Archive

Tag Archives: Community

Bild: Screenshot aus dem Live-Video des Städel Museums auf YouTube.

Zusammenfassung der Diskussionsrunde beim KI-Festival im Städel Museum zum Thema „Wie können wir Begegnungen schaffen im KI-Zeitalter?“ mit Bernhard Pörksen, Christian Uhle, Sarah Diefenbach, moderiert von Vivian Perkovic.

Wie verändern generative KI und Social Media unsere Gespräche, Beziehungen und die Qualität unserer Öffentlichkeit? Daten und Erfahrungen zeichnen ein konsistentes Bild: Wir erleben eine Entfremdungsdynamik, die Technik verstärken kann – und zugleich Werkzeuge bietet, um Verbundenheit neu zu gestalten.

Wesentliche Befunde:

  • Laut American Time Use Survey sinkt die Zeit mit Freunden seit 2005; Tiefstand in der Pandemie, weiterhin niedrig in 2024.
  • „Sex Recession“: Der Anteil der 18–64-Jährigen mit wöchentlichem Sex sank von 55% (1990) auf 37% (2004); Sexlosigkeit bei 18–29 steigt bis 2024 deutlich.
  • Freizeitmonitor: Treffen mit Freunden bleibt wichtig, verliert aber stark; regelmäßige Freundestreffen fielen von 37% (1986) über 41% (2003) auf 19% heute.
  • Deutsche Depressionshilfe: Etwa ein Viertel der Bevölkerung fühlt sich einsam; nach dem Pandemie-Peak weiterhin über dem Vorpandemischen.

Vivian Perkovic erläutert wichtige Statistiken aus aktuellen Studien. Foto: Weber

Was treibt die Entwicklung?

  • Social Media optimiert auf Aufmerksamkeit, Emotionalisierung und Retention
  • Intransparenz wird zur demokratischen Frage.

Und doch: Kein Kulturpessimismus. KI kann Resonanzräume öffnen – für Struktur, Recherche, Zusammenfassungen, Barrierefreiheit, kreative Impulse und bessere Konfliktkommunikation. Entscheidend sind Anreize und Design: Qualität der Begegnung statt Nutzungsdauer; Reflexion statt Echokammer.


Das Städel Museum hat Aufzeichnungen der Livestreams von der Hauptbühne des KI Festival auf seinem YouTube Kanal publiziert.

Gestaltungsprinzipien für Freundschaften, Teams und Organisationen:

  • Klare Trennung: KI für Information und Struktur, Menschen für Nähe und Vertrauen.
  • Kommunikationshygiene: KI-Dialoge als Vorbereitung realer Gespräche nutzen – Argumente sortieren, Perspektiven spiegeln.
  • Friktion zulassen: Unvollkommenheit, Pausen, Widerspruch gehören zur echten Begegnung.
  • Rhythmus stärken: Verbindliche analoge Zeitfenster, Rituale, kleine Gruppen – 19% regelmäßige Freundestreffen sind zu wenig.
  • Transparenz: KI-Einsatz offen benennen, Datennutzung erklären, Erwartungen an menschliche Zusammenarbeit priorisieren.
  • Beziehungs-Skills üben: Zuhören, Konfliktfähigkeit, Ambiguitätstoleranz, Empathie.
  • Design für Bindungsqualität: Coachende Funktionen, die Selbstwirksamkeit und soziale Brücken fördern – nicht klebrige Retention.
  • Digitale Öffentlichkeit schützen: Regulierung mit wirksamen Standards (Transparenz, Altersdesign, Suchtprävention) und Bildung (z. B. ein Schulfach „Digitale Öffentlichkeit/Medienkompetenz“).
  • Demokratische Beteiligung erweitern: KI kann Konsensfelder erkennen und Politikgestaltung stärken.
  • Vorausschauend denken: „Cassandra“-Methoden für Worst-Case-Szenarien und werteorientiertes, resilientes Technikdesign.
  • Online-Dating fair gestalten: KI als „digitale Kupplerin“ mit Transparenz, Diversität und ohne manipulative Gamification.

Zuversichtlicher Ausblick

Die menschliche Sehnsucht nach echtem Gegenüber ist robust. Wenn wir Anreize verschieben – weg von Aufmerksamkeit, hin zu Qualität der Begegnung – entsteht ein produktiver Hybrid: mehr Fokus, bessere Informationen, stärkere Beziehungen. Unsere Aufgabe ist, Räume für konzentriertes Zuhören zu schaffen und Technologien so zu bauen, dass sie Reflexion statt Erregung belohnen. KI bleibt – die Frage ist, was sie ergänzen darf und was unersetzlich menschlich bleibt.

Echte Verbundenheit entsteht nicht in der perfekten Antwort, sondern im gemeinsamen Aushalten, Denken und Lachen. Genau das sollten wir wieder öfter kultivieren. Nicht „wird schon“, sondern „wir machen es gut“. Heute ist ein guter Tag, damit zu beginnen. Oder?


Hinweis: Der Bericht wird fortgesetzt mit Zusammenfassungen der weiteren Podiumsdiskurse auf der Hauptbühne des KI-Festivals.

Siehe auch: „Die Zukunft ist menschlich!“ — Bericht zur Keynote von Prof. Dr. Björn Ommer


Foto: Städel Museum via Instagram

Innerhalb unserer Arbeit der Ideenbörse für positive Lebens-Perspektiven, kurz „Besser Leben. Schöner Sterben.“ ist für den Arzt David Sonntag und mich äußerst wichtig, die Entwicklungen rund um und mit KI /AI besonders umfassend und real einschätzen zu können. Gemäß unserem Motto „be more human“ achten wir darauf, wie stets der Mensch und nicht die Technik im Fokus steht.

Prolog

Das KI-Festival im Städel Museum am 4. und 5. September 2026 setzt Maßstäbe.

Es erscheint geradezu wunderbar und bemerkenswert, was das Städel Museum in Frankfurt am Main mit seinem KI Festival 2026 als pure Inspirationsquelle auf die Beine gestellt hat. Nachfolgend erste kurze Anmerkungen zur noch laufenden Veranstaltungen, die wir umfassend auswerten werden.

These 1 — Die Zukunft ist menschlich: Warum KI uns zu den analogen Werten zurückführt

In einer digitalen Welt wächst die Sehnsucht nach dem Echten, Greifbaren und Menschlichen. Während KI heute Texte schreibt, die vielen besser gefallen als menschliche Werke, und digitale Normierung unseren Ausdruck vereinheitlicht, entsteht eine Gegenbewegung – nicht aus Protest, sondern aus einem tiefen menschlichen Bedürfnis.

These 2 — Vom Nerd zum Visionär: Eine Lektion in Demut

Lange belächelten wir technikaffine „Nerds“, bis sie zu Architekten unserer Zukunft wurden. Diese Erfahrung lehrt Demut. Statt KI aus Angst abzulehnen, sollten wir ihre Potenziale neugierig erkunden. Die Chance liegt darin, zu verstehen und mitzugestalten – nicht in der Sorge, Status zu verlieren.

These 3 — Die Renaissance des Analogen: Mehr als Nostalgie

Schon heute suchen junge Menschen bewusst analoge Erlebnisse: Museen, Buchmessen, echte Begegnungen. Der Mensch braucht nicht nur digitale Versorgung, sondern körperliche Erfahrungen und authentische Kontakte.

These 4 — Die neue Währung heißt Knappheit

In einer Welt des technologischen Überflusses gewinnt das Knappe und Einzigartige an Wert. KI wird viele Güter im Überfluss verfügbar machen. Doch was wird dann kostbar sein?

  • Das Original: Der Moment vor einem echten Kunstwerk wie Picassos „Guernica“.
  • Das Erlebnis: Unberührte Natur oder das Gefühl, an einem einzigartigen Ort zu sein.
  • Die Begegnung: Direkter, persönlicher Austausch – unersetzbar durch Videokonferenzen.

Diese „knappen Güter“ werden die wahren Statussymbole einer von KI geprägten Zukunft sein. Sie definieren Reichtum nicht über Besitz, sondern über authentische Erfahrungen.

These 5 — Unsere Chance: Brücken bauen, keine Mauern

Technologie ist kein Gegner, sondern ein Werkzeug. Nutzen wir digitale Möglichkeiten, um Menschen an das Analoge heranzuführen. KI kann Kontexte schaffen, die uns die Tiefe eines Originals erst richtig schätzen lassen.

Erste Erkenntnis: Die Zukunft ist nicht entweder digital oder analog – sie ist beides. Packen wir sie an.


Foto: Städel Museum via Instagram

Von der bloßen Optimierung zur echten Transformation

Tenor: KI formt die Zukunft – lass uns mitgestalten.

In seinem herausragenden Einführungsvortrag analysierte Professor Dr. Björn Ommer von der LMU München die dualistische Natur der künstlichen Intelligenz (KI), indem er die Risiken der reinen Optimierung (z.B. Monopolisierung, „AI-Slop”) der Chance einer transformativen Wertschöpfung gegenüberstellt. Er argumentiert, dass positive Ergebnisse nicht automatisch eintreten, sondern bewusste Anstrengungen in Bildung, Souveränität und die Entwicklung spezifischer KI-Anwendungen erfordern, und positioniert Museen als essenzielle Vertrauens- und Orientierungsinstanzen in einer zunehmend komplexen, von KI geprägten Informationsgesellschaft.

Die Rolle der KI im musealen Kontext

Es tut sich bereits einiges im Museumswesen. Björn Ommer beleuchtete die bereits existierenden und zukünftigen Anwendungen von KI als Werkzeug in Museen. Er stellt dar, wie KI Prozesse wie das Sammeln, Katalogisieren, Konservieren und Erforschen von Kunstwerken unterstützt und die Vermittlung an Besucher durch animierte Kunstwerke oder Museumsroboter bereichert. Im Prozess des Sammelns unterstützt KI das Erstellen und Verbinden von Katalogen, den Abgleich von Einträgen und das Finden von Duplikaten. Sie ermöglicht die automatische Objekterkennung und Bildsuche, während moderne LLMs (Large Language Models) auch heterogene Freitextdaten durchsuchen und so einen tieferen inhaltlichen Zugang schaffen. In der Konservierung wird KI zur Detektion von Schäden wie Farbabsprengungen oder zur Vorhersage von Alterungsprozessen eingesetzt.

Die Kunstforschung profitiert von der Analyse des Wandels von Stil und Duktus über Jahrhunderte, während ein anderes Projekt KI zur Entzifferung von Keilschrift nutzt. Für die Vermittlung werden Kunstwerke animiert, wie im Harvard Art Museum, oder Roboter wie der historische „Rhino” im Deutschen Museum Bonn als Führer eingesetzt. Der Wandel des Roboters Rhino vom Werkzeug zum Museumsobjekt selbst illustriert dabei den technologischen Wandel und leitet zur übergeordneten gesellschaftlichen Diskussion über.

KI als gesellschaftliche Herausforderung: Optimierung vs. Transformation

Es ist unverzichtbar, die kritische Unterscheidung zwischen der reinen Optimierung bestehender Prozesse und der echten Transformation durch KI zu analysieren. Björn Ommer argumentiert, dass eine rein optimierende KI zu negativen Folgen wie Monopolisierung, Jobverlusten im Einstiegsbereich und der Verbreitung von minderwertigen Inhalten („AI-Slop”) führt. So zeigt eine Studie in Nature, dass der Einsatz von KI in der Wissenschaft zwar zu mehr Publikationen (3x) und Zitaten (5x) für den Einzelnen führt, der Gesamt-Impact der Wissenschaft jedoch sinkt, da nur noch leicht automatisierbare Bereiche erforscht werden.

Die hohen Ressourcenkosten der KI (Chips, Energie) fördern eine Monopolisierung. Gleichzeitig entsteht eine Flut an „AI-Slop”, wobei künstlich generierte Inhalte bereits die von Menschen erstellten übersteigen. Diese Entwicklung führt zu einer Verlagerung der kognitiven Leistungsfähigkeit auf die KI und schafft Abhängigkeiten. KI wird zu einer Infrastrukturtechnologie, einem “Foundation Layer”. Ommer betont, dass diese negativen Konsequenzen automatisch eintreten, während die eigentliche, transformative Wertschöpfung bewusster Anstrengung bedarf.


Über die Hälfte der Firmen nutzt KI nur zur Effizienzsteigerung, obwohl die massive Wertschöpfung (Value Creation”) erst bei echter Transformation stattfindet.


Die zwei Zukünfte: Dystopie durch Passivität vs. Utopie durch Gestaltung

Entscheidend erscheint, die Dichotomie der KI-Zukunft darzustellen: eine, die automatisch zu Beliebigkeit und Kontrollverlust führt, und eine andere, die durch gezieltes Handeln Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft „empowern” kann. Der positive Ausgang ist nicht garantiert. Negative Effekte wie algorithmische Manipulation oder das Ersetzen von Einstiegsjobs treten automatisch ein. Positive, transformative Wertschöpfung hingegen erfordert bewusste Entscheidungen. Die Vorstellung einer KI als „Universal Problem Solver“, die alles automatisch verbessert, wird als steile Hypothese kritisiert. Im Bereich der Cybersicherheit herrscht bereits ein „Arms Race“, bei dem „Troll-Fabriken“ gezielt Desinformationen streuen, die laut Schätzungen bereits ein Drittel der ausgespielten Informationen manipulieren. In Anlehnung an Charles Dickens kann die Gegenwart als die „beste“ und „schlimmste“ aller Zeiten beschrieben werden: Sie ermöglicht einen beispiellosen Zugang zu Wissen, führt aber gleichzeitig zu einer Flut an Beliebigkeit („Arbitrarität”) und einem Verlust von Authentizität.


Das Städel Museum hat Aufzeichnungen der Livestreams von der Hauptbühne des KI Festival auf seinem YouTube Kanal publiziert.

Voraussetzungen für transformative Wertschöpfung mit KI in Deutschland

Es lohnt sich, die Hürden und Potenziale für eine erfolgreiche KI-Transformation in Deutschland und Europa zu betrachten. Als zentrale Hemmnisse werden der Mangel an Fachkräften für eine komplette Transformation, die Abwanderung von Talenten in die USA, hohe Compliance-Hürden und ein im Vergleich zu den USA deutlich geringeres Investitionskapital identifiziert. Auch die hohen Energiekosten stellen eine Herausforderung dar. Demgegenüber stehen deutsche Stärken wie exzellent ausgebildete Forscher, eine starke industrielle Basis und der Zugang zu hochspezifischen Industriedaten durch Weltmarktführer.

Björn Ommer plädiert dafür, nicht den großen US-Modellen nachzueifern, sondern auf Nischen wie industrielle, physikalische und verlässliche KI zu setzen. Der größte Hebel für Wertschöpfung liegt in Investitionen in „Upskilling”, da diese eine mehr als fünffache Rendite bringen. Es ist eine Verpflichtung gegenüber der nächsten Generation, jetzt ins „Doing“ zu kommen und die Souveränität bei Technologie und Engineering-Skills zu sichern, anstatt bei der reinen Optimierung stehen zu bleiben.

Die neue Rolle des Museums in der KI-Ära

Was hat all das mit dem Museum als Institution zu tun? Dessen Rolle wandelt sich in Zeiten von Informationsflut und schwindender Verlässlichkeit fundamental. In einer Welt, in der Content zur Commodity wird und die Verlässlichkeit von Informationen sinkt, gewinnen klassische museale Kompetenzen – die Prüfung von Provenienz, Kontext und Glaubwürdigkeit – eine neue, gesellschaftliche Relevanz. Während KI zu personalisierten Informationsblasen führt, steigt die Bedeutung gemeinschaftlicher Erlebnisse („Shared Experience“).

Museen werden zu unverzichtbaren Ankerpunkten und Vertrauensinstitutionen, die in einer „lauten”, schnelllebigen Welt Orientierung und Kontinuität bieten. Als „Cultural Memory Institutions“ bilden sie ein Gegengewicht zur kurzlebigen Aufmerksamkeitsökonomie, deren Horizont oft nicht über den Moment hinausreicht. Sie helfen, historische Entwicklungen und Wertewandel sichtbar zu machen, ohne eine feste Wahrheit vorzugeben, und unterstützen so die persönliche Entscheidungs- und Einordnungsfähigkeit in einer komplexen KI-Ära.


Zur Person

Björn Ommer ist Professor an der LMU München und leitet dort die „Computer Vision & Learning Group“. Darüber hinaus ist er als Co-Vorsitzender des Bayerischen KI-Rats sowie als langjähriger Associate Editor des führenden Journals zu KI, den IEEE T-PAMI, tätig. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen generative KI, automatisches Bildverstehen und erklärbare neuronale Netze. Ommer arbeitet an wegweisenden Ansätzen zur Demokratisierung generativer KI, darunter „Stable Diffusion“, einem revolutionären Open-Source AI-Modell, welches in der Lage ist, aufgrund von Text-Prompts fotorealistische Bilder zu erstellen. Diese Arbeiten finden breite Anwendung und haben bereits zahlreiche neue Wege in Forschung, Industrie, Medien und darüber hinaus eröffnet.


Hinweis: Der Bericht wird fortgesetzt mit Zusammenfassungen der weiteren Podiumsdiskurse auf der Hauptbühne des KI-Festivals.

Siehe auch den Bericht: „KI, Social Media und echte Begegnungen: Warum wir jetzt bewusst gestalten müssen“

https://valuetrendradar.com/2026/09/06/ki-social-media-und-echte-begegnungen-warum-wir-jetzt-bewusst-gestalten-mussen/amp/


Das vollständige Programm im Überblick.


Kommentar zu einer neuen Blogpost-Episode von „Besser Leben. Schöner Sterben.“

Hilflosigkeit ist kein Makel – sondern ein wichtiges Signal

Was uns ein Podcast-Gespräch über einen der unterschätztesten emotionalen Zustände unserer Zeit lehrt.

Wenn ich, Boris Andreas Weber, frisch aus einem Kontrolltermin nach einer Notfalloperation an der Uniklinik, auf dem Wartestuhl sitzt und mich an den Moment erinnere, in dem ich „Hilfe, hilft mir denn keiner!” rief – obwohl ringsum Menschen wimmelten – dann ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein zutiefst menschlicher Moment. Und genau darum geht es in der aktuellen Folge des Podcasts „Besser leben, schöner sterben”.

Hilflosigkeit: Ein tausend Jahre altes Wort mit hochaktueller Bedeutung

Der Begriff kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutete ursprünglich schlicht schutzlos. Heute hat er sich angereichert: Verlassenheit, Passivität, Ratlosigkeit. Arzt und Sparringspartner David Sonntag bringt es auf den Punkt:

„Hilflosigkeit beginnt dort, wo Menschen merken: Mein Wille reicht nicht mehr aus, um etwas zu verändern.”

Ich will schlafen – aber ich kann nicht. Ich will funktionieren – aber bin erschöpft. Das innere System wünscht sich etwas, doch der Rest zieht nicht nach.

Die Falle der Machbarkeitskultur

Wir leben in einer Welt voller Imperative: Optimiere dich. Atme besser. Denke besser. Achte auf Achtsamkeit. Das klingt hilfreich – erzeugt aber enormen Druck. Wer trotz aller Bemühungen nicht vorankommt, landet schnell in einer Negativspirale aus Insuffizienzgefühlen.

Das Ergebnis: Statt Veränderung entsteht Lähmung. Statt Steuerung fühlen sich viele Menschen nur noch als Beifahrer im eigenen Leben.

Die Autobahn-Metapher: Erst anhalten, dann reparieren

David Sonntags Lieblingsmetapher trifft den Kern:

Wer mit 180 km/h auf der Autobahn merkt, dass ein Reifen nicht stimmt, wechselt ihn nicht während der Fahrt. Die logische Reaktion: Bremsen. Rechts ranfahren. Anhalten. Durchatmen. Warnweste anlegen. Dann erst nachschauen.

Doch genau das wird gesellschaftlich selten empfohlen. Stattdessen heißt es: schneller handeln, sofort umkehren, alles auf einmal lösen. Das kann nur schiefgehen.

Hilflosigkeit zuzugeben ist keine Schwäche

Für viele Menschen – besonders im Beruf, im Hochbetrieb, im roten Drehzahlbereich – fühlt sich das Eingestehen von Hilflosigkeit wie ein Makel an. Dabei ist es das genaue Gegenteil: Es ist ein Warnsignal. Ein Hinweis, dass eine Bestandsaufnahme fällig ist.

Wer dieses Signal ignoriert und stattdessen das Radio lauter dreht, um das Klackern nicht mehr zu hören, löst kein einziges Problem – er verdrängt es nur.

Was wirklich hilft

Innehalten – nicht noch mehr Gas geben

Verbindung zu sich selbst herstellen – im Hier und Jetzt ankommen

Kleine Schritte statt 180-Grad-Wenden

Gespräche suchen – mit Menschen auf Augenhöhe

Sich Hilfe erlauben – das ist Stärke, keine Niederlage

Und bei akuten Panikattacken, dem „Superlativ der Hilflosigkeit”: beide Füße auf dem Boden spüren, tief ein- und ausatmen, fünf Farben im Raum suchen. Den Kopf wieder über die Wasseroberfläche bringen.

Fazit: Nicht hoffnungslos – nur gerade ohne Hilfe

Hilflosigkeit ist kein Dauerzustand. Sie ist ein Prozess, der gekommen ist – und als Prozess auch wieder geht. Das Motto, das Boris Andreas Weber für sich formuliert hat: heitere Gelassenheit. Sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Durchatmen. In den Dialog gehen – auch mit sich selbst.

Denn wie David Sonntag es abschließend sagt: „Jeder Mensch hat etwas zu teilen, was wertvoll ist.”

🎧 Die vollständige Episode von „Besser leben, schöner sterben” gibt es auf Spotify und YouTube.

💬 Rückmeldungen, Fragen oder Gesprächswünsche? Gerne direkt über LinkedIn oder die Kommentarfunktionen auf Spotify und YouTube.

ValueDialog Dr. Hermann 14082017 Value Blogpost.001

Exklusiv-Interview mit Dr. Ulrich Hermann, Chief Digital Officer, Mitglied im Vorstand der Heidelberger Druckmaschinen AG

Interview: Andreas Weber, Head of Value | English Version

Im ValueDialog geht es um das Thema Transformation der Branche. Es wird näher beleuchtet, welche neuen Wege Heidelberg zu beschreiten hat.

In der deutschen Industriegeschichte ist es eigentlich eine Sensation: Ein im 19. Jahrhundert gegründetes Maschinenbauunternehmen ‚gönnt‘ sich auf Vorstandsebene einen „Chief Digital Officer“. So geschehen im November 2016 bei Heidelberger Druckmaschinen AG durch die Berufung von Dr. Ulrich Hermann, der den Unternehmensbereich ‚Digital Services‘ leitet. Seine anspruchsvolle Aufgabe: Die zentrale Leitidee ‚Heidelberg goes digital‘ inhaltlich und operativ nicht nur im Markt und bei Kunden erfahrbar zu machen, sondern auch bei Mitarbeitern Akzeptanz zu schaffen für das, was sich ändern muss, um Bestand zu haben und nachhaltig profitabel zu wachsen.

Soviel vorweg: Wie durch die ValueTrend-Analysen seit der drupa 2016 umfassend dokumentiert, hat sich das Blatt bei Heidelberger Druckmaschinen AG (Kurzform: Heideldruck) zum Guten gewendet, um wieder der Leuchtturm der Printbranche sein zu können. Das Unternehmen konnte in die Gewinn- und Wachstumsphase zurückkehren. Das Produkt- und Leistungsportfolio hat sich signifikant erweitert. Die Konzernstrukturen wurden verändert. Anleger und Finanzexperten honorieren die Trendwende und die in Aussicht gestellten Wachstumsperspektiven. Die Heideldruck-Aktie ist im Aufwind und die Empfehlungen sind auf „Buy“ gesetzt. 

In medias res: Dr. Ulrich Hermann macht aber keinen Hehl daraus, dass sich die Zukunft und vor allem der künftige Erfolg von Heideldruck an radikal neuen Maßstäben orientieren müssen. Die Zahl der Druckereibetriebe ist ebenso rückläufig wie die Zahl der verkaufbaren Druckwerke bei den Druckmaschinen — letzteres bis dato stets das Maß aller Dinge. Dr. Hermann sieht aber gerade in diesen Veränderungen, v. a. in der Wende zum ‚Digitalen‘ bei den Geschäfts- wie den Produktionsprozessen großes Potential für Heideldruck und seine Kunden. Gerade auch in Fällen, wo das wirtschaftliche Umfeld, der Konkurrenzdruck oder die Investitionsmöglichkeiten anscheinend eingeschränkt sind.

In aller Kürze: Welche Bedeutung hat ’Heidelberg goes digital’ für die Branche? 

Dr. Ulrich Hermann: „Digital“ meint im Claim nicht das digitale Druckverfahren, sondern das digitale Geschäftsmodell: Wir fragen uns weniger, was das Produkt können soll, sondern vielmehr was die Kunden mit dem Produkt genau machen! — ‚Digital‘ gesprochen sollen unsere Lösungen — das sind Software, Daten und digitale Technologien — unseren Kunden helfen, ihre eigene digitale Transformation zu meistern.

Im Detail: Warum macht es Sinn für die globale Print Community sich auf die ‚digitale Transformations-Reise‘ zu begeben?

Dr. Ulrich Hermann: Die ‚digitale‘ Welt bietet ein enormes Potential für die Druckindustrie, das bislang nur wenig erschlossen ist. Da ist zuallererst die Adaption von Digitaldrucktechnik im industriellen Druck, um auf zeitgemäßes Konsumentenverhalten, beispielsweise dem Trend zu mehr Individualisierung und kleineren Auflagen, zu reagieren.

Druckereien müssen entsprechend ihr Portfolio und Produktangebot differenzieren, um Preise stabil zu halten und nicht in die ‚Commodity-Falle‘ zu stolpern. Gleichzeitig muss aber auf industriellem Niveau die Produktivität hoch bleiben. Das geht nur, indem alle Komponenten digital verlinkt werden: Die Maschinen, die Prozesse für Verbrauchsmaterialien, der Service, die Software und letztlich Daten, die eine systematische Nutzung bei steigender Komplexität ermöglichen. So kann Produktivität und Qualität in leistungsstarken und innovativen Druckereibetrieben auf höchstem Niveau gewährleistet werden, bei gleichzeitig voller Flexibilität, um den sich rasch ändernden Kundenanforderungen und Nachfragen in einem starken Wettbewerbsumfeld gerecht zu werden.

Transformation wird gleichgesetzt mit hohen Investitionen. Viele scheuen das Risiko. Sehen Sie das auch so? Oder bietet sich ein smarter Weg, um sich zu transformieren?

Dr. Ulrich Hermann: Definitiv gibt es einen smarten Weg. Wir empfehlen, Schritt für Schritt vorzugehen. Unsere Kunden können quasi mit einem produktiven Kern starten, der eine Kombination von Lösungsmodulen erlaubt. Unsere Geschäftsmodelle bieten innovativen und wachsenden Kunden die Möglichkeiten, ihre Investitionen dort zu allokieren, wo sie am wichtigsten sind: an ihrer Kundenschnittstelle und nicht wie in der Vergangenheit vorwiegend im Produktionssaal. Damit schaffen wir gemeinsam mit dem Kunden Wettbewerbsfähigkeit. Heidelberg maximiert mit einem autonomen digitalen Produktionssystem die Effizienz und kompensiert Auftragszyklen des Druckbetriebes. Der Kunde kann sich verstärkt um den Ausbau seines Kundenstammes kümmern und in den Ausbau seines digitalen Vertriebsweges investieren. Wir teilen letztendlich die Chancen und Risiken mit unseren Kunden.

Das heisst, die Rolle von Heideldruck hat sich geändert: Es geht nicht mehr um reine Druckmaschinenverkäufe, sondern um Lösungspartnerschaften von Heideldruck mit seinen Kunden?

Dr. Ulrich Hermann: Ganz genau. Wir betrachten zunächst gründlich das Geschäftsmodell unserer Kunden, die Kundenauftragsstruktur und bringen dann unsere Ideen und reichhaltige Erfahrungen ein. Daneben analysieren wir exakt den Status und die Entwicklungsmöglichkeiten des Produktivitätslevels, um kundenindividuell eine digitalisierte und hochproduktive Lösungen zu etablieren — ohne dabei über-investieren zu müssen. Dieser Schritt-für-Schritt-Prozess, den Heidelberg entwickelt hat, ist wirklich einzigartig.

Zwischenbilanz — Das Ziel kann nur sein: Mittel- und langfristig radikal Neues etablieren!

Aus einem traditionsreichen Maschinenbauunternehmen wie Heideldruck eine ‚digital company‘ zu machen, ähnelt auf den ersten Blick der Quadratur des Kreises. Zumal es um Drucksachenherstellung geht, also eine unabänderbar analoge Erscheinungsform der Medien. Und doch erscheint es machbar. Wenn man sich davon verabschiedet, zu hohe Erwartungen zu schnell erfüllt haben zu wollen. Insofern ist das oben Gesagte von Dr. Ulrich Hermann und sein ganzheitlicher Ansatz wichtig: Schritt für Schritt sich mit Kunden weiterzuentwickeln, aber stets im Bewusstsein, dass letztlich kaum ein Stein auf dem anderen bleiben wird. Es erscheint darum logisch, zunächst lineare Transformationsmöglichkeiten anzugehen (um Bestehendes zu optimieren), um ab einem gewissen Momentum exponentielle Transformationswege zu beschreiten, damit radikal Neues etabliert werden kann. [Hinweis: Sie hierzu das separate Angebot an ValueWebinars.]

Bedenklich: Trotz aller Innovations-Kraftanstrengungen und Multi-Milliardeninvestments werden neue Printtechnologien in den Szenarien relevanter Transformations-Technologien gar nicht aufgeführt. — Quelle: Vortrag beim ABTG Kongress von Andreas Weber.

 

Wie schwierig sich Transformation im Print gestaltet, zeigt gerade der Digitaldruck-Technik-Protagonist Xerox Corp.: Trotz jahrzehntelanger Innovationsführerschaft im Print- und Document-Technologiesektor musste sich der Konzern aufspalten. Seit Januar 2017 setzte der neue CEO Jeff Jacobson auf ein Feuerwerk an Produktneuheiten, wie er gerade in einem Interview mit dem US-Magazin Fortune kundtat (siehe Bericht von Susie Gharib vom 17. August 2017). Jacobson führt Xerox quasi ‚back to the roots‘. Der Erfolg im industriellen Druck bleibt aber trotz massiver Investments und Zukäufe bis dato aus. Xerox ist in Deutschland, dem Stammland der Druckkunst, seit Jahren quasi unsichtbar. Die Marktanteile mit digitalen Druckseiten am Gesamtdruckvolumen sind marginal. Ob sich das nur durch neue Produkte ändern lässt, erscheint mir zweifelhaft.

Es muss also um weitaus mehr gehen, als nur neue Maschinen im Digitaldruck zu entwicklen und Kunden zum Kauf anregen zu wollen. Es geht vielmehr um ein grundsätzliches anderes, erweitertes  Verständnis, wie industriell aufgestellte Druckbetriebe ihre Geschäftsmodelle und ihre Geschäftsstrategien ausrichten. Heideldrucks wichtigstem Asset kommt dabei eine aus meiner Sicht ganz entscheidende Rolle bei: Die unzweifelhaft im Unternehmen vorhandene umfassende Kompetenz für Dritte verfügbar zu machen, um auf industriellem Niveau mit Print heute und morgen profitabel, markt- und zukunftsgerecht Geschäft machen zu können. 

An diesem Punkt trennt sich die Spreu vom Weizen: Die meisten Marktteilnehmer errichten sich selbst Schranken, da sie meinen, ausschließlich mit singulären, technischen Produktinnovationen ein Allheilmittel zu bieten, das Kunden zum Erfolg hilft. Dem ist mitnichten so. Das Geschäftsprinzip von Druckereien muss komplett überdacht und neu entwickelt werden. Die guten Erfolge, die im Online Print-Sektor erzielt werden, weil man im Gesamtszenario der Druckereien am ‚digitalsten’ agiert, sind dabei ein wichtiger Zwischenschritt. Aber bieten noch nicht die Lösung, die gefunden werden muss. Entscheidend wird sein, wie man Print als Medium nahtlos in den ‚Workflow‘ zeitgemäßer digitaler und mobiler Kauf- und Transaktionsszenarien einbindet. Ohne mit der Druckvorlagenherstellung und dem nach wie vor aufwändigen „Make ready“ Zeit zu verschwenden. Wir dürfen also gespannt sein. Ich bleibe am Ball.

 


 

Nachtrag: Print-Innovationen auf der IAA 2017: Heidelberg wird Partner der Automobilindustrie. Dank 4DPrinting. Siehe den ValueCheck “Von car2go zu print2go”.

 

Value Publishing IAA 2017.001

Daimler sorgte mit 4D-Druck von Heidelberg auf der IAA 2017 für Aufsehen. Fotos: Daimler AG sowie Andreas Weber.

 


 

Hinweis: Das Thema Transformation ist auch Gegenstand des vom brasilianischen Spitzenverband ABTG am 24. August 2017 organisierten Internationalen Kongresses in Sao Paulo, bei dem Andreas Weber in seinem Eröffnungsvortrag u.a. das Gespräch mit Dr. Hermann präsentiert und kommentiert. Hier klicken zum Preview mit den Vortragscharts in englischer Sprache.

 

ABTG Congress 24 August 2017 Andreas Weber FULL.001

ABTG Congress 24 August 2017 Andreas Weber FULL.003

ValueTalk! – Canon Illustrations Series 1.001

Es ist Tradition bei Canon, Kunden nicht nur mit Produkten zu versorgen, sondern auch mit relevanten Markt- und Fachinformationen. Einige Links haben wir darum aufgeführt.

 

Exklusiver ValueTalk! mit Marc Trennheuser, Marketing Manager Business Imaging Group, Office, Canon Deutschland GmbH, Krefeld.
Interview: Andreas Weber


Prolog:

Eine wie wir finden erstaunliche Wandlung hat sich bei Canon vollzogen. Der Konzern entwickelte sich (bis dato fast im Stillen) vom Kamera- und Drucker-Hersteller zum “IT-Lösungsanbieter mit Strategieberatung”. — Wer es nicht weiss, mag erstaunt sein. Seit rund einem Jahr ist Canon, die weltweit strahlende Consumer-Marke für Imaging und Printing, auf dem besten Weg, das Information Management als Grundpfeiler der digitale Transformation für alle relevanten unternehmerischen Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse neu zu gestalten. Wer mit Marc Trennheuser und seinem Team spricht, lernt schnell, dass das berühmte „love it“ zu einem „love IT“ werden kann.  

 

ValueLearnings!

Die „Digitale Transformation“ der Unternehmenswelt hat erst begonnen. Im Fokus steht das „Seamless“-zu gestaltende Information Management, gekoppelt mit profunder „Imaging“-Kompetenz.

Bevor Unternehmen sich in der Welt von Big Data und Social Business souverän bewegen können, müssen die internen und externen Geschäftsprozesse vereint und interaktive werden.

Das Wissen um die Vorteile eines zeitgemäßen Information Management darf nicht nur in Fachabteilungen angesiedelt werden. Es wird zur Chefsache!

 

Warum befasst sich Canon neuerdings mit dem Thema IT respektive Information Management?

Marc Trennheuser: Für Canon ist das Thema IT prinzipiell nichts Neues, sondern ein folgerichtiger, evolutionärer Schritt. Wir befassen uns seit langem mit dem Thema „Imaging“. Das heißt, mit der Erfassung von Bildern und deren Visualisierung. Im Fokus steht das durchgängige Verarbeiten von digitalen Daten, die hinter diesen Bildern stehen. Im ersten Schritt ist relevant, wie man vom Kamera-Bild (inklusive Text) zum hochwertigen Druck kommt. Und danach im nächsten Schritt wie man effizient optimale Software Prozesse fürs Information Management gestaltet. Wir sehen das als einen organischen Prozess, der ganz besonders im Business-Bereich eine wachsende Bedeutung hat.

Das heisst, Canon vereinfacht und verstärkt den Prozess wie man nahtlos von Daten und Bildern zur Information und ihrer Verteilung gelangt?

Marc Trennheuser: Exakt. Es geht um das schnelle und reibungslose Verarbeiten von Informationen, um unternehmerische Prozesse zu optimieren. Canon ist in der Lage Informations-Management-Lösungen als Gesamtkonstrukt zu nutzen, also Hardware, Software, und „Brainware“. Alles aus einer Hand.

Gibt es nicht schon eine Vielzahl von Informations-Management-Angeboten?

Marc Trennheuser: Im Prinzip ja. Aber: Was unsere Arbeit bei Canon aus unserer Sicht einzigartig und unverwechselbar macht, ist, dass wir alle diese Dinge auf Basis eigener Entwicklungen zusammenführen können. Unsere Datenverarbeitungs-Plattformen sind alle von und bei Canon entwickeln — wir produzieren sie selbst.

 

IM FOKUS: DIE GANZHEITLICHE OPTMIERUNG
ALLER RELEVANTEN UNTERNEHMENSPROZESSE.

 

Und welche Vorteile ergeben sich daraus?

Marc Trennheuser: Ganz entscheidende. Der wichtigste Vorteil ist, dass wir dadurch bereits in der Entwicklungsstufe mit den Kunden sämtliche Komponenten abstimmen. Entsprechend können Leistungsmerkmale bei Hard- und Software perfekt synchronisiert werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir eine global tätige Firma sind; wenn ein lokaler Kunde mit uns einen Deal abschließt, sich dann aber weltweit entwickeln möchte, hat er die Möglichkeit, das zu tun – im Team mit Canon!

Besteht denn für Ihre Lösungen noch ausreichend Potenzial im Markt?  

Marc Trennheuser: Oh ja. Obgleich es wie gesagt eine Vielzahl von Angeboten gibt, arbeiten die meisten Unternehmen trotz allem schwerpunktmäßig noch mit Papierdokumenten. Hier können wir rasch helfen, die digitale Transformation zu beschleunigen. Und für diejenigen Branchen oder Unternehmer, die sich für diese Themen erstmalig interessieren, also noch keine Erfahrung haben, können wir sofort anschaulich machen, dass, wenn man Abläufe anders, also durchgängig digital, macht, man viel effizientere Gesamtprozesse erzeugen kann. Das ist eine Grundvoraussetzung für den Einstieg in Big Data-Prozesse und ins Social Business.

Welcher Anreiz besteht, sich auf Top-Entscheider-Ebene mit Canon Lösungen zu beschäftigen?

Marc Trennheuser: Canon beschleunigt auf smarte Art und Weise die digitale Transformation in der Unternehmenswelt! Vor allem bei großen Unternehmen gibt es akuten Bedarf dafür, Daten und Dokumente schneller zu finden und fokussiert damit arbeiten zu können. Das vereinfacht nicht nur interne Prozesse und reduziert Kosten. Man kann eine größere Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit erzeugen und entsprechend das eigene Angebots-Portfolio am Markt schneller, besser und effektvoller platzieren. Erst dann wird es richtig spannend.

 

 

Wie sieht das im Detail aus?

Marc Trennheuser: Wir sehen Information Management nicht nur in Verbindung mit internen Prozessen, die optimiert werden können, sondern vor allem im Kontext mit allen externen Prozessen. Denn erst mit dieser Durchgängigkeit von innen nach aussen wird der gesamte unternehmerische Wertschöpfungsprozess verbessert.

Ein Beispiel?

Marc Trennheuser: Wenn man zum Beispiel das Rechnungswesen digitalisiert, hat man die Finanzflüsse besser im Griff. Man kann gleichzeitig in der Marketing-Kommunikation mit wenig Aufwand die Interaktion mit allen relevanten Entscheider-Ebenen verbessern, um kaufmännische Belange mit Marketing-Aspekten direkt zu koppeln. Alle wichtigen Entscheider und Unternehmensbereiche kommunizieren dann mit deutlich weniger Aufwand. Die Transparenz für alle laufenden Vorgänge wie auch für das Erreichen gemeinsamer Ziele erhöht sich deutlich. Daraus ergeben sich viele neue Möglichkeiten, ganz anders mit dem Markt zu agieren, weit über die der Prozessoptimierung hinaus.

 

DAS BESONDERE BEI DER WERTSCHÖPFUNGS-STEIGERUNG:
INTERNE PROZESSE DÜRFEN NICHT (MEHR) ABGEKOPPELT WERDEN VON DEN EXTERNEN.

 

Welche Hürden bestehen, wenn Prozesse in Unternehmen sich verändern sollen?

Marc Trennheuser: Wir müssen ein neues Bewusstsein für Information Management im Kontext mit digitaler Transformation schaffen. Vor allem im Hinblick darauf, was Entscheidungsfindungen angeht. In noch viel zu wenigen Unternehmen ist man sich bewusst, dass auf administrativer Ebene, etwa in der Sachbearbeitung oder auf der Ebene der Abteilungsleitung, keine unternehmenskritischen Prozesse, die wir anpacken, verantwortet werden können. Das ist Aufgabe der Geschäftsleitung, durch die solche strategische Entscheidungen getroffen werden müssen. Und da steht Information Management nicht unbedingt auf der Agenda. Jedenfalls noch nicht! Das wollen und das können wir ändern.

Brauchen Sie dann nicht einen neuen Beratungsansatz, der viel mit „Change Management“ und Verhaltensänderungen zu tun hat?

Marc Trennheuser: Unser Verständnis und unser Handeln bezieht Veränderungsprozesse als Teil des Information Managements aktiv ein. Bei unserer Art der Beratung geht es an erster Stelle gar nicht darum, welche Produkte wir dem Kunden verkaufen können. Es geht darum, den Kunden erstmal vor Ort kennenzulernen, und daraus zu schließen, ob wir schon Lösungen haben, um die Kunden-Prozesse zu optimieren, oder ob wir eine neue Lösung dafür finden können. Wir beraten also nicht, um Produkte von der Stange zu verkaufen.

 

Canon Blog Deutsch

Canon Blog, der Fachinformationen bietet zum Thema Digitale Transformation und Information Management für die Bereiche IT, Marketing und Financial Community. Link: http://www.canon.de/exceptional

 

Wann ist für Sie eine Beratung erfolgreich?

Marc Trennheuser: Beratungserfolge entstehen durch konstruktive und informative Gespräche auf vielen Ebenen. Erst dann kann man feststellen, was tatsächlich optimiert werden kann und muss. Das schließt ein, dass wir mit unter auch Dinge radikal neu machen müssen. Es ist wichtig für uns, Personen aus allen Bereichen der Firma zu kennen, damit wir ein Gesamtbild der Firma haben, um effektiv arbeiten und effizient entwickeln können. Unser Erfolg und die Wirkung, die wir erreichen, zielt auf individuelle Lösungen für unsere Kunden ab.

Wie bildet man diese Vorgehensweise im Canon Geschäftsmodell ab? Bis dato werden doch Produkte entwickelt und vermarktet. Und nicht Services oder gar Consulting?

Marc Trennheuser: Unser Geschäftsmodell-Ansatz entspricht hundertprozentig dem Charakter von Information Management: Es basiert auf Langfristigkeit, Kunden- und Marktorientierung. Es wäre unklug anzunehmen, dass man sofort weiß und versprechen kann, was bei der Veränderung unternehmerischer Prozesse unmittelbar herauskommen kann. Wir stellen uns vielmehr darauf ein, als Berater und Kompetenzinstanz Teil des Kundenprozesses zu werden. Wir sind keine gewöhnlichen Berater im herkömmlichen Sinne, weil wir eben nicht nur beraten, sondern den Kunden dabei helfen, das umzusetzen, was wir ihnen geraten haben.

 

UMDENKEN: KUNDENBINDUNG UND MARKTORIENTIERUNG
SETZEN ABSOLUT LANGFRISTIGES DENKEN UND HANDELN VORAUS.

 

Versprechen Sie sich von Canon als starker Marke im Konsumentenmarkt auch Vorteil für das Business-to-Business?

Marc Trennheuser: Unbedingt. Canon gehört weltweit und in Deutschland nachweisbar seit vielen Jahren zu den besten und beliebtesten Marken. Mit einem extrem hohen Grad an Emotionalität und Sympathie. Es geht zudem bei Canon weniger um das Me-First, als um das Me-Best. Was uns ausmacht ist unser solider, vertrauensstarker Charakter als Unternehmen, der sich durch die Marke manifestiert und der Menschen und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt.

Was macht Canon als Marke aus Ihrer Sicht unverwechselbar?

Marc Trennheuser: Wir sind in der einzigartigen Lage, nationale wie globale Projekte  durchgängig – technisch gesprochen: „smart and seamless“ — abzuwickeln. Die vielen Facetten technischer Kompetenz, über die wir verfügen, bieten weitere Vorteile. Man kann mit Canon schon jetzt auf einen Schlag 90 Prozent aller sogenannter Output-Themen in Unternehmen aller Art abdecken. Auch unsere Standhaftigkeit und Nachhaltigkeit sowie die Tatsache, dass der Kunde weiß, dass wir auch in vielen Jahren noch für ihn da sein werden, fördert langfristige Projekte. Das ist für unsere Information Management-Kunden äußerst wichtig.

Wir danken für das Gespräch!

 

OUR TAKE: Well done, Canon. Weiter so!

Wenn ein Traditionsunternehmen wie Canon sich so konsequent und umfassend wandelt, ist das mehr als bemerkenswert. Es lässt aufhorchen! Der Konzern kann im besten Sinne als konservativ-umsichtig charakterisiert werden, gepaart mit höchster Gründlichkeit und Sorgfalt. Rasante Strategie- und Richtungswechsel wie bei US-Unternehmen wirken dynamisch, aber ob sie auf Dauer zielführend sind, ist aus Sicht der Japaner wohl in Frage zu stellen. Markt- und Kundenorientierung bedeutet eben, die Sichtweise und Situation des Kunden im Detail zu erfragen, zu besprechen, zu bewerten und dann maßgeschneiderte Lösungen anzubieten. Unsere IT-Realität sieht aber bislang anders aus. Die meisten IT-Anbieter machen was sie können, aber nicht unbedingt, was sie sollen. Nämlich im Dialog mit Kunden Lösungskonzepte entwickeln, die nicht von der Stange sind und auch nicht nach dem Kauf nochmals hohe Inventionen bei der Lösungsanpassung erfordern, indem Systemhäuser und/oder teure Spezialisten zwischengeschaltet werden müssen. Hinzu kommt, dass die Unternehmenswelt mit disruptiven Techniklösungen nicht zurecht kommen kann. Es gilt, erst die Prozesse zu optimieren, um sich dann ganzheitlich auf neue dialogische Aktivitäten mit Kunden einlassen zu können. Ohne zeitgemäßes Information Management keine nachhaltig erfolgreiche “Digital Transformation”. Das ist wohl die Quintessenz aus dem, was die neuen Strategie von Canon als Partner der Unternehmenswelt ausmacht. Wir sind gespannt!

 

“Be Exzeptionell” — Das Video-Statement von Canon Deutschland Geschäftsführer Rainer Führes unterstreicht die Wichtigkeit, beim Information Management neue Wege zu gehen.

 

 

Auf Slideshare.com finden sich weiter wichtige Fachinformationen (in englischer Sprache)