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Tag Archives: Picasso

ValueCheck Kunst und AI via Obvious.001.jpeg

Künstler experimentieren erfolgreich mit KI und lassen einen Algorithmus ein Bildwerk entstehen. — Foto: Screenshot aus ARD-Sendung vom 26. Oktober 2018.

 

Von Andreas Weber, Head of Value

 

Zufall oder auch nicht: Wenn man über wichtige Themen gute Gespräche führt, wird die Aufmerksamkeit enorm gestärkt. Denn dieser Tage, während ich mein Webcast-Gespräch mit Xerox-Direktorin Elisabeth Rochman über Künstliche Intelligenz (KI) auswerte, tauchen unverhofft spannende Dinge auf.

Zum einen feierte Xerox den 80. Geburtstag der Xerographie als bahnbrechende Erfindung, die aus heutiger Sicht recht musealen Charakter hat. Aber trotzdem hochaktuell zu sein scheint.

Zum anderen macht die in Deutschland prominenteste TV-Sendung zur Primetime am Sonntag Abend das Thema KI zum Hauptmotiv: In der Erstausstrahlung der Krimireihe TATORT vom 21. Oktober 2018 müssen die Münchner Kommissare aufklären, wie der Dialog zwischen Mensch und Maschine mit einem Verbrechen zusammenhängt. Empfehlenswert ist nicht nur die Krimi-Folge selbst, sondern auch das aufschlussreiche Kurz-Video mit dem Kommissar-Darsteller Miro Nemec.

 

 


 

„Is artificial intelligence set to become art’s next medium?“

Und zuletzt versteigert das Auktionshaus Christies für 432,500 US-Dollar das erste per KI von einem Algorithmus erzeugte Kunstwerk. Initiator war das französische Künstler-Kollektiv Obvious aus Paris. 

Christies verlautbarte mit Stolz: „Is artificial intelligence set to become art’s next medium? AI artwork sells for $432,500 — nearly 45 times its high estimate — as Christie’s becomes the first auction house to offer a work of art created by an algorithm. The portrait in its gilt frame depicts a portly gentleman, possibly French and — to judge by his dark frockcoat and plain white collar — a man of the church.

The work appears unfinished: the facial features are somewhat indistinct and there are blank areas of canvas. Oddly, the whole composition is displaced slightly to the north-west. A label on the wall states that the sitter is a man named Edmond Belamy, but the giveaway clue as to the origins of the work is the artist’s signature at the bottom right. In cursive Gallic script it reads:

 

Image © Obvious
Image © Obvious

 

This portrait, however, is not the product of a human mind. It was created by an artificial intelligence, an algorithm defined by that algebraic formula with its many parentheses. And when it went under the hammer in the Prints & Multiples  sale at Christie’s on 23-25 October, Portrait of Edmond Belamy  sold for an incredible $432,500, signalling the arrival of AI art on the world auction stage.”

 

Kunstwerke Belamy durch AI per Algorithmus.png

Das Künstlerkollektiv — Hugo Caselles-Dupré, Pierre Fautrel und Gauthier Vernier — erläuterte, warum sie die Gattung Porträt-Bild ausgewählt hatten: „Wir stellten fest, dass Porträts die beste Möglichkeit zur Veranschaulichung unseres Arguments darstellten, nämlich dass Algorithmen der Kreativität nacheifern können.“

Die Kunstwelt staunt und die Fachwelt diskutiert. „Wenn man den ganzen Prozess betrachtet, dann ist das, was man hat, eher konzeptuelle Kunst als traditionelle Malerei“, kommentierte z. B. Ahmed Elgammal, Direktor des Art and Artificial Intelligence Lab an der Rutgers University.

„Es ist schließlich ein Porträt“, sagt Christie’s Spezialist Richard Lloyd, der den Verkauf auf der Auktion organisiert hat. „Es wurde vielleicht nicht von einem Mann mit einer gepuderten Perücke gemalt, aber es ist genau die Art von Kunstwerk, die wir seit 250 Jahren verkaufen.“ Letztendlich, so Lloyd weiter: KI ist nur eine von mehreren Technologien, die sich auf den Kunstmarkt der Zukunft auswirken werden — obwohl es noch zu früh ist, um vorherzusagen, was diese Veränderungen sein könnten. Es werde spannend sein zu sehen, wie diese Revolution ausgeht.

 


 

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Rund 15.000 Porträts verschiedenster Maler wurden analysiert und codiert, um daraus per KI und eigenem Algorithmus ein neues, eigenständiges Werk entstehen zu lassen. Fotos: Screenshots aus ARD Tagesthemen-Sendung vom 26. Oktober 2018,


 

Anfang des Jahres 2018 veranstaltete Christie’s bereits ein Symposium über die tiefgreifenden Implikationen von Blockchain für Künstler und Sammler. Die Technologiekonferenz soll jedes Jahr stattfinden und KI wird sehr wahrscheinlich eines der Themen sein, die erforscht werden. Wer weiß schon, was Zehn oder 20 Jahre später sein wird? — Gegenstand der Diskussion könnte dann Virtual-Reality-Performance-Kunst oder das Oeuvre eines noch unbekannten Roboters Picasso sein.

Übrigens: Kunst und modernste IT bilden stets ein gutes Team. Bereits im Frühjahr 2016 hatte in Amsterdam das The Next Rembrandt-Projekt aufsehen erregt. Aus 600 Gemälden, 300 Radierungen und rund 1.500 Handzeichnungen des Meisters hatte man auf digitalem Weg ein neues, synthetisiertes Gemälde erzeugt und digital, mit Reliefcharakter gedruckt.

 


 

Hinweis

In der Tagesthemen-Nachrichtensendung der ARD vom 26. Oktober 2018 nahm die Auktion des Algorithmus-Werkes breiten Raum ein. Anbei der Link zur Aufzeichnung (Beginn ab Minute 9.15).

Den TV-Bericht gibt es auch in modifizierter Form als Zwei-Minutenbeitrag: Gemälde aus dem Computer — kann KI Kunst?

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drupa2016 ValuePublshing Review Social Media Heroes.001

Great work. Great tweets. Great results. And a lot of fun beyond technology by LOVRA’s amazing chill-out sessions. Last but not least: Many THANKS to the Xerox Social Media team members Stefan, Bill, Jenna.

#drupa2016 Review: Print wins! If…

Dear friends of drupa!

Please read and share our unique series of #drupa2016 reports. We are proud to enable a real multimedia and multichannel experience. And we are happy to interact with a huge global audience covering 120+ countries.

Kick-off: splendid #drupa2016

Our ValuePUBLISHING TRILOGY — a quite critical, selective analysis looking back at the splendid #drupa2016 (in german language)

Topics Outline Overview:
• Part 1 – Proof of concept: Does the printing community communicates properly?
• Part 2 – Crucial: Reduce to the max — don’t get lost in details!
• Part 3 – The crux of the matter: #unleashprint 

 


Back to the future: Some fun

#drupa2050 — TX to Benny: Touch the future again and again…
#drupa2050 — Danke, Benny! Touch the future again and again…


Enjoy ValuePUBLISHING’s #Storify stories the most valuable way to catch up all major topics of #drupa2016 in a smart multimedia format. Convenient to navigate, wonderful to explore and easy to share. Our guideline: Less is more — so reduce to the max!

 

Note: We are proud of the fact that around the globe hundreds of thousands of unique viewers follow us already and interact with our content — shared via Twitter (@ValueCommAG plus @zeitenwende007), Facebook, LinkedIn, XING and Google+. — More than 70 % of our viewers are leading innovators dedicated to all kind of graphic communications applications. 

 

 

The secret of #drupa2016 in 20 sec. — Summary by Andreas Weber, Head of Value.

 

 

GENERAL OVERVIEW

drupa2016 REVIEW — ValuePublishing Storify:
All about the role of print in the communications mix

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Pre-drupa media conference March 2016

 

 

 

IN MEDIAS RES

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Ready for #unleashprint? YES WE CAN(on)

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Heideldruck back to profitable growth

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Heideldruck Press Conference Feb 2016

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
PitneyBowes reinvented mail (live at drupa may/June 2016)

drupa2016 – ValuePublishing Storify:
Objectif Lune put business communications to the next level

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Automated Digital Cutting made by Zünd Systemtechnik

 

Das Geheimnis der #drupa2016 in 23 Sekunden — Von Andreas Weber, Head of Value.

 


In addition for extended reading check out our focused trend reports via ValueBlog posts by Andreas Weber

Note: Almost all Blog posts are available in english and german.

 

ValuePublishing Storify Review 18062016.001


As well you can find a whole series of ValueDialog stories:

ValueDialog — Christian Kopocz: “Multichannel ensures relevance!”

To get access to more ValueDialog stories use our Blog search tool.

 

Value Publishing About @drupa2016.001

 

KEM-Gedanken Kunstpreis 2015.001

“Der 26. Mainzer Kunstpreis hat wesentlich dazu beigetragen, sich dem komplexen Thema „Kollaps der Moderne?“ konstruktiv-kritisch anzunähern, um eine Position finden zu können. Und die heißt für mich persönlich (#JeSuisAndreas): Den eigentlichen „Kollaps der Moderne“ — den verursach(t)en wir selbst! Wir, die wir in Silos denken, die wir uns voller Impetus solidarisch erklären mit was auch immer, ohne uns für die Sache persönlich zu engagieren oder die Hintergründe zu erfragen. Die wir eine Kultur der Ignoranz entwickelt haben, als Mitläufer in einer post-industriellen Wissensgesellschaft, die nicht mehr verstehen will und kann. Und sich mehrheitlich von der bildenden Kunst und ihren Erschaffern nicht nur distanziert,  sondern ihnen das Gespräch, den Dialog verweigert. Getreu dem Motto: „Ein Bild spricht für sich selbst“ — Puh. Wie dumm ist das denn?” —Andreas Weber

Die Ausschreibung des 26. Mainzer Kunstpreis Eisenturm — Hans-Jürgen Imiela Gedächtnispreis mit der Verleihung am 5. November 2015 hätte keine dramatischere Widerspiegelung durch die normative Kraft des Faktischen erfahren können. Acht Tage nach der Ausstellungseröffnung im Mainzer MVB Forum verdeutlicht die hinterhältige Terror-Anschlag-Serie in Paris als unangefochtene Kulturhauptstadt der Moderne, dass und in welchem Ausmaß unsere Kultur und damit unsere Gesellschaft und unser aller Leben am Abgrund stehen und kollabieren. Die wichtige Frage manifestiert sich sich: Welchen Beitrag können in diesem Kontext bildende Künstler, speziell per Malerei, leisten?

Das diesjährige Kunstpreis-Thema „Kollaps der Moderne?“ trifft den Nerv der Zeit und war so attraktiv in ganz Deutschland, dass über 650 Künstler ihre Malereien einreichten. 39 Finalisten wurden präsentiert, davon drei Gewinner. Spiegelt man nun die drei Gewinnerarbeiten mit dem, was sich am 13. November 2015 in Paris abspielte, wird es spannend und interessant, weil dies sozusagen ein „Proof of Concept via Worst Case“ darstellt. Auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Perspektiven, wovon ich drei herausgreifen möchte:

  1. Wie wurde das Wettbewerbsthema aufgefasst, umgesetzt und verstanden?
  2. Wie können die Künstler und ihre Arbeiten zur aktuellen Situation beitragen und uns aus einer existentiell bedrohlichen Dauerkrise heraus leiten?
  3. Räumt die Gesellschaft — und mit ihr die wichtigsten Kräfte, die entscheidungsbefähigt sind, um unser gemeinsames Schicksal zu lenken — der Kunst überhaupt adäquat Raum ein? Oder wird Kunst als Unterhaltungsprogramm bewertet, sozusagen für Schönwetter-Perioden?

Zu Letzterem zuerst: Über 50 Prozent der deutschen Bevölkerung lehnen es ab, sich in Museen oder Galerien oder Künstlerateliers zu begeben. Sie räumen damit der bildenden Kunst keinen Stellenwert in ihrem Leben ein. Von den verbleibenden fast 50 Prozent gehen wiederum nur etwas mehr als die Hälfte in Museen, Galerien, Kunsthallen und -vereine, um Sammlungen oder Ausstellungen anzuschauen. Noch weniger, höchstens fünf Prozent der deutschen Bevölkerung, kaufen gelegentlich oder sammeln beständig Kunstwerke. Selbst in den Sozialen Medien fehlt der Bezug zur bildenden Kunst auf breiter Ebene. Und das, obgleich sich Hunderttausende Deutsche wie immer bei Katastrophen, Terroranschlägen und unmenschlichen Grausamkeiten in den Online-Foren tummeln und aktiv beteiligen. Das, was Künstler wie Otto Dix, Max Beckmann, Picasso und viele, viele andere bis heute beigetragen haben, um unser Verständnis zu wecken und das Bewusstsein gegen Krieg, Terror, Gewalt und Mord zu schärfen, bleibt ausser acht. Ebenso die Fähigkeit von Künstlern nicht nur retrospektiv Erlebtes aufzuarbeiten, sondern „Bedrohliches“ zu antizipieren. Bevorzugt wird, dass man eigene Bilder schafft. Im Januar und Februar 2015, nach dem feigen Anschlag auf die Satiriker von Charlie Hebdo tönte es millionenfach per Bild/Foto-Post: #JeSuisCharlie“. Nunmehr, nach den Terroranschlägen des 13. November 2015, passiert ähnliches.

Bewirkt hat dieses m. E. nach falsch verstandene kollektive Bewusstsein wenig bis nichts. Denn keiner von uns ist „Charlie“. Wir sind alle jeweils immer wir selbst. Sich per #JeSuisCharlie zu tarnen, heisst, sich ein Alibi zu geben, ohne selbst etwas aktiv gegen Missstände zu unternehmen. Und, da es so gut tut, sich solidarisch zu zeigen, machen wir so weiter. Die tragische Logik scheint zu sein: Wenn es schon nicht wirkt, was wir tun, indem wir die Kunst und die Künstler ausblenden, führen wir das gerade so fort. Millionen Facebook-Nutzer überblenden seit dem 13. November 2015 ihr Porträt mit der französischen Nationalflagge. Die wenigsten äußern sich konstruktiv dazu, was getan und geändert werden muss, damit so etwas nicht mehr passiert. Im Gegenteil: Ohne wirklich zu wissen, was man tut, konterkariert man das Schaffen der Künstler, die genau wissen worum es geht. Das Gemälde „Charles de Gaulle“ des in Sidney, Australien, geborenen, Libanon-stämmigen Künstlers Sid Chidiac www.sidchidiac.com ist ein Beleg dafür und zerlegt subtil, wie inhaltlich und personal beliebig/austauschbar solche Selbst-Mach-Bild-Solidaritäts-Bekundigungen sein können. Sid Chidiac lässt De gaukle vor der französisches Flagge posieren. Das „Rouge“ der Tricolore tropft hinab auf seine Uniform und verwandelt sich in Blut! — In Paris selbst würde aktuell ein Besuch im Grand Palais bei „Picasso.Mania“ zeigen, wie sich Picasso, der Meister der Moderne, mit dem „Kollaps der Moderne“ zu seiner Lebenszeit auseinandersetzte. Und wie Künstler rund um die Welt auf ihn und sein Werk reagierten. Aber all dies scheint momentan vergessen oder wird nicht beachtet.

Das traurige Ergebnis zu Punkt 3: Die Gesellschaft räumt der Kunst, speziell der Malerei, keinen gebührenden Raum ein. Malerei ist und bleibt „L’art pour l’art“. Quasi etwas von Schön-Geist-Eliten für Schön-Geist-Eliten. — Etwas läuft also falsch! Wir müssen dringend gegensteuern. 


Kommen wir zurück auf Punkt 1: Wie wurde beim 26. Mainzer Kunstpreis Eisenturm das Wettbewerbsthema aufgefasst, umgesetzt und verstanden?

Der Andrang zur Kunstpreis-Ausstellungs-Eröffnung im Mainzer MVB Forum war groß, die Ambitionen hoch (siehe meinen separaten Bericht zur Eröffnung: “Meister der Adaption”). Denn seitens der einst von Mainzer Bürgern gegründete Bank MVB als tatkräftiger Förderer, der Stadt Mainz als Partner sowie der Mitglieder und des ehrenamtlichen Vorstands des Kunstverein Eisenturm Mainz (KEM) als Initiatoren erfolgte ein außerordentlich hohes Engagement. Galt es doch, den 26. Kunstpreis im 40. Jahr seit Gründung des KEM gebührend zu würdigen. Ob in der Breite, bei den beteiligten Künstlern wie bei den Besuchern, das Wettbewerbsthema im Sinne der Ausschreibung richtig und umfassend aufgenommen wurde, bleibt fraglich, liegt aber nicht in der Verantwortendes KEM. Das klingt hart, ist aber als konstruktiv-kritischer Einwand berechtigt.

Zur Erinnerung — Dies fragte der Kunstverein Eisenturm mit der Ausschreibung seines 26. Kunstpreises „Kollaps der Moderne?“:

„Steht der Begriff der Moderne immer noch für Innovation, Aufbruch, Zeitgeist, Fortschritt, Erneuerung – Avantgarde? Oder ist er zum einengenden Korsett und Dogma erstarrt und reflektiert den Pluralismus unserer Gesellschaft nicht mehr? Wie sehen Künstler die momentane Diskussion, die mittlerweile einen Großteil der gestalterischen Erzeugnisse der Zeit nach 1945 erfasst hat?“

Betrachtet man die Finalistenarbeiten insgesamt, zeigt sich, dass sich die Künstler mit der Moderne schwer tun. (Anders die Gewinner:  Die drei gewählten Preisträger stellen sich würdig und herausragend dar! Siehe unten.) Von Innovation, Aufbruch, Fortschritt, Erneuerung, Avantgarde zeigte sich mehrheitlich kaum etwas. Die meisten der Finalisten frönen dem Zeitgeist. Also einem aus meiner Sicht unsäglichen Begriff, der das o. g. #JeSuisCharlie-Syndrom befeuert: Etwas zu tun in bester Absicht, ohne auf die Sinnhaftigkeit zu achten. Diesem Prinzip folgte auch die Laudatio am Preisverleihungs-Abend. Mit dem leider kläglichen Versuch, die eingereichten Arbeiten in einen kunsthistorischen Kontext einzuordnen. Dabei wurden Bezugssysteme aufgebaut, die missverständlich waren, auf die fälsche Fährte führen und bei den beteiligten Künstlern mitunter nur Kopfschütteln verursachten.

Übrigens: Der 1999 verstorbene Prof. Wilhelm Weber, Maler, Kunsthistoriker/Professor und Museumsdirektor (zuletzt am Landesmuseum Mainz) wurde nie müde, das Bonmot von Otto von Habsburg zu zitieren: „Wer sich mit dem Zeitgeist verheiratet, ist morgen verwitwet!“. Recht so!

Insofern ist die Frage „Kollaps der Moderne?“ unmittelbar verbunden mit der Frage „Kollaps der (gängigen) kunsthistorisch-medialen Interpretation der Moderne?“. Dies spricht für die Hilflosigkeit und durchaus auch Ignoranz bei (professionellen) Interpreten moderner bildender Kunst, die  ihr Fachwissen über das Talent der lebenden Künstler stellen, die direkt gar nicht mehr befragt werden. Dieser Dialog-Ausschluss erhält einen Multiplikationseffekt durch die sich darauf beziehende Zeitungsberichterstattung über den 26. Mainzer Kunstpreis. Es wurde auf Basis der Laudatio der Ausstellung und den beteiligten Künstlern ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Unter der Überschrift „Fragezeichen unter schönen Farben“ nahm die Reporterin Marianne Hoffmann einen Verriss vor. Auszug: „Was gezeigt wird, ist brave Malerei, ohne Ecken und Kanten, technisch perfekt. Ein einziges Mal hat es einer gewagt, den „Kollaps der Moderne” [sic! — Das wichtige Fragezeichen nach Kollaps wurde vergessen!] auf zwei Kartons in Acryl darszustellen [sic!], wobei dem Menschen auf Karton I ein Messer ins Gesicht gerammt wird. Überhaupt, ist das nicht ein Edward Hopper, ein Zitat nach René Magritte, Roy Lichtenstein, Marcel Duchamp, Georges Braque oder Max Bill? Das solllte [sic!] jedenfalls dort zu sehen sein, geht es nach der Kunsthistorikerin Sabine Idstein. Sie verstieg sich sogar so weit, dass sie das Werk der Künstlerin Anna Grau aus Berlin, die den ersten Preis erhielt, so beschrieb: „Ihr Gemälde bringt ,Les Demoiselles d’Avignon’ auf den neuesten Stand.” Gezeigt wird ein Mann oder eine Frau mit wulstigen Lippen und üppiger Frisur, betrachtet durch ein Butzenglas, das die Konturen so schön verwischt und die verwendeten Rot- bis Pinktöne so schön leuchten lässt. Heike Negenborn aus der Nähe von Bingen bringt ihre „Net Scape” [sic!] verdrahtete Landschaft auf Platz zwei, und Marcus Günther, der Kulissenmaler aus Düsseldorf, schafft es mit Pink und Grün und dem Sujet „Science Fiction” auf Platz drei. Helles Pink, zwei Menschen in grasgrünen Raumanzügen, ein eye-catcher. Was Andy Warhols Farbspektrum und plakative Werbeästhetik mit diesem Werk gemeinsam haben, das scheint der Kollaps der Moderne zu sein.“

Das für mich Ärger und Erstaunen provozierende Ergebnis zu Punkt 1: Das wichtige, angemessene und wegweisende Thema des 26. Kunstpreises „Kollaps der Moderne?“ konnte nicht adäquat verstanden werden, weil die Kommunikation darüber kunsthistorisch eitel-verbrämt und damit irritierend missverständlich geführt wurde. Es stellt sich die berechtigte Frage: Warum hat für die Laudatio und die Pressekritik niemand die Preisträger selbst und direkt angesprochen? Sie waren verfügbar. Und bei der Preisverleihung persönlich anwesend. Es hat sie nur keiner zu Wort kommen lassen. Damit wird Ihnen die angemessene Bedeutung geraubt. Dies könnte postum Hans-Jürgen Imiela, an den der Mainzer Kunstpreis Eisenturm erinnert, einen Temperamentsausbruch bescheren. 

Bildschirmfoto 2015-11-15 um 17.34.53Dabei sind Gespräche mit Künstlern und unter Künstlern so wichtig.

Genannt sei nur das legendäre sog. „Ravensburger Gespräch“ von Joseph Beuys mit dem Autor Michael Ende („Momo“) im Jahr 1982 zu „Kunst und Politik“.

Beuys, jahrzehntelang die schillernde, redegewandte Figur der deutschen Nachkriegs-Moderne und Vater des „Erweiterten Kunstbegriffs“, sagte im Gesprächsverlauf zu Michael Ende: „Jeder Mensch ist ein Künstler“; worauf Ende, der durchweg substantiell tief gehender argumentierte als Beuys, diesen aufklärte: „Jeder Mensch ist ein Mensch!“

Foto. Andreas Weber, Mainz/Frankfurt am Main

Die Preisträger folgen (stumm) der Laudatio. Foto. Andreas Weber, Mainz/Frankfurt am Main

Kollaps der Moderne: „Wir machen die Kunst und die Künstler sprachlos!“

Die PreisträgerInnen hätten zu den o. g. Punkten wie auch ihrem Schaffen selbst Antworten und Gedanken beitragen können. V. a. durch die Frage: „Wie können die Künstler und ihre Arbeiten zur aktuellen Situation beitragen und uns aus einer existentiell bedrohlichen Dauerkrise heraus leiten?“

Marcus Günther, von der Mainzer Zeitungskritik als „Kulissenmaler aus Düsseldorf“ abgetan, hätte den bewusst provokativen Stil seines Gemäldes „Fakt“ als Drittplatzierter verständlich erläutern können. Aus meiner Sicht ungefähr so: „Eine Candy-Cinderella-Welt, die wir Modernen uns schaffen, findet durch Malerei ihre Entsprechung!“ — Heike Negenborn hätte nicht nur zur Intention ihres Gemäldes „Net-Scape“ verbal Auskunft gegeben, ohne den Betrachter plumb vereinnahmen zu wollen. Sie hätte auch kundgetan, was sie auf ihrer Facebook-Seite im Nachgang äusserte: „Mein Beitrag zum Hans-Jürgen Imiela-Gedächtnispreis: ‚Net-Scape – Landschaft im Wandel‘ 2014, Acryl auf Leinwand, 125 x 150 x 6 cm — In Gedenken an Prof. Hans-Jürgen Imiela ist es mir noch ein besonderes Anliegen zu erwähnen, dass ich das Glück hatte, ihn noch persönlich kennen- und schätzen gelernt zu haben. Im Rahmen meines Kunststudiums an der Akademie für Bildende Künste in Mainz habe ich zahlreiche seiner höchstinformativen und mitreißenden Kunstgeschichtsseminare und -vorlesungen besucht. Viele Generationen von Studenten und Interessierten verdanken ihm noch heute ihr kunstgeschichtliches Wissen. Bei einigen meiner eigenen Ausstellungen hatte ich sogar die Ehre, ihn persönlich begrüßen zu dürfen (u. a. zur Verleihung des Mainzer Stadtdruckerpreises 1998 und zu meiner Stipendiatenausstellung in Bad Münster am Stein–Ebernburg 2004). Für mich hat der Hans-Jürgen Imiela-Gedächtnispreis in Erinnerung an diesen einzigartigen Menschen eine ganz besondere und persönliche Bedeutung.“ — GROSSARTIGES STATEMENT! Denn Heike Negenborn bringt zum Ausdruck, dass sie Dank des persönlichen Kontakts zu einem überaus kundigen, sich der klassischen wie der zeitgenössischen Moderne verpflichtenden Kunstwissenschaftlers und langjährigen KEM-Vorsitzenden keinen „Kollaps der Moderne“ für sich selbst erfahren musste! Im Übrigen: Die von Dr. Otto Martin und mir mitherausgegebene Festschrift für Hans-Jürgen Imelda zu dessen 70. Geburtstag im Jahr 1997 trug auf Imielas Wunsch den Titel „Rück-Sicht“! 

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Anna Grau vor ihrem Gemälde „Meister“, das den 1. Preis erhielt.

In der persönlichen Auseinandersetzung mit der 1. Preisträgerin, Anna Grau, hätte man erfahren können, was sie empfindet, wenn sie malt. Sie antwortete mir im persönlichen Gespräch, beim Zusammensein nach der Preisverleihung, auf die Frage „Was machst Du, wenn Du malst? Denkst Du an Picasso und seine Les Demoiselles D’Avignon?“ kurz und knapp und mit einem versonnenen Lächeln: „Ich male Gefühle!“. Diese Gefühlswelt ist die einer Russin, die als 15-jährige nach Berlin kam und dort seit 20 Jahren lebt. Eine Tochter hat. Die als Europäerin fühlt und denkt! Die Entwicklungen in ihrem Geburtsland mit großer Sorge sieht, sich bisweilen ohnmächtig fühlt. Die nicht immer mit der Welt, in der sie lebt, zurecht kommt, auch wenn es eine freiheitlich-demokratisch-rechtsstaatliche ist. Hätte man sie direkt gefragt, zu Putin und der Re-Sowjetisierung Russlands, sie hätte gesagt: „Oh nein ich male keine politischen Bilder. Mich interessiert der Mensch mit seinen Tiefen und Leidenschaften und Schwächen.“ Sie hätte gesagt, wie wichtig Malerei für sie ist. Gerade in einer „digitalen Welt“. Sie hätte gesagt, dass ihr in Mainz prämiertes Werk „Meister“ eine Sonderrolle in ihrem Schaffen spielt — weg von realistisch-surrealer Darstellungsweise hin zur Emotion pur! (Etwas, was sich dem Betrachter nur erschließt, wenn er andere Werke von Anna Grau sehen kann, was in Mainz nicht möglich sein kann). — „Hast du vergessen? Ich male Gefühle!“

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Kollaps der Moderne? — In Mainz kann man dies derzeit (wie auch schon über die Jahrhunderte hinweg) hautnah nachvollziehen. 

Zeitgleich mit der Ausstellung zum 26. Mainzer Kunstpreis Eisenturm arbeitet die Mainzer Malerin Fee Fleck an einem monumentalen Gemälde-Zyklus zum Thema „Drohnen“, also jenen fliegenden Kampfsystemen, die ferngesteuert in Krisengebieten wie Afghanistan, Irak, Jemen oder Syrien Tod und Verderben per Joystick bringen. Da der Gemälde-Zyklus im Ganzen noch nicht fertig gestellt ist, traute sich das langjährige KEM-Mitglied Fee Fleck wohl nicht, ein Einzelbild aus 18 Tafeln herauszulösen, um es beim 26. Kunstpreis-Wettbewerb im Sommer 2015 einzureichen. Das wäre spannend gewesen. Zumal Fee Fleck von Anfang an, also bereits während der Entstehungsphase ihrer Bildtafeln, aktive Dialoge durch persönliche Gespräche initiiert, wie am 10. November 2015 in meinem Mainzer Kommunikationsparadies unter dem Thema „Im Reich der Drohnen! — Mutig. Schonungslos. — Ein Aufschrei. Gegen das Vergessen, das Verdrängen, die Ignoranz.“ Das Publikum brachte sich aktiv ein. Die Bildwerke wie die Interaktionen mit „Betrachtern“ wird in die Ausstellung im März 2016 im Frankfurter Hof in Mainz mit einfliessen. Ein ähnliches Szenario, wie es die Künstlerin entwickelte, hätte auch dem 26. Kunstpreis gut tun können.

MEIN FAZIT: Der 26. Mainzer Kunstpreis hat wesentlich dazu beigetragen, sich dem komplexen Thema „Kollaps der Moderne?“ konstruktiv-kritisch anzunähern, um eine Position finden zu können. Und die heißt für mich persönlich (#JeSuisAndreas): Den eigentlichen „Kollaps der Moderne“ — den verursach(t)en wir selbst! Wir, die wir in Silos denken, die wir uns voller Impetus solidarisch erklären mit was auch immer, ohne uns für die Sache persönlich zu engagieren und die Hintergründe zu erfragen. Die wir eine Kultur der Ignoranz entwickelt haben, als Mitläufer in einer post-industriellen Wissensgesellschaft, die nicht mehr verstehen will und kann. Und sich mehrheitlich von der bildenden Kunst und ihren Erschaffern nicht nur distanziert,  sondern ihnen das Gespräch, den Dialog verweigert. Getreu dem Motto: „Ein Bild spricht für sich selbst“ — Puh. Wie dumm ist das denn?

HINWEIS: Exzellent, was Gabor Steingart als Herausgeber in seinem Handelsblatt Morning Briefing am 16.11.2015 schreibt: “Weltkrieg III. / Lesen Sie meine Meinung zu den Geschehnissen in Paris”. Unterfüttert die Basis für das, was ich in meinem Blog zu “Kollaps der Modern?” geschrieben habe. 

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© 2015 Foto und Bildcollage: Andreas Weber, Mainz/Frankfurt am Main

26. Kunstpreis Eisenturm 2015

Steht der Begriff der Moderne immer noch für Innovation, Aufbruch, Zeitgeist, Fortschritt, Erneuerung – Avantgarde? Oder ist er zum einengenden Korsett und Dogma erstarrt und reflektiert den Pluralismus unserer Gesellschaft nicht mehr? Wie sehen Künstler die momentane Diskussion, die mittlerweile einen Großteil der gestalterischen Erzeugnisse der Zeit nach 1945 erfasst hat? 

Dies fragte der Kunstverein Eisenturm Mainz (KEM) mit der Ausschreibung seines 26. Kunstpreises 2015 im Rahmen seines 40-jährigen Jubiläums. Teilnahmeberechtigt waren alle Künstler/innen, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben.

Hinweis: Der nachfolgende Text erläutert die hohe Bedeutung des diesjährigen Wettbewerbs, der speziell über Social Medien und die KEM Facebook-Seite eine grossartige Resonanz fand..Ausschreibung, Zwischenstand und Live-Berichte von der Preisverleihung fanden über 150.000 Viewers!

Provoziert von dem mehrdeutigen Titel und Ausschreibungstext haben sich fast 700 Künstler und Künstlerinnen am Wettbewerb um den Mainzer Kunstpreis Eisenturm beworben.

Die 39 in der Ausstellung im MVB-Forum vertretenen Werke haben sich von den Klassikern und Ikonen der Moderne inspirieren lassen. Gemäß Hans Belting werden Exemplare der Moderne zu Gegenwartskunst erst, wenn ihre nationale Provenienz zu Gunsten einer globalen Aussage aufgegeben wird, die den Zeitgeist erfasst. Demgemäß wurde aus dem Sammelbecken des www und mit den Mitteln zeitgenössischer Reproduzierbarkeit komponiert aber entgegen der Angst Walter Benjamins schließlich ein auratisches Kunstwerk geschaffen.

Zu den Abbildungen: Dietmar Gross, 1. Vorsitzender des Kunstvereins Eisenturm, und Daniela Schmitt, Regionalmarktdirektorin bei der Mainzer Volksbank, überreichten der Berliner Künstlerin Anne Grau am 5. November 2015 den mit 5.000 Euro dotierten ersten Preis. Der 2. und 3. Preis waren mit 3.000 Euro bzw. 2.000 Euro dotiert. Fotos: Klaus Benz

Preis 3 geht an Marcus Günther, der ein Bild aus Elementen der Pop Art und des Surrealismus schuf. Eine utopische Szene erinnert an die Mondlandung und an Science Fiction Serien wie Star Trek sowie Verschwörungstheorien. Andy Warhols Farbspektrum und plakative Werkeästhetik lassen an der Ernsthaftigkeit des Titels „Fakt“ zweifeln. Befinden wir uns in einer medizinischen Werkekampagne?

Preis 2 geht an Heike Negenborns Landschaft aus der Aufsicht mit dem Titel „Net-scape“. Nach einem historischen Browser benannt, zeigt sich die Netzlandschaft als verpixelte Darstellung aus einer Überwachungs- und Kontrollperspektive, die aufgrund von im Netz kursierenden frühen Drohnenaufnahmen möglicherweise kriegerisch konnotierbar ist. Die Bildästhetik der in Ölfarben ausgeführten Quadrierung verweist auf den impressionistischen Pinselduktus, den Pointillismus sowie die Zeitungsraster der Pop Art und schließlich auf nicht hochauflösende Digitalbilder aus dem Netz. Waren die Impressionisten aufgrund käuflich zu erwerbender Farbtuben flexibel in der Wahl ihrer Location geworden, sind Künstler heute aufgrund eines gewaltigen, globalen Bildarchives im Internet, das hier technisch reproduziert wurde, nicht nur flexibel in der Motivwahl sondern auch mobil.

Der 1. Preis geht an Anna Grau, die mit ihrem „Meister“ ein Meisterwerk geschaffen hat, das zugleich den Meister der Adaption älterer Kunst aktualisierend zitiert. Ihr Gemälde bringt „Les Demoiselles d‘ Avignon“ auf den neuesten Stand. Die rosa Periode Pablo Picassos wird pink-himbeere, zumal die Parade der Prostituierten zur Gayparade bzw. zur Präsentation eines Transsexuellen oder Transvestiten umgemünzt wird. Gemäß Belting gibt es seit dem Ende des Kolonialismus keine Primitiven und keine „Negerskulptur“ mehr und so übersetzt sie ihr Personal in einen Menschen mit Migrationshintergrund. Die kubistischen Rhomben und Dreiecke werden schließlich fragmentiert.

Stimmen und Meinungen zum Wettbewerb und der bis zum 11. Dezember dauernden Ausstellung werden per Link aufgeführt und fortlaufend ergänzt.

“Anna Grau siegt beim 26. Mainzer Kunstpreis Eisenturm”. In: Wirtschaft-News vom 6. November 2015.

Zur Ausstellung im MVB Forum 

Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag von 8:15 – 18:00 Uhr, Mittwoch und Freitag von 8:15 – 13:00 Uhr im Forum der Mainzer Volksbank, Neubrunnenstraße 2, 55116 Mainz.

Impressionen von der Preisverleihung. Fotos: Klaus Benz.

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#TuEsPablo — #JeSuisAndreas: Die Ausstellung Picasso.Mania im Pariser Grand Palais

Notizen und (launig-besinnlich-kritische) Gedanken von Andreas Weber

Der Zugang zu Picasso, dem Kunst-Großmeister der westlichen Moderne, ist bisweilen schwierig. Bei der Suche nach der ihm gewidmeten Ausstellung Picasso.Mania landete ich bei einem Pulk gut gekleideter, auf den ersten Blick schöner Menschen an einem Seiteneingang des Pariser Grand Palais. Mich empfingen aber nicht die Les Demoiselles d’Avignon, sondern die Jünger von YVS, neuerdings kurz St. Laurent genannt, die im kleinen Kreis die neue (von der klugen Mode-Kritik am gleichen Tag verrissene) Kollektion vorstellten. Mein “Zugang” zu Picasso lag aber am anderen Ende…

Ein Chanson von Jacques Dutronc kommt mir in den Sinn. — Paris (l’art) s’éveille!

“Il est cinq heures
Paris s’éveille 

Les travestis vont se raser
Les stripteaseuses sont rhabillées
Les traversins sont écrasés
Les amoureux sont fatigués

Les journaux sont imprimés
Les ouvriers sont déprimés
Les gens se lèvent, ils sont brimés
C’est l’heure où je vais me coucher
…”

Die Massen strömten. Man muss Karten (online) buchen, um zu bestimmten Uhrzeiten den Einlass zu ergattern. Hat man die Hürden genommen, wird es schön, fast heimelig und äußerst gesittet. Mit meinem Presseausweis gewappnet, wurde ich wie ein König behandelt, der den Kaiser besucht. Spontan entschloss ich mich, mein Erlebnis durch eine Reihe von Selfies (Fotos sowie einige wenige Kurzfilme via iPhone) festzuhalten. Zu sehr war und bin ich überwältigt. Von der Ausstellungskonzeption (gezeigt wurden Arbeiten Picassos, Filme/Szenen mit ihm und die Reflexionen seines Werkes durch andere Künstler wie u. a. Hockney, Warhol, Saura, Lichtenstein, Samba, Kippenberger Jaspar Johns, Condo, Hamilton, Oldenburg, Golub, Ringgold, Lavier, Morley Dijkstra, Colescott und Rauschenberg), über die Ausstellungsarchitektur sowie das Verhalten des Publikums. Letzteres teilte sich in drei Gruppen aus aller Herren Länder: Die einen fotografierten soviel es ging und eilten weiter. Die anderen hatten ständig den Audio-Führer am Ohr; und die dritte Gruppe zog schwärmend und fasziniert umher. Ob die alles verstanden haben, was sie sehen/erleben konnten? Sei es drum, in jedem Fall ist Picasso für alle ein Gott, eine Ikone, eine Heiliger, ein Unerreichbarer — frisch, unverbraucht, inspirierend. Und das ungebrochen noch fast zwei Generationen nach seinem Tod.

Bei den ausgewählten Künstlern konnte ich zwei Positionen ausmachen: Die einen, die aus Bewunderung für Picasso seine Werke zitieren und in eigener Weise, durch Picasso inspiriert reflektieren oder interpretieren. Die anderen, die fast als Trittbrettfahrer agieren und den „Meister“ nutzen, um sich zu profilieren. So taucht in der Ausstellung als Exponat auch per Großfoto der Spross eines Königshauses auf, der vor Picassos Guernica-Gemälde posiert und redet.

Albern? Respektlos? Ehrenrührig? Das frage ich mich beim Rausgehen nochmals. Der Weg führt durch die „Einkaufsmeile“, vom Katalog, über Publikationen aller Art bis hin zu Kleidungsstücken und Nippes. Alles da. Hübsch arrangiert. Und stark frequentiert. Damit man etwas mitnimmt, als Erinnerung, zum Nachlesen oder Vertiefen. In der Ausstellung selbst wird wenig Gebrauch davon gemacht, sich vor den Originalen mit anderen über die Originale zu unterhalten. Dabei war Picasso so dialogfreudig, so lebensnah. So bodenständig und voller Lust. Apropos: Die Ausstellung klammert thematisch aus, welche Anregungen Picasso selbst im Lauf seines Lebens erfahren hat. Durch Reisen (vor allem nach Pompeji); durch Max Beckmann, den Picasso wie 1947 persönlich gegenüber meinem Vater Wilhelm Weber geäussert hat, mit kritischer Distanz bewunderte und wohl als seinen stärkten Konkurrenten empfand; durch seine Begegnung mit dem grossen Meister traditioneller chinesischer Malerei, Wang Xuetao, der Europa 1956 besucht hatte und u.a. für Picasso vor dessen Augen in wenigen Minuten, aber dafür in höchster Perfektion einen Adler malte. Picasso war perplex. Und voller Demut, indem er sagte: „Die wahre Kunst liegt im Fernen Osten.“ (Siehe: China in Mainz — Ein Hoch auf die Kunst von Jian Xu und seiner Familie). Über diese Einflüsse auf Picasso mehr zu erfahren, das hätte ich mir im Kontext der „Picasso.Mania“-Ausstellung gewünscht, zumindest in kurzer knapper Form. Aber vielleicht war das zu sehen oder erfahrbar. Und ich war nur zu überwältigt, um es wahrzunehmen. Wer weiß. Die Ausstellung öffnet noch bis 29. Februar 2016. Zeit und Gelegenheit genug, nochmals hinzugehen. Und darüber nachzudenken, ob die Kunstkritik in ihrer Einschätzung der Ausstellung und des Werkes von Picasso hilfreich ist oder nicht. Vieles bleibt offen oder wird nicht gerade einsichtig kommentiert. Aber es bleibt uns die Möglichkeit, uns selbst einen Eindruck zu verschaffen. Durch genaues, unvoreingenommenes Hinsehen, durch den Dialog mit anderen und uns selbst, um zu Verständnis zu gelangen. #TuEsPablo — #JeSuisAndreas — #NousSommesNous.

Nachtrag: Beim Ausgang der Picasso.Mania-Ausstellung, im Foyer des Grand Palais, kauerte eine Gruppe Schulkinder am Boden. Sie wirkten ermattet und vergnügt zugleich. Und redeten miteinander, über das, was sie in der Ausstellung erlebt haben. Drei Tage später (ich eilte von Paris aus weiter nach Wien zu einer Konferenz) sehe ich im Wiener Hauptbahnhof bei meiner Abreise ebenfalls Kinder am Boden kauernd. Sie sind auch ermattet. Reden aber nicht, sondern schauen stumm und erschreckt vor sich hin oder schlafen vor Erschöpfung in den Armen ihrer Eltern/Verwandten. Es schaudert mich und wird noch schlimmer, als ich in der Bahn bei Passau die Grenzkontrollen miterlebe. Unmenschlich, was da passierte. Diskriminierend. Ohne Mitgefühl seitens der „Ordnungshüter“. Ich schäme mich und bin betroffen ob unserer Ohnmacht, wie auch andere Fahrgäste. — Was Picasso aus diesem, meinem Erlebnis wohl gemacht hätte? Sicher wenig im Stile derer, die im Grand Palais auf ihn Bezug nehmen. Und damit glänzen.

TIPP ZUM ANSCHAUEN ALLER BILDER ALS VIDEOANIMATION!

Motio-Netzwerktage 2015 - Vortrag Andreas Weber.001

© 2015 by Andreas Weber, Mainz/Frankfurt am Main. Foto: Detail eines Plakats, gedruckt mit HP PageWide-Technologie.

Andreas Weber von Value Communication AG aus Mainz erzählt uns, welche Art von Druck-Dienstleistungen im Kunst- und Kulturbereich gefordert werden. Künstler stellen hohe Ansprüche an Qualität und an das Besondere. Der Digitaldruck kann hierzu mehr leisten als der klassische Analogdruck. Diese Tatsache ist viel zu wenig bekannt.“  —Achim Carius, Geschäftsführer Wirtschaftsverband Kopie & Medientechnik e.V. (motio-Netzwerk), Frankfurt am Main, im Vorfeld der motio-Netzwerktage Mitte September 2015 in Kassel, zum Vortrag von Andreas Weber.

Texterläuterungen und Zusatzinformationen zum Vortrag von Andreas Weber

»Von allen künstlerischen Darstellungsformen bietet das Drucken die vielfältigsten und interessantesten Möglichkeiten. Die Spannbreite dieses Mediums reicht von einfachen Techniken bis hin zu modernsten industriellen Druckverfahren. Jede Begabung und Neigung findet in unterschiedlichen Bereichen ideale Voraussetzungen, und allein persönliche Vorlieben und künstlerisches Talent setzen die Grenzen.“ So urteilte der Experte John Dawsen vom London College of Print. Er gab ein wichtiges Buch heraus, um diese Botschaft zu formulieren. [Handbuch der künstlerischen Drucktechniken, Verlag Herder, Freiburg, 1983. — Originalausgabe: Quill Publishing Ltd., London, 1981 (The complete guide to prints and printmaking techniques and materials)].

Dawsen äußerte dies in kluger Voraussicht bereits Anfang der 1980er Jahre. Also lange bevor der Digitaldruck, wie wir ihn heute kennen, am Markt verfügbar war und das Geschäft mit Print innovierte. Dawsen weiter: „Auch wenn die bahnbrechende Erfindung Gutenbergs im 15. Jahrhundert die Voraussetzung für die stürmischste Entwicklung des Druckerhandwerks schuf, so blieb doch die Bedeutung des Drucks als Kunstwerk unangefochten. Kaum ein bekannter Maler oder Bildhauer, der sich nicht auch im Bereich der grafischen Techniken einen Namen gemacht hätte. Dürer, Cranach, Rembrandt, Goya, Picasso und Warhol — sie alle gehören zu den bedeutenden Vertretern ihrer Kunst, ihrer Zeit und ihres Stils. Die Möglichkeiten der modernen Drucktechnik eröffnen dem Laien und dem Fachmann heute ungeahnte Experimentierfelder.

Die Kunst des Druckens profitiert also seit jeher von außergewöhnlichen Künstlern, sie liefern die hochwertigsten Inhalte. Und sie fordern die Technik in besonderer Weise. Mit dem Digitaldruck entstand etwas Neues, Einzigartiges: Künstler nutzen nicht nur das Medium Druck um herausragende Kunstwerke zu schaffen, sondern insbesondere um über ihre Kunst in neuartiger Weise direkt zu kommunizieren. Von hohem Interesse ist stets die Druck-Kunst mit Unikat-Charakter!

Motio-Netzwerktage 2015 - Vortrag Andreas Weber.026

EXKURS
Kunst ist keine Spielerei. Sondern ein ernsthaften Geschäft. In riesiger Dimension.

Analysten von McKinsey haben unlängst in einem Report einen „China Effekt“ der besonderen Art aufgezeigt: Im Reich der Mitte sind von uns unbeobachtet einzelne Nischenmärkte entstanden, die größer sein können als ganze Volkswirtschaften z.T. großer Staaten im Rest der Welt. Ein interessanter Aspekt lässt sich daraus in unserem Kontext ableiten, der die Frage aufwirft: Ist der Kunstmarkt eine Nische? Eine Nische, die von Idealisten geprägt ist, denen der Kommerz schnuppe ist? — Weit gefehlt. 

Die Bundesregierung hat vor rund 8 Jahren Untersuchungen veranlasst, mit überraschenden Ergebnissen, die u.a. von Fraunhofer ISI und Prognose AG erarbeitet wurden. Man hat erstmals Statistiken zusammengetragen sowie analysiert und dokumentiert, wie sich die Kultur- und Kreativwirtschaft (kurz: KKW) zusammensetzt. Und zwar aus 11 definierten Teilmärkten: Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Markt für darstellende Künste, Architekturmarkt, Designwirtschaft, Pressemarkt, Werbemarkt, Software/Games-Industrie). Zentrales Ergebnis: Die KKW trägt wesentlich zur Wertschöpfung und zur Gesamtwirtschaftsleistung bei — und das fast auf Augenhöhe mit des Deutschen liebstem Kind, der Automobilindustrie, sowie dem Motor deutscher Exportstärke, dem Maschinenbau. Die Kultur- und Kreativwirtschaft rangiert noch vor der Finanzdienstleistung, der Chemischen Industrie sowie der Energieversorgung.

Wie folgt wird KKW definiert: „Unter Kultur- und Kreativwirtschaft werden diejenigen Kultur- und Kreativunternehmen erfasst, welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen. Das wesentliche Kriterium der Definition ist der erwerbswirtschaftliche Charakter der Unternehmen.“ [Quelle]

Hier einige wichtige Kennziffern (Zahlen aus 2013):
• Anzahl der Unternehmen (Freiberufler und gewerbliche Unternehmer):
248.721 (Anteil an der Gesamtwirtschaft 7,56 Prozent)
• Umsatz: 145,3 Mrd. Euro (Anteil an der Gesamtwirtschaft 2,36 Prozent)

Beschäftigung:
• Erwerbstätige (Selbständige und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ohne Minijobs): 1.038.601
• (Anteil an der Gesamtwirtschaft 3,16 Prozent),
• Anstieg der Erwerbstätigkeit: 2,67 Prozent im Vergleich zum Vorjahr
• Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung: 3,27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr
• Erwerbstätige insgesamt (Erwerbstätige und geringfügig Beschäftigte/Tätige): 1.592.000

Bruttowertschöpfung: 65,3 Mrd. Euro (Anteil an Gesamtwirtschaft 2,32 Prozent)
• Anteil Selbständige an den Erwerbstätigen: 24 Prozent
• Anteil der Kleinstunternehmen/Freiberufler (Umsatz unter 2 Millionen Euro): 97 Prozent (Anteil der Kleinstunternehmen am Gesamtumsatz rund 26 Prozent) (2012)

Quelle

Motio-Netzwerktage 2015 - Vortrag Andreas Weber.009

Der Technologie-Konzern HP bietet mit seinem Geschäftsbereich Graphic Solution Business ein Füllhorn an Premium-Drucktechniken für Kreative und Kunstschaffende an. Fokus: Innovation durch Inkjet, neuerdings mit der bahnbrechenden HP PageWide Technologie.

Die im Exkurs dargelegten Zahlen und Fakten sind beeindruckend. Aber weitgehend unbekannt. Ebenso wie die Robustheit und das überdurchschnittliche Wachstum: Die Kultur- und Kreativwirtschaft verzeichnete insgesamt keine Umsatzeinbrüche durch die Finanzkrise 2008/2009. Wichtig ist zudem: Die Marktbedeutung gerade des Kunstmarktes ist wesentlich größer als dargestellt. Die bestehende Kategorisierung erfasst nicht die über 630 Museen in Deutschland mit ihren mehr als 21 Millionen Besuchern pro Jahr (Quelle: Brand Eins, Stand 2009). Ganz zu schweigen von den Kunstvereinen und Künstlervereinigungen. Ebenso wenig eingerechnet sind in ihrer Gesamtheit die rund 180.000 erwerbstätigen bildenden Künstler (Vgl. 1983: 81.000) — (Quelle: Brand Eins, Stand 2009. http://www.brandeins.de/archiv/2009/kunst/kunst-in-zahlen/).

Gleichwohl sind sich die Experten einig, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft nicht nur relevanter Umsatzbringer ist, sondern der Gesamtwirtschaft insgesamt quasi als Seele, Gehirn und Herz in einem dient. „Künstlerinnen und Künstler sorgen mit frischen, schöpferischen Ideen nicht nur für Wachstum und Wohlstand. Sie leisten mit ihren hochwertigen Kulturgütern einen grundlegenden Beitrag zur Modernisierung und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft“, brachte es Prof. Monika Grütters, MdB, Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, in einem Pressestatement am 17. Februar 2014 auf den Punkt. Und im Regierungsprogramm 2013 bis 2017 einer grossen Volkspartei heisst es: Kunst und Kultur bereichern uns, sind vielfältig, kritisch, lebendig und anregend. Sie sind in ihrem Eigenwert essentiell für eine offene und demokratische Gesellschaft. Ihre Förderung ist keine Subvention, sondern Investition in die Zukunft. Und diese Investition muss zuallererst bei den Künstlern selbst ankommen – um ihre Lebensgrundlagen zu sichern.“

Kunst ist Kommunikation. Und Kommunikation ist (eine) Kunst!

Kreativ Schaffende und insbesondere Bildende Künstler müssen in ihrer Kommunikation maximale Anforderungen erfüllen. Sie bringen letztlich das Neue, das nie Dagewesene in die Welt. Die Mainzer Sängerin und Malerin Nanette Scriba sagt im Rahmen einer Studie durch Value Communication: Zunächst sei im Schaffensprozess Kommunikation nicht gefragt. Man brauche Ruhe, Konzentration, Störungsfreiheit. Sowie eine Idee da ist für eine Komposition oder auch Bildwerke gemalt wurden, setze aber eine intensive Kommunikation ein, um anderen darzustellen, was man getan hat,  um sich und sein Werk zu präsentieren. Immer weniger Künstler verlassen sich dabei noch auf Agenten, Galerien oder gar Museen. Viele sind selbst auf Facebook aktiv, bilden vernetzte Gruppen und nutzen soziale Medien, um schon in der Entstehungsphase ihre Werke oder ihre Ausstellungen ins Gespräch zu bringen. Dies fördert die Nachfrage ungemein. Künstler, die dies tun, sind ständig sichtbar. Und es erleichtert die Dokumentationen über Drucksachen: Daten, die gedruckt werden können, sind massenhaft vorhanden, für Flyer, Postkarten, Plakate, Posterbücher bis hin zu Broschüren oder gar Büchern, die per Fotobuch-Applikationen erstellt werden.

Allerdings: Das Wissen um die neuesten und besten Drucktechnologien (sprich:  Digitaldruck) ist im Kunst-Markt (wie generell im Kultursektor) sehr gerng ausgeprägt, wie meine umfassenden Recherchen der letzten Jahre belegen. Fraglos, populär ist es bereits, Online-Druckereien zu nutzen. Vor allem durch die Preisvorteile bei Standarddrucksachen und weil diese Plattformen kein tief gehendes technisches Vorwissen voraussetzen. ABER: Es fehlen bis dato spezifische Angebote, die in kreativer Art und Weise die Arbeit von Künstlern beflügeln. Und es fehlen die Kontakte zu innovativen Dienstleistern, die neuartige Angebote unterbreiten. Diejenigen Künstler, die Designer einspannen, landen zumeist bei Online-Druckereien, sprich den Dienstleistern, die das Designbüro kennt und die sich auf Standard-Produkte fokussieren. Das trifft im Kern nicht das, was Künstler wollen! Denn auf der Bedarfsskala stehen ganz oben:

  1. Die richtigen Kontakte zu Spezialisten, dabei einfache Technikabläufe mit hohem Komfort, simpel in der Nutzung und mit schnellster Lieferung („Same Day!“).
  2. Materialvielfalt bei den Trägermedien.
  3. Inspirierende Effekte.
  4. Aussergewöhnliche Formate.
  5. Breite Anwendungsvielfalt (Beschriftungen/Schrifttafeln, Handouts, Außenwerbungsmaterialien wie Großposter, Fahnen, Banner etc.).
Motio-Netzwerktage 2015 - Vortrag Andreas Weber.028

Blick in das Kommunikationsparadies von Andreas Weber in Mainz.

Nur ein geringer Teil der Künstler will seine Werke eins-zu-eins durch Druck abgebildet haben. Schließlich sind die Originale, die Künstler schaffen, das Maß aller Dinge. Ausnahme: Bildwerke die per Computer entstehen, auch „digital“ gemalt und dann per Digitaldruck auf Leinwandmaterial gedruckt werden. In Zukunft wird sich der Anteil “digital” erzeugter Kunst deutlich erhöhen: Apple stellte am 9. September 2015 die neuen Generation großformatiger iPads Pro mit noch höher auflösendem Display vor, inklusive dem Apple Pencil. Damit kann jede Art von künstlerischer Malerei, Zeichnung und sogar Kalligraphie perfekt umgesetzt werden. Es werden damit hochmehr “Daten” vorliegen von höchster Qualität, die es lohnt, digital zu drucken, um der Flüchtigkeit der Bildschirmwelten eine Manifestation und nachhaltige Wirksamkeit zu verschaffen. So oder so: Wesentlich ist, durch gedruckte Medien die Person der Künstlerin/des Künstlers, und ihr/sein Schaffen in seiner Gesamtheit erfahrbar zu machen. Am besten „On-demand“…

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Apple stellte am 9. September 2015 atemberaubende neue Lösungen vor. iPad pro und Apple Pencil werden der Kunstwelt ganz neue Wege aufzeigen.

Da Künstler wertschöpfend tätig sein müssen, also einem Erwerb nachgehen, ist neben der wirksamen medialen Kommunikation die Transaktion, also der Verkauf, wichtig. Es muss verkauft werden! Online-Marktplätze, wie wir sie kennen, sind da wenig hilfreich. Wirksamer sind digital vernetzte Direktmarketing-Kampagnen, die wiederum Print einsetzen, im gekonnten Mix mit Online-Kommunikation, vorzugsweise über Social Media. Ebenso entscheidend ist die optimale mediale Präsenz und Vernetzungsmöglichkeit am „Point-of-Sales“, also in den Ateliers, bei Ausstellungen, Vorträgen, Performances etc. Nicht jeder Besucher kauft sofort ein Kunstwerk. Gerne werden aber Postkarten, Plakate etc. erworben, um sich zu erinnern bzw. die Kaufentscheidung in Ruhe abwägen zu können.

Zwischenfazit: Bei kreativ schaffenden Künstlern, die es in großer Zahl gibt, ist der Bedarf an gedruckter Kommunikation hoch, aber bei weitem nicht gedeckt. Und schon gar nicht gedeckt durch digital gedruckte Unikate, die über das bestehende hinausgehen.

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Foto: Andreas Weber

Was uns fehlt: Ideen, Möglichkeiten und kundenorientierte Services für neue Anwendungen per Digitaldruck

Gemeinhin haben Künstler und Druckdienstleister wenig direkte Kontakte. Obgleich beide wesentliche Rollen spielen in unserem Kommunikationsalltag. Und obgleich beide „Druck-Kunst“ als Teil ihrer Geschäftsgrundlage bewerten können. Wie bringt man nun beide Gruppen zusammen? Wir haben dazu in Mainz eine Besondere Initiative gestartet: Das „Kommunikationsparadies“. In historischen Räumen, neben einer Sektkellerei gelegen (!), vereinen wir vielfältig die wesentlichen Kommunikationsdisziplinen. Wir praktizieren die Kommunikation über Kunst, durch Events/Ausstellungen/Konzerte/Lesungen/Interviews, durch meinen Blog (valuetrendradar.com) sowie verschiedene Facebook-Seiten, Twitter, Google Plus usw.; wir entwickeln neue Medienprodukte (Print/Online) sowie neue Multichannel-Kommunikations-Szenarien.

Wir tun dies im Team mit fast einem Dutzend Künstlern aus dem In- und Ausland: Antonio Barroso, Valencia/Spanien, Künstlern aus China und Australien (wie Dr. Ying Lin-Sill, Jian Xu, Chunri Yang), jungen Talenten, wie Lin Laurenz, etablierten Künstlern aus der Region Rhein-Main wie Dietmar Gross, Prof. Valy Wahl, Fee Fleck, Gisela und Hermann Rapp, um nur einige zu nennen. Wir konzipieren in Mainz, der Gutenberg-Stadt innovative Ausstellungsprojekte, die um die Welt gehen werden, wie „Surprise. The Art of Print!“. Wir publizieren eBooks, die wir drucken lassen können. Wir entwickeln neue „Druck-Kunst-Werke“, allesamt von ausgesuchten Partnern digital gedruckt, wie Spielkarten-Sets mit Motiven aus Gemälden von Valy Wahl, FingerBooks, die die Entstehung eines Gemäldezyklus zeigen, über 5,50 Meter lange Leporellos, mit Gemälden und Textfragmenten, sowie komplett digital gedruckte Kunstbücher in speziellen Schubern, mit Originalgrafik, on-demand auf bestem Papier mit Hardcover produziert via Online-Shop, der in Facebook integriert ist. Bei allen diesen Projekten spielt das „Gedruckte“ eine wesentliche Rolle. Aber nicht, um Vorlagen aus der Kunst zu reproduzieren, sondern um neue Text-Bild-Welten haptisch erfahrbar zu machen, was stets die besten Wirkungseffekte im Kommunikationsmix erzielt.

Wir suchen und finden stets neue technologische Möglichkeiten, die für unsere Aussage „Kunst ist Kommunikation. Kommunikation ist (eine) Kunst!“ eine kongeniale Beweisführung liefern. Digitaldruck spielt dabei eine zentrale Rolle. Gerade, wenn man abseits der Gebrauchsanleitungen der Hersteller neue Anwendungen austüftelt.

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Bildcollage: Andreas Weber (auf Basis von Motto-Netztwerktage-Programm und HP-Druckmustern).

Apropos: Durch die freundliche Einladung von Achim Carius auf die Motio-Netzwerktagung kam ich mit einem Anwendungsbereich in Berührung, der mich inspiriert und fasziniert: Dem sekundenschnell Ausdrucken von breiten Papierbahnen auf der Rolle, vierfarbig, mit feinster Zeichnung, pigmentierter Tinte, großer Materialvielfalt. Und all das zu einem optimalen Kosten-Nutzen-Verhältnis. Früher nannte man das „Plotten“, heute nenne ich das ein neues Experimentierfeld für Druck-Kunst. Der Hersteller HP nennt es „PageWide“. Die mir/uns vorliegenden Musterdrucke sind wunderbar. Und die technischen, hoch automatisierten Prozesse/Workflows zur Qualitätssicherung, die Druck-Eigenschaften per Inkjet mit pigmentierter Tinte, höchster Druckgeschwindigkeit und breiter Materialvielfalt sind bei diesen Neuheiten wegweisend. Als besondere Chance sehe ich, dass man (dadurch) Zeit gewinnt, um neue Geschäftsmöglichkeiten auszubauen, z.B. durch gezielte, pro-ative Ansprache neuer vertikaler Märkte, z. B. Eigendarstellung, Verkaufsaktionen von Firmen/Institutionen sowie für Events aller Art, v. a. eben bei Kunst und Kultur. All das, was hier entwickelt wird, ist übertrag- und multiplizierbar, so z. B. für den Einzelhandel bzw. Einzelhandelsketten, also für alle, die eine lokal/regionales Geschäft betreiben. Wichtig ist, dass durch die neue Form der „Druck-Kunst“ per Inkjet Drucksachen wie Poster etc. im Indoor- und Outdoor-Bereich aber auch ganz neue Anwendungen, wie hier bei den motio-Netzwerktagen zu sehen, möglich sind. Hier bilden weitere HP-Technologien wie Latex u. a. das Premium unter den Druck-Kunst-Techniken.

Sicher sehen wir heute den Beginn von Etwas, das sich rasant weiterentwickeln wird. — Faszinierend für mich ist zudem, dass im Publikum der Tagung Dienstleister sitzen, die bereits Zugang zur Kreativ- und Kulturwirtschaft haben. Viele arbeiten für Architekten oder auch im Werbemarkt bzw. der Designindustrie.

Mein Appell: Bauen Sie diese Möglichkeiten aus. Nutzen Sie Neuheiten im Digitaldruck, um innovative gedruckte Kommunikationsanwendungen zu entwickeln. Kommunizieren Sie neue Angebote an neue Zielgruppen. Kreativschaffende, insbesondere Künstler, werden es Ihnen danken. Helfen Sie aktiv mit, für Kommunikationsbotschaften aller Art sehr gute neue Möglichkeiten nutzbar zu machen, die — jetzt schon technisch hoch innovativ — künftig gezielt ausgebaut werden.

Hinweis: Der Textbeitrag von Andreas Weber erläutert den Hintergrund und bildet das Fundament für seinen Vortrag „Blick zurück nach vorne: Drucken ist eine Kunst – oder: Wie der Digitaldruck kreative Meisterleistungen beflügelt!“, den er am Freitag, den 11. September 2015, bei den motio-Netzwerktagen in Kassel hält.

Surprise The Art of Print-Warhol.001

Fundstück. Passend zu meinem Ausstellungsprojekt ›Surprise. The Art of Print!‹ —Andreas Weber

»Von allen künstlerischen Darstellungsformen bietet das Drucken die vielfältigsten und interessantesten Möglichkeiten. Die Spannbreite dieses Mediums reicht von einfachen Techniken bis hin zu modernsten industriellen Druckverfahren. Jede Begabung und Neigung findet in unterschiedlichen Bereichen ideale Voraussetzungen, und allein persönliche Vorlieben und künstlerisches Talent setzen die Grenzen.

Auch wenn die bahnbrechende Erfindung Gutenbergs im 15. Jahrhundert die Voraussetzung für die stürmischste Entwicklung des Druckerhandwerks schuf, so blieb doch die Bedeutung des Drucks als Kunstwerk unangefochten. Kaum ein bekannter Maler oder Bildhauer, der sich nicht auch im Bereich der grafischen Techniken einen Namen gemacht hätte. Dürer, Cranach, Rembrandt, Goya, Picasso und Warhol — sie alle gehören zu den bedeutenden Vertretern ihrer Kunst, ihrer Zeit und ihres Stils.

Die Möglichkeiten der modernen Drucktechnik eröffnen dem Laien und dem Fachmann heute ungeahnte Experimentierfelder.«

John Dawsen [Hrsg.]. In: Handbuch der künstlerischen Drucktechniken, Verlag Herder, Freiburg, 1983. — oOriginalausgabe: London, Quill Publishing Ltd., 1981 (The complete guide to prints and printmaking techniques and materials.). — John Dawsen war Senior Lecturer Graphic Design am London College of Print.

China in Mainz Keyvisual IMG_5655

@ 2015 by Value Communication AG, Mainz/Germany

 

Von Andreas Weber, Mainz

Für Mittwoch, den 28. Januar 2015, hatte Dr. Ying Lin-Sill mich gebeten, um 15 Uhr in unser Mainzer Büro zu kommen. Ich sollte Freunde von ihr treffen, die aus China zu Besuch gekommen sind. Ying ist seit über zwei Jahren als Künstlerin Dreh- und Angelpunkt in unserem „Value Artist in Residence“-Programm. Seitdem hatten wir hunderte von Gästen bei uns. Sogar das Chinesische Neujahrsfest begehen wir gemeinsam. Und Prof. Yu Hui, Deputy Director Painting/Calligraphy und Direktor Research Institute, National Palace Museum, Beijing, sowie viele andere haben uns besucht. Soweit also nichts ungewöhnliches, ausser, dass der 28. Januar ein besonderer Tag im Jahr ist: der Geburtstag von Jackson Pollock und Claes Oldenburg.

Als ich (zeitig früher) vor dem Büro in der Mainzer Walpodenstrasse ankam, traf ich Jiandong Sun, die mit ihrem Ehemann Dr. Ing. Gert Kaster schon im Gehen begriffen war. „Oben im Büro ist viel los!“, sagte sie lachend. Ich rannte die Stufen hoch. Die Bürotüre war weit geöffnet. Es standen überall so etwas wie einzelne Paravents herum. Viele Kartons waren verstreut. Über ein halbes Dutzend Menschen waren mit diesen Paravents, mit Papierrollen und -blättern beschäftigt. Möbel wurden umgestellt. „Das ist mein Freund Jian Xu, seine Frau Ting Wang, seine Tochter Xiang und sein Sohn Xin“, sagte Ying stolz und freute sich. Alle seien Künstler aus Leidenschaft: Jian ist ein renommierter Maler, seine Frau eine Opernsängerin, seine beiden Kinder sind hochtalentiert und studieren Malerei. Und unser Value Communication Fellow Yajing Huang sorgte als Koordinatorin für den nötigen Überblick.

Idee und Resultat in Windeseile — auf höchstem Niveau!

Was war geschehen? Jian Xu war dermaßen begeistert von Mainz und unseren schönen Räumen, dass er ad hoc mobile Stellwände und alles nötige besorgen ließ, um Dutzende von Arbeiten von sich und seinen Kindern auszustellen. Chinesische Malerei und Kalligraphie vom Feinsten. „Es muss alles sehr schnell gehen. Am Samstag wollen wir eine Vernissage machen“, sagte Ying lächelnd. Ich dachte, in Anbetracht unserer bereits vorhandenen zahlreichen Sammlungsstücke und Gemälde, nicht zuletzt von Ying selbst, die wir ausstellen: Da bin ich gespannt, aber wie soll das werden?

Yajing kam lächelnd auf mich zu und sagte: „Wollen wir jetzt oder später ein Interview mit Jian Xu machen, dass bei seiner Rückkunft im Chinesischen Fernsehen gezeigt werden soll?“ Ying informierte mich, während alle anderen die Ausstellung arrangierten, über Jian Xu’s Lebensweg, seine Arbeit und seine Bedeutung. Jian Xu ist der letzte Meister-Schüler des grossen Malers Wang Xuetao, der unter anderem 1956 eine chinesische Delegation nach Europa führte und als Höhepunkt eine Begegnung mit Pablo Picasso zelebrierte. Wang demonstrierte Picasso eindrücklich die chinesische Malkunst, indem er in nur sieben Minuten einen Adler malte. Zudem wurden Picasso Arbeiten von Wang’s Lehrer und Meister Qi Baishi gezeigt. — Picasso war dermaßen beeindruckt, dass er Wang Xuetao eine Zeichnung seiner Friedenstaube widmete, die Wang mit chinesisches Schriftzeichen versah. Und Picasso sagte anerkennend: „Die wahre Kunst liegt im Fernen Osten.“ Picasso beschäftigte sich im Anschluss intensiv mit Chinesischer Kunst, wenn er auch bedauerte aufgrund der weiten Entfernung und seines fortschreitenden Alters nicht selbst nach China reisen zu wollen.

 

JIan Xu Memorial 1

 

Jian Xu hat seinem Meister in über fünfjähriger Arbeit die Wang Xuetao Memorial Hall im Gonghuacheng Art Center gewidmet. „Kunst kommt aus dem Herzen. Und hat Beziehungen zu allem, was wir tun“, sagte mir Jian Xu in unserem Interview, nachdem in nicht einmal drei Stunden eine mehr als sehenswerte Ausstellung aufgebaut und inszeniert wurde. (Dazu an anderer Stelle mehr!).

Wir sind voller Freude und sehr glücklich, Jian Xu und seine Familie als Freunde in Mainz gebührend zu feiern. Es ist uns eine Ehre. Und unseren Besuchern eine Freude. Die kamen übrigens schon während des Ausstellungsaufbaus: Jörg Blumtritt aus München sowie unsere lieben Nachbarn mit ihren Kindern sowie eine ganze Reihe von chinesischen Freunden, die in Mainz leben. Kunst fördert Kommunikation. Wir sind mit dem Herzen dabei.

 

Impressionen zum Making-Off der sehenswerten Ausstellung:

 

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