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Value Com Critic (D)

Xerxo Split.001

Ursula Burns presented today the Fourth-Quarter 2015 results first: Revenues declining, profit growth. At the end she used a single slide for breaking news: “Separation is the best path to enhance shareholder value”. 

The company plans to separate into two market-leading public companies following a structural review. The separation should be completed end of the year 2016. A strategic transformation program anticipated to deliver $2.4 billion in savings over next 3 years across both companies.

My take:

No risk, no fun. During the last 3 years Xerox was not able to speed up its premium business in graphic communications driven by high-level digital printing solutions.

Main reasons: wrong structure, wrong focus, serious management errors.  Specially in Europe. In Germany, Europe’s biggest graphic communication market, Xerox became almost invisible. No presence, no leadership, no (more) success. — It is a shame!

We will see if Xerox is able to change the game via the split. Latest in summer during drupa 2016 as the world’s biggest trade show for graphic communications Xerox has to demonstrate if its technologies are still relevant or not. 

Burns’ out?

Right after the Friday’s press conference there where rumors that Ursula Burns future as CEO is unclear, The Washington Post reported. 

Key facts provided by Xerox

Separate into Two Market-Leading Public Companies Following Completion of Comprehensive Structural Review

  • Transaction to create $11 billion Document Technology company and $7 billion Business Process Outsourcing company in tax free structure
  • Separation, expected to be complete by end of 2016, will maximize return to shareholders and align with current market dynamics
  • Announces strategic transformation program anticipated to deliver $2.4 billion in savings over next 3 years across both companies

 

Fourth-Quarter 2015 Earnings Highlights

  • Delivers GAAP EPS of 27 cents, adjusted EPS of 32 cents and sequential increase in operating margin to 9.2%
  • Generates strong cash flow of $878 million in the quarter, $1.6 billion full-year
  • Services segment delivers revenue of $2.6 billion and double-digit growth in signings in the quarter
  • Announces full-year 2016 guidance of $0.66 to $0.76 in GAAP EPS and $1.10 to $1.20 in adjusted EPS

 

LINKS

Xerox updated its announcement and shared some more detailed information via its Xerox Path Forward blog. 

 

Read as well the CNBC live report.

 

The research company InfoTrends analysed Xerox with focus on the declining R&D spendings over the last 26 years

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Kommunikationsparadies 2015.001

© 2015 Grafik: Andreas Weber, Mainz. Kalligrafie: Prof. Hermann Zapf.

 

Eine Ehre. Eine Freude: Im Rahmen der Ringvorlesung der Hochschule RheinMain, Wiesbaden, wurde ich gebeten, mitzuwirken. “Das Vortragsprogramm zum Thema ‘Strategien’ ist dank Ihrer Bereitschaft mitzumachen ein spannendes geworden. Rund 30 Studierende im Masterprogramm (davon hälftig Designer und Mediamanager) freuen sich auf Sie und Ihr Thema”, verkündete Prof. Gregor Krisztian. Mein Thema am 2. Dezember 2015, ab 17.45 Uhr: “Willkommen im Kommunikationsparadies, dem Reich der Kunstsinnigkeit.” Anbei erste Infos. Eine Doku folgt, inkl. den Anmerkungen der Zuhörer. Ich bin gespannt. —Andreas Weber

 

Kunst ist Kommunikation. Und Kommunikation ist Kunst.

Damit ist das Fundament unseres Mainzer Kommunikationsparadieses gelegt. Ein Ort als ein Wirkungsraum für Gespräche. Gespräche über das Leben, die Kunst, die Technologien, die Sinnhaftigkeit unseres Daseins und Tuns. Diese Gespräche werden beflügelt durch das künstlerische Schaffen aller Disziplinen, multisensorisch und vielfältig erfahrbar.

Das Kommunikationsparadies ist daher Dreierlei:

  1. Eine Geisteshaltung.
  2. Eine Methodik.
  3. Ein Erlebnisraum!

Das Kommunikationsparadies ist kein ›L’art pour l’art‹-Geplänkel. Sondern adressiert die Kultur- und Kreativ-Wirtschaft* mit ihren spezifischen Anforderungen als drittgrößtem Sektor nach Automotive und Maschinenbau!

* Laut Untersuchungen der Deutschen Bundesregierung mit 249.000 Betrieben, 1,5 Mio. Beschäftigen, € 145 Mrd. Jahresumsatz (krisenfest!) und einer Bruttowertschöpfung von > € 60 Mrd.

 

 

Wer mehr erfahren will über das Kommunikationsparadies, es aktiv nutzen, sich einbringen möchte, der wende sich bitte persönlich an Andreas Weber.

KEM-Gedanken Kunstpreis 2015.001

“Der 26. Mainzer Kunstpreis hat wesentlich dazu beigetragen, sich dem komplexen Thema „Kollaps der Moderne?“ konstruktiv-kritisch anzunähern, um eine Position finden zu können. Und die heißt für mich persönlich (#JeSuisAndreas): Den eigentlichen „Kollaps der Moderne“ — den verursach(t)en wir selbst! Wir, die wir in Silos denken, die wir uns voller Impetus solidarisch erklären mit was auch immer, ohne uns für die Sache persönlich zu engagieren oder die Hintergründe zu erfragen. Die wir eine Kultur der Ignoranz entwickelt haben, als Mitläufer in einer post-industriellen Wissensgesellschaft, die nicht mehr verstehen will und kann. Und sich mehrheitlich von der bildenden Kunst und ihren Erschaffern nicht nur distanziert,  sondern ihnen das Gespräch, den Dialog verweigert. Getreu dem Motto: „Ein Bild spricht für sich selbst“ — Puh. Wie dumm ist das denn?” —Andreas Weber

Die Ausschreibung des 26. Mainzer Kunstpreis Eisenturm — Hans-Jürgen Imiela Gedächtnispreis mit der Verleihung am 5. November 2015 hätte keine dramatischere Widerspiegelung durch die normative Kraft des Faktischen erfahren können. Acht Tage nach der Ausstellungseröffnung im Mainzer MVB Forum verdeutlicht die hinterhältige Terror-Anschlag-Serie in Paris als unangefochtene Kulturhauptstadt der Moderne, dass und in welchem Ausmaß unsere Kultur und damit unsere Gesellschaft und unser aller Leben am Abgrund stehen und kollabieren. Die wichtige Frage manifestiert sich sich: Welchen Beitrag können in diesem Kontext bildende Künstler, speziell per Malerei, leisten?

Das diesjährige Kunstpreis-Thema „Kollaps der Moderne?“ trifft den Nerv der Zeit und war so attraktiv in ganz Deutschland, dass über 650 Künstler ihre Malereien einreichten. 39 Finalisten wurden präsentiert, davon drei Gewinner. Spiegelt man nun die drei Gewinnerarbeiten mit dem, was sich am 13. November 2015 in Paris abspielte, wird es spannend und interessant, weil dies sozusagen ein „Proof of Concept via Worst Case“ darstellt. Auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Perspektiven, wovon ich drei herausgreifen möchte:

  1. Wie wurde das Wettbewerbsthema aufgefasst, umgesetzt und verstanden?
  2. Wie können die Künstler und ihre Arbeiten zur aktuellen Situation beitragen und uns aus einer existentiell bedrohlichen Dauerkrise heraus leiten?
  3. Räumt die Gesellschaft — und mit ihr die wichtigsten Kräfte, die entscheidungsbefähigt sind, um unser gemeinsames Schicksal zu lenken — der Kunst überhaupt adäquat Raum ein? Oder wird Kunst als Unterhaltungsprogramm bewertet, sozusagen für Schönwetter-Perioden?

Zu Letzterem zuerst: Über 50 Prozent der deutschen Bevölkerung lehnen es ab, sich in Museen oder Galerien oder Künstlerateliers zu begeben. Sie räumen damit der bildenden Kunst keinen Stellenwert in ihrem Leben ein. Von den verbleibenden fast 50 Prozent gehen wiederum nur etwas mehr als die Hälfte in Museen, Galerien, Kunsthallen und -vereine, um Sammlungen oder Ausstellungen anzuschauen. Noch weniger, höchstens fünf Prozent der deutschen Bevölkerung, kaufen gelegentlich oder sammeln beständig Kunstwerke. Selbst in den Sozialen Medien fehlt der Bezug zur bildenden Kunst auf breiter Ebene. Und das, obgleich sich Hunderttausende Deutsche wie immer bei Katastrophen, Terroranschlägen und unmenschlichen Grausamkeiten in den Online-Foren tummeln und aktiv beteiligen. Das, was Künstler wie Otto Dix, Max Beckmann, Picasso und viele, viele andere bis heute beigetragen haben, um unser Verständnis zu wecken und das Bewusstsein gegen Krieg, Terror, Gewalt und Mord zu schärfen, bleibt ausser acht. Ebenso die Fähigkeit von Künstlern nicht nur retrospektiv Erlebtes aufzuarbeiten, sondern „Bedrohliches“ zu antizipieren. Bevorzugt wird, dass man eigene Bilder schafft. Im Januar und Februar 2015, nach dem feigen Anschlag auf die Satiriker von Charlie Hebdo tönte es millionenfach per Bild/Foto-Post: #JeSuisCharlie“. Nunmehr, nach den Terroranschlägen des 13. November 2015, passiert ähnliches.

Bewirkt hat dieses m. E. nach falsch verstandene kollektive Bewusstsein wenig bis nichts. Denn keiner von uns ist „Charlie“. Wir sind alle jeweils immer wir selbst. Sich per #JeSuisCharlie zu tarnen, heisst, sich ein Alibi zu geben, ohne selbst etwas aktiv gegen Missstände zu unternehmen. Und, da es so gut tut, sich solidarisch zu zeigen, machen wir so weiter. Die tragische Logik scheint zu sein: Wenn es schon nicht wirkt, was wir tun, indem wir die Kunst und die Künstler ausblenden, führen wir das gerade so fort. Millionen Facebook-Nutzer überblenden seit dem 13. November 2015 ihr Porträt mit der französischen Nationalflagge. Die wenigsten äußern sich konstruktiv dazu, was getan und geändert werden muss, damit so etwas nicht mehr passiert. Im Gegenteil: Ohne wirklich zu wissen, was man tut, konterkariert man das Schaffen der Künstler, die genau wissen worum es geht. Das Gemälde „Charles de Gaulle“ des in Sidney, Australien, geborenen, Libanon-stämmigen Künstlers Sid Chidiac www.sidchidiac.com ist ein Beleg dafür und zerlegt subtil, wie inhaltlich und personal beliebig/austauschbar solche Selbst-Mach-Bild-Solidaritäts-Bekundigungen sein können. Sid Chidiac lässt De gaukle vor der französisches Flagge posieren. Das „Rouge“ der Tricolore tropft hinab auf seine Uniform und verwandelt sich in Blut! — In Paris selbst würde aktuell ein Besuch im Grand Palais bei „Picasso.Mania“ zeigen, wie sich Picasso, der Meister der Moderne, mit dem „Kollaps der Moderne“ zu seiner Lebenszeit auseinandersetzte. Und wie Künstler rund um die Welt auf ihn und sein Werk reagierten. Aber all dies scheint momentan vergessen oder wird nicht beachtet.

Das traurige Ergebnis zu Punkt 3: Die Gesellschaft räumt der Kunst, speziell der Malerei, keinen gebührenden Raum ein. Malerei ist und bleibt „L’art pour l’art“. Quasi etwas von Schön-Geist-Eliten für Schön-Geist-Eliten. — Etwas läuft also falsch! Wir müssen dringend gegensteuern. 


Kommen wir zurück auf Punkt 1: Wie wurde beim 26. Mainzer Kunstpreis Eisenturm das Wettbewerbsthema aufgefasst, umgesetzt und verstanden?

Der Andrang zur Kunstpreis-Ausstellungs-Eröffnung im Mainzer MVB Forum war groß, die Ambitionen hoch (siehe meinen separaten Bericht zur Eröffnung: “Meister der Adaption”). Denn seitens der einst von Mainzer Bürgern gegründete Bank MVB als tatkräftiger Förderer, der Stadt Mainz als Partner sowie der Mitglieder und des ehrenamtlichen Vorstands des Kunstverein Eisenturm Mainz (KEM) als Initiatoren erfolgte ein außerordentlich hohes Engagement. Galt es doch, den 26. Kunstpreis im 40. Jahr seit Gründung des KEM gebührend zu würdigen. Ob in der Breite, bei den beteiligten Künstlern wie bei den Besuchern, das Wettbewerbsthema im Sinne der Ausschreibung richtig und umfassend aufgenommen wurde, bleibt fraglich, liegt aber nicht in der Verantwortendes KEM. Das klingt hart, ist aber als konstruktiv-kritischer Einwand berechtigt.

Zur Erinnerung — Dies fragte der Kunstverein Eisenturm mit der Ausschreibung seines 26. Kunstpreises „Kollaps der Moderne?“:

„Steht der Begriff der Moderne immer noch für Innovation, Aufbruch, Zeitgeist, Fortschritt, Erneuerung – Avantgarde? Oder ist er zum einengenden Korsett und Dogma erstarrt und reflektiert den Pluralismus unserer Gesellschaft nicht mehr? Wie sehen Künstler die momentane Diskussion, die mittlerweile einen Großteil der gestalterischen Erzeugnisse der Zeit nach 1945 erfasst hat?“

Betrachtet man die Finalistenarbeiten insgesamt, zeigt sich, dass sich die Künstler mit der Moderne schwer tun. (Anders die Gewinner:  Die drei gewählten Preisträger stellen sich würdig und herausragend dar! Siehe unten.) Von Innovation, Aufbruch, Fortschritt, Erneuerung, Avantgarde zeigte sich mehrheitlich kaum etwas. Die meisten der Finalisten frönen dem Zeitgeist. Also einem aus meiner Sicht unsäglichen Begriff, der das o. g. #JeSuisCharlie-Syndrom befeuert: Etwas zu tun in bester Absicht, ohne auf die Sinnhaftigkeit zu achten. Diesem Prinzip folgte auch die Laudatio am Preisverleihungs-Abend. Mit dem leider kläglichen Versuch, die eingereichten Arbeiten in einen kunsthistorischen Kontext einzuordnen. Dabei wurden Bezugssysteme aufgebaut, die missverständlich waren, auf die fälsche Fährte führen und bei den beteiligten Künstlern mitunter nur Kopfschütteln verursachten.

Übrigens: Der 1999 verstorbene Prof. Wilhelm Weber, Maler, Kunsthistoriker/Professor und Museumsdirektor (zuletzt am Landesmuseum Mainz) wurde nie müde, das Bonmot von Otto von Habsburg zu zitieren: „Wer sich mit dem Zeitgeist verheiratet, ist morgen verwitwet!“. Recht so!

Insofern ist die Frage „Kollaps der Moderne?“ unmittelbar verbunden mit der Frage „Kollaps der (gängigen) kunsthistorisch-medialen Interpretation der Moderne?“. Dies spricht für die Hilflosigkeit und durchaus auch Ignoranz bei (professionellen) Interpreten moderner bildender Kunst, die  ihr Fachwissen über das Talent der lebenden Künstler stellen, die direkt gar nicht mehr befragt werden. Dieser Dialog-Ausschluss erhält einen Multiplikationseffekt durch die sich darauf beziehende Zeitungsberichterstattung über den 26. Mainzer Kunstpreis. Es wurde auf Basis der Laudatio der Ausstellung und den beteiligten Künstlern ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Unter der Überschrift „Fragezeichen unter schönen Farben“ nahm die Reporterin Marianne Hoffmann einen Verriss vor. Auszug: „Was gezeigt wird, ist brave Malerei, ohne Ecken und Kanten, technisch perfekt. Ein einziges Mal hat es einer gewagt, den „Kollaps der Moderne” [sic! — Das wichtige Fragezeichen nach Kollaps wurde vergessen!] auf zwei Kartons in Acryl darszustellen [sic!], wobei dem Menschen auf Karton I ein Messer ins Gesicht gerammt wird. Überhaupt, ist das nicht ein Edward Hopper, ein Zitat nach René Magritte, Roy Lichtenstein, Marcel Duchamp, Georges Braque oder Max Bill? Das solllte [sic!] jedenfalls dort zu sehen sein, geht es nach der Kunsthistorikerin Sabine Idstein. Sie verstieg sich sogar so weit, dass sie das Werk der Künstlerin Anna Grau aus Berlin, die den ersten Preis erhielt, so beschrieb: „Ihr Gemälde bringt ,Les Demoiselles d’Avignon’ auf den neuesten Stand.” Gezeigt wird ein Mann oder eine Frau mit wulstigen Lippen und üppiger Frisur, betrachtet durch ein Butzenglas, das die Konturen so schön verwischt und die verwendeten Rot- bis Pinktöne so schön leuchten lässt. Heike Negenborn aus der Nähe von Bingen bringt ihre „Net Scape” [sic!] verdrahtete Landschaft auf Platz zwei, und Marcus Günther, der Kulissenmaler aus Düsseldorf, schafft es mit Pink und Grün und dem Sujet „Science Fiction” auf Platz drei. Helles Pink, zwei Menschen in grasgrünen Raumanzügen, ein eye-catcher. Was Andy Warhols Farbspektrum und plakative Werbeästhetik mit diesem Werk gemeinsam haben, das scheint der Kollaps der Moderne zu sein.“

Das für mich Ärger und Erstaunen provozierende Ergebnis zu Punkt 1: Das wichtige, angemessene und wegweisende Thema des 26. Kunstpreises „Kollaps der Moderne?“ konnte nicht adäquat verstanden werden, weil die Kommunikation darüber kunsthistorisch eitel-verbrämt und damit irritierend missverständlich geführt wurde. Es stellt sich die berechtigte Frage: Warum hat für die Laudatio und die Pressekritik niemand die Preisträger selbst und direkt angesprochen? Sie waren verfügbar. Und bei der Preisverleihung persönlich anwesend. Es hat sie nur keiner zu Wort kommen lassen. Damit wird Ihnen die angemessene Bedeutung geraubt. Dies könnte postum Hans-Jürgen Imiela, an den der Mainzer Kunstpreis Eisenturm erinnert, einen Temperamentsausbruch bescheren. 

Bildschirmfoto 2015-11-15 um 17.34.53Dabei sind Gespräche mit Künstlern und unter Künstlern so wichtig.

Genannt sei nur das legendäre sog. „Ravensburger Gespräch“ von Joseph Beuys mit dem Autor Michael Ende („Momo“) im Jahr 1982 zu „Kunst und Politik“.

Beuys, jahrzehntelang die schillernde, redegewandte Figur der deutschen Nachkriegs-Moderne und Vater des „Erweiterten Kunstbegriffs“, sagte im Gesprächsverlauf zu Michael Ende: „Jeder Mensch ist ein Künstler“; worauf Ende, der durchweg substantiell tief gehender argumentierte als Beuys, diesen aufklärte: „Jeder Mensch ist ein Mensch!“

Foto. Andreas Weber, Mainz/Frankfurt am Main

Die Preisträger folgen (stumm) der Laudatio. Foto. Andreas Weber, Mainz/Frankfurt am Main

Kollaps der Moderne: „Wir machen die Kunst und die Künstler sprachlos!“

Die PreisträgerInnen hätten zu den o. g. Punkten wie auch ihrem Schaffen selbst Antworten und Gedanken beitragen können. V. a. durch die Frage: „Wie können die Künstler und ihre Arbeiten zur aktuellen Situation beitragen und uns aus einer existentiell bedrohlichen Dauerkrise heraus leiten?“

Marcus Günther, von der Mainzer Zeitungskritik als „Kulissenmaler aus Düsseldorf“ abgetan, hätte den bewusst provokativen Stil seines Gemäldes „Fakt“ als Drittplatzierter verständlich erläutern können. Aus meiner Sicht ungefähr so: „Eine Candy-Cinderella-Welt, die wir Modernen uns schaffen, findet durch Malerei ihre Entsprechung!“ — Heike Negenborn hätte nicht nur zur Intention ihres Gemäldes „Net-Scape“ verbal Auskunft gegeben, ohne den Betrachter plumb vereinnahmen zu wollen. Sie hätte auch kundgetan, was sie auf ihrer Facebook-Seite im Nachgang äusserte: „Mein Beitrag zum Hans-Jürgen Imiela-Gedächtnispreis: ‚Net-Scape – Landschaft im Wandel‘ 2014, Acryl auf Leinwand, 125 x 150 x 6 cm — In Gedenken an Prof. Hans-Jürgen Imiela ist es mir noch ein besonderes Anliegen zu erwähnen, dass ich das Glück hatte, ihn noch persönlich kennen- und schätzen gelernt zu haben. Im Rahmen meines Kunststudiums an der Akademie für Bildende Künste in Mainz habe ich zahlreiche seiner höchstinformativen und mitreißenden Kunstgeschichtsseminare und -vorlesungen besucht. Viele Generationen von Studenten und Interessierten verdanken ihm noch heute ihr kunstgeschichtliches Wissen. Bei einigen meiner eigenen Ausstellungen hatte ich sogar die Ehre, ihn persönlich begrüßen zu dürfen (u. a. zur Verleihung des Mainzer Stadtdruckerpreises 1998 und zu meiner Stipendiatenausstellung in Bad Münster am Stein–Ebernburg 2004). Für mich hat der Hans-Jürgen Imiela-Gedächtnispreis in Erinnerung an diesen einzigartigen Menschen eine ganz besondere und persönliche Bedeutung.“ — GROSSARTIGES STATEMENT! Denn Heike Negenborn bringt zum Ausdruck, dass sie Dank des persönlichen Kontakts zu einem überaus kundigen, sich der klassischen wie der zeitgenössischen Moderne verpflichtenden Kunstwissenschaftlers und langjährigen KEM-Vorsitzenden keinen „Kollaps der Moderne“ für sich selbst erfahren musste! Im Übrigen: Die von Dr. Otto Martin und mir mitherausgegebene Festschrift für Hans-Jürgen Imelda zu dessen 70. Geburtstag im Jahr 1997 trug auf Imielas Wunsch den Titel „Rück-Sicht“! 

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Anna Grau vor ihrem Gemälde „Meister“, das den 1. Preis erhielt.

In der persönlichen Auseinandersetzung mit der 1. Preisträgerin, Anna Grau, hätte man erfahren können, was sie empfindet, wenn sie malt. Sie antwortete mir im persönlichen Gespräch, beim Zusammensein nach der Preisverleihung, auf die Frage „Was machst Du, wenn Du malst? Denkst Du an Picasso und seine Les Demoiselles D’Avignon?“ kurz und knapp und mit einem versonnenen Lächeln: „Ich male Gefühle!“. Diese Gefühlswelt ist die einer Russin, die als 15-jährige nach Berlin kam und dort seit 20 Jahren lebt. Eine Tochter hat. Die als Europäerin fühlt und denkt! Die Entwicklungen in ihrem Geburtsland mit großer Sorge sieht, sich bisweilen ohnmächtig fühlt. Die nicht immer mit der Welt, in der sie lebt, zurecht kommt, auch wenn es eine freiheitlich-demokratisch-rechtsstaatliche ist. Hätte man sie direkt gefragt, zu Putin und der Re-Sowjetisierung Russlands, sie hätte gesagt: „Oh nein ich male keine politischen Bilder. Mich interessiert der Mensch mit seinen Tiefen und Leidenschaften und Schwächen.“ Sie hätte gesagt, wie wichtig Malerei für sie ist. Gerade in einer „digitalen Welt“. Sie hätte gesagt, dass ihr in Mainz prämiertes Werk „Meister“ eine Sonderrolle in ihrem Schaffen spielt — weg von realistisch-surrealer Darstellungsweise hin zur Emotion pur! (Etwas, was sich dem Betrachter nur erschließt, wenn er andere Werke von Anna Grau sehen kann, was in Mainz nicht möglich sein kann). — „Hast du vergessen? Ich male Gefühle!“

Fee Fleck Event Keyvisuals a la Caravaggio.004

Kollaps der Moderne? — In Mainz kann man dies derzeit (wie auch schon über die Jahrhunderte hinweg) hautnah nachvollziehen. 

Zeitgleich mit der Ausstellung zum 26. Mainzer Kunstpreis Eisenturm arbeitet die Mainzer Malerin Fee Fleck an einem monumentalen Gemälde-Zyklus zum Thema „Drohnen“, also jenen fliegenden Kampfsystemen, die ferngesteuert in Krisengebieten wie Afghanistan, Irak, Jemen oder Syrien Tod und Verderben per Joystick bringen. Da der Gemälde-Zyklus im Ganzen noch nicht fertig gestellt ist, traute sich das langjährige KEM-Mitglied Fee Fleck wohl nicht, ein Einzelbild aus 18 Tafeln herauszulösen, um es beim 26. Kunstpreis-Wettbewerb im Sommer 2015 einzureichen. Das wäre spannend gewesen. Zumal Fee Fleck von Anfang an, also bereits während der Entstehungsphase ihrer Bildtafeln, aktive Dialoge durch persönliche Gespräche initiiert, wie am 10. November 2015 in meinem Mainzer Kommunikationsparadies unter dem Thema „Im Reich der Drohnen! — Mutig. Schonungslos. — Ein Aufschrei. Gegen das Vergessen, das Verdrängen, die Ignoranz.“ Das Publikum brachte sich aktiv ein. Die Bildwerke wie die Interaktionen mit „Betrachtern“ wird in die Ausstellung im März 2016 im Frankfurter Hof in Mainz mit einfliessen. Ein ähnliches Szenario, wie es die Künstlerin entwickelte, hätte auch dem 26. Kunstpreis gut tun können.

MEIN FAZIT: Der 26. Mainzer Kunstpreis hat wesentlich dazu beigetragen, sich dem komplexen Thema „Kollaps der Moderne?“ konstruktiv-kritisch anzunähern, um eine Position finden zu können. Und die heißt für mich persönlich (#JeSuisAndreas): Den eigentlichen „Kollaps der Moderne“ — den verursach(t)en wir selbst! Wir, die wir in Silos denken, die wir uns voller Impetus solidarisch erklären mit was auch immer, ohne uns für die Sache persönlich zu engagieren und die Hintergründe zu erfragen. Die wir eine Kultur der Ignoranz entwickelt haben, als Mitläufer in einer post-industriellen Wissensgesellschaft, die nicht mehr verstehen will und kann. Und sich mehrheitlich von der bildenden Kunst und ihren Erschaffern nicht nur distanziert,  sondern ihnen das Gespräch, den Dialog verweigert. Getreu dem Motto: „Ein Bild spricht für sich selbst“ — Puh. Wie dumm ist das denn?

HINWEIS: Exzellent, was Gabor Steingart als Herausgeber in seinem Handelsblatt Morning Briefing am 16.11.2015 schreibt: “Weltkrieg III. / Lesen Sie meine Meinung zu den Geschehnissen in Paris”. Unterfüttert die Basis für das, was ich in meinem Blog zu “Kollaps der Modern?” geschrieben habe. 

Miriam Meckel Kritik.001

Eine Kritik an der Medienkritik von Miriam Meckel

Grossartig. In vielem hat sie recht, die WiWo-Chefredakteurin Miriam Meckel, ehemals Kommunikationswissenschaftlerin in St Gallen. Und schickt uns trotzdem wie sich selbst auf die falsche Fährte… Auszüge aus ihrem Artikel „Zukunft der Medien: Unkreative Zerstörung in der Medienbranche“:

  • INTRO: Der digitale Wandel wirkt bei Medien und Werbung bisher nicht schöpferisch, sondern verdummend. Wir sollten das ändern, um unser Menschsein zu wahren.
  • Der derzeitige Slogan der Werbewirtschaft – „Klick mich!“ – hat ungefähr den erotischen Reiz der früheren Call-in-Werbeformate im Privatfernsehen.
  • In den vergangenen zehn Jahren hat sich unsere Aufmerksamkeitsspanne von zwölf auf acht Sekunden reduziert. Sie liegt damit nun unter der eines Goldfischs. Das liegt auch daran, dass das Werbemodell in der digitalen Medienwelt auf Reizüberflutung statt Qualitätsbotschaften, auf dumpfe Reaktion statt Engagement setzt.
  • (…) die Qualität von Inhalt und Werbung steht in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis. Wer gute Inhalte sucht, will werbemäßig nicht wie eine Dumpfbacke behandelt werden. Umgekehrt gilt das Gleiche.
  • Die Logik der biologischen Verödung des Menschen greift, wenn wir zulassen, dass im Zuge der Digitalisierung Inspiration gegen Bequemlichkeit und Qualität gegen das schnelle Abschöpfen von Quantität ausgetauscht werden.
  • Tatsächlich sollte es in unserem Leben so etwas wie ein verbindendes Element geben, das über unsere individuellen Präferenzen, unsere Wohlfühlzonen der Selbstgewissheit und Selbstverstärkung hinausreichen sollte. Das leisten auch soziale Netzwerke nur partiell (…)
  • Nur wer sich Überraschendem, Unvorhersehbarem aussetzt und sich neuen Aufgaben in immer wieder anderen Zusammenhängen stellt, bleibt im Kopf vital.
  • Wenn wir also nicht nur Ziel, sondern auch Treiber der digitalen Informationswirtschaft sein wollen, dann sollten wir nicht weiter zulassen, dass unser Gehirn mit Massenware überflutet wird, wie es derzeit in vielen digitalen Angeboten geschieht.
  • OUTRO: Unsere Haupteigenschaft ist, dass wir Mensch sind. Das ist nicht nur ein Gattungsbegriff, sondern bezeichnet auch eine Qualität. Für die Gestaltung unserer Medienzukunft wäre es gut, wenn wir kreative Zerstörung fördern würden, unter der Voraussetzung, dass der Mensch Teil der Gleichung bleibt. Alles andere wäre die weitreichendste Disruption, die wir uns vorstellen können: die des jahrtausendealten Geschäftsmodells der Humanität.

Meine Kritik: Please practice what you preach!

Kluge Worte nehmen Schaden und bringen kaum Nutzen, wenn man sie, wie Miriam Meckel als Mitverantwortliche der Plattform, auf der sie publiziert, in einem Umfeld präsentiert, das genau das anschaulich macht, was (zurecht) kritisiert wird. Zu dem zeigt Miriam Meckel keinen probaten Lösungsansatz auf. Hier gut, da schlecht, so ist die Welt gar nicht. Und Technologieentwickler wie Facebook oder Google als Volksverdummer zu brandmarken, weil sie Technik höchst einfach und leicht nutzbar machen, bringt wenig. Und trifft den Kern nicht: Die High-Tech-Newcomer mit ihren Algorithmen wollen gar nicht Medien sein.

Apropos Volksverdummung: Dummheit ist die Ausprägung von mangelnden Kenntnissen und damit verursacht durch ein Bildungsdefizit. Und hier liegt das Dilemma mit den werbefinanzierten Medien von denen Miriam Meckel spricht: Die, die diese Medien machen, haben die neue Welt und die Grundprinzipien der „Digitalisierung“ nicht verstanden. Hier sind seit mehr als 25 Jahren kreative Zerstörungen am Werk, die disruptivem Denken entsprechen. Wohlgemerkt: Denken. Technologien können per se nicht disruptiv sein, sie optimieren etwas, was schon in anderer Form vorhanden oder nicht möglich war. Mit dem Ergebnis: Die Königsdisziplin ist Multichannel! Technologie vernetzt, das Social Life zielt auf das Verstärken der Human-to-Human Kontakte ab. Medien und ihre Macher als Mittler im Datentransfer spielen da kaum eine Rolle bzw. werden nicht mehr wie bisher gebraucht. Wir alle können mit uns allen direkt in Kontakt treten, Daten nach belieben hin und her schaufeln, uns austauschen, Interaktionen herbeiführen, Dinge empfehlen. Was auch immer. Grenzen gibt es keine. Und gerade Blogger lieben es, über ihr Blogging Menschen persönlich zu erreichen, die sie anders kaum finden würden, und, wenn es passt, diese andere, neue Person persönlich zu treffen.

Liebe Frau Meckel, Sie ausgenommen, muss man feststellen: Die „Dumpfbacken“, wie sie es nennen, sitzen in den Chefetagen der (traditionellen) Medien. Das sind zu 99 Prozent „digitale Analphabeten“, die Smartphones und Tablets stolz besitzen, aber gar nicht professionell nutzen können. Das auf uns Leser/User/Zuschauer, sprich Empfänger (und damit uns alle) abzuwälzen, ist weder sinnvoll noch zielführend. Ihre „Medien“ haben doch schlichtweg den Anschluss verpasst. Und wollen an der Gier nach noch mehr Werbegeldern festhalten — und weniger an dem Wohl der Leser/User/Zuschauer. Alle Neuerungen, die das Kommunikations- und damit Medienverhalten beeinflussen und verändern, kommen von Dritten, ausserhalb der Medienbranche. Das kommt gut an. Warum auch nicht? Ergo: Ihre Medien sind nicht (mehr) meine/unsere Medien. Der „Qualitäts-Journalismus“, wie sie ihn einfordern, den gibt es seit langem nicht mehr, weil Journalisten per Diktat durch die „Dumpfbacken“ auf die Quote schielen müssen. Oder? (Siehe dazu meine Analyse zu Zeitungsverlagen). Das ist der wahre Grund für das Dilemma und die „Unkreative Zerstörung in der Medienbranche“, die sie anprangern. — Besser erscheint aus meiner Sicht, liebe Frau Meckel, zu praktizieren, was Sie predigen. Zeigen Sie doch, wie es gehen sollte, am eigenen Beispiel auf! Vielleicht können Sie uns dann wieder begeistern.

Beste Grüße aus der Gutenberg-Stadt Mainz, dem Ursprungsort unserer Kommunikationskultur! Hoch geschätzt von wenigen Deutschen — aber von vielen aus dem Silicon Valley sowie den Innovationszentren in China, Japan und Korea!

Ihr 

Andreas Weber

PS: Den Beitrag von Miriam Meckel fand ich nur, weil er auf Facebook von einem Freund gepostet wurde. Die WiWo-Website lese ich sonst nicht… Und das aus gutem Grund, wie der nachfolgende Screenshot von der WiWo-Website vom 23.10.2015 zeigt: Kommunikativ ein Desaster! Oder?

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My_Picasso.Mania Collage.001

#TuEsPablo — #JeSuisAndreas: Die Ausstellung Picasso.Mania im Pariser Grand Palais

Notizen und (launig-besinnlich-kritische) Gedanken von Andreas Weber

Der Zugang zu Picasso, dem Kunst-Großmeister der westlichen Moderne, ist bisweilen schwierig. Bei der Suche nach der ihm gewidmeten Ausstellung Picasso.Mania landete ich bei einem Pulk gut gekleideter, auf den ersten Blick schöner Menschen an einem Seiteneingang des Pariser Grand Palais. Mich empfingen aber nicht die Les Demoiselles d’Avignon, sondern die Jünger von YVS, neuerdings kurz St. Laurent genannt, die im kleinen Kreis die neue (von der klugen Mode-Kritik am gleichen Tag verrissene) Kollektion vorstellten. Mein “Zugang” zu Picasso lag aber am anderen Ende…

Ein Chanson von Jacques Dutronc kommt mir in den Sinn. — Paris (l’art) s’éveille!

“Il est cinq heures
Paris s’éveille 

Les travestis vont se raser
Les stripteaseuses sont rhabillées
Les traversins sont écrasés
Les amoureux sont fatigués

Les journaux sont imprimés
Les ouvriers sont déprimés
Les gens se lèvent, ils sont brimés
C’est l’heure où je vais me coucher
…”

Die Massen strömten. Man muss Karten (online) buchen, um zu bestimmten Uhrzeiten den Einlass zu ergattern. Hat man die Hürden genommen, wird es schön, fast heimelig und äußerst gesittet. Mit meinem Presseausweis gewappnet, wurde ich wie ein König behandelt, der den Kaiser besucht. Spontan entschloss ich mich, mein Erlebnis durch eine Reihe von Selfies (Fotos sowie einige wenige Kurzfilme via iPhone) festzuhalten. Zu sehr war und bin ich überwältigt. Von der Ausstellungskonzeption (gezeigt wurden Arbeiten Picassos, Filme/Szenen mit ihm und die Reflexionen seines Werkes durch andere Künstler wie u. a. Hockney, Warhol, Saura, Lichtenstein, Samba, Kippenberger Jaspar Johns, Condo, Hamilton, Oldenburg, Golub, Ringgold, Lavier, Morley Dijkstra, Colescott und Rauschenberg), über die Ausstellungsarchitektur sowie das Verhalten des Publikums. Letzteres teilte sich in drei Gruppen aus aller Herren Länder: Die einen fotografierten soviel es ging und eilten weiter. Die anderen hatten ständig den Audio-Führer am Ohr; und die dritte Gruppe zog schwärmend und fasziniert umher. Ob die alles verstanden haben, was sie sehen/erleben konnten? Sei es drum, in jedem Fall ist Picasso für alle ein Gott, eine Ikone, eine Heiliger, ein Unerreichbarer — frisch, unverbraucht, inspirierend. Und das ungebrochen noch fast zwei Generationen nach seinem Tod.

Bei den ausgewählten Künstlern konnte ich zwei Positionen ausmachen: Die einen, die aus Bewunderung für Picasso seine Werke zitieren und in eigener Weise, durch Picasso inspiriert reflektieren oder interpretieren. Die anderen, die fast als Trittbrettfahrer agieren und den „Meister“ nutzen, um sich zu profilieren. So taucht in der Ausstellung als Exponat auch per Großfoto der Spross eines Königshauses auf, der vor Picassos Guernica-Gemälde posiert und redet.

Albern? Respektlos? Ehrenrührig? Das frage ich mich beim Rausgehen nochmals. Der Weg führt durch die „Einkaufsmeile“, vom Katalog, über Publikationen aller Art bis hin zu Kleidungsstücken und Nippes. Alles da. Hübsch arrangiert. Und stark frequentiert. Damit man etwas mitnimmt, als Erinnerung, zum Nachlesen oder Vertiefen. In der Ausstellung selbst wird wenig Gebrauch davon gemacht, sich vor den Originalen mit anderen über die Originale zu unterhalten. Dabei war Picasso so dialogfreudig, so lebensnah. So bodenständig und voller Lust. Apropos: Die Ausstellung klammert thematisch aus, welche Anregungen Picasso selbst im Lauf seines Lebens erfahren hat. Durch Reisen (vor allem nach Pompeji); durch Max Beckmann, den Picasso wie 1947 persönlich gegenüber meinem Vater Wilhelm Weber geäussert hat, mit kritischer Distanz bewunderte und wohl als seinen stärkten Konkurrenten empfand; durch seine Begegnung mit dem grossen Meister traditioneller chinesischer Malerei, Wang Xuetao, der Europa 1956 besucht hatte und u.a. für Picasso vor dessen Augen in wenigen Minuten, aber dafür in höchster Perfektion einen Adler malte. Picasso war perplex. Und voller Demut, indem er sagte: „Die wahre Kunst liegt im Fernen Osten.“ (Siehe: China in Mainz — Ein Hoch auf die Kunst von Jian Xu und seiner Familie). Über diese Einflüsse auf Picasso mehr zu erfahren, das hätte ich mir im Kontext der „Picasso.Mania“-Ausstellung gewünscht, zumindest in kurzer knapper Form. Aber vielleicht war das zu sehen oder erfahrbar. Und ich war nur zu überwältigt, um es wahrzunehmen. Wer weiß. Die Ausstellung öffnet noch bis 29. Februar 2016. Zeit und Gelegenheit genug, nochmals hinzugehen. Und darüber nachzudenken, ob die Kunstkritik in ihrer Einschätzung der Ausstellung und des Werkes von Picasso hilfreich ist oder nicht. Vieles bleibt offen oder wird nicht gerade einsichtig kommentiert. Aber es bleibt uns die Möglichkeit, uns selbst einen Eindruck zu verschaffen. Durch genaues, unvoreingenommenes Hinsehen, durch den Dialog mit anderen und uns selbst, um zu Verständnis zu gelangen. #TuEsPablo — #JeSuisAndreas — #NousSommesNous.

Nachtrag: Beim Ausgang der Picasso.Mania-Ausstellung, im Foyer des Grand Palais, kauerte eine Gruppe Schulkinder am Boden. Sie wirkten ermattet und vergnügt zugleich. Und redeten miteinander, über das, was sie in der Ausstellung erlebt haben. Drei Tage später (ich eilte von Paris aus weiter nach Wien zu einer Konferenz) sehe ich im Wiener Hauptbahnhof bei meiner Abreise ebenfalls Kinder am Boden kauernd. Sie sind auch ermattet. Reden aber nicht, sondern schauen stumm und erschreckt vor sich hin oder schlafen vor Erschöpfung in den Armen ihrer Eltern/Verwandten. Es schaudert mich und wird noch schlimmer, als ich in der Bahn bei Passau die Grenzkontrollen miterlebe. Unmenschlich, was da passierte. Diskriminierend. Ohne Mitgefühl seitens der „Ordnungshüter“. Ich schäme mich und bin betroffen ob unserer Ohnmacht, wie auch andere Fahrgäste. — Was Picasso aus diesem, meinem Erlebnis wohl gemacht hätte? Sicher wenig im Stile derer, die im Grand Palais auf ihn Bezug nehmen. Und damit glänzen.

TIPP ZUM ANSCHAUEN ALLER BILDER ALS VIDEOANIMATION!

Formel-1-Syndrom — Sebastian Vettel: „Wir müssen über den Schatten springen!“.001

Eine Manöverkritik aus aktuellem Anlass.

Von Andreas Weber

Über 200.000 Menschen wurden rund um den Grand Prix in Monaco zur Formel 1 befragt. Das Ergebnis ist eindeutig: Zu teuer, zu technisch, zu langweilig. Sebastian Vettel muss im Interview per ARD Morgenmagazin am 3. Juli 2015 gesendet, unverblümt zugeben, dass man sich im Rennzirkus wohl zu sehr mit sich selbst beschäftige. Und zuwenig mit den Zuschauern. Die Interessen der Veranstalter und Rennställe decken sich nicht mehr mit denen der Zuschauer. Die Fahrer leiden darunter, wie Sebastian Vettel und andere Rennfahrer einräumen. Vettel empfiehlt, zu überdenken, was man da tue. Und fordert auf, über den eigenen Schatten zu springen.

Das ist eine Steilvorlage, um im Rennen um werthaltige Kommunikation seine Position zu überdenken. Und das betrifft uns alle. In den letzten Wochen tun sich geradezu Abgründe auf, da auf breiter Front das Ziel verfehlt wird. Und der Dilettantismus Oberhand gewinnt. Beispiel: Die Messe Nürnberg schafft es mit der CO-REACH als Fachmesse für Dialogmarketing (mit Fokus auf Print, Online, Crossmedia) einen Dialog über das Messegeschehen gar nicht erst stattfinden zu lassen. Fast tragik-komisch: Auf Facebook lässt die Messegesellschaft auf der CO-REACH-Seite Bilder von Vorträgen posten, die Chart-Inhalte zeigen, die sagen, worum es heute geht, wenn man Erfolg haben will: Dialoge über Social Media führen, Bloggen als aktive Form der qualifizierten Kommunikation nutzen, um Dialoge zu initiieren, die Interaktionen in Gang setzen u.v.m. — Doch nichts davon passiert. Es gab bis zum Messeende am 25. Juni 2015 kaum likes oder Re-Tweets. Scheinbar verfolgt auch niemand im Management der Messegesellschaft, was da vor sich geht, ebenso wenig auf Twitter. Hier war die Messe Nürnberg so clever, gleich verschiedene Hashtags zu initiieren, statt nur einen. Folge: Die Resonanz versickert bzw. bleibt aus. Es interessiert kaum jemanden. Dies wird noch übertroffen durch Fachmedienpartner der CO-REACH, die emsig-bemüht, aber ziemlich amateurhaft agieren. Gerade, wenn man mit Kritik aufwartet. So geht es, wenn Printmagazine meinen, Online- und Social-Media-Kommunikation zu beherrschen, indem man klassisch Meldungen pusht und auf Feedback in Echtzeit gar nicht erst vorbereitet ist. Zugleich ist natürlich eine große Angst vorhanden, die Kontrolle zu verlieren.

Kommunikation: Ein Milliarden-Euro-Grab?

Spannend: Die Aussteller, die viel Geld für ihre Messebeteiligung ausgeben, lässt das völlig kalt. Sie bekommen es nicht mit, weil Sie unter dem oben beschriebenen Formel-Eins-Syndrom leiden. Dabei hätte man auf der CO-REACH nur zuhören müssen. Ausreichend qualifizierte Vorträge wurden geboten. Allen voran der von Mr. Media, Thomas Koch, aka @ufomedia. Er verzichtete auf Charts, und las der Branche besonnen, aber zielgenau die Leviten. Sein Thema: „Das Ende der Werbung“. Fazit: Nichts ist mehr, wie es war. Die Medien und die Werber haben nicht im Ansatz verstanden, was heute vor sich geht. Und profitieren davon, dass ihre Kunden es zumeist auch nicht besser wissen. Übrigens: Von der Rede von Thomas Koch konnte man nur Kenntnis erhalten, weil er im Anschluss an seinen Vortrag selbst wirksam darüber kommunizierte. Per Twitter und Facebook teilte er den Link zur Videoaufzeichnung seines Vortrags.

Dazu passt bestens eine weitere Beobachtung von Thomas Koch: Die Rolle von Chefredakteuren der Medien wurde von der Bloggerszene übernommen. News werden über uns alle nicht nur kolportiert, sondern qualifiziert wie auch emotionalisiert bewertet. Das Dilemma aber ist: Es wird soviel Geld für Kommunikation ausgegeben wie nie zu vor. Und noch nie wurde so wenig Wirkung wie heute damit erzielt. Angeblich fehle es an validen Messgrößen, weshalb sich Google und Facebook verbiegen, um mit den Mediaexperten ins Gespräch zu kommen, weil sich die Auftraggeberschar mehrheitlich noch auf deren Rat verlässt. Jeder, der Begriffe wie „Content Marketing“ oder „Targeting“ nur einigermaßen richtig aussprechen kann, erhält einen Auftrag. Unabhängig davon , ob die tatsächlich erreichbaren Möglichkeiten sinnvoll ausgeschöpft werden.  Beispiel: Social Media-Projekte werden in Unternehmen zu gerne über die Werbeabteilung per Outsourcing an „Agenturen“ vergeben, deren Wissen und Können oft nur darin besteht, per neuen Technologien die gleichen alten Push-Inhalte unters Volk zu bringen wie vorher auch schon. So entstehen Facebook-Seiten, die keine Interaktion hervorrufen. Und auch Facebooks Stärke, das beste Targeting zu bieten, gar nicht richtig nutzen. Per Blog-Technik entstehen Corporate Blogs genannte Sub-Websites, die per „Copy and Paste“ Inhalte erfassen, die längst ubiquitär sind und daher vielerorts im Netz schon aufgetaucht sind. So zahlen Kunden für angebliche Blogs, die streng genommen gar nicht der Bloggerkultur entsprechen, weil die Inhalte weder persönlich noch exklusiv sind; und somit zu keiner nutzbringenden Meinungsbildung führen können. Das geht alles bis dato soweit gut, weil der Auftraggeber es nicht bemerkt. Oder, weil kritische Geister, die es bemerken, sich in den Firmen ducken, weil angeblich die konservative Firmenstruktur es nicht anders zulasse. Oh je…

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CO-REACH: Ziel verfehlt! Am Ende der Messe in Nürnberg gab es kaum Resonanz per Social Media.

Liebe Leute, ganz ehrlich: Ich bin in meiner Kritik noch zurückhaltend bis zaghaft. Es ist schlimm. Der blanke Irrsinn, was da auf breiter Front geschieht. Hört doch einfach auf Thomas Koch. Und auch auf Sebastian Vettel. Überdenkt, was ihr tut. Stellt es in Frage. Lernt dazu. Und besinnt Euch darauf, worum es geht: Kommunikation werthaltig zu gestalten. 

EMPFEHLENSWERT:
Videoaufzeichnung des Vortrags von Thomas Koch “Das Ende der Werbung”

PS: Rückblick

Die Besucherzahlen der CO-REACH sind übrigens gegenüber 2014 kaum gestiegen: 6.000 Besucher aus 12 Ländern vermeldet die Messe Nürnberg per 26. Juni 2015. 2014 waren es 5.778 Besucher aus 20 Ländern. Und 2009, als die CO-REACH noch Mailingtage hieß, war es 8.150 Besucher. Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/CO-REACH sowie http://www.marketing-boerse.de/Fachartikel/details/Abschlussbericht-mailingtage-2009-%96-Erfolgreich-am-Puls-der-Zeit/17235

Dies Ausstellerzahl war 2015 mit 266 gegenüber 2014 leicht rückläufig, da waren es noch 269 Aussteller. 2009 wurden noch 400 Aussteller vermeldet.

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Von Andreas Weber, Mainz

Wunderbar. Humorvolle Kritik setzt durchaus ernsthafte Diskussionen in Gang. Mitten in der Fastnachtszeit (für Nicht-Mainzer: Karnevalszeit) hatte ich in Anbetracht neuer Werbeanzeigen von Flyeralarm auf Facebook angemerkt, dass Drucksachen nunmehr völlig umsonst seien, vor allem weil es in der Öffentlichkeit nur noch um Rabatte und Preisnachlässe geht. Mit der Perspektive, dass wohl irgendwann ein Drucksachenbesteller Geld bekommt, wenn er bei Online-Druckereien produzieren lässt. Haha! Ist doch cool, oder?

Als entscheidender Aspekt kristallisiert sich in der Diskussion heraus, dass wir im Druckmarkt auf Ramsch-Niveau angekommen sind. Die zentrale Frage bleibt unbeantwortet: „Wie kann man den Wert von Druckerzeugnissen adäquat darstellen?“

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Unser DigitaldruckForum-Mitglied auf XING, Alexandra von Froreich, kommentierte: „Die Frage ist doch, wer leistet sich welches Druckprodukt für welchen Zweck? Immer ‚billiger, günstiger’ wird irgendwann einfach dazu führen, dass die Kunden, die Wert auf Qualität legen und Geld für Ihre Produkte ausgeben, sich ganz klar im Vorteil befinden, da sich ihre Produkte von der Masse abheben. Umkehrschluss: Wer sich billig präsentiert, wird eben bei den ’größeren’ keine Chance haben. Wie war das noch mit dem Darwinismus? ;-) Ich denke, dass man mit Gelassenheit und einem Lächeln sehr gut reagieren kann … — Danke für den Beitrag Herr Weber und einen schönen Sonntag. Grüße aus Zell (Mosel).“

Wer sind nun die Spassbremsen?

Das Grundübel ist: Die Druckbranche hat kein übergreifendes und wirksames Sprachrohr (mehr). Druckereien haben seit langem ihre Kommunikationsaufgaben anderen überlassen. Technologielieferanten, Messegesellschaften, Fachmedien, Fachverbänden, Beratungsfirmen und Marktforscher propagieren mehr oder weniger synchronisiert, was ihnen wichtig erscheint. Mit der Realität der Druckereien hat dies aber immer weniger zu tun. Ganz zu schweigen von den Anforderungen der Drucksachenankäufer, die kaum Berücksichtigung finden, obgleich sie klar ausgesprochen werden.

Prekäre Schieflage

Im Ergebnis wird die Diskrepanz immer größer zwischen dem, was durch zeitgemäße Print-Kommunikation geleistet werden könnte, und dem, was die Druck-Branche offeriert. Der im Januar 2015 vorgestellte Canon Insight Report „Gestalten Sie Ihre Zukunft mit Druck“  belegt dies: Innovationen werden kaum genutzt, weil die Druckereien ihre Kunden darüber gar nicht umfassend und verständlich informieren. Und die Wünsche der Druckerei-Kunden über die Druckproduktion hinaus, also vernetzte Kommunikationsbedarfe, werden nicht wahrgenommen.

Und damit sind wir wieder beim Wert der Drucksache an sich angelangt: Werte sind messbar durch Effekte, die erzielt werden. Und nicht durch eine unsinnige “Geiz ist geil”-Mentalität.

Das ist keinesfalls dadurch erfüllt, dass

  1. der Fokus alleine darauf liegt, Druckerei-interne Prozesse z. B. über Web-to-Print zu optimieren, wobei nach wie vor das Erstellen einer druckfertigen Datei viel komplizierter und aufwändiger ist, als zum Beispiel das Publizieren einer HTML5-Website über Anbieter wie wix.com, das sich quasi in minutenschnelle ohne Programmierkenntnis realisieren lässt;
  2. die Anforderungen von Drucksacheneinkäufern ignoriert werden, die sich zunehmend für Multi-Channel-Kommunikation (sprich, die Verbindung von Print, Online und Bewegbild) interessieren und dies mit ihren Druck-Lieferanten bewerkstelligen wollen.

Fazit (und kein Witz!): Die Situation im Druckmarkt ist äußerst prekär. Für eine Trendwende oder besser Kehrtwende stehen aber die Chancen gut, wenn die Kommunikation über Drucksachen von Druckereien verbessert wird und man diese Kommunikationsaufgaben nicht weiterhin anderen überlässt.

 

ValueCom Key Visual Valuetrendradar.002

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