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Tag Archives: Gisela Rapp

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Ein Meister der Inszenierung von Literatur: Hermann Rapp vor seinen Exponaten “Hinterlassenschaft einer Zukunftsidee” im Jahr 2011. — Foto: Nachlass Hermann Rapp.

„Etwas Altes wird etwas Neues!“ – Das künstlerische Werk von Hermann Rapp (1937—2015) führt uns zum Wesentlichen aus dem sich das Werthaltige formiert: Der Inszenierung von Literatur durch einzigartige Buchkunst. 

Das Goethe-Haus des Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt am Main zeigt zur Jahreswende 2018/2019 eine Auswahl an Werken von Hermann Rapp; in diesem besonderem Mix aus Inhalt und Form, Idee und Materialhaftigkeit, Demut und Wirksamkeit, muss man als kunstfertige Visualisierung und Manifestierung der Rhetorik, die spätestens seit Cicero in der Antike als hochentwickelte Form der Kunst galt. Der kreative Diskurs, getragen von Empathie, Dialektik, Interaktion und Kritikfähigkeit findet mehrfach, auf vielen Ebenen statt.

Die Art und Weise, wie Hermann Rapp Literatur inszenieren konnte, ist weltweit einzigartig. Dies führt über das, was wir an Buchkunst kennen und schätzen, weit hinaus. Um so wichtiger, dass sich das Goethe-Haus seiner Kunst widmet. Welch besseren Ausstellung-Ort kann man sich wünschen?“, erläutert Andreas Weber, der die Laudatio halten wird.  — Zur Einstimmung auf die Eröffnung und Ausstellung ist auf den Nachruf für Hermann Rapp und  auf seine Liebe insbesondere zu Hölderlin hinzuweisen.


 

Als wunderbarer Vorgeschmack auf die Ausstellung im Goethe-Haus: Hermann Rapp inszeniert “Goethe — Die Natur” durch ein herausragendes Kassettenwerk von 1999 mit 21 doppelseitigen, im Linoldruck illustrierten Bögen. Auflage: 11 Exemplare plus zwei Vorzugsausgaben mit einem Gobelin auf der Kassettendecks von Gisela Rapp.

Goethes Text folgt einer Ausgabe der Büchergilde Gutenberg von 1958 und ist im Bleisatz aus der von Georg Trump 1968 entworfenen ‘Mauritius’ gesetzt.

Für den handwerklichen Druck in seiner Offizin Die Goldene Kanne nutzte Hermann Rapp ein normalerweise kaum zu bedruckendes Naturpapier, das im Himalaya aus dem Bast des Lokta-Strauches geschöpft wird (geliefert von Japico, Dietzenbach). Die Kassette fertigte Harald Kühn in Kelkheim.


Infobox

„… die Schönheit der Sprache jedoch strahlt“. — DER BUCHKÜNSTLER HERMANN RAPP

Ausstellung im Goethe-Haus zu Frankfurt am Main vom 3. Dezember 2018 bis 3. Februar 2019

Eröffnung: 2. Dezember 2018, 11.00 Uhr
Laudatio: Andreas Weber

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 10.00-18.00 Uhr, Sonn- und Feiertage, 10.00-17.30 Uhr
Geänderte Öffnungszeiten: 24., 25., 31. Dezember, 1. Januar geschlossen

PLakat Goethe-Haus zu Hermann Rapp

BEGLEITPROGRAMM

Offene Werkstatt: Anlässlich der Ausstellung des Buchkünstlers Hermann Rapp bietet das Freie Deutsche Hochstift eine offene Werkstatt zum Mitmachen an. Museumsbesucher haben einmalig die Gelegenheit, mit den originalen Druckplatten des Künstlers ihre eigenen Blätter kunstvoll zu bedrucken. Ab 5 Jahren. Im Eintrittspreis inklusive.

2. Dezember 2018, 12.30 bis 14.30 Uhr und 9. Dezember 2018, 11.00 bis 14.00 Uhr

Führungen für Gruppen und Schulklassen richten wir auf Anfrage gern ein.

Weitere Informationen: Tel. (069) 13880-0 | E- Mail: anmeldung@goethehaus-frankfurt.de


 

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Hermann Rapp vor seinen Exponaten “Hinterlassenschaft einer Zukunftsidee” im Jahr 2011. — Foto: Nachlass Hermann Rapp.

 

Dr. Joachim Seng, Leiter der Bibliothek Freies Deutsches Hochstift Frankfurter Goethe-Museum und Kurator der Ausstellung, fasst das aus seiner Sicht Wichtige wie folgt zusammen:

Hermann Rapp, Schriftsetzer, Holzschneider und Graphiker, zählt zu den bedeutenden Buchkünstlern der Gegenwart. Nach vielen Jahren als Schriftsetzer und Künstlerischer Leiter eines Frankfurter Verlagshauses gründete er 1989 mit seiner Frau Gisela eine eigene Bleisatzwerkstatt: die Offizin ‚Die Goldene Kanne‘ in Neuweilnau im Taunus. Der Name ist auch inspiriert von Goethes Mutter, die ihre letzten Jahre im Haus zum Goldenen Brunnen am Roßmarkt verbrachte. Rapps Offizin pflegte er die klassische und experimentelle Typographie mit Bleisatz und Originalgraphik. 

Dabei verwendete Rapp neugegossene und alte, aufgefundene Schriften sowie handverlesene Bütten-und Konsumpapiere. Dem Leitspruch berühmter Vorbilder folgend, dass ein Buch aus den fünf Elementen Text, Schrift, Farbe, Papier und Einband besteht, aus denen eine zeitlose Einheit enstehen müsse, schuf er nach den alten Regeln für Satz und Druck Bücher von vollendeter Schönheit. 

 


 

Nachtrag: Die Ausstellungseröffnung war ein grandioser Erfolg. Impressionen in Kurzform (Videoanimation: Andreas Weber)

 

 


 

Schwerpunkt der ausgewählten Literatur liegt bei Texten von Goethe und Schiller, eine besondere Zuneigung gilt jedoch dem Werk Hölderlins, mit dem auch die Nähe zu den altgriechischen Denkern und Dichtern gesucht wird. Zu den Dichtern der Offizin Die Goldenen Kanne gehören daher auch Homer, Sappho und Sophokles. 

Und auch die Deutsche Romantik inspirierte Rapp. Zu einem Manuskript aus dem Kreis um Hegel, Schelling, Hölderlin, das erst 1917 als ältestes „Systemprogramm des deutschen Idealismus“ veröffentlicht wurde, schuf er unter dem Titel ‚Hinterlassenschaft einer Zukunftsidee‘ einen einzigartigen Pressendruck mit mehrfarbige Original-Graphiken als Linolschnitte. 

Rapps Editionen erschienen alle in kleinsten Auflagen und finden sich längst in bedeutenden öffentlichen Sammlungen, wie der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar oder dem Gutenberg.Museum Mainz. 

Dank einer großzügigen Schenkung von Gisela Rapp verfügt das Freie Deutsche Hochstift heute über die umfangreichste Sammlung mit Werken der Offizin Die Goldene Kanne. Einige der schönsten Stücke der Offizin, in denen Klassik und Romantik kunstvoll miteinander in Beziehung gesetzt werden, sind nun in der Ausstellung zu sehen.

 

Hermann Rapp auf der Buchmesse 2009 mit Schillerbuch

Hermann Rapp mit seinem Stand auf der Buchmesse 2009 mit Schillerbuch. — Foto: Nachlass Hermann Rapp

 


 

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© 2015 by Value Communication AG, Mainz/Germany. Photos/Collage: Gunda Vera Schwarz, Andreas Weber, Frankfurt am Main/Germany.

Willkommen im Kommunikationsparadies!

Dr. Otto Martin hatte nach der Sommerpause zum Jour Fixe des Kunstverein Eisenturm Mainz (KEM) an einen besonderen Ort eingeladen. Gastgeber war am 2. September 2015 Andreas Weber, Gründer der Value Communication AG und Mitglied im Vorstand des KEM. Er stellte im Team mit den Künstlerinnen Fee Fleck, Gisela Rapp und Valy Wahl unter dem Thema „Zeitenwende — Kunst mal anders“ sein ‚Kommunikationsparadies’ in der Mainzer Walpodenstrasse vor. Motto des Abends: „Kunst ist Kommunikation. Und Kommunikation ist (eine) Kunst!“ — Daraus ergaben sich vielfältige Interaktionsmöglichkeiten, die nicht nur darauf abzielen, dass das Werk des Künstlers für sich spreche oder von Kunsthistorikern gedeutet werde müsse; vielmehr wurde präsentiert, wie Künstler und Betrachter persönlich wie auch medial ins Gespräch kommen und den Dialog nachhaltig aufrecht erhalten können.

„Es erwartet uns heute ein Highlight innerhalb unserer Jour-Fixe-Veranstaltungsreihe“, betonte Dr. Otto Martin bei seiner Einführungsrede. Und ergänzte: „Ein Highlight aufgrund hoch intensiver Vorbereitungen — mit sehr gelungener Strukturierung verschiedener künstlerischer Techniken, verschiedener Künstlerinnen und Kunstgattungen. Dank an Andreas Weber, dass er für uns seine Schatzkammer geöffnet hat!

40 Teilnehmer waren gekommen — die Zahl passt exakt zum 40. Jubiläum des KEM seit der Gründung. Die Gäste zeigten sich von den kreativen Anregungen aus erweitertem Blickwinkel begeistert. Für alle ergab sich die Gelegenheit zu inspirierten Gesprächen, sinnlichen Erfahrungen und einem regem Gedanken- und Meinungsaustausch. Die meisten profitierten von neuen, unverhofften Kontakten, da eine ganze Reihe von Gästen zum ersten Mal an einem Jour-Fixe des KEM teilnahmen. Neben dem Kunstgenuss gab es für die Gäste einen speziell „komponierten“ Imbiss sowie feinen Sekt der Goldhand Sektkellerei, den der Inhaber Walter Könitz gestiftet hatte.

Kunst als essentieller Bestandteil unserer Kommunikationskultur

Warum geben wir der Kunst und den Künstlern nicht mehr Raum in unserem Alltag — nicht als Element der Unterhaltung, sondern elementar als Katalysator unseres Verstehens?“ Diese Frage richtete Andreas Weber an das Publikum und die Mitwirkenden. Er betonte, dass sein Mainzer Kommunikationsparadieses als ein Wirkungsraum für Interaktionen und Gespräche angelegt ist. Gespräche über das Leben, die Kunst, die Technologien, die Sinnhaftigkeit unseres Daseins und Tuns. Diese Gespräche werden beflügelt durch das künstlerische Schaffen vieler Disziplinen, multisensorisch und vielfältig erfahrbar. Die Gäste machte Andreas Weber mit vier verschiedenen Kunstprojekten vertraut, die teilweise gerade abgeschlossen, teilweise noch in der Entwicklung sind:

Analog trifft Digital: Kunst mal anders!

Alle Programmpunkte machten anschaulich, was wie und warum im Kommunikationsparadies geschieht: „Kunst und Künstler weisen uns den Weg. Wir bilden das, was wir anders oder neu wahrnehmen durch eine zielgerichtete Kommunikation aus. Dazu gehört, dass alle unsere Projekte/Aktivitäten stets medial erfahrbar sind. Über Gedrucktes und ganz anders wirkungsstark in digitaler Form, nutzbar von vielen Menschen rund um den Globus während wir hier versammelt sind.“ Ein Highlight unter den Highlights war, als Valy Wahl im Team mit Andreas Weber vorführte, wie über ihre Malerei kommuniziert wird: Valy trug eine Selbstbeschreibung vor, die als Text vorbereitet war. Und der eine digitale Video-Animation per Computer/YouTube und Facebook zur Seite steht. Bilder aus der Entwurfsphase von Valys neuen Malereien wurden gezielt für Spezialeffekte genutzt, mit transitorisch-medialen Elementen. Um der Flüchtigkeit des Digitalen am Bildschirm zu entkommen, wurde die zugrunde liegenden Bild-Textseiten als großformatiges Zick-Zack-Leporello gedruckt. Das Leporello wurde vor den staunenden Augen der Gäste blitzschnell entfaltet und auf eine Länge von über fünf Metern durch den Raum gezogen.

Der Jour Fixe des KEM, mit allen seinen engagierten Akteuren, ermöglichte einen gelungenen Appell an alle im Umgang mit Kunst und den Exponaten im Kommunikationsparadies: HINGUCKEN. Stöbern, Lustwandeln, Genießen, Staunen. Reden und Zuhören… Sprich alle Sinne beanspruchen. 

Andreas Weber ergänzte zum Abschluss: „Das Kommunikationsparadies steht allen offen, die sich sinnvoll  einbringen wollen und können. Seit Beginn durch das Zeitenwende-New York-Projekt zum Jahr 2000 hatten wir in diesen Räumen viele tausend Besucher aus Dutzenden von Ländern rund um die Welt. Der persönlichen Begegnung stehen besondere, international ausgerichteten Projekte zur Seite, inklusive Workshops, Seminaren, Round-Table-Gesprächen, einem Artist-in-Residence-Programm und vielem mehr. Besten Dank für das Interesse. Heute ist ein ganz besonderer Tag. Vielen Dank dafür.“

Hinweis:
Anfragen zum Kommunikationspradies und Möglichkeiten der Zusammenarbeit können direkt an Andreas Weber gerichtet werden.

Impressionen vom Jour Fixe des Kunstverein Eisenturm am 2. September 2015 im Kommunikationsparadies, arrangiert von Andreas Weber

Foto-Inszenierung von Dr. Martin Kosa: