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Kurz vor der Eröffnung: Valy vor ihrem Bildwesen-Zyklus ›Der letzte Tango‹. Foto: Andreas Weber, Mainz/Frankfurt am Main

 

Valy Wahl — „Tanz um die Kuh“

Eröffnungsrede von Andreas Weber, Kunstverein Ingelheim, 3. April 2016

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste und Freunde des heutigen Eröffnungstages, der unter dem Thema steht: „Tanz um die Kuh“.

Ich darf gleich zu Beginn Entwarnung geben. Niemand soll und muss heute rituelle Tänze begehen, in deren Mittelpunkt ein Rindviech steht, das weder Kalb noch Stier, sondern eine Kuh ist. Geht es doch um eine im Jahr 2006 entstandene Malerei mit diesem Titel, die den Kuratoren und Organisatoren ins Auge sprang, um damit die Einladung zu schmücken respektive ein Motto für die Ausstellung zu finden.

 

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Valy: Tanz um die Kuh, Malerei, 2006. Foto: Valy, Mainz

 

„Tanz um die Kuh“ erscheint heute im Kontext mit durchweg ungewöhnlichen Bildtiteln: „Grille musiziert“, „Gesang der Frösche“, „Cocoon“, „Kentaur hilflos“, „Goldrausch“, „130 Kilo“ — aber auch „Verwirrung“, „Hochmütig“, „Macht“, „Ausgelacht“, „Listiger Handel“, „Geschrei“, „Verschleiert“, „Grüne Augen“ sowie „Schönheit in Bedrängnis“, „der da, der die Könige krönt“, „Segen des Friedens“, „Aphrodite begehrt“ oder „Amerika“ und „Hiroshima lebt“, beide aus dem Jahr 2015. Ein umfangreiches Ensemble, bestehend aus neun Einzelgemälden, nennt sich „Der letzte Tango“ und datiert in das Jahr 2009.

Die Symbolkraft der Bildtitel entfaltet ein Eigenleben. Oder? — Und zeugt davon, wie Valy, die Malerin, ausdrucksstark mit Sprache umgehen kann. Fast im Sinne des Philosophen Wittgenstein, der sich Gedanken darum machte, wie wir mehr Klarheit über die Beziehung von Sprache und Welt erhalten können.

Letztlich lautet die Erkenntnis von Wittgenstein, die Sprache, die wir benutzen, sei die Welt in der wir leben. Diese Welt lässt Valy durch ihre Malerei vor unseren Augen entstehen — geprägt von Schönheit und Sinnlichkeit ebenso wie von Grauen, Katastrophen, Schimären, Dämonen und Psychotischem. Valy lässt als Ergebnis ihrer Malereien „Bildwesen“ entstehen, wie sie das nennt. Sie ist damit wie vor Jahren dargelegt der Philosophie (neben Wittgenstein-Schriften v. a. Hans-Georg Gadamers „Verstehen und Gespräch als Voraussetzung für ein Weltethos“) und der symbolistisch-visionären BIldsprache der Literatur und Poesie des Comte de Lautréamont mit seinem „Maldoror“ näher als gängigen kunstgeschichtlichen Deutungsversuchen.

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Valy und Andreas Weber. Foto: Gunda Vera Schwarz, Frankfurt am Main

Zu den Protagonisten

Valy Wahl und Andreas Weber kennen sich seit über 50 Jahren und haben eine ganze Reihe gemeinsamer Projekte erfolgreich realisiert. 

Valy hat sich wie kaum jemand sonst über mehr als 45 Jahre als Kulturaktivistin profiliert und der Stadt Mainz sowie der Region Rheinhessen gedient. Ihr umfangreiches malerisches Werk ergänzen zahlreiche Publikationen, Designarbeiten und künstlerische Grafiken. Bis 2010 war Valy Professorin an der Hochschule Mainz, Schwerpunkt künstlerisches Arbeiten für Kommunikationsdesigner.

Andreas Weber lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und Mainz, wo er das Kommunikationsparadies als eine dem Geist Gutenbergs gewidmete Stätte für persönliche Begegnungen und das gemeinsame Erleben der Kunst der Kommunikation etabliert hat. Er engagiert sich für ein integratives Verständnis von Kultur, Kunst und Innovation. 

Der Bildwesen-Zyklus „Der letzte Tango“ zeigt eine Gratwanderung: Valy liebt Tango. Die rhythmischen Bewegungen, die Eleganz nimmt sie in ihren Bann, ebenso wie die fast archaisch-berauschte, ins Mark treffende Stimmung, die beim Tango-Tanzen entstehen kann. Sie selbst sagte mir dazu: „Der letzte Tango, Du weißt, ich tanzte gerne und der Tango bringt mich schon aus dem Gleichgewicht … das Gefühl bei dem übermäßigen Temperament dieses Tanzes und der Musik, in aller Welt geliebt, aber überall hat er seine regionale Prägung…“

Valy’s gemalter „Tango“ huldigt dem Tanz und macht ihn gleichzeitig beinahe „gruselig“. Sie mystifiziert aber den Tango nicht, bildet auch nicht einfach nur die Tänzer ab, sondern räsoniert ihr, Valys, Empfinden beim Tango-Tanzen. Diese intensive Empfindung wird spürbar, wenn man die Bilder in Ruhe betrachtet, immer wieder die Augen schließend, sich intensiv verbindend mit dem visuellen Erleben von Valys Malerei-Zyklus. Gelingt es, wie von mir beschrieben, eine Synthese von Mensch/Betrachter und Bildwerken herzustellen, kann man ganz leise sogar die Musik „hören“, die Tango-Tänzer in den Bann zieht. „Der letzte Tango“ gestaltet sich ambivalent: Es kann sowohl „zuletzt“ gemeint sein im Sinne einer jüngsten, unvergesslichen Erinnerung, wie auch der letzte Tanz im Leben. Schön, dass wir als Betrachter hier Spielraum erhalten.

 

 

Um all dies, ihr Empfinden als Künstlerin, punktgenau zum Ausdruck zu bringen, hat Valy eine eigene Maltechnik erfunden. Statt Leinwand, Pinsel oder Ölfarben/Acryl zu verwenden, nutzt sie verschiedenste Lacke sowie Kunststoffplatten als Malgrund. [Die Malereien mit den Nummer 26 und 27, dieser Ausstellung „Verwirrung“ und „Geschrei“, gehören übrigens zu den ersten Bildwesen, die in der neuen Mal-Technik entstanden].

Malerei als Experiment, das von Valy gelenkt wird. Ohne Anspruch auf die Darstellung von etwas, das wir in der realen Welt wahrnehmen könnten, vom Künstler präsentiert, interpretiert oder überhöht. Die hohe Bedeutung von Valys Malerei wird erkennbar, wenn man Valys Bildwesen vergleicht mit herausragenden Darstellungen, die wir — um im Kontext „Tanz“ zu bleiben — in dem von mir im Jahr 2002 herausgegebenen Buch „Ein Porträt — Martin Schläpfer Ballettmainz“ finden.  — Guido Ludes gab den Impuls, dass junge Designkünstlerinnen in einer neuen Bildtechnik, dem Polaroid-Transform-Verfahren, Schläpfers Ensemble bei der Arbeit porträtierte. Das ist wohl gelungen. Schläpfer kommentierte: „…eine ganz eigene Sicht ist entstanden / eine Sicht, die mich berührt — Raum gibt / jede Bildgestaltung ruft in mir einen Text — eine Erinnerung / es geht um Tänzer — das ist für mich das schöne / auch das emotionale an dieser Arbeit“.

In der Tat, die Darstellung der Mitglieder im Ballett-Ensemble wirkt gelungen und beeindruckt kolossal.

Doch Valy setzt einen anderen Akzent und stellt klar: Ihre Kunst begnügt sich nicht damit, zu beeindrucken oder bestaunt zu werden, wie die teure Briefmarke im Album des Sammlers oder das Meisterwerk der Museumssammlung, das sich hinter Panzerglas schützen muss. Valy stellt sich in den Dienst des Fühlens, der tiefgreifenden Empfindung, die unser Innerstes berührt. Valy lässt historische Ereignisse wieder auferstehen, sowohl die Römerzeit als auch das Mittelalter aus Anlass des 1000-Jahr Jubiläums des Mainzer Doms. „der da, der die Könige krönt“ [Ausstellungsnr. 2, entstanden im Jahr 2009] zeigt zwei Bischöfe vereint, Erzbischof Siegfried III. von Eppstein und Erzbischof Peter von Aspelt. Es wurde im Mainzer MVB Forum bei der Ausstellung des Kunstverein Eisenturm erstmals gezeigt.

 

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Valy, Malerei 2009, ›der da, die Könige krönt‹. Foto: Klaus Benz

 

Seit 2003 hat Valy ihre eigene Maltechnik perfektioniert und variiert. In dieser Ausstellung, hier im Ingelheimer Kunstverein, hat sie Präziosen ihrer Bildwesen versammelt. Was sich naturgemäß in einer solchen Galerie-Ausstellung verschließt, ist der Kontext zum Umfeld der Entstehung von Valys Bildwesen. „Gesang der Frösche“  entstand auf dem Land, damals im Otterbacher Atelierhaus. Meine Frau Gunda Vera Schwarz und ich konnten die Bildtafeln 2013 auf der dortigen Gartenterrasse bewundern, umgeben von Bäumen, Sträuchern, Wildpflanzen; und rostigen Blechdosen, die das Farbklima aufgriffen und verstärkten. Es bleibt ein einzigartiger Sinnes-Eindruck, der immer wieder emporkommt, wenn man wie jetzt heute die Bilder wieder sieht. Kurzum, ein wahres Meisterwerk! Vor allem, weil es uns mit persönlichem Erleben verbindet.

 

 

Welches Innovationspotenzial Valys Maltechnik bietet, zeigt sich bei „Amerika“ und „Hiroshima lebt“ [Ausstellungsnummern 11 und 9, entstanden 2015]. — Zwei Bildwesen, die auf Aktuelles und Grauenvolles unseres Zeitgeschehens reagieren. Krieg, Gewalt, Katastrophen, der Wunsch nach Freiheit und Glück. Alles schon einmal da gewesen; aber wir haben nichts daraus gelernt und handeln wider besseres Wissen oder Grundsätze, die einst zu Demokratie, Mit-Menschlichkeit und Freiheit führten. Die Themen rührten Valy dermaßen an, dass sie nicht in der Lage war, in gewohnter Weise zu arbeiten. Sie erprobte eine neue Technik mit Schelllack, vertauschte positiv mit negativ. Entstanden sind ausdrucksstarke, grossartige neue Bildstrukturen und Sujets, die der Eindringlichkeit des jeweiligen Themas Rechnung tragen. Experimentierfreude ist dadurch kein Selbstzweck, sondern oberste Maßgabe, um der Malerin Valy zu ermöglichen, ihre Gefühle und Gedanken visuell auf höchstem Niveau mitzuteilen.

Valy sagt dazu: „Der Anfang meiner kreativen Arbeit ist spontan und intuitiv. Der Zufall bestimmt meine Formgebung. Die sich daraus entwickelnden Formen fordern mich, immer wieder wähle ich neue Wege, um letztlich Herrin der magischen Kräfte zu bleiben.“

 

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Brillante Fotoimpressionen von Klaus Benz.

 

Es ist ist daher kein Zufall, dass die Schelllack-Strukturen in einer Frühphase fotografisch dokumentiert wurden und in Kombination mit dem eigens geschaffenen, textlich-künstlerischen Manifest von Valy, genannt „Kunst DurchLeben“, gestaltet wurde, das an Valys gleichnamiges Katalogbuch von 2010 anknüpft. Diese neuartige, eigenständige, multimediale Form der Kommunikation über ihre Kunst und ihre Bildwesen zog bei der Ausstellung im Mainzer Rathaus im Dezember 2015 die Besucher in ihren Bann; und sorgte für ein Höchstmaß an Interaktion, wie man es selten in Galerieausstellungen erleben konnte. Das Ganze gelang durch die Kombination von Malerei, Text, Computeranimation und Print.

Dieses Manifest von Valy lässt uns teilhaben an dem, was sie in ihrer künstlerischen Arbeit wie auch in ihrem ganzen Leben bewegt und prägt. Es ist via Internet öffentlich zugänglich. Als Text im Blog, per Valys Facebook-Seite oder auf YouTube.

Dieses einzigartige Manifest zeigt, was Valy als Malerin, als Lehrerin und Professorin, als unermüdliche Kuratorin und Ausstellungsmacherin und quasi Kulturaktivistin geschaffen hat.

Auszug:

(1)
Ich will Neues gestalten, formen, verändern. Nur wenn ich forme, verändere ich. Ich provoziere, dass sich Materialien unvollständig ergießen, in der Flächenausdehnung gestört werden und erstarren. Das heißt, ich gehe von neu entstandenen Strukturen aus, die mir Halt geben, aber auch meine inneren Welten anregen, um darin spazieren gehen zu können.

(9)

Für mich war und ist die entscheidende Frage, im Rückblick auf meine jahrzehntelange Gestaltungsarbeit und Lehrtätigkeit, im Streben nach der Kunst/Existenz und Kunst/Qualität: „Was ist für mich geblieben, über welche Kräfte verfüge ich noch, vor allem: Wie viel Kraft ist mir vergönnt, um weiterhin schöpferisch zu sein?“ — 45 Jahre Power! Alles gegeben, vor allem um zu helfen, dass an der Hochschule junge Menschen selbständige Persönlichkeiten werden und dass sie selbst zu ihrer eigenen Persönlichkeit finden.

(10)

Die verbleibende Schaffenszeit trägt die Ungeduld, die sich in den Bildmotiven, der Farbigkeit und dem Neuerschaffen von Strukturen und Formen mitteilt.

 

Meine Damen und Herren, damit ist Vieles, wenn auch längst nicht alles gesagt. Der Rest liegt an uns. 

Nutzen Sie die Ausstellung, um sich mit allen Sinnen zu vertiefen, um mit und über Valys Bildwesen, die heute hier versammelt sind, zu reden. Und nicht nur um Eindrücke, sondern um persönliche Erkenntnisse mitzunehmen und in Erinnerung zu halten.

Valy und ich selbst möchten zum Abschluss an drei existentielle Fragen erinnern, die uns der große Symbolist Paul Gauguin 1897 mitgegeben hat und die stets für das was wir tun, was uns bewegt, eine Grundlage bilden können:

  • Woher kommen wir? 
  • Wer sind wir?
  • Wohin gehen wir?

Valy und ihre Malerei, ihre Bildwesen helfen uns, Antworten zu finden. Gerne auch gleich im Gespräch mit ihnen. Ganz persönlich.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

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Valy und Andreas Weber. Foto: Selfie!

 

ADDENDUM

Dr. Otto Martin hatte am 4. Mai 2016 eingeladen zum Jour Fixe des Kunstverein Eisenturm (KEM),  um mit Valy Wahl (seit langem KEM-Mitglied und im Vorstandsbeirat aktiv) durch ihre Ausstellung im Kunstverein Ingelheim zu führen. Rund 40 Gäste waren gekommen und zeigten sich begeistert und  fasziniert von den einfühlsamen und anregenden Erläuterungen und Gesprächen. So intim, persönlich inspirierend und detailgenau kann man sonst Kunstausstellungen kaum erfahrbar machen. Und im Anschluss wurde bei  gemeinsamen Abendessen munter weiter diskutiert. Kunsterleben vom Feinsten. — Nachfolgend einige Video-Impressionen (freihändig mit dem Smartphone von Andreas Weber aufgezeichnet).

 

 

 

 

 

 

 

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Value Art+VCom | ValueCheck Bruno k. Ingelheim.003

 

Inszenierung einer Eröffnungsrede zu Bruno K. am 11. September 2014 in Ingelheim

Von Andreas Weber, Mainz

 

Einfache Frage:

Wer bin ich? — Experte für Kunst + Kommunikation, Beirats-Mitglied im Vorstand des Kunstverein Eisenturm, dem KEM, sozusagen Geburtshelfer des Kunstverein Ingelheim und der Ausstellung hier. Hebamme ist aber Dietmar Gross…

 

Offene Frage: 

Wer ist dieser Bruno K.? Was soll das hier, was er mit uns veranstaltet?

Und wo überhaupt liegt VOLXHEIM, wo er lebt und arbeitet? Ingelheim ist ja schon schwierig genug zu finden, für uns Grossstädter…

Oh je, das macht Ärger. Aufregung. Sorgen. Kummer. Verzweiflung. — Panikidee: Du kommst gar nicht erst. Das fällt in dem Chaos in der Binger Str. 26 gar nicht auf. — Doofe Idee. Ich hatte es Dietmar Gross versprochen.

Also doch auf nach Ingelheim. Aber noch mehr Fragen …

  1. Was zieh ich denn bloß an, wenn ich vor Publikum in einem Abrisshaus reden soll? Brauche ich einen Schutzhelm?
  2. Warum denn ausgerechnet Ingelheim?
  3. Warum ausgerechnet dieses Datum 11.9.? An dem ausgerechnet der Joachim Fuchsberger hochbetagt verstorben ist? Und mir/uns nicht mehr mit seiner Klugheit beiseite stehen kann oder will…
  4. Was soll überhaupt dieser merkwürdige Ausstellungs-Titel?

Saalwächter 20/14 — Eine skulpturale Intervention? 

Diese Wortkombi kennt noch nicht mal mein Rechtsschreibhilfeprogramm am iMac. — Ist Intervention nicht, was unser Aussenminister Steinmeier ständig macht, wie einige vor ihm auch schon? — Kommt dann am Ende noch der Putin und annektiert Ingelheim oder gar Rheinhessen?

 

Skulpturale geht ja noch: Steht sogar im Duden.

„in der Art, der Form einer Skulptur”

Beispiel

skulpturale Formen“

Das Wort kann man sogar trennen.

 

Und Intervention? —  steht für:

 

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Liebes Publikum: Wer rettet mich/uns? Oder hilft uns/mir aus?

Mich quält, nein ich hatte schlaflose Nächte. Ständig erschien mir im Traum mein Kunstgeschichts-Professor Imiela und frotzelt-blöckt: „Weber, was haben Sie sich denn dabei schon wieder Gedacht? Es geht immer um hehre Kunst!“ — Oh je, Oh je, Oh je. — Ich sah schon den von Hans-Jürgen Imiela hoch geschätzten Julius Meier-Graefe im Grab rotieren.

Meine Damen und Herren. Alles QUATSCH! Lassen Sie sich von mir nicht ins Boxhorn jagen. 

Ich habe erstens eine Überdosis Psychopharmaka genommen. Und seitdem freue ich mich heute hier zu sein. Und zu reden. Und zu gucken.

Und um Ihnen zu gestehen, dass ich gerne in Ingelheim bin, hier vor 8 Jahren im Alten Rathaus eine wundervolle Guido Ludes Ausstellung eröffnen durfte.

Und dass ich Bruno K. gegoogelt und gescreent habe. — Er ist mehr als OK. Erist ein Ausnahmetalent. Er ist ein Künstler, der alles im Blick hat. Er gestaltet Kunst und inszeniert sie wie kein Zweiter. Er macht dies seit Jahrzehnten und wandelt zwischen „Retro“ und dem heute. — Er hat eine solide Bildhauer-Ausbildung bei Michael Croissant zum Bildhauer absolviert. War Assistent bei Leo Kornbrust. Beide sind mir seit Kindheitstagen bekannt und ich verbriefe mich für sie. — Also warum nicht auch für Bruno K.?

Ich möchte Ihnen etwas vorlesen. Und gestehen: ich war genau vor einer Woche schon mal hier. Mit einem Gast aus Istanbul, Şükran Ceren Salalı, einer jungen, hochtalentierten Fachfrau für Kommunikation, Kino und Kunst.

 

Deutsche Fassung des ValueCheck! von Şükran Ceren Salalı, Value Art+Com Fellow,
— her preview experience, September 4th., 2014 (Übersetzt von Andreas Weber)

„Für mich war der Zeitpunkt gekommen, meine Abreise aus Mainz vorzubereiten. Dazu gehörte, noch einige Orte in der Region zu sehen, die bislang fehlten. Zufall oder nicht, Andreas Weber hatte die Idee, eine kurze  Fahrt nach und durch Rheinhessen zu unternehmen, um währenddessen die Zeit meines Aufenthaltes, die damit verbundenen Erfahrungen und die Ergebnisse unserer Projektarbeiten im Rahmen meiner Erasmus Internship abschließend zu besprechen.

Auf unserem Weg durch die wunderbaren Landschaften Rheinhessens, durchfuhren wir einige Orte und landeten (für mich unvermittelt) in Ingelheim. Wir hielten an einem besonderen Gebäude an, das wie eine Mischung aus Weinlager und Weinfabrik aussah. Dort trafen wir Bruno K. alias Bruno Kleber, einen Künstler, der eine für mich disruptive Art und Weise pflegt, Kunst zu schaffen. Und das seit über 30 Jahren. Die jetzige, hiesige für mich überraschende Ausstellung “Saalwächter 20/14 — Eine skulpturale Intervention”, die vom 11. September bis 12. Oktober 2014 im neuen temporären Ambiente des Kunstvereins Ingelheim stattfindet, verändert die Räumlichkeiten, indem sie transformiert werden. Und das in einer Art und Weise wie ich das noch nie sehen konnte.

Als erste Besucher einer Ausstellung, die noch nicht eröffnet, also noch “under construction” war, konnten wir beeindruckende Installation sehen. Und wir konnten persönlich mit Bruno K. sprechen, der sehr charmant, voller Ideen und humorvoll ist. Im Zentrum: Eine Weinabfülllagerhalle, nun Raketenbasis — die Werk- und Arbeitsräume werden in eine wundervolle Atmosphäre versetzt, die alle Räume erfasst und künstlerisch transformiert. Damit erreicht der Kunstverein Ingelheim aus dem Stand heraus das Premium-Niveau eines “Art Centers”. Das Gebäude verfügt über zahlreichen Räume (über mehre Etagen verteilt), die Bruno K. mit unterschiedlichen Themenideen bestückt, um- und ausgestaltet. Oft mit Versatzstücken aus dem Soldatenmilieu und Militärbereich. Zum Beispiel widmet er in der grossen Halle unter dem utopischen Namen “Apollonia” (gegenüber der faszinierenden Figur der Olga!) in eine Ragte mit Abschussbasis um, wobei man nur den ganz unteren, kleinen Teil der Rakete sehen kann. Alles ist umgeben mit militärisch anmutendem Equipment. Jedes Detail stellt aber einen künstlerisch geprägten Inhalt dar, verstärkt durch Sound Systeme, die zum Beispiel Melodien von alten Western Filmen wieder geben. Es bleibt aber nicht nur bei Klangeffekten, der Künstler setzt mit hohem Geschick die unterschiedlichsten wirkungsstarken Beleuchtungseffekte ein.

Es lohnt sich diese disruptive Kunstauffassungen, das disruptive Kunstschaffen mit einer wundervollen Sammlung von Installationen im Raum (und in einem Ensemble von Räumen) im Detail zu erkunden und zu erleben. Bruno K.’s Ausstellung wird der außergewöhnlichen, inspirierenden und letztlich ungewöhnlichen sowie einzigartigen Umgebung gerecht. — Sorry, dass ich nicht selbst bei der Eröffnung dabei sein kann. Ich musste schon nach Istanbul reisen. Genießen Sie es und lassen Sie sich inspirieren. — Dankeschön. Tschüss. Vielleicht bin ich ja bald wieder zurück!“

 

Was kann ich noch tun, da mir jetzt vor Aufregung und Ergriffenheit die Worte fehlen — und ich soll ja hoer sprechen zu Ihnen, möglichst klug und passend. Nun,  ich darf dem werten Künstler mein Redemanuskript überreichen, damit er noch etwas vernünftiges vortragen kann, das zu seiner Ausstellung passt. Und an die wunderbare Kunst des Dr. François Lachenal erinnert, meinem väterlichen Freund, der mich als Student mitunter mitarbeiten ließ, der die Internationalen Ingelheimer Tage im letzten Jahrtausend stets zu Höhenflügen geführt hat.

So, lieber Bruno, jetzt mach, lese bitte meine (im Stil des humorvollen François L.) gefasste Rede vor, damit die Leute noch was gescheites hören ausser meinem Gejammer. Da es ein toller, geistreicher Redetext ist, habe ich ihn gleich in einem verstaubten alten Rähmchen eingeglast. Zum an die Wand hängen.  Bitte schön, lieber Bruno…

 

Hier klicken, um die erste Value Art+Com Kurz-Doku anzuschauen!

 

Value Art+VCom | ValueCheck Bruno k. Ingelheim.001

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Photos/Animation: Andreas Weber, Edition Value Art+Com

By Şükran Ceren Salalı, Value Art+Com Fellow
on her preview experience, September 4th., 2014

The time for saying good bye to Mainz is arriving, so I plan to see the places that I have never been before. As a nice coincidence, Mr. Weber prepared us a very nice trip to Rheinhessen, where I had not had the time to visit, in order to do our last ValueTalk! about my Erasmus internship and the overall experience here in Mainz.

While we were traveling across the scenic Rheinhessen area, we passed through several towns and one of these was Ingelheim. We stopped by a nice building which has a wine cellar and looks like a wine factory. There, we met Bruno K. alias Bruno Kleber, an artist who has been creating a very disruptive art for almost thirty years. His next surprising exhibition, Saalwächter 20/14 — Eine skulpturale Intervention (The Door Guard 20/14 — A Sculptural Intervention) will take place in Kunstverein Ingelheim’s temporary new location between September 11th., 2014 to October 12th., 2014. It’s changes and transforms the environment in a way I’ve never seen before.

As the first guests of the exhibition which is still ‘‘under construction‘‘, we had the chance to see his impressive installations. And we had a personal conversation with Bruno K. who is a charming person, full of ideas and humor. From a wine storage to a rocket, Bruno K. created a wonderful atmosphere in different rooms to create on a premium level an Art Center for Kunstverein Ingelheim. The building consists of several rooms (spanning many floors) in which Bruno K. depicts his installations in different themes but mostly related to soldiers and guards. For instance, he organized the basement with an Utopic name Apollonia (just opposite the fascinating Olga!) with a huge rocket (of which you can only see the bottom part) and the rest with various equipments from the military. The content is pretty artistic, even down to the smallest details; he  arranged a sound systems room in which you can hear melodies from old Western movies. Yet, the sound effects are not the only contributors to the impact of the exhibition: the artist also makes use of very compelling lighting effects.

If you want to experience a disruptive artistic style with a beautiful collection of installations, please visit Bruno K.’s exhibition which will take place in an extraordinary, inspiring and last but not least very unusual and unique environment. — Sorry I cannot join the opening today because I had to leave already to get back to Istanbul. Enjoy and be inspired.Dankeschön. Tschüss. Perhaps I will have a “come-back” quite soon!

 

Value Art+VCom | ValueCheck Bruno k. Ingelheim.002

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Photos/Animation: Andreas Weber, Edition Value Art+Com

 

 

Deutsche Fassung (Übersetzt von Andreas Weber)

Für mich war der Zeitpunkt gekommen, meine Abreise aus Mainz vorzubereiten. Dazu gehörte, noch einige Orte in der Region zu sehen, die bislang fehlten. Zufall oder nicht, Andreas Weber hatte die Idee, eine kurze  Fahrt nach und durch Rheinhessen zu unternehmen, um währenddessen die Zeit meines Aufenthaltes, die damit verbundenen Erfahrungen und die Ergebnisse unserer Projektarbeiten im Rahmen meiner Erasmus Internship abschließend zu besprechen.

Auf unserem Weg durch die wunderbaren Landschaften Rheinhessens, durchfuhren wir einige Orte und landeten (für mich unvermittelt) in Ingelheim. Wir hielten an einem besonderen Gebäude an, das wie eine Mischung aus Weinlager und Weinfabrik aussah. Dort trafen wir Bruno K. alias Bruno Kleber, einen Künstler, der eine für mich disruptive Art und Weise pflegt, Kunst zu schaffen. Und das seit über 30 Jahren. Die jetzige, hiesige für mich überraschende Ausstellung “Saalwächter 20/14 — Eine skulpturale Intervention”, die vom 11. September bis 12. Oktober 2014 im neuen temporären Ambiente des Kunstvereins Ingelheim stattfindet, verändert die Räumlichkeiten, indem sie transformiert werden. Und das in einer Art und Weise wie ich das noch nie sehen konnte.

Als erste Besucher einer Ausstellung, die noch nicht eröffnet, also noch “under construction” war, konnten wir beeindruckende Installation sehen. Und wir konnten persönlich mit Bruno K. sprechen, der sehr charmant, voller Ideen und humorvoll ist. Im Zentrum: Eine Weinabfülllagerhalle, nun Raketenbasis — die Werk- und Arbeitsräume werden in eine wundervolle Atmosphäre versetzt, die alle Räume erfasst und künstlerisch transformiert. Damit erreicht der Kunstverein Ingelheim aus dem Stand heraus das Premium-Niveau eines “Art Centers”. Das Gebäude verfügt über zahlreichen Räume (über mehre Etagen verteilt), die Bruno K. mit unterschiedlichen Themenideen bestückt, um- und ausgestaltet. Oft mit Versatzstücken aus dem Soldatenmilieu und Militärbereich. Zum Beispiel widmet er in der grossen Halle unter dem utopischen Namen “Apollonia” (gegenüber der faszinierenden Figur der Olga!) in eine Ragte mit Abschussbasis um, wobei man nur den ganz unteren, kleinen Teil der Rakete sehen kann. Alles ist umgeben mit militärisch anmutendem Equipment. Jedes Detail stellt aber einen künstlerisch geprägten Inhalt dar, verstärkt durch Sound Systeme, die zum Beispiel Melodien von alten Western Filmen wieder geben. Es bleibt aber nicht nur bei Klangeffekten, der Künstler setzt mit hohem Geschick die unterschiedlichsten wirkungsstarken Beleuchtungseffekte ein.

Es lohnt sich diese disruptive Kunstauffassungen, das disruptive Kunstschaffen mit einer wundervollen Sammlung von Installationen im Raum (und in einem Ensemble von Räumen) im Detail zu erkunden und zu erleben. Bruno K.’s Ausstellung wird der außergewöhnlichen, inspirierenden und letztlich ungewöhnlichen sowie einzigartigen Umgebung gerecht. — Sorry, dass ich nicht selbst bei der Eröffnung dabei sein kann. Ich musste schon nach Istanbul reisen. Genießen Sie es und lassen Sie sich inspirieren. — Dankeschön. Tschüss. Vielleicht bin ich ja bald wieder zurück!

 

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© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Photos/Animation: Andreas Weber, Edition Value Art+Com

 

 

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