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Trends @ Graphic Communications

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Dank Ricoh mein drupa-Erlebnis der besonderer Art mit einer Top-Manga-Künstlerin aus Tokio.

Von Andreas Weber, drupa-Veteran

Kurz vorab: Die drupa 2024 bot keine Sensationen und Technik-Überraschungen. Das meiste war bereits Monate zuvor angekündigt. Bis auf das Vertriebsabkommen von Canon und Heidelberg für Inkjet-Bogendruck-Maschinen der JetFire-Baureihe. Und die Tatsache, dass Landa Reue über die langjährigen leeren Versprechungen zeigte, aber jetzt betonte, numehr Marktreife für seine Landa Nanographic Printing Presses erlangt zu haben. Ansonsten hatten die allermeisten Hersteller ihre Messeauftritte gut vorbereitet. Allen voran gefiel mir der Stand von Koenig&Bauer am besten. HP Industrial Print glänzte wie ein Popstar-Ensemble. Und BOBST erstaunte durch das Statement von CEO Jean-Pascale Bobst: „We have to become a software company.“

Mein persönliches Resümee. — Ich habe bis dato über 1.200 Posts auf LinkedIn und Facebook ausgewertet. Die Meinungen zur drupa sind dahingehend wohl fast einhellig: Besucher wie auch Aussteller konnten sich wohlfühlen. Vor allem, wie Bernhard Cantzler von Mondi m. E. richtig feststellte, durch Netzwerken und persönliche Interaktionen, um sich individuell ein Bild über den Status quo zu verschaffen und ggf. Ideen für die Zukunft zu entwickeln.

Sprich: Die Messe Düsseldorf bot (metaphorisch ausgedrückt) wie gehabt ein gut ausgestaltetes Sportfeld, das durch die Besucher und Aussteller bespielt wurde. Ex-Drupa-Direktor Manuel Mataré nannte die drupa darum immer die Olympischen Spiele für Print&Papier, mit dem Motto: “Messe sich, wer kann!“. Und das funktionierte bis 2016 ganz gut!

 


 

Mein persönliches und besonderers Highlight: Das von Gudrun Alex und Monika Kissing so wunderbar organisierte drupa-Veteranen-Treffen in Düsseldorf. Mit vielen tollen, langjährigen FreundInnen/KollegInnen aus aller Welt. 


 

Die Anforderungen an die drupa haben sich seitdem massiv gewandelt. Nach acht Jahren Zwangs-Pause ist vieles buchstäblich entrückt oder verklärt. Nicht wenige BesucherInnen oder Aussteller-MitarbeiterInnen im Jahre 2024 waren erstmals auf der drupa. Morten B. Reitoft hat es in seinem Videokommentar auf den Punkt gebracht, indem er u.a. feststellt, dass einiges in Organisation, Ablauf und Konzept nicht mehr zeitgemäß war bzw. die drupa sich gegenüber früher nicht gewandelt habe.

 

 

Ich kann mich dem wie viele Kollegen auch voll und ganz anschließen. Das ändert zudem nichts an meinem persönliches Wohlgefühl und Erleben der drupa 2024. Wenn es jetzt seitens der Messeleitung heisst: “Die drupa 2024 hat alle Erwartungen übertroffen! 🤩🤝“ kann ich das nicht ernsthaft nachvollziehen. Bzw. ich muss mich fragen: Hatte man im Vorfeld die Erwartungen so tief angesetzt? Sprich, alle wichtigen Kennzahlen unter denen der Vorgänger-drupas angesiedelt?

 


Zur Erinnerung hier nochmals die Fakten aus meinem LinkedIn-Post vom 8. Juni 2024:

  • Die Zahlen zur #drupa2024 zeigen auf allen Ebenen einen deutlichen Rückgang zu 2016, wodurch die internationale Print-Leitmesse wohl nicht mehr zu den Top-10 in D gezählt werden kann.
  • Besucher: rund 170.000 aus 174 Ländern statt 260.165 aus 183 – ebenfalls ein Rückgang!
  • Der Anteil der Besucher aus dem Ausland lag 2024 bei über 80% – im Vgl. zu 2016 ein Anstieg von 75%; d.h. deutlich weniger Besucher aus Deutschland, die 2016 noch 25% ausmachten (von 65k auf 34k gesunken!)
  • Aussteller: 1.643 aus 52 statt 1.837 aus 53.
  • Ausstellungsfläche: rund 140.000 qm, statt 158.217 qm wie 2016
  • Die Zahl der akkreditierten Journalisten schrumpfte auf rund 1.100, da viele bekannte Kollegen nicht mehr kamen bzw. viele Fachmagazine nicht vertreten waren. 2016 waren es noch 1.828.

 

Wie gesagt: Einer Messe wird durch die Menschen vor Ort Leben eingehaucht, das durch Gespräche und Fachkommunikation spür- und erlebbar wird. Wenn nun die Besucherzahl überproportional zum Stellenabbau in der Branche drastisch sinkt und gleichzeitig die Zahl der Kamera-Teams signifikant zugenommen hat, bedeutet das für mich: Die Aussteller setzten in kluger Vorausschau auf bestmögliche visuelle Dokumentation, um das erwartete Besucherdefizit zu kompensieren. Insofern: Erwartungen erfüllt. #Scherz

 

 

Wie bei jeder drupa bleibt zum Schluss die Frage: Wie wirkt es sich im Markt tatsächlich aus, wenn mit hoher Besucherzufriedenheit geworben wird bzw. wenn es bei einigen wenigen großen Ausstellern gute Verkaufsabschlüsse gab (siehe Heidelberg mit rund 650 Mio. Euro)?

Daher die zentrale Frage: Wie nachhaltig kann eine drupa 2024 sein, die nachweislich bei den wichtigen messbaren Kennziffern Verschlechterungen aufzeigt? Aus meiner Sicht wäre hier eine ehrliche Aufarbeitung sinnvoll, vor allem, wenn es wie angekündigt, eine #drupa2028 geben soll.

 


Mein FAZIT

Letztlich bedeutet eine deutlich geringere drupa-Besucherzahl, dass die dynamische Verbreitung von Innovationen im Markt eingedämmt werden kann, da immer weniger Firmen über immer moderneres und auch teureres Equipment verfügen, die Zahl derer, die weniger oder gar nicht mehr investieren will, aber zunimmt. Viele aus den sog. Emerging Markets setzen darum auf kostengünstig ausgestattetes, zumeist aus China stammendes Equipment für Brot-und Butterarbeiten. Langfristig gesehen kannibalisiert sich m. E. die Print-Branche damit selbst.

Im Ergebnis lässt sich schlußfolgern, dass die drupa kein Game Changer resp. Innovationstreiber oder sogar Leitmesse mehr sein kann, wenn eine wachsende Mehrheit der Print-Community keine Beziehung mehr zum Geist der drupa pflegt bzw. die Messe nicht mehr persönlich besucht. Selbst innovative Denker und Innovationstreiber sind 2024 nicht mehr in dem Maße präsent gewesen. Die Zeiten sind anders geworden bzw. ändern sich weiterhin unaufhaltsam. Aber unser Print-Value-Ansatz sollte derselbe bleiben 🙂 Oder?


 

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Für mich, Andreas Weber, war die #drupa2024 meine 11. drupa, die ich persönlich besuchen und erleben durfte. Mal sehen, ob ich das Dutzend noch voll bekommen kann. Haha!

 


 

EPILOG

Vielen Dank an meine lieben KollegInnen aus Mailand von der Stratego Goup und speziell an Alexia Rizzi, die für The Super Content Group im Team mit INKISH auf der drupa 2024 ein Interview mit mir als drupa-Veteran führte. Anschauen lohnt sich 🙂

 

 


 

Weber+Reitoft 02 Titel Morten

Von Andreas Weber

Nach einem wie ich finde erfolgreichen Auftakt setzen wir unsere Reihe der WEBER+REITOFT-Gespräche weiter fort!

Nachdem wir mit dem Video über Scott von Courier Graphics in den USA als einen smarten und erfolgreichen Druckunternehmer zum Gespräch hatten, geht es heute um Fachmesse-Interviews, die Mitte September 2023 live auf der LabelExpo in Brüssel aufgezeichnet werden.

Ich selbst war schon lange nicht mehr auf einer LabelExpo, zuletzt wohl 2017, daher meine Frage an Morten B. Reitoft: Wie hast Du die weltweit bedeutendste Messe für Label Printing empfunden? Antwort (zusammengefasst): Das Messegelände ist nicht gut geeignet, darum ab 2025 der neue Messeort Barcelona für die LabelExpo. Aussteller, Angebote und Zuschauerstruktur waren 2023 wieder sehr gut.

 


Auf INKISH-TV sind alle rund 30 Videos in einer Rubrik zusammengefasst, man muss nur LabelExpo als Suchbegriff eingeben.

Wir haben speziell 4 Videos ausgewählt mit Interview-Partnern von interessanten Herstellern. Im Detail:

Filip Weymans von Xeikon

Tobias Theurer von Theurer.com

Volker Selg von IST Metz

Christoph Gamper CEO der DURST Group

Also diesmal ein mehr oder weniger europäischer Fokus mit Firmen, die über Branchengrenzen hinaus nicht so sehr allgemein bekannt sind, weil eben hochspezialisiert. Es zeigt sich aber, wie dennoch ein globaler Spirit herrscht, der uns auch hierzulande äußerst nützliches bietet!


Mein Eindruck zu den vier Videos

Filip Weymans, Xeikon, Belgien: Der Fokus der LabelExpo ist einzigartig und passt zur Xeikon Café-Strategie. Gute Auffrischung zu dem, was Xeikon (als Teil der Flint Group) heute leistet, im Sinne von spezifischen Lösungen für spezifische Anwendungen, quer über Technologien hinweg. Sogar für flexible Verpackung aus Papier.

Wichtigstes Statement von Filip Weymans: „Es geht nicht mehr darum, Technologien in den Markt zu pushen, sondern innovative und beste Lösungen für spezifische Anwendungen zu bieten!“

Tobias Theurer, theurer.com, Deutschland: Interessant, wie eine deutsche Firma im Norden von Stuttgart, gegründet und gemanagt von zwei Brüdern, sich international behauptet im Etiketten- und Verpackungsdruckmarkt. Das umfasst wichtige Prozesse – von der Kalkulation, dem Verkauf und der Produktionsplanung über die Logistik bis hin zum Controlling.

Mit rund 16.000 Anwendern aus über 200 Unternehmen in 30 Ländern. Automatisierung, Customization sprich individuelle Anpassungsmöglichkeiten stehen im Fokus. Und KI spielt eine immer wichtigere Rolle. Bravo!

Volker Selg, IST Metz, Deutschland: Das Gespräch mit Volker Selg erscheint mir besonders interessant. Und Kompliment an Morten, dass er so tief in das Thema einsteigt, weil es sehr speziell ist. Denn IST Metz ist ein hochspezialisierter Anbieter und verkauft LED-UV-Härtungsgeräte für andere OEMs in eigenen oder fremden Umgebungen. Für den Etitkettendruckmarkt ist dies enorm wichtig. Speziell auch für die große Zahl installierter Systeme, die IST Metz nachrüsten kann. Ein Highlight: LED Härtung von Silikonen und anderen Beschichtungen unter Ausschluss von Sauerstoff. Auch hier spielt Customization, sprich die Anpassungsmöglichkeit auf spezifische Kundenbedürfnisse eine wichtige Rolle.

Besonders faszinierend zu hören, dass selbst High-Speed-Produktionen mit Druckgeschwindigkeiten von bis zu 500 m pro Minute bzw. 12 m pro Sekunde unterstützt werden. Dies sei ein Quantensprung und wäre vor 3 oder 5 Jahren noch Utopie gewesen. Wichtig ist auch zu wissen, dass die in der Praxis eingesetzte IST Metz Technik bewusst im Energieverbrauch ist, die Geräte verbrauchen dann Energie, wenn sie eingesetzt werden und nicht im Stand-by-Betrieb.

Christoph Gamper, CEO Durst Group, Südtirol/Italien: Ein Gespräch mit Christoph Gamper ist immer interessant. In diesem Interview von der LabelExpo Europe 2023 wird auch darüber gesprochen, wie sich die LabelExpo von einer Messe wie der drupa unterscheidet. Morten stellt zurecht fest: „Wenn wir mit Christoph Gamper sprechen, ist er einer der wenigen CEOs, die keine Angst haben, Themen wie den Wert einer Messe oder die Mängel des Veranstalters zu diskutieren. … Christoph Gamper wird einer der Gäste unserer kommenden NON-EVENT-Ausgabe 2020 in Kopenhagen sein.“

Meine Meinung: Im INKISH-Interview wird klar, dass Christoph Camper ein Unternehmer durch und durch ist. Und kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es um Defizite geht. So sieht er Fachmessen durchaus als ein MUSS an, um Interessenten und Kunden zutreffen, Leads zu generieren, und sich gleichzeitig mit dem Wettbewerb zu messen; selbst wenn es aus Sicht des Ausstellers auf Organisationsseite der Messeveranstalters Kritik gibt. Wobei die LabelExpo sich von allgemeinen Großmessen wie der drupa deutlich unterscheidet. LabelExpo ist viel fokussierter, hier zählen weniger Visionen und Ausblicke, als konkrete Lösungen, die sofort implementiert werden können.

Partnerschaften sind dabei wichtig. Und für Unternehmen in Privatbesitz wie Durst sei das überlebenswichtig, da man nicht selbst bei Allem das Beste leisten kann. Dazu gehört auch, sich auf Neugründungen einzulassen, wie im Fall von Durst mit Hawk Eye (Deutsch: Falkenauge), einem vor 7 Jahren in New York City gegründeten KI- und Deep-Learning-Startup. Und das mit Partnern, die sich nicht nur mit Print-Anwendungen beschäftigen. Hut ab!

 

 

APROPOS KI…

Ich habe die KI-PLattform CHatGPT gefragt: Welchen Stellenwert hat Etikettendruck / Label Printing in Deutschland? ChatGPT (Version 3.5) hat geantwortet:

Der Stellenwert des Etikettendrucks (Label Printing) in Deutschland kann als bedeutend angesehen werden, da er in verschiedenen Branchen eine entscheidende Rolle spielt. Etiketten werden für eine Vielzahl von Anwendungen verwendet, darunter:

Lebensmittelindustrie: Etiketten sind entscheidend für die Kennzeichnung von Lebensmittelverpackungen. Sie enthalten Informationen über Inhaltsstoffe, Nährwertangaben, Verfallsdaten und mehr, um die Verbrauchersicherheit zu gewährleisten und gesetzliche Anforderungen zu erfüllen.

Pharmazeutische Industrie: In der Pharmaindustrie sind Etiketten unverzichtbar, um Medikamente richtig zu kennzeichnen und sicherzustellen, dass Patienten die richtigen Dosierungen erhalten.

Logistik und Versand: Etiketten werden verwendet, um Produkte während des Transports und der Lagerung zu kennzeichnen. Dies ist wichtig, um den reibungslosen Ablauf in der Lieferkette sicherzustellen.

Einzelhandel: Produktetiketten dienen im Einzelhandel nicht nur zur Identifikation, sondern auch zur Preisgestaltung und zur Information der Kunden über Produkteigenschaften.

Industrielle Anwendungen: Etiketten werden auch in der Industrie für die Kennzeichnung von Maschinen, Bauteilen und Rohstoffen eingesetzt.

Umgebungsetiketten und Barcodes: Etiketten mit Barcodes und QR-Codes sind weit verbreitet, um Produkte zu verfolgen und den Lagerbestand zu verwalten.

Nachhaltigkeit: In Deutschland, einem Land mit einem ausgeprägten Umweltbewusstsein, spielt auch die nachhaltige Etikettierung eine wichtige Rolle. Dies umfasst Etikettenmaterialien, die umweltfreundlicher sind, sowie Kennzeichnungen für Recycling- und Entsorgungshinweise.

Die Bedeutung des Etikettendrucks in Deutschland spiegelt sich in der Qualität und Präzision der Drucktechnologie sowie in den strengen regulatorischen Anforderungen wider, die in vielen Branchen gelten. Darüber hinaus ist die Innovationsfähigkeit der deutschen Druckindustrie bemerkenswert, da sie sich ständig an neue Anforderungen und Technologien anpasst, einschließlich digitaler Druckverfahren und Individualisierung von Etiketten.

Insgesamt kann gesagt werden, dass Label Printing in Deutschland eine wichtige Rolle in verschiedenen Wirtschaftszweigen spielt und hohe Standards in Bezug auf Qualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit erfüllen muss.“

Das ist, wie ich finde, eine sehr treffende und pointierte Zusammenfassung per KI zu Label Printing, dass in Zukunft selbst stark von KI geprägt sein wird!


Statista Produktionsvolumen Etiketten in D 2022

Zur Statistik

Details zum Etikettendruckmarkt sind in Deutschland nur partiell zugänglich, indem man sehr spezielle Quellen finden muss. Die Statista-Auswertung umfasst nur Betriebe mit 20 und mehr Mitarbeitern. D. h. das tatsächliche Produktionsvolumen liegt höher.  Umsatz der deutschen Verpackungsindustrie bis 2022

Veröffentlicht von Statista Research Department, 14.04.2023

 


 

Weber+Reitoft 02 BEIDE

Das ganze Video gibt es hier auf INKISH-TV:
https://inkish.tv/inkish-video/weberreitoft2/

 


 

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Wie Hotwired auf Expansionskurs reüssierte!  –  Interview mit Michael Winnick, San Francisco

#Flashback — HORIZONT Nr. 46 vom 13.11.1997, Seite 092 (Sonderteil HORIZONT Interactive)

Das ambitionierte Kultobjekt wandelt sich zum Big Business im World Wide Web. Valide Marktforschung ist künftig unerläßlich. Die Web Community wird zur Trumpfkarte. In San Francisco stand Hotwired-Marketing-Manager Michael Winnick Horizont Rede und Antwort. Interview: Andreas Weber

Seit diesem Jahr [1997] schreibt Hotwired schwarze Zahlen, zuvor waren zwei Verlustjahre zu verzeichnen. Was hat die Wende ausgelöst?

Michael Winnick: Hotwired ist in der denkbar frühesten Phase des Webs mit einem innovativen Business-Modell angetreten: Internet als Basis des geschäftlichen und privaten Lebens zu erschließen. Dieser Ansatz mußte und wurde kontinuierlich ausgebaut. Vieles war am Anfang pures Experiment, weil keinerlei Erfahrungswerte vorlagen – entsprechend waren Vorinvestitionen nötig. Wir konnten hierfür sogar Venture-Kapital gewinnen. Die zentrale Frage lautete aber stets: Wie kann man Umsatz generieren, um Investitionen wieder hereinzuholen? Wir haben im Prinzip nach zwei Jahren gelernt, daß da Werbeeinnahmen nicht genügen. Man muß andere Wege gehen.

Können Sie das präzisieren?

Winnick: Im Zuge der neuesten Version von Hotwired.com, 4.0, die im Frühsommer 1997 gelauncht wurde, haben wir neue Bereiche etabliert: Online-Commerce, Lizenzgeschäft und Allianzen. Commerce heißt, daß wir mit Markenartiklern kooperieren, um deren Produkte via Internet zu vermarkten, die ihrerseits wiederum unsere Produkte promoten. Hierzu zählt vor allem auch Merchandising. Gegenseitige Provisionszahlungen sind vereinbart. Lizenzabkommen haben wir beispielsweise mit NTT (Nippon Telegraph and Telephone) geschlossen, die hotwired auf japanisch adaptieren. Und wir haben ein erstes Abkommen mit der Nachrichtenagentur Reuters getroffen zusammen mit Yahoo. Partner sind aber auch High-Tech-Firmen wie Intel, Microsoft, Netscape oder Bell Atlantic.

Was macht Hotwired für Partner und Werbetreibende interessant?

Winnick: Über den Hotwired Content erreichen wir hochqualifizierte Zielgruppen, wobei man bei derzeit fast 650000 Subscribers mit hoher Verweildauer pro Tag und Woche schon von einer Community reden kann. Der Zuwachs pro Tag beträgt immerhin 5000. Interessant ist, daß unsere Partner und Werbekunden nicht nur diejenigen sind, die wir über Wired bereits erreichen. Unsere Sektion Webmonkey zum Beispiel zieht alle aktiven Webmaster dieser Welt als User an. Als Werbekunden erreichen wir durch Webmonkey alle, die dieses kleine, aber exklusive Zielgruppenprofil und -potential nutzen wollen, also Firmen unterschiedlichster Branchen, bis hin zu Automobilherstellern wie Toyota. Das nennen wir zielgruppengerechte und kontextorientierte Werbung, die sehr erfolgreich ist. Webmonkey ist mit rund 107 Prozent ständig ausverkauft.

Das heißt, Sie wollen und werden kein Massenpublikum ansprechen?

Winnick: Doch, aber das muß man differenzieren. Erstens haben wir eine weltweite, globale Userbasis, zweitens zählen wir die Elite der Online-User zu unserer Community. Und diese Basis wächst explosionsartig. Unsere Marktforschung belegt, daß Internet das am schnellsten wachsende Medium aller Zeiten ist: In nur fünf Jahren betrug die technische Reichweite des WWW fast 50 Millionen User. Zum Vergleich: Das Radio hat dazu etwa 38 Jahre gebraucht. Wenn wir die rasche Technologieentwicklung einbeziehen, werden Webangebote in Kürze auch über andere Medien wie Kabel-, Digital- oder Satelliten-TV verbreitet und die Reichweitenzahlen mittelfristig in die Milliarden gehen.

Was unterscheidet Internet-Konzepte und -Angebote dann noch von herkömmlichen Massenmedien?

Winnick: Etwas Entscheidendes: die Kreativität, Dynamik und Interaktivität des Users. Denn Hotwired verstehen wir als Medium mit der Möglichkeit der “Individual Participation”, kombiniert mit einer weltweiten Informations- und Kommunikationsplattform. Wir möchten für unsere User entsprechend den Begriff “Web-Participants” prägen. Denn das sind keine Web-couch-potatoes oder Surfer mehr, das sind Menschen, die aktiv und kompetent im Web sind: Web Sites entwickeln, Live Events per Webcast organisieren, programmieren, Live-Chats beiwohnen und selbst Reviews von Websites vornehmen für Print, TV oder Online-Medien. Wir schätzen, daß Web Participants bereits ein Viertel der Web-Population insgesamt ausmachen.

Wie ist diese Dynamik überhaupt in den Griff zu bekommen?

Winnick: Indem man sich als Anbieter klar positioniert, permanent den Markt beobachtet und seine Strategien anpaßt. Wir haben – wohl im Unterschied zu Europa und Deutschland – schon sehr valide Marktforschungsergebnisse, die nicht dazu dienen, uns selbst etwas vorzumachen, sondern Fakten zu liefern. Daran orientieren wir uns und unser Angebot ständig.

Wie sieht Ihre Positionierung denn aus? Ihr Kollege Mike Homer von Netscape sagt voraus, im Internet würden sich die “big five hubs” – Netscape selbst sowie Suchmaschinenanbieter – als Erstadressen etablieren, für mehr sei kein Platz.

Winnick: Von Hubs sprechen wir nicht, sondern von “Portal sites”. Das sind in der Tat Suchmaschinen und Websites mit mehr als 20 Millionen Zugriffen pro Monat. Die werden gefolgt von “Category Killers”, wie zum Beispiel Toys R” us, mit bis zu fünf Millionen Zugriffen pro Monat. Erst dann kommen “Micro Hobbies”, also Spezialangebote mit einer Million Zugriffen pro Monat, wie beispielsweise Hotwired. Klar ist, daß wir mittelfristg zur zweiten Gruppe gehören wollen.

Welche Strategie verfolgt Hotwired?

Winnick: Wir wollen und müssen Geld verdienen. Hotwired ist nichts für Freaks, sondern ein ernsthaftes Geschäft. Und das bedeutet Wachstum generieren einerseits und eine optimale Zusammenarbeit mit den Web Participants und den Anzeigenkunden andererseits. Wenn die Vorhersagen stimmen, werden wir 1998 allein in den USA 100 Millionen Internet-User haben – eine Steigerung von 2500 Prozent in vier Jahren. Zugleich steigt das Interesse von Firmen bei Online-Werbung und -Commerce.

Was muß man bei Kostenaspekten besonders berücksichtigen?

Winnick: Für die meisten kommerziellen Web-Anbieter wird der Erfolg gleichzeitig zum Problem. Ist man klein und elitär, kann man hohe Preise pro Customer per month (Cpm) erzielen – beispielsweise bis zu 150 Dollar pro 100 Cpm. Je höher die Userbasis ist, desto niedriger wird der Cpm – und pendelt sich bei einer Verzehnfachung der Userzahlen bei rund 30 Dollar ein. Dies muß man kaufmännisch in den Griff bekommen, sonst geht es leicht schief. Der zweite Aspekt ist die Online-Vermarktung. Hier haben wir bereits letztes Jahr für Wired Digital einen Top-Werbeprofi von J. Walter Thomson abgeworben: Hunter Madsen. Er treibt die Vermarktung von Hotwired kräftig voran.

Was ist Ihre größte Herausforderung?

Winnick: Das interaktive Medium Web noch multimedialer werden zu lassen und viel stärker in unser Privat- und Berufsleben einzubeziehen. Ich bin jetzt 23 Jahre alt und möchte gerne noch eine Zeitlang Action haben.

Das [seinerzeitige] Erfolgsrezept von Wired Ventures Inc.: High-Tech-Produkte und Digitaltechnologien prägen den Lifestyle moderner und erfolgreicher Menschen. 1994 wurde dem Printobjekt ein Cyber-Pendant zur Seite gestellt. Wired Digital Inc. umfaßt drei Geschäftsfelder: Hotwired (als selbständiges Online-Medium), wired.com (die Website zur Printausgabe mit Wired news) und hotbot (das Wired- eigene Search-Center, aktuell erweitert um den intelligenten Search agent newbot). Beschäftigt werden rund 160 Mitarbeiter, der Hauptsitz ist in San Francisco. Am 23. Oktober 1994 ging Hotwired mit Version 1.0 als erste kommerzielle Website ins Internet. Innovativ-avantgardistische Themen werden in unverwechselbarer Weise aufgegriffen. Getreu dem erfolgreichen Wired-Motto: Die Inhalte dynamisch, die Visualisierung fetzig und auffallend gestalten. Michael Winnick, 23, ist seit Sommer 1996 als Marketing-Manager für Hotwired verantwortlich.

LINKS zu Hotwired https://en.m.wikipedia.org/wiki/HotWired  und zur Person Michael Winnick https://www.linkedin.com/in/michael-winnick-482293, der immer noch mit seinem Unternehmen dsout in der Echtzeit-Marktforschung aktiv ist.

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Von Andreas Weber, Print-Lover

Impulsvortrag von Andreas Weber beim MAKE IT 22-Event von Canon Production Printing, Bereich Buisness Communication, in Poing am 21. September 2022 

INTRO — Ein Hoch auf die heitere Gelassenheit mit PRINT! — Willkommen im Herzen von Bayern. Seien sie unverzagt. Getreu dem legendären Münchner Komiker Karl Valentin: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch!“ — Wie wahr!

Gestatten Sie mir zu Beginn ein sehr persönliches Erlebnis mit Print zu schildern!

Vor 24 Jahren, im Herbst 1998 konnte ich mit zwei Freunden und Hochschulkollegen, einem Maler und einem Designer, das Projekt ZEITENWENDE in der Gutenberg-Stadt Mainz an den Start bringen. Ziel und Zweck: Zur Jahrtausendwende sollte eine einzigartige, multimedial inszenierte Publikation entstehen. Im Zentrum: New York Manhattan Zeitenwende / Changing Times.


 


 

Ein gedrucktes Buch auf Premium-Niveau, zweisprachig deutsch/englisch. Mit den besten Scans und Schrift-Designs, den besten Papieren, dem besten Druck und der besten buchbinderischen Verarbeitung. Flankiert von Postern, Kalendern, Website, Musik- und Tanzarrangements, einer (damals brandneuen) Flash-Animation, bei der sich das Buch in digitaler Form selbst durchblätterte, Ausstellungen und Special Events. Wir konnten einen Volltreffer landen. 2.500 Bücher plus eine Sonder-Edition für den US-Markt waren im Handumdrehen verkauft, Einzelpreis 140,00 DM. Noch bevor das Buch überhaupt in Druck ging. Premiere war auf der Buchmesse sowie im ZDF-Studio New York.

Möglich machten dies neben höchster Sorgfalt bei der Produktion ein äußerst kreatives und wirksames Marketing-Konzept sowie ein Kick-off-Event am Welttag des Buches, dem 23. April 1999, im Broadway-ähnlichem, unterirdischen  Orchester-Probenraum des Mainzer Staatstheater. Zur Erinnerung: Wir waren im Jahr 2000 auf dem Höhepunkt des Internet-Hypes. An eine Zukunft für und mit Print wollte/konnte kaum einer der Digital-Apologeten mehr glauben. 

Wir taten es. Und reüssierten. Ohne Budget. Ohne Werbekampagne. Ohne Verlag. Aber mit einer gehörigen Portion Mut und Neugier. Ein tolles Gefühl, das bis heute Anhält.

1. Zeitenwende: Print ist tot! Lang lebe … — ja was eigentlich?

Warum erzähle ich das? Ganz einfach, um zu zeigen, wie man mit Althergebrachtem auch in modernen Zeiten auftrumpfen kann. Wenn man begeisternd motiviert, das Publikum involviert und Gedrucktes kreativ inszeniert. Und nicht nur mehr oder weniger lieblos quasi in Schweinebauch-Anzeigen-Manier und vor allem ungefragt Drucksachen als Belästigungs-Kommunikation unters Volk bringt. Print ist Premium. Das ist so und wird so bleiben! 

Wir sind ja hier bei Canon im besten Sinne in einem wundervollen Print-Erlebnisraum. Der gegenüber den Möglichkeiten, die wir 1999/2000 hatten, unglaubliche Fortschritte in der Kommunikation mit Print bietet. Canon lässt m. E. kaum noch Wünsche offen:

  • Solide Technikbasis (nach echtem Quantensprung)
  • Weites Anwendungs-Spektrum
  • Umfassende Lösungen plus Services — inkl. optimalem Prozessmanagement
  • Loyale Kunden mit hohem Marktanteil
  • Bestmögliche Kundenorientierung

    Na, wenn daraus kein Wachstum möglich sein sollte …

Eigentlich kaum vorstellbar, solche Fortschritte hinzubekommen, in einer Welt, in der Marketing-Budgets überwiegend ins Digitale abgeschoben werden. Und das in Dimensionen, die bislang kaum vorstellbar waren. Die F.A.Z. schrieb gerade [Anfang Sept. 2022], dass über 70 % der Werbespendings vorwiegend an Google, Facebook, Amazon und Tencent gehen. Allein Google machte 2021 einen Umsatzsprung bei den globalen Werbeumsätzen von über 42% auf rund 210 Milliarden US-Dollar! Und hat einen Marktanteil von 30%. Dabei ist die Wirksamkeit von Online-Werbung durchaus anzuzweifeln, zumal Betrüger durch bezahlte Klicks und Bots Reichweite erschwindeln und kräftig abzocken (derzeit rund 70 Milliarden US-Dollar pro Jahr). Und gleichzeitig stellen bei uns Handelsketten wie OBI gedruckte Werbung komplett ein.

Darum meine These:
Sowenig wie Print untergeht, sowenig sind jedwede Kommunikationsmaßnahmen nachhaltig, die nur auf „Online resp. Digital“ setzen!

2. Paradigmenwechsel: Von der Produktion zur Kommunikation

Im Vorfeld der Leitmesse drupa im Jahr 2012 — Wer von Ihnen kennt noch die drupa? — wurde ich von der Wirtschaftswoche gefragt, welcher Unternehmenstyp, welches Geschäftsmodell wohl zukunftsfähig sei und sich durchsetzen werde. Ich favorisierte einen neuen Firmen-Typus anstatt Akzidenz- oder Inhouse-/Transaktionsdruckerei oder Verpackungs- und Etikettendrucker etc.: Und zwar die interaktive Manufaktur. Ich meinte damit einen hochprofessionellen, an bester Handwerkskunst orientierten Betrieb, der verschiedenste Technologien, Prozessabläufe und Anwendungen souverän, flexibel und auch industriell handhabt sowie hoch automatisiert und trotzdem kundenindividuell gestaltet. Weg von der Massenproduktion hin zur massenhaft individuell gestalteten, ganzheitlichen Kommunikation. 

Ganz klar war für mich damals wie heute: Das ganze Gedöns um Verfahrenstechniken (Digital- vs. Offsetdruck, VDP, Transaktionsdruck etc.) und Bits&Bytes führt zu nichts. Wenn Print (in all seinen Erscheinungsformen) als prosperierende Geschäftsgrundlage dienen soll, kann m. E. nach nicht mehr die Produktion, sondern es muss die Rolle von Print im Kommunikationsmix im Vordergrund stehen.

Und siehe da, oh Wunder, Robert Keane, CEO von CIMPRESS plc, der größten, milliardenschweren sog. Online-Druckereigruppe der Welt, verkündete, das Prinzip der Masscustomization, das zum Leitbild seiner Firmen werden muss. Und im kleinen Rahmen, in der schönen Schweiz, schickte sich Steffen Tomasi, CEO & Gründer bei Flyerline Schweiz AG, an, meine Lieblings Print-Manufaktur, zu großem Erfolg zu führen. 2020, als alle unter COVID-19 ächzten, und die Auftragslage je nach Anwendung auf Null zuging, rief Tomasi seine Mannschaft zu einem rund vierwöchigen Innovations-Triathlon zusammen, um alles und jedes auf den Prüfstand zu stellen. Heraus kam eine neue, Pandemie-konforme Flyerline Schweiz AG, die z. B. Papiermöbel fürs Homeoffice oder auch bedruckte Pappkameraden als Zuschauerersatz in Sportstadien On-Demand produzierte/lieferte. 

Auch wenn Sie jetzt evt. sagen, unser Metier ist ja doch ganz anders. Wir kommen aus dem Transaktionsdruck. Bei uns gehts um hohe, sicherheitssensitive Produktionsvolumina etc. — so lässt sich durchaus sagen: Ihre Welt hat sich ebenfalls geändert, und ist weiter im Wandel. Ein neues Feld ist längst eröffnet, das der Business Communication. Mit erweiterten Möglichkeiten, die Ihnen und Ihren Kunden, ob in-house oder extern, veritable Chance bieten, vernetzte Kommunikation mit Medien wirksamer zu gestalten. Zum einen durch Portfolio-Erweiterungen (Canon bietet hier in der Halle in Poing viele Anregungen); zum anderen durch neue Konzepte für höhere Interaktion und Transparenz. 

Meine These

Bis dato weiß kaum jemand, was der Empfänger mit dem von Ihnen gefertigten Druckstück tatsächlich anfängt. Wird es genutzt? Wenn ja, wie? Oder gleich weggeworfen? — Jede Lösung, die Ihrem Auftraggeber – wer auch immer das sein mag – dieses Dilemma löst, stärkt die Kommunikation mit Print. 

Und bedenken Sie: Die Kommunikation mit Print beginnt für Sie schon bevor Sie für Kunden produzieren. — Oder wie machen Sie Ihr Angebot transparent und im Nutzen begreifbar?

3. Good2Know: Innovator’s Dilemma

Meine britischen Kollegen reden gerne mal von „New Innovations“. Also quasi „neue Neuerungen“. Diese sprachliche Schwäche zieht sich im begrifflichen Umgang durch. Das Innovator’s Dilemma beginnt also damit, dass nicht einheitlich definiert ist, was Innovation tatsächlich bedeutet. 

Auf Print-Fachmessen wird gerne angekündigt: Wir haben zig-Neue Innovationen. Doch dahinter stehen „Inventions“, sprich einfach nur technische Verbesserungen im Rahmen des Status quo. Die Invention zeichnet sich dadurch aus, dass Zweck und Mittel auf neue Art kombiniert werden. Der Zweck wird über die Nachfrage, die Mittel über die Technologie bestimmt. 

Gestatten Sie einen kurzen akademischen Exkurs: Dem bedeutenden Ökonomen Joseph Alois Schumpeter gemäß ist Innovation die „Durchsetzung neuer Kombinationen“ zumeist im Kontext mit „schöpferischer Zerstörung“. Innovation sei die Summe von technologischen, wirtschaftlichen, organisatorischen oder sozialen Neuerungen, der Invention, und deren Umsetzung beziehungsweise Durchsetzung. Die Neuerung muss im Unternehmen nach innen und außen durchgesetzt werden, um als Innovation zu gelten. Dieser Prozess geht nicht kontinuierlich, sondern diskontinuierlich vonstatten. 

Kurzum: Es geht darum, das Alte auf eine neue Weise zu tun. Aber sozusagen „beyond Technology“. 

Es geht zugleich jedoch darum, sich NICHT auf eigenen Innovations-Erfolgen auszuruhen. Beispiele für grandioses Scheitern im Sinne des Innovator’s Dilemma sind vielfältig, siehe IBM in den 90ern, Kodak, Agfa, HP, Nokia u.a.m. Gegenbeispiele, also Erfolgsstories, sind die GAFAM-Gruppe: Google, Amazon, Facebook, Apple, Microsoft; interessanterweise alles Unternehmen, die sich aktiv und innovativ mit ‚digitaler’ Print-Technik auseinandersetzen. Sei es, um digitale Inhalte druckbar zu machen, sei es um Print-Produkte zu vermarkten. Oder durch Print als Werbemittel zu profitieren. 

Meine These

Innovation sowie Innovationsgeist kann man nicht von der Stange kaufen. Beides muss klug durchdacht und offen kommuniziert zu neuen, akzeptierten Handlungsweisen führen.


 

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4. Benchmark: Die Technik kann’s. Und wir?

Hand aufs Herz: Wie viele technische Optionen / Features werden (mit)gekauft und dann gar nicht genutzt? Im Umgang mit der Print-Technik ist dies kein seltenes Phänomen. Zudem liegt der Fokus zumeist darauf, das, was man tut, besser zu machen. Im Zweifelsfall kommen neue Applikationen hinzu, die bis dato in anderen Verfahren produziert wurden.

Wir sollten lernen, mit Technik ganz anders, viel kreativer umzugehen. Nicht die Frage: „Welche etablierten Marktsegmente / Anwendungsgebiete wachsen oder gehen zurück“, darf die unternehmerische Leitlinie vorgeben. Sondern die Frage: Es gibt riesige Menge an Daten, mit jedem Tag mehr, die gedruckt werden könnten. Wenn man also zum Beispiel in der Lage wäre, nicht mehr nur über PDF-Dateien Print zu erzeugen, sondern über HTML-Daten, aus denen On-Demand kundenindividuelle Druckstücke in Echtzeit und auch in Netzwerk-Strukturen dezentral erzeugt werden.

Wer das schafft, rückt ganz nahe an die Vorzüge der sog. Plattform-Ökonomie, die auf Interaktion und exponentielles Wachstum ausgerichtet ist. Die Apologeten der GAFAM-Gruppe habe ich bereits genannt. Alles was diese durchaus Print-affinen Digitalfirmen tun, wird zudem immer in Echtzeit mit Kunden auf ihre Nutzererfahrung und spezifische Bedürfnislage abgestimmt. Als GAFAM-Kunde wird man immer gefragt, ob man zufrieden war oder welche Kritikpunkte bzw. Anregungen es gibt, die dann auch ernst genommen werden.

In meinem jahrzehntelangen Dasein als Print-Fan und -Liebhaber ist mir nicht in Erinnerung, dass ich ein einziges mal gefragt worden wäre, wie mir das Druckstück, das ich bekommen habe, in seiner Erscheinungsform gefällt oder eben mißfällt. Ich würde aber jederzeit gerne dazu Auskunft geben – wenn man mich nur fragen würde…

Meine These

Wir können aus der Digitalwelt, die angeblich Print negiert, wesentlich mehr Anregungen und Geschäftsmöglichkeiten herausholen, als „nur“ herkömmlich digital zu drucken. Dazu braucht es einen kreativeren Umgang mit Technologie und den sich anfügenden Möglichkeiten der Wertschöpfung.

5. Roadmap: Von der Innovation zur Transformation zur Disruption

Seit der drupa 2016 rückte das Dogma der Transformation auf Basis von Print-Innovation in den Fokus. Hinzu kam, dass (aus meiner Sicht sehr undifferenziert) von „Disruptiven Technologien“ gesprochen wurde. Was verbirgt sich dahinter? Disruptive Technologien sind Innovationen, die die Erfolgsserie einer bereits bestehenden Technologie, eines bestehenden Produkts oder einer bestehenden Dienstleistung ersetzen oder diese vollständig vom Markt verdrängen und die Investitionen der bisher beherrschenden Marktteilnehmer obsolet machen. Soweit, so gut! Aber sind wir da wirklich angekommen? M. E. verharmlosen wir allzu gern die neuen digitalen Drucktechniken als komplementär. Insofern dauert es ewig lange, Dinge tatsächlich und radikal zu ändern. 

Doch keine Bange: Wandel im Wirtschaftsleben ist ein ganz natürlicher Prozess — ein kulturell, sozial und ökonomisch getriebenes Phänomen, dem man sich nicht entziehen kann. Ob wir nun aktiv sind oder nicht, wir sind betroffen und können uns der Wirkung nicht entziehen. #Zeitenwende eben! 

Transformation ist dabei kein real stattfindender, in Augenschein zu nehmender  Prozess, sondern findet m. E. bei jedem von uns im Kopf statt. Ausgangspunkt ist die Veränderung des Denkens durch neue Erkenntnisse, um zu neuen Handlungen gelangen zu können. 

Im Kontext mit Print sieht und sah das stets so aus: Investiere in neue Technologie und transformiere Dein Geschäft zum Besseren. Klingt plausibel, funktioniert aber nicht so ganz. Transformation wirkt sich keinesfalls linear oder berechenbar aus, sondern iterativ und bisweilen disruptiv. 

Meine These

Entscheidend bei Transformationen erscheint mir, das Momentum neuer Denk-Erkenntnisse in die Realität zu übersetzen. Kein leichtes, aber auch kein unmögliches Unterfangen, um neues, wirkungsvolles Handeln mit höchster Agilität zu gewährleisten.

 

Klares Statement:

Um es auf den Punkt zu bringen: Wenn wir von digitaler Kommunikation reden, muss Print immer in Form von Digitaldruck eine wichtige Rolle spielen.

Denn weder Online pur noch Print pur funktioniert. Es funktioniert in Form der Vernetzung.

Und Social Media ist der beste Treiber für neue Geschäftsmodelle im Digitaldruck.

Video: Canon


6. Perspektive: Nachhaltigkeit ist Trumpf!

Wir beziehen Nachhaltigkeit fast ausschließlich auf Umweltaspekte wie Carbon Foot Print etc. Das ist gut und wichtig. Zertifizierungen, Kompensationen bei Technik und Materialen spielen die größte Rolle. Ich möchte den Blick auf weitere Bereiche lenken.

  1. Unternehmens-/Mitarbeiterkultur. Die meisten Firmen, gerade die großen, haben ihre Environment Social Governence-Kriterien (kurz: ESG). Das sind meist mehr oder weniger Willensbekundungen, um vermeintlichen Konventionen gerecht zu werden. Für mich wesentlich ist: Welche Struktur, besonderen Talente und Skills  machen die Mitarbeiterschaft aus, um das Geschäft nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten? Inzwischen gibt es eine Fülle an Berufsbildern, die kaum mehr etwas mit klassischen Berufsbildern wie Drucktechnik oder Medienproduktion zu tun haben. Folgende werden in den USA für Print Services aller Art als wesentlich erachtet:
    Account Coordinator  | Sales Representative
    Development Associate
    Digital eCommerce Producer
    eCommerce Manager
    Digital Content Manager
    Front End Developer
    Instructional Media Designer
    Prepress Technician | Print Estimator  | Print Production Specialist
    Production Artist / Production Associate
    Project Manager
    Quality Assurance Specialist
    Structural Designer | User Experience Designer
    Web Designer | Web Content Manager
    Sprich: Das sind Hightech-Berufe, die erlauben, High-Tech-und High-Quality-Printkommunikations-Lösungen anzubieten. Wer das Kunden/Interessenten transparent macht, hat schon gewonnen und wird perspektivisch als guter und zukunftsorientierter Partner angesehen. Wer das umsetzt, hat eine treue Belegschaft!
  2. Die Produkte, Lösungen und Services müssen nachhaltig gestaltet sein. Printprodukte, die nicht genutzt, sondern gleich entsorgt werden, sind null nachhaltig. Hier stimmen Konzept, Ausführung, Timing oder Evaluierung der Empfänger-Bedürfnisse nicht.

Meine These

Für die Nachhaltigkeit im Print ist Relevanz wichtiger als hohe Reichweite per Gießkannenprinzip. Das muss in die Auftragsentstehung einfließen. Die Beratung hierfür muss früher greifen.

 

7. Umdenken: Man kann nicht NICHTS kommunizieren

„Ich bin sprachlos!“ — Das kann von starker Begeisterung oder auch von Schreck herrühren. Oder, wie in unserem Fall wohl aus Unachtsamkeit geschehen. So wie Schuster bisweilen die schlechtesten Leisten haben, wird in der Print- und Kommunikationstechnik viel zu schweigsam oder lautlos agiert. Wenn überhaupt, wird das eigene Leistungsangebot bemustert oder auf Open House-Ausstellungen in meist sehr technokratischer Art und Weise feilgeboten. Es gilt: Wir sind der Konkurrenz stets einen Schritt voraus, denn wir behalten alles für uns!

Aber, so meine wohl gemeinte Kritik: Besonders professionell oder gar pro-aktiv wird Kommunikation für Print und flankierende Leistungsangebote nicht betrieben. Man könnte überspitzt sagen: Die meisten Print-Dienstleister, egal in welchen Märkten sie aktiv sind, verhalten sich beinahe autistisch. Es wird wiederholt stereotyp agiert. Und schon gar nicht über den Tellerrand hinaus geblickt!

Die Marktkommunikation wird von Herstellern und Lieferanten geführt. Eine Print-Lobby gibt es gar nicht. Und, das größte Manko, mit wichtigen Bereichen wie z. B. der umsatz-, ertrags- und wachstumsstarken Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW) mit ihren rund 1,8 Mio. Tätigen (2006: 938tsd), die zugleich Treiber für Innovation ist, findet strukturiert keine Branchenkommunikation statt. Man bedenke: Die Bruttowertschöpfung (BWS) in der KKW lag 2020 bei rd. € 94,6 Mrd. (2006: € 61 Mrd.). Sie lag damit etwas über dem Niveau des Maschinenbaus und vor anderen Branchen wie den Finanzdienstleistungen, der Energieversorgung oder der chemischen Industrie. Die Entwicklungen in der KKW wird in jährlichen Monitoringberichten der Bundesregierung transparent erfasst.

Gesprächspartner wie auch Gesprächsanlässe gibt es genug und Beispiele gibt es zuhauf! Sogar die dröge anmutende Mineralwasser-Branche hat vor 20 Jahren eine überaus kreative, erfolgreiche, nachhaltige Gattungsmarketing-Kampagne inszeniert und weite Bevölkerungskreise erreicht. 

Vor allem, und das ist wirklich paradox, hat sich die Print-Produktionstechnik inkl. der Prozesse komplett und geradezu vorbildhaft digitalisiert. Sich jedoch gleichzeitig auf digitale Kommunikation zu fokussieren — v. a. zur Kundenbindung und Kundengewinnung — wird komplett vernachlässigt. Die Wirkungsmechanismen werden in Frage gestellt. Dabei gibt es neue, hochprofitable Anwendungsbereiche im Digitaldruck, die ihr Geschäftsmodell auf Social-Media-Plattformen aufbauen und aus dem Stand heraus nicht nur regional, sondern  international agieren können. Siehe den Instax Sofortbild-Veredler Instant Celebration sowie die 1-Click-Fotobuch-Spezialisten Pastbook, beide aus Amsterdam, NL. Und sogar Papierhersteller wie Mondi pflegen seit Jahren erfolgreiche interaktive B2B-Projekte auf Instagram um das Interesse an seinen Premiumpapieren zu beflügeln. 

Meine These

Es sollte doch bei dieser geballten Kompetenz im Auditorium ein leichtes sein, durch pro-aktive Kommunikation zu begeistern. Oder sogar innovative Business Communication-Lösungen v. a. auf LinkedIn als Premium B2B-Marktplatz zu verankern.

OUTRO — Empfehlung(en): Be. More. Human.

Meine Damen und Herren, soweit meine Gedanken zum Thema ZEITENWENDE. Ich hoffe Sie konnten Anregungen für sich empfangen. Und wenn diese bisweilen etwas Kopfzerbrechen machen, so ist dies ein gutes Zeichen. Denn wer schön sein will muss leiden. Oder?

Meine Empfehlung: Bei allem, was die Begeisterung für das Digitale im Umgang mit Print-Technik angeht, so möchte ich doch auf etwas ganz wesentliches hinweisen: 

Be. More. Human. Alles was wir hier in Poing bei Canon sehen, worüber wir reden, was im Privatsektor geschieht, ist letztlich kein Technik-Selbstzweck. Sondern alles ist von Menschen für Menschen gemacht. Daran möchte ich appellieren und freue mich, wenn wir auf dieser Ebene im Diskurs bleiben. 

Und zum Abschluß, da wir hier im wunderbaren Bayern sind, ein Bonmot, nein, gerade zu ein Kultspruch des Bayrischen Filmemachers Herbert Achternbusch aus seinem  berühmten Werk aus dem Jahr 1976 „Atlantikschwimmer“: 

„Du hast keine Chance, aber nutze sie!“

 


 

Zur Person

Andreas Weber folgt dem Leitsatz: „Kommunikation ist (k)eine Kunst!“. Er ist ein international renommierter und prämierter Analyst und Publizist. Seine Leidenschaft gehört der Kommunikation mit Medien. Print spielt dabei auch im Digitalzeitalter eine zentrale Rolle. Diese Botschaft hat er in zahlreichen Projekten, Vorträgen und Seminaren rund um den Globus manifestiert. Sein Blog valuetrendradar.com wurde bis dato von über 130.000 Lesern aus fast 160 Ländern der Welt genutzt.

Kontakt via LinkedIn:
https://de.linkedin.com/in/andreasweber

 


 

Ausgewählte Charts als Illustration zum Impulsvortrag

 

 


 

In eigener Sache: Herzlich Willkommen in der Welt von INKISH D-A-CH

Die sogenannte D-A-CH-Region schätzen wir als Keimzelle, wichtigen Takt- und kreativen Ideengeber der Druckkunst in aller Welt. INKISH D-A-CH kümmert sich als Partner innerhalb der globalen INKISH Familie speziell um Belange der Print-Branche und ihre nachhaltigen Wirkungsbereiche in den deutschsprachigen Ländern.

Drei wesentlichen Aufgaben-Felder stiften für uns alle Nutzen:

  1. Fach-Diskussionen in Gang setzen (ab jetzt auch in deutscher Sprache!)
  2. Relevante Innovationen aufspüren, begutachten, bewerten
  3. Den Zugang zu Innovatoren erleichtern und Kontaktstrukturen aufbauen

INKISH versteht sich als Media 4.0 Unternehmen, dass den Anforderungen im Digitalzeitalter gewachsen ist. Wir kombinieren in zeitgemäßer Form profundes Kommunikations- und Technologie-Fachwissen mit werthaltigem Fach-Journalismus — auf Interaktion, auf Meinungsaustausch ausgelegt.

Dadurch werden die Aktivitäten hier im Blog  valuetrendradar.com sowie bei #hotspotsubscription synergetisch verstärkt.

 


INKISH D-A-CH steht Print-Experten als fairer und aktiver Partner zur Verfügung:

  • Petra Lüftner leitet das Business Innovation Management (Fokus: Druckereien)
  • Andreas Weber als Head of D-A-CH Region ist Chef-Reporter, Kommentator, Interviewer (Fokus: Zulieferindustrie und Verbände)

 

INKISH verfügt mit INKISH.TV, INKISH.NEWS sowie den damit verbunden digitalen INKISH Services, Lokalisierungen & Tools über ausgereifte und erprobte digitale Plattformen. Die INKISH-Welt steht allen offen, um mit Videos, Texten (Fachartikel, Presse-Meldungen), Events und Kurzbotschaften nicht nur Wissenswertes zu kolportieren, sondern Fachgespräche in Gang zu setzen, zu moderieren und weiter voranzutreiben. Und das stets mit lokalem/regionalem und internationalem Bezug.

Die Wirkung unserer Plattformen wird durch unsere erfolgreiche Social-Media-Arbeit verstärkt. Wir sind vor allem auf LinkedIn, Twitter, YouTube aktiv. Durch API’s sind wir mit über 900 Fachmedien aus aller Welt verbunden. Was uns besonders freut: In den schwierigen Zeiten der Corona-Krise konnte INKISH sich bestens bewähren, wie hunderte Kommentare und tausende Neukontakte belegen.

Am einfachsten kommen Sie mit INKISH in Kontakt, indem Sie unsere individuell konfigurierbaren News kostenfrei abonnieren. Bitte hier klicken.

Wir freuen uns auf viele spannende und inspirierende Gespräche mit Ihnen.

 


 

Bildschirmfoto 2020-05-01 um 09.33.48.png

 

Von Andreas Weber | English version via INKISH.NEWS

Teil 1: Die Notwendigkeit eines radikalen Wandels bei globalen Leitmessen am Beispiel der drupa

Ich stimme den Gedanken voll und ganz zu, die Morten B. Reitoft auf INKISH.News geteilt hat. Kernaussage: „Messen können nicht mehr das Zentrum von Produkteinführungen sein.” Die drupa, als weltweite Leitmesse die Nummer 1, bildet keine Ausnahme.

Klar, dies erfreut uns keinesfalls. Im Gegenteil. Seit 1977 habe ich selbst bereits zehn Mal (!) an den drupa-Messeveranstaltungen teilgenommen. Aber aus meiner Erinnerung wird deutlich, was spätestens seit der drupa 2004 anders wurde: Es drehte sich zunehmend weniger um die Interessen der Besucher; sondern mehr oder mehr um den Ansatz, hauptsächlich die Bedürfnisse der Aussteller und der Organisatoren zu erfüllen. Infolgedessen wurden Empathie und Sympathie für die Besucher ausgedünnt. Nebeneffekt: Es kamen bis 2016 zunehmend weniger Besucher. Für 2020 hatte ich aus verschiedenen Gründen vermutet, dass es sogar unter 200.000 Fachbesucher sein könnten.

Tut mir leid, dies feststellen zu müssen: Wenn nicht wie einst die Besucher im Zentrum stehen, hat die globale Print-Community ihre Heimatbasis verloren. Und in gewisser Weise auch einen Teil ihrer Identität.

Ich glaube nicht, dass die #drupa2020 einfach im Konzept unverändert, ohne radikale Änderungen vorzunehmen, auf April 2021 verschoben werden kann. Nicht nur wegen der Corona-Krise. Sondern vor allem aufgrund der Tatsache, dass die Zukunft von Print von Menschen bestimmt wird und nicht von Technik.

Meine Erkenntnis: Umdenken und Neustart angehen

Um einen Neuanfang zu schaffen, sollten alle ihre Aufgaben überdenken und Unsinniges beseitigen:

  1. Worin liegt der Wert eines generischen Werbeclaims wie „Embrace the future — umarme die Zukunft“? — Besonders in einer Situation, in der wir alle das Chaos „umarmen“ müssen, um zu überleben.
  2. Warum sollten die Umfrageergebnisse des 3. drupa Global Trend Spotlight Report, der einige Zeit vor dem Lockdown und der Kontaktsperre erstellt wurde, und jetzt noch, im Mai 2020, einen Nutzen bieten und veröffentlicht werden? Die Befragung von 500 Druckern plus 200 Lieferanten ist zudem NICHT repräsentativ, wie professionelle, unabhängige  Marktforschungsexperten bestätigen können.
  3. Dies offenbart ein Kernproblem für die globale Print-Branche: Wir haben keine verlässlichen, belastbaren, eindeutigen Fakten über Märkte, Segmente, Anwendungen, Trends, Kundenerlebnisse oder Fehler, aus denen man Lernen kann. Weil alle Beteiligten ihre eigene Faktenlage der sogenannten „Druckindustrie“ erfinden, ist das strategisch und perspektivisch gesehen ein Supergau!
  4. „Embrace the Chaos“: Das Marktvolumen im Sinne der globalen Wertschöpfung mit Printmedien wird zum Beispiel mit 400 Mrd. EUR oder auch mit 700 Mrd. EUR, 1.000 Mrd. EUR oder sogar über 2.460 Mrd. EUR angegeben. Was soll man jetzt glauben? Und was halten Außenstehende, Finanz-Analysten, Investoren, Politiker und vor allem Kunden von Druckereien von einem so zerrütteten Bild? Die Kurse der börsennotierten Unternehmen, die sich mit Print-Technik beschäftigen, sprechen da eine deutliche Sprache. Die Kurse und damit die Marktkapitalisierung sind durch die Bank im Keller, nicht erst seit COVID-19.
  5. Es geht letztendlich nicht, wie viele Denken, um Zweck-Optimismus, der Fakten verbiegt, verzerrt oder umdeutet, sondern darum, das Bewusstsein zu verändern, angetrieben von Klarheit, einem geschärften Realitätssinn und Vertrauen. Tun wir das nicht, entkommen wir nicht diesen Absurditäten in der Realität. Sondern wir machen das Absurde zur Realität. Und das geht selten gut.

Mein Rat: Fatal-Error 404 — Neustart-Knopf drücken. Alle zusammen!

Die Berichtserie wird fortgesetzt.


 

#drupa2020

By Andreas Weber, Head of Value  |  German Version

Note / supplement

The first publication of this article in September 2019 produced a worldwide response. Mostly my assessment was shared. Above all, it was discussed how and if technology fairs can serve to strengthen or even improve the situation of printing companies and to develop future potential. The result: Yes, this succeeds if the focus is not only on exhibitor needs, but places the interests and the situation of the visitors in the center.

The situation in the print market is characterized above all by technology and innovative capability. And here’s my latest analysis revealing something amazing (see: # drupa2020 ante portas: The Renewal of Print). No wonder, then, when you have to be concerned because appearance and reality drift apart.

Incidentally, one critic commented that drupa should not be talked down otherwise it would be a pity for the print industry as a whole. Well, am I doing that? To identify problems/challenges and express concerns is not bad, but important to get better and better. Isn’t it?

 


 

It will be my 11th drupa since 1977, which I will visit in June 2020. First as a ‘normal’ trade visitor, then in the record number of visitors in 1990 as an exhibitor, later as a journalist and in recent years as an analyst and blogger. — Clearly, things are changing. While machines and devices used to be the focus of attention, today solutions, concepts, perspectives and application options are the key.


 

The rush of manufacturers as exhibitors is unbroken. Trade fair director Sabine Geldermann proudly speaks of a sold-out #drupa2020, including the new exhibition hall 1. In 1951, drupa started its successful run when the former Heidelberg boss Dr. Sternberg had rented the whole hall 1.

However, the development in the number of visitors fills me with great concern.

Of course, the advancing automation and the path towards Industry 4.0 bring about rationalization effects that enable personnel savings.

But: For a long time, it has not been possible to inspire new target groups for the drupa to a significant extent — people who have to deal with modern marketing and communication topics on a broad front. They should focus on print, but do it less and less. Why is that? What’s wrong with communication?

 

drupa Stats aus Wikipedia

Source: Wikipedia (german edition)

 

Honestly, as long as I can witness it, it has never been so calm in the run up to a drupa. This can not only be attributed to the organizers and partners. The trade press, formerly a guarantor of success, is only a shadow of itself (apart from a few exceptions!), hardly find enough readers and supporters anymore. Outstanding events, such as the Print & Digital Convention initiated by the German association f:mp Fachverband Medienproduktioner e.V., have developed well. But in May 2019 with 1,200 visitors are lean compared to the simultaneous digital events such as OMR in Hamburg with over 50,000 visitors or the re:publica convention in Berlin with 20,000 visitors.

Why is the industry not acting broadly, concertedly and publicly for its concerns and, above all, its right to exist? And takes a clear position on what and how things have changed in the digital age.

There is still some time left. But something must happen very quickly. Otherwise it means (again): “Operation succeeded, patient dead.” And to find an inglorious end like the CeBIT, that is the drupa and the print industry not to be desired.

 


As far as I can, I like to help and offer a number of opportunities to get involved. So the expert network #Think!Paper, supported by Mondi, GT Trendhouse 42 and Jubels; or even with the new blog “HotspotSubscription”, which has occupied as a theme “Renewal of Print”, and thus from the stand for high attention, especially outside the industry. The Digital Printing Forum, founded by myself and partners, is still active as an industry initiative and has over 1,200 group members via XING. Last but not least: my blog ValueTrendRadar.com as a compendium for communication with print has found over 120,000 readers from almost 160 countries in the world since #drupa2012.


There are many possibilities. You just have to grab it. In that sense, I am still optimistic.

And what about you? Share your thoughts and let’s start a good conversation.

 


 

ThinkPaper Wortbild PRINT

ThinkPaper Wortbild PRINT

 

By Andreas Weber, Head of Value  |  German Version

With regard to dramatically falling stock market prices: Are printing press manufacturers and, with them, the printers (once again) in a deep crisis? The answer is “no, but …” — because the most sensitive thing is that the structural change in the print media business has a deeper impact than previously thought. And most underestimated that.

Status quo: Nothing goes any further!

  1. The vast majority of printers and their suppliers can no longer produce organic growth.
  2. Cost-cutting measures are largely exploited resp. certainly not a guarantee of success in the long run.
  3. The tried and tested measures for the industry in critical situations — the switch to new technologies for print media production (eg inkjet printing) — does not pull anymore, as it has not really got going for years and therefore only looks like a drop in the bucket.
  4. Last but not least, according to the feedback from the audience: media-effective, public events such as press conferences at trade shows or financial press conferences are usually completely overcrowded, dripping and riddled with insider details that prevent them from gaining an eye for the essentials.

Are ad hoc measures still possible? Yes and no. — Too much has to change fundamentally, as the valuable #Think!Paper expert analysis shows. Over the past eight days, leading minds from Europe and America have come to the heart of their assessment of the future of print. Tenor: Print has a future and fits perfectly into the digital age. Provided the business philosophy is radically refurbished and new go-to-market strategies and implementation solutions are found accordingly

 


If you want to know how this affects suppliers, read the #Subscription blog in an interview with Dr. Ulrich Hermann, Chief Digital Officer of Heidelberger Druckmaschinen AG: “Subscription & Print: Insights, Developments and Market Scenario”.


 

Thanks to Fraser Church from the UK, the most important finding for print shops is that the industry actually has the best chance. Because print as a medium delivers through its outstanding core properties — Trust and Value – exactly what print companies and their suppliers have to use and assert.

This is best achieved through exemplary multichannel marketing campaigns designed for conversations, which make print appear brilliant in networked communication scenarios. — But far from that there is nothing to see. Functioning genre marketing has always been foreign to the industry! Everyone always cooks their own soup. Pity!


 

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Further reading

The current and exclusive #Think!Paper expert analyzes in the form of short interviews at a glance: 

Rüdiger Maaß: Put the strengths of print in the right place!

Fraser Church: „Use print when you need something considered or need to promote trust and value!

Hamilton Costa: „Print is not a common thing anymore! But it’s still relevant!“

Peter Gunning: „Print creates an unspoken trust!“

François Martin: „Print will remain but it will never be what it was!“

Jeroen van Druenen: „Print is always the start of a good conversation“

Bernhard Cantzler: „Print is a natural ’digital detox’ and helps deeper thinking!“

Morten B. Reitoft: „Print has a way higher impact than mobile and web!“

 


 

ThinkPpaer-Key-Visual-Blog-Post.001

 

#Think!Paper — the key facts at a glance

What we do
We evaluate and profile print and its proponents as an effective driving force for transformation – across all industries!

Our mission
We show, first and foremost, that print is by no means driftwood in an ocean of transformation (with Titanic-style effects) but rather a solid anchor for the ‘tsunamis in our heads’!

Our USP

  • We are bringing together the brightest minds to form interdisciplinary #Think!Teams with a global outlook.
  • We are building up the finest pool of expertise with a clear focus on interaction, discourse, customer experience and sustainable conversations.
  • We are reinforcing the bedrock of any successful ‘digital’ transformation – proficient, dynamic and meaningful communication.

Benefits for our partners
We help our partners make new and market-relevant discoveries that inspire them and inject new energy into their development.

 


 

ThinkPaper Wortbild PRINT.png

Von Andreas Weber, Head of Value | English Version

Mit Blick auf dramatisch sinkende Börsenkurse: Stecken Druckmaschinenhersteller und mit ihnen die Druckereien (wieder einmal) in einer tiefen Krise? Die Antwort lautet: „Nein, aber…“ — Denn äußerst heikel ist, dass der Strukturwandel im Geschäft mit Printmedien tiefergehende Auswirkungen hat, als bislang angenommen.Und das haben die meisten unterschätzt.

Status quo: Nichts geht mehr vom Fleck weg!

  1. Die überwiegende Zahl der Druckereibetriebe kann ebenso wie ihre Lieferanten kein organisches Wachstum mehr erzeugen.
  2. Kostensenkungs-Maßnahmen sind weitgehend ausgenutzt resp. schon gar kein Erfolgsgarant auf lange Dauer.
  3. Die für die Branche probate Massnahmen in kritischen Situationen — das Umschwenken auf neue Technologien zur Printmedien-Herstellung (z.B. Inkjet-Druck) — zieht nicht mehr, da es seit Jahren nicht richtig in Schwung kommt und wirkt daher nur wie ein Tropfen auf den heissen Stein.
  4. Last but not least, gemäß Stimmen aus der Analystenszene: Medienwirksame, öffentliche Veranstatungen wie Pressekonferenzen auf Messen/Kongressen oder Bilanzpresse-Konferenzen sind zumeist völlig überfrachtet, verkropft und gespickt mit Insider-Detailinfos, die verhindern, den Blick für das Wesentliche zu erhalten.

Sind trotzdem Ad hoc-Maßnahmen möglich? Ja und nein. — Zuviel muss sich grundlegend ändern, wie die lesenswerte #Think!Paper-Expertenanalyse zeigt. In den letzten acht Tagen haben führende Köpfe aus Europa und Amerika ihre Einschätzung zur Zukunft von Print auf den Punkt gebracht. Tenor: Print hat Zukunft und passt bestens ins Digitalzeitalter. Vorausgesetzt, die Geschäftsphilosophie wird radikal renoviert und entsprechend neue Go-to-Market-Strategien und -Umsetzungslösungen gefunden werden.

 


Wer wissen will, wie sich das auf Lieferanten auswirkt, kann die im #Subscription-Blog nachlesen im Interview mit Dr. Ulrich Hermann, Chief Digital Officer bei Heidelberger Druckmaschinen: „Subscription & Print: Einblicke, Entwicklungen und Marktszenario“.


 

Die wichtigste Erkenntnis für Druckereien verdanken wir Fraser Church aus UK: Eigentlich hat die Branche beste Chancen. Denn Print als Medium liefert durch seine herausragenden Kerneigenschaften — Trust and Value – genau das, was Print-Betriebe und ihre Lieferanten für sich nutzen und geltend machen müssten.

Am besten gelingt dies durch vorbildhafte, auf Konversationen ausgelegte, Multichannel-Marketing-Kampagnen, die Print in vernetzten Kommunikations-Szenarien fulminant wirken lassen. — Doch davon ist bis dato weit und breit nichts zu sehen. Funktionierendes Gattungsmarketing war der Branche schon immer fremd! Jeder kocht immer sein eigens Süppchen. Schade!

 


Lesetipps

Die aktuellen und exklusiven Think!Paper-Experten-Analysen in Form von Kurz-Interviews im Überblick:

Rüdiger Maaß: Put the strengths of print in the right place!

Fraser Church: „Use print when you need something considered or need to promote trust and value!

Hamilton Costa: „Print is not a common thing anymore! But it’s still relevant!“

Peter Gunning: „Print creates an unspoken trust!“

François Martin: „Print will remain but it will never be what it was!“

Jeroen van Druenen: „Print is always the start of a good conversation“

Bernhard Cantzler: „Print is a natural ’digital detox’ and helps deeper thinking!“

Morten B. Reitoft: „Print has a way higher impact than mobile and web!“

 

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#Think!Paper — the key facts at a glance

What we do
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#Think!Paper — Edition 3, Vol. 6

Interview by Andreas Weber, Head of Value

 


Hamilton Costa from São Paulo, Brazil, is not only an internationally renowned consultant and entrepreneur in the graphic communication market. He is an outstanding analyst and good friend. For many years we meet around the globe to talk about business and life and the pleasures in general. It is always a great honor and very insightful to talk to him and listen to him.


 

What is the beauty of print in the digital age?

Hamilton Costa: It’s to keep going relevant. Ten years ago, the mantra was the digital would take over everything, specially printing.

Now when we see the digital properly working, we can better compare it to analogical things. In the case of print there are comparative advantages like relevance: what is relevant, we print; longevity: we can still touch Gutenberg’s bible and maybe cannot find a file from two days ago; sensibility: touch, smell and visual impact. Among other things.


 

Everything in the Mobile Age is so fast. Why is the adaption of digital printing technology innovations so slow?

Hamilton Costa: Mainly because many marketers and creatives today have not experienced printing as they have done with digital applications. Print is not a common thing to them. When they realize what print can do in a communication loop, they adopt it and get better results, better ROI.

On the other hand, for many PSPs [Print Service Providers] the use of variable data and personalization is also not a common thing yet. They have to adapt themselves in getting the best from digital printing technology. It is an education process. It takes time. Unfortunately.


 

What are the key drivers for a powerful & successful print service biz today and what will it be in the future?

Hamilton Costa: First, to develop what I call advanced services. This means to offer services that substitute client’s business processes and save time and money to them. Like logistics, creation, design, digital platforms to marketing applications or make the access to printing customized and easier.

Second, the printing today and even more in the future is and will be part of many industrial processes. Additionally, the printing is every time more environmentally friendly. With this, there are and there will be dozens of opportunities for those with focus in helping and making printing affordable to customers that will require it.

 


ABGT Congresso 2017

Great experience: At the suggestion of Hamilton Coasta, in São Paulo — the global hotspot for transformation — Andreas Weber (heft) was able to get to know eminent and dedicated print professionals at the ABGT Congresso 2017 as a keynote speaker.


About

Hamilton Terni Costa is a senior consultant, author and professor. In his 40+ years career he managed national and international printing companies and experienced many printing market segments. He also managed industry associations. He is principal at AN Consulting in Brazil and Latin America director at Association for Print Technologies in USA.

Frequent speaker in many industry seminars he loves to motivate and challenge audiences in searching news ways to develop their own business.

Hamilton is one the founding partner of the #Think!Paper initiative.

 


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#Think!Paper — the key facts at a glance

What we do

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