Advertisements

Archive

Tag Archives: Valy

drupa2016 ValuePublshing Review Social Media Heroes.001

Great work. Great tweets. Great results. And a lot of fun beyond technology by LOVRA’s amazing chill-out sessions. Last but not least: Many THANKS to the Xerox Social Media team members Stefan, Bill, Jenna.

#drupa2016 Review: Print wins! If…

Dear friends of drupa!

Please read and share our unique series of #drupa2016 reports. We are proud to enable a real multimedia and multichannel experience. And we are happy to interact with a huge global audience covering 120+ countries.

Kick-off: splendid #drupa2016

Our ValuePUBLISHING TRILOGY — a quite critical, selective analysis looking back at the splendid #drupa2016 (in german language)

Topics Outline Overview:
• Part 1 – Proof of concept: Does the printing community communicates properly?
• Part 2 – Crucial: Reduce to the max — don’t get lost in details!
• Part 3 – The crux of the matter: #unleashprint 

 


Back to the future: Some fun

#drupa2050 — TX to Benny: Touch the future again and again…
#drupa2050 — Danke, Benny! Touch the future again and again…


Enjoy ValuePUBLISHING’s #Storify stories the most valuable way to catch up all major topics of #drupa2016 in a smart multimedia format. Convenient to navigate, wonderful to explore and easy to share. Our guideline: Less is more — so reduce to the max!

 

Note: We are proud of the fact that around the globe hundreds of thousands of unique viewers follow us already and interact with our content — shared via Twitter (@ValueCommAG plus @zeitenwende007), Facebook, LinkedIn, XING and Google+. — More than 70 % of our viewers are leading innovators dedicated to all kind of graphic communications applications. 

 

 

The secret of #drupa2016 in 20 sec. — Summary by Andreas Weber, Head of Value.

 

 

GENERAL OVERVIEW

drupa2016 REVIEW — ValuePublishing Storify:
All about the role of print in the communications mix

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Pre-drupa media conference March 2016

 

 

 

IN MEDIAS RES

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Ready for #unleashprint? YES WE CAN(on)

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Heideldruck back to profitable growth

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Heideldruck Press Conference Feb 2016

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
PitneyBowes reinvented mail (live at drupa may/June 2016)

drupa2016 – ValuePublishing Storify:
Objectif Lune put business communications to the next level

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Automated Digital Cutting made by Zünd Systemtechnik

 

Das Geheimnis der #drupa2016 in 23 Sekunden — Von Andreas Weber, Head of Value.

 


In addition for extended reading check out our focused trend reports via ValueBlog posts by Andreas Weber

Note: Almost all Blog posts are available in english and german.

 

ValuePublishing Storify Review 18062016.001


As well you can find a whole series of ValueDialog stories:

ValueDialog — Christian Kopocz: “Multichannel ensures relevance!”

To get access to more ValueDialog stories use our Blog search tool.

 

Value Publishing About @drupa2016.001

 

Advertisements
IMG_2644

Kurz vor der Eröffnung: Valy vor ihrem Bildwesen-Zyklus ›Der letzte Tango‹. Foto: Andreas Weber, Mainz/Frankfurt am Main

 

Valy Wahl — „Tanz um die Kuh“

Eröffnungsrede von Andreas Weber, Kunstverein Ingelheim, 3. April 2016

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste und Freunde des heutigen Eröffnungstages, der unter dem Thema steht: „Tanz um die Kuh“.

Ich darf gleich zu Beginn Entwarnung geben. Niemand soll und muss heute rituelle Tänze begehen, in deren Mittelpunkt ein Rindviech steht, das weder Kalb noch Stier, sondern eine Kuh ist. Geht es doch um eine im Jahr 2006 entstandene Malerei mit diesem Titel, die den Kuratoren und Organisatoren ins Auge sprang, um damit die Einladung zu schmücken respektive ein Motto für die Ausstellung zu finden.

 

Valy Tanz um die Kuh IMG_0745

Valy: Tanz um die Kuh, Malerei, 2006. Foto: Valy, Mainz

 

„Tanz um die Kuh“ erscheint heute im Kontext mit durchweg ungewöhnlichen Bildtiteln: „Grille musiziert“, „Gesang der Frösche“, „Cocoon“, „Kentaur hilflos“, „Goldrausch“, „130 Kilo“ — aber auch „Verwirrung“, „Hochmütig“, „Macht“, „Ausgelacht“, „Listiger Handel“, „Geschrei“, „Verschleiert“, „Grüne Augen“ sowie „Schönheit in Bedrängnis“, „der da, der die Könige krönt“, „Segen des Friedens“, „Aphrodite begehrt“ oder „Amerika“ und „Hiroshima lebt“, beide aus dem Jahr 2015. Ein umfangreiches Ensemble, bestehend aus neun Einzelgemälden, nennt sich „Der letzte Tango“ und datiert in das Jahr 2009.

Die Symbolkraft der Bildtitel entfaltet ein Eigenleben. Oder? — Und zeugt davon, wie Valy, die Malerin, ausdrucksstark mit Sprache umgehen kann. Fast im Sinne des Philosophen Wittgenstein, der sich Gedanken darum machte, wie wir mehr Klarheit über die Beziehung von Sprache und Welt erhalten können.

Letztlich lautet die Erkenntnis von Wittgenstein, die Sprache, die wir benutzen, sei die Welt in der wir leben. Diese Welt lässt Valy durch ihre Malerei vor unseren Augen entstehen — geprägt von Schönheit und Sinnlichkeit ebenso wie von Grauen, Katastrophen, Schimären, Dämonen und Psychotischem. Valy lässt als Ergebnis ihrer Malereien „Bildwesen“ entstehen, wie sie das nennt. Sie ist damit wie vor Jahren dargelegt der Philosophie (neben Wittgenstein-Schriften v. a. Hans-Georg Gadamers „Verstehen und Gespräch als Voraussetzung für ein Weltethos“) und der symbolistisch-visionären BIldsprache der Literatur und Poesie des Comte de Lautréamont mit seinem „Maldoror“ näher als gängigen kunstgeschichtlichen Deutungsversuchen.

IMG_2671

Valy und Andreas Weber. Foto: Gunda Vera Schwarz, Frankfurt am Main

Zu den Protagonisten

Valy Wahl und Andreas Weber kennen sich seit über 50 Jahren und haben eine ganze Reihe gemeinsamer Projekte erfolgreich realisiert. 

Valy hat sich wie kaum jemand sonst über mehr als 45 Jahre als Kulturaktivistin profiliert und der Stadt Mainz sowie der Region Rheinhessen gedient. Ihr umfangreiches malerisches Werk ergänzen zahlreiche Publikationen, Designarbeiten und künstlerische Grafiken. Bis 2010 war Valy Professorin an der Hochschule Mainz, Schwerpunkt künstlerisches Arbeiten für Kommunikationsdesigner.

Andreas Weber lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und Mainz, wo er das Kommunikationsparadies als eine dem Geist Gutenbergs gewidmete Stätte für persönliche Begegnungen und das gemeinsame Erleben der Kunst der Kommunikation etabliert hat. Er engagiert sich für ein integratives Verständnis von Kultur, Kunst und Innovation. 

Der Bildwesen-Zyklus „Der letzte Tango“ zeigt eine Gratwanderung: Valy liebt Tango. Die rhythmischen Bewegungen, die Eleganz nimmt sie in ihren Bann, ebenso wie die fast archaisch-berauschte, ins Mark treffende Stimmung, die beim Tango-Tanzen entstehen kann. Sie selbst sagte mir dazu: „Der letzte Tango, Du weißt, ich tanzte gerne und der Tango bringt mich schon aus dem Gleichgewicht … das Gefühl bei dem übermäßigen Temperament dieses Tanzes und der Musik, in aller Welt geliebt, aber überall hat er seine regionale Prägung…“

Valy’s gemalter „Tango“ huldigt dem Tanz und macht ihn gleichzeitig beinahe „gruselig“. Sie mystifiziert aber den Tango nicht, bildet auch nicht einfach nur die Tänzer ab, sondern räsoniert ihr, Valys, Empfinden beim Tango-Tanzen. Diese intensive Empfindung wird spürbar, wenn man die Bilder in Ruhe betrachtet, immer wieder die Augen schließend, sich intensiv verbindend mit dem visuellen Erleben von Valys Malerei-Zyklus. Gelingt es, wie von mir beschrieben, eine Synthese von Mensch/Betrachter und Bildwerken herzustellen, kann man ganz leise sogar die Musik „hören“, die Tango-Tänzer in den Bann zieht. „Der letzte Tango“ gestaltet sich ambivalent: Es kann sowohl „zuletzt“ gemeint sein im Sinne einer jüngsten, unvergesslichen Erinnerung, wie auch der letzte Tanz im Leben. Schön, dass wir als Betrachter hier Spielraum erhalten.

 

 

Um all dies, ihr Empfinden als Künstlerin, punktgenau zum Ausdruck zu bringen, hat Valy eine eigene Maltechnik erfunden. Statt Leinwand, Pinsel oder Ölfarben/Acryl zu verwenden, nutzt sie verschiedenste Lacke sowie Kunststoffplatten als Malgrund. [Die Malereien mit den Nummer 26 und 27, dieser Ausstellung „Verwirrung“ und „Geschrei“, gehören übrigens zu den ersten Bildwesen, die in der neuen Mal-Technik entstanden].

Malerei als Experiment, das von Valy gelenkt wird. Ohne Anspruch auf die Darstellung von etwas, das wir in der realen Welt wahrnehmen könnten, vom Künstler präsentiert, interpretiert oder überhöht. Die hohe Bedeutung von Valys Malerei wird erkennbar, wenn man Valys Bildwesen vergleicht mit herausragenden Darstellungen, die wir — um im Kontext „Tanz“ zu bleiben — in dem von mir im Jahr 2002 herausgegebenen Buch „Ein Porträt — Martin Schläpfer Ballettmainz“ finden.  — Guido Ludes gab den Impuls, dass junge Designkünstlerinnen in einer neuen Bildtechnik, dem Polaroid-Transform-Verfahren, Schläpfers Ensemble bei der Arbeit porträtierte. Das ist wohl gelungen. Schläpfer kommentierte: „…eine ganz eigene Sicht ist entstanden / eine Sicht, die mich berührt — Raum gibt / jede Bildgestaltung ruft in mir einen Text — eine Erinnerung / es geht um Tänzer — das ist für mich das schöne / auch das emotionale an dieser Arbeit“.

In der Tat, die Darstellung der Mitglieder im Ballett-Ensemble wirkt gelungen und beeindruckt kolossal.

Doch Valy setzt einen anderen Akzent und stellt klar: Ihre Kunst begnügt sich nicht damit, zu beeindrucken oder bestaunt zu werden, wie die teure Briefmarke im Album des Sammlers oder das Meisterwerk der Museumssammlung, das sich hinter Panzerglas schützen muss. Valy stellt sich in den Dienst des Fühlens, der tiefgreifenden Empfindung, die unser Innerstes berührt. Valy lässt historische Ereignisse wieder auferstehen, sowohl die Römerzeit als auch das Mittelalter aus Anlass des 1000-Jahr Jubiläums des Mainzer Doms. „der da, der die Könige krönt“ [Ausstellungsnr. 2, entstanden im Jahr 2009] zeigt zwei Bischöfe vereint, Erzbischof Siegfried III. von Eppstein und Erzbischof Peter von Aspelt. Es wurde im Mainzer MVB Forum bei der Ausstellung des Kunstverein Eisenturm erstmals gezeigt.

 

KEM ValyWahl Int ©benz_4524

Valy, Malerei 2009, ›der da, die Könige krönt‹. Foto: Klaus Benz

 

Seit 2003 hat Valy ihre eigene Maltechnik perfektioniert und variiert. In dieser Ausstellung, hier im Ingelheimer Kunstverein, hat sie Präziosen ihrer Bildwesen versammelt. Was sich naturgemäß in einer solchen Galerie-Ausstellung verschließt, ist der Kontext zum Umfeld der Entstehung von Valys Bildwesen. „Gesang der Frösche“  entstand auf dem Land, damals im Otterbacher Atelierhaus. Meine Frau Gunda Vera Schwarz und ich konnten die Bildtafeln 2013 auf der dortigen Gartenterrasse bewundern, umgeben von Bäumen, Sträuchern, Wildpflanzen; und rostigen Blechdosen, die das Farbklima aufgriffen und verstärkten. Es bleibt ein einzigartiger Sinnes-Eindruck, der immer wieder emporkommt, wenn man wie jetzt heute die Bilder wieder sieht. Kurzum, ein wahres Meisterwerk! Vor allem, weil es uns mit persönlichem Erleben verbindet.

 

 

Welches Innovationspotenzial Valys Maltechnik bietet, zeigt sich bei „Amerika“ und „Hiroshima lebt“ [Ausstellungsnummern 11 und 9, entstanden 2015]. — Zwei Bildwesen, die auf Aktuelles und Grauenvolles unseres Zeitgeschehens reagieren. Krieg, Gewalt, Katastrophen, der Wunsch nach Freiheit und Glück. Alles schon einmal da gewesen; aber wir haben nichts daraus gelernt und handeln wider besseres Wissen oder Grundsätze, die einst zu Demokratie, Mit-Menschlichkeit und Freiheit führten. Die Themen rührten Valy dermaßen an, dass sie nicht in der Lage war, in gewohnter Weise zu arbeiten. Sie erprobte eine neue Technik mit Schelllack, vertauschte positiv mit negativ. Entstanden sind ausdrucksstarke, grossartige neue Bildstrukturen und Sujets, die der Eindringlichkeit des jeweiligen Themas Rechnung tragen. Experimentierfreude ist dadurch kein Selbstzweck, sondern oberste Maßgabe, um der Malerin Valy zu ermöglichen, ihre Gefühle und Gedanken visuell auf höchstem Niveau mitzuteilen.

Valy sagt dazu: „Der Anfang meiner kreativen Arbeit ist spontan und intuitiv. Der Zufall bestimmt meine Formgebung. Die sich daraus entwickelnden Formen fordern mich, immer wieder wähle ich neue Wege, um letztlich Herrin der magischen Kräfte zu bleiben.“

 

This slideshow requires JavaScript.

Brillante Fotoimpressionen von Klaus Benz.

 

Es ist ist daher kein Zufall, dass die Schelllack-Strukturen in einer Frühphase fotografisch dokumentiert wurden und in Kombination mit dem eigens geschaffenen, textlich-künstlerischen Manifest von Valy, genannt „Kunst DurchLeben“, gestaltet wurde, das an Valys gleichnamiges Katalogbuch von 2010 anknüpft. Diese neuartige, eigenständige, multimediale Form der Kommunikation über ihre Kunst und ihre Bildwesen zog bei der Ausstellung im Mainzer Rathaus im Dezember 2015 die Besucher in ihren Bann; und sorgte für ein Höchstmaß an Interaktion, wie man es selten in Galerieausstellungen erleben konnte. Das Ganze gelang durch die Kombination von Malerei, Text, Computeranimation und Print.

Dieses Manifest von Valy lässt uns teilhaben an dem, was sie in ihrer künstlerischen Arbeit wie auch in ihrem ganzen Leben bewegt und prägt. Es ist via Internet öffentlich zugänglich. Als Text im Blog, per Valys Facebook-Seite oder auf YouTube.

Dieses einzigartige Manifest zeigt, was Valy als Malerin, als Lehrerin und Professorin, als unermüdliche Kuratorin und Ausstellungsmacherin und quasi Kulturaktivistin geschaffen hat.

Auszug:

(1)
Ich will Neues gestalten, formen, verändern. Nur wenn ich forme, verändere ich. Ich provoziere, dass sich Materialien unvollständig ergießen, in der Flächenausdehnung gestört werden und erstarren. Das heißt, ich gehe von neu entstandenen Strukturen aus, die mir Halt geben, aber auch meine inneren Welten anregen, um darin spazieren gehen zu können.

(9)

Für mich war und ist die entscheidende Frage, im Rückblick auf meine jahrzehntelange Gestaltungsarbeit und Lehrtätigkeit, im Streben nach der Kunst/Existenz und Kunst/Qualität: „Was ist für mich geblieben, über welche Kräfte verfüge ich noch, vor allem: Wie viel Kraft ist mir vergönnt, um weiterhin schöpferisch zu sein?“ — 45 Jahre Power! Alles gegeben, vor allem um zu helfen, dass an der Hochschule junge Menschen selbständige Persönlichkeiten werden und dass sie selbst zu ihrer eigenen Persönlichkeit finden.

(10)

Die verbleibende Schaffenszeit trägt die Ungeduld, die sich in den Bildmotiven, der Farbigkeit und dem Neuerschaffen von Strukturen und Formen mitteilt.

 

Meine Damen und Herren, damit ist Vieles, wenn auch längst nicht alles gesagt. Der Rest liegt an uns. 

Nutzen Sie die Ausstellung, um sich mit allen Sinnen zu vertiefen, um mit und über Valys Bildwesen, die heute hier versammelt sind, zu reden. Und nicht nur um Eindrücke, sondern um persönliche Erkenntnisse mitzunehmen und in Erinnerung zu halten.

Valy und ich selbst möchten zum Abschluss an drei existentielle Fragen erinnern, die uns der große Symbolist Paul Gauguin 1897 mitgegeben hat und die stets für das was wir tun, was uns bewegt, eine Grundlage bilden können:

  • Woher kommen wir? 
  • Wer sind wir?
  • Wohin gehen wir?

Valy und ihre Malerei, ihre Bildwesen helfen uns, Antworten zu finden. Gerne auch gleich im Gespräch mit ihnen. Ganz persönlich.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

IMG_2616

Valy und Andreas Weber. Foto: Selfie!

 

ADDENDUM

Dr. Otto Martin hatte am 4. Mai 2016 eingeladen zum Jour Fixe des Kunstverein Eisenturm (KEM),  um mit Valy Wahl (seit langem KEM-Mitglied und im Vorstandsbeirat aktiv) durch ihre Ausstellung im Kunstverein Ingelheim zu führen. Rund 40 Gäste waren gekommen und zeigten sich begeistert und  fasziniert von den einfühlsamen und anregenden Erläuterungen und Gesprächen. So intim, persönlich inspirierend und detailgenau kann man sonst Kunstausstellungen kaum erfahrbar machen. Und im Anschluss wurde bei  gemeinsamen Abendessen munter weiter diskutiert. Kunsterleben vom Feinsten. — Nachfolgend einige Video-Impressionen (freihändig mit dem Smartphone von Andreas Weber aufgezeichnet).

 

 

 

 

 

 

 

01 Valy Dankt.png

Video-Bildausschnitt zur Dankesrede von Valy am 1. Dezember 2015. Video: GVS, Frankfurt am Main

 

Dankesrede von Valy zur Ausstellungseröffnung „Valy — Kunst DurchLeben“ im Mainzer Rathaus am 1. Dezember 2015. Die komplette Eröffnung wurde separat per Text, Fotos, Videos und Animationen dokumentiert.

Liebe Freunde!

Liebe Gäste, ich empfinde große Freude, dass Sie zur Präsentation meiner neuen Bilder gekommen sind.

Dank an unsere Kulturdezernentin Marianne Grosse, Dank an die Stadt Mainz,  mir Gelegenheit zu geben, einen Teil meiner eigenen Welt in Form von Bildwesen zu zeigen.

Vor Allem in diesem Mainzer Rathaus von Arne Jacobsen, das für mich so etwas wie ein Teil meiner neuen Heimat geworden ist. Dieses Rathaus erzeugt in mir heimatliche Gefühle, wie in ‚K-Town’.  Also in Kaiserslautern bin ich geboren; und da ist der gewachsene rote Sandstein und sein roter Sand, der wie Zimt durch meine kleinen Kinderfinger rieselte. In Gedanken ist das Gefühl, das so weich, zart und staubig war, immer noch so schön! Das Rathaus liefert zwar das größte Kontrastprogramm, deshalb ist es genauso beeindruckend.

Vielleicht ist diese Ausstellung für mich eine Hommage an dieses Rathaus. Viele gemeinsame Projekte haben meine heimeligen Gefühle zu diesem Ort gestärkt.

Deshalb erhaltet, meine lieben Freunde,  dieses bedeutende Rathaus.

Nicht nur mir zu Liebe, sondern weil dieses Gebäude, mit all seinen hervorragenden Details, einfach großartig ist.

Vielen Dank an das professionelle Team von Mario Fellhauer und besonderen Dank an Mario Fellhauer selbst für den gut organisierten Ausstellungsaufbau. Danke an Silvie [die Schwägerin von Valy] für die moralische Unterstützung und lieben Dank an Rainer [der Ehemann von Valy, Vater der gemeinsamen, längst erwachsenen Tochter Ute] für seine Geduld mit mir. Danke an Martin Paul Janda und Lilly Gothe [vom Kulturamt der Stadt Mainz] für die einfühlsame Betreuung der Ausstellungskonzeption, danke für das geduldige Zuhören und die Freude an „Marianne — liberté, égalité, fraternité“.

Nun zu Andreas Weber, ihm danke ich von Herzen für seine Kreativität, die er für mich aufbringt. Diese Kreativität hat er auch in mich gepflanzt, in Form von Mut, um einen Teil meiner Gefühle und Gedanken in und für meinem Gestaltungsbereich, mit Ihnen kommunizieren zu können.

Vielen Dank für Interesse. Ihre Valy, am 1. Dezember 2015.

 

 

Nachtrag: Valy sendet nach der Eröffnung im Mainzer Rathaus und der Publikation der Dokumentation noch einen Dank per E-Mail.

Lieber Andreas, liebe Gunda,

ich danke Euch Beiden ganz herzlich für Eure liebevolle Sorge um meine Bildwesen. Ich weiß ganz besonders zu schätzen, wie Ihr Eure kostbare Zeit für mich einsetzt. Für die Form der Präsentation und vor Allem für ihre mediale  Aufbereitung bedanke ich mich herzlich. Sie ist wirklich gelungen und sehr heftig gut. Die Kameraführung aus Gundas Hand ist so fest und ruhig, besser kann es ein Stativ nicht. Wie kann ich diese Mühe gut machen? Ich muß mal gut überlegen.

Viele liebe Grüße auch vom Nikolaus,

Eure Valy

 

 

 

IMG_0946

© 2015 by Andreas Weber. Selfie vor Gemälde “Marianne” von Valy.

 

Siehe auch den Video-Live-Mitschnitt vom Eröffnungsabend auf YouTube! Der Text zur Dankesrede von Valy  wurde separat publiziert: Aus tiefstem Herzen: Valy dankt!

Eröffnungsrede von Andreas Weber

Meine sehr geehrten Damen und Herren, die heutige Ausstellung, mit dem wunderbaren Titel „Valy — Kunst DurchLeben“, steht unter dem Doppel-Patronat der „Marianne“. Die eine (gemalt) ist der Revolution, Umwälzung und Vermenschlichung der Welt verpflichtet, die andere (real) dem Bewahren dieses demokratischen Erbes sowie der Entwicklung unserer Kultur in der Gutenberg-Stadt Mainz als historisch unverrückbarem Zentrum der Kultur der Kommunikation. — Es ist so gesehen kein Zufall, dass wir uns heute hier zur Eröffnung treffen. 

Impressionen von der Eröffnung am 1. Dezember 2015 im Mainzer Rathaus. Fotos: GVS

 

Foto-Kunst von Klaus Benz, unserem Mainzer Meisterfotografen.

This slideshow requires JavaScript.

Auszüge in zwei Teilen aus der Ansprache der Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse. 

 

 

Vor exakt fünfeinhalb Jahren, am 1. Juni 2010, fanden wir uns schon einmal im Mainzer Rathaus ein, um Valy und ihre Kunst zu bestaunen. Damals würdigten wir in Form einer „Retrospektive“ rund 100 Werke, die in 50 Jahren entstanden, somit ein umfangreiches „Lebenswerk“ der Künstlerin, das ein außerordentliches Kunstschaffen mit vielfältiger Ausstellungsarbeit, unzähligen Aktivitäten und Publikationen mit Bezug auf Mainz, Kontakte in nahe und ferne Länder sowie Lehre und Ausbildung, oder besser Förderung junger Talente miteinander verbunden hat. Ein Katalogbuch wurde geschaffen, das viele Details und erstmals einen Gesamtüberblick zeigt, mit besonderem Fokus auf die damals neuen Arbeiten der Jahre 2005 bis 2010. Als Erkenntnis konnten wir ableiten: „Sie entfacht mit ihrer Kunst einen stillen oder besser: lautlosen Dialog. Und sie erschließt uns Kulturräume, sie stellt Dinge in den Kontext und begibt sich auf viele ‚Spielwiesen‘ und Entdeckungsreisen. Ohne dogmatisch zu sein oder sich den Regeln eines kommerziell getriebenen Kunstbetriebs zu beugen, bezieht Valy eine klare Position, gerne auch polarisierend: Valy versteht es, aus Kunst nachhaltige Kommunikation in höchster Vollendung werden zu lassen.

Rückbezüge und Beziehungsgeflechte zu Künstlern von Rang aus den letzten 250 Jahren ließen sich nachweisen — von Füssli bis hin zu Bernard Schultze. Ebenso wurden bis dato unbekannte Verflechtungen mit Poesie und Literatur dargelegt. Mit dem Ergebnis: Kein Vorbild ist zu übergroß, um nicht mit Valy auf Augenhöhe sein zu können. 

Ich zitiere das Katalogbuch, in dem Ursula Weber schrieb: „Mit Präzision und Stringenz hat sich die Künstlerin heute, im Jahr 2010, dort positioniert, wo sie hinwollte. Valy ist seit 1969 als freischaffende Künstlerin aktiv, widmete sich seit 1970 als Assistentin, Dozentin und Professorin der künstlerischen Lehre. Doch erst nach dem Übergang in den ‚Unruhestand‘ im Jahr 2005 entfaltete sie [vollends] ihr künstlerisches Repertoire, wie wir es nunmehr vor Augen haben.

Sie konnte sich auf diese Weise unabhängig entwickeln, als Fotografin, als Zeichnerin, als Frottage-Künstlerin, als Malerin, als Gestalterin, fernab eines Kunstbetriebs, der auf Kommerz ausgerichtet ist.“ (…) „Die Erwartungshaltung der bildenden Künstler an die Betrachter und Kunstfreunde wird [von Valy], wenn nicht untergraben, so doch auf den Kopf gestellt. Valy präsentiert uns nicht ihre Welt, die wir bestaunen dürfen. Sie führt uns mit ihren bildnerischen Mitteln unsere eigene Welt vor Augen. Sie will weder objektivieren, noch verniedlichen, sie fordert uns auf, dass wir uns dem Leben in seiner grundlegenden Bedeutung stellen. Archaisch-archetypisch wählt sie ihre Bildmotive und Themen aus. Themenzyklen wie ‚Horror‘ oder ‚Der letzte Tango‘, Motive wie ‚Lüstern‘, ‚Lach nur‘, ‚Tanz des Schreckens‘, ‚Cocoon‘ tituliert sie als ‚Obsession in Schwarz’.“

Ganz wesentlich war und ist für uns, zu erfahren, was Valy selbst über ihre Kunst, ihr Schaffen sagt: „Der Mensch steht im Vordergrund. Die Befindlichkeiten der menschlichen Empfindungen, von innen oder außen geprägt, spielen eine entscheidende Rolle. Das Miteinander oder Gegeneinander bieten starke Kontraste, die dann auch entsprechend hart formuliert werden müssen. Gesellschaftliche und persönliche Erfahrungen fordern heraus, diese bildnerisch zu beschreiben. Meist treibt innere Unruhe oder Unzufriedenheit über Qualitäten die kreative Arbeit an.“

Was kann nun heute, fünfeinhalb Jahre später, nachdem der Lebensweg von Valy so trefflich beschrieben ist, an die fulminante Ausstellung von 2010 heranreichen oder sie sogar noch übertreffen? 

Zunächst ein paar exklusive Einblicke zum Aufbau der Ausstellung:

This slideshow requires JavaScript.

 

Und dann: Neben neuen, atemberaubenden Gemälden erstmals die Leitsätze zu Valy’s künstlerischem Manifest (vorgetragen von Ausstellungsbesuchern):

  1. Ich will Neues gestalten, formen, verändern. Nur wenn ich forme, verändere ich. Ich provoziere, dass sich Materialien unvollständig ergießen, in der Flächenausdehnung gestört werden und erstarren. Das heißt, ich gehe von neu entstandenen Strukturen aus, die mir Halt geben, aber auch meine inneren Welten anregen, um darin spazieren gehen zu können.
  2. Visuell erfahrbare Bewegungen in den Strukturen entfachen körperliche Vibrationen, die sich in figuralen Gegenständlichkeiten niederschlagen. Deshalb braucht die Malerei meine ganze Körperlichkeit. Der Körper im Bild braucht meinen gesamten Körperschwung, geleitet durch den spirituell ausgerichteten Geist meiner Gefühle und die Sehkraft meiner Augen.
  3. Frei von äußeren Zwängen, allein mit dem Raum, der Fläche, den Strukturen und meinen Händen werden meine Bilder in Schwarz auf weißem Grund geschrieben. Schwarz-Weiß setzt scharfe Grenzen, steht im Gegensatz zu dem fließenden Rhythmus des Machens. Diese Härte der Kontraste bringt manchmal die Spannung zum Zerbersten. Diese Zerstörung hält man nicht aus, aber formal können die Ergebnisse richtiggehend „schön” sein.
  4. Der Anfang meiner kreativen Arbeit ist spontan und intuitiv. Der Zufall bestimmt meine Formgebung. Die sich daraus entwickelnden Formen fordern mich, immer wieder wähle ich neue Wege, um letztlich Herrin der magischen Kräfte zu bleiben.
  5. Der Augenblick des Lichts transportiert die Idee. Die permanente Konfrontation von Lieben und Leben, mit dem Sterben und dem Tod vor Augen, ist eine kaum erträgliche Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit quält im Unterbewusstsein und zwingt diese Gestalten ans Licht, zum Beispiel „Figuren in Angst und Hass“, „Verlorene Seelen“, „Körper trifft Seele“.
  6. Der Augenblick des Lichts transportiert die Idee. — Der aktuelle Bezug erfährt beim Machen seine Realität. Der Titel des Bildes entsteht dann im Nachhinein.
    Manche Bilder oder Objekte brauchen keinen Titel. Denn sie sind fähig sich selbst mit.zuteilen.
  7. Die starke Konzentration auf den Moment festigt (mit hoher Geschwindigkeit über die malende Hand) die Struktur, um zur Form des Figurativen und ihrem bildnerischen Raum zu gelangen. Farbigkeit spielt kaum eine Rolle. Oft lenken Farben nur vom eigentlichen Geschehen ab. Ich setze sie bewusst und beinahe spärlich ein. Ich liebe Farben, sogar in kräftigen Tönen und Kontrasten, aber für meine Malereien nutze ich fast ausschließlich Schwarz-Weiß.
  8. In meiner jetzigen kreativ-künstlerischen Arbeit bin ich von großer Ungeduld getrieben. Deshalb sind meine Arbeitsvorgänge von maximaler Geschwindigkeit geprägt. Bewegung schafft Hoffnung. Und umgekehrt. Hoffnung ist Bewegung.
  9. Für mich war und ist die entscheidende Frage, im Rückblick auf meine jahrzehntelange Gestaltungsarbeit und Lehrtätigkeit, im Streben nach der Kunst/Existenz und Kunst/Qualität: „Was ist für mich geblieben, über welche Kräfte verfüge ich noch, vor allem: Wie viel Kraft ist mir vergönnt, um weiterhin schöpferisch zu sein?“ — 45 Jahre Power! Alles gegeben, vor allem um zu helfen, dass an der Hochschule junge Menschen selbständige Persönlichkeiten werden und dass sie selbst zu ihrer eigenen Persönlichkeit finden.
  10. Die verbleibende Schaffenszeit trägt die Ungeduld, die sich in den Bildmotiven, der Farbigkeit und dem Neuerschaffen von Strukturen und Formen mitteilt.

 

 

This slideshow requires JavaScript.

 

 

Einschub: Das Publikum macht während des Vortrags aktiv mit!

Eine weitere Premiere: Valy hat in ihrer Ausstellung im Mainzer Rathaus nicht nur neue “Bildwesen” präsentiert. Sondern durch ihr künstlerisches Manifest sowie die gedruckte und multimediale Aufbereitung ihrer Textinhalte Neuland beschritten. Bei der Eröffnungsrede konnte ich das Publikum aktiv einbeziehen. Fantastisch!

 

 

 

Meine Damen und Herren, sie bemerken: Valy ist eine Künstlerin, die im Dialog mit ihrem „Publikum“, mit uns Mitmenschen steht. Uns einbezieht. Uns teilhaben lässt. Und die Erkenntnisse daraus in ihr Kunstschaffen einfließen läßt. Sie hat ein perfekt ausgebildetes Talent, sich auszudrücken. Per Malerei, per Gestaltung, per Aktion ebenso wie verbal und medial. Dies geht über eine reine Performance-Attitüde weit hinaus. „Painting“ ist „Action!“, möchte man sagen. Dies wird dadurch möglich, dass Valy stets im (kritischen Dialog) mit Valy steht. Was sie gerade aus dem Publikum hörten, ist ihr „Künstlerisches Manifest“. Von ihr verfasst, auf mein Betreiben hin. Dieses Manifest definiert einen eigenen neuen Werk-Komplex. Und ist in der Ausstellung multimedial erfahrbar, ebenso wie auf den wichtigen Internetplattformen Facebook oder YouTube und in meinem Blog für Kunst und Kommunikation. Ich durfte mitwirken, was mir eine Freude und Ehre ist, uns das Manifest medial inszenieren: Per Bildschirm als interaktive Präsentation. Per Print als Leporello und per „Kunstband am Boden“.

 

 

Valy sagte mir, nach getaner Arbeit an ihrem Manifest, sie habe sich schwer getan, es zu verfassen. Sei aber froh, dass es gelungen ist. Sie erinnert sich, dass neben der Malerei, quasi wie durch einen Automatismus getrieben, seit 2010 eine Fülle von ihre Malereiarbeit begleitenden Aktivitäten entstanden sind. Sie hat im Eisenturm für den Kunstverein eine Reihe von Ausstellungen initiiert und kuratiert: Boris Jirku aus Prag (Partner und Motor bei den legendären, internationalen „Figurama-Projekten“), Zoppe Voskul aus Berlin, Gertjan Evelo aus Amsterdam setzte Valy in Szene, um an das anzuknüpfen, was den Kunstverein Eisenturm im Kern ausmacht: „Künstler bieten Künstlern eine Plattform.“ Seit Februar 2015 hat Valy ihr Engagement für den Kunstverein Eisenturm (kurz: KEM) sogar noch ausgeweitet und gehört dem Beirat und damit dem erweiterten Vorstand an. Sie hat über den Eisenturm hinaus herausragende Ausstellungsprojekte mitinitiiert und/oder unterstützt. Allen voran „Kunst zu(m) Sterben“, im Herbst 2013 gemeinsam mit mir als Co-Kurator hier im Mainzer Rathaus, und mit dem Mainzer Palliativnetzwerk als Partner für das Rahmenprogramm. Fast ein dutzend herausragender Künstler aus nah und fern waren beteiligt. Hunderte Besucher aller Alters- und  Gesellschaftsschichten wohnten allein der Vernissage und Finissage bei.

Valy kuratierte davor, im Dezember 2012, ebenfalls im Mainzer Rathaus, die Gemälde- und Skulpturenausstellung von Silvia Lerin aus Valencia, die nach einem Stipendium in den USA neuerdings in London lebt und vielbeachtet ihren Weg findet. Valy beteiligte sich an Gruppenausstellungen, z. B. im Herrenhof in Neustadt/Mußbach, wo Otfried H. Culmann die „art imaginär 2013 – Phantastische und visionäre Kunst“ präsentierte, sowie ihrem Lehrer im Herbst 2014 in der sehenswerten Ausstellung „Helmut Göring und seine Schüler“, Tribut gezollt wurde.

Und sie bringt Künstlerfreunde zusammen, wie im Sommer 2014 in Wörrstadt bei Kunst im Rathaus: „Grenzenlos“, mit Alexander Paul Rozehnal, Malerei, und Amador Vallina, Skulptur. 

 

 

Hohe Bedeutung misst Valy der Familie und darüber hinaus der Freundschaft bei. Freundschaft heisst nicht nur, sich zu treffen, zu reden, sich miteinander zu beschäftigen, um Fürsorge zu übernehmen. Sondern es heisst, Gemeinsamkeiten zu entwickeln, um in der Gemeinschaft die für uns wichtigen Dinge durch Kunst und Künstler voranzubringen. Zwei Beispiele für Valys ausgeprägten Gemeinschaftsgeist: Sie engagiert sich als Teilnehmerin und als Akteurin beim KEM Jour Fixe, einer in Mainz beispielhaften Initiative, um sich zum Monatsbeginn mit dem aktuellen Kunst- und Kulturgeschehen in Mainz persönlich auseinanderzusetzen. Und jüngst, beim „Zeitenwende. Kunst mal anders“-Event im Mainzer „Kommunikationsparadies“, gab Valy im Team mit ihrer Freundin Fee Fleck und der Textilkünstlerin Gisela Rapp Einblick in ihre Arbeit und in ihren Schaffensprozess. Das Publikum wurde aktiver Teil des Geschehens. Blieb also nicht nur passiv in der typischen Zuschauerrolle bei einer Kunst-Darbietung.

 

 

Insbesondere, das heute erstmals im öffentlichen Raum ausgestellte Gemälde „Es reicht!“ bewegte beim Jour Fixe des KEM am 2. September 2015. Valy bezieht darin malerisch auf drastische Art und Weise zum Thema „Kollaps der Moderne“ Stellung und erläutert ein bedrohliches Desaster: „Wir sind (zumeist verstummte) Zeitzeugen und sehen tatenlos zu, wie die Verlärmung der Landschaft während Tag und Nacht zunimmt. Wie durch den rollenden Güterverkehr im ‚Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal‘. Für die betroffenen Bürger als Bewohner der Rhein-Romantik ist die Belastungsgrenze schon jetzt weit überschritten. Die Probleme der geplanten Rheinschiene sind heute schon für die Menschen am Strom unerträglich. Durch diese gesundheitsschädlichen Lautstärken und Erschütterungen der rollenden Räder und die vielfach mit Gefahrgut gefüllten Wagons werden die Menschen wie mit einem Fallbeil als Hinrichtungsgerät guillotiniert.“ Das trifft den Kern. Und gibt der Kunst eine Rolle zurück, die ihr abhanden gekommen scheint: Sich aktiv und wirkungsvoll einmischen in ein Tagesgeschehen, das wir miterleben, das wir erleiden, ohne uns konstruktiv-kritisch einzumischen.

Damit nimmt das Gemälde „Es reicht!“ eine Sonderrolle im Werk von Valy ein. Mit einer Vorgeschichte: Die Ideen zu dem Bild gehen auf eine Initiative des Deutschen Werkbund im Jahr 2012 zurück — Valy war 1989 Gründungsmitglied des Landesverband Rheinland-Pfalz. Im Rahmen des Werkbundtag-Programms „RheinSCHIENE & WarenSTROM — Zukunftswerkstatt Kulturlandschaft“ wurde sachlich, aber kritisch-fundiert aufgezeigt, welche Katastrophe sich anbahnt. Die Resonanz beim Fachpublikum war ausserordentlich hoch, leider aber gleichermaßen unangemessen niedrig bei der Bevölkerung, die unmittelbar betroffen ist.

 

 

Noch dynamischer wird dieses neue-alte Verständnis von Kunst durch die Zusammenarbeit beim Projekt „Im Reich der Drohnen — Mutig. Schonungslos. — Ein Aufschrei. Gegen das Vergessen, das Verdrängen, die Ignoranz “. Seit über einem Jahr begleitet Valy aktiv das Projekt, das ihre Freundin und Malerkollegin Fee Fleck an den Start gebracht hat: Ein monumentaler Gemälde-Zyklus zu einem angsterfüllenden Thema: „Drohnen“. Jene ferngesteuerten, unbemannten Kampfsysteme, die Tod und Vernichtung bringen. Das Grauen ist unvorstellbar und bezieht uns alle ein. Die Datensteuerzentrale für alle weltweiten Drohneneinsätze der US-Air-Force befindet sich in der Pfalz, in Ramstein. Deutsche Dienste liefern Daten, um Ziele präzise zu definieren. Valy half im Team mit mir, einen wichtigen  Diskussionsabend im „Kommunikationsparadies“ zu gestalten, bei dem unterschiedliche Vertreter aus Kunst, Wirtschaft, Kultur, Architektur und Wissenschaft, die sich sonst kaum treffen würden, gemeinsam diskutiert haben. Und Valy half, einen bedeutenden Ausstellungsort zu finden, der Fee Flecks Gemäldezyklus gerecht und einer ersten Präsentation wird: Der Frankfurter Hof in Mainz!

— Was ist nun das Bindeglied, meine Damen und Herren, zwischen diesem Terror- und Kriegsthema wie es Fee Fleck darstellt und anprangert und dem was Valy als Künstlerin in ihren heute zu sehenden Bildwerken beschäftigt? 

Es ist die Einsicht und Erkenntnis, dass die Welt, unser Leben und Dasein eben nicht nur eitel schön ist. Auch wenn für uns Menschen Freude und Glückseeligkeit das Maß aller Dinge sind, in uns selbst und durch uns selbst tun sich allzuoft Abgründe auf. Ängste, Sorgen, Dämonen nehmen von uns Besitz. Das sehen wir hier allzu deutlich in der Ausstellung durch viele der Exponate. Valy führt uns vor Augen und antizipiert, was die meisten von uns erst erfahren, wenn es zu spät ist. Und dann in Hilflosigkeit erstarren. Wenn in Beirut, Paris, Bagdad und anderswo auf einen Schlag dutzende und hunderte von Menschen gewaltsam durch Terror und Verbrechen sterben müssen. Wenn wir erkennen müssen, dass die Welt, in der wir leben, dominiert wird von Betrügern in traditionsreichen Wirtschaftsunternehmen, von geldgierigen Bankiers, die uns ausplündern, von scheinbar überforderten Politiker-Eliten, die unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung unsere freiheitlich demokratische Grundordnung aushöhlen — im guten Glauben, den Krieg der Gerechten mit Waffen zu führen, gegen Gegner, die eher Kriminelle sind als politisch-religiös verbrämte Terroristen der alten Garde und nicht davor zurückschrecken, millionenfach ihre eigenen Landsleute in die Fremde zu verjagen.

 

Valy Spielkarten.001

Kunst mal anders. Völlig spielerisch.

 

Die Botschaft von Valy durch ihre Kunst ist in diesem Zusammenhang eindeutig. Sie überträgt diese Themen des tägliches Schreckens und Grauens in bildhafte Metaphern und eindrückliche Szenerien, um uns die Angst vor der Angst und dem unwägbar Schrecklichen zu nehmen. Und zwar rechtzeitig, in Momenten, in denen der Ernstfall, der uns erstarren lässt wie das Kaninchen vor der Schlange, noch nicht eingetreten sein muss. Valy agiert abseits der aktuellen Nachrichtenlage, die uns in ihrer Massivität der „Bad News“ eher verwirrt als hilft. Valy wendet sich gegen die stupide Floskel des „Kampfes der Kulturen“, den die Wirtschafts- und Politikeliten ausgemacht haben wollen. Denn Kulturen entwickeln sich durch Kunst, schaffen eine Einheit und keine Kollision oder Konfrontation.

Meine Damen und Herren, dies sind nur Auszüge aus dem, was Valy „nebenbei“ in den letzten fünf Jahren vollbrachte. Sie hat damit nachhaltig für unsere Stadt Mainz, die Region Rheinhessen und darüber hinaus einzigartiges geleistet, was die Arbeit der etablierten Kunst- und Kultur-Institutionen beflügelt und verstärkt. Kunstfreunde*Innen und Künstler-Kollegen*Innen bewundern Valy. Im Sommer 2013 wurde ihr durch unseren verehrten Oberbürgermeister Michael Ebeling im Rahmen des 40. Jubiläum der „Finther Gruppe“ deren Kunstpreis, der „Finther Gickel“ verliehen. Alle Achtung!

Apropos Achtung. Ein Wermutstropfen bleibt. Trotz Valys permanenter Präsenz, ihrem unermüdlich hohen Einsatz für Kunst, Kultur und für uns Menschen in Mainz, ist ihr bisher verwehrt, auch mit ihren Malereien im öffentlichen Raum vertreten zu sein. Die Stadt wie auch das Land täten gut daran, durch Ankäufe hier in der Ausstellung Abhilfe zu schaffen. Gerade die neueren Arbeiten von Valy, von deren Strahlkraft wir uns heute und in den nächsten Wochen überzeugen können, bieten sich an, dauerhaft präsentiert und gezeigt zu werden.

Ich will nun, zum Abschluss, zusammen mit Valy, Ihnen, liebes Publikum, per Gespräch, an dem Sie sich beteiligen können, die neuesten Arbeiten näher bringen. Es hat sich viel getan!

 

Live-Video-Mitschnitt der Eröffnung per YouTube:

Bildschirmfoto 2015-11-20 um 18.40.29.png

Valy: Der da, der die Könige krönt. Malerei, 140 auf 100 cm, 2009

 

Im Vorfeld zur Eröffnung der Ausstellung „Valy — Kunst DurchLeben“, die am 1. Dezember 2015 eröffnet wird, möchte ich an meinen Vortrag vom 1. Juni 2010 erinnern, als die „Retrospektive“ mit rund 100 Arbeiten aus knapp 50 Schaffensjahren von Valy im Mainzer Rathaus eröffnet wurde. Zur Ausstellung wurde erstmals ein Buch als Werkverzeichnis publiziert, das ihren Werdegang aufzeigt. Dem Buch sind die gezeigten Bilder entnommen, die perfekt auf die neuen Arbeiten einstimmen..  —Andreas Weber

 

 

„Die ich rief, die Geister, Werd’ ich nun nicht los.“ 

J. W. von Goethe, Der Zauberlehrling, Weimar, 1797

 

Die Künstlerin, die es zu entdecken, zu erfahren und zu bewundern gilt, ist Valy Wahl, vielen auch als Valy Schmidt-Heinicke bekannt. Valy hat ihre ganz eigene Zauberformel gefunden, ohne jemand heimlich zu belauschen oder zu kopieren. Das Resultat ist ein eigenständiges Werk, das sich mit den ganz großen der Kunst- und Kulturgeschichte messen lassen kann. Kaum eine andere Künstlerpersönlichkeit hat sich so konsequent und zielstrebig entwickelt, um es zur Meisterschaft zu bringen. Kunstgeschichtler werden sich die Zähne an Valy ausbeissen. Denn Valy ist ikonographisch und ikonologisch nicht einzuordnen. Überhaupt, Denken nach Schema F ist ihr nicht nur fremd, sondern vermutlich auch zuwider. Künstler und Kunstsinnige lieben Valy, weil sie uns unverblümt, geradezu kompromisslos ihre Sicht der Dinge mitteilt und uns wachrütteln kann. Valy versteht es, das kunsthandwerkliche mit dem freien künstlerischen Schaffen und Experimentieren zu verweben. Obgleich (oder weil?) sie in der Pfalz, in Kaiserslautern, geboren ist, liebt sie das Kommunizieren, ohne jemals geschwätzig zu werden. Ihre Kreativität, ihr Gestaltungswille, ihr Mitteilungsbedürfnis, ihre Lebensfreude, ihre Kraft und Ausdauer, ihr Mut, ihr Engagement für andere sind beispielhaft. Valy versteht es dabei, sich als Person zurückzunehmen und gleichzeitig präsent zu sein.

Sie entfacht mit ihrer Kunst einen stillen oder besser: lautlosen Dialog. Und sie erschließt uns Kulturräume, sie stellt Dinge in den Kontext und begibt sich auf viele „Spielwiesen“ und Entdeckungsreisen. Ohne dogmatisch zu sein oder sich den Regeln eines kommerziell getriebenen Kunstbetriebs zu beugen, bezieht Valy eine klare Position, gerne auch polarisierend: Valy versteht es, aus Kunst nachhaltige Kommunikation in höchster Vollendung werden zu lassen. Allein ihr druckgrafisches Werk genügt, um als Beweis herangezogen zu werden. Plakate, Fotoarbeiten, gedruckte Publikationen greifen wichtige Themen auf und stellen kulturgeschichtlich orientierte Meilensteine dar. Mehr als 25 Jahre hat Valy ihr Engagement in den Dienst der Kommunikation gestellt. Als Dozentin und Professorin unterstützte sie an der Fachhochschule Mainz ganze Hundertschaften von Kommunikationsdesignern beim Finden des richtigen Weges und bei der Ausgestaltung künstlerischer Fähigkeiten. Lautlos und im Stillen Dialoge zu führen, heisst eben nicht, stumm oder wirkungslos zu sein. Dies ist umso wichtiger, da die Kommunikationswirtschaft in ihrem Werbegelderrausch laut und schreiend uns alle dermaßen belästigt, dass wir auf der Flucht sind.

Flüchten oder Standhalten?

Gute Frage. Valy stellt sich den Dingen. Valy gestaltet. Valy bezieht Position. Valy schafft es, zweidimensionales mehrdimensional erscheinen zu lassen. Und sie stellt Bezüge her, die ungewöhnlich sind, um den Assoziationen freien Lauf zu lassen.

Valy sagt über ihre Kunst: „Der Mensch steht im Vordergrund. Die Befindlichkeiten der menschlichen Empfindungen, von innen oder außen geprägt, spielen eine ent-scheidende Rolle. Das Miteinander oder Gegeneinander bieten starke Kontraste, die dann auch entsprechend hart formuliert werden müssen. Gesellschaftliche und persönliche Erfahrungen fordern heraus, diese bildnerisch zu beschreiben. Meist treibt innere Unruhe oder Unzufriedenheit über Qualitäten die kreative Arbeit an.“

Dieser Impetus der Künstlerin verlangt nach neuen, ausdrucksstarken malerischen Inszenierungsmöglichkeiten. Dazu hat Valy eine ganz eigene Maltechnik erfunden, die eher an Fresco, als an Tafel- oder Leinwandmalerei erinnert. Die fünf bis zehn Millimeter starken, mit Papier kaschierten Kunststoffplatten, bieten eine samtweiche, glatte Oberfläche. Recycling-Klarlack wird aufgetragen, je nachdem eingefärbt mit Pigmenten. Der Auftrag erfolgt spontan und rhythmisch, teilweise abgehoben. Die Suche und Auswahl bildnerisch-substantieller Motive erfolgt intuitiv, oft liegen Skizzen zugrunde. Darüber wird nicht mit Pinsel oder Spachtel gemalt, sondern mit einer Tube, die klaren Gummikleber enthält. Dadurch werden strukturelle Formationen den skizzierten Motiven angenähert. Im Anschluss wird Druckfarbe mit einem Lappen über beinahe die komplette Bildfläche verteilt. Sodann wird der Gummikleber entfernt. Mit der Druckfarbe und dem Lappen werden die Formen konkretisiert und bearbeitet. Weitere Effekte ergeben sich daraus, wie etwa Mehrschichtigkeit und Transparenz. Diese Maltechnik ist nicht zu kopieren, weil sie nur funktioniert, wenn die der Künstlerin eigenen Arbeitsabläufe und Methoden hinzugefügt werden – vom Sehen und Wahrnehmen bis zur Modulation und Bestimmung der Inhalte.

 

 

Mainz als Brennpunkt künstlerischer Schaffenskraft

Beginnend mit Schrift-, Schreibübungen und Plakatentwürfen seit 1957, weitergeführt von Plakaten aus der Zeit seit 1974 reihen sich dutzende Arbeiten ein. Denn bei allen Stadtgeschichte-Ausstellungen für die Stadt Mainz, wurde ein Gesamterscheinungsbild konzipiert, gestaltet und realisiert. Dazu gehörte die didaktische Aufbereitung des Archivmaterials der jeweiligen Thematik, Gestaltung der Ausstellung, Plakat, Einladungskarte und Katalog.

Themen sind Juden in Mainz, Deutsche Jakobiner, Deutschland und die Französische Revolution, Die Mainzer und ihr Rathaus sowie Die Mainzer Kunstszene nach der Stunde Null 1945 – 1954, um nur einige zu nennen.

Siebdrucke wie die Pi-Serie von 1978 kommen hinzu, die als freie künstlerische Arbeiten entstanden, ebenso Fotografien. Reisebilder und Reiseberichte führen uns nach Valencia (2005) oder ins ferne Japan (Fotografien von 2007). Entstanden sind aber auch Blei und Glasarbeiten sowie Kooperationsprojekte wie mit Hendrik Liersch und Ute Eckenfelder aus dem Jahr 2009.

Auf einen wichtigen Punkt will ich aber hinweisen. Die Nähe von Valy zur Literatur und Poesie, ebenfalls eine lautlose, aber äußerst mächtige und klangvolle Form der Kommunikation.

 

„Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleib’ im Dunkeln unerfahren, mag von Tag zu Tage leben.“ —Goethe: West-östlicher Divan, Buch des Unmuts

 

Entstanden ist in einer an den Symbolismus angelehnten visionären Bildsprache eine alptraumhaft-chaotische Welt des Triebs und des Horrors. Maldoror erscheint in immer neuen Metamorphosen und Masken und präsentiert sein Ich als allegorisches, vampirisch-destruktives Leitbild. Er symbolisiert die Inkarnation des Bösen selbst, ein schwarzer, zerschmetterter Erzengel von unsagbarer Schönheit, der dem Menschen (Leser) seine eigene Hässlichkeit vor Augen führt. Comte de Lautréamont lässt Maldoror sagen: „Ich bediene mich meines Geistes, um die Wonnen der Grausamkeit zu schildern, keine flüchtigen, künstlichen Wonnen, sondern solche, die mit den Menschen begonnen haben, die mit ihm enden werden.“ Die archaischen Metaphern der Gesänge sind nicht als Vergleiche aufzufassen, sondern als Annäherung von zwei mehr oder weniger voneinander entfernten Wirklichkeiten, wie seinerzeit die Entdecker von Comte de Lautréamont, die Dichter Paul Éluard, Louis Aragon, Philippe Soupault und André Breton herausstellten. Breton übernahm Passagen der Gesänge in seine Anthologie des schwarzen Humors: „Die Grenzen sind gefallen, in denen Worte in Beziehung zu Worten, Dinge in Beziehung zu Dingen treten können. Ein Prinzip ständiger Verwandlung hat sich der Dinge wie der Ideen bemächtigt und zielt auf ihre totale Befreiung ab, die die des Menschen impliziert.“ Comte de Lautréamont hinterließ mit seinem Werk ein verwirrend-verrätseltes Vexierspiel, das die Erwartungshaltung des Lesers immer wieder untergräbt.

Apropos. Da ist noch Der Zauberlehrling: 

»In die Ecke,
Besen! Besen!
Seid’s gewesen.
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister.«

 

Kommunikationsparadies Key Visual.001

© 2015 by Value Communication AG, Mainz/Germany. Photos/Collage: Gunda Vera Schwarz, Andreas Weber, Frankfurt am Main/Germany.

Willkommen im Kommunikationsparadies!

Dr. Otto Martin hatte nach der Sommerpause zum Jour Fixe des Kunstverein Eisenturm Mainz (KEM) an einen besonderen Ort eingeladen. Gastgeber war am 2. September 2015 Andreas Weber, Gründer der Value Communication AG und Mitglied im Vorstand des KEM. Er stellte im Team mit den Künstlerinnen Fee Fleck, Gisela Rapp und Valy Wahl unter dem Thema „Zeitenwende — Kunst mal anders“ sein ‚Kommunikationsparadies’ in der Mainzer Walpodenstrasse vor. Motto des Abends: „Kunst ist Kommunikation. Und Kommunikation ist (eine) Kunst!“ — Daraus ergaben sich vielfältige Interaktionsmöglichkeiten, die nicht nur darauf abzielen, dass das Werk des Künstlers für sich spreche oder von Kunsthistorikern gedeutet werde müsse; vielmehr wurde präsentiert, wie Künstler und Betrachter persönlich wie auch medial ins Gespräch kommen und den Dialog nachhaltig aufrecht erhalten können.

„Es erwartet uns heute ein Highlight innerhalb unserer Jour-Fixe-Veranstaltungsreihe“, betonte Dr. Otto Martin bei seiner Einführungsrede. Und ergänzte: „Ein Highlight aufgrund hoch intensiver Vorbereitungen — mit sehr gelungener Strukturierung verschiedener künstlerischer Techniken, verschiedener Künstlerinnen und Kunstgattungen. Dank an Andreas Weber, dass er für uns seine Schatzkammer geöffnet hat!

40 Teilnehmer waren gekommen — die Zahl passt exakt zum 40. Jubiläum des KEM seit der Gründung. Die Gäste zeigten sich von den kreativen Anregungen aus erweitertem Blickwinkel begeistert. Für alle ergab sich die Gelegenheit zu inspirierten Gesprächen, sinnlichen Erfahrungen und einem regem Gedanken- und Meinungsaustausch. Die meisten profitierten von neuen, unverhofften Kontakten, da eine ganze Reihe von Gästen zum ersten Mal an einem Jour-Fixe des KEM teilnahmen. Neben dem Kunstgenuss gab es für die Gäste einen speziell „komponierten“ Imbiss sowie feinen Sekt der Goldhand Sektkellerei, den der Inhaber Walter Könitz gestiftet hatte.

Kunst als essentieller Bestandteil unserer Kommunikationskultur

Warum geben wir der Kunst und den Künstlern nicht mehr Raum in unserem Alltag — nicht als Element der Unterhaltung, sondern elementar als Katalysator unseres Verstehens?“ Diese Frage richtete Andreas Weber an das Publikum und die Mitwirkenden. Er betonte, dass sein Mainzer Kommunikationsparadieses als ein Wirkungsraum für Interaktionen und Gespräche angelegt ist. Gespräche über das Leben, die Kunst, die Technologien, die Sinnhaftigkeit unseres Daseins und Tuns. Diese Gespräche werden beflügelt durch das künstlerische Schaffen vieler Disziplinen, multisensorisch und vielfältig erfahrbar. Die Gäste machte Andreas Weber mit vier verschiedenen Kunstprojekten vertraut, die teilweise gerade abgeschlossen, teilweise noch in der Entwicklung sind:

Analog trifft Digital: Kunst mal anders!

Alle Programmpunkte machten anschaulich, was wie und warum im Kommunikationsparadies geschieht: „Kunst und Künstler weisen uns den Weg. Wir bilden das, was wir anders oder neu wahrnehmen durch eine zielgerichtete Kommunikation aus. Dazu gehört, dass alle unsere Projekte/Aktivitäten stets medial erfahrbar sind. Über Gedrucktes und ganz anders wirkungsstark in digitaler Form, nutzbar von vielen Menschen rund um den Globus während wir hier versammelt sind.“ Ein Highlight unter den Highlights war, als Valy Wahl im Team mit Andreas Weber vorführte, wie über ihre Malerei kommuniziert wird: Valy trug eine Selbstbeschreibung vor, die als Text vorbereitet war. Und der eine digitale Video-Animation per Computer/YouTube und Facebook zur Seite steht. Bilder aus der Entwurfsphase von Valys neuen Malereien wurden gezielt für Spezialeffekte genutzt, mit transitorisch-medialen Elementen. Um der Flüchtigkeit des Digitalen am Bildschirm zu entkommen, wurde die zugrunde liegenden Bild-Textseiten als großformatiges Zick-Zack-Leporello gedruckt. Das Leporello wurde vor den staunenden Augen der Gäste blitzschnell entfaltet und auf eine Länge von über fünf Metern durch den Raum gezogen.

Der Jour Fixe des KEM, mit allen seinen engagierten Akteuren, ermöglichte einen gelungenen Appell an alle im Umgang mit Kunst und den Exponaten im Kommunikationsparadies: HINGUCKEN. Stöbern, Lustwandeln, Genießen, Staunen. Reden und Zuhören… Sprich alle Sinne beanspruchen. 

Andreas Weber ergänzte zum Abschluss: „Das Kommunikationsparadies steht allen offen, die sich sinnvoll  einbringen wollen und können. Seit Beginn durch das Zeitenwende-New York-Projekt zum Jahr 2000 hatten wir in diesen Räumen viele tausend Besucher aus Dutzenden von Ländern rund um die Welt. Der persönlichen Begegnung stehen besondere, international ausgerichteten Projekte zur Seite, inklusive Workshops, Seminaren, Round-Table-Gesprächen, einem Artist-in-Residence-Programm und vielem mehr. Besten Dank für das Interesse. Heute ist ein ganz besonderer Tag. Vielen Dank dafür.“

Hinweis:
Anfragen zum Kommunikationspradies und Möglichkeiten der Zusammenarbeit können direkt an Andreas Weber gerichtet werden.

Impressionen vom Jour Fixe des Kunstverein Eisenturm am 2. September 2015 im Kommunikationsparadies, arrangiert von Andreas Weber

Foto-Inszenierung von Dr. Martin Kosa: 

Valy im Dialog mit Valy 2015 - Bilder.002

© 2015 By Valy Wahl & Andreas Weber, Mainz/Germany.

Prof. Valy Wahl im Dialog mit Valy, der Malerin

Ich will Neues gestalten, formen, verändern. Nur wenn ich forme, verändere ich. Ich provoziere, dass sich Materialien unvollständig ergießen, in der Flächenausdehnung gestört werden und erstarren. Das heißt, ich gehe von neu entstandenen Strukturen aus, die mir Halt geben, aber auch meine inneren Welten anregen, um darin spazieren gehen zu können. Visuell erfahrbare Bewegungen in den Strukturen entfachen körperliche Vibrationen, die sich in figuralen Gegenständlichkeiten niederschlagen. Deshalb braucht die Malerei meine ganze Körperlichkeit. Der Körper im Bild braucht meinen gesamten Körperschwung, geleitet durch den spirituell ausgerichteten Geist meiner Gefühle und die Sehkraft meiner Augen. Frei von äußeren Zwängen, allein mit dem Raum, der Fläche, den Strukturen und meinen Händen werden meine Bilder in Schwarz auf weißem Grund geschrieben. Schwarz-Weiß setzt scharfe Grenzen, steht im Gegensatz zu dem fließenden Rhythmus des Machens. Diese Härte der Kontraste bringt manchmal die Spannung zum Zerbersten. Diese Zerstörung hält man nicht aus, aber formal können die Ergebnisse richtiggehend „schön” sein.

Die permanente Konfrontation von Lieben und Leben, mit dem Sterben und dem Tod vor Augen, ist eine kaum erträgliche Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit quält im Unterbewusstsein und zwingt diese Gestalten ans Licht, zum Beispiel: „Figuren in Angst und Hass”, „Verlorene Seelen”, „Körper trifft Seele”.

Der Augenblick des Lichts transportiert die Idee. Die starke Konzentration auf den Moment festigt (mit hoher Geschwindigkeit über die malende Hand) die Struktur, um zur Form des Figurativen und ihrem bildnerischen Raum zu gelangen. Farbigkeit spielt kaum eine Rolle. Oft lenken Farben nur vom eigentlichen Geschehen ab. Ich setze sie bewusst und beinahe spärlich ein.

Ich liebe Farben, sogar in kräftigen Tönen und Kontrasten, aber für meine Malereien nutze ich fast ausschließlich Schwarz-Weiß.

Der Anfang meiner kreativen Arbeit ist spontan und intuitiv. Der Zufall bestimmt meine Formgebung. Die sich daraus entwickelnden Formen fordern mich, immer wieder wähle ich neue Wege, um letztlich Herrin der magischen Kräfte zu bleiben.

Die Bildsituation, respektive der Bildbezug, entwickelt sich beim ersten Arbeitsgang, dem Experimentieren mit dem im Moment gewollten Material. Der aktuelle Bezug erfährt beim Machen seine Realität. Der Titel des Bildes entsteht dann im Nachhinein. Manche Bilder oder Objekte brauchen keinen Titel. Denn sie sind fähig sich selbst mitzuteilen.

Steht aber die Idee eines Titels, so ist eine konträre Bildgestaltung durch die konzeptionelle Vorarbeit nötig. Worte des Titels werden bildnerisch übersetzt. Die Herangehensweise, die Materialien und ihre Verarbeitung ändern sich zwangsläufig, mitunter total. Die Atmosphäre der Aussage trifft eher die Wirksamkeit eines Plakats. So kommt meine Erfahrung als Gebrauchsgrafikerin oder Grafik-Designerin zum Tragen.

In meiner jetzigen kreativ-künstlerischen Arbeit bin ich von großer Ungeduld getrieben. Deshalb sind meine Arbeitsvorgänge von maximaler Geschwindigkeit geprägt. Bewegung schafft Hoffnung. Und umgekehrt. Hoffnung ist Bewegung.  

Für mich war und ist die entscheidende Frage, im Rückblick auf meine jahrzehntelange Gestaltungsarbeit und Lehrtätigkeit, im Streben nach der Kunst/Existenz und Kunst/Qualität: „Was ist für mich geblieben, über welche Kräfte verfüge ich noch, vor allem: Wie viel Kraft ist mir vergönnt, um weiterhin schöpferisch zu sein?” — 45 Jahre Power! Alles gegeben, vor allem um zu helfen, dass an der Hochschule junge Menschen selbständige Persönlichkeiten werden und dass sie selbst zu ihrer eigenen Persönlichkeit finden.

Die verbleibende Schaffenszeit trägt die Ungeduld, die sich in den Bildmotiven, der Farbigkeit und dem Neuerschaffen von Strukturen und Formen mitteilt.

Aktuelle Informationen (zu neuen Arbeiten/Aktivitäten und Ausstellungen)

Animation auf YouTube

%d bloggers like this: