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Tag Archives: Offizin

drupa2016 ValuePublshing Review Social Media Heroes.001

Great work. Great tweets. Great results. And a lot of fun beyond technology by LOVRA’s amazing chill-out sessions. Last but not least: Many THANKS to the Xerox Social Media team members Stefan, Bill, Jenna.

#drupa2016 Review: Print wins! If…

Dear friends of drupa!

Please read and share our unique series of #drupa2016 reports. We are proud to enable a real multimedia and multichannel experience. And we are happy to interact with a huge global audience covering 120+ countries.

Kick-off: splendid #drupa2016

Our ValuePUBLISHING TRILOGY — a quite critical, selective analysis looking back at the splendid #drupa2016 (in german language)

Topics Outline Overview:
• Part 1 – Proof of concept: Does the printing community communicates properly?
• Part 2 – Crucial: Reduce to the max — don’t get lost in details!
• Part 3 – The crux of the matter: #unleashprint 

 


Back to the future: Some fun

#drupa2050 — TX to Benny: Touch the future again and again…
#drupa2050 — Danke, Benny! Touch the future again and again…


Enjoy ValuePUBLISHING’s #Storify stories the most valuable way to catch up all major topics of #drupa2016 in a smart multimedia format. Convenient to navigate, wonderful to explore and easy to share. Our guideline: Less is more — so reduce to the max!

 

Note: We are proud of the fact that around the globe hundreds of thousands of unique viewers follow us already and interact with our content — shared via Twitter (@ValueCommAG plus @zeitenwende007), Facebook, LinkedIn, XING and Google+. — More than 70 % of our viewers are leading innovators dedicated to all kind of graphic communications applications. 

 

 

The secret of #drupa2016 in 20 sec. — Summary by Andreas Weber, Head of Value.

 

 

GENERAL OVERVIEW

drupa2016 REVIEW — ValuePublishing Storify:
All about the role of print in the communications mix

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Pre-drupa media conference March 2016

 

 

 

IN MEDIAS RES

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Ready for #unleashprint? YES WE CAN(on)

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Heideldruck back to profitable growth

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Heideldruck Press Conference Feb 2016

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
PitneyBowes reinvented mail (live at drupa may/June 2016)

drupa2016 – ValuePublishing Storify:
Objectif Lune put business communications to the next level

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Automated Digital Cutting made by Zünd Systemtechnik

 

Das Geheimnis der #drupa2016 in 23 Sekunden — Von Andreas Weber, Head of Value.

 


In addition for extended reading check out our focused trend reports via ValueBlog posts by Andreas Weber

Note: Almost all Blog posts are available in english and german.

 

ValuePublishing Storify Review 18062016.001


As well you can find a whole series of ValueDialog stories:

ValueDialog — Christian Kopocz: “Multichannel ensures relevance!”

To get access to more ValueDialog stories use our Blog search tool.

 

Value Publishing About @drupa2016.001

 

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Das Gedenkbild bei der Trauerfeier: Hermann Rapp über seine Kunst im Gespräch mit einem begeisterten Günter Grass in Oslo im Jahr 2000. — Photo und © 2015 by Andreas Weber, Frankfurt am Main

Abschiedsrede von Andreas Weber aus Anlass der Beisetzung von Hermann Rapp am 11. April 2015 im Friedwald, Altweilnau (Gemeinde Weilrod, Taunus)

“Das ist mein bester Freund“, so stellte mich Hermann Rapp den Pflegern und Ärzten im Krankenhaus vor. Ich war erfreut und irritiert zugleich. Bin ich das wirklich, fragte ich mich. Kann ich dem Bild, das Hermann von mir hat, gerecht werden? Was hat ein bester Freund zu tun? Aristoteles soll gesagt haben: „Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern.“ Und das trifft aus meiner Sicht zu. Als ich vor fast 30 Jahren Hermann kennenlernte, über den Beruf, waren wir sehr unterschiedlich. Allein in Altersdimensionen. Er, ein Schwabe im Exil, in den besten Jahren, mit Familie, beide Töchter schon aus dem Haus, ich ein Saarländer, unverheiratet, der in RheinMain lebt, gerade dem Studium entsprungen. Dass wir seelenverwandt waren, stellte sich rasch heraus. Das Zusammenarbeiten hat uns verbunden, das gemeinsame Erleben und viele wunderbare Erfahrungen haben uns zusammengeschweisst. Und wenn wir nicht zusammen sein konnten, haben wir uns ausgetauscht. Man tat etwas, berichtete dem anderen darüber, erfuhr Anregungen, Lob oder auch Kritik und entwickelte sich weiter. Gemeinsam. Ein Herz und eine Seele.

Epikur von Samos umschrieb Freundschaft so: „Von allen Geschenken, die uns das Schicksal gewährt, gibt es kein größeres Gut als die Freundschaft — keinen größeren Reichtum, keine größere Freude.“ Hermann, mein Freund, wir nehmen Abschied. Unsere Freundschaft aber bleibt. Beständig, durch vielerlei dokumentiert. Erinnerungswürdig. Wie oft habe ich Dinge, die Du, Hermann, mein Freund, geschaffen hast, in die Hand genommen. Und mich daran erinnert, was wir darüber sprachen. Manches noch in der Konzeptphase, manches fertig, aber noch nicht öffentlich präsentiert. Erstaunlich, wie sinnfällig alles für mich war und ist, was Hermann schuf. Immer mit Gisela als Sparringspartner. Das funktionierte. Denn beide kannten sich seit der Jugend, über mehr als 60 Jahre lang.

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Gisela und Hermann Rapp am 30. Januar 2014. — © 2014 by Andreas Weber, Frankfurt am Main

Sie waren befreundet, ein Liebespaar, eine Familie, eine Wertegemeinschaft und bildeten einen in sich autarken Mikrokosmos, um eigene und fremde Gedanken zu besprechen, zu durchdenken, anzureichern und ihnen eine neue Gestalt zu verleihen. Nicht nur zuhause, sondern auch auf unzähligen Reisen, besser: Expeditionen. Diese Besonderheit der beiden hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Das haben sicher viele von uns so erlebt. Herzlich und froh, aber immer wachsam-kritisch sich mit allem beschäftigen, was das Leben und vor allem das Menschsein sowie das Miteinander ausmacht.

Hermann, mein Freund, Du konntest einen inspirieren und durch Deinen Taten- und Schaffensdrang faszinieren. Deine menschliche Fürsorge und Anteilnahme, Deine Meisterschaft in dem was du geschaffen hast und Deine Hilfsbereitschaft Freunden gegenüber waren grenzenlos. Sicher ging es immer um die Großen Dinge, die die Welt ausmachen. Aber ebenso auch um die vielen Kleinen Dinge, die Details, die Nebensächlichkeiten ohne die das Leben weder Sinn noch Spass macht. Herrlich unsere Spaziergänge oder Wanderungen. Unsere Ausstellungsbesuche, und vor allem das Zusammensein im Haus zur Goldenen Kanne. Ein wunderbarer Ort, der zeigt, wie Leben und Arbeiten harmonieren, auch wenn es mit den Jahren eng wurde, da die Sammlungen und Materialien sich vergrösserten, die Goldene Kanne als Fachwerkgebäude aber blieb wie sie ist.

Das Erkunden und das Spüren der Natur war wichtig. Überhaupt, die Natur der Dinge, darum ging es immer. Der Ausflug in die Antike über das 19. Jahrhundert zurück in die Jetztzeit, welch eine Wonne und Erleuchtung. Hermann schrieb: „Ich sage, meine Werkstatt sei mein Garten. Hier pflanze ich, jäte und pflege das, was mir gefällt. Die Pracht mag ich nicht, ich freue mich, wenn auch das Unnütze blüht und Zufälliges seinen Platz findet…“.

Klingt schon fast wie ein Vermächtnis, was Hermann, mein Freund, in der 30. Ausgabe seines Neuweilnauer Viertelbogen schrieb. Wie so oft in der Auseinandersetzung mit Friedrich Hölderlin, mit Bezug auf das Homburger Folioheft. Weiter heisst es: „Ein Fragment wurde herausgegriffen. Sein Sinn will sich nicht offenbaren, die Schönheit der Sprache jedoch strahlt.“ — Das ist der Kern: „Schönheit, die strahlt!“

Wahre Schätze offenbaren sich in dem,  was Hermann uns hinterlassen hat und in die Obhut von Gisela übergab. Unzählige Drucke, Bücher, Mappenwerke, Karten, Zeichnungen, Gemaltes. Und viel Geschriebenes. Hermann konnte nicht nur mit Menschen, den Dingen an sich und der Sprache umgehen, er konnte all dies in einzigartiger Weise künstlerisch inszenieren. Seine Ausstellungen zogen ein weit gefächertes und internationales Publikum in den Bann. Nichts war dem Zufall überlassen und dennoch nicht einengend, fordernd oder übertreibend. Voller Demut und Bescheidenheit trat er konsequent und wirkungsstark für seine Sache ein. Er wusste stets, was zu tun war. Und er konnte wie kaum ein anderer sich und sein Talent in den Dienst der Sache stellen. Und andere einspannen. Das hat ihm Respekt und Bewunderung eingebracht, gerade auch von Kollegen, die sich auf höchstem Niveau mit Kunst, Kalligrafie, Typografie, Büchern u. a. m. beschäftigen. Grossartige Freundschaften entstanden. Allen voran, die mit Gudrun Zapf-von Hesse und Prof. Hermann Zapf. Oder mit Adrian Frutiger. Viele andere, auch heute, beim Abschied nehmen Anwesende, wären zu nennen. Und sogar ein Otl Aicher, der genial-eigenbrötlerische Übervater des Design, war fasziniert, wie sein Landsmann Hermann Rapp seine, Aichers, Schriftneuschöpfungen medial inszenierte.

Hermann, mein Freund, Du hast als Mensch und als Künstler die höchsten Weihen erreicht. Du warst stets ambitioniert, aber nie mit wilden Ellenbogen und Verdrängungsgesten unterwegs. Du warst stets bereit, das was Du tust, offen zur Diskussion zu stellen, um darüber zu reden und um Dinge in Gang zu setzen. Bei der Eröffnungsrede von Hermanns herausragender Ausstellung in Bad Homburg, Anfang des Jahres 2014, mit dem Titel „Lieber Karl“, konnte ich unter Zustimmung der Gäste feststellen: „Die Sinnhaftigkeit erschließt sich dadurch, dass Du über das, was Du schaffst, sympathisch, smart und lebhaft kommunizierst. Du erschaffst uns eine neue alte Basis für das Verstehen als Seinsweise. Wie man Gedanken ausdrücken, interpretieren, übersetzen kann; wie das Auslegen, Deuten und Verstehen gelingt; wie wir durch Sprache und Symbole Gemeinschaft ermöglichen; wie wir geschichtliche und kulturelle Zusammenhänge darlegen.“

Die letzten Lebenswochen von Dir, Hermann, mein Freund, waren nicht einfach. Und dennoch im Einklang. Vieles konntest Du mit Gisela und auch mit mir noch besprechen, was Dir wichtig war, am Ende Deines so reichen Lebens. Und Du hast uns etwas an die Hand gegeben, was uns hilft, den Abschied von Dir in Würde und Freude zu meisten. Ein meisterliches Buch, gerade fertig geworden. Und zum Buch konntest Du einen herausragenden Musiker begeistern, den Sohn Deiner Freunde Lotte und Fritz Hauser, Alban Hauser, der gemeinsam mit einem Kollegen eigens eine moderne Musik-Komposition schuf. — Hermann, mein Freund, wir danken Dir. Und bleiben Dir verbunden. Du hast Deinen Frieden und jetzt, in der von Dir geliebten Natur, eine neue, letzte Heimstätte gefunden.

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Hermann Rapp vor seinem Scherenschnitt-Druck in Rot von Friedrich Hölderlin. Foto: Andreas Weber, Frankfurt am Main, 30. Januar 2014

 

Warum es sich lohnt, diesen Beitrag zu lesen:

1. Gedanken zum “Richtigen Leben” nachvollziehen – frei nach Friedrich Hölderlin

2. Neugierig werden auf erstklassige BuchKunstObjekte von Hermann Rapp

3. Das Wirken von 25 Jahre Offizin Die Goldene Kanne erahnen

 

In der Text-Einführung zur Ausstellung heisst es: In der Taunus-Galerie im Landratsamt Bad Homburg zeigt Hermann Rapp von der Offizin Die Goldene Kanne in Neuweilnau bibliophile Bücher, Graphik und Buch­kunst. Bücher, hergestellt in künstlerisch-handwerklicher Art, Tradition und Moderne finden zueinander. Eine Ausstellung, die die Anrede aus einem Brief von einem bedeutenden Wort- und Dichtkünstler an seinen Bruder als Titel trägt, nämlich „Lieber Karl!“, muss als sehr besonders gewertet werden.

Ich will gleiches tun. Meine Einführungsworte sind darum als ein (öffentlich vorgetragener) Brief an Hermann Rapp angelegt. — Damit will ich aber keinesfalls in Konkurrenz zu besagtem, in Bad Homburg entstandenen Brief Friedrich Hölderlins vom 4. Juni 1799 treten. Ich zitiere nun meinen Brief:

 

Lieber Hermann,

vor einiger Zeit hast Du um meinen Rat gebeten, was man antworten soll, wenn Dich jemand auffordert, Stellung zu beziehen zur Frage:

Hat das Schaffen von Hermann Rapp einen ›Antiquarischen Wert‹? 

Meine Antwort kommt spontan und ergab ein klares Ja-Nein!

NEIN, weil Deine Arbeiten im Bereich der herausragenden BuchObjektKunst nicht einfach nur in ein Antiquariat gehören, sondern hohen musealen Sammlerwert besitzt. Viele aufs trefflichste von Dir selbst inszenierte Ausstellungen, vor allem 2013 im Klosterhof des Hölderlin-Ortes Lauffen am Neckar, begeistern über die Maßen Kunst-Liebhaber aller Art. Viele Deiner Werke sind in privaten Sammlungen in Europa und Nordamerika vertreten.

Handwerkliche Druckkunst mischt sich mit einem klaren künstlerischen Ausdrucks- und Gestaltungswillen. Dies geht weit über die gute Illustration zum guten Text im gut gemachten Buch hinaus. Du, lieber Hermann Rapp, erschaffst in Deiner Offizin die Goldene Kanne in Neuweilnau eine neue Kunstform, die Buch, Malerei, Grafik, Relief/Skulptur, Typografie, Objektkunst und Buchbinde-Arbeit auf höchstem Niveau vereint. Das ist einzigartig.

JA, weil Du den Prinzipien und Werten edelsten Buchschaffens mit höchster Innovations- und Schaffenskraft treu bleibst. Die Kombination von Deinem typografischem Wissen, gepaart mit der Kunstfertigkeit des Setzens mit Bleilettern, des Druckens auf der Handpresse, der Wahl und Kombination von Inhalt und Bedruckstoffen, das findige Ausspähen raffinierter Buchbinder-Techniken und nicht zuletzt der literarische Sachverstand, Deine profunde Bildung und Belesenheit erheben Dich zu einem Epigonen und Heroen des Bibliophilen. Selten zuvor gab es in unserem Kulturkreis Künstlerpersönlichkeiten mit so umfassenden Talenten und diesem grenzenlosen Ideenreichtum wie Du, lieber Hermann, dies in Dir und Deinem Schaffen vereint.

Ich möchte soweit gehen, Dich als geeigneten Kandidat für jede Art von Kunst- und/oder Antiquariatspreis vorzuschlagen mit den Worten: JA! Wenn nicht er, wer sonst? Zumal Du auch nach Jahrzehnten im hessischen Exil unverkennbar Schwabe geblieben ist.

____________________________

 

Lieber Hermann,

uns verbindet seit mehr als einem Vierteljahrhundert eine herzliche und innige Freundschaft. Darauf bin ich mehr als stolz. Es ehrt und beglückt mich. Wir haben vieles gemeinsam erlebt, gesehen, besprochen und bedacht. Ich bewundere Deine Schaffenskraft und Kreativität, die ganz eigenen Vorstellungen entspricht. Du bist kundig. Du bist neugierig. Du bist sensibel. Du bist auf wunderbare Weise ein unaufgeregt professionell-kreativ Schaffender, mit einem Wertesystem, das Tradition und Gegenwart vereint. Wo findet man das noch? Sieht man Deine Bibliothek in wunderbarem Fachwerkhaus, staunt man nicht schlecht. ABER: Bücher sammeln und Belesenheit ist für Dich längst nicht das Maß aller Dinge. Sondern über das Wissen und die Kultur der Menschheit kommunizieren zu können, um anderen begreifbar zu machen, was das Leben uns bietet und was wir zu einem „guten“ und „ertragreichen“ Leben beitragen können.

Ohne dass wir bislang darüber sprechen konnten, hast Du mich auf viele Ideen gebracht, die mich selbst in meiner Aufgabe als Experte für Kunst und Kommunikation mit digitalen Medien bereichert und inspiriert haben. Vor kurzem habe ich darüber nachgedacht: „Was macht Kommunikation werthaltig?“ — Deine souveräne Art, das Alte zum Bestandteil des Neuen zu machen, brachte mich auf zwei wesentliche Erkenntnisse und Feststellungen:

Etwas Altes wird etwas Neues.

Die Wesensmerkmale einer werthaltiger Kommunikation sind:
a) Rhetorik – der kreative Diskurs,
b) Hermeneutik – die Sinnhaftigkeit, und c) Innovatik – der systemische Umgang mit Technologieinnovation.

Etwas Altes wird etwas Neues. Du, lieber Hermann, hast viele, scheinbar verschwundene Schätze aus der Antike gehoben. Die altgriechischen Autoren wie Sappho, Sophokles, Homer, Herakleitos oder Kalimachos hast Du für uns wiederentdeckt. Du hast nicht nur ihre Schriften aufgespürt und durchforscht. Du bist vor Ort in Ephesos und anderswo gewesen, um Dir ein Bild zu machen.

Oder Du hast Hölderlins Zeitgenossen wie Schelling, Schiller, Goethe oder auch Mörike ins Visier genommen. Du hast Dich mit Mittelhochdeutschem beschäftigt. Und dies in dem Werk „krizzon“ (Kreis, aber auch einritzen, kritzeln und kratzen) beschäftigt. In allen Weltkulturen taucht der Kreis als universelles Symbol auf. Für Sonne, Gestirne, das Göttliche, das Immerwährende.

Etwas Altes wird etwas Neues – Dein Werk, lieber Hermann, führt uns zum Wesentlichen aus dem sich das Werthaltige formiert. Dein Werk, in diesem besonderem Mix aus Inhalt und Form, Idee und Materialhaftigkeit, Demut und Wirksamkeit, werte ich als kunstfertige Visualisierung und Manifestierung der Rhetorik, die spätestens seit Cicero in der Antike als hochentwickelte Form der Kunst galt. Der kreative Diskurs, getragen von Empathie, Dialektik, Interaktion und Kritikfähigkeit findet mehrfach, auf vielen Ebenen statt. In Dir selbst, mit Deiner Gemahlin Gisela, mit den Autoren, die Du wählst, mit Deiner Werkstatt, den Papieren, den Bleilettern, den Werkzeugen und Maschinen. Und dann mit den BuchKunstObjekten, die Du in exklusiver Auflage, fertigst. Und heute mit uns allen, die Deiner Ausstellungseröffnung in der Taunus-Galerie beiwohnen können.

Die Sinnhaftigkeit erschließt sich dadurch, dass Du über das, was Du schaffst, sympathisch, smart und lebhaft kommunizierst. Du erschaffst uns eine neue alte Basis für das Verstehen als Seinsweise. Wie man Gedanken ausdrücken, interpretieren, übersetzen kann; wie das Auslegen, Deuten und Verstehen gelingt; wie wir durch Sprache und Symbole Gemeinschaft ermöglichen; wie wir geschichtliche und kulturelle Zusammenhänge darlegen. Bleibt noch zu erläutern, was die Innovatik meint. Primär gesehen geht es darum, wie man mit den geeigneten technischen Mitteln, die für Menschen von Menschen geschaffen werden, nutzbringend, vereinfachend und vorteilhaft umgeht. Das Alte wird etwas Neues. So schließt sich der „krizzon“/Kreis. — Das Entweder-Oder-Prinzip, das im Digitalzeitalter zum Dogma wurde, lässt Du, lieber Hermann nicht so ohne weiteres gelten. Du bist zeitgemäß, modern und vorausschauend. Und eben werthaltig.

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Hermann Rapp vor seinem Scherenschnitt-Druck in Rot von Friedrich Hölderlin. Foto: Andreas Weber, Frankfurt am Main, 30. Januar 2014

 

Lieber Hermann,

Du lässt, sehr zu unserem Nutzen, Deine Werke nie unkommentiert. Selbst wenn augenscheinlich alles gesagt sein könnte, gibt es stets noch etwas anzumerken, das den Diskurs weitertreibt. Besonders gefallen mir Deine jüngsten Zeilen über Dich selbst. „Rapp erlernte in den 50er Jahren den Beruf eines Schriftsetzers, war später Ausbilder, dann kreativ im Buchverlag tätig, suchte in den Bildenden Künsten seine Passion und stellte sein Wissen um das Künstlerbuch als Vorsitzender eines deutschlandweit und international wirkenden Buchkünstlerbundes zur Verfügung. Nach Jahren, die den Veränderungen im Buchwesen und der Bücherproduktion gerecht wurden, kam immer mehr die Überlegung auf, ein Eigenes auf die Beine zu stellen; eine Beschäftigung für die sog. späten Jahre. Realisiert wurde dies durch die Einrichtung einer Bleisatzwerk­statt, dazu kam eine Handpresse und das nötige Beiwerk. Die Offizin Die Goldene Kanne entstand vor 25 Jahren. Das war 1989, im Jahr der Wende. Klein war die Werkstatt im Haus zur Goldenen Kanne, einem alten Fachwerkhaus, und ist es bis heute: alte Bleisatztypen, übriggebliebenes bei der Modernisierung, Neugüsse, hinzuge­kauftes, da und dort erworben, auch geschenktes … die Regale füllten sich.

Jetzt erwartet man, daß alles sich in einer Traditionsverbundenheit abspielen würde. Das Qualitätsbewußtsein der alten Meister behält Vorbildscharakter, vielfach auch die Handhabungen, doch es gilt aber auch der Zeit, der Gegenwart gerecht zu werden. Und was da in 25 Jahren entstand, will die Ausstellung in Bad Homburg zeigen.“

Und zur Ausstellung in der Taunus-Galerie erläuterst Du konkret: „Das Spektrum der Ausstellung ist groß, manches ist oftmals nur angedeutet. Werkzeuge und Materialien ergänzen das Gezeigte, sie erzählen von den 25 Jahren der Offizin Die Goldene Kanne aus Neuweilnau. (…)

Neu und für diese Ausstellung gefertigt ist die Wiedergabe eines Briefes, 1799 in Homburg vor der Höhe geschrieben. Friedrich Hölderlin schreibt seinem Bruder Karl über das Richtige im Leben. Seine Maximen vermittelt er dem Bruder und läßt ihn an seinem Denken teilnehmen. Ein köstliches Stück Literatur, ein tiefer Einblick. Daher trägt die Ausstellung den Titel „Lieber Karl!“ Neben dem Brieftext, im Bleisatz gesetzt aus einem großen Schriftgrad einer sensiblen und wunder­baren Antiquaschrift namens Diotima, 1949 von Gudrun Zapf-von Hesse entworfen, enthält das Buch sechs Graphikzugaben. Wie eine den Text begleitende Musik stehen dem Wort rote Figurenvariationen gegenüber, Spielereien im bestem Sinne des Wortes. Gedruckt wurde auf ein altes Büttenpapier, leider ist die Herkunft nicht bekannt. Auf dem Umschlag steht ein stark vergrößerter Schattenriß des Dichters, ebenfalls in leuchtendem Rot, dieses Rot steht für die Euphorie Hölderlins in seiner Homburger Zeit von 1798 bis 1800.“

Lieber Hermann, eigentlich passt es gar nicht, dass ich über Dich sprechen soll.

Auch wenn Du schreibst: „Ich glaube über viele Mitmenschen bescheid zu wissen, am wenigsten über mich selbst. Hermann Rapp Januar 2014.“ Mit dem Zusatz: „Befolge die neue Rechtschreibreform nicht. Vielleicht erst, wenn ich die alte kapiert habe“. — Das Richtige im Leben mit der Kunst kannst Du selbst so wunderbar und unnachahmlich darstellen. Sprache, getragen durch Texte und Bilder, sind Dein Element, wie schon so oft bewiesen, bei vielen Gelegenheiten im In- und Ausland. Ich erinnere an Deine Begegnung mit Günter Grass.

Lieber Hermann, so will ich mit meinem Brief an Dich enden: Steh mir zur Seite. Statt über Dich zu reden, will ich viel lieber mit Dir reden. Vor allem über Deine Ausstellung, die wir am 30. Januar 2014 in der Taunus-Galerie in Bad Homburg vor der Höhe gemeinsam eröffnen. Mit all den wunderbaren und im besonderen Fall ganz neuen Werken. Ich habe viele Fragen. Es lebe der kreative Diskurs!

Herzlichst,
Dein Freund

Andreas Weber

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In der Taunus-Galerie im Landratsamt Bad Homburg zeigt vom 31. Januar bis 28. Februar 2014 Hermann Rapp von der Offizin Die Goldene Kanne in Neuweilnau bibliophile Bücher, Graphik und Buch­kunst. Bücher, hergestellt in künstlerisch-handwerklicher Art, Tradition und Moderne finden zueinander.

Rapp erlernte in den 50er Jahren den Beruf eines Schriftsetzers, war später Ausbilder, dann kreativ im Buchverlag tätig, suchte in den Bildenden Künsten seine Passion und stellte sein Wissen um das Künstlerbuch als Vorsitzender eines deutschlandweit und international wirkenden Buchkünstlerbundes zur Verfügung. Nach Jahren, die den Veränderungen im Buchwesen und der Bücherproduktion gerecht wurden, kam immer mehr die Überlegung auf, ein Eigenes auf die Beine zu stellen; eine Beschäftigung für die sog. späten Jahre. Realisiert wurde dies durch die Einrichtung einer Bleisatzwerk­statt, dazu kam eine Handpresse und das nötige Beiwerk. Die Offizin Die Goldene Kanne entstand vor 25 Jahren. Das war 1989, im Jahr der Wende. Klein war die Werkstatt im Haus zur Goldenen Kanne, einem alten Fachwerkhaus, und ist es bis heute: alte Bleisatztypen, übriggebliebenes bei der Modernisierung, Neugüsse, hinzuge­kauftes, da und dort erworben, auch geschenktes … die Regale füllten sich.

Jetzt erwartet man, daß alles sich in einer Traditionsverbundenheit abspielen würde. Das Qualitätsbewußtsein der alten Meister behält Vorbildscharakter, vielfach auch die Handhabungen, doch es gilt aber auch der Zeit, der Gegenwart gerecht zu werden. Und was da in 25 Jahren entstand, will die Ausstellung in Bad Homburg zeigen.

Neu: Ein Brief als edles Buch!

Neu und für diese Ausstellung gefertigt ist die Wiedergabe eines Briefes, 1799 in Homburg vor der Höhe geschrieben. Friedrich Hölderlin schreibt seinem Bruder Karl über das Richtige im Leben. Seine Maximen vermittelt er dem Bruder und läßt ihn an seinem Denken teilnehmen. Ein köstliches Stück Literatur, ein tiefer Einblick. Daher trägt die Ausstellung den Titel “Lieber Karl!“ Neben dem Brieftext, im Bleisatz gesetzt aus einem großen Schriftgrad einer sensiblen und  wunder­baren Antiquaschrift namens Diotima, 1949 von Gudrun Zapf-von Hesse entworfen, enthält das Buch sechs Graphikzugaben. Wie eine den Text begleitende Musik stehen dem Wort rote Figurenvariationen gegenüber, Spielereien im bestem Sinne des Wortes. Gedruckt wurde auf ein altes Büttenpapier, leider ist die Herkunft nicht bekannt. Auf dem Umschlag steht ein stark vergrößerter Schattenriß des Dichters, ebenfalls in leuchtendem Rot, dieses Rot steht für die Euphorie Hölderlins in seiner Homburger Zeit von 1798 bis 1800. 

Hölderlin spielt in der Autorenwahl der Offizin eine besondere Rolle, aber auch die altgriechischen Autoren wie Sappho, Sophokles, Homer, Herakleitos oder Kalimachos. Oder Hölderlins Zeitgenossen: Schelling, Schiller, Goethe oder auch Mörike.

Das Spektrum der Ausstellung ist groß, manches ist oftmals nur angedeutet. Werkzeuge und Materialien ergänzen das Gezeigte, sie erzählen von den 25 Jahren der Offizin Die Goldene Kanne aus Neuweilnau.

Eröffnung und Ort:

30. Januar 2014, 19 Uhr

Mit einer Einführung von Andreas Weber, Experte für Kunst & Kommunikation.

Taunus-Galerie im Landratsamt
Ludwig-Erhard-Anlage 1
61352 Bad Homburg v. d. Höhe

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