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Value Type & Design

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© 2015 by Value Communication AG, Mainz/Germany. Illustration: Jan Lorenz, Heussenstamm/Germany.

Oder: Am Anfang war die Schrift. Schrift findet einen neuen Anfang.

Ein Wort-Denkmal für Professor Hermann Zapf.
Text: Andreas Weber, Mainz
Grafik/Illustration: Jan Lorenz, Heussenstamm

»Hermann Zapf hat die Transformation einer werthaltigen
Kommunikation von der analogen Gutenberg-Galaxis in die digitale
Wissensgesellschaft wie kein anderer geprägt.
Wir können und werden ihn nie vergessen.« —Andreas Weber

++++++  English Version via Linotype.com   ++++++

»Meine Lebensgeschichte beginnt in Nürnberg. In dieser Stadt wurde ich am 8. November 1918 geboren, also gerade noch im Kaiserreich.« Mit diesen Sätzen lässt Hermann Zapf sein Buch ›Alphabetgeschichten‹ beginnen, das im Jahr 2007 von der Mergenthaler-Edition der Linotype GmbH herausgegeben wurde. Diese lesenswerte Chronik technischer Entwicklungen von Hermann Zapf versetzt uns in Erstaunen. Wie kann ein einziger Mensch soviel auf so hohem, nicht zu übertreffendem Niveau vollbringen? Wie kann man Kreativität, handwerkliche Präzision, universelles künstlerisches Talent und Technologie-Verständnis dergestalt unter einen Hut bringen?

Leben und Werk von Hermann Zapf, der am 4. Juni 2015 in Darmstadt verstorben ist, sind vielfältig und umfassend dokumentiert, vor allem auch von ihm selbst. Er gehört zu den wichtigsten Schriftkünstlern, Typografen, Kalligrafen aller Zeiten, der sich auch als Gestalter, Autor und Lehrer über fast vier Generationen verdient gemacht hat. Und er gehört zu den wenigen Auserwählten der Menschheitsgeschichte, die durch ihr Wirken das Schaffen anderer erst ermöglicht haben, wie der Typograph und Pressendrucker Hermann Rapp (am 21. Februar 2015 vor seinem Freund Hermann Zapf verstorben) in seinem Beitrag zum 90. Geburtstag von Hermann Zapf im Herbst 2008 betonte: »Mit Zähigkeit kämpfte er [Hermann Zapf] ein langes Leben lang um Vollkommenheit. Wer in seiner Nähe stand, wurde mitgezogen oder zog es vor, sich abseits einen kleineren Weg zu suchen. Denn er konnte wohl nicht anders als alles an sich zu ziehen, in sich zu verarbeiten und das Ergebnis, ob Kalligraphie oder Alphabet mit all seinen Zusätzen für viele Sprachen dieser Welt, dem Buch, den Druckwerken zur Verfügung zu stellen.«

Es erfordert nicht nur Respekt, sondern Demut und Dankbarkeit, um sich mit Hermann Zapf auseinandersetzen zu können. Aber nicht etwa deswegen, weil er sich abkapselte, sondern weil Hermann Zapf für immer und ewig an der Spitze der Elite grafischer Kunst steht ohne selbstverliebt oder voreingenommen gewesen zu sein. Bis ins hohe Alter hat Hermann Zapf stets die Begegnung mit anderen, gerade den sehr viel jüngeren Menschen geschätzt – zuhörend, mitredend, helfend, erklärend, Mut machend. So hat er über Jahrzehnte unterrichtet (in Deutschland und in den Vereinigten Staaten von Amerika) oder seit 1998 auf den TypoMedia- und TypoTechnica-Kongressen von Linotype mitgewirkt. Mit dem Schriftenhaus Linotype und seinen Vorgängerfirmen stand Hermann Zapf über mehr als 70 Jahre in engster Beziehung. Zapf hat damit über die Hälfte des Firmenlebens der 1886 von Otmar Mergenthaler gegründeten Firma und ihr globales Geschäft geprägt. Dies ist in der grafischen Branche und ihrer Wirtschaftsgeschichte ein wohl einmaliger Vorgang.

Hermann Zapf zuhause 2003

Hermann Zapf in Darmstadt, 2003. Photo: Heidelberg Nachrichten.

Bleisatz auf dem Bildschirm?

Im Jahr 2001 publizierte Hermann Zapf zusammen mit einem jungen, international besetzten Team aus Basel, Mainz und New York City die Multimedia-CD-ROM ›The world of alphabets by Hermann Zapf‹. Der Meister selbst entwickelte das Layout, gab die Inhalte vor, lieferte die Scans ab und wählte die Musik aus. Innerhalb von weniger als 100 Tagen musste vom jungen Team (mit damals noch sehr rudimentären technischen Werkzeugen) die komplett interaktiv gestaltete Produktion abgewickelt werden.

Die Multimedia-Präsentation führte Hermann Zapf im Herbst 2001 im US-amerikanischen Kalifornien persönlich vor – standesgemäß digital und computerunterstützt“, wie Zapf süffisant anmerkte. Der Grund für den Kalifornien-Besuch lag darin, dass Gudrun Zapf-von Hesse und Hermann Zapf von der Non-Profit Organisation „The Friends of Calligraphy“ und der „San Francisco Public Library“ eingeladen waren, den „Lifetime Achievement Award for Excellence in Calligraphy and Type Design“ entgegenzunehmen. Die Preisverleihung war Bestandteil einer Gruppenausstellung sowie einer Reihe von Events, genannt „Zapfest, Calligraphic Type Design in the Digital Age. An Exhibition in Honor of the Contributions of Hermann and Gudrun Zapf“. Weitere 14 international renommierte Schriftgestalter stellten aus. Kuratoren der Ausstellung waren Sumner Stone, Susie Taylor und Linnea Lundquist. Gudrun und Hermann Zapf hielten in diesem Rahmen auch Vorträge in der San Francisco Public Library.

Gudrun und Hermann Zapf besuchten zudem die Firmen Apple (er traf Steve Jobs und Peter Lofting) sowie Adobe. Beide Firmen gehören zu den Pionieren und Gestaltern unserer zeitgemäßen digitalen Kommunikationstechnologien und brachten Hermann Zapf höchste Wertschätzung entgegen.

Im darauffolgenden Jahr 2002 besuchten Hermann Zapf und seine Gattin, die renommierte Schrift- und Buchkünstlerin Gudrun Zapf-von Hesse, die damals ›kreativste Multimediaagentur der Welt‹ in Wiesbaden. Dort zog das Paar zwei Dutzend Jung-Kreative stundenlang in seinen Bann. Und Hermann Zapf lehrte die Multimedianer, dass neueste Technik nicht immer bereits von Anfang an perfekt ist. »Was ihr macht, ist quasi Bleisatz auf dem Bildschirm. Aber keine Angst, die Technik, die ihr im Web nutzt, wird langsam immer besser«, urteilte er.

Die Offenheit und lebenslange Neugier von Hermann Zapf für Innovation und Fortschritt, für Werte und Kultur, für Kommunikation und Gestaltung basiert auf einem hohen Maß an Verantwortung für das eigene Können und Tun. Hermann Zapf kommentierte das so: »Die Arbeit eines Schriftentwerfers verlangt mehr Sorgfalt und Genauigkeit als in einer der üblichen Disziplinen. Kaum eine andere kreative Tätigkeit hat an weltweiter Verbreitung solche Größenordnungen vorzuweisen, weder die Werbung, noch die Buch- und Zeitschriftenproduktion.« Hermann Zapf hat nie etwas halbherzig angepackt oder auf Zufälliges vertraut. Und das, obwohl er immer wieder Neuland betrat, wie zum Beispiel seit den 1960er Jahren mit Dr. Ing. Rudolf Hell, den Zapf als den ›Edison der grafischen Industrie‹ verehrte und dessen Digiset-Technologie Zapf zum Durchbruch verhalf.

Um die grandiose Bedeutung des Lebenswerks von Hermann Zapf und seiner Arbeit als Schriftentwerfer anschaulich zu machen, sei erinnert: Jeder Computer, der weltweit (stationär oder mobil) im Einsatz ist, macht Schriften von Hermann Zapf zugänglich, da sie sowohl Teil der Grundausstattung der Betriebssysteme als auch Bestseller in den Schriftbibliotheken sind. Große Teile der Weltliteratur, bedeutende Publikationen im Zeitschriftenbereich, Firmen- und Privatdrucksachen, Urkunden bis hin zu Inschriften in Denkmälern sind mit Schriften ausgestattet, die Hermann Zapf entworfen und im Laufe von über 60 Jahren ständig an die neuesten technischen Entwicklungen angepasst hat.

Bis zum letzten Atemzug: Ungebrochener Innovationsgeist

Vom Hand- über den Maschinensatz mit Bleilettern bis zum Foto- und Lichtsatz sowie letztlich für die unterschiedlichen Digitaltechnologien hat Hermann Zapf seine Schriftzeichen und Alphabete umgearbeitet und erweitert. Dabei beglückten ihn die neuesten Digitaltechniken geradezu, vor allem das OpenType-Fontformat, da es für Schriftentwerfer sämtliche technisch-physikalischen Beschränkungen der Vergangenheit aufhebt. Das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wie auch das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhundert nutzte der damals schon hochbetagte Hermann Zapf, um beinahe wöchentlich im Schriftenatelier von Linotype seine wichtigsten Schriften (Palatino, Aldus und Optima) den neuen Techniken anzupassen. Dabei wurden nicht nur seine Alphabete und Zeichen transformiert, sondern es entstanden Erweiterungen der Schriften, etwa die Palatino Nova und Palatino Sans Com.

Sein spektakulärstes Projekt war sicherlich die Zapfino. Hermann Zapf wurde Anfang der 1990er Jahre von dem später als Web-Design-Guru berühmt gewordenen David Siegel aus Kalifornien angesprochen. Siegel, der Mittzwanziger wollte im Team mit Zapf, dem über 70-jährigen, eine neue digitale Schrift entwerfen, um Kalligrafie mit dem Computer zu ermöglichen. Die Ansprüche wuchsen mit den Möglichkeiten. Das Projekt geriet ins Wanken. Letztlich war Ende 1998 mit Unterstützung des Schriftenhauses Linotype die ›Zapfino‹ genannte kalligrafische Schrift als Weltneuheit marktreif. Apple-Chef Steve Jobs war fasziniert und lizenzierte die Zapfino. Seitdem ist die Zapfino Bestandteil des Betriebssystems OS X von Apple. Kalligrafie findet so Eingang in den von Steve Jobs propagierten ›Digital Lifestyle‹. Steve Jobs und Hermann Zapf kannten sich seit 1984 und trafen mehrmals zusammen. Im Nachruf der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel heisst es dazu: „1984 ist Hermann Zapf einer der 20 Auserwählten, der von Apple einen 128k Mac geschenkt bekommt. The cube. Hermann Zapf versteht es als Herausforderung. Er arbeitet mit dem Gerät. Ein Jahr später lädt Steve Jobs ihn und sein Team nach Cupertino ein. Dort präsentieren sie das Programm ihrer Firma Design Processing International. Später finden viele seiner berühmten Schriften Eingang in die Mac History und sind immer noch serienmäßig auf modernen Apple-Computern installiert.

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© 2015 by Value Communication AG, Mainz/Germany. Photo: Nadine Bendzulla, Wiesbaden

›TypoZapfie‹ – Inspiration für den Nachwuchs und globale Strahlkraft

Naturgemäß beschränkte sich Hermann Zapf bei seinen Schriftentwürfen nicht nur auf den westlichen Sprach- und Kulturraum. Slawische Sprachen, Kyrillisch, Arabisch und vieles mehr hat Hermann Zapf in seine Schriftwelt integriert. Jeder Mensch auf unserem Planeten, der Lesen und Schreiben kann, jedes Unternehmen ist mit dem Werk von Hermann Zapf, dem Meister des Schriftentwerfens, hautnah in Berührung gekommen. Mitunter wurden auch lebenswegentscheidende Impulse durch Hermann Zapf gezündet: Der junge Akira Kobayashi aus Tokio bekam in den 1980er Jahren Fachschriften von Hermann Zapf in die Hand, die ins Englische übersetzt waren. Da Akira kein Englisch konnte, aber genau wissen wollte was Hermann Zapf publizierte, brachte er sich kurzer Hand die englische Sprache selbst bei.

Das Ergebnis war eine grenzenlose Begeisterung bei Akira Kobayashi für Schrift und Typografie auf höchstem künstlerischen Niveau, die man als ›TypoZapfie‹ bezeichnen könnte. Akria ging damals unvermittelt nach London zum Studium, entwarf selbst Schriften, gewann bei Wettbewerben und wurde zum künstlerischen Leiter des Linotype Schriftenateliers. Eine Position übrigens, die Hermann Zapf bei der D. Stempel AG, die später von Linotype übernommen wurde, mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor inne hatte. Kein Wunder also, dass Hermann Zapf unverzagt und hochmotiviert auf die Unterstützung und Kompetenz von Akira Kobayashi setzte, um im Linotype Schriftenatelier sein Lebenswerk vollenden und bis zum letzten Atemzug auf Innovation, Präzision und Meisterschaft achten zu können.

Der Eingangs zitierte Hermann Rapp rundet die Würdigung der Lebensleistung von Hermann Zapf wie folgt ab: »Hermann Zapf schenkte uns und den späteren ein wunderbares Werkzeug. Wenn wir dieses Werkzeug mit Vernunft und Anstand gebrauchen, das heißt, dass wir Kommunikation des Kommunikativen wegen betreiben, Lesenswertes leicht leserlich machen, dann hinterlassen wir eine gute Spur bei unserem Tun und ehren den Schöpfer unserer Werkzeuge: unseren Hermann Zapf.«

Hermann Zapfs Lebenswerk und seine Meisterschaft sind unvergleichlich und einzigartig. Er hat durch sein über fast vier Generationen dauerndes Wirken die grafische Kunst vollendet. Und gleichzeitig nicht nur Profis, die Gestalter, Kreativen und Medienproduktioner in aller Welt, inspiriert und unterstützt, sondern durch seine aktive Mitarbeit bei der Vervollkommnung der digitalen Kommunikationsmöglichkeiten die Nutzung grafischer Kunst auf höchstem Qualitätsniveau für alle Menschen zugänglich gemacht. Schrift und die schriftgebundene Kommunikation haben durch Hermann Zapf einen neuen Anfang gefunden. Hermann Zapf hat die Transformation der werthaltigen Kommunikation von der analogen Gutenberg-Galaxis in die digitale Wissensgesellschaft wie kein anderer geprägt. Wir können und werden ihn nie vergessen.

[HINWEIS: Dieser Nachruf enstand in Zusammenarbeit mit Monotype GmbH, die Linotype GmbH übernommen hat. Der Nachruf findet sich auf der Linotype-Website in gekürzter Fassung.]


Zum Autor

Andreas Weber (geboren am 3. Januar 1959 in Homburg/Saar) lebt und arbeitet seit 1978 in Mainz. In der Gutenberg-Stadt studierte er Kunstgeschichte, Archäologie und Buchwesen. 1987 wechselte er ins Kommunikationsfach. Seitdem ist er als Kommunikations-Manager und -Analyst, Publizist sowie als Berater und Coach aktiv. Er hat verschiedene Unternehmen gegründet, zuletzt die Value Communication AG, die er als CEO leitet und die sich auf Innovationstechnologien und Kommunikation mit System spezialisiert hat. Hermann Zapf lernte der Autor im Jahr 1988 in Paris kennen. 2001 produzierte er für Hermann Zapf die Multimedia-Werk ›The world of alphabets by Hermann Zapf‹. 2002 arrangiert Weber die Begegnung von Hermann und Gudrun Zapf mit der damals ›Kreativsten Multimediaagentur der Welt‹, Scholz & Volkmer, Wiesbaden. 2008 publizierte Weber eine umfassende Würdigung Hermann Zapfs zu dessen 90. Geburtstag.

Zur Biografie von Hermann Zapf

Hermann Zapf wurde am 8. November1918 in Nürnberg geboren und gehört zu den wichtigsten Schriftkünstlern, Typografen, Kalligrafen aller Zeiten, der sich auch als Autor und Lehrer verdient gemacht hat. Seit 1951 war er verheiratet mit Gudrun Zapf von Hesse. Nach seiner Lehrzeit als Retuscheur, bei der er seine Leidenschaft für die Kalligrafie entdeckte, zog Zapf 1938 nach Frankfurt/Main, wo er sich als Schriftgrafiker und Kalligraf betätigte. Im gleichen Jahr entwarf er seine erste Type Gilgengart für seinen späteren Arbeitgeber, die Schriftgießerei D. Stempel AG.

Nach Arbeitsdienst, Krieg und Gefangenschaft ging Zapf wieder nach Frankfurt und war bei D. Stempel 1947 bis 1956 künstlerischer Leiter. Zwischen 1948 und 1950 war er nebenamtlich als Dozent für Typografie an der heutigen HfG Offenbach tätig. Während dieser Zeit war Hermann Zapf auch als Graphiker im Buchdesign für Verlagshäuser wie Suhrkamp, den Insel Verlag (auch Insel-Bücherei), die Büchergilde Gutenberg oder den Carl Hanser Verlag tätig.

Aus Prinzip arbeitete er jedoch nie für Werbeagenturen. Eine wichtige Betätigung war die des Schriftentwerfers: Es entstanden die Palatino, Aldus und Optima (bereits 1952), die bis heute weit verbreitet sind. Ab 1956 arbeitete er als selbständiger Schriftgrafiker in Frankfurt. Eine der Arbeiten war 1960 die Ausfertigung der Präambel der Charta der Vereinten Nationen für die Pierpont Morgan Library in New York. Seit den frühen 1960er Jahren beschäftigte er sich mit der Kombination von Typografie und Computerprogrammen.

In Deutschland wurden seine Ideen zum computergestützten Satz damals nicht ernstgenommen und sogar auch verlacht. Nach einer Vorlesung 1964 in den USA war die Universität von Texas in Austin sehr interessiert an Zapf und wollte extra für ihn sogar eine Professur einrichten. Er lehnte das Angebot jedoch ab, da seine Frau nicht in den USA leben wollte.

1972 ging er für einen Lehrauftrag für Typografie, den er bis 1981 ausübte, an die Technische Universität Darmstadt. 1976 wurde ihm vom Rochester Institute of Technology die Professur für computergestützte Typografie angeboten, die dort als weltweit erste aufgebaut wurde. Er nahm dieses Angebot an und unterrichtete im ständigen Wechsel zwischen Darmstadt und Rochester von 1977 bis 1987 auch am College of Graphic Arts and Photography.

1977 gründete er zusammen mit Aaron Burns und Herb Lubalin die Firma Design Processing International Inc. in New York. Das Ziel war die Entwicklung von Programmen für typographische Strukturen, die auch von Nichtspezialisten bedienbar sein sollten. Die Firma bestand bis 1986. Danach entwickelte Zapf in Kooperation mit der URWSoftware & Type GmbH in Hamburg die Software »hz program«. Dieses Programm enthält mikrotypografische Veränderungen zum optimalen Zeilenausgleich. Diese Algorithmen wurden für das Programm InDesign lizenziert.

In den letzten Jahren erweiterte er seine Palatino-Schrift insbesondere um griechische und kyrillische Zeichen. Weiterhin arbeitete er die 1993 begonnene Schriftreihe Zapfino aus, die schließlich bei Linotype erschien.

Eine bedeutende Sammlung von Schriftentwürfen, Buchgestaltungen und Signeten Hermann Zapfs befindet sich in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und kann dort in einer Dauerausstellung besichtigt werden.

Am 4. Juni 2015 verstarb Hermann Zapf in Darmstadt.

Ehrungen und Auszeichnungen (Auswahl)

1967 Type Directors Club Medal des Type Directors Club.

1974 Gutenberg-Preis der Gutenberg-Gesellschaft verliehen.

2000 Ehrenmitglied der Deutschsprachigen Anwendervereinigung TeX ernannt.

2003 SoTA Typography Award der “Society of Typographic Aficionados” in Chicago verliehen.

2007 Goethe-Plakette des Landes Hessen in Wiesbaden verliehen (11. Dezember 2007).

2010 Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland in Wiesbaden verliehen (25. Mai 2010).

Zapf-Schriften als „Evergreens“ und Bestseller zugleich — Hermann Zapf hat über 200 Schriften entworfen. Überblick über die wichtigsten Schriftentwürfe von Hermann Zapf.

Aldus® (1954), Aldus Nova (2005), Aurelia™ (1983), Comenius® Antiqua BQ

(1976), Edison™ (1978), Kompakt™ (1954), Marconi® (1976), Medici® Script

(1971), Melior® (1952), Noris Script® (1976), Optima® (1958), Optima nova

(2002), Orion™ (1974), Palatino™® (1950), Palatino nova (2005), Palatino™

Sans (2006), Saphir™ (1953), Sistina® (1950), Vario™ (1982), Venture™

(1969), Virtuosa® Classic (2009), Linotype Zapf Essentials™ (2002), Zapfino®

(1998), Zapfino Extra (2003), ITC Zapf Chancery® (1979) ITC Zapf

International® (1976), ITC Zapf Book® (1976), Zapf Renaissance Antiqua™

(1984–1987), ITC Zapf Dingbats® (1978).

Werke (Auswahl)

  • ›Feder und Stichel‹. Frankfurt am Main, 1949
  • ›Manuale Typographicum‹, Z-Presse Frankfurt am Main/New York, 1954 und 1968
  • Typographische Variationen – 78 Buchtitel und Textseiten‹, Verlagsbuchhandlung Georg Kurt Schauer, Frankfurt am Main, 1963
  • ›About Alphabets. Some marginal notes on type design‹, M.I.T. Press, Cambridge, Massachusetts 1970
  • ›Hermann Zapf & his design philosophy‹, The Society of Typographic Art, Chicago 1987, (und in japanisch: Robundo Publishing Inc., Tokio 1996)
  • ›The world of alphabets by Hermann Zapf – A kaleidoscope of drawings and letterforms‹, Multimedia-CD-ROM, produziert von Andreas Weber, Mainz 2001, herausgegeben von Rochester Institute of Technology, Rochester NY und The Melbert B. Cary Jr. Graphic Arts Collection (vergriffen)
  • Alphabetgeschichten. Eine Chronik technischer Entwicklungen, Mergenthaler Edition/Linotype, Bad Homburg 2007, ISBN 3-9810319-5-4.
  • ›Moderne Zeiten‹ – Sonderveröffentlichung aus Anlass des 90. Geburtstags von Hermann Zapf. Erschienen in: Value Magazin, Ausgabe Herbst, Mainz 2008, Seite 8 bis 16. Mit Beiträgen von Andreas Weber, Hermann Rapp und Hermann Zapf.

Weblinks

http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Zapf

http://www.linotype.com/de/5669/hermannzapfstatement.html

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Der-Schreibmeister-des-Computerzeitalters-Hermann-Zapf-zum-90-215953.html

http://regionalwolfenbuettel.de/typo-magie-ein-nachruf-auf-schriftgestalter-hermann-zapf/

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Es-gibt-keine-Entschuldigung-fuer-schlechte-Typographie-zum-Tode-von-Hermann-Zapf-2681823.html

http://www.deutschlandfunk.de/typograf-zum-tod-des-schrift-connaisseurs-hermann-zapf.691.de.mhtml?dram:article_id=321933

http://www.linotype.com/645-34858/hermannzapfsobituary.html

http://www.nytimes.com/2015/06/10/arts/design/hermann-zapf-96-dies-designer-whose-letters-are-found-everywhere.html?_r=0

http://mashable.com/2015/06/10/hermann-zapf-dies-dead/

http://creativepro.com/remembering-legendary-man-of-letters-hermann-zapf/

http://typographics.com/projects/zapf/

http://www.printernet.at/nr/print_publishing43.html (Ausgabe 220, Juli 2015, Nachruf als Titelstory)

http://campaign.r20.constantcontact.com/render?ca=0d6e5143-c433-4939-ab2e-bae7346fc264&c=9613ef10-1ecb-11e3-bfa3-d4ae5292bb50&ch=96390340-1ecb-11e3-bfcf-d4ae5292bb50 (LetterNews)

Commons: Hermann Zapf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Hinweise:

A) Nadine Chahine und Otmar Hoefer von Monotype GmbH haben zum Andenken an Hermann Zapf eine Facebook-Gruppe einreichten.

https://www.facebook.com/groups/RIPZapf/

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B) Impressionen von der Trauerfeier für Hermann Zapf am 16. Juni 2015 in Darmstadt mit rund 150 Freunden aus Europa, Nordamerika und Japan, die auf Einladung der Familie rund um Gudrun Zapf-von Hesse gekommen waren.

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Hermann Rapp vor seinem Scherenschnitt-Druck in Rot von Friedrich Hölderlin. Foto: Andreas Weber, Frankfurt am Main, 30. Januar 2014

 

Warum es sich lohnt, diesen Beitrag zu lesen:

1. Gedanken zum “Richtigen Leben” nachvollziehen – frei nach Friedrich Hölderlin

2. Neugierig werden auf erstklassige BuchKunstObjekte von Hermann Rapp

3. Das Wirken von 25 Jahre Offizin Die Goldene Kanne erahnen

 

In der Text-Einführung zur Ausstellung heisst es: In der Taunus-Galerie im Landratsamt Bad Homburg zeigt Hermann Rapp von der Offizin Die Goldene Kanne in Neuweilnau bibliophile Bücher, Graphik und Buch­kunst. Bücher, hergestellt in künstlerisch-handwerklicher Art, Tradition und Moderne finden zueinander. Eine Ausstellung, die die Anrede aus einem Brief von einem bedeutenden Wort- und Dichtkünstler an seinen Bruder als Titel trägt, nämlich „Lieber Karl!“, muss als sehr besonders gewertet werden.

Ich will gleiches tun. Meine Einführungsworte sind darum als ein (öffentlich vorgetragener) Brief an Hermann Rapp angelegt. — Damit will ich aber keinesfalls in Konkurrenz zu besagtem, in Bad Homburg entstandenen Brief Friedrich Hölderlins vom 4. Juni 1799 treten. Ich zitiere nun meinen Brief:

 

Lieber Hermann,

vor einiger Zeit hast Du um meinen Rat gebeten, was man antworten soll, wenn Dich jemand auffordert, Stellung zu beziehen zur Frage:

Hat das Schaffen von Hermann Rapp einen ›Antiquarischen Wert‹? 

Meine Antwort kommt spontan und ergab ein klares Ja-Nein!

NEIN, weil Deine Arbeiten im Bereich der herausragenden BuchObjektKunst nicht einfach nur in ein Antiquariat gehören, sondern hohen musealen Sammlerwert besitzt. Viele aufs trefflichste von Dir selbst inszenierte Ausstellungen, vor allem 2013 im Klosterhof des Hölderlin-Ortes Lauffen am Neckar, begeistern über die Maßen Kunst-Liebhaber aller Art. Viele Deiner Werke sind in privaten Sammlungen in Europa und Nordamerika vertreten.

Handwerkliche Druckkunst mischt sich mit einem klaren künstlerischen Ausdrucks- und Gestaltungswillen. Dies geht weit über die gute Illustration zum guten Text im gut gemachten Buch hinaus. Du, lieber Hermann Rapp, erschaffst in Deiner Offizin die Goldene Kanne in Neuweilnau eine neue Kunstform, die Buch, Malerei, Grafik, Relief/Skulptur, Typografie, Objektkunst und Buchbinde-Arbeit auf höchstem Niveau vereint. Das ist einzigartig.

JA, weil Du den Prinzipien und Werten edelsten Buchschaffens mit höchster Innovations- und Schaffenskraft treu bleibst. Die Kombination von Deinem typografischem Wissen, gepaart mit der Kunstfertigkeit des Setzens mit Bleilettern, des Druckens auf der Handpresse, der Wahl und Kombination von Inhalt und Bedruckstoffen, das findige Ausspähen raffinierter Buchbinder-Techniken und nicht zuletzt der literarische Sachverstand, Deine profunde Bildung und Belesenheit erheben Dich zu einem Epigonen und Heroen des Bibliophilen. Selten zuvor gab es in unserem Kulturkreis Künstlerpersönlichkeiten mit so umfassenden Talenten und diesem grenzenlosen Ideenreichtum wie Du, lieber Hermann, dies in Dir und Deinem Schaffen vereint.

Ich möchte soweit gehen, Dich als geeigneten Kandidat für jede Art von Kunst- und/oder Antiquariatspreis vorzuschlagen mit den Worten: JA! Wenn nicht er, wer sonst? Zumal Du auch nach Jahrzehnten im hessischen Exil unverkennbar Schwabe geblieben ist.

____________________________

 

Lieber Hermann,

uns verbindet seit mehr als einem Vierteljahrhundert eine herzliche und innige Freundschaft. Darauf bin ich mehr als stolz. Es ehrt und beglückt mich. Wir haben vieles gemeinsam erlebt, gesehen, besprochen und bedacht. Ich bewundere Deine Schaffenskraft und Kreativität, die ganz eigenen Vorstellungen entspricht. Du bist kundig. Du bist neugierig. Du bist sensibel. Du bist auf wunderbare Weise ein unaufgeregt professionell-kreativ Schaffender, mit einem Wertesystem, das Tradition und Gegenwart vereint. Wo findet man das noch? Sieht man Deine Bibliothek in wunderbarem Fachwerkhaus, staunt man nicht schlecht. ABER: Bücher sammeln und Belesenheit ist für Dich längst nicht das Maß aller Dinge. Sondern über das Wissen und die Kultur der Menschheit kommunizieren zu können, um anderen begreifbar zu machen, was das Leben uns bietet und was wir zu einem „guten“ und „ertragreichen“ Leben beitragen können.

Ohne dass wir bislang darüber sprechen konnten, hast Du mich auf viele Ideen gebracht, die mich selbst in meiner Aufgabe als Experte für Kunst und Kommunikation mit digitalen Medien bereichert und inspiriert haben. Vor kurzem habe ich darüber nachgedacht: „Was macht Kommunikation werthaltig?“ — Deine souveräne Art, das Alte zum Bestandteil des Neuen zu machen, brachte mich auf zwei wesentliche Erkenntnisse und Feststellungen:

Etwas Altes wird etwas Neues.

Die Wesensmerkmale einer werthaltiger Kommunikation sind:
a) Rhetorik – der kreative Diskurs,
b) Hermeneutik – die Sinnhaftigkeit, und c) Innovatik – der systemische Umgang mit Technologieinnovation.

Etwas Altes wird etwas Neues. Du, lieber Hermann, hast viele, scheinbar verschwundene Schätze aus der Antike gehoben. Die altgriechischen Autoren wie Sappho, Sophokles, Homer, Herakleitos oder Kalimachos hast Du für uns wiederentdeckt. Du hast nicht nur ihre Schriften aufgespürt und durchforscht. Du bist vor Ort in Ephesos und anderswo gewesen, um Dir ein Bild zu machen.

Oder Du hast Hölderlins Zeitgenossen wie Schelling, Schiller, Goethe oder auch Mörike ins Visier genommen. Du hast Dich mit Mittelhochdeutschem beschäftigt. Und dies in dem Werk „krizzon“ (Kreis, aber auch einritzen, kritzeln und kratzen) beschäftigt. In allen Weltkulturen taucht der Kreis als universelles Symbol auf. Für Sonne, Gestirne, das Göttliche, das Immerwährende.

Etwas Altes wird etwas Neues – Dein Werk, lieber Hermann, führt uns zum Wesentlichen aus dem sich das Werthaltige formiert. Dein Werk, in diesem besonderem Mix aus Inhalt und Form, Idee und Materialhaftigkeit, Demut und Wirksamkeit, werte ich als kunstfertige Visualisierung und Manifestierung der Rhetorik, die spätestens seit Cicero in der Antike als hochentwickelte Form der Kunst galt. Der kreative Diskurs, getragen von Empathie, Dialektik, Interaktion und Kritikfähigkeit findet mehrfach, auf vielen Ebenen statt. In Dir selbst, mit Deiner Gemahlin Gisela, mit den Autoren, die Du wählst, mit Deiner Werkstatt, den Papieren, den Bleilettern, den Werkzeugen und Maschinen. Und dann mit den BuchKunstObjekten, die Du in exklusiver Auflage, fertigst. Und heute mit uns allen, die Deiner Ausstellungseröffnung in der Taunus-Galerie beiwohnen können.

Die Sinnhaftigkeit erschließt sich dadurch, dass Du über das, was Du schaffst, sympathisch, smart und lebhaft kommunizierst. Du erschaffst uns eine neue alte Basis für das Verstehen als Seinsweise. Wie man Gedanken ausdrücken, interpretieren, übersetzen kann; wie das Auslegen, Deuten und Verstehen gelingt; wie wir durch Sprache und Symbole Gemeinschaft ermöglichen; wie wir geschichtliche und kulturelle Zusammenhänge darlegen. Bleibt noch zu erläutern, was die Innovatik meint. Primär gesehen geht es darum, wie man mit den geeigneten technischen Mitteln, die für Menschen von Menschen geschaffen werden, nutzbringend, vereinfachend und vorteilhaft umgeht. Das Alte wird etwas Neues. So schließt sich der „krizzon“/Kreis. — Das Entweder-Oder-Prinzip, das im Digitalzeitalter zum Dogma wurde, lässt Du, lieber Hermann nicht so ohne weiteres gelten. Du bist zeitgemäß, modern und vorausschauend. Und eben werthaltig.

Hermann und Gisela 1

Hermann Rapp vor seinem Scherenschnitt-Druck in Rot von Friedrich Hölderlin. Foto: Andreas Weber, Frankfurt am Main, 30. Januar 2014

 

Lieber Hermann,

Du lässt, sehr zu unserem Nutzen, Deine Werke nie unkommentiert. Selbst wenn augenscheinlich alles gesagt sein könnte, gibt es stets noch etwas anzumerken, das den Diskurs weitertreibt. Besonders gefallen mir Deine jüngsten Zeilen über Dich selbst. „Rapp erlernte in den 50er Jahren den Beruf eines Schriftsetzers, war später Ausbilder, dann kreativ im Buchverlag tätig, suchte in den Bildenden Künsten seine Passion und stellte sein Wissen um das Künstlerbuch als Vorsitzender eines deutschlandweit und international wirkenden Buchkünstlerbundes zur Verfügung. Nach Jahren, die den Veränderungen im Buchwesen und der Bücherproduktion gerecht wurden, kam immer mehr die Überlegung auf, ein Eigenes auf die Beine zu stellen; eine Beschäftigung für die sog. späten Jahre. Realisiert wurde dies durch die Einrichtung einer Bleisatzwerk­statt, dazu kam eine Handpresse und das nötige Beiwerk. Die Offizin Die Goldene Kanne entstand vor 25 Jahren. Das war 1989, im Jahr der Wende. Klein war die Werkstatt im Haus zur Goldenen Kanne, einem alten Fachwerkhaus, und ist es bis heute: alte Bleisatztypen, übriggebliebenes bei der Modernisierung, Neugüsse, hinzuge­kauftes, da und dort erworben, auch geschenktes … die Regale füllten sich.

Jetzt erwartet man, daß alles sich in einer Traditionsverbundenheit abspielen würde. Das Qualitätsbewußtsein der alten Meister behält Vorbildscharakter, vielfach auch die Handhabungen, doch es gilt aber auch der Zeit, der Gegenwart gerecht zu werden. Und was da in 25 Jahren entstand, will die Ausstellung in Bad Homburg zeigen.“

Und zur Ausstellung in der Taunus-Galerie erläuterst Du konkret: „Das Spektrum der Ausstellung ist groß, manches ist oftmals nur angedeutet. Werkzeuge und Materialien ergänzen das Gezeigte, sie erzählen von den 25 Jahren der Offizin Die Goldene Kanne aus Neuweilnau. (…)

Neu und für diese Ausstellung gefertigt ist die Wiedergabe eines Briefes, 1799 in Homburg vor der Höhe geschrieben. Friedrich Hölderlin schreibt seinem Bruder Karl über das Richtige im Leben. Seine Maximen vermittelt er dem Bruder und läßt ihn an seinem Denken teilnehmen. Ein köstliches Stück Literatur, ein tiefer Einblick. Daher trägt die Ausstellung den Titel „Lieber Karl!“ Neben dem Brieftext, im Bleisatz gesetzt aus einem großen Schriftgrad einer sensiblen und wunder­baren Antiquaschrift namens Diotima, 1949 von Gudrun Zapf-von Hesse entworfen, enthält das Buch sechs Graphikzugaben. Wie eine den Text begleitende Musik stehen dem Wort rote Figurenvariationen gegenüber, Spielereien im bestem Sinne des Wortes. Gedruckt wurde auf ein altes Büttenpapier, leider ist die Herkunft nicht bekannt. Auf dem Umschlag steht ein stark vergrößerter Schattenriß des Dichters, ebenfalls in leuchtendem Rot, dieses Rot steht für die Euphorie Hölderlins in seiner Homburger Zeit von 1798 bis 1800.“

Lieber Hermann, eigentlich passt es gar nicht, dass ich über Dich sprechen soll.

Auch wenn Du schreibst: „Ich glaube über viele Mitmenschen bescheid zu wissen, am wenigsten über mich selbst. Hermann Rapp Januar 2014.“ Mit dem Zusatz: „Befolge die neue Rechtschreibreform nicht. Vielleicht erst, wenn ich die alte kapiert habe“. — Das Richtige im Leben mit der Kunst kannst Du selbst so wunderbar und unnachahmlich darstellen. Sprache, getragen durch Texte und Bilder, sind Dein Element, wie schon so oft bewiesen, bei vielen Gelegenheiten im In- und Ausland. Ich erinnere an Deine Begegnung mit Günter Grass.

Lieber Hermann, so will ich mit meinem Brief an Dich enden: Steh mir zur Seite. Statt über Dich zu reden, will ich viel lieber mit Dir reden. Vor allem über Deine Ausstellung, die wir am 30. Januar 2014 in der Taunus-Galerie in Bad Homburg vor der Höhe gemeinsam eröffnen. Mit all den wunderbaren und im besonderen Fall ganz neuen Werken. Ich habe viele Fragen. Es lebe der kreative Diskurs!

Herzlichst,
Dein Freund

Andreas Weber

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