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„Wie Wein wird Kunst mit Herz, Sorgfalt und Präzision entwickelt. Der Wein gehört für mich zu den kostbarsten Gaben der Erde und ist eine Erquickung des Herzens“, erläuterte Christina Schickert dem kunstsinnigen Publikum im Eisenturm, das vor der einmaligen Kulisse der fast 80 ausgestellten Rheinhessen-Bildwerken im historischen Ambiente des Mainzer Eisenturm buchstäblich verzaubert wurden.

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ValuePublishing Viva Rheinhessen Viva G.001

Foto und Bildcollage: Andreas Weber, Mainz/Frankfurt am Main

 

Impressionen und Ansprache von Andreas Weber zur Eröffnung der KEM-Mitgliederausstellung 2016

Die Mitgliederausstellung 2016 des Kunstverein Eisenturm Mainz e. V. KEM hebt die erfolgreichen Ausstellungsaktivitäten der letzten Jahre auf ein neues Level! Fast 80 Mitglieder haben erstklassige Werke eingereicht, die fast alle eigens für die Ausstellung geschaffen wurden. Und wenn nicht, dann waren sie aus eigenem Antrieb im Vorfeld entstanden, um das Ausstellungskonzept wunderbar zu stärken. Die wichtigsten künstlerischen Techniken wurden eingesetzt: Malerei, Zeichnung, Aquarell, Druckgrafik/Frottage, Digital Painting, Collage, Skulptur, Fotografie, faszinierend-kreativ-experimentelle Mischtechnik-Arbeiten bis hin zu visuell inszenierter Literatur/Kurzprosa, Aphorismen. Selten sieht man künstlerisches Schaffen in einer solchen Vielfalt. Herzlichen Dank und Applaus für alle Teilnehmer!

 

 

Alle hier versammelten Werke sind von ihrem Ausdruck und ihrer inhaltlich-visuellen Stärke unendlich nah an Carl Zuckmayers kraftvollen Worten, die unser Turmwächter alias Doq Treznok gerade in seiner szenisch-künstlerischen Einlage vortrug. Es waren Text-Auszüge aus Zuckmayers „Der Teufels General“ (Uraufführung Bühnenstück: Zürich 1946; verfilmt 1954, mit Curd Jürgens in der Hauptrolle). — Bitte nochmals Applaus für Thomas Richter zum gekonnten Vortrag der Textpassage: Der Rhein, die Völkermühle!

 

 

Zur Erinnerung: Carl Zuckmayer, in Nackenheim bei Mainz geboren, war mit Ernst Udet, einem Flieger-Ass, befreundet. 1941 verunglückte der zum Idol aufgestiegene Udet unter mysteriösen Umständen. In seinem weltbekannten Theaterstück „Des Teufels General“ verewigt Zuckmayer den zum Luftwaffengeneral aufgestiegenen Udet, der mit seiner „großen Schnauze“ beim Nazi-Regime aneckte. Die vom Turmwächter vorgetragene Passage trägt den Titel: „Der Rhein, die Völkermühle“.

 

Jens Frederiksen von der Allgemeinen Zeitung in Mainz hat in seiner Vorbesprechung der KEM-Rheinhessensymposium-Ausstellung im MVBForum festgestellt (wer noch nicht da war, MUSS dies nachholen, die Eröffnung war am 23. Juni 2016 vor über 200 Gästen) : „Die Alpen sind einfach. Nordseelandschaften auch. Rheinhessen hingegen hat seine Tücken. Der rheinhessischen Landschaft fehlt diese spektakuläre Unverwechselbarkeit, die sofort einen Ruck des Wiedererkennens durch den Betrachter gehen lässt. Oder gibt es sie vielleicht doch?“ Die Zeitungs-Kunstkritik belegt, dass durch die intellektuell-feuilletonistische Annäherung an das Thema „Rheinhessen“ die künstlerisch-visuell inszenierten Landschafts-Impressionen gekonnt erfasst werden können. Dr. Otto Martin hatte dies in seiner mitreissenden Eröffnungsrede dies trefflich auf den Punkt gebracht.

 

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Titelbild der Einladungskarte zur KEM-Mitgliederausstellung 2016.

Über den Horizont hinausblicken!

Uns geht es hier und heute bei „Viva Rheinhessen“, im Zusammenspiel mit unseren grossartigen teilnehmenden Mitgliedern, um eine Weiterführung, die nicht nur Landschaft, sondern Menschen, Kultur, Architektur, Technik, Umwelt, Natur, Fantasie, Lebensfreude, und natürlich das Erleben und Genießen von Land und Leuten umfasst. Das so entstandene weite Spektrum, ist nicht bloß eine Sicht des Künstlers von außen auf ein Sujet. Rheinhessen, als eine zum „realen Phänomen“ gewordene Kulturregion höchster Güte wird von Künstlern inszeniert und zelebriert. Die 200-Jahrfeier-Aktivitäten zu 200 Jahre Rheinhessen werden damit in ganz besonderer Art und Weise aufgewertet, weit über ein „Weck-Worscht-Woi“-Hochgefühl hinaus.

Überhaupt: Unsere Künstler und ihre Exponate fügen der Jubelfeier-Jahreszahl 200 noch eine Null hinzu: Es wird daran erinnert, dass Rheinhessen und Mainz neben Trier und der Moselregion zu den ersten „zivilisatorisch“ perfekt von den alten Römern ausgestalteten Regionen Deutschlands zählen. Ich wage zu behaupten: Ohne Mainz und Rheinhessen hätte es zu so früher Zeit keine deutsche Hochkultur gegeben! Anders als Trier wurde das Leben in Rheinhessen nicht im Sinne eines zweiten Rom als prunkvoll ausgestatteter Kaisersitz geprägt. Dazu ist unsere Landschaft, ihre „Geo-Historie“, die Mentalität der Menschen, die Eigenheit der Landschaft zu besonders.

 

 

Unsere Künstler und ihre Exponate machen die 2000-jährige Geschichte von Rheinhessen erfahrbar, in einem Exponat sogar quasi als aquarellierte geologische Analyse weit in die Erdgeschichte zurück. Und gerade Mainz, das urban gewordene Rheinhessen, hat über die Jahrtausende bis 1815 eine zentrale Rolle für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation gespielt. Mainz war über viele Jahrhunderte der Sitz des Reichskanzlers. Das hat neben Freuden und Ehren allzu viel Schrecken und Zerstörung gebracht. Leider. Oder auch nicht. Denn das höchste menschliche Gut, das Streben nach Schönheit und Glückseeligkeit, kann sich nur entfalten, wenn man auch die Abgründe, das Schreckliche überwindet. Und dass ein Gutenberg in Mainz ansässig war und sein Erfindergeist die ganze Welt nachhaltig veränderte, kann so gesehen gar kein Zufall gewesen sein.

Ich bin sicher, all dies kommt in unserer Ausstellung zum Ausdruck. Und prägt unsere Mitgliederschaft. Denn bei uns im KEM sind ja nicht nur „Eingeborene“ versammelt, sondern auch viele „Zugereiste“, die sich haben verzaubern und betören lassen. Und die Rheinhessen nicht mehr missen wollen. Oder?

 

 

Lassen sie mich zwei Aussteller namentlich herausgreifen, bevor ich mit meinen Co-Kuratorinnen — namentlich schon erwähnt: Dagmar Ropertz, Petra Schippers und Prof. Valy Wahl — hier choram publico persönliche Eindrücke diskutieren darf: Winfried und Leo Hosseus, Grossvater und Enkel. Vater Christoph hatte stolz die Einreichungen am 26. Juni im Turm abgegeben. Und promotet unsere Ausstellung „Viva Rheinhessen“ seither fleissig auf Facebook! Sein Sohn ist Jahrgang 2008, wohl unser jüngster Teilnehmer. Der Titel seiner Buntstiftzeichung von 2016: „Weingut in Biebelnheim“. In den Einreichnungsunterlagen heisst es: „Talent von Vater und Großvater sowie Freigeist der Mutter schufen den leidenschaftlichen Autodidakten. Beitrag zur Ausstellung anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Kunstvereins Eisenturm in 2015. Aktuelle Vorliebe für Comics und Star Wars Literatur.“ — Und natürlich, wie wir alle: Eine große Leidenschaft für Rheinhessen!

Denn, wie es schon in unserer Einladung steht: Mitglieder des Kunstverein Eisenturm Mainz fühlen sich Land und Leuten in Rheinhessen ganz besonders verpflichtet.

 

PREMIERE EINER MULTIMEDIALEN INSZENIERUNG: Viva Rheinhessen — Viva KEM!

Erstmals wird für eine KEM-Mitgliederausstellung eine digitale Publikation erscheinen, die nicht nur Werke der ausstellenden Künstler verzeichnet, sondern alle Aktivitäten vor, während und zum Ende der Ausstellung in Text, Bild, Video erfassen wird! Dieser Blog-Beitrag bietet einen Vorgeschmack. Erscheinungstermin: August 2016.

Hinweise: Die Ausstellung geht bis 24. Juli 2016. An diesem Tag müssen auch alle Werke von den teilnehmenden Künstlern wieder abgeholt werden! — Öffnungszeiten: Mi 16h bis 18h. Sa+So 13h bis 17h. Adresse: Eisenturm, Fritz-Arens-Platz 1, 55116 Mainz.

 

Ich darf daher abschließend kurz die für mich zentrale Stelle bei Zuckmayer wiederholen: „… der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald und — ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt — wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein — das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel.“

 

 

 

Die Besten der Besten sind heute auch hier versammelt. Und feiern als Künstler und Kunstbegeisterte „Viva Rheinhessen“! — Bitte ALLE im Chor rufen: VIVA RHEINHESSEN! — Und nun darf ich kurz Petra Schippers und Valy Wahl, die maßgeblich an den Vorbereitungen und vor allem an der gekonnten Hängung der Exponate beteiligt waren, bitten, uns kurz das für sie wichtigste zu schildern. Soviel vorweg: Es war eine grossartige Idee, für uns alle eine neue, einheitliche Rheinhessen-Horizont-Linie zu definieren, indem die Exponate an ihrer Oberkante ausgerichtet wurden. So kann sich die Individualität der Werke in der Unterschiedlichkeit ihrer Formate entwickeln, ohne dass für den Betrachter eine flatternde Unruhe entstehen kann. Brillant!

 

 

Krönender Abschluss der Eröffnungszeremonie: Die rheinhessische Songpoetin und Malerin Nanette Scriba verzauberte die anwesenden Gäste mit ihrer Kunst. Ihr Chanson ‚Vernissage‘ nahm geistreich und humorvoll auf’s Korn, was viele Künstler sicher schon am eigenen Laib erleben mussten…

 

Nanette Scriba. Foto: Martin Kosa, Ingelheim

Foto: Martin Kosa, Ingelheim

 

Impressionen vom 26. Juni 2016 bei der Abgabe der Einreichungen im Eisenturm zu Mainz

 


 

Viva Rheinhessen: Lebensfreude pur!

Das Kuratoren-Team der KEM-Mitgliederausstellung 2016 — Valy Wahl, Petra Schippers und Andreas Weber — hatte am 13. Juli 2016  zu einem besonderen Abend-Anlass eingeladen: Christina Schickert, seit 20 Jahren als engagierte und renommierte Wirtin des Mainzer Weinhaus Wilhelmi weit über Rheinhessen hinaus bekannt, erzählte aus ihrem Leben, das sich der Gastlichkeit, den Gaumenfreuden und der Wertschätzung rheinhessischen Kultur widmet. Der Begegnung im Kunstverein Eisenturm schloss sich ein „Gegenbesuch“ im benachbarten Weinhaus Wilhelmi zum „Winzersekt-Empfang“ an.

„Wie Wein wird Kunst mit Herz, Sorgfalt und Präzision entwickelt. Der Wein gehört für mich zu den kostbarsten Gaben der Erde und ist eine Erquickung des Herzens“, erläuterte Christina Schickert dem kunstsinnigen Publikum im Eisenturm, das vor der einmaligen Kulisse der fast 80 ausgestellten Rheinhessen-Bildwerken im historischen Ambiente des Mainzer Eisenturm buchstäblich verzaubert wurden. In lebhaften Gesprächen kam die jahrzehntelange Expertise von Christina Schickert als erstklassige, leidenschaftliche Weinexpertin zum Tragen: Sie hatte sich als junge Frau in einen Winzermeister verliebt und war in der Folge über ein Vierteljahrhundert auf dem Weingut tätig. Als Höhepunkt ihrer Karriere als Wein-Gastronomin bezeichnete Christina Schickert den unverhofft und spontan entschiedenen Besuch von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel im Weinhaus Wilhelmi, die sich ad hoc wohl fühlte, freundlich mit allen Gästen war und eine Wilhelmi-Spezialität, rheinhessische Leberwurst, genossen hatte.

Kurzum: Christina Schickert vermittelt damals wie heute „Lebensfreude pur“ und beherrscht die Kunst des schönen Lebens auf eine besondere Art und Weise, die Kunst-Schaffende wie Kunst-Liebende gleichermaßen zu begeistern versteht.

 

 


Namensliste der teilnehmenden Künstler (in alphabetischer Reihenfolge)

 

 

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Der Blick hinter die Kulissen: Impressionen vom Ausstellungsaufbau (Fotos: Valy Wahl. Video-Animation: Andreas Weber)

 

 

 

Zu guter letzt: „Viva G“ — eine am Apple iPad Pro digital komponierte Hommage an Rheinhessen.

 

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Exponat Nr. 44, von gundANDreas: Viva G — Digital Painting&Composing, 2016

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Foto: Aus der Einladungskarte für Reinhold Petermann zur Ausstellungstrilogie, Mainz 2015.

Reinhold Petermann: Retrospektive zum 90. Geburtstag an drei Ausstellungsorten

Eröffnung: Kunstverein Eisenturm: „Von der Fläche zur Form“
Zeichnungen und Plastiken von 1945 – 1985

Eröffnung: Freitag, 9. Oktober 2015, 19 Uhr

Begrüßung: Dietmar Gross, 1. Vorsitzender

Grußworte zur Ausstellung: Walter Schumacher, Kulturstaatssekretär des Landes Rheinland-Pfalz

Einführung: Reinhold Petermann

Kuratorin: Dagmar C. Ropertz, stellv. Vorsitzende

Dauer der Ausstellung: 10. Oktober bis 8. November 2015

Begleitveranstaltung im Eisenturm: 15. Oktober 2015, 19 Uhr
Gespräch und Führung durch die Ausstellung
„Reinhold Petermann und die Mainzer Künstler nach 1945“

Die Ausstellung im Kunstverein Eisenturm Mainz eröffnet die Retrospektive seines Ehrenmitglieds Reinhold Petermann mit dem zeichnerischen und plastischen Frühwerk. Exponate von 1946 bis 1985 zeigen seine erste Schaffensphase beginnend mit „der Stunde Null“ nach dem 2. Weltkrieg.

Die Ausstellung umfasst eine Vielzahl unbekannter Arbeiten, die erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden!

Weitere Ausstellungsorte:

— Rathausgalerie der Landeshauptstadt Mainz

— Galerie Mainzer Kunst!


Notizen zur Eröffnung im Kunstverein Eisenturm von Andreas Weber

Die frühmittelalterlichen Räume im Kunstverein Eisenturm Mainz (KEM) waren prall gefüllt. Mit einzigartigen Kunstwerken (Zeichnungen und Skulpturen) und Menschen. Rund 100 Gäste wohnten der Eröffnung der Retrospektive von Reinhold Petermann bei. „Ich möchte eine Verbeugung machen vor dem Künstler und seinem Werk!“, sagte Kulturstaatssekretär Walter Schumacher. Er freute sich zugleich, dass auch nach 40 Jahren der KEM hohe Wirkung und Strahlkraft erzielt. Kunst und Künstlern sowie Kunstinteressierte würden dadurch aufs Beste vereint. Der Künstler selbst konnte leider aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein, stellvertretend war die Familie erschienen. Und hat sich wunderbar engagiert. Der Schwiegersohn Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Ziebertz trug einen von ihm aufzeichneten Text vor, den Reinhold Petermann zuvor per Tonband verfasst hatte.


„Unverwechselbar ausdrucksstark, treffsicher in der Form, versöhnlich im Ausdruck“

Die KEM-Ausstellung stellt das Frühwerk des Künstlers bis zum Jahr 1985 in den Fokus, wie Dietmar Gross, 1. Vorsitzender des KEM, erläuterte. Er dankte dem Amt für Kultur und Bibliotheken der Stadt Mainz, vertreten durch Martin Paul Janda von der Kulturabteilung, sowie dem Galeristen Rolf Weber-Schmidt und der Kuratorin Dagmar Ropertz, stv. Vorsitzende des KEM, für ihr unermüdliches, wenn auch nicht immer einfaches Engagement bei den umfangreichen Vorbereitungsarbeiten. Galt es doch bei gleich drei Ausstellungen (im KEM, in der Mainzer Rathaus-Galerie sowie in der Galerie Mainzer Kunst), die simultan geplant wurden, viele spezifische Interessen unter einen Hut zu bekommen.

Das Ergebnis ist beeindruckend: Erstmals konnten im KEM flankierend zu Skulpturen als Vergößerungen dargestellt Zeichnungen aus einem kleinformatigen Skizzenbuch gezeigt werden, die 1946 entstanden sind, als Reinhold Petermann sein Studium an der Landeskunstschule in Mainz begann. Selten und einzigartig, so die Resonanz aus dem Publikum, dass ein Bildhauer wie Reinhold Petermann so variantenreich und vielseitig arbeiten kann. Und das über mehr als 70 Jahre hinweg.

Welche Bedeutung das Schaffen von Reinhold Petermann hat, legte die Tochter Barbara Petermann mit ihrer Buch-Dokumentation dar. Titel: „Am Anfang war das Holz — Ein Künstler wird 90 Jahre“ (MedienVerlag Reiser, Hardcover, 190 Seiten, 24,00 Euro; Bestellungen im Buchhandel oder über www.reinhold-petermann.de).

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In der Buchankündigung heisst es: „Wie kommt ein junger Mensch in den letzten Kriegsjahren dazu, sich die Welt zu erschnitzen? Wodurch definierte sich die künstlerische Avantgarde der Nachkriegszeit? Inwieweit zehrt der Meisterschüler Emy Roeders bis heute von deren Erfahrungen? Welcher Art war seine Begegnung mit Karl Schmidt-Rottluff? Wovon hat der junge Künstler sich distanziert? Wo liegt der Fokus seines Schaffens? Was verbindet das Figürliche mit dem Abstrakten? Und was hat es mit den „nackten Weibern“ auf sich? Diese und viele andere Fragen um den Künstler Reinhold Petermann, sein Schaffen und seine Zeit beantwortet die Tochter des Bildhauers, Barbara Petermann, in dieser reich bebilderten Dokumentation.“

Und Barbara Petermann schreibt dazu in der Einleitung: „Anfänglich war es der reine Spieltrieb des kleinen Jungen aus Boos an der Nahe, der ihn veranlasste, Rennwagen der Marke Mercedes oder Flugzeugmodelle zu schnitzen. Baumrinde, die er von seinen Streifzügen in den umliegenden Wald mitbrachte, war sein Material.

Auch wenn er bereits als Vierjähriger fasziniert die Arbeiten in einer Steinmetzhütte bewunderte, so sollte Reinhold Petermann sich noch lange Zeit auf Holz beschränken und darin seine Stärke entdecken, sich Dinge anzueignen, indem er es mit dem Messer in die gewünschte Form brachte. Bei den alten Höhlenmalereien sei es ähnlich gewesen, sagt er. Die Menschen hätten damit die Ordnung der Dinge zu begreifen versucht, um sie sodann in ihre eigene zu übersetzen.

Mehr als 70 Jahre später kann Reinhold Petermann auf ein Leben voller Plastiken und Bilder blicken, mit denen er sich die Ordnung der unterschiedlichsten Gegebenheiten, Zustände und Motive angeeignet hat. Mittlerweile sind sie aus Eisen, Bronze oder Polyester, gegenständlich oder abstrakt. Jedes Mal aber erkennt man den Übersetzer in seinem Werk und das nicht nur bei den ‚nackten Weibern‘, die es ihm immer so angetan haben. Nein Hunde, Katzen, Frösche, Vögel und Pferde sind auch dabei. Kirchenausstattungen und Brunnengestaltungen, es gibt viele Petermänner klein als Standplastik oder am öffentlichen Bau themenbezogen aber eben doch ein Petermann. Unverwechselbar ausdrucksstark, treffsicher in der Form, versöhnlich im Ausdruck, ruinös in der Oberfläche oder konsequent durchgestaltet.“

Neben dem Buch gibt es übrigens ein ungebrochen starkes Echo in den Sozialen Medien zu Reinhold Petermann und den ihm gewidmeten Mainzer Ausstellungen. Die Ausstellungsankündigungen sowie die Kurzdokumentationen der Eröffnung im KEM am 9. Oktober 2015 wurden von vielen tausenden Menschen angesehen und auch von vielen hunderten kommentiert per „Gefällt mir“ und geteilt. Fazit: Erlesene Kunst, erstklassige Ausstellungskonzepte und die zeitgemäße vernetzte Kommunikation darüber bilden eine wirksame Einheit.

Hinweis: Andreas Weber, Beirat und Vorstandsmitglied im KEM, hat ad hoc eine Videodokumentation der Eröffnung im KEM erstellt, die per YouTube angeschaut werden kann, inklusive Ausschnitten aus den Einführungsreden. 

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© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Photos/Animation: Andreas Weber, Edition Value Art+Com

By Şükran Ceren Salalı, Value Art+Com Fellow
on her preview experience, September 4th., 2014

The time for saying good bye to Mainz is arriving, so I plan to see the places that I have never been before. As a nice coincidence, Mr. Weber prepared us a very nice trip to Rheinhessen, where I had not had the time to visit, in order to do our last ValueTalk! about my Erasmus internship and the overall experience here in Mainz.

While we were traveling across the scenic Rheinhessen area, we passed through several towns and one of these was Ingelheim. We stopped by a nice building which has a wine cellar and looks like a wine factory. There, we met Bruno K. alias Bruno Kleber, an artist who has been creating a very disruptive art for almost thirty years. His next surprising exhibition, Saalwächter 20/14 — Eine skulpturale Intervention (The Door Guard 20/14 — A Sculptural Intervention) will take place in Kunstverein Ingelheim’s temporary new location between September 11th., 2014 to October 12th., 2014. It’s changes and transforms the environment in a way I’ve never seen before.

As the first guests of the exhibition which is still ‘‘under construction‘‘, we had the chance to see his impressive installations. And we had a personal conversation with Bruno K. who is a charming person, full of ideas and humor. From a wine storage to a rocket, Bruno K. created a wonderful atmosphere in different rooms to create on a premium level an Art Center for Kunstverein Ingelheim. The building consists of several rooms (spanning many floors) in which Bruno K. depicts his installations in different themes but mostly related to soldiers and guards. For instance, he organized the basement with an Utopic name Apollonia (just opposite the fascinating Olga!) with a huge rocket (of which you can only see the bottom part) and the rest with various equipments from the military. The content is pretty artistic, even down to the smallest details; he  arranged a sound systems room in which you can hear melodies from old Western movies. Yet, the sound effects are not the only contributors to the impact of the exhibition: the artist also makes use of very compelling lighting effects.

If you want to experience a disruptive artistic style with a beautiful collection of installations, please visit Bruno K.’s exhibition which will take place in an extraordinary, inspiring and last but not least very unusual and unique environment. — Sorry I cannot join the opening today because I had to leave already to get back to Istanbul. Enjoy and be inspired.Dankeschön. Tschüss. Perhaps I will have a “come-back” quite soon!

 

Value Art+VCom | ValueCheck Bruno k. Ingelheim.002

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Photos/Animation: Andreas Weber, Edition Value Art+Com

 

 

Deutsche Fassung (Übersetzt von Andreas Weber)

Für mich war der Zeitpunkt gekommen, meine Abreise aus Mainz vorzubereiten. Dazu gehörte, noch einige Orte in der Region zu sehen, die bislang fehlten. Zufall oder nicht, Andreas Weber hatte die Idee, eine kurze  Fahrt nach und durch Rheinhessen zu unternehmen, um währenddessen die Zeit meines Aufenthaltes, die damit verbundenen Erfahrungen und die Ergebnisse unserer Projektarbeiten im Rahmen meiner Erasmus Internship abschließend zu besprechen.

Auf unserem Weg durch die wunderbaren Landschaften Rheinhessens, durchfuhren wir einige Orte und landeten (für mich unvermittelt) in Ingelheim. Wir hielten an einem besonderen Gebäude an, das wie eine Mischung aus Weinlager und Weinfabrik aussah. Dort trafen wir Bruno K. alias Bruno Kleber, einen Künstler, der eine für mich disruptive Art und Weise pflegt, Kunst zu schaffen. Und das seit über 30 Jahren. Die jetzige, hiesige für mich überraschende Ausstellung “Saalwächter 20/14 — Eine skulpturale Intervention”, die vom 11. September bis 12. Oktober 2014 im neuen temporären Ambiente des Kunstvereins Ingelheim stattfindet, verändert die Räumlichkeiten, indem sie transformiert werden. Und das in einer Art und Weise wie ich das noch nie sehen konnte.

Als erste Besucher einer Ausstellung, die noch nicht eröffnet, also noch “under construction” war, konnten wir beeindruckende Installation sehen. Und wir konnten persönlich mit Bruno K. sprechen, der sehr charmant, voller Ideen und humorvoll ist. Im Zentrum: Eine Weinabfülllagerhalle, nun Raketenbasis — die Werk- und Arbeitsräume werden in eine wundervolle Atmosphäre versetzt, die alle Räume erfasst und künstlerisch transformiert. Damit erreicht der Kunstverein Ingelheim aus dem Stand heraus das Premium-Niveau eines “Art Centers”. Das Gebäude verfügt über zahlreichen Räume (über mehre Etagen verteilt), die Bruno K. mit unterschiedlichen Themenideen bestückt, um- und ausgestaltet. Oft mit Versatzstücken aus dem Soldatenmilieu und Militärbereich. Zum Beispiel widmet er in der grossen Halle unter dem utopischen Namen “Apollonia” (gegenüber der faszinierenden Figur der Olga!) in eine Ragte mit Abschussbasis um, wobei man nur den ganz unteren, kleinen Teil der Rakete sehen kann. Alles ist umgeben mit militärisch anmutendem Equipment. Jedes Detail stellt aber einen künstlerisch geprägten Inhalt dar, verstärkt durch Sound Systeme, die zum Beispiel Melodien von alten Western Filmen wieder geben. Es bleibt aber nicht nur bei Klangeffekten, der Künstler setzt mit hohem Geschick die unterschiedlichsten wirkungsstarken Beleuchtungseffekte ein.

Es lohnt sich diese disruptive Kunstauffassungen, das disruptive Kunstschaffen mit einer wundervollen Sammlung von Installationen im Raum (und in einem Ensemble von Räumen) im Detail zu erkunden und zu erleben. Bruno K.’s Ausstellung wird der außergewöhnlichen, inspirierenden und letztlich ungewöhnlichen sowie einzigartigen Umgebung gerecht. — Sorry, dass ich nicht selbst bei der Eröffnung dabei sein kann. Ich musste schon nach Istanbul reisen. Genießen Sie es und lassen Sie sich inspirieren. — Dankeschön. Tschüss. Vielleicht bin ich ja bald wieder zurück!

 

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© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Photos/Animation: Andreas Weber, Edition Value Art+Com

 

 

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Eröffnungsrede von Andreas Weber
am 14. Dezember 2013 im Kunstverein Eisenturm, Mainz

 

Premiere der besonderen Art: Eisenturm wird zum Kunstraum!

„Schwindende, du kennst die Türme nicht.
Doch nun sollst du einen Turm gewahren
mit dem wunderbaren
Raum in dir. Verschließ dein Angesicht.
Aufgerichtet hast du ihn
ahnungslos mit Blick und Wink und Wendung.
Plötzlich starrt er von Vollendung,
und ich, Seliger, darf ihn beziehn.
Ach wie bin ich eng darin.
Schmeichle mir, zur Kuppel auszutreten:
um in deine weichen Nächte hin
mit dem Schwung schoßblendender Raketen
mehr Gefühl zu schleudern, als ich bin.“

Aus: Sieben Gedichte, Gedicht Nummer 4, von Rainer Maria Rilke, verfasst zw. 14. Oktober und 9. November 1915, Ort unbekannt

Meine Damen und Herren, willkommen im Reich der Transformation. Der Eisenturm wird heute zum besonderen, anderen Ort. Vergessen wir für einen Moment, dass wir uns hier versammelt haben, um eine Kunstausstellung zu eröffnen. Lassen wir uns ein in den Dialog mit dem Leben, unserer Vergangenheit und Zukunft. Unserem eigenen Sein. Der Veränderung durch Kunst. Der Neugeburt in uns selbst.

Der Eisenturm ist nunmehr ein Kunstraum. Perfekt ausgestattet, mit Dingen, die es in dieser Kombination und Konstellation noch nie zuvor gab. Sorgsam, geradezu minutiös ausgerichtet. Man muss in kleinen Dingen exakt sein, damit es im „Großen Ganzen“ stimmt. — Meine Anregung: Verschließt den Eisenturm. Ändert nie mehr etwas.

Sucht Euch ab nun andere Räume für Wechselausstellungen.

„ES IST!“

Warum?

Weil – wie noch nie zuvor – sich zwei Künstlerseelen, die sich zuvor nicht kannten, hier vereinten und gemeinsam ihr kreatives Talent nutzten, um etwas KOSTBARES zu schaffen, dass stark und kraftvoll, aber auch zart und zerbrechlich zugleich ist. Und archaisch-modern unsere Vorstellungskraft neu auszurichten hilft. Handle with care – der Name ist Programm. Gehe sorgsam mit den Dingen, dem Sein, der Natur, den Gedanken und Gefühlen um. Fange an, Dich mit Dir selbst zu beschäftigen, indem Du Gedankenfetzen, Impulse, Beobachtungen, Assoziationen, Gefühle, Zweifel, Wut und Irritation unbeirrt und nie nachlassend visuell und haptisch für uns alle erfahrbar machst.

„Ist das ein Bild?“, fragte gestern Dr. Treznok, als er ein Werk von Christine Laprell zum ersten Mal sah. Seine Irritation provozierte eine wunderbare Debatte über Herz und Sinn der Ausstellung: Was nehmen wir wahr, weil wir es wahrnehmen wollen? Nicht wie ES IST, sondern wie wir es haben wollen. —— Ist eine Leinwand, die mit Farbe, Papierfetzen, Blättern, Schriftkritzeleien und anderem lückenhaft befüllt ist, tatsächlich ein Bild?

HA! Ein Bild ist ein Bild. Ein Bild muss kein Gemälde sein. Und eine Skulptur muss nicht aus Holz, Marmor oder Metall gegossen werden. Und ein narratives Gemälde als Erzählstück braucht schon gar keine Leinwand. Plastikfolie, also Kunststoff, zum Beispiel ist doch viel besser. Und liefert zudem Transparenz.

Kunst-Dinge, wie wir hier in unserem neuen Kunstraum Eisenturm sehen, können sprechen. Ohne etwas reden zu müssen. Non-verbale Kommunikation ist ungemein mitteilsam.

Die Bilder an der hohen Wand könnten zum Beispiel folgendes „sagen“:

„Mein Leben ? ! : ist kein Kontinuum! (nicht bloß Tag und Nacht in weiß und schwarze Stücke zerbrochen ! Denn auch am Tage ist bei mir der ein Anderer, der zur Bahn geht; im Amt sitzt; büchert; durch Haine stelzt; begattet; schwatzt; schreibt; Tausendsdenker; auseinanderfallender Fächer; der rennt; raucht; kotet; radiohört; ‘Herr Landrat’ sagt: that’s me!) ein Tablett voll glitzender snapshots.“

Arno Schmidt, Faun, 1953.

Oder die Plastikfolien-Bahnen unter der Empore unseres Kunstraums säuseln lyrisch-verwirrend:

„Dein Kopf ist ein Turm

mit strahlentanzenden Linsen.

Die geübte Hand weiss es oft viel besser

als der Kopf.

O Dichter!

Willst Du den Moder einer Gruft schildern

und gebricht es Dir dabei

an der so nötigen Inspiration,

kauf Dir einen Camembert,

und ab und zu daran riechend,

wirst Du können.

Gedicht von Paul Klee, 1906, Titel: Dein Kopf ist ein Turm

Hören Sie es es auch, das lyrische Säuseln meine Damen und Herren? Falls nicht, stelle ich fest, dass uns völlig unbewusst ist, was uns bewusst sein sollte oder könnte.

Die menschliche Wahrnehmung und Erinnerung läuft stark fragmentiert ab. Man nennt das auch das „musivische Dasein“. Wie erlange ich Zugang zur Sprache des Unbewussten? Wie kann ich sie aktiv gestalten?

Diese Fragen scheinen nunmehr beantwortet. Denn: Unser heute, zum 14. Dezember 2013, neu geschaffener und wunderbar inthronisierter Kunstraum der Mainzer Kunstverein-Eisenturm-Galerie, zeigt uns dies durch das Werk und Wirken der beiden Künstlerinnen Christine Laprell und Petra Jung.

Beide führen uns als Mainzer und Rheinhessen zurück an wichtige Eckpunkte unserer Geschichte, die unserer Wahrnehmung und unserer Erinnerung entrückt, also unbewusst geworden sind.

Oder erinnern Sie sich an das Jahr 1951?

An die Vergabe des Großer Literaturpreis der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz?

Wer war 1951 der Preisträger der im Jahr 1949 von Alfred Döblin gegründeten, noch heute erfolgreich aktiven Akademie? — Nun, ganz einfach ein Jahrhundert-Denker, Provokateur und Schriftsteller, der hier in unserem Kunstraum sogar noch posthum omnipräsent ist. Durch sein Schreiben, seine Text und die Wirkungsmechanismen, die seine verschriftlichte Sprachgewalt auslösen. Petra Jung trägt dies in sich, indem sie als naturkundige, reisebegeisterte und wache Beobachterin, Sammlerin organischer Materialien und Kunstschaffende verinnerlicht hat, worum es dem Preisträger von 1951 geht. Und Christine Laprell, in Deutsch und Kunst ausgebildet, macht dies zum täglichen Bestandteil ihrer Werke, indem sie dessen Texte und Sprachfetzen reflektiert und in ihrer ganz eigenen Art bildnerisch umsetzt.

Und, auf wen bezieht sich Christine Laprell? Wen meine ich? 

Zugegeben, meine Damen und Herren, ich mag Sie ein wenig in die Irre geführt haben. Eingangs zitierte ich ungenannt Rainer Maria Rilke, Sieben Gedichte, Gedicht IV, aus dem Herbst 1915. „Dein Kopf im Turm”, stammt aus dem Jahr 1906 von Paul Klee. Aber, die Sequenz mit „Herr Landrat“, „That’s me”, „glitzender snapshots“ stammt vom IHM, aus dem Jahr 1953.

Ich selbst kam mit IHM als 12jähriger in Kaiserslautern in Kontakt. Bei einer Szenischen Uraufführung, die der Künstler Prof. Eberhard Schlotter mit meinem Vater Wilhelm Weber in der Pfalzgalerie am 13. Mai 1971 veranstaltete. Bilder von Schlotter und Texte von Schlotters Freund Arno Schmidt. Schlotter hatte Mitte der 1950er Jahre Arno Schmidt vor den Attacken der katholischen Moselmanen gerettet, indem er ihn von Kastell im Saar-Mosel-Gebiet ins evangelische Darmstadt rettete. Arno Schmidt war durch seine sprachlich freizügigen Seelandschaft mit Pocahontas wegen Gotteslästerung und Verbreitung unzüchtiger Schriften angeklagt worden. Das Verfahren wurde im liberalen Darmstadt eingestellt. — Warum erzähle ich das, hier und heute?

Arno Schmidt steht für eine Symbiose aus traditionellem Erzählen (vorwiegend aus einer dominanten Ich-Perspektive) und avantgardistischer Schreibtechnik. Er hat sich mit schwierigen Themen auseinandergesetzt. Rebellierte gegen die Adenauer-Zeit. Setzte sich intensiv mit der Psychoanalyse von Freud auseinander, die er auf die Literatur übertrug. Es ging ihm um den Vorgang:, das sich das Unbewusste nicht nur in Bildsymbolik ausdrückt, sondern auch sprachlich in einem „eigenen Schalks=Esperanto“ aus AmphibolienWortspielenAssonanzen, usw., um neben der manifesten Bedeutungsebene gleichzeitig auch – meist sexuelle – Nebenbedeutungen auszudrücken.

Christine Laprell wendet nunmehr das Prinzip der Umkehrung an: Sie verwandelt sprachlich-schriftliches wiederum in Bildsymbole und Bildaussagen. So vielfältig die Text- und Sprachassoziationen sind, so vielfältig ist ihre bildnerische Ausdrucksweise. Es entsteht ein interaktiver Prozess von fulminanter Bedeutung. Und in dieser Interaktionslust und -befähigung fühlen sich Christine Laprell und Petra Jung im Herzen und im Geist aufs engste verbunden.

Aber Fragen wir doch die beiden Künstlerinnen direkt; damit, meine Damen und Herren, steigen wir in einen kurzen Dialog mit den Künstlerinnen ein, damit ich hier nicht vor Begeisterung im Kunstraum-Rausch zum Dauerredner und Alleinunterhalter mutiere.

Meine erste Frage:

Was verbindet Euch? Bzw. vielleicht kann Christine Laprell kurz schildern, was sie am Werk von Petra Jung fasziniert? Und umgekehrt?

Meine weiteren Fragen: 

Wie kam Christine Laprell zur Literatur, vorzugsweise Arno Schmidt?

Wie kam Petra Jung zum variantenreichen Umgang mit ausgefallenen organischen Materialien, die als Objekte erscheinen und von grafischen Arbeiten begleitet werden?

Und last but not least:

Was macht dieses Ausstellungserlebnis so einzigartig?

Welches sind Eure persönlichen Highlights?

Hinweis:
Impressionen von der Eröffnung mit Dietmar Gross und Andreas Weber sowie Diskussion mit den Künstlerinnen aus YouTube:

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Video der Reden von Dietmar Gross und Andreas Weber sowie der Diskussion mit den Künstlerinnen zur Eröffnung auf YouTube

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Video zum Making-off der Ausstellung auf YouTube

http://youtu.be/SMCLxgGMTsY

 

Fotoimpressionen von Andreas Weber, 13. Dezember 2013

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Foto: Dr. Ying Lin-Sill, Mainz

 

Eröffnungsansprache am 26. September von Andreas Weber,
Kurator der Ausstellung “Kunst zu(m) Sterben” in der Rathausgalerie, Mainz.

Kunst zu(m) Sterben. — Warum dieser Titel? — Warum die Klammer um das kleine „m“?

Kunst hat die Aufgabe, zu vermitteln.

Kunst steht für sinnstiftende Wahrhaftigkeit.

Kunst ist Kommunikation, gerade für Themenbereiche, die allzu gerne ausgeklammert, tabuisiert, ignoriert werden.

Kunst ist das Universum der Künstler, also der Kunstschaffenden, ebenso wie das der Kunstliebhaber.

Kunst entwickelt unsere Kultur weiter, pflegt den Umgang miteinander und den Umgang mit unserem Leben in all seinen Facetten.

Sterben bezeichnet den Übergang vom Leben zum Tod.

Beides, Kunst und Sterben, sind zentrale Bestandteile menschlichen Daseins. 

Das Ziel des Daseins beschreibt Friedrich Hölderlin im Fragment „Hyperion“ wie folgt:

 „Eines zu seyn mit Allem, was lebt!

Eines zu seyn mit Allem,

das ist Leben der Gottheit,

das ist der Himmel des Menschen.“

An anderer Stelle heisst es im Hyperion weiter:
„Wir bedauern die Toten, als fühlten sie den Tod, und die Toten haben doch Frieden.“

Der Tod ist rational und absolut begreifbar; er schafft Fakten. Punktum. Wir haben gelernt und Rituale entwickelt, um mit dem Tod umgehen zu können. — Das Sterben hingegen ist zwangsläufig, heterogen, unvorhersehbar und rational wie emotional nicht steuerbar. Sterben berührt die Lebenden.

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Warum steht beim Ausstellungstitel das kleine „m“ in Klammern? 

Es führt unser Vorhaben in dieser Ausstellung weit hinaus über die seit Jahrhunderten in den Religionen begründete Vorbereitung auf den Tod. Spätmittelalterliche lehrhafte Erbauungsschriften titulierten als Ars Moriendi oder Ars Bene Moriendi; sie waren gesetzt als Kontrapunkt zur „Ars Vivendi“.

Doch solche „Moral Subjects“ pass(t)en ins Mittelalter, aber nicht mehr in die Neuzeit, die uns Sicherheit, müheloses Altwerden, ewige Jugendlichkeit vorgaukelt. Fast wird uns sogar noch die Unsterblichkeit in Aussicht gestellt.

Die Botschaft der in der Mainzer Rathausgalerie von Valy Wahl bereits genannten und mit ihren Werken versammelten Künstler ist eine weiterführende. 

Es war uns als „Kuratoren“ (welche schönes Wort, heisst es doch „Pfleger“, „Vertreter“, abgeleitet vom lateinischen „curare: Sorge Tragen, sorgen um…“,  weil es zu den Aufgaben des Palliativnetzwerks passt,), es war und ist uns wichtig, eine Brücke zu schlagen zwischen künstlerischen Werken und ihren Botschaften für uns alle, die wir Leben und zwangsläufig dem Sterben entgegensehen.

Die Aufgabenstellung für die teilnehmenden Künstler aus den Bereichen Malerei, Grafik, BuchObjektKunst, Skulptur, Fotografie/Grafik, Tanz und Performance sowie im Rahmenprogramm auch Musik, Literatur und Kabarett lässt sich wie folgt beschreiben:

Welche Einsichten vermitteln Künstler aus allen relevanten Kunstgattungen auf drei zentrale Fragen zum Thema

  1. Leben: Warum und wo kommt es her, wie schätze ich es zu leben? Wie lebe ich mit dem Bewusstsein des Vergänglichen, um in Würde aus dem Leben treten, also sterben zu können?
  2. Sterben und die Angst davor… — Tatsache ist: Ich werde sterben. Wie sterbe ich, wie und wann setze ich mich mit dem Thema Sterben auseinander?
  3. Helfen — Hilfe:  Brauche ich Hilfe bzw. wenn ich Hilfe in Anspruch nehme, wie wird mir geholfen?

Ein Spezialthema steht noch offen, und würde hier den Rahmen sprengen:

Welche Konzepte und Realisationen für Räume zum Sterben bietet die Architektur für Hospize und Palliativ-Stationen in Krankenhäusern etc.

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Meine Damen und Herren, Sie sehen, die Komplexität des Themas „Kunst zu(m) Sterben“ ist weit höher, als man erwartet. Bei unseren Vorbereitungsarbeiten haben Valy Wahl und ich noch weitere, tief gehende Aspekte entdecken können: Durch die eingeladenen Künstler und ihre Wertvorstellungen von Leben und Sterben, die in ihren Arbeiten Ausdruck finden.

Elfie Clement lässt uns per Video-Installation an höchst intimen und subtilen Erfahrungen teilnehmen, die sie innerhalb von 7 Tagen am Sterbebett der Mutter machte. Sprachlos und umgeben von Stille zeichnete sie zu unterschiedlichen Tageszeiten immer wieder Gesicht, Mimik, Leid und Erlösung der Sterbenden. Die feine Strichführung vibriert mitunter. Eindrücklicher kann der Übergang vom Leben zum Tod kaum erfassbar sein.

Wolfhard Tannhäuser hatte zu seinem Bild „Pendel“ ein männliches Modell gewählt, das zum Zeitpunkt des Malens vom Tod gekennzeichnet war, ohne dies zu wissen, und kurz nach Fertigstellung des Gemäldes verstarb. Diesem Momentum des Zufälligen stellt Wolfhard Tannhäuser die normative Kraft des Faktischen zur Seite. In „War Memorial — I believe in Syria“ dokumentiert er persönliche Eindrücke aus Damaskus, kurz vor Ausbruch des Bürgerkrieges: Ein riesiges Wandplakat zeigt den syrischen Präsidenten mit froher Botschaft! Im Zuge der kriegerischen Ereignisse kommen als schmale hohe Streifen mit fetzenartigen Motiven, Todesanzeigen hinzu, wie sie unter syrischen Christen üblich sind, um das Sterben und den Tod von Angehörigen zu betrauern.

Fee Fleck, die lebenslang gegen das Vergessen oder besser: gegen das  in Vergessenheit geraten, eintritt, reduziert in plakativ-eindrucksvoller Art und Weise unser Dasein auf den Ausgang: „La Morte“ entstand im Rahmen ihrer Zyklen und Arbeiten zu Ingeborg Bachmann, deren literarisches Schaffen Fee Fleck als von Liebe, Sehnsucht und Tod geprägt sieht. Insofern trifft flächige Malerei auf kalligrafische Elemente. Der Schriftzug La Morte tritt Relief-artig hervor. Morte bedeutet sowohl Tod als auch Abgang. Die Farbsymbolik von Weiß kann Licht, Reinheit, Weisheit bedeuten; in asiatischen Kulturen steht Weiß auch oft für Tod!

Ulrich Heemann bezieht sich mit der inszenierten Fotografie „Selbst“ unmittelbar in sein Werk ein. Die Darstellung kann höchst subjektiv ausgelegt werden. Als Momentaufnahme, hier, im Jetzt und Sein. Oder als Aufbruch in eine neue Welt, die über das Leben hinausgeht.

Fast stoisch fasst der in Mainz geborene und in Berlin lebende Künstler Stör, übrigens der Jüngste in der Riege unserer Künstler, das Thema Sterben auf. In dem eigens für unsere Ausstellung angelegten Werk „Entzweit“, eine überdimensioniert angelegte Malerei mit Aquarell und Acryl, entdecken wir eine lang hingestreckte, leidende, zerschundene, magere Kreatur. Das Bunte des Lebens ist dahin, ebenso wie Proportionen und Verhältnismäßigkeiten. In seiner Stille berührt es die Skizzen-Arbeiten von Elfie Clement auf sonderbare, denkwürdige Art und Weise.

Und vor allem, es führt zur Bildhauerarbeit von Achim Ribbeck, „Unter den Weiden“, gefertigt aus Ulmenholz, teilweise mit Acryl bemalt. Wir sehen einen Nachen – wie wir ihn aus der Antike kennen, den Charon steuert, um den Styx auf dem Weg zum Hades zu überqueren. In den Nachen ist eine menschliche Figur eingezwängt ist, geradeso wie Shakespeares Ophelia aus Hamlet. Ophelia leitet sich als Name vom griechischen Wort für „Hilfe“ ab. Im Hamlet wird sie als Holdselige über den vermeintlichen Wahnsinn des Geliebten und den Tod des Vaters selbst wahnsinnig und ertrinkt, treibend in einem Bach… Im Werk von Achim Ribbeck finden übrigens Boot und Mensch einen deutlichen Niederschlag (was die Auswahl für die Ausstellung nicht einfacher machte…). Stets bleibt offen, ob das Boot der Rettungspunkt oder Ausgangspunkt für Verderben und Tod ist.

Ihre Eindrücke im Hier und Jetzt mit dem Blick zurück nach vorne teilt auch die aus China stammende Künstlerin und Kunstwissenschaftlerin Dr. Ying Lin-Sill mit uns. Im Rahmen einer ganzen Reihe von Mainz-Motiven aus den letzten drei Jahren entstand im Sommer 2013 – mit Blick auf unsere Ausstellung – das Gemälde „Ying‘s Nightmare“, zu deutsch „Yings Albtraum“. Am Beispiel der szenisch überhöhten Darstellung des großen Mauerwerks zu Füssen der Mainzer Kupferberg-Terrasse mit den Rundfenstern, die als Gitter den Davidstern aufweisen, wird uns subtil gezeigt, wie bei uns mit dem Holocaust umgegangen wurde. Der zu Pferd sitzende Heilige Martin wendet sich ab, das infernalische Leid und gewaltsame Sterben unzähliger Menschen nimmt seinen Lauf.  — Am Rande sei darauf hingewiesen, dass kaum einer von uns Mainzern je bemerkt hat, wie die Fensteröffnungen am Mauerwerk vergittert sind!

Siehe die Videoanimation auf YouTube:

Valy Wahl setzt, wie sie selbst sagt, darauf, Hoffnung oder Verwirrung zu stiften. „Der Gesang der Frösche“, meisterlich in Valy‘s ureigener Lack-Druckfarben-Malerei als Viertafelbild angelegt, inszeniert die eigentlich friedvollen Frösche als wahre Monster. Unser Dasein ist nicht nur von Schönheit und Liebe geprägt, sondern auch von Leid, Schrecken und Gewalt. Leben und Tod sind Partner, die durch das Sterben einen Bund eingehen. Übrigens: In fasst allen Weltkulturen spielt der Frosch eine Rolle. Er symbolisiert Fruchtbarkeit und Erotik sowie auf spiritueller Ebene die Verwandlung.

Kunst zu(m) Sterben wird zur Metamorphose, die eine Transformation unserer Existenz von der einen Welt in eine andere beschreibt.

Diese Metamorphose, dieser Übergang wir auch durch die ausgestellten Werke des Schweizer Bildhauers Pi Ledergerber erfahrbar. 1994, also vor fast zwanzig Jahren, startete er ein Experiment. Wochenlang lebte er in Finnland, in einem Seengebiet, abseits jeglicher Zivilisation in einer Blockhütte mit Saune, See und Ruderboot. Kein Mensch weit und breit, was durchaus bedrückte und ängstlich machte. Pi Ledergerber sammelte besondere Steine, jene Findlinge, die aus der Natur kommen. Er bearbeitete sie als Bildhauer und legte sie in die Natur zurück. Wir freuen uns, einige der Findlinge, die er mitbrachte, auszustellen, sowie Fotos aus dem Ursprungsjahr, die er vor Ort aufgenommen hat. — Das Leben kommt aus der Natur und geht in die Natur zurück, so seine Botschaft.

„Natur“ ist auch das Thema eines vollendet gestalteten Kassettenwerks von Hermann Rapp, das in der Hochvitrine ausgestellt ist. Seine BuchObjektKunst greift literarisch hochstehende Texte auf, in diesem Fall das Goethe zugeschriebene, von Tobler verlegte Fragment Natur, illustriert und kommentiert sie, setzt druckt sie vollendet in alter Manier. Das Textfragment beginnt wie folgt. „Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen – unvermögend aus ihr herauszutreten, und unvermögend tiefer in sie hineinzukommen. Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf und treibt sich mit uns fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arme entfallen.“ –– Hermann Rapp setzte auf die Mitwirkung der Kunstwissenschaftlerin Ursula Weber, die Goethes Text und Hermann Rapps Werk in den Kontext grosser künstlerischer Leistungen stellt.

Ursula Weber, meiner Mutter, widmete Hermann Rapp das eigens für unsere Ausstellung geschaffene Werk „Adieu Ursula – Auf den Tod einer Freundin“. — Quasi mitten in den Vorbereitungen der Ausstellung „Kunst zu(m) Sterben“ trat für mich und uns der Ernstfall ein. Meine Mutter starb überraschend am Spätnachmittag des 7. August 2013, gerade an dem Tag, als Valy Wahl und ich zwei unserer Künstler in deren Ateliers in Rheinhessen besuchten, um die letzten Exponate auszuwählen.

Hermann Rapp nahm Ursula Webers Tod und ihre Besetzung per Baumbestattung auf dem Gonsenheimer Waldfriedhof zum Anlass, per hochformatiger Druckgrafiken die Trauergesellschaft zu skizzieren. Fast archaisch, von Betroffenheit und Demut erfasst, wird der Abschied aus der Welt und der Einzug in die Natur für uns alle erfahrbar. –– Beigefügt ist den kostbaren Druckgrafiken ein Sonett von Michelangelo, ins Deutsche übersetzt von Rainer Maria Rilke sowie Anmerkungen von Hermann Rapp zum Werk für die verstorbene Freundin. –– Die Anfangsverse des Sonetts lauten:

Des Todes sicher, nicht der Stunde, wann,

Das Leben kurz, und wenig komm ich weiter.

Den Sinnen zwar scheint diese Wohnung heiter,

der Seele nicht, sie bittet mich: “stirb an.”

Aber lesen sie selbst. Wie sie auch bitte sich selbst ein Bild von den Exponaten der Künstler machen. Fassen sie bitte die Ausstellung nicht einfach nur als Kunstausstellung auf. Sondern als Appell, sich mit dem zentralen Thema unseres Daseins, dem Sterben, aktiv und konstruktiv auseinanderzusetzen. Und nutzen Sie die Kunst und die Botschaften der Künstler als Ratgeber, zur Orientierung und Lebenshilfe. Ebenso und im Kontext mit den vielen engagierten Fachkräften des Palliativnetzwerk Mainz, denen ich danken möchte, die Initiative für dieses Projekt ergriffen und unser Projekt hier im Mainzer Rathaus, unterstützt vom Kulturamt, möglich gemacht zu haben.

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Epilog

Wir haben im Vorfeld mit vielen hundert Menschen über die Ausstellung und ihr Thema reden, diskutieren und per Facebook und Twitter kommunizieren können. Das ist einmalig. Und wir werden den Verlauf der Ausstellung dokumentieren (lassen Sie sich überraschen!), ebenso wie von der Finissage am 6. November 2013, um 18 Uhr. Dann wird als Schlusspunkt Peter Grosz mit Ensemble die Theater-Aufführung „Zeiten alter aus“ darbieten. Sie sind alle herzlich eingeladen.

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Video-Mitschnitt der Rede von Andreas Weber

Valy Wahl Rede 26092013 Kunst zum Sterben

Foto: Andreas Weber, Mainz

Eröffnungsansprache am 26. September von Prof. Valy Wahl,
Kuratorin der Ausstellung “Kunst zu(m) Sterben” in der Rathausgalerie, Mainz.

Ich hatte die Ehre, die Arbeit des Palliativnetzwerks vorzustellen. Idee war, durch Aussagemöglichkeiten der Bildenden Kunst den Inhalt und das Programm des Palliativnetzwerks in die breitere Öffentlichkeit zu bringen.

Von Herrn Mayer wohl angeregt, wurde eine Ideenskizze über einen längeren Zeitraum zur strengen Arbeit. Danken möchte ich  Andreas Weber, der mir half mit dem schwierigen Thema Sterben und Kunst umzugehen. Titel und Konzeption zu finden, war nicht einfach, da die Inhalte nicht festgeschrieben waren. Einige Gespräche mit den Mitgliedern des Netzwerks waren nötig und sehr fruchtbar.

Danken möchte ich hier den Künstlern, die spontan ein oder zwei Werke zur Verfügung stellten. Das ist Fee Fleck mit „La Morte“,  Ulrich Heemann mit „Selbst“, Achim Ribbeck mit „Unter den Weiden“,  Wolfhard Tannhäuser mit „Pendel“ und „War Memorial  — I believe in Syria“,  Dr.Ying Lin-Sill mit „Ying´s Nightmare“, Pi Ledergerber mit seinen „Finnischen Findlingen” und von Hermann Rapp „Natur“.   Speziell für diese Ausstellung wurden  neue Werke geschaffen, von Hermann Rapp „Adieu Ursula – Auf den Tod einer Freundin“, von Philipp Pieroth, genannt –der Stör- „Entzweit“, sowie wurde „Abschied“ von Elfie Clement durch Andreas Weber zur Videoinstallation verarbeitet. Hoffnung oder Verwirrung stiftet der „Gesang der Frösche“ von mir.

Die Hommage an Pina Bausch, mit dem Modern Dance Projekt „Generationenübergreifendes“, hat der Ausstellung den Atem eingehaucht, dafür danke ich ganz persönlich Dörte Wessel-Therhorn, ihren Kolleginnen mit ihren Tanztruppen, die spontan mit Leichtigkeit unser schwerstes Objekt, das Boot mit Figur, hier im Rathaus, zu Wasser brachten, um unsere Ausstellung zu vervollständigen; und man sieht: „Das Rathaus lebt.“

Besonderer Dank gilt Herrn Fellhauer und seinem Team. Danke für ihr Fingerspitzengefühl bei der Inszenierung dieses Raumes mit dem Thema „Kunst zu(m) Sterben”.  Danke Dir, liebe Elfie, für Deine Energie zur Perfektion. Andreas Weber berichtet nun über die ausgewählten Exponate.

Danke!

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Video der Eröffnungsrede von Valy Wahl auf YouTube

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