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Kulturstaatssekretär Walter Schumacher wird die Ausstellungseröffnung am 19. März 2016 vornehmen, um den neuesten Werkzyklus der seit Jahrzehnten in Mainz lebenden Künstlerin Fee Fleck vorzustellen. Entstanden sind 18 zum Teil großformatige Bildwerke, die sich mit einem aktuellen und hochbrisanten Thema beschäftigen: Dem Einsatz und den Auswirkungen von Kampfdrohnen. Die Ausstellung im geschichtsträchtigen Frankfurter Hof in Mainz wird kuratiert von Prof. Valy Wahl und Andreas Weber, der zum Werk von Fee Fleck sprechen wird.

HERZLICHE EINLADUNG: Die Eröffnung findet am Samstag, den 18. März 2916, um 18 Uhr Im Frankfurter Hof Mainz, Augustinerstr. 55, 55116 Mainz, statt. Gäste sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

Das am Eröffnungsabend zur Einsicht ausliegende Drohnen-Zyklus-Arbeitsbuch von Fee Fleck belegt, wie umfassend sich die Künstlerin seit mehr als zwei Jahren mit den Schrecken moderner Kriegsführung durch Kampfdrohnen beschäftigt, die sich militärisch rechtfertigen lassen, aber für Millionen Unschuldige unendliches Leid, Tod und Flucht aus der Heimat in den betroffenen Regionen der Welt herbeiführen. Brisant: Die Datenströme, die die Drohnen auf ihrem Vernichtungseinsatz begleiten, werden auf der US Airbase in Ramstein in der Pfalz gebündelt und gelenkt. Dies hatte aktuell seit Herbst 2015 das Staatstheater Mainz in dem Stück „Ramstein Airbase“ aufgegriffen und den Ex-Drohnen-Operator und Whistleblower Brandon Bryant zum Gespräch geladen. Dort traf er auch mit Fee Fleck zusammen und begrüßte es sehr, dass eine Malerin sich mit dem für ihn und seine Opfer traumatischen Erlebnissen auseinandersetzt.

Kontrapunkte. So lautet der Titel einer digitalen filmischen Bildanimation, die Andreas Weber auf Basis der Bildwerke aus dem Drohnen-Arbeitsbuch von Fee Fleck zur Ausstellung erstellt hat und die am 19. März 2016 uraufgeführt wird.

 

Fee Flecks Werkzyklus „Im Reich der Drohnen“ führt über die reine Beschreibung der aktuellen, grausamen Geschehnisse hinaus und stellt das Schreckliche in Korrelation zu dem, was laut Gründungsurkunden der Vereinigten Staaten von Amerika verbürgtes Menschenrecht ist: Das Recht auf Glückseeligkeit. Denn das würdevolle Menschsein macht das Glück, die Freude, die Liebe aus.

Bei der Eröffnung wird zudem über die vielen Schritte im für die Künstlerin mitunter qualvollen Entstehungsprozess des Bilderzyklus von Fee Fleck berichtet, der bereits medial, durch Gesprächsrunden und die Sozialen Medien großes Echo fand.

Eintritt frei. Anmeldungen per Facebook möglich!

 

Hintergrund-Informationen:

Fee Fleck „Im Reich der Drohnen“: Wir dürfen nicht tatenlos zusehen! 

Fee Fleck hat zu Ihrem Drohnen-Bildzyklus eine Facebook-Seite eingerichtet, die zur Interaktion und Diskussion einlädt.

 

 

 

 

Whistleblower Brandon Bryant in Mainz.001

Von Andreas Weber, im Kontext der Projektarbeit mit Fee Fleck und Prof. Valy Wahl

Der wichtigste Satz von Whistleblower Brandon Bryant fiel fast beiläufig, als das zentrale Wesensmerkmal seiner Tätigkeit als „Drone-Operator“ im Container in Nevada und im fernen Irak  beschrieb: „I had only pictures and no context!“

Ein schauriger Moment. Ich habe im Staatstheater Mainz einem staatlich instrumentalisierten und sanktionierten Serienkillerkomplizen die Hand geschüttelt. Intendant Markus Müller und Hausregisseur Jan-Christoph Gockel hatten Brandon Bryant zu einem Podiumsgespräch am 17. Oktober 2015 eingeladen, weil im neuen Stück „Game of Drones“, das am 27. November 2015 in Mainz Premiere haben wird, die US-Airbase Ramstein eine zentrale Rolle spielt und auch Brandon Bryant im Stück vorkommt.

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In mehr als 6.000 Stunden Drohnenkampfeinsätzen hat der heute 29-jährige Brandon Bryant als Ex-Staff Sergeant der US-Luftwaffe im Team mit seinen Kollegen 1.626 Menschen gezielt und aus dem Hinterhalt getötet. Sozusagen per Bildschirm und Joystick wie in einem Video-Computerspiel. Er agierte quasi als Scharf- resp. Präzisonsschütze, der die finalen Informationen lieferte um per Predator-Drohne die tödlichen Hellfire-Raketen fern seiner Heimatbasis mit Hilfe von Metadaten der Geheimdienste, Zielplanungen und optischen Analysen abzufeuern. 98 Prozent seiner Dienstzeit habe er mit dem Beobachten von Menschen in ihren jeweiligen Lebensbereichen verbracht. (Dazu gehörte, wie ein bewaffneter Afghane die Kalaschnikow beiseite stellte, um liebevoll von seinem kleinen Kind einen Kuss zu bekommen.) — Zwei Prozent seiner Zeit habe der tatsächliche, tödliche und zerstörerische Angriff benötigt. Danach wurden checklistenartig Reports erstellt, um den „Erfolg“ zu bewerten: Grad der Zerstörung, Zahl der Verletzten und Toten. Die Kollateralschäden sind immens. Zu bis zu 95 Prozent sollen Unschuldige resp. nicht an Terrorhandlungen Beteiligte getötet werden. Opfer von Kriegshandlungen in Kriegsgebieten können zu Tätern des Terrors stilisiert werden, die dann Opfer der Drohnenangriffe werden. Laut Brandon Bryant haben sich die agierenden Militärs eine plausible Rechtfertigung zurechtgelegt: Getötet werden Terroristen und auch solche, die es noch werden könnten. „They don’t care who gets killed!“ (Quelle: rt.com).

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Ich habe einem Serienkillerkomplizen die Hand geschüttelt. Ich konnte es tun, weil er dramatische und schmerzliche Erfahrungen machte, die ihn psychisch zusammenbrechen ließen. Die ihn zur Umkehr zwangen. Schon bevor die US-Luftwaffe Brandon Bryant im Juli 2011 nach 5 Jahren und 5 Tagen aus seinem Vertrag entließ. Er bereut, was er tat. Und bittet um Vergebung. Und möchte nunmehr dazu beitragen, sein Land, das er liebt, zum Umdenken zu bewegen. Und das vor allem auch bei uns, hier in Deutschland, dem wichtigsten Verbündeten der USA. Dazu hatte er kurz zuvor in Berlin stundenlang vor dem NSA-Untersuchungsausschuss ausgesagt. (Siehe u. a. Zeit Online).

Und er hatte in Baden-Baden den Whistleblower-Preis 2015 erhalten. Die Begründung der Jury ist lesenswert! Auszug: „Die US-Regierung hat zu keiner Zeit seine Informationen als unzutreffend dargestellt oder dementiert. Bryant gab mit seinen Informationen den Anstoß für weitere detaillierte Recherchen und Enthüllungen zahlreicher investigativer Journalisten. Es ist seinen Informationen zu verdanken, dass sich der Fokus der Debatte um den globalen Drohnenkrieg der USA in Deutschland nunmehr immer stärker auf die Aktivitäten der USA in Ramstein konzentrieren kann. Die Bundesregierung begeht mit ihrer Politik der Duldung der dortigen Vorgänge selbst ein völkerrechtliches Delikt.“ (Quelle: Netzfrauen.org).

Ein Soldat tötet und sei jederzeit bereit, sein Leben für sein Land, das er liebe, herzugeben. Dazu stehe er, sagte uns Brandon Bryant in Mainz. Nicht mehr vertreten könne er aus ethischen Gründen die Art und Weise, wie das mit Drohnen geschehe. Er warnte davor, dass man sich in Deutschland zum Ermöglicher und damit zum Mittäter von nicht zu rechtfertigendem Vernichten, Zerstören und Töten mache.

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Ich habe einem Serienkillerkomplizen die Hand geschüttelt. Ebenso wie die Mainzer Künstlerin Fee Fleck, die derzeit als Aufschrei ihren Drohnen-Zyklus malt und die Inszenierung ihrer Serie an grossformatigen Gemälden im Team mit Prof. Valy Wahl und mir als Projekt umsetzt. Zu sehr ist die Künstlerin entsetzt über das, was geschieht und wie es gerade ignoriert und  bagatellisiert wird. Fee Fleck hat Brandon Bryant davon berichtet. Er zeigte sich berührt und interessiert, die Bilder zu sehen. Es helfe ihm ungeheuer im Voranbringen seiner Sache, wenn engagierte, kluge Menschen aus Kunst und Kultur das Thema Drohnen-Krieg aufgreifen, richtigstellen, brandmarken und darüber pro-aktiv kommunizieren. Gerade auch weil er selbst erleben musste, wie eine solche Tätigkeit bei der US-Luftwaffe Leben ruiniert und Beteiligte wie ihn in die Isolation getrieben haben, mit schwersten psychischen Belastungen. „Irgendwann lässt es Dich nicht mehr los. Du gehst abends nach Hause, aber gedanklich bist Du immer noch in Afghanistan oder im Irak.“ Der wichtigste Satz von Whistleblower Brandon Bryant fiel im Übrigen fast beiläufig, als das zentrale Wesensmerkmal seiner Tätigkeit als „Drone-Operator“ im Container in Nevada und im fernen Irak  beschrieb: „I had only pictures and no context!“

Hinweis: Netzpolitik.org publizierte Befragungsprotokolle des NSA-Ausschusses. Nachfolgend als Screenshots.

NACHTRAG

Am 22. Oktober 2015 war Brandon Bryant zu Gast in der ZDF-TV-Runde von Markus Lanz. Hier stand, anders als im Mainzer Staatstheater, das persönliche Erleben von Bryant im Abgleich zu seinen beruflichen Anforderungen  im Fokus. Per Einspieler und Fotos wurde dies dokumentiert. Quelle: Archiv Lanz. Anbei zur Impression einige Screenshots aus der pdf Sendung:

Fee Fleck Arbeitsbücher 2012:2015.001

Fee Fleck: Aus dem Arbeitsbuch zum neuen Drohnen-Zyklus (2015). Erste Skizze zum Bild “Predator”. Foto: Andreas Weber.

Auszug aus dem Redetext von Andreas Weber
anlässlich der Ausstellung im Kunstverein Eisenturm Mainz (November 2012)

Rückschau aus aktuellem Anlass: Seit Jahrzehnten führt Fee Fleck Arbeitsbücher, die sie vor einiger Zeit erstmals komplett im Kunstverein Eisenturm Mainz präsentierte. Darin wird umfassend, bisweilen penibel, in jedem Fall akribisch, alles notiert und gesammelt, was zur Entstehung von Ideen, Konzepten, Gedankengängen, Skizzen bis hin zur Realisierung von Kunstwerken oder Performances von Fee Fleck führt. Arbeitsbücher von Fee Fleck gehen über die gewohnten Notiz- oder Skizzenbücher weit hinaus. Sie sind eine einzigartige Dokumentation eines Schaffensprozesses, der nie endet, selbst wenn ein Thema abgeschlossen scheint. Arbeitsbücher bilden – anatomisch gedacht – das Skelett, die Muskulatur, sogar die Organe, den Stoffwechsel, das Kreislauf- und Nervensystem der KünstlerInnenexistenz. Das Gehirn als Kreatives Cockpit ist auf all dies angewiesen, um sich ausbreiten, mitteilen und verständlich machen zu können.

Machmal steht in Fee Flecks Arbeitsbüchern auch Kritik/Selbstkritik. Oder es finden sich Fragen, Ärger und heftige Kommentare.  Wie zum Beispiel 1984 bei den Arbeiten zu Performance und Film „Zur Musik von Karl Josef Müller“. Da heisst es – handschriftlich notiert: ”Bin verzweifelt. Verflucht!“

Kaum eine Künstlerpersönlichkeit legt so schonungslos offen, worum es geht.

Kaum eine Künstlerpersönlichkeit lässt uns in solcher Dimension teilhaben an den, was gedacht, ausgedrückt und kommuniziert werden muss. Dabei ist Fee Fleck niemals lautstark. Eigentlich eher still und zurückhaltend. 

Kaum eine Künstlerpersönlichkeit ist so multimedial aktiv und begabt wie Fee Fleck.

Kaum eine Künstlerpersönlichkeit geht so strukturiert und konsequent vor wie Fee Fleck.

Kaum eine Künstlerpersönlichkeit ist in der Lage, über Emotionen, die bei Fee Fleck immer am Anfang stehen, zu solch rational-durchdrungenen und zugleich virtuosen Ausdrucksmöglichkeiten zu finden.

Fee Flecks Arbeitsbücher sind ein illustrierter Kultur- und Neuzeit-historischer Roman. Quasi ein spezieller Baedeker für Kunst-Erleben, der viele wichtige Stationen ansteuert. Die Reise führt über Erinnerungen, Entdeckungen, Entgleisungen, Gräueltaten und Vergessenes. Und landet immer im hier und jetzt. Ihre Arbeitsbücher sind Zeugnis eines inneren Dialogs, der auch die Reaktionen einfängt, wenn ein Werk, ein Zyklus, ein Film, eine Performance, ein künstlerisches Ergebnis präsentiert und diskutiert wird. Denn aufgepasst: Wenn der heutige Tag und die Präsentation der Arbeitsbücher erfolgt ist, wird dies wiederum in einem Arbeitsbuch-Vermerk Niederschlag finden. Fee Fleck nutzt dadurch einen Perpetuum-Mobile-Effekt von ungeheurer Tragweite. Und das ist bedeutsam für ihr Leben und Arbeiten: Niemals vergessen, wie es wirklich war.


Fee Fleck  Arbeitsbücher — Liste zur Ausstellung im Kunstverein Eisenturm

1984 Zur Musik von Karl Josef Müller – Performance, Film

1987 VICTORY WRECKERS – Film

1987 PIMA-Indianerstamm, „Die die gegangen sind” – Flugzeugfriedhof Tucson bei Phönix in der Wüste von Arizona – Fotos, Zeichnungen, Malerei, Film, Ausstellung — 75m lange Bänder, Installation — „Wir decken uns mit Müll zu”.

1994 SPURENSUCHE IN GMÜND“, Entwertung von Pankratius” — Performance

1994 WASSER – SCHUTZ – WASSER, Kunst für Bonn – Skulptur

1994 INGEBORG BACHMANN,

  1. emotionale Entwürfe im Großformat
  2. Abstraktion erfolgt im Arbeitsbuch,
  3. großformatige abstrakte Bilder,  Ausstellung im Landesmuseum Mainz

1996 OSTHOFEN „Die Grube gegen das Vergessen” – Installation

1998 INGELHEIM ERINNERT SICH – Installation

1998 BILHILDIS, Altmünster Kirche, Mainz – Malerei im Großformat auf Seide

1999 WARSCHAUER AUFSTAND 1944 – Mahnmal, Großmodell

2001 KATHINKA ZITZ – Leben und Tod – Performance, Film

2005 HINZERT – KZ im Hunsrück – Mahnmal – Entwurf

2012 MEDEA, DIE FREMDE – Malerei, Ausstellung im Landesmuseum Mainz

2012 ARBEITBÜCHER – Präsentation im Kunstverein Eisenturm Mainz

Seit 2014 enstanden die Skizzen und das Arbeitsbuch zum Them “Drohnen”, ein Projekt, das wir in Kürze vorstellen werden. Details finden sich auf unserer speziellen Facebook-Seite, die ständig aktualisiert wird. 

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