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ValueCheck HDU.001

Fotos: Heidelberg / HDU. Collage: Andreas Weber, Frankfurt am Main

 

„Wir gestalten für Heidelberg die Kundenschnittstellen neu und bauen ein nahtloses digitales Ökosystem für Heidelberg-Kunden.“ Rainer Wiedmann, Leiter Heidelberg Digital Unit (HDU) und Chief Marketing Officer der Heidelberger Druckmaschinen AG.

English Version


Neues digitales Ökosystem für die Printmedien-Industrie

Die Mitte 2017 von Vorstandschef Rainer Hundsdörfer in Aussicht gestellte neue ‚Leuchtturm-Funktion’ von Heidelberger Druckmaschinen AG nimmt in ungebrochen-dynamischer Form weiter Gestalt an. „Heidelberg baut mit neuer Digital Unit E-Commerce-Geschäft, Internetpräsenz und digitale Marketingkompetenz aus“, wurde jüngst durch Dr. Ulrich Hermann, Vorstandsmitglied und Chef Digital Officer, verlautbart.

Was verbirgt sich dahinter? Darüber gibt Rainer Wiedmann per ValueDialog erstmals öffentlich Auskunft. Wiedmann ist ein erfolgreicher Digital-Pionier und seit 1. April 2018 Leiter des Start-ups Heidelberg Digital Unit (kurz: HDU); gleichzeitig fungiert er als Chef Marketing Officer des Heidelberg-Konzerns. — Das Gespräch führte Andreas Weber, Head of Value.

 

Info-Box

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Fakten zur neuen Heidelberg Digital Unit GmbH (HDU)

Website: https://hdu.heidelberg.com

Standort: Wiesloch-Walldorf, Dependancen in China, USA und Asien

Mitarbeiterzahl zum Start am 1. April 2018: 50

Zielsetzung: Als dynamisch wachsendes Unternehmen ein führendes digitales Ökosystem der Print-Branche etablieren

Partner ist der Internetspezialist iQ!


Dr. Ulrich Hermann treibt als CDO auf Vorstandseben die digitale Transformation von Heidelberg dynamisch voran. 


Aufgabenstellungen für HDU

  • Bündelung globales Marketing und E-Commerce unter dem Dach der HDU.
  • Die unterschiedlichen Vertriebskanäle von Heidelberg in einem Kanal (Omnichannel) zu bündeln, zu harmonisieren und aufeinander abzustimmen.
  • Zusammenfassung aller Marketingaktivitäten mit dem Schwerpunkt auf den Ausbau und die Gestaltung des digitalen Kundenerlebnisses bei der Anbahnung von Geschäft sowie im laufenden Kundenkontakt.
  • Dem Kunden über alle Fachfunktionen bei Heidelberg konsistente Betreuung bieten, um produktübergreifend und entsprechend seines individuellen Bedarfs zu beraten.
  • Über den Ausbau der eCommerce Plattform profitiert Heidelberg im Gegenzug von Effizienz-Gewinnen bei der Lieferung von Verbrauchsmaterialen und Dienstleistungen.

 

Digitale Geschäftsmodelle beflügeln die Customer Journey

Herr Wiedmann, Sie gehörten bereits vor über 20 Jahren — damals mit der Neugründung der vom Start weg erfolgreichen Multimedia-Agenturgruppe Argonauten – zu den Pionieren im Digital-Sektor. Was hat sich seitdem geändert?

Rainer Wiedmann: Ich habe mich damals schon intensiv mit der Gestaltung der Schnittstellen zum Kunden beschäftigt. Der Ansatz führte über die Innovation im Marketing hin zu E-Commerce. Heute stehen ganzheitliche digitale Geschäftsmodelle im Fokus. Durch IoT (Internet-of-Things), Machine-Learning, Sprachsteuerung usw. ist erstmals eine vollständige digitale Customer Journey möglich, nicht nur Marketing & Vertrieb, sondern viele weitere Teile der Wertschöpfungskette werden digitalisiert. 

Sie sehen also eine linear-dynamische Entwicklung?

Rainer Wiedmann: Ich sehe eine äußerst starke Dynamik. Entscheidend ist heute nicht mehr die bloße Präsenz im Internet. Der Zugang zu Kunden und die Interaktion mit den Kunden haben die höchste Relevanz. Das neue Dogma lautet: Nur wer die optimale Schnittstelle zum Kunden bietet, kann über Digitalisierung einen Wert generieren. 

Was reizt Sie daran, ausgerechnet im Maschinenbau-Sektor mit der HDU Neuland zu beschreiten?

Rainer Wiedmann: Ich bin selbst von Hause aus Ingenieur und habe nach dem Studium am St. Galler Technologie-Management-Institut wichtige Erfahrungen mit zahlreichen Industriekunden gesammelt. Durch neue Formen der ‚Connectivity‘ ändert sich der Maschinenbau rasant. Heidelberg hat in diesem Szenario eine herausragende Position. 

Wieso?

Rainer Wiedmann: Unsere Maschinen sind lange schon vernetzt, Vertrieb und Service werden global in Eigenregie geführt, neben Hard- und Software ergänzen Verbrauchsmaterialien das Portfolio. 

Zudem verfügt Heidelberg über ein Top-Management, das Transformation durch Digitalisierung exakt versteht, wie man u. a. am Beispiel des in der Branche neuen Subscriptions-Modells sehen kann. Für mich sind das in Summe die allerbesten Voraussetzungen!  

In Medias Res: Was HDU ausmacht

Wie positioniert sich in diesem Kontext die Neugründung HDU?

Rainer Wiedmann: Wir gestalten für Heidelberg die Kundenschnittstellen mit dem Ziel,  ein nahtloses digitales Ökosystem für Heidelberg-Kunden aufzubauen.

Was sind die Kernwerte von HDU?

Rainer Wiedmann: HDU definiert sich durch da Stiften von Mehrwert geprägt durch Permanenz, Konsistenz und Relevanz. Der Wert von HDU besteht vor allem darin, möglichst viele Kunden und Interessenten mit wöchentlicher, sondern besser noch täglicher Nutzung einzubinden. Entscheidend dabei ist, eben nicht nur viele Nutzer im System zu registrieren — quasi als Karteileichen –, sondern möglichst viele „Active Users“ zu haben. Content, Funktion, Reichweite plus Interaktion sind aus meiner Sicht der Schlüssel zum Erfolg.

Trifft Ihr neuer Ansatz mit HDU die Kultur bei Heidelberg?

Rainer Wiedmann: Ich erlebe die Menschen bei Heidelberg einerseits als offen und  innovativ. Andererseits handelt man gerne nach exakten Regeln.. Im Kontext mit digitaler Transformation gilt aber aus meiner Sicht: Man muss die Mitarbeiter stärker über Ziele führen…

… und was bringt das?

Rainer Wiedmann: Ein Vorteil von HDU, der sich auf Heidelberg übertragen lässt, ist es, dass wir zum Erreichen vorgegebener Ziele bzw. der optimalen Zielerreichung an der Struktur der Regeln im Team arbeiten, um konstant Anpassungen vornehmen zu können, sobald dies nötig wird.

Die technische Innovationsfähigkeit bei Heidelberg ist unbestritten. Wie sieht es aus Ihrer Sicht bei den Heidelberg-Kunden aus? Gibt es Vorbehalte gegenüber der Digitalisierung?

Rainer Wiedmann: Die Digitalisierung bei unseren Kunden ist weit vorangeschritten, denn digitale Daten sind schon lange die Basis für Print-Produktionen aller Art. Auch E-Commerce ist kein Neuland. Durch Online-Print via Internet ist ein riesiger neuer Wachstums-Markt entstanden. Unser Ansatz, mit den Kunden intensiv zu arbeiten, um quasi ein digitales ‚Rund-um-sorglos-Paket‘ anzubieten, wird darum sehr gut aufgenommen. Wenn man weiss, was zu tun ist, die Ziele klar sind, wird Digitalisierung im Print durchweg als Chance gesehen.

Digitale Prozesse in der Druckerei sind das eine. Das Go-to-Market im Digitalzeitalter das andere. Hier hapert es aus meiner Sicht. Oder?

Rainer Wiedmann: Für mich ist es wichtig, dass der Kunde im Dialog mit uns durch Heidelberg bestmöglich erleben kann, wie sich Digitalisierung positiv auswirkt. Erst durch persönliches Erleben entsteht der umfassende Eindruck, wie Druckereien dies auch für ihre Kundenbeziehungen wirkungsvoll nutzen können.


 

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Screenshots von der neuen Website der Heidelberg Digital Unit 


HDU-Mission-Statements

Wir entwickeln innovative digitale Vertriebs-, Marketing- und Servicelösungen entlang der Customer Journey und schaffen messbare Ergebnisse mit einem funktionsübergreifenden Team und erfolgsorientierten externen Partnern.“

„Wir tragen zur operativen Exzellenz aller Heidelberg-Einheiten bei, indem wir ein digitales, state-of-the-art Ökosystem bieten, das in diesem Bereich Maßstäbe setzt.“

„Wir scheuen kein Risiko. Wir verlassen uns auf unser Unternehmertum und treffen unerwartete und disruptive Entscheidungen, die uns beim Kunden nach vorne bringen.“

„Wir lassen uns nicht davon abhalten, unsere Ziele und Träume zu verwirklichen. Durch kontinuierliches Streben und Messen kommen wir zum Erfolg.“

„Wir leben digital. Wir arbeiten gerne mit Menschen zusammen, die happy das Büro verlassen, weil jeder sein Bestes geben konnte und stolz ist, Teil des Ganzen zu sein.“


Das Credo: Klare Ziele und messbare Erfolge

Sie sind bei HDU mit 50 Mitarbeitern gestartet und wollen rasch wachsen. Welche Talente brauchen Sie?

Rainer Wiedmann: Rund 80 Prozent unserer Startmannschaft sind sehr erfahren und äußerst kundig im Print-Markt. Das ergänzen wir durch neue Leute, die Erfahrung haben im E-Commerce, im Digitalen Marketing, mit Social Media und so weiter. 

Was zeichnet ihr Team aus?

Rainer Wiedmann: Der richtige Mix! Gegenseitiger Respekt und die gemeinsamen Ziele machen uns als „gemischtes“ Team besonders schlagkräftig. Die herausragende Marktposition von Heidelberg und unsere räumliche Nähe zum Unternehmen ist da sehr hilfreich und motiviert uns alle. Das drückt unser unverrückbares Bekenntnis ‚Born in Heidelberg’ bestens aus. Und macht uns über Branchengrenzen hinaus attraktiv als Arbeitgeber.

Wie wird die Arbeit von HDU in den Heidelberg-Konzern-Alltag integriert? Wie funktioniert das Zusammenspiel?

Rainer Wiedmann: Die Startphase verläuft schon einmal vielversprechend, da wir aktiv auf die Kollegen zugehen und umfassend informieren und zuhören. Wir haben Ansprechpartner für die einzelnen Business-Units von Heidelberg und Zugang zu allen Vertriebseinheiten. Unsere weltweite „Growth Hacking Tour“ wurde bereits gestartet. Hier machen wir uns mit unserem Angebot vor Ort in den Schlüsselmärkten bekannt und bieten Schulungen für unsere neuen Tools-/Software-Lösungen und stellen E-Commerce-Initiativen vor, die wir entwickelt haben.

 

HDU Growth Hacking Tour 2018

Roadmap der globalen Growth Hacking Tour in der Startphase der HDU. (Foto: Screenshot von der HDU-Website)


 

Im Fokus: Maximale Wettbewerbsfähigkeit und Marktrelevanz

Das heisst, Sie bieten durch HDU praktisch Beratungs- und Agentur-Dienstleistungen intern bei Heidelberg an? 

Rainer Wiedmann: Ja, wir pflegen aber kein reines Dienstleistungsverhältnis. Wir unterstützen mit maßgeschneiderten Tools, effizienten Kampagnen und profundem Know-how. Wir treffen dazu klare Zielvereinbarungen. Unser Auftrag besteht darin, messbare Ergebnisse zu schaffen und den Umsatz im E-Commerce zu steigern. Wir sind extrem zahlengesteuert, um erfolgreich sein zu können. Ergebnisse erzielen wir im Team, wenn wir Leads und Umsatz generieren. 

Wie kommt die Growth Hacking Tour an? 

Rainer Wiedmann: Die Leute merken sofort: Oh, man kommt auf uns zu, liefert uns Mehrwert für die tägliche Arbeit und denkt gemeinschaftlich! Als Tochterunternehmen haben wir einen klaren Vorteil: Wir schaffen aus dem Stand heraus ein vertrauliches Miteinander für gemeinsamen Erfolg.

Ein Blick über den Tellerrand: Mitstreiter im Markt für Digitaldruck proklamieren ebenfalls für sich, digitale Plattformen als Ökosysteme für Print bereitzustellen. Was können, was wollen Sie anders oder sogar besser machen?

Rainer Wiedmann: Klar, andere Platzhirsche gibt es. Gleichwohl haben wir in unserem Segment, bei den Commercial und Packaging Printers, die höchsten Marktanteile mit der bei weitem größten installierten Basis. Und bereits seit über 10 Jahren pflegen wir die weltweit größte Datenbasis bei Druckmaschinen… 

… und das bedeutet?

Rainer Wiedmann: Das befähigt uns, noch bessere Angebote an Funktionen zu bieten und optimale Zugänge zu unserem gesamten Portfolio zu schaffen — bei detaillierter, stets aktueller Kenntnis der spezifischen Kundenbelange. Unser extrem starker Service hilft dabei, das nun auf der Betriebsseite wieder auszubauen.

Das heißt doch: Das HDU-Ökosystem muss ermöglichen, auf Basis der Heidelberg-Plattform die Performance in all ihren Dimensionen signifikant zu steigern?

Rainer Wiedmann: Wir wollen nicht nur, dass es bei Druckereien  in der Produktion rund läuft. Letztlich stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit und Marktrelevanz unserer Kunden nicht nur punktuell, sondern möglichst auf allen Ebenen. 

Hand aufs Herz: Was sagen sie als Digital-Experte einem Druckereichef, der von seinem Kunden zu hören bekommt: ‚Print ist Alte Welt. Wir drucken nicht mehr!‘?

Rainer Wiedmann: Der Druck, Print als Medium, wird nie verschwinden! Gerade etwa bei Verpackungen, Labels oder durch Mass Customization entsteht Wachstum. Sicher gibt es v. a. im Marketing von Unternehmen Verlagerungen von analog zu digital. Aber es werden sich stets neue Anwendungsbereiche auftun. Dieses neue Potential zu erschließen und Kunden zu ermöglichen, im Wandel der Zeit flexibel, pro-aktiv und zukunftssicher agieren können, darin sehe ich langfristig die Kernaufgabe von HDU.

Wie lautet Ihre persönliche Einschätzung für HDU kurz-, mittel- und langfristig?

Rainer Wiedmann: Ich bin mehr als zuversichtlich. Wir halten uns an das, was wir als Vision und Mission für HDU formuliert haben. Und wir messen, was wir tun. Und reagieren dann sofort.

—Besten Dank für das Gespräch. 


 

My Take: Das Ei des Kolumbus!

Kommentar von Andreas Weber, Head of Value

Es erscheint atemberaubend. Heidelberg gibt bei hohem Tempo auf der Zielgeraden nochmal ordentlich Gas, katapultiert sich quasi mit einem neuen Cockpit, der Heidelberg Digital Unit (HDU), nach vorne und verweist die Konkurrenz in Sachen digitale Transformation sehr deutlich auf die Plätze. 

Damit steht fest: Ein Traditionsunternehmen hat sich definitiv komplett neu erfunden. In Rekordzeit. Mit Mut zum Risiko basierend auf umfassender Kompetenz im Print und im ‚Digitalen‘.

Und zwar in der Form, dass nicht etwa Vieles, was war, über Bord geworfen wird, sondern indem das Bestehende genutzt und optimiert wird, um es durch Neues anzureichern. Ein wichtiger Zusatzaspekt: Bei Heidelberg hat man erkannt, dass es im Digitalzeitalter nicht mehr ausreicht, allein durch Best-in-class-Produktneuheiten reüssieren zu wollen.

Die HDU in dieser Form an den Markt zu bringen, erscheint mir geradezu als ein Geniestreich: Eine als Start-up konzipierte Tochterfirma (schnell, flexibel, bestens vernetzt und solide verankert), die neue, nutzerorientierte ‚digitale’ Dienstleistungen für den Konzern erbringt und gleichzeitig mit messbaren Ergebnissen zum Schrittmacher und Taktgeber wird, um Vertrieb, Marketing und Serviceleistungen auf globaler Ebene dauerhaft fit fürs Digitalzeitalter zu machen.

Für mich bezeichnet das den optimalen Weg, hoch innovative Produkte und Lösungen nachhaltig im Markt zu verankern.

Die größten Profiteure sind Heidelberg-Kunden und der Markt insgesamt, da erstmals auf ein durchdacht-funktionierendes Ökosystem als exponentiell angelegte Plattform zugegriffen werden kann, um die industrielle Produktion von Print im Digitalzeitalter auf ein neues Level zu heben und zukunftssicher ausrichten zu können.

In Summe ein echtes WIN-WIN, gerade auch für die Heidelberg-Mitarbeiter, die Aktionäre und viele neue Partner. Damit sollte sich die von mir per #ValueCheck ausgemachte „Krux mit der ‚digitalen‘ Transformation“ bald beseitigen lassen!

 


Zur Person

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Der aus Stuttgart stammende Dipl.-Ing. Rainer Wiedmann gehört zu den ‚Digital’-Pionieren in Deutschland. Nach dem Studium an den Universitäten Stuttgart und  St. Gallen, Hochschule für Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften, sowie ersten Berufsjahren gründete er 1996 die argonauten-Gruppe (350 Mitarbeiter an 11 internationalen Standorten), 2005 die aquarius-Gruppe (100 Mitarbeiter an Standorten München, Hong Kong, Shanghai) und 2014 die  iq!-Gruppe (Standorte in München, Palo Alto).

Die iq!-Gruppe ist eng verzahnt mit der neuen, seit 1. April 2018 mit 50 Mitarbeitern gestarteten Heidelberg Digital Unit (HDU).

HDU ist ein Startup und Tochtergesellschaft der Heidelberger Druckmaschinen AG, bei der Wiedmann in Doppelfunktion sowohl als Leiter HDU als auch als Chief Marketing Officer fungiert. 

1999 bis 2003 war Wiedmann Präsident des Deutschen Multimedia Verbands e.V. (jetzt: BVDW e.V.), Düsseldorf. Von 2003 bis 2004 gehörte er dem Vorstand Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA e.V., Frankfurt am Main, an.

 


 

Über den Autor

Seit mehr als 25 Jahren engagiert sich Andreas Weber als international renommierter Business Communication Analyst, Coach, Influencer und Transformer. Seine Aktivitäten fokussieren sich auf ‚Transformation for the Digital Age’ via Vorträgen, Management Briefings, Workshops, Analysen & Reports, Strategic Advice. — Mit seinem Blog www.valuetrendradar.com inspiriert er Leser aus über 140 Ländern der Welt.

About-ValueBlog-IMG_9105

Value Blog Dialog Harald Weimer 12-2015.001

© 2015 Bildcollage: Andreas Weber, Mainz: Fotos: Heidelberg.

 

Value Blog Dialog: Harald Weimer sieht Print durch Vernetzung und Integration an der Spitze automatisierter, smarter Kommunikationslösungen.

Von Andreas Weber

(English Version available)

 

Wie im Value-Blog und via ValuePublishing Social Media-Accounts berichtet und aus meiner Expertensicht analysiert: Heidelberger Druckmaschinen AG (kurz: Heideldruck) schickt sich mit seinem neuem, Erfolg versprechenden Kurs an, die Leitmesse drupa 2016 als global-innovative Plattform zu nutzen, um der weltweiten Druckbranche bereits im Vorfeld „anfassbare” Visionen zu vermitteln. Das Motto „Simply Smart“ soll uns in die neue Welt von „Heideldruck 4.0“ führen.

Folgerichtig wollte ich im Nachgang zur Jahresend-Pressekonferenz vom 1. und 2. Dezember 2015 vertiefende Fragen an Heideldruck-Vorstand Harald Weimer stellen. Der Top-Manager verantwortet den Wachstumsbereich Heidelberg Services. Hier wird das Dienstleistungs- und Lösungsangebot des Konzerns gebündelt und, so wie es aussieht, zielgerichtet und marktorientiert ausgebaut.

Harald Weimer präsentierte sich in seinem ersten „Value Blog Dialog“ offen, zuversichtlich und vorwärtsgerichtet. Und er stellte bezogen auf das Print Media-Geschäft erstmals einen neuen Kontext her: Es gilt für uns alle zu verstehen, dass die Digitalisierung viele Chancen, aber keinesfalls Nachteile hervorbringt, die es gilt, mit Mut und Tatkraft zu meistern! — Das neue Credo im Blick auf die drupa 2016 (in meinen Worten): Digitalisierung wird Bestandteil der DNA einer Nach-Gutenberg-Ära bei der Print im 21. Jahrhundert durch Integration und Vernetzung zum Vorreiter und Erfolgsgaranten automatisierter Kommunikationslösungen wird.

 

Überblick: Kernaussagen von Harald Weimer

  1. Die Print Media-Branche ist ungebrochen stark und mit weltweit über 400 Milliarden Euro Jahresumsatz im Kerngeschäft stabil.
  2. Der Anteil individualisierter Printprodukte wächst dynamisch und basiert auf standardisierten Prozessen für industrielle Druck-Anwendungen.
  3. Industrie 4.0 respektive das Internet of Things inklusive Big Data sind Teil unserer DNA.
  4. Veränderungen, gerade auch disruptiver Art, sind nichts Neues. Sie zu bewältigen gehört schon lange zum Alltag.
  5. Die Print Media-Branche ist mit anderen Innovations-getriebenen Wirtschaftsbereichen auf Augenhöhe und braucht sich nicht zu verstecken.
  6. Digitalisierung im Print Media-Geschäft heisst nicht nur „Internet-Lösungen“ oder „Digitaldruck“ anzubieten.
  7. Print wird Teil einer Welt der „Smart Communication“ werden.
  8. Unsere neue Strategie beinhaltet daher das Versprechen „More than Machines“ sowie das Credo „Listen. Inspire. Deliver“, um bei unseren Mitarbeitern ein neues Wertebewusstsein zu verankern.
  9. Das Zusammenspiel zwischen Maschine-Prozess-Mensch ist neu zu definieren und bietet erhebliche Potentiale.
  10. Simply Smart — Wir denken im Team mit Partnern vom Endkunden her, um zu tatsächlichen Innovationen zu gelangen.
  11. Durch 4D-Printing rückt zunehmend in den Fokus, wie sich neuartige Printanwendungen auf Produkte des Digital Lifestyle beziehen.
  12. Die Individualisierung ist natürlicher Bestandteil der Digitalisierung, die durch Industrie 4.0/IoT weiter Fahrt aufnimmt. Im Zuge dessen entstehen automatisierte Printanwendungen nicht mehr über klassische Einkaufswege, sondern innerhalb von Multichannel-Szenarien.

 

Hinweis: Das Video von Rhein-Neckar-Fernsehen zeigt, wie Anwendungen von Printinnovationen sofort hohe Aufmerksamkeit finden. Es entstand während der Heideldruck Pressekonferenz am 2. Dezember 2015. 

 

Value Blog Dialog: Fragen und Antworten

Sie sehen starke Wachstumsperspektiven für das Medium Print im Digitalzeitalter. Welches sind die für Sie wichtigsten Aspekte für nachhaltigen Erfolg im Print Media Geschäft?

Harald Weimer: Zunächst etwas, was viele sich nicht bewusst machen: Die Print Media-Branche ist ungebrochen stark und mit weltweit über 400 Milliarden Euro Jahresumsatz im Kerngeschäft stabil. Wachstumstreiber sind das Segment Verpackungen und bei Verfahrenstechniken der Digitaldruck. Beides sorgt für Dynamik bei nach wie vor starker Bedeutung des Offsetdrucks. Erfolgreiche Druckereien steigern ihre Effizienz weiter, um maximal schnell und flexibel zu agieren und auf neue Anforderungen im Rahmen der Globalisierung zu reagieren. Der Anteil individualisierter Printprodukte wächst dynamisch und basiert auf standardisierten Prozessen für industrielle Druck-Anwendungen. Einher geht dies mit der Digitalisierung der Geschäftsmodelle und der gesamten Lieferkette, um Kunden und Lieferanten für erweiterte Dienstleistungen einbetten zu können. Unser integrierter Ansatz z. B. mit Smart Print Shop und Smart Services beflügelt diese Entwicklungen, da wir dadurch das Prinzip der Industrie 4.0 bei unseren Kunden wie bei uns selbst verwirklichen können.

Das heisst, die Print Media-Branche inkl. ihrem Lieferanten Heideldruck steht bei der digitalen Transformation bereits sehr gut da?

Harald Weimer: Ja, denn die wichtigsten Voraussetzungen sind geschaffen und werden fokussiert ausgebaut. Industrie 4.0 respektive das Internet of Things inklusive Big Data sind Teil unserer DNA.

Das erstaunt. Gerade in Deutschland wird aller Orten gejammert und die Vorstellungswelt der Print Media-Branche wirkt sehr wert-konservativ. Viele denken nach wie vor, das Internet sei der Feind des Gedruckten…

Harald Weimer: An dieser Stelle möchte ich eine Lanze für die vielen Printbetriebe und unsere Kunden brechen. Veränderungen, gerade auch disruptiver Art, sind nichts Neues. Sie zu bewältigen gehört schon lange zum Alltag. Gleichzeitig wissen wir aus der Vergangenheit Kraft und neuen Mut zu schöpfen. Die Wende vom handwerklichen zum industrialisierten Printgeschäft ist bei den meisten unserer Kunden vollzogen. Es stellt sich nicht die Frage des „ob“, sondern des „wie“. Angefangen mit automatisierten Produktionsabläufen, inkl. dem längst etablierten JDF (Job Description Format) bis hin zu web-basierten Benchmark-Funktionen aus der Cloud sowie Real-Time-Daten aus den Maschinen entsprechen unsere Lösungen doch längst schon den Maßgaben des Internet of Things. Die Print Media-Branche ist mit anderen Innovations-getriebenen Wirtschaftsbereichen auf Augenhöhe und braucht sich nicht zu verstecken.

 

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Grafik: Heidelberg

 

Zweifler und Kritiker sagen stets: Die Komplexität wird aus Sicht vieler Druckereien durch die Digitalisierung noch größer. Und damit steigt die Zahl der Bedenkenträger, ob das alles zu bewältigen sei. Wie halten Sie dagegen?

Harald Weimer: Die Digitalisierung bietet für die Print Media-Branche enorme Chancen, aber keine Nachteile. Durch die Integration inklusive der Vernetzung der Produktionsabläufe läßt sich Komplexität reduzieren…

…können Sie bitte ein Beispiel nennen?

Harald Weimer: Es gibt schon heute Druckereien, die ihre digitalen Kunden-zu-Kunden-Beziehungen auf Basis von Industriestandards und Automatisierung entlang der gesamten Wertschöpfungs- und Lieferkette ausbauen. Kunden und Markt honorieren das mit zweistelligen Wachstumsraten.

[Anm. d. Red.: Zufall oder nicht. Fast zeitgleich zu meinem Value Blog Dialog mit Harald Weimar publizierte der Nachrichten-Sender N24 am 16. Dezember 2015 breitenwirksam aktuelle Testergebnisse. Siehe: „Online-Druckereien im Test — Sehr gute Qualität, stark unterschiedliche Preise“.]  

Und das heißt?

Harald Weimer: Wesentlich ist aus meiner Sicht zu differenzieren: Digitalisierung im Print Media-Geschäft heisst nicht nur „Internet-Lösungen“ oder „Digitaldruck“ anzubieten. Die notwendige Intelligenz liegt im gesamten Workflow, in der nahtlosen, smarten Konfiguration der Gesamtprozesse zur bestmöglichen Erfüllung der Kundenwünsche. Dadurch sind Innovationen im Angebot möglich, das im Team mit den Kunden der Druckereien weiterentwickelt werden kann. Es hilft uns allen sehr, wenn wir klarer und sauberer mit den Begrifflichkeiten richtig umgehen.

Welche Rolle spielt Heideldruck in diesen umfassenden Szenarien? Wollen und können Sie alles aus einer Hand bieten?

Harald Weimer: Wir sehen uns als Lösungspartner und Integrator, der eigene Lösungsmodule mit denen von relevanten Partnern kombiniert und als vernetztes, individuell auszulegendes Lösungspaket nutzbar macht. Partner spielen für uns heute und in Zukunft eine bedeutende Rolle um Lösungen zeitnah in den Markt zu bringen. Anders als früher geht es uns nicht nur um die beste Druckbildqualität, sondern um zeitgemäße und zukunftssichere Lösungsangebote für die Erstellung und das verfügbar Machen von maßgeschneiderten Printprodukten.

Das bedeutet eine Zäsur bzw. Trendwende bei Heideldruck, die aber nicht von Heute auf Morgen von statten geht, oder?

Harald Weimer: Wir sprechen derzeit von der Roadmap zur drupa 2016, für uns eine Art Teststrecke, auf der wir Schritt für Schritt komplettieren, was ich anspreche. Entscheidend ist, wie gesagt, die Reduktion von Komplexität durch die Digitalisierung. Print wird Teil einer Welt der „Smart Communication“ werden, wie Sie das vor Jahren schon in ihrem gleichnamigen White Paper richtig erkannt haben.

 

 

Danke, dass Sie das White Paper erwähnen. Es ist mir nach wie vor wichtig! Wie sehen Sie den Bezug von Print zu dem, was ich mit Smart Communication charakterisiert habe?

Harald Weimer: Zeitgemäße Kommunikationslösungen, die Print einbeziehen, müssen flexibel und intuitiv zu bewerkstelligen sein. Das bilden wir bis dato Workflow-technisch mit Heidelberg Prinect ab. Der Endkunde bestimmt frei und ungebunden, wie er was produziert haben will. Egal, ob im Offsetdruck oder den verschiedensten Digitaldruckverfahren, die wir bereithalten. Unter der Überschrift „Smart Collaboration“ gehen wir nun entscheidende Schritte weiter: Das Angebot, das wir bieten, besteht nicht mehr nur im ‚Produkt‘ Druckmaschine. In einem weiteren Schritt werden die Kunden künftig online einen detaillierten Überblick über die eigene Maschinenperformance erhalten. Dadurch wird eine neue Vertriebsplattform für Software, Dienstleistungen und Verbrauchsmaterialien entstehen. Es sind die integrierten, smarten Lösungen, die unseren Kunden und deren Kunden besseren Erfolg bringen müssen.

Das heisst, Sie definieren die Rolle von Print und damit die von Heideldruck komplett neu?

Harald Weimer: Explizit sind hier einige Aspekte zu nennen, wo wir weiterführen, was wir auf der drupa 2012 begonnen haben: Mit dem Benchmarking schaffen wir Transparenz für unsere Kunden, die sich Online per App orientieren können, wo sie stehen und wo Verbesserungspotentiale liegen. Unsere Service Performance-Lösungen führen wir weiter, damit der Kunde auch seinen Kunden ähnliches bieten kann. Z. B. durch das Prinect Portal oder den Prinect Web-Shop. Dies führt zu neuen E-Commerce-Plattformen, um Geschäfte künftig anders abzuwickeln. Wir bieten unseren Kunden somit zu uns und unseren Partner ganz andere Zugänge.

E-Business wird also über Web-to-Print-Anwendungen hinaus eine wesentlich wichtigere Rolle spielen, die über die Möglichkeiten des klassischen Vertriebs hinaus führen?

Harald Weimer: Wir werden zur drupa digitale Plattformen bieten, die unsere erweiterten Services einfach auffindbar und nutzbar machen werden. Dazu gehört, seine „Peers“ finden zu können, aber auch spezifische Empfehlungen und Hilfestellungen. Im Ansatz praktizieren wird das schon, tun dies künftig aber in einer ganz neuen, digital erweiterten Dimension, bei der das Mensch-zu-Mensch-Verhältnis nicht leidet.

Das klingt nach dem, was man neuerdings unter „Customer Centricity“ zusammenfasst und provoziert einen Kulturwandel, geprägt durch einen hohen Interaktionsgrad. Wie wollen sie das bewältigen?

Harald Weimer: Wir fangen bei uns selbst an. Seit Generationen ist unsere DNA geprägt durch „Druckmaschinen“, wie der Firmenname sagt. Unsere neue Strategie beinhaltet daher das Versprechen „More than Machines“ sowie das Credo „Listen. Inspire. Deliver.“, um bei unseren Mitarbeitern ein neues Wertebewusstsein zu verankern. Wir beschreiben damit, was notwenig ist, damit Dinge ineinandergreifen können, damit wir aus dem Silo-Denken rausfinden. Das Zusammenspiel zwischen Maschine-Prozess-Mensch ist neu zu definieren und bietet erhebliche Potentiale. Dies spielt in allen unseren internen Kommunikationsmaßnahmen eine wesentliche Rolle.

Wie wirkt sich der Heideldruck-interne Wandlungsprozess auf ihre Kunden-und Marktkommunikation aus?

Harald Weimer: Externe Aspekte fassen wir unter unserem drupa-Motto „Simply Smart“ zusammen. Die Digitalisierung wird vom Markt getrieben. Wir müssen sicherstellen, passende und relevante Lösungsansätze zu bieten. Dazu müssen wir in neuer Art und Weise die Kommunikation unserer Kunden mit deren Kunden einbinden, zum Beispiel indem wir durch neue Tools unterstützen. Auf der drupa 2016 als Print Media-Leitmesse werden wir das in Real-Life-Szenarien umsetzen.

Das heisst, es rücken in Ihrer erweiterten Kunden-Kunden-Kommunikation Anwendungen in den Vordergrund?

Harald Weimer: Die bei der Dezember-Pressekonferenz vor Ort im mymuesli-Shop in Heidelberg gezeigte Lösung weisst den Weg. Es stand nicht unsere 4D-Druckmaschine im Fokus, sondern die Möglichkeit, dass der mymuesli-Kunde im Laden selbst seine eigene Müsli-Verpackung am iPad gestaltet und mit unserer Jetmaster Dimension Inkjet-Druckmaschine herstellt. Wir denken im Team mit Partnern vom Endkunden her, um zu tatsächlichen Innovationen zu gelangen.

 

 

Das Start-up mymuesli.com ist für Heideldruck aber kein typischer Kunde. Sieht das Ihr Innovationsansatz vor, da mehr zu tun? 

Harald Weimer: Unsere Strategie beinhaltet, erweiterte Marktchancen zu nutzen. Um Print zu stärken, müssen wir diesen Schritt gehen, wobei Online-Druckereien auch schon 4D-Printing-Lösungen von uns nutzen. Wir unterscheiden Lösungen im engeren Sinne für Druckbetriebe, und im weiteren Sinne für Kommunikationstreibende, z. B. am Point-of-Sales.

Welche neuen Impulse haben den größten Einfluss? 

Harald Weimer: Wir betrachten derzeit viele Ansätze, die sich durch die dynamisch wachsende Nachfrage bei individualisierten Produkten ergeben. Durch 4D-Printing rückt zunehmend in den Fokus, wie sich neuartige Printanwendungen auf Produkte des Digital Lifestyle beziehen.

Last but not least: Wird sich durch Industrie 4.0, also der professionelle Bereich der IoT-Anwendungen, die Art und Weise ändern, wie Druckaufträge zustande kommen? 

Harald Weimer: Die Individualisierung ist natürlicher Bestandteil der Digitalisierung, die durch Industrie 4.0/IoT weiter Fahrt aufnimmt. Im Zuge dessen entstehen automatisierte Printanwendungen nicht mehr über klassische Einkaufswege, sondern innerhalb von Multichannel-Szenarien. Unsere Lösungen müssen alle diese neuen Aspekte berücksichtigen. Insofern lohnt es sich für weite Besucherkreise, uns auf der drupa 2016 zu besuchen.

Besten Dank für Ihr Mitwirken beim Value Blog Dialog!

 

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Zur Person: 

Ich kenne Harald Weimer seit langem, bereits als er Mitte der 1990er Jahre bei Xerox mit Digitaldruck anfing, um dann 1998 zu Heidelberg in das Direct Imaging-Vertriebsteam zu wechseln. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur war stets ein kundiger, am aktuellen Marktgeschehen hoch interessierter Macher, der den konstruktiv-kritischen Dialog schätzt. Inzwischen verfügt er über umfassende internationale Erfahrung. Seit April 2014 baut er als Vorstand Services seinen Verantwortungsbereich erfolgreich aus. Sein Thema: „Future of Print Media Industry — Roadmap to drupa 2016“.

Kurzbiografie via heidelberg.com.

 

Value Blog-Videoimpressionen (in englischer Sprache) zum Thema „Digitalisierte Welt“ von der Präsentation von Harald Weimer auf Heidelberg Pressekonferenz am 1. Dezember 2015. Aufzeichnung: Andreas Weber per iPad.

 

ValueTalk! – Canon Illustrations Series 1.001

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany. Illustration/Composing: Andreas Weber, Mainz.

 

Kommentar und Fachbeitrag von Marc Trennheuser, Marketing Manager Business Imaging Group, Office, Canon Deutschland GmbH, Krefeld.

 

Markenunternehmen kennen ihre Kunden inzwischen ganz genau, sollte man annehmen. Sie verfolgen die „Likes“ ihrer Fans, deren Ausgabegewohnheiten und die bevorzugte Art ihrer Kommunikation. Für die Marketingverantwortlichen ist das Leben scheinbar etwas einfacher geworden. Zumindest bis das „Internet der Dinge“ („IoT — Internet of Things“) Einzug hält… — Welche neuen Herausforderungen ergeben sich daraus?

Gartner prognostiziert, dass es bis zum Jahr 2020 rund 26,6 Milliarden aktive internetfähige „Devices“ geben wird. Diese intelligenten vernetzten „Gegenstände“ besitzen das Potenzial, um Werbetreibende mit einer überwältigenden Menge von Datensätzen mit unterschiedlichem Umfang zu versorgen.

Die Erfassung und Analyse von Informationen zur Unterstützung von Kampagnen ist nichts Neues. Sobald das „Internet der Dinge“ aber einmal vollständig verfügbar ist, werden CMOs, die nicht darauf vorbereitet sind, durch den Umfang und die Tiefe der dann erhältlichen Informationen wahrscheinlich vor großen Herausforderungen stehen.

Was also können Werbetreibende heute tun, um sich vorzubereiten? — Drei wesentliche Empfehlungen lassen sich nennen:

1. Die Verbindung zwischen Transparenz und Kundendaten erkennen

Die erste Herausforderung besteht darin, die Sensibilität zu erkennen, die mit dem Sammeln von Kundendaten verbunden sind. Immer wieder hat sich bestätigt, dass Data-Mining von Kunden größtenteils akzeptiert wird, wenn es zu ihrem Nutzen und auf transparente Weise geschieht. Die Supermarktkette Tesco z.B. verwendet Daten ihres Kundenbindungsprogramms, um Gutscheine für häufig gekaufte Artikel anzubieten; Google analysiert die E-Mail-Konten seiner Kunden für zielgerichtete Anzeigen und Suchergebnisse auf Basis deren Korrespondenz. An diesen Beispielen erkennt man schon, es ist ein schmaler Grat und schnell ist man einen Schritt zuweit gegangen und hat die Treue der Kunden riskiert.

Die Lehre besteht für Werbetreibende darin, sicherzustellen, dass sie die relevanten ethischen Fragen genauso verstehen wie die Erwartungen (und Rechte) ihrer Kunden in Bezug auf die Privatsphäre. Von Anfang an ist Transparenz darüber notwendig, welche Daten gesammelt werden, damit Kunden erkennen, dass sie eine Wahl haben und sich so mit dem Vorhaben einverstanden erklären können.Wie immer liegt also der Schlüssel zur Pflege der Kundenbeziehung in der glaubhaften und offenen Kommunikation.

ValueTalk! – Canon Illustrations Series 1.001

2. Erfolgsentscheidend: Die Organisation der Daten

Eine große Herausforderung besteht in der Organisation der Datensätze, die den Marketingverantwortlichen zur Verfügung stehen.

  • Wie verbinden sie Informationen über die Fahrgewohnheiten, den Kaffeekonsum und die Schlafenszeiten von Kunden?
  • Was machen sie mit den Informationen, sobald sie vorliegen?
  • Wie können sie erkennen, welcher Anteil dieser Kundenerkenntnisse am wertvollsten ist und wie können sie dann darauf aufbauend Trends und Chancen rasch erkennen und entsprechend handeln?

Die Werbetreibenden von Morgen müssen ein im Vergleich zu üblichen Marketing-Tools weitreichenderes Know-how entwickeln, damit  die mit dem „Internet der Dinge“ verbundenen Chancen optimal genutzt werden können. Um dem Mehr an Daten Herr zu werden, sind intensive statistische Methodiken zu entwickeln und zu implementieren — ohne dabei die ideale Kernkompetenz eines Werbetreibenden aus den Augen zu verlieren: die hervorragende Kommunikation mit dem Kunden.

Werbetreibende müssen außerdem die Kooperation mit den anderen Fachabteilungen ihres Unternehmens intensivieren. „Big Data“ verspricht nur Nutzen, wenn es im entsprechenden Kontext verankert wird. Oft liegt der Schlüssel zu diesem Kontext in den Zahlen anderer Abteilungen. Nur wenn diese überzeugt werden, dass es sich lohnt, potenziell sensible Daten mit dem Marketing-Team zu teilen, können durch „Big Data“ wirkliche Vorteile erzielt werden.

3. Über die Daten-Organisation hinaus: Neue Kanäle erkunden

Das Aufkommen der vernetzten Geräte setzt außerdem entscheidende Impulse für die Eröffnung neuer Marketingkanäle. Bald wird es möglich sein, Kunden über nahezu jedes vernetzte Gerät in deren Haus mit gezielten Anzeigen oder Botschaften anzusprechen.

Das bedeutet unausweichlich, dass eine noch größere Fragmentierung in Bezug auf die Kanäle eintreten wird, die Werbetreibenden offen stehen. Der Erfolg wird von der Fähigkeit abhängen, diejenigen heraussuchen und auswählen zu können, die den größten Ertrag bringen. Dabei wird es entscheidend darauf ankommen, das richtige Gleichgewicht zwischen Nutzen und Zudringlichkeit zu finden. Kühlschränke werden in der Lage sein, Werbung für eine Einkaufslieferung anzuzeigen, sobald sie feststellen, dass Lebensmittel wie Milch oder Butter fehlen. Aber werden die Verbraucher darauf positiv reagieren und es als so hilfreich empfinden, wie es sich die Unternehmen vorstellen, die diese Funktionen schaffen? Wird der Eingriff in ihr tägliches Leben den Kompromiss wert sein?

Dort, wo Daten eine Herausforderung für Werbetreibende darstellen, bieten sie auch eine Lösung. Höhere Mengen von hochwertigeren Daten sollten es theoretisch noch leichter machen, den finanziellen Ertrag einer Kampagne zu messen. Genau wie Online-Werbung das Marketing mit präzisen Ergebnismessungen wie Cost-per-Click revolutioniert hat, bietet das Internet der Dinge das Potenzial, diese Art von Präzision auf jede Kampagne auszuweiten.

 

Fazit — Our Take 
Es ist unausweichlich. Das „Internet der Dinge“ kommt. Und Werbetreibende, die sich im Voraus darauf vorbereiten, die den aktuellen Stand der Diskussion um ethische Fragen und Datenschutz intensiv studieren und die frühzeitig das Management von umfangreichen Kundendatensätzen in den Griff bekommen, werden darin die nächste große Chance finden, nach der sie bereits lange gesucht haben.

 

Weitere Informationen und Fachartikel von Canon zu wichtigen Marketing, Financial und IT-Themen:

Canon Screeshot Business Hub Exceptional

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