Kulturstaatssekretär Walter Schumacher wird die Ausstellungseröffnung am 19. März 2016 vornehmen, um den neuesten Werkzyklus der seit Jahrzehnten in Mainz lebenden Künstlerin Fee Fleck vorzustellen. Entstanden sind 18 zum Teil großformatige Bildwerke, die sich mit einem aktuellen und hochbrisanten Thema beschäftigen: Dem Einsatz und den Auswirkungen von Kampfdrohnen. Die Ausstellung im geschichtsträchtigen Frankfurter Hof in Mainz wird kuratiert von Prof. Valy Wahl und Andreas Weber, der zum Werk von Fee Fleck sprechen wird.
Das am Eröffnungsabend zur Einsicht ausliegende Drohnen-Zyklus-Arbeitsbuch von Fee Fleck belegt, wie umfassend sich die Künstlerin seit mehr als zwei Jahren mit den Schrecken moderner Kriegsführung durch Kampfdrohnen beschäftigt, die sich militärisch rechtfertigen lassen, aber für Millionen Unschuldige unendliches Leid, Tod und Flucht aus der Heimat in den betroffenen Regionen der Welt herbeiführen. Brisant: Die Datenströme, die die Drohnen auf ihrem Vernichtungseinsatz begleiten, werden auf der US Airbase in Ramstein in der Pfalz gebündelt und gelenkt. Dies hatte aktuell seit Herbst 2015 das Staatstheater Mainz in dem Stück „Ramstein Airbase“ aufgegriffen und den Ex-Drohnen-Operator und Whistleblower Brandon Bryant zum Gespräch geladen. Dort traf er auch mit Fee Fleck zusammen und begrüßte es sehr, dass eine Malerin sich mit dem für ihn und seine Opfer traumatischen Erlebnissen auseinandersetzt.
Kontrapunkte. So lautet der Titel einer digitalen filmischen Bildanimation, die Andreas Weber auf Basis der Bildwerke aus dem Drohnen-Arbeitsbuch von Fee Fleck zur Ausstellung erstellt hat und die am 19. März 2016 uraufgeführt wird.
Fee Flecks Werkzyklus „Im Reich der Drohnen“ führt über die reine Beschreibung der aktuellen, grausamen Geschehnisse hinaus und stellt das Schreckliche in Korrelation zu dem, was laut Gründungsurkunden der Vereinigten Staaten von Amerika verbürgtes Menschenrecht ist: Das Recht auf Glückseeligkeit. Denn das würdevolle Menschsein macht das Glück, die Freude, die Liebe aus.
Bei der Eröffnung wird zudem über die vielen Schritte im für die Künstlerin mitunter qualvollen Entstehungsprozess des Bilderzyklus von Fee Fleck berichtet, der bereits medial, durch Gesprächsrunden und die Sozialen Medien großes Echo fand.
Liebe Gäste, ich empfinde große Freude, dass Sie zur Präsentation meiner neuen Bilder gekommen sind.
Dank an unsere Kulturdezernentin Marianne Grosse, Dank an die Stadt Mainz, mir Gelegenheit zu geben, einen Teil meiner eigenen Welt in Form von Bildwesen zu zeigen.
Vor Allem in diesem Mainzer Rathaus von Arne Jacobsen, das für mich so etwas wie ein Teil meiner neuen Heimat geworden ist. Dieses Rathaus erzeugt in mir heimatliche Gefühle, wie in ‚K-Town’. Also in Kaiserslautern bin ich geboren; und da ist der gewachsene rote Sandstein und sein roter Sand, der wie Zimt durch meine kleinen Kinderfinger rieselte. In Gedanken ist das Gefühl, das so weich, zart und staubig war, immer noch so schön! Das Rathaus liefert zwar das größte Kontrastprogramm, deshalb ist es genauso beeindruckend.
Vielleicht ist diese Ausstellung für mich eine Hommage an dieses Rathaus. Viele gemeinsame Projekte haben meine heimeligen Gefühle zu diesem Ort gestärkt.
Deshalb erhaltet, meine lieben Freunde, dieses bedeutende Rathaus.
Nicht nur mir zu Liebe, sondern weil dieses Gebäude, mit all seinen hervorragenden Details, einfach großartig ist.
Vielen Dank an das professionelle Team von Mario Fellhauer und besonderen Dank an Mario Fellhauer selbst für den gut organisierten Ausstellungsaufbau. Danke an Silvie [die Schwägerin von Valy] für die moralische Unterstützung und lieben Dank an Rainer [der Ehemann von Valy, Vater der gemeinsamen, längst erwachsenen Tochter Ute] für seine Geduld mit mir. Danke an Martin Paul Janda und LillyGothe [vom Kulturamt der Stadt Mainz] für die einfühlsame Betreuung der Ausstellungskonzeption, danke für das geduldige Zuhören und die Freude an „Marianne — liberté, égalité, fraternité“.
Nun zu Andreas Weber, ihm danke ich von Herzen für seine Kreativität, die er für mich aufbringt. Diese Kreativität hat er auch in mich gepflanzt, in Form von Mut, um einen Teil meiner Gefühle und Gedanken in und für meinem Gestaltungsbereich, mit Ihnen kommunizieren zu können.
Vielen Dank für Interesse. Ihre Valy, am 1. Dezember 2015.
Nachtrag: Valy sendet nach der Eröffnung im Mainzer Rathaus und der Publikation der Dokumentation noch einen Dank per E-Mail.
Lieber Andreas, liebe Gunda,
ich danke Euch Beiden ganz herzlich für Eure liebevolle Sorge um meine Bildwesen. Ich weiß ganz besonders zu schätzen, wie Ihr Eure kostbare Zeit für mich einsetzt. Für die Form der Präsentation und vor Allem für ihre mediale Aufbereitung bedanke ich mich herzlich. Sie ist wirklich gelungen und sehr heftig gut. Die Kameraführung aus Gundas Hand ist so fest und ruhig, besser kann es ein Stativ nicht. Wie kann ich diese Mühe gut machen? Ich muß mal gut überlegen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, die heutige Ausstellung, mit dem wunderbaren Titel „Valy — Kunst DurchLeben“, steht unter dem Doppel-Patronat der „Marianne“. Die eine (gemalt) ist der Revolution, Umwälzung und Vermenschlichung der Welt verpflichtet, die andere (real) dem Bewahren dieses demokratischen Erbes sowie der Entwicklung unserer Kultur in der Gutenberg-Stadt Mainz als historisch unverrückbarem Zentrum der Kultur der Kommunikation. — Es ist so gesehen kein Zufall, dass wir uns heute hier zur Eröffnung treffen.
Impressionen von der Eröffnung am 1. Dezember 2015 im Mainzer Rathaus. Fotos: GVS
Impressionen vom 01.12.2015. Fotos: GVS
Impressionen vom 01.12.2015
Impressionen vom 01.12.2015
Impressionen vom 01.12.2015
Impressionen vom 01.12.2015
Impressionen vom 01.12.2015
Neue Gemälde von Valy. Foto: GVS
Neue Gemälde von Valy. Foto: GVS
Foto-Kunst von Klaus Benz, unserem Mainzer Meisterfotografen.
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Auszüge in zwei Teilen aus der Ansprache der Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse.
Vor exakt fünfeinhalb Jahren, am 1. Juni 2010, fanden wir uns schon einmal im Mainzer Rathaus ein, um Valy und ihre Kunst zu bestaunen. Damals würdigten wir in Form einer „Retrospektive“ rund 100 Werke, die in 50 Jahren entstanden, somit ein umfangreiches „Lebenswerk“ der Künstlerin, das ein außerordentliches Kunstschaffen mit vielfältiger Ausstellungsarbeit, unzähligen Aktivitäten und Publikationen mit Bezug auf Mainz, Kontakte in nahe und ferne Länder sowie Lehre und Ausbildung, oder besser Förderung junger Talente miteinander verbunden hat. Ein Katalogbuch wurde geschaffen, das viele Details und erstmals einen Gesamtüberblick zeigt, mit besonderem Fokus auf die damals neuen Arbeiten der Jahre 2005 bis 2010. Als Erkenntnis konnten wir ableiten: „Sie entfacht mit ihrer Kunst einen stillen oder besser: lautlosen Dialog. Und sie erschließt uns Kulturräume, sie stellt Dinge in den Kontext und begibt sich auf viele ‚Spielwiesen‘ und Entdeckungsreisen. Ohne dogmatisch zu sein oder sich den Regeln eines kommerziell getriebenen Kunstbetriebs zu beugen, bezieht Valy eine klare Position, gerne auch polarisierend: Valy versteht es, aus Kunst nachhaltige Kommunikation in höchster Vollendung werden zu lassen.“
Rückbezüge und Beziehungsgeflechte zu Künstlern von Rang aus den letzten 250 Jahren ließen sich nachweisen — von Füssli bis hin zu Bernard Schultze. Ebenso wurden bis dato unbekannte Verflechtungen mit Poesie und Literatur dargelegt. Mit dem Ergebnis: Kein Vorbild ist zu übergroß, um nicht mit Valy auf Augenhöhe sein zu können.
Ich zitiere das Katalogbuch, in dem Ursula Weber schrieb: „Mit Präzision und Stringenz hat sich die Künstlerin heute, im Jahr 2010, dort positioniert, wo sie hinwollte. Valy ist seit 1969 als freischaffende Künstlerin aktiv, widmete sich seit 1970 als Assistentin, Dozentin und Professorin der künstlerischen Lehre. Doch erst nach dem Übergang in den ‚Unruhestand‘ im Jahr 2005 entfaltete sie [vollends] ihr künstlerisches Repertoire, wie wir es nunmehr vor Augen haben.
Valy — Katalogbuch von 2010
Valy — Katalogbuch von 2010
Valy — Katalogbuch von 2010
Valy — Katalogbuch von 2010
Valy — Katalogbuch von 2010
Sie konnte sich auf diese Weise unabhängig entwickeln, als Fotografin, als Zeichnerin, als Frottage-Künstlerin, als Malerin, als Gestalterin, fernab eines Kunstbetriebs, der auf Kommerz ausgerichtet ist.“ (…) „Die Erwartungshaltung der bildenden Künstler an die Betrachter und Kunstfreunde wird [von Valy], wenn nicht untergraben, so doch auf den Kopf gestellt. Valy präsentiert uns nicht ihre Welt, die wir bestaunen dürfen. Sie führt uns mit ihren bildnerischen Mitteln unsere eigene Welt vor Augen. Sie will weder objektivieren, noch verniedlichen, sie fordert uns auf, dass wir uns dem Leben in seiner grundlegenden Bedeutung stellen. Archaisch-archetypisch wählt sie ihre Bildmotive und Themen aus. Themenzyklen wie ‚Horror‘ oder ‚Der letzte Tango‘, Motive wie ‚Lüstern‘, ‚Lach nur‘, ‚Tanz des Schreckens‘, ‚Cocoon‘ tituliert sie als ‚Obsession in Schwarz’.“
Ganz wesentlich war und ist für uns, zu erfahren, was Valy selbst über ihre Kunst, ihr Schaffen sagt: „Der Mensch steht im Vordergrund. Die Befindlichkeiten der menschlichen Empfindungen, von innen oder außen geprägt, spielen eine entscheidende Rolle. Das Miteinander oder Gegeneinander bieten starke Kontraste, die dann auch entsprechend hart formuliert werden müssen. Gesellschaftliche und persönliche Erfahrungen fordern heraus, diese bildnerisch zu beschreiben. Meist treibt innere Unruhe oder Unzufriedenheit über Qualitäten die kreative Arbeit an.“
Was kann nun heute, fünfeinhalb Jahre später, nachdem der Lebensweg von Valy so trefflich beschrieben ist, an die fulminante Ausstellung von 2010 heranreichen oder sie sogar noch übertreffen?
Zunächst ein paar exklusive Einblicke zum Aufbau der Ausstellung:
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Und dann: Neben neuen, atemberaubenden Gemälden erstmals die Leitsätze zu Valy’s künstlerischem Manifest (vorgetragen von Ausstellungsbesuchern):
Ich will Neues gestalten, formen, verändern.Nur wenn ich forme, verändere ich. Ich provoziere, dass sich Materialien unvollständig ergießen, in der Flächenausdehnung gestört werden und erstarren. Das heißt, ich gehe von neu entstandenen Strukturen aus, die mir Halt geben, aber auch meine inneren Welten anregen, um darin spazieren gehen zu können.
Visuell erfahrbare Bewegungen in den Strukturen entfachen körperliche Vibrationen, die sich in figuralen Gegenständlichkeiten niederschlagen. Deshalb braucht die Malerei meine ganze Körperlichkeit. Der Körper im Bild braucht meinen gesamten Körperschwung, geleitet durch den spirituell ausgerichteten Geist meiner Gefühle und die Sehkraft meiner Augen.
Frei von äußeren Zwängen, allein mit dem Raum, der Fläche, den Strukturen und meinen Händen werden meine Bilder in Schwarz auf weißem Grund geschrieben. Schwarz-Weiß setzt scharfe Grenzen, steht im Gegensatz zu dem fließenden Rhythmus des Machens. Diese Härte der Kontraste bringt manchmal die Spannung zum Zerbersten. Diese Zerstörung hält man nicht aus, aber formal können die Ergebnisse richtiggehend „schön” sein.
Der Anfang meiner kreativen Arbeit ist spontan und intuitiv. Der Zufall bestimmt meine Formgebung. Die sich daraus entwickelnden Formen fordern mich, immer wieder wähle ich neue Wege, um letztlich Herrin der magischen Kräfte zu bleiben.
Der Augenblick des Lichts transportiert die Idee. Die permanente Konfrontation von Lieben und Leben, mit dem Sterben und dem Tod vor Augen, ist eine kaum erträgliche Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit quält im Unterbewusstsein und zwingt diese Gestalten ans Licht, zum Beispiel „Figuren in Angst und Hass“, „Verlorene Seelen“, „Körper trifft Seele“.
Der Augenblick des Lichts transportiert die Idee. — Der aktuelle Bezug erfährt beim Machen seine Realität. Der Titel des Bildes entsteht dann im Nachhinein.
Manche Bilder oder Objekte brauchen keinen Titel. Denn sie sind fähig sich selbst mit.zuteilen.
Die starke Konzentration auf den Moment festigt (mit hoher Geschwindigkeit über die malende Hand) die Struktur, um zur Form des Figurativen und ihrem bildnerischen Raum zu gelangen. Farbigkeit spielt kaum eine Rolle. Oft lenken Farben nur vom eigentlichen Geschehen ab. Ich setze sie bewusst und beinahe spärlich ein. Ich liebe Farben, sogar in kräftigen Tönen und Kontrasten, aber für meine Malereien nutze ich fast ausschließlich Schwarz-Weiß.
In meiner jetzigen kreativ-künstlerischen Arbeit bin ich von großer Ungeduld getrieben. Deshalb sind meine Arbeitsvorgänge von maximaler Geschwindigkeit geprägt. Bewegung schafft Hoffnung. Und umgekehrt. Hoffnung ist Bewegung.
Für mich war und ist die entscheidende Frage, im Rückblick auf meine jahrzehntelange Gestaltungsarbeit und Lehrtätigkeit, im Streben nach der Kunst/Existenz und Kunst/Qualität: „Was ist für mich geblieben, über welche Kräfte verfüge ich noch, vor allem: Wie viel Kraft ist mir vergönnt, um weiterhin schöpferisch zu sein?“ — 45 Jahre Power! Alles gegeben, vor allem um zu helfen, dass an der Hochschule junge Menschen selbständige Persönlichkeiten werden und dass sie selbst zu ihrer eigenen Persönlichkeit finden.
Die verbleibende Schaffenszeit trägt die Ungeduld, die sich in den Bildmotiven, der Farbigkeit und dem Neuerschaffen von Strukturen und Formen mitteilt.
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Einschub: Das Publikum macht während des Vortrags aktiv mit!
Eine weitere Premiere: Valy hat in ihrer Ausstellung im Mainzer Rathaus nicht nur neue “Bildwesen” präsentiert. Sondern durch ihr künstlerisches Manifest sowie die gedruckte und multimediale Aufbereitung ihrer Textinhalte Neuland beschritten. Bei der Eröffnungsrede konnte ich das Publikum aktiv einbeziehen. Fantastisch!
Meine Damen und Herren, sie bemerken: Valy ist eine Künstlerin, die im Dialog mit ihrem „Publikum“, mit uns Mitmenschen steht. Uns einbezieht. Uns teilhaben lässt. Und die Erkenntnisse daraus in ihr Kunstschaffen einfließen läßt. Sie hat ein perfekt ausgebildetes Talent, sich auszudrücken. Per Malerei, per Gestaltung, per Aktion ebenso wie verbal und medial. Dies geht über eine reine Performance-Attitüde weit hinaus. „Painting“ ist „Action!“, möchte man sagen. Dies wird dadurch möglich, dass Valy stets im (kritischen Dialog) mit Valy steht. Was sie gerade aus dem Publikum hörten, ist ihr „Künstlerisches Manifest“. Von ihr verfasst, auf mein Betreiben hin. Dieses Manifest definiert einen eigenen neuen Werk-Komplex. Und ist in der Ausstellung multimedial erfahrbar, ebenso wie auf den wichtigen Internetplattformen Facebook oder YouTube und in meinem Blog für Kunst und Kommunikation. Ich durfte mitwirken, was mir eine Freude und Ehre ist, uns das Manifest medial inszenieren: Per Bildschirm als interaktive Präsentation. Per Print als Leporello und per „Kunstband am Boden“.
Valy sagte mir, nach getaner Arbeit an ihrem Manifest, sie habe sich schwer getan, es zu verfassen. Sei aber froh, dass es gelungen ist. Sie erinnert sich, dass neben der Malerei, quasi wie durch einen Automatismus getrieben, seit 2010 eine Fülle von ihre Malereiarbeit begleitenden Aktivitäten entstanden sind. Sie hat im Eisenturm für den Kunstverein eine Reihe von Ausstellungen initiiert und kuratiert: Boris Jirku aus Prag (Partner und Motor bei den legendären, internationalen „Figurama-Projekten“), Zoppe Voskul aus Berlin, Gertjan Evelo aus Amsterdam setzte Valy in Szene, um an das anzuknüpfen, was den Kunstverein Eisenturm im Kern ausmacht: „Künstler bieten Künstlern eine Plattform.“ Seit Februar 2015 hat Valy ihr Engagement für den Kunstverein Eisenturm (kurz: KEM) sogar noch ausgeweitet und gehört dem Beirat und damit dem erweiterten Vorstand an. Sie hat über den Eisenturm hinaus herausragende Ausstellungsprojekte mitinitiiert und/oder unterstützt. Allen voran „Kunst zu(m) Sterben“, im Herbst 2013 gemeinsam mit mir als Co-Kurator hier im Mainzer Rathaus, und mit dem Mainzer Palliativnetzwerk als Partner für das Rahmenprogramm. Fast ein dutzend herausragender Künstler aus nah und fern waren beteiligt. Hunderte Besucher aller Alters- und Gesellschaftsschichten wohnten allein der Vernissage und Finissage bei.
Valy kuratierte davor, im Dezember 2012, ebenfalls im Mainzer Rathaus, die Gemälde- und Skulpturenausstellung von Silvia Lerin aus Valencia, die nach einem Stipendium in den USA neuerdings in London lebt und vielbeachtet ihren Weg findet. Valy beteiligte sich an Gruppenausstellungen, z. B. im Herrenhof in Neustadt/Mußbach, wo Otfried H. Culmann die „art imaginär 2013 – Phantastische und visionäre Kunst“ präsentierte, sowie ihrem Lehrer im Herbst 2014 in der sehenswerten Ausstellung „Helmut Göring und seine Schüler“, Tribut gezollt wurde.
Und sie bringt Künstlerfreunde zusammen, wie im Sommer 2014 in Wörrstadt bei Kunst im Rathaus: „Grenzenlos“, mit Alexander Paul Rozehnal, Malerei, und Amador Vallina, Skulptur.
Detail der Einladung
Detail der Einladung
Hohe Bedeutung misst Valy der Familie und darüber hinaus der Freundschaft bei. Freundschaft heisst nicht nur, sich zu treffen, zu reden, sich miteinander zu beschäftigen, um Fürsorge zu übernehmen. Sondern es heisst, Gemeinsamkeiten zu entwickeln, um in der Gemeinschaft die für uns wichtigen Dinge durch Kunst und Künstler voranzubringen. Zwei Beispiele für Valys ausgeprägten Gemeinschaftsgeist: Sie engagiert sich als Teilnehmerin und als Akteurin beim KEM Jour Fixe, einer in Mainz beispielhaften Initiative, um sich zum Monatsbeginn mit dem aktuellen Kunst- und Kulturgeschehen in Mainz persönlich auseinanderzusetzen. Und jüngst, beim „Zeitenwende. Kunst mal anders“-Event im Mainzer „Kommunikationsparadies“, gab Valy im Team mit ihrer Freundin Fee Fleck und der Textilkünstlerin Gisela Rapp Einblick in ihre Arbeit und in ihren Schaffensprozess. Das Publikum wurde aktiver Teil des Geschehens. Blieb also nicht nur passiv in der typischen Zuschauerrolle bei einer Kunst-Darbietung.
“Es reicht!” — Detail
“Es reicht!” — Detail
“Es reicht!” — Gemälde, 2015.
Insbesondere, das heute erstmals im öffentlichen Raum ausgestellte Gemälde „Es reicht!“ bewegte beim Jour Fixe des KEM am 2. September 2015. Valy bezieht darin malerisch auf drastische Art und Weise zum Thema „Kollaps der Moderne“ Stellung und erläutert ein bedrohliches Desaster: „Wir sind (zumeist verstummte) Zeitzeugen und sehen tatenlos zu, wie die Verlärmung der Landschaft während Tag und Nacht zunimmt. Wie durch den rollenden Güterverkehr im ‚Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal‘. Für die betroffenen Bürger als Bewohner der Rhein-Romantik ist die Belastungsgrenze schon jetzt weit überschritten. Die Probleme der geplanten Rheinschiene sind heute schon für die Menschen am Strom unerträglich. Durch diese gesundheitsschädlichen Lautstärken und Erschütterungen der rollenden Räder und die vielfach mit Gefahrgut gefüllten Wagons werden die Menschen wie mit einem Fallbeil als Hinrichtungsgerät guillotiniert.“ Das trifft den Kern. Und gibt der Kunst eine Rolle zurück, die ihr abhanden gekommen scheint: Sich aktiv und wirkungsvoll einmischen in ein Tagesgeschehen, das wir miterleben, das wir erleiden, ohne uns konstruktiv-kritisch einzumischen.
Damit nimmt das Gemälde „Es reicht!“ eine Sonderrolle im Werk von Valy ein. Mit einer Vorgeschichte: Die Ideen zu dem Bild gehen auf eine Initiative des Deutschen Werkbund im Jahr 2012 zurück — Valy war 1989 Gründungsmitglied des Landesverband Rheinland-Pfalz. Im Rahmen des Werkbundtag-Programms „RheinSCHIENE & WarenSTROM — Zukunftswerkstatt Kulturlandschaft“ wurde sachlich, aber kritisch-fundiert aufgezeigt, welche Katastrophe sich anbahnt. Die Resonanz beim Fachpublikum war ausserordentlich hoch, leider aber gleichermaßen unangemessen niedrig bei der Bevölkerung, die unmittelbar betroffen ist.
Valy mit Fee Fleck im Kommunikationsparadies von Andreas Weber
Valy mit Fee Fleck im Kommunikationsparadies von Andreas Weber
Valy mit Fee Fleck im Kommunikationsparadies von Andreas Weber
Noch dynamischer wird dieses neue-alte Verständnis von Kunst durch die Zusammenarbeit beim Projekt „Im Reich der Drohnen — Mutig. Schonungslos. — Ein Aufschrei. Gegen das Vergessen, das Verdrängen, die Ignoranz “. Seit über einem Jahr begleitet Valy aktiv das Projekt, das ihre Freundin und Malerkollegin Fee Fleck an den Start gebracht hat: Ein monumentaler Gemälde-Zyklus zu einem angsterfüllenden Thema: „Drohnen“. Jene ferngesteuerten, unbemannten Kampfsysteme, die Tod und Vernichtung bringen. Das Grauen ist unvorstellbar und bezieht uns alle ein. Die Datensteuerzentrale für alle weltweiten Drohneneinsätze der US-Air-Force befindet sich in der Pfalz, in Ramstein. Deutsche Dienste liefern Daten, um Ziele präzise zu definieren. Valy half im Team mit mir, einen wichtigen Diskussionsabend im „Kommunikationsparadies“ zu gestalten, bei dem unterschiedliche Vertreter aus Kunst, Wirtschaft, Kultur, Architektur und Wissenschaft, die sich sonst kaum treffen würden, gemeinsam diskutiert haben. Und Valy half, einen bedeutenden Ausstellungsort zu finden, der Fee Flecks Gemäldezyklus gerecht und einer ersten Präsentation wird: Der Frankfurter Hof in Mainz!
— Was ist nun das Bindeglied, meine Damen und Herren, zwischen diesem Terror- und Kriegsthema wie es Fee Fleck darstellt und anprangert und dem was Valy als Künstlerin in ihren heute zu sehenden Bildwerken beschäftigt?
Es ist die Einsicht und Erkenntnis, dass die Welt, unser Leben und Dasein eben nicht nur eitel schön ist. Auch wenn für uns Menschen Freude und Glückseeligkeit das Maß aller Dinge sind, in uns selbst und durch uns selbst tun sich allzuoft Abgründe auf. Ängste, Sorgen, Dämonen nehmen von uns Besitz. Das sehen wir hier allzu deutlich in der Ausstellung durch viele der Exponate. Valy führt uns vor Augen und antizipiert, was die meisten von uns erst erfahren, wenn es zu spät ist. Und dann in Hilflosigkeit erstarren. Wenn in Beirut, Paris, Bagdad und anderswo auf einen Schlag dutzende und hunderte von Menschen gewaltsam durch Terror und Verbrechen sterben müssen. Wenn wir erkennen müssen, dass die Welt, in der wir leben, dominiert wird von Betrügern in traditionsreichen Wirtschaftsunternehmen, von geldgierigen Bankiers, die uns ausplündern, von scheinbar überforderten Politiker-Eliten, die unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung unsere freiheitlich demokratische Grundordnung aushöhlen — im guten Glauben, den Krieg der Gerechten mit Waffen zu führen, gegen Gegner, die eher Kriminelle sind als politisch-religiös verbrämte Terroristen der alten Garde und nicht davor zurückschrecken, millionenfach ihre eigenen Landsleute in die Fremde zu verjagen.
Kunst mal anders. Völlig spielerisch.
Die Botschaft von Valy durch ihre Kunst ist in diesem Zusammenhang eindeutig. Sie überträgt diese Themen des tägliches Schreckens und Grauens in bildhafte Metaphern und eindrückliche Szenerien, um uns die Angst vor der Angst und dem unwägbar Schrecklichen zu nehmen. Und zwar rechtzeitig, in Momenten, in denen der Ernstfall, der uns erstarren lässt wie das Kaninchen vor der Schlange, noch nicht eingetreten sein muss. Valy agiert abseits der aktuellen Nachrichtenlage, die uns in ihrer Massivität der „Bad News“ eher verwirrt als hilft. Valy wendet sich gegen die stupide Floskel des „Kampfes der Kulturen“, den die Wirtschafts- und Politikeliten ausgemacht haben wollen. Denn Kulturen entwickeln sich durch Kunst, schaffen eine Einheit und keine Kollision oder Konfrontation.
Meine Damen und Herren, dies sind nur Auszüge aus dem, was Valy „nebenbei“ in den letzten fünf Jahren vollbrachte. Sie hat damit nachhaltig für unsere Stadt Mainz, die Region Rheinhessen und darüber hinaus einzigartiges geleistet, was die Arbeit der etablierten Kunst- und Kultur-Institutionen beflügelt und verstärkt. Kunstfreunde*Innen und Künstler-Kollegen*Innen bewundern Valy. Im Sommer 2013 wurde ihr durch unseren verehrten Oberbürgermeister Michael Ebeling im Rahmen des 40. Jubiläum der „Finther Gruppe“ deren Kunstpreis, der „Finther Gickel“ verliehen. Alle Achtung!
Apropos Achtung. Ein Wermutstropfen bleibt. Trotz Valys permanenter Präsenz, ihrem unermüdlich hohen Einsatz für Kunst, Kultur und für uns Menschen in Mainz, ist ihr bisher verwehrt, auch mit ihren Malereien im öffentlichen Raum vertreten zu sein. Die Stadt wie auch das Land täten gut daran, durch Ankäufe hier in der Ausstellung Abhilfe zu schaffen. Gerade die neueren Arbeiten von Valy, von deren Strahlkraft wir uns heute und in den nächsten Wochen überzeugen können, bieten sich an, dauerhaft präsentiert und gezeigt zu werden.
Ich will nun, zum Abschluss, zusammen mit Valy, Ihnen, liebes Publikum, per Gespräch, an dem Sie sich beteiligen können, die neuesten Arbeiten näher bringen. Es hat sich viel getan!
Valy: Der da, der die Könige krönt. Malerei, 140 auf 100 cm, 2009
Im Vorfeld zur Eröffnung der Ausstellung „Valy — Kunst DurchLeben“, die am 1. Dezember 2015 eröffnet wird, möchte ich an meinen Vortrag vom 1. Juni 2010 erinnern, als die „Retrospektive“ mit rund 100 Arbeiten aus knapp 50 Schaffensjahren von Valy im Mainzer Rathaus eröffnet wurde. Zur Ausstellung wurde erstmals ein Buch als Werkverzeichnis publiziert, das ihren Werdegang aufzeigt. Dem Buch sind die gezeigten Bilder entnommen, die perfekt auf die neuen Arbeiten einstimmen.. —Andreas Weber
„Die ich rief, die Geister, Werd’ ich nun nicht los.“
J. W. von Goethe, Der Zauberlehrling, Weimar, 1797
Die Künstlerin, die es zu entdecken, zu erfahren und zu bewundern gilt, ist Valy Wahl, vielen auch als Valy Schmidt-Heinicke bekannt. Valy hat ihre ganz eigene Zauberformel gefunden, ohne jemand heimlich zu belauschen oder zu kopieren. Das Resultat ist ein eigenständiges Werk, das sich mit den ganz großen der Kunst- und Kulturgeschichte messen lassen kann. Kaum eine andere Künstlerpersönlichkeit hat sich so konsequent und zielstrebig entwickelt, um es zur Meisterschaft zu bringen. Kunstgeschichtler werden sich die Zähne an Valy ausbeissen. Denn Valy ist ikonographisch und ikonologisch nicht einzuordnen. Überhaupt, Denken nach Schema F ist ihr nicht nur fremd, sondern vermutlich auch zuwider. Künstler und Kunstsinnige lieben Valy, weil sie uns unverblümt, geradezu kompromisslos ihre Sicht der Dinge mitteilt und uns wachrütteln kann. Valy versteht es, das kunsthandwerkliche mit dem freien künstlerischen Schaffen und Experimentieren zu verweben. Obgleich (oder weil?) sie in der Pfalz, in Kaiserslautern, geboren ist, liebt sie das Kommunizieren, ohne jemals geschwätzig zu werden. Ihre Kreativität, ihr Gestaltungswille, ihr Mitteilungsbedürfnis, ihre Lebensfreude, ihre Kraft und Ausdauer, ihr Mut, ihr Engagement für andere sind beispielhaft. Valy versteht es dabei, sich als Person zurückzunehmen und gleichzeitig präsent zu sein.
Sie entfacht mit ihrer Kunst einen stillen oder besser: lautlosen Dialog. Und sie erschließt uns Kulturräume, sie stellt Dinge in den Kontext und begibt sich auf viele „Spielwiesen“ und Entdeckungsreisen. Ohne dogmatisch zu sein oder sich den Regeln eines kommerziell getriebenen Kunstbetriebs zu beugen, bezieht Valy eine klare Position, gerne auch polarisierend: Valy versteht es, aus Kunst nachhaltige Kommunikation in höchster Vollendung werden zu lassen. Allein ihr druckgrafisches Werk genügt, um als Beweis herangezogen zu werden. Plakate, Fotoarbeiten, gedruckte Publikationen greifen wichtige Themen auf und stellen kulturgeschichtlich orientierte Meilensteine dar. Mehr als 25 Jahre hat Valy ihr Engagement in den Dienst der Kommunikation gestellt. Als Dozentin und Professorin unterstützte sie an der Fachhochschule Mainz ganze Hundertschaften von Kommunikationsdesignern beim Finden des richtigen Weges und bei der Ausgestaltung künstlerischer Fähigkeiten. Lautlos und im Stillen Dialoge zu führen, heisst eben nicht, stumm oder wirkungslos zu sein. Dies ist umso wichtiger, da die Kommunikationswirtschaft in ihrem Werbegelderrausch laut und schreiend uns alle dermaßen belästigt, dass wir auf der Flucht sind.
Flüchten oder Standhalten?
Gute Frage. Valy stellt sich den Dingen. Valy gestaltet. Valy bezieht Position. Valy schafft es, zweidimensionales mehrdimensional erscheinen zu lassen. Und sie stellt Bezüge her, die ungewöhnlich sind, um den Assoziationen freien Lauf zu lassen.
Valy sagt über ihre Kunst: „Der Mensch steht im Vordergrund. Die Befindlichkeiten der menschlichen Empfindungen, von innen oder außen geprägt, spielen eine ent-scheidende Rolle. Das Miteinander oder Gegeneinander bieten starke Kontraste, die dann auch entsprechend hart formuliert werden müssen. Gesellschaftliche und persönliche Erfahrungen fordern heraus, diese bildnerisch zu beschreiben. Meist treibt innere Unruhe oder Unzufriedenheit über Qualitäten die kreative Arbeit an.“
Dieser Impetus der Künstlerin verlangt nach neuen, ausdrucksstarken malerischen Inszenierungsmöglichkeiten. Dazu hat Valy eine ganz eigene Maltechnik erfunden, die eher an Fresco, als an Tafel- oder Leinwandmalerei erinnert. Die fünf bis zehn Millimeter starken, mit Papier kaschierten Kunststoffplatten, bieten eine samtweiche, glatte Oberfläche. Recycling-Klarlack wird aufgetragen, je nachdem eingefärbt mit Pigmenten. Der Auftrag erfolgt spontan und rhythmisch, teilweise abgehoben. Die Suche und Auswahl bildnerisch-substantieller Motive erfolgt intuitiv, oft liegen Skizzen zugrunde. Darüber wird nicht mit Pinsel oder Spachtel gemalt, sondern mit einer Tube, die klaren Gummikleber enthält. Dadurch werden strukturelle Formationen den skizzierten Motiven angenähert. Im Anschluss wird Druckfarbe mit einem Lappen über beinahe die komplette Bildfläche verteilt. Sodann wird der Gummikleber entfernt. Mit der Druckfarbe und dem Lappen werden die Formen konkretisiert und bearbeitet. Weitere Effekte ergeben sich daraus, wie etwa Mehrschichtigkeit und Transparenz. Diese Maltechnik ist nicht zu kopieren, weil sie nur funktioniert, wenn die der Künstlerin eigenen Arbeitsabläufe und Methoden hinzugefügt werden – vom Sehen und Wahrnehmen bis zur Modulation und Bestimmung der Inhalte.
Valy — Katalogbuch von 2010
Valy — Katalogbuch von 2010
Valy — Katalogbuch von 2010
Valy — Katalogbuch von 2010
Mainz als Brennpunkt künstlerischer Schaffenskraft
Beginnend mit Schrift-, Schreibübungen und Plakatentwürfen seit 1957, weitergeführt von Plakaten aus der Zeit seit 1974 reihen sich dutzende Arbeiten ein. Denn bei allen Stadtgeschichte-Ausstellungen für die Stadt Mainz, wurde ein Gesamterscheinungsbild konzipiert, gestaltet und realisiert. Dazu gehörte die didaktische Aufbereitung des Archivmaterials der jeweiligen Thematik, Gestaltung der Ausstellung, Plakat, Einladungskarte und Katalog.
Themen sind Juden in Mainz, Deutsche Jakobiner, Deutschland und die Französische Revolution, Die Mainzer und ihr Rathaus sowie Die Mainzer Kunstszene nach der Stunde Null 1945 – 1954, um nur einige zu nennen.
Siebdrucke wie die Pi-Serie von 1978 kommen hinzu, die als freie künstlerische Arbeiten entstanden, ebenso Fotografien. Reisebilder und Reiseberichte führen uns nach Valencia (2005) oder ins ferne Japan (Fotografien von 2007). Entstanden sind aber auch Blei und Glasarbeiten sowie Kooperationsprojekte wie mit Hendrik Liersch und Ute Eckenfelder aus dem Jahr 2009.
Auf einen wichtigen Punkt will ich aber hinweisen. Die Nähe von Valy zur Literatur und Poesie, ebenfalls eine lautlose, aber äußerst mächtige und klangvolle Form der Kommunikation.
„Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleib’ im Dunkeln unerfahren, mag von Tag zu Tage leben.“ —Goethe: West-östlicher Divan, Buch des Unmuts
Entstanden ist in einer an den Symbolismus angelehnten visionären Bildsprache eine alptraumhaft-chaotische Welt des Triebs und des Horrors. Maldoror erscheint in immer neuen Metamorphosen und Masken und präsentiert sein Ich als allegorisches, vampirisch-destruktives Leitbild. Er symbolisiert die Inkarnation des Bösen selbst, ein schwarzer, zerschmetterter Erzengel von unsagbarer Schönheit, der dem Menschen (Leser) seine eigene Hässlichkeit vor Augen führt. Comte de Lautréamont lässt Maldoror sagen: „Ich bediene mich meines Geistes, um die Wonnen der Grausamkeit zu schildern, keine flüchtigen, künstlichen Wonnen, sondern solche, die mit den Menschen begonnen haben, die mit ihm enden werden.“ Die archaischen Metaphern der Gesänge sind nicht als Vergleiche aufzufassen, sondern als Annäherung von zwei mehr oder weniger voneinander entfernten Wirklichkeiten, wie seinerzeit die Entdecker von Comte de Lautréamont, die Dichter Paul Éluard, Louis Aragon, Philippe Soupault und André Breton herausstellten. Breton übernahm Passagen der Gesänge in seine Anthologie des schwarzen Humors: „Die Grenzen sind gefallen, in denen Worte in Beziehung zu Worten, Dinge in Beziehung zu Dingen treten können. Ein Prinzip ständiger Verwandlung hat sich der Dinge wie der Ideen bemächtigt und zielt auf ihre totale Befreiung ab, die die des Menschen impliziert.“ Comte de Lautréamont hinterließ mit seinem Werk ein verwirrend-verrätseltes Vexierspiel, das die Erwartungshaltung des Lesers immer wieder untergräbt.
Apropos. Da ist noch Der Zauberlehrling:
»In die Ecke,
Besen! Besen!
Seid’s gewesen.
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister.«
Erste Impressionen. Und erste Feedbacks vom Abend durch Monika Evelo und am Tag danach von Dr. Otto Martin und Annett Wurm:
Guten Abend, Andreas!
Der Abend mit Fee war ein voller Erfolg — und auch eine sehr schöne Initiative! Ich hatte in der Vorbereitung hierzu den Artikel “Töten, zerstören und drohen mit Hightech-Waffen” im Focus gelesen. Die hier beschriebene (damals, Januar 2013) neue Drohnen-Generation macht das Potential dieser Waffenart nochmals deutlicher. Vielleicht ist es verwertbar in der Dokumentation. Herzliche Grüße
Monika“
—
…das war allererste sahne, mein lieber Andreas! eine solch dichte atmosphäre mit interessanten leuten, die man nicht jeden tag sieht, zu erleben große kunst! der abend stand auch über das historische ambiente so ganz in der tradition der ›salon-gespräche‹ längst vergessener zeiten… hoch eindrucksvoll!
herzlichst und mit gruß an Euch ›Macher‹ Euer Otto
—
Lieber Andreas,
Fee Fleck ist beeindruckend. Sie repräsentiert das Wesen einer ECHTEN Künstlerin. Mit klarem Verstand, vollem Herzen und großer ›Leidenschaf(f)t‹. Ja, sie erschafft in ihrem Leiden Greifbares für andere.
Dieses Projekt muss einfach auf Wanderschaft. Weltweit. In alle Länder.
Ihr Drohnen-Guernica sollte von uns allen getragen werden, damit Ihr Leiden in Hoffnung gewandelt wird.
Wie Du schon sagtest, übrigens… Riesenrespekt für Deine hervorragende Moderation! … wir können die Welt nicht retten, aber wir können dafür sorgen, dass Augen geöffnet werden.
Von Herzen Grüße.
Annett Wurm
„Im Reich der Drohnen“ ist das jüngste Malerei-Projekt der Mainzer Künstlerin Fee Fleck. „Als Kind wurde ich gezwungen, zuzusehen, wie Menschen ermordet wurden. Ich weiss wie das ist, mit einem Bündel am Rücken vor Krieg, Mord und brutaler Gewalt zu flüchten. Darum kann ich jetzt nicht schweigen!“ Drastischer kann man kaum beschreiben, was derzeit durch den Drohnen-Krieg, eine neue, äußerst perfide Form der Kriegsführung mit High-Tech-Apparaten passiert. Die Bedrohung scheint so immens gross, dass prominente Wissenschaftler wie Stephen Hawking warnen vor der Entwicklung von Kampfrobotern. Die Kernthese: „Kampfdrohnen senken die Schwelle zum Krieg“. (Siehe Kolumne von Gero von Randow in Zeit Online vom 12. August 2015)
Fee Fleck ging als Malerin in die Offensive. Gewaltlos. Ohne Anzuklagen. Aber mit harscher Kritik an uns allen. Sie tut dies mit ihrer „Waffe“ der Kunst, der Malerei. Mit Hilfe ihrer Freunde und Kuratoren Prof. Valy Wahl und Andreas Weber sucht Sie das Gespräch. Mit der Presse, dem Fernsehen, Künstlerfreunden und Kollegen. Und im Mainzer „Kommunikationsparadies“ von Andreas Weber wurde es am 10. November 2015 möglich, mit engagierten Köpfen aus vielen Gesellschaftsbereichen intensiv und konstruktiv zu diskutieren. „Im Reich der Drohnen“ lautete das Thema des Abends mit der Präambel „Mutig. Schonungslos. — Ein Aufschrei. Gegen das Vergessen, das Verdrängen, die Ignoranz. Fee Fleck stellt Ihr neues Malerei-Projekt, den „Drohnen-Zyklus”, zur Diskussion.“
Der 10. November, so Andreas Weber, Gastgeber und Moderator, unvorhergesehener Maßen der Sterbetag von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, wurde nicht zufällig ausgewählt: Es ist der UNESCO Welttag „Wissenschaft für Frieden und Entwicklung“. Andreas Weber führt entsprechend weiter aus: „Drohnen bedrohen Frieden und Entwicklung! Dort, wo Flüchtlinge herkommen, töten Drohnen täglich! — Fee Fleck lässt das nicht ruhen. Sie schafft einen monumentalen Gemälde-Zyklus. Warum? Das sagt sie uns gleich. Nur soviel: Sie macht dies gründlich, umfassend und ohne Anklage. Sie hat sogar mit ihrer Tochter Stephania, mit Valy Wahl, meiner Frau Gunda Schwarz und mir den Drohnen-Whistleblower und Predator (Staff Sergeant und Drohnen-Pilot für Hellfire-Raketen) Brendon Bryant im Mainzer Staatstheater getroffen. Er war ernsthaft beeindruckt von Fee Fleck und Ihrem Gemälde-Zyklus zu erfahren.
Drohnen haben übrigens ihre eigene ‚Transitzone‘: Nahe bei uns. In Ramstein. Dort ist die Datenkommunikationszentrale ohne die keine US-Drohne Einsatz und Ziel finden könnte. SCHAURIG! Und was tun wir?
Wir wollen heute mit Fee Fleck sprechen. Ihr aber zunächst zuhören.“
Informationen zum Kommunikationsparadies von Andreas Weber:
Der Leitgedanke:Kunst ist Kommunikation. Und Kommunikation ist Kunst. Da dies so ist: Warum geben wir der Kunst und den Künstlern nicht mehr Raum in unserem Alltag — nicht als Element der Unterhaltung, sondern elementar als Katalysator unseres Verstehens?
Gegründet im Jahr 2000 durch die ›New York Manhattan Zeitenwende‹-Initiative, gestalten wir heute das ›Kommunikationsparadies‹ als interaktiven, multisensorischen Begegnungs- und Erlebnisraum für Kunst, Kommunikation und Technologie, der Social Media-Effekte und Mensch-zu-Mensch-Dialoge vereint sowie hochbegabte Kommunikationstalente identifiziert, für Neues motiviert und gezielt fördert/begleitet. Ein Ort als ein einzigartiger Wirkungsraum für Interaktionen und Gespräche. Gespräche über das Leben, die Kunst, die Technologien, die Sinnhaftigkeit unseres Daseins und Tuns. Diese Gespräche werden im Kommunikationsparadies beflügelt durch das künstlerische Schaffen aller Disziplinen, multisensorisch und vielfältig erfahrbar.
Das Kommunikationsparadies ist ein Non-Profit-Projekt und steht allen offen, die sich sinnvoll einbringen wollen und können. Mit persönlichem Engagement, Präsentationen, Sachleistungen oder Zuwendungen. Details können wir gerne persönlich besprechen. Unseren Gästen ist freigestellt, sich bei Veranstaltungsteilnahme mit einem Obolus an den Kosten zu beteiligen.
Übrigens: Seit Beginn durch das New York-Manhattan-Zeitenwende-Projekt zum Jahr 2000 hatten wir in diesen Räumen viele tausend Besucher aus Dutzenden von Ländern rund um die Welt. Der persönlichen Begegnung stehen besondere, international ausgerichteten Projekte zur Seite, inkl. Workshops, Seminaren, Round-Table-Gesprächen und vielem mehr. Vielen Dank an Fee Fleck, dass Sie uns am 10. November 2015 Einblick gewährt hat in ein zentrales Projekt: ›Drohnen‹.
Anschrift: Andreas Weber, Kommunikationsparadies, Walpodenstr. 1, 55116 Mainz
Der wichtigste Satz von Whistleblower Brandon Bryant fiel fast beiläufig, als das zentrale Wesensmerkmal seiner Tätigkeit als „Drone-Operator“ im Container in Nevada und im fernen Irak beschrieb: „I had only pictures and no context!“
Ein schauriger Moment. Ich habe im Staatstheater Mainz einem staatlich instrumentalisierten und sanktionierten Serienkillerkomplizen die Hand geschüttelt. Intendant Markus Müller und Hausregisseur Jan-Christoph Gockel hatten Brandon Bryant zu einem Podiumsgespräch am 17. Oktober 2015 eingeladen, weil im neuen Stück „Game of Drones“, das am 27. November 2015 in Mainz Premiere haben wird, die US-Airbase Ramstein eine zentrale Rolle spielt und auch Brandon Bryant im Stück vorkommt.
In mehr als 6.000 Stunden Drohnenkampfeinsätzen hat der heute 29-jährige Brandon Bryantals Ex-Staff Sergeant der US-Luftwaffe im Team mit seinen Kollegen 1.626 Menschen gezielt und aus dem Hinterhalt getötet. Sozusagen per Bildschirm und Joystick wie in einem Video-Computerspiel. Er agierte quasi als Scharf- resp. Präzisonsschütze, der die finalen Informationen lieferte um per Predator-Drohne die tödlichen Hellfire-Raketen fern seiner Heimatbasis mit Hilfe von Metadaten der Geheimdienste, Zielplanungen und optischen Analysen abzufeuern. 98 Prozent seiner Dienstzeit habe er mit dem Beobachten von Menschen in ihren jeweiligen Lebensbereichen verbracht. (Dazu gehörte, wie ein bewaffneter Afghane die Kalaschnikow beiseite stellte, um liebevoll von seinem kleinen Kind einen Kuss zu bekommen.) — Zwei Prozent seiner Zeit habe der tatsächliche, tödliche und zerstörerische Angriff benötigt. Danach wurden checklistenartig Reports erstellt, um den „Erfolg“ zu bewerten: Grad der Zerstörung, Zahl der Verletzten und Toten. Die Kollateralschäden sind immens. Zu bis zu 95 Prozent sollen Unschuldige resp. nicht an Terrorhandlungen Beteiligte getötet werden. Opfer von Kriegshandlungen in Kriegsgebieten können zu Tätern des Terrors stilisiert werden, die dann Opfer der Drohnenangriffe werden. Laut Brandon Bryant haben sich die agierenden Militärs eine plausible Rechtfertigung zurechtgelegt: Getötet werden Terroristen und auch solche, die es noch werden könnten. „They don’t care who gets killed!“(Quelle: rt.com).
Ich habe einem Serienkillerkomplizen die Hand geschüttelt. Ich konnte es tun, weil er dramatische und schmerzliche Erfahrungen machte, die ihn psychisch zusammenbrechen ließen. Die ihn zur Umkehr zwangen. Schon bevor die US-Luftwaffe Brandon Bryant im Juli 2011 nach 5 Jahren und 5 Tagen aus seinem Vertrag entließ. Er bereut, was er tat. Und bittet um Vergebung. Und möchte nunmehr dazu beitragen, sein Land, das er liebt, zum Umdenken zu bewegen. Und das vor allem auch bei uns, hier in Deutschland, dem wichtigsten Verbündeten der USA. Dazu hatte er kurz zuvor in Berlin stundenlang vor dem NSA-Untersuchungsausschuss ausgesagt. (Siehe u. a. Zeit Online).
Und er hatte in Baden-Baden den Whistleblower-Preis 2015 erhalten. Die Begründung der Jury ist lesenswert! Auszug: „Die US-Regierung hat zu keiner Zeit seine Informationen als unzutreffend dargestellt oder dementiert. Bryant gab mit seinen Informationen den Anstoß für weitere detaillierte Recherchen und Enthüllungen zahlreicher investigativer Journalisten. Es ist seinen Informationen zu verdanken, dass sich der Fokus der Debatte um den globalen Drohnenkrieg der USA in Deutschland nunmehr immer stärker auf die Aktivitäten der USA in Ramstein konzentrieren kann. Die Bundesregierung begeht mit ihrer Politik der Duldung der dortigen Vorgänge selbst ein völkerrechtliches Delikt.“ (Quelle: Netzfrauen.org).
Ein Soldat tötet und sei jederzeit bereit, sein Leben für sein Land, das er liebe, herzugeben. Dazu stehe er, sagte uns Brandon Bryant in Mainz. Nicht mehr vertreten könne er aus ethischen Gründen die Art und Weise, wie das mit Drohnen geschehe. Er warnte davor, dass man sich in Deutschland zum Ermöglicher und damit zum Mittäter von nicht zu rechtfertigendem Vernichten, Zerstören und Töten mache.
Ich habe einem Serienkillerkomplizen die Hand geschüttelt. Ebenso wie die Mainzer Künstlerin Fee Fleck, die derzeit als Aufschrei ihren Drohnen-Zyklus malt und die Inszenierung ihrer Serie an grossformatigen Gemälden im Team mit Prof. Valy Wahl und mir als Projekt umsetzt. Zu sehr ist die Künstlerin entsetzt über das, was geschieht und wie es gerade ignoriert und bagatellisiert wird. Fee Fleck hat Brandon Bryant davon berichtet. Er zeigte sich berührt und interessiert, die Bilder zu sehen. Es helfe ihm ungeheuer im Voranbringen seiner Sache, wenn engagierte, kluge Menschen aus Kunst und Kultur das Thema Drohnen-Krieg aufgreifen, richtigstellen, brandmarken und darüber pro-aktiv kommunizieren. Gerade auch weil er selbst erleben musste, wie eine solche Tätigkeit bei der US-Luftwaffe Leben ruiniert und Beteiligte wie ihn in die Isolation getrieben haben, mit schwersten psychischen Belastungen. „Irgendwann lässt es Dich nicht mehr los. Du gehst abends nach Hause, aber gedanklich bist Du immer noch in Afghanistan oder im Irak.“ Der wichtigste Satz von Whistleblower Brandon Bryant fiel im Übrigen fast beiläufig, als das zentrale Wesensmerkmal seiner Tätigkeit als „Drone-Operator“ im Container in Nevada und im fernen Irak beschrieb: „I had only pictures and no context!“
Am 22. Oktober 2015 war Brandon Bryant zu Gast in der ZDF-TV-Runde von Markus Lanz. Hier stand, anders als im Mainzer Staatstheater, das persönliche Erleben von Bryant im Abgleich zu seinen beruflichen Anforderungen im Fokus. Per Einspieler und Fotos wurde dies dokumentiert. Quelle: Archiv Lanz. Anbei zur Impression einige Screenshots aus der pdf Sendung:
Dr. Otto Martin hatte nach der Sommerpause zum Jour Fixe des Kunstverein Eisenturm Mainz (KEM) an einen besonderen Ort eingeladen. Gastgeber war am 2. September 2015 Andreas Weber, Gründer der Value Communication AG und Mitglied im Vorstand des KEM. Er stellte im Team mit den Künstlerinnen Fee Fleck, Gisela Rapp und Valy Wahl unter dem Thema „Zeitenwende — Kunst mal anders“ sein ‚Kommunikationsparadies’ in der Mainzer Walpodenstrassevor. Motto des Abends: „Kunst ist Kommunikation. Und Kommunikation ist (eine) Kunst!“ — Daraus ergaben sich vielfältige Interaktionsmöglichkeiten, die nicht nur darauf abzielen, dass das Werk des Künstlers für sich spreche oder von Kunsthistorikern gedeutet werde müsse; vielmehr wurde präsentiert, wie Künstler und Betrachter persönlich wie auch medial ins Gespräch kommen und den Dialog nachhaltig aufrecht erhalten können.
„Es erwartet uns heute ein Highlight innerhalb unserer Jour-Fixe-Veranstaltungsreihe“, betonte Dr. Otto Martin bei seiner Einführungsrede. Und ergänzte: „Ein Highlight aufgrund hoch intensiver Vorbereitungen — mit sehr gelungener Strukturierung verschiedener künstlerischer Techniken, verschiedener Künstlerinnen und Kunstgattungen. Dank an Andreas Weber, dass er für uns seine Schatzkammer geöffnet hat!
40 Teilnehmer waren gekommen — die Zahl passt exakt zum 40. Jubiläum des KEM seit der Gründung. Die Gäste zeigten sich von den kreativen Anregungen aus erweitertem Blickwinkel begeistert. Für alle ergab sich die Gelegenheit zu inspirierten Gesprächen, sinnlichen Erfahrungen und einem regem Gedanken- und Meinungsaustausch. Die meisten profitierten von neuen, unverhofften Kontakten, da eine ganze Reihe von Gästen zum ersten Mal an einem Jour-Fixe des KEM teilnahmen. Neben dem Kunstgenuss gab es für die Gäste einen speziell „komponierten“ Imbiss sowie feinen Sekt der Goldhand Sektkellerei, den der Inhaber Walter Könitz gestiftet hatte.
Kunst als essentieller Bestandteil unserer Kommunikationskultur
„Warum geben wir der Kunst und den Künstlern nicht mehr Raum in unserem Alltag — nicht als Element der Unterhaltung, sondern elementar als Katalysator unseres Verstehens?“ Diese Frage richtete Andreas Weber an das Publikum und die Mitwirkenden. Er betonte, dass sein Mainzer Kommunikationsparadieses als ein Wirkungsraum für Interaktionen und Gespräche angelegt ist. Gespräche über das Leben, die Kunst, die Technologien, die Sinnhaftigkeit unseres Daseins und Tuns. Diese Gespräche werden beflügelt durch das künstlerische Schaffen vieler Disziplinen, multisensorisch und vielfältig erfahrbar. Die Gäste machte Andreas Weber mit vier verschiedenen Kunstprojekten vertraut, die teilweise gerade abgeschlossen, teilweise noch in der Entwicklung sind:
Fee Fleck gab Einblick in ihr Drohnen-Projekt, das sie seit geraumer Zeit beschäftigt. Und zu am 10. November 2015 eine gesonderte, hoch exklusive Veranstaltung im Kunstparadies stattfinden wird.
Valy Wahl bezog Position und präsentierte auf überraschende Art und Weise ihre neue Arbeiten, die im Blick auf ihre Werkschau am 1. Dezember 2015 in der Mainzer Rathaus-Galerie entstanden sind.
Und last but not least erläuterte Andreas Weber sein im werden befindliches Ausstellungsprojekt „Surprise. The Art of Print“, das inspiriert wurde durch die interessierte Nachfrage von Gästen aus dem Mutterland der Papier- und Druckkunst, China, die bei ihren Besuchen die Gutenberg-Stadt als Kleinod der Kommunikationskultur erfahren konnten. (Link zur Englisch-sprachigen Fassung des Ausstellungskonzepts).
Malerei von Valy trifft Textilkunst von Giseia Rapp
Textilkunst von Gisela Rapp
Neue Malereien von Valy
Preview in das Projekt “The Art of Print”
Dr. Otto Martin (rechts) und Andreas Weber
Wunderbare Besucher, nicht nur aus Mainz, sondern aus ganz Rheinhessen.
Fee Fleck (links) kurz vor ihrer Projektvorstellung (mit Gunda Schwarz)
Neue Kontakte werden geknüpft
Künstlerinnen m Dialog (Gisela Rapp mit Valy)
Prof. Valy Wahl
Gastgeber Andreas Weber
Aktive Teilnehmer
Analog trifft Digital: Kunst mal anders!
Alle Programmpunkte machten anschaulich, was wie und warum im Kommunikationsparadies geschieht: „Kunst und Künstler weisen uns den Weg. Wir bilden das, was wir anders oder neu wahrnehmen durch eine zielgerichtete Kommunikation aus. Dazu gehört, dass alle unsere Projekte/Aktivitäten stets medial erfahrbar sind. Über Gedrucktes und ganz anders wirkungsstark in digitaler Form, nutzbar von vielen Menschen rund um den Globus während wir hier versammelt sind.“ Ein Highlight unter den Highlights war, als Valy Wahl im Team mit Andreas Weber vorführte, wie über ihre Malerei kommuniziert wird: Valy trug eine Selbstbeschreibung vor, die als Text vorbereitet war. Und der eine digitale Video-Animation per Computer/YouTube und Facebook zur Seite steht. Bilder aus der Entwurfsphase von Valys neuen Malereien wurden gezielt für Spezialeffekte genutzt, mit transitorisch-medialen Elementen. Um der Flüchtigkeit des Digitalen am Bildschirm zu entkommen, wurde die zugrunde liegenden Bild-Textseiten als großformatiges Zick-Zack-Leporello gedruckt. Das Leporello wurde vor den staunenden Augen der Gäste blitzschnell entfaltet und auf eine Länge von über fünf Metern durch den Raum gezogen.
Valys Leporello (1)
Valys Leporello (2)
Valys Leporello (3)
Der Jour Fixe des KEM, mit allen seinen engagierten Akteuren, ermöglichte einen gelungenen Appell an alle im Umgang mit Kunst und den Exponaten im Kommunikationsparadies: HINGUCKEN. Stöbern, Lustwandeln, Genießen, Staunen. Reden und Zuhören… Sprich alle Sinne beanspruchen.
Andreas Weber ergänzte zum Abschluss: „Das Kommunikationsparadies steht allen offen, die sich sinnvoll einbringen wollen und können. Seit Beginn durch das Zeitenwende-New York-Projekt zum Jahr 2000 hatten wir in diesen Räumen viele tausend Besucher aus Dutzenden von Ländern rund um die Welt. Der persönlichen Begegnung stehen besondere, international ausgerichteten Projekte zur Seite, inklusive Workshops, Seminaren, Round-Table-Gesprächen, einem Artist-in-Residence-Programm und vielem mehr. Besten Dank für das Interesse. Heute ist ein ganz besonderer Tag. Vielen Dank dafür.“
Hinweis: Anfragen zum Kommunikationspradies und Möglichkeiten der Zusammenarbeit können direkt an Andreas Weber gerichtet werden.
Impressionen vom Jour Fixe des Kunstverein Eisenturm am 2. September 2015 im Kommunikationsparadies, arrangiert von Andreas Weber
Ich will Neues gestalten, formen, verändern. Nur wenn ich forme, verändere ich. Ich provoziere, dass sich Materialien unvollständig ergießen, in der Flächenausdehnung gestört werden und erstarren. Das heißt, ich gehe von neu entstandenen Strukturen aus, die mir Halt geben, aber auch meine inneren Welten anregen, um darin spazieren gehen zu können. Visuell erfahrbare Bewegungen in den Strukturen entfachen körperliche Vibrationen, die sich in figuralen Gegenständlichkeiten niederschlagen. Deshalb braucht die Malerei meine ganze Körperlichkeit. Der Körper im Bild braucht meinen gesamten Körperschwung, geleitet durch den spirituell ausgerichteten Geist meiner Gefühle und die Sehkraft meiner Augen. Frei von äußeren Zwängen, allein mit dem Raum, der Fläche, den Strukturen und meinen Händen werden meine Bilder in Schwarz auf weißem Grund geschrieben. Schwarz-Weiß setzt scharfe Grenzen, steht im Gegensatz zu dem fließenden Rhythmus des Machens. Diese Härte der Kontraste bringt manchmal die Spannung zum Zerbersten. Diese Zerstörung hält man nicht aus, aber formal können die Ergebnisse richtiggehend „schön” sein.
Die permanente Konfrontation von Lieben und Leben, mit dem Sterben und dem Tod vor Augen, ist eine kaum erträgliche Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit quält im Unterbewusstsein und zwingt diese Gestalten ans Licht, zum Beispiel: „Figuren in Angst und Hass”, „Verlorene Seelen”, „Körper trifft Seele”.
Der Augenblick des Lichts transportiert die Idee. Die starke Konzentration auf den Moment festigt (mit hoher Geschwindigkeit über die malende Hand) die Struktur, um zur Form des Figurativen und ihrem bildnerischen Raum zu gelangen. Farbigkeit spielt kaum eine Rolle. Oft lenken Farben nur vom eigentlichen Geschehen ab. Ich setze sie bewusst und beinahe spärlich ein.
Ich liebe Farben, sogar in kräftigen Tönen und Kontrasten, aber für meine Malereien nutze ich fast ausschließlich Schwarz-Weiß.
Der Anfang meiner kreativen Arbeit ist spontan und intuitiv. Der Zufall bestimmt meine Formgebung. Die sich daraus entwickelnden Formen fordern mich, immer wieder wähle ich neue Wege, um letztlich Herrin der magischen Kräfte zu bleiben.
Die Bildsituation, respektive der Bildbezug, entwickelt sich beim ersten Arbeitsgang, dem Experimentieren mit dem im Moment gewollten Material. Der aktuelle Bezug erfährt beim Machen seine Realität. Der Titel des Bildes entsteht dann im Nachhinein. Manche Bilder oder Objekte brauchen keinen Titel. Denn sie sind fähig sich selbst mitzuteilen.
Steht aber die Idee eines Titels, so ist eine konträre Bildgestaltung durch die konzeptionelle Vorarbeit nötig. Worte des Titels werden bildnerisch übersetzt. Die Herangehensweise, die Materialien und ihre Verarbeitung ändern sich zwangsläufig, mitunter total. Die Atmosphäre der Aussage trifft eher die Wirksamkeit eines Plakats. So kommt meine Erfahrung als Gebrauchsgrafikerin oder Grafik-Designerin zum Tragen.
In meiner jetzigen kreativ-künstlerischen Arbeit bin ich von großer Ungeduld getrieben. Deshalb sind meine Arbeitsvorgänge von maximaler Geschwindigkeit geprägt. Bewegung schafft Hoffnung. Und umgekehrt. Hoffnung ist Bewegung.
Für mich war und ist die entscheidende Frage, im Rückblick auf meine jahrzehntelange Gestaltungsarbeit und Lehrtätigkeit, im Streben nach der Kunst/Existenz und Kunst/Qualität: „Was ist für mich geblieben, über welche Kräfte verfüge ich noch, vor allem: Wie viel Kraft ist mir vergönnt, um weiterhin schöpferisch zu sein?” — 45 Jahre Power! Alles gegeben, vor allem um zu helfen, dass an der Hochschule junge Menschen selbständige Persönlichkeiten werden und dass sie selbst zu ihrer eigenen Persönlichkeit finden.
Die verbleibende Schaffenszeit trägt die Ungeduld, die sich in den Bildmotiven, der Farbigkeit und dem Neuerschaffen von Strukturen und Formen mitteilt.
Liebe Freunde, liebe Gäste, ich möchte Ihnen hier Zoppe Voskuhl vorstellen, Zoppe Voskuhl! Er kommt aus Berlin zu uns, um uns seine vielseitigen Werke zu zeigen und dafür möcht ich ihm herzlich danken. Ich muss Ihnen mitteilen, dass der Aufbau dieser Ausstellung mit Zoppe mir sehr viel Spaß und Freude bereitet hat.
Begrüßen möchte ich Hendrik Liersch aus Berlin, der V.O. Stomps-Preisträger der Minipressenmesse Mainz 2007, seine Frau, seine und meine Freunde aus Wendelsheim. Über die zahlreich anwesenden Freunde und Mitglieder des Eisenturms freue ich mich besonders. Das Leben von Zoppe Voskuhl begann in Rhauderfehn, wo auch immer das ist, es ist wohl ein ostfriesisches Dorf. Ich hoffe im Gespräch gibt es sicher hierzu eine Aufklärung. Der Ort muss sicher in der Nähe von Bremen sein, denn dort hat er an der Hochschule für Gestaltung Malerei studiert. Stationen seines agilen Schaffens war erst mal Bremen, dann, na klar, Paris, Hannover und seit 1995 ist sein zu Hause und Atelier nun in Berlin.
Zoppe Voskuhl zeichnet gerne mit Bleistift, macht Kaltnadelradierung, schneidet in Holz und Linol. Die Malerei ist eine Technik, die ihn fesselt, deshalb ist die Skulptur eine logische Folge, die sich aus seiner Themenfülle selbständig macht. Thema ist der Mensch als figurative Ausformung. Die Frage nach dem Menschsein wird immer wieder neu gestellt. Z. V. arbeitet in verschiedenen Werkgruppen: Rüdibilder, Braunbilder, Neubilder, Direktbilder, Schönbilder.
“Rüdibilder” wir stehen mittendrin. Rüdi ist eine Kunstfigur, die träumt, scheinbar sinnlos agiert und phantastische Bilder mit Rüdis bevölkert.
“Neubilder” sind auf altmeisterliche Art typisch bekannte Situationen, die jedoch rätselhaft wirken.
“Braunbilder” sind Menschenfiguren in expressionistischer düstern Farbgebung.
Zoppe V. nutzt die Situation sich mit seinen verschiedenen Werkgruppen gestalterisch auseinanderzusetzen, um methodisch und ästhetisch seine illusionistische Gegenständlichkeit präzise zu definieren. Sie brauchen sich nur umzuschauen. Außerdem bereitet Lyrik ihm ein großes Vergnügen. Seine Linolschnecken sind hierzu bei Hendrik Liersch verlegt. Dazu später eine Info.
Textfetzen von C. H. Simpson zu “Rüdibilder”: “Freude am Leben verkörpert Rüdi, als Kind, Kobold, Zwerg, als Comic-Figur, ein Wesen, das durch die Erwachsenen nicht wirklich ernst genommen werden kann. Er kann alt, jung, Mann, Frau oder Kind sein. Mit seinen Spielkameraden gestaltet er die Bilder selber und poltert ohne Tabu und Regeln über die Grenzen hinaus, ein Lobpreis der Komplexität des menschlichen Daseins. Verletzt wirkende, unausgeglichene kindische Wesen, hoffnungsvolle, naiv stumpfsinnige Gesichter, auf streichholzartigen Gliedern verloren und vertrauend in die Zukunft zu schauen, scheinen Rüdis einer umfangreichen potent polternden Bildwelt zu entspringen.”
Die Figuren transportieren Menschliches spielerisch triebhaft jedoch unreflektiert. Eine Fülle von Furchtlosigkeit findet man in den Motivschöpfungen. Farbakkorde, mit drei-, vier- und fünf Klängen werden in schroffen Übergängen expressionistisch und teils in geschmeidiger Modulation behandelt. In Mitten der verschiedenen Bildsprachen steht Rüdi, der Alleskönner, das liebe Kind, der Kleinverbrecher, der Wiederholungstäter, der moralische Entdecker im gemalten Format.
“Rüdi” ein Fabelwesen auf der gespannten Leinwand, Rüdi der merkwürdige Homunkulus, oder das künstliche Menschlein des Keilrahmens mit einer Schar Gleichgesinnter. Die liberale Bildwelt bricht inhaltlich Tabus und ist hoch extrem. Womit die Schmerzgrenze des Sehbaren überschritten ist. Zoppes Farbklänge sind leicht beschwingt wie Schmetterlingsflügel, nicht brodelnd dunkel, sondern das überzogene expressionistische Farbgefühl ist schillernd und schrill.
Rüdi widerspricht der erhabenen Idealfigur mit ausgewogenen Gliedmaßen und anmutigen Gesten. Er ist ein halbfertiger, mal kindischer , mal grauenhafter Bildakteur, der in der Menge anderer Bildgenossen mannigfaltige Sozialallegorien aufzeigen kann. Obwohl sie kultiviert erscheinen, foltern sie in der gleichen Unbekümmertheit, wie sie sich lieben.
Er ist ein Mischwesen, schön, voller Bewunderung, ekelerregend, zuweilen sexbesessen, wie ein sich selbst quälendes Monster. Schön hier in den Zeichnungen exemplarisch zu sehen. Die Entstehung der Rüdibilder sind wie eine wellenartige Ablagerung von Strandgut am Meeresrand einer ostfriesischen Insel. Im Rüdiland herrscht Vollbeschäftigung. Nichtstun und Konsumieren ist eine anerkannte Tätigkeit, die mit Hyperaktivität betrieben wird.
Braunbilder
Großformat, keine klassische schöne Zeichnung, sondern eine eminent ästhetische Unruhe, bestimmt seine Bildsprache. Die Brauntöne bestimmen die Motive und Inhalte, sie sind wesentlicher Bildbestandteil der Thematik, die durch den gewollt heftigen Duktus des Farbauftrags hervortritt. Die Zeichnung mit Graphit funktioniert mit gleicher Intension und Konzentration.
Die Figurationen in szenischem Bildraum entwickeln sich mit vollem Körpereinsatz des Künstlers beim Malen. Die dunklen Farbflächen intensivieren sich dramatisch wie die menschlichen Seelen und ihre Befindlichkeiten, manchmal brutal und gewalttätig, manchmal sanft und zärtlich.
Für den Betrachter sind diese Aussagen unverständlich, nebulös, geheimnisvoll, traurig oder melancholisch, jedoch kann das Temperament des Künstlers während des Machens, die Tätigkeit der Farbe und des Pinsels auf und in den Bildgrund eine Ekstase oder wunderbaren Rausch bewirken. Die Entfesselung des Künstlers und dem entstandenen Sichtbaren fordert den Künstler heraus, sich der formulierten Bildrealität zu stellen und kann und muss klärend in Form und Farbe einwirken.
Dieses Spiel oder auch Stress zwischen dem Künstler und seinem figurativen Werk machen dem Betrachter Angst, denn dieser Vorgang wird nicht wirklich nachvollziehbar, weil er die Zwänge und zugleich Freiheiten des Künstlers in diesem Moment nicht kennt. Diese intensiven Zwiegespräche Künstler-Bild und Bild-Künstler, machen die Faszination der “Braunbilder” von Zoppe Voskuhl aus. Damit wird die Frage nach dem Menschsein beantwortet. Gegen das krude Bildgeschehen setzt er als Tröstung die ästhetische Gestaltung. Reden und Malen wirkt als Befreiungsakt.
Albtraum von der Seele malen, nicht schön, aber möglichst schnell, dabei passieren grobe Inhalte, grobe Mittel und keine Ästhetisierung. Ausgetüftelte Tortouren und beängstigende Exekutionen sind surreal und obsessiv. Kitschige Harmonie und heimelige Idylle ist ironisch und karikierend. Schön ist doppelwertig zu verstehen. Zoppe V. eignet sich Bereiche des Imaginären an und setzt sie in die materielle Fiktion des Bildes um.
Neubilder
Mit einer rötlich-grünlich-blauer reinen und satten Farbpalette werden Menschen mit kleinen Köpfen und langen Körpern in ihren Fähigkeiten und Unzulänglichkeiten fast mit altmeisterlichen Stil gemalt. Hier stöbert Zoppe gerne durch die Kunstgeschichte. Meistens sind das wirklich “schöne” Bilder, wie Zoppe V, sie auch nennt, jedoch ist die Aussage nicht immer gut, denn schön ist nicht immer gleich gut, wie er in den Bildern “Baumträger” oder “Vasen” und einige ohne Titel aufzeigt.
Z. V. will auf die Grausamkeiten des menschlich Möglichen formal reagieren, die zu zeigen ist ihm wichtig. Mit freigestellten Figuren und monochrom wirkenden Bildgründen reagiert er pointiert und plakativ. Die Unendlichkeit und der weite Blick lässt fragen, nach dem Begreifen was vorgeht oder ob Neues kommt. Eingefrorene Momente, wie eigentümliche Staffagen modelliert Z. seine Geschichten und webt Geheimnisvolles hinein. Mit den “Vasen” oder “Baumträgern” schildert uns Zoppe das Verhältnis des Menschen zur Natur. Mit der Fracht auf dem Rücken agieren die Figuren geschäftig und dynamisch, als wäre das das Logischste der Welt, statt Bäume zu pflanzen, vielleicht leichtsinnig und unbedacht sie zu Grabe zu tragen.
Will Zoppe Voskuhl mit seiner Bilderwelt seinem liebenswerten Humor und dem beißenden Spott uns einfach mal “schön” aufrütteln und uns auffordern uns an unsere lebensnotwendigen Ressourcen denken zu lassen?
Bei den “Vasen” muss man sich schon fragen, was wird mit Blumen so schön geschmückt und wird mit so viel Leichtigkeit fortgetragen und wohin transportiert?
Zoppe Voskuhl als Maler
Seine Braunbilder bewegen Widersprüche, Affekte und Brüche, die als Synonym für zeitgenössisches Denken gilt. Bevormundung durch ästhetische Theorien lehnt er ab, denn für ihn ist das Bild spontan und ebenso reflektiert. Eindeutige Aussagen werden verweigert. Der Selbstausdruck wird gefeiert.
Der Mensch als Thema wird in dynamischer Bewegung sowie in statuenhafter Pose in großartigem Volumen geformt. Diese Formen wachsen aus der Farbe, die keinen fixierten Raum und auch keine Zeit kennt. Soziale Erfahrungen bestimmen die Tätigkeiten seiner Figuren, die ihre Haltung und nicht das Milieu dokumentieren.
Wie Michael Stoeber sagt, “werden Gebärden des Beschützens und des Abwehrens, das Suchen und Verlierens, Umarmens und Unbeteiligtseins, Gebärden von Angriff und Verteidigung, embryonaler Schutzsuche und regressiver Verweigerung bevorzugt”. Dies geschieht einmal mit minutiösem Pinselstrich an Pinselstrich, gleichermaßen mit nervös geschlagenen Pinselhieben in ungeduldiger Manier, um seine Figurenwelt aus dem Malgrund, in erdigen Brauntönen, zu modellieren. Illusionistische Räumlichkeit und atmosphärische Dichte führt Zoppe Voskuhl mühelos und meisterhaft vor.
Die Begrifflichkeit wird anstrengend, es gibt kein eindeutiges Abbild, es entstehen Fixierbilder die desorientieren, die nur so elementare Gesten gelten lassen, nämlich vom Leben gezeichnete und gebeutelte Gestalten. Sie stehen immer im Kontakt und im Dialog zueinander, um ihre Regungen manchmal zärtlich und auch manchmal brutal und gewaltig erscheinen zu lassen. Die Kunst zielt auf eine originelle Zusammenstücklung von Gedanken, umgesetzt in einer realistisch gestimmten Malerei, die wie ein Geheimzeichen funktioniert. Die Brücke zum Betrachter wird geschlagen indem reale und surreale Momente aufgezeigt werden.
Auf der Webseite von Z. V. ist ein Interview zu sehen, wo er schildert, dass er beim Arbeiten “auf der Suche nach dem beglückten Zufall” ist. Dabei hat er so recht, wenn er weiter sagt: den Zufall pflegen zu müssen, denn es gilt das Medium zum Tanzen zu bringen, denn dann tanzen die Bilder.” So passt der Titel unserer Ausstellung: “Malen macht reich”.
Zu der Druckwerkstatt in Berlin, von Hendrik Liersch, möchten wir heute einige besondere Druckwerke zur Lyrik und Prosa, verschiedener Autoren, mit Radierungen und Holzschnitten von Zoppe Voskuhl Ihnen vorstellen. Hendrik Liersch und seiner Frau Karin danke ich für die schöne und wertvolle Ergänzung und Sonderschau. Die Bücher zum großen Teil mit originalen Zeichnungen bzw. Exponaten als Unikaten, sind natürlich gerne käuflich zu erwerben. Wer sie gesehen und mal in der Hand hatte, wird sich ihnen, sowie den Exponaten von Zoppe Voskuhl nicht mehr entziehen können.
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Ich freue mich, dass jetzt Andreas Weber, unser Spezialist für Kunst und Kommunikation, nun ein bewegt-informatives Gespräch mit Zoppe Voskuhl führen möchte.