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Tag Archives: #drupa2020

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Von Andreas Weber, Head of Value | English version via INKISH.News

 


Selbst mehr als eine Dekade nach dem Aufkommen von Social Media und den damit verbundenen dramatischen Veränderungen in der Kommunikation tut sich insbesondere die Print-Branche schwer mit der neuen, digitalen Art, Geschäftskommunikation per Social Media zu betreiben, um das Go-to-Market zeitgemäß und nachhaltig erfolgreich zu gestalten.

 


 

Für die #drupa2020 als globale Leitmesse einer Branche, die global pro Jahr rund 1.000 Milliarden Euro umsetzt, wird es wichtiger denn je, vor, während und nach der Messe wirkungsvoll zu kommunizieren und zu interagieren. Das gilt für alle: Messeveranstalter, Aussteller, Besucher und vor allem für Fachmedien.

Keine Frage: Es ist zwingend, einen eigenen Weg zu finden, um Kunden und Interessenten medial direkt anzusprechen. Und es gibt auch sinnvolle Möglichkeiten. Nur: Es werden teils wirre Thesen vertreten und kolportiert.

Viele folgen dem Prinzip ‚Gewollt, aber nicht gekonnt‘. Gerade auch Print-Fachmedien, die ihre Print-Titel mit Websites ergänzt haben, seit Jahren an Lesern, Reichweite und damit Bedeutung verlieren, und sich daher mit dem gewohnten Redaktionskonzept hilfesuchend auf Social Media stürzen, um auch dort die gleichen Inhalte zu publizieren.

Ähnlich tun es viele Unternehmen, die ihre Pressemitteilungen unverändert an Fachmedien senden, auf ihren Websites selbst publizieren und auf Plattformen wie Twitter, Facebook, XING oder LinkedIn teasern. Dass dies nicht wirken kann, ist evident: die meisten schaffen keinen nennenswerten Response, ihre Botschaften verpuffen.

Richtig oder Falsch? — Einige Tipps

Falsch: Social Media bietet viele Kanäle.

Richtig: Social Media ist ein Überbegriff für zahlreiche spezifische, auf Interaktion ausgerichtete Plattformen der digitalen Kommunikation. Plattformen für Bilder (z.B. Instagram), für Videos (z.B. YouTube oder auch Facebook), für Kurznachrichten (allen voran Twitter), fürs Geschichten erzählen (Blogs via WordPress, Medium u.a.), für Spaß und Unterhaltung (TikTok), für Podcasts (v.a. iTunes)  für persönliches Netzwerken (z. B. WhatsApp, Messenger, WeChat) und für B2B-Kommunikation (v.a. LinkedIn). Und last but not least: für kollaboratives Publizieren von Fachinhalten (z.B. für Print durch INKISH.TV und INKISH.News).

Falsch: Social Media lebt von vielen kurzen Meldungen, die gepusht werden, um möglichst viel Reichweite aufzubauen.

Richtig: Jede Art von Inhalt kann individuell, höchst spezifisch und multimedial genutzt werden, um Interaktionen zu erzeugen und Dialoge herzustellen. Fast wie bei einem persönlichen Gespräch.

Falsch: Social Media führt zur Informationsüberflutung.

Richtig: Wer per Social Media lernt, die richtigen Plattformen für seine Absichten auszuwählen, seine „Botschaften“ spezifisch gestaltet, inkl. dem Feedback-Management und der passenden Verschlagwortung, und sich bestens vernetzt, wird nicht Opfer von (sinnloser) Information, sondern deren Gestalter. Nebeneffekt: Kosten entstehen dabei kaum. Und sich kurz zu fassen, auf den Punkt zu kommen, um für sich und seine Inhalte Sympathie zu schaffen, ist ein riesiges Plus!

Falsch: Social Media ist oberflächlich und kurzlebig — Inhalte erleiden das Schicksal von Eintagsfliegen.

Richtig: Die wichtigsten Inhalte, ob beruflich oder privat, finden sich heute und morgen auf Social Media-Plattformen, sind messbar, werden grossteils von Google dauerhaft indiziert und sind stets auffindbar. Zudem ist die Interaktionsbereitschaft der Nutzer maximal hoch, da die Plattformen einfach zu bedienen sind, man sich nicht mit Anwendungstechniken, Updates etc. beschäftigen muss, sondern voll und ganz auf Inhalte fokussieren kann.

Lichtblick

Social Media hat sich bei Innovatoren und Start-ups im Print bereits erfolgreich etabliert. Smarte Anbieter von Fotobuch-Applikationen sowie Spezialanwendungen bei Textil- oder Tapetendruck, Mass Customization, Postkarten, Postern etc. begründen ihr Geschäftsmodell auf Social-Media-Plattformen. Die meisten tun dies für mobile Kommunikation via Smartphone und Tablet.

Zudem lassen sich Social Media-Inhalte und -Aktivitäten in Multichannel-Szenarien einbinden, was allerdings bei Druckereien wie auch bei ihren Lieferanten kaum richtig bewertet bzw. eingesetzt wird. Wie sonst könnte man darauf kommen, Social Media als Erweiterung von überkommenem Direktmarketing und damit als neuen Push-Kanal zur Informationsvervielfältigung dessen zu nutzen?

Fazit

Das Wesentliche ist aus meiner Sicht, auf Dialoge/Konversationen und Interaktionen zu setzen, sowie die Befindlichkeit der Einzelnen auf den unterschiedlichen Plattformen zu evaluieren und darauf einzugehen, was problemlos funktioniert, da Social Media erlaubt, Marktforschung in Echtzeit zu betreiben.

Damit könnte der neuen Maßgabe gedient werden, die das Digitalzeitalter zwingend macht: Nicht was ich kundtun will, ist relevant, sondern das, was ich lernen kann durchs Zuhören, Diskutieren, Durchdenken, Bewerten usw., um daraus kundenorientierte, maßgeschneiderte Angebote zu gestalten.

Ratschläge

  • Position überdenken — Perspektive wechseln!
  • Fundamental-Irrtümer unterlassen.
  • Sich persönlich durch aktive Social-Media-Arbeit kundig machen, um einen klaren Fokus zu finden.
  • Das Wesen moderner Kommunikation im Digitalzeitalter verinnerlichen: „Interaktion durch Konversation“ in den Mittelpunkt stellen und stringent verfolgen, um sich smart ins Gespräch zu bringen und als attraktiver Partner für Innovation und Transformation zu profilieren.
  • Nicht mehr den falschen Propheten folgen, sondern lieber eigene Wissensnetzwerke aufbauen.
  • Angesichts der Tatsache, dass sich im Zuge der Transformation der Print-Branche die bereits enorm große Komplexität noch steigert, z. B. durch Themen wie Künstliche Intelligenz, IoT, Subskritions-Modelle, Blockchain etc., sind kontinuierliche Konversationen in Netzwerken und auf Plattformen zwingend.

Wer das tut, wird schnell angenehm überrascht sein und wandelt sich im besten Fall zum exzellent vernetzten Wissensarbeiter!

Addendum

Ich selbst nutze Social Media von der ersten Stunde an. Und habe einen systematischen Ansatz entwickelt, die für mich relevanten Plattformen zu identifizieren und erfolgreich zu nutzen. Mit meinen Blogs erreiche ich über 150k Profis aus fast 160 Ländern, bin per LinkedIn mit fast 23k Entscheidern direkt im Kontakt, ergänzt durch zusammengefasst rund 10k weitere per LinkedIn, Twitter, Facebook, XING. Zahlose spannende Kontakte und Projekte konnten so generiert werden. 

Gerne gebe ich Interessierten weitere Tipps und Hilfestellung.

 


 

Hinweis

Für Innovationsinteressierte empehle ich die Lektüre von #hotspotsubscription, meinem neuen Fach-Blog zu digitaler Transformation durch neue Geschäftsmodelle via #subscription. Der Blog kann kostenfrei subskribiert werden!

 

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#drupa2020

By Andreas Weber, Head of Value  |  German Version

Note / supplement

The first publication of this article in September 2019 produced a worldwide response. Mostly my assessment was shared. Above all, it was discussed how and if technology fairs can serve to strengthen or even improve the situation of printing companies and to develop future potential. The result: Yes, this succeeds if the focus is not only on exhibitor needs, but places the interests and the situation of the visitors in the center.

The situation in the print market is characterized above all by technology and innovative capability. And here’s my latest analysis revealing something amazing (see: # drupa2020 ante portas: The Renewal of Print). No wonder, then, when you have to be concerned because appearance and reality drift apart.

Incidentally, one critic commented that drupa should not be talked down otherwise it would be a pity for the print industry as a whole. Well, am I doing that? To identify problems/challenges and express concerns is not bad, but important to get better and better. Isn’t it?

 


 

It will be my 11th drupa since 1977, which I will visit in June 2020. First as a ‘normal’ trade visitor, then in the record number of visitors in 1990 as an exhibitor, later as a journalist and in recent years as an analyst and blogger. — Clearly, things are changing. While machines and devices used to be the focus of attention, today solutions, concepts, perspectives and application options are the key.


 

The rush of manufacturers as exhibitors is unbroken. Trade fair director Sabine Geldermann proudly speaks of a sold-out #drupa2020, including the new exhibition hall 1. In 1951, drupa started its successful run when the former Heidelberg boss Dr. Sternberg had rented the whole hall 1.

However, the development in the number of visitors fills me with great concern.

Of course, the advancing automation and the path towards Industry 4.0 bring about rationalization effects that enable personnel savings.

But: For a long time, it has not been possible to inspire new target groups for the drupa to a significant extent — people who have to deal with modern marketing and communication topics on a broad front. They should focus on print, but do it less and less. Why is that? What’s wrong with communication?

 

drupa Stats aus Wikipedia

Source: Wikipedia (german edition)

 

Honestly, as long as I can witness it, it has never been so calm in the run up to a drupa. This can not only be attributed to the organizers and partners. The trade press, formerly a guarantor of success, is only a shadow of itself (apart from a few exceptions!), hardly find enough readers and supporters anymore. Outstanding events, such as the Print & Digital Convention initiated by the German association f:mp Fachverband Medienproduktioner e.V., have developed well. But in May 2019 with 1,200 visitors are lean compared to the simultaneous digital events such as OMR in Hamburg with over 50,000 visitors or the re:publica convention in Berlin with 20,000 visitors.

Why is the industry not acting broadly, concertedly and publicly for its concerns and, above all, its right to exist? And takes a clear position on what and how things have changed in the digital age.

There is still some time left. But something must happen very quickly. Otherwise it means (again): “Operation succeeded, patient dead.” And to find an inglorious end like the CeBIT, that is the drupa and the print industry not to be desired.

 


As far as I can, I like to help and offer a number of opportunities to get involved. So the expert network #Think!Paper, supported by Mondi, GT Trendhouse 42 and Jubels; or even with the new blog “HotspotSubscription”, which has occupied as a theme “Renewal of Print”, and thus from the stand for high attention, especially outside the industry. The Digital Printing Forum, founded by myself and partners, is still active as an industry initiative and has over 1,200 group members via XING. Last but not least: my blog ValueTrendRadar.com as a compendium for communication with print has found over 120,000 readers from almost 160 countries in the world since #drupa2012.


There are many possibilities. You just have to grab it. In that sense, I am still optimistic.

And what about you? Share your thoughts and let’s start a good conversation.

 


 

ThinkPaper Wortbild PRINT

#drupa2020.png

Von Andreas Weber, Head of Value |  English Version

Hinweis zur Ergänzung

Die Erstveröffentlichung dieses Beitrags im September 2019 rief ein weltweites Echo hervor. Überwiegend wurde meine Einschätzung geteilt. Diskutiert wurde vor allem, wie und ob Technik-Messen dazu dienen können, die Situation von Druckereien zu stärken oder gar zu verbessern und Zukunftspotenziale zu entfalten. Das Ergebnis: Ja, das gelingt, wenn der Fokus nicht nur auf Ausstellerbedürfnissen liegt, sondern die Interessen und die Lage der Besucher in den Mittelpunkt rückt.

Die Lage im Print-Markt wird vor allem durch die Technik und Innovationsfähigkeit geprägt. Und hier brachte meine jüngste Analyse Erstaunliches zu Tage (siehe: #drupa2020 ante portas: The Renewal of Print). Kein Wunder also, wenn man Bedenken haben muss, da Anschein und Wirklichkeit auseinander driften. 

Übrigens: Ein Kritiker merkte an, man solle die drupa nicht schlechtreden, sonst schade man der Printbranche insgesamt. Nun denn, tue ich das? Probleme aufzeigen und Sorgen zu äußern ist m. E. nichts schlechtes, sondern wichtig, um stets besser zu werden. Oder?

 


 

 

Das Menetekel — „Operation gelungen, Patient tot.“

Es wird seit 1977 meine 11. drupa sein, die ich im Juni 2020 besuchen werde. Zunächst als ‚normaler‘ Fachbesucher, dann im Besucherrekordjahr 1990 als Aussteller, später als Journalist und in den letzten Jahren als Analyst und Blogger. — Ganz klar ist, die Dinge wandeln sich. Standen früher Maschinen und Geräte im Fokus, sind es heute Lösungen, Konzepte, Perspektiven und Anwendungsmöglichkeiten.

Meine Presseakkreditierung


 

Der Andrang der Hersteller als Aussteller ist ungebrochen. Messe-Direktorin Sabine Geldermann spricht stolz von einer mit rund 1.800 Ausstellern aus 50 Nationen ausverkauften #drupa2020, inkl. neuer Messehalle 1. Hier hatte 1951 die drupa ihren Erfolgslauf gestartet, als der damalige Heidelberg-Chef Dr.  Sternberg die ganze Halle angemietet hatte.

Die Entwicklung bei den Besucherzahlen erfüllt mich aber mit großer Sorge. Klar, die fortschreitende Automatisierung und der Weg Richtung Industrie 4.0 bringen Rationalisierungseffekte mit sich, die Personaleinsparungen ermöglichen.

 

drupa Stats aus Wikipedia.png

Quelle: wikipedia

 

Aber: Seit langem ist es nicht gelungen, neue Zielgruppen für die drupa in nennenswertem Umfang zu begeistern: Menschen, die sich auf breiter Front mit modernen Marketing- und Kommunikationsthemen beschäftigen müssen. Und dabei Print im Fokus haben sollten, es aber immer weniger tun. Woran liegt das wohl? Was läuft in der Kommunikation schief?

Denn, ganz ehrlich, solange ich es miterleben kann, war es im Vorfeld einer drupa noch nie so ruhig. Das kann man nicht nur den Veranstalter und Organisatoren anlasten. Die Fachpresse, früher ein Erfolgsgarant, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst (von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen!), findet kaum noch Leser und Unterstützer. Herausragende Fachveranstaltungen, wie die vom f:mp Fachverband Medienproduktioner e.V. initiierte Print Digital Convention haben sich zwar gut entwickelt, sind aber zuletzt im Mai 2019 mit 1.200 Besuchern mager frequentiert gegenüber den zeitgleich stattfindenden Digital-Events wie OMR in Hamburg mit über 50.000 Besuchern oder der Berliner re:publica mit 20.000 Besuchern.


Warum setzt sich die Branche nicht breitenwirksam, konzertiert und öffentlich für ihr Anliegen und vor allem ihre Existenzberechtigung ein? Und bezieht klarer Position, was und wie sich die Dinge im Digitalzeitalter verändert haben.


 

Noch ist etwas Zeit. Aber ganz rasch muss etwas passieren. Sonst heisst es (wieder mal): „Operation gelungen, Patient tot.“ Und ein unrühmliches Ende zu finden wie die CeBIT, das ist der drupa und der Printbranche nicht zu wünschen.

 


Im Rahmen meiner Möglichkeiten helfe ich gerne und biete eine Reihe von Möglichkeiten sich hinzu bringen. So beim Expertennetzwerk #Think!Paper, das u.a. von Mondi, GT Trendhouse 42 und Jubels unterstützt wird; oder aber auch mit dem neuen Blog „HotspotSubscription“, der als Thema „Renewal of Print“ besetzt hat, und damit aus dem Stand heraus für hohe Aufmerksamkeit gerade auch ausserhalb der Branche sorgt. Das von mir und Partnern gegründete DigitaldruckForum ist als Brancheninitiative immer noch aktiv und hat via XING über 1.200 Gruppenmitglieder. Last but not least: Mein Blog ValueTrendRadar.com als Kompendium für Kommunikation mit Print hat seit der #drupa2012 über 120.000 Leser aus fast 160 Ländern der Welt gefunden.


Möglichkeiten gibt’s viele. Man muss sie nur ergreifen. In diesem Sinne bin ich weiter optimistisch.

Wie steht es bei Ihnen? Ich freue mich auf Ihre Meinung. Lassen Sie uns in einen aktiven und konstruktiven Dialog treten!

 

ThinkPaper Wortbild PRINT

 


 

ThinkPaper Quo Vadis PrintTends.001

Die Druckbranche ist angeblich auf dem Sprung in die Zukunft! Gelingt die Landung?

 

#Think!Paper Edition 2 / Volume 1

Von Andreas Weber, Head of Value, Initiator der Think!Paper-Initiative

Wer sich krampfhaft mit der Zukunft beschäftigt, verliert den Bezug zur Gegenwart!

Prolog

Da kommt vermeintlich Freude auf: „Druck ist die stabilste Währung“, lautet die Erkenntnis vom Print Trend Day 2019, den der Verband Druck & Medientechnik Österreich in Wien organisierte. In bewährter Manier präsentierten Experten Technologie- und Geschäftslösungen von morgen. Die Maßgabe war: Wie macht sich die Druckbranche zukunftsfit? Die Experten sind wie üblich zumeist Vertreter der Lieferindustrie, die auch den Event sponsern. 

Wir lernen: „Die Druckbranche ist [im Schulterschluss von Zulieferern und erfolgreichen Druckereien] bereit für den Sprung in die Zukunft. Die Digitalisierung schafft großartige neue Möglichkeiten, die nun mit vorausschauenden Investitionen und cleverem Marketing ergriffen werden.“

Und auch die „Print Trends zur Zeitenwende“ werden angesprochen: Print-Technologie-Experte Bernd Zipper stellte in Wien klar: „Online, Print, TV, Radio — all das sind Bestandteile des Medienkanons, den wir für unsere Information und Marktwirtschaft dringend benötigen.“

Lichtblick statt nur Ausblick: Heidelbergs Chef Digital Officer Dr. Ulrich Hermann, dynamischer Treiber der digitalen Transformation des Branchenprimus, empfiehlt, sich an den Besten der Branche zu orientieren, um „besser gerüstet für die ständig wachsenden Anforderungen der Kunden“ zu sein. Und er betont: „Print-Medien-Industrie 4.0 bedeutet hochflexible Produktion von individualisierten Druckprojekten, wobei die Druckerei in die digitale Lieferkette des Kunden eingebettet ist“. Das trifft ins Schwarze, kennzeichnet aber die Gegenwart und darf nicht als Zukunftsmusik gedeutet werden.

Gewollt, aber nicht gekonnt?

Warum mäkle ich an einem durchaus ehrenwerten Verbands-Event rum? Nun, er steht symbolisch für eine Vielzahl solcher Events, die mit viel Aufwand für Veranstalter, Redner, Sponsoren und auch fürs Auditorium verbunden sind; und zumeist nicht erfüllen können, was versprochen wird.

Mit Tunnelblick suhlt man sich im eigenen Saft und tauscht sich mit KollegInnen aus, ohne gemeinsam Botschaften zu entwickeln, die Kunden / Nutzer und Prospects von Print-Medien begeistert und ins Gespräch bringen kann. 

Sprich: Es entsteht wenig Nutzen und führt aus meiner Sicht kaum weiter. Denn hinterfragen wir, was eigentlich gemeint sein soll und wie die Gegenwart im Spiegel der sog, Trends aussieht,  kommen wir zu überraschenden Überlegungen, die von Absurdität geprägt sind: 

  • Muss man tatsächlich in die Zukunft ‚springen‘ können oder wollen, zumal diese doch von alleine kommt, selbst wenn man stehen bleibt oder sogar rückwärts läuft?
  • Ist Print tatsächlich eine ‚Währung‘? Wenn ja, was kann man z. B. mit einem exzellent gedrucktem Hochglanz-Prospekt ganz real bezahlen? 
  • Besteht der Medienkanon tatsächlich aus ‚Online, Print, TV und Radio‘? Was ist mit den Boom-Bereichen Blockchain, Streaming, KI, Mobile etc, die bereits im Hier & Jetzt alles auf den Kopf stellen?

Der Schlüssel zum Erfolg: Das Hier & Jetzt begreifen!

Während ich über die digital kolportierten ‚Print Trend Tag 2019’-Resultate sinniere und mich über die Tunnelblick-Mentalität wundere, erfahre ich parallel, was in der Welt tatsächlich wichtiges passiert. Zum Beispiel, dass Amazon quasi aus dem Stand heraus nach Google und Facebook die Nummer 3 im Werbemarkt geworden ist. Mit über 10 Milliarden US-Dollar Umsatz in 2018 und einer gigantischen Wachstumskurve. Das ist fast schon soviel, wie die OTTO Group, die gerade den gedruckten Hauptkatalog beerdigt hat, jährlich an Konzernumsatz erwirtschaften kann. Und weitaus mehr, als die auch international ambitionierten deutschen Großverlage Werbeeinnahmen generieren. So traurig das klingen mag: Print spielt bei dieser Art des profitablen und hochwirksamen Werbegeschäfts keine Rolle.

Ich erfahre auch, dass ein Bollwerk deutscher Finanzkunst wie die Deutsche Bank taumelt und im internationalen Vergleich zum Winzling geworden ist. Im Gegensatz zu N26, einem neuen FinTech-Unternehmen, das Geldgeber begeistert und schon einen Marktwert im mittleren Milliarden-Euro-Bereich verzeichnet. Das meint: Nutzenstiftende Innovation schlägt Tradition. 

Und fast noch spannender erscheint: Ich lerne als neuer Autor und Experte der europaweiten „MoreThanDigital“-Initiative von Benjamin Talin, Zürich, das sich die wissensdurstige Klientel — kleinere und mittlere Unternehmen aller Art, die an Transformation interessiert sind — bis dato mit allem auseinandersetzt, nur nicht mir Print! — Nun, das kann man ‚Zeitenwende‘ nennen, oder?

Meine Empfehlung

Wir sollten uns aktiver, cleverer und ehrlicher mit der Gegenwart auseinandersetzen, die immer Klärwerk und Katalysator für die Zukunft ist. Um die Gegenwart zu begreifen, gehört nämlich, die Vergangenheit richtig einschätzen zu können, um daraus Erkenntnisse für das hier und jetzt zu gewinnen. Damit tut man sich, warum auch immer, in der Print-Branche verdammt schwer. Und über den Tellerrand zu blicken, kann nicht schaden. Aber bitte nicht in der o. g. Form, die Trends verspricht und bisweilen wohlklingend Absurdes liefert.

Mein Resümee

Wer sich krampfhaft mit der Zukunft beschäftigt, verliert den Bezug zur Gegenwart! — Nichts für ungut, sich wie in Wien und anderswo unter Kollegen zu treffen, mag hilfreich sein, ist aber aus meiner Sicht in der geschilderten Form keinesfalls zielführend, um akute Probleme der Gegenwart zu lösen. Ebensowenig wie Zukunftsprognosen, die an anderer Stelle der VDMA als einer der Träger der #drupa2020 Ende des Jahres 2018 publizierte — sinngemäß: auch im Jahr 2040 wird noch gedruckt (!). Das sind für mich wie vieles andere im allzu wirren Trend-Geschehen nichts als teuer erkaufte Nebelkerzen.

Apropos drupa: Irre ich mich oder ist es so still wie nie zuvor um die globale Leitmesse der Print-Medien-Industrie geworden, die doch schon nächstes Jahr stattfinden soll? Schaun wir mal.

Vorher können wir uns bei dem für mich im Jahr 2019 wichtigsten internationalen Event, dem 7. Online Print Symposium (#OPS2019) Anfang April in München, selbst ein Bild machen, ob und welche Trends wirklich relevant ins Feld geführt werden. Und wie sich die Resonanz nach außen entwickelt.


 

Tipp zum Schnuppern

Die Plattform MoreThanDigital zeigt ganz hervorragend, wie man den Wissenstransfer und das Netzwerken rund um Innovation und Transformation im Digitalzeitalter erfolgreich gestaltet. Uns allen aus der Print-Branche ist das Anschauen&Mitmachen sehr zu empfehlen. Die Subskription des Newsletters ist kostenfrei möglich. Die Inhalte sind in deutsch und englisch gefasst.

 

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Über den Autor

Andreas Weber begleitet als Wissensarbeiter/Advisor die Kommunikation mit Medien — geprägt durch eine Vorliebe für Print-Innovationen im Digitalzeitalter. Bis dato hat er über 500 Innovations-/Transformations-Projekten realisiert, diverse Lehraufträge wahrgenommen (u.a an der School of Visual Arts/NYC, Hochschule Liechtenstein, Hochschule RheinMain) und Vorträge in über 30 Ländern gehalten. Sein Blog valuetrendradar.com (ISSN-zertifiziert) inspiriert Entscheider aus mehr als 150 Ländern.

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ThinkPaper Technocracy.001

By Andreas Weber, Head of Value, initiator of #Think!Paper | German Version

#Think!Paper Edition 1, Volume 8

If we are to overcome the paradox that has plagued the print media industry worldwide since the ’90s – having the best technologies but being confounded by frustration, stagnation and dwindling sales and suffering bankruptcies, misfortune and glitches – we need to stop believing that technology is the panacea.

Why?

“Buy my new technology and everything will be fine” – sounds great, but really it’s terrible advice. Think back to the brightest and best in the history of printing – such as the inventor Alois Senefelder, the typesetting technician Ottmar Mergenthaler, the grandfather of type and calligraphy Prof. Hermann Zapf (who is said to have inspired Steve Jobs), not to mention John Warnock and Charles Geschke who invented PostScript and founded Adobe. Three things stand out:

  1. Technology is ‘only’ ever a means to an end, serving to realize the higher ideal of enhancing our ability to communicate with one another.
  2. Technological innovation is important if we are to drive progress. However, changes for the better can only be achieved if new technological opportunities are utilized in an appropriate and creative way.
  3. Whether new ‘printing technology’ can evolve into beneficial and effective ‘printing art’ depends primarily on adopting a creative approach to shaping media-based communication and business scenarios.

Anyone who fails to take this on board as the ticket to escaping the dictatorship of technocracy is sure to fall into a nasty trap. They will be doing themselves more harm than good by pursuing completely nonsensical ideas. After all, messages like “the best of both worlds – digital printing is as good as offset” or “our new inkjet printer gives you a new business model at the same time” are no use to anybody – neither the customers ordering print products, nor the companies that produce them.

My message

“Let’s put an end to technocracy. Let’s go back to treating print with the respect it deserves, as the most beneficial form of communication in human history!” – Indeed, the end of technocracy heralds the start of success!

My call and the basic premise of #Think!Paper — The Beauty of Print&Transformation: We have to start using technoLOGY technoLOGICALLY again.

 

ValueCheck Trends ThinkPaper 001

 

More about the #Think!Paper project can be found in the ValueBlog.

 


 

ValueCheck Trends ThinkPaper 001

#Think!Paper Edition 1, Volume 6

Von Andreas Weber, Head of Value  | English Version

 

„Denk ich ans Print-Geschäft in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ — Diesem in Anlehnung an die Nachtgedanken von Heinrich Heine formulierten Statement hätte ich bis vor kurzem auch zugestimmt. Doch: Nachdenken und Nachprüfen hilft. Und das gelingt mit einer multi-perspektivischen #Think!Paper-Sichtweise, die Print ins rechte Licht rückt.


Bestandsaufnahme

Trends zuverlässig in Erfahrung zu bringen, ist gar nicht einfach. 

Man denkt zunächst an hochkarätige Messen. Aber: Z. B. die Themen-Highlights sowie die Nomenklatur der Messe Düsseldorf für die drupa als weltweiter Leitmesse der Print-Branche sind naturgemäß Konstrukte, um möglichst viele und neue Aussteller anzusprechen. 

Messeangebote spiegeln daher keinesfalls umfassend die relevanten Trends wider, die die Print-Branche kennzeichnen.

Ebenso sind die gängigen Marktforschungs- und Trendberichte nicht zielführend, da stets rückwärtsgewandt angelegt, spekulativ und höchstens als Indikator für künftiges Investitionsverhalten etablierter Druckbetriebe wirksam.

Meta-Trends

Die Print-Branche ist seit jeher innovationsgetrieben. Seinerzeit ging es immer um die Anreicherung und Steigerung der bisherigen Möglichkeiten. Heute gestaltet sich alles ganz anders. Und vor allem nicht mehr linear. Ein Umdenken ist zwingend:

  1. Disruptive Erneuerung der Pre-Media-Prozesse (Template-frei), mit dem Ziel, flexibel und in Echzeit Daten jeder Art drucken zu können.
  2. Smarte Print-Produktion: Automatisierung der Prozesse vom Druck über die Auslieferung bis zum Go-to-Market von Druckereien, inkl. digitales Supply-Chain-Management.
  3. #hyperpersonalization durch künstliche Intelligenz, Blockchain, virtuelle Realität und medien-übergreifend dialogische Kommunikations-Szenarien.

BusinessModel-Trends

Das Top-Thema, spätestens seit es Digitaldruck gibt, ist die Geschäftsmodell-Veränderung für Druckereien. Zwei wesentliche Entwicklungen sind zu unterscheiden:

  • Polarisierung im Dienstleistungsmarkt — Smarte Fabriken (mit fokussiertem Portfolio/Commodity-Angeboten) vs. High-Tech-Manufakturen (mit unzähligen Nischenanwendungen und höchster Innovationskraft). Aber Achtung: Beide Bereiche befruchten oder durchdringen sich gegenseitig, wie in einem iterativen Zyklus. Am besten nachzuvollziehen, wenn man sieht wie sich CIMPRESS entwickelt.
  • Kundenspezifische Konfiguration von modular komponierten, ubiquitären Produktionsanlagen. — Beispiel: CADIS Engineering.

Technologie-Trends

Die Trends beim Einsatz relevanter Technologien ordnen sich drei wesentlichen Aspekten zu:

  1. Unfassbar, aber wahr: Der Markt für Print-Lösungen (Technik+Produktion+Handel) ist um ein vielfaches größer als gemeinhin dargestellt. Das Ökosystem Druckindustrie ist weit gefasst und macht alleine in Deutschland eine dreistelligen Milliardenbetrag aus. (Hinweis: Die genauen Übersichten und Zahlen werden noch im Fachmedium DRUCKMARKT dargelegt).
  2. Fast 2/3 der Gesamtumsätze werden von wenigen hundert industrialisierten Druckfabriken erwirtschaftet.
  3. Wachstumsfelder gestalten sich dabei ganz anders, als bis dato prognostiziert: z.B. für Inkjet Printing liegen bis auf den Bücherdruck kaum in der Substitution von Offsetproduktionen, sondern v.a. in der von Tonerdrucksystemen. Wichtig: ‚Inkjet-to-Go‘ beflügelt neue Anwendungen ausserhalb der Print-Branche, direkt bei deren Kunden.

 


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Die vorausgehenden Erkenntnisse der #Think!Paper Trend-Analyse standen auf der #EMGE2018 Konferenz in Amsterdam im Podiumsgespräch von Jeroen van Druenen und Andreas Weber zur Diskussion mit einem internationalen Publikum.


 

Den Erfolg im Geschäft mit Print und der Verwendung von Print erfordert eine Neuorientierung, die Kreativität und Mut erfordern. Hierbei gilt es zu unterscheiden:

Hemmfaktoren

  • Eine aufwändige Marktforschung, die sich nur auf Investitionsmöglichkeiten in Hard- und Software fokussiert, auf wagen Vermutungen beruht und relevante Marktbedürfnisse nicht wahrnimmt.
  • Events aller Art, die sich vertikal ausrichten, sprich sich quasi monolithisch nur auf die Herstellerthemen und die Verwendung ihrer Produkte beziehen.
  • Anhaltend ungenügende, nicht mehr zeitgemäße  Branchenkommunikation, die allzuoft Fehleinschätzungen kolportiert und dadurch Verwirrung stiftet.

Beschleunigungsfaktoren

  • Fokus auf neue Formen des Go-to-Markets von Druckereien, die den Nutzen von Print fürs Digitalzeitalter propagieren, und nicht mehr die Verfahrenstechniken zur Herstellung von Print.
  • Pro-aktive, Social Business-getriebene Diskurse mit potentiellen neuen Auftraggebern, die sich bereits auf die Digital Transformation Journey begeben haben, und für die Print zum ‚Hidden-Champ‘ werden kann.
  • Mehr Experimente und Pioniertaten wagen, Regeln brechen und durch einen Perspektiv-Wechsel auf breiter Front durch relevante Inhalte und gute Erzählungen inspirieren und faszinieren.

 


 

Über den Autor

Seit mehr als 25 Jahren engagiert sich Andreas Weber als international renommierter Business Communication Analyst, Coach, Blogger und Transformer. Seine Aktivitäten fokussieren sich auf ‚Transformation for the Digital Age’ via Vorträgen, Management Briefings, Workshops, Analysen & Reports, Strategic Advice. — Mit seinem Blog www.valuetrendradar.com inspiriert er Leser aus über 150 Ländern der Welt.

 

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