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Value Art+VCom | ValueCheck Bruno k. Ingelheim.003

 

Inszenierung einer Eröffnungsrede zu Bruno K. am 11. September 2014 in Ingelheim

Von Andreas Weber, Mainz

 

Einfache Frage:

Wer bin ich? — Experte für Kunst + Kommunikation, Beirats-Mitglied im Vorstand des Kunstverein Eisenturm, dem KEM, sozusagen Geburtshelfer des Kunstverein Ingelheim und der Ausstellung hier. Hebamme ist aber Dietmar Gross…

 

Offene Frage: 

Wer ist dieser Bruno K.? Was soll das hier, was er mit uns veranstaltet?

Und wo überhaupt liegt VOLXHEIM, wo er lebt und arbeitet? Ingelheim ist ja schon schwierig genug zu finden, für uns Grossstädter…

Oh je, das macht Ärger. Aufregung. Sorgen. Kummer. Verzweiflung. — Panikidee: Du kommst gar nicht erst. Das fällt in dem Chaos in der Binger Str. 26 gar nicht auf. — Doofe Idee. Ich hatte es Dietmar Gross versprochen.

Also doch auf nach Ingelheim. Aber noch mehr Fragen …

  1. Was zieh ich denn bloß an, wenn ich vor Publikum in einem Abrisshaus reden soll? Brauche ich einen Schutzhelm?
  2. Warum denn ausgerechnet Ingelheim?
  3. Warum ausgerechnet dieses Datum 11.9.? An dem ausgerechnet der Joachim Fuchsberger hochbetagt verstorben ist? Und mir/uns nicht mehr mit seiner Klugheit beiseite stehen kann oder will…
  4. Was soll überhaupt dieser merkwürdige Ausstellungs-Titel?

Saalwächter 20/14 — Eine skulpturale Intervention? 

Diese Wortkombi kennt noch nicht mal mein Rechtsschreibhilfeprogramm am iMac. — Ist Intervention nicht, was unser Aussenminister Steinmeier ständig macht, wie einige vor ihm auch schon? — Kommt dann am Ende noch der Putin und annektiert Ingelheim oder gar Rheinhessen?

 

Skulpturale geht ja noch: Steht sogar im Duden.

„in der Art, der Form einer Skulptur”

Beispiel

skulpturale Formen“

Das Wort kann man sogar trennen.

 

Und Intervention? —  steht für:

 

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

 

Liebes Publikum: Wer rettet mich/uns? Oder hilft uns/mir aus?

Mich quält, nein ich hatte schlaflose Nächte. Ständig erschien mir im Traum mein Kunstgeschichts-Professor Imiela und frotzelt-blöckt: „Weber, was haben Sie sich denn dabei schon wieder Gedacht? Es geht immer um hehre Kunst!“ — Oh je, Oh je, Oh je. — Ich sah schon den von Hans-Jürgen Imiela hoch geschätzten Julius Meier-Graefe im Grab rotieren.

Meine Damen und Herren. Alles QUATSCH! Lassen Sie sich von mir nicht ins Boxhorn jagen. 

Ich habe erstens eine Überdosis Psychopharmaka genommen. Und seitdem freue ich mich heute hier zu sein. Und zu reden. Und zu gucken.

Und um Ihnen zu gestehen, dass ich gerne in Ingelheim bin, hier vor 8 Jahren im Alten Rathaus eine wundervolle Guido Ludes Ausstellung eröffnen durfte.

Und dass ich Bruno K. gegoogelt und gescreent habe. — Er ist mehr als OK. Erist ein Ausnahmetalent. Er ist ein Künstler, der alles im Blick hat. Er gestaltet Kunst und inszeniert sie wie kein Zweiter. Er macht dies seit Jahrzehnten und wandelt zwischen „Retro“ und dem heute. — Er hat eine solide Bildhauer-Ausbildung bei Michael Croissant zum Bildhauer absolviert. War Assistent bei Leo Kornbrust. Beide sind mir seit Kindheitstagen bekannt und ich verbriefe mich für sie. — Also warum nicht auch für Bruno K.?

Ich möchte Ihnen etwas vorlesen. Und gestehen: ich war genau vor einer Woche schon mal hier. Mit einem Gast aus Istanbul, Şükran Ceren Salalı, einer jungen, hochtalentierten Fachfrau für Kommunikation, Kino und Kunst.

 

Deutsche Fassung des ValueCheck! von Şükran Ceren Salalı, Value Art+Com Fellow,
— her preview experience, September 4th., 2014 (Übersetzt von Andreas Weber)

„Für mich war der Zeitpunkt gekommen, meine Abreise aus Mainz vorzubereiten. Dazu gehörte, noch einige Orte in der Region zu sehen, die bislang fehlten. Zufall oder nicht, Andreas Weber hatte die Idee, eine kurze  Fahrt nach und durch Rheinhessen zu unternehmen, um währenddessen die Zeit meines Aufenthaltes, die damit verbundenen Erfahrungen und die Ergebnisse unserer Projektarbeiten im Rahmen meiner Erasmus Internship abschließend zu besprechen.

Auf unserem Weg durch die wunderbaren Landschaften Rheinhessens, durchfuhren wir einige Orte und landeten (für mich unvermittelt) in Ingelheim. Wir hielten an einem besonderen Gebäude an, das wie eine Mischung aus Weinlager und Weinfabrik aussah. Dort trafen wir Bruno K. alias Bruno Kleber, einen Künstler, der eine für mich disruptive Art und Weise pflegt, Kunst zu schaffen. Und das seit über 30 Jahren. Die jetzige, hiesige für mich überraschende Ausstellung “Saalwächter 20/14 — Eine skulpturale Intervention”, die vom 11. September bis 12. Oktober 2014 im neuen temporären Ambiente des Kunstvereins Ingelheim stattfindet, verändert die Räumlichkeiten, indem sie transformiert werden. Und das in einer Art und Weise wie ich das noch nie sehen konnte.

Als erste Besucher einer Ausstellung, die noch nicht eröffnet, also noch “under construction” war, konnten wir beeindruckende Installation sehen. Und wir konnten persönlich mit Bruno K. sprechen, der sehr charmant, voller Ideen und humorvoll ist. Im Zentrum: Eine Weinabfülllagerhalle, nun Raketenbasis — die Werk- und Arbeitsräume werden in eine wundervolle Atmosphäre versetzt, die alle Räume erfasst und künstlerisch transformiert. Damit erreicht der Kunstverein Ingelheim aus dem Stand heraus das Premium-Niveau eines “Art Centers”. Das Gebäude verfügt über zahlreichen Räume (über mehre Etagen verteilt), die Bruno K. mit unterschiedlichen Themenideen bestückt, um- und ausgestaltet. Oft mit Versatzstücken aus dem Soldatenmilieu und Militärbereich. Zum Beispiel widmet er in der grossen Halle unter dem utopischen Namen “Apollonia” (gegenüber der faszinierenden Figur der Olga!) in eine Ragte mit Abschussbasis um, wobei man nur den ganz unteren, kleinen Teil der Rakete sehen kann. Alles ist umgeben mit militärisch anmutendem Equipment. Jedes Detail stellt aber einen künstlerisch geprägten Inhalt dar, verstärkt durch Sound Systeme, die zum Beispiel Melodien von alten Western Filmen wieder geben. Es bleibt aber nicht nur bei Klangeffekten, der Künstler setzt mit hohem Geschick die unterschiedlichsten wirkungsstarken Beleuchtungseffekte ein.

Es lohnt sich diese disruptive Kunstauffassungen, das disruptive Kunstschaffen mit einer wundervollen Sammlung von Installationen im Raum (und in einem Ensemble von Räumen) im Detail zu erkunden und zu erleben. Bruno K.’s Ausstellung wird der außergewöhnlichen, inspirierenden und letztlich ungewöhnlichen sowie einzigartigen Umgebung gerecht. — Sorry, dass ich nicht selbst bei der Eröffnung dabei sein kann. Ich musste schon nach Istanbul reisen. Genießen Sie es und lassen Sie sich inspirieren. — Dankeschön. Tschüss. Vielleicht bin ich ja bald wieder zurück!“

 

Was kann ich noch tun, da mir jetzt vor Aufregung und Ergriffenheit die Worte fehlen — und ich soll ja hoer sprechen zu Ihnen, möglichst klug und passend. Nun,  ich darf dem werten Künstler mein Redemanuskript überreichen, damit er noch etwas vernünftiges vortragen kann, das zu seiner Ausstellung passt. Und an die wunderbare Kunst des Dr. François Lachenal erinnert, meinem väterlichen Freund, der mich als Student mitunter mitarbeiten ließ, der die Internationalen Ingelheimer Tage im letzten Jahrtausend stets zu Höhenflügen geführt hat.

So, lieber Bruno, jetzt mach, lese bitte meine (im Stil des humorvollen François L.) gefasste Rede vor, damit die Leute noch was gescheites hören ausser meinem Gejammer. Da es ein toller, geistreicher Redetext ist, habe ich ihn gleich in einem verstaubten alten Rähmchen eingeglast. Zum an die Wand hängen.  Bitte schön, lieber Bruno…

 

Hier klicken, um die erste Value Art+Com Kurz-Doku anzuschauen!

 

Value Art+VCom | ValueCheck Bruno k. Ingelheim.001

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Photos/Animation: Andreas Weber, Edition Value Art+Com

By Şükran Ceren Salalı, Value Art+Com Fellow
on her preview experience, September 4th., 2014

The time for saying good bye to Mainz is arriving, so I plan to see the places that I have never been before. As a nice coincidence, Mr. Weber prepared us a very nice trip to Rheinhessen, where I had not had the time to visit, in order to do our last ValueTalk! about my Erasmus internship and the overall experience here in Mainz.

While we were traveling across the scenic Rheinhessen area, we passed through several towns and one of these was Ingelheim. We stopped by a nice building which has a wine cellar and looks like a wine factory. There, we met Bruno K. alias Bruno Kleber, an artist who has been creating a very disruptive art for almost thirty years. His next surprising exhibition, Saalwächter 20/14 — Eine skulpturale Intervention (The Door Guard 20/14 — A Sculptural Intervention) will take place in Kunstverein Ingelheim’s temporary new location between September 11th., 2014 to October 12th., 2014. It’s changes and transforms the environment in a way I’ve never seen before.

As the first guests of the exhibition which is still ‘‘under construction‘‘, we had the chance to see his impressive installations. And we had a personal conversation with Bruno K. who is a charming person, full of ideas and humor. From a wine storage to a rocket, Bruno K. created a wonderful atmosphere in different rooms to create on a premium level an Art Center for Kunstverein Ingelheim. The building consists of several rooms (spanning many floors) in which Bruno K. depicts his installations in different themes but mostly related to soldiers and guards. For instance, he organized the basement with an Utopic name Apollonia (just opposite the fascinating Olga!) with a huge rocket (of which you can only see the bottom part) and the rest with various equipments from the military. The content is pretty artistic, even down to the smallest details; he  arranged a sound systems room in which you can hear melodies from old Western movies. Yet, the sound effects are not the only contributors to the impact of the exhibition: the artist also makes use of very compelling lighting effects.

If you want to experience a disruptive artistic style with a beautiful collection of installations, please visit Bruno K.’s exhibition which will take place in an extraordinary, inspiring and last but not least very unusual and unique environment. — Sorry I cannot join the opening today because I had to leave already to get back to Istanbul. Enjoy and be inspired.Dankeschön. Tschüss. Perhaps I will have a “come-back” quite soon!

 

Value Art+VCom | ValueCheck Bruno k. Ingelheim.002

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Photos/Animation: Andreas Weber, Edition Value Art+Com

 

 

Deutsche Fassung (Übersetzt von Andreas Weber)

Für mich war der Zeitpunkt gekommen, meine Abreise aus Mainz vorzubereiten. Dazu gehörte, noch einige Orte in der Region zu sehen, die bislang fehlten. Zufall oder nicht, Andreas Weber hatte die Idee, eine kurze  Fahrt nach und durch Rheinhessen zu unternehmen, um währenddessen die Zeit meines Aufenthaltes, die damit verbundenen Erfahrungen und die Ergebnisse unserer Projektarbeiten im Rahmen meiner Erasmus Internship abschließend zu besprechen.

Auf unserem Weg durch die wunderbaren Landschaften Rheinhessens, durchfuhren wir einige Orte und landeten (für mich unvermittelt) in Ingelheim. Wir hielten an einem besonderen Gebäude an, das wie eine Mischung aus Weinlager und Weinfabrik aussah. Dort trafen wir Bruno K. alias Bruno Kleber, einen Künstler, der eine für mich disruptive Art und Weise pflegt, Kunst zu schaffen. Und das seit über 30 Jahren. Die jetzige, hiesige für mich überraschende Ausstellung “Saalwächter 20/14 — Eine skulpturale Intervention”, die vom 11. September bis 12. Oktober 2014 im neuen temporären Ambiente des Kunstvereins Ingelheim stattfindet, verändert die Räumlichkeiten, indem sie transformiert werden. Und das in einer Art und Weise wie ich das noch nie sehen konnte.

Als erste Besucher einer Ausstellung, die noch nicht eröffnet, also noch “under construction” war, konnten wir beeindruckende Installation sehen. Und wir konnten persönlich mit Bruno K. sprechen, der sehr charmant, voller Ideen und humorvoll ist. Im Zentrum: Eine Weinabfülllagerhalle, nun Raketenbasis — die Werk- und Arbeitsräume werden in eine wundervolle Atmosphäre versetzt, die alle Räume erfasst und künstlerisch transformiert. Damit erreicht der Kunstverein Ingelheim aus dem Stand heraus das Premium-Niveau eines “Art Centers”. Das Gebäude verfügt über zahlreichen Räume (über mehre Etagen verteilt), die Bruno K. mit unterschiedlichen Themenideen bestückt, um- und ausgestaltet. Oft mit Versatzstücken aus dem Soldatenmilieu und Militärbereich. Zum Beispiel widmet er in der grossen Halle unter dem utopischen Namen “Apollonia” (gegenüber der faszinierenden Figur der Olga!) in eine Ragte mit Abschussbasis um, wobei man nur den ganz unteren, kleinen Teil der Rakete sehen kann. Alles ist umgeben mit militärisch anmutendem Equipment. Jedes Detail stellt aber einen künstlerisch geprägten Inhalt dar, verstärkt durch Sound Systeme, die zum Beispiel Melodien von alten Western Filmen wieder geben. Es bleibt aber nicht nur bei Klangeffekten, der Künstler setzt mit hohem Geschick die unterschiedlichsten wirkungsstarken Beleuchtungseffekte ein.

Es lohnt sich diese disruptive Kunstauffassungen, das disruptive Kunstschaffen mit einer wundervollen Sammlung von Installationen im Raum (und in einem Ensemble von Räumen) im Detail zu erkunden und zu erleben. Bruno K.’s Ausstellung wird der außergewöhnlichen, inspirierenden und letztlich ungewöhnlichen sowie einzigartigen Umgebung gerecht. — Sorry, dass ich nicht selbst bei der Eröffnung dabei sein kann. Ich musste schon nach Istanbul reisen. Genießen Sie es und lassen Sie sich inspirieren. — Dankeschön. Tschüss. Vielleicht bin ich ja bald wieder zurück!

 

Value Art+VCom | ValueCheck Bruno k. Ingelheim.003

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany | Photos/Animation: Andreas Weber, Edition Value Art+Com

 

 

Value Innovation Print & Publishing.008

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

Warum es sich lohnt, diesen Blogbeitrag zu lesen:

Nicht der Strukturwandel, sondern das Festhalten-Wollen an Überkommenem gefährdet Existenzen.

Die meisten Top-Manager von Verlagen, Agenturen und Druckereien haben dies aber bis heute noch nicht verstanden. Und machen andere für ihr Versagen verantwortlich.

Die Probleme der Werbe-, Verlags und Print-Branchen sind also hausgemacht! Und basieren auf einem völligen Missverstehen bzw. dem Mangel an einem richtigen Verständnis von Innovation.

Doch das alles hätte so gar nicht kommen müssen. — Victor Hugo hat dies bereits 1831 vorausgesehen! Der Beitrag von Andreas Weber, basierend auf einem Vortrag für den DigitaldruckForum Congress „Ideas for Profit“, zeigt dies auf und vermittelt wichtige Einsichten und Handlungsimpulse.

 

„Wenn Menschen auf etwas Neues und Unbekanntes stoßen, sind sie zutiefst verwirrt!“

Im Zeitalter der Digitalisierung der Kommunikation ist (bleibt) alles NEU!
Anything that can become digital will become digital and printing is no exception, sagte bereits Mitte der 1990er Jahre der Unternehmer und Erfinder Benny Landa, Gründer von Indigo und LandaNano in Israel.

Wie sieht unsere Welt resp. die der werthaltigen Printmedien-affinen Kommunikation heute aus? Es hagelt Krisen, Pleiten und Pannen — verursacht durch Strukturveränderungen. Manch einer fragt sich:  „Himmel! Wo wird das noch enden? Die Antwort stammt aus dem Jahr 1831. „Ceci tuera cela“ —  Das Eine tötet das Andere! So formulierte es Victor Hugo und beschreibt in seinem historischen Roman der „Glöckner von Notre Dame“ 1831 exakt das Szenario, das uns im 21. Jh. ziemlich hart trifft: Durch die Neuerungen in der Publishing- und Print- Branche stürzt die vorhandene Informationsvermittlungs-Architektur ein! Hugo bezieht sich auf die Erfindung von Johannes Gutenberg in Mainz. Das mag lange her sein, ist aber hochaktuell. Wenn man sich betrachtet, welche „Kathedralen“ heute, im 21. Jahrhundert, einsturzgefährdet sind:

  1. Die ›Tempel‹ der Werbung und der Verlage!
  2. Die ›Gebets-Teppich-Refugien‹ der Kommunikationsverwalter in den Unternehmen!
  3. Die ›Inquisitionskeller‹ der unmündig gehaltenen Konsumenten!

Gefordert ist eine völlig andere Herangehensweise an Märkte und an die Kommunikation mit Marktpartnern. Merkmale des modernen, interaktiven Marketing werden relevant: Alles fließt und ist in Bewegung! Neue, oder besser: sich ständig erneuernde Geschäftsmodelle sind gefragt! Ewig aktuelles Beispiel: Die Buchverlage und das Verlagswesen. Klassisch definiert als Wirtschaftszweig, der sich auf eigenes Risiko und nach eigener Auswahl mit der Vervielfältigung („Herstellung“) und dem Vertrieb (Verlagsbetrieb) von literarischen Werken, Musikalien, Bildern u. ä. m. befasst.

Value Innovation Print & Publishing.013

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch ist ein Buch!

Ein Buchverlag ist aber wie alle Publikumsverlage längst nicht mehr ein Verlag, sondern ein Content-Provider, Entertainment- und Community-Organizer. Im Fachverlagsbereich hat man das ansatzweise begriffen und geht in diese Richtung, wobei die Geschäftsmodelle nur in Ausnahmefällen (wie zum Beispiel bei Calvendo) innoviert werden. Die neuen, damit verbundenen Paradigmen lauten:

  1. Geschäftsmodelle lassen sich nicht (mehr) am Vertriebsweg oder Ausgabemedium festmachen!
  2. Digitale Medien ersetzen Bücher oder Gedrucktes nicht. Sie schaffen Neues, vor allem Interaktion!
  3. E-Commerce ist gut, hat aber mit Verlagsgeschäft im Kern gar nichts mehr zu tun.

Verlage, die den Paradigmenwechsel nicht antizipiert haben, straucheln. Ebenso alle Blender, die sich noch Verlag oder Mediengruppe nennen, Wachstum und Profite mit Online-Verkäufen erwirtschaften und dabei übersehen, ihr Kerngeschäfts zu innoveiren. Was durchaus möglich wäre. Wer das nicht tut oder das lieber übersehen möchte, wird zwangsläufig gegen die Amazons, Otto Groups und Zalandos dieser Welt verlieren.

Viele im Verlagsbereich betrachten elektronische Publikationen inzwischen nüchtern und/oder fallen mit absurden Paid Content-Konzepten aller Art in ein Loch. Erinnern wir uns: Ausgerechnet am 1. April 2008 machte folgende Schlagzeile die Runde: „Brockhaus kapituliert vor dem Internet“ — Im Artikel hiess es weiter: „Brockhaus verschiebt sein Hauptgeschäft mit Lexika praktisch komplett ins Internet. Die Kehrtwende ist eines der bislang spektakulärsten deutschen Beispiele für die Bedrohung traditioneller Geschäftsmodelle“ – Das schrieb die Financial Times Deutschland. Und weiter wurde berichtet: „Fans retten den Brockhaus“ — „Kommando zurück: Die traditionsreiche Brockhaus-Enzyklopädie in gedruckter Form steht wohl doch nicht vor dem Aus. Der Verkauf hat nach Angaben des Unternehmens in den vergangenen Monaten kräftig angezogen.“ — Und wo ist heute die gedruckte Brockhaus-Ausgabe? Nun, sie ist Geschichte, ebenso wie die Financial Times Deutschland.

Zurück zu unserem Innovationsansatz und der Frage, was Interaktivität bewirkt: Das Leser-(Content)-Interesse steht nach wie vor im Mittelpunkt! Digitaltechnologien revolutionieren nicht das Medium Buch, das Medium Print, sondern hebeln das klassische Geschäftsmodell der Verlage aus! Inhalte wie bisher bereitstellen und dies über Werbung und Abonnenten/Käufer von Medienprodukten vermarkten zu wollen, funktioniert nur, wenn eine neue Form der Intelligenz und Kompetenz in den Verlagen Einzug hält. Das Wissen um Algorithmen ist wichtiger, als der sogenannte „Qualitätsjournalismus“. Den gibt es eh seit dem Moment schon nicht mehr, als die Werbe- und Manipulationsstrategen das Sagen übernommen haben und die Verleger entmündigten.

Was zählt ist ganz einfach folgendes:

  • Direkte Wege zum Kunden für Marketing, Vertrieb und On-Demand Produktplanung!
  • Neue Fertigungsprozesse: CIM im Verlagswesen
  • Interaktion plus Multimedia-Multichannel Delivery plus User Generated Content

Es ist einfach darauf zu kommen, dass man einen Grossteil der Redaktionsleiter einfach nachhause schicken kann, wenn diese an ihrem merkwürdigen Ethos der „Kunst des Schreibens“ weiter festhalten. Ganz zu schweigen davon, dass die meisten Redaktionen gar keine eigene Inhalten erstellen, sondern nur mehr oder weniger geschickt kolportieren, was Unternehmen und ihre Kunden bzw. wir alle formulieren. Also nochmals: Wozu brauchen wir Redaktionen alten Stils — ohne digitale Kompetenz? Unzählige, wirkungsstarke Plattformen zeigen seit Jahren, dass man ohne auskommt. Siehe u. a. Twitter resp. die große Schar der Twitter-Nutzer, die jede News-Redaktion an Geschwindigkeit, Vielfalt, Originalität und Qualität schlägt.

Value Innovation Print & Publishing.011

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

„Die Milch machst’s“ — Sagt die Werbung. Haha!

Weiteres Beispiel: Die Werbeagenturen! Per Definition verstehen wir darunter: „Die bewusste Beeinflussung von Menschen auf einen bestimmten Werbezweck hin, insbesondere die Wirtschaftswerbung als Instrument der betrieblichen Absatzpolitik, mit dem eine Absatzförderung erreicht werden soll.“ Werber sind also die Handlanger der Verkaufsförderer im Marketing – Makler zwischen Angebot und Nachfrage! Ihre Aufgaben sind gemäß den gängigen Old-School-Modellen:

  • Werbeplanung
  • Feststellung des Werbeziels und der Zielgruppe
  • Ermittlung des Werbebudgets
  • Auswahl von Werbemitteln und Werbeträgern (Mediaselektion)
  • Erfolgsprognose und Erfolgskontrolle

Das kling fein schlau, ist aber hochriskant, wenn die Dinge sind wandeln. Denn was passiert, wenn Angebot und Nachfrage direkt zueinander finden? Die Folgen sind klar, wenn man sieht wie Amazon dies praktiziert und einen Etappensieg nach dem anderen einfährt. Der Online-Händler ist längst einer der Top-Technologie-Konzerne geworden, der Kommunikation (auf allen Ebenen) direkt mit Transaktionen zusammenbringt.

Werber sind dagegen abhängig von Medien- und Technologieplattformen Dritter, und nutzen diese quas im Blindflug, weil Werber keine Ahnung von Technologieentwicklung und kompetenter Technologienutzung haben. Was also passiert, wenn die Medienlandschaft durcheinander gerät? Da hilft es wenig, wenn die großen, globalen Agentur-Konzerne nun eifrig Mega-Deals mit Google oder Facebook abschließen. Das ist eine Verzeiflungstat, die schick ausschaut, aber defacto eben Augenwischerei, da es höchstens den unaufhaltsam nahenden Exitus verzögert. Nicht mehr, nicht weniger!

Value Innovation Print & Publishing.021

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

Also reiten die Werbestars weiter ihre toten Pferde? — Ja, ganz klar. Und sie bringen sich und ihre  Kunden nicht mehr von der Stelle. Ein totes Pferd kann eben nicht mehr laufen.

Wenn aber Werber das tun würden, was z. B. Thomas Koch alias @ufomedia unermüdlich empfiehlt und was Marken stark macht, könnte eine Wende die Rettung bringen: Verbraucherinteressen rücken in den Mittelpunkt und Dialoge werden aufgebaut und gepflegt! Google, Amazon & Co. machen seit Jahren vor, dass es geht und dass man damit gute Geschäfte machen kann, an denen alle partizipieren. Vor allem die, die in Algorithmen gut sind!

Hm, könnte man jetzt denken, aber so Leute wie Dr. Mathias Döpfner als Top-Partner der Werber sind doch kluge Köpfe, die können sich doch nicht irren… Es muss doch einen guten Grund geben, warum Verlagsriesen wie Axel Springer AG eine „gefährliche“ Firma wie Google auf’s Heftigste attackieren! — Ja, warum tun die das eigentlich? Nun, ganz einfach weil Verlage wie auch Agenturen sich bei der Innovation ihrer Geschäftsmodelle weitgehend resistent und ziemlich untalentiert zeigen! Wer reiten gelernt hat, kann dies auch auf einem toten Pferd praktizieren. Hauptsache, es schauen alle zu und applaudieren.

Nein, ernsthaft, die Überlebensstrategie der Verlage wie der Agenturen kann nur lauten: Aus Alt mach’ Neu! Rückbesinnung tut Not und tut gut, wenn man vorankommen will.

Think about it: „Ein Wert ist dann ein Wert, wenn er Wert hat!“ So drastisch das klingen mag, Werbung und Medien haben den Anschluss an die Gegenwart fast uneinholbar verloren! Die Vordenker aus dem Silicon Valley haben Gutenberg weitaus besser verstanden als die meisten hierzulande! Sogar Jeff Jarvis hat dies betont. Und die Gutenberg-Stadt Mainz persönlich besucht!

Die jüngsten Äusserungen von Top-Managern bei Procter & Gamble belegen zudem, dass sich Agenturen und Medien warm anziehen müssen, falls sie nicht ihre Geschäftsmodelle und ihre „Performance Promise“ (sofern überhaupt vorhanden) der Gegenwart anpassen. — Siehe Cannes Lions 2014, das Festival der Werbeverliebten, die sich gerne selbst inszenieren. — Neue Geschäftsmodelle mit Mehrwert sind gefragt! Disruptive Innovation fast der einzige Ausweg aus dem Dilemma.

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© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

Dramatisches Beispiel Nummer 3: Die Druckereibranche!

Wie schön war es doch einst, so um das Jahr 1800: Kreation (Muse) inspiriert Produktion. Und Produktion inspiriert Kreation! Vorbei, vorbei. Den Verlust der Monopolstellung durch Desktop Publishing und das Motto „Jeder sein eigener Gutenberg“ haben die Druckbetriebe bis heute nicht anerkennen wollen. Sie agieren unverändert wie vor 20 oder gar 200 Jahren. Nunmehr sind je nach Region in der industrialisierten Welt 30 % bis 50 % der Betriebe verschwunden! Und das (lukrative) Neu-Geschäft machen andere, allen voran die sog. Online-Druckereien wie Vista Print oder Flyeralarm, die rasant wachsen, zu Konzernen werden und nunmehr bereits 40 % des Printherstellungsmarktes für sich vereinnahmen.

Die Geschäftsmodell-Innovations-resistente Druckbranche sitzt — wen wundert’s — wie die Verlags und Agentursparte zwischen allen Stühlen! Was viele Druckereien, von ihren Lieferanten falsch beraten, nicht verstehen wollen/können:

  1. Technik-Innovationen schaffen keine neuen Märkte!
  2. Prozess-Optimierungen via CIM verbessern (bezgl. Kosten, Qualität, Standards) — machen aber vergleichbar, erhöhen den Konkurrenzdruck und drücken die Erlöse und den Profit nach unten.
  3. Differenzierungsstrategien sind kaum zu erkennen, eher setzt man auf Diversifikation, wird als Druckerei auch Logistiker mit Supply-Chain-Angeboten.

Viel einfacher wäre dagegen, wenn man das nötige Know-how und die Kreativität besitzen würde, neue Anwendungslösungen mit Print zu entwickeln (vor allem mit Digitaldruck)!. Denn der werthaltige Erfolgsgarant im 21. Jahrhundert ist: Absolut kundenorientierte Printkommunikation nutzbar machen, durch die Kombination von Social/Online und Print.

Digitaldruck und das sich vom DigitaldruckForum in einer internationalen Teamarbeit bereits 2005 vorgestellte Modell der Automated Communication Factory gliedern Print & Print-Kommunikationsdienstleistungen in die Wertschöpfungskette des Kunden ein. Dies ist die fulminanteste Form der Geschäftsmodell-Innovation für Druckereien. Doch alle schauen zu, nur keiner traut sich, den ersten Schritt zu machen. Lieber optimiert man sich zu Tode. Sei’s drum.

Value Innovation Print & Publishing.010

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

 

Die Gretchenfrage schiebt sich in den Vordergrund: Ist Digitaldruck schon so weit, per Algorithmen Druckerzeugnisse zu generieren? Ja, aber es klemmt! Und wo klemmt es beim Digitaldruck? Lange wurde der Digitaldruck falsch positioniert. Nämlich als Alternative zu Offset- oder Tiefdruck. Hier haben wir es wieder, das „Ceci tuera cela“ — Das Eine tötet das Andere!

Dabei findet die Schlacht ums Druckereigeschäft auf einem ganz anderen Feld statt: Print muss sich vergleichen lassen mit den Darstellungsstärken von Bildschirmen. Apple hat mit dem Retina-Display die Messlatte hoch gesetzt und dies für mobile Nutzung popularisiert. Höhere Auflösung, bessere Farbdarstellung und unbegrenzter Interaktionsgrad. Wer teuer gedruckte Kunstbücher mit guten, sogar den eigenen Smartphone-Fotos der Kunstwerke vergleicht, weiss, wovon ich rede. Print ist hier weit abgehängt. Die Darstellungsqualität der Exponate ist bei Städel-Museums-Katalogen für die Dürer- oder Nolde-Ausstellungen eine Zumutung (trotz hochwertigem und eben teurem Papier, Agenturspezis und guter Druckerei): Kein einziges gedrucktes Bild reicht auch nur annähernd an die Original-Bildwerke heran. So macht Print keinen Spaß. Im Gegenteil, es ist geradezu eine Beleidigung der Künstler, die im Grab rotieren würden, wenn sie es wüssten…

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© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

 

 

DRUM MERKE: Nichts bleibt so, wie es mal sein wird! Lernt, dass Algorithmen sowie Bedürfnisse das Mass aller Dinge sind. 

Die richtige Botschaft für Print ist entsprechend eine ganz andere als die Branche es wahrhaben möchte. Johannes Gutenberg würde es heute so ausdrücken: „Dem Drucken mit beweglichen Lettern folgt das Drucken mit beweglichen Daten!“ Der Kampf um die beste Darstellungsqualität hat Print längst verloren. Und haptisches Erleben, so oft als Stärke von Print angepriesen, interessiert viele nicht mehr, die per Haptik/Fingerdruck Interaktionen erzeugen können. Oder Inhalte abrufen, die hoch-individuell nur für sie als Nutzer aufbereitet werden. In Echtzeit natürlich.

Wir sind gespannt, ob Gutenbergs „virtuell-posthumer“ Aufruf Gehör findet. Und grüßen herzlich aus der Gutenberg-Stadt Mainz!

Value Innovation Print & Publishing.028

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

Vortragscharts zum Text:

 

 

DruckmarktImpression Ausgabe 82

© 2014 by Druckmarkt, Klaus-Peter Nicolay, Fankel, Mosel/Germany

 

Von Klaus-Peter und Julius Nicolay, Chefredaktion Druckmarkt
http://www.druckmarkt.com

 

 

Fast könnte man glauben, in der Druckindustrie drehe sich alles nur noch um die Verpackung. Eine Veranstaltung zu diesem zweifellos hoch interessanten Thema jagt die andere, Heidelberg kauft sich in den Etiketten- und Faltschachteldruck von Gallus ein, Digitaldruckmaschinenhersteller visieren den Markt an und auch die Kartonhersteller geben Gas. Alle Zeichen stehen also Richtung Verpackung.

Und die Verlockung scheint groß. Viele Hersteller (vor allem aus dem Lager der Hersteller von Digitaldruckmaschinen) bewerben den Markt der Verpackung gegenüber ihren Kunden als lukrative Wachstumsbranche, die Platz für neue Geschäftsmodelle biete und damit auch gut für neue Umsatzquellen sei. Dieses Werben ist durchschaubar, denn natürlich sollen auf diese Weise Maschinen verkauft werden.

Es ist also sehr wohl nachzufragen, wie groß dieser Markt eigentlich ist? Ist er wirklich groß genug für alle Teilnehmer, die jetzt zusätzlich auf diesen Zug aufspringen wollen? Dabei bleiben doch einige Fragezeichen. Denn trotz der prognostizierten 3,3% Wachstum über die nächsten Jahre geht es auch im Verpackungsmarkt um Verdrängung. Es wird über kurz oder lang ein Hauen und Stechen geben wie im Akzidenzmarkt. Wenn es nicht längst eingesetzt hat. Denn warum sonst schließen sich große Verpackungsdruckereien zu noch größeren Einheiten zusammen?

Dass die Auflagen im Verpackungsdruck kleiner werden und ein Trend zu Print-on-Demand beziehungsweise Wiederholungsaufträgen mit kleinen Auflagen eingesetzt hat, ist unbestritten. Produkte mit unterschiedlichen Modellvarianten tun ein Übriges ebenso wie saisonale Verpackungen zum Valentins- und Muttertag, zu Ostern, Weihnachten oder zu Großveranstaltungen wie der Fußball-WM (unser Titelbild zeigt eine typische Anwendung, wie sie zur EM 2012 produziert wurde). Solche Marketing-Aktionen splitten die Großauflagen, an ihre Stelle treten zeitlich begrenzte Verpackungen mit vergleichsweise kleinen Auflagen. Die Zahl der Jobs steigt, die Menge nicht. Doch selbst die kleinen Auflagen, von denen die Rede ist, sind für den Digitaldruck immer noch zu groß, um dem Offset Paroli zu bieten (siehe auch unsere Beiträge ab Seite 14). Das versprochene Wachstum für digital hergestellte Verpackungen muss also auf andere Weise generiert werden. Und das geht nur über neue Ideen, neue Angebote und vielleicht eine neue Form der Verpackung und deren Vermarktung. Um entsprechende Geschäftsmodelle zu entwickeln, sind aber in erster Linie Marktkenntnisse und eine gehörige Portion Grips notwendig. Mit Maschinen alleine – auch wenn sie noch so digital sein mögen – lässt sich das nicht bewerkstelligen.

 

Die komplette Ausgabe von Druckmarkt Impressions 
gibt es kostenfrei auf: 
http://www.druckmarkt.com

 

drupa Analyse Visuals.001

 

Warum es sich lohnt, diesen Beitrag zu lesen:
1. Relevante Trends und Entwicklungen frühzeitig erkennen!
2. Wie man das allgemeine Bewusstsein für Print verändert!
3. Etwas Altes wird etwas Neues!

 

Text von Andreas Weber
Grafiken/Foto: Messe Düsseldorf, drupa Global Trends, 2014

 

Vorspiel

Der legendäre Apple iCEO Steve Jobs brachte es in einer Email vom 24. Oktober 2010, 18:12 Uhr, auf den Punkt und identifizierte das „Innovators Dilemma“ als existentielle Bedrohung: Firmen seien in Gefahr, wenn sie zu lange an alten Paradigmen festhalten. — Was kann die Traditionsbranche Print daraus lernen?  Und wie vollzieht man den Sprung von der etablierten in die neue (digitale) Welt?  Ein spannendes Ausgangsszenario, um sich gedanklich auf die nächste drupa vorzubereiten.  

 

Das Dilemma: Hohes Innovationstempo – mäßige Adaptionsrate

Das Innovations-Dilemma, das Steve Jobs seinerzeit bekümmerte, in einer Phase, als Apple zur wertvollsten Marke der Welt wurde, hat die Print-Branche längst erfasst. Und ebenso ihre Marktplätze. Große Fachmessen wie die Print in Chicago oder die IPEX, neuerdings in London, sind gestrauchelt. Weniger Aussteller, weniger Besucher, weniger Relevanz — trotz hohem Innovationstempo der Hersteller. Der Druckereimarkt und seine Kunden scheinen nicht mithalten zu wollen. Ersatzinvestitionen lahmen und Neuheiten werden gerade in Deutschland nur zögerlich angenommen. Die Messe Düsseldorf beschreitet aus diesem Grund neue Wege, um die drupa als Leitmesse für die weltweite Druck- und Papierbranche aufzufrischen. Grund genug für einen Value Talk kurz vor der Halbzeit zwischen drupa 2012 und drupa 2016. Zentrale Frage: Wohin steuert die drupa?

 

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„Einer Leitmesse wie der drupa kommt in Zeiten der Veränderungen eine noch entscheidendere Bedeutung zu“, stellt Sabine Geldmann gleich zu Beginn des Value Talks fest. Seit Anfang 2013 ist sie als drupa Director bei der Messe Düsseldorf für die Olympiade der Druck- und Papierbranche zuständig. Dabei belässt sie es nicht beim Fachmesse-Organisieren, das sie von der Pike auf beherrscht. Vielmehr werden die weltweiten Kontakte und Besucherprofile der Messebesucher genutzt, um daraus wertvolle Marktinformationen abzuleiten. Globale Trends und Branchen-Insights werden seit Jahresbeginn 2014 durch Studien/Reports dokumentiert. Selektiert wurden rund 4.900 Teilnehmern aus drei Gruppen (Print Service Provider, Print Buyers, Suppliers), davon über 2.600 Entscheider aus Druckereien, auf denen zunächst der Hauptfokus liegt. Das repräsentative Panel erstreckt sich auf 119 Länder der Welt.

Innovation ist Trumpf!
Vor allem bei den drupa-Vorbereitungen.

„Unsere Aufgabe als Organisator der drupa ist es vor allem“, so Sabine Geldermann, „Trends zu erkennen, um belastbare, qualitative Entwicklungen auf globaler Ebene aufzuzeigen.“ Ziel sei es, nicht nur die drupa und ihre Positionierung entsprechend marktgerecht gestalten zu können, sondern den Herstellern als Ausstellern und ihren Besuchern als Anwendern fundierte, aktuelle Fakten bieten zu können. Die Voraussetzung erfolgte mit der Herausgabe des drupa Global Trend Report im Februar 2014. Bis 2016, jeweils zum Jahresende, werden Updates durchgeführt. Im Halbjahresabstand folgen die Themenspecials in den drupa Global Insights. Die Ergebnisse dieser Analysen werden breit gestreut über digitale Wege: Per Social Media, Presseverteiler/Fachmedien, über Web-Downloads der PDF-Zusammenfassungen, in persönlichen Gesprächen.

Der innovative Ansatz dieser Trendstudien und -analysen liegt laut Sabine Geldmann darin, dass „über das zur Verfügung stellen von Ergebnissen zusätzlich Tiefenanalysen vorgenommen werden können. Dies gelingt aufgrund der umfassenden Datenstrukturen, die Regionen, Länder, spezifische Zielgruppenprofile, Marktsegmente u. a. m. unterscheiden.“ Als Haupt-Sichtweise werde die Situation der Druckereien zugrunde gelegt.  Mit quasi mikroskopischem Blick können erstmals in den Märkten Trends aufgezeigt und analysiert werden. Wesentlich erscheint, nationale Entwicklungen im internationalen Kontext abgleichen zu können, da im Print-Business die Unterschiede eminent gross sind.

 

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Spektakulär sind die Ergebnisse bei der Nullmessung durch den 1. drupa Global Trend Report erwartungsgemäß noch nicht. Bis auf die Prognose, dass die Investitionen wieder steigen sollen. Vieles habe man schon wissen können, durch Medienberichte oder eine Vielzahl von Einzelstudien. Es geht der drupa Direktorin und ihrem Team vielmehr darum, aus einzelnen Puzzle-Teilchen ein komplettes Bild zu formen, das systematisch aktualisiert wird. Die drupa mit über 60jährigen Tradition biete genug Substanz, um ein solides Markt-, Wirtschafts- und Investitionsbarometer abzubilden, verknüpft mit neusten Technologie- und Anwendungstrends.

Profitieren soll durch diese exklusive Wissens- und Recherchearbeit das Themen- und Aktivitätenprogramm der drupa 2016. „Strukturwandel und Marktkonsolidierung bewirken, dass neben dem Stammpublikum der drupa neue Zielgruppen angesprochen werden müssen“, erklärt Sabine Geldermann. Quasi per Seismograph müssen diese neuen Anforderungen erkennbar sein. Die bei der Messe Düsseldorf vorhandenen digitalen Kommunikationskanäle bekommen daher neben der Herausgabe von Printpublikationen eine hohe Bedeutung. In umfassender Weise sollen Interaktionen entstehen, die messbare Ergebnisse durch valide Auswertungen erlauben. Getreu dem Motto „Man kann nicht wissen, was man nicht weiss!“ besteht für die drupa die Herausforderung, neue Zielgruppen zu identifizieren, die nicht oder nur unzureichend über die technisch-funktionellen Vorteile von aktueller Print-Technologie informiert sind.

 

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Das Risiko der Printbranche:
Nicht-Wissen!

Print gerät durch Nicht-Wissen über das immense Spektrum von Einsatzmöglichkeiten aus dem „relevant Set“ der Kommunikationsentscheider, da das Medium Print und seine Hersteller, Drucker wie Lieferanten, als nicht mehr zeitgerecht abgestempelt werden. Wer weiss schon unter den Print Buyern und Marketing-Kommunikations-Entscheidern, wie Print und IT und Web harmonieren (Stichwort: Gedruckte Bücher aus Social Media-Plattformen automatisiert herstellen). Wer weiss schon, wie man Social Media Inhalte und Printmedien durch Digitaldruck in Kommunikationskampagnen zusammenführen kann?

Dies soll laut Sabine Geldermann anders und das notwendige Anwendungs-Wissen durch die drupa Global Insights Reports erzeugt werden. Innovative Anwendungsmöglichkeiten von Print in intermediären Szenarien müssen anschaulich und populär gemacht werden: „Es bietet sich ein ungeheures Potenzial für Innovation der Kommunikation mit Print. Man kann nur über neue Erkenntnisse und Lernergebnisse das Bewusstsein für Print verändern“, sagt die drupa Direktorin. Diese Maßnahmen, die drupa substantieller durch die branchenübergreifende Diskussion neuer Inhalte „beyond print“ vorzubereiten, sollen den Stellenwert der drupa als Leitmesse mit globaler Stahlkraft deutlich erhöhen. „Wir tragen dazu bei, die neuen Möglichkeiten im Print zu visualisieren. Es gibt global dermaßen viele neuartige, wirkungsstarke Anwendungen mit Print, die aus eigener Kraft heraus nicht ins allgemeine Bewusstsein rücken“, bringt es Sabine Geldmann auf den Punkt.

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Neue Wege:
Kommunikation über Print ist so wichtig wie die Kommunikation mit Print!

Die Frage stellt sich: Sollte die drupa nicht nur als „reale“ Messe, sondern zudem als virtueller Kommunikations-Marktplatz wirken können? Gerade im Hinblick darauf, dass jede Branche, jeder Wirtschaftszweig von Print-Innovationen profitieren kann? Die weiterhin zu optimierende Kommunikation der Printbranche oder die noch gewünschte Steigerung der Kommunikation in der Printbranche kann zur erstklassigen Chance der drupa werden. [Vgl. den ValueCheck: Kommunikation als Motor neuer Geschäftsmodelle].

Das Besondere besteht laut Sabine Geldermann darin, dass der Vorteil von Print in seiner Breitenwirksamkeit gleichzeitig ein hohes Potenzial an Erklärung mit sich bringt: Die Zielgruppenprofile und die Kundenbasis der Druckereien sind extrem heterogen gestaltet. Ebenso heterogen wie das Leistungsangebot von Druckereien, die technisch extrem innovativ und entsprechend spezialisiert sein müssen. Print bleibt ein unverzichtbarer und elementarer Bestandteil unserer Kommunikation, jedoch sind Print Service Provider nicht mehr ausschließlich “Drucksachenherstellter” sondern müssen zukünftig eine noch höhere Beratungskompetenz erbringen. Lösungsangebote umfassen Workflow-Architekturen, variablen Datendruck, Veredelungen, Logistik-/Supply-Chain-Aufgaben, Response-Auswertung und vieles mehr.

 

Vielfalt der Printbranche
als Chance nutzen!

Sabine Geldermann betrachtet diese wachsenden Anforderungen an ihre Klientel gänzlich unerschrocken und führt aus: „In der Vielfalt der Printbranche sehen wir das spannende Potenzial der Möglichkeiten: Die unglaubliche Bandbreite, die Printkommunikation über die Wertschöpfungskette hinaus allen Wirtschaftsbereichen bietet, erfahrbar zu machen. Die Printbranche ist keinesfalls auf dem Rückzug oder eindimensional, sie dehnt sich in alle möglichen Ebenen des Lebens und der Geschäftstätigkeit aus.“ Die Vorbereitungsarbeiten der Messe Düsseldorf zur drupa 2016 setzen auf relevante Fakten und Inhalte, die helfen sollen, die Branche und ihre Lösungsangebote per Online-Recherche jederzeit, an nahezu jedem Ort auf der Welt auffindbar zu machen.

Das Credo der drupa 2016-Vorbereitungen formuliert Sabine Geldermann wie folgt: „Unser Ziel ist es, z. B. über Web- und Blogbeiträge inkl. der richtigen Verschlagwortung ein gutes Storytelling zu bieten. Nur so können wir neue Zielgruppen auf unsere Aussteller und ihre Kunden mit ihren wichtigen Innovationsangeboten aufmerksam machen.“ Im übrigen stütze eine wachsende Zahl der drupa-Aussteller diesen Ansatz, um die Aufmerksamkeit bei den Kunden der Druckereien zu erhöhen. Agenturen,  Werbungtreibende und Markenunternehmen seien schließlich die Impulsgeber und müssten umfassender einbezogen werden. Dazu zählt, dass diejenigen Print Service Provider, die marktgerechte, zeitgemäße, vernetzbare Printkommunikationslösungen anbieten, sofort über Google auffindbar sind. Die reine Beschreibung oder Bemusterung von innovativen Anwendungen, die Face-to-face präsentiert werden, reicht dabei nicht mehr aus; es müssen Wirkungsfaktoren und ökonomisch verifizierbare Resultate aufgezeigt oder besser permanent medial inszeniert werden.

 

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Unsere Meinung

Die Messe Düsseldorf beschreitet einen Erfolg versprechenden und für die Branche richtigen Weg: Die drupa als Leitmesse für die Druck- und Papierbranche kann nur dann gelingen und global wirken, wenn Themen und Ausstellungsprogramm mit der Situation der Besucher (und Kunden der Aussteller) perfekt synchronisiert sind. Dazu bietet sich über die neuen Trendstudien die besten Möglichkeiten, um mit Märkten und allen Marktpartnern im steten Fach-Dialog zu stehen. Nicht nur während der drupa, sondern auch vorher und nachher!

Spannend für die drupa 2016 wird sicherlich die Frage, wie man die fulminanten, noch lange nicht abgeschlossenen strukturellen Veränderungen im Druckmarkt in den Griff bekommt. Branchenführer Heidelberger Druckmaschinen tritt nach einem längeren Boxenstopp mit neuer Digital Strategie an. Das wird der Branche guttun. [Siehe die Value Analyse zum Heidelberg Digital Sneak Peek, April 2014].

Die Printbranche muss nunmehr lernen, weit über den Tellerrand hinauszuschauen. Viele Neu- und Quereinsteiger, die sich z. B. mit Hochleistungs-Inkjet- und/oder variablem Datendruck auf industriellem Fertigungsniveau, mit Printer Electronics oder 3D- /4D-Printing beschäftigen, lassen sich nicht mehr klassisch der Druckbranche zurechnen. Auch hier gilt: Wirksame Kommunikation über Print tut not; und das innovationsgetriebene Dienstleistungsgeschäft mit Print muss popularisiert werden, damit die Nachfrage stimmt.

 

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Auf einen Blick:

drupa Global Trends – Ergebnisse vom Februar 2014

Bei allen nationalen Unterschieden bringt der “drupa Global Trends Report” wesentliche – und teilweise überraschende – Trends und Erkenntnisse zu Tage, die sich durch alle Wirtschaftsregionen und Druckbereiche (Publishing, Packaging, Commercial) ziehen. Erwartungsgemäß hat der Report bestätigt, dass sich die weltweite Druckindustrie nach wie vor in einem Strukturwandel befindet, was sich in Kostensteigerungen bei gleichzeitigem Preisverfall und sinkenden Margen dokumentiert. Doch viel entscheidender sind drei zentrale Ergebnisse der Studie:

  1. Es gibt klare Signale für einen wirtschaftlichen Aufwärtstrend: Die weltweite Druckindustrie quer durch die Bereiche Commercial, Publishing und Packaging wird in den kommenden zwölf Monaten deutlich investieren. Investitionstreiber hierbei sind in den Industrieländern Effizienzsteigerung und die Schaffung neuer Services. In diesem Zusammenhang gibt es klare Indikatoren für eine Art Führer- oder Vorbildrolle der nordamerikanischen Industrie. In den Schwellenländern hingegen ist der Investitionstreiber das Auftragsvolumen.
  2. Die Druckindustrie wandelt sich von einer produkt- bzw. technikgetriebenen zu einer servicegetriebenen Industrie. Im Trend sind neue Lösungen und Geschäftsmodelle, die die Bedürfnisse des Kunden reflektieren.
  3. Erwartungsgemäß spielt Digitaldruck im eingesetzten Technologie-Mix eine wichtige Rolle. 65 Prozent aller Druckdienstleister produzieren sowohl konventionell als auch digital. Über 30 Prozent der Commercial Printer erzielen bereits heute ein Viertel ihrer Gewinnmargen mit Digitaldruck. Doch auch konventioneller Druck (vor allem Bogenoffset) ist nach wie vor ein wichtiger Eckpfeiler der Druckbranche. Das spiegelt sich bei den Investitionsabsichten wider: 29 Prozent aller Druckdienstleister wollen 2014 in Bogenoffset investieren.

Link: Quelle und weitere Informationen

 

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Schlechte Zeiten sind gute Zeiten

[Der Beitrag von Andreas Weer wurde im führenden Schweizer Digitaldruck-Fachmagazin Publisher, Ausgabe April 2014, zur Vorabinformation für den Swiss Publishing Day am 20. Mai 2014 abgedruckt.]

 

Text von Andreas Weber
Illustrationen (Grafik) von Lidia Lukianova, SF Bay Area

 

Bislang war das Printbusiness ein solides Produktionsgeschäft. «Gebt mir Daten und ich drucke sie optimal», lautete das Versprechen. Mit Digitaldruckverfahren, allen voran den Hochleistungs-Inkjet-Technologien, wird jetzt alles anders.

Wirkungsstarke Lösungsangebote für neuartige Kommunikationsaufgaben im «Digital Age» sind nun gefragt. Wie das geht, wie man rasch vorankommt und wie man veränderte Kundenanforderungen erfüllt, ist mindestens so komplex wie die Technologien selbst. Doch keine Bange. Die Mühe lohnt sich, wenn man die richtige Geschäftsstrategie findet.

Die Situation der Printbranche scheint nicht rosig zu sein. Pleiten, Pech und Pannen sind an der Tagesordnung. Der VDMA als wichtigster Verband der deutschen Maschinenbauer für Druck- und Papiertechnik spricht im Rückblick auf das Jahr 2013 davon, dass gerade kleinere Druckereien reihenweise pleitegehen und dies den Zulieferern Umsatzrückgänge und Verluste einbringe, da zu wenig investiert werde. Der aktuelle Report «Drupa Global Trends» verzeichnet für 2013 zwar insgesamt höhere Umsätze bei sinkenden Margen, doch fast ein Viertel der Branche vermeldete Umsatzeinbussen. Liquiditätsengpässe sind an der Tagesordnung, die Aussenstandsdauer hat sich bei über 25 Prozent der Befragten verschlechtert.

Woran liegt das? Haben wir ein Innovationsproblem? Oder ein Akzeptanzproblem? Es ist wohl eine Mischung aus beidem. Denn die Lage der Printbranche entspricht nicht der Verfassung des Mediums Print. Print als Medium ist so gut, qualitätvoll und wirkungsstark wie nie zuvor. Aber zu wenige Unternehmen machen aus dieser Not eine Tugend. Und erfinden sich und das, was sie tun, neu.

Aus dem Blickwinkel der Printbranche werden als Risikofaktoren gesehen:

  1. Onlinemedien verdrängen Print — die Volumen gehen zurück.
  2. Print ist aus Sicht der Printbuyer aufwändig und teuer – Einsatz und Erfolg sind schwer oder kaum messbar.
  3. Es wird immer schwieriger, Printprodukte profitabel und zu tragbaren Preisen herzustellen und/oder zu verkaufen.

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Was tun? Und bleibt genug Zeit?

Die Maxime lautet: Wandeln durch Handeln. Die Voraussetzungen, als Druckerei die Trendwende zu schaffen, sind gut. Das betrifft grosse wie auch kleinere Unternehmen gleichermassen. Doch bevor im Einzelnen über an allen Orten geforderte neue Geschäftsmodelle nachgedacht werden kann, gilt es zunächst, Printmedien und die damit verbundenen Leistungen der Printhersteller richtig zu positionieren. Für Druckereikunden muss klar werden, was Printmedien und -technologien in der Vernetzung der Kommunikationselemente leisten können:

  1. Print entflieht der Flüchtigkeit der Welt der Daten und erzeugt Glaubwürdigkeit durch Haptik und Unveränderbarkeit.
  2. Die innovativen Unternehmen der Netzökonomie (Apple, Google und Co.)sowie Markenartikler aller Couleur nutzen Printmedien nicht nur als Imageträger, sondern zur aktiven Marken- und Produktkommunikation im Business-to-Business.
  3. Print ist eine wichtige Plattform der Finanz- und Wirtschaftskommunikation, insbesondere durch Transpromo (Rechnungen, Kontoauszüge oder Spezialinformationen, die kundenspezifische Daten enthalten und mit Werbeinformationen angereichert werden).
  4. Die digitale Printtechnologie übernimmt die Leadfunktion. Auf Basis der Digitalisierung in Verbindung mit dem Internet können Marketingaktivitäten in ihrer Effizienz signifikant gesteigert werden.
  5. Printmedien stellen im Markendialog sicher, dass Konsumenten durch die Bereitstellung von gedruckten Informationen Marken tiefgehend und nachhaltig erleben können.

Der richtigen Positionierung von Print zu folgen, zieht einiges nach sich: Investitionen in Wissen, Equipment und Organisation. Ein aktuelles Beispiel aus Deutschland, das dem Leitgedanken «Tradition verpflichtet – Innovation entscheidet» folgt, zeigt dies eindrucksvoll: Die Hamelner Druckerei CW Niemeyer firmiert seit Februar 2014 als «Printmedienpartner GmbH». Der neue Name stehe für langjähriges Know-how in der Druckbranche sowie für die zeitgemässe Ausrichtung auf die Anforderungen der modernen Kommunikationstechnologien und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Kunden. So steht es in einer Mitteilung des Unternehmens. Mit der Namensänderung positioniere man sich als Lösungs­anbieter, der die Verzahnung der Printmedien mit elektronisch-digitalen Medien reflektiere.

Die Umfirmierung stellt einen konsequenten Schritt im Entwicklungsprozess der Druckerei dar. Vorausgegangen war ein Management-Buy-out. Das Unternehmen soll als Spezialist für dialogorientierte Drucklösungen mit dem Namen Printmedienpartner neue Möglichkeiten aufzeigen, wie Kunden aus dem Versandhandel, der Industrie, der Tourismus- und der Verlagsbranche ihren Werbebotschaften mehr Relevanz verleihen können.

Das Beispiel zeigt, wie eine neue Positionierung einer neuen Marktstrategie (mit Fokus auf lukrative Marktsegmente) folgt. «Nebenbei» wurde die Druckproduktion auf Highspeed-Inkjet umgestellt — Grundvoraussetzung dafür, um mit variablen Daten und hohem Durchsatz punkten zu können. Das neue Geschäftsmodell sieht nicht mehr vor, Produzent von Printprodukten zu sein, bei denen der Kunde exakt spezifiziert, was wann wie zu welchen Kosten auf welchen Materialien zu tun ist. Es werden mit den Kunden Lösungen entwickelt, die es so noch nicht gibt. Hochindividuell, relevant und im Zweifelsfall massenhaft individualisiert.

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Innovation lebt von Partnerschaften

Das Beispiel aus Deutschland steht nicht allein. Es zeigt einen globalen Trend auf. Galt früher, dass sich Geschäftsmodelle aus der eingesetzten Technik ableiten, so gilt heute, dass Technik lediglich Mittel zum Zweck ist. Das passende Geschäftsmodell richtet sich an geänderten Kommunikationsbedürfnissen aus. Die Wahl der geeigneten Technologie findet im Nachgang statt. Edubook, Merenschwand, und Trendcommerce, St. Gallen, sind gute Beispiele für eine marktorientierte, innovationsbasierte, umfassend angelegte Geschäftsstrategie, die darauf abzielt, integrierte Lösungen mit den Kunden gemäss ihren Bedürfnissen beziehungsweise ihren Marktanforderungen zu entwickeln. Wesentlich ist dabei, eben nicht nur die technische Basis im Printunternehmen zu innovieren, sondern auch die Anwendungsbereiche, die eigene Kompetenz (Print + Online + IT), den Vertrieb, die Eigendarstellung und die Marketingkommunikation. All dies wird Bestandteil eines neuartigen Geschäftsmodells, das auf Interaktion mit Märkten und Partnern abzielt. Darum ist es kein Wunder, dass in Verbindung mit Highspeed-Inkjet-Druck Anwendungsszenarien aus dem (bislang separat klassifizierten) Transaktionsdruck für die Printbranche wichtig werden. Die neuen Möglichkeiten zielen darauf ab, Kommunikation und Transaktion zusammenzuführen, egal, ob es um Kataloge, Mailings oder um anderes geht.

Im partnerschaftlichen Denken liegt der Schlüssel zum Erfolg, gerade für kleinere Unternehmen, die sich fürchten werden, dass man den Einstieg in hochvolumige Inkjet-Produktionen nie und nimmer stemmen kann. Hier sind durch Web-to-Print- und Cloud-Lösungen neue Formen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit möglich. Dadurch lassen sich beliebig skalierbare Lösungen durch skalierbare Ressourcen schaffen. Wichtig ist nicht mehr die Produktionstechnik vor Ort, sondern die Qualität der Prozesse, der Grad der Kundenbindung, die Qualität und die Kompetenz im Kundenbeziehungsmanagement. An und für sich sind solche Kooperationsmodelle in der Printbranche bekannt und etabliert. Es gab immer Spezialisten für Veredelung, Stanzen und Ähnliches, die viele Druckereien als Kunden hatten. Im Akzidenzbereich sind Printbetriebe Kunden bei grossen, leistungsstarken Onlinedruckereien. Gleiches ist für den hochvolumigen Inkjet-Druck denkbar.

Das DigitaldruckForum

Das DigitaldruckForum (DDF) wurde im März 1996 als national wie inter­national erste Brancheninitiative für Printinnovation gegründet. Mit dem ­DigitaldruckForum Congress wurden Konferenzen in der Gutenberg-Stadt Mainz, in Basel, in Wien sowie in Dubai und Peking durchgeführt. Hinzu kamen Hunderte Vorträge auf Konferenzen, in Workshops und Seminaren. Um den Innovationsschüben im Kommunikationsmarkt standzuhalten, wird das DigitaldruckForum im Frühjahr 2014 umpositioniert und komplett unter das Themendach «Innovation der Marketingkommunikation» von Value ­Communication AG gestellt.

Das Credo lautet dabei: «Wir halten uns nicht mehr damit auf, zu zeigen, dass Digitaldruck so gut wie Offset ist, oder tragen händisch Druckmuster aus und versuchen dadurch, zu missionieren. Wir fokussieren auf den ROI, den Digitaldruck-Dienstleister für Marketing-/Kommunikationsprojekte bieten können, und stärken ganz erheblich die Online- und Social-Media-Kommunikation über Print. Nur so lassen sich Märkte und Kunden richtig adressieren. Vorausgesetzt, man weiss, wie das geht.»

Wer sich für das DDF als Teil der Value Community interessiert, kann:

Der Autor

Andreas Weber hat sich als Analyst und Experte für Kommunikation mit Medien einen Namen gemacht. 1996 gründete er die erste Branchen-Community für Innovation mit Print, das Digitaldruck­Forum (DDF). Er hat in 25 Jahren über 100 000 Fachleute in 32 Ländern der Welt mit seinen Ideen und Tipps in Vorträgen, Seminaren und Coachings begeistert.

Inkjet macht Druck

Andreas Weber hat am 20. Mai in Winterthur als Referent am swiss publishing day zum Thema Inkjet-Digitaldruck eine viel beachteten Vortrag gehalten. Diese Fachkonferenz ist gleichzeitig die Ugra-Druckfachtagung 2014 und gab neben einem Überblick des aktuellen Standes der Technik Gelegenheit auch auf Geschäftsmodelle einzugehen und inspirierende Beispiele zu zeigen. Ein separater Themenblock zeigte auf, welche Chancen der Digitaldruck für Prepress-Profis bietet und welche Kompetenzen künftig besonders gefragt sein werden.

Sieh dazu den Bericht Inkjet Druck — Der neue Stern in der Gutenberg-Galaxis”.

 

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HINWEIS und weitere Infos zu Innovation-Fachwissen:

Innerhalb der Value Community bietet das DigitaldruckForum exklusive Coachings an zur Innovation der Geschäftsmodelle im Print, Publishing und Crossmedia-/Agentur-Geschäft.

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Von Andreas Weber,
Analyst, Gründer und CEO von Value Communication AG, Mainz
Sprecher DigitaldruckForum

 

Warum es sich lohnt, diesen Beitrag zu lesen:

  • Print ist tot. Lange lebe Print!
  • Der geläuterte Platzhirsch Heidelberg setzt leichtfüßig und gekonnt zum Sprung an.
  • Werthaltigkeit ist Trumpf!

 

Während die Konkurrenz Teile der Fachpresse ins touristisch attraktive Mallorca zu einem Spezialthema einlud, ging es am 2. April 2014 am Neckar beim „Heidelberg Digital Sneak Peek“ mit einer internationalen Schar von Presseleuten, Analysten, Experten und Kunden zur Sache. Und das lohnte sich. Erstaunt unprätentiös, aber voller Substanz und ohne Attitüden präsentierte sich Heidelberger Druckmaschinen als ein geläuterter Platzhirsch.

Heidelberg-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerold Linzbach gab unumwunden zu, dass man sich an nichts festhalten werde, dass nicht kurz- und mittelfristig auf Profit ausgerichtet sei. Dies treffe für Heidelberg ebenso zu wie für Heidelberg-Kunden, die unverändert auf die für sie besten industriellen Printproduktionsmöglichkeiten setzen. Das bedeute nicht automatisch, dass nur hochvolumige Supermaschinen gefragt sein. Und vor allem nicht, dass Offsetdruck gleich Offsetdruck, Digitaldruck gleich Digitaldruck und Digitaldruck nicht so gut wie Offsetdruck sei.

 

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Technik-Vorstand Stephan Plenz führte persönlich durchs Heiligste: Die Entwicklungs- und Testlabors von Heidelberg, in denen Prototypen entwickelt, getestet und für den Test beim Kunden vorbereitet werden. Plenz zeigte Object Inkjet Printing per Heidelberg Jetmaster (hier können 3D-Objekte mit Wölbungen in Echtzeit bedruckt werden, wie Autotüren, Fussbälle, Gegenstände aller Art; man nannte das „4D Printing“). Im Digital Label Printing hat man mit Gallus einen Quantensprung vollzogen. Im Mix aus Flexo- und Inkjetdruck können erstklassige Etiketten auch in kleinen Mengen hergestellt werden – auf Premium-Niveau! Eine Reihe neuer Applikationen im Team mit Fujis B1-Inkjetdruckmaschinen zeigte, was man mit dem Knowhow und Support von Heidelberg erreichen kann.

Für Heidelberg hat sich der Digitaldruck zu einer ernstzunehmenden Umsatz- und Wachstumsgröße entwickelt, wie Jason Oliver, SVP Business Area Digital berichtete, die an der 10 Prozent-Hürde am Gesamtumsatz scharrt. Über 400 Systeme Linoprint C-Systeme (Baumodelle alle von Ricoh), die seit 2011 installiert wurden, stellten eine gute Ausgangsbasis dar, um Offsetdruckereien Einstiegsmöglichkeiten zu bieten. Noch spannender wird es allerdings, wenn man in hochspezialisierte Anwendungen einsteigt, die Inkjet-Techniken erlauben.

Erstaunlich ruhig ist es in diesem Kontext um die Partnerschaft mit Landa geworden. Zum ersten, weil sich die Landa-Entwicklungen um Jahre verzögern; zum anderen, weil Landa auf die Substitution klassischer Bogen- und Rollentechniken setzt und Print als Medium nicht innoviert. Versteht man die im Ansatz erkennbare Digital-Strategie von Heidelberg richtig, so liegt der Nutzen von Digitaldruck im Besetzen von neuen Marktsegmenten und industriell-leistungsstarken Applikationen. Das Geschäft mit digitalen Drucksachen wird damit mehr und mehr zum Rendite-starken Spezialmarkt, den man bedient, wenn man weiß, wie man auch im Digitaldruck industriell fertigt.

 

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Learnings und Erkenntnisse:

  1. Man muss und kann in kleinen Dingen gross sein — durch absolute Präzision im Detail, ohne den Blick aufs Ganze zu verlieren.
  2. Das Printbusiness muss über alle relevanten Techniken verfügen. Im Digitaldruck bietet Inkjet die allerbesten Voraussetzungen und Perspektiven, um Schnelligkeit und Kostenoptimierung zu gewährleisten.
  3. Im Digitaldruck funktioniert das Geschäft mit Tonerdruck, scheint aber perspektivisch ein Auslaufmodell zu werden.
  4. Heidelbergs Kernkompetenz wird Treiber der Innovation. Denn die Kernfrage lautet: Wie managt und entwickelt man das Druckereigeschäft unter Industrie-Aspekten, mit einem Bündel passender Technologien und in Kooperation mit den tauglichsten Technologiepartnern.
  5. Wer im Print profitabel sein will, muss den Mut haben, neue Wege zu gehen, und hochspezialisiert Dinge tun, die andere nicht können.

 

Meine Meinung: 

Heidelberg hat seinen langen „Boxenstopp“ beendet, und wieder Fahrt aufgenommen. Nicht mehr nur als Weltmarktführer für Bogen-Offsetdruckmaschinen. Sondern als souveräner Lösungsanbieter für universelle, vom Start weg profitable industrielle Drucklösungen, inkl. 4D-Printing!

Das kann der Branche nur guttun. Geht es doch um mehr, als nur darum, wer gerade mit welcher Drucktechnik angeblich die Nase vorne hat.

Kurzum: Werthaltigkeit muss Trumpf sein im Print-Business!

 

PS: Für die Teilnehmer des Heidelberg Digital Steak Peek gab es eine “HN Preliminary Edition” des Magazins Heidelberg-Nachrichten.
Digital gedruckt im Tonerverfahren auf Linotype C 901. Erstklassig produziert! So macht Digitaldruck Spass!

 

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