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Print und die Krise (Teil 4): Thought-Leadership — wie funktioniert es?

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Von Andreas Weber, Head of Sensing

Der wahrhaftige ‚Thought Leader‘ ist nicht der stärkste, reichste, kräftigste. Der, der am lautesten schreit. Es sind die ‚smarten Menschen‘, die die Kunst der ‚Smart Communication‘ verinnerlichten haben. Und die andere mit ihren Botschaften in ihrem tiefsten Inneren berühren können.

Im Beitrag „Print und die Krise (Teil 3): Zuhören, lernen, diskutieren, neu denken und handeln“ habe ich mir über das Wesen von Thought-Leadership Gedanken gemacht. Und am Beispiel von Mark Schaefer gezeigt wie es geht sowie Tipps gegeben. Bleibt nun, anschaulich zu machen, worauf es ankommt.

 

Sorry: Anspruchsvoll. Aber essentiell!

Die für mich zentrale Fragestellung lautet: Wie kommen Botschaften bei uns Menschen an?

Um unsere Kommunikations-Herausforderungen zu bewältigen, empfiehlt sich, dass wir mit den zeitgemäßen Prinzipien der Thought Leadership beschäftigen. Es geht um Wissens-Transfer und bestmögliche Wissens-Aufnahme.

Es gibt eine Reihe neuer Erkenntnisse aus Wissenschaft und Führungspraxis. Das für unseren Kontext sinnvollste habe ich selektiert.

1. Da ist zunächst das Modell ‚Faktoren des Wohlbefinden mit Dimensionen und Einflussfaktoren‘ gemäß dem israelisch-amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky. Er hat das Modell des Kohärenzgefühls entwickelt im Kontext mit der Salutogenese, ein nicht nur in der Medizin probates Rahmenkonzept, das sich auf Faktoren und dynamische Wechselwirkungen bezieht, die zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit führen. 

Denkanstoß: Wer es nicht beachten und beherzigt, stiftet nichts gutes. Die Erkenntnisse nützen im Prinzip jeder Person, die sich der Thought Leadership verpflichtet fühlt.

 



 

2. Der aus Deutschland stammende Wirtschaftswissenschaftler und Forscher am MIT, Dr. Otto Scharmer, wurde vielfach prämiert für seine „Theorie U“, die sich u. a. mit den Bewusstseinsstufen beschäftigt.

Dr. Scharmer unterscheidet drei Stufen:

  • Downloading — passiv (durch Berieselung)
  • Seeing — kognitiv (beginnt mit aktivem Zuhören)
  • Sensing — offen (durch die Empathie)

Denkanstoß: Die beste Form der Kommunikation ist die persönliche, von Mensch zu Mensch, wenn alle drei Bewusstseinsstufen als Ensemble durchlaufen werden; und das, was unter Punkt 3. aufgeführt ist, erfüllt wird. Unsere Herausforderung in Zeiten der physischen Distanz und Kontaktverbote: digitale Kommunikation muss so nah wie möglich an die personal herankommen.


 

3. Der führende deutsche Neurobiologe und Star-Hirnforscher Dr. Gerald Hüther, Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung, nimmt darauf explizit Bezug:

  • Es geht dabei um das Erspüren und Realisieren von Zukunftsperspektiven durch Innovation.
  • Das A + O: Die Schulung unserer eigenen Aufmerksamkeitsfähigkeit.
  • „Wir müssen die Dinge und v. a. auch uns selbst so mögen wie sie sind. Bedingungslos.“
  • „Theorie U von Otto Scharmer ist auch ein geeigneter Weg, um andere Menschen nicht länger als Objekte zu betrachten und zu behandeln, sondern ihnen von Subjekt zu Subjekt zu begegnen.“
  • Wer sich auf diesen Weg begibt, macht eine neue Erfahrung. Er erlebt zunächst sich selbst wieder als Subjekt (das sich zu öffnen und auf sein Gegenüber zuzugehen vermag). Er macht dabei aber auch die Erfahrung, dass dieses Gegenüber eigene Vorstellungen hat und eigene Ziele verfolgt, also ebenfalls ein Subjekt ist.
  • Und indem sich beide dann auf eine Begegnung in dieser jeweils eigenen Subjekthaftigkeit einlassen, machen sie dann beide die Erfahrung, dass sich aus dieser Begegnung und dem offenen Austausch etwas entwickeln kann, was keiner von beiden vorher für möglich gehalten hätte.
  • Von außen lässt sich so ein Prozess beobachten und beschreiben. Aber das Entscheidende in diesem Prozess spielt sich nicht auf dieser sichtbaren Ebene der Beziehung zwischen zwei Menschen ab. Das Entscheidende vollzieht sich dabei – von außen unsichtbar – im Inneren der beiden Personen. Sie machen beide eine neue Erfahrung, die in ihrem jeweiligen Gehirn verankert wird.
  • Wenn diese Erfahrung intensiv genug ist, verfestigt sie sich als eine neue innere Einstellung und Haltung – sich selbst gegenüber und auch dieser anderen Person gegenüber.
  • Die Herausbildung dieser anderen inneren Einstellung ist für mich das Entscheidende. Wenn sie nicht entsteht, kann jemand endlos üben, was Otto Scharmer beschreibt, er oder sie kann sich anstrengen und sich Mühe geben, so sehr es geht. Eine wirkliche Begegnung wird so nicht zustande kommen.
  • Und umgekehrt wird eine Person, der es auf irgendeine Art und Weise gelungen ist, sich selbst wieder zu mögen und die deshalb keine Angst mehr davor hat, sich gegenüber anderen zu öffnen, eine Subjekt-Subjekt-Beziehung eingehen können, ohne dazu irgendeine Anleitung zu brauchen. Sie wird andere einladen, ermutigen und inspirieren können, weil sie nicht nur sich selbst, sondern auch diese anderen Menschen mag, weil sie es spannend, bereichernd und faszinierend findet, zu entdecken, was in ihnen verborgen ist und darauf wartet, sich entfalten zu können.

Quelle: Gerald Hüther im Gespräch mit Daniel Hunziker, Oktober 2019

 


 

MEIN FAZIT

  1. Thought Leadership ist weder Worthülse noch Modebegriff, sondern entspricht fundamentalen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die sich um Kohärenzgefühl, Aufmerksamkeitsfähigkeit und letzlich das Wohlbefinden ranken.
  2. Thought Leadership fällt nicht vom Himmel. Sie basiert auf allem, was es möglich macht Menschen zu berühren, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen und zu erhalten. Und führt dazu, nicht wie bis dato per Massenkommunikation und Information-Overload zum Objekt zu machen, sondern durch Smart Communication Subjekt-Subjekt-Beziehungen von Mensch zu Mensch zu pflegen.
  3. Thought-Leadership durch smarte Menschen muss sich in der jetzigen heftigen Krise durch die sinnvolle Nutzung von digitalen Kommunikations-Möglichkeiten beweisen: Vom Video-Chat bis hin zu Social-Media-Kommunikation findet per Downloading das Seeing und Sensing statt. Wunderbar.

 


 

TIPP

Ich empfehle als Lektüre ein Video von mir auf YouTube, inkl. einer einfachen Checkliste, um ‚The Beauty of Smart Communication‘ besser zu begreifen: “ValueCheck! How smart communication should be .. (2006-2014)”

 


 

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