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Tag Archives: Malerei

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„Wer heute den Zeitgeist heiratet, ist morgen schon Witwer!“ — Prof. Wilhelm Weber, Mainz

Der Messeauftritt von X-DOC SOLUTION auf der Igepa Select 2015 in Kassel stand unter einem erstklassigen Motto: „Moderne Helden retten vor allem eines: Zeit!“ — Entsprechend stand die Reduktion von Produktionszeit ebenso im Fokus wie die Special Effects per Digitaldruck, wodurch sich die Halbwertzeit von Drucksachen verlängern lässt, weil sie mehr Aufmerksamkeit finden und höhere Relevanz haben.

Insofern rundete der Vortrag von Andreas Weber das Thema bestens ab. Titel: „Kommunikation mit Zeit-Geist: Vollgas oder Vollbremsung?“ Die Kernpunkte, die als Checkliste dienen können, waren:

  • „Zeit trifft Geist“ — Schneller, besser, weiter?
  • Warum und wie muss man Zeit sparen?
  • Warum und wie muss man Zeit gewinnen?
  • Warum und wie schaffen wir eine maximale Halbwert-Zeit
    (für erstklassige Arbeitsresultate)?
  • „Nehmen Sie sich mehr Zeit für mehr Zeit-Geist!“
  • Fragen/Thesen und Beispiele, wie man mit digitalem Print als dem Medium für Zeit-Geist im Digitalzeitalter Erfolg hat, rundeten die Präsentation ab.

Ein Blick zurück nach vorne!

Spannend ist vor allem eines: Das Thema Zeit ist immer mit unserer eigenen Existenz verbunden. Und mit einem Wandel des persönlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens. Der allzu „Geschäftige“ wird verleiren, weil er sich als unsterblich empfindet. Ein schlimmer Irrtum. Nur derjenige, der mit Muße und Umsicht agiert, ist Herr über sein Schicksal und agiert selbstbestimmt. Muße findet, wer in Ruhe nachdenkt, kundig im Vergangenen ist und dadurch stressfrei seine Zukunft gestalten kann.

Insofern ist ein Rückblick auf die Entwicklungen über die Jahrhunderte unabdingbar: Die Gutenberg’sche Erfindung aus dem 15. Jahrhundert benötigte fast 400 Jahre bis sie um das Jahr 1800 durch Innovatoren wie Alois Senefelder mit dem Chemischen Druck (Steindruck) als erstem Flachdruckverfahren eine Neubewertung erfahren konnte. Bis der Steindruck durch den Offsetdruck quasi „industrialiert” wurde, vergingen nochmals über 150 Jahre.

Seit DTP mit dem Motto „Jeder sein eigener Gutenberg“ Ende der 1980er Jahre die Print- und Publishing-Welt revolutionierte und auf den Kopf stellte, haben sich die Produktionsweisen wie auch die Wertschöpfungsmöglichkeiten drastisch verändert. Die klassische Offsetdruck-Produktionskapazitäten wurde vervielfacht und damit die Drucksachenverbreitung inflationär bzw. der Markt übersättigt. Wer im Offsetdruck „geschäftig“ agiert und meint, dass schneller, besser, billiger das non plus ultra sei, macht kein profitables Wachstumsgeschäft mehr, sondern rennt allem hinterher, um seine Kosten zu decken. Daher wurden neue Druckverfahren entwickelt, die nichts mehr mit Offset zu tun haben und auf Besonderheiten und Individualität abzielen, wie X-DOC SOLUTION auf der Igea Select 2015 eindrucksvoll vorführte. Im modernen Digitaldruck-Druck und verschiedensten Verfahren werden heute Druckprodukte in einer nie zuvor dagewesene Vielfalt geschaffen, die wie einst Unikat-Charakter haben können. Gerade der Einsatz von ausgefallenen, hochwertigsten Bedruckstoffen oder das Veredeln mit 3D-Effekten  setzt Maßstäbe. Und dies auch bei Auflage 1…

Vortrag Kommunikation mit Zeit-Geist FINAL 25062015.010

© 2015 by Andreas Weber, Mainz/Germany.

Gute Zeiten — Schlechte Zeiten…

Die weltweite Resonanz und Trauer um den Schrift- wie auch Technik-Pionier Prof. Hermann Zapf (der Anfang Juni 2015 im Alter von 96 Jahren verstarb), macht deutlich, wie wichtig es für die Druckbranche ist, sich auf ihre Ursprünge zu besinnen. Zapf erhob durch die vollendete Schriftgestaltung und -anwendung mit Präzision und Leidenschaft die Inhalte, die gedruckt werden, auf die höchste Stufe. „Drucken ist eine Kunst“ – ebenso wie das Schreiben und Schriftsätzen. Nur so entsteht Nachhaltigkeit. Und damit ein Zeit-Gewinn, weil Drucksachen wie sonst üblich nicht unmittelbar im Papierkorb des Empfängers landen. [Siehe hierzu auch unseren Beitrag zum exklusiven, internationalen Kunst-Ausstellungsprojekt “Surprise. The Art of Print!”.]

Zapf war zeitlebens immer ein Verfechter der neuesten (digitalen) Technologien. Und er half entscheidend weiter, die Kinderkrankheiten des Digitalzeitalters zu überwinden. So konnte Zapf mit seiner Zapfino (Kalligrafie am Computer) den Apple-Gründer Steve Jobs begeistern, im Jahre 2000 die Zapfino für Apple als Systemschrift zu lizenzieren. Zapfs Bücher sind legendär und wichtigste Zierde einer jeden guten Bibliothek. Und er verstand es, die jungen Menschen, gerade die „Digital Natives“, für Schriften und Gedrucktes zu begeistern! Hut ab. Da kann die Branche lernen, wie man Print auf Ewig verankert.

Vortrag Kommunikation mit Zeit-Geist FINAL 25062015.016

Ausblick: Zeit gewinnen, mit Print im Mix

Kommunikation mit Zeit-Geist bedeutet also, in Kenntnis des Gewesenen nicht das Jetzt, sondern die Zukunft innovativ zu gestalten. Für Print bedeutet das, sich noch viel besser als bislang in den Kommunikationsmix zu integrieren, und als Fundament für Wissenstransfer, Bildung und Interaktion seine Bedeutung viel umfassender als bisher üblich unter Beweis zu stellen. Ein Paradebeispiel hierfür sind die im o.g. Vortrag von Andreas Weber vorgestellten Beispiele von Kommunikationsmitteln, die für XUG15EU Konferenz Ende Mai 2015 in Berlin erstellt wurden. Das Thema der Konferenz, „Multichannel Innovation“, wurde mit Hilfe einer von Christian Kopocz, prindoz, Lübeck, auf Basis der XMPie Softwarelösungen perfekt inszeniert. Die Resonanz bei den Teilnehmern wie auch per Social Media war überwältigend und hat ein Millionenpublikum erreicht. Print wirkt eben, vor allem dank Twitter! — Und im Nachgang liefert uns Christian Kopocz ein wunderbares Plädoyer für Print: Sein neues gedrucktes Magazin, “Lösungsheft” genannt, ist Teil einer Multichannel-Kapmpagne, die in einzigartiger Weise belegt, wie moderne Konzepte für Pritnprodukte auszusehen haben.

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@ 2015 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Composing: Yajing Huang, Mainz.

 

Das Besondere an China und seinem nachhaltigen und tiefgründigen Kulturverständnis kann man wie folgt zusammenfassen:

  1. Über Jahrhunderte innerhalb von Jahrtausenden wurde durch die chinesische Kunst ein Wertekanon entwickelt, dem man allen sich wandelnden Realitäten zum Trotz bis heute treu bleiben kann.
  2. In der Schönheit liegt Wahrheit, die sich über die Sicht auf die Natur definiert.
  3. Kunst muss Freude bereiten und alle Sinne ansprechen.

Wunderbar. Spontane Maßnahmen zeigen bisweilen sofort herausragende Wirkung! Am 28. Januar 2015 beschlossen, konnte die Ausstellung bereits am 31. Januar 2015 feierlich und abwechslungsreich eröffnet werden.— Trotz äußerst kurzfristiger Einladung sowie starker Konkurrenz im Mainz durch die auf Hochtouren laufende Fastnachts-Kampagne und ein wichtiges Bundesliga-Fussballspiel von Mainz 05 kamen viele, viele dutzend Besucher und blieben hochbegeistert vom Nachmittag bis in den frühen Abend. Unter dem Ausstellungstitel „China in Mainz“ hatte der renommierte Künstler Jian Xu aus Beijing (Peking) die schönen Räume in der Walpodenstrasse 1 ad hoc mit Dutzenden von Arbeiten von sich und seinen Kindern in ein wahres Reich der Sinne verwandelt. Aussergewöhnliche Vorführungen seiner Malkunst sowie Darbietungen aus dem Gesang der chinesischen Peking Oper begeisterten die zahlreichen chinesischen wie auch die nicht-chinesischen Besucher, die aus Mainz und ganz Rhein-Main gekommen waren. Kuratorin der Ausstellung war Dr. Ying Lin-Sill, Koordinatoren Yajing Huang. Einführende Worte zur Ausstellung der Werthaltigkeit von Kunst in China sprach Andreas Weber als Schirmherr der Ausstellung, Gründer und Leiter der Mainzer „Value Artist in Residence“-Initiative. Erfreulich: Die Mainzer Allgemeine Zeitung hatte am Eröffnungstag noch einen Terminhinweis publiziert und Haitao Xiu, Chefredakteur Chinesische Handelszeitung 华商报, konnte eine Reporterin zur Berichterstattung schicken, die in Kürze publiziert wird.

„Die Ausstellung und ihre sinnenfrohe Inszenierung eröffnete mir ein umfassendes Bild von Chinesischer Kunst, das mir bislang verschlossen war. Jian Xu ist voller Bescheidenheit, Demut und kunstvollem Talent. Das erscheint mir aufatmend anders als bei vielen westliche Künstlern. Bei Chinesen wir Herrn Xu steht wohl die Schönheit und Freude an der Malerei im Vordergrund und nicht die Selbstinszenierung“, urteilte eine Besucherin aus Frankfurt am Main. Insofern ergaben sich bei „China in Mainz“ durch die Darbietungen Anknüpfungspunkte und Interaktionen mit allen im Publikum, die traditionell nicht möglich sind. Manche Besucher hatten ihr Coming-Out als Sammler von chinesischer Kalligrafie und Tuschzeichnung, was man bis dato zurückhaltend für sich bewahrte. Andere stimmten ein A Capalla-Gesangsduett mit der Opernsängerin und Ehefrau von Jian Xu, Ting Wang, an.

„Wir sind voller Freude und fühlen uns sehr geehrt, den in Mainz zum Besuch weilenden, bedeutenden chinesischen Künstler Jian Xu und seine Familie für eine sehenswerte Ausstellung zu gewinnen, die es so nicht gab: Kalligrafie, chinesische Malerei inkl. Gesang aus der Chinesischen Oper — Vater, Mutter und die beiden Kinder treten als Familie gemeinsam auf“, betonte Andreas Weber in seiner Einführungsrede. Und verwies darauf, dass Jian Xu in Beijing ein chinaweit viel beachtest privates Museum für zeitgenössische Kunst betreibe und der letzte Meisterschüler von Wang Xuetao war, dem er eine Memorial Hall im Gonghuachang Art Center gewidmet hat. Wang Xuetao hatte 1956 Pablo Picasso in Paris getroffen und für chinesische Kunst nachhaltig begeistern können.

„Mit unserer Ausstellung ‚China in Mainz’ leisten wir einen bis dato für die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt einzigartigen Beitrag zum Kulturaustausch zwischen Mainz/RheinMain und Beijing/China“, resümierte Andreas Weber.

 

 

Die Bedeutung der chinesischen Kunst, wie Jian Xu und seine Familie sie anschaulich machen und vollendet repräsentieren, verdeutlichte der kurze, inspirierte Vortrag von Vortrag von Andreas Weber.

Das „Geheimnis“ chinesischer Kunst entstehe durch drei elementare Wirkungs- und Wesensmerkmale:

  1. Fast alles, was wir im Okzident glauben, in der Bildenden Kunst „erfunden“ zu haben, gab es weit früher schon in China.
  2. Kunst ist alles, aber keine ausschließliche Kopfgeburt. „Kunst kommt aus dem Herzen. Und hat Beziehungen zu allem, was wir tun“, sagt Jian Xu. — Picasso, als später Bewunderer chinesischer Kunst,  pflichtete dem auf seine Weise bei, indem er sagte: “In der Kunst kommt die Praxis immer vor der Theorie.“
  3. Malerei ergibt sich durch die Kunst des Schreibens, die das Denken befördert. Wer dies über Jahrzehnte trainiert, öffnet seinen Horizont, um die Welt in ihrer Wahrhaftigkeit wahrnehmen zu können.

In diesem Sinne: Viel Freude und Lust darauf „Altes“ neu zu entdecken!

Am besten nachvollziehen lässt sich die Ausstellungseröffnung „China in Mainz“, wenn man die Video-Dokumentation mit Fotoanimationen und Live-Videos auf YouTube anschaut.

 

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@ 2015 by Value Communication AG, Mainz/Germany

 

Von Andreas Weber, Mainz

Für Mittwoch, den 28. Januar 2015, hatte Dr. Ying Lin-Sill mich gebeten, um 15 Uhr in unser Mainzer Büro zu kommen. Ich sollte Freunde von ihr treffen, die aus China zu Besuch gekommen sind. Ying ist seit über zwei Jahren als Künstlerin Dreh- und Angelpunkt in unserem „Value Artist in Residence“-Programm. Seitdem hatten wir hunderte von Gästen bei uns. Sogar das Chinesische Neujahrsfest begehen wir gemeinsam. Und Prof. Yu Hui, Deputy Director Painting/Calligraphy und Direktor Research Institute, National Palace Museum, Beijing, sowie viele andere haben uns besucht. Soweit also nichts ungewöhnliches, ausser, dass der 28. Januar ein besonderer Tag im Jahr ist: der Geburtstag von Jackson Pollock und Claes Oldenburg.

Als ich (zeitig früher) vor dem Büro in der Mainzer Walpodenstrasse ankam, traf ich Jiandong Sun, die mit ihrem Ehemann Dr. Ing. Gert Kaster schon im Gehen begriffen war. „Oben im Büro ist viel los!“, sagte sie lachend. Ich rannte die Stufen hoch. Die Bürotüre war weit geöffnet. Es standen überall so etwas wie einzelne Paravents herum. Viele Kartons waren verstreut. Über ein halbes Dutzend Menschen waren mit diesen Paravents, mit Papierrollen und -blättern beschäftigt. Möbel wurden umgestellt. „Das ist mein Freund Jian Xu, seine Frau Ting Wang, seine Tochter Xiang und sein Sohn Xin“, sagte Ying stolz und freute sich. Alle seien Künstler aus Leidenschaft: Jian ist ein renommierter Maler, seine Frau eine Opernsängerin, seine beiden Kinder sind hochtalentiert und studieren Malerei. Und unser Value Communication Fellow Yajing Huang sorgte als Koordinatorin für den nötigen Überblick.

Idee und Resultat in Windeseile — auf höchstem Niveau!

Was war geschehen? Jian Xu war dermaßen begeistert von Mainz und unseren schönen Räumen, dass er ad hoc mobile Stellwände und alles nötige besorgen ließ, um Dutzende von Arbeiten von sich und seinen Kindern auszustellen. Chinesische Malerei und Kalligraphie vom Feinsten. „Es muss alles sehr schnell gehen. Am Samstag wollen wir eine Vernissage machen“, sagte Ying lächelnd. Ich dachte, in Anbetracht unserer bereits vorhandenen zahlreichen Sammlungsstücke und Gemälde, nicht zuletzt von Ying selbst, die wir ausstellen: Da bin ich gespannt, aber wie soll das werden?

Yajing kam lächelnd auf mich zu und sagte: „Wollen wir jetzt oder später ein Interview mit Jian Xu machen, dass bei seiner Rückkunft im Chinesischen Fernsehen gezeigt werden soll?“ Ying informierte mich, während alle anderen die Ausstellung arrangierten, über Jian Xu’s Lebensweg, seine Arbeit und seine Bedeutung. Jian Xu ist der letzte Meister-Schüler des grossen Malers Wang Xuetao, der unter anderem 1956 eine chinesische Delegation nach Europa führte und als Höhepunkt eine Begegnung mit Pablo Picasso zelebrierte. Wang demonstrierte Picasso eindrücklich die chinesische Malkunst, indem er in nur sieben Minuten einen Adler malte. Zudem wurden Picasso Arbeiten von Wang’s Lehrer und Meister Qi Baishi gezeigt. — Picasso war dermaßen beeindruckt, dass er Wang Xuetao eine Zeichnung seiner Friedenstaube widmete, die Wang mit chinesisches Schriftzeichen versah. Und Picasso sagte anerkennend: „Die wahre Kunst liegt im Fernen Osten.“ Picasso beschäftigte sich im Anschluss intensiv mit Chinesischer Kunst, wenn er auch bedauerte aufgrund der weiten Entfernung und seines fortschreitenden Alters nicht selbst nach China reisen zu wollen.

 

JIan Xu Memorial 1

 

Jian Xu hat seinem Meister in über fünfjähriger Arbeit die Wang Xuetao Memorial Hall im Gonghuacheng Art Center gewidmet. „Kunst kommt aus dem Herzen. Und hat Beziehungen zu allem, was wir tun“, sagte mir Jian Xu in unserem Interview, nachdem in nicht einmal drei Stunden eine mehr als sehenswerte Ausstellung aufgebaut und inszeniert wurde. (Dazu an anderer Stelle mehr!).

Wir sind voller Freude und sehr glücklich, Jian Xu und seine Familie als Freunde in Mainz gebührend zu feiern. Es ist uns eine Ehre. Und unseren Besuchern eine Freude. Die kamen übrigens schon während des Ausstellungsaufbaus: Jörg Blumtritt aus München sowie unsere lieben Nachbarn mit ihren Kindern sowie eine ganze Reihe von chinesischen Freunden, die in Mainz leben. Kunst fördert Kommunikation. Wir sind mit dem Herzen dabei.

 

Impressionen zum Making-Off der sehenswerten Ausstellung:

 

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© 2015 by Value Communication AG. Painting (Detail) by Dietmar Gross, Dienheim/Germany.

 

»Der einzig wahre Realist ist der Visionär.« — Federico Fellini

Beyond Technology Innovation: Wie kommt das Neue in die Welt? Dies ist eine entscheidende Frage, da sich die Kritik an den Silicon Valley-Attitüden und deren dogmatisch-beherrschender Technik-Überlegenheits-Gläubigkeit häuft. Technik per se macht keinen Sinn. Nur dann, wenn sie dem Prinzip der Sinnhaftigkeit folgt, und nicht dem der Profitmaximierung, um der Welt und den Lebewesen zu dienen.

Rückblick

Zufall oder auch nicht, in der Phase der Vorbereitung für die Ausstellung und den Recherchen für die Value Art+Com-Publikation ›InSightOut — Dietmar Gross Malerei‹ sendete der Deutschlandfunk am 25. Dezember 2013 in seiner Reihe ›Essay und Diskurs‹ einen Beitrag von Michael Reitz (Sprecher: Matthias Ponnier und Hendrik Sticken).

Die Kernpunkte und Erkenntnisse lauten aus dem Sendebeitrag:

— Anders als der Wissenschaftler bekämpft der Künstler weder seine eigenen noch allgemeinen Krisen, sondern braucht sie als notwendige Voraussetzung seines Schaffens.

— Die (unsere) Neuzeit ist versessen auf Innovation; die Künstler stellen sich diesem entgegen, in dem sie tatsächlich Neues schaffen, und nicht als eine Reaktion auf etwas, was es schon gibt.

— Die Entstehung des Neuen scheint durch das blockiert zu werden, was in der Soziologie mit dem Terminus ›shifting baselines‹ belegt wird.

»Wie also kommt das Neue in die Welt? Unter anderem durch die Notwendigkeit, auf eine wie auch immer sich darstellende Krise zu reagieren. Hinzu kommen die Freiheit der Methodenwahl, die Ablehnung jeder Art von Denkverbot und das Vertrauen in die Zielgenauigkeit von Blindflügen.«

Wichtig ist zudem: »Unsere Neuzeit basiert darauf, alles im Griff halten zu wollen. Am Beginn der Moderne steht nicht nur der Versuch, immer wieder Neues zu schaffen, sondern auch der Impuls, dem Entstehen des Neuen auf die Spur zu kommen und auf die Sprünge zu helfen. Im 21. Jahrhundert hat dieses Wie und Warum noch an Brisanz zugenommen. Technologie-Entwicklungen im IT-Bereich, bei den Netzen und in der Kommunikation erhöhen die Taktfrequenz ständig. Die sich potenzierenden Risiken unserer Wirtschaft und unseres Lebens lassen eine Reihe von Verdachtsmomenten aufkommen. Dass ständig Neues in die Welt kommt, macht die Antwort, wie dies geschieht, zunehmend schwieriger. Zudem kann nicht sein, dass sich der Ursprung des Innovativen in völlig unberechenbaren Kategorien wie Unfall, Katastrophen und Zufall abspielt.« — Siehe Fukushima!

Ausblick

Das Neue im künstlerischen Sinne entsteht in der Malerei und durch die Malerei, die kognitive Prozesse initiiert — durch Worte, die Sprache, das Lesen, um zu Wissen zu gelangen. Das ›Lesen‹ (und nicht nur die Betrachtung) von Malerei überführt Wissen in Einsicht durch Denken, um zu den existenziell wichtigen Erkenntnissen zu gelangen; und gegebenenfalls notwendige Handlungen unmittelbar folgen zu lassen.

Hinweise

  1. Weitere Informationen zur Rolle der Kunst und Malerei gibt es in der o. g. Publikation ›InSighOut‹, erhältlich im Value Online-Shop.
  2. Der Kunstverein Eisenturm e. V. KEM hat den Mainzer Kunstpreis Eisenturm 2015 unter das Motto gestellt: Kollaps der Moderne? Eine Epoche auf dem künstlerischen Prüfstand. — Die Ausschreibung läuft seit Oktober 2014. Teilnahme noch möglich.
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@ 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Compositing: Andreas Weber | Paintings: Dietmar Gross

 

By Şükran Ceren Salalı, Value Art+Com Fellow, Istanbul

Apparently, the rich culture and environment of Mainz and the Rheinhessen area inspire many artists in town. After I arrived the city, I visited several museums and art galleries. One of them was Kunst Direkt 2014, an art exhibition that took place in Rheingoldhalle as a very nice building situated near the river Rhein. There, I had chance to meet the painter Dietmar Gross and to catch up the spirit in his artworks in detail.

Dietmar Gross was not born in Mainz but studied art in Johannes Gutenberg University. He is not only a talented and productive artist but also very-well active person in art community in Germany by being the chairman of Kunstverein Eisenturm Mainz e. V. KEM and the founder and head of Oppenheimer Sommerakademie. As well as this, he is a great supporter of a whole bunch of third party art activities.

It was amazing to experience the art of Dietmar Gross. In the very beginning, I thought that I was looking at several brilliant photographs. When I got closer, I saw the colours and the painting suddenly showed itself. In that moment, I was overcome with a kind of unusual but fascinating impression built on me. I have seen many surreal artworks from various artists, however; the way Gross paints and depicts human and animal bodies made me think that it is a kind of realism of surrealism which is very disruptive and charming.

Each painting seems to have various symbols and meanings to perceive and  you cannot just look and pass it. Especially, as a part of his style, he always paints on a black background which is also makes him different than many other artists.

Two of my favorites from his selected collection, Hildegard von Bingen and Selbst und Skelett, are also like pieces of high value photographs which amazed me through the depiction and density of colours. In Hildegard von Bingen, one can see every single detail as if it is a photograph of a woman, and one can realize even the marks on her lips. Moreover, looking her eyes, a spiritual and holly impression comes over with a wonderful lineament. When it comes to Selbst und Skelett, is an example in which he depicted himself for a self-portrait with a skeleton with his surrealistic but realistic style.

As a disruptive but fascinating experience, I was glad to meet and to talk about art with such a talented and extraordinary painter, Dietmar Gross.

 

Click here to get more information on our Value Art+Com InSightOut art book publication celebrating the art of Dietmar Gross.

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Dietmar Titel Screenshot von PDF

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Cover page and book Design by Andreas Weber, Mainz/Frankfurt am Main | Paintings by Dietmar Gross, Dienheim, Rheinhessen/Germany

  • Als einer der Höhepunkte des Ausstellungsprogramms 2014 präsentiert das Osthaus Museum Hagen eine retrospektive Werkschau mit ca. 70 Gemälden von Dietmar Gross.
  • AusstellungstitelInSightOut
  • Ausstellungseröffnung: 15. November 2014, 16 Uhr
  • Ausstellungsdauer: 16. November 2014 – 11. Januar 2015
  • Ausstellungskatalog: Edition Value Art+Com, gedruckt und digital, die Druckausgabe ist erhältlich als Normalausgabe und Vorzugsausgabe mit Originalgrafik, Preis ab 34,90 Euro zzgl. Versandkosten. — Format: 25,9 x 22,2 cm (Hardcover), Umfang 120 Seiten, davon über 70 Seiten Abbildungen.

Der Künstler Dietmar Gross, geboren 1957, lebt und arbeitet heute in Dienheim. Das Menschenbild im Kontext der Natur steht im Vordergrund seines Schaffens, das sich kritisch mit aktuellen Herausforderungen in unserer Welt auseinandersetzt. Dietmar Gross fühlt sich dem Realismus auf eine besondere, humanistisch geprägte Art und Weise verpflichtet. Alles, was uns betrifft, prägt und unser Schicksal beeinflusst, findet in den Arbeiten des Künstlers seinen Ausdruck. 

Der Titel InSightOut versteht sich als programmatische Äußerung. In fünf Werkgruppen fasst der Maler wesentliche Äußerungsformen unseres Daseins aus seiner Perspektive zusammen und ermöglicht den Betrachtern, eine künstlerische Introspektion. Die Werkgruppen stellen Ankerpunkte des Menschseins dar:

  • Zerrissenheit
  • Über-Menschlichkeit
  • Misch-Wesen
  • Ecce Homo
  • Assimilation

Alle bildlichen Darstellungen rücken nicht nur die Situation des Menschen ins Zentrum, sondern stellen den Kontext her im Abgleich mit der Existenz der Welt, der Historie, der Tradition und der Neuzeit.

Das Kunstwollen von Dietmar Gross steht ganz im Zeichen eines zeitgemäßen und zukunftsweisenden Kulturverständnisses. Der bedeutende Filmregisseur, Federico Fellini, hat dieses Verständnis einmal so zum Ausdruck gebracht: Der einzig wahre Realist ist der Visionär.

Das Spezifische an der Kunst von Dietmar Gross ist die malerische Vollendung seiner Gemälde. Nicht nur die altmeisterliche Handschrift des Künstlers zeugt von großer Begabung, sondern auch die Möglichkeit, diese in Szenen einzubinden, die auf den ersten Blick zu irritieren vermögen. So wird InSightOut zum Programm und offenbart immer wieder neue visuelle, gedankliche und emotionale Erlebnisse. Malerei regt in diesem Sinne tiefgreifende Erkenntnisprozesse an bzw. löst diese aus.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog zum Werk der Künstler. Der Katalog InSightOut — Dietmar Gross   Malerei wird im Hardcover 120 Seiten Umfang mit über 70 Abbildungen umfassen und als gedrucktes Buch sowie in digitaler Form in der Edition Value Art&Com, Mainz, herausgegeben; mit einem ausführlichen Einführungstext von Andreas Weber.

Hintergrundinformation

Zur Wirkungsweise der Publikation:

Die vorliegende Publikation ist Teil einer neuartigen, intermedialen und crossmedialen Inszenierung aus Text, Bild, Sprache/Podcast und Video via Print, Blog und eBook. Im Print werden neue digitale Verfahrenstechniken eingesetzt, die über die übliche Darstellungsmöglichkeit von Druckbildern weit hinausgehen. Die Herstellung erfolgt in Zusammenarbeit mit Elanders Germany, dem über Deutschland hinaus renommierten Innovationsführer im Digitaldruck.

Printprodukte können vor Ort im Osthaus Museum wie auch über das Web bestellt/gekauft werden. Die digitalen Formate sind vernetzungsfähig und werden durch Social Media-Aktivitäten signifikant verstärkt (vor allem über Facebook, Twitter, YouTube und Google+). Zudem können durch den Besucher bei Bedarf individuelle Publikationen erstellt und online bestellt werden (Postkarten, Poster, Kalender). Der Online-Shop der Edition Value Art+Com ist verfügbar.

Die Publikation verstärkt und dynamisiert die Wirkungsmöglichkeiten der Ausstellung durch ihren Innovationsanspruch. Das Thema ›InSightOut‹ wirkt sich aus auf die Kommunikation und Interaktion mit den Besuchern vor, während und nach der Ausstellung. Die erstellten digitalen Kommunikationsmittel können auch während der Ausstellung zu didaktischen Zwecken genutzt werden.

Es lässt sich ein Dreifach-Effekt erreichen, der, wie die Exponate selbst, durchgehend und konsequent einem Premiumanspruch gerecht wird: a) Wirkungsmöglichkeiten schon im Vorfeld der Ausstellung; b) Aktualisierungsoptionen während der Ausstellung; c) Dokumentation und Nachhaltigkeit nach der Ausstellung.

 

Preview / Making-Off während der Digitaldruck-Produktion bei Elanders Germany in Waiblingen:

 

Zum Ausstellungsort:

Das Osthaus Museum steht auch nach mehr als 100 Jahren in der Tradition des Museum Folkwang, welches 1902 in Hagen eröffnet wurde und 1922 nach Essen übersiedelte. „Wir bieten den Künsten ein Fest“ lautet die Devise des Museums, das sowohl regional wie auch national und international Stahlkraft entwickelt hat. Im Fokus der wissenschaftlichen Arbeit sowie der Ausstellungstätigkeit des Museums steht das Bewusstsein für eine Kunst, die nachhaltig wirken soll und den Betrachterinnen und Betrachtern zugleich eine konstitutive Rolle offenbart. Das Museum, seine Sammlung und das Ambiente mit dem Folkwang-Altbau und des Neubaus wirken als „Brücke zwischen den Meisterwerken der Bildenden Kunst und den individuellen Erfahrungen des Besuchers.“

Dietmar Gross, geboren 1957 in Bexbach/Saarland, lebt und arbeitet seit fast drei Jahrzehnten in Rheinhessen, südlich von Mainz, einer der herausragenden und von Carl Zuckmayer vortrefflich beschriebenen Kulturlandschaften Europas. Das malerische wie grafische Werk von Dietmar Gross baut auf einem zeitunabhängigen Wertesystem auf. Im Fokus steht das nachhaltige Erleben von Malerei als einem Medium der Sinnes-Wahrnehmung. Die Bilder zeichnen sich aus durch technisch-handwerkliche Perfektion, die einen Vergleich mit Vorbildern wie Dürer, Caravaggio, Rembrandt oder Tizian nicht zu scheuen braucht.

Für Rückfragen:
a.weber(at)value-communication.com

Online-Bestellung per Shopify:

http://value-art-com.myshopify.com/collections/all

Value Art+Com Online Shop

Dieter Glasmacher Titelbild Blog Post.001

 

 

Redetext von Andreas Weber zur Eröffnung am 6. Juni 2014 im Kunstverein Eisenturm Mainz – KEM e. V.
© 2014 für Text, Fotos und Bildcollage by Andreas Weber, Mainz
Informationen zum Künstler: http://www.dieter-glasmacher.de

 

 

Meine Damen und Herren,

stellen Sie sich bitte vor: Sie laufen durch eine Grossstadt. Geprägt von inter-kulturellem Miteinander, Migration, Flucht, Zuflucht, Reichtum, Elend, Drogen, Gewalt, Hektik, Lärm, Schmutz und Glanz. Ein Freund sagt: Ich zeige Dir mal was. Sie betreten ein Museum, dass normalerweise die kulturelle Blüte dieser Grossstadt und ihres Landes inszeniert. Sie sehen gekrümmte, verbogene Leinwände, mit groben Holzlatten vernagelt, gerade so, als wäre etwas im Entstehen. Alle Leinwände sind wild bemalt, mit abstrakten, Graffiti-artigen Codierungen. Überhäuft mit Schrift-Botschaften. Das Publikum schwankt zwischen Faszination und Ablehnung, wenn nicht gar Schock oder Ekel. Man verweilt letztlich, weil es ja ein anerkannt berühmtes Museum ist. Die Elite der Stadt steht Pate als Sponsorengemeinschaft, in noblen Förderkreiszirkeln.

Beeindruckt und durchaus verwirrt verlassen Sie die Ausstellung, das Museum. Und auf einmal entdecken Sie in der ganzen Stadt die Bildmotive, die sie gerade in der Ausstellung eingesperrt sahen. Als Freiläufer. An Hauswänden, durch geschichtete Überklebungen an Bushaltestellen, Telefonhäuschen, Hydranten, überall dort, wo ein Zettel/Aufkleber/Plakat nach dem anderen aufgebracht und wieder abgerissen wird. Kritzeleien aller Orten. Kombiniert mit den Spuren täglichen Umweltmülls. Drastisch, eindrücklich, bedenkenswert, merkwürdig.

So tatsächlich passiert. 1992. In Manhattan, dem Herzstück und Puls von NYC. — Seltsamer Kreislauf, oder?

 

Meine Damen und Herren,

stellen Sie sich bitte vor: Sie sind in Mainz, in wunderbar-historischen Räumen. Sie spüren den Hauch der Jahrhunderte. Den Atem langer kultureller Tradition. Von den Wänden schreien stumm abstrakt-graffitiartige Bild-Text-Codierungen. Alles andere als gefällig. Alles andere als unaufdringlich oder gar verharmlosend. Man mag schwanken zwischen Faszination und Ablehnung, wenn nicht gar Schockzustand. Und man fragt sich: Ist das hier eine Ausstellung? Oder hat jemand hier sein neues Atelier aufgebaut?

So tatsächlich passiert. 2014. Im Eisenturm, unserem Herzstück und Puls von MZ RLP.

Was passiert, wenn Sie später rausgehen, auf die Strasse, bleibt abzuwarten. Aber bitte denken Sie jetzt nicht, die Welt wäre anschließend, wie sie vorher war. Wir leben nicht in einer heilen Welt. Wir können aber Bedrohungen und Gefahren meistern. In der Reflexion von Kunst und Kultur. Drastisch, eindrücklich, bedenkenswert, merkwürdig.

 

„Seine Kunst ist weit entfernt von einem bildungsbürgerlichen Kanon der Erbauung. Aber wer sich einlässt auf die Bilder, dem bieten die reichhaltigen Assoziationsketten humorvolle Kommentare zur Gegenwart und einen wachen und bunten Blick auf die Welt.“

So wird Dieter Glasmacher auf culturmag.de beschrieben. Die Plattform bietet eine Online-Galerie und stellt in regelmäßigen Abständen Arbeiten interessanter Künstlerinnen und Künstler vor. Zum Auftakt wurden 2010 fünf Bilder des Malers Dieter Glasmacher präsentiert.

 

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Weiter heisst es bei culturmag.de:

“Dieter Glasmacher wurde 1940 in Krefeld geboren und lebt heute in der Nähe von Hamburg. Beeinflusst von der klassischen Moderne, gerade dem Dadaismus, und Strömungen zeitgenössischer Kunst wie Art Brut und Pop Art, hat Glasmacher in vielen Schaffensjahren eine sehr eigenständige Position und eine lebendige, originelle Bildwelt entwickelt. Auch Comic- und Graffitikunst sind in den Arbeiten sichtbar, ebenso wie die „Geheimspuren“ des öffentlichen Raums, Worte und Kritzeleien, wie man sie in Pissoirs, an Bushaltestellen oder Häuserwänden findet.

Die Vorstellung einer Wandfläche ist von zentraler Bedeutung: So kommen seine Arbeiten meistens ohne große Perspektive aus. Untergrund, montierte Gegenstände, Schriften und Figuren stehen gleichberechtigt nebeneinander. Dieses additive Verfahren erlaubt eine große Freiheit und einen enormen Assoziationsreichtum – beim Malen und beim Betrachten. „Ein Bild ist nie fertig und sollte immer weiter malbar sein“, sagt Glasmacher, so wie auch an Pissoir- oder Häuserwänden ständige Veränderung möglich ist, durch Ergänzung und Übermalung.”

Bei Ausstellungen von Dieter Glasmacher – so geschehen zum Beispiel im Palais für aktuelle Kunst in Glückstadt – entsteht der Eindruck, der Künstler habe sein Atelier in die Ausstellungsräume verlegt. Das Bezugsfeld ist also stets, das hier und jetzt, das was gerade passiert und spontan einbezogen wird. Dieter Glasmacher beeindruckt nicht nur, er bewertet, kommentiert, zeigt auf, prangert an. Auf eine ganz eigene Art und Weise. In Glückstadt drückte man dies damals so aus: „‚Die Realität wird überbewertet‘. Der Satz wurde von ihm, wie viele andere Slogans, als Zitat aus einer Zeitung, einer Werbung oder einem Film übernommen und so künstlerisch angeeignet.“

Betrachtet man die Biografie von Dieter Glasmacher, ist man ebenfalls beeindruckt. Einzel- wie auch Gruppenausstellungen haben ihn quer durch Deutschland und in die weite Welt geführt: Von Lima, Peru, bis Abidjan an der Elfenbeinküste, Mexiko-City, Paris, Zürich, London, Gent, Kairo, Athen, Budapest, Amsterdam, Marseille, Lausanne, Leningrad, nach Polen und Dänemark — weitere andere Stationen wären zu nennen. Ausgestellt wird in Galerien, Kunstvereinen, Museen, auf Biennalen oder mit dem Goethe-Institut oder bei Kunsthäusern und -Stiftungen. Es ist fast verwunderlich, dass bei all diesen Aktivitäten noch Zeit bleibt zum künstlerischen Arbeiten.

Auffällig ist die — nennen wir es Multimedialität und Multi-Dimensionalität — von Dieter Glasmacher.

Im Text der Galerie Herold zur Ausstellung 2006 heisst es:

„In seinen Arbeiten führt Dieter Glasmacher Erfahrungen aus den unterschiedlichsten Ebenen zusammen: Erlebnisse, die er während seiner langen Studienreisen durch Afrika gemacht hat und auf seiner Segeltour in die Arktis, fließen genauso in seine Bilder ein, wie die Eindrücke aus seiner direkten norddeutschen Umgebung in Hamburg und an der Elbe. Prägend auf seine Bildwelt wirken außerdem Fernsehen, Kino, Werbung sowie Graffiti und andere Formen der Straßenkunst bis hin zu Krakeleien (…). Sein Hauptthema ist seine Betroffenheit von aktueller gesellschaftlicher Unterdrückung und Deformation.” (Zitat nach W. Brodersen /C. Mewes)

Und weiter wird Auskunft über seine Biografie gegeben: „Dieter Glasmacher lässt sich zunächst zum Musterzeichner ausbilden. Nebenher entstehen aber auch freie Zeichnungen und um seine Kenntnisse hier zu erweitern, besucht er Abendkurse der Werkkunstschule Krefeld. Als 23-Jähriger zieht er nach Hamburg, wo er an der HfbK bei Hans Thiemann Malerei studiert. Nach zwei Jahren wechselt er in die Klasse von Klaus Bendixen und beschäftigt sich intensiv mit Drucktechniken. Noch während seiner Studienzeit nimmt er an ersten überregionalen Ausstellungen teil und engagiert sich in Künstlergemeinschaften.

In den folgenden Jahren wird sein Werk in Galerien und Museen in nahezu allen größeren Städten Deutschlands und im europäischen Ausland präsentiert, und Glasmacher wird mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, so u.a. 1979 mit dem Edwin-Scharff-Preis der Stadt Hamburg. Ab den 80er Jahren kommen internationale Ausstellungen außerhalb Europas dazu. Und 1989 beginnt seine zusätzliche Tätigkeit in der Lehre, seit 1995 als Professor an der Hamburger Fachhochschule für Gestaltung.

Schon früh zeichnet sich in Glasmachers Arbeiten und Aktionen sein gesellschaftspolitisches Engagement ab: Kritische Beiträge zum Kunstbetrieb sowie Demonstrationsakte im Zuge der 68-Bewegung machen ihn bekannt.

Der Künstler bedient sich hierfür verschiedenster Medien – vom Wandbild bis hin zum Trickfilm [in Zusammenarbeit mit Kurt Rosenthal, Mainz]. Allen seinen Arbeiten haftet ein collageartiger Charakter an: Scheinbar zusammenhangslos kombiniert er Figuren, Zeichen, Farbfelder und Schriften. Sie bilden Erfahrungsstückchen, die assoziativ zu einem Puzzle zusammengefügt sind und wiederum Assoziationsketten beim Betrachter auslösen. Meist stellt Glasmacher starke Emotionen wie Wut, Trauer oder sexuelle Begierde heraus, aber auch bunt leuchtende Lebensfreude wird in den Bildern thematisiert.“

 

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Meine Damen und Herren:

Stellen Sie sich bitte vor: Dieter Glasmacher wäre nicht nach Mainz gekommen, um uns sein künstlerisches Schaffen zu präsentieren — mit dem vielsagenden Titel „Seltsamer Kreislauf“.

Stellen Sie sich vor, Dieter Glasmacher hätte nicht 1969 zusammen mit Werner Nöfer das erste Wallpainting Europas erschaffen.

 

Apropos: Ausstellungstitel

Seltsam hat eine vielschichtige Bedeutung:

Das Adjektiv selten bildet den Grundstock, aber auch andere – quasi wie Synonyme – kommen sogleich in den Sinn:

außergewöhnlich, besonders, ungewöhnlich, bizarr, schrullig, wundersam, erstaunlich, eigenartig, merkwürdig, eigenbrötlerisch und komisch.

 

Kreislauf bezeichnet: Zyklus, Zirkulation, Folge, Reihenfolge, Abfolge bzw. regelmäßige Abfolge, Gleichmaß, periodische Abfolge, Ordnung, Rhythmus, Regelmäßigkeit.

 

Der Kern des Wortes Kreislauf ist Kreis:
Der Kreis ist ein universelles Symbol. Vielleicht das globalste, das es gibt. In allen Kulturen findet es sich: Als Symbol für Sonne, für die Gestirne, für das Göttliche oder das Immerwährende. Es leitet sich ab aus alten Zeiten: KRIZZON, althochdeutsch für einritzen, kritzeln und krazen.

Etwas zieht seine Kreise, uns allen geläufig, wenn wir beschreiben wollen, wie Dinge ihren Lauf nehmen, um Wirkung zu entfalten. Im Guten wie im Bösen. — Wir sehen, der Titel ist mit Bedacht gewählt. Und charakterisiert vortrefflich, wofür die Exponate und der Künstler mit seinem schöpferischen Rhythmus stehen. Das im „Kreis Laufen“ kann sowohl eine Wohltat, zur Entspannung, als auch Horror sein (wenn man sich Ver-Laufen hat). Dank Dieter Glasmacher finden wir durch „Seltsamer Kreislauf“ Orientierung.

Nebenbei: Störe meine Kreise nicht, ist eines der häufig bemühten Zitate nach Archimedes. Sie erinnern sich? Der griechische Mathematiker und Physiker lebte im 3. Jahrhundert v. Chr. und gilt als einer der größten Mathematiker aller Zeiten. Der Legende nach war Archimedes eines Tages damit beschäftigt, geometrische Figuren in den Sand zu zeichnen, als die Römer anrückten um ihn festzunehmen. Er war jedoch so sehr in seine Aufgabe versunken, dass er barsch mit dem Satz reagierte: “Störe meine Kreise nicht.” Dies brachte einen der Soldaten so in Zorn, dass er den alten Mann erschlug. — Alles andere als eine heile Welt!

Und heute, in unseren „Modernen“ Zeiten, drücken wir mit dem Ausspruch “Störe meine Kreise nicht” aus, dass wir gerade nicht gestört werden, uns abschotten möchten.

Vermutlich ist dies das Schlüsselelement der Kunst des Dieter Glasmacher: Eine „erstaunliche Regelmäßigkeit“ und „merkwürdige Ordnung“ koppeln können mit „wundersam-komischer“ Wahrnehmung und Darstellung der Welt und unserem Tun. Im Guten wie im Bösen.

 

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Seltsamer Kreislauf: Das von mir eingangs erwähnte Geschehnis aus dem Jahr 1992 hat nichts mit Dieter Glasmacher zu tun. Oder doch?

1992 zeigte das renommierte Whitney Museum of American Art die Aufsehen erregende Retrospektive von Jean-Michel Basquiat. Gewidmet dem ersten afroamerikanischen Künstler, der den Durchbruch in der hauptsächlich „weißen“ Kunstwelt schaffte. Wie eine Supernova stieg er auf – auch dank der Beziehung zu Andy Warhol – und verglühte nach nicht einmal 28 Lebensjahren abrupt. Geprägt von einer fulminanten Besessenheit, dem Schrecken, seinem Schrecken eines schwarzen Lebens künstlerischen Ausdruck zu verleihen. Basquiats Kunst- und Stilrepertoir hat viel mit Dieter Glasmacher gemeinsam.

Nur: Dieter Glasmacher hat dies schon entwickelt und kultiviert, bevor Basquiat künstlerisch zu arbeiten begann (er ist 1960 geboren und verstarb so früh im Jahr 1998). Und Dieter Glasmacher arbeitet noch heute in ungebrochen dynamischer, frischer, lebendig-provozierender Art, wie wir hier im Kunstverein Eisenturm sehen und erleben dürfen. Erstaunlich, wie Regelmäßigkeit auf vielfältige Weise ihren eindrücklichen Ausdruck in seinem Werk findet!


Seltsamer Kreislauf. Oder?

Doch lassen wir, schlussendlich, den Künstler selbst zu Wort kommen.

Dieter Glasmacher sagte anlässlich einer Ausstellung „Fernwärme – Daheim auf dem Lande“ im Jahr 2009: „Am Anfang des Studiums war ich fasziniert von der Art Brut.“
[Zur Erläuterung: Der Begriff kommt aus dem Französischen, für ‚unverbildete, rohe Kunst‘; gemeint ist damit ein Sammelbegriff für autodidaktische Kunst von Laien, Kindern und Menschen mit geistiger Behinderung. Art brut ist weder eine Kunstrichtung noch eine Stilbezeichnung, sondern beschreibt eine Kunst jenseits etablierter Kunstformen und -strömungen.]

„Sie ist einfach und direkt. Mich interessiert die Einfachheit des Auftrags, dass die Figur teilweise nicht modelliert ist, dass es keine Perspektive gibt, dass alles wie hochgeklappt, geschrieben ist, wie auf eine Wand“. Und Dieter Glasmacher fährt an anderer Stelle fort: „Teilweise beziehe ich meine Inspiration nicht nur aus Graffitis, sondern auch aus Geheimspuren, die irgendjemand hinterlässt und irgendjemand überstreicht (..) Und da gibt es auch keine fertigen Geschichten. Der nächste kommt dazu und setzt wieder einen Spruch drüber. Und so arbeite ich auch.“

Die Fertigkeit zum Unfertigen, das sich ständig fortschreibt, ist das nicht ein Seltsam-Denkwürdiger Kreislauf“?

So erschließt sich das Zitat auf unserer Einladung in noch besserer Form:
„Ich arbeite assoziativ, additiv. Mich interessiert die Gleichzeitigkeit.
Alles geschieht gleichzeitig.“

 

Wir freuen uns, lieber Dieter Glasmacher, das Sie hier bei uns im Kunstverein Eisenturm sind, um ihre Gedanken, Empfindungen, Erfahrungen und Imaginationen durch ihr beeindruckendes Werk mit uns teilen.

 

Video-Animation zur Ausstellung im KEM:

 

Weitere Informationen zum KEM

 

Screenshot KEM auf Facebook

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