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Tag Archives: Verkauf

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Von Andreas Weber

Nach dem Kommunikations-Desaster im März 2020 schien Heidelberger Druckmaschinen AG wieder auf Kurs zu kommen. Gemäß dem Motto: „Weniger ist mehr“ wurde im Zuge der Transformation die Firma komplett umgekrempelt. Ziel: Den Cash-Flow zu stärken und nur noch zu unternehmen, was auch Profit bringen kann. Umsatzrückgänge werden dabei in Kauf genommen.

Der Höhepunkt: Mit dem Verkauf der Gallus-Gruppe sollte — per Pressemeldung vom 22. Juli 2020 verkündet — ein bedeutender Meilenstein in der Transformation von Heidelberg erreicht werden. Die Branche staunte. Doch schon im August 2020 wurde gefragt: Was weiß man über den Käufer? Wer ist Marco Corvi und seine Benpac Holding AG mit Sitz in der Schweiz? Selbst Profis aus der Finanzmarkt-Branche fanden keine Antworten.

Zweifel und Widersprüchlichkeiten tauchten auf, auch getrieben durch Zeitungsberichte aus Luzern und St. Gallen. Das Tagblatt sowie die Luzerner Zeitung titelten: „Marco Corvi und seine Firmengruppe Benpac: Kratzer am Image des Unternehmensretters“. Redakteur Christopher Gilb schrieb am 29. Oktober 2020: „Mit seiner in Nidwalden beheimateten Benpac-Gruppe ist Marco Corvi in Rekordzeit auf Expansionskurs. Mehrere ehemalige Geschäftspartner, Mitarbeiter und externe Berater zeichnen aber ein anderes Bild des Firmenretters. Corvi selbst weist die Vorwürfe deutlich zurück.“

Redakteur Gilb erwähnte in seinem Bericht dabei auch die umfangreichen Recherchen von Morten B. Reitoft und INKISH.News. In einer breit angelegten und gründlich recherchierten Berichtsserie hatte Reitoft detailliert aufgezeigt, dass Marco Corvi Dinge vorspiegelt, die so gar nicht sein können. Aus meiner Sicht wurde im Stil ‚Potemkinscher Dörfer‘ agiert, um die tatsächliche Situation zu vernebeln. Es folgte dann am 25. November 2020 die Meldung, dass zwei Aufsichtsratsmitglieder der Benpac Holding AG ihr Mandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt hatten.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätten bei Heidelberg alle Alarmglocken schrillen müssen. Zentrale Frage war: Woher will Marco Corvi die 120 Mio. Euro in bar her nehmen, um den Kaufpreis zum Jahresende 2020 vertragsgemäß zahlen zu können?

 

Benpac

Bild: INKISH.NEWS

 

Stattdessen machte man bei Heidelberg konsequent weiter und meldete per 1. Dezember 2020 den Verkauf beim Bundeskartellamt an (Aktenzeichen BE5/163/20), um innerhalb von vier Wochen eine Freigabe zu erwirken und den Verkauf fristgemäß abschließen zu können. Die Freigabe erfolgte auch zum 23. Dezember 2020.

Markant: Per 15. Dezember 2020 ging auf Betreiben von Heidelberg ein anwaltliches Schreiben im Namen der Heidelberger Druckmaschinen AG an INKISH und Morten B. Reitoft raus. Mit der ultimativen Aufforderung, innerhalb von Tagesfrist eine Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung zu unterzeichnen. Dadurch sollte die kritische Berichterstattung zu Heidelberg und dem Benpac-Gallus-Deal unterbunden werden.

Abgesehen davon, dass diese Forderung in ihrer Berechtigung in Zweifel gezogen werden sollte, bedeutet es eine Zäsur für eine freie Berichterstattung gerade auch im Fachjournalismus (Siehe meinen Kommentar „Sein oder nicht sein…“. Mein Fazit: „Das bringt einen neue Qualität in die Diskussion um die Unabhängigkeit der Print-Fachpresse, die gravierende Auswirkungen hat. Denn der Rechtsmittel nutzende Verkäufer ist ein milliardenschweres Unternehmen, das Fachmedium naturgemäß eine kleine, feine, Inhaber-geführte Firma. Allerdings mit dem Asset, ein starkes globales Netzwerk und viele zehntausende Leser und Nutzer nutzen zu können; und von Werbeeinnahmen abhängig zu sein. Klingt sehr nach David gegen Goliath. Und wie das ausgegangen ist, wissen wir ja. — Für mich als Journalist und Analyst heisst das aber: Ein börsennotiertes Unternehmen, das so agiert, steht nicht mehr auf meiner Favoritenliste. Es hat sich selbst ins Abseits katapultiert.“

Nunmehr musste Marco Corvi per 29. Dezember 2020 verlautbaren, dass er nicht im Stande ist, den Kaufpreis wie vereinbart zum 31. Dezember 2020 zu entrichten. Als neues Zahlungsdatum wurde in Absprache mit Heidelberger Druckmaschinen AG der 31. Januar 2021 vereinbart. (Siehe Ad-Hoc-Meldung vom 29. Dezember 2020).

Morten B. Reitoft kommentiert dies wie folgt: „Based on the research we have done here on INKISH, we still find it extremely unlikely that Mr. Corvi will be able to fulfill his part of the agreement – leaving everybody in a vacuum with the big question – if not, then what?“

Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Und ob seitens der Anleger Stimmen laut werden, dass der Heidelberg-Vorstand frühzeitiger hätte über die Lage informieren müssen.

 


 

In den Online-Foren für Anleger wird das Thema Heidelberg-Benpac-Gallus-Deal diskutiert. Hier einige Auszüge aus Onvista.

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Link zu allen relevanten Stories von Morten B. Reitoft auf INKISH.News

 

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© 2015 Lünendonk GmbH

© 2015 Lünendonk GmbH

ValueCheck! und ValueLesetipp zu Multichannel Innovationen.
Quelle: Lünendonk GmbH,  http://luenendonk.de

Keine Frage: Getrieben durch die dynamischen Entwicklungen bei Mobile, Cloud Services und Social Media rücken immer mehr Fragen rund um Multichannel Innovationen in den Fokus. Die Marktforscher und Wissensarbeiter der Lünendonk GmbH haben sich im Team mit Salt Solutions per Trendstudie dem Thema angenommen. Ihre Analyse legt den Fokus auf den Einzelhandel in Deutschland. Und zeigt, dass noch einige Herausforderungen zu meistern sind. Aber: Der Wille ist da seitens der Einzelhändler. Wichtiger Faktor: Die Teamfähigkeit bei Planung und Umsetzung. — Autoren der Trendstudie sind Hartmut Lüerßen, Partner Lünendonk GmbH und Bernhard Blüthner, Geschäftsführer Salt Solutions GmbH. (aw)

Im Überblick

„Die Fragen, welchen Stellenwert große Einzelhandelsunternehmen dem Thema Multichannel-Strategie beimessen, wie weit sie in der Umsetzung vorangeschritten sind und welche Herausforderungen die Unternehmen für die Umsetzung aus geschäftlicher, organisatorischer und technologischer Perspektive sehen, waren die Motivation für die Lünendonk-Trendstudie 2015 „Einzelhandel in der Multichannel-Zeitfalle“, die von der Lünendonk GmbH in fachlicher Zusammenarbeit mit Salt Solutions GmbH durchgeführt wurde.

Für die vorliegende Trendstudie wird der Begriff Multichannel wie folgt verstanden: Es gibt mehrere Kanäle, mindestens aber die Kanäle stationär und online. Der Kunde wählt für jeden Kontakt mit dem Händler jeweils den von ihm präferierten Kanal situativ aus. So kann zum Beispiel ein Online-Kauf auch über einen anderen Kanal rückabgewickelt werden. Teilweise gibt es auch Definitionen, bei denen Multichannel allein das Vorhandensein mehrerer Vertriebskanäle bedeutet (z. B. Katalog, Online-Shop oder Callcenter). Solche Definitionen werden jedoch der Komplexität, die bei der Integration eines stationären Handels mit verschiedenen Online- und Versandkanälen herrscht, nicht gerecht.”

Zur Trendstudie

Für die Lünendonk®-Trendstudie 2015 „Einzelhandel in der Multichannel-Zeitfalle“ wurden im Zeitraum August bis Oktober 2014 insgesamt 83 Interviews mit Entscheidern großer Einzelhandelsunternehmen in Deutschland im Rahmen einer CATI-gestützten Befragung geführt.

Als Zielgruppe für die Befragung wurden Einzelhandelsunternehmen mit einem Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro definiert. Denn bei Unternehmen dieser Größe wirkt sich die Verlagerung der Umsätze in die verschiedenen Vertriebskanäle, wie sie gesamtwirtschaftlich beobachtet werden kann, sehr direkt aus. Nischeneffekte, dass beispielsweise ein Geschäft in sehr guter Lage mit einem neuen Label oder einer Produktgruppe eine Wachstumsstory schaffen kann, relativieren sich bei deutschlandweiter Präsenz, hohem Wettbewerb und Umsätzen in dieser Kategorie.

Es zeigt sich: Multichannel ist nach Ansicht der Studienteilnehmern ein „Thema, an dem kein Weg vorbei führt“. Und die Multichannel-Strategie ist Chefsache. Das Top- Management hat sich dieser Aufgabe verschrieben. In diesem Zusammenhang erhält auch die IT hohe Aufmerksamkeit.

Abgerundet wird die Trendstudie mit einem aktuellen Fallbeispiel:
„Prominentes Multichannel-Format im Lebensmittel-Handel: EMMAS ENKEL!“.

Weitere Infos und Bezug der Trendstudie:

http://luenendonk.de

Zum Thema Multichannel Innovation empfehlen wir auch die Fachkonferenz #XUG15EU am 26. Mai 2015 in Berlin. Hier werden neueste Technologie- und Anwendungsmöglichkeit von führenden europäischen Experten diskutiert.

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