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„Wie Wein wird Kunst mit Herz, Sorgfalt und Präzision entwickelt. Der Wein gehört für mich zu den kostbarsten Gaben der Erde und ist eine Erquickung des Herzens“, erläuterte Christina Schickert dem kunstsinnigen Publikum im Eisenturm, das vor der einmaligen Kulisse der fast 80 ausgestellten Rheinhessen-Bildwerken im historischen Ambiente des Mainzer Eisenturm buchstäblich verzaubert wurden.

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ValuePublishing Viva Rheinhessen Viva G.001

Foto und Bildcollage: Andreas Weber, Mainz/Frankfurt am Main

 

Impressionen und Ansprache von Andreas Weber zur Eröffnung der KEM-Mitgliederausstellung 2016

Die Mitgliederausstellung 2016 des Kunstverein Eisenturm Mainz e. V. KEM hebt die erfolgreichen Ausstellungsaktivitäten der letzten Jahre auf ein neues Level! Fast 80 Mitglieder haben erstklassige Werke eingereicht, die fast alle eigens für die Ausstellung geschaffen wurden. Und wenn nicht, dann waren sie aus eigenem Antrieb im Vorfeld entstanden, um das Ausstellungskonzept wunderbar zu stärken. Die wichtigsten künstlerischen Techniken wurden eingesetzt: Malerei, Zeichnung, Aquarell, Druckgrafik/Frottage, Digital Painting, Collage, Skulptur, Fotografie, faszinierend-kreativ-experimentelle Mischtechnik-Arbeiten bis hin zu visuell inszenierter Literatur/Kurzprosa, Aphorismen. Selten sieht man künstlerisches Schaffen in einer solchen Vielfalt. Herzlichen Dank und Applaus für alle Teilnehmer!

 

 

Alle hier versammelten Werke sind von ihrem Ausdruck und ihrer inhaltlich-visuellen Stärke unendlich nah an Carl Zuckmayers kraftvollen Worten, die unser Turmwächter alias Doq Treznok gerade in seiner szenisch-künstlerischen Einlage vortrug. Es waren Text-Auszüge aus Zuckmayers „Der Teufels General“ (Uraufführung Bühnenstück: Zürich 1946; verfilmt 1954, mit Curd Jürgens in der Hauptrolle). — Bitte nochmals Applaus für Thomas Richter zum gekonnten Vortrag der Textpassage: Der Rhein, die Völkermühle!

 

 

Zur Erinnerung: Carl Zuckmayer, in Nackenheim bei Mainz geboren, war mit Ernst Udet, einem Flieger-Ass, befreundet. 1941 verunglückte der zum Idol aufgestiegene Udet unter mysteriösen Umständen. In seinem weltbekannten Theaterstück „Des Teufels General“ verewigt Zuckmayer den zum Luftwaffengeneral aufgestiegenen Udet, der mit seiner „großen Schnauze“ beim Nazi-Regime aneckte. Die vom Turmwächter vorgetragene Passage trägt den Titel: „Der Rhein, die Völkermühle“.

 

Jens Frederiksen von der Allgemeinen Zeitung in Mainz hat in seiner Vorbesprechung der KEM-Rheinhessensymposium-Ausstellung im MVBForum festgestellt (wer noch nicht da war, MUSS dies nachholen, die Eröffnung war am 23. Juni 2016 vor über 200 Gästen) : „Die Alpen sind einfach. Nordseelandschaften auch. Rheinhessen hingegen hat seine Tücken. Der rheinhessischen Landschaft fehlt diese spektakuläre Unverwechselbarkeit, die sofort einen Ruck des Wiedererkennens durch den Betrachter gehen lässt. Oder gibt es sie vielleicht doch?“ Die Zeitungs-Kunstkritik belegt, dass durch die intellektuell-feuilletonistische Annäherung an das Thema „Rheinhessen“ die künstlerisch-visuell inszenierten Landschafts-Impressionen gekonnt erfasst werden können. Dr. Otto Martin hatte dies in seiner mitreissenden Eröffnungsrede dies trefflich auf den Punkt gebracht.

 

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Titelbild der Einladungskarte zur KEM-Mitgliederausstellung 2016.

Über den Horizont hinausblicken!

Uns geht es hier und heute bei „Viva Rheinhessen“, im Zusammenspiel mit unseren grossartigen teilnehmenden Mitgliedern, um eine Weiterführung, die nicht nur Landschaft, sondern Menschen, Kultur, Architektur, Technik, Umwelt, Natur, Fantasie, Lebensfreude, und natürlich das Erleben und Genießen von Land und Leuten umfasst. Das so entstandene weite Spektrum, ist nicht bloß eine Sicht des Künstlers von außen auf ein Sujet. Rheinhessen, als eine zum „realen Phänomen“ gewordene Kulturregion höchster Güte wird von Künstlern inszeniert und zelebriert. Die 200-Jahrfeier-Aktivitäten zu 200 Jahre Rheinhessen werden damit in ganz besonderer Art und Weise aufgewertet, weit über ein „Weck-Worscht-Woi“-Hochgefühl hinaus.

Überhaupt: Unsere Künstler und ihre Exponate fügen der Jubelfeier-Jahreszahl 200 noch eine Null hinzu: Es wird daran erinnert, dass Rheinhessen und Mainz neben Trier und der Moselregion zu den ersten „zivilisatorisch“ perfekt von den alten Römern ausgestalteten Regionen Deutschlands zählen. Ich wage zu behaupten: Ohne Mainz und Rheinhessen hätte es zu so früher Zeit keine deutsche Hochkultur gegeben! Anders als Trier wurde das Leben in Rheinhessen nicht im Sinne eines zweiten Rom als prunkvoll ausgestatteter Kaisersitz geprägt. Dazu ist unsere Landschaft, ihre „Geo-Historie“, die Mentalität der Menschen, die Eigenheit der Landschaft zu besonders.

 

 

Unsere Künstler und ihre Exponate machen die 2000-jährige Geschichte von Rheinhessen erfahrbar, in einem Exponat sogar quasi als aquarellierte geologische Analyse weit in die Erdgeschichte zurück. Und gerade Mainz, das urban gewordene Rheinhessen, hat über die Jahrtausende bis 1815 eine zentrale Rolle für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation gespielt. Mainz war über viele Jahrhunderte der Sitz des Reichskanzlers. Das hat neben Freuden und Ehren allzu viel Schrecken und Zerstörung gebracht. Leider. Oder auch nicht. Denn das höchste menschliche Gut, das Streben nach Schönheit und Glückseeligkeit, kann sich nur entfalten, wenn man auch die Abgründe, das Schreckliche überwindet. Und dass ein Gutenberg in Mainz ansässig war und sein Erfindergeist die ganze Welt nachhaltig veränderte, kann so gesehen gar kein Zufall gewesen sein.

Ich bin sicher, all dies kommt in unserer Ausstellung zum Ausdruck. Und prägt unsere Mitgliederschaft. Denn bei uns im KEM sind ja nicht nur „Eingeborene“ versammelt, sondern auch viele „Zugereiste“, die sich haben verzaubern und betören lassen. Und die Rheinhessen nicht mehr missen wollen. Oder?

 

 

Lassen sie mich zwei Aussteller namentlich herausgreifen, bevor ich mit meinen Co-Kuratorinnen — namentlich schon erwähnt: Dagmar Ropertz, Petra Schippers und Prof. Valy Wahl — hier choram publico persönliche Eindrücke diskutieren darf: Winfried und Leo Hosseus, Grossvater und Enkel. Vater Christoph hatte stolz die Einreichungen am 26. Juni im Turm abgegeben. Und promotet unsere Ausstellung „Viva Rheinhessen“ seither fleissig auf Facebook! Sein Sohn ist Jahrgang 2008, wohl unser jüngster Teilnehmer. Der Titel seiner Buntstiftzeichung von 2016: „Weingut in Biebelnheim“. In den Einreichnungsunterlagen heisst es: „Talent von Vater und Großvater sowie Freigeist der Mutter schufen den leidenschaftlichen Autodidakten. Beitrag zur Ausstellung anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Kunstvereins Eisenturm in 2015. Aktuelle Vorliebe für Comics und Star Wars Literatur.“ — Und natürlich, wie wir alle: Eine große Leidenschaft für Rheinhessen!

Denn, wie es schon in unserer Einladung steht: Mitglieder des Kunstverein Eisenturm Mainz fühlen sich Land und Leuten in Rheinhessen ganz besonders verpflichtet.

 

PREMIERE EINER MULTIMEDIALEN INSZENIERUNG: Viva Rheinhessen — Viva KEM!

Erstmals wird für eine KEM-Mitgliederausstellung eine digitale Publikation erscheinen, die nicht nur Werke der ausstellenden Künstler verzeichnet, sondern alle Aktivitäten vor, während und zum Ende der Ausstellung in Text, Bild, Video erfassen wird! Dieser Blog-Beitrag bietet einen Vorgeschmack. Erscheinungstermin: August 2016.

Hinweise: Die Ausstellung geht bis 24. Juli 2016. An diesem Tag müssen auch alle Werke von den teilnehmenden Künstlern wieder abgeholt werden! — Öffnungszeiten: Mi 16h bis 18h. Sa+So 13h bis 17h. Adresse: Eisenturm, Fritz-Arens-Platz 1, 55116 Mainz.

 

Ich darf daher abschließend kurz die für mich zentrale Stelle bei Zuckmayer wiederholen: „… der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald und — ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt — wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein — das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel.“

 

 

 

Die Besten der Besten sind heute auch hier versammelt. Und feiern als Künstler und Kunstbegeisterte „Viva Rheinhessen“! — Bitte ALLE im Chor rufen: VIVA RHEINHESSEN! — Und nun darf ich kurz Petra Schippers und Valy Wahl, die maßgeblich an den Vorbereitungen und vor allem an der gekonnten Hängung der Exponate beteiligt waren, bitten, uns kurz das für sie wichtigste zu schildern. Soviel vorweg: Es war eine grossartige Idee, für uns alle eine neue, einheitliche Rheinhessen-Horizont-Linie zu definieren, indem die Exponate an ihrer Oberkante ausgerichtet wurden. So kann sich die Individualität der Werke in der Unterschiedlichkeit ihrer Formate entwickeln, ohne dass für den Betrachter eine flatternde Unruhe entstehen kann. Brillant!

 

 

Krönender Abschluss der Eröffnungszeremonie: Die rheinhessische Songpoetin und Malerin Nanette Scriba verzauberte die anwesenden Gäste mit ihrer Kunst. Ihr Chanson ‚Vernissage‘ nahm geistreich und humorvoll auf’s Korn, was viele Künstler sicher schon am eigenen Laib erleben mussten…

 

Nanette Scriba. Foto: Martin Kosa, Ingelheim

Foto: Martin Kosa, Ingelheim

 

Impressionen vom 26. Juni 2016 bei der Abgabe der Einreichungen im Eisenturm zu Mainz

 


 

Viva Rheinhessen: Lebensfreude pur!

Das Kuratoren-Team der KEM-Mitgliederausstellung 2016 — Valy Wahl, Petra Schippers und Andreas Weber — hatte am 13. Juli 2016  zu einem besonderen Abend-Anlass eingeladen: Christina Schickert, seit 20 Jahren als engagierte und renommierte Wirtin des Mainzer Weinhaus Wilhelmi weit über Rheinhessen hinaus bekannt, erzählte aus ihrem Leben, das sich der Gastlichkeit, den Gaumenfreuden und der Wertschätzung rheinhessischen Kultur widmet. Der Begegnung im Kunstverein Eisenturm schloss sich ein „Gegenbesuch“ im benachbarten Weinhaus Wilhelmi zum „Winzersekt-Empfang“ an.

„Wie Wein wird Kunst mit Herz, Sorgfalt und Präzision entwickelt. Der Wein gehört für mich zu den kostbarsten Gaben der Erde und ist eine Erquickung des Herzens“, erläuterte Christina Schickert dem kunstsinnigen Publikum im Eisenturm, das vor der einmaligen Kulisse der fast 80 ausgestellten Rheinhessen-Bildwerken im historischen Ambiente des Mainzer Eisenturm buchstäblich verzaubert wurden. In lebhaften Gesprächen kam die jahrzehntelange Expertise von Christina Schickert als erstklassige, leidenschaftliche Weinexpertin zum Tragen: Sie hatte sich als junge Frau in einen Winzermeister verliebt und war in der Folge über ein Vierteljahrhundert auf dem Weingut tätig. Als Höhepunkt ihrer Karriere als Wein-Gastronomin bezeichnete Christina Schickert den unverhofft und spontan entschiedenen Besuch von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel im Weinhaus Wilhelmi, die sich ad hoc wohl fühlte, freundlich mit allen Gästen war und eine Wilhelmi-Spezialität, rheinhessische Leberwurst, genossen hatte.

Kurzum: Christina Schickert vermittelt damals wie heute „Lebensfreude pur“ und beherrscht die Kunst des schönen Lebens auf eine besondere Art und Weise, die Kunst-Schaffende wie Kunst-Liebende gleichermaßen zu begeistern versteht.

 

 


Namensliste der teilnehmenden Künstler (in alphabetischer Reihenfolge)

 

 

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Der Blick hinter die Kulissen: Impressionen vom Ausstellungsaufbau (Fotos: Valy Wahl. Video-Animation: Andreas Weber)

 

 

 

Zu guter letzt: „Viva G“ — eine am Apple iPad Pro digital komponierte Hommage an Rheinhessen.

 

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Exponat Nr. 44, von gundANDreas: Viva G — Digital Painting&Composing, 2016

drupa2016 ValuePublshing Review Social Media Heroes.001

Great work. Great tweets. Great results. And a lot of fun beyond technology by LOVRA’s amazing chill-out sessions. Last but not least: Many THANKS to the Xerox Social Media team members Stefan, Bill, Jenna.

#drupa2016 Review: Print wins! If…

Dear friends of drupa!

Please read and share our unique series of #drupa2016 reports. We are proud to enable a real multimedia and multichannel experience. And we are happy to interact with a huge global audience covering 120+ countries.

Kick-off: splendid #drupa2016

Our ValuePUBLISHING TRILOGY — a quite critical, selective analysis looking back at the splendid #drupa2016 (in german language)

Topics Outline Overview:
• Part 1 – Proof of concept: Does the printing community communicates properly?
• Part 2 – Crucial: Reduce to the max — don’t get lost in details!
• Part 3 – The crux of the matter: #unleashprint 

 


Back to the future: Some fun

#drupa2050 — TX to Benny: Touch the future again and again…
#drupa2050 — Danke, Benny! Touch the future again and again…


Enjoy ValuePUBLISHING’s #Storify stories the most valuable way to catch up all major topics of #drupa2016 in a smart multimedia format. Convenient to navigate, wonderful to explore and easy to share. Our guideline: Less is more — so reduce to the max!

 

Note: We are proud of the fact that around the globe hundreds of thousands of unique viewers follow us already and interact with our content — shared via Twitter (@ValueCommAG plus @zeitenwende007), Facebook, LinkedIn, XING and Google+. — More than 70 % of our viewers are leading innovators dedicated to all kind of graphic communications applications. 

 

 

The secret of #drupa2016 in 20 sec. — Summary by Andreas Weber, Head of Value.

 

 

GENERAL OVERVIEW

drupa2016 REVIEW — ValuePublishing Storify:
All about the role of print in the communications mix

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Pre-drupa media conference March 2016

 

 

 

IN MEDIAS RES

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Ready for #unleashprint? YES WE CAN(on)

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Heideldruck back to profitable growth

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Heideldruck Press Conference Feb 2016

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
PitneyBowes reinvented mail (live at drupa may/June 2016)

drupa2016 – ValuePublishing Storify:
Objectif Lune put business communications to the next level

drupa2016 — ValuePublishing Storify:
Automated Digital Cutting made by Zünd Systemtechnik

 

Das Geheimnis der #drupa2016 in 23 Sekunden — Von Andreas Weber, Head of Value.

 


In addition for extended reading check out our focused trend reports via ValueBlog posts by Andreas Weber

Note: Almost all Blog posts are available in english and german.

 

ValuePublishing Storify Review 18062016.001


As well you can find a whole series of ValueDialog stories:

ValueDialog — Christian Kopocz: “Multichannel ensures relevance!”

To get access to more ValueDialog stories use our Blog search tool.

 

Value Publishing About @drupa2016.001

 

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Foto: Aus der Einladungskarte für Reinhold Petermann zur Ausstellungstrilogie, Mainz 2015.

Reinhold Petermann: Retrospektive zum 90. Geburtstag an drei Ausstellungsorten

Eröffnung: Kunstverein Eisenturm: „Von der Fläche zur Form“
Zeichnungen und Plastiken von 1945 – 1985

Eröffnung: Freitag, 9. Oktober 2015, 19 Uhr

Begrüßung: Dietmar Gross, 1. Vorsitzender

Grußworte zur Ausstellung: Walter Schumacher, Kulturstaatssekretär des Landes Rheinland-Pfalz

Einführung: Reinhold Petermann

Kuratorin: Dagmar C. Ropertz, stellv. Vorsitzende

Dauer der Ausstellung: 10. Oktober bis 8. November 2015

Begleitveranstaltung im Eisenturm: 15. Oktober 2015, 19 Uhr
Gespräch und Führung durch die Ausstellung
„Reinhold Petermann und die Mainzer Künstler nach 1945“

Die Ausstellung im Kunstverein Eisenturm Mainz eröffnet die Retrospektive seines Ehrenmitglieds Reinhold Petermann mit dem zeichnerischen und plastischen Frühwerk. Exponate von 1946 bis 1985 zeigen seine erste Schaffensphase beginnend mit „der Stunde Null“ nach dem 2. Weltkrieg.

Die Ausstellung umfasst eine Vielzahl unbekannter Arbeiten, die erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden!

Weitere Ausstellungsorte:

— Rathausgalerie der Landeshauptstadt Mainz

— Galerie Mainzer Kunst!


Notizen zur Eröffnung im Kunstverein Eisenturm von Andreas Weber

Die frühmittelalterlichen Räume im Kunstverein Eisenturm Mainz (KEM) waren prall gefüllt. Mit einzigartigen Kunstwerken (Zeichnungen und Skulpturen) und Menschen. Rund 100 Gäste wohnten der Eröffnung der Retrospektive von Reinhold Petermann bei. „Ich möchte eine Verbeugung machen vor dem Künstler und seinem Werk!“, sagte Kulturstaatssekretär Walter Schumacher. Er freute sich zugleich, dass auch nach 40 Jahren der KEM hohe Wirkung und Strahlkraft erzielt. Kunst und Künstlern sowie Kunstinteressierte würden dadurch aufs Beste vereint. Der Künstler selbst konnte leider aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein, stellvertretend war die Familie erschienen. Und hat sich wunderbar engagiert. Der Schwiegersohn Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Ziebertz trug einen von ihm aufzeichneten Text vor, den Reinhold Petermann zuvor per Tonband verfasst hatte.


„Unverwechselbar ausdrucksstark, treffsicher in der Form, versöhnlich im Ausdruck“

Die KEM-Ausstellung stellt das Frühwerk des Künstlers bis zum Jahr 1985 in den Fokus, wie Dietmar Gross, 1. Vorsitzender des KEM, erläuterte. Er dankte dem Amt für Kultur und Bibliotheken der Stadt Mainz, vertreten durch Martin Paul Janda von der Kulturabteilung, sowie dem Galeristen Rolf Weber-Schmidt und der Kuratorin Dagmar Ropertz, stv. Vorsitzende des KEM, für ihr unermüdliches, wenn auch nicht immer einfaches Engagement bei den umfangreichen Vorbereitungsarbeiten. Galt es doch bei gleich drei Ausstellungen (im KEM, in der Mainzer Rathaus-Galerie sowie in der Galerie Mainzer Kunst), die simultan geplant wurden, viele spezifische Interessen unter einen Hut zu bekommen.

Das Ergebnis ist beeindruckend: Erstmals konnten im KEM flankierend zu Skulpturen als Vergößerungen dargestellt Zeichnungen aus einem kleinformatigen Skizzenbuch gezeigt werden, die 1946 entstanden sind, als Reinhold Petermann sein Studium an der Landeskunstschule in Mainz begann. Selten und einzigartig, so die Resonanz aus dem Publikum, dass ein Bildhauer wie Reinhold Petermann so variantenreich und vielseitig arbeiten kann. Und das über mehr als 70 Jahre hinweg.

Welche Bedeutung das Schaffen von Reinhold Petermann hat, legte die Tochter Barbara Petermann mit ihrer Buch-Dokumentation dar. Titel: „Am Anfang war das Holz — Ein Künstler wird 90 Jahre“ (MedienVerlag Reiser, Hardcover, 190 Seiten, 24,00 Euro; Bestellungen im Buchhandel oder über www.reinhold-petermann.de).

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In der Buchankündigung heisst es: „Wie kommt ein junger Mensch in den letzten Kriegsjahren dazu, sich die Welt zu erschnitzen? Wodurch definierte sich die künstlerische Avantgarde der Nachkriegszeit? Inwieweit zehrt der Meisterschüler Emy Roeders bis heute von deren Erfahrungen? Welcher Art war seine Begegnung mit Karl Schmidt-Rottluff? Wovon hat der junge Künstler sich distanziert? Wo liegt der Fokus seines Schaffens? Was verbindet das Figürliche mit dem Abstrakten? Und was hat es mit den „nackten Weibern“ auf sich? Diese und viele andere Fragen um den Künstler Reinhold Petermann, sein Schaffen und seine Zeit beantwortet die Tochter des Bildhauers, Barbara Petermann, in dieser reich bebilderten Dokumentation.“

Und Barbara Petermann schreibt dazu in der Einleitung: „Anfänglich war es der reine Spieltrieb des kleinen Jungen aus Boos an der Nahe, der ihn veranlasste, Rennwagen der Marke Mercedes oder Flugzeugmodelle zu schnitzen. Baumrinde, die er von seinen Streifzügen in den umliegenden Wald mitbrachte, war sein Material.

Auch wenn er bereits als Vierjähriger fasziniert die Arbeiten in einer Steinmetzhütte bewunderte, so sollte Reinhold Petermann sich noch lange Zeit auf Holz beschränken und darin seine Stärke entdecken, sich Dinge anzueignen, indem er es mit dem Messer in die gewünschte Form brachte. Bei den alten Höhlenmalereien sei es ähnlich gewesen, sagt er. Die Menschen hätten damit die Ordnung der Dinge zu begreifen versucht, um sie sodann in ihre eigene zu übersetzen.

Mehr als 70 Jahre später kann Reinhold Petermann auf ein Leben voller Plastiken und Bilder blicken, mit denen er sich die Ordnung der unterschiedlichsten Gegebenheiten, Zustände und Motive angeeignet hat. Mittlerweile sind sie aus Eisen, Bronze oder Polyester, gegenständlich oder abstrakt. Jedes Mal aber erkennt man den Übersetzer in seinem Werk und das nicht nur bei den ‚nackten Weibern‘, die es ihm immer so angetan haben. Nein Hunde, Katzen, Frösche, Vögel und Pferde sind auch dabei. Kirchenausstattungen und Brunnengestaltungen, es gibt viele Petermänner klein als Standplastik oder am öffentlichen Bau themenbezogen aber eben doch ein Petermann. Unverwechselbar ausdrucksstark, treffsicher in der Form, versöhnlich im Ausdruck, ruinös in der Oberfläche oder konsequent durchgestaltet.“

Neben dem Buch gibt es übrigens ein ungebrochen starkes Echo in den Sozialen Medien zu Reinhold Petermann und den ihm gewidmeten Mainzer Ausstellungen. Die Ausstellungsankündigungen sowie die Kurzdokumentationen der Eröffnung im KEM am 9. Oktober 2015 wurden von vielen tausenden Menschen angesehen und auch von vielen hunderten kommentiert per „Gefällt mir“ und geteilt. Fazit: Erlesene Kunst, erstklassige Ausstellungskonzepte und die zeitgemäße vernetzte Kommunikation darüber bilden eine wirksame Einheit.

Hinweis: Andreas Weber, Beirat und Vorstandsmitglied im KEM, hat ad hoc eine Videodokumentation der Eröffnung im KEM erstellt, die per YouTube angeschaut werden kann, inklusive Ausschnitten aus den Einführungsreden. 

Value Art+VCom | ValueCheck Bruno k. Ingelheim.001

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Photos/Animation: Andreas Weber, Edition Value Art+Com

By Şükran Ceren Salalı, Value Art+Com Fellow
on her preview experience, September 4th., 2014

The time for saying good bye to Mainz is arriving, so I plan to see the places that I have never been before. As a nice coincidence, Mr. Weber prepared us a very nice trip to Rheinhessen, where I had not had the time to visit, in order to do our last ValueTalk! about my Erasmus internship and the overall experience here in Mainz.

While we were traveling across the scenic Rheinhessen area, we passed through several towns and one of these was Ingelheim. We stopped by a nice building which has a wine cellar and looks like a wine factory. There, we met Bruno K. alias Bruno Kleber, an artist who has been creating a very disruptive art for almost thirty years. His next surprising exhibition, Saalwächter 20/14 — Eine skulpturale Intervention (The Door Guard 20/14 — A Sculptural Intervention) will take place in Kunstverein Ingelheim’s temporary new location between September 11th., 2014 to October 12th., 2014. It’s changes and transforms the environment in a way I’ve never seen before.

As the first guests of the exhibition which is still ‘‘under construction‘‘, we had the chance to see his impressive installations. And we had a personal conversation with Bruno K. who is a charming person, full of ideas and humor. From a wine storage to a rocket, Bruno K. created a wonderful atmosphere in different rooms to create on a premium level an Art Center for Kunstverein Ingelheim. The building consists of several rooms (spanning many floors) in which Bruno K. depicts his installations in different themes but mostly related to soldiers and guards. For instance, he organized the basement with an Utopic name Apollonia (just opposite the fascinating Olga!) with a huge rocket (of which you can only see the bottom part) and the rest with various equipments from the military. The content is pretty artistic, even down to the smallest details; he  arranged a sound systems room in which you can hear melodies from old Western movies. Yet, the sound effects are not the only contributors to the impact of the exhibition: the artist also makes use of very compelling lighting effects.

If you want to experience a disruptive artistic style with a beautiful collection of installations, please visit Bruno K.’s exhibition which will take place in an extraordinary, inspiring and last but not least very unusual and unique environment. — Sorry I cannot join the opening today because I had to leave already to get back to Istanbul. Enjoy and be inspired.Dankeschön. Tschüss. Perhaps I will have a “come-back” quite soon!

 

Value Art+VCom | ValueCheck Bruno k. Ingelheim.002

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Photos/Animation: Andreas Weber, Edition Value Art+Com

 

 

Deutsche Fassung (Übersetzt von Andreas Weber)

Für mich war der Zeitpunkt gekommen, meine Abreise aus Mainz vorzubereiten. Dazu gehörte, noch einige Orte in der Region zu sehen, die bislang fehlten. Zufall oder nicht, Andreas Weber hatte die Idee, eine kurze  Fahrt nach und durch Rheinhessen zu unternehmen, um währenddessen die Zeit meines Aufenthaltes, die damit verbundenen Erfahrungen und die Ergebnisse unserer Projektarbeiten im Rahmen meiner Erasmus Internship abschließend zu besprechen.

Auf unserem Weg durch die wunderbaren Landschaften Rheinhessens, durchfuhren wir einige Orte und landeten (für mich unvermittelt) in Ingelheim. Wir hielten an einem besonderen Gebäude an, das wie eine Mischung aus Weinlager und Weinfabrik aussah. Dort trafen wir Bruno K. alias Bruno Kleber, einen Künstler, der eine für mich disruptive Art und Weise pflegt, Kunst zu schaffen. Und das seit über 30 Jahren. Die jetzige, hiesige für mich überraschende Ausstellung “Saalwächter 20/14 — Eine skulpturale Intervention”, die vom 11. September bis 12. Oktober 2014 im neuen temporären Ambiente des Kunstvereins Ingelheim stattfindet, verändert die Räumlichkeiten, indem sie transformiert werden. Und das in einer Art und Weise wie ich das noch nie sehen konnte.

Als erste Besucher einer Ausstellung, die noch nicht eröffnet, also noch “under construction” war, konnten wir beeindruckende Installation sehen. Und wir konnten persönlich mit Bruno K. sprechen, der sehr charmant, voller Ideen und humorvoll ist. Im Zentrum: Eine Weinabfülllagerhalle, nun Raketenbasis — die Werk- und Arbeitsräume werden in eine wundervolle Atmosphäre versetzt, die alle Räume erfasst und künstlerisch transformiert. Damit erreicht der Kunstverein Ingelheim aus dem Stand heraus das Premium-Niveau eines “Art Centers”. Das Gebäude verfügt über zahlreichen Räume (über mehre Etagen verteilt), die Bruno K. mit unterschiedlichen Themenideen bestückt, um- und ausgestaltet. Oft mit Versatzstücken aus dem Soldatenmilieu und Militärbereich. Zum Beispiel widmet er in der grossen Halle unter dem utopischen Namen “Apollonia” (gegenüber der faszinierenden Figur der Olga!) in eine Ragte mit Abschussbasis um, wobei man nur den ganz unteren, kleinen Teil der Rakete sehen kann. Alles ist umgeben mit militärisch anmutendem Equipment. Jedes Detail stellt aber einen künstlerisch geprägten Inhalt dar, verstärkt durch Sound Systeme, die zum Beispiel Melodien von alten Western Filmen wieder geben. Es bleibt aber nicht nur bei Klangeffekten, der Künstler setzt mit hohem Geschick die unterschiedlichsten wirkungsstarken Beleuchtungseffekte ein.

Es lohnt sich diese disruptive Kunstauffassungen, das disruptive Kunstschaffen mit einer wundervollen Sammlung von Installationen im Raum (und in einem Ensemble von Räumen) im Detail zu erkunden und zu erleben. Bruno K.’s Ausstellung wird der außergewöhnlichen, inspirierenden und letztlich ungewöhnlichen sowie einzigartigen Umgebung gerecht. — Sorry, dass ich nicht selbst bei der Eröffnung dabei sein kann. Ich musste schon nach Istanbul reisen. Genießen Sie es und lassen Sie sich inspirieren. — Dankeschön. Tschüss. Vielleicht bin ich ja bald wieder zurück!

 

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© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Photos/Animation: Andreas Weber, Edition Value Art+Com

 

 

Dieter Glasmacher Titelbild Blog Post.001

 

 

Redetext von Andreas Weber zur Eröffnung am 6. Juni 2014 im Kunstverein Eisenturm Mainz – KEM e. V.
© 2014 für Text, Fotos und Bildcollage by Andreas Weber, Mainz
Informationen zum Künstler: http://www.dieter-glasmacher.de

 

 

Meine Damen und Herren,

stellen Sie sich bitte vor: Sie laufen durch eine Grossstadt. Geprägt von inter-kulturellem Miteinander, Migration, Flucht, Zuflucht, Reichtum, Elend, Drogen, Gewalt, Hektik, Lärm, Schmutz und Glanz. Ein Freund sagt: Ich zeige Dir mal was. Sie betreten ein Museum, dass normalerweise die kulturelle Blüte dieser Grossstadt und ihres Landes inszeniert. Sie sehen gekrümmte, verbogene Leinwände, mit groben Holzlatten vernagelt, gerade so, als wäre etwas im Entstehen. Alle Leinwände sind wild bemalt, mit abstrakten, Graffiti-artigen Codierungen. Überhäuft mit Schrift-Botschaften. Das Publikum schwankt zwischen Faszination und Ablehnung, wenn nicht gar Schock oder Ekel. Man verweilt letztlich, weil es ja ein anerkannt berühmtes Museum ist. Die Elite der Stadt steht Pate als Sponsorengemeinschaft, in noblen Förderkreiszirkeln.

Beeindruckt und durchaus verwirrt verlassen Sie die Ausstellung, das Museum. Und auf einmal entdecken Sie in der ganzen Stadt die Bildmotive, die sie gerade in der Ausstellung eingesperrt sahen. Als Freiläufer. An Hauswänden, durch geschichtete Überklebungen an Bushaltestellen, Telefonhäuschen, Hydranten, überall dort, wo ein Zettel/Aufkleber/Plakat nach dem anderen aufgebracht und wieder abgerissen wird. Kritzeleien aller Orten. Kombiniert mit den Spuren täglichen Umweltmülls. Drastisch, eindrücklich, bedenkenswert, merkwürdig.

So tatsächlich passiert. 1992. In Manhattan, dem Herzstück und Puls von NYC. — Seltsamer Kreislauf, oder?

 

Meine Damen und Herren,

stellen Sie sich bitte vor: Sie sind in Mainz, in wunderbar-historischen Räumen. Sie spüren den Hauch der Jahrhunderte. Den Atem langer kultureller Tradition. Von den Wänden schreien stumm abstrakt-graffitiartige Bild-Text-Codierungen. Alles andere als gefällig. Alles andere als unaufdringlich oder gar verharmlosend. Man mag schwanken zwischen Faszination und Ablehnung, wenn nicht gar Schockzustand. Und man fragt sich: Ist das hier eine Ausstellung? Oder hat jemand hier sein neues Atelier aufgebaut?

So tatsächlich passiert. 2014. Im Eisenturm, unserem Herzstück und Puls von MZ RLP.

Was passiert, wenn Sie später rausgehen, auf die Strasse, bleibt abzuwarten. Aber bitte denken Sie jetzt nicht, die Welt wäre anschließend, wie sie vorher war. Wir leben nicht in einer heilen Welt. Wir können aber Bedrohungen und Gefahren meistern. In der Reflexion von Kunst und Kultur. Drastisch, eindrücklich, bedenkenswert, merkwürdig.

 

„Seine Kunst ist weit entfernt von einem bildungsbürgerlichen Kanon der Erbauung. Aber wer sich einlässt auf die Bilder, dem bieten die reichhaltigen Assoziationsketten humorvolle Kommentare zur Gegenwart und einen wachen und bunten Blick auf die Welt.“

So wird Dieter Glasmacher auf culturmag.de beschrieben. Die Plattform bietet eine Online-Galerie und stellt in regelmäßigen Abständen Arbeiten interessanter Künstlerinnen und Künstler vor. Zum Auftakt wurden 2010 fünf Bilder des Malers Dieter Glasmacher präsentiert.

 

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Weiter heisst es bei culturmag.de:

“Dieter Glasmacher wurde 1940 in Krefeld geboren und lebt heute in der Nähe von Hamburg. Beeinflusst von der klassischen Moderne, gerade dem Dadaismus, und Strömungen zeitgenössischer Kunst wie Art Brut und Pop Art, hat Glasmacher in vielen Schaffensjahren eine sehr eigenständige Position und eine lebendige, originelle Bildwelt entwickelt. Auch Comic- und Graffitikunst sind in den Arbeiten sichtbar, ebenso wie die „Geheimspuren“ des öffentlichen Raums, Worte und Kritzeleien, wie man sie in Pissoirs, an Bushaltestellen oder Häuserwänden findet.

Die Vorstellung einer Wandfläche ist von zentraler Bedeutung: So kommen seine Arbeiten meistens ohne große Perspektive aus. Untergrund, montierte Gegenstände, Schriften und Figuren stehen gleichberechtigt nebeneinander. Dieses additive Verfahren erlaubt eine große Freiheit und einen enormen Assoziationsreichtum – beim Malen und beim Betrachten. „Ein Bild ist nie fertig und sollte immer weiter malbar sein“, sagt Glasmacher, so wie auch an Pissoir- oder Häuserwänden ständige Veränderung möglich ist, durch Ergänzung und Übermalung.”

Bei Ausstellungen von Dieter Glasmacher – so geschehen zum Beispiel im Palais für aktuelle Kunst in Glückstadt – entsteht der Eindruck, der Künstler habe sein Atelier in die Ausstellungsräume verlegt. Das Bezugsfeld ist also stets, das hier und jetzt, das was gerade passiert und spontan einbezogen wird. Dieter Glasmacher beeindruckt nicht nur, er bewertet, kommentiert, zeigt auf, prangert an. Auf eine ganz eigene Art und Weise. In Glückstadt drückte man dies damals so aus: „‚Die Realität wird überbewertet‘. Der Satz wurde von ihm, wie viele andere Slogans, als Zitat aus einer Zeitung, einer Werbung oder einem Film übernommen und so künstlerisch angeeignet.“

Betrachtet man die Biografie von Dieter Glasmacher, ist man ebenfalls beeindruckt. Einzel- wie auch Gruppenausstellungen haben ihn quer durch Deutschland und in die weite Welt geführt: Von Lima, Peru, bis Abidjan an der Elfenbeinküste, Mexiko-City, Paris, Zürich, London, Gent, Kairo, Athen, Budapest, Amsterdam, Marseille, Lausanne, Leningrad, nach Polen und Dänemark — weitere andere Stationen wären zu nennen. Ausgestellt wird in Galerien, Kunstvereinen, Museen, auf Biennalen oder mit dem Goethe-Institut oder bei Kunsthäusern und -Stiftungen. Es ist fast verwunderlich, dass bei all diesen Aktivitäten noch Zeit bleibt zum künstlerischen Arbeiten.

Auffällig ist die — nennen wir es Multimedialität und Multi-Dimensionalität — von Dieter Glasmacher.

Im Text der Galerie Herold zur Ausstellung 2006 heisst es:

„In seinen Arbeiten führt Dieter Glasmacher Erfahrungen aus den unterschiedlichsten Ebenen zusammen: Erlebnisse, die er während seiner langen Studienreisen durch Afrika gemacht hat und auf seiner Segeltour in die Arktis, fließen genauso in seine Bilder ein, wie die Eindrücke aus seiner direkten norddeutschen Umgebung in Hamburg und an der Elbe. Prägend auf seine Bildwelt wirken außerdem Fernsehen, Kino, Werbung sowie Graffiti und andere Formen der Straßenkunst bis hin zu Krakeleien (…). Sein Hauptthema ist seine Betroffenheit von aktueller gesellschaftlicher Unterdrückung und Deformation.” (Zitat nach W. Brodersen /C. Mewes)

Und weiter wird Auskunft über seine Biografie gegeben: „Dieter Glasmacher lässt sich zunächst zum Musterzeichner ausbilden. Nebenher entstehen aber auch freie Zeichnungen und um seine Kenntnisse hier zu erweitern, besucht er Abendkurse der Werkkunstschule Krefeld. Als 23-Jähriger zieht er nach Hamburg, wo er an der HfbK bei Hans Thiemann Malerei studiert. Nach zwei Jahren wechselt er in die Klasse von Klaus Bendixen und beschäftigt sich intensiv mit Drucktechniken. Noch während seiner Studienzeit nimmt er an ersten überregionalen Ausstellungen teil und engagiert sich in Künstlergemeinschaften.

In den folgenden Jahren wird sein Werk in Galerien und Museen in nahezu allen größeren Städten Deutschlands und im europäischen Ausland präsentiert, und Glasmacher wird mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, so u.a. 1979 mit dem Edwin-Scharff-Preis der Stadt Hamburg. Ab den 80er Jahren kommen internationale Ausstellungen außerhalb Europas dazu. Und 1989 beginnt seine zusätzliche Tätigkeit in der Lehre, seit 1995 als Professor an der Hamburger Fachhochschule für Gestaltung.

Schon früh zeichnet sich in Glasmachers Arbeiten und Aktionen sein gesellschaftspolitisches Engagement ab: Kritische Beiträge zum Kunstbetrieb sowie Demonstrationsakte im Zuge der 68-Bewegung machen ihn bekannt.

Der Künstler bedient sich hierfür verschiedenster Medien – vom Wandbild bis hin zum Trickfilm [in Zusammenarbeit mit Kurt Rosenthal, Mainz]. Allen seinen Arbeiten haftet ein collageartiger Charakter an: Scheinbar zusammenhangslos kombiniert er Figuren, Zeichen, Farbfelder und Schriften. Sie bilden Erfahrungsstückchen, die assoziativ zu einem Puzzle zusammengefügt sind und wiederum Assoziationsketten beim Betrachter auslösen. Meist stellt Glasmacher starke Emotionen wie Wut, Trauer oder sexuelle Begierde heraus, aber auch bunt leuchtende Lebensfreude wird in den Bildern thematisiert.“

 

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Meine Damen und Herren:

Stellen Sie sich bitte vor: Dieter Glasmacher wäre nicht nach Mainz gekommen, um uns sein künstlerisches Schaffen zu präsentieren — mit dem vielsagenden Titel „Seltsamer Kreislauf“.

Stellen Sie sich vor, Dieter Glasmacher hätte nicht 1969 zusammen mit Werner Nöfer das erste Wallpainting Europas erschaffen.

 

Apropos: Ausstellungstitel

Seltsam hat eine vielschichtige Bedeutung:

Das Adjektiv selten bildet den Grundstock, aber auch andere – quasi wie Synonyme – kommen sogleich in den Sinn:

außergewöhnlich, besonders, ungewöhnlich, bizarr, schrullig, wundersam, erstaunlich, eigenartig, merkwürdig, eigenbrötlerisch und komisch.

 

Kreislauf bezeichnet: Zyklus, Zirkulation, Folge, Reihenfolge, Abfolge bzw. regelmäßige Abfolge, Gleichmaß, periodische Abfolge, Ordnung, Rhythmus, Regelmäßigkeit.

 

Der Kern des Wortes Kreislauf ist Kreis:
Der Kreis ist ein universelles Symbol. Vielleicht das globalste, das es gibt. In allen Kulturen findet es sich: Als Symbol für Sonne, für die Gestirne, für das Göttliche oder das Immerwährende. Es leitet sich ab aus alten Zeiten: KRIZZON, althochdeutsch für einritzen, kritzeln und krazen.

Etwas zieht seine Kreise, uns allen geläufig, wenn wir beschreiben wollen, wie Dinge ihren Lauf nehmen, um Wirkung zu entfalten. Im Guten wie im Bösen. — Wir sehen, der Titel ist mit Bedacht gewählt. Und charakterisiert vortrefflich, wofür die Exponate und der Künstler mit seinem schöpferischen Rhythmus stehen. Das im „Kreis Laufen“ kann sowohl eine Wohltat, zur Entspannung, als auch Horror sein (wenn man sich Ver-Laufen hat). Dank Dieter Glasmacher finden wir durch „Seltsamer Kreislauf“ Orientierung.

Nebenbei: Störe meine Kreise nicht, ist eines der häufig bemühten Zitate nach Archimedes. Sie erinnern sich? Der griechische Mathematiker und Physiker lebte im 3. Jahrhundert v. Chr. und gilt als einer der größten Mathematiker aller Zeiten. Der Legende nach war Archimedes eines Tages damit beschäftigt, geometrische Figuren in den Sand zu zeichnen, als die Römer anrückten um ihn festzunehmen. Er war jedoch so sehr in seine Aufgabe versunken, dass er barsch mit dem Satz reagierte: “Störe meine Kreise nicht.” Dies brachte einen der Soldaten so in Zorn, dass er den alten Mann erschlug. — Alles andere als eine heile Welt!

Und heute, in unseren „Modernen“ Zeiten, drücken wir mit dem Ausspruch “Störe meine Kreise nicht” aus, dass wir gerade nicht gestört werden, uns abschotten möchten.

Vermutlich ist dies das Schlüsselelement der Kunst des Dieter Glasmacher: Eine „erstaunliche Regelmäßigkeit“ und „merkwürdige Ordnung“ koppeln können mit „wundersam-komischer“ Wahrnehmung und Darstellung der Welt und unserem Tun. Im Guten wie im Bösen.

 

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Seltsamer Kreislauf: Das von mir eingangs erwähnte Geschehnis aus dem Jahr 1992 hat nichts mit Dieter Glasmacher zu tun. Oder doch?

1992 zeigte das renommierte Whitney Museum of American Art die Aufsehen erregende Retrospektive von Jean-Michel Basquiat. Gewidmet dem ersten afroamerikanischen Künstler, der den Durchbruch in der hauptsächlich „weißen“ Kunstwelt schaffte. Wie eine Supernova stieg er auf – auch dank der Beziehung zu Andy Warhol – und verglühte nach nicht einmal 28 Lebensjahren abrupt. Geprägt von einer fulminanten Besessenheit, dem Schrecken, seinem Schrecken eines schwarzen Lebens künstlerischen Ausdruck zu verleihen. Basquiats Kunst- und Stilrepertoir hat viel mit Dieter Glasmacher gemeinsam.

Nur: Dieter Glasmacher hat dies schon entwickelt und kultiviert, bevor Basquiat künstlerisch zu arbeiten begann (er ist 1960 geboren und verstarb so früh im Jahr 1998). Und Dieter Glasmacher arbeitet noch heute in ungebrochen dynamischer, frischer, lebendig-provozierender Art, wie wir hier im Kunstverein Eisenturm sehen und erleben dürfen. Erstaunlich, wie Regelmäßigkeit auf vielfältige Weise ihren eindrücklichen Ausdruck in seinem Werk findet!


Seltsamer Kreislauf. Oder?

Doch lassen wir, schlussendlich, den Künstler selbst zu Wort kommen.

Dieter Glasmacher sagte anlässlich einer Ausstellung „Fernwärme – Daheim auf dem Lande“ im Jahr 2009: „Am Anfang des Studiums war ich fasziniert von der Art Brut.“
[Zur Erläuterung: Der Begriff kommt aus dem Französischen, für ‚unverbildete, rohe Kunst‘; gemeint ist damit ein Sammelbegriff für autodidaktische Kunst von Laien, Kindern und Menschen mit geistiger Behinderung. Art brut ist weder eine Kunstrichtung noch eine Stilbezeichnung, sondern beschreibt eine Kunst jenseits etablierter Kunstformen und -strömungen.]

„Sie ist einfach und direkt. Mich interessiert die Einfachheit des Auftrags, dass die Figur teilweise nicht modelliert ist, dass es keine Perspektive gibt, dass alles wie hochgeklappt, geschrieben ist, wie auf eine Wand“. Und Dieter Glasmacher fährt an anderer Stelle fort: „Teilweise beziehe ich meine Inspiration nicht nur aus Graffitis, sondern auch aus Geheimspuren, die irgendjemand hinterlässt und irgendjemand überstreicht (..) Und da gibt es auch keine fertigen Geschichten. Der nächste kommt dazu und setzt wieder einen Spruch drüber. Und so arbeite ich auch.“

Die Fertigkeit zum Unfertigen, das sich ständig fortschreibt, ist das nicht ein Seltsam-Denkwürdiger Kreislauf“?

So erschließt sich das Zitat auf unserer Einladung in noch besserer Form:
„Ich arbeite assoziativ, additiv. Mich interessiert die Gleichzeitigkeit.
Alles geschieht gleichzeitig.“

 

Wir freuen uns, lieber Dieter Glasmacher, das Sie hier bei uns im Kunstverein Eisenturm sind, um ihre Gedanken, Empfindungen, Erfahrungen und Imaginationen durch ihr beeindruckendes Werk mit uns teilen.

 

Video-Animation zur Ausstellung im KEM:

 

Weitere Informationen zum KEM

 

Screenshot KEM auf Facebook

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Eröffnungsrede von Andreas Weber
am 14. Dezember 2013 im Kunstverein Eisenturm, Mainz

 

Premiere der besonderen Art: Eisenturm wird zum Kunstraum!

„Schwindende, du kennst die Türme nicht.
Doch nun sollst du einen Turm gewahren
mit dem wunderbaren
Raum in dir. Verschließ dein Angesicht.
Aufgerichtet hast du ihn
ahnungslos mit Blick und Wink und Wendung.
Plötzlich starrt er von Vollendung,
und ich, Seliger, darf ihn beziehn.
Ach wie bin ich eng darin.
Schmeichle mir, zur Kuppel auszutreten:
um in deine weichen Nächte hin
mit dem Schwung schoßblendender Raketen
mehr Gefühl zu schleudern, als ich bin.“

Aus: Sieben Gedichte, Gedicht Nummer 4, von Rainer Maria Rilke, verfasst zw. 14. Oktober und 9. November 1915, Ort unbekannt

Meine Damen und Herren, willkommen im Reich der Transformation. Der Eisenturm wird heute zum besonderen, anderen Ort. Vergessen wir für einen Moment, dass wir uns hier versammelt haben, um eine Kunstausstellung zu eröffnen. Lassen wir uns ein in den Dialog mit dem Leben, unserer Vergangenheit und Zukunft. Unserem eigenen Sein. Der Veränderung durch Kunst. Der Neugeburt in uns selbst.

Der Eisenturm ist nunmehr ein Kunstraum. Perfekt ausgestattet, mit Dingen, die es in dieser Kombination und Konstellation noch nie zuvor gab. Sorgsam, geradezu minutiös ausgerichtet. Man muss in kleinen Dingen exakt sein, damit es im „Großen Ganzen“ stimmt. — Meine Anregung: Verschließt den Eisenturm. Ändert nie mehr etwas.

Sucht Euch ab nun andere Räume für Wechselausstellungen.

„ES IST!“

Warum?

Weil – wie noch nie zuvor – sich zwei Künstlerseelen, die sich zuvor nicht kannten, hier vereinten und gemeinsam ihr kreatives Talent nutzten, um etwas KOSTBARES zu schaffen, dass stark und kraftvoll, aber auch zart und zerbrechlich zugleich ist. Und archaisch-modern unsere Vorstellungskraft neu auszurichten hilft. Handle with care – der Name ist Programm. Gehe sorgsam mit den Dingen, dem Sein, der Natur, den Gedanken und Gefühlen um. Fange an, Dich mit Dir selbst zu beschäftigen, indem Du Gedankenfetzen, Impulse, Beobachtungen, Assoziationen, Gefühle, Zweifel, Wut und Irritation unbeirrt und nie nachlassend visuell und haptisch für uns alle erfahrbar machst.

„Ist das ein Bild?“, fragte gestern Dr. Treznok, als er ein Werk von Christine Laprell zum ersten Mal sah. Seine Irritation provozierte eine wunderbare Debatte über Herz und Sinn der Ausstellung: Was nehmen wir wahr, weil wir es wahrnehmen wollen? Nicht wie ES IST, sondern wie wir es haben wollen. —— Ist eine Leinwand, die mit Farbe, Papierfetzen, Blättern, Schriftkritzeleien und anderem lückenhaft befüllt ist, tatsächlich ein Bild?

HA! Ein Bild ist ein Bild. Ein Bild muss kein Gemälde sein. Und eine Skulptur muss nicht aus Holz, Marmor oder Metall gegossen werden. Und ein narratives Gemälde als Erzählstück braucht schon gar keine Leinwand. Plastikfolie, also Kunststoff, zum Beispiel ist doch viel besser. Und liefert zudem Transparenz.

Kunst-Dinge, wie wir hier in unserem neuen Kunstraum Eisenturm sehen, können sprechen. Ohne etwas reden zu müssen. Non-verbale Kommunikation ist ungemein mitteilsam.

Die Bilder an der hohen Wand könnten zum Beispiel folgendes „sagen“:

„Mein Leben ? ! : ist kein Kontinuum! (nicht bloß Tag und Nacht in weiß und schwarze Stücke zerbrochen ! Denn auch am Tage ist bei mir der ein Anderer, der zur Bahn geht; im Amt sitzt; büchert; durch Haine stelzt; begattet; schwatzt; schreibt; Tausendsdenker; auseinanderfallender Fächer; der rennt; raucht; kotet; radiohört; ‘Herr Landrat’ sagt: that’s me!) ein Tablett voll glitzender snapshots.“

Arno Schmidt, Faun, 1953.

Oder die Plastikfolien-Bahnen unter der Empore unseres Kunstraums säuseln lyrisch-verwirrend:

„Dein Kopf ist ein Turm

mit strahlentanzenden Linsen.

Die geübte Hand weiss es oft viel besser

als der Kopf.

O Dichter!

Willst Du den Moder einer Gruft schildern

und gebricht es Dir dabei

an der so nötigen Inspiration,

kauf Dir einen Camembert,

und ab und zu daran riechend,

wirst Du können.

Gedicht von Paul Klee, 1906, Titel: Dein Kopf ist ein Turm

Hören Sie es es auch, das lyrische Säuseln meine Damen und Herren? Falls nicht, stelle ich fest, dass uns völlig unbewusst ist, was uns bewusst sein sollte oder könnte.

Die menschliche Wahrnehmung und Erinnerung läuft stark fragmentiert ab. Man nennt das auch das „musivische Dasein“. Wie erlange ich Zugang zur Sprache des Unbewussten? Wie kann ich sie aktiv gestalten?

Diese Fragen scheinen nunmehr beantwortet. Denn: Unser heute, zum 14. Dezember 2013, neu geschaffener und wunderbar inthronisierter Kunstraum der Mainzer Kunstverein-Eisenturm-Galerie, zeigt uns dies durch das Werk und Wirken der beiden Künstlerinnen Christine Laprell und Petra Jung.

Beide führen uns als Mainzer und Rheinhessen zurück an wichtige Eckpunkte unserer Geschichte, die unserer Wahrnehmung und unserer Erinnerung entrückt, also unbewusst geworden sind.

Oder erinnern Sie sich an das Jahr 1951?

An die Vergabe des Großer Literaturpreis der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz?

Wer war 1951 der Preisträger der im Jahr 1949 von Alfred Döblin gegründeten, noch heute erfolgreich aktiven Akademie? — Nun, ganz einfach ein Jahrhundert-Denker, Provokateur und Schriftsteller, der hier in unserem Kunstraum sogar noch posthum omnipräsent ist. Durch sein Schreiben, seine Text und die Wirkungsmechanismen, die seine verschriftlichte Sprachgewalt auslösen. Petra Jung trägt dies in sich, indem sie als naturkundige, reisebegeisterte und wache Beobachterin, Sammlerin organischer Materialien und Kunstschaffende verinnerlicht hat, worum es dem Preisträger von 1951 geht. Und Christine Laprell, in Deutsch und Kunst ausgebildet, macht dies zum täglichen Bestandteil ihrer Werke, indem sie dessen Texte und Sprachfetzen reflektiert und in ihrer ganz eigenen Art bildnerisch umsetzt.

Und, auf wen bezieht sich Christine Laprell? Wen meine ich? 

Zugegeben, meine Damen und Herren, ich mag Sie ein wenig in die Irre geführt haben. Eingangs zitierte ich ungenannt Rainer Maria Rilke, Sieben Gedichte, Gedicht IV, aus dem Herbst 1915. „Dein Kopf im Turm”, stammt aus dem Jahr 1906 von Paul Klee. Aber, die Sequenz mit „Herr Landrat“, „That’s me”, „glitzender snapshots“ stammt vom IHM, aus dem Jahr 1953.

Ich selbst kam mit IHM als 12jähriger in Kaiserslautern in Kontakt. Bei einer Szenischen Uraufführung, die der Künstler Prof. Eberhard Schlotter mit meinem Vater Wilhelm Weber in der Pfalzgalerie am 13. Mai 1971 veranstaltete. Bilder von Schlotter und Texte von Schlotters Freund Arno Schmidt. Schlotter hatte Mitte der 1950er Jahre Arno Schmidt vor den Attacken der katholischen Moselmanen gerettet, indem er ihn von Kastell im Saar-Mosel-Gebiet ins evangelische Darmstadt rettete. Arno Schmidt war durch seine sprachlich freizügigen Seelandschaft mit Pocahontas wegen Gotteslästerung und Verbreitung unzüchtiger Schriften angeklagt worden. Das Verfahren wurde im liberalen Darmstadt eingestellt. — Warum erzähle ich das, hier und heute?

Arno Schmidt steht für eine Symbiose aus traditionellem Erzählen (vorwiegend aus einer dominanten Ich-Perspektive) und avantgardistischer Schreibtechnik. Er hat sich mit schwierigen Themen auseinandergesetzt. Rebellierte gegen die Adenauer-Zeit. Setzte sich intensiv mit der Psychoanalyse von Freud auseinander, die er auf die Literatur übertrug. Es ging ihm um den Vorgang:, das sich das Unbewusste nicht nur in Bildsymbolik ausdrückt, sondern auch sprachlich in einem „eigenen Schalks=Esperanto“ aus AmphibolienWortspielenAssonanzen, usw., um neben der manifesten Bedeutungsebene gleichzeitig auch – meist sexuelle – Nebenbedeutungen auszudrücken.

Christine Laprell wendet nunmehr das Prinzip der Umkehrung an: Sie verwandelt sprachlich-schriftliches wiederum in Bildsymbole und Bildaussagen. So vielfältig die Text- und Sprachassoziationen sind, so vielfältig ist ihre bildnerische Ausdrucksweise. Es entsteht ein interaktiver Prozess von fulminanter Bedeutung. Und in dieser Interaktionslust und -befähigung fühlen sich Christine Laprell und Petra Jung im Herzen und im Geist aufs engste verbunden.

Aber Fragen wir doch die beiden Künstlerinnen direkt; damit, meine Damen und Herren, steigen wir in einen kurzen Dialog mit den Künstlerinnen ein, damit ich hier nicht vor Begeisterung im Kunstraum-Rausch zum Dauerredner und Alleinunterhalter mutiere.

Meine erste Frage:

Was verbindet Euch? Bzw. vielleicht kann Christine Laprell kurz schildern, was sie am Werk von Petra Jung fasziniert? Und umgekehrt?

Meine weiteren Fragen: 

Wie kam Christine Laprell zur Literatur, vorzugsweise Arno Schmidt?

Wie kam Petra Jung zum variantenreichen Umgang mit ausgefallenen organischen Materialien, die als Objekte erscheinen und von grafischen Arbeiten begleitet werden?

Und last but not least:

Was macht dieses Ausstellungserlebnis so einzigartig?

Welches sind Eure persönlichen Highlights?

Hinweis:
Impressionen von der Eröffnung mit Dietmar Gross und Andreas Weber sowie Diskussion mit den Künstlerinnen aus YouTube:

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Video der Reden von Dietmar Gross und Andreas Weber sowie der Diskussion mit den Künstlerinnen zur Eröffnung auf YouTube

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Video zum Making-off der Ausstellung auf YouTube

http://youtu.be/SMCLxgGMTsY

 

Fotoimpressionen von Andreas Weber, 13. Dezember 2013

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