Screenshot aus KI Festival-Video-Doku des Städel Museum mit Constanzes Kurz, Gitta Kutyniok, Ingo Dachwitz, Nora Al-Badri, moderiert von Vivian Perkovic
KI ist längst Alltag – und sie bleibt. Die Diskussion beim KI-Festival im Städel Museum mit Moderatorin Vivian Perkovic und Expertinnen und Experten wie Constanze Kurz, Prof. Gitta Kutyniok sowie Ingo Dachfeld zeigte eindrücklich: Wir stehen an einem Wendepunkt. Es geht nicht um Hype oder Angst, sondern um kluge Gestaltung.
Vom „Ausbruch“ der KI zur Verantwortung der Anbieter
Jüngste Vorfälle bei OpenAI und Anthropic, bei denen Modelle Sicherheitsbarrieren umgingen, wurden kontrovers bewertet:
Constanze Kurz sieht darin vor allem Marketing und warnt vor Vermenschlichung: KI simuliert Verhalten, hat aber weder Bewusstsein noch eigene Ziele.
Gitta Kutyniok betont die wachsende Mächtigkeit der Systeme: Der Fehler lag in der unzureichenden Abschottung – die Agentenkommunikation wirkt intelligent, bleibt aber zweckgebunden.
Kernpunkt: Verantwortung liegt bei den Anbietern – technische Grenzen müssen robust sein, Narrativen sollte man kritisch begegnen.
Der vergessene Faktor Mensch und die Lieferkette der KI
Ingo Dachfeld lenkt den Blick auf Produktionsbedingungen: Content-Moderation und Datenlabeling, oft ausgelagert in den globalen Süden, schützen Nutzerinnen und Nutzer, belasten aber jene, die diese Arbeit leisten. Verantwortung darf nicht in komplexen Lieferketten diffundieren. Fair-Work-Standards sind überfällig.
Daten, Vielfalt und Entmystifizierung
Datensätze prägen, was Modelle „sehen“. Historisch dominierte der globale Norden (z. B. ImageNet). Die Antwort: kuratierte, kontextbewusste Southern Data Sets und Projekte wie „Babylonian Vision“, die KI als Mustererkenner begreifen – als Werkzeug, nicht als Wesen.
Infrastruktur sichtbar machen
Rechenzentren verbrauchen Energie und Wasser – oft ohne Transparenz. Pflichtkennzahlen zu Verbrauch, Kühlung und Emissionen sind notwendig, damit Unternehmen und öffentliche Hand rational entscheiden können. Wenn Kapazitäten ausgebaut werden, braucht es klare Berichte und Audits.
Technik, Effizienz und Vertrauen
Neuromorphes und photonisches Computing versprechen Effizienzgewinne; Biocomputing zeigt experimentelle Pfade. Standards und Programmierbarkeit müssen mitwachsen.
LLMs halluzinieren. Vertrauen entsteht durch Herkunftsnachweise, Modellkarten, Risikoberichte, unabhängige Audits und Optionen für lokale, datenschutzfreundliche Nutzung ohne Zwangsintegration.
Medienkompetenz als Pflichtfach
LLMs haben kulturelle und politische Färbungen. Medienkompetenz muss dauerhaft in Schulen und Weiterbildung verankert werden – wer KI bewusst nutzen will, muss sie verstehen. Transparenzlabels, ähnlich dem Energieeffizienzlabel, könnten Verbrauch, Zuverlässigkeit und Datenherkunft sichtbar machen – echter digitaler Verbraucherschutz.
Chancen nicht übersehen
KI löst komplexe Theoreme und eröffnet personalisierte Medizin – schon heute. Gleichzeitig sollten versteckte Kosten (Energie, Wasser, epistemische Risiken, militärische Anwendungen) ehrlich eingerechnet werden. Oft sind kleinere, spezialisierte Modelle präziser und ressourcenschonender als Generalmodelle.
Kreativität, Kultur und digitale Souveränität
Künstlerische Praxis zeigt die konstruktive Kraft von KI: Projekte wie „The Post Truth Museum“ von Nora nutzen Deepfakes, um dekolonisierte Zukunftsnarrative zu imaginieren. Kulturinstitutionen und Qualitätsjournalismus können eine Renaissance erleben: kuratieren, kontextualisieren, Sinn stiften.
Europa sollte seine Werte – Datenschutz, Urheberrecht, Transparenz – selbstbewusst durchsetzen. Ein europäisches KI-Modell auf den Datenschätzen öffentlich-rechtlicher Sender, Bibliotheken und Forschung ist realistischer Aufruf zum Handeln.
Transparenz verpflichtend machen: Energie- und Wasserberichte für Rechenzentren, Modellkarten, Herkunftsnachweise, unabhängige Audits und klare Datenschutzpraktiken.
Vielfalt in Daten fördern: Kuratierte, kontextreiche Datensets aus der globalen Mehrheit in Kooperation mit Communities, Kunst und Forschung.
Die Zuversicht entsteht nicht aus blindem Technikglauben, sondern aus unserer Fähigkeit, KI gemeinsam klug zu gestalten.
Screenshot der KI-Festival Videos des Städel Museum auf YouTube. Hier sind die Podiumsbeiträge per Live-Stream-Mitschnitt dokumentiert.
Im Rahmen der #besserleben Berichtsreihe werden von mir alle wichtigen Beiträge auf Bühne 1 des KI-Festivals thematisiert und kommentiert.
Bild: Screenshot aus KI Festival Video-Doku des Städel Museum
Die Welt dreht sich schneller als je zuvor. Push-Nachrichten, endlose Social-Media-Feeds und eine Flut KI-generierter Bilder prasseln unaufhörlich auf uns ein. So die Ausgangslage für eine spannende Podiumsdiskussion am 5. September 2026 beim Ki-Festival im Städel Museum.
Es diskutierten Johanna Zorn, Kay Voges, Christoph Koch, moderiert von Eva Schulz, das Thema „Macht Kunst resilient gegen den Overload?“ und lieferten inspirierende und zuversichtliche Antworten.
Fakt ist: Viele fühlen sich oft erschöpft und überfordert von dem, was der Autor Douglas Rushkoff als „Gegenwartsschock“ bezeichnet. Doch wie können wir in diesem digitalen Sturm nicht nur bestehen, sondern gestärkt daraus hervorgehen?
Die Diagnose: Der Kampf um unsere Aufmerksamkeit
Unsere Aufmerksamkeit ist zur knappsten Ressource geworden. Wir scrollen endlos durch Inhalte auf zweidimensionalen Bildschirmen, die uns in unserer eigenen Komfortzone halten. Algorithmen auf TikTok oder Instagram liefern uns zwar eine enorme emotionale Bandbreite, doch am Ende bleiben wir in einer Art Homöostase – wir reagieren nur noch, statt wirklich in die Tiefe zu denken. Das Problem ist nicht nur die schiere Menge an Informationen, sondern auch der gefühlte Zwang, ständig darauf reagieren zu müssen. Wir wechseln rastlos zwischen Aufgaben, was unsere Konzentration schwächt.
Kunst als kraftvolles Gegenmittel: Fokus, Reibung und dreidimensionales Denken
Genau hier setzt die transformative Kraft der Kunst im KI-Zeitalter an. Anders als Algorithmen, die auf gefällige Bestätigung abzielen, kann Kunst eine „Zumutung“ sein – im besten Sinne. Sie irritiert, fordert uns heraus und schafft Reibung.
Fokus trainieren: Ein Museums- oder Theaterbesuch zwingt uns, innezuhalten und uns bewusst einer Sache zu widmen. Diese Fokussierung ist eine essenzielle Kompetenz in einer Welt der ständigen Ablenkung.
Tiefe statt Fläche: Kunst öffnet einen dreidimensionalen Gedankenraum. Im Theater oder bei der Lektüre eines Buches versetzen wir uns in andere hinein und üben Empathie – die Fähigkeit, einen fremden Standpunkt einzunehmen. Es geht um echte Bewegung und Erschütterung, nicht um stoische Gleichmütigkeit.
Wahrheit im postfaktischen Zeitalter: In einer Zeit, in der Fakten und Fiktion verschwimmen, kann Kunst einen Ort der Wahrheit erschließen. So bringen Theater wie das Schauspiel Köln mit Produktionen wie „Geheimplan gegen Deutschland“ faktenbasierte, journalistisch recherchierte Geschichten auf die Bühne und werden zu „Medienhäusern“, die analoge und digitale Welten verbinden.
KI in der Kunst: Jenseits der Imitation – Ein neuer, nachhaltiger Weg
Während die Debatte oft von der Flut an KI-generiertem „Slop“ geprägt ist, der meist nur frühere Medien wie die Fotografie imitiert, entstehen bereits visionäre Alternativen. Die künstlerische Auseinandersetzung mit KI begann schon vor über einem Jahrzehnt und hat stets die unsichtbare Infrastruktur hinterfragt: den enormen Energieverbrauch, die Ausbeutung von Ressourcen und die prekäre Klickarbeit.
Zwischenruf zur Perspektive von KI
Ein wegweisendes, noch nicht öffentliches Forschungsprojekt (Projektname LOSSI), das seit 2024 entwickelt wird, zeigt, dass es anders geht. In ihrer Live-Videosession „AI: ARTIST INCLUDED“ gab die Künstlerin Hito Steyerl, (seit 2024 als Professorin für Aktuelle Digitale Medien an der Akademie der Bildenden Künste München tätig) einen kurzen Einblick: Als erstes Modell seiner Art wird es ausschließlich mit gemeinfreien Daten trainiert – ohne Urheberrechtsverletzungen. Es ist transparent und verbraucht im Training mehr als zehnmal weniger Energie als herkömmliche Systeme. Die Ästhetik ist nicht fotorealistisch, sondern eigenwillig und schräg – sie spiegelt die Eigenheiten des Mediums wider, anstatt etwas zu kopieren.
Mit Zuversicht nach vorn: Wir gestalten unsere Zukunft aktiv
Kunst ist kein simples Wellnessprogramm, sondern ein Trainingsfeld für unsere kognitiven und emotionalen Fähigkeiten. Sie lehrt uns, uns abzugrenzen, Ambivalenz auszuhalten und der Welt mit geschärfter Wahrnehmung zu begegnen.
Die gute Nachricht ist: Wir können beides haben – die Vernetzung der digitalen Welt und die Tiefe des dreidimensionalen Denkens. Projekte wie LOSSI beweisen, dass eine ethische, nachhaltige und kreative KI möglich ist. Kulturinstitutionen entwickeln sich weiter zu „Trusted Sensemakern“, die in einer Welt des Überflusses Orientierung bieten.
Indem wir bewusst Räume für Kunst schaffen, unsere Feeds kuratieren und Irritationen zulassen, stärken wir unsere Resilienz.
Wir bleiben handlungsfähig und gestalten aktiv unsere Aufmerksamkeit. Das ist Grund zur Zuversicht – für einen bewussteren Umgang mit unserer Zeit und einen klaren Blick nach vorn. Die Reise für uns alle hat gerade erst begonnen.
Screenshot der KI-Festival Videos des Städel Museum auf YouTube. Hier sind die Podiumsbeiträge per Live-Stream-Mitschnitt dokumentiert.
Im Rahmen der #besserleben Berichtsreihe werden von mir alle wichtigen Beiträge auf Bühne 1 des KI-Festivals thematisiert und kommentiert.
Bild: Screenshot aus dem Live-Video des Städel Museums auf YouTube.
Zusammenfassung der Diskussionsrunde beim KI-Festival im Städel Museum zum Thema „Wie können wir Begegnungen schaffen im KI-Zeitalter?“ mit Bernhard Pörksen, Christian Uhle, Sarah Diefenbach, moderiert von Vivian Perkovic.
Wie verändern generative KI und Social Media unsere Gespräche, Beziehungen und die Qualität unserer Öffentlichkeit? Daten und Erfahrungen zeichnen ein konsistentes Bild: Wir erleben eine Entfremdungsdynamik, die Technik verstärken kann – und zugleich Werkzeuge bietet, um Verbundenheit neu zu gestalten.
Wesentliche Befunde:
Laut American Time Use Survey sinkt die Zeit mit Freunden seit 2005; Tiefstand in der Pandemie, weiterhin niedrig in 2024.
„Sex Recession“: Der Anteil der 18–64-Jährigen mit wöchentlichem Sex sank von 55% (1990) auf 37% (2004); Sexlosigkeit bei 18–29 steigt bis 2024 deutlich.
Freizeitmonitor: Treffen mit Freunden bleibt wichtig, verliert aber stark; regelmäßige Freundestreffen fielen von 37% (1986) über 41% (2003) auf 19% heute.
Deutsche Depressionshilfe: Etwa ein Viertel der Bevölkerung fühlt sich einsam; nach dem Pandemie-Peak weiterhin über dem Vorpandemischen.
Vivian Perkovic erläutert wichtige Statistiken aus aktuellen Studien. Foto: Weber
Was treibt die Entwicklung?
Social Media optimiert auf Aufmerksamkeit, Emotionalisierung und Retention
Intransparenz wird zur demokratischen Frage.
Und doch: Kein Kulturpessimismus. KI kann Resonanzräume öffnen – für Struktur, Recherche, Zusammenfassungen, Barrierefreiheit, kreative Impulse und bessere Konfliktkommunikation. Entscheidend sind Anreize und Design: Qualität der Begegnung statt Nutzungsdauer; Reflexion statt Echokammer.
Design für Bindungsqualität: Coachende Funktionen, die Selbstwirksamkeit und soziale Brücken fördern – nicht klebrige Retention.
Digitale Öffentlichkeit schützen: Regulierung mit wirksamen Standards (Transparenz, Altersdesign, Suchtprävention) und Bildung (z. B. ein Schulfach „Digitale Öffentlichkeit/Medienkompetenz“).
Demokratische Beteiligung erweitern: KI kann Konsensfelder erkennen und Politikgestaltung stärken.
Vorausschauend denken: „Cassandra“-Methoden für Worst-Case-Szenarien und werteorientiertes, resilientes Technikdesign.
Online-Dating fair gestalten: KI als „digitale Kupplerin“ mit Transparenz, Diversität und ohne manipulative Gamification.
Zuversichtlicher Ausblick
Die menschliche Sehnsucht nach echtem Gegenüber ist robust. Wenn wir Anreize verschieben – weg von Aufmerksamkeit, hin zu Qualität der Begegnung – entsteht ein produktiver Hybrid: mehr Fokus, bessere Informationen, stärkere Beziehungen. Unsere Aufgabe ist, Räume für konzentriertes Zuhören zu schaffen und Technologien so zu bauen, dass sie Reflexion statt Erregung belohnen. KI bleibt – die Frage ist, was sie ergänzen darf und was unersetzlich menschlich bleibt.
Echte Verbundenheit entsteht nicht in der perfekten Antwort, sondern im gemeinsamen Aushalten, Denken und Lachen. Genau das sollten wir wieder öfter kultivieren. Nicht „wird schon“, sondern „wir machen es gut“. Heute ist ein guter Tag, damit zu beginnen. Oder?
Hinweis: Der Bericht wird fortgesetzt mit Zusammenfassungen der weiteren Podiumsdiskurse auf der Hauptbühne des KI-Festivals.
Siehe auch: „Die Zukunft ist menschlich!“ — Bericht zur Keynote von Prof. Dr. Björn Ommer
Innerhalb unserer Arbeit der Ideenbörse für positive Lebens-Perspektiven, kurz „Besser Leben. Schöner Sterben.“ ist für den Arzt David Sonntag und mich äußerst wichtig, die Entwicklungen rund um und mit KI /AI besonders umfassend und real einschätzen zu können. Gemäß unserem Motto „be more human“ achten wir darauf, wie stets der Mensch und nicht die Technik im Fokus steht.
Prolog
Das KI-Festival im Städel Museum am 4. und 5. September 2026 setzt Maßstäbe.
Es erscheint geradezu wunderbar und bemerkenswert, was das Städel Museum in Frankfurt am Main mit seinem KI Festival 2026 als pure Inspirationsquelle auf die Beine gestellt hat. Nachfolgend erste kurze Anmerkungen zur noch laufenden Veranstaltungen, die wir umfassend auswerten werden.
These 1 — Die Zukunft ist menschlich: Warum KI uns zu den analogen Werten zurückführt
In einer digitalen Welt wächst die Sehnsucht nach dem Echten, Greifbaren und Menschlichen. Während KI heute Texte schreibt, die vielen besser gefallen als menschliche Werke, und digitale Normierung unseren Ausdruck vereinheitlicht, entsteht eine Gegenbewegung – nicht aus Protest, sondern aus einem tiefen menschlichen Bedürfnis.
These 2 — Vom Nerd zum Visionär: Eine Lektion in Demut
Lange belächelten wir technikaffine „Nerds“, bis sie zu Architekten unserer Zukunft wurden. Diese Erfahrung lehrt Demut. Statt KI aus Angst abzulehnen, sollten wir ihre Potenziale neugierig erkunden. Die Chance liegt darin, zu verstehen und mitzugestalten – nicht in der Sorge, Status zu verlieren.
These 3 — Die Renaissance des Analogen: Mehr als Nostalgie
Schon heute suchen junge Menschen bewusst analoge Erlebnisse: Museen, Buchmessen, echte Begegnungen. Der Mensch braucht nicht nur digitale Versorgung, sondern körperliche Erfahrungen und authentische Kontakte.
These 4 — Die neue Währung heißt Knappheit
In einer Welt des technologischen Überflusses gewinnt das Knappe und Einzigartige an Wert. KI wird viele Güter im Überfluss verfügbar machen. Doch was wird dann kostbar sein?
Das Original: Der Moment vor einem echten Kunstwerk wie Picassos „Guernica“.
Das Erlebnis: Unberührte Natur oder das Gefühl, an einem einzigartigen Ort zu sein.
Die Begegnung: Direkter, persönlicher Austausch – unersetzbar durch Videokonferenzen.
Diese „knappen Güter“ werden die wahren Statussymbole einer von KI geprägten Zukunft sein. Sie definieren Reichtum nicht über Besitz, sondern über authentische Erfahrungen.
These 5 — Unsere Chance: Brücken bauen, keine Mauern
Technologie ist kein Gegner, sondern ein Werkzeug. Nutzen wir digitale Möglichkeiten, um Menschen an das Analoge heranzuführen. KI kann Kontexte schaffen, die uns die Tiefe eines Originals erst richtig schätzen lassen.
Erste Erkenntnis: Die Zukunft ist nicht entweder digital oder analog – sie ist beides. Packen wir sie an.
Foto: Städel Museum via Instagram
Von der bloßen Optimierung zur echten Transformation
Tenor: KI formt die Zukunft – lass uns mitgestalten.
In seinem herausragenden Einführungsvortrag analysierte Professor Dr. Björn Ommer von der LMU München die dualistische Natur der künstlichen Intelligenz (KI), indem er die Risiken der reinen Optimierung (z.B. Monopolisierung, „AI-Slop”) der Chance einer transformativen Wertschöpfung gegenüberstellt. Er argumentiert, dass positive Ergebnisse nicht automatisch eintreten, sondern bewusste Anstrengungen in Bildung, Souveränität und die Entwicklung spezifischer KI-Anwendungen erfordern, und positioniert Museen als essenzielle Vertrauens- und Orientierungsinstanzen in einer zunehmend komplexen, von KI geprägten Informationsgesellschaft.
Die Rolle der KI im musealen Kontext
Es tut sich bereits einiges im Museumswesen. Björn Ommer beleuchtete die bereits existierenden und zukünftigen Anwendungen von KI als Werkzeug in Museen. Er stellt dar, wie KI Prozesse wie das Sammeln, Katalogisieren, Konservieren und Erforschen von Kunstwerken unterstützt und die Vermittlung an Besucher durch animierte Kunstwerke oder Museumsroboter bereichert. Im Prozess des Sammelns unterstützt KI das Erstellen und Verbinden von Katalogen, den Abgleich von Einträgen und das Finden von Duplikaten. Sie ermöglicht die automatische Objekterkennung und Bildsuche, während moderne LLMs (Large Language Models) auch heterogene Freitextdaten durchsuchen und so einen tieferen inhaltlichen Zugang schaffen. In der Konservierung wird KI zur Detektion von Schäden wie Farbabsprengungen oder zur Vorhersage von Alterungsprozessen eingesetzt.
Die Kunstforschung profitiert von der Analyse des Wandels von Stil und Duktus über Jahrhunderte, während ein anderes Projekt KI zur Entzifferung von Keilschrift nutzt. Für die Vermittlung werden Kunstwerke animiert, wie im Harvard Art Museum, oder Roboter wie der historische „Rhino” im Deutschen Museum Bonn als Führer eingesetzt. Der Wandel des Roboters Rhino vom Werkzeug zum Museumsobjekt selbst illustriert dabei den technologischen Wandel und leitet zur übergeordneten gesellschaftlichen Diskussion über.
Ausgewählte Charts aus der Präsentation von Björn Ommer.
KI als gesellschaftliche Herausforderung: Optimierung vs. Transformation
Es ist unverzichtbar, die kritische Unterscheidung zwischen der reinen Optimierung bestehender Prozesse und der echten Transformation durch KI zu analysieren. Björn Ommer argumentiert, dass eine rein optimierende KI zu negativen Folgen wie Monopolisierung, Jobverlusten im Einstiegsbereich und der Verbreitung von minderwertigen Inhalten („AI-Slop”) führt. So zeigt eine Studie in Nature, dass der Einsatz von KI in der Wissenschaft zwar zu mehr Publikationen (3x) und Zitaten (5x) für den Einzelnen führt, der Gesamt-Impact der Wissenschaft jedoch sinkt, da nur noch leicht automatisierbare Bereiche erforscht werden.
Die hohen Ressourcenkosten der KI (Chips, Energie) fördern eine Monopolisierung. Gleichzeitig entsteht eine Flut an „AI-Slop”, wobei künstlich generierte Inhalte bereits die von Menschen erstellten übersteigen. Diese Entwicklung führt zu einer Verlagerung der kognitiven Leistungsfähigkeit auf die KI und schafft Abhängigkeiten. KI wird zu einer Infrastrukturtechnologie, einem “Foundation Layer”. Ommer betont, dass diese negativen Konsequenzen automatisch eintreten, während die eigentliche, transformative Wertschöpfung bewusster Anstrengung bedarf.
Über die Hälfte der Firmen nutzt KI nur zur Effizienzsteigerung, obwohl die massive Wertschöpfung („Value Creation”) erst bei echter Transformation stattfindet.
Die zwei Zukünfte: Dystopie durch Passivität vs. Utopie durch Gestaltung
Entscheidend erscheint, die Dichotomie der KI-Zukunft darzustellen: eine, die automatisch zu Beliebigkeit und Kontrollverlust führt, und eine andere, die durch gezieltes Handeln Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft „empowern” kann. Der positive Ausgang ist nicht garantiert. Negative Effekte wie algorithmische Manipulation oder das Ersetzen von Einstiegsjobs treten automatisch ein. Positive, transformative Wertschöpfung hingegen erfordert bewusste Entscheidungen. Die Vorstellung einer KI als „Universal Problem Solver“, die alles automatisch verbessert, wird als steile Hypothese kritisiert. Im Bereich der Cybersicherheit herrscht bereits ein „Arms Race“, bei dem „Troll-Fabriken“ gezielt Desinformationen streuen, die laut Schätzungen bereits ein Drittel der ausgespielten Informationen manipulieren. In Anlehnung an Charles Dickens kann die Gegenwart als die „beste“ und „schlimmste“ aller Zeiten beschrieben werden: Sie ermöglicht einen beispiellosen Zugang zu Wissen, führt aber gleichzeitig zu einer Flut an Beliebigkeit („Arbitrarität”) und einem Verlust von Authentizität.
Voraussetzungen für transformative Wertschöpfung mit KI in Deutschland
Es lohnt sich, die Hürden und Potenziale für eine erfolgreiche KI-Transformation in Deutschland und Europa zu betrachten. Als zentrale Hemmnisse werden der Mangel an Fachkräften für eine komplette Transformation, die Abwanderung von Talenten in die USA, hohe Compliance-Hürden und ein im Vergleich zu den USA deutlich geringeres Investitionskapital identifiziert. Auch die hohen Energiekosten stellen eine Herausforderung dar. Demgegenüber stehen deutsche Stärken wie exzellent ausgebildete Forscher, eine starke industrielle Basis und der Zugang zu hochspezifischen Industriedaten durch Weltmarktführer.
Björn Ommer plädiert dafür, nicht den großen US-Modellen nachzueifern, sondern auf Nischen wie industrielle, physikalische und verlässliche KI zu setzen. Der größte Hebel für Wertschöpfung liegt in Investitionen in „Upskilling”, da diese eine mehr als fünffache Rendite bringen. Es ist eine Verpflichtung gegenüber der nächsten Generation, jetzt ins „Doing“ zu kommen und die Souveränität bei Technologie und Engineering-Skills zu sichern, anstatt bei der reinen Optimierung stehen zu bleiben.
Fotos: Städel Museum via Instagram
Die neue Rolle des Museums in der KI-Ära
Was hat all das mit dem Museum als Institution zu tun? Dessen Rolle wandelt sich in Zeiten von Informationsflut und schwindender Verlässlichkeit fundamental. In einer Welt, in der Content zur Commodity wird und die Verlässlichkeit von Informationen sinkt, gewinnen klassische museale Kompetenzen – die Prüfung von Provenienz, Kontext und Glaubwürdigkeit – eine neue, gesellschaftliche Relevanz. Während KI zu personalisierten Informationsblasen führt, steigt die Bedeutung gemeinschaftlicher Erlebnisse („Shared Experience“).
Museen werden zu unverzichtbaren Ankerpunkten und Vertrauensinstitutionen, die in einer „lauten”, schnelllebigen Welt Orientierung und Kontinuität bieten. Als „Cultural Memory Institutions“ bilden sie ein Gegengewicht zur kurzlebigen Aufmerksamkeitsökonomie, deren Horizont oft nicht über den Moment hinausreicht. Sie helfen, historische Entwicklungen und Wertewandel sichtbar zu machen, ohne eine feste Wahrheit vorzugeben, und unterstützen so die persönliche Entscheidungs- und Einordnungsfähigkeit in einer komplexen KI-Ära.
Zur Person
Björn Ommer ist Professor an der LMU München und leitet dort die „Computer Vision & Learning Group“. Darüber hinaus ist er als Co-Vorsitzender des Bayerischen KI-Rats sowie als langjähriger Associate Editor des führenden Journals zu KI, den IEEE T-PAMI, tätig. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen generative KI, automatisches Bildverstehen und erklärbare neuronale Netze. Ommer arbeitet an wegweisenden Ansätzen zur Demokratisierung generativer KI, darunter „Stable Diffusion“, einem revolutionären Open-Source AI-Modell, welches in der Lage ist, aufgrund von Text-Prompts fotorealistische Bilder zu erstellen. Diese Arbeiten finden breite Anwendung und haben bereits zahlreiche neue Wege in Forschung, Industrie, Medien und darüber hinaus eröffnet.
Hinweis: Der Bericht wird fortgesetzt mit Zusammenfassungen der weiteren Podiumsdiskurse auf der Hauptbühne des KI-Festivals.
Siehe auch den Bericht: „KI, Social Media und echte Begegnungen: Warum wir jetzt bewusst gestalten müssen“
Nachdem wir mit dem Video über Scott von Courier Graphics in den USA als einen smarten und erfolgreichen Druckunternehmer zum Gespräch hatten, geht es heute um Fachmesse-Interviews, die Mitte September 2023 live auf der LabelExpo in Brüssel aufgezeichnet werden.
Ich selbst war schon lange nicht mehr auf einer LabelExpo, zuletzt wohl 2017, daher meine Frage an Morten B. Reitoft: Wie hast Du die weltweit bedeutendste Messe für Label Printing empfunden? Antwort (zusammengefasst): Das Messegelände ist nicht gut geeignet, darum ab 2025 der neue Messeort Barcelona für die LabelExpo. Aussteller, Angebote und Zuschauerstruktur waren 2023 wieder sehr gut.
Also diesmal ein mehr oder weniger europäischer Fokus mit Firmen, die über Branchengrenzen hinaus nicht so sehr allgemein bekannt sind, weil eben hochspezialisiert. Es zeigt sich aber, wie dennoch ein globaler Spirit herrscht, der uns auch hierzulande äußerst nützliches bietet!
Mein Eindruck zu den vier Videos
Filip Weymans, Xeikon, Belgien:Der Fokus der LabelExpo ist einzigartig und passt zur Xeikon Café-Strategie. Gute Auffrischung zu dem, was Xeikon (als Teil der Flint Group) heute leistet, im Sinne von spezifischen Lösungen für spezifische Anwendungen, quer über Technologien hinweg. Sogar für flexible Verpackung aus Papier.
Wichtigstes Statement von Filip Weymans: „Es geht nicht mehr darum, Technologien in den Markt zu pushen, sondern innovative und beste Lösungen für spezifische Anwendungen zu bieten!“
Tobias Theurer, theurer.com, Deutschland: Interessant, wie eine deutsche Firma im Norden von Stuttgart, gegründet und gemanagt von zwei Brüdern, sich international behauptet im Etiketten- und Verpackungsdruckmarkt. Das umfasst wichtige Prozesse – von der Kalkulation, dem Verkauf und der Produktionsplanung über die Logistik bis hin zum Controlling.
Mit rund 16.000 Anwendern aus über 200 Unternehmen in 30 Ländern. Automatisierung, Customization sprich individuelle Anpassungsmöglichkeiten stehen im Fokus. Und KI spielt eine immer wichtigere Rolle. Bravo!
Volker Selg, IST Metz, Deutschland: Das Gespräch mit Volker Selg erscheint mir besonders interessant. Und Kompliment an Morten, dass er so tief in das Thema einsteigt, weil es sehr speziell ist. Denn IST Metz ist ein hochspezialisierter Anbieter und verkauft LED-UV-Härtungsgeräte für andere OEMs in eigenen oder fremden Umgebungen. Für den Etitkettendruckmarkt ist dies enorm wichtig. Speziell auch für die große Zahl installierter Systeme, die IST Metz nachrüsten kann. Ein Highlight: LED Härtung von Silikonen und anderen Beschichtungen unter Ausschluss von Sauerstoff. Auch hier spielt Customization, sprich die Anpassungsmöglichkeit auf spezifische Kundenbedürfnisse eine wichtige Rolle.
Besonders faszinierend zu hören, dass selbst High-Speed-Produktionen mit Druckgeschwindigkeiten von bis zu 500 m pro Minute bzw. 12 m pro Sekunde unterstützt werden. Dies sei ein Quantensprung und wäre vor 3 oder 5 Jahren noch Utopie gewesen. Wichtig ist auch zu wissen, dass die in der Praxis eingesetzte IST Metz Technik bewusst im Energieverbrauch ist, die Geräte verbrauchen dann Energie, wenn sie eingesetzt werden und nicht im Stand-by-Betrieb.
Christoph Gamper, CEO Durst Group, Südtirol/Italien: Ein Gespräch mit Christoph Gamper ist immer interessant. In diesem Interview von der LabelExpo Europe 2023 wird auch darüber gesprochen, wie sich die LabelExpo von einer Messe wie der drupa unterscheidet. Morten stellt zurecht fest: „Wenn wir mit Christoph Gamper sprechen, ist er einer der wenigen CEOs, die keine Angst haben, Themen wie den Wert einer Messe oder die Mängel des Veranstalters zu diskutieren. … Christoph Gamper wird einer der Gäste unserer kommenden NON-EVENT-Ausgabe 2020 in Kopenhagen sein.“
Meine Meinung: Im INKISH-Interview wird klar, dass Christoph Camper ein Unternehmer durch und durch ist. Und kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es um Defizite geht. So sieht er Fachmessen durchaus als ein MUSS an, um Interessenten und Kunden zutreffen, Leads zu generieren, und sich gleichzeitig mit dem Wettbewerb zu messen; selbst wenn es aus Sicht des Ausstellers auf Organisationsseite der Messeveranstalters Kritik gibt. Wobei die LabelExpo sich von allgemeinen Großmessen wie der drupa deutlich unterscheidet. LabelExpo ist viel fokussierter, hier zählen weniger Visionen und Ausblicke, als konkrete Lösungen, die sofort implementiert werden können.
Partnerschaften sind dabei wichtig. Und für Unternehmen in Privatbesitz wie Durst sei das überlebenswichtig, da man nicht selbst bei Allem das Beste leisten kann. Dazu gehört auch, sich auf Neugründungen einzulassen, wie im Fall von Durst mit Hawk Eye (Deutsch: Falkenauge), einem vor 7 Jahren in New York City gegründeten KI- und Deep-Learning-Startup. Und das mit Partnern, die sich nicht nur mit Print-Anwendungen beschäftigen. Hut ab!
APROPOS KI…
Ich habe die KI-PLattform CHatGPT gefragt: Welchen Stellenwert hat Etikettendruck / Label Printing in Deutschland? ChatGPT (Version 3.5) hat geantwortet:
„Der Stellenwert des Etikettendrucks (Label Printing) in Deutschland kann als bedeutend angesehen werden, da er in verschiedenen Branchen eine entscheidende Rolle spielt. Etiketten werden für eine Vielzahl von Anwendungen verwendet, darunter:
Lebensmittelindustrie:Etiketten sind entscheidend für die Kennzeichnung von Lebensmittelverpackungen. Sie enthalten Informationen über Inhaltsstoffe, Nährwertangaben, Verfallsdaten und mehr, um die Verbrauchersicherheit zu gewährleisten und gesetzliche Anforderungen zu erfüllen.
Pharmazeutische Industrie:In der Pharmaindustrie sind Etiketten unverzichtbar, um Medikamente richtig zu kennzeichnen und sicherzustellen, dass Patienten die richtigen Dosierungen erhalten.
Logistik und Versand: Etiketten werden verwendet, um Produkte während des Transports und der Lagerung zu kennzeichnen. Dies ist wichtig, um den reibungslosen Ablauf in der Lieferkette sicherzustellen.
Einzelhandel:Produktetiketten dienen im Einzelhandel nicht nur zur Identifikation, sondern auch zur Preisgestaltung und zur Information der Kunden über Produkteigenschaften.
Industrielle Anwendungen:Etiketten werden auch in der Industrie für die Kennzeichnung von Maschinen, Bauteilen und Rohstoffen eingesetzt.
Umgebungsetiketten und Barcodes: Etiketten mit Barcodes und QR-Codes sind weit verbreitet, um Produkte zu verfolgen und den Lagerbestand zu verwalten.
Nachhaltigkeit: In Deutschland, einem Land mit einem ausgeprägten Umweltbewusstsein, spielt auch die nachhaltige Etikettierung eine wichtige Rolle. Dies umfasst Etikettenmaterialien, die umweltfreundlicher sind, sowie Kennzeichnungen für Recycling- und Entsorgungshinweise.
Die Bedeutung des Etikettendrucks in Deutschland spiegelt sich in der Qualität und Präzision der Drucktechnologie sowie in den strengen regulatorischen Anforderungen wider, die in vielen Branchen gelten. Darüber hinaus ist die Innovationsfähigkeit der deutschen Druckindustrie bemerkenswert, da sie sich ständig an neue Anforderungen und Technologien anpasst, einschließlich digitaler Druckverfahren und Individualisierung von Etiketten.
Insgesamt kann gesagt werden, dass Label Printing in Deutschland eine wichtige Rolle in verschiedenen Wirtschaftszweigen spielt und hohe Standards in Bezug auf Qualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit erfüllen muss.“
Das ist, wie ich finde, eine sehr treffende und pointierte Zusammenfassung per KI zu Label Printing, dass in Zukunft selbst stark von KI geprägt sein wird!
Zur Statistik
Details zum Etikettendruckmarkt sind in Deutschland nur partiell zugänglich, indem man sehr spezielle Quellen finden muss. Die Statista-Auswertung umfasst nur Betriebe mit 20 und mehr Mitarbeitern. D. h. das tatsächliche Produktionsvolumen liegt höher.Umsatz der deutschen Verpackungsindustrie bis 2022
Kommentiert von Andreas Weber, Head of HI (Human Intelligence)
Für mich war es eine spannende Woche, in der ich mich täglich intensiv mit dem Thema Print & KI beschäftigen konnte. Und via #ChatGPT wurden automatisiert Texte zu meinem Thema/meinen Fragen generiert, die extrem aufschlussreich sind.
Und zum Finale wird’s ziemlich Philosophisch und Tiefgründig. Denn ChatGPT kommentiert in Ich-Form. Und sagt tatsächlich „Ich denke…“ #Donnerwetter #Descartes
Frage an ChatGPT: Wird Künstliche Intelligent zur Zeit überschätzt oder unterschätzt? Wie geht es weiter?
Die Wahrnehmung von künstlicher Intelligenz (KI) ist sehr kontextabhängig und kann je nach Anwendungsgebiet unterschiedlich sein. In einigen Bereichen wie beispielsweise der Spracherkennung, der Bilderkennung oder auch in der Automatisierung von Prozessen hat KI bereits beeindruckende Fortschritte erzielt und wird auch intensiv eingesetzt.
Jedoch gibt es auch Bereiche, in denen KI noch Schwierigkeiten hat, wie zum Beispiel in der menschlichen Interaktion und im Verständnis von Kontext und Bedeutung. Hier sind weitere Fortschritte notwendig, um die Möglichkeiten von KI noch besser auszuschöpfen.
Insgesamt würde ich sagen, dass die öffentliche Wahrnehmung von KI eher überschätzt ist. Oft wird KI als Allheilmittel für alle möglichen Probleme und Aufgaben betrachtet, obwohl ihre Fähigkeiten und Grenzen noch begrenzt sind. Insbesondere in den Bereichen der Ethik und des Datenschutzes gibt es noch viel zu tun, um sicherzustellen, dass KI verantwortungsvoll eingesetzt wird und den Menschen dient.
Ich denke jedoch, dass KI in Zukunft noch weiterentwickelt und in immer mehr Anwendungsbereichen eingesetzt werden wird. Dabei wird es darauf ankommen, die positiven Aspekte von KI zu fördern und gleichzeitig sicherzustellen, dass sie im Einklang mit den Werten und Interessen der Gesellschaft steht.
Screenshot aus ChatGPT Version 4, 24. März 2023, 16h15
Hier nochmals alle Stories im Überblick – gerne auch zum Weiterleiten!
Kommentiert von Andreas Weber, Head of HI (Human Intelligence)
Verbandsmanager Philipp von Trotha (VDMNO, Hannover) zeigt sich begeistert und kommentierte den Fachvortrag auf einem Firmenevent, der KI als Thema fokussierte, recht ausführlich.(Siehe Screenshot vom 24. März 2023 zum entsprechenden LinkedIn-Post).
Von Trothas Kernaussage: „Die künstliche Intelligenz ist die große Chancen für die Druck- und Medienindustrie. Die Kunden der Druckindustrie werden unter großem Druck stehen etwas Einzigartiges auf die Beine zu stellen. Individuelle Mailings und hochwertige sowie haptische Druckprodukte werden wieder eine große Rolle spielen.“
Klingt nach einem neuen Heilsversprechen bzw. zumindest nach einem zur Zeit recht spekulativen Wunschgedanken. Oder? Denn es fehlt (noch) die konkrete Beweisverführung.
Fakt ist: In den letzten 30 Jahren gab es viel dieser „Frohlockungen“: Zu Digitaldruck im Produktionsumfeld, zum Druck mit variablen Daten, zu Inkjet-Druck, zu 3D-Printing, zu Augmented Reality etc. Es zeigte sich aber immer wieder, dass die Euphorie schnell verfliegen kann. Nicht weil das Neue nicht taugt, sondern weil wir den immer gleichen Fehler begehen: Das Neue wird sofort in den Kontext damit gestellt, das Bestehende zu stärken statt es grundlegend anders machen zu können.
Das ist zutiefst menschlich, weil wir eher Skepsis und Angst als Freude bei Veränderungen walten lassen. Aber gerade beim Themenfeld „Künstliche“ Intelligenz zeigt sich: Die KI-Technik erfordert ein Höchstmaß an Disruption, die vor allem im „menschlichen“ Mindset stattfinden muss.
Aber keine Bange: Wir können ja die KI, in dem Fall via #ChatGPT Version 4, selbst befragen, bevor wir als Noch-Nicht-So-Kundige-KI-Experten auf Abwege geraten könnten.
Frage an ChatGPT: Werden KI-Plattformen wie ChatGPT die Druckindustrie beschädigen?
Es ist unwahrscheinlich, dass KI-Plattformen wie ChatGPT die Druckindustrie direkt beschädigen werden, da sie nicht dasselbe Dienstleistungsangebot wie die Druckindustrie anbieten. Die Druckindustrie ist auf die Herstellung von physischen Produkten wie Büchern, Zeitschriften, Broschüren und Flyern spezialisiert. Diese Produkte haben eine physische Präsenz und bieten einzigartige Vorteile, die durch digitale Plattformen nicht ersetzt werden können.
KI-Plattformen wie ChatGPT bieten jedoch neue Möglichkeiten, die die Druckindustrie ergänzen können. Zum Beispiel kann KI-Technologie genutzt werden, um personalisierte Inhalte zu erstellen, die speziell auf die Bedürfnisse und Interessen des Lesers zugeschnitten sind. Dies kann dazu beitragen, dass gedruckte Materialien noch relevanter und ansprechender werden.
Darüber hinaus kann KI auch in der Druckindustrie selbst eingesetzt werden, um Produktionsprozesse zu optimieren und effizienter zu gestalten. Zum Beispiel können KI-gestützte Algorithmen zur Steuerung von Druckmaschinen genutzt werden, um die Auslastung und Qualität der Produktion zu verbessern.
Insgesamt ist es unwahrscheinlich, dass KI-Plattformen die Druckindustrie direkt beschädigen werden, sondern vielmehr eine Ergänzung und Unterstützung sein können.
Screenshot via ChatGPT-4 vom 23. März 23, 8h59.
Mein FAZIT: ChatGPT liefert eine exzellente Analyse, die hilfreich ist, das komplexe Thema (KI & Print) ad hoc und strukturiert einzuordnen. Ergebnis: Die Druckindustrie markiert eine andere (analoge) Welt bezogen auf Art, Nutzen und Produkt. Aber KI kann komplementär und unterstützend wirken: Bei der automatisierten Inhaltserstellung in Echtzeit, bei der Produktions-Prozess-Optimierung und meiner Meinung nach auch bei der Kundenkommunikation, dem Kunden-Beziehungsmanagement sowie der Echtzeit-Marktbearbeitung. Ich finde das ziemlich cool, oder?
Kommentiert von Andreas Weber, Head of HI (Human Intelligence)
Besonders spannend ist für mich im nächsten Schritt meiner Analyse und Serie von Beiträgen, die automatisch und vollständig über #ChatGPT-4 generiert und nur von mir kommentiert werden: Es geht um Fachmedien im Speziellen und im Allgemeinen.
Sowie um die Frage: Gibt es Unterschied im Ergebnis, wenn ich ChatGPT in deutsch bzw. englisch befrage? Und ja, es gibt Unterschiede. Aber sehen Sie selbst. – Hey Morten, my dear friend, you will be surprised about your AI identity!
Fallbeispiel 1 zu Fachmedien für die Druckbranche – mit überraschendem Ende…
(Hinweis: Alle nachfolgenden Abfragen wurden über Version 4 von ChatGPT gemacht, und zwar am 22. März 2023, zw. 11h35 und 11h42).
Frage an ChatGPT: Welche Rolle spielen Fachmedien für Print?
Fachmedien spielen eine wichtige Rolle für Print, da sie sich auf eine spezifische Branche oder Fachgebiet konzentrieren und somit gezielte Informationen und Neuigkeiten liefern können. Fachmedien können als gedruckte Zeitschriften oder Magazine sowie als Online-Publikationen erscheinen.
Für Leserinnen und Leser, die in bestimmten Branchen oder Fachgebieten tätig sind, bieten Fachmedien eine wertvolle Informationsquelle. Sie können aktuelle Trends, Entwicklungen und Best Practices in der Branche verfolgen, sich über neue Produkte und Dienstleistungen informieren und von Expertenmeinungen profitieren. Fachmedien können auch dazu beitragen, das Wissen und die Fähigkeiten der Leserinnen und Leser zu erweitern und sie bei der beruflichen Entwicklung zu unterstützen.
Für Unternehmen, die in diesen Branchen tätig sind, können Fachmedien auch eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Marketingbotschaften spielen. Durch Anzeigen oder gesponserte Inhalte können Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen einem gezielten Publikum präsentieren und so potenzielle Kunden ansprechen.
Insgesamt können Fach [SIC!]
[HOPPLA! ChatGPT bricht abrupt ab mit einer FEHLERMELDUNG! Ist das ein Omen?]
Frage an ChatGPT: Welches sind national und international die wichtigsten Fachmedien für die Print-Industrie?
In der Print-Industrie gibt es verschiedene Fachmedien, die national und international von Bedeutung sind. Hier sind einige Beispiele:
National:
Deutscher Drucker: Eine der wichtigsten Zeitschriften für die Druck- und Medienbranche in Deutschland.
Druckmarkt: Eine Fachzeitschrift für die Print-Branche, die sich insbesondere an Entscheidungsträger in Druckereien und Agenturen richtet.
print.de: Ein Online-Portal mit aktuellen Nachrichten und Hintergrundberichten zur Print-Industrie in Deutschland.
International:
Printing Impressions: Eine der ältesten und bekanntesten Fachzeitschriften für die Print Industrie in den USA
PrintWeek: Eine britische Fachzeitschrift, die sich an Entscheidungsträger in der Druck- und Verlagsbranche richtet.
WhatTheyThink: Ein Online-Portal mit aktuellen Nachrichten und Marktanalysen zur Print Industrie weltweit.
Diese Liste ist natürlich nicht abschließend, aber sie gibt einen guten Überblick über einige der wichtigsten Fachmedien in der Print Industrie.
Fallbeispiel 3 zu INKISH und meinem Freund Morten B. Reitoft – inklusive Zweisprachen-Testversuch mit recht unterschiedlichen Ergebnissen zwischen deutschem und englischem Resultat… — Morten, please feel free to post a comment!
Frage an ChatGPT: Was gibt es wissenswertes zu INKISH und Morten B. Reitoft?
INKISH ist ein dänisches Medienunternehmen, das sich auf die Druck- und Medienindustrie spezialisiert hat. Das Unternehmen wurde von Morten B. Reitoft im Jahr 2016 gegründet und ist seitdem zu einem wichtigen Akteur in der Branche geworden.
INKISH produziert und verbreitet Inhalte in verschiedenen Formaten, wie z.B. Videos, Podcasts und Artikel. Dabei decken sie Themen wie Drucktechnologien, Geschäftsentwicklung, Nachhaltigkeit und Innovation in der Branche ab. INKISH verfügt über ein internationales Netzwerk und kooperiert mit zahlreichen Unternehmen und Organisationen in der Branche.
Morten B. Reitoft, der Gründer von INKISH, hat langjährige Erfahrung in der Druck- und Medienindustrie. Er arbeitete für verschiedene Unternehmen in der Branche, bevor er INKISH gründete. Reitoft ist auch als Redner und Moderator bei verschiedenen Veranstaltungen in der Branche tätig und setzt sich für Innovation und Nachhaltigkeit ein.
Im Jahr 2020 gründete Reitoft das INKISH.Nano Projekt [SIC!], das sich mit der Erforschung von Nanotechnologie in der Druckindustrie beschäftigt. Das Projekt soll die Entwicklung neuer Materialien und Technologien vorantreiben und die Druckindustrie nachhaltiger machen.
What’s up with INKISH and Morten B. Reitoft?
INKISH is a media company that focuses on the printing industry, and Morten
B. Reitoft is the CEO and founder of INKISH. INKISH provides news, interviews, and educational content related to the printing industry, and has a strong presence on YouTube, where they produce video content about printing technology, trends, and business practices.
Morten B. Reitoft is a well-known figure in the printing industry and has been involved in various printing-related businesses for over 25 years. He is also a regular speaker at printing industry events and conferences, where he shares his insights and experiences about the industry.
Recently, Morten B. Reitoft has also been involved in advocacy efforts related to the printing industry. In 2021, he launched a campaign called “Print Powers America” to raise awareness about the importance of the printing industry in the United States and to promote the use of printed materials as a sustainable and effective communication medium.
Note: As far as I know “Print Powers America” is a campaign launched in 2018 by the US Association Printing United Alliance. See:
Nichts bleibt so, wie es mal sein wird! — Erfahrungen aus der neuen Welt: Rainer Wagner ist ein Print-Experte allererster Güte, mit rund 40 Jahren Erfahrung an vorderster Front. Ihm entgeht nichts. Und er kann alles Neue sofort richtig einordnen. Seit über 30 Jahren lebt und arbeitet der in Deutschland Geborene und Ausgebildete in LATAM, also Süd- bzw. Mittelamerika, ohne die Bindung an Deutschland zu verlieren. Für INKISH D-A-CH und Andreas Weber ergab sich im Gespräch ein hochinteressantes Spannungsfeld zwischen: Aus Alt wird Neu. Ohne Kompromisse!
Die Lage in LATAM ist heikel. Doch die Menschen dort reagieren mit einem Mehr an Kreativität, einem Mehr an Flexibilität. Und dem Willen, das, was nicht mehr geht, radikal abzustellen. Die europäische Maxime des Festhaltens am Status-quo, der Besitzstandswahrung auf Teufel komm’ raus, des Kompensieren wollen von wirtschaftlichem Niedergang durch Staatsverschuldung etc. kommt in LATAM aus vielfältigen Gründen nicht infrage.
Stattdessen trägt die Einsicht: Wenn Dinge sich nicht (mehr) halten lassen, muss man sich anpassen. Veränderungsfähigkeit in drastischster Form wird zum Geschäftsprinzip, das die Print-Branche komplett umkrempeln wird. Die Krise von 2008/2009 schuf laut Rainer Wagner die besten Voraussetzungen, um mit den brutalen Effekten der Corona-Pandemie zurecht zu kommen. Es zeigt sich eine neue From des „digitalen“ Darwinismus: Nicht der Stärkere, Größere gewinnt, sondern der Agile, der Smarte, Wissende, der in Echtzeit agieren kann, um Dinge neu auszurichten.
Die wichtigsten Beobachtungen und Einschätzungen von Rainer Wagner:
Wissen ist Trumpf. Erfolgreiche Druckereien in LATAM organisieren ihre Beschaffung und Invests in Eigenregie. Und vertrauen nicht mehr auf das Portfolio großer, dominanter Hersteller. Dabei setzten die kundigen Druckereien auf Künstliche Intelligenz (AI). Ziel ist es nicht nur, die Produktion zu automatisieren, sondern die kompletten Geschäftsprozesse inkl. Kundenmanagement hundertprozentig transparent zu gestalten, um agil und flexibel nicht Vorhersehbares frühzeitig zu erkennen und bewerten zu können.
Weniger ist das neue Mehr. Integration trifft Diversifikation trifft Hybrid-Technik. Erfolgreiche Druckereien mischen souverän Offsetdruck, Flexodruck und Digitaldruck (Toner, Elektro-Ink; Inkjet Printing ist noch aussen vor, weil zu aufwändig/teuer). Was läuft, wird ausgebaut, was nicht läuft abgeschaltet. Änderungen sind in Wochen und wenigen Monaten möglich. Neben Up-Scaling muss jederzeit auch Down-Sizing möglich sein, wenn Umsätze weg brechen und das Auftragsvolumen sich extrem rasch und nachhaltig verkleinert.
Des einen Freud’, des anderen Leid. Akzidenzdruck wie wir ihn kennen, wird sich nicht wiederbeleben lassen. Commodity-Produkte ohne Differenzierung und ohne Alleinstellungsmerkmale sind tot. Basta! — Am Leben bleibt nur, was Transaktionen und Kauferlebnisse beflügelt. Dadurch wird der Verpackungsdruck, in allen seinen Facetten (Corrugated, Labels, Flexibel Packaging, POS-Material etc.) blühen und gedeihen. Falls noch Akzidenzen vom Kunden gebraucht werden, erledigen das hybride Verpackungsdrucker „nebenher“.
Über den Tellerrand blicken, Abhängigkeiten eliminieren. Während in der D-A-CH-Region viele meinen, die Kunst liegt in der Spezialisierung, läufts in LATAM komplett anders. Gefragt sind professionelle, übergreifend agierende Generalisten, die in der Lage sind, ihre „Fabrikation“ breit aufzustellen sowie hoch und runterzufahren oder umzuschichten, um ad hoc neue Anforderungen der Kunden bedarfs- und marktgerecht mit höchster Kreativität rasch und unkompliziert umzusetzen. Dazu wurden von einigen klugen Druckereiunternehmen Firmenzukäufe getätigt, um kreative Köpfe aus Design, Werbung, Fotografie in der Druckerei fest einzubinden.
No risk — no fun! Wer sich als Lieferant für Druckereien in LATAM träge sowie unflexibel zeigt und nur mit Fokus auf eigene Interessen agiert sowie Versprechungen macht, die sich auf die alte Welt des Print beziehen, fällt durchs Raster und wird aussortiert. Den Vorzug haben zudem Anbieter von AI-Lösungen, die online und nahtlos integrierbar ihre Leistungen auf Basis von Pay-per-use abrechnen.
So ganz ‚nebenbei’ merkte Rainer Wagner an: „Während wir uns hier im Interview unterhalten, genau jetzt, findet die Zeitenwende statt. (…)Ich bin froh darüber. Und voller Zuversicht. Denn eigentlich warte ich seit 20 oder 30 Jahren darauf, dass sich die Dinge im Print komplett und radikal ändern!“
Rainer Wagner skizziert am Beispiel der Entwicklungen in LATAM, wie aus der Not eine Tugend wird. Und wie Print selbst in Katastrophenzeiten wie Phönix aus der Asche steigen kann. Die „Neue Welt des Druckens“ hat mit der alten nur noch gemeinsam, dass Farbe auf Bedruckstoffe kommt.
In welcher Weise, mit welchen Konzepten für Produktion und Vermarktung, mit welcher Kreativität, Schnelligkeit und Qualität, das unterscheidet sich fundamental. Schlüsselfaktoren sind Künstliche Intelligenz bei Produktion, Administration und Geschäftsstrategie, getragen von einer neuen Form der digital-analogen ‚Brainware‘ bei Führungskräften in den Druckereien. Und alles immer im Echtzeit-Dialog mit Kunden/Auftraggebern.
Starre Systemwelten und Technik-Konzepte werden nicht überleben. Kunden der Druckereien verlangen von ihren Druck-Partnern, sich flexibel und agil auf den neuen Post-COVID-19-Konsumenten einzustellen, um ausschließlich Druckstücke zu fertigen, die sich erfolgreich am jeweiligen Verkaufsprozess orientieren.
Und vor allem: Es geht bei der Zukunftssicherung im Print nicht um einen Wechsel von Analog zu Digital, sondern um einen radikalen ‚Mindshift‘ vom traditionellen Anbieter-Denken (was kann ich wie, wo, wann bestmöglich vermarkten) zur agilen Gestaltung von bedarfsgerechten, jederzeit anzupassenden Echtzeit-Lösungen, um die sich ändernden Kundenbedürfnisse optimal bedienen zu können.
Koenig & Bauer hat sich ohne Zweifel zu einem der branchenübergreifenden Vordenker bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen entwickelt. Grundlage der kundenorientierten Services um das Produkt herum sind Leistungsdaten der Maschinen und deren Logfiles.
Vielleicht hatte sich der Maschinenbauer bisher zu sehr auf seine Maschinen konzentriert und zu wenig über die vermeintlichen Randthemen gesprochen. Doch zwischen dem 16. und 21. Mai wurden in Radebeul, dem Sitz der Sheetfed-Division, kundenzentrierte Angebote, basierend auf Lösungen zur digitalen Transformation sowie weiterentwickelte und neue datenbasierte Services gezeigt, die sowohl die Erfordernisse und Wünsche von Akzidenz-Druckbetrieben als auch von Verpackungsdruckern erfüllen.
Für uns und die über 1.100 Druckfachleute aus 40 Ländern ein völlig neues Erlebnis, wie die Prozessabläufe in den Unternehmen durch die digitale Transformation verschlankt und optimiert werden können. Damit hat Koenig & Bauer ein Jahr vor der drupa 2020 ein ganz deutliches Zeichen gesetzt. Und das nicht nur für den Bogendruck, sondern übergreifend für alle Druckverfahren.
Hinweis: Der Beitrag erschien in modifizierter Form in der Print-Ausgabe 3-2019 von BEYONDPRINT unplugged.
Print & Mobile sind ein Spitzenteam aus Sicht von Koenig & Bauer.
Willkommen: Koenig & Bauer 4.0
Um Drucksachen in einer vorhersehbare Qualität termingerecht zu produzieren,müssen die Produktionsmethoden erstens industriellen Charakter haben und zweitens weitestgehend bedienerunabhängig sein. Dies ist beileibe keine neue Forderung,sondern seit einigen Jahren bereits Teil der Philosophie zeitgemäßer Workflow- und Print-Konzepte.
Das Fachwissen aus Vorstufe, Druck und Finishing ist längst Teil vieler Maschinenfunktionen geworden oder in Software übergegangen. War das Wissen um das Anordnen der Seiten einer Druckform früher das bestgehütete Geheimnis von Buchbindern oder Sachbearbeitern, sind die Ausschießschemata heute bei Software und Maschinen hinterlegt. Zudem haben Rechner die Aufgaben vieler Mitarbeiter übernommen, der Mensch ist zum Manager autonomer Arbeitsabläufe geworden, trifft prinzipielle Entscheidungen, überlässt die Ausführung aber der Soft- und Hardware in den Maschinen. Das hat in begrenztem Umfang Züge von Künstlicher Intelligenz (KI) angenommen.
Weit bevor das Schlagwort Industrie 4.0 die Runde machte, nannte man derart gesteuerte Prozesse Computer Integrated Manufacturing (CIM). In einigen Industrien also schon vor Jahrzehnten üblich, zweifeln inzwischen auch in der Druckindustrie immer weniger daran, dass weitestgehend „mannlos“ gesetzt, gedruckt oder weiterverarbeitet werden kann. Und selbst Skeptiker müssen eingestehen, dass Maschinenführer zu Tastaturbedienern geworden sind, die nur noch dann eingreifen müssen, wenn wirklich etwas schief läuft. Das prozessgesteuerte, autonome Drucken ist inzwischen bei weit über 500 Druckereien weltweit zum Standard geworden und nahezu automatische Vorstufen-Workflows gehören längst zum Alltag.
Foto: Andreas Weber
Die Druckmaschine hat das Sagen
Wer sich jetzt überrascht zeigt, hat das letzte Jahrzehnt schlicht und einfach verschlafen! Die Automatisierung kam weder über Nacht, noch plötzlich, sondern fand Schritt für Schritt Eingang in die Drucktechnik – weit bevor wir Begriffe wie Industrie 4.0 oder Print 4.0 in unseren Wortschatz aufgenommen haben.
Ein geradezu wegweisender Schritt war der Heidelberg-Leitstand Prinect Press Center mit der Funktion Intellistart, der zur drupa 2008 vorgestellt wurde. Hier fand eine Interaktion des Bedieners mit der Druckmaschine in der Form statt, dass die Druckmaschine erstmals das Sagen hatte. Bis dato bediente der Drucker seine Maschine.
Nunmehr führte Intellistart den Bediener durch die Auftragsvorbereitung und gab für jeden Auftragswechsel eine Liste an Arbeitsschritten vor. Dabei wurde der Automatisierungsgrad der Maschine weitestgehend ausgeschöpft, indem einige Arbeitsschritte von der Druckmaschine gleichzeitig abgearbeitet wurden. So ließ sich die Anzahl der nötigen Bedienschritte um bis zu 70% senken und die Einrichtezeit verkürzen.
Damit erhielt aber nicht nur der Bediener einen umfassenden Überblick über Maschinen-, Auftrags- und Messdaten, zugleich wurde der Druckprozess insgesamt transparenter und Heidelberg bediente sich (mit Zustimmung seiner Kunden) dieser Daten. Darauf wurde zunächst der Remote Service aufgebaut, deckt inzwischen aber fast alles ab, was das Internet of Things (IoT) heute leisten kann. Denn da Druckmaschinen mit einer ausgefeilten Sensorik ausgestattet und mit dem Internet verknüpft sind (etwa 3.000 Sensoren einer Speedmaster liefern permanent Daten an eine Cloud), kann der Zustand und Arbeitsablauf der Maschinen permanent überwacht werden, um zum Beispiel auf einen drohenden Störfall reagieren zu können – auch schon, bevor er eintritt.
In einem Expertengespräch informierten Stefan Segger (Koenig & Bauer Digital & Webfed), Dr. Peter Lechner (Koenig & Bauer Flexotecnica), Franc Freixes (Koenig & Bauer Iberica), Markus Müller (Koenig & Bauer Coding) und Pinar Kucukaras (Koenig & Bauer Duran) über ihre aktuellen Technologielösungen für den Verpackungsdruck. Foto: Koenig & Bauer
360-Grad-Sicht
Auch Koenig & Bauer ist schon seit 1995 in der Lage, Daten von Maschinen auszuwerten und darauf basierend Services anzuwenden. Doch diese Art von Datenaustausch ist längst keine Einbahnstraße mehr, sondern Teil der Kommunikation zwischen Anwendern und Lieferanten, die sich in Zukunft noch weitaus stärker verändern und ein neues Kundenerlebnis entstehen lassen wird.
„Die 360-Grad-Sicht sorgt dafür, dass Drucker über die Leistungsdaten ihrer Maschinen profitabler werden können. Digitalisierung und Vernetzung spiegeln heute die Erwartungshaltung der Anwender wider. Sie wollen wissen, wie sie besser und erfolgreicher werden können. Es ist die Aufgabe der Hersteller, Angebote rund um das Kernprodukt Druckmaschine zu schaffen, mit denen sie diese Erwartungen erfüllen können“, sagtThomas Göcke, Head of Digitalization & Marketing bei Koenig & Bauer Sheetfed.
Die Druckmaschinenhersteller sammeln also enorme Datenmengen aus Sensoren, Maschinenlogs und Remote-Plattformen. Intelligente Analysen lassen aus den Datenströmen (Big Data) wichtige Informationen werden, die durch das frühzeitige Erkennen von beispielsweise Fehlfunktionen zur Risikominimierung führen können. Durch Big Data können zudem weitere Kundennutzen identifiziert werden, die über die bekannten, sich aber stetig verändernden Bedürfnisse hinausgehen.
Foto: Andreas Weber
Trends, Muster, Zusammenhänge
So können mithilfe der Daten Effizienzsteigerungen und Qualitätsverbesserungen in der Produktion und in den Produkten erreicht werden. Denn aus der Häufigkeit bestimmter Fehler lassen sich auch Rückschlüsse auf die Konstruktion der Maschinen ziehen und können zu einer gezielten Neu- oder Weiterentwicklung der Maschine in der Konstruktion führen. Möglicherweise wäre ein Zusatzmodul an der Maschine des Kunden hilfreich und könnte via Nachrüstung ein Problem beheben etc.
„Um herauszufinden, welche Trends, Muster und Zusammenhänge in den Daten zu finden sind und wie diese für neue und sinnvolle Anwendungen eingesetzt werden können, führen wir jede einzelne Meldung der Maschine wie etwa ‘Druck an’, ‘Maschinenleistung’, ’Farbverbrauch’, ‘Stopper’ und vieles mehr zusammen. Aus einigen Milliarden Einzelinformationen überführen Algorithmen die Daten in für uns erkennbare Jobs. So liegen in unserer Datenbank etwa 22 Millionen unterschiedliche Druckjobs“, erläutert Wilfried Schumacher-Wirges, KEB Automation KG und bis Mai 2019 Spezialist IoT Solutions bei Heidelberg.
Die Spreu vom Weizen trennen
„Dabei gilt es, große Mengen an Daten zu erfassen und mit hoher Performance und Präzision auszuwerten“, erläutert Thomas Göcke und verwendet einen Begriff, der zunächst einmal für Staunen sorgt: Künstliche Ignoranz. Gemeint ist damit, dass „sich aus den gewaltigen Datenströmen das normale Verhalten von den Gesamtdaten trennen lässt.“
Schließlich liefert eine ausgewachsene Rapida täglich so um die 20.000 Datensätze, bei denen für die Analysen eigentlich nur diejenigen interessant sind, die von der Norm abweichen. „Mit Artificial Ignorance bleiben Daten übrig, die auf unnormales Verhalten der Maschinen hinweisen. Ungewöhnliche Ereignisse, die zu einer Störung führen, sind somit erlern- und erkennbar. Verbindet man das Wissen aus Data Science, nutzt Algorithmen und Künstliche Intelligenz mit dem Know-how von Servicetechnikern und Ingenieuren, gelingt es, Ausfälle mit hoher Wahrscheinlichkeit vorherzusagen“, erläutert Göcke
Aus solchen Erkenntnissen sowie dem Dialog zwischen Kunden und Maschinenbauer sind Anwendungen wie das autonome Drucken, die derzeit ultimative Stufe der vollautomatisierten Druckproduktion, erst möglich geworden und beeinflussen die Weiterentwicklungen. Das Konzept Push-to-Stop und die Bedienerführung Intellistart 2 bei Heidelberg sowie ErgoTronic AutoRun bei Koenig & Bauer ermöglichen den voll automatisierten und nahezu bedienerlosen Auftragswechsel – vom letzten Gutbogen eines Auftrags bis zum Start einer neuen Produktion.
Um autonomes Drucken zu realisieren, sind jedoch bestimme Voraussetzungen notwendig: Alle Rüstprozesse müssen automatisiert und die Maschinen mit Inline-Farbmessung ausgestattet sein. Die Maschine übernimmt den Auftragswechsel ohne Bedienereingriff, startet selbsttätig die Neuproduktion und entscheidet ebenfalls autonom, wann die vordefinierten Qualitätsparameter erreicht sind. Hierzu kommen weitere Software-Module zum Einsatz.
Was dem Drucker noch bleibt, ist das Überwachen des Prozesses, das Einstecken der Druckplatten in die automatischen Plattenwechsler und gegebenenfalls ein Wechsel der Papierstapel.
Zurzeit ist ein autonomer Druckprozess sicher nicht für alle Anwendungen sinnvoll und realisierbar, aber bei Auftragsfolgen mit gleichen Parametern bezüglich Bedruckstoff und Farbbelegung, wie es beispielsweise bei Sammelformen, Signatur- oder Sprach-Wechseln vorkommt, ist autonomes Drucken eine interessante Produktionsvariante im Akzidenz- wie auch Verpackungsdruck.
Thomas Göcke, Leiter Marketing & CRM von Koenig & Bauer Sheetfed, stellte den IoT-basierten Serviceprozess vor. Foto: Koenig & Bauer.
IoT-basierter Serviceprozess
„Vielen Druckereien geht es aber gar nicht so sehr um autonomes Drucken, sondern um höchste Verfügbarkeit der Maschinen. Deshalb werden wir weiter optimieren, um auf Kundenseite eine höhere Produktivität zu erzielen. Je größer die Datenbasis ist und je ausgefeilter die Analysealgorithmen sind, desto verlässlicher gestaltet sich die Vorhersage“, ist Thomas Göcke überzeugt.
Koenig & Bauer entwickelte hierzu einen IoT-basierten Serviceprozess. Dieser erkennt Fehler und deren Ursachen an der Rapida-Maschine bereits vor dem Auftreten und analysiert sie automatisch. Der Service-Manager hat einen vollständigen Überblick über den Fall und die Maschine. Auf dieser Basis plant er die Fernwartung und eventuelle Serviceeinsätze. Der Techniker vor Ort behebt den Fehler im Rahmen von vorab geplanten Einsätzen, bevor es zu einem Maschinenausfall kommt.
Der Anwender profitiert von zuverlässiger Produktion und Leistungssteigerungen. Mit seiner ServiceApp hat der Service-Techniker Zugriff auf die Maschinen- und Service-Historie und kann seinen Service-Report direkt auf seinem mobilen Endgerät unterschreiben.
Thomas Göcke erläutert die fulminante ‘Digital Roadmap’ von Koenig & Bauer. Foto: Koenig & Bauer.