 100 Ländern teilt. Auf der #drupa2016 gründete er mit Christian Kopocz die Expertenplattform MUCHcomm.

Im Fokus dieses umfassenden #drupa2016 Review stehen drei wesentliche Überlegungen als Leitlinie, die sich durch meine umfassenden Vor-drupa-2016-Analysen bereits abzeichneten:

  • Was bringt die Branche und den Markt tatsächlich voran?
  • Wie ordnet sich Print in der Big Data-Welt ein?
  • Welche Player/Hidden Champs sind wichtig?

Da sich dieser Sachverhalt nicht trivial erschließen lässt, indem man einfach eine Vielzahl an Neuheiten und Pressemeldungen auflistet, nachfolgend mein Bericht in drei Teilen, der das #drupa2016-Messegeschehen bewertet, plausibel in den Kontext stellt, Hintergründe erläutert und am Beispiel des für mich gelungensten Messeauftritts detailliert erklärt, welche Lösungsansätze Sinn machen. — Stichwort: #unleashprint!

Hinweis: Wer sich für alles bis ins feinste Detail informieren möchte, kann dies im ValueBlog in besonderer Form tun. Unter dem Suchwort: „Mike Hilton’s Global News“ finden sich über 600 Pressemeldungen zu allen relevanten drupa-2016-Neuheiten. — Siehe auch den Vortrag mit dem kompakten #drupa2016 Review auf dem Swiss Publishing Day 2016 in Winterthur vom 30. Juni 2016 via YouTube (Live-Video-Doku) oder via Slideshare (42 Min.-Video plus alle Charts).

 


drupa2016 ValuePublshing Review Social Media Heroes.001


Teil 1 — Die #drupa2016 als Prüfstein für die Kommunikationsfähigkeit der Printbranche

Vorbemerkung

Frage: Warum ist das Thema Kommunikationsfähigkeit wichtig?
Antwort: Weil es in der Printbranche (bei Druckereien wie auch bei deren Lieferanten) riesige Defizite gibt.
Begründung: In der Printbranche ist es üblich, die Geschäfts- wie auch die Fachkommunikation auf die Darstellung dessen, was man tun kann und wie man Produktionsaufgaben löst, hinzuweisen. Und dies zumeist dadurch, dass man das direkte Gespräch sucht. Sinnvoller ist es aber, Kompetenzen, Kundennutzen und -vorteile medial und damit effektiv in den Fokus zu rücken, um Unterscheidungsmerkmale erkennbar und öffentlich zugänglich zu machen. Bedenke: Das Geschäft mit Print ist schon längst kein Produktions-, sondern ein Dienstleistungsgeschäft, das pro-aktiv kommuniziert werden muss, um Dialoge über relevante Fachthemen zu beflügeln! Erfolg bringt, was in der medialen Kommunikation Markt- und Kundenanforderungen ins Zentrum stellt und nicht das eigene Tun!


In medias res

Die #drupa2016 war famos. Ich weiss, wovon ich rede. Es war meine ZEHNTE drupa! Noch nie zuvor konnte man so gut vorbereitet sein (wenn man sich die Zeit nahm), um im Prinzip alles Wesentliche wissen zu können, bevor die #drupa2016 ihre Pforten öffnete. Doch das Detail hat es in sich. In der Rückschau gab es noch nie eine drupa bei der so viele Experten „lost in details“ gingen! Während und vor allem nach der #drupa2016, die von Top-Experten einengend als die „Ink-Jet 2.0“-drupa bezeichnet wurde, stellte sich nämlich heraus, dass entsprechend dem klugen Messe-Konzept von Sabine Geldermann und ihrem drupa-Team alles Mögliche im Fokus stand, aber nicht mehr die Nabelschau der Technik quasi als Maschinen-Bullenprämierung!

„Touch the future“. So lautete das Messe-Motto. Endlich, wirklich endlich war die #drupa2016 thematisch und konzeptionell Meilensteine nach vorne gerückt, um sich der normativen Kraft des Faktischen zu beugen: Am Ende zählen nicht Technik oder die Anwendung (brav in Druck-Muster-Sammlungen präsentiert), sondern der Nutzen daraus. Die Liste der drupa 2016-Highlight-Themen, die Innovationen und neue Wachstumssegmente fokussierten, machte dies im Vorfeld mehr als deutlich: Dem Kernthema „Druck und Papier“ waren die Sektionen Multichannel, 3D Printing, Functional Printing, Packaging und Green Printing als Themengruppen beiseite gestellt. Offenkundig sollte und musste über den Tellerrand geblickt werden. Und das war gut so, um den maximal hohen Erwartungen der Besucher und der Aussteller gerecht werden zu können.

Wie nun aber die #drupa2016 in den Griff bekommen? Man war chancenlos, alle 1.800+ Aussteller in 17 (resp. eigentlich 19) Messehallen zu besuchen. Der Ausweg: Wie noch nie zuvor boten sich durch Google und Social Media (hier besonders: Twitter) eine grandiose Informations-Rundumversorgung! Davon machten leider die Wenigsten auf der drupa 2016 richtig Gebrauch. Am allerwenigsten die über 1.900 Fachjournalisten, darunter einige wichtige Industry Analysts, die aus 74 Ländern angereist waren. Hektisch und fast konfus rannten viele ihren unzähligen Terminen nach, um so viel wie möglich PERSÖNLICH in Augenschein zu nehmen, um anschließend beliebige Aussteller-News zu kolportieren. Dialoge mit Lesern finden über Fachmedien so gut wie nicht statt. Entsprechend lesen sich im Nachgang deren Reports. So manches, was längst vor der drupa 2016 publik war resp. während der drupa Online in Echtzeit Diskussionen prägte — wurde im Nachgang als Entdeckung, Überraschung und/oder bahnbrechende Premiere tituliert. — Puh! — TOTALLY LOST IN DETAILS ?!?

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Kurios und mit leichter Verzögerung von fast 1 Woche: Print folgt Twitter! Foto-Collage: Andreas Weber

Man kann nicht wissen, was man nicht weiss!

Aber auch via Online/Social Media wurde es uns allen nicht leicht gemacht. Viele drupa-Aussteller nutzten Twitter gar nicht — oder wenn doch, dann reichlich unprofessionell als weiteren, notwendigen Push-Kanal zur Selbstdarstellung. Das ist für Social Media aber kontraproduktiv. Gerade über Twitter in aller Kürze und z. B. über LinkedIn für mehr Ausführlichkeit können Dialoge in Gang gesetzt werden. Die Folge, wenn dies wie bei der #drupa2016 zumeist unterbleibt: Die Reichweiten blieben trotz allem Bemühen niedrig. Und der Interaktionsgrad war lausig. Erstrecht erzielt man so nicht die Einbindung neuer Zielgruppen, die per Twitter erreichbar und einzubinden wären, selbst wenn sie gar nicht zur drupa gekommen sind. — Die meisten aus der Printbranche denken wohl: Nun ja, Schuster, bleib bei deinen Leisten… Und warum sollten Print-Fachleute auf einmal werthaltig kommunizieren? Es gehe doch ums Drucken und Technik, so hört man land(a)auf, land(a)ab.

Wollte man dieser drupa 2016 Herr werden, musste man Twitter richtig nutzen — d. h. strategisch klar, zielführend und stringent vorgehen — und sich fast im Sekundentakt informiert halten. Wie gesagt, die Messe Düsseldorf hatte mit ihrem Neu-Konzept exzellente Vorarbeit geleistet. Und Social Media via Twitter war das Top-Kommunikationswerkzeug für die Messe Düsseldorf. Ergänzend kommt v. a. die Idee hinzu,die einzelnen Highlight-Themen durch über die Messehallen verteilte Touchpoints zu präsentieren. Dort konnte man aus erster Hand, Aussteller-übergreifend von Experten das Wichtigste zu den wichtigsten Themen erfahren. Die drupa-Social-Media- sowie drupa daily-Teams machten einen guten Job, um die Messebesucher aktuell zu informieren. Alleine die drupa-Apps waren nicht sehr hilfreich. Die hätte man einfach weglassen können.

Bye Bye „Push-PR“ — Twitter kann es besser!

Nur ganz wenige Pressekonferenzen auf der #drupa2016 waren lohnenswert. Vor allem diejenigen, die von Ausstellern ohne PR-Agenturhilfe gestaltet wurden, lieferten gute Inhalte, die für Social Media-Kommunikation tauglich waren! — Twitter entpuppte sich als unverzichtbare Top-Plattform: Und zwar

  • a) als beste Nachrichten- und Interaktionsquelle — zur Erinnerung: auf Twitter tummeln sich die engagierten, kompetenten Fachleute, die an Innovation und qualitativen News/Facts & Meinungen/Kommentierungen in Echtzeit interessiert sind;
  • und b) als hervorragende Analyseplattform. Denn wer als Besucher wie auch als Aussteller auf Zack war, konnte durch Twitter Seismografie-ähnlich erfahren, was gerade die wichtigen Gespächsthemen war, wie Neuheiten ankamen und bewertet wurden, was sich lohnt und was eben nicht. Zugleich kann man im Nachgang bis auf Einzelne runter brechen, wer sich für was interessiert bzw. wer was honorierte. Denn Tweets mit Hashtags sind sozusagen „for ever“ und können außerhalb von Twitter von allen per Google gefunden werden.

Grosse Bedeutung und Wirkung haben sog. Twitterlisten, die sich nach relevanten Hashtags ausrichten und von Twitternutzern geführt werden. Und Analysetools wie z. B. Keyhole sind hilfreich, da sie die wichtigsten Hashtags, Tweets, User/Influencer, geographische Lokalisierungen, Nutzungs-/Device-Ergebnisse sowie Word-Clouds in Echtzeit erfassen und Mehrwerte liefern. So entstand, wenn man weiss wie es geht, zum ersten Mal auf einer drupa mit und durch Twitter ein iterativer Informations-, Bewertungs- und Erkenntnisprozess. Mit dem erstaunlichem Ergebnis: Das, was Fachleute, Journalisten und Analysten zumeist als Top-Themen im Nachgang kolportieren, spielte eigentlich auf Twitter kaum keine Rolle — und wenn, dann eine untergeordnete. (Hinweis: Im Fall meiner Aktivitäten war von besonderem Vorteil, in deutsch und englisch zu kommunizieren sowie den ValueBlog und ValueStorifys einbinden zu können.)

Analysiert man die per Analyse-Tool generierte Word-Cloud zum Hashtag #drupa2016 im Nachgang (bewusst gewählte Post-drupa Stichtag-Zeitpunkte: 18. Juni 2016 bis 20. Juni 2016), so erscheinen als Echo folgende Begriffe als maßgeblich — nachfolgend in Form einer Top-Ten gelistet:

  1. #drupa2016
  2. #BigData
  3. #Print
  4. #Innovation
  5. #Storify (zur Doku/Visualisierung von relevanten Tweets)
  6. #unleashprint (das Canon-Motto)
  7. #cloud
  8. #mail
  9. #digitalcutting
  10. #drupa (viele hatten dies als Hashtag genutzt, statt sinnvollerweise #drupa2016)

Vortrag Andreas Weber Swiss Publishing Days 2016.037


Zwei drupa-Aussteller tauchen im Umfeld der Top-Ten namentlich auf: Heideldruck
(der Börsenkurz-Name der Heidelberger Druckmaschinen AG) sowie Canon — wie gesagt als einziger Aussteller durch sein Twitter-konformes drupa-Motto #unleashprint herausragend, somit exzellent gewählt und positioniert (mehr dazu in Teil 3).

Von „Insidern“ benutzte Hype-Begriffe wie Inkjet/Inkjet-Druck, Workflow, Print 4.0, Digitalisierung u.a.m. tauchen im Top-Ten-Ranking ebenso wenig im öffentlichen Social-Media-Interesse auf, wie z. B. der „größte“ Aussteller, HP, oder der mit den angeblich meisten Besuchern, Landa. Erstaunlicherweise fehlt auch Xerox, obgleich Xerox über das wohl engagierteste und kundigste Social-Media-Team auf der #drupa2016 verfügte. Und mit XMPie verfügt Xerox über eine Weltklasse-Multichannel-Kommunikationslösung, die von Xerox zur #drupa2016 erst gar nicht eingesetzt wurde. Das könnte daran liegen, dass Xerox für die eigene Marketing-Kommunikation den nutzen von XMPie völlig verkennt und/oder mit seiner Corporate-Social-Strategie bis dato  zwar große Reichweite, aber zu wenig Interaktion erzielt.

Viele andere, gleichrangig hoch frequentierte Hashtag-Begriffe zeigen das weite Spektrum, an dem man sich orientieren muss, wenn man das Thema Print künftig weiter entwickeln und bei Kunden populär machen und im Gespräch halten möchte:

  • virtual, strategy, automation, client, multichannel, success, review, geospital sowie gis, interactivevideo, marketing, iIoT (als das industrielle Internet-of-Things) sowie communications, 3d printing und youtube.
  • Als einziger Produktname taucht „clarity“ auf, der die neue, wegweisende Cloud-Lösung von Pitney Bowes bezeichnet. Nebenbei: Als mir bis dato einzig bekannter drupa-Aussteller setzt Pitney Bowes Twitter global als wesentliche Säule des Business Development ein.

Fazit Teil 1

Kommunikation über Print ist wahrhaft eine Kunst. Wer sich auch nach der #drupa2016 über Print adäquat informieren will, muss maximale Online-/Twitter-Kompetenz besitzen. Sonst landet man im Nirwana des Lost in details“-Syndroms und holt aus seinem hohen Messe-Investment viel zu wenig raus! — Übrigens ist es anders als über Twitter/Posten kaum möglich, in Echtzeit das Wichtigste auf den Punkt zu bringen und multimedial durch Text, Foto, Video in einer digitalen und globalen Welt erlebbar zu machen! Dies gelingt vor allem durch ValueStorifys. Siehe: #drupa2016 review — All about the role of print in the communications mix sowie #drupa mc — print re-invented!


Fortsetzung folgt mit Teil 2:
Worauf kam es bei der #drupa2016 wirklich an?


Some insights

Value Publishing About @drupa2016.001

ValuePublishing Storify Review 18062016.001

drupa2016 - In Medias Res ValuePublishing REVIEW 2.001

Die drupa ist stets ein Ort der Top-Gespräche und einzigartigen Momente, wie mit Didier Gombert (großes Foto am Stand von Objectif Lune). Foto/Collage: Andreas Weber

 

Kritische und bewusst streng gehaltene, selektive Analyse von Andreas Weber, Head of Value, im Rückblick auf die famose #drupa2016 — Lesezeit: 10 Minuten. Halbwertzeit min. bis zur #drupa2020 — Die Themengliederung aller drei Berichte im Überblick:


Fazit Teil 1

Kommunikation über Print ist wahrhaft eine Kunst. Wer sich auch nach der #drupa2016 über Print adäquat informieren will, muss maximale Online-/Twitter-Kompetenz besitzen. Sonst landet man im Nirwana des Lost in details“-Syndroms und holt aus seinem hohen Messe-Investment viel zu wenig raus! — Übrigens ist es anders als über Twitter/Posten kaum möglich, in Echtzeit das Wichtigste auf den Punkt zu bringen und multimedial durch Text, Foto, Video in einer digitalen und globalen Welt erlebbar zu machen! Dies gelingt vor allem durch ValueStorifys. Siehe: #drupa2016 review — All about the role of print in the communications mix sowie #drupa mc — print re-invented!


 

Frage: Ist es möglich, das Angebot einer drupa als globale Leitmesse komplett zu erfassen?
Antwort: Nein! Das ist auch gar nicht nötig. Das beste Prinzip lautet: Reduktion auf das maximal Wichtige. Daher nachfolgend eine analytisch-subjektive Selektion dessen, was aus ValuePublishing-Sicht relevant war!


Vorspiel: Wo bleibt der Bezug zu dem, was die Printbranche voranbringt?

„Rund 260.000 Besucher (2012: 314.248 Besucher) aus 188 Ländern und rund 1.900 Journalisten aus 74 Ländern sind nach Düsseldorf gereist, um sich über technologische Innovationen, Weiterentwicklungen und neue Geschäftsfelder zu informieren,“ verlautbarte die Messe Düsseldorf am 10. Juni 2016 stolz. Und mit 76 Prozent lag die Quote der internationalen Besucher um 16 Prozentpunkte höher als im Jahr 2012. Deutschland markiert damit einen riesigen Besucherrückgang! Quelle: drupa/Messe Düsseldorf

Ob die Zahl der Besucher den Ausschlag für nachhaltigen Erfolg gibt, sei dahingestellt. Aber eine Schrumpfung um fast 55.000 Besucher im Vergleich zur drupa 2012 ist in jedem Fall bedenkenswert. Zu behaupten, das sei OK, weil die Messedauer ja verkürzt worden sei, erscheint ungefähr so „logisch“ wie das Argument, gutes Essen schmecke umso besser, je mehr man davon mengenmässig verspeist.

Fakt ist vielmehr: Der allseits herausgestellte Dreiklang der modernen Druckindustrie — Digitalisierung, Automatisierung und Flexibilisierung, kurz mit Print 4.0 in Anspielung an Industrie 4.0 charakterisiert – hat zur Folge, dass immer weniger Betriebe mit immer weniger Personal ein inzwischen wieder dynamisches Produktionsvolumen stemmen. Ergo: Weniger ist mehr! ABER: Für die #drupa2016 hätte die beste Voraussetzung bestanden, neue Zielgruppen zu motivieren und zu mobilisieren, um die ambitionierte globale Leitmesse zu besuchen. Das hat aber (wie schon 2012) nur marginal/punktuell geklappt, aber nicht breitenwirksam. Denn neue Besuchergruppen sind durch „Wir können Print 4.0“-Rufe und „Wie toll, was wir da machen-Selbstdarstellungen von Ausstellern nicht zu mobilisieren. Aus meiner Sicht ist eine riesige Chance vergeben worden. Viele Marktteilnehmer werden sich dadurch unnötig schwer tun, um das zu kompensieren. 

Vortrag Andreas Weber Swiss Publishing Days 2016.001

Der kompakte Vortrag mit dem #drupa2016 Review von Andreas Weber kam sehr gut an auf dem Swiss Publishing Day 2016 am 30. Juni 2016 in Winterthur. — Doku via YouTube (Live-Video-Doku) oder via Slideshare (42 Min.-Video plus alle Charts).

Zu vielen Ausstellern muss es wohl egal sein, was die Kunden ihrer Kunden denken. Einige Hersteller betonten, das Wichtigste sei, dass sie weit über ihre Erwartungen hinaus Verkaufsabschlüsse tätigten.

  • Beispiel: Landa verkaufte nach eigenem Bekunden für über 450 Millionen EURO Nano-Druckmaschinen, die (allerdings) immer noch nicht lieferfähig sind. — Siehe dazu meine Traumgeschichte „Danke Benny. Touch the future again and again…”
  • Seriöser resp. sinnvoller aus meiner Sicht: Heideldruck erwähnte bei seiner Annual Analyst Conference am 8. Juni 2016 über 1.000 Kaufverträge über lieferfähige Produkte und Lösungen, um Kunden zu ermöglichen, ihr Kerngeschäft Offsetdruck zu stärken und/oder gleichzeitig sich der Herausforderung „Digitaldruck auf industriellem Fertigungsniveau“ anzunehmen; mehr als 5.500 Heideldruck-Kunden meldeten sich für den neuen Heidelberg eShop an.
  • HP Inc. rühmte sich, mit der kompletten Halle 17 im Gepäck, der größte Aussteller der drupa 2016 gewesen zu sein, und lobt sich selbst: „HP experienced its best attended drupa ever with sales far exceeding expectations, achieving 150 percent of our sales goal,” urteilte laut Branchendienst WhatTheyThink.com Francois Martin, Global Marketing Lead Graphics Solutions Business HP Inc. Fast schon pingelig wird aufgezählt, wieviel Maschinen man verkauft habe, um zu dokumentieren, dass man die eigenen Lösungen zur Marktführerschaft gebracht habe. — Nur mit dem von HP vielgelobten PrintOS, dem neuen und ultimativen Betriebssystem fürs Drucken, kam man laut divergierenden Medienmitteilungen mit 200 resp. 500 Subskribenten, in jedem Falle also weniger als 5% aller Kunden, nicht so weit. — Damit ist HP entgegen der eigenen Einschätzung vom Mainstream weit entfernt und  immer noch nicht vollständig im Print 4.0-Zeitalter der durchgängigen Digitalisierung, Automatisierung und Flexibilisierung angekommen.

Die Umsätze bei Heidelberg wie auch bei KBA, Canon, Xerox, Ricoh und KonicaMinolta liegen allesamt höher als beim „größten“ Aussteller der #drupa2016, der zudem deutlich höhere Stand- und Werbekosten zu verzeichnen hat. (Kann man so etwas einen Pyrrhussieg nennen?). Allein drei Aussteller als Newcomer aus Israel konnten in Summe HP’s Umsätze weit übertreffen resp. eine sehr viel bessere Relation zwischen Invest und Return-on-Invest erzielt haben; neben Landa sind dies Highcon und Scodix, wie der israelische Wirtschaftsdienst Globes vermeldet hat. — Learning: Wer wie HP darauf setzt, sich Erfolg erkaufen zu wollen, muss nicht automatisch erfolgreicher sein als andere. Zumal, wenn wie im Falle HP zur #drupa2016 eigentlich nur Optimierungen der bestehenden HP-Lösungen geboten wurden. Tatsächlich Neues und für die Print-Branche im Sinne des „Touch the future“ insgesamt Relevantes hat sich für mich bei HP auf der #drupa2016 nicht erschlossen. Schon gar nicht durch HP’s mediale Kommunikationsarbeit!

ValuePublishing #drupa20150 Review.001

Petra Lüftner kommentierte am 4. Juli 2016 per XING als Reaktion auf mein Traum-Erlebnis — Danke, Benny! Touch the future again and again… — wie folgt: „Ich war total traumatisiert von so viel Zukunftsvisionen und der ernsthaften Frage, für WEN und welchen MARKT all dieses dort stattgefunden hat. Die Realität sieht meines Erachtens heute und auch in den kommenden Jahren ganz anders aus. Verkaufen, nur um des Verkaufens Willen, ohne fachliche und zeitnahe Analyse der Marktes? Wie oft schon wurde in der Vergangenheit der Hype um neue Technologien zum Untergangsszenario mancher Firma 🙁  Denn nicht die ‚Technology’ ist es, was wir zuerst überdenken müssen, vielmehr die Wertschöpfungskette und die Anwendbarkeit des vorhandenen Instrumentariums.  Ein erfolgreiches Unternehmen zeichnet sich durch einen realistischen Bezug zum Markt und die darauf optimierten Prozesse und Produkte, nicht durch blinkende Displays aus.  So stellte sich am Ende meines Traums die Frage, ist alles was glänzt Gold oder sollte man doch den guten alten Fadenzähler zur genaueren Betrachtung des Ganzen nutzen? Herzliche Grüße in die Stadt des URSPRUNGS, die Gutenberg-Stadt Mainz“.

In medias res: Willkommen im digitalen Printmedienkosmos

Wichtiger erscheint mir, der Nabelschau einiger Top-Aussteller nicht zum Opfer zu fallen, sondern stattdessen konkret aufzuzeigen, welchen Einfluss tatsächlich innovative Technologien-Angebote auf der #drupa2016 für die Branchenentwicklung haben. Denn, wie und ob Print gewinnt, hängt nicht von Boxen-Verkäufen, sondern von Lösungskompetenz und drei zentralen Faktoren ab:

  1. Welche Rolle spielt Print im Kommunikationsmix? Gerade mit Blick auf BigData, Cloud, Social Media und IoT.
  2. Wie und warum definiert Inkjet-Druck die industrielle Herstellung von Printmedien neu?
  3. Wer als Aussteller hat auf der #drupa2016 die Messe-Leitidee „Touch the future“ tatsächlich am besten verkörpert und nach vorne gebracht?

Zeit also für eine an der Realität orientierte Bestandsaufnahme, die alle (kaum noch zu überblickenden) Neuheiten der #drupa2016 zusammenfasst, plausibel bewertet und in den Kontext mit den gewachsenen Anforderungen im Digitalzeitalter stellt.

Das Prinzip der Digitalisierung im Kontext mit Print erklärte Heideldruck-CEO Dr. Gerold Linzbach im Vorfeld der drupa 2016 ganz exzellent (Siehe „drupa ante portas: Automatisierung, Flexibilisierung, Digitalisierung machen Print zum Top-Wachstumsmarkt!“). Auf der drupa präsentierten Dr. Linzbach und sein Vorstandsteam am 8. Juni 2016 souverän vor hochrangigen Finanzanalysten, was Heidelbergs Comeback ausmacht  — übrigens von der drupa-Community kaum bemerkt, führte die gelungene Konferenz für #Heideldruck zu einem Kurssprung nach oben, inklusive Kaufempfehlung der Analysten:

  1. Ein radikales Umdenken und Umschwenken Richtung Print 4.0
  2. Maximale Markt- und Kundenorientierung mit Fokus auf ‚Customer Journey‘ (im Sonne von: Welchen Weg wird mein Kunde gehen, wenn er neue Lösungen einsetzen möchte?)
  3. Neupositionierung Richtung autonomes Drucken sowie das „Amazon-für-Printherstellung“ durch eine integrierte Heideldruck eShop-Lösung

07-drupa2016 ValuePublishing Storify on HeideldruckWeitere Informationen zum Comeback von Heideldruck: ValueStorify „drupa 2016 — #Heideldruck: Back to profitable growth!“ mit Live-Texten, -Fotos, -Videos.

Heideldruck sieht für sich gute Chancen, die „alte“ Welt des Offset-Druckens mit der neuen Welt des „digitalen“ Druckens zu vereinen. Das wird belohnt: Wie Mike Hilton in seinem Global News Review dokumentiert, erhielt Heideldruck in mehreren Kategorien den IDG Business Media and Dimension Data Deutschland’s Digital Leader Award 2016.

Daran anknüpfend ist zu beachten, dass der Umgang mit dem Phänomen „Big Data“ in der Printproduktion mehrere Dimensionen und eine dynamisch stärker werdende Priorität aufweist:

  • Aus dem Web resp. der Social Media-Welt und via Cloud-Services explodiert die Datenmenge dessen, was aus der virtuellen Welt ins Print überführt wird;
  • Inhalte können dabei automatisiert auf Basis von intelligenten Algorithmen zusammengestellt werden für massenhaft individuelle, bedarfsgerechte Druckprodukte.
  • Zum anderen müssen riesige Datenströme beim Produktionsmanagement intelligent gehandhabt werden, um effizient, qualitätvoll, ohne Medienbrüche und möglichst schnell, das heisst in Tagesfrist fertigen und liefern zu können.

Dies geschieht auf verschiedenen Ebenen, wobei im Web verstärkt Systemarchitekturen zur freien Verfügung stehen, die nahtlos Druckdaten automatisiert erzeugen und per Internet an selektiertere Dienstleister/Drucksysteme transferieren können. Die einfachste Form sind Drucke beliebiger Daten via Smartphone oder Tablet. Apple mit AirPrint oder Google mit CloudPrint waren die Pioniere der Generation X; Drucksystemhersteller wie Canon oder HP folgten mit eigenen ePrint-Lösungen. Zum Anderen werden Daten aus Wiki—Plattformen zum Beispiel per PediaPress-Technologie in Bücher verwandelt, auf Basis der vom Internetnutzer online selektierten Wikipedia-Artikel. Weiterhin können Social-Media-Nutzer per Knopfdruck ihre Chroniken auf Twitter, Instagram oder Facebook in Publikationen verwandeln, um gedruckte Poster z.B. der Facebook—/Instagram-Freunde, Leinwanddrucke  oder Tagebuch-Chroniken in Buchform aus Twitter und Facebook automatisiert zu erstellen (siehe mySocialBook, Twenty20 oder boomf mit Druck von Instagram-Fotos auf essbare Marshmellows).

Diese Services werden von Konsumenten ebenso genutzt wie von Unternehmen für Werbezwecke, die solche Projekte in ihre digitalen Marketingkonzepte einbinden (Siehe den ValuePublishing drupa-Vorbericht zum Highlight-Thema Multichannel). Bei den reinen Unternehmensanwendungen werden Marketing- und IT-Daten automatisiert ohne Medienbruch zusammengefügt und daraus Cross-Media-Kundenkampagnen erstellt, die Unternehmensangebote wie zum Beispiel Vertragsverlängerungen bei Versicherungen koppeln mit den Feedbacks von zehntausenden Kunden, die dann an die Unternehmens-IT und deren CRM-Systeme zurückgespielt werden, um die Kundenprofile aktuell zu halten und sogar einzelne Transaktionen zu dokumentieren. Alle Unterlagen sind dann sowohl digital als auch gedruckt verfügbar. Der Kunde entscheidet, welche Form er bevorzugt.

 Als Lesetipp empfehle ich die brillanten Kommentare von Christian Kopocz auf LinkedIn, der als Entrepreneur und Finanz-, Marketing-, Digitaldruck- und Multichannel-Profi exzellent twittern sowie bloggen kann und sein #drupa2016-Erleben aus Sicht des kundigen Fachbesuchers schildert:

Druckers Dilemma: „Herrje! Was habe ich denn mit Social Media und Big Data zu tun? — Eigentlich will ich doch einfach nur drucken!“

Naturgemäß stellen Big Data resp. Social Media die Welt der Druckereiunternehmer auf den Kopf. Das Denken und die Technik-Ausstattung in Druckereien sind darauf ausgerichtet, dass der Kunde/Drucksachenbesteller die Pre-Media-Arbeit selbst erledigt. Und der Druckerei druckbare PDF-Dateien übergibt. Man bedient einen Nachfragemarkt. Denn bis dato folgen Printproduktionsprozesse einem starren, linearen Ablaufschema: Daten werden digital editiert, mit Expertenwerkzeugen formatiert und dann unveränderlich für den Druck aufbereitet und an Druckereien übergeben. Der Mensch diktiert sozusagen der Maschine, was sie tun muss. Die Druckerei lebt vom Bereithalten von Produktionsmitteln und -kapazitäten — mit dem Vorsatz bzw. der Verpflichtung, Bedürfnisse der Kunden bestmöglich zu erfüllen. Damit sind Drucker wie ihre Lieferant glücklich. Aber: Tatsächlich haben beide Fraktionen im Drucksektor die Kontrolle über den Markt längst abgeben. Und wer kennt schon durch Innovationen hervorgerufene Bedürfnisse, die sich erst noch entwickeln können, wenn das neue auch bekannt ist? Wie gesagt, die Kunden der Druckerei waren kaum auf der #drupa2016 zugegen und können sich auch nicht über klassische Fachmedien oder durch bloggende Marktforscher  informieren, weil die sich in Details verlieren…


 Zwischenruf: Anders agieren!

Kai Büntemeyer„Den schlimmsten Fehler, den man machen kann, ist auf der drupa einfach eine Maschine zu kaufen, ohne vor- und nachgelagerte Prozesse zu bedenken!“ — Kai Büntemeyer, Vorsitzender VDMA Druck- und Papiertechnik sowie Geschäftsführender Gesellschafter von Kolbus GmbH & Co KG auf der pre-drupa-Pressekonferenz des VDMA am 4. April 2016.


Der einzig mögliche Innovationsansatz ist daher, den starren Prozess aufzulösen, indem Daten von verschiedener Seite stationär und mobil bearbeitet werden, also von Analog zu Digital und umgekehrt als iterativer Prozess nahtlos automatisiert transformiert, inhaltlich angereichert sowie individuell und „on-demand“ per Digitaldruck ausgegeben werden können. Workflow-technisch gesehen, wird ein Pipeline-Prozess in ein vernetztes, interaktives, individuell auszugestaltendes  Plattform-Konzept überführt, das neue Formen der Konnektivität bietet.

Ganz nah an Big Data: Print 4.0 braucht Communication 4.0

Auf der drupa 2016 konnte man darüber mit Pionieren und Unternehmern wie Didier Gombert, einer der Gründer und Vorstandsvorsitzender des Technologie-Entwicklers Objectif Lune (OL), bestens und auf hohem Niveau diskutieren. Gombert hatte vor einiger Zeit schon den technischen Umbau aller seiner Software-Lösungen vorgenommen. HTML, CSS und JavaScript bilden nunmehr den Ausgangspunkt. Der Fokus liegt auf digitalem Business Communication Management (kurz: ccm). Print kann sich dort stets nahtlos „andocken“ und wird Teil digitaler Kommunikations- und Geschäftsprozesse.

„In der Auseinandersetzung mit der Digitalisierung hat sich die Printmedienbranche lange auf die Steigerung der Herstellungseffizienz fokussiert. Entsprechend folgt jede Art Printmedienherstellung stets digitalen Prozessen. Das ist gut so. Aber: Die Effektivität von Print als vernetzbarem Medium im Digitalzeitalter kam zu kurz und hat jetzt höchste Priorität“, stellt Gombert fest. Der visionäre Unternehmer gilt seit über 20 Jahren als Vorreiter einer neuen „digitalen“ Philosophie, die Printmedien zeitgemäß im Kommunikationsmix einbindet. Grundlage bildet für Gombert das „Connect“-Prinzip. Aus einem „digitalen“ Baukasten verschiedenster Lösungen entwickelte sich ein skalierbares Lösungsszenario, das Einsteigern wie Profis hilft, Print in der Geschäfts-/Kundenkommunikation optimal einzusetzen und stets mit digitalen Kommunikationsprozessen einfach und kostengünstig zu vernetzen. Themenhighlights zur drupa 2016 sind für Gombert sozusagen „beyond technology“ neue Kommunikationsaufgaben wie „Customer Experience“ und „Customer Journey“. Darunter wird verstanden, hundertprozentig markt- und kundenorientiert Produkte und Lösungen im Dialog mit Kunden (weiter) zu entwicklen. Im Fokus: Optimale Schnittstellen zwischen Mensch-Maschine — Maschine-Maschine — Maschine-Mensch. Kein Wunder, dass Gombert auf der drupa 2016 mit allen seinen wichtigen Kunden und Partnern zusammentraf, um den Ball weiter zu spielen. Dazu gehören Konzerne wie Canon, Konica Minolta Pitney Bowes und Ricoh.

ValuePublishing Big Data Visuals.001Ganz nah an Big Data ist auch der Titel eines Reports, den Andreas Weber für das #drupa2016-Print-Special der führenden Technik&Innovations-Zeitung VDI nachrichten verfasste. — Erweiterte Fassung des Reports als Trendanalyse (in englischer Sprache).


Fazit Teil 2

Print als Medientechnologie spielt nicht mehr eine Sonderolle quasi als Analog-Relikt in einer digitalen Welt. Print ist und bleibt die tragende Säule der Geschäfts- und Kommunikationswelt und kann nahtlos in digitale Geschäfts- und Kommunikationsprozesse eingliedert werden! Um in der neuen Welt des Print bestehen zu können, erfordert es seitens der Druckereien den Neustart-Knopf zu drücken. Mit Technik-Käufen oder dem Versuch, durch Technik-Einsatz gar neue Geschäftsmodelle zu entwicklen, kommt keiner weiter. Alle sind aufgefordert, das Zusammenspiel von Brainware, Software und Hardware neu zu definieren und daraus Markt-konforme Lösungsangebote im Dialog mit Kunden zu entwickeln.


Fortsetzung folgt mit Teil 3 — Des Pudels Kern: #unleashprint („entfessele Print“)


Hinweis

Im Fokus dieses umfassenden #drupa2016 Review stehen drei wesentliche Überlegungen als Leitlinie, die sich durch meine umfassenden Vor-drupa-2016-Analysen bereits abzeichneten:

  • Was bringt die Branche und den Markt tatsächlich voran?
  • Wie ordnet sich Print in der Big Data-Welt ein?
  • Welche Player/hidden Champs sind wichtig?

Da sich dieser Sachverhalt nicht trivial erschließen lässt, indem man einfach eine Vielzahl an Neuheiten und Presemeldungen auflistet, nachfolgend mein Bericht in drei Teilen, der das #drupa2016-Messegeschehen bewertet, plausibel in den Kontext stellt, Hintergründe erläutert und am Beispiel des für mich gelungensten Messeauftritts detailliert erklärt, welche Lösungsansätze Sinn machen. — Stichwort: #unleashprint!

Wer sich für alles bis ins feinste Detail informieren möchte, kann dies im ValueBlog in besonderer Form tun. Unter dem Suchwort: „Mike Hilton’s Global News“ finden sich über 600 Pressemeldungen zu allen relevanten drupa-2016-Neuheiten. — Siehe auch den Vortrag mit dem kompakten #drupa2016 Review auf dem Swiss Publishing Day 2016 in Winterthur vom 30. Juni 2016 via YouTube (Live-Video-Doku) oder via Slideshare (42 Min.-Video plus alle Charts).

Value Publishing About @drupa2016.001

ValuePublishing Storify Review 18062016.001

drupa2016 ValuePublshing Review Social Media Heroes.001

Great work. Great tweets. Great results. And a lot of fun beyond technology by LOVRA’s amazing chill-out sessions. Last but not least: Many THANKS to the Xerox Social Media team members Stefan, Bill, Jenna.

#drupa2016 Review: Print wins! If…

Dear friends of drupa!

Please read and share our unique series of #drupa2016 reports. We are proud to enable a real multimedia and multichannel experience. And we are happy to interact with a huge global audience covering 120+ countries.

Kick-off: splendid #drupa2016

Our ValuePUBLISHING TRILOGY — a quite critical, selective analysis looking back at the splendid #drupa2016 (in german language)

Topics Outline Overview:
• Part 1 – Proof of concept: Does the printing community communicates properly?
• Part 2 – Crucial: Reduce to the max — don’t get lost in details!
• Part 3 – The crux of the matter: #unleashprint 

 


Back to the future: Some fun

#drupa2050 — TX to Benny: Touch the future again and again…
#drupa2050 — Danke, Benny! Touch the future again and again…


Enjoy ValuePUBLISHING’s #Storify stories the most valuable way to catch up all major topics of #drupa2016 in a smart multimedia format. Convenient to navigate, wonderful to explore and easy to share. Our guideline: Less is more — so reduce to the max!

 

Note: We are proud of the fact that around the globe hundreds of thousands of unique viewers follow us already and interact with our content — shared via Twitter (@ValueCommAG plus @zeitenwende007), Facebook, LinkedIn, XING and Google+. — More than 70 % of our viewers are leading innovators dedicated to all kind of graphic communications applications. 

 

 

The secret of #drupa2016 in 20 sec. — Summary by Andreas Weber, Head of Value.

 

 

GENERAL OVERVIEW

drupa2016 REVIEW — ValuePublishing Storify:
All about the role of print in the communications mix

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Pre-drupa media conference March 2016

 

 

 

IN MEDIAS RES

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Ready for #unleashprint? YES WE CAN(on)

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Heideldruck back to profitable growth

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Heideldruck Press Conference Feb 2016

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
PitneyBowes reinvented mail (live at drupa may/June 2016)

drupa2016 – ValuePublishing Storify:
Objectif Lune put business communications to the next level

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Automated Digital Cutting made by Zünd Systemtechnik

 

Das Geheimnis der #drupa2016 in 23 Sekunden — Von Andreas Weber, Head of Value.

 


In addition for extended reading check out our focused trend reports via ValueBlog posts by Andreas Weber

Note: Almost all Blog posts are available in english and german.

 

ValuePublishing Storify Review 18062016.001


As well you can find a whole series of ValueDialog stories:

ValueDialog — Christian Kopocz: “Multichannel ensures relevance!”

To get access to more ValueDialog stories use our Blog search tool.

 

Value Publishing About @drupa2016.001

 

ValueCom Key Visual Valuetrendradar.001

@ 2015 by Value Communication AG, Mainz. Painting (Background): Gutenberg’s Transformation by Dr. Ying Lin-Sill.

• Von der Gutenberg-Stadt Mainz ins Land der Erfinder von Papier- und Druck-Kunst: “China”
• Die Kunst des Druckens auf Augenhöhe mit der Bildenden Kunst, v. a. der Malerei!
• Erste Stationen in Beijing

Seit Sommer 2014 fanden auf Initiative von Andreas Weber im Team mit Dr. Ying Lin-Sill in der Gutenberg-Stadt Mainz Gespräch statt mit hochrangigen Gästen aus China. Die Gäste waren ad hoc begeistert von Mainz als Zentrum der Kultur der Kommunikation. Der Geist Gutenbergs als „Man of the Millennium“ ist auch noch heute spürbar und beeindruckte.  Ähnlich wie vor einigen Jahren bereits Visionäre aus dem Silicon Valley inspiriert wurden, allen voran Prof. Jeff Jarvis (Autor von „Gutenberg — The Geek“), der Mainz besuchte.  Die Gäste aus China regten an, eine Ausstellung zur Kultur der Print-Kommunikation zu konzipieren. Man suche den Schulterschluss von China zu Mainz, so u. a. Prof. Yu Hiu, Deputy Director The National Palace Museum, Beijing.  — Die Ausstellung wird in Mainz konzipiert und dann in Beijing und Shanghai gezeigt werden, mit dem Arbeitstitel „SURPRISE: The Art of Print“.

The Art of Print Bilder 1

Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass zwar vor rund 2.500 Jahren das Papier in China erfunden sowie später, vor rund 1.000 Jahren, das Drucken mit Steinplatten und auch mit Holzlettern in China kultiviert wurde, — in der Neuzeit jedoch Print-Innovationen ausserhalb Chinas stattfinden und von der Kunstszene in China entsprechend nicht mehr genutzt werden. Im Fokus des Projekts stehen die Resultate der Wissenschaftlichen Arbeit von Prof. Wilhelm Weber (ehemals Direktor des Mainzer Landesmuseum), seine Publikationen (v. a. „Saxa Loquuntur“ sowie „Aloys Senefelder“) inklusive seiner exklusiven Sammlung an Original-Grafiken mit Schwerpunkt Lithographien (Steindrucke). Sie definieren die Messlatte, an der sich neue Kunstformen mit Print messen lassen. Darüber hinaus sollen über das Value Print Lab von Andreas Weber, das bis dato innovative Print- und Kommunikations-Lösungen für Kunst+Künstler prototypisch entwickelt, ganz neue Applikationen mit innovativen Partnern umgesetzt werden, die dann in China ausgestellt werden können.

The Art of Print Bilder 2

Roadmap
Der erste Ausstellungsort in China soll Beijing sein. Derzeit wird mit renommierten Kunst-Institutionen gesprochen: Central Academy Museum, National Art Gallery, Qinghua University Academy.

Erste internationale Presseresonanz:
Output Magazine did a nice report on the project.
Mike Hilton in Graphic Repro Online as well.
Please read and share as well!

 

Wilhelm Weber Zitat 1971.001

© 2014 by Andreas Weber, Mainz (Photos/Collagen)

 

Heute, am 20. Juni 2014, begehen wir den 96. Geburtstag von Prof. Wilhelm Weber. Er wurde in Limbach/Saar geboren. Er verstarb am 30. Dezember 1999 in Mainz. Wir bewahren sein Andenken und sind stolz auf seine Verdienste und auf sein nachhaltiges Kunstschaffen.

Der Maler, Publizist, Kunsthistoriker, Kunstwissenschaftler und Museumsdirektor Wilhelm Weber prägte die Kunstszene nach dem Krieg bis zur Jahrtausendwende. Sein Engagement galt der Kunst und den Künstlern. Er schuf zahlreiche Selbstbildnisse und wurde von vielen bedeutenden zeitgenössischen Künstlern porträtiert. — Besonderer Dank gilt Prof. Thomas Duttenhoefer, Darmstadt, und (dem leider zu früh verstorbenen) Prof. Guido Ludes, Mainz, Edgar Blum sowie Prof. Eberhard Schlotter, Altea.

Leben und Wirken von Prof. Wilhelm Weber wird in Wikipedia wie folgt beschrieben:

 

Vita

Wilhelm Weber war ein Ururenkel der Limbacher Müller-Familie Weber-Cron, aus der später der Gründer der Homburger Karlsberg Brauerei, Christian Weber, hervorging. Weber verbrachte Kindheit und Jugend in derLimbacher Mühle, die seinerzeit noch in vollem Wirtschaftsbetrieb stand. 1937 legte er sein Abitur ab und erhielt anschließend ein Stipendium der Studienhilfe des Deutschen Volkes. Allerdings konnte er kein Studium beginnen, da er zum Militärdienst eingezogen wurde, wo er von 1939 bis 1943 im Kriegsdienst stand. Nach einer schweren Erkrankung (Tropenkrankheit) wurde er vom Militärdienst befreit und nahm in Dresden ein Studium an der Akademie für Bildende Künste auf. Dort überlebte er auch am 13. Februar 1945 die Bombardierung der Stadt.

Nach Kriegsende nahm Weber sein Studium der Kunstwissenschaft wieder auf, ab 1947 in Paris (Académie des Beaux-Arts) und ab 1949 in Rom. Er kehrte 1950 aus dem Ausland zurück und setzte sein Studium in den Fächern KunstgeschichteKlassische Archäologie und Philosophie an der Universität Heidelberg fort. 1953 wechselte Weber zur Universität des Saarlandes in Saarbrücken. 1960 wurde er zum Kustos an der Pfalzgaleriein Kaiserslautern bestellt, danach 1965 zu deren Direktor. 1978 übernahm er die Leitung des Mittelrheinischen Landesmuseums in Mainz, die er bis zu seiner Pensionierung 1983 innehatte.

Neben seiner hauptamtlichen Direktorentätigkeit wurde Weber 1978 zum Honorarprofessor an der Universität Kaiserslautern ernannt und erhielt in dieser Eigenschaft einen Lehrauftrag für Kunstgeschichte. Einen Lehrauftrag für Museumskunde erhielt er einige Zeit später von der Universität Mainz. Weber machte sich in zahlreichen Fällen als Gutachter in Fragen der Echtheitsüberprüfung von Kunstwerken einen Namen. Weiterhin war er als freier Mitarbeiter für zahlreiche regionale und überregionale Zeitungen und Fachzeitschriften tätig, unter anderem für Die Zeit und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Wilhelm Weber war mit Ursula Weber (geborene Karius) verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Eva-Maria, Andreas und Christine. Wilhelm Weber lebte nach dem Krieg eine kurze Zeit in Limbach, dann mit der Familie in Homburg und später in Kaiserslautern und Mainz. Er wurde auf dem Mainzer Hauptfriedhof bestattet; eine Steinplatte am Weberschen Familiengrab in Limbach erinnert an ihn.

Wissenschaftliche und Museumstätigkeit

Weber schuf sich im Laufe der Jahre ein umfassendes Netzwerk an Kontakten und Verbindungen im nationalen und internationalen Kunstbetrieb. Als Direktor der Pfalzgalerie in Kaiserslautern erweiterte er deren Eigenbestände um einen beachtlichen Fundus an Meisterwerken der deutschen und französischen Klassischen Moderne und machte das Museum auch außerhalb der Region mit hochrangigen Ausstellungen bekannt. Mit zahlreichen Künstlern, unter anderem mit Otto Dix und Hans Purrmann, verband Weber eine persönliche Freundschaft. Enge Verbindungen pflegte er auch mit dem Sammler-Ehepaar Peter und Irene Ludwig wie auch mit dem Picasso-Vertrauten Daniel-Henry Kahnweiler.

Nach seinem Wechsel zum Landesmuseum Mainz erweiterte er dessen Angebot in erheblichem Maß. Er richtete neue Abteilungen ein und baute sie zu angesehenen Präsentationsstätten aus: Abteilung für Römische Kunst, Abteilung für Judica, Abteilung für Mittelalter und Neuzeit. Durch den Neuerwerb bedeutender Gemälde, unter anderem von Chagall und Picasso, festigte er den Ruf des Museums. Webers besonderes Augenmerk galt Leben und Werk des saarpfälischen Künstlers Albert Weisgerber (1878 – 1915) aus St. Ingbert. Er vermittelte Ankäufe wichtiger Weisgerber-Gemälde für das Museum St. Ingbert und trug wesentlich zur Positionierung des Künstlers in der Kunstgeschichte bei durch die Publizierung zahlreicher wissenschaftlicher Schriften.

Einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit legte Weber auf das Genre der Lithografie. Auf dieses Thema aufmerksam wurde er im Rahmen seiner Beschäftigung mit dem Hambacher Fest und dessen Protagonisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer, der etliche Jahre “Landcommissär” (Vorgänger der Amtsbezeichnung Landrat) in Homburg (Saarpfalz-Kreis) war. Siebenpfeiffer war später einer der führenden Freiheitskämpfer und zeitweise Herausgeber der freiheilich-liberalen Zeitungen Der Westbote und Rheinbayern. Weber gab eine inzwischen zum Standardwerk avancierte Geschichte der Lithografie heraus, die auch ins Englische und Französische übersetzt wurde.

Ehrenamtliche Tätigkeit

In den 1950er Jahren widmete sich Wilhelm Weber der Kulturförderung, insbesondere der regionalen Geschichtsforschung in der saarpfälzischen Kreisstadt Homburg. Er war bis 1960 Leiter des dortigen Verkehrsvereins, Leiter des örtlichen Museums und auch Vorsitzender des Historischen Vereins. In dieser Zeit machte sich Weber mit der Kuratierung von Ausstellungen bekannter Künstler, unter anderem einer frühen Slevogt-Ausstellung, in der Fachwelt einen Namen. In besonderer Weise widmete er sich der Erforschung desSchlosses Karlsberg, das Herzog Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken auf dem Buchenberg (heute Karlsberg) bei Homburg in den Jahren 1778 – 1788 errichten ließ. Das Schloss war das seinerzeit größte höfische Palais in Europa. Weber stieß bei seinen Ausgrabungen auf Fundamente, die die riesige Dimension des Schlosses belegten.[1] Für sein Engagement wurde ihm 1993 die Homburger Bürgermedaille (höchste Auszeichnung der Stadt Homburg) verliehen.[2]

Ein weiterer Schwerpunkt seiner ehrenamtlichen Tätigkeit war die Erforschung des Limbachers Theobald Hock, dessen Wirken nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Vermittler zwischen Protestanten im Vorfeld des Dreißigjährigen Krieges Weber dokumentierte. Weber war von 1983 bis 1999 der 1. Vorsitzende der Pfälzischen Sezession[3] und Vorsitzender der Vereinigung Pfälzer Kunstfreunde.

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© 2014 by Andreas Weber/Mainz | Drawing by Wilhelm Weber

Künstlerische Tätigkeit

Wilhelm Weber war ein begabter Zeichner und Maler. Bereits zu seinen Schülerzeiten fertigte er Portraits seiner Mitschüler an und skizzierte auf dem Schulweg in der Eisenbahn Arbeiter, die von der Nachtschicht nach Hause fuhren.[4] Neben Portraits waren seine bevorzugten Sujets historische und künstlerisch gestaltete Bauten. In späteren Jahren fertigte Weber auch Kopien von bekannten Gemälden hochrangiger Maler an.

Werke (Auswahl)

  • Albert Weisgerber. Zeichnungen. Hrsg. vom Saarländischen Heimat- und Kulturbund zum 80. Geburtstag des Malers, Verlag Die Mitte, Saarbrücken 1958, DNB 455434212. (Schriftenreihe des Saarländischen Heimat- und Kulturbundes; 2).
  • Saxa loquuntur – Steine reden. Geschichte der Lithographie. Verlag Heinz Moos, Heidelberg 1961, DNB 455397376.
  • Rabanus Maurus in seiner Zeit. 780 – 1980. Ausstellungskatalog, Hrsg.: Mittelrheinisches Landesmuseum Mainz, Gesamtredaktion: Wilhelm Weber, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1980, ISBN 3-8053-0478-1.
  • Vom Jüdischen Museum bis zur Judaica-Sammlung im Mittelrheinischen Landesmuseum Mainz. In: Monumenta Judaica. Mainz 1983, S. 3–25.
  • Schloss Karlsberg – Legende und Wirklichkeit. Die Wittelsbacher Schloßbauten im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken. Ermer, Homburg-Saarpfalz 1987, ISBN 3-924653-02-X.

Literatur

  • Gabi Weber: Von trostlosem Grau zu buntem Licht. Das künstlerische Gesamtwerk Wilhelm Webers. In: Pfälzischer Merkur. 20. Juni 2001
  • Ursula Giessler: Wilhelm Weber, ein rastloser Kunst-Mann. In: Saarbrücker Zeitung. 4. Januar 2000
  • Sigrid Feeser: Museumsmann als Gesamtkunstwerk. Zum 80. Beburtstag von Wilhelm Weber. In: Saarbrücker Zeitung. 19. Juni 1998

Weblinks

Einzelnachweise

  1. siehe Werke: Schloss Karlsberg – Legende und Wirklichkeit
  2. Wilhelm Weber wird geehrt. In: Saarbrücker Zeitung. 20. Oktober 1993, abgerufen am 19. August 2011.
  3. Homepage der Pfälzischen Sezession
  4. Gerd Imbsweiler: Ein Kunstexperte mit Heimatverbundenheit. In: Saarbrücker Zeitung. (Ausgabe Homburg), 6./7. August 2011, S. C5, abgerufen am 10. Juni 2012.

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Auswahl von Werken von und mit Prof. Wilhelm Weber

 

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© 2014 by Andreas Weber/Mainz | Drawing by Wilhelm Weber

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© 2014 by Andreas Weber/Mainz | Drawing by Wilhelm Weber

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© 2014 by Andreas Weber/Mainz | Drawing by Wilhelm Weber

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© 2014 by Andreas Weber/Mainz | Drawing by Prof. Eberhard Schlotter

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© 2014 by Andreas Weber/Mainz | Drawing by Prof. Eberhard Schlotter

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© 2014 by Andreas Weber/Mainz

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© 2014 by Andreas Weber/Mainz | Painting by Prof. Guido Ludes

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© 2014 by Andreas Weber/Mainz | Sculpture by Prof. Thomas Duttenhoefer

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© 2014 by Andreas Weber/Mainz | Photo by Ursula C. Weber

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© 2014 by Andreas Weber/Mainz | Gravure by Edgar Blum

Guido Ludes 2009

Denk- und Dank-Schrift für den unvergesslichen Guido Ludes
Von Andreas Weber

 

»Künstlerisches Schaffen zehrt von der

gesamten menschlichen Substanz. Wer

nicht alles, was er ist und hat, in die

Waagschale wirft, gewinnt nie den Preis

des Schöpfertums.«

Das sind starke Worte. Sie stammen aus einer Zeit, als man sich eigentlich nicht ohne weiteres und freimütig über die Kunst und das Wesen der Kunst äußern durfte. Wilhelm Waetzoldt (1880–1945), einer der großartigsten Kunstkenner und Museumsdirektoren überhaupt, publizierte diese und andere lesenswerte Sätze in »Du und die Kunst. – Eine Einführung in die Kunstbetrachtung und Kunstgeschichte«, erschienen 1938 Im Deutschen Verlag Berlin.

Es kann kein Zufall sein, dass mir als dem Verfasser dieser kurzen Dank-Schrift das Waetzoldt-Buch (nach langer Zeit) zum 60. Geburtstag von Guido Ludes am 12. Mai 2009 und zur Vorbereitung seiner Werkschau im Mainzer Rathaus wieder in die Hände fiel. Es gehörte meinem Großvater, Hans Karius, der es wohl direkt nach Erscheinen kaufte. Hans Karius stammte von der Saar, als Spross einer Hugenotten-Familie. Und hier schließt sich der Kreis: Guido Ludes, der Saar-Pfälzer, ist ebenfalls hugenottischer Abstammung.

In der Champagne gibt es den Ort ›Ludes‹. Seine Vorfahren flüchteten im Rahmen der Vertreibung im 16. oder 17. Jahrhundert als calvinistisch geprägte Protestanten aus dem katholischen Frankreich. So wurden Lebensstile und Geisteshaltungen transferiert, das Rationale mit dem Emotionalen durchwoben, um zu neuer Lebensfreude an neuem Ort zu gelangen.

Dieses Erbe oder besser gesagt diese genetische Programmierung manifestieren sich unter anderem in der ›Kunst zu Leben‹, dem ›Savoire Vivre‹, und dem Anspruch, mit der Kunst zu leben. Guido Ludes ist ein Paradebeispiel dafür, wie man die ungebrochene schöpferische Kraft des Malers und Zeichners kombiniert mit der Freude am Leben, der Verantwortung als Familienvater, dem Verhaftet sein in der Realität und dem Bestreben, die Realität zu gestalten bzw. ihr Gestalt zu verleihen. Diese Gabe reiht ihn ein in den Kreis der ganz großen künstlerischen Talente, die wie Guido Ludes nicht vom Elfenbeinturm aus agieren, sondern mitten im Leben stehen und durch Kenntnis von Tradition und Kultur in der Lage sind, stets innovativ zu sein. Das Streben nach Neuem zeugt von einer starken Motivation.

Dazu gehört der Wille, sich allem zu stellen, was das Menschsein ausmacht. Dazu gehört die Ambition und das Talent, lustvoll kommunizieren zu wollen und dies auch zu können. Vor einigen Monaten – im Frühjahr 2009 – durfte ich mit Guido Ludes an die Saar reisen. Im Grenzgebiet von Saar, Pfalz und Luxemburg erkundeten wir unsere Wurzeln (meine Familie stammt wie gesagt ebenfalls von dort). Es war ein Erlebnis der besonderen Art, das bei uns gemeinsam Erinnerungen oder besser: Gefühle weckte, hervorgerufen durch Begegnungen, Landschaften und Städtebilder, deren wir uns in ihrer Schönheit aus der Kindheit und Jugend erinnern.

Von der ›Sinnlichen Existenz der absoluten Idee‹

Ein in seinen Wurzeln aus der Pfalz stammender und dann in Frankreich zu Ruhm und Erfolg gekommener gab posthum den Startschuss zur nachhaltigen Künstler-Reputation von Guido Ludes. Die Rede ist von Daniel Henry Kahnweiler, dem Freund, Mentor und lebenslangen Galerist von Picasso. Kahnweiler besuchte einige Jahre vor seinem Tod die Heimat seiner Väter und wurde Namensgeber des Daniel-Henry-Kahnweiler-Preises, den Guido Ludes im Jahr 1984 erhielt.

»Es ist die ›Gefühl‹ genannte Funktion des Seelenlebens, die künstlerische Werke entstehen lässt«, so Wilhelm Waetzoldt im eingangs zitierten Werk, der weiter schreibt: »Wenn man den Begriff ›Gefühl‹ gebraucht, muss man ihn immer wieder verteidigen gegen den Verdacht, daß er etwas dem harten Leben Abgewandtes bezeichne. Der Gegensatz: Gefühlsmensch und Tatmensch besteht im Reich der Kunst nicht. Der Künstler ist Gefühlsmensch und Tatmensch zugleich, richtiger gesagt: er ist Tatmensch, weil er in überragendem Maße Gefühlsmensch ist. Dabei gilt für ihn die Lebenserfahrung: Sentimentalität verhält sich zu Gefühl wie Brutalität zu Kraft; auf dem sentimentalitäthaltigen Boden gedeiht kein künstlerisches Hochgewächs, es bringt nur Kunstgemüse empor.« Soweit Waetzoldt. Kunst und Künstler folgen mit ihrem Gefühl dem Ideal der Schönheit, die als Begriff mannigfaltig gedeutet werden kann: als ›Sinnlich erkannte Vollkommenheit‹ (Baumgarten), als ›Was ohne Interesse oder ohne Begriff allgemein gefällt‹ (Kant), als ›Darstellung des Unendlichen im Endlichen‹ (Schelling), als ›Freiheit in der Erscheinung‹ (Schiller) oder in der ›Sinnlichen Existenz der absoluten Idee‹, wie es Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770–1831) formulierte.

Gerade der Philosoph Hegel hat im Rahmen seiner Vorlesungen zur Kunst Gedanken geäußert, die es lohnen, im Kontext mit den für die Ausstellung ausgewählten Gemälde und Zeichnungen von Guido Ludes in Mainz herangezogen zu werden. Hegels Philosophie erhebt den Anspruch, die gesamte Wirklichkeit in der Vielfalt ihrer Erscheinungsformen einschließlich ihrer geschichtlichen Entwicklung zusammenhängend, systematisch und definitiv zu deuten. In ihrer Wirkung auf unsere Geistesgeschichte ist sie mit dem Werk von Platon, Aristoteles und Kant vergleichbar. Sein philosophisches Werk ›Phänomenologie des Geistes‹ aus dem Jahre 1807 zählt zu den wirkmächtigsten Werken der Philosophie-Geschichte überhaupt, wie die Forschung betont.

Der spezifische Gegenstand der Kunst ist laut Hegel die Schönheit. Das Schöne sei »das sinnliche Scheinen der Idee«. Die Kunst habe insofern ebenso wie Religion und Philosophie einen Bezug zur Wahrheit – der Idee. Schönheit und Wahrheit sind im Hegel’schen Sinne »einerseits dasselbe«, da das Schöne »wahr an sich selbst« sein muss. Im Schönen soll sich die Idee »äußerlich realisieren« und »natürliche und geistige Objektivität gewinnen«.

Wahrhaftigkeit anstelle Täuschung

Die aufklärerische Auffassung, dass die Ästhetik primär die Natur nachzuahmen habe, lehnte Hegel ab: »Die Wahrheit der Kunst darf also keine bloße Richtigkeit sein, worauf sich die sogenannte Nachahmung der Natur beschränkt, sondern das Äußere muß mit einem Inneren zusammenstimmen, das in sich selbst zusammenstimmt und eben dadurch sich als sich selbst im Äußeren offenbaren kann«. Aufgabe der Kunst sei es vielmehr, das Wesen der Wirklichkeit zur Erscheinung zu bringen. Im Unterschied zur Auffassung Platons sei die Kunst keine bloße Täuschung. Gegenüber der empirischen Wirklichkeit hat sie vielmehr »die höhere Realität und das wahrhaftigere Dasein«. Indem sie ihr »den Schein und die Täuschung« nimmt, enthüllt sie den »wahrhaften Gehalt der Erscheinungen« und gibt ihnen so »eine höhere, geistgeborene Wirklichkeit«.

In gewissem Sinn sind Hegel und Guido Ludes geistesverwandt. Sie sind Kopfmenschen, die über den Tellerrand blicken und stets ein vollständiges Weltbild und Erklärungsmodelle liefern. Die Person Guido Ludes definiert sich nicht ›nur‹ als Künstler, sondern als Gelehrter und Lehrender zugleich. Der Guido Ludes eigene holistische Bildungsanspruch birgt als Nebeneffekt Kenntnisse aus vielen Bereichen: Architektur, Topografie, Geographie, Botanik, Musik (seiner Leidenschaft), Geschichte, Literatur, Bildhauerei, Grafik/ Design u.v.a.m. Als ›Meister der Inspiration‹ – wie anlässlich der Ingelheimer Ausstellung im Jahr 2006 dargelegt – ließ er sich gerne durch die Begegnung mit Fremdem und Neuem auf kulturelle Abenteuer ein.

Seine Reisen in alle Welt waren stets gut vorbereitet – aber nicht dergestalt, dass er mit vorbestimmter Meinung oder gar Vorurteilen unterwegs war. Sehr oft entzog er sich dem Reiz des vorschnellen Urteilens, indem er Bildwerke im Atelier entstehen ließ, manchmal Jahre, zumeist Wochen und Monate nachdem er vor Ort war. Das setzte ein perfektes Bildgedächtnis voraus sowie den Einsatz von Skizzen als Gedächtnisstützen.

Betrachtet man das Titelmotiv der Guido Ludes Werkschau im Nachgang zum 60. Geburtstag im Mainzer Rathaus, das Bild ›Im Negev‹ von 1997, so wird deutlich, was gemeint ist. Mit der Frische der von den Impressionisten kultivierten ›Pleine-Air‹-Freilichtmalerei, aber gekoppelt mit der kognitiven Distanz der Ateliersituation, präsentiert sich die Wüstenlandschaftsdarstellung. Wer sich mit dem Bild einlässt, wird sozusagen an den Originalschauplatz transferiert.

Die visuelle Kraft ist so stark, dass man sogar die Stille spürt, die diese Wüstenlandschaft ausstrahlt. Wer jemals dort war, im Negev, weiss, dass keinerlei Geräusche zu vernehmen sind. Und trotzdem ist diese einzigartige Landschaft nicht tot, sondern voller Leben, das eben nur anders gestaltet ist, als wir es gewohnt sind. Zugleich werden die Grenzen von Raum und Zeit aufgehoben. Die Negev-Bilder sind – wie fast alle Landschaften, die Guido Ludes malte, zeitlos. Sie überwinden Grenzen. Endlichkeit ist nur durch das Ende der physikalischen Existenz denkbar.

Ausdrücklich müssen bei den Wüstenbildern Beziehungen hergestellt werden zu einem Poesie-Werk ganz eigener Prägung: Otl Aichers Buch ›Gehen durch die Wüste‹, 1982 erschienen, wurde von Guido Ludes verinnerlicht und in seiner Gedankenwelt bildlich projiziert. »Die Wüste kennt nur das System, in dem man selbst der Mittelpunkt ist«, lautet eine der zentralen Äußerungen Aichers. Seine Wüstenwanderungen nutzte er, um über Politik, Gesellschaft, Technologie und vieles mehr zu sinnieren: »In der Wüste ist man allein, die Gedanken kommen zurück, sie beschäftigen sich mit einem selbst und Selbstbeschäftigung ist Moral.« Die Gedanken und Beobachtungen Aichers waren für Guido Ludes immer sehr wichtig, wie er sagte. Und er fügte hinzu: »Im Negev bin ich mindestens vier Mal gewesen und habe dort fleißig gearbeitet… In den Umgebungen von Beerscheba und besonders Mizpe Ramon und der Fieldschool Sde Boker. Besonders das Timnatal nördlich von Eilat und die Stein-Wüste Zin im Negev haben es mir sehr angetan.«

Das Prinzip der Sinnlichkeit 

Mit diesem Impetus und den daraus entstandenen Bildwerken rührte Guido Ludes an Elementares an, das Hegel in seinen Bemerkungen über das Wesen der Malerei schilderte. Hegel trennt in ›Das System der Künste‹ die Kunst in fünf Gattungen: Architektur, Plastik, Malerei, Musik und Poesie. Sie unterscheiden sich nach dem Maß der Verfeinerung der Sinnlichkeit und ihrer Befreiung von ihrem zugrunde liegenden Material.

Ich zitiere aus Georg Wilhelm Friedrich Hegel’s Werke, Vollständige Ausgabe, 10. Band, Dritte Abteilung, aufgelegt in Berlin 1838 im Verlag von Duncker und Humblot. [Hinweis: Diese Ausgabe beinhaltet wie die neuere Forschung betont Originaltexte von Hegel wie auch Mitschriften seiner Studenten.] In Kapitel 1, Das System der einzelnen Künste, werden die einzelnen Kunstgattungen von einander abgegrenzt und jeweils ihre spezifischen Vorteile herausgestellt:

»Der Gott der Skulptur bleibt der Anschauung als bloßes Objekt gegenüber, in der Malerei dagegen erscheint das Göttliche an sich selber als geistiges lebendiges Subjekt, das in die Gemeinde herübertritt und jedem Einzelnen die Möglichkeit gibt, sich mit ihm in geistige Gemeinschaft und Vermittlung zu setzen. Das Substantielle ist dadurch nicht, wie in der Skulptur, ein in sich beharrendes, erstarrtes Individuum, sondern in die Gemeinde selbst herübergetragen und besondert.

Dasselbe Princip unterscheidet nun auch ebenso sehr das Subjekt von seiner eigenen Leiblichkeit und äußeren Umgebung überhaupt, als es auch das Innere mit derselben in Vermittelung bringt. In den Kreis dieser subjektiven Besonderung als Verselbstständigung des Menschen gegen Gott, Natur, innere und äußere Existenz anderer Individuen, so wie umgekehrt als innigste Beziehung und festes Verhältniß Gottes zur Gemeinde, und des partikularen Menschen zu Gott, Naturumgebung und den unendlich vielfachen Bedürfnissen, Zwecken, Leidenschaften, Handlungen und Tätigkeiten des menschlichen Daseyns, fällt die ganze Bewegung und Lebendigkeit, welche die Skulptur, sowohl ihrem Inhalt als auch ihren Ausdrucksmitteln nach, vermissen läßt, und führt eine unermeßliche Fülle des Stoffs und breite Mannigfaltigkeit der Darstellungsweise, die bisher gefehlt hatte, neu in die Kunst herein.

So ist das Princip der Subjektivität auf der einen Seite der Grund der Besonderung, auf der anderen aber ebenso das Vermittelnde und Zusammenfassende, so daß die Malerei nun auch das in ein und demselben Kunstwerke vereinigt, was bis jetzt zweien verschiedenen Künsten zufiel; die äußere Umgebung, welche die Architektur künstlerisch behandelte, und die an sich selbst geistige Gestalt, die von der Skulptur erarbeitet wurde. Die Malerei stellt ihre Figuren in eine von ihr selbst in dem gleichen Sinn erfundene äußere Natur oder architektonische Umgebung hinein, und weiß dieß Äußerliche durch Gemüth und Seele der Auffassung ebensosehr zu einer zugleich subjektiven Abspiegelung zu machen, als sie es mit dem Geist der sich darin bewegenden Gestalten in Verhältniß und Einklang zu setzen versteht. — Dies wäre das Princip für das Neue, was die Malerei zu der bisherigen Darstellungsweise der Kunst herzubringt.«

Hegel differenziert des weiteren in seiner Kunstformenlehre drei verschiedene Weisen, in denen in der Kunst die Idee zur Darstellung kommt: die symbolische, klassische und romantische ›Kunstform‹. Diese entsprechen den drei Grundepochen der orientalischen, der griechisch-römischen und der christlichen Kunst.

Die Kunstformen unterscheiden sich dabei in der Weise der Darstellung der »verschiedenen Verhältnisse von Inhalt und Gestalt«. Hegel ging davon aus, dass sie sich mit einer inneren Notwendigkeit entwickelt haben und sich ihnen jeweils spezifische Charakteristika zuordnen lassen.

Die symbolische Kunst stelle das Absolute noch nicht als konkrete Gestalt dar, sondern nur als vage Abstraktion. Sie ist daher laut Hegel »mehr ein bloßes Suchen der Verbildlichung als ein Vermögen wahrhafter Darstellung. Die Idee hat die Form noch in sich selber nicht gefunden und bleibt somit nur das Ringen und Streben danach«.

In der klassischen Kunstform komme die Idee zu »ihrem Begriff nach zugehöriger Gestalt«. In ihr drücke sich die Idee nicht in etwas Fremdem aus, sondern sei vielmehr »das sich selbst Bedeutende und damit auch sich selber Deutende«.

In der romantischen Kunstform fallen laut Hegel Inhalt und Gestalt, die in der klassischen Kunst zu einer Einheit gelangt waren, wieder auseinander – allerdings auf einer höheren Ebene. Die romantische Kunstform betreibe »das Hinausgehen der Kunst über sich selbst«, jedoch paradoxerweise »innerhalb ihres eigenen Gebiets in Fom der Kunst selber«.

Das Interkulturelle wird zur Kunstform

Vor allem durch die Mainzer Ausstellung von 2009 lässt sich feststellen, dass Guido Ludes diese Trennung in symbolische, klassische und romantische Kunstform für sich zu überwinden weiss und in der Lage ist, eine neue Kunstform hinzuzufügen: die interkulturelle Kunstform. Zahllose Studienreisen führten ihn auf alle Kontinente, um persönliches Erleben zu koppeln mit den nachhaltigen Effekten freundschaftlicher Netzwerk-Verbindungen, die so dauerhaft entstehen können. Wen Guido Ludes besuchen durfte, der war auch gerne bei ihm in Mainz willkommen. Gastfreundschaft und Fürsorge erhebte er zur Tugend.

Guido Ludes agierte selbst in Systemen, setzte sich programmatisch Themen, die er undogmatisch in Serien abarbeitet. Er nutzte ›Multimediale Kommunikation‹, um die Ideen und Botschaften seiner schöpferischen Arbeit neue Wirkungskreise zu erschließen. Über 80 gedruckte Publikationen entstanden im Laufe der Jahre. Viele davon sind gekoppelt mit CD- und DVD-Animationen. Seit langem betrieb er eine Website, die über sein Werk sowie einzelne Projekte – wie ›Egotransform‹ – Auskunft erteilte.

Und dennoch hielt er an der Kunst der Malerei fest, die die Zeichnung als integralen Bestandteil künstlerischen Schaffens wertet. Inhalt und Gestalt folgen aber keiner festen Kunstform-Vorgabe. Dies erklärt auch, dass Guido Ludes sich in seiner Arbeit stilistisch nicht festlegen oder einer Kunstrichtung zuordnen lassen kann. Dem Bildmotiv, dem jeweiligen Sujet, ordnet sich in seiner Kunst die Ausprägung und das Verhältnis von Gestalt und Inhalt unter. Dies gilt für seine Landschaften ebenso wie für die Städtebilder.

Seine Bilder gefallen, sind aber nie gefällig oder biedern sich an. So erscheint ein fast düsteres Venedig, in Nachtsituationen oder im Regen. Kontrastierend dagegen die Ansichten von Manhattan oder dem Potsdamer Platz in Berlin, die Lebendigkeit und Modernität demonstrieren. Ganz für sich stehen Arbeiten, die uns Marokko, Island oder Australien nahe bringen.

Geschichtsträchtige Stätten hatten es Guido Ludes angetan. Ihnen widmet er umfangreiche Serien, die gekoppelt waren mit oft langen Aufenthalten vor Ort und einer steten Wiederkehr. Seiner Wahlheimatstadt Mainz hat er neben zahlreichen Bildwerken auch Bücher gewidmet. Und in Mainz hat er ein bedeutendes Werk geschaffen, das seit dem Jahr 2007 zur Osterzeit besichtigt werden kann: Das Passionstuch für die Kirche St. Quintin, mit 14 Meter Höhe und 4,20 Meter Breite gewaltig in den Ausmaßen. Im Passionstuch, das als ›Chef-d‘oeuvre‹ bezeichnet werden kann, vereint er Können, Wissen, Glaube und Seele auf einzigartige Weise.

Auf die Verbundenheit von Guido Ludes zu Mainz ist ausdrücklich hinzuweisen. Zu ergänzen ist: Es mangelte Guido Ludes in den letzten Dekaden keinesfalls an reizvollen Möglichkeiten, in Metropolen abzuwandern, was er aber ganz bewusst nicht tat – und sich auch in der Zukunft nicht vorstellen kann.

Der Text ist eine überarbeitete Fassung der Vortragsrede von Andreas Weber zur Werkschau
»60 Jahre Guido Ludes – 
35 Jahre Mainzer Künstler. Landschaften und Städtebilder«, die am 1. September 2009 im Mainzer Rathaus eröffnet wurde.

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