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Gebt der Freiheit der Phantasie eine Gasse!  — Hermann Rapp

Zur Edition Nummer 20 der Offizier Die Goldene Kanne aus dem Jahr 2010 — Publikation aus Anlass der Einzelausstellung von Hermann Rapp (1937—2015) im Goethe-Haus zu Frankfurt am Main zur Jahreswende 2018/2019.

Das Buch enthält die Wiedergabe eines Texts, den G. W.F. Hegel im Jahr 1796 oder in den ersten Monaten des Jahres 1797 aufgeschrieben hat. Das Blatt kam 1913 über den Autographen­handel in die Königliche Bibliothek zu Berlin und wurde von Franz Rosenzweig 1917 publiziert. Er gab dem Text den Titel
Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus und vertrat die Auffassung, er sei von F. W.J. Schelling verfaßt, von Hegel nur abgeschrieben. Heute liegt das Manuskript in der Jagiellonischen Bibliothek zu Krakau. Die Verfasserschaft ist umstritten. Neben Schelling wurde auch Hegel selbst, sowie Hölderlin oder unbekannte Vierte als Autoren genannt. 

Zu diesem Text schuf Hermann Rapp eine Reihe von Linol­drucken und inszenierte diese Hinterlassenschaft. Im nachfolgenden Text gibt er weiteren Einblick in sein Werk.

BIBLIOGRAPHIE

20. Druck der Offizin Die Goldene Kanne 2010, ein Kassetten­werk in beachtlicher Größe, 63 mal 54 mal 10 cm im Querformat, nach den Maßen das größte Buch der Offizin. Der von Hegel vor rund 200 Jahren geschriebene Text (die Urheberschaft ist ungewiß) wurde aus der 36 Punkt Gara­mont gesetzt und auf schwar­zes Papier aus den Bergen des Himalaya gedruckt. Zum Text kamen eine Vielzahl von Graphiken. Diese Blätter wurden auf doppelseitigen blau­grauen Museums­karton montiert und außen mit einem Schild gekennzeichnet. Zwölf Doppelseiten liegen in einer Leinenkassette, auf dem Deckel befindet sich eine weitere Graphik, die auf Leinen gedruckt wurde. Außerdem wird jeder Kassette ein Flachrelief beigegeben, dieses wurde ähnlich gestaltet wie die Druckstöcke. Die Auflage ist auf 6 Exem­plare plus 1 für die Offizin beschränkt. Im Kolophon, das neben den bibliographischen Angaben etwas über die Ent­stehung des Pressen­drucks berichtet, ist das Werk von Hermann Rapp signiert. 

 

 

WESHALB  DIESER TITEL?

Seit vielen Jahren beschäftigt sich die Offizin mit dieser Hinter­lassenschaft aus der Hand Hegels. Mehrfach wurde eine Veröffentlichung als Pressendruck ins Auge gefaßt, Probeseiten entstanden und wurden wieder verworfen, dann, im vergangenen Jahr (2009), reifte der endgültige Plan. Weshalb? 

Der Autor des Textes will, daß die bestehenden gesellschaft­lichen Verhältnisse sich ändern sollen, er sucht neue Ideale. Dieses mutige Eintreten fasziniert. Wie vor zweihundert Jahren braucht auch unsere Gegenwart ein Umdenken, ein Weiterdenken, verlangt eine Besinnung und sucht eine Erneuerung. Solches Bedenken ergab den Titel des Buches: Hinterlassenschaft einer Zukunftsidee. 

Freisein von aller Knecht­­­schaft, so schreibt Hölderlin in seinem Hyperion. Und Schelling schreibt in den Aphorismen zur Naturphilosophie, daß außer der Vernunft nichts sei, in der Vernunft jedoch alles. Die Pariser Ereignisse nach dem 14. Juli 1789 gaben Mut und Entschlußkraft.

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Die Druckstöcke wurden von Hermann Rapp oftmals als eigenständige skulpturale Wesen erhalten. 

MENSCHFIGUREN UND DIE GRAPHIKEN

Im Text werden Mitmenschen werbend angesprochen, sie werden zum Mitmachen aufgefordert. Deshalb begleiten den Text in dem Pressendruck wieder eine Reihe von Menschfiguren. Wie bereits in anderen Büchern sind sie aus Linol geformt. Es scheint, daß sie noch statischer wurden, strenger und vielleicht noch mehr zum Symbol gewor­dene Idole. 

Die Gesten sind ruhig, wir finden den Einzelnen, die Paare oder die Gruppe, die sich zusammen­schließt oder die sich trennt, sich entzweit. Entzweit, um ein Neues zu beginnen. 

Über viele Monate hinweg entstanden immer wieder veränderte Figuren, wechselnd von statischer Ruhe bis theatralischer Dyna­mik, gesucht wurde an vielen Orten, beim Schauspiel im Theater, bei den eigenen Bemühungen im Tai Chi oder als Beobachter auf der Straße. Ein weiterer Gedanke kam hinzu. Die Druck­formen sollten nicht nur zum Drucken dienen, gleichzeitig sollten sie selbständige Plastiken oder Reliefs sein. Deshalb wurden die druckenden Elemente der zweiten und weiteren Farbe nicht als separater Druck­stock gefertigt, sondern auf die zu druckenden Teile der erste Farbe aufmontiert. Die so entstan­denen zwei-, teilweise drei­stöckigen Flachreliefs wurden nach dem Druck der Graphiken grau übermalt – (die Möglich­keit, sie in Bronze oder Eisen oder Glas gießen zu lassen, ist noch offen).

 


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Infobox

Zur Ausstellung in der Kulturhalle der Universitätsstadt Tübingen im März/April 2011

„Mir ist wichtig: junge Leute sind mit dem Zustand, den sie vorfinden, unzufrieden, sie wollen, daß sich alles ändere, zum Guten hin, zum Ideal. Das will ich zeigen, das wollen meine Akteure, das will ich.

Die Figuren sind aus Linol geformt, gedruckt wurden sie mit Acrylfarbe auf schwarzes Papier aus dem Himalaya, der Text wurde aus der 36 Punkt Garamont-Antiqua im Bleisatz gesetzt und ich druckte alles auf meiner Handpresse.

Die Bilder zeigen weiterhin Zeichnungen und Malereien, teils direkt zum Thema, teils das Thema begleitend. Außerdem warenin Tübingen Bücher aus der Offizin zu sehen. Die Ausstellung wurde gut besucht, es entstanden dabei gute Gespräche. Ich selbst war während der Laufzeit der Ausstellung in Tübingen.“

Fotonachweis: Nachlass Hermann Rapp, Burkhard Riegels


 

SCHWARZES PAPIER AUS DEM HIMALAYA

Alles Bunte wurde vermieden. Das Papier zeigt ein lebhaftes Schwarz, deshalb, weil durch das nachträgliche Färben und durch das Besondere dieses Handpapiers eine Vielzahl an Oberflächen­glanz  und -struktur entstand. Das reicht vom blauschwarzen metallischen Glanz bis zur Stumpfheit schwarzen Wildleders. Die Graphi­ken wurden mehrfarbig gedruckt, jedoch eben nur in Grautönen; und anstelle der üblichen Druck­farbe wurde Acryl­farbe verwen­det, ein Novum im Hochdruck. Diese Farbe wurde so geführt, daß sie matt und stumpf auf dem Papier steht. 

Wer hier jetzt abwertend an grau in grau denkt, verkennt das Druck­ergeb­­nis. Dieses hat eher das Prädikat von feierlich, erhaben oder stolz. Das Blaugrau, das die Blätter ähn­lich einem Passepar­tout umgibt, bringt außerdem Helligkeit auf die gewollt dunklen Seiten. Angestrebt wurde ein Gesamtbild, das mit Absolutheit vielleicht zu benennen wäre. Dank der Hilfe des Farb­herstellers in der Schweiz und des Händlers konnte das Neu­artige, mit Acryl­farben Graphiken im Hochdruck zu drucken, bewältigt werden. 

Das Papier, gewonnen aus dem Loktastrauch, wird in den Berg­regionen des Himalaya hergestellt. Die Standards ent­sprechen kaum derer unserer Bütten oder derer von Japan­papieren. Doch gerade das Unvollkommene birgt ungeahnte Reize. Aber auch Unkalkulierbares. Etwa wie Ein­schlüsse von Käfern, Insek­ten, Steinchen oder Sandkörnern, Holzstückchen und zu dicke Faserteile, Löcher oder dünne Stellen. 

Außerdem sucht man ver­gebens nach einem rechten Winkel, auch das Maß der Bogen ist variabel und so fort. Das alles will beim Drucken bedacht sein, ein waches Vorausdenken ist die einzige Methode, trotzdem eine gutes Ergebnis zu erhalten. Ja, gerade diese Herausforderungen machen das Papier immer wieder zu einem bevorzugten. Letztendlich zählt das Ergebnis und das ist zufriedenstellend.

TEXT UND SATZ

Der Text wurde wie immer in der Offizin Die Goldene Kanne im Handsatz hergestellt. Verwendet wurde die Garamont-Antiqua von der Fonderies Deberny & Peignot in Paris im 36-Punkt-Grad. Die im Original­manuskript verwendeten Kürzel wurden ausge­schrieben, alles was dort unterstrichen wurde, ist im Satz in Kursiv gesetzt, Ausstreichungen bei Korrekturen wurden nicht erwähnt. 

Seit vielen Jahren, noch aus der Zeit der ersten Buchpläne der Offizin, liegt von der Bibliothek in Krakau ein Farbdiapositiv von den beiden Manuskriptseiten vor. Gerade während der Zeit des Druckens führte der Weg nach Krakau. Das Glück war, dort das Original einzusehen. Den Mitarbeitern in der Jagiellonischen Bibliothek sei für die große Hilfe und Liebenswürdigkeit an dieser Stelle Dank gesagt, besonders an Frau Anna Kozlowska. 

Am Original in Krakau war zu entnehmen, daß vom beschriebenen Blatt mittels Schere oder Messer schmale Streifen an der linken Längskante abge­schnitten wurden; vielleicht war das Blatt mittels Fälzel an ein anderes Blatt angeheftet. Der obere und der untere Teil der linken Kante haben noch den originalen Büttenrand, in der Mitte sind einige Buchstaben minimal beschnitten. Die Hand­schrift ist im Duktus ruhig, geschrieben mit einer gut gespitzten Feder, fast möchte man an eine Stahlfeder denken. 

HEGEL HÖLDERLIN SCHELLING

Welch ein Dreigestirn! Drei junge Tübinger Bundesbrüder wollen der Welt eine neue Moral geben. Drei Studenten aus dem Stift. Unten am Neckar. Alle drei sollten Pfarrer werden. Das wollten die Eltern. Und alle drei werden mit dem Text, dem Franz Rosenzweig 1917 den Titel Das älteste System­­programm des deutschen Idealismus gab, in Verbindung gebracht. Teils als Autor dieses Textes, teils als Ideengeber. 

Wissen tun wir nur, daß  der hinter­­lassene Text von Hegel geschrieben wurde, ob nur abge­schrieben (für sich von einer anderen Vorlage) oder nur aufge­schrieben (für eine andere Person), ist offen und wird wahr­schein­lich offen bleiben. Vieles spricht jedoch dafür, daß das Denken aller drei in diesem Text zu finden ist. Dieses zu unter­suchen, ist nicht die Aufgabe eines biblio­philen Buches, das soll anderen vorbe­halten bleiben. 

Es sei jedoch verraten, daß beim Machen des Buches, beim Setzen, beim geduldigen Werden der Druckstöcke, überall dort, wo man mit seinen Gedanken die des Autors sucht, dabei wurde oft an alle drei gedacht. Viel­fach war dann ein Bild vor einem, das die drei vereint zeigt, wie bei den Menschfiguren, bei denen auch Dreiergruppen zu finden sind. Vielleicht zeigt eine Gruppe diese drei jungen Tübinger aus dem Stift. Vielleicht. – Deshalb: gebt der Freiheit der Phantasie eine Gasse!          HR


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KONTAKT:

OFFIZIN
DIE GOLDENE KANNE
SCHLOSS STRASSE 30
D 61276 WEILROD
TELEFON 06083 1660

 


 

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Ein Meister der Inszenierung von Literatur: Hermann Rapp vor seinen Exponaten “Hinterlassenschaft einer Zukunftsidee” im Jahr 2011. — Foto: Nachlass Hermann Rapp.

„Etwas Altes wird etwas Neues!“ – Das künstlerische Werk von Hermann Rapp (1937—2015) führt uns zum Wesentlichen aus dem sich das Werthaltige formiert: Der Inszenierung von Literatur durch einzigartige Buchkunst. 

Das Goethe-Haus des Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt am Main zeigt zur Jahreswende 2018/2019 eine Auswahl an Werken von Hermann Rapp; in diesem besonderem Mix aus Inhalt und Form, Idee und Materialhaftigkeit, Demut und Wirksamkeit, muss man als kunstfertige Visualisierung und Manifestierung der Rhetorik, die spätestens seit Cicero in der Antike als hochentwickelte Form der Kunst galt. Der kreative Diskurs, getragen von Empathie, Dialektik, Interaktion und Kritikfähigkeit findet mehrfach, auf vielen Ebenen statt.

Die Art und Weise, wie Hermann Rapp Literatur inszenieren konnte, ist weltweit einzigartig. Dies führt über das, was wir an Buchkunst kennen und schätzen, weit hinaus. Um so wichtiger, dass sich das Goethe-Haus seiner Kunst widmet. Welch besseren Ausstellung-Ort kann man sich wünschen?“, erläutert Andreas Weber, der die Laudatio halten wird.  — Zur Einstimmung auf die Eröffnung und Ausstellung ist auf den Nachruf für Hermann Rapp und  auf seine Liebe insbesondere zu Hölderlin hinzuweisen.


 

Als wunderbarer Vorgeschmack auf die Ausstellung im Goethe-Haus: Hermann Rapp inszeniert “Goethe — Die Natur” durch ein herausragendes Kassettenwerk von 1999 mit 21 doppelseitigen, im Linoldruck illustrierten Bögen. Auflage: 11 Exemplare plus zwei Vorzugsausgaben mit einem Gobelin auf der Kassettendecks von Gisela Rapp.

Goethes Text folgt einer Ausgabe der Büchergilde Gutenberg von 1958 und ist im Bleisatz aus der von Georg Trump 1968 entworfenen ‘Mauritius’ gesetzt.

Für den handwerklichen Druck in seiner Offizin Die Goldene Kanne nutzte Hermann Rapp ein normalerweise kaum zu bedruckendes Naturpapier, das im Himalaya aus dem Bast des Lokta-Strauches geschöpft wird (geliefert von Japico, Dietzenbach). Die Kassette fertigte Harald Kühn in Kelkheim.


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„… die Schönheit der Sprache jedoch strahlt“. — DER BUCHKÜNSTLER HERMANN RAPP

Ausstellung im Goethe-Haus zu Frankfurt am Main vom 3. Dezember 2018 bis 3. Februar 2019

Eröffnung: 2. Dezember 2018, 11.00 Uhr
Laudatio: Andreas Weber

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 10.00-18.00 Uhr, Sonn- und Feiertage, 10.00-17.30 Uhr
Geänderte Öffnungszeiten: 24., 25., 31. Dezember, 1. Januar geschlossen

PLakat Goethe-Haus zu Hermann Rapp

BEGLEITPROGRAMM

Offene Werkstatt: Anlässlich der Ausstellung des Buchkünstlers Hermann Rapp bietet das Freie Deutsche Hochstift eine offene Werkstatt zum Mitmachen an. Museumsbesucher haben einmalig die Gelegenheit, mit den originalen Druckplatten des Künstlers ihre eigenen Blätter kunstvoll zu bedrucken. Ab 5 Jahren. Im Eintrittspreis inklusive.

2. Dezember 2018, 12.30 bis 14.30 Uhr und 9. Dezember 2018, 11.00 bis 14.00 Uhr

Führungen für Gruppen und Schulklassen richten wir auf Anfrage gern ein.

Weitere Informationen: Tel. (069) 13880-0 | E- Mail: anmeldung@goethehaus-frankfurt.de


 

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Hermann Rapp vor seinen Exponaten “Hinterlassenschaft einer Zukunftsidee” im Jahr 2011. — Foto: Nachlass Hermann Rapp.

 

Dr. Joachim Seng, Leiter der Bibliothek Freies Deutsches Hochstift Frankfurter Goethe-Museum und Kurator der Ausstellung, fasst das aus seiner Sicht Wichtige wie folgt zusammen:

Hermann Rapp, Schriftsetzer, Holzschneider und Graphiker, zählt zu den bedeutenden Buchkünstlern der Gegenwart. Nach vielen Jahren als Schriftsetzer und Künstlerischer Leiter eines Frankfurter Verlagshauses gründete er 1989 mit seiner Frau Gisela eine eigene Bleisatzwerkstatt: die Offizin ‚Die Goldene Kanne‘ in Neuweilnau im Taunus. Der Name ist auch inspiriert von Goethes Mutter, die ihre letzten Jahre im Haus zum Goldenen Brunnen am Roßmarkt verbrachte. Rapps Offizin pflegte er die klassische und experimentelle Typographie mit Bleisatz und Originalgraphik. 

Dabei verwendete Rapp neugegossene und alte, aufgefundene Schriften sowie handverlesene Bütten-und Konsumpapiere. Dem Leitspruch berühmter Vorbilder folgend, dass ein Buch aus den fünf Elementen Text, Schrift, Farbe, Papier und Einband besteht, aus denen eine zeitlose Einheit enstehen müsse, schuf er nach den alten Regeln für Satz und Druck Bücher von vollendeter Schönheit. 

 


 

Nachtrag: Die Ausstellungseröffnung war ein grandioser Erfolg. Impressionen in Kurzform (Videoanimation: Andreas Weber)

 

 


 

Schwerpunkt der ausgewählten Literatur liegt bei Texten von Goethe und Schiller, eine besondere Zuneigung gilt jedoch dem Werk Hölderlins, mit dem auch die Nähe zu den altgriechischen Denkern und Dichtern gesucht wird. Zu den Dichtern der Offizin Die Goldenen Kanne gehören daher auch Homer, Sappho und Sophokles. 

Und auch die Deutsche Romantik inspirierte Rapp. Zu einem Manuskript aus dem Kreis um Hegel, Schelling, Hölderlin, das erst 1917 als ältestes „Systemprogramm des deutschen Idealismus“ veröffentlicht wurde, schuf er unter dem Titel ‚Hinterlassenschaft einer Zukunftsidee‘ einen einzigartigen Pressendruck mit mehrfarbige Original-Graphiken als Linolschnitte. 

Rapps Editionen erschienen alle in kleinsten Auflagen und finden sich längst in bedeutenden öffentlichen Sammlungen, wie der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar oder dem Gutenberg.Museum Mainz. 

Dank einer großzügigen Schenkung von Gisela Rapp verfügt das Freie Deutsche Hochstift heute über die umfangreichste Sammlung mit Werken der Offizin Die Goldene Kanne. Einige der schönsten Stücke der Offizin, in denen Klassik und Romantik kunstvoll miteinander in Beziehung gesetzt werden, sind nun in der Ausstellung zu sehen.

 

Hermann Rapp auf der Buchmesse 2009 mit Schillerbuch

Hermann Rapp mit seinem Stand auf der Buchmesse 2009 mit Schillerbuch. — Foto: Nachlass Hermann Rapp

 


 

Xerox setzt voll auf digitale Transformation und macht Druckgeräte zu Workplace Assistants. Foto: Andreas Weber

 

Von Andreas Weber, Head of Value | English Version

„Unsere größte Herausforderung besteht darin, den Ansprüchen der Menschen im Mobilzeitalter gerecht zu werden“, stellt Mark Boyt fest. In seiner Funktion als Global Head of Solutions Marketing bei Xerox präsentierte er auf einem Analystenmeeting in Uxbridge, UK, Strategie und Neuigkeiten rund um die ConnectKey-Plattform, Workplace Assistant und eCommerce. Einen Schwerpunkt stellt dabei die Entwicklung und Vermarktung von Business Apps dar. Hierzu arbeitet Xerox intensiv mit qualifizierten und autorisierten Xerox Partner-Firmen zusammen.

 

 

„Um weiterhin für unsere Kunden attraktiv zu sein und um neue Geschäftsimpulse zu schaffen, haben wir uns vom Geräteverkäufer zum Lösungsanbieter und nunmehr hin zum Service-Partner unserer Kunden entwickelt“, erläutert Marcus Putschli, CEO von e-dox AG, Leipzig. Im Zentrum steht damit nicht mehr nur das Hardware-Produkt-Portfolio, sondern die kreative und beratungsorientierte Leistung, um einen größtmöglichen Kundennutzen zu schaffen. Putschli entwickelt wie eine Reihe anderer Xerox Partner aus aller Welt mit seinem Team Apps, die v. a. auf Basis der von Xerox bereitgestellten Technikinfrastruktur neue, spezifische Anwendungslösungen bieten.

Putschli präzisiert: „Ergänzend zu den Managed Print-Lösungen bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, Digitalisierung und Datenschutzlösungen im Unternehmen zu verankern. Wir sind Partner diverser Dokumentenmanagement Anbieter, zertifizierte App-Entwickler für Xerox, Microsoft 365-Partner und stehen unseren Kunden in vielen IT Themen beratend zur Seite“. Die App-Entwicklung erfolgt durch den Projektbereich e-dev/> und kann auf eine 10 jährige Erfahrung zugreifen. Der Clou: die Apps werden individuell zugeschnitten und laufen auf bereits installierten Multifunktionsdruckern.


Infobox zu aktuellem Beispiel — der Convert2PDF App von e-dev

Mit der per Subscription nutzbaren Convert2PDF App wird es möglich, an jedem ConnectKey-Gerät von Xerox die vollen Funktionalitäten und Vorteile von Convert2PDF auf einfachste Weise direkt vom Xerox Gerät zu nutzen, d.h. Workflows bzw. Dokumentenprozesse per einfacher App-Bedienoberfläche anzusteuern.

Ein besonderer Vorteil entsteht beim Einsatz der App mit Xerox VersaLink Systemen. Die Convert2PDF App erweitert in Verbindung mit Convert2PDF quasi die Produktreihe VersaLink um das häufig vermisste Workflow-Scannen und ermöglicht so den Einsatz von verschiedenen Scanprofilen für verschiedene Aufgaben oder Arbeitsabläufe. Anwender sowie Administratoren in den Unternehmen sind deutlich entlastet. Die Convert2PDF Scan- und Workflows können dank der App einfach verwaltet und auch bedient werden. Fehlerquellen für falsche Prozesse werden so auf bequeme Art und Weise eliminiert.

Die App wird zudem über die neu gestaltete Xerox App Gallery angeboten.


 

Xerox geht es laut eigenem Bekunden darum, dass ConnectKey-Apps die digitale Transformation für Unternehmen beschleunigen. Im Fokus sind drei Aktionsbereiche:

  1. Unterstützung für mobile Mitarbeiter und Büroangestellte sowie für Lehrkräfte
  2. Reibungslose Workflows für jedes Unternehmen
  3. Die erweiterte Xerox App Gallery zur Erleichterung beim Durchsuchen und Installieren sowie bei Kaufvorgängen

 


 

My Take: Alles wird gut. Dank Appiness!

Gute Nachricht: Print ist eine wichtige Säule der Transformation von Unternehmen und ihrer Geschäftskommunikationsprozesse. Aber: Es genügt nicht mehr, Bestehendes zu optimieren, sondern mitunter sind disruptiv neue Wege zu beschreiten, die den Nutzen für alle Beteiligten in den Fokus stellen. Denn die sog. digitale Transformation vereinfacht und beschleunigt nicht nur Prozesse, sondern provoziert ganz neue Geschäftsziele und -möglichkeiten. Davon profitieren zunächst Xerox Partner, aber nur dann, wenn sie sich selbst ebenfalls transformieren und bei Ihren Kunden zu kreativen Beratern werden. Service am Kunden wird zum zentralen Thema. Und dabei spielen neue, maßgeschneiderte Apps eine zentrale Rolle. In diesem Sinne: Alles wird gut. Dank „Appiness“!

 


Infobox

Transformation: Einfach und effektiv!

Mit neuen Apps für Xerox ConnectKey®-fähige Produkte sollen Unternehmen ihre Mitarbeiter jetzt noch besser in gängige Business-Plattformen wie Salesforce, QuickBooks Online und Concur einbinden sowie das Kundenbeziehungsmanagement, Buchhaltungsabläufe und die Rechnungsstellung unterstützen und weitere Prozesse optimieren. Über die neue E-Commerce-fähige Webseite sind Kauf und Implementierung der Apps leicht zu erledigen.

Die Morrell Gruppe, ein Full-Service-Unternehmen, das Automatisierungssteuerungen und ingenieurtechnische Dienste entwickelt und anbietet, hat die Leistungsfähigkeit der ConnectKey-Apps bereits genutzt. So konnte das Unternehmen 25 Prozent der Betriebskosten einsparen. Dafür wurde der Produktdistributionsprozess mit der von MidAmerica Technology, einem Entwickler aus den Reihen der Xerox Personalised Application Builder, produzierten Sign Me App automatisiert. Die App digitalisiert dokumentenbasierte Prozesse und verkürzt die Produkteinführungszeiten.

„Sign Me ist eine wegweisende App, die unsere betrieblichen Prozesse stark verbessert hat – wir verzeichnen Effizienzsteigerungen, die sich auch auf unser Ergebnis ausgewirkt haben“, sagte David Hajciar, Operations Manager, Morrell Group.

 


Transformation: Multifunktionsdrucker werden durch Xerox zu Workplace Assistants.


 

Neue Apps erleichtern die Arbeit

Die kontinuierliche Weiterentwicklung des ConnectKey-fähigen Portfolios unterstreicht die Position von Xerox als „Print Technology Powerhouse“. Die neuesten Erweiterungen machen arbeitsintensive und zeitaufwändige Arbeiten leichter und bieten neue Möglichkeiten, bisherige Abläufe zu vereinfachen.

Die VersaLink® und AltaLink® Produktlinie von Xerox sind der Startpunkt für Apps wie:

  • Xerox Connect App for Salesforce: Damit kann über den Multifunktionsdrucker (MFP) direkt auf das Customer Relationship Management-System von Salesforce zugegriffen werden. Durch Scannen von Dokumenten direkt in Salesforce können Vertriebsmanagement-Informationen einfach in Kundenordner hochgeladen und geteilt werden.
  • Xerox Audio Documents App wandelt Papierdokumente sicher in Audiodateien um, so dass Pendler, Multitasker oder Audio-Liebhaber wichtige Informationen unterwegs hören können, statt sie später erst zu lesen.
  • Xerox Connect App for QuickBooks Online bietet eine reibungslose Abwicklung der Spesenerstattung, indem mehrere Belege in einem Ablauf gescannt werden können. Belegdaten werden in eine Spesenabrechnung extrahiert und mit entsprechenden Angaben an die zuständigen Prüfer zur schnellen Genehmigung übermittelt. Für Concur-Anwender wird bis zum Jahresende eine ähnliche App für das Belegmanagement verfügbar sein.
  • Xerox Forms Manager App vereinfacht die Verwaltung von Formularen und reduziert das Risiko Formulare fehlerhaft auszufüllen. Dank intelligenter Routingfunktionen über eingebettete QR-Codes werden gescannte Formulare automatisch an die entsprechende E-Mail-Adresse weitergeleitet.
  • Quick Link AppXerox ermöglicht eine schnelle Einrichtung der Druckeranbindung ohne IT-Support. Diese intuitive App sendet eine E-Mail direkt vom Gerät mit den entsprechenden Links zur Installation und verbindet Computer oder mobile Geräte mit den Treibern und Konfigurationseinstellungen.

 

 

Der Arbeitsplatzassistent als Schaltstelle der digitalen Transformation.

Mithilfe der Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit tausenden von Kunden im Bereich Bildung hat Xerox Apps entwickelt, die die Produktivität von Lehrkräften und Schülern steigern:

Xerox Connect App for Blackboard bietet Zugang zu einem branchenführenden Lernmanagementsystem; Dokumente werden digitalisiert und vom Multifunktionsgerät in dem jeweiligen Blackboard Learn-Account abgespeichert.

Xerox Proofreader Service prüft Rechtschreibung, Grammatik, Stil und Plagiatsfallen von Dokumenten in englischer Sprache.

Mehrwert für Vertriebspartner

Neben einem verbesserten Design für ein besseres Benutzererlebnis bietet die e-Commerce-fähige Xerox App Gallery einen globalen Marktplatz für Vertriebspartner, auf der sie Apps bewerben und verkaufen können. Vertriebspartner sind zudem am Umsatz beteiligt, wenn ihre Kunden eine App kaufen.

Am 7. und 8. November 2018 findet im Xerox Innovation Center in Uxbridge, Großbritannien, das European PAB-Forum (European Application Builder) statt. Dort können Vertriebspartner erfahren, wie sie mit den neuen ConnectKey-Apps wiederkehrende Umsätze nach dem Verkauf steigern können, als auch wie das neue E-Commerce-Modell ihnen dabei hilft, ihre eigenen Apps zu erstellen und zu vermarkten.

Die neuesten ConnectKey-fähigen Apps von Xerox werden in der Xerox App Gallery in ausgewählten Regionen zur Jahreswende 2018/2019 verfügbar sein.

Quelle: Xerox

 


Alles Wichtige auf einen Blick per Twitter Moments

 

ValueCheck Trends ThinkPaper 001

#Think!Paper Edition 1, Volume 6

Von Andreas Weber, Head of Value  | English Version

 

„Denk ich ans Print-Geschäft in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ — Diesem in Anlehnung an die Nachtgedanken von Heinrich Heine formulierten Statement hätte ich bis vor kurzem auch zugestimmt. Doch: Nachdenken und Nachprüfen hilft. Und das gelingt mit einer multi-perspektivischen #Think!Paper-Sichtweise, die Print ins rechte Licht rückt.


Bestandsaufnahme

Trends zuverlässig in Erfahrung zu bringen, ist gar nicht einfach. 

Man denkt zunächst an hochkarätige Messen. Aber: Z. B. die Themen-Highlights sowie die Nomenklatur der Messe Düsseldorf für die drupa als weltweiter Leitmesse der Print-Branche sind naturgemäß Konstrukte, um möglichst viele und neue Aussteller anzusprechen. 

Messeangebote spiegeln daher keinesfalls umfassend die relevanten Trends wider, die die Print-Branche kennzeichnen.

Ebenso sind die gängigen Marktforschungs- und Trendberichte nicht zielführend, da stets rückwärtsgewandt angelegt, spekulativ und höchstens als Indikator für künftiges Investitionsverhalten etablierter Druckbetriebe wirksam.

Meta-Trends

Die Print-Branche ist seit jeher innovationsgetrieben. Seinerzeit ging es immer um die Anreicherung und Steigerung der bisherigen Möglichkeiten. Heute gestaltet sich alles ganz anders. Und vor allem nicht mehr linear. Ein Umdenken ist zwingend:

  1. Disruptive Erneuerung der Pre-Media-Prozesse (Template-frei), mit dem Ziel, flexibel und in Echzeit Daten jeder Art drucken zu können.
  2. Smarte Print-Produktion: Automatisierung der Prozesse vom Druck über die Auslieferung bis zum Go-to-Market von Druckereien, inkl. digitales Supply-Chain-Management.
  3. #hyperpersonalization durch künstliche Intelligenz, Blockchain, virtuelle Realität und medien-übergreifend dialogische Kommunikations-Szenarien.

BusinessModel-Trends

Das Top-Thema, spätestens seit es Digitaldruck gibt, ist die Geschäftsmodell-Veränderung für Druckereien. Zwei wesentliche Entwicklungen sind zu unterscheiden:

  • Polarisierung im Dienstleistungsmarkt — Smarte Fabriken (mit fokussiertem Portfolio/Commodity-Angeboten) vs. High-Tech-Manufakturen (mit unzähligen Nischenanwendungen und höchster Innovationskraft). Aber Achtung: Beide Bereiche befruchten oder durchdringen sich gegenseitig, wie in einem iterativen Zyklus. Am besten nachzuvollziehen, wenn man sieht wie sich CIMPRESS entwickelt.
  • Kundenspezifische Konfiguration von modular komponierten, ubiquitären Produktionsanlagen. — Beispiel: CADIS Engineering.

Technologie-Trends

Die Trends beim Einsatz relevanter Technologien ordnen sich drei wesentlichen Aspekten zu:

  1. Unfassbar, aber wahr: Der Markt für Print-Lösungen (Technik+Produktion+Handel) ist um ein vielfaches größer als gemeinhin dargestellt. Das Ökosystem Druckindustrie ist weit gefasst und macht alleine in Deutschland eine dreistelligen Milliardenbetrag aus. (Hinweis: Die genauen Übersichten und Zahlen werden noch im Fachmedium DRUCKMARKT dargelegt).
  2. Fast 2/3 der Gesamtumsätze werden von wenigen hundert industrialisierten Druckfabriken erwirtschaftet.
  3. Wachstumsfelder gestalten sich dabei ganz anders, als bis dato prognostiziert: z.B. für Inkjet Printing liegen bis auf den Bücherdruck kaum in der Substitution von Offsetproduktionen, sondern v.a. in der von Tonerdrucksystemen. Wichtig: ‚Inkjet-to-Go‘ beflügelt neue Anwendungen ausserhalb der Print-Branche, direkt bei deren Kunden.

 


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Die vorausgehenden Erkenntnisse der #Think!Paper Trend-Analyse standen auf der #EMGE2018 Konferenz in Amsterdam im Podiumsgespräch von Jeroen van Druenen und Andreas Weber zur Diskussion mit einem internationalen Publikum.


 

Den Erfolg im Geschäft mit Print und der Verwendung von Print erfordert eine Neuorientierung, die Kreativität und Mut erfordern. Hierbei gilt es zu unterscheiden:

Hemmfaktoren

  • Eine aufwändige Marktforschung, die sich nur auf Investitionsmöglichkeiten in Hard- und Software fokussiert, auf wagen Vermutungen beruht und relevante Marktbedürfnisse nicht wahrnimmt.
  • Events aller Art, die sich vertikal ausrichten, sprich sich quasi monolithisch nur auf die Herstellerthemen und die Verwendung ihrer Produkte beziehen.
  • Anhaltend ungenügende, nicht mehr zeitgemäße  Branchenkommunikation, die allzuoft Fehleinschätzungen kolportiert und dadurch Verwirrung stiftet.

Beschleunigungsfaktoren

  • Fokus auf neue Formen des Go-to-Markets von Druckereien, die den Nutzen von Print fürs Digitalzeitalter propagieren, und nicht mehr die Verfahrenstechniken zur Herstellung von Print.
  • Pro-aktive, Social Business-getriebene Diskurse mit potentiellen neuen Auftraggebern, die sich bereits auf die Digital Transformation Journey begeben haben, und für die Print zum ‚Hidden-Champ‘ werden kann.
  • Mehr Experimente und Pioniertaten wagen, Regeln brechen und durch einen Perspektiv-Wechsel auf breiter Front durch relevante Inhalte und gute Erzählungen inspirieren und faszinieren.

 


 

Über den Autor

Seit mehr als 25 Jahren engagiert sich Andreas Weber als international renommierter Business Communication Analyst, Coach, Blogger und Transformer. Seine Aktivitäten fokussieren sich auf ‚Transformation for the Digital Age’ via Vorträgen, Management Briefings, Workshops, Analysen & Reports, Strategic Advice. — Mit seinem Blog www.valuetrendradar.com inspiriert er Leser aus über 150 Ländern der Welt.

 

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Künstler experimentieren erfolgreich mit KI und lassen einen Algorithmus ein Bildwerk entstehen. — Foto: Screenshot aus ARD-Sendung vom 26. Oktober 2018.

 

Von Andreas Weber, Head of Value

 

Zufall oder auch nicht: Wenn man über wichtige Themen gute Gespräche führt, wird die Aufmerksamkeit enorm gestärkt. Denn dieser Tage, während ich mein Webcast-Gespräch mit Xerox-Direktorin Elisabeth Rochman über Künstliche Intelligenz (KI) auswerte, tauchen unverhofft spannende Dinge auf.

Zum einen feierte Xerox den 80. Geburtstag der Xerographie als bahnbrechende Erfindung, die aus heutiger Sicht recht musealen Charakter hat. Aber trotzdem hochaktuell zu sein scheint.

Zum anderen macht die in Deutschland prominenteste TV-Sendung zur Primetime am Sonntag Abend das Thema KI zum Hauptmotiv: In der Erstausstrahlung der Krimireihe TATORT vom 21. Oktober 2018 müssen die Münchner Kommissare aufklären, wie der Dialog zwischen Mensch und Maschine mit einem Verbrechen zusammenhängt. Empfehlenswert ist nicht nur die Krimi-Folge selbst, sondern auch das aufschlussreiche Kurz-Video mit dem Kommissar-Darsteller Miro Nemec.

 

 


 

„Is artificial intelligence set to become art’s next medium?“

Und zuletzt versteigert das Auktionshaus Christies für 432,500 US-Dollar das erste per KI von einem Algorithmus erzeugte Kunstwerk. Initiator war das französische Künstler-Kollektiv Obvious aus Paris. 

Christies verlautbarte mit Stolz: „Is artificial intelligence set to become art’s next medium? AI artwork sells for $432,500 — nearly 45 times its high estimate — as Christie’s becomes the first auction house to offer a work of art created by an algorithm. The portrait in its gilt frame depicts a portly gentleman, possibly French and — to judge by his dark frockcoat and plain white collar — a man of the church.

The work appears unfinished: the facial features are somewhat indistinct and there are blank areas of canvas. Oddly, the whole composition is displaced slightly to the north-west. A label on the wall states that the sitter is a man named Edmond Belamy, but the giveaway clue as to the origins of the work is the artist’s signature at the bottom right. In cursive Gallic script it reads:

 

Image © Obvious
Image © Obvious

 

This portrait, however, is not the product of a human mind. It was created by an artificial intelligence, an algorithm defined by that algebraic formula with its many parentheses. And when it went under the hammer in the Prints & Multiples  sale at Christie’s on 23-25 October, Portrait of Edmond Belamy  sold for an incredible $432,500, signalling the arrival of AI art on the world auction stage.”

 

Kunstwerke Belamy durch AI per Algorithmus.png

Das Künstlerkollektiv — Hugo Caselles-Dupré, Pierre Fautrel und Gauthier Vernier — erläuterte, warum sie die Gattung Porträt-Bild ausgewählt hatten: „Wir stellten fest, dass Porträts die beste Möglichkeit zur Veranschaulichung unseres Arguments darstellten, nämlich dass Algorithmen der Kreativität nacheifern können.“

Die Kunstwelt staunt und die Fachwelt diskutiert. „Wenn man den ganzen Prozess betrachtet, dann ist das, was man hat, eher konzeptuelle Kunst als traditionelle Malerei“, kommentierte z. B. Ahmed Elgammal, Direktor des Art and Artificial Intelligence Lab an der Rutgers University.

„Es ist schließlich ein Porträt“, sagt Christie’s Spezialist Richard Lloyd, der den Verkauf auf der Auktion organisiert hat. „Es wurde vielleicht nicht von einem Mann mit einer gepuderten Perücke gemalt, aber es ist genau die Art von Kunstwerk, die wir seit 250 Jahren verkaufen.“ Letztendlich, so Lloyd weiter: KI ist nur eine von mehreren Technologien, die sich auf den Kunstmarkt der Zukunft auswirken werden — obwohl es noch zu früh ist, um vorherzusagen, was diese Veränderungen sein könnten. Es werde spannend sein zu sehen, wie diese Revolution ausgeht.

 


 

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Rund 15.000 Porträts verschiedenster Maler wurden analysiert und codiert, um daraus per KI und eigenem Algorithmus ein neues, eigenständiges Werk entstehen zu lassen. Fotos: Screenshots aus ARD Tagesthemen-Sendung vom 26. Oktober 2018,


 

Anfang des Jahres 2018 veranstaltete Christie’s bereits ein Symposium über die tiefgreifenden Implikationen von Blockchain für Künstler und Sammler. Die Technologiekonferenz soll jedes Jahr stattfinden und KI wird sehr wahrscheinlich eines der Themen sein, die erforscht werden. Wer weiß schon, was Zehn oder 20 Jahre später sein wird? — Gegenstand der Diskussion könnte dann Virtual-Reality-Performance-Kunst oder das Oeuvre eines noch unbekannten Roboters Picasso sein.

Übrigens: Kunst und modernste IT bilden stets ein gutes Team. Bereits im Frühjahr 2016 hatte in Amsterdam das The Next Rembrandt-Projekt aufsehen erregt. Aus 600 Gemälden, 300 Radierungen und rund 1.500 Handzeichnungen des Meisters hatte man auf digitalem Weg ein neues, synthetisiertes Gemälde erzeugt und digital, mit Reliefcharakter gedruckt.

 


 

Hinweis

In der Tagesthemen-Nachrichtensendung der ARD vom 26. Oktober 2018 nahm die Auktion des Algorithmus-Werkes breiten Raum ein. Anbei der Link zur Aufzeichnung (Beginn ab Minute 9.15).

Den TV-Bericht gibt es auch in modifizierter Form als Zwei-Minutenbeitrag: Gemälde aus dem Computer — kann KI Kunst?

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ValueCheck Lensing.001

„Nach vier Monaten Erfahrungen mit Subskription können wir sagen: die Entscheidung war richtig!“ Robert Dembinski, Geschäftsführer Lensing Druck. — Foto: Heidelberg

 

Von Andreas Weber, Head of Value  |  English Version

Kann man ein gut gehendes Druckerei-Geschäft aus dem Stand heraus noch besser machen? Ja, wenn man den Mut zu Neuem hat. „Im Herbst 2017, als ich bei Lensing Druck in Dortmund anfing, stand bei uns auf der Agenda: Wir müssen in neue Druckmaschinen investieren. Daraus wurde sehr viel mehr. Und das war gut so“, erinnert sich Geschäftsführer Robert Dembinski. 

Bis dato stand bei Lensing Druck der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit im Fokus, um Kundenwünsche zu bedienen, die vor allem Zeit und Preis bei ihren Drucksachenbestellungen im Blick haben. „Als wir von Heidelberg hörten, es sei etwas Neues in der Pipeline, waren wir neugierig, aber auch etwas skeptisch“, erläutert Robert Dembinski. „Wir konnten uns ja gar nicht vorstellen, was sich hinter dem Subscription-Angebot von Heidelberg verbirgt. Und ob es funktionieren kann.“

Mit seinem betriebswirtschaftlichen Studium ist Robert Dembinski ein Quereinsteiger im Druckerei-Geschäft. Eigentlich hatte er im Blick, gemeinsam mit seinen Kollegen eine Digitalstrategie zu entwickeln, inklusive neuen Digital-Services, um Kunden umfassender bedienen zu können und neue Geschäftsmöglichkeiten aufzubauen. Dass Heidelberg durch das Subskriptions-Modell neue digitale Tools bereitstellt, um nicht nur das Produktions-, sondern auch das Business Management zu transformieren und dabei schrittweise vorgeht, kam ihm und seiner Denkweise sehr entgegen.

Runter mit den Kosten, hoch mit der Effizienz!

Zunächst wurde durch Heidelberg-Experten eine Ist-Analyse erstellt, um zu evaluieren wie es um die Effizienz und Produktivität der bestehenden Druckmaschinen bei Lensing Druck steht. Das Ergebnis: Die Belegung der Maschinen war nicht optimal; v.a. bei kleineren Auflagen waren die Kosten sehr  hoch. Es wurde daher schnell klar, dass Effizienz- und Produktivitätssteigerung nötig und machbar sind. Der Ansatz war, gegenüber den bestehenden Druckmaschinen eine Maschinen-Generation zu überspringen. Mit der Heidelberg XL-106 9-P-L wurden zwei ältere Maschinen vom Typ Heidelberg CD 105-P+L sowie eine KBA Rapida 106 8-P ersetzt. Zugleich wurde das Geschäftsmodell durch Subskription auf Pay-per-Use umgestellt, inklusive Prinect Workflow und v. a. das Beratungsangebot Heidelberg Performance Plus zur Effizienzsteigerung und Senkung der Betriebskosten.

„Man muss sich ehrlich gesagt schon daran gewöhnen, dass man keine Druckmaschine mehr besitzt und bei allem, auch den Consumables, auf einen einzigen Lieferanten angewiesen ist“, räumt Robert Dembinski ein. Und fährt fort: „Nach vier Monaten Erfahrungen mit Subskription können wir jedoch sagen: die Entscheidung war richtig! Bereits nach dieser kurzen Zeit konnten wir die Gesamteffizienz unserer Maschinen deutlich steigern und liegen bereits jetzt mit dem Produktionsvolumen mehr als 20 Prozent über der mit Heidelberg vertraglich vereinbarten Zielmarke.“


HD Subscription — Struktur

Die Grafik entstammt der Broschüre: Das neue Erfolgsmodell. Heidelberg Subscription. 2018.


 

Absolute Transparenz durch den Assistant

Die klare und saubere Struktur des Subskriptions-Modells von Heidelberg begeistert bei Lensing Druck ebenso wie die absolute Transparenz. Robert Dembinski führt aus: „Für mich ist der Heidelberg Assistant das Herzstück und Gehirn des Ganzen. Alle Kennzahlen sind in Echtzeit abrufbar, ebenso wie Service-Status, Benchmarks im Branchenvergleich und vieles mehr.“ 

Bei Lensing Druck wird der Assistant in verschiedenen Hierarchie-Ebenen genutzt: Für die Geschäfts-, Betriebs- und Drucksaal-Leitung oder auch den Einkauf. Ebenso laufen monatliche Besprechungen zum Projektstatus mit dem Heidelberg-Team über den Assistant via Webcast-Funktionalität. So lassen sich sukzessive weitere neue Ideen oder auch Optimierungen finden, um die gemeinsamen Produktivitätsziele nicht nur erreichen zu können, sondern bestmöglich zu übertreffen. 

Wichtig ist laut Robert Dembinski zudem, dass die Mitarbeiter in der Druckerei die digitale Transformation per Heidelberg Subscription sehr gut aufgenommen haben: „Die Umstellung auf die neue Maschine hat unsere Mitarbeiter motiviert, denn sie zeigt, dass wir trotz eines schwierigen Markts auf Print setzen. Die Daten, die wir von der Maschine erhalten, und die monatliche Überprüfung ermöglichen es uns, unsere Mitarbeiter in allen Bereichen ihrer Arbeit zu unterstützen und weiter zu bringen.“ Die Monatsdaten und Statistiken werden auch für alle zugänglich in verschiedenen Schaubilder direkt neben der Masche ausgehängt.

 


Robert Dembinski stand im Rahmen eines internationalen Pressemeetings bei Lensing Druck in Dortmund-Kley Rede und Antwort. — Filmanimation: Andreas Weber. Gruppenfoto: Christian Daunke.


„Die Entscheidung war richtig!“ 

Für Robert Dembinski steht als Resümee fest: „Nach vier Monaten Erfahrung mit Subskription können wir sagen: Die Entscheidung war richtig!“. Heidelberg Subscription ermöglicht für ihn die Einbeziehung der Druckmaschinen in die eigene digitale Strategie von Lensing Druck. Und — ganz entscheidend — das Subskriptions-Modell erleichtert die Entwicklung anderer Anwendungen wie dynamische Preisfindung, dynamische Planung und Beschaffung, Kundeninformationen in Echtheit, verlässliche und transparente Kalkulationen sowie Predictive Monitoring für optimale Wartungsverläufe.

Zudem erhofft sich Robert Dembinski für Lensing Druck durch die digitale Transformation des ganzen Unternehmens auch ein noch besseres Image bei Kunden, vor allem, wenn diese im digitalen Marketing erfahren sind. Für solche Auftraggeber ist die digital durchgängige Auftragsabwicklung ein absolutes Muss. Um das ‚digitale‘ Profil als Druckerei zu schärfen und mit neuen Digital-Angeboten zu synchronisieren, wurde seit September 2018 die Stelle eines CDO — Chief Digital Officers geschaffen. 


My Take: Wenn’s läuft, dann läuft’s!

Man sieht am Beispiel Lensing Druck und Robert Dembinski: Wenn’s läuft, dann läuft’s! Print ist im Digitalzeitalter angekommen und kann sich behaupten. Vor allem, wenn Druckerei-Entscheider und die Mitarbeiter die digitale Transformation akzeptieren, verstehen, sich aktiv einbringen und nutzbringend weiterentwickeln. Der Einstieg als einer der ersten in Heidelberg Subscription machte sich in kürzester Zeit bezahlt. Und wirkt sich auch auf die künftige Unternehmensentwicklung dynamisch und stimulierend aus. Und: Sowohl Print-Fach-Leute als auch kaufmännisch versierte Betriebswirte sowie echte Digital-Marketing-Profis zeigen sich begeistert. Was will man mehr?

 


Links zu weiteren Informationen

Kontakt zu Robert Dembinski

Infos zu Lensing Druck

Infos zum aktuellen Status quo bei Heidelberg Subscription

 


 

Stets den Kunden und seine Wünsche im Fokus: Screenshots von der Website von Lensing Druck.

 

ValueCheck Hirnforscher Beck.001

 

„Das Gehirn ist immer an einer Geschichte, an etwas Spannendem interessiert.“  Henning Beck

 

#Think!Paper — Edition 1, Volume 5

 


Buchtitel Irren ist nützlichDer Hirnforscher Dr. Henning Beck, Frankfurt am Main, gibt mit seinem lesenswerten Buch „Irren ist nützlich“ wichtige Tipps. Gerade für alle, die sich mit Transformation beschäftigen. Seine These: Die Schwächen des Gehirns sind unsere Stärken. — Henning lehrt und publiziert nicht nur. Er hat auch schon Firmen im Silicon Valley beraten. 

Unser #Think!Team hat sich mit Henning Becks Erkenntnissen beschäftigt und 5 Tipps extrahiert, die einen Mind-Shift leichter machen und kreative Ideen beflügeln. Quelle: Hessenschau.de

 

 

 


 

Den Inneren Schweinehund überwinden (der es gerne bequem haben möchte):

Sich vorzustellen, wie man in Zukunft sein könnte, ist die beste Strategie um aktiv zu werden.

Wie kommt man zu neuen Ideen?

Alle großen Ideen entstehen, wenn jemand alte Regeln bricht oder neue Perspektiven zulässt. Das kann falsch sein, wer weiß das schon. Aber das ist das Spannende daran: Dadurch, dass ich es nicht weiß und etwas ausprobiere, bin ich frei.

Helfen Meetings weiter?

Wenn ich Menschen frage, wo ihnen kreative Ideen einfallen, sagen diese tatsächlich nie: am Arbeitsplatz oder in einer Besprechung. Es geschieht in der Natur, beim Laufen, beim Duschen, beim Autofahren oder beim Geschirr abtrocknen. Da spielt die Routine ihre Stärke aus, denn wenn wir Handlungen automatisch ausführen, beginnt das Gehirn ein bisschen abzuschalten und herumzuwandern. Mind Wandering heißt das in der Wissenschaft. Beim Tagträumen holen wir uns neue Inspirationen.

Zu KI/Digitalisierung

Da wir ein Gehirn haben, ticken wir aber ganz anders als Maschinen. Regeln brechen — das können Computer nicht. Außerdem werden Maschinen nicht lernen, emotional auf andere einzugehen.

Zu Innovation

Wenn ein Unternehmen zum Beispiel etwas Neues präsentieren will, sollte das Produkt nicht im Vordergrund stehen, sondern das, was die Kunden Cooles damit machen können. Das wäre gehirngerecht. Denn das Gehirn ist immer an einer Geschichte, an etwas Spannendem interessiert.

 


 

ÜBRIGENS: Unser Gehirn (und damit wir als Menschen) fühlt sich am wohlsten bei guten Gesprächen! So let’s talk and keep in touch!

 


Mit Hirn geht’s besser: Nützliche Tipps für die Praxis!

 

 

 


 

MORE

ThinkPpaer Key Visual Blog Post.001

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Von Martin Spaar, Herausgeber und Verleger PUBLISHER

Zum 25-jährigen Jubiläum des PUBLISHER versammeln wir auf der Frontseite alle bis heute erschienenen Digitaldruck-Covers. Als wir vor 13  Jahren das erste individualisierte Cover mit einem verschneiten Smart und dem Vornamen des Empfängers auf der Windschutzscheibe brachten, schlug das ein wie eine Bombe. 

Seither demonstrierten 80 Covers mit Digitaldruck- oder Veredelungsspezialitäten die prägende Wirkung der ‚Verpackung‘ und gaben unserer Zeitschrift von Ausgabe zu Ausgabe einen ganz speziellen Auftritt.

Und trotzdem: Auch bei diesem Heft sind mit dem Cover nur gut fünf Prozent des Umfangs digital gedruckt, der ganze Heftinhalt ist wie schon vor 25 Jahren im Offsetdruck produziert. Auch im gesamten Markt fristet der Digitaldruck so gesehen erst ein Nischendasein – Offset dominiert volumenmässig überdeutlich.

Dies dürfte sich jetzt jedoch rasch ändern, indem Rollen-Inkjet-Systeme den Digitaldruck bezüglich Druckleistung in ganz neue Dimensionen katapultieren: Während heute gängige tonerbasierte Systeme gerade mal 80 bis 150 A4-Seiten in der Minute schaffen, sind es bei Highspeed-Inkjetsystemen deren 1000 bis 2000!

Damit stehen wir an einem Wendepunkt zu einer neuen Ära des Publizierens, die auch dem PUBLISHER in einem neuen Zusammenspiel von Print und Digital spannende Perspektiven eröffnet.

Mit der April-Nummer hatten wir schon eine erste Ausgabe 100% digital produziert und Abonnenten die Möglichkeit gegeben, ein eigenes Inserat zu publizieren; so wurde jedes abonnierte Heft zum Unikat. Und auch für die kommende Dezember-Ausgabe heisst das Motto: 100% digital.

Wie im letzten Editorial schon ausgeführt, möchte ich nächstes Jahr die Verantwortung für diese digitale Transformation unserer Zeitschrift in frische Hände übergeben und damit eine neue Ära in meinem Leben lancieren. 

Dabei möchte ich mich jedoch keinesfalls ganz vom PUBLISHER und der Publishing-Community verabschieden – dafür ist mir beides zu stark ans Herz gewachsen. Aber mit sechzig etwas kürzer treten und auch den ‚analogen‘ Seiten des Lebens etwas mehr Platz einräumen, das darf schon sein!


 

Das Cover der neuen Ausgabe des PUBLISHER.CH

 

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ValueCheck Inkjet Printing.001

Die Buch-Krise ist größer als angenommen. Dem Buchmarkt sind von 2013 bis 2017 6,4 Millionen Käufer abhanden gekommen. Grafik: Andreas Weber. Foto: ZDF, Mainz.

 

#Think!Paper—  Edition 1, Volume 4

Von Andreas Weber, Head of Value

Die Frankfurter Buchmesse offenbart durch ihre Stärken die Schwächen der Verlage. Für fünf Tage im Jahr passiert das, was Leser sich wünschen, aber sonst nicht bekommen können: Persönlicher Kontakt mit Autoren, Büchermachern und tausenden anderen Buch-Liebhabern aus aller Welt. Somit ist man Teil des Geschehens.

Im wahren Leben ist das anders. Verlage kennen ihre Kunden nicht. Und schätzen deren Bedürfnisse falsch ein, was zu einer existentiellen Krise führt, die aktuell schlimmer denn je erscheint. (Anm.: In Deutschland sind dem Markt in den Jahren 2013 bis 2017 6,4 Millionen Buchkäufer verloren gegangen; das ist ein Minus von 18 %; Quelle: ZDF-Bericht vom 10.10.2018).

 


Die Umsätze mit e-Books liegen in Deutschland auf niedrigstem Niveau. Quelle: Statista.de


 

Der Fundamental-Irrtum der Verlagswelt (neben der Tatsache, dass das Kerngeschäft Print nicht innoviert resp. transformiert wird, sondern der Fokus nur auf Senkung der Herstellungskosten liegt): Nicht das e-Book wurde zum Feind des Gedruckten. Vielmehr sind es Zeit und Gelegenheit. Leser wenden sich den Plattformen und Blogs zu, die Inhalte anders, v. a. multimedial, per Movies und Bildwelten, inhaltlich kurz, prägnant aufbereiten und das ‚Konsumieren‘ einfach und angenehm machen; gerade auch, weil Inhalte sich damit an den Regeln der Mobile-Welt ausrichten. 

Hinzukommt: Die Menschen schätzen immer mehr, sich mit anderen auszutauschen und Konversationen zu betreiben. 

Ergo: Buchmesse top, Verlagswelt flop! 

#transformation #publishers # fmb18 #PDA #ThinkPaper

Lesetips

Zum Start der Frankfurter Buchmesse 2018 erschien die neueste Onlinestudie von ARD und ZDF.

Siehe auch den Kommentar von Beate Frees und Wolfgang Koch: „Onlinestudie von ARD und ZDF: Über 90 Prozent der Deutschen sind online“

Und: Sieben Fakten zum deutschen Buchmarkt (zdf-mediathek)

 

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English Abstract

#ValueCheck: Potemkin villages?

The Frankfurt Book Fair / Frankfurt Book Fair 2018 reveals the weaknesses of publishers due to its strengths.

For five days a year it’s possible to get, what readers want, but otherwise can not get: personal contact with authors, book makers and thousands of other book lovers from around the world. The beauty: you are part of the action.

It’s different in real life. Publishers do not know their customers. And therefore misjudge their needs, leading to an existential crisis that is currently worse than ever.

The fundamental error of the publishing world (in addition to the fact that the core business of print is not innovated or transformed, but the focus is only on reducing production costs): Not the e-book became the enemy of the printed book. Rather, it is time and opportunity. Readers turn to the platforms and blogs for different content, via  multimedia, movies and image worlds, short in terms of content, concise processing and making ‘consuming’ simple and enjoyable; also because content aligns with the rules of the mobile world.

In addition, people are increasingly appreciating the opportunity to interact with others and to engage in conversations.

Ergo: Book Fair top, publishing world flop!

#transformation #publishers # fmb18 #PDA #ThinkPaper

 


 

Jürgen Boos 2018 IMG_4961

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, will im Interview beschwichtigen: Auch wenn die Buchkäufer-Zahlen rückläufig sind, gelesen würde so viel wie immer. — Foto: Screenshot aus ZDF-Interview vom 10.10.2018

 

Kommunikation will gelernt sein.

Kommentar von Christian Kopocz via XING

Sehr gut auf den Punkt gebracht, verehrter Andreas Weber. 

Verlage kennen die Kunden nicht. Das wird ein wichtiger Punkt sein. Vergleicht man mit den Teststores von Amazon. Ein Beispiel: Das Geschäft in Chicago zeigt prominent die Bestseller aus dem Viertel/regional bezogen und aus Online- und Offlinewelt gesammelte Informationen. Das macht nicht nur neugierig, es macht auch Sinn.

Verlage, die noch immer lieber in Massenproduktionen zu günstigstem Preis und einer Platzierung im Buchhandel kalkulieren, ohne einen Weg zu finden, die Informationen der Leser zu sammeln und vor allem sinnvoll zu nutzen, die haben einfach keine Zukunft. 

Doch es passiert einfach noch immer zu wenig. Perspektivlosigkeit, Alter, allgemeine Situation. Alles Ausreden für fehlenden Willen und Fähigkeit.

In der Tat ist der persönliche Kontakt schwer. Da haben es Verlage noch schwerer als der Buchhandel. Auch hier findet man nur selten wirkliche Konversation. Lesungen allein sind nicht das Mittel. 

Doch Kommunikation will gelernt sein. Da war wieder das böse Wort. LERNEN. Da liegt ein weiteres Problem. Lebenslanges Lernen. Tut nicht weh, doch wie oft soll man das noch sagen und beweisen?

#handel #buch #buchhandel #book #transformation #learning #change #customercentric

 

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ValueCheck Nico Analyse Print.001

 

#Think!Paper — Edition 1, Volume 3

Kritische Analyse und Kommentar von Klaus-Peter und Julius Nicolay, Druckmarkt-Redaktion

 

„Gedrucktes auf Papier, vorausgesetzt, es ist interessant, optisch ansprechend und handwerklich exzellent gemacht, schafft gute Voraussetzungen für ein Revival des Haptischen. Zumal Print gleich zwei Dinge erreichen kann: Glaubwürdigkeit und Wertigkeit.

 


 

„Die Printauflagen sinken auf breiter Front … Ein Ende scheint nicht in Sicht“ war auf horizont.net zu lesen; und bei meedia.de stand: „44% sehen keine relevante Zukunft für Printmedien.“ Nun ist das Interpretieren von Zahlen ja immer so eine Sache. Vor allem, wenn es (wie bei Online-News) schnell gehen muss. Denn in der Studie, auf die sich die Schlagzeilen beziehen, geht es einzig und alleine um Zeitungen und Zeitschriften beziehungsweise die Zukunft des Journalismus. 

Wieder einmal wird von den Online-Redakteuren geradezu genussvoll unterschlagen, dass Print weit mehr ist als das Verbreiten von Nachrichten. Und wenn dabei aus 42 auch einmal 44 Prozent werden, stärkt das eher das Argument, dass Gedrucktes glaubwürdiger ist als andere Medien.

 

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Wir zumindest interpretieren die Zahlen anders und halten dagegen: Deutsche glauben an Print! Das belegen auch die Zahlen aus dem Sommer 2018, die der Bundesverband Druck und Medien vorgelegt hat und ebenso die Ergebnisse, über die der Fachverband Faltschachtel-Industrie berichtet. 

Was an der oben angesprochenen Studie ‚New Storytelling‘ aber besonders interessant erscheint, ist die Tatsache, dass Fachzeitschriften ein so hoher Stellenwert eingeräumt wird. Schließlich sind die ja auch schon etliche Male totgesagt worden.

 


 

Mailings sind out? VON WEGEN!

Print Mailings

Da befinden wir uns in guter Gesellschaft. Denn das gute, alte gedruckte Mailing wurde vom digitalen Marketing immer wieder gerne totgesagt. Dabei erfreuen sich Direkt- oder Dialog-Marketing als gedruckte Mailings einer neu entfachten Beliebtheit bei Unternehmen und hoher Wertschätzung bei den Empfängern. Damit haben wir uns auch in der Sommer- Ausgabe 2018 des ‚Druckmarkt‘ intensiv beschäftigt.

Denn gerade bei den Mailings gibt es eine interessante Entwicklung: Volladressierte Werbesendungen, das heißt auch Mailings mit vollständiger Adresse und persönlicher Ansprache, gehörten 2017 zu den Gewinner-Medien.

Nach dem Dialogmarketing-Monitor 2018 der Deutschen Post verschickt jedes siebte deutsche Unternehmen volladressierte Werbesendungen. Und diese Unternehmen legten gegenüber 2016 für personalisierte Mailings noch eine Schippe drauf, sodass das Marktvolumen um gut 4% auf 6,5 Mrd. € stieg. 

Durchschnittlich sind den Unternehmen ihre volladressierten Werbesendungen fast 13.000 € wert. Das Plus von 300 Mio. € fließt etwas stärker in die Planung, Konzeption und Produktion der Werbesendungen als in die Distribution, die aber weiterhin den größten Kostenblock darstellt. Und der Wert für die Druckproduktion von Mailings wird mit immerhin 3,12 Mrd. € angegeben. Gar nicht so schlecht für ein ‚nettes Briefchen‘.

 


 

Je digitaler die Welt, desto analoger die Bedürfnisse!

 

Taucht da bei den Menschen etwa eine Sehnsucht nach etwas Realem auf, nach etwas Haptischem, nach etwas, das bleibt – und nicht beim nächsten Klick vom Monitor und damit aus dem Gedächtnis verschwunden ist? Gedrucktes auf Papier, vorausgesetzt, es ist interessant, optisch ansprechend und handwerklich exzellent gemacht, schafft gute Voraussetzungen für ein Revival des Haptischen. Zumal Print gleich zwei Dinge erreichen kann: Glaubwürdigkeit und Wertigkeit.

 

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Foto: Screenshot der Website von Hunkeler AG, Schweiz.

 

Drucksachen, die als Wegwerfprodukt konzipiert sind, werden dies nicht vermitteln können. Ohnehin sind billig und lieblos produzierte Drucksachen für den Papierkorb beim Empfänger bestimmt. 

Werden sie jedoch engagiert und mit Liebe zum Detail hergestellt, spüren Empfänger und Leser diese Wertschätzung. Sie werden sich damit beschäftigen, vielleicht sogar aufheben oder weiterreichen. Dann ist das Ziel beim Mailing, bei der Werbung und bei allen anderen Drucksachen erreicht, die damit eine relevante Zukunft haben!

 


 

ThinkPpaer Key Visual Blog Post.001

Das DRUCKMARKT-Team und Klaus-Peter Nicolay sind Partner und Mit-Initiatoren von #Think!Paper, der übergreifenden Initiative, die sich dem Thema „The Beauty of Print&Transformation“ widmet.

 


 

Lesetipp zum Download

Jahresmagazin „Unter Druck – Starker Partner in turbulenten Zeiten.“, Herausgegeben vom VDMB, München, 2018. 

VBDM jahersmagazin 2018

 


 

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