drupa ante portas: Print ist SMART! 

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© 2015 Bildcollage: Andreas Weber, Mainz: Fotos: Heidelberg.

 

Value Blog Dialog: Harald Weimer sieht Print durch Vernetzung und Integration an der Spitze automatisierter, smarter Kommunikationslösungen.

Von Andreas Weber

(English Version available)

 

Wie im Value-Blog und via ValuePublishing Social Media-Accounts berichtet und aus meiner Expertensicht analysiert: Heidelberger Druckmaschinen AG (kurz: Heideldruck) schickt sich mit seinem neuem, Erfolg versprechenden Kurs an, die Leitmesse drupa 2016 als global-innovative Plattform zu nutzen, um der weltweiten Druckbranche bereits im Vorfeld „anfassbare” Visionen zu vermitteln. Das Motto „Simply Smart“ soll uns in die neue Welt von „Heideldruck 4.0“ führen.

Folgerichtig wollte ich im Nachgang zur Jahresend-Pressekonferenz vom 1. und 2. Dezember 2015 vertiefende Fragen an Heideldruck-Vorstand Harald Weimer stellen. Der Top-Manager verantwortet den Wachstumsbereich Heidelberg Services. Hier wird das Dienstleistungs- und Lösungsangebot des Konzerns gebündelt und, so wie es aussieht, zielgerichtet und marktorientiert ausgebaut.

Harald Weimer präsentierte sich in seinem ersten „Value Blog Dialog“ offen, zuversichtlich und vorwärtsgerichtet. Und er stellte bezogen auf das Print Media-Geschäft erstmals einen neuen Kontext her: Es gilt für uns alle zu verstehen, dass die Digitalisierung viele Chancen, aber keinesfalls Nachteile hervorbringt, die es gilt, mit Mut und Tatkraft zu meistern! — Das neue Credo im Blick auf die drupa 2016 (in meinen Worten): Digitalisierung wird Bestandteil der DNA einer Nach-Gutenberg-Ära bei der Print im 21. Jahrhundert durch Integration und Vernetzung zum Vorreiter und Erfolgsgaranten automatisierter Kommunikationslösungen wird.

 

Überblick: Kernaussagen von Harald Weimer

  1. Die Print Media-Branche ist ungebrochen stark und mit weltweit über 400 Milliarden Euro Jahresumsatz im Kerngeschäft stabil.
  2. Der Anteil individualisierter Printprodukte wächst dynamisch und basiert auf standardisierten Prozessen für industrielle Druck-Anwendungen.
  3. Industrie 4.0 respektive das Internet of Things inklusive Big Data sind Teil unserer DNA.
  4. Veränderungen, gerade auch disruptiver Art, sind nichts Neues. Sie zu bewältigen gehört schon lange zum Alltag.
  5. Die Print Media-Branche ist mit anderen Innovations-getriebenen Wirtschaftsbereichen auf Augenhöhe und braucht sich nicht zu verstecken.
  6. Digitalisierung im Print Media-Geschäft heisst nicht nur „Internet-Lösungen“ oder „Digitaldruck“ anzubieten.
  7. Print wird Teil einer Welt der „Smart Communication“ werden.
  8. Unsere neue Strategie beinhaltet daher das Versprechen „More than Machines“ sowie das Credo „Listen. Inspire. Deliver“, um bei unseren Mitarbeitern ein neues Wertebewusstsein zu verankern.
  9. Das Zusammenspiel zwischen Maschine-Prozess-Mensch ist neu zu definieren und bietet erhebliche Potentiale.
  10. Simply Smart — Wir denken im Team mit Partnern vom Endkunden her, um zu tatsächlichen Innovationen zu gelangen.
  11. Durch 4D-Printing rückt zunehmend in den Fokus, wie sich neuartige Printanwendungen auf Produkte des Digital Lifestyle beziehen.
  12. Die Individualisierung ist natürlicher Bestandteil der Digitalisierung, die durch Industrie 4.0/IoT weiter Fahrt aufnimmt. Im Zuge dessen entstehen automatisierte Printanwendungen nicht mehr über klassische Einkaufswege, sondern innerhalb von Multichannel-Szenarien.

 

Hinweis: Das Video von Rhein-Neckar-Fernsehen zeigt, wie Anwendungen von Printinnovationen sofort hohe Aufmerksamkeit finden. Es entstand während der Heideldruck Pressekonferenz am 2. Dezember 2015. 

 

Value Blog Dialog: Fragen und Antworten

Sie sehen starke Wachstumsperspektiven für das Medium Print im Digitalzeitalter. Welches sind die für Sie wichtigsten Aspekte für nachhaltigen Erfolg im Print Media Geschäft?

Harald Weimer: Zunächst etwas, was viele sich nicht bewusst machen: Die Print Media-Branche ist ungebrochen stark und mit weltweit über 400 Milliarden Euro Jahresumsatz im Kerngeschäft stabil. Wachstumstreiber sind das Segment Verpackungen und bei Verfahrenstechniken der Digitaldruck. Beides sorgt für Dynamik bei nach wie vor starker Bedeutung des Offsetdrucks. Erfolgreiche Druckereien steigern ihre Effizienz weiter, um maximal schnell und flexibel zu agieren und auf neue Anforderungen im Rahmen der Globalisierung zu reagieren. Der Anteil individualisierter Printprodukte wächst dynamisch und basiert auf standardisierten Prozessen für industrielle Druck-Anwendungen. Einher geht dies mit der Digitalisierung der Geschäftsmodelle und der gesamten Lieferkette, um Kunden und Lieferanten für erweiterte Dienstleistungen einbetten zu können. Unser integrierter Ansatz z. B. mit Smart Print Shop und Smart Services beflügelt diese Entwicklungen, da wir dadurch das Prinzip der Industrie 4.0 bei unseren Kunden wie bei uns selbst verwirklichen können.

Das heisst, die Print Media-Branche inkl. ihrem Lieferanten Heideldruck steht bei der digitalen Transformation bereits sehr gut da?

Harald Weimer: Ja, denn die wichtigsten Voraussetzungen sind geschaffen und werden fokussiert ausgebaut. Industrie 4.0 respektive das Internet of Things inklusive Big Data sind Teil unserer DNA.

Das erstaunt. Gerade in Deutschland wird aller Orten gejammert und die Vorstellungswelt der Print Media-Branche wirkt sehr wert-konservativ. Viele denken nach wie vor, das Internet sei der Feind des Gedruckten…

Harald Weimer: An dieser Stelle möchte ich eine Lanze für die vielen Printbetriebe und unsere Kunden brechen. Veränderungen, gerade auch disruptiver Art, sind nichts Neues. Sie zu bewältigen gehört schon lange zum Alltag. Gleichzeitig wissen wir aus der Vergangenheit Kraft und neuen Mut zu schöpfen. Die Wende vom handwerklichen zum industrialisierten Printgeschäft ist bei den meisten unserer Kunden vollzogen. Es stellt sich nicht die Frage des „ob“, sondern des „wie“. Angefangen mit automatisierten Produktionsabläufen, inkl. dem längst etablierten JDF (Job Description Format) bis hin zu web-basierten Benchmark-Funktionen aus der Cloud sowie Real-Time-Daten aus den Maschinen entsprechen unsere Lösungen doch längst schon den Maßgaben des Internet of Things. Die Print Media-Branche ist mit anderen Innovations-getriebenen Wirtschaftsbereichen auf Augenhöhe und braucht sich nicht zu verstecken.

 

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Grafik: Heidelberg

 

Zweifler und Kritiker sagen stets: Die Komplexität wird aus Sicht vieler Druckereien durch die Digitalisierung noch größer. Und damit steigt die Zahl der Bedenkenträger, ob das alles zu bewältigen sei. Wie halten Sie dagegen?

Harald Weimer: Die Digitalisierung bietet für die Print Media-Branche enorme Chancen, aber keine Nachteile. Durch die Integration inklusive der Vernetzung der Produktionsabläufe läßt sich Komplexität reduzieren…

…können Sie bitte ein Beispiel nennen?

Harald Weimer: Es gibt schon heute Druckereien, die ihre digitalen Kunden-zu-Kunden-Beziehungen auf Basis von Industriestandards und Automatisierung entlang der gesamten Wertschöpfungs- und Lieferkette ausbauen. Kunden und Markt honorieren das mit zweistelligen Wachstumsraten.

[Anm. d. Red.: Zufall oder nicht. Fast zeitgleich zu meinem Value Blog Dialog mit Harald Weimar publizierte der Nachrichten-Sender N24 am 16. Dezember 2015 breitenwirksam aktuelle Testergebnisse. Siehe: „Online-Druckereien im Test — Sehr gute Qualität, stark unterschiedliche Preise“.]  

Und das heißt?

Harald Weimer: Wesentlich ist aus meiner Sicht zu differenzieren: Digitalisierung im Print Media-Geschäft heisst nicht nur „Internet-Lösungen“ oder „Digitaldruck“ anzubieten. Die notwendige Intelligenz liegt im gesamten Workflow, in der nahtlosen, smarten Konfiguration der Gesamtprozesse zur bestmöglichen Erfüllung der Kundenwünsche. Dadurch sind Innovationen im Angebot möglich, das im Team mit den Kunden der Druckereien weiterentwickelt werden kann. Es hilft uns allen sehr, wenn wir klarer und sauberer mit den Begrifflichkeiten richtig umgehen.

Welche Rolle spielt Heideldruck in diesen umfassenden Szenarien? Wollen und können Sie alles aus einer Hand bieten?

Harald Weimer: Wir sehen uns als Lösungspartner und Integrator, der eigene Lösungsmodule mit denen von relevanten Partnern kombiniert und als vernetztes, individuell auszulegendes Lösungspaket nutzbar macht. Partner spielen für uns heute und in Zukunft eine bedeutende Rolle um Lösungen zeitnah in den Markt zu bringen. Anders als früher geht es uns nicht nur um die beste Druckbildqualität, sondern um zeitgemäße und zukunftssichere Lösungsangebote für die Erstellung und das verfügbar Machen von maßgeschneiderten Printprodukten.

Das bedeutet eine Zäsur bzw. Trendwende bei Heideldruck, die aber nicht von Heute auf Morgen von statten geht, oder?

Harald Weimer: Wir sprechen derzeit von der Roadmap zur drupa 2016, für uns eine Art Teststrecke, auf der wir Schritt für Schritt komplettieren, was ich anspreche. Entscheidend ist, wie gesagt, die Reduktion von Komplexität durch die Digitalisierung. Print wird Teil einer Welt der „Smart Communication“ werden, wie Sie das vor Jahren schon in ihrem gleichnamigen White Paper richtig erkannt haben.

 

 

Danke, dass Sie das White Paper erwähnen. Es ist mir nach wie vor wichtig! Wie sehen Sie den Bezug von Print zu dem, was ich mit Smart Communication charakterisiert habe?

Harald Weimer: Zeitgemäße Kommunikationslösungen, die Print einbeziehen, müssen flexibel und intuitiv zu bewerkstelligen sein. Das bilden wir bis dato Workflow-technisch mit Heidelberg Prinect ab. Der Endkunde bestimmt frei und ungebunden, wie er was produziert haben will. Egal, ob im Offsetdruck oder den verschiedensten Digitaldruckverfahren, die wir bereithalten. Unter der Überschrift „Smart Collaboration“ gehen wir nun entscheidende Schritte weiter: Das Angebot, das wir bieten, besteht nicht mehr nur im ‚Produkt‘ Druckmaschine. In einem weiteren Schritt werden die Kunden künftig online einen detaillierten Überblick über die eigene Maschinenperformance erhalten. Dadurch wird eine neue Vertriebsplattform für Software, Dienstleistungen und Verbrauchsmaterialien entstehen. Es sind die integrierten, smarten Lösungen, die unseren Kunden und deren Kunden besseren Erfolg bringen müssen.

Das heisst, Sie definieren die Rolle von Print und damit die von Heideldruck komplett neu?

Harald Weimer: Explizit sind hier einige Aspekte zu nennen, wo wir weiterführen, was wir auf der drupa 2012 begonnen haben: Mit dem Benchmarking schaffen wir Transparenz für unsere Kunden, die sich Online per App orientieren können, wo sie stehen und wo Verbesserungspotentiale liegen. Unsere Service Performance-Lösungen führen wir weiter, damit der Kunde auch seinen Kunden ähnliches bieten kann. Z. B. durch das Prinect Portal oder den Prinect Web-Shop. Dies führt zu neuen E-Commerce-Plattformen, um Geschäfte künftig anders abzuwickeln. Wir bieten unseren Kunden somit zu uns und unseren Partner ganz andere Zugänge.

E-Business wird also über Web-to-Print-Anwendungen hinaus eine wesentlich wichtigere Rolle spielen, die über die Möglichkeiten des klassischen Vertriebs hinaus führen?

Harald Weimer: Wir werden zur drupa digitale Plattformen bieten, die unsere erweiterten Services einfach auffindbar und nutzbar machen werden. Dazu gehört, seine „Peers“ finden zu können, aber auch spezifische Empfehlungen und Hilfestellungen. Im Ansatz praktizieren wird das schon, tun dies künftig aber in einer ganz neuen, digital erweiterten Dimension, bei der das Mensch-zu-Mensch-Verhältnis nicht leidet.

Das klingt nach dem, was man neuerdings unter „Customer Centricity“ zusammenfasst und provoziert einen Kulturwandel, geprägt durch einen hohen Interaktionsgrad. Wie wollen sie das bewältigen?

Harald Weimer: Wir fangen bei uns selbst an. Seit Generationen ist unsere DNA geprägt durch „Druckmaschinen“, wie der Firmenname sagt. Unsere neue Strategie beinhaltet daher das Versprechen „More than Machines“ sowie das Credo „Listen. Inspire. Deliver.“, um bei unseren Mitarbeitern ein neues Wertebewusstsein zu verankern. Wir beschreiben damit, was notwenig ist, damit Dinge ineinandergreifen können, damit wir aus dem Silo-Denken rausfinden. Das Zusammenspiel zwischen Maschine-Prozess-Mensch ist neu zu definieren und bietet erhebliche Potentiale. Dies spielt in allen unseren internen Kommunikationsmaßnahmen eine wesentliche Rolle.

Wie wirkt sich der Heideldruck-interne Wandlungsprozess auf ihre Kunden-und Marktkommunikation aus?

Harald Weimer: Externe Aspekte fassen wir unter unserem drupa-Motto „Simply Smart“ zusammen. Die Digitalisierung wird vom Markt getrieben. Wir müssen sicherstellen, passende und relevante Lösungsansätze zu bieten. Dazu müssen wir in neuer Art und Weise die Kommunikation unserer Kunden mit deren Kunden einbinden, zum Beispiel indem wir durch neue Tools unterstützen. Auf der drupa 2016 als Print Media-Leitmesse werden wir das in Real-Life-Szenarien umsetzen.

Das heisst, es rücken in Ihrer erweiterten Kunden-Kunden-Kommunikation Anwendungen in den Vordergrund?

Harald Weimer: Die bei der Dezember-Pressekonferenz vor Ort im mymuesli-Shop in Heidelberg gezeigte Lösung weisst den Weg. Es stand nicht unsere 4D-Druckmaschine im Fokus, sondern die Möglichkeit, dass der mymuesli-Kunde im Laden selbst seine eigene Müsli-Verpackung am iPad gestaltet und mit unserer Jetmaster Dimension Inkjet-Druckmaschine herstellt. Wir denken im Team mit Partnern vom Endkunden her, um zu tatsächlichen Innovationen zu gelangen.

 

 

Das Start-up mymuesli.com ist für Heideldruck aber kein typischer Kunde. Sieht das Ihr Innovationsansatz vor, da mehr zu tun? 

Harald Weimer: Unsere Strategie beinhaltet, erweiterte Marktchancen zu nutzen. Um Print zu stärken, müssen wir diesen Schritt gehen, wobei Online-Druckereien auch schon 4D-Printing-Lösungen von uns nutzen. Wir unterscheiden Lösungen im engeren Sinne für Druckbetriebe, und im weiteren Sinne für Kommunikationstreibende, z. B. am Point-of-Sales.

Welche neuen Impulse haben den größten Einfluss? 

Harald Weimer: Wir betrachten derzeit viele Ansätze, die sich durch die dynamisch wachsende Nachfrage bei individualisierten Produkten ergeben. Durch 4D-Printing rückt zunehmend in den Fokus, wie sich neuartige Printanwendungen auf Produkte des Digital Lifestyle beziehen.

Last but not least: Wird sich durch Industrie 4.0, also der professionelle Bereich der IoT-Anwendungen, die Art und Weise ändern, wie Druckaufträge zustande kommen? 

Harald Weimer: Die Individualisierung ist natürlicher Bestandteil der Digitalisierung, die durch Industrie 4.0/IoT weiter Fahrt aufnimmt. Im Zuge dessen entstehen automatisierte Printanwendungen nicht mehr über klassische Einkaufswege, sondern innerhalb von Multichannel-Szenarien. Unsere Lösungen müssen alle diese neuen Aspekte berücksichtigen. Insofern lohnt es sich für weite Besucherkreise, uns auf der drupa 2016 zu besuchen.

Besten Dank für Ihr Mitwirken beim Value Blog Dialog!

 

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Zur Person: 

Ich kenne Harald Weimer seit langem, bereits als er Mitte der 1990er Jahre bei Xerox mit Digitaldruck anfing, um dann 1998 zu Heidelberg in das Direct Imaging-Vertriebsteam zu wechseln. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur war stets ein kundiger, am aktuellen Marktgeschehen hoch interessierter Macher, der den konstruktiv-kritischen Dialog schätzt. Inzwischen verfügt er über umfassende internationale Erfahrung. Seit April 2014 baut er als Vorstand Services seinen Verantwortungsbereich erfolgreich aus. Sein Thema: „Future of Print Media Industry — Roadmap to drupa 2016“.

Kurzbiografie via heidelberg.com.

 

Value Blog-Videoimpressionen (in englischer Sprache) zum Thema „Digitalisierte Welt“ von der Präsentation von Harald Weimer auf Heidelberg Pressekonferenz am 1. Dezember 2015. Aufzeichnung: Andreas Weber per iPad.

 

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