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Tag Archives: digital lifestyle

#ThinkPaper Quo Vadis Print&Paper

 

Von Andreas Weber, Head of Value

#Think!Paper — Edition 2, Vol. 6 | Hinweis: Der Beitrag erscheint in der Print-Version in DRUCKMARKT Ausgabe 120.

Moderne Digitaltechnologien ermöglichen, das Individuum und den individuellen Nutzen in den Fokus zu stellen. Dadurch wurde ein neues Szenario eröffnet, geprägt vom „Ich. Jetzt. Hier. Sofort.“ Smartphone- und Tablet-Nutzer kennen das von Anfang an. Printmedien-Nutzer erfahren das Schritt für Schritt. Denn die Digitaltechnik im Print ist ausgereift und eroberte sich eine Spitzenposition unter den Medientechnologien.

Der Wandel wird durch neue Anwendungen und kreative Print-Konzeptionen deutlich sichtbar. Bis dato war es wichtig und ökonomisch alternativlos, Print als Massenmedium einsetzen zu können. Je höher die Auflagen, umso günstiger der Stückpreis in der Fertigung. Der Fokus lag stets auf optimierten Herstellungskosten. 

Der Blick auf bestmögliche Wirkungsmöglichkeiten von und mit Print geriet dabei ins Hintertreffen. Ebenso wie die Sorgfalt, Inhalte, Design und Papier sowie neue Verfahrenstechniken bestens aufeinander abzustimmen. Doch gerade das macht den Erfolg von Print im Digitalzeitalter aus. Und hilft ganz entscheidend, Print als Medium auf Premium-Niveau zu positionieren.

 

Video Animation: Andreas Weber.
Fotos: Mondi, Studio Beryll, Michael Braun.

 


Zwischenspiel: Papier trifft Print trifft Zeitgeist!

Papier ist geduldig. Stimmt! — Mediennutzer sind ungeduldig. Warum? Befragt man junge Leute, die mit dem Smartphone in einer mobilen Welt aufwachsen, so stellt man fest, dass es gegen Printmedien kaum Vorbehalte gibt. Vorausgesetzt, Inhalte sind relevant, weil maßgeschneidert (Stichwort: Customization) oder sogar selbst erstellt. 

Über den Einsatz von außergewöhnlichen Papieren kann sogar echte Begeisterung geschaffen werden. Geschätzt wird vor allem, dass Drucksachen in Besitz genommen werden können. Man hebt sie sogar gerne auf, wenn sie mit Liebe und Sorgfalt gemacht wurden. Daten dagegen kann man nicht besitzen, man kann sie nur verwalten, so die Erkenntnis. 

Überprüfen kann dies jeder von uns in seinem persönlichen Umfeld. Im Kreise meiner Familie und Freunde habe ich einen Test gemacht. Mit Nichten, Neffen, Patenkindern im Teenageralter. Alle haben regelmäßig Kontakt mit Print. Und alle wissen zu differenzieren: Informative, massenhaft hergestellte Drucksachen wie Prospekte, Werbesendungen etc. sowie Zeitschriften und Zeitungen stießen auf wenig bis gar kein Interesse. Bücher, Verpackungen, Postkarten und Poster aber umso mehr. Ebenso wie individualisierte Druckprodukte, vom Bierdeckel bis zur Tapete. Am höchsten zeigte sich die Freude über ungestrichene Papiere. „Das fühlt sich gut an, weil so natürlich“, lautete das Urteil. Recycling und Reduktion von Verpackungsmüll haben ebenfalls bei den Jungen einen hohen Stellenwert.


 

Auch wenn mein persönlicher ‚Test‘ keinesfalls repräsentativ ist, so liefert er doch wichtige Indikatoren und Erkenntnisse, die sich mit denen decken, die man von Papierspezialisten erfahren kann. In meinem Fall mit Experten des Geschäftsbereichs Mondi Uncoated Fine Paper aus der Mondi Group (kurz: Mondi), dem Marktführer bei Digitaldruck-Papier und Spezialist für ungestrichene Papiere, die digital und/oder im Offsetdruck verwendet werden können. Neben Büchern, Magazinen und Corporate Design stehen Innovationen bei der Verpackung im Fokus.

Türöffner für Papier-Genuss

„Unsere Erfahrungen mit jungen und kreativen Zielgruppen zeigen deutlich, dass gerade über Social Media Plattformen – in unserem Fall schwerpunktmäßig Instagram und Facebook – großes Interesse für Papier auf Premium-Niveau geweckt werden kann“, sagt Markus Widmer, Team Lead Customer Experience bei Mondi Uncoated Fine Paper in Wien. Über Bilder und Kurztexte wird das Erlebnis im Umgang mit Papier fokussiert. Daraus entstehen wichtige Neukontakte und konkrete Leads für das Zusenden von Mustern, Informationen oder Event-Einladungen. Hinzu kommen Podcasts zu B2B-Themen.

 

 

Um die Vorzüge von Papier im Digitalzeitalter umfassend anschaulich zu machen, startete Mondi seit dem Jahr 2017 eine besondere Initiative: Um das Premium-Papier Pergraphica in voller Bandbreite erfahrbar zu machen, wurden nicht nur ein Showbook (mit dutzenden Beispielen) und Feelbook (zum ‚Begreifen‘ der Haptik) sowie ein Swatchbook (Musterbuch) produziert, sondern auch ein Fotokunst-Band der besonderen Art: „Vienna Stories“. Im Team mit dem in Wien geborenen Autor, Regisseur und Fotograf David Rühm sowie engagierten Designern, Vorstufen- und Farbspezialisten, Druckern und Buchbindern entstand ein einzigartiges Werk, dass alle Register der Druckkunst im Digitalzeitalter zieht. Und es zeigt, wie die komplexe Zusammenarbeit von der Idee bis zur Realisierung optimal gestaltet werden kann. 

Das Buch wurde wie ein Film respektive ein Filmdrehbuch angelegt. In 12 Szenen wird nicht nur das Erleben der Heimstadt Wien durch den Künstler David Rühm inszeniert, sondern auch die Möglichkeiten, per Print unnachahmliche Erlebnisse zu schaffen. Alle möglichen Finessen von Drucktechnik und Weiterverarbeitung, die die Intention des Autors David Rühm unterstützen, werden aufgeboten: Stanzungen, Prägungen, UV-Lackierungen mit Reliefeffekten, Applikationen, Panoramadarstellungen durch Ausklappen, das Mischen von Digital- und Offsetdruck sowie ein Design, dass brillante Fotos, Illustrationen, handschriftliche Notizen, und kurze, lesenswerte Texte zu einer Einheit formt. Da Vienna Stories im DIN A4-Überformat und querformatig angelegt ist, können sich beim Betrachten durch Aufklappen buchstäblich neue Horizonte auftun.


Foto von Zsolt Marton

Foto: Mondi

INFOBOX

Premium-Papier für Perfektion im Print

PERGRAPHICA wurde 2015 als neue Premium-Papiermarke für Offset- und Digitaldruck vorgestellt. Es entstand ein Portfolio an Premium-Papieren, um der Kreativ- und Druckindustrie neue Möglichkeiten zu verschaffen, damit Print zum echten Erlebnis werden kann. Das Credo: Die Wahl des Papiers ist nicht nur ein Detail von vielen — sondern es muss Differenzierungen ermöglichen. Papier erweckt Ideen zum Leben und verleiht der kreativen Arbeit taktile und emotionale Dimensionen.

PERGRAPHICA soll mit unterschiedlichen Färbungen, Haptiken und Grammaturen inspirieren und bietet drei Farbtönen: High White, Classic und Natural, alle in den taktilen Empfindungen Rough und Smooth. Neu, speziell für Buchpublikationen, ist Pergraphica Ivory Rough 1.5. Darüber hinaus kann man aus einer Vielzahl von Grammaturen auswählen. Neu zu den Weißtönen ist das Schwarz — Infinite Black genannt — hinzugekommen. Hochwertige kreative Druck- und Verpackungsmaterialien, um z. B. Einkaufstaschen, Geschenkboxen, Covers oder Beilagen in sanfter Haptik und sattem Schwarz zu entwickeln. Den Veredelungsideen sind kaum Grenzen gesetzt: z. B. bei Faltschachteln, dem Prägen oder Lackieren, gerade auch wenn lebensmittelechtes Papier benötigt wird.

Für die internationale Fachmesse RosUpack wurde eine Infinite Black-Sammelbox erstellt, um die vielfältigen Möglichkeiten für kreative Lösungen zu demonstrieren. Eine tief-schwarze Tasche mit schwarzen Griffen aus Seidenband trägt die Sammelbox. Die Box selbst enthält fünf innere Musterboxen, mit Veredelungsmöglichkeiten wie Folienprägen, selektivem UV-Lack oder Siebdruck. Zur Übersicht wurde ein Informationsblatt in Weiß auf Schwarz (!) gedruckt. Es beschreibt alle verwendeten Papiermaterialien sowie die verwendeten Druck- und Veredelungstechnologien für die gesamte Sammelbox.

PERGRAPHICA gibt es in den Grammaturen 90, 100, 120, 150, 240, 300 g/qm sowie in den Formaten 64 x 90 und 72 x 102 cm; Sonderformate auf Anfrage. Bezug über den Fachhandel.

Kontakt

Für Auskünfte steht Stephanie Kienapfel, Team Lead Professional Printing Papers at Mondi Paper Sales, Wien zur Verfügung. Telefon: +43 1 790 130. Web-Adresse: www.pergraphica.com

Foto von Zsolt Marton

Stephanie Kienapfel bei der Vorstellung des Vienna Stories-Buch in Wien. Foto: Mondi.


Keine Effekthascherei, sondern neue Erlebniswelten bieten!

„Das ist Weltklasse! Und bringt mir als Fan von Special Effects im Print totale Freude“, stellt Günter Thomas bei der Begutachtung von Vienna Stories fest. Der Gründer und Chef von GT Trendhouse42 in Gelsenkirchen ist international für seine exklusiven Spezialitäten im Druck bekannt. Seine Welt kennt bis dato nur hochwertige Spezialeffekte per Flexo-/Offsetdruck, oft in Verbindung mit Folien-Prägungen, auf gestrichenen Papier erzielen zu können. „Spannend ist für mich zu sehen, wie bei Pergraphica mit ungestrichenen Papieren super Ergebnisse erzielt werden können. Das habe ich so nicht erwartet“, führt Günter Thomas weiter aus. „Ich bin ziemlich neugierig auf Ergebnisse, wenn wir künftig damit experimentieren können.“

 

 

Diese Begeisterung von Günter Thomas kommt nicht von ungefähr. Mondi setzt in Marketing und Vertrieb auf Customer Experience und hat ein qualifiziertes Spezialisten-Team aufgebaut, das europaweit auf anspruchsvolle Druckereien zugeht, vor Ort informiert, Fachgespräche führt und Anregungen aufgreift. „Das passiert nicht alle Tage: Auf den Hunkeler Innovationdays in Luzern entsteht am 27. Februar spontan die Idee, dass Mondi am Beispiel von Pergraphica den Nutzen von Premium-Papieren auf einem unserer Kreativ-Workshops für junge Designer vorstellt. Und keine 10 Tage später, am 8. März, findet der Event bei uns im Hause schon statt“, freut sich Jeroen van Druenen, Geschäftsführer von Jubels print&more in Amsterdam. 

Jubels hat sich international einen Namen gemacht und seit mehr als einer Dekade per Digitaldruck hochwertige und innovative Produkte und Lösungen kultiviert. Die Wahl der Papiere erfolgt immer sorgsam und mit Bedacht: „Premium im Print muss auf viele Facetten setzen — von Multichannel-Einbindung zur Personalisierung bis zu Sonderfarben und -effekten per Digitaldruck. Unabdingbar ist aber die Premium-Qualität beim Papier. Das sehen nicht nur wir so, sondern auch unsere Kunden, viele davon Markenartikler. Insofern freut es uns, dass Mondi sich als solider, innovativer und kompetenter Partner für Premium-Print-Lösungen zeigt“, ergänzt Jeroen van Druenen.

Lukrative kommerzielle Vorteile

„Premium-Papier trägt entscheidend zur Differenzierung im Print bei — eine Chance, die Druckereien unbedingt wahrnehmen sollten“, ist sich Bernhard Cantzler, Head of Marketing & Innovation bei Mondi Uncoated Fine Paper, sicher. Das bedeutet für Druckereien ein Umdenken. Papier wird von den meisten als hoher Kostenfaktor angesehen, der stetig steigt. Doch gerade hierin liege die Chance, bei den Kunden der Druckereien zu punkten, wie Bernhard Cantzler ausführt: Eine „billige“ Drucksache sei dann extrem teuer, wenn sie ihren Zweck nicht erfülle und mehr oder weniger direkt im Abfall landet, ohne beachtet zu werden. Bei Massenauflagen kann das Prinzip „weniger ist mehr“ helfen. Ansonsten sticht als Trumpfkarte das Prinzip „Klasse statt Masse“. Maßgabe für Mondi sei daher, Papiere wie Pergraphica anzubieten, die hybride Druckproduktionen möglich machen, indem höhere Auflagen im Offsetdruck mit Individualisierungen oder auch Spezialeffekten durch Digitaldruck zu kombinieren.

Übrigens: Ein neues, hinreißend-ungewöhnliches Kochbuch des Brandstätter Verlag Wien setzt auf diese Differenzierungsmöglichkeiten mit Pergraphica Natural Rough. Und das bei einem erschwinglichen Preis von 30 Euro pro Buch. Titel: „Asado“. Ort der Buchvorstellung war das Genusswirtshaus in Göttlesbrunn, Österreich, von Adi Bittermann, der das Werk mit den Co-Autoren Franz Größing, Jürgen Kernegger und Leo Gradl realisierte. Die Fotos stammen von Thomas Apolt. 

Autoren, Fotograf und Verlag verbinden ihre gemeinsame Leidenschaft für das Grillen über offenem Feuer – kurz „Asado“ –, für das es nicht mehr braucht als zwei Ziegelsteine, einen Rost und viel Glut. Das gewählte Papier war ideal, um die Intention des Buches im Druck umzusetzen und Appetit zu wecken. Kulinarisches und Print als Dream-Team: Die Qualität des „Materials“ muss stimmen. Denn erstklassige Zutaten sind ein Muss. Und schaffen unvergessliche Erlebnisse. 

Mein Fazit

Auch im Zeitalter der Digitalisierung gilt, wir als Menschen bleiben analoge Wesen. Wie am Beispiel von Innovationen wie Pergraphica deutlich und unwiderlegbar zu erkennen ist: Premiumpapiere stellen aus meiner Sicht die wichtigste Schnittstelle dar, um mit Hilfe modernster Digitaltechnik im Print einzigartige Erlebniswelten für Menschen als Leser oder Nutzer zu eröffnen. 

 


 

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Bernhard Cantzler, Mondi Uncoated Fine Paper, Wien. Foto: Mondi

KURZINTERVIEW 

Perspektiven im Print: Customization ist Trumpf

Mondi Uncoated Fine Paper unterstützt die von Andreas Weber gestartet #Think!Paper-Initiative. Ziel ist es, eine neue Debattenkultur für Print im Digitalzeitalter zu schaffen und ein globales Expertennetzwerk zu gründen. Im Zentrum steht die Frage: Was kann Print leisten, um die Transformation im Digitalzeitalter zu beflügeln? Seitens Mondi gibt als Experte Bernhard Cantzler Auskunft zu drei zentralen Aspekten:

Was ist das Besondere von Print im digitalen Zeitalter?

Gedruckte Kommunikation ist in Bezug auf Personalisierung ebenso flexibel wie digitale Kommunikation. Das Zauberwort lautet: Customization. Print wird im Reigen der Medien von vielen immer noch als zuverlässiger und vertrauenswürdiger angesehen. Darüber hinaus ist es eine natürliche ‚digitale Entgiftung‘ und unterstützt das tiefere Denken.

Alles im mobilen Zeitalter ist extrem schnell. Warum ist die Anpassung von Innovationen der Digitaldrucktechnologie scheinbar so langsam?

Langsam ist relativ… Ich würde sagen, dass Drucksacheneinkäufer und ihr Fokus auf einen möglichst niedrigen Einkaufspreis pro 1000 Exemplare der Schlüsselfaktor sind. Wenn diese Käufer Kampagneneffizienz kaufen würden, würden sie vielleicht weniger drucken, aber die Inhalte per Digitaldruck personalisieren. Sie würden tatsächlich ‚Kampagneneffektivität‘ erwerben, wenn Print und Online optimal zusammenwirken können.

Was sind die Haupttreiber für ein leistungsfähiges und erfolgreiches Druckerei-Unternehmen heute und welche wird es in Zukunft sein?

Basierend auf dem, was ich oben geäußert habe: Stoppen Sie den Verkauf von Druckfarbe auf Papier. Beginnen Sie mit dem Verkauf von werthaltigen Kommunikationsergebnissen, Kampagnenergebnissen, reduzierten Contact Center-Anrufen pro Kunde oder anderen wertorientierten KPIs, die der Druck unterstützen kann.

 


 

Impressionen: Von der Kreation zum Druck 

 

 


 

Über den Autor

Andreas Weber begleitet als Wissensarbeiter/Advisor die Kommunikation mit Medien — geprägt durch eine Vorliebe für Print-Innovationen im Digitalzeitalter. 

Bis dato hat er über 500 Innovations-/Transformations-Projekten realisiert, diverse Lehraufträge wahrgenommen (u.a an der School of Visual Arts/NYC, Hochschule Liechtenstein, Hochschule RheinMain) und Vorträge in über 30 Ländern gehalten. 

Sein Blog valuetrendradar.com (ISSN-zertifiziert) inspiriert Entscheider aus mehr als 150 Ländern.

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Was bringt dem Kunden eine Marke?
Was fordert eine Marke dem Kunden ab?

Überlegungen von Andreas Weber, Head of Value | English Version

 

Marken schwärmen: „Wir schaffen Erlebniswelten für unsere Kunden.“ 

Die Frage, die sich mir stellt, lautet: Treffen Marken noch das Momentum, was Kundenbedürfnisse, oder besser: die Kundenbefindlichkeit, tatsächlich ausmacht? Oder führt eine zunehmend forcierte Brand Experience-Attitüde nicht am Ziel vorbei — schafft mehr Frust als Lust?

Vorbemerkung: Von den Besten lernen! — Bevor sich die Eingangsfragen beantworten lassen, tut ein Blick zurück nach vorne gut (’Back to the Future’). Apple ist ein Paradebeispiel, von dem wir lernen können. Mitte der 1990er Jahre im Dauertief, fast nahe der Pleite, gelang der Turnaround. Heute ist Apple seit Jahren die wertvollste Marke der Welt. Wie konnte das gelingen? — „Communication first“ war ein zentrales Statement des legendären Steve Jobs beim ‚Apple confidential meeting‘ am 23. September 1997. 

Mit der kurz darauf gestarteten, unendlich erfolgreichen „Think Different“-Kampagne leitete er einen gewaltigen Umbruch in der Industriegeschichte ein, um mit dem iPhone 10 Jahre später die Schallmauer zu durchbrechen. Apple macht seitdem einen höheren Pro-Kopf-Gewinn als die meisten Unternehmen Pro-Kopf-Umsatz. 

Jobs betonte, dass Produkte, Marketing und Distribution wichtig seien, stellte aber die ‚Smart Communication‘ über alles und machte sie zur Chefsache. Mit seiner iPhone-Präsentation am 9. Januar 2007 erzielte er ad-hoc einen Zugewinn von rund 1 Milliarde US-Dollar (Media-Coverage, Aktienkurszuwachs) ohne das Produkt schon verkaufen zu können. Der Kniff: Jobs führte das neue Gerät bis ins Detail persönlich vor und hat sich damit mit seinen Kunden und ihren neuen Erlebnismöglichkeiten identifizierbar gemacht. 

Das Credo: Smart Communication rückt die Customer Experience ins Zentrum und machte den Vorreiter Apple bis dato zur Premium-Marke Nummer 1. Als iCEO war Jobs zugleich auch ein engagierter Chief Communication Officer, um seine Vorstellungen Teil der DNA von Apple, seiner Partner und v. a. seiner Kunden werden zu lassen. Ein Prinzip, dem andere Unternehmen wie z. B. Berkshire Hathaway durch Warren Buffett oder Virgin durch Richard Branson vermutlich ebenfalls ihren Erfolg verdanken. 

 

 

Apple hat sich aus meiner Sicht mit Abstand als fähigstes Smart Communication-Unternehmen profiliert. Mit maximaler Loyalität bei Kunden rund um den Globus. 

 


Persönliche Anmerkung: Die Erfahrung kann jeder machen, der ein Apple Produkt kauft — so wie ich gerade den neuen iMac 27’’ mit Retina 5K Display und MagicTrackpad: Von der (Online-)Beschaffung inkl. Leasing bis zur Lieferung frei Haus, der kinderleichten Inbetriebnahme (allein das Auspacken des iMac ist ein Designerlebnis!), bis zu der iCloud-Anmeldung unmittelbar folgenden Welcome-Email von Apple — die Profi-Support anbot, der sogleich aufs Beste erfolgte — wurde in kürzester Zeit der neue Computer Teil meiner persönlichen Erlebnis- und Arbeitswelt. Mit wunderbaren Überraschungen dank zahlreicher Technik-Innovationen und Qualitätsmerkmalen auf höchstem Niveau. In Summe: Benchmark!


Fragen wir uns also:
Was unterscheidet Customer Experience von Brand Experience?

Von den besten lernen: Schaut man genau hin, verfolgen neben Apple auch andere der wertvollsten Marken der Welt ein ähnliches Prinzip: Google, Facebook, Amazon, Uber und Airbnb — alles überaus erfolgreiche Unternehmen der neueren Zeit, die das Customer Experience-Prinzip verinnerlicht haben und praktizieren. Von Experten wird gerne angeführt, der Erfolg liege am überlegenen innovativen Plattform-Geschäftsmodell. 

Aus meiner Sicht stimmt das zwar, weil exponentielles Wachstum möglich wird: man ist in der Lage, Millionen und Milliarden von Kunden direkt anzusprechen; aber Geschäftsmodell-Innovationen wie auch neue Digital-Technologien sind ‚nur’ Mittel zum Zweck — und per se keine Erfolgsgaranten.

Wir müssen also das Andere denken — Think different!

 

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Überlegung 1

Entscheidend ist, die Innovations- und Technologie-Mechanismen so auszunutzen, dass Dialoge respektive Konversationen mit Kunden in Echtzeit entstehen, um für die Perfektionierung von Services und Produkten nutzbar zu werden, die sich am individuellen Bedarf des Kunden ausrichten. Smart Communication stellt das sicher!

Überlegung 2

Die Marke selbst steht nicht mehr im Zentrum, sie wird quasi zum gemeinsamen Vehikel von Unternehmen und Kunden. Aus Mass Marketing wird Mass Customized Marketing. Legt man wie die Mehrzahl der etablierten Markenunternehmen den Fokus auf Brand Experience, um über die möglichst starke Strahlkraft der Marke per Mass Penetration Kunden zu beeindrucken und so zum Kaufen zu bewegen, kann man im besten Falle noch Kosten decken, aber kaum noch profitabel organisch wachsen oder zweistellige Margen erzielen.

Überlegung 3

Die Realität ist zwangsläufig: Kunden fühlen sich mehr und mehr enttäuscht, wenn Marken offensichtlich den persönlichen Kontakt zu Ihnen verloren haben. 

 



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hat in seiner aktuellen Studie „Reinventing Loyalty: The New Loyalty Experience“ (Herbst 2017) herausgefunden, dass 75 Prozent der CMO’s zugeben, dass bei Kunden-bindung/Kundenzufriedenheit Verbesserungsbedarf besteht bzw. dass sie gar nicht wissen, was ihre Kunden eigentlich beschäftigt. „This clearly demonstrates that CMOs feel that there is huge room for improvement when it comes to implementing the new loyalty dimensions.“


Die neuen ‚Loyalty Dimensions’ fußen meines Erachten auf ‚alten‘ gemeinsamen Wertvorstellungen, geprägt durch Vertrauen, Zufriedenheit, Verbundenheit (relatedness), die auch den Kern von Smart Communication ausmachen. 

In diesem Kontext zu beachten: Die üblichen ‚digitalen‘ Transformations-Bestrebungen führen am Ziel vorbei, da nicht Customer Experience, sondern die Optimierung unternehmensinterner Prozesse erfolgt, die dem Unternehmen Aufwand und Kosten sparen, den Aufwand beim Kunden aber drastisch erhöhen. Persönliche Rückfrage-Möglichkeiten von Mensch zu Mensch sind dann allzuoft kaum noch möglich.

 

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Überlegung 4

Um Unzufriedenheit und Loyalitätsverlust bei Kunden zu vermeiden, bedarf es aus meiner Sicht nicht unbedingt einer veränderten Qualifikation, sondern der Änderung des Auftrags der Marketing-Verantwortlichen. 

Warum?

  • Brand Experience legt den Fokus auf „buying“ und benutzt überwiegend kostspielige Medien und Kreativ-Leistungen Dritter (wobei wie Nielsen in Deutschland als Premiummarkt in Europa für das Jahr 2017 vermeldet, die Brutto-Werbeausgaben zum Teil rückläufig sind, trotz hohem Wachstum bei Mobile-Advertising). Die entsprechenden Strategien und Maßnahmen zielen darauf ab, Kunden ständig, fast wie auf einer Treibjagd, mit Werbebotschaften zu befeuern, anywhere, anytime. Sog. Bonusprogramm dynamisieren die Hetze erheblich.
  • Aber: Customer Experience setzt dagegen auf „serving & satisfying“ v. a. durch Direktkontakte und Dialoge. Customer Experience folgt dem Prinzip des ‚Listen & Learn‘. Die Echtzeit-Erfassung der Kundenerlebnisse wird genutzt, um Produkte und Services stetig zu verbessern. Kommunikation und Transaktion werden dabei so eng wie möglich, am besten nahtlos, verzahnt. — Credo: It’s all about interaction and relatedness by smart communication.

Überlegung 5

Das Brand Experience Prinzip führt nicht mehr weiter. Mit einer individuell zugeschnittenen Smart Communication-Architektur, die Customer Experience-fokussiert ausgestaltet wird, lassen sich Kundenbefindlichkeiten und Erwartungen am besten decken. Im Fokus: Great Conversations!

Wenn man die für Apple so erfolgreiche Smart Communication-Strategie systemisch strukturiert, aufs eigene Unternehmen adaptiert sowie im Detail das Wesen der Smart Communication exakt versteht, wird man extrem rasch auf individuelle Kundenbefindlichkeiten eingehen können. Es bleibt nämlich gar keine andere Wahl! ‚Communication first‘ geht dann einher mit ‚Customer benefits first‘.

 


 

Handlungsanweisungen 

  1. Think different! Stelle Deine aktuelle Branding- und Customer Experience-Strategie auf den Prüfstand und diskutiere Deine Erkenntnisse mit anderen.
  2. Überdenke und hinterfrage kritisch den Wert der gegenwärtigen Kommunikationspraxis in Deinem Unternehmen (gerne mithilfe des ValueCheck Fragenkatalogs).
  3. Listen & Learn: Verstehe und nutze die Insights, die mein White Paper zu „Smart Communication“ bietet, inkl. konkreten Handlungsanleitungen und Organisation-Modellen.
  4. Gerne stehe ich mit meinem reichen Erfahrungswissen für weitere Erläuterungen und Unterstützung zur Verfügung.

 


 

Über den Autor: Seit mehr als 25 Jahren engagiert sich Andreas Weber als international renommierter Business Communication Analyst, Coach, Influencer und Transformer. Seine Aktivitäten fokussieren sich auf ‚Transformation for the Digital Age’ via Vorträgen, Management Briefings, Workshops, Analysen & Reports, Strategic Advice. — Mit seinem Blog www.valuetrendradar.com inspiriert er Leser aus über 130 Ländern der Welt.

 


 

 


 

 

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Photos: Lufthansa

 

By Andreas Weber, Head of Value | German Version

Note: As a teenager, I made my first flight experience with Lufthansa. That was great! Over the next 45 years, I have had some ‘Ups & Downs’ with the Kranich Airline (also a few years as a premium customer with Lufthansa Senator status). — I watch relevant news as an analyst always highly interested.

With a big bang, millions in advertising revenue and full of fervor, Lufthansa is re-branding itself. At the heart of this is an elaborate re-design – above all the crane as its symbol – which according to estimates has taken at least seven years to be fully implemented.

According to Group CEO Carsten Spohr, the new brand world is the icing on the cake of modernization, he says with pride and joy. It works. Experts are not tired of holding forth about all the design aspects of the new brand identity. [The newspaper HORIZONT provides an overview].

However, the news channel n-tv rightly noted, with the help of media expert Thomas Koch, that whether the redesign will actually bring in new customers and give the business wings is debatable. According to Koch, it’s the customer who decides on the performance [quality] of the offer. A redesigned logo as a trademark is more incidental. 

Lufthansa’s head of marketing, Alexander Schlaubitz, emphasizes that it is about more than that [or even about everything!] As his Group CEO has said, Lufthansa needs modernizing. For corporate marketing, this means doing away with anything which cannot be optimally digitized in order to do justice to the digital transformation and mobile communication, right down to the last pixel. [See interview by Fabian Wurm].

 


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Photo: The Lufthansa logo since 1990.


 

This was actually something that the godfather of the design, Otl Aicher, had his eye on at the start of the 1960s when he created the crane as the trademark as part of a comprehensive CI. But his demand for clarity, conciseness and simplicity ruffled a few feathers at the time, and compromises had to be made in the tradition. Surprisingly, now, almost 60 years later, the results that have been reached hark back to Aicher’s original intentions. [Note: I became aware of this first-hand because I personally spent a few years working closely with Aicher on his Rotis typeface project and he often spoke of Lufthansa and other clients.]

NOTE: A great review of Lufthansa’s design was already published February 8th, 2018: Feeling Blue.


Much ado about nothing?

As is often the case, the customer’s experience of the brand is very different to how marketing assumed it would be. Lufthansa simultaneously sent out an email (presumably to all customer program members, in modified form also used as a manifesto by advertising motif), which is thought-provoking as it overdoes it with self-praise while in many staccato sentence fragments manage to forget possible customer benefits.

  • The introductory sentence starts with “We” (in terms of “We at Lufthansa” and not “We as a community”).
  • From the outset, the customer is stylized, to put it bluntly, as the “flight attendant”.
  • It is assumed that customers must follow the Lufthansa claim.
  • The advertised claim, in modern hashtag dexterity, #SayYesToTheWorld is laughably banal and implies that Lufthansa customers can best take off by being a yes-person.
  • Last but not least, the key visual in the email shows the tail fin of a plane, as if the person in question had just missed his flight…
  • And last but not least: It’s not personal! An option or even an active request for the email recipient to give immediate feedback to the modernized Lufthansa “outfit” by return is not included. What a shame. Or is it? Because this goes against the values that the digital world stands for in the social media age.
  • Note: It should be assumed that many hundreds of thousands of customers have received the email, in any case presumably significantly more than had received it at the time of the email being sent by re-branding via the media customers.

In my view, the “crassly modern” digital electronic mail-shot back-fired because it does nothing for the customers – instead it wants to create a good impression. This brings to mind unsettling experiences which, as a long-standing senator of Lufthansa, I was continually subjected to.

 


Better late than never: reverse the communication course!

If it really is about the Lufthansa brand (its self-image as being a “premium” brand) being brought into the digital age, Lufthansa’s thinking and mode of communication needs be changed radically.

In my view, these aspects should be considered:

  1. It is crucial that the innovation and technology mechanisms be made use of so that dialog or conversations with customers take place in real time, to serve the optimization of services and products so that they are aligned with the individual needs of the customer.
  2. The brand itself is no longer at the center, instead it becomes a kind of mutual vehicle for companies and customers. Mass marketing becomes customized mass marketing. If, like the majority of established brand companies, the focus is placed on brand experience, to impress customers using the hopefully strong charisma of the brand through mass penetration and thus motivate the customer to make a purchase, in the best case, costs can be covered but it is barely possible to make profit from organic growth or to achieve profit margins in double-figures.
  3. The reality is unavoidable Customers are increasingly disappointed when brands have clearly lost personal contact with them.

 


 

My take

Sometimes the stork appears like a swallow which has not yet brought the summer with it. To avoid dissatisfaction and loss of loyalty from customers, in my opinion, what is needed is not necessarily a change in brand identity but first of all a change in the mission and a change in thinking by those in charge. By acknowledging globalization, cosmopolitanism and curiosity”, a start has been made. – But at least, put the customer first! – This is all the more important since Lufthansa, according to its own statement, is starting the largest investment in advertising in the history of the company” – after the company had the best financial year in its history in 2017, with 130 million customers recorded.

Supplement

As of June 5, 2018 Lufthansa does not come from the negative headlines. An embarrassing mishap at a football World Cup spot for Russia as well as constant improvements in the redesign are already more than amazing. Sounds like intended, but not skillful. — By the way, who, as I recently observed a Lufthansa jet in the new look at the start, notes that even at low altitudes above the city with the naked eye does not recognize that its a Lufthansa airplane … It just lacks the yellow! Ouch!

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Lufthansa recently had to change the blue of its new livery because it was too dark (Photo: Lufthansa)

 


 

About the author

Andreas Weber has been working as an internationally renowned business communication analyst, coach, influencer and transformer for over 25 years. His activities focus on ‘Transformation for the Digital Age’ with lectures, management briefings, workshops, analyses & reports and strategic advice.

In his current ‘Think Paper’, Andreas Weber presents provocative thoughts on ‘Brand Experience vs. Customer Experience’. With the key questions: “What does a brand mean to a consumer? What does a consumer mean to a brand?”.

In case of interest, please send an email to receive the above-mentioned think paper: zeitenwende007{at}gmail.com

 

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“Beam me up, Scotty” — Transformation im Digitalzeitalter, lautet der Titel eines Webinars, mit dem Andreas Weber, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Value Communication AG im Team mit der PROKOM User Community ein für die Print-Branche entscheidend wichtiges Themenfeld eröffnet. Basis waren die Erkenntnisse aus dem gleichnamigen White Paper, das den Webinar-Teilnehmern zur Verfügung stand. — Anbei das Wichtigste aus der Präsentation mit praktischen Ratschlägen, wie man den Überblick behält und den Wandel im Griff hat.

Zitat:

„Die tägliche Reizüberflutung überfordert uns und macht uns fast panisch bewusst, dass der von den digitalen Techniken verursachte Wandel nicht mehr aufzuhalten ist. Kein Stein bleibt dabei auf dem anderen. Um die digitale Transformation kommt keiner herum.“ —Andreas Weber

Themen/Struktur:

  • Die Geheimnisse (und Besonderheiten) der Transformation
  • Rolle und Bedeutung im Kontext mit der Print-Branche
  • Lernen von den Besten (ausgewählte Beispiele)
  • Tipps und Tricks

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Intro: Handeln durch Wandeln!

Seit mehr als einer Generation wirkt sich die „Digitalisierung“ fulminant aus (unabhängig davon, wie man den Begriff ausgelegen mag!); unsere Lebenswelten und Lebensrealitäten gehen mit fulminanten strukturellen Veränderungen einher, bei immer kürzer werden Intervallen und einem durch die Globalisierung enorm steigenden Druck. Ein guter Zeitpunkt, um dich mit Transformation aus Sicht der Print-Branche zu beschäftigen. Denn: Gerade innovative Digitaldruck-Unternehmen stehen vor der Aufgabe, ihre Produktion um nachhaltige und zukunftsorientierte Marketinglösungen ausbauen.

1. Die Geheimnisse (und Besonderheiten) der Transformation als Kultur-Phänomen

Um es von Anfang an richtig zu begreifen: Transformation ist kein neuzeitlicher Begriff, er lehnt sich an das griechische METAMORPHOSES an und beschreibt sozusagen einen smarten Wandel. (μεταμόρφωσις, “Transformation, transformierend“, von μετα- (meta-), „Veränderung, Wechsel, Wendepunkt“ und μορφή (morphe), „Form“).

Evolutionsgeschichtlich nehmen Metamorphosen in der Natur und bei Lebewesen einen wichtigen Platz ein, um sich weiterzuentwickeln. Der Begriff Transformation steht immer im Kontext mit menschlicher Kultur. Und bezeichnet keinesfalls ein ausschließliches Ergebnis technischer Entwicklungen. Technisch gesehen, ist die Ausprägung bei der Bildbearbeitung durch das sog. Morphing fassbar, indem unterschiedlich Bilder verschmolzen werden zu einem neuen. Aus heutiger Sicht wird allzu leicht übersehen, dass bereits im Alten Orient die Babylonier eine Transformation des Handels einleitenden, als sie vor rund 3.500 Jahren begannen, Steintafeln zu nutzen, um ihre Angebote zu propagieren. Transformation stellt somit in erster Linie ein kulturelles Phänomen da, das die Menschheit geleitet und Innovationen im Zusammenleben ermöglicht hat.

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2. Rolle und Bedeutung im Kontext mit der Print-Branche

Einer der ersten, die der so verstandenen ‚Transformation‘ ein unvergessliches literarisches Denkmal gesetzt haben, war der französische Schriftsteller Victor Hugo. Hugo beschreibt im „Glöckner von Notre Dame“ von 1831 die Szene, als ein mittelalterlicher Mönch durch das Fenster seiner Schreibstube auf die Kathedrale blickt und nach der Kunde von der Erfindung Gutenbergs in Mainz kurz und prägnant vor sich hin spricht: „Ceci tuera cela!“ — Das Eine wird das Andere töten. Gutenberg hat mit seiner Erfindung des Druckens mit beweglichen Lettern die marktbeherrschenden Schreibstuben der Mönche überflüssig gemacht und letztlich die Neuzeit und das Informationszeitalter eröffnet. Technik war für Gutenberg nicht unwichtig, aber eben sekundär, da ein Mittel zum Zweck. Er wollte publizieren resp. seine kostbaren Publikationen möglichst gut verkaufen. Das hatte blitzartig Wirkung rund um die Welt und öffnete der Print-Branche die Tür, um fortan nachhaltig und bis heute die Kultur der Menschheit zu transformieren.

Insofern kommt der Print-Branche unverrückbar die bedeutende Führungsrolle bei Transformation zu, was übrigens die Auguren des 20. und 21. Jahrhundert im Silicon Valley besser verstanden haben als wir Europäer. Die US-amerikanische Wirtschaftselite würdigte Gutenberg im Jahr 2000 als ‚Man of the Millennium‘, da er als Mensch für andere Menschen etwas entscheidendes getan hat. Transformation im Digitalzeitalter bedeutet daher: Es geht stets um Mensch-zu-Mensch-Beziehungen. Das ‚Human-to-Human‘ ist wichtigstes Element von Social Media, IoT, AI, Big Data und anderem mehr, was die Jetztzeit und sicher auch die weitere Zukunft prägt. Kein Wunder also, dass die Print-Branche mit Beginn des Desktop-Publishings seit den 1980er Jahren und dem Motto „Jeder sein eigener Gutenberg“ die Umsätze weltweit auf über 700 Mrd. Euro steigern konnte und weitere Umsatzvolumina von über 3,5 Billionen Euro für andere Wirtschaftszweige generiert, die sich mit Datenaufbereitung für den Druck und Supply-Chain-Aufgaben u. v. m. beschäftigen. Es geht wie gesagt bei der Transformations-Wirkungsweise nur sekundär um (Druck-)Technik, sondern vielmehr um das Publizieren von Menschen für Menschen, um Erkenntnisprozesse nachhaltig zu etablieren.

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3. Lernen von den Besten (ausgewählte Beispiele)

Die Jetztzeit wird vor allem von GAFA geprägt (kurz für: Google, Amazon, Facebook und Apple). Also genau solchen Firmen, die an den Gutenberg’schen Erfinder- und Innovationsgeist anknüpfen. Das Novum: Transformation wird Teil des Geschäftsprinzips, das sich durch neuartige, durchgängige Innovations-Plattformen abbilden lässt.

Google digitalisiert u. a. Dokumente und Bücher dieser Welt, macht also Print-Inhalte digital zugänglich; Amazon startete sein Handels-Imperium mit dem Verkauf von gedruckten Büchern. Und steigt 2016 in das On-Demand- und Online-Print-Geschäft ein (Stichworte: Amazon Print+Posters sowie Amazon Custom). Facebook hat die News-Vorherrschaft übernommen, die bis dato den Medienhäusern lukrative Verlags-Monopole sicherten und bietet Anreize für Neueinsteiger, sich mit dem automatisierten Druck von Inhalten aus Facebook-Chroniken zu widmen. Und Apple steht im Verbund mit Adobe, Aldus und Linotype für die Pionierrolle im neuzeitlichen Print. Und ist dem bis heute treu geblieben. Am 23. September 1997 gab Steve Jobs den Startschuss für den Neubeginn von Apple als Multichannel-Innovator mit dem Launch der „Think Different“-Kampagne. Zugrunde gelegt wurde von Jobs die Philosophie des ‚Digital Lifestyle‘ etabliert, der an die kulturellen Werte der menschlichen Kulturentwicklung anknüpft. Mit dem Ziel, digitale Technologien intuitive nutzbar zu machen. Die Kernbotschaft: „Communication first, Products, Services second“. Seine Technologiekompetenzen stellt Apple schon lange nicht mehr zur Diskussion, es sind einfach die besten. iPod, iMac, iPhone, iPad, iTunes, iPhoto und anderes mehr wurden so zu Selbstläufern, weil die Nutzer keine Programmierkenntnis brauchten, um bis dato nicht Mögliches nutzen zu können.

Apple blieb dem Print immer treu, bis heute: Durch hochwertige Produktverpackungen, bei der Außenwerbung und nicht zu unterschätzen durch Digitaldruck für Premium-Fotobücher und Grusskarten. In Summe versteht es Apple wie kein anderes Unternehmen der Welt, die besten Websites/virtuellen Webstores, reale Flagship-Stores, Produkt- und Softwaredesign sowie Print zu Bündeln, um Kunden via Multichannel ein maximales Lifestyle-Erlebnis zu verschaffen. Der nachhaltige Erfolg als wertvollste Marke der Welt und maximal hohe Pro-Kopfgewinne geben Apple, Steve Jobs und seinen Nachfolgern recht. Und sorgen für ein Höchstmaß an Kundenbindung und Kundentreue, das anderen, die das so nicht können oder wollen, suspekt erscheint.

Für den Print-Sektor haben sich einige kluge Köpfe das Steve Jobs-Prinzip des digital Lifestyle zu nutze gemacht. So z. B. Peter Gunning, CEO von Grafenia plc., Manchester/UK, der ein Druckunternehmen, das sich auf Online Print spezialisierte, nunmehr erfolgreich durch nettl.com eine weltweite Ladenkette etabliert, die Web/Design-, Mobile-, E-Commerce-Services mit variationsreichen Print-Anwendungen kombiniert. Das Motto von Peter Gunning: „Print is Lifestyle“ begeistert Mitarbeiter wie Kunden und mich als Experten gleichermaßen. (Lesetip: “Grafenia reinvent print”) 

 

 

Stefano Cutello, Founder & CEO von PastBook, hat ein Start-up gegründet, das erfolgreich den Schulterschluss macht zw. Mobile / Social Media und dem Druck von Fotobüchern. Cutello ist willkommener Gast bei Events im Silicon Valley, wie bei der Mobile Connect 2016. Sein Motto/Claim: „Relive Your Memories. Automagically Created for You!“ — Siehe hierzu den ValueDialog „Great task by PastBook’s CEO Stefano Cutello: “Relive Your Memories. Automagically Created for You!”

Christian Kopocz mit seiner kleinen, aber feinen Firmengruppe in Lübeck (prindoz, Printmanufaktur und Buch-Handelsgesellschaft) ist ein einfallsreicher Unternehmer sowie Multichannel-Experte, der sich national und international für seine Sache im Team mit Kollegen aus aller Welt einsetzt. Er arbeitet in wichtigen Gremien mit, wie der XMPIE Users Group (als Executive Director) oder der PROKOM User Community (als EMEA-Board-Mitglied). Und er „erfindet“ grandiose Multimedia-Anwendungen, die Print auf Premium-Niveau mit maximalem Individualisierungsgrad ins Zentrum stellen.

Allen gemeinsam ist: Die genannten Beispiel-gebenden Vordenker sind Quereinsteiger im Print und nutzen Print, um Lebens- und Erfahrungsmomente aus der virtuelle Welt des Internets in die Realität zu überführen. Sie verharren nicht in höriger Technologie-Gläubigkeit (was viele Druckerei-Kollegen in die Pleite führte); denn Technologie verkauft nicht, sondern nur Werthaltigkeit. Die im Print Erfolgreichen entwickeln wahre Kreativität, die nicht nur linear weiter führt, was optimiert werden kann, sondern wahrhaft Neues erschafft. (Siehe auch die ValueAnalyse: “Wege aus dem Innovationsdilemma.)

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4. Tipps und Tricks – Guideline

„Transformation beginnt im Kopf. Und endet nach erfolgreicher Mission dort auch wieder!“ — Es ist Zeit für ein neues Denken, das sich von Technik-Gläubigkeit befreit. Auf dem Sektor der Artificial Intelligence, kurz AI, vollzieht sich dies am deutlichsten. Zum Beispiel durch „Machine learning to make human brains faster“. Denn Menschen und ihre Bedürfnisse sind das Maß aller Dinge. Social Media spielt eine wichtige, besser: zentrale, Rolle bei der Vermittlung zwischen technischen Innovationen und den menschlichen Bedürfnissen, um durch Publizieren und Interaktionen Erkenntnisprozesse in Gang zu setzen.

 

Folgende Checkliste als Guideline:

  1. Transformation spielt sich im Kopf ab.
  2. Lerne von den Besten.
  3. Transformiere Dich selbst!
  4. Wähle klug die relevanten Technologien plus die richtigen Innovationslösungs-Partner aus.
  5. Das Prinzip ‚De-construct—re-construct‘ muss Geschäftsmodell und Go-to-Market umfassen
  6. Kenne Dein Publikum bestens. (Bemühe Dich wenigstens ernsthaft darum!)
  7. Halte Deine Botschaften relevant und einfach!

Fazit: Meine Empfehlung lautet: Rücke ins Zentrum des Geschehens, werde zum Spielführer. Indem Du Transformation via Print-Kommunikations-Innovationen zugänglich machst — beflügelt durch einen nachhaltigen Multichannel-Ansatz. Es ist eigentlich ganz einfach…

 


Zum Autor:

Andreas Weber ist Gründer und CEO der Value Communication AG, Mainz. Sein Credo: „Am Anfang braucht man immer einen Masterplan, der sich am Vergangenen orientiert, um dann die neuen Vorgaben für die kommenden Jahrzehnte festzulegen. Wer vorankommen will, muss also zuerst zurück zu seinen Wurzeln!“

Andreas Weber ist Deutschlands führender Branchen-Analyst für Print und Experte für Innovation durch Kommunikation. Sein Motto: Beratung. Wissen. Vernetzung. Er hat Geisteswissenschaften an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz studiert und lebt und arbeitet dort seit 1978. 1987 entdeckte er die Kommunikation. Seitdem ist er als Kommunikationsmanager und Analyst, Verleger und Coach in der Branche tätig. — Schließlich wurde er zum Unternehmer und gründete mehrere Firmen in Deutschland und der Schweiz, zuletzt die Value Communication AG, die er als CEO leitet. Die Value Communication AG ist ein weltweit aktives Institut für Forschung und Wissensvermittlung.

Kontakt:

LinkedIn: https://de.linkedin.com/in/andreasweber

Blog (mit zahlreichen Fach-Kommentaren und White Papers): https://valuetrendradar.com

Twitter:

@zeitenwende007

@ValueCommAG

Bust the Silos: Convert the Virtual into Reality!.001

@ 2015 by Value Communication AG, Mainz/Germany. Illustration: Lidia Lukianova, SF Bay Area.

“My message according to all activities based on our disruptive Value Task: Just do it the smart way. Unify Social & Human-to-Human. Convert the virtual into reality. Never digitize anything which provides much more effectiveness through its analog existence!” –Andreas Weber

I was fascinated when Christian Kopocz informed me about the XMPie Users Group initiative to organize #XUG15EU in Berlin/Germany, the 1st. European Conference to think and talk about Multi-Channel Innovation. I have the honor to became a supporter and partner via my company Value Communication AG. And to be a key note speaker as well. Why? Because in the last years I struggled with all this ”Blablabla“ on „print is dead and for losers“, online resp. cross-media is the winner but has to be converted into omni-channel a.s.o. In most of the cases Old School candidates tried to adopt new buzzwords to demonstrate that they are modern and ahead. But they fail, specially traditional publishers, agencies and media service providers.

But even for me as an communication analyst it was a good learning to get involved via #XUG15EU. It made me rethink my analyst work I’ve done in the last 15 or 20 years. At that time we started to deal with VDP, personalization, individualization. Later on W2P and Online-Printing. But as we know today, none of this innovation tasks created mainstream effects. The Old School world is still there and and dominant.

WANTED: A Mind Shift! Think and act disruptive.

In fact I figured out that is not possible to optimize what we are doing successfully, so far. According to what they call „Innovators Dilemma“ our own success is our biggest enemy. So I created a „Disruptive ValueTask“ concept. Based on three main models:

  1. How to unify Social (Technologies) and Human-to-Human needs? — By three key success factors: 1. Reduce complexity. 2. Skip analog thinking in a digital world. 3. Practice that needs are the measure of all things.
  2. Cultivate and practice the BIG 5-C Value Communication Mechanism. — It is all about to synchronize and harmonize Content, Community, Creativity, Connectivity and Consumer&Brands in a new way.
  3. Understand and learn The Real Value of Communication. — It is beyond Digital Transformation leading us back and forth at the same time by Dialektik, Innovatik and Hermeneutik (which is dedicated to the sense of purpose).

To make all this happening we have to disrupt. So please follow my advice: 

  1. Multi-Channel Innovation depends on technologies but is headed by „Brainware“, not by soft- and hardware.
  2. We need a new philosophy to create a common understanding of how we manage Multi-Channel Innovation successfully. Any kind of innovations only push through if they are communicated effectively — especially in the field of B2B.
  3. Multi-Channel success is driven by interaction and diversity.

My Conclusion: Multi-Channel Innovation is a real challenge. Multi-Channel Innovation has to unify Social Technologies and Human-to-Human needs. Because needs are the measure of all things! And last but not least: Multi-Channel Innovation  leads to a sustainable digital lifestyle experience in a real world! — That’s it!

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LATEST NEWS: 

Benchmark! More than 130 attendees from 16 countries joined #XUG15EU on May 26, 2015 in Berlin.

Best-in-class: First resumee on air by Output Magazine, London

Amazing: Check Twitter as well, Hashtag #XUG15EU.
We created more than ONE MILLION (!) VIEWS in less than 30 hours!

First Comment on XUG15EU

@ 2015 by Output Magazine., London/UK

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