
Dank Ricoh mein drupa-Erlebnis der besonderer Art mit einer Top-Manga-Künstlerin aus Tokio.
Von Andreas Weber, drupa-Veteran
Kurz vorab: Die drupa 2024 bot keine Sensationen und Technik-Überraschungen. Das meiste war bereits Monate zuvor angekündigt. Bis auf das Vertriebsabkommen von Canon und Heidelberg für Inkjet-Bogendruck-Maschinen der JetFire-Baureihe. Und die Tatsache, dass Landa Reue über die langjährigen leeren Versprechungen zeigte, aber jetzt betonte, numehr Marktreife für seine Landa Nanographic Printing Presses erlangt zu haben. Ansonsten hatten die allermeisten Hersteller ihre Messeauftritte gut vorbereitet. Allen voran gefiel mir der Stand von Koenig&Bauer am besten. HP Industrial Print glänzte wie ein Popstar-Ensemble. Und BOBST erstaunte durch das Statement von CEO Jean-Pascale Bobst: „We have to become a software company.“
Mein persönliches Resümee. — Ich habe bis dato über 1.200 Posts auf LinkedIn und Facebook ausgewertet. Die Meinungen zur drupa sind dahingehend wohl fast einhellig: Besucher wie auch Aussteller konnten sich wohlfühlen. Vor allem, wie Bernhard Cantzler von Mondi m. E. richtig feststellte, durch Netzwerken und persönliche Interaktionen, um sich individuell ein Bild über den Status quo zu verschaffen und ggf. Ideen für die Zukunft zu entwickeln.
Sprich: Die Messe Düsseldorf bot (metaphorisch ausgedrückt) wie gehabt ein gut ausgestaltetes Sportfeld, das durch die Besucher und Aussteller bespielt wurde. Ex-Drupa-Direktor Manuel Mataré nannte die drupa darum immer die Olympischen Spiele für Print&Papier, mit dem Motto: “Messe sich, wer kann!“. Und das funktionierte bis 2016 ganz gut!
Mein persönliches und besonderers Highlight: Das von Gudrun Alex und Monika Kissing so wunderbar organisierte drupa-Veteranen-Treffen in Düsseldorf. Mit vielen tollen, langjährigen FreundInnen/KollegInnen aus aller Welt.
Die Anforderungen an die drupa haben sich seitdem massiv gewandelt. Nach acht Jahren Zwangs-Pause ist vieles buchstäblich entrückt oder verklärt. Nicht wenige BesucherInnen oder Aussteller-MitarbeiterInnen im Jahre 2024 waren erstmals auf der drupa. Morten B. Reitoft hat es in seinem Videokommentar auf den Punkt gebracht, indem er u.a. feststellt, dass einiges in Organisation, Ablauf und Konzept nicht mehr zeitgemäß war bzw. die drupa sich gegenüber früher nicht gewandelt habe.
Ich kann mich dem wie viele Kollegen auch voll und ganz anschließen. Das ändert zudem nichts an meinem persönliches Wohlgefühl und Erleben der drupa 2024. Wenn es jetzt seitens der Messeleitung heisst: “Die drupa 2024 hat alle Erwartungen übertroffen! 🤩🤝“ kann ich das nicht ernsthaft nachvollziehen. Bzw. ich muss mich fragen: Hatte man im Vorfeld die Erwartungen so tief angesetzt? Sprich, alle wichtigen Kennzahlen unter denen der Vorgänger-drupas angesiedelt?
- drupa Strukturdaten 2016
- drupa vorläufige Strukturdaten 2024
Zur Erinnerung hier nochmals die Fakten aus meinem LinkedIn-Post vom 8. Juni 2024:
- Die Zahlen zur #drupa2024 zeigen auf allen Ebenen einen deutlichen Rückgang zu 2016, wodurch die internationale Print-Leitmesse wohl nicht mehr zu den Top-10 in D gezählt werden kann.
- Besucher: rund 170.000 aus 174 Ländern statt 260.165 aus 183 – ebenfalls ein Rückgang!
- Der Anteil der Besucher aus dem Ausland lag 2024 bei über 80% – im Vgl. zu 2016 ein Anstieg von 75%; d.h. deutlich weniger Besucher aus Deutschland, die 2016 noch 25% ausmachten (von 65k auf 34k gesunken!)
- Aussteller: 1.643 aus 52 statt 1.837 aus 53.
- Ausstellungsfläche: rund 140.000 qm, statt 158.217 qm wie 2016
- Die Zahl der akkreditierten Journalisten schrumpfte auf rund 1.100, da viele bekannte Kollegen nicht mehr kamen bzw. viele Fachmagazine nicht vertreten waren. 2016 waren es noch 1.828.
Wie gesagt: Einer Messe wird durch die Menschen vor Ort Leben eingehaucht, das durch Gespräche und Fachkommunikation spür- und erlebbar wird. Wenn nun die Besucherzahl überproportional zum Stellenabbau in der Branche drastisch sinkt und gleichzeitig die Zahl der Kamera-Teams signifikant zugenommen hat, bedeutet das für mich: Die Aussteller setzten in kluger Vorausschau auf bestmögliche visuelle Dokumentation, um das erwartete Besucherdefizit zu kompensieren. Insofern: Erwartungen erfüllt. #Scherz
Wie bei jeder drupa bleibt zum Schluss die Frage: Wie wirkt es sich im Markt tatsächlich aus, wenn mit hoher Besucherzufriedenheit geworben wird bzw. wenn es bei einigen wenigen großen Ausstellern gute Verkaufsabschlüsse gab (siehe Heidelberg mit rund 650 Mio. Euro)?
Daher die zentrale Frage: Wie nachhaltig kann eine drupa 2024 sein, die nachweislich bei den wichtigen messbaren Kennziffern Verschlechterungen aufzeigt? Aus meiner Sicht wäre hier eine ehrliche Aufarbeitung sinnvoll, vor allem, wenn es wie angekündigt, eine #drupa2028 geben soll.
Mein FAZIT
Letztlich bedeutet eine deutlich geringere drupa-Besucherzahl, dass die dynamische Verbreitung von Innovationen im Markt eingedämmt werden kann, da immer weniger Firmen über immer moderneres und auch teureres Equipment verfügen, die Zahl derer, die weniger oder gar nicht mehr investieren will, aber zunimmt. Viele aus den sog. Emerging Markets setzen darum auf kostengünstig ausgestattetes, zumeist aus China stammendes Equipment für Brot-und Butterarbeiten. Langfristig gesehen kannibalisiert sich m. E. die Print-Branche damit selbst.
Im Ergebnis lässt sich schlußfolgern, dass die drupa kein Game Changer resp. Innovationstreiber oder sogar Leitmesse mehr sein kann, wenn eine wachsende Mehrheit der Print-Community keine Beziehung mehr zum Geist der drupa pflegt bzw. die Messe nicht mehr persönlich besucht. Selbst innovative Denker und Innovationstreiber sind 2024 nicht mehr in dem Maße präsent gewesen. Die Zeiten sind anders geworden bzw. ändern sich weiterhin unaufhaltsam. Aber unser Print-Value-Ansatz sollte derselbe bleiben 🙂 Oder?

Für mich, Andreas Weber, war die #drupa2024 meine 11. drupa, die ich persönlich besuchen und erleben durfte. Mal sehen, ob ich das Dutzend noch voll bekommen kann. Haha!
EPILOG
Vielen Dank an meine lieben KollegInnen aus Mailand von der Stratego Goup und speziell an Alexia Rizzi, die für The Super Content Group im Team mit INKISH auf der drupa 2024 ein Interview mit mir als drupa-Veteran führte. Anschauen lohnt sich 🙂































