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ValueCheck Inkjet Printing.001

Von Andreas Weber, Head of Value 

 

Prolog

Mein nun auch im ValueBlog publizierter Beitrag zu Inkjet-Printing war redaktioneller Teil einer erfolgreichen Premiere in der Schweiz! Zur 25-Jahrfeier bietet Herausgeber Martin Spaar mit seinem Team die erste, komplett individualisiert im Inkjet-Druck hergestellte Ausgabe. 

 


 

Wir stehen also an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter der gedruckten Kommunikation. Denn was Individualisierung bringt und bewirken kann, erleben wir täglich im Web und speziell in den sozialen Netzwerken. Diese digitale Raffinesse verbunden mit der physischen Schlagkraft des Gedruckten hat ein riesiges Potenzial. —Martin Spaar 

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Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht von Herstellerseite den Druckereien versprochen wird: Inkjet-Printing ist das Maß aller Dinge und eröffnet neue Märkte und Profite. Stimmt das? Ja und Nein. 

Ja, weil das Inkjet-Verfahren nicht mehr nur auf das Bedrucken von Papier oder Karton abzielt und damit über Nutzungsmöglichkeiten im klassischen Druck hinausführt. Sogar das Bedrucken dreidimensionaler Gegenstände ist möglich, wie z. B. Heidelberger Druckmaschinen und Xerox mit neuen Systemen wirkungsvoll beweisen.

Nein, weil damit einher geht, dass es schlicht nicht stimmt zu behaupten, man könne mit Inkjet-Printing den Offsetdruck ablösen oder aus dem Stand heraus ganz neue Anwendungsbereiche für die Druckbranche erschließen.

Genau hinschauen und abwägen, ist zwingend notwendig, um einen Tanz ums Goldene Kalb zu vermeiden. Hier eine Auswahl meiner aktuellen Beobachtungen: 

  1. Inkjet-Printing für den professionellen, hochproduktiven Druck ist relativ neu. Erfolgreiche Anwender in der Druckbranche lassen sich bis dato mit wenigen Fingern abzählen. Bei allen war der Schlüssel zum Erfolg nicht der Fokus auf die Drucktechnik, sondern auf die Pre-Media-Prozesse sowie das Finishing/die Verarbeitung inklusive Logistik/Distribution. Bestes Beispiel: Peter Sommer und Elanders Germany in Waiblingen. (Siehe Lesetipp unten)
  2. Hohe Inkjet-Druck-Volumen, auf die sich Hersteller gerne berufen, laufen seit langem im Transaktionsdruck, da man hier IT-Kompetenz mit Automation der Verarbeitung und Distribution nahtlos gestalten kann. (Übrigens der Grund, warum ein Big-Player wie Pitney Bowes in das Vermarkten von Digitaldrucktechnik eingestiegen ist).
  3. Es werden von den Herstellern mit Inkjet-Printing fokussiert neue Kundengruppen ausserhalb der Druckbranche und des Transaktionsdruck angesprochen. Canon Europa ist der Vorreiter, in dem es im Zuge der Reorganisation nach der drupa 2016 einen neuen Geschäftsbereich gegründet hat: Die Canon Graphic & Communications Group führt u. a. die Kreativwirtschaft sowie zahllose Branchen wie Architekten, Handwerker etc. mit neuen Systemen ans Inkjet-Drucken heran.
  4. Seit der drupa 2016 zeigt sich, dass die Inkjet-Revolution bei den Herstellern ihre Kinder frisst. HP genügt sich selbst (und optimiert statt innoviert). Landa kommt nicht von der Stelle. Bobst hat eine Kehrtwende vollzogen und mit Gründung der Mouvent AG die Neukonzeption für Inkjet-Printing durch eine clevere Cluster-Technik und anderes mehr vollzogen. Und Heidelberg hat im Team mit Fujifilm durch Primefire eine neue bahnbrechende Plattform für Hochqualitäts-Inkjet-Printing entwickelt, die im anspruchsvollen Verpackungsmarkt für Aufsehen und Anerkennung sorgt. 
  5. Traditionsunternehmen wie die Durst Group haben sich neu aufgestellt: Mit der P5-Philosophie wird alles darauf ausgerichtet und optimiert, was die Leistung und Verfügbarkeit der Drucksysteme maximiert sowie eine beispiellose Flexibilität in der Medien- und Auftragsabwicklung zulässt. Übrigens waren die Durst-Innovationen ein Highlight auf dem Online Print Symposium 2018 in München. 
  6. Es haben sich ganz neue Anbieter still und leise in Stellung gebracht, die mit neuen Systemarchitekturen individuell konfigurierbare, modulare Inkjet-Printing-Produkutionsanlagen ermöglichen, wie zum Beispiel die Firma Cadis Engineering aus Hamburg zeigt. Cadis kann z. B. HTML-Daten drucken und verzichtet aufs Rippen.
  7. Der eigentliche Gewinner bei Inkjet-Printing ist derzeit ein Hidden Champ: Der Bücherdruck. Xerox Europe zeigte dies eindrucksvoll Ende März im Team mit Book on Demand GmbH in Hamburg beim #Books2018 Event. Eine riesige, automatisierte Druckfabrik erzeugt in Echtzeit bis zu 25.000 Book-for-One-Produkte pro Tag. Wachstumstreiber sind die Impika-Inkjet-Drucksysteme von Xerox mit ausgeklügelter Hunkeler- und Müller-Martini-Technik zur Verarbeitung. Der Clou: Eine neue Impika-Tinte, die ungestrichene Papiere problemlos und bestens bedrucken kann.
  8. Last but not least: Wenn von massiver Substitution gesprochen werden kann, dann ersetzen Inkjet-Printing-System (Bogen wie Rolle) am ehesten bestehende Toner-Digitaldrucksysteme.

Fazit: Beim Inkjet-Printing wird und muss sich noch viel tun. Wir stehen erst am Anfang. Und müssen neu Denken lernen, um nicht in die Innovationsfalle zu tappen: Indem wir fälschlicherweise davon ausgehen, Inkjet-Printing sei primär dazu da, das was wir ohnehin im Druck tun können, zu verbessern.

Es geht daher weniger ums ‚schneller, besser, billiger‘, es geht vielmehr ums ‚neu, zeitgemäß und anders‘, um die komplexen Kommunikations-Herausforderungen des Digitalzeitalters zu meistern. — Think different!

 


Zum Autor

Andreas Weber ist Gründer und CEO von Value Communication AG. Als Analyst & Berater für Erfolg mit Print im Digitalzeitalter ist er zugleich auch globaler Netzwerker und Publizist. Sein Blog www.valuetrendradar.com inspiriert Nutzer/Leser aus über 130 Ländern.


 

Lesetipp: Peter Sommer im ValueCheck

Peter Sommer, Digitaldruck- und Inkjet-Pionier, Elanders Group: „Das Elanders-Konzept ist nicht auf eine bestimmte Drucktechnik fixiert. Die zentrale Frage ist immer, was mit einem Produkt erreicht werden soll und wie es zum Empfänger kommt. Die Integration in die Supply-Chain beginnt bei der Beratung der Kunden und hört bei der maßgeschneiderten Logistik auf.“

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Illustrationen: Lidia Lukianova, SF Bay Area

 

Warum es sich lohnt, diesen Beitrag zu lesen:

1. Kaum eine Branche kommuniziert so schlecht wie die Kommunikationsbranche, allen voran die Spezialisten für Printkommunikation.

2. Die Kommunikationsfähigkeit leidet extrem darunter, dass die Kommunikationsbranche sich nur unzureichend über relevante Technologien und Innovation informiert bzw. austauscht.

3. Aktuelle ValueCheck!-Umfrage belegt: Fachliche Weiterbildung wird nicht als Notwendigkeit gesehen; die meisten machen weiter wie bisher und sind nichtmehr up-to-date.

 

Man kann nicht wissen, was man nicht weiss!

Die aktuelle ValueCheck!-Analyse bestätigt, was wir seit längerem vermuten: Die Adaption neuer relevanter Technologien und Innovationen verlangsamt sich im deutschsprachigen Raum zusehends. Investitionsentscheider aus der ersten und zweiten Führungsebene verfügen über zuwenig und kaum aktuelles Fachwissen zu neuen Technologien und Innovationen. Die Mehrzahl derer, die sich mit Innovationsthemen wie Social Media oder dem Digitaldruck beschäftigen, hat sich in ihrer Informations- und Wissensaufnahme nicht den modernen Zeiten angepasst:

  • Für die Themenstellungen notwendige Dienste wie Twitter werden kaum genutzt (nur 16 Prozent).
  • Schlusslicht ist Facebook mit 9 Prozent, das sich längst als Informations- und Interaktionsplanung für Wissensaustausch und Leadgenerierung etabliert hat (wie Beispiele aus Skandinavien, der Türkei oder den U.S.A. belegen).
  • Immerhin nutzen 39 Prozent der Befragten Web-Blogs als Informationsquelle, wobei Kommentarfunktionen der Blogs so gut wie nicht genutzt werden.
  • Nur weniger als ein Viertel (24 Prozent) profitiert von Onlinekonferenzen/Webinars, die einfach nutzbar und äußerst effizient sind, da zeitsparend.

 

Value Check 1-2014 Mediennutzung XING

 

Erhebungszeitraum: Januar und Februar 2014

Grundgesamtheit: Online-Befragung über Value Community „DigitaldruckForum“ auf XING (75 Entscheider) plus Tiefeninterviews (23)

Quelle & © 2014: Value Communication AG, Mainz | ValueCheck!

 

Traditionalisten mögen jetzt denken: „Ich habe es doch immer gewusst, dieser neue Digital-Firlefanz bringt nix!“ Das ist aber ein Trugschluss, wie die Tiefeninterviews des ValueCheck! ergeben:

  • Fachzeitschriften dominieren klar mit ihren Printangeboten. Weniger als 15 Prozent der befragten Empfänger von Print-Titeln lesen diese aber gründlich, das heisst pro Ausgabe 30 bis 60 Minuten. Die meisten schauen weniger als 3 Minuten drauf und legen die Ausgabe dann in die Ablage, das „Umlaufkörbchen“ oder ins Besucherzimmer.
  • Online-Ableger der Printtitel werden Mehrheitlich von Nicht-Print-Lesern genutzt, die dies aber nur sporadisch tun. Das heisst die Leser-Blatt-Bindung ist und bleibt ziemlich gering.
  • Die Twitterangebote von Fachzeitschriften werden kaum wahrgenommen, da zumeist nur die Headlines von Online-Posts getweetet werden und auf diese verlinkt sind; diese Tweets erfahren praktisch null Interaktion, da sie nicht ausreichend re-tweetet werden.

Neben den (kaum wahrgenommenen Fachzeitschriften mit ihrem stolzen Anteil von 79 Prozent sind Fachmessen mit 69 Prozent ganz vorne dabei. Hausmessen werden nicht mehr häufig genutzt (nur von 27 Prozent). Die Tiefeninterviews ergaben folgendes:

  • 77 Prozent gehen zu Fachmessen, um Kollegen zu treffen und sich unterhalten zu lassen, inkl. Essen und Trinken sowie Party-Programmen.
  • 63 Prozent gehen zu Hausmessen, weil sie sich dem Vertriebsmitarbeiter ihres Lieferenten verpflichtet fühlen.
  • Weniger als 20 Prozent sind in den letzten fünf Jahren beim Besuch von Messen auf neue Ideen gekommen, die unmittelbar zu neuem Geschäft geführt haben.

Mehr Wissen, besseres Geschäft?

Die aktuelle Situation in der Kommunikationsbranche und insbesondere bei Print zeigt ein Dilemma: Die meisten fühlen sich gut informiert, ohne aber tatsächlich die relevanten Informationen über Technologien und Innovation zu erlangen, die sie bräuchten, um profitables Wachstum zu erzeugen.

Die Tiefeninterviews ergaben zudem, dass der Zusammenhang zwischen Wissensaufnahme und Innovation des eigenen Geschäfts kaum erkannt wird (weniger als 15 % sehen das so). Da die Kommunikationsbranche naturgemäß Innovations-getrieben und extrem Veränderungs-abhängig ist, wirkt die Situation mehr als verfahren.

So sind zwar 82 Prozent der Befragten an Technologie-Innovationen interessiert. Gerade auch im Hinblick auf neue Geschäftsmöglichkeiten. Neue Geschäftsmöglichkeiten brauchen aber neue Geschäftsmodelle und die haben wenig mit den alten zu tun. Vieles kehrt sich um. Ein Aspekte ist aber nach wie gültig: Was nutzt es, Neues zu bieten, wenn keiner davon weiss? „Wir sind der Konkurrenz einen Schritt voraus, denn wir behalten alles für uns“. So lautet das Motto der allermeisten Kommunikationsbetriebe. Der Strukturwandel durch die Digitalisierung bewirkt einen Wandel in der Eigendarstellung und Kommunikationsfähigkeit von Kommunikationsdienstleistern.

Zuviele praktizieren nicht, was sie ihren Kunden empfehlen. Innovationslösungen, z. B. in Verbindung von Print + Online + IT  wird wenig sinnvoll für die Eigenwerbung eingesetzt. Websites sind tröge und überaltert, Blogs, Twitter und Facebook werden kaum oder wenn, dann nicht sehr professionell und zielführend genutzt. Spezifisch für die Printbetriebe gilt: Die Auseinandersetzung mit dem stärksten Wachstumssegment, dem Inkjet-Markt, zeigt, dass diejenigen (nicht nur in den USA, sondern vor allem in Holland und Skandinavien), die ein solches Geschäft erfolgreich betreiben, gleichzeitig in die Marketing-Kommunikationsoffensive gegangen sind. In Deutschland wird diese Thematik aber erst gar nicht breitenwirksam diskutiert!

Für alle aus der Kommunikationsbranche gilt gleichermaßen: Was ich nicht für mich tue, kann ich auch nicht für meine Kunden bewerkstelligen. Das Manko in der eigenen Wissenspflege überträgt sich auf die Marktkommunikation der Kommunikationsbranche insgesamt:

  1. Nur die Interaktion mit Kunden (vorzugsweise über Social Media-Plattformen und 1-to-1-Printing) bringt stets dynamische Kontaktstrukturen zu Neukunden und Meinungsmachern im Markt, die man als Referenz nutzen kann.
  2. Auftraggeber für innovative Kommunikationsprojekte müssen besser und vollständig ins Boot geholt werden.
  3. Unsere Value-Check!-Analysen und auch die von Kollegen und Herstellern zeigen, dass die Marktteilnehmer nur völlig unzureichend wissen, welche Innovationsmöglichkeiten es gibt, welche relevant sind, und welche Symbiose Print & Online & IT eingehen können.
  4. Den meisten Kommunikationsbetrieben, Agenturen ebenso wie Crossmedia-Anbietern und Digitaldruckern, fehlt schlicht die Professionalität in der Eigendarstellung und Marktkommunikation.

In der Summe und Kombination ist das fatal. Und heisst: Unsere Kommunikationsbranche kommuniziert gegenüber dem Markt/den Auftraggebern völlig unzureichend (um nicht zu sagen: lausig!). Wir verschenken durch unzureichende Marktkommunikation Geld und Chancen und überlassen anderen das Feld. Und geben somit ein schlechtes Beispiel ab. Mit anderen Worten, wer sein Geschäftsmodell ändern will, und die eigene Wissenspflege ebenso wie die offensive Kommunikation über Technologien und Innovationsmöglichkeiten vergisst, wird es nicht weit bringen.

Kontakt für weitere Informativen:

a.weber{a)value-communication.com
@ValueCommAG

Value Slide Shows:

http://de.slideshare.net/zeitenwende007

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