Advertisements

Archive

Tag Archives: Robert Keane

ThinkPaper-Quo-Vadis-Online-Print.001.jpeg

 

Von Andreas Weber, Head of Value

#Think!Paper — Edition 2, Vol. 5

Prolog

Der März 2019 hatte es in sich für die sogenannte Online Printing-Gemeinde. Der Vorreiter CIMPRESS — progressiv, erfolgreich, wachstumsorientiert — entmystifizierte sich selbst. Das Wachstum schwächte sich ab, die Marktkapitalisierung halbierte sich, heisst: Anleger wenden sich ab. Autsch! Die Befürchtungen: Wenn der Marktführer hüstelt, bekommen die Kleineren eine Grippe. Und: Die Goldrausch-Stimmung, die auch auf dem Online Print Symposium über Jahre erfahrbar war, scheint dahin.

Status quo

Keine Bange: Mit Online Printing geht es nicht bergab. Im Gegenteil. Online Printing ist wie auch Digitaldruck keine Gattung oder gar Branche, sondern ein mehr oder wenig nützlicher Hilfsbegriff, um digitale Verfahrenswege bei der Drucksachenproduktion zu charakterisieren. Es fing mit Web-to-Print an, führte zu automatisierten, standardisierten und skalierbaren Abläufen mit dem World Wide Web als Schaufenster. So konnte man einerseits Kunden gewinnen, die bis dato keine Drucksachen bestellen konnten; zum anderen wurden Preisvorteile genutzt, da die optimierten Abläufe günstigere Kosten erlaubten. 

Dadurch verlagerten sich riesige Druckvolumen aus dem klassischen Akzidenzmarkt hin zu den ‚Online Printern‘. Es wurden also Gelder umverteilt. Das tatsächliche Neugeschäft blieb marginal. Wachstum wurde also durch Verdrängung erzielt, mit einem naturgemäß nicht grenzenlosem Effekt. 

Robert Keane hatte das frühzeitig erkannt. Er nutzte Vistaprint als Cash-Cow, um Dutzende andere Firmen zu akquirieren. Daraus formte er unter der Dachmarke CIMPRESS einen globalen Konzern mit Holdingstruktur. CIMPRESS selbst hat außer Aktionären keine Kunden, die Kunden für Printprodukte aller Art inkl. Mass Customization gehören den Submarken. 

Das hat vor und Nachteile. So wurde zunächst zentralisiert, um Kosten zu sparen und schnell wachsen zu können. Jetzt, da das Wachstum an Fahrt verloren hat, wurde dezentralisiert. Bei diesem Hin&Her fallen zwei Dinge ins Gewicht: 

  • Erstens ist der Aufwand in der Markenpflege enorm hoch und inneffizient, da es kaum Wirkung auf die CIMPRESS-Kunden, die Anleger, hat.
  • Zweitens bleibt die durchgängige Firmenkultur auf der Strecke. Viele kleine Königreiche bleiben sich selbst am liebsten treu.

Auf zu neuen Ufern

Und Drittens kommt hinzu: CIMPRESS hat es nicht mit homogenen Wettbewerbsstrukturen zu tun, sondern tummelt sich in vielen Bereichen und scharmützelt mit vielen „Gegnern“. Letztlich sind solche Gegner alle diejenigen, die im Zuge der Reformierung ihres Stammgeschäft, vom Akzidenzdruck bis zu Packaging, Large Format etc., Digitalkompetenz aufgebaut haben. Und damit technisch versiert, hocheffizient, kostenoptimiert und hochspezialisiert anbieten können. Und dies mit Unterstützung ihrer Lieferanten, die digitale Transformation in alle Richtungen vorantreiben. Das von Heidelberg veranstaltete 1. Digital Print Forum vom 21. März 2019 belegt dies eindrucksvoll.

Um ein Bild zu gebrauchen: CIMPRESS als Flugzeugträger oder Riesenkreuzer kann gar nicht jeden Hafen anlaufen und ist nicht so wendig wie die zehntausenden Fregatten, U-Boote und Schnellboote, die quasi in Guerilla-Manier die Schlacht gewinnen wollen. 

Fazit: Echte Vorteile oder Alleinstellungsmerkmal von CIMPRESS kann man gar nicht mehr erkennen. Und wilde Ankündigungen von gigantischen Bestellungen auf der drupa 2016 bei Landa sind völlig verpufft. Wie anderes mehr! Kurzum: Viel Gedöhns — ausser Spesen nichts gewesen. Das wird den Anlegern klar geworden sein.

Die Probleme von CIMPRESS sind also weitgehend hausgemacht und keinesfalls typisch für diejenigen, die sich als Online-Printer sehen. — Robert Keane ist zuzutrauen, das erkannt zu haben und gegenzusteuern.

Ruhe vor dem Sturm

Dennoch, es wird für alle schwierig. Je digitaler das Geschäft, um so anspruchsvoller die Gestaltung der Kundenbeziehungen und das Fördern der Kundenbindungen. Im E-Commerce-getriebenen ‚Online-Print‘-Geschäft gibt es keine Loyalität. Es geht stets um den besten Preis und die höchste ‚Convenience‘. Differenzierungsmerkmale zu bieten, wird zur Herkules-Aufgabe.

Aus meiner Sicht stellen sich folgende zentrale Fragen:

  1. Beyond Online-Printing — Wie kann man die eigene Unternehmenskultur so menschlich gestalten, dass es im Markt Aufmerksamkeit stiftet und intern wie extern begeistert?
  2. Beyond Technocracy — Wie kann man den überstarken Technik-Fokus reduzieren zugunsten einer besseren Marktkenntnis durch Kundenorientierung, um sich extrem schnell und effektiv auf sich wandelnde Bedürfnisse einzustellen?
  3. Beyond Silo-Mentality — Wie kann man eine neue Offenheit im Geist und Agilität im Tun entwickeln, um Differenzierungsmerkmale zu identifizieren und eine unverwechselbare Unternehmespersönlichkeit zu entwicklen?

Da ich dieses Jahr beim #ops2019 in München nicht selbst dabei sein werde, bin ich gespannt, wie ernsthaft und offen über die neuralgischen Punkte gesprochen wird. Und wann sich die geschlossen-verschworene Online-Print-Gemeinschaft neu positioniert und v. a. öffnet. Dann kämen sicher auch andere Teilnehmer hinzu, die vom Online-Printing-Knowhow als Auftrageber profitieren können. 

Übrigens: Von vielen meiner tausenden Lesern und Netzwerkpartnern wurde am 1. April meine Scherz-Story ernst genommen. Tenor: Bertelsmann-Regentin Liz Mohn liebäugele damit, mit CIMPRESS und vor allem dem Gründer und CEO Robert Keane in Kontakt zu kommen, um ihre Bertelsmann Printing Group, mit 1,6 Mrd. Jahresumsatz deutlich kleiner als CIMPRESS, auf Vordermann zu bringen. — Vielleicht ist die Idee von mir gar nicht so schlecht. Falls noch nicht geschehen, bitte nachlesen.

 

DreamTeam ENG JPEG

 


 

Über Andreas Weber

Andreas Weber begleitet als Wissensarbeiter/Advisor die Kommunikation mit Medien — geprägt durch eine Vorliebe für Print-Innovationen im Digitalzeitalter. 

Bis dato hat er über 500 Innovations-/Transformations-Projekten realisiert, diverse Lehraufträge wahrgenommen (u.a an der School of Visual Arts/NYC, Hochschule Liechtenstein, Hochschule RheinMain) und Vorträge in über 30 Ländern gehalten. 

Sein Blog valuetrendradar.com (ISSN-zertifiziert) inspiriert Entscheider aus mehr als 150 Ländern.

About-ValueBlog-IMG_9105

 


 

Advertisements

DreamTeam ENG JPEG

By Andreas Weber, Head of Value | German Version

 

In Gütersloh/Germany and Venlo/NL currently the communication wires running hot. It suggests in the run-up to the #OPS2019 a bang. Liz Mohn, the quiet and noble regent of the Bertelsmann Group, is unhappy that the print activities grouped together in the Bertelsmann Printing Group are not getting off the ground. It is indeed “Europe’s largest printing group”, but measured by global players rather a dwarf. In addition to the book publishing business, print is part of the DNA of the family, the foundation and the group.

Now Liz Mohn has become aware of CIMPRESS through her specialists from the Bertelsmann Investments unit. Bernd from Essen always writes so beautifully in his beyond-blog about CIMPRESS and its CEO / founder Robert Keane, even right now, where it is in trouble. Robert does not only look good, but also has an outstanding talent, as Liz Mohn mentioned according to well informed circles.

Robert is also in a similar situation as herself: great passion for print, but little growth; only that he has to accept in addition that his successful company has lost half of its market capitalization in the last 12 months.

She regrets that, but has also realized that CIMPRESS can be a real bargain by share. She wants to pick up on Robert’s idea for #Coopetition and therefore has three alternatives:

  1. She takes over the majority of CIMPRESS.
  2. Your print division will be merged with CIMPRESS.
  3. She adopts the smart Robert and makes him in perspective to the head of the foundation.

An exciting scenario, right? — A decision is expected today, April 1, 2019.


 

PS: This Story is completely invented as April Fool’s joke. And therefore it could be quite real.

PPS: Everything about perspectives on CIMPRESS and online printing can be read in my current analysis: “Beyond #ops2019”. – No joke!

 


Last week in the news

Das neue PRINT-Dream-Team

Bildschirmfoto 2019-04-01 um 09.45.11

 

Von Andreas Weber, Head of Value | English Version

In Gütersloh und Venlo laufend derzeit die Kommunikationsdrähte heiß. Es deutet sich im Vorfeld des #OPS2019 ein Paukenschlag an. Liz Mohn, die stille und noble Regentin des Bertelsmann-Konzerns, ist unglücklich darüber, dass die in der Bertelsmann Printing Group zusammengefassten Print-Aktivitäten nicht recht von der Stelle kommen.

Man sei zwar „Europas größte Druckereigruppe“, aber gemessen an globalen Playern doch eher ein Zwerg. Print sei aber neben dem Buchverlagsgeschäft Teil der DNA der Familie, der Stiftung und des Konzerns. Nun ist sie über ihre Spezialisten der Unit Bertelsmann Investments auf CIMPRESS aufmerksam geworden.

Der Bernd aus Essen schreibe immer so schön in seinem beyond-Blog über CIMPRESS und seinen CEO/Gründer Robert Keane, gerade jetzt, wo es kriselt. Der Robert sehe nicht nur gut aus, sondern habe auch echt was drauf, wie Liz Mohn laut gut informierten Kreisen befinde. 

Der Robert sei zudem in einer ähnlichen Situation wie sie: große Passion für Print, aber kaum Wachstum; nur dass er noch zusätzlich hinnehmen müsse, dass sein Erfolgsunternehmen in den letzten 12 Monaten die Hälfte seines Marktwertes eingebüsst hat. Das bedauert sie, hat aber gleichzeitig erkannt, dass CIMPRESS aktienmäßig ein echtes Schnäppchen sein kann. Sie will die Idee vom Robert zu #Coopetition aufgreifen und lässt darum drei Alternativen prüfen: 

  1. Sie übernimmt die Mehrheit an CIMPRESS. 
  2. Ihre Print Division wird mit CIMPRESS verschmolzen. 
  3. Sie adoptiert den smarten Robert und macht ihn perspektivisch zum Stiftungschef. 

Ein spannendes Szenario, oder? — Ein Entscheidung wird noch heute, am 1. April 2019, erwartet.  

 

 


 

PS: Dieser Beitrag ist als Aprilscherz völlig frei erfunden. Und könnte darum durchaus real sein.

PPS: Alles zu Perspektiven von CIMPRESS und im Online Printing lesen sie in meiner aktuellen Analyse: “Beyond #ops2019”. — Kein Scherz!

 


 

 

Infotipp: Letzte Woche in den News

 

Das neue PRINT-Dream-Team

 


 

%d bloggers like this: