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Value Innovation Print & Publishing.008

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

Warum es sich lohnt, diesen Blogbeitrag zu lesen:

Nicht der Strukturwandel, sondern das Festhalten-Wollen an Überkommenem gefährdet Existenzen.

Die meisten Top-Manager von Verlagen, Agenturen und Druckereien haben dies aber bis heute noch nicht verstanden. Und machen andere für ihr Versagen verantwortlich.

Die Probleme der Werbe-, Verlags und Print-Branchen sind also hausgemacht! Und basieren auf einem völligen Missverstehen bzw. dem Mangel an einem richtigen Verständnis von Innovation.

Doch das alles hätte so gar nicht kommen müssen. — Victor Hugo hat dies bereits 1831 vorausgesehen! Der Beitrag von Andreas Weber, basierend auf einem Vortrag für den DigitaldruckForum Congress „Ideas for Profit“, zeigt dies auf und vermittelt wichtige Einsichten und Handlungsimpulse.

 

„Wenn Menschen auf etwas Neues und Unbekanntes stoßen, sind sie zutiefst verwirrt!“

Im Zeitalter der Digitalisierung der Kommunikation ist (bleibt) alles NEU!
Anything that can become digital will become digital and printing is no exception, sagte bereits Mitte der 1990er Jahre der Unternehmer und Erfinder Benny Landa, Gründer von Indigo und LandaNano in Israel.

Wie sieht unsere Welt resp. die der werthaltigen Printmedien-affinen Kommunikation heute aus? Es hagelt Krisen, Pleiten und Pannen — verursacht durch Strukturveränderungen. Manch einer fragt sich:  „Himmel! Wo wird das noch enden? Die Antwort stammt aus dem Jahr 1831. „Ceci tuera cela“ —  Das Eine tötet das Andere! So formulierte es Victor Hugo und beschreibt in seinem historischen Roman der „Glöckner von Notre Dame“ 1831 exakt das Szenario, das uns im 21. Jh. ziemlich hart trifft: Durch die Neuerungen in der Publishing- und Print- Branche stürzt die vorhandene Informationsvermittlungs-Architektur ein! Hugo bezieht sich auf die Erfindung von Johannes Gutenberg in Mainz. Das mag lange her sein, ist aber hochaktuell. Wenn man sich betrachtet, welche „Kathedralen“ heute, im 21. Jahrhundert, einsturzgefährdet sind:

  1. Die ›Tempel‹ der Werbung und der Verlage!
  2. Die ›Gebets-Teppich-Refugien‹ der Kommunikationsverwalter in den Unternehmen!
  3. Die ›Inquisitionskeller‹ der unmündig gehaltenen Konsumenten!

Gefordert ist eine völlig andere Herangehensweise an Märkte und an die Kommunikation mit Marktpartnern. Merkmale des modernen, interaktiven Marketing werden relevant: Alles fließt und ist in Bewegung! Neue, oder besser: sich ständig erneuernde Geschäftsmodelle sind gefragt! Ewig aktuelles Beispiel: Die Buchverlage und das Verlagswesen. Klassisch definiert als Wirtschaftszweig, der sich auf eigenes Risiko und nach eigener Auswahl mit der Vervielfältigung („Herstellung“) und dem Vertrieb (Verlagsbetrieb) von literarischen Werken, Musikalien, Bildern u. ä. m. befasst.

Value Innovation Print & Publishing.013

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch ist ein Buch!

Ein Buchverlag ist aber wie alle Publikumsverlage längst nicht mehr ein Verlag, sondern ein Content-Provider, Entertainment- und Community-Organizer. Im Fachverlagsbereich hat man das ansatzweise begriffen und geht in diese Richtung, wobei die Geschäftsmodelle nur in Ausnahmefällen (wie zum Beispiel bei Calvendo) innoviert werden. Die neuen, damit verbundenen Paradigmen lauten:

  1. Geschäftsmodelle lassen sich nicht (mehr) am Vertriebsweg oder Ausgabemedium festmachen!
  2. Digitale Medien ersetzen Bücher oder Gedrucktes nicht. Sie schaffen Neues, vor allem Interaktion!
  3. E-Commerce ist gut, hat aber mit Verlagsgeschäft im Kern gar nichts mehr zu tun.

Verlage, die den Paradigmenwechsel nicht antizipiert haben, straucheln. Ebenso alle Blender, die sich noch Verlag oder Mediengruppe nennen, Wachstum und Profite mit Online-Verkäufen erwirtschaften und dabei übersehen, ihr Kerngeschäfts zu innoveiren. Was durchaus möglich wäre. Wer das nicht tut oder das lieber übersehen möchte, wird zwangsläufig gegen die Amazons, Otto Groups und Zalandos dieser Welt verlieren.

Viele im Verlagsbereich betrachten elektronische Publikationen inzwischen nüchtern und/oder fallen mit absurden Paid Content-Konzepten aller Art in ein Loch. Erinnern wir uns: Ausgerechnet am 1. April 2008 machte folgende Schlagzeile die Runde: „Brockhaus kapituliert vor dem Internet“ — Im Artikel hiess es weiter: „Brockhaus verschiebt sein Hauptgeschäft mit Lexika praktisch komplett ins Internet. Die Kehrtwende ist eines der bislang spektakulärsten deutschen Beispiele für die Bedrohung traditioneller Geschäftsmodelle“ – Das schrieb die Financial Times Deutschland. Und weiter wurde berichtet: „Fans retten den Brockhaus“ — „Kommando zurück: Die traditionsreiche Brockhaus-Enzyklopädie in gedruckter Form steht wohl doch nicht vor dem Aus. Der Verkauf hat nach Angaben des Unternehmens in den vergangenen Monaten kräftig angezogen.“ — Und wo ist heute die gedruckte Brockhaus-Ausgabe? Nun, sie ist Geschichte, ebenso wie die Financial Times Deutschland.

Zurück zu unserem Innovationsansatz und der Frage, was Interaktivität bewirkt: Das Leser-(Content)-Interesse steht nach wie vor im Mittelpunkt! Digitaltechnologien revolutionieren nicht das Medium Buch, das Medium Print, sondern hebeln das klassische Geschäftsmodell der Verlage aus! Inhalte wie bisher bereitstellen und dies über Werbung und Abonnenten/Käufer von Medienprodukten vermarkten zu wollen, funktioniert nur, wenn eine neue Form der Intelligenz und Kompetenz in den Verlagen Einzug hält. Das Wissen um Algorithmen ist wichtiger, als der sogenannte „Qualitätsjournalismus“. Den gibt es eh seit dem Moment schon nicht mehr, als die Werbe- und Manipulationsstrategen das Sagen übernommen haben und die Verleger entmündigten.

Was zählt ist ganz einfach folgendes:

  • Direkte Wege zum Kunden für Marketing, Vertrieb und On-Demand Produktplanung!
  • Neue Fertigungsprozesse: CIM im Verlagswesen
  • Interaktion plus Multimedia-Multichannel Delivery plus User Generated Content

Es ist einfach darauf zu kommen, dass man einen Grossteil der Redaktionsleiter einfach nachhause schicken kann, wenn diese an ihrem merkwürdigen Ethos der „Kunst des Schreibens“ weiter festhalten. Ganz zu schweigen davon, dass die meisten Redaktionen gar keine eigene Inhalten erstellen, sondern nur mehr oder weniger geschickt kolportieren, was Unternehmen und ihre Kunden bzw. wir alle formulieren. Also nochmals: Wozu brauchen wir Redaktionen alten Stils — ohne digitale Kompetenz? Unzählige, wirkungsstarke Plattformen zeigen seit Jahren, dass man ohne auskommt. Siehe u. a. Twitter resp. die große Schar der Twitter-Nutzer, die jede News-Redaktion an Geschwindigkeit, Vielfalt, Originalität und Qualität schlägt.

Value Innovation Print & Publishing.011

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

„Die Milch machst’s“ — Sagt die Werbung. Haha!

Weiteres Beispiel: Die Werbeagenturen! Per Definition verstehen wir darunter: „Die bewusste Beeinflussung von Menschen auf einen bestimmten Werbezweck hin, insbesondere die Wirtschaftswerbung als Instrument der betrieblichen Absatzpolitik, mit dem eine Absatzförderung erreicht werden soll.“ Werber sind also die Handlanger der Verkaufsförderer im Marketing – Makler zwischen Angebot und Nachfrage! Ihre Aufgaben sind gemäß den gängigen Old-School-Modellen:

  • Werbeplanung
  • Feststellung des Werbeziels und der Zielgruppe
  • Ermittlung des Werbebudgets
  • Auswahl von Werbemitteln und Werbeträgern (Mediaselektion)
  • Erfolgsprognose und Erfolgskontrolle

Das kling fein schlau, ist aber hochriskant, wenn die Dinge sind wandeln. Denn was passiert, wenn Angebot und Nachfrage direkt zueinander finden? Die Folgen sind klar, wenn man sieht wie Amazon dies praktiziert und einen Etappensieg nach dem anderen einfährt. Der Online-Händler ist längst einer der Top-Technologie-Konzerne geworden, der Kommunikation (auf allen Ebenen) direkt mit Transaktionen zusammenbringt.

Werber sind dagegen abhängig von Medien- und Technologieplattformen Dritter, und nutzen diese quas im Blindflug, weil Werber keine Ahnung von Technologieentwicklung und kompetenter Technologienutzung haben. Was also passiert, wenn die Medienlandschaft durcheinander gerät? Da hilft es wenig, wenn die großen, globalen Agentur-Konzerne nun eifrig Mega-Deals mit Google oder Facebook abschließen. Das ist eine Verzeiflungstat, die schick ausschaut, aber defacto eben Augenwischerei, da es höchstens den unaufhaltsam nahenden Exitus verzögert. Nicht mehr, nicht weniger!

Value Innovation Print & Publishing.021

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

Also reiten die Werbestars weiter ihre toten Pferde? — Ja, ganz klar. Und sie bringen sich und ihre  Kunden nicht mehr von der Stelle. Ein totes Pferd kann eben nicht mehr laufen.

Wenn aber Werber das tun würden, was z. B. Thomas Koch alias @ufomedia unermüdlich empfiehlt und was Marken stark macht, könnte eine Wende die Rettung bringen: Verbraucherinteressen rücken in den Mittelpunkt und Dialoge werden aufgebaut und gepflegt! Google, Amazon & Co. machen seit Jahren vor, dass es geht und dass man damit gute Geschäfte machen kann, an denen alle partizipieren. Vor allem die, die in Algorithmen gut sind!

Hm, könnte man jetzt denken, aber so Leute wie Dr. Mathias Döpfner als Top-Partner der Werber sind doch kluge Köpfe, die können sich doch nicht irren… Es muss doch einen guten Grund geben, warum Verlagsriesen wie Axel Springer AG eine „gefährliche“ Firma wie Google auf’s Heftigste attackieren! — Ja, warum tun die das eigentlich? Nun, ganz einfach weil Verlage wie auch Agenturen sich bei der Innovation ihrer Geschäftsmodelle weitgehend resistent und ziemlich untalentiert zeigen! Wer reiten gelernt hat, kann dies auch auf einem toten Pferd praktizieren. Hauptsache, es schauen alle zu und applaudieren.

Nein, ernsthaft, die Überlebensstrategie der Verlage wie der Agenturen kann nur lauten: Aus Alt mach’ Neu! Rückbesinnung tut Not und tut gut, wenn man vorankommen will.

Think about it: „Ein Wert ist dann ein Wert, wenn er Wert hat!“ So drastisch das klingen mag, Werbung und Medien haben den Anschluss an die Gegenwart fast uneinholbar verloren! Die Vordenker aus dem Silicon Valley haben Gutenberg weitaus besser verstanden als die meisten hierzulande! Sogar Jeff Jarvis hat dies betont. Und die Gutenberg-Stadt Mainz persönlich besucht!

Die jüngsten Äusserungen von Top-Managern bei Procter & Gamble belegen zudem, dass sich Agenturen und Medien warm anziehen müssen, falls sie nicht ihre Geschäftsmodelle und ihre „Performance Promise“ (sofern überhaupt vorhanden) der Gegenwart anpassen. — Siehe Cannes Lions 2014, das Festival der Werbeverliebten, die sich gerne selbst inszenieren. — Neue Geschäftsmodelle mit Mehrwert sind gefragt! Disruptive Innovation fast der einzige Ausweg aus dem Dilemma.

Value Innovation Print & Publishing.031

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

Dramatisches Beispiel Nummer 3: Die Druckereibranche!

Wie schön war es doch einst, so um das Jahr 1800: Kreation (Muse) inspiriert Produktion. Und Produktion inspiriert Kreation! Vorbei, vorbei. Den Verlust der Monopolstellung durch Desktop Publishing und das Motto „Jeder sein eigener Gutenberg“ haben die Druckbetriebe bis heute nicht anerkennen wollen. Sie agieren unverändert wie vor 20 oder gar 200 Jahren. Nunmehr sind je nach Region in der industrialisierten Welt 30 % bis 50 % der Betriebe verschwunden! Und das (lukrative) Neu-Geschäft machen andere, allen voran die sog. Online-Druckereien wie Vista Print oder Flyeralarm, die rasant wachsen, zu Konzernen werden und nunmehr bereits 40 % des Printherstellungsmarktes für sich vereinnahmen.

Die Geschäftsmodell-Innovations-resistente Druckbranche sitzt — wen wundert’s — wie die Verlags und Agentursparte zwischen allen Stühlen! Was viele Druckereien, von ihren Lieferanten falsch beraten, nicht verstehen wollen/können:

  1. Technik-Innovationen schaffen keine neuen Märkte!
  2. Prozess-Optimierungen via CIM verbessern (bezgl. Kosten, Qualität, Standards) — machen aber vergleichbar, erhöhen den Konkurrenzdruck und drücken die Erlöse und den Profit nach unten.
  3. Differenzierungsstrategien sind kaum zu erkennen, eher setzt man auf Diversifikation, wird als Druckerei auch Logistiker mit Supply-Chain-Angeboten.

Viel einfacher wäre dagegen, wenn man das nötige Know-how und die Kreativität besitzen würde, neue Anwendungslösungen mit Print zu entwickeln (vor allem mit Digitaldruck)!. Denn der werthaltige Erfolgsgarant im 21. Jahrhundert ist: Absolut kundenorientierte Printkommunikation nutzbar machen, durch die Kombination von Social/Online und Print.

Digitaldruck und das sich vom DigitaldruckForum in einer internationalen Teamarbeit bereits 2005 vorgestellte Modell der Automated Communication Factory gliedern Print & Print-Kommunikationsdienstleistungen in die Wertschöpfungskette des Kunden ein. Dies ist die fulminanteste Form der Geschäftsmodell-Innovation für Druckereien. Doch alle schauen zu, nur keiner traut sich, den ersten Schritt zu machen. Lieber optimiert man sich zu Tode. Sei’s drum.

Value Innovation Print & Publishing.010

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

 

Die Gretchenfrage schiebt sich in den Vordergrund: Ist Digitaldruck schon so weit, per Algorithmen Druckerzeugnisse zu generieren? Ja, aber es klemmt! Und wo klemmt es beim Digitaldruck? Lange wurde der Digitaldruck falsch positioniert. Nämlich als Alternative zu Offset- oder Tiefdruck. Hier haben wir es wieder, das „Ceci tuera cela“ — Das Eine tötet das Andere!

Dabei findet die Schlacht ums Druckereigeschäft auf einem ganz anderen Feld statt: Print muss sich vergleichen lassen mit den Darstellungsstärken von Bildschirmen. Apple hat mit dem Retina-Display die Messlatte hoch gesetzt und dies für mobile Nutzung popularisiert. Höhere Auflösung, bessere Farbdarstellung und unbegrenzter Interaktionsgrad. Wer teuer gedruckte Kunstbücher mit guten, sogar den eigenen Smartphone-Fotos der Kunstwerke vergleicht, weiss, wovon ich rede. Print ist hier weit abgehängt. Die Darstellungsqualität der Exponate ist bei Städel-Museums-Katalogen für die Dürer- oder Nolde-Ausstellungen eine Zumutung (trotz hochwertigem und eben teurem Papier, Agenturspezis und guter Druckerei): Kein einziges gedrucktes Bild reicht auch nur annähernd an die Original-Bildwerke heran. So macht Print keinen Spaß. Im Gegenteil, es ist geradezu eine Beleidigung der Künstler, die im Grab rotieren würden, wenn sie es wüssten…

Value Innovation Print & Publishing.036

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

 

 

DRUM MERKE: Nichts bleibt so, wie es mal sein wird! Lernt, dass Algorithmen sowie Bedürfnisse das Mass aller Dinge sind. 

Die richtige Botschaft für Print ist entsprechend eine ganz andere als die Branche es wahrhaben möchte. Johannes Gutenberg würde es heute so ausdrücken: „Dem Drucken mit beweglichen Lettern folgt das Drucken mit beweglichen Daten!“ Der Kampf um die beste Darstellungsqualität hat Print längst verloren. Und haptisches Erleben, so oft als Stärke von Print angepriesen, interessiert viele nicht mehr, die per Haptik/Fingerdruck Interaktionen erzeugen können. Oder Inhalte abrufen, die hoch-individuell nur für sie als Nutzer aufbereitet werden. In Echtzeit natürlich.

Wir sind gespannt, ob Gutenbergs „virtuell-posthumer“ Aufruf Gehör findet. Und grüßen herzlich aus der Gutenberg-Stadt Mainz!

Value Innovation Print & Publishing.028

© 2014 by Value Communication AG, Mainz/Germany.

 

Vortragscharts zum Text:

 

 

DruckmarktImpression Ausgabe 82

© 2014 by Druckmarkt, Klaus-Peter Nicolay, Fankel, Mosel/Germany

 

Von Klaus-Peter und Julius Nicolay, Chefredaktion Druckmarkt
http://www.druckmarkt.com

 

 

Fast könnte man glauben, in der Druckindustrie drehe sich alles nur noch um die Verpackung. Eine Veranstaltung zu diesem zweifellos hoch interessanten Thema jagt die andere, Heidelberg kauft sich in den Etiketten- und Faltschachteldruck von Gallus ein, Digitaldruckmaschinenhersteller visieren den Markt an und auch die Kartonhersteller geben Gas. Alle Zeichen stehen also Richtung Verpackung.

Und die Verlockung scheint groß. Viele Hersteller (vor allem aus dem Lager der Hersteller von Digitaldruckmaschinen) bewerben den Markt der Verpackung gegenüber ihren Kunden als lukrative Wachstumsbranche, die Platz für neue Geschäftsmodelle biete und damit auch gut für neue Umsatzquellen sei. Dieses Werben ist durchschaubar, denn natürlich sollen auf diese Weise Maschinen verkauft werden.

Es ist also sehr wohl nachzufragen, wie groß dieser Markt eigentlich ist? Ist er wirklich groß genug für alle Teilnehmer, die jetzt zusätzlich auf diesen Zug aufspringen wollen? Dabei bleiben doch einige Fragezeichen. Denn trotz der prognostizierten 3,3% Wachstum über die nächsten Jahre geht es auch im Verpackungsmarkt um Verdrängung. Es wird über kurz oder lang ein Hauen und Stechen geben wie im Akzidenzmarkt. Wenn es nicht längst eingesetzt hat. Denn warum sonst schließen sich große Verpackungsdruckereien zu noch größeren Einheiten zusammen?

Dass die Auflagen im Verpackungsdruck kleiner werden und ein Trend zu Print-on-Demand beziehungsweise Wiederholungsaufträgen mit kleinen Auflagen eingesetzt hat, ist unbestritten. Produkte mit unterschiedlichen Modellvarianten tun ein Übriges ebenso wie saisonale Verpackungen zum Valentins- und Muttertag, zu Ostern, Weihnachten oder zu Großveranstaltungen wie der Fußball-WM (unser Titelbild zeigt eine typische Anwendung, wie sie zur EM 2012 produziert wurde). Solche Marketing-Aktionen splitten die Großauflagen, an ihre Stelle treten zeitlich begrenzte Verpackungen mit vergleichsweise kleinen Auflagen. Die Zahl der Jobs steigt, die Menge nicht. Doch selbst die kleinen Auflagen, von denen die Rede ist, sind für den Digitaldruck immer noch zu groß, um dem Offset Paroli zu bieten (siehe auch unsere Beiträge ab Seite 14). Das versprochene Wachstum für digital hergestellte Verpackungen muss also auf andere Weise generiert werden. Und das geht nur über neue Ideen, neue Angebote und vielleicht eine neue Form der Verpackung und deren Vermarktung. Um entsprechende Geschäftsmodelle zu entwickeln, sind aber in erster Linie Marktkenntnisse und eine gehörige Portion Grips notwendig. Mit Maschinen alleine – auch wenn sie noch so digital sein mögen – lässt sich das nicht bewerkstelligen.

 

Die komplette Ausgabe von Druckmarkt Impressions 
gibt es kostenfrei auf: 
http://www.druckmarkt.com

 

drupa Analyse Visuals.001

 

Warum es sich lohnt, diesen Beitrag zu lesen:
1. Relevante Trends und Entwicklungen frühzeitig erkennen!
2. Wie man das allgemeine Bewusstsein für Print verändert!
3. Etwas Altes wird etwas Neues!

 

Text von Andreas Weber
Grafiken/Foto: Messe Düsseldorf, drupa Global Trends, 2014

 

Vorspiel

Der legendäre Apple iCEO Steve Jobs brachte es in einer Email vom 24. Oktober 2010, 18:12 Uhr, auf den Punkt und identifizierte das „Innovators Dilemma“ als existentielle Bedrohung: Firmen seien in Gefahr, wenn sie zu lange an alten Paradigmen festhalten. — Was kann die Traditionsbranche Print daraus lernen?  Und wie vollzieht man den Sprung von der etablierten in die neue (digitale) Welt?  Ein spannendes Ausgangsszenario, um sich gedanklich auf die nächste drupa vorzubereiten.  

 

Das Dilemma: Hohes Innovationstempo – mäßige Adaptionsrate

Das Innovations-Dilemma, das Steve Jobs seinerzeit bekümmerte, in einer Phase, als Apple zur wertvollsten Marke der Welt wurde, hat die Print-Branche längst erfasst. Und ebenso ihre Marktplätze. Große Fachmessen wie die Print in Chicago oder die IPEX, neuerdings in London, sind gestrauchelt. Weniger Aussteller, weniger Besucher, weniger Relevanz — trotz hohem Innovationstempo der Hersteller. Der Druckereimarkt und seine Kunden scheinen nicht mithalten zu wollen. Ersatzinvestitionen lahmen und Neuheiten werden gerade in Deutschland nur zögerlich angenommen. Die Messe Düsseldorf beschreitet aus diesem Grund neue Wege, um die drupa als Leitmesse für die weltweite Druck- und Papierbranche aufzufrischen. Grund genug für einen Value Talk kurz vor der Halbzeit zwischen drupa 2012 und drupa 2016. Zentrale Frage: Wohin steuert die drupa?

 

drupa global trends 3

 

„Einer Leitmesse wie der drupa kommt in Zeiten der Veränderungen eine noch entscheidendere Bedeutung zu“, stellt Sabine Geldmann gleich zu Beginn des Value Talks fest. Seit Anfang 2013 ist sie als drupa Director bei der Messe Düsseldorf für die Olympiade der Druck- und Papierbranche zuständig. Dabei belässt sie es nicht beim Fachmesse-Organisieren, das sie von der Pike auf beherrscht. Vielmehr werden die weltweiten Kontakte und Besucherprofile der Messebesucher genutzt, um daraus wertvolle Marktinformationen abzuleiten. Globale Trends und Branchen-Insights werden seit Jahresbeginn 2014 durch Studien/Reports dokumentiert. Selektiert wurden rund 4.900 Teilnehmern aus drei Gruppen (Print Service Provider, Print Buyers, Suppliers), davon über 2.600 Entscheider aus Druckereien, auf denen zunächst der Hauptfokus liegt. Das repräsentative Panel erstreckt sich auf 119 Länder der Welt.

Innovation ist Trumpf!
Vor allem bei den drupa-Vorbereitungen.

„Unsere Aufgabe als Organisator der drupa ist es vor allem“, so Sabine Geldermann, „Trends zu erkennen, um belastbare, qualitative Entwicklungen auf globaler Ebene aufzuzeigen.“ Ziel sei es, nicht nur die drupa und ihre Positionierung entsprechend marktgerecht gestalten zu können, sondern den Herstellern als Ausstellern und ihren Besuchern als Anwendern fundierte, aktuelle Fakten bieten zu können. Die Voraussetzung erfolgte mit der Herausgabe des drupa Global Trend Report im Februar 2014. Bis 2016, jeweils zum Jahresende, werden Updates durchgeführt. Im Halbjahresabstand folgen die Themenspecials in den drupa Global Insights. Die Ergebnisse dieser Analysen werden breit gestreut über digitale Wege: Per Social Media, Presseverteiler/Fachmedien, über Web-Downloads der PDF-Zusammenfassungen, in persönlichen Gesprächen.

Der innovative Ansatz dieser Trendstudien und -analysen liegt laut Sabine Geldmann darin, dass „über das zur Verfügung stellen von Ergebnissen zusätzlich Tiefenanalysen vorgenommen werden können. Dies gelingt aufgrund der umfassenden Datenstrukturen, die Regionen, Länder, spezifische Zielgruppenprofile, Marktsegmente u. a. m. unterscheiden.“ Als Haupt-Sichtweise werde die Situation der Druckereien zugrunde gelegt.  Mit quasi mikroskopischem Blick können erstmals in den Märkten Trends aufgezeigt und analysiert werden. Wesentlich erscheint, nationale Entwicklungen im internationalen Kontext abgleichen zu können, da im Print-Business die Unterschiede eminent gross sind.

 

drupa global trends 1

 

Spektakulär sind die Ergebnisse bei der Nullmessung durch den 1. drupa Global Trend Report erwartungsgemäß noch nicht. Bis auf die Prognose, dass die Investitionen wieder steigen sollen. Vieles habe man schon wissen können, durch Medienberichte oder eine Vielzahl von Einzelstudien. Es geht der drupa Direktorin und ihrem Team vielmehr darum, aus einzelnen Puzzle-Teilchen ein komplettes Bild zu formen, das systematisch aktualisiert wird. Die drupa mit über 60jährigen Tradition biete genug Substanz, um ein solides Markt-, Wirtschafts- und Investitionsbarometer abzubilden, verknüpft mit neusten Technologie- und Anwendungstrends.

Profitieren soll durch diese exklusive Wissens- und Recherchearbeit das Themen- und Aktivitätenprogramm der drupa 2016. „Strukturwandel und Marktkonsolidierung bewirken, dass neben dem Stammpublikum der drupa neue Zielgruppen angesprochen werden müssen“, erklärt Sabine Geldermann. Quasi per Seismograph müssen diese neuen Anforderungen erkennbar sein. Die bei der Messe Düsseldorf vorhandenen digitalen Kommunikationskanäle bekommen daher neben der Herausgabe von Printpublikationen eine hohe Bedeutung. In umfassender Weise sollen Interaktionen entstehen, die messbare Ergebnisse durch valide Auswertungen erlauben. Getreu dem Motto „Man kann nicht wissen, was man nicht weiss!“ besteht für die drupa die Herausforderung, neue Zielgruppen zu identifizieren, die nicht oder nur unzureichend über die technisch-funktionellen Vorteile von aktueller Print-Technologie informiert sind.

 

drupa global trends 4

 

Das Risiko der Printbranche:
Nicht-Wissen!

Print gerät durch Nicht-Wissen über das immense Spektrum von Einsatzmöglichkeiten aus dem „relevant Set“ der Kommunikationsentscheider, da das Medium Print und seine Hersteller, Drucker wie Lieferanten, als nicht mehr zeitgerecht abgestempelt werden. Wer weiss schon unter den Print Buyern und Marketing-Kommunikations-Entscheidern, wie Print und IT und Web harmonieren (Stichwort: Gedruckte Bücher aus Social Media-Plattformen automatisiert herstellen). Wer weiss schon, wie man Social Media Inhalte und Printmedien durch Digitaldruck in Kommunikationskampagnen zusammenführen kann?

Dies soll laut Sabine Geldermann anders und das notwendige Anwendungs-Wissen durch die drupa Global Insights Reports erzeugt werden. Innovative Anwendungsmöglichkeiten von Print in intermediären Szenarien müssen anschaulich und populär gemacht werden: „Es bietet sich ein ungeheures Potenzial für Innovation der Kommunikation mit Print. Man kann nur über neue Erkenntnisse und Lernergebnisse das Bewusstsein für Print verändern“, sagt die drupa Direktorin. Diese Maßnahmen, die drupa substantieller durch die branchenübergreifende Diskussion neuer Inhalte „beyond print“ vorzubereiten, sollen den Stellenwert der drupa als Leitmesse mit globaler Stahlkraft deutlich erhöhen. „Wir tragen dazu bei, die neuen Möglichkeiten im Print zu visualisieren. Es gibt global dermaßen viele neuartige, wirkungsstarke Anwendungen mit Print, die aus eigener Kraft heraus nicht ins allgemeine Bewusstsein rücken“, bringt es Sabine Geldmann auf den Punkt.

drupa global trends 2

 

Neue Wege:
Kommunikation über Print ist so wichtig wie die Kommunikation mit Print!

Die Frage stellt sich: Sollte die drupa nicht nur als „reale“ Messe, sondern zudem als virtueller Kommunikations-Marktplatz wirken können? Gerade im Hinblick darauf, dass jede Branche, jeder Wirtschaftszweig von Print-Innovationen profitieren kann? Die weiterhin zu optimierende Kommunikation der Printbranche oder die noch gewünschte Steigerung der Kommunikation in der Printbranche kann zur erstklassigen Chance der drupa werden. [Vgl. den ValueCheck: Kommunikation als Motor neuer Geschäftsmodelle].

Das Besondere besteht laut Sabine Geldermann darin, dass der Vorteil von Print in seiner Breitenwirksamkeit gleichzeitig ein hohes Potenzial an Erklärung mit sich bringt: Die Zielgruppenprofile und die Kundenbasis der Druckereien sind extrem heterogen gestaltet. Ebenso heterogen wie das Leistungsangebot von Druckereien, die technisch extrem innovativ und entsprechend spezialisiert sein müssen. Print bleibt ein unverzichtbarer und elementarer Bestandteil unserer Kommunikation, jedoch sind Print Service Provider nicht mehr ausschließlich “Drucksachenherstellter” sondern müssen zukünftig eine noch höhere Beratungskompetenz erbringen. Lösungsangebote umfassen Workflow-Architekturen, variablen Datendruck, Veredelungen, Logistik-/Supply-Chain-Aufgaben, Response-Auswertung und vieles mehr.

 

Vielfalt der Printbranche
als Chance nutzen!

Sabine Geldermann betrachtet diese wachsenden Anforderungen an ihre Klientel gänzlich unerschrocken und führt aus: „In der Vielfalt der Printbranche sehen wir das spannende Potenzial der Möglichkeiten: Die unglaubliche Bandbreite, die Printkommunikation über die Wertschöpfungskette hinaus allen Wirtschaftsbereichen bietet, erfahrbar zu machen. Die Printbranche ist keinesfalls auf dem Rückzug oder eindimensional, sie dehnt sich in alle möglichen Ebenen des Lebens und der Geschäftstätigkeit aus.“ Die Vorbereitungsarbeiten der Messe Düsseldorf zur drupa 2016 setzen auf relevante Fakten und Inhalte, die helfen sollen, die Branche und ihre Lösungsangebote per Online-Recherche jederzeit, an nahezu jedem Ort auf der Welt auffindbar zu machen.

Das Credo der drupa 2016-Vorbereitungen formuliert Sabine Geldermann wie folgt: „Unser Ziel ist es, z. B. über Web- und Blogbeiträge inkl. der richtigen Verschlagwortung ein gutes Storytelling zu bieten. Nur so können wir neue Zielgruppen auf unsere Aussteller und ihre Kunden mit ihren wichtigen Innovationsangeboten aufmerksam machen.“ Im übrigen stütze eine wachsende Zahl der drupa-Aussteller diesen Ansatz, um die Aufmerksamkeit bei den Kunden der Druckereien zu erhöhen. Agenturen,  Werbungtreibende und Markenunternehmen seien schließlich die Impulsgeber und müssten umfassender einbezogen werden. Dazu zählt, dass diejenigen Print Service Provider, die marktgerechte, zeitgemäße, vernetzbare Printkommunikationslösungen anbieten, sofort über Google auffindbar sind. Die reine Beschreibung oder Bemusterung von innovativen Anwendungen, die Face-to-face präsentiert werden, reicht dabei nicht mehr aus; es müssen Wirkungsfaktoren und ökonomisch verifizierbare Resultate aufgezeigt oder besser permanent medial inszeniert werden.

 

Value New Years Event 2014 Key Visuals.001

 

Unsere Meinung

Die Messe Düsseldorf beschreitet einen Erfolg versprechenden und für die Branche richtigen Weg: Die drupa als Leitmesse für die Druck- und Papierbranche kann nur dann gelingen und global wirken, wenn Themen und Ausstellungsprogramm mit der Situation der Besucher (und Kunden der Aussteller) perfekt synchronisiert sind. Dazu bietet sich über die neuen Trendstudien die besten Möglichkeiten, um mit Märkten und allen Marktpartnern im steten Fach-Dialog zu stehen. Nicht nur während der drupa, sondern auch vorher und nachher!

Spannend für die drupa 2016 wird sicherlich die Frage, wie man die fulminanten, noch lange nicht abgeschlossenen strukturellen Veränderungen im Druckmarkt in den Griff bekommt. Branchenführer Heidelberger Druckmaschinen tritt nach einem längeren Boxenstopp mit neuer Digital Strategie an. Das wird der Branche guttun. [Siehe die Value Analyse zum Heidelberg Digital Sneak Peek, April 2014].

Die Printbranche muss nunmehr lernen, weit über den Tellerrand hinauszuschauen. Viele Neu- und Quereinsteiger, die sich z. B. mit Hochleistungs-Inkjet- und/oder variablem Datendruck auf industriellem Fertigungsniveau, mit Printer Electronics oder 3D- /4D-Printing beschäftigen, lassen sich nicht mehr klassisch der Druckbranche zurechnen. Auch hier gilt: Wirksame Kommunikation über Print tut not; und das innovationsgetriebene Dienstleistungsgeschäft mit Print muss popularisiert werden, damit die Nachfrage stimmt.

 

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Auf einen Blick:

drupa Global Trends – Ergebnisse vom Februar 2014

Bei allen nationalen Unterschieden bringt der “drupa Global Trends Report” wesentliche – und teilweise überraschende – Trends und Erkenntnisse zu Tage, die sich durch alle Wirtschaftsregionen und Druckbereiche (Publishing, Packaging, Commercial) ziehen. Erwartungsgemäß hat der Report bestätigt, dass sich die weltweite Druckindustrie nach wie vor in einem Strukturwandel befindet, was sich in Kostensteigerungen bei gleichzeitigem Preisverfall und sinkenden Margen dokumentiert. Doch viel entscheidender sind drei zentrale Ergebnisse der Studie:

  1. Es gibt klare Signale für einen wirtschaftlichen Aufwärtstrend: Die weltweite Druckindustrie quer durch die Bereiche Commercial, Publishing und Packaging wird in den kommenden zwölf Monaten deutlich investieren. Investitionstreiber hierbei sind in den Industrieländern Effizienzsteigerung und die Schaffung neuer Services. In diesem Zusammenhang gibt es klare Indikatoren für eine Art Führer- oder Vorbildrolle der nordamerikanischen Industrie. In den Schwellenländern hingegen ist der Investitionstreiber das Auftragsvolumen.
  2. Die Druckindustrie wandelt sich von einer produkt- bzw. technikgetriebenen zu einer servicegetriebenen Industrie. Im Trend sind neue Lösungen und Geschäftsmodelle, die die Bedürfnisse des Kunden reflektieren.
  3. Erwartungsgemäß spielt Digitaldruck im eingesetzten Technologie-Mix eine wichtige Rolle. 65 Prozent aller Druckdienstleister produzieren sowohl konventionell als auch digital. Über 30 Prozent der Commercial Printer erzielen bereits heute ein Viertel ihrer Gewinnmargen mit Digitaldruck. Doch auch konventioneller Druck (vor allem Bogenoffset) ist nach wie vor ein wichtiger Eckpfeiler der Druckbranche. Das spiegelt sich bei den Investitionsabsichten wider: 29 Prozent aller Druckdienstleister wollen 2014 in Bogenoffset investieren.

Link: Quelle und weitere Informationen

 

Value Communication Keymessages 2014 D Kopie iCloud.003

 

 

Schlechte Zeiten sind gute Zeiten

[Der Beitrag von Andreas Weer wurde im führenden Schweizer Digitaldruck-Fachmagazin Publisher, Ausgabe April 2014, zur Vorabinformation für den Swiss Publishing Day am 20. Mai 2014 abgedruckt.]

 

Text von Andreas Weber
Illustrationen (Grafik) von Lidia Lukianova, SF Bay Area

 

Bislang war das Printbusiness ein solides Produktionsgeschäft. «Gebt mir Daten und ich drucke sie optimal», lautete das Versprechen. Mit Digitaldruckverfahren, allen voran den Hochleistungs-Inkjet-Technologien, wird jetzt alles anders.

Wirkungsstarke Lösungsangebote für neuartige Kommunikationsaufgaben im «Digital Age» sind nun gefragt. Wie das geht, wie man rasch vorankommt und wie man veränderte Kundenanforderungen erfüllt, ist mindestens so komplex wie die Technologien selbst. Doch keine Bange. Die Mühe lohnt sich, wenn man die richtige Geschäftsstrategie findet.

Die Situation der Printbranche scheint nicht rosig zu sein. Pleiten, Pech und Pannen sind an der Tagesordnung. Der VDMA als wichtigster Verband der deutschen Maschinenbauer für Druck- und Papiertechnik spricht im Rückblick auf das Jahr 2013 davon, dass gerade kleinere Druckereien reihenweise pleitegehen und dies den Zulieferern Umsatzrückgänge und Verluste einbringe, da zu wenig investiert werde. Der aktuelle Report «Drupa Global Trends» verzeichnet für 2013 zwar insgesamt höhere Umsätze bei sinkenden Margen, doch fast ein Viertel der Branche vermeldete Umsatzeinbussen. Liquiditätsengpässe sind an der Tagesordnung, die Aussenstandsdauer hat sich bei über 25 Prozent der Befragten verschlechtert.

Woran liegt das? Haben wir ein Innovationsproblem? Oder ein Akzeptanzproblem? Es ist wohl eine Mischung aus beidem. Denn die Lage der Printbranche entspricht nicht der Verfassung des Mediums Print. Print als Medium ist so gut, qualitätvoll und wirkungsstark wie nie zuvor. Aber zu wenige Unternehmen machen aus dieser Not eine Tugend. Und erfinden sich und das, was sie tun, neu.

Aus dem Blickwinkel der Printbranche werden als Risikofaktoren gesehen:

  1. Onlinemedien verdrängen Print — die Volumen gehen zurück.
  2. Print ist aus Sicht der Printbuyer aufwändig und teuer – Einsatz und Erfolg sind schwer oder kaum messbar.
  3. Es wird immer schwieriger, Printprodukte profitabel und zu tragbaren Preisen herzustellen und/oder zu verkaufen.

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Was tun? Und bleibt genug Zeit?

Die Maxime lautet: Wandeln durch Handeln. Die Voraussetzungen, als Druckerei die Trendwende zu schaffen, sind gut. Das betrifft grosse wie auch kleinere Unternehmen gleichermassen. Doch bevor im Einzelnen über an allen Orten geforderte neue Geschäftsmodelle nachgedacht werden kann, gilt es zunächst, Printmedien und die damit verbundenen Leistungen der Printhersteller richtig zu positionieren. Für Druckereikunden muss klar werden, was Printmedien und -technologien in der Vernetzung der Kommunikationselemente leisten können:

  1. Print entflieht der Flüchtigkeit der Welt der Daten und erzeugt Glaubwürdigkeit durch Haptik und Unveränderbarkeit.
  2. Die innovativen Unternehmen der Netzökonomie (Apple, Google und Co.)sowie Markenartikler aller Couleur nutzen Printmedien nicht nur als Imageträger, sondern zur aktiven Marken- und Produktkommunikation im Business-to-Business.
  3. Print ist eine wichtige Plattform der Finanz- und Wirtschaftskommunikation, insbesondere durch Transpromo (Rechnungen, Kontoauszüge oder Spezialinformationen, die kundenspezifische Daten enthalten und mit Werbeinformationen angereichert werden).
  4. Die digitale Printtechnologie übernimmt die Leadfunktion. Auf Basis der Digitalisierung in Verbindung mit dem Internet können Marketingaktivitäten in ihrer Effizienz signifikant gesteigert werden.
  5. Printmedien stellen im Markendialog sicher, dass Konsumenten durch die Bereitstellung von gedruckten Informationen Marken tiefgehend und nachhaltig erleben können.

Der richtigen Positionierung von Print zu folgen, zieht einiges nach sich: Investitionen in Wissen, Equipment und Organisation. Ein aktuelles Beispiel aus Deutschland, das dem Leitgedanken «Tradition verpflichtet – Innovation entscheidet» folgt, zeigt dies eindrucksvoll: Die Hamelner Druckerei CW Niemeyer firmiert seit Februar 2014 als «Printmedienpartner GmbH». Der neue Name stehe für langjähriges Know-how in der Druckbranche sowie für die zeitgemässe Ausrichtung auf die Anforderungen der modernen Kommunikationstechnologien und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Kunden. So steht es in einer Mitteilung des Unternehmens. Mit der Namensänderung positioniere man sich als Lösungs­anbieter, der die Verzahnung der Printmedien mit elektronisch-digitalen Medien reflektiere.

Die Umfirmierung stellt einen konsequenten Schritt im Entwicklungsprozess der Druckerei dar. Vorausgegangen war ein Management-Buy-out. Das Unternehmen soll als Spezialist für dialogorientierte Drucklösungen mit dem Namen Printmedienpartner neue Möglichkeiten aufzeigen, wie Kunden aus dem Versandhandel, der Industrie, der Tourismus- und der Verlagsbranche ihren Werbebotschaften mehr Relevanz verleihen können.

Das Beispiel zeigt, wie eine neue Positionierung einer neuen Marktstrategie (mit Fokus auf lukrative Marktsegmente) folgt. «Nebenbei» wurde die Druckproduktion auf Highspeed-Inkjet umgestellt — Grundvoraussetzung dafür, um mit variablen Daten und hohem Durchsatz punkten zu können. Das neue Geschäftsmodell sieht nicht mehr vor, Produzent von Printprodukten zu sein, bei denen der Kunde exakt spezifiziert, was wann wie zu welchen Kosten auf welchen Materialien zu tun ist. Es werden mit den Kunden Lösungen entwickelt, die es so noch nicht gibt. Hochindividuell, relevant und im Zweifelsfall massenhaft individualisiert.

Value Communication Keymessages 2014 D Kopie iCloud.002

Innovation lebt von Partnerschaften

Das Beispiel aus Deutschland steht nicht allein. Es zeigt einen globalen Trend auf. Galt früher, dass sich Geschäftsmodelle aus der eingesetzten Technik ableiten, so gilt heute, dass Technik lediglich Mittel zum Zweck ist. Das passende Geschäftsmodell richtet sich an geänderten Kommunikationsbedürfnissen aus. Die Wahl der geeigneten Technologie findet im Nachgang statt. Edubook, Merenschwand, und Trendcommerce, St. Gallen, sind gute Beispiele für eine marktorientierte, innovationsbasierte, umfassend angelegte Geschäftsstrategie, die darauf abzielt, integrierte Lösungen mit den Kunden gemäss ihren Bedürfnissen beziehungsweise ihren Marktanforderungen zu entwickeln. Wesentlich ist dabei, eben nicht nur die technische Basis im Printunternehmen zu innovieren, sondern auch die Anwendungsbereiche, die eigene Kompetenz (Print + Online + IT), den Vertrieb, die Eigendarstellung und die Marketingkommunikation. All dies wird Bestandteil eines neuartigen Geschäftsmodells, das auf Interaktion mit Märkten und Partnern abzielt. Darum ist es kein Wunder, dass in Verbindung mit Highspeed-Inkjet-Druck Anwendungsszenarien aus dem (bislang separat klassifizierten) Transaktionsdruck für die Printbranche wichtig werden. Die neuen Möglichkeiten zielen darauf ab, Kommunikation und Transaktion zusammenzuführen, egal, ob es um Kataloge, Mailings oder um anderes geht.

Im partnerschaftlichen Denken liegt der Schlüssel zum Erfolg, gerade für kleinere Unternehmen, die sich fürchten werden, dass man den Einstieg in hochvolumige Inkjet-Produktionen nie und nimmer stemmen kann. Hier sind durch Web-to-Print- und Cloud-Lösungen neue Formen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit möglich. Dadurch lassen sich beliebig skalierbare Lösungen durch skalierbare Ressourcen schaffen. Wichtig ist nicht mehr die Produktionstechnik vor Ort, sondern die Qualität der Prozesse, der Grad der Kundenbindung, die Qualität und die Kompetenz im Kundenbeziehungsmanagement. An und für sich sind solche Kooperationsmodelle in der Printbranche bekannt und etabliert. Es gab immer Spezialisten für Veredelung, Stanzen und Ähnliches, die viele Druckereien als Kunden hatten. Im Akzidenzbereich sind Printbetriebe Kunden bei grossen, leistungsstarken Onlinedruckereien. Gleiches ist für den hochvolumigen Inkjet-Druck denkbar.

Das DigitaldruckForum

Das DigitaldruckForum (DDF) wurde im März 1996 als national wie inter­national erste Brancheninitiative für Printinnovation gegründet. Mit dem ­DigitaldruckForum Congress wurden Konferenzen in der Gutenberg-Stadt Mainz, in Basel, in Wien sowie in Dubai und Peking durchgeführt. Hinzu kamen Hunderte Vorträge auf Konferenzen, in Workshops und Seminaren. Um den Innovationsschüben im Kommunikationsmarkt standzuhalten, wird das DigitaldruckForum im Frühjahr 2014 umpositioniert und komplett unter das Themendach «Innovation der Marketingkommunikation» von Value ­Communication AG gestellt.

Das Credo lautet dabei: «Wir halten uns nicht mehr damit auf, zu zeigen, dass Digitaldruck so gut wie Offset ist, oder tragen händisch Druckmuster aus und versuchen dadurch, zu missionieren. Wir fokussieren auf den ROI, den Digitaldruck-Dienstleister für Marketing-/Kommunikationsprojekte bieten können, und stärken ganz erheblich die Online- und Social-Media-Kommunikation über Print. Nur so lassen sich Märkte und Kunden richtig adressieren. Vorausgesetzt, man weiss, wie das geht.»

Wer sich für das DDF als Teil der Value Community interessiert, kann:

Der Autor

Andreas Weber hat sich als Analyst und Experte für Kommunikation mit Medien einen Namen gemacht. 1996 gründete er die erste Branchen-Community für Innovation mit Print, das Digitaldruck­Forum (DDF). Er hat in 25 Jahren über 100 000 Fachleute in 32 Ländern der Welt mit seinen Ideen und Tipps in Vorträgen, Seminaren und Coachings begeistert.

Inkjet macht Druck

Andreas Weber hat am 20. Mai in Winterthur als Referent am swiss publishing day zum Thema Inkjet-Digitaldruck eine viel beachteten Vortrag gehalten. Diese Fachkonferenz ist gleichzeitig die Ugra-Druckfachtagung 2014 und gab neben einem Überblick des aktuellen Standes der Technik Gelegenheit auch auf Geschäftsmodelle einzugehen und inspirierende Beispiele zu zeigen. Ein separater Themenblock zeigte auf, welche Chancen der Digitaldruck für Prepress-Profis bietet und welche Kompetenzen künftig besonders gefragt sein werden.

Sieh dazu den Bericht Inkjet Druck — Der neue Stern in der Gutenberg-Galaxis”.

 

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HINWEIS und weitere Infos zu Innovation-Fachwissen:

Innerhalb der Value Community bietet das DigitaldruckForum exklusive Coachings an zur Innovation der Geschäftsmodelle im Print, Publishing und Crossmedia-/Agentur-Geschäft.

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Von Andreas Weber,
Analyst, Gründer und CEO von Value Communication AG, Mainz
Sprecher DigitaldruckForum

 

Warum es sich lohnt, diesen Beitrag zu lesen:

  • Print ist tot. Lange lebe Print!
  • Der geläuterte Platzhirsch Heidelberg setzt leichtfüßig und gekonnt zum Sprung an.
  • Werthaltigkeit ist Trumpf!

 

Während die Konkurrenz Teile der Fachpresse ins touristisch attraktive Mallorca zu einem Spezialthema einlud, ging es am 2. April 2014 am Neckar beim „Heidelberg Digital Sneak Peek“ mit einer internationalen Schar von Presseleuten, Analysten, Experten und Kunden zur Sache. Und das lohnte sich. Erstaunt unprätentiös, aber voller Substanz und ohne Attitüden präsentierte sich Heidelberger Druckmaschinen als ein geläuterter Platzhirsch.

Heidelberg-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerold Linzbach gab unumwunden zu, dass man sich an nichts festhalten werde, dass nicht kurz- und mittelfristig auf Profit ausgerichtet sei. Dies treffe für Heidelberg ebenso zu wie für Heidelberg-Kunden, die unverändert auf die für sie besten industriellen Printproduktionsmöglichkeiten setzen. Das bedeute nicht automatisch, dass nur hochvolumige Supermaschinen gefragt sein. Und vor allem nicht, dass Offsetdruck gleich Offsetdruck, Digitaldruck gleich Digitaldruck und Digitaldruck nicht so gut wie Offsetdruck sei.

 

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Technik-Vorstand Stephan Plenz führte persönlich durchs Heiligste: Die Entwicklungs- und Testlabors von Heidelberg, in denen Prototypen entwickelt, getestet und für den Test beim Kunden vorbereitet werden. Plenz zeigte Object Inkjet Printing per Heidelberg Jetmaster (hier können 3D-Objekte mit Wölbungen in Echtzeit bedruckt werden, wie Autotüren, Fussbälle, Gegenstände aller Art; man nannte das „4D Printing“). Im Digital Label Printing hat man mit Gallus einen Quantensprung vollzogen. Im Mix aus Flexo- und Inkjetdruck können erstklassige Etiketten auch in kleinen Mengen hergestellt werden – auf Premium-Niveau! Eine Reihe neuer Applikationen im Team mit Fujis B1-Inkjetdruckmaschinen zeigte, was man mit dem Knowhow und Support von Heidelberg erreichen kann.

Für Heidelberg hat sich der Digitaldruck zu einer ernstzunehmenden Umsatz- und Wachstumsgröße entwickelt, wie Jason Oliver, SVP Business Area Digital berichtete, die an der 10 Prozent-Hürde am Gesamtumsatz scharrt. Über 400 Systeme Linoprint C-Systeme (Baumodelle alle von Ricoh), die seit 2011 installiert wurden, stellten eine gute Ausgangsbasis dar, um Offsetdruckereien Einstiegsmöglichkeiten zu bieten. Noch spannender wird es allerdings, wenn man in hochspezialisierte Anwendungen einsteigt, die Inkjet-Techniken erlauben.

Erstaunlich ruhig ist es in diesem Kontext um die Partnerschaft mit Landa geworden. Zum ersten, weil sich die Landa-Entwicklungen um Jahre verzögern; zum anderen, weil Landa auf die Substitution klassischer Bogen- und Rollentechniken setzt und Print als Medium nicht innoviert. Versteht man die im Ansatz erkennbare Digital-Strategie von Heidelberg richtig, so liegt der Nutzen von Digitaldruck im Besetzen von neuen Marktsegmenten und industriell-leistungsstarken Applikationen. Das Geschäft mit digitalen Drucksachen wird damit mehr und mehr zum Rendite-starken Spezialmarkt, den man bedient, wenn man weiß, wie man auch im Digitaldruck industriell fertigt.

 

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Learnings und Erkenntnisse:

  1. Man muss und kann in kleinen Dingen gross sein — durch absolute Präzision im Detail, ohne den Blick aufs Ganze zu verlieren.
  2. Das Printbusiness muss über alle relevanten Techniken verfügen. Im Digitaldruck bietet Inkjet die allerbesten Voraussetzungen und Perspektiven, um Schnelligkeit und Kostenoptimierung zu gewährleisten.
  3. Im Digitaldruck funktioniert das Geschäft mit Tonerdruck, scheint aber perspektivisch ein Auslaufmodell zu werden.
  4. Heidelbergs Kernkompetenz wird Treiber der Innovation. Denn die Kernfrage lautet: Wie managt und entwickelt man das Druckereigeschäft unter Industrie-Aspekten, mit einem Bündel passender Technologien und in Kooperation mit den tauglichsten Technologiepartnern.
  5. Wer im Print profitabel sein will, muss den Mut haben, neue Wege zu gehen, und hochspezialisiert Dinge tun, die andere nicht können.

 

Meine Meinung: 

Heidelberg hat seinen langen „Boxenstopp“ beendet, und wieder Fahrt aufgenommen. Nicht mehr nur als Weltmarktführer für Bogen-Offsetdruckmaschinen. Sondern als souveräner Lösungsanbieter für universelle, vom Start weg profitable industrielle Drucklösungen, inkl. 4D-Printing!

Das kann der Branche nur guttun. Geht es doch um mehr, als nur darum, wer gerade mit welcher Drucktechnik angeblich die Nase vorne hat.

Kurzum: Werthaltigkeit muss Trumpf sein im Print-Business!

 

PS: Für die Teilnehmer des Heidelberg Digital Steak Peek gab es eine “HN Preliminary Edition” des Magazins Heidelberg-Nachrichten.
Digital gedruckt im Tonerverfahren auf Linotype C 901. Erstklassig produziert! So macht Digitaldruck Spass!

 

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Illustrationen: Lidia Lukianova, SF Bay Area

 

Warum es sich lohnt, diesen Beitrag zu lesen:

1. Kaum eine Branche kommuniziert so schlecht wie die Kommunikationsbranche, allen voran die Spezialisten für Printkommunikation.

2. Die Kommunikationsfähigkeit leidet extrem darunter, dass die Kommunikationsbranche sich nur unzureichend über relevante Technologien und Innovation informiert bzw. austauscht.

3. Aktuelle ValueCheck!-Umfrage belegt: Fachliche Weiterbildung wird nicht als Notwendigkeit gesehen; die meisten machen weiter wie bisher und sind nichtmehr up-to-date.

 

Man kann nicht wissen, was man nicht weiss!

Die aktuelle ValueCheck!-Analyse bestätigt, was wir seit längerem vermuten: Die Adaption neuer relevanter Technologien und Innovationen verlangsamt sich im deutschsprachigen Raum zusehends. Investitionsentscheider aus der ersten und zweiten Führungsebene verfügen über zuwenig und kaum aktuelles Fachwissen zu neuen Technologien und Innovationen. Die Mehrzahl derer, die sich mit Innovationsthemen wie Social Media oder dem Digitaldruck beschäftigen, hat sich in ihrer Informations- und Wissensaufnahme nicht den modernen Zeiten angepasst:

  • Für die Themenstellungen notwendige Dienste wie Twitter werden kaum genutzt (nur 16 Prozent).
  • Schlusslicht ist Facebook mit 9 Prozent, das sich längst als Informations- und Interaktionsplanung für Wissensaustausch und Leadgenerierung etabliert hat (wie Beispiele aus Skandinavien, der Türkei oder den U.S.A. belegen).
  • Immerhin nutzen 39 Prozent der Befragten Web-Blogs als Informationsquelle, wobei Kommentarfunktionen der Blogs so gut wie nicht genutzt werden.
  • Nur weniger als ein Viertel (24 Prozent) profitiert von Onlinekonferenzen/Webinars, die einfach nutzbar und äußerst effizient sind, da zeitsparend.

 

Value Check 1-2014 Mediennutzung XING

 

Erhebungszeitraum: Januar und Februar 2014

Grundgesamtheit: Online-Befragung über Value Community „DigitaldruckForum“ auf XING (75 Entscheider) plus Tiefeninterviews (23)

Quelle & © 2014: Value Communication AG, Mainz | ValueCheck!

 

Traditionalisten mögen jetzt denken: „Ich habe es doch immer gewusst, dieser neue Digital-Firlefanz bringt nix!“ Das ist aber ein Trugschluss, wie die Tiefeninterviews des ValueCheck! ergeben:

  • Fachzeitschriften dominieren klar mit ihren Printangeboten. Weniger als 15 Prozent der befragten Empfänger von Print-Titeln lesen diese aber gründlich, das heisst pro Ausgabe 30 bis 60 Minuten. Die meisten schauen weniger als 3 Minuten drauf und legen die Ausgabe dann in die Ablage, das „Umlaufkörbchen“ oder ins Besucherzimmer.
  • Online-Ableger der Printtitel werden Mehrheitlich von Nicht-Print-Lesern genutzt, die dies aber nur sporadisch tun. Das heisst die Leser-Blatt-Bindung ist und bleibt ziemlich gering.
  • Die Twitterangebote von Fachzeitschriften werden kaum wahrgenommen, da zumeist nur die Headlines von Online-Posts getweetet werden und auf diese verlinkt sind; diese Tweets erfahren praktisch null Interaktion, da sie nicht ausreichend re-tweetet werden.

Neben den (kaum wahrgenommenen Fachzeitschriften mit ihrem stolzen Anteil von 79 Prozent sind Fachmessen mit 69 Prozent ganz vorne dabei. Hausmessen werden nicht mehr häufig genutzt (nur von 27 Prozent). Die Tiefeninterviews ergaben folgendes:

  • 77 Prozent gehen zu Fachmessen, um Kollegen zu treffen und sich unterhalten zu lassen, inkl. Essen und Trinken sowie Party-Programmen.
  • 63 Prozent gehen zu Hausmessen, weil sie sich dem Vertriebsmitarbeiter ihres Lieferenten verpflichtet fühlen.
  • Weniger als 20 Prozent sind in den letzten fünf Jahren beim Besuch von Messen auf neue Ideen gekommen, die unmittelbar zu neuem Geschäft geführt haben.

Mehr Wissen, besseres Geschäft?

Die aktuelle Situation in der Kommunikationsbranche und insbesondere bei Print zeigt ein Dilemma: Die meisten fühlen sich gut informiert, ohne aber tatsächlich die relevanten Informationen über Technologien und Innovation zu erlangen, die sie bräuchten, um profitables Wachstum zu erzeugen.

Die Tiefeninterviews ergaben zudem, dass der Zusammenhang zwischen Wissensaufnahme und Innovation des eigenen Geschäfts kaum erkannt wird (weniger als 15 % sehen das so). Da die Kommunikationsbranche naturgemäß Innovations-getrieben und extrem Veränderungs-abhängig ist, wirkt die Situation mehr als verfahren.

So sind zwar 82 Prozent der Befragten an Technologie-Innovationen interessiert. Gerade auch im Hinblick auf neue Geschäftsmöglichkeiten. Neue Geschäftsmöglichkeiten brauchen aber neue Geschäftsmodelle und die haben wenig mit den alten zu tun. Vieles kehrt sich um. Ein Aspekte ist aber nach wie gültig: Was nutzt es, Neues zu bieten, wenn keiner davon weiss? „Wir sind der Konkurrenz einen Schritt voraus, denn wir behalten alles für uns“. So lautet das Motto der allermeisten Kommunikationsbetriebe. Der Strukturwandel durch die Digitalisierung bewirkt einen Wandel in der Eigendarstellung und Kommunikationsfähigkeit von Kommunikationsdienstleistern.

Zuviele praktizieren nicht, was sie ihren Kunden empfehlen. Innovationslösungen, z. B. in Verbindung von Print + Online + IT  wird wenig sinnvoll für die Eigenwerbung eingesetzt. Websites sind tröge und überaltert, Blogs, Twitter und Facebook werden kaum oder wenn, dann nicht sehr professionell und zielführend genutzt. Spezifisch für die Printbetriebe gilt: Die Auseinandersetzung mit dem stärksten Wachstumssegment, dem Inkjet-Markt, zeigt, dass diejenigen (nicht nur in den USA, sondern vor allem in Holland und Skandinavien), die ein solches Geschäft erfolgreich betreiben, gleichzeitig in die Marketing-Kommunikationsoffensive gegangen sind. In Deutschland wird diese Thematik aber erst gar nicht breitenwirksam diskutiert!

Für alle aus der Kommunikationsbranche gilt gleichermaßen: Was ich nicht für mich tue, kann ich auch nicht für meine Kunden bewerkstelligen. Das Manko in der eigenen Wissenspflege überträgt sich auf die Marktkommunikation der Kommunikationsbranche insgesamt:

  1. Nur die Interaktion mit Kunden (vorzugsweise über Social Media-Plattformen und 1-to-1-Printing) bringt stets dynamische Kontaktstrukturen zu Neukunden und Meinungsmachern im Markt, die man als Referenz nutzen kann.
  2. Auftraggeber für innovative Kommunikationsprojekte müssen besser und vollständig ins Boot geholt werden.
  3. Unsere Value-Check!-Analysen und auch die von Kollegen und Herstellern zeigen, dass die Marktteilnehmer nur völlig unzureichend wissen, welche Innovationsmöglichkeiten es gibt, welche relevant sind, und welche Symbiose Print & Online & IT eingehen können.
  4. Den meisten Kommunikationsbetrieben, Agenturen ebenso wie Crossmedia-Anbietern und Digitaldruckern, fehlt schlicht die Professionalität in der Eigendarstellung und Marktkommunikation.

In der Summe und Kombination ist das fatal. Und heisst: Unsere Kommunikationsbranche kommuniziert gegenüber dem Markt/den Auftraggebern völlig unzureichend (um nicht zu sagen: lausig!). Wir verschenken durch unzureichende Marktkommunikation Geld und Chancen und überlassen anderen das Feld. Und geben somit ein schlechtes Beispiel ab. Mit anderen Worten, wer sein Geschäftsmodell ändern will, und die eigene Wissenspflege ebenso wie die offensive Kommunikation über Technologien und Innovationsmöglichkeiten vergisst, wird es nicht weit bringen.

Kontakt für weitere Informativen:

a.weber{a)value-communication.com
@ValueCommAG

Value Slide Shows:

http://de.slideshare.net/zeitenwende007

Value_Academy_Info_English FINAL 10072013.009

Fotos: Value Communication AG, Mainz
Illustration: Lidia Lukianova, SF Bay Area
@ 2013

Mission

Value Communication AG perfektioniert die Kunst der Kommunikation, um sich im Social Media Zeitalter auf drastisch veränderte Kommunikationsanforderungen optimal einstellen zu können. Dazu gehört vor allem, den spezifischen Stellenwert und Nutzen von Technologieinnovationen begreifen und individuell nutzen zu können.

Value Communication AG analysiert und bewertet die Kommunikationsfähigkeit von Unternehmen und Non-Profit-Organisationen aller Art. Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelt Value Communication AG zeitgemäße und zukunftstaugliche Kommunikationsarchitekturen, hilft, passende Innovationslösungen zu identifizieren und zu implementieren, Kommunikationseffektivität messbar zu machen und Kommunikationsprozesse stetig zu optimieren.

Unsere tiefgreifende Kompetenz und Erfahrung in nahezu allen Branchen und Wirtschaftsbereichen ermöglicht unseren Kunden mit ihrer internen wie externen Kommunikationsarbeit zu brillieren, um eine herausragende Wirkung zu erzielen.

Nutzen für Kunden der Value Communication AG: 

Kunden der Value Communication AG können den Interaktions- und Wirkungsgrad sämtlicher für den Unternehmenserfolg relevanter Kommunikationsmaßnahmen signifikant und nachhaltig steigern.

Alleinstellung, Organisation und Geschäftsmodell

Value Communication – der Name ist Programm: Bei uns wird praktiziert, was gepredigt wird! Ergebnisorientierung, Einfühlungsvermögen und Herzlichkeit sind die Schlüsselfaktoren für Effektivität der Kommunikation und Effizienz der Kommunikationsprozesse.

Die Alleinstellung von Value Communication AG ergibt sich aus einer extrem schlanken Organisation, dem hohen Grad der Vernetzungsfähigkeit und dem Standort des Unternehmens: Die einzigartigen Büroräume in der traditionsreichen Gutenberg-Stadt Mainz haben sich zu einem Brennpunkt entwickelt. Die Kultur der Kommunikation wird auf Basis höchster Wertmaßstäbe begreifbar – bei der Arbeit, bei Meetings oder speziellen Events. Viele tausend Besucher aus aller Welt konnten dies bis dato erfahren und wertschätzen.

Value Communication wurde als Aktiengesellschaft in Privatbesitz gegründet, ist auf Wachstum ausgelegt und agiert national wie international erfolgreich. Wir unterstützen sowohl deutsche Firmen, die ein internationales Geschäft betreiben wie auch internationale Firmen, die in Deutschland ihren Markterfolg ausbauen wollen. Schwerpunkte bilden Analysen & Empfehlungen für Go-to-Market-Aktivitäten in EU-Länder, Nordamerika, Brasilien und China.

Value Communication AG steht in allen Belangen der Kommunikation mit Rat und Tat zur Seite und hat innovative Tools und Vorgehensweisen entwickelt, die Kunden gegen Entgelt zur Verfügung stehen.

Die Wertschöpfung von Value Communication AG richtet sich strikt an der Steigerung des Kundennutzen aus:

  • „Advice“ auf Tagessatz- und Projektgeschäftsbasis
  • „Knowledge“ durch das exklusive Angebot der Value Academy zu Innovation & Transformation (nutzbar durch Einzel- sowie Firmenkontigent-Buchung)
  • „Connectivity“ durch die Value Community-Plattformen und -Aktivitäten, die per Sponsoring und Partnerschaftsabkommen belegt werden können

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Sehen Sie auch unser Value Communication Video auf YouTube:

Value EcoSystem Com with a system

Wenn der Druckereimarkt profitabel wachsen soll, braucht es ein neues Value Eco-System, wie die Grafik zeigt.

© 2013 Andreas Weber, Value Communication AG, Mainz. Infografik: Lidia Lukianova, SF Bay Area
Märkte und Kunden gemeinsam gewinnen!

In seiner vorangegangenen Exklusiv-Kolumnen beschäftigte sich Andreas Weber mit den durch Social Media hervorgerufenen Veränderungen. Nunmehr rückt die Situation im Druckereimarkt in den Fokus. Der Autor gilt international als renommierter Analyst für Unternehmenskommunikation und Innovationsexperte. Er arbeitet seit über drei Jahrzehnten in der Gutenberg-Stadt Mainz.

Seit Jahrhunderten stellt sich die Druckereibranche als eine der innovativsten und investitionsfreudigsten Wirtschaftszweige überhaupt dar. Das Prinzip, immer in Puncto Technikinnovation die Nase vor zu haben, war äußerst profitabel. Trotz nach wie vor hohem Innovationstempo und vielen (neuen) exzellenten Technik-Lieferanten hat die Druckereibranche aber an Boden verloren. Die Zahl der Druckereibetrieb geht drastisch zurück. Unklar ist, wie profitables Wachstum erzielt werden kann, um nicht nur per Preisnachlass zu retten, was mühsam aufgebaut wurde.

Die logisch wirkende Idee, um aus dem Dilemma dieser Branchenmisere herauszukommen: Im Druckereimarkt bietet sich das größte Potenzial für Digitaldruck. Doch lange haderten die Drucker mit dem Digitaldruck, weil die Qualität nicht stimmte. Der anfänglichen Skepsis im Druckereisektor folgten Angst und Ablehnung, geschürt durch die Marktmacht der neuen Player. Was wiederum neue Dienstleistungstypen und Quereinsteiger auf den Plan rief. 

Die meinten, mit rein digitalen Drucktechniken, die besser ins Internet-Zeitalter passen, den etablierten Druckereien den Garaus zu machen. Zudem finden sich immer mehr Digitaldrucksysteme bei (ehemaligen) Kunden der Druckereien; respektive Managed Print Services bilden eine neue Brücke zwischen Angebot und Nachfrage für Druckprodukte.

Umdenken empfiehlt sich

Die Drucktechnikentwicklung muss nüchtern und vor allem sehr differenziert betrachtet werden. Digitaldruck in all seinen Facetten war unbestritten das Top-Thema der letzten 20 Jahre und vor allem der Leitmesse drupa 2012. Aber nach wie vor werden über 80 Prozent aller weltweiten Druckprodukte in klassischen Drucktechniken hergestellt (allen voran im Offsetdruck). Der Offsetdruck hat sich durch die Digitaltechniken dynamisch weiterentwickelt, inklusive der Prozessoptimierung und Produktivität für Druckereibetriebe.

Evident ist: Druckereien leiden primär keinesfalls unter Finanzierungsproblemen; auf der drupa 2012 sind hohe Investitionen sowohl in Digitaldruck- als auch (wieder) in Offsetdrucktechniken geflossen. Hersteller wie auch Dienstleister versuchen vielmehr, probate Wege zu finden, um ihre Strategie zu überdenken und der Marktsituation anzupassen. Neue Perspektiven und Visionen fehlen aber und werden dringend benötigt.

Mein Tipp:

Druckereien profitieren von umfassenden Lösungspartnern, die nicht nur digitale Drucktechnik anbieten und installieren, sondern Mehrwert durch Kompetenz, Weitsicht, Kontinuität, Wissenstransfer und Services liefern. Druckereien müssen sich fragen, welche Hersteller das leisten können und welche nicht. Und daran ihre Strategie und Investitionsentscheidungen ausrichten. Dies gelingt optimal, wenn ein neues ›Eco System‹ etabliert wird, das Techniklieferant und Druckerei zu Partnern werden lässt, die gemeinsam für Märkte und Kunden Lösungen entwickeln, die Marken und Werbungtreibenden helfen, den individuell besten Kommunikationsmix zu finden und zu nutzen.

Kontakt: Andreas Weber

Twitter @zeitenwende007

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Faktum:

Man meint, er polarisiert. Doch in Wirklichkeit verwirrt Frank Schirrmacher. Auf professionelle und bedrohliche Art und Weise.

Jüngstes Ereignis (siehe oben):

Publikation zum Thema “Der verwettete Mensch” vom 17. Juni 2013.

Analyse:

Drei Kardinalfehler unterlaufen Frank Schirrmacher:

1. Er prangert die Verschmelzung von Kommerziellem und Militärischem an. Kommerz und militärische Stärke bilden aber schon immer eine Symbiose. Weil es in der Natur der Sache liegt: Das Militärische wurde erfunden, um ökonomische Interessen zu schützen und auszuweiten zu können. Was erwirtschaftet und an Wert geschaffen wird, muss notfalls mit militärischen Mitteln verteidigt werden (Vgl. Obama-Rede vom 20. Juni 2013 vor dem Brandenburger Tor). — Leitlinie im Idealfall: Das Gute (Demokratisch-Freiheitliche) verteidigt sich und verdrängt das Böse (Aggressoren, Terroristen etc.).

2. Er verliert sich in der unsortierten Ansammlung von Äußerungen, Erkenntnissen, Meinungen von Dritten, die er aus dem Ursprungs-Kontext entfernt und willkürlich kolportiert, um dann falsche Schlüsse und Ratschläge daraus zu ziehen. — Leitlinie: Kafkaesk anmutende Szenarien als Nebelkerzen und dann Blendgranaten zünden, um zu verschleiern und demagogisch-propagandistische  Wirkungseffekte zu erzielen.

3. Er fällt seinen eigenen Ursache-Wirkungs-Analyse-Prinzipien unstrukturiert zum Opfer. — Damit landet er (wie auch Leser, die ihm als F.A.Z.-Mitherausgeber Glauben schenken) wohl gänzlich im Wirrmacher-Nirwana, oder?

Empfehlung:

Allen, die jetzt meinen, ein Journalist und Publizist wie Klaus Schirrmacher polarisiere und das sei ja auch gut so, muss man entgegnen: “Reingefallen! Ihr stolpert in eine gefährliche Falle, von der mehr Gefahr als Nutzen ausgeht.”

Anmerkungen: 

1. Hier steht nicht ein Schüleraufsatz oder Laientext in der Kritik, sondern der ernsthaft gemeinte, mit medialer Power der F.A.Z. Zeitungsgruppe unterfütterte Bericht eines Menschen, der vorsätzlich oder fahrlässig Verwirrung stiftet. Geht es ihm am Ende gar nicht um die Sache, sondern um ganz eigene, uns verborgene Ziele?

2. In der fachlichen Diskussion steht Schirrmacher seit 1996 in der Kritik, als Der Spiegel ihn erstmals analysierte.  Siehe “Kritik” im wikipedia-Eintrag zu Frank Schirrmacher: “Der Direktor am Internationalen Institut für empirische Sozialökonomie (INIFES), Ernst Kistler, kritisiert die im Buch Methusalem-Komplott [von Schirrmacher] gezogenen Schlüsse und hergestellten Zusammenhänge: ’Problematisch wird die Sache allerdings dann, wenn demographisch unbedarfte Laien wie Frank Schirrmacher daraus luftige Verbindungen konstruieren’[29] – ’Dann zieht er das Knäuel seiner verschlungenen Gedanken apokalyptisch zusammen…’.[30] Der Statistiker Gerd Bosbach kritisierte die von Schirrmacher vertreten Thesen zum Kindermangel in Deutschland als Übertreibung, die von der Statistik nicht gedeckt sei.[31]

http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Schirrmacher

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Illustration/Key visual by Lidia Lukianova, SF Bay Area
Text/editorial work by Andreas Weber, Value Communication AG

Ob Sie es glauben oder nicht, wir haben es geschafft! Es hat zwar fast 20 Jahre gedauert, aber nunmehr wurde ein wahrhaft historisches Momentum geschaffen. Zum aller ersten Mal bewies eine internationale Fach-Konferenz erfolgreich und sehr effektiv, wovon wir lange Zeit nur reden konnten: Die Vorzüge des Digitaldrucks sind auf breiter Front in der Marken- und Agenturwelt angekommen und spiegeln alle Dimensionen sowie Facetten der kreativen Kommunikation wieder.  

Was passiert ist: HP Graphic Arts und GWA als führender Verband von Kommunikationsagenturen präsentierten gemeinsam in Barcelona nachhaltige und Aufsehen erregende Innovationslösungen. Auf spezielle Einladung nahmen über 70 Führungskräfte und Kreative aus acht europäischen Ländern an der “No Limits: The Art of Innovation“-Tour teil.  Eine Reihe von erstklassigen Sprechern präsentierten erstklassige Fallstudien und teilten ihr profundes Wissen. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Ihnen, während Sie Techniken kennenlernen, die einen echten Mehrwert für Print-Kampagnen bieten“, erklärte Ronan Zioni, EMEA Marketing Director, HP GSB, Gastgeber der Veranstaltung, die Ende Mai 2013 stattfand.

Der neue Ansatz: HP und GWA stellten vor, wie Technologien, Kreativität und Marketingdenken miteinander verschmelzen können, um die Kunst der Innovation auf ein neues Niveau zu heben.

Der Status Quo: HP setzt zielstrebig auf die Innovation im Print. Mit dem (laut HP) breitesten Portfolio von Graphic Solutions, liefert HP Innovationen für alle Aspekte der gedruckten Kommunikation — von der einfachen Briefmarke bis hin zu Verpackungen. Digitaldruck (made by HP) fördere die Produktionseffizienz mit der „Nebenwirkung“ einer umfassenden Umweltfreundlichkeit. Das Ziel ist es, Inhalte zu personalisieren und innerhalb von durchgehend digitalen Medienproduktionsprozessen zu kommunizieren. Digitaldruck erlaube, die größtmögliche Flexibilität von Inhalten. Flexibilität von Inhalten bedeute Relevanz. Relevanz bedeute Ergebnisse.

Das neue Leistungsversprechen von Technik- und Produktseite aus muss lauten: Es bieten sich unbegrenzt viele Möglichkeiten für Marken, besser mit den Verbrauchern zu kommunizieren, wenn physische und digitale Welten aufeinander treffen. „Die hohe Kunst besteht darin, kreative Ideen und Innovation ohne Einschränkungen zu neuen hybriden Lösungen zu vereinen”, sagte Simon Addinall, HP GSB EMEA’s Market Development Manager, Planer und Manager des Events. Und führt weiter aus: „HP  und GWA kooperieren, um erstens neue kreative Gedanken zu wecken und zweitens die GWA Plattform Need for Brains ins Leben zu rufen“. Need for Brains wird vom GWA als eine erstklassige digitale Weiterbildungsplattform für die Agenturbranche ausgebaut werden.

HP Barca Event Fotocollage 4 2013.002

Die Herausforderung: Technologien und Wissen haben sich noch nie so schnell verändert wie heutzutage. Aus diesem Grund muss der Wissensaustausch intensiviert werden. Experten und Technologieführer wie HP teilen künftig ihr Wissen mit den Need for Brains-Teilnehmern aus GWA-Agenturen und präsentieren Innovationen in der Planung, Programmierung und Produktion von Werbemitteln und Kampagnen. Die Kenntnis der technologischen Veränderung und die Möglichkeit der Anwendung für das Geschäft ihrer Kunden sollen Werbeagenturen einen wichtigen Wettbewerbsvorteil bieten. 

Die wichtigsten Ergebnisse: Die Zukunft der Kommunikation wird aus hybrid Kommunikationskampagnen bestehen, immer in Kombination aus Social Media, Web-to-Print und Digitaldruck! In Barcelona wurden rund ein Dutzend hochaktuelle Fallbeispiele vorgestellt und besprochen. U. a von Top-Marken wie Coca-Cola, Nivea, Smart, L‘Oréal. Alistair Campbell, Executive Creative Director bei der Agentur Republic, London, traf es auf den Punkt durch die Beantwortung von Andreas Webers Frage “Ist das, worüber wir heute gesprochen haben schon ‘mainstream’?“. Alistair erklärte: “Nein, noch nicht. Aber es wird sehr bald der Fall sein “- Übrigens: Alistair weiß wovon er redet. Seine Agentur wurde in Großbritannien fünfmal in Serie als “Social Media Agency of the Year” ausgezeichnet.

Zusammenfassung einiger der vorgestellten Fallstudien
(in englischer Sprache)

SELECTED CASE STUDIES AND QUOTES

HP Barca Event Fotocollage Coke 2013.002

Case study: How to innovate a global brand

  • Share a Coca-Cola, Share the Best Summer Ever!
  • By Marit Kroon, Marketing Manager Central and Southern Europe, Coca-Cola

This summer will be unforgettable for millions of Coca-Cola fans in Europe as Coca-Cola invites consumers to engage with the brand in a new, exciting and very personal way. For the first time in Europe, we are replacing our iconic “Coca-Cola” script with 150 of the most popular consumer names in each market. The idea is brought to life by challenging several rules and stereotypes in marketing, soft drinks, packaging and digital print industries. Over one billion cans and bottles of Coca- Cola, Coca-Cola Zero, and Coca-Cola light — including multi-packs — will carry the names, in a feat of system-wide logistics and hi-tech product personalisation.

In Europe it actually means covering over 30 markets with over 40 languages and culture groups. We have created over 10,000 artworks, featuring over 3,000 different names. For those who can’t find their names on a pack, the “Share a Coke” campaign is also brought to life online, where personalized virtual Coca-Cola cans can be created and shared with friends. Consumers will also be able to visit roadshows where they can use a customization kiosk to print their own name on a can.

Using the power of people’s names and the joy of sharing in a playful and social way, the campaign inspires people to join new and existing friends, enjoying a “Coke moment” by sharing one together. Launching the program with these amazing labels and strong marketing support after 18 months of hard work makes us feel very proud about changing the mind-set of hundreds of marketing, finance and packaging specialists, and challenging our suppliers to innovate together with us.

“Innovation is creativity that generates value. It is a mind-set driven by curiosity, crazy ideas and business skills that makes it all happen. Innovation is nota program that can be switched on and off.” Marit KroonMarketing Manager Central & Southern Europe, Coca-Cola

NOTE: Please read as well our Value Marketing Check for additional information.

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Case study: How to enrich agencies creative approach


All Hail the Digital Color Queen

This is the story of how HP Indigo technology enabled Pantone to celebrate the Diamond Jubilee with Her Majesty the Queen — by Blake Waters & Will Thacker, Creatives at Leo Burnett, London

Having a fun idea is only half the battle; realizing it is always the most difficult part. After sitting on one of their fun ideas for around two years – making a Pantone Swatch Book of the Queen, known for always wearing the color blue – Leo Burnett creative duo Will Thacker and Blake Waters seized their chance to make it real: The Queen’s Jubilee. Despite a few bumps along the way, ranging from seeking Buckingham Palace’s approval to meeting some ultra-tight deadlines, they were able to do just that – with a little help from HP digital printers. See video documentation as well.

“Looking at what we have. And imagining what we could have. Thinking this is good. But it could be better. Squinting your eyes and seeing things that others don‘t. Turning the world sideways just so you can look at life from a different angle. That‘s innovation.” Blake WatersCreative, Leo Burnett

“Changing something for the better. The everlasting expedition for new ways to look, touch, even experience something. Innovation has the power to change opinions, and even lives.” Will ThackerCreative, Leo Burnett

Note: Leo Burnett was awarded at Cannes Lions Festival 2013 for the Pantone Swatch Book of the Queen. 

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Case study: How to change agencies behavior

Sustainable Innovations in the Field of Production
By Steffen Gentis, Chief Production Officer, BBDO Germany

We are the lucky ones who get to experience the very brief and fortunate episode in human history known as the fossil-fuel economy. In the near future oil and energy supplies will not meet demand, which makes this is an opportunity for those who can change early. But our assumptions often stand in the way of achieving such sustainable innovation. The way to sustainable innovation is by actually measuring – not just assuming. The interesting insight is all the other gre- at stuff that comes along with sustainable change.

“Innovation is about exploring ideas and inventing ways of adding value in a better and sustainable manner. Innovation is an on-going process that demands initiative, ideas and an open attitude to change.“ Steffen GentisChief Production Officer, BBDO Germany

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Case study: How to change agencies business model and strategy

How Integration of Targeted Direct Mail WORKS Intuitive Relevancy and Other Animals: Leveraging Psychology for Direct Marketing — by Richard Perry, Managing Partner, Founded

Personalisation is one thing, relevancy is everything. How we use consumer insight and buyer behaviour to guide consumers to purchase is vital in driving consumer transactions. Combining online and offline techniques allows marketers to create not only better experiences, but also much better results. We showed you a recent campaign and ROI details from a ZipCar acquisition campaign. ZipCar is an hourly car club that was purchased by Avis for $500 million in January 2013.

“Innovation is a cultural outcome, not just a creative one.“ Richard PerryManaging Partner, Founded

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Case study: How to lead agencies to hybrid communication (Social Media & Print)

The Power of Personalized Print in Social Media
By Alistair Campbell, Executive Creative Director, Agency Republic

While the rise of digital technology and social media may not have instantly seemed like an opportunity for the world of print, the ability to create one-off, personalized, printed products with very short lead times has opened up a whole new area of engagement for both digital agencies and printers alike. Doing so rewards fans of brands by putting something unique and tangible into their hands. And takes digital and social media far beyond the screen. Best-in-class case: Nivea. Users could create their own wrapping paper to use Nivea products as a gift. See: video documentation as well.

“Innovation is being prepared to take a leap of faith.“ Alistair CampbellExecutive Creative Director, Agency Republic

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Case study: How to innovate print No Limits

The Art of Premium Printing
By Tatjana Müksch, Marketing & Christopher C. Mickelthwate, CEO, dygy gmbH, Frankfurt am Main/Germany

One of the major changes the commercial print industry is currently facing stems from the evaluation of customer data and cross-media applications. Targeted, individualized and multilingual print runs of up to 100,000 are becoming more and more standard for medium-sized businesses and brands. To meet their markets’ demands, digital processes are already the norm in the mass-mailing and photo-book print industries but premium and luxury brands must be persuaded to use digital print techniques. Many premium brands desire and need to offer outstanding, highly-differentiated products.

HP Indigo technology, with various possibilities of substrate choice and ennobling capabilities, allows them to combine traditional quality and innovation — giving them that „distinct taste“ the market longs for today. Transforming intangible customer data — gathered at diverse touch points of current premium brands — into tangible, individualized, high-quality prints is complex, fast and fascinating. Therefore future commercial printers must become more of a consultant than a pure technician, functioning as a partner to agencies, marketers and producers. The impact of interdisciplinary teamwork within the planning and printing process does, by all means, result in great applications and innovative concepts.

“Traditionally, any innovation starts with a change of perspective. In the information era innovation is merely a technical term. Innovation takes place where engaged people use even the flimsiest, uncharted space of freedom they have to make new perspectives visible.“ Tatjana MükschMarketing, dygy gmbh

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Case studies by HP EMEA Graphic Arts Experience Center

HP shares unique applications from around the world, including L’Oréal, Heineken and Kimberly Clarke.
By Marcelo Akierman, HP
L’Oréal case study

“No tangles” is an important promise in the children’s hair care category. But to impart L’Oréal Kids’ shampoos with even more must-have appeal, the company wanted to redesign its labels in North America. Partnering with Disney, L’Oréal produced limited edition, shrink-wrapped bottles with themes of newly released children’s movies. The only snarls in the project were ensuring the label colors and quality were top-notch, which flexible digital printing made possible. HP Indigo was the natural choice.

The Challenge

Provide L’Oréal Kids’ shampoo labels that stay up-to-date with the biggest children blockbusters. And do it quickly enough to meet the shelves in time and maintain the characters’ original colors.

The Strategy

L’Oréal turned to Sancoa International Company L.P. in Lumberton, NJ and its HP Indigo digital presses. HP digital presses are ideal for unique production demands.

The Results

“We thought digital would be too expensive for our long run lengths,” a L’Oréal representative said. “While there was a per unit price increase, when we did a cost/pricing analysis, the total system cost was better than traditional processes. What’s more, we got the quality we needed, and our lead time was cut dramatically, so we achieved faster delivery times to market.” To leverage the possibilities of digital printing, L’Oréal extended the line to include a series of products with Car Story and Madagascar characters. They are also using a multi-channel marketing approach to boost interest in the shampoos. And they have set up a special website (www.lorealkids.com) where children can register for a sweepstakes and see a trailer from Toy Story.

“Innovation is about challenging the status quo to get a WOW effect out of it.” Marcelo AkiermanHP

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Case studies by HP EMEA Graphic Arts Experience Center

No Limits: The Art of Sign and Display HP presents graphic solutions power to unleash creativity and relevance in sign and display — with new opportunities and innovations for cutting-edge localized campaigns.
By Simon Addinall, HP

The Challenge

- Connect with French drivers.
– Communicate benefits of Smart car’s subcompact size.
– Reflect the spirit of the car: fun.
– Execute the campaign in 15 days.

The Strategy
– Create a series of outdoor versioned bus shelter signs that communicate with humor the problems related to the city, neighborhood or street in which they are displayed.
– By using an online app & SoMe outreach, enlist the community to contribute content for these versioned messages.

The Results
– Over 8,500 individualized posters in 10 bold colors placed in 26 cities
– Hundreds of press articles & TV appearances
– Expanded to include car wraps, retail window decals, print ads and user-generated content from a Facebook application
– Numerous accolades for the campaign
– Increased traffic at showrooms and on website

“Our customers never stop innovating. Neither do we.” Simon AddinallHP

Further Information: www.hp.com/go/discoverdigital

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