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Monthly Archives: February 2014

Value Keyvisuls Motto 2014 FINAL 04032014.008

Illustrationen: Lidia Lukianova, SF Bay Area

 

Warum es sich lohnt, diesen Beitrag zu lesen:

1. Kaum eine Branche kommuniziert so schlecht wie die Kommunikationsbranche, allen voran die Spezialisten für Printkommunikation.

2. Die Kommunikationsfähigkeit leidet extrem darunter, dass die Kommunikationsbranche sich nur unzureichend über relevante Technologien und Innovation informiert bzw. austauscht.

3. Aktuelle ValueCheck!-Umfrage belegt: Fachliche Weiterbildung wird nicht als Notwendigkeit gesehen; die meisten machen weiter wie bisher und sind nichtmehr up-to-date.

 

Man kann nicht wissen, was man nicht weiss!

Die aktuelle ValueCheck!-Analyse bestätigt, was wir seit längerem vermuten: Die Adaption neuer relevanter Technologien und Innovationen verlangsamt sich im deutschsprachigen Raum zusehends. Investitionsentscheider aus der ersten und zweiten Führungsebene verfügen über zuwenig und kaum aktuelles Fachwissen zu neuen Technologien und Innovationen. Die Mehrzahl derer, die sich mit Innovationsthemen wie Social Media oder dem Digitaldruck beschäftigen, hat sich in ihrer Informations- und Wissensaufnahme nicht den modernen Zeiten angepasst:

  • Für die Themenstellungen notwendige Dienste wie Twitter werden kaum genutzt (nur 16 Prozent).
  • Schlusslicht ist Facebook mit 9 Prozent, das sich längst als Informations- und Interaktionsplanung für Wissensaustausch und Leadgenerierung etabliert hat (wie Beispiele aus Skandinavien, der Türkei oder den U.S.A. belegen).
  • Immerhin nutzen 39 Prozent der Befragten Web-Blogs als Informationsquelle, wobei Kommentarfunktionen der Blogs so gut wie nicht genutzt werden.
  • Nur weniger als ein Viertel (24 Prozent) profitiert von Onlinekonferenzen/Webinars, die einfach nutzbar und äußerst effizient sind, da zeitsparend.

 

Value Check 1-2014 Mediennutzung XING

 

Erhebungszeitraum: Januar und Februar 2014

Grundgesamtheit: Online-Befragung über Value Community „DigitaldruckForum“ auf XING (75 Entscheider) plus Tiefeninterviews (23)

Quelle & © 2014: Value Communication AG, Mainz | ValueCheck!

 

Traditionalisten mögen jetzt denken: „Ich habe es doch immer gewusst, dieser neue Digital-Firlefanz bringt nix!“ Das ist aber ein Trugschluss, wie die Tiefeninterviews des ValueCheck! ergeben:

  • Fachzeitschriften dominieren klar mit ihren Printangeboten. Weniger als 15 Prozent der befragten Empfänger von Print-Titeln lesen diese aber gründlich, das heisst pro Ausgabe 30 bis 60 Minuten. Die meisten schauen weniger als 3 Minuten drauf und legen die Ausgabe dann in die Ablage, das „Umlaufkörbchen“ oder ins Besucherzimmer.
  • Online-Ableger der Printtitel werden Mehrheitlich von Nicht-Print-Lesern genutzt, die dies aber nur sporadisch tun. Das heisst die Leser-Blatt-Bindung ist und bleibt ziemlich gering.
  • Die Twitterangebote von Fachzeitschriften werden kaum wahrgenommen, da zumeist nur die Headlines von Online-Posts getweetet werden und auf diese verlinkt sind; diese Tweets erfahren praktisch null Interaktion, da sie nicht ausreichend re-tweetet werden.

Neben den (kaum wahrgenommenen Fachzeitschriften mit ihrem stolzen Anteil von 79 Prozent sind Fachmessen mit 69 Prozent ganz vorne dabei. Hausmessen werden nicht mehr häufig genutzt (nur von 27 Prozent). Die Tiefeninterviews ergaben folgendes:

  • 77 Prozent gehen zu Fachmessen, um Kollegen zu treffen und sich unterhalten zu lassen, inkl. Essen und Trinken sowie Party-Programmen.
  • 63 Prozent gehen zu Hausmessen, weil sie sich dem Vertriebsmitarbeiter ihres Lieferenten verpflichtet fühlen.
  • Weniger als 20 Prozent sind in den letzten fünf Jahren beim Besuch von Messen auf neue Ideen gekommen, die unmittelbar zu neuem Geschäft geführt haben.

Mehr Wissen, besseres Geschäft?

Die aktuelle Situation in der Kommunikationsbranche und insbesondere bei Print zeigt ein Dilemma: Die meisten fühlen sich gut informiert, ohne aber tatsächlich die relevanten Informationen über Technologien und Innovation zu erlangen, die sie bräuchten, um profitables Wachstum zu erzeugen.

Die Tiefeninterviews ergaben zudem, dass der Zusammenhang zwischen Wissensaufnahme und Innovation des eigenen Geschäfts kaum erkannt wird (weniger als 15 % sehen das so). Da die Kommunikationsbranche naturgemäß Innovations-getrieben und extrem Veränderungs-abhängig ist, wirkt die Situation mehr als verfahren.

So sind zwar 82 Prozent der Befragten an Technologie-Innovationen interessiert. Gerade auch im Hinblick auf neue Geschäftsmöglichkeiten. Neue Geschäftsmöglichkeiten brauchen aber neue Geschäftsmodelle und die haben wenig mit den alten zu tun. Vieles kehrt sich um. Ein Aspekte ist aber nach wie gültig: Was nutzt es, Neues zu bieten, wenn keiner davon weiss? „Wir sind der Konkurrenz einen Schritt voraus, denn wir behalten alles für uns“. So lautet das Motto der allermeisten Kommunikationsbetriebe. Der Strukturwandel durch die Digitalisierung bewirkt einen Wandel in der Eigendarstellung und Kommunikationsfähigkeit von Kommunikationsdienstleistern.

Zuviele praktizieren nicht, was sie ihren Kunden empfehlen. Innovationslösungen, z. B. in Verbindung von Print + Online + IT  wird wenig sinnvoll für die Eigenwerbung eingesetzt. Websites sind tröge und überaltert, Blogs, Twitter und Facebook werden kaum oder wenn, dann nicht sehr professionell und zielführend genutzt. Spezifisch für die Printbetriebe gilt: Die Auseinandersetzung mit dem stärksten Wachstumssegment, dem Inkjet-Markt, zeigt, dass diejenigen (nicht nur in den USA, sondern vor allem in Holland und Skandinavien), die ein solches Geschäft erfolgreich betreiben, gleichzeitig in die Marketing-Kommunikationsoffensive gegangen sind. In Deutschland wird diese Thematik aber erst gar nicht breitenwirksam diskutiert!

Für alle aus der Kommunikationsbranche gilt gleichermaßen: Was ich nicht für mich tue, kann ich auch nicht für meine Kunden bewerkstelligen. Das Manko in der eigenen Wissenspflege überträgt sich auf die Marktkommunikation der Kommunikationsbranche insgesamt:

  1. Nur die Interaktion mit Kunden (vorzugsweise über Social Media-Plattformen und 1-to-1-Printing) bringt stets dynamische Kontaktstrukturen zu Neukunden und Meinungsmachern im Markt, die man als Referenz nutzen kann.
  2. Auftraggeber für innovative Kommunikationsprojekte müssen besser und vollständig ins Boot geholt werden.
  3. Unsere Value-Check!-Analysen und auch die von Kollegen und Herstellern zeigen, dass die Marktteilnehmer nur völlig unzureichend wissen, welche Innovationsmöglichkeiten es gibt, welche relevant sind, und welche Symbiose Print & Online & IT eingehen können.
  4. Den meisten Kommunikationsbetrieben, Agenturen ebenso wie Crossmedia-Anbietern und Digitaldruckern, fehlt schlicht die Professionalität in der Eigendarstellung und Marktkommunikation.

In der Summe und Kombination ist das fatal. Und heisst: Unsere Kommunikationsbranche kommuniziert gegenüber dem Markt/den Auftraggebern völlig unzureichend (um nicht zu sagen: lausig!). Wir verschenken durch unzureichende Marktkommunikation Geld und Chancen und überlassen anderen das Feld. Und geben somit ein schlechtes Beispiel ab. Mit anderen Worten, wer sein Geschäftsmodell ändern will, und die eigene Wissenspflege ebenso wie die offensive Kommunikation über Technologien und Innovationsmöglichkeiten vergisst, wird es nicht weit bringen.

Kontakt für weitere Informativen:

a.weber{a)value-communication.com
@ValueCommAG

Value Slide Shows:

http://de.slideshare.net/zeitenwende007

valuetrendradar:

Why you should read this blog post?

You will understand why someting old became something new!

Originally posted on valuetrendradar:

Text by Andreas Weber, CEO of Value Communication AG, Mainz
Germany’s leading Business Communications Analyst and Innovation Expert
Illustration by Lidia Wey

Contact: Twitter @zeitenwende007
Actually, everything could be quite simple: Our modern technology Eldorado makes everything better, faster, more effective. That is the theory. However, the adaptation rate for innovative solutions in the market will tend to take off. Its because of the high pace of technology development that we tend to have lost our orientation. In the least, we are overwhelmed by news and details. It is time to re-think what we should do in the future!
1. Mainstream is not more mainstream
Decision-makers need luck to track down relevant information for their own purposes. “Why’s that? We communicate so well and are more active as never before! ” — Well, who uses Twitter extensively, for example, has so far not gained an overview about what is…

View original 624 more words

Eisenturm K3 Opening 07022014 Key.001

Text sowie Fotos/Bildcollage:
Andreas Weber, Mainz/Frankfurt am Main, 7. Februar 2014

Warum es sich lohnt, diesen Blogpost zu lesen:

1. Kunst = Kommunikation

2. Kommunikation = Kunst

3. Kunstverein Eisenturm K3 = KunstHochDrei

Liebe Freunde erhabener Kunst, liebe Fans des Kunstverein Eisenturm!
Wie kann man eine wichtige, zukunftsweise KEM-Mitgliederversammlung besser krönen, als mit einer wunderbaren Ausstellung von Format. „Kunst Hoch Drei“ bietet ungeahnte Überraschungen. Und begeistert. Nach dem gelungenen Intermezzo von Martin Kosa am letzten Wochenende zur Vorstellung des Fotobuchs „Tokio Translated“ geht es also Schlag auf Schlag. Kunst Hoch Drei – auch kurz K3 genannt, ist ein Format mit kultureller und kreativer Dimension. Der Ideengeber — Dietmar Gross – hatte zusammen mit den Kuratoren im Sinn, Begegnungen herbeizuführen und Mono-Dimensionen zu überwinden, indem jeweils drei Kunstschaffenden Gelegenheit gegeben wird, ihre Arbeit nicht nur zu präsentieren, sondern in den Kontext künstlerischer Schaffenskraft zu stellen.

Ein herzliches Willkommen gilt darum nochmals Irma Hartberg und ihren Assemblagen, Alice Stäglich und ihren Skulpturen sowie Angelika Wende mit ihren Malereien.

K3 bezieht aber auch topografische Dimensionen ein. Drei Räume treffen drei Künstler geht damit einher, aber noch wichtiger die Tatsache, dass K3 ein Bergmassiv im Himalaya meint, den Broad Peak, übersetzt: das ausgedehnte Gipfelgebiet, das zu dem 14 Achttausender dieser Welt gehört. Seine Dimension umfasst in etwa das Areal, das zwischen Mainz, der Gemeinde Heidenrod (hinter Wiesbaden) und Gemünden im Hunsrück, den Wohnorten unserer Künstlerinnen, liegt.

Ein Gipfelpunkt wie K3 liefert einzigartige Ausblicke und Einblicke, indem man im Team mit sich selbst und mit ausgewählten anderen den Aufstieg geschafft hat.

Der Weg der Künstler ist mitunter ein steiniger, nicht selten riskanter. Man muss, wie Alpinisten wissen, stets an sich glauben, durchhalten und darf sein Ziel wie auch sein Umfeld nie aus den Augen verlieren. Natur und Mensch sind ein ungleiches Paar!

Was macht nun die drei Künstlerinnen, deren Werke wir heute bewundern dürfen, aus? Sie bilden keine Seilschaft im klassischen Sinne, haben zuvor auch noch nie im Dreier-Ensemble ausgestellt. Das kann man kaum glauben. Denn wer genau hinsieht, entdeckt zum Beispiel Elemente von Alice Stäglich im Werk von Irma Hartberg. Und umgekehrt. Angelika Wende greift Gedanken der beiden anderen auf und übersetzt sie in furiose, zweidimensionale Kompositionen, die Malerisches und Fotografisches zu Transformationen und Metamorphosen vereinen.

Grund genug für uns, sich auf eine andere, intuitive, erlebnishafte Herangehensweise an die Exponate einzulassen. Gerade so, wie auf einer Expedition, wenn das Vorhersehbare anders eintritt, als man erwartet hat.

Irma Hartberg und ihrer Kunst nähert man sich am besten, so meine Erfahrung gestern, als ich ganz für mich die Ausstellung vorbesichtigen durfte, indem man den Blick zunächst tief in die Exponate „hineinzoomt“. Hier erkennt man die Kunstfertigkeit der Assemblagen am besten, rostige Metallelemente treffen Farbaufträge, selbst wenn die Bildwerke hinter Glas sind. Reliefcharakter mit Dreidimensionalität entsteht. Und ein Feuerwerk an Farbimpressionen, die mitunter geometrisch angelegt sind, aber Gegenständliches abstrahieren. Irma Hartberg, in Kassel geboren, hat zunächst Kunsterziehung / Polytechnik an der FH Darmstadt studiert bevor sie an die Freien Wiesbadener Kunstschule ging, um danach am Hessischen Staatstheater als Theaterplastikerin und an anderer Stelle einige Jahre als Kunsttherapeutin zu arbeiten. Sie hat eine ganze Reihe erfolgreicher Ausstellungen absolviert, in ganz Hessen, in Nord- und Ostdeutschland sowie in Wien. In Mainz war sie mehrfach zu Gast beim KEM in den Kooperationsausstellungen mit der Mainzer Volksbank.

Die Inspirationsquellen für Irma Hartberg sind vielfältig. In ihren Werkzyklen finden sich Anregungen aus der mexikanischen Volkskunst für die Fadenkollagen. Sie sagt selbst: „Diese Bilder versuchen Gefühlszustände wie Schmerz, Hoffnung, Ambivalenz, Geborgenheit in abstrakte Formen zu transformieren. Jedes Bild beschränkt sich auf wenige Farben und lässt Tiefe durch Farbabstufungen entstehen.“ Die Künstlerin steht im Dialog mit der Natur: „Die Natur ist Mitgestalterin, indem sie durch Form und Struktur … die Bildkomposition bestimmt. Natur und Kunst werden hier eins. Hintergründe wachsen mit Naturmaterialien zusammen und werden zu archaischen Gebilden, die von einer ganz eigenen, geheimnisvollen Welt erzählen.“

Die hier gezeigten Assemblagen aus Kiefernholz und Metall mit den Be- und Übermalungen haben für Irma Hartberg eine ganz besondere Bedeutung. Sie nennt dies die „Ästhetik des Zerfalls“ und wertet sie als Zeichen der Vergänglichkeit. Sie lasse den Bildern Zeit, da mitunter das Metall noch reifen muss, bis es die richtige Patina aufweist. Die eingesetzten Materialien hätten „viel zu erzählen“, gerade wenn sie Abfall waren und durch die Kunst wieder ins Leben zurückgeholt werden. Irma Hartbergs Themen sind wie sie sagt durchweg „Verbinden, Zusammenhalten, Getrenntheit überwinden. Und die Zeit. Die Zeit als vierte Dimension ist Thema eines Konzeptpapiers, das Irma Hartberg zu Ausstellung verfasst hat und mir schickte. Ich darf es kurz vortragen:

Zeit – die vierte Dimension

„Zeit an sich ist ein abstrakter Begriff, der sich am besten sichtbar machen lässt an Materialien, die, wenn sie äußeren Einflüssen ausgesetzt sind, sich langsam auflösen.

Hier ist die Zeit die Gestalterin. Am eindrucksvollsten lässt sich dieser Prozess bei Metall oder Eisen beobachten. Ich habe ein Stück Zinkblech, das 30 Jahre in der Erde lag, ausgegraben und wieder ‚zum Leben erweckt‘, indem ich es in eine Assemblage eingebaut habe.

Diese „Ästhetik des Zerfalls“ ist mein Thema. Die lebendigen Spuren der Zersetzung von Materie (auch Kunststoff und Holz) füllen meine Bilder mit Leben. Wie ein Künstler gestaltet der Zerfall durch Verfärbung, Bruchstellen und das Abblättern von alten Lacken. Er ist das Gesetz des Universums und am Ende durch nichts aufzuhalten! Ein Prozess, den wir allzu gerne verdrängen, da auch wir von ihm nicht verschont bleiben.

Die Teile, die ich finde, werden als Müll bezeichnet.

Ich gebe Ihnen ‚ihre Würde‘ zurück (wie es die amerikanische Künstlerin Louise Nevelson formulierte). Ich füge sie neu zusammen und bediene mich dabei der dem Zeitgeist trotzenden ästhetischen Formgebung, die für mich nach wie vor von großer Bedeutung ist.

Irma Hartberg, Februar 2014“

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Foto: Andreas Weber, 6. Februar 2014

Transformation, Zerfall, Metall und Rost kennzeichnen auch das Gestaltungsfeld von Alice Stäglich. In Warschau geboren, hat sie lange schon ihr Atelier im Hunsrück, im Gut Neuhof, mit atemberaubenden historischen Räumlichkeiten, die die Wirkung der Skulpturen bestärken. Ganz wie auch hier im Eisenturm, getreu dem Motto: „Etwas Altes wird etwas Neues“.  —

1980 begann Alice Stäglich ihr Studium der Bildhauerei an der Europäischen Akademie für Bildende Kunst in Trier und Salzburg. Sie gehört dem Berufsverband Bildender Künstler BBK an — wie auch seit 1989 der Künstlergruppe Nahe e.V.. Seit über 10 Jahren stellt sie auf der Mainzer Kunstmesse aus, ebenso wie auf Kunstmessen in Bonn oder München sowie in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland. Ihre Arbeiten sind in öffentlichen wie in privaten Sammlungen vertreten. Zu nennen sind auch Veröffentlichungen wie „Blaue Sonne“, „Fundstücke“ oder „Das Konzert“.

Dr. Angela Nestler Zapp, Leiterin der Bad Kreuznacher Kunst- und Kulturtage, Museumsdirektorin Schlossparkmuseum und Römerhalle Bad Kreuznach, urteilt wie folgt: “Die Plastiken von Alice Stäglich entstehen aus der Montage verschiedenartiger Fundstücke aus der Alltagskultur, die isoliert von ihrem ehemaligen Umfeld und ihren damit verbundenen Funktionen eine neue Wertigkeit und Bedeutung erhalten.”

Alice Stäglich stellt ihren Arbeiten ein wunderbares Zitat von Marcel Duchamp voran: „Kunst ist eine viel tiefere Sache als der Geschmack einer Zeitepoche, und die Kunst einer Zeitepoche ist nicht der Geschmack dieser Zeitepoche“.

Wer mit diesen Worten im Ohr den Ausstellungsraum betritt, erhält eine andere Vorstellung. Und kann eine quasi metallische Orchestrierung von Musik- oder Konzertdarbietungen erleben. Vertraute Elemente kombinieren sich in neuer Art und Weise. Der originale Notenständer führt eine schwere Last, da das Notenpapier anders als gewohnt nicht aus Papier geformt ist.

Alice Stäglich erweitert das aus der Kunstgeschichte bekannte Repertoire des Object Trouvé, des Fundstücks, und agiert nicht ohne Humor und Ironie. Gerade so, wie ein Picasso, der aus Fahrradsattel und -lenker einen Stierkopf formte. „Ambivalenz und die Lust an der Dechiffrierung der einzelnen Gestaltungselemente machen den Reiz der Rezeption aus“, schreibt die bereits zitierte Dr. Angela Nestler Zapp, die weiter ausführt: „Die Figurationen verblüffen ebenso durch paradoxe Kompositionen von ehemals unvereinbaren Objekten wie durch witzige und ironische Details. Frontalansichtig beziehen sie ihre Wirkung durch die silhouettenartig abstrahierte Umrissform.

Gegenständliches und Abstraktes werden kombiniert, Konstruktivistisches und Surreales miteinander verschränkt. Dafür bleibt jedoch immer die Identität der Fundstücke, die in sparsamen Kompositionen zusammengefügt werden, erhalten. Auf diese Weise werden Relikte unserer Alltagskultur in einen neuen Kontext gesetzt und die Ihnen innewohnenden plastischen Qualitäten vor Augen geführt.“

Die Namensgebung der Werke vereint Musikinstrumente wie auch -gattungen und Musikerberufe. Klaviermädchen, Orgelmann, Schlagzeug, Orgel, Trommel etc. sowie das gekonnt-gemischte Ensemble der Stühle, die zugleich Konzertbesucher darstellen. So unterschiedlich wir Menschen sind, so unterschiedlich sind auch die Bildwerke, die entstehen.

Meine Damen und Herren, soweit möglich, wenn nicht heute, dann morgen oder ein anderes Mal, schauen Sie bitte, dass sie die Exponate von Alice Stäglich alleine und in Ruhe genießen können. Es liegt auch ein wunderbarer Katalog aus, mit vielen weiterführenden Informationen, der auf dem Umschlag die Farbwelt der Skulpturen nach aussen trägt. Im Katalog sind auch Fotos des Ateliers im Gut Neuhof zusehen, die ad hoc den Wunsch nach einem Besuch bei Alice Stäglich im Hunsrück anregen.

K3 Alice IMG_8141

 Foto: Andreas Weber, 6. Februar 2014

Wie wichtig persönliche und mediale Präsenz ist, das weiss Angelika Wende ganz besonders. Sie hat in Mainz Literaturwissenschaften an der Johannes Gutenberg Universität studiert, war bei Pro7 und ZDF Fernsehmoderatorin und verfügt über eine Ausbildung als Psychologische Beraterin. Sie arbeitet als Freie Journalistin, Autorin, Kuratorin und Kunstschaffende. Übrigens ziert die Einladung zur heutigen Ausstellung im Eisenturm als Profilbild die Facebook-Seite von Angelika Wende… Es kam heute zu viel Interaktion auf Facebook.

Künstlerische Studien unternahm Angelika Wende u.a. bei:

Reinhold Petermann, Bildhauer, Mainz,

Matthias Rüppel, Maler und Bildhauer UdK, Berlin, sowie

Christian Felder, Maler, Mainz.

Auf die Frage: „Warum machst Du Kunst?“ antwortete sie spontan in einem auf  YouTube publizierten Video: „Weil ich nicht anders kann. Ich muss mich ausdrücken!“ [Gemeint, wohl eher: austoben!]. Neben Sprache und der Verschriftlichung von Gedanken sind malerische und fotografische Ausdrucksformen ihr Metier. Den Fotografie-Arbeiten auf ihrer Website hat Angelika Wende ein Zitat von Max Beckmann vorangestellt: „Das Selbst ist das grosse Rätsel.“

Und ihrer Schrift „Die andere in mir – KALi“ stellt sie voran:

„In einer Aprilnacht in die Welt geworfen

Heimat ist in mir selbst

Mein Lebensweg – eine Suche

Meine Sehnsucht – die nach Wissen und Gelassenheit

Mein Motor – Kreativität

Mein Glaube – Liebe …

Malerei:

Ich male, wenn die Worte nicht ausreichen,

um das zu beschreiben was in mir ist …“

Das Neue bewegt sie wie das Alte. Gedanken aus Platons Symposion tauchen auf. „Wir Menschen sind halbierte, die sich nach Ganzheit sehnen“. So sind ihre Bildwerke zu verstehen. Sie erheben nicht den Anspruch, akademisch perfekte Malerei verkörpern zu müssen. Sie sind spontan visualisierte Gefühlsexplosionen, die über das Intellektuelle hinausgehen. Es ist beindruckend zu sehen, wie viel Grosses in ganz kleine Bildformate gepackt werden kann. Anscheinend braucht die Geisteswelt ein Äquivalent auf der Gefühlsebene.

Sich wie Immanuel Kant den Lebensfreuden und -nöten völlig zu entziehen, kann für Angelika Wende wohl kaum vorstellbar sein. Dazu ist sie dem Mensch–Sein, mit allen Höhen und Tiefen seiner Existenz, viel zu sehr verbunden. „Wir werden zu dem, was wir sind…“ findet sich zu ihrem Text- und Bildband „Medea – Metamorphosen“.

Hier heisst es weiter:

„Er ist schwach und sie ist stark. Er nimmt ihre

Stärke, solange sie ihm nützt und hält sie nicht

aus, weil sie ihn kleiner macht in seinen Augen.

Dieser Mann ist klein, zu klein für eine große

Frau.

Warum macht diese starke Frau die

Erfüllung ihrer Sehnsucht an ihm

fest? Ist sie blind, oder im Innersten

so einsam, dass sie im Gefühl

endlich geliebt und gebraucht zu

werden, seine Schwäche übersieht

und verdrängt? Beginnt das Drama Medeas

nicht dort, wo alle menschlichen Dramen beginnen?

In ihr selbst, in ihrer psychischen Struktur.

Und ist das Außen nicht nur der Spiegel dessen,

was der Mensch in sich trägt?

Wir werden zu dem, was wir sind …

[…]

Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist

die vertrauteste und unheimlichste, die unbedingteste

und konfliktreichste – Urgrund unzähliger

Dramen, damals wie heute.

Es ist die Unfähigkeit dem anderen sein Anderssein

zu lassen. Weit ab von Einsicht,

Akzeptanz und friedlicher Koexistenz, wabert

der Kampf der Geschlechter, durchzogen vom

Trieb uns fortzupflanzen. Nicht ohne einander

und schlecht miteinander.“

Soweit Angelika Wende in ihren Medea-Texten, die den Bildwerken sprachlich-codierte Ausdrucksform verleihen. Bild und Text definieren sich gegenseitig, quasi als iterativer Prozess.

Ihr Mentor, der genannte Maler Christian Felder, stellt klar: „Das Werk Angelika Wendes konfrontiert den Betrachter mit einer ungeschönten aber auch zugleich unumstößlich notwendigen Bildwelt. Diese lockt durch ihre Intensität. Wir sehen Figuren. Einzelne, im Paar, im Drei-Mensch-Verhältnis. Gemalt in einem Stil, der sich von der Individualität des abgebildeten Subjekts entfernt und als Stilmittel die Reduktion der Form zu nutzen weiß.“

Und Christian Felder fährt an anderer Stelle fort, unter der Überschrift „Zurückgeworfen auf das Selbst“:

„Angelika Wende ist keine staatlich lizenzierte Künstlerin. Sie hat keinen Abschluss einer Kunsthochschule vorzuweisen. Doch sie hat etwas, das vielen ‚Meisterschülern‘ fehlt: Innere Notwendigkeit. Der Trieb die Ereignisse der Welt malerisch zu verarbeiten, ist tief in ihr verwurzelt.“

Man kann bei den Bildwerken von Angelika Wende von einer „Rauschhaften Empathie“ sprechen. Gerade so, wie wenn man bewusst oder unbewusst den Verstand ausblendet, um seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Doch anders als beim Action Painting oder sonstigen Spontan-Kunstformen, lässt sie über das Gefühl (und Mitgefühl) dem Intellekt freien Lauf. Dies schafft eine Entrücktheit, wie man sie aus der Psychologie kennt: Das Ich drängt über den Rahmen, den Natur und Gesetz uns Menschen auferlegen, hinaus.

Das gemeinhin „Verrückt“ genannte im Wesen von Menschen, die wir als krank bezeichnen, wird ja zu einem „Entrückt“-Sein als Notwendigkeit, um sich der Wirklichkeit aus anderer Perspektive anzunähern.

Christian Felder beschreibt das exakt: „Diese Malerin folgt keinem Programm, sie folgt ihrer Intuition. Intuition als Maxime, das authentische Gefühl aus Erfahrung als Messlatte, die Notwendigkeit bildnerisch zu gestalten. Dies scheinen mir die drei Grundpfeiler ihres Schaffens zu sein. Und fordert uns als Betrachter auf: ‚Lassen wir die Bilder sprechen‘.“

Angelika Wende formuliert ihr Selbst wie folgt:

„Ich reiße die Form auf und reduziere die Figur.
Das Aufgerissene ist Symbol meiner eigenen Zerrissenheit.
Ich spachtle, ich kratze. Ich wische und verwische, ich zerstöre und baue auf.
Ich hinterlasse Narben auf der Leinwand.
Es ist ein immer wieder neues Zerstören des Bildes.
Es hat etwas Verletzendes und etwas Schöpfendes.
Ich mache das, solange bis auf der Leinwand eine fragile Schönheit
zum Vorschein kommt.
Es ist wie Stroh zu Gold spinnen.“

Angelika K3 IMG_8182

Meine Damen und Herren, Stroh zu Gold spinnen, das finde ich bemerkenswert, hier im „Eisen“-Turm. 

Ich wünsche der Ausstellung und den Künstlerinnen den angemessenen Erfolg und die notwendige Aufmerksamkeit vieler Besucher. Das Prinzip „K3“ – Kunst Hoch Drei – lädt wie eingangs gesagt, zum Gipfelsturm ein. Also, dann los!

 

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Ausstellungsungsbesprechung in der Mainzer Allgemeinen Zeitung:

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/schau-wider-den-zeitgeist-im-eisenturm_13870561.htm

 

Visueller Rundgang per YouTube (Video-Animation)::

 

IMG_8029

Fotos: Ying Lin-Sill, Andreas Weber, 2014

 

Warum es sich lohnt, diesen Blogpost zu lesen:
Die wirklich schönen Geschehnisse im Leben kann man nicht erzwingen. Sie ergeben sich.

The Horse (馬 午) is one of the 12-year cycle of animals which appear in the Chinese zodiac related to the Chinese calendar.

 

Zeitenwende: „馬 午 — Happy new life!“

 

Die Kunst zu(m) Leben bestimmt sich in der Kunst des Seins. Sein kann, was Sein soll. Lebens-Kunst will erlernt sein und führt zum Erleben. Perfektion zeigt sich, wenn Dinge, Menschen, Ereignisse aufeinandertreffen, einfach weil es sich ergibt.

Warum scheint das erzählenswert? — Am 31. Januar 2014 trafen über 60 Menschen zusammen, die sich vorher so niemals begegnet waren, um den Chinesischen Neujahrstag zu begehen. Gross und Klein, Singles, Freunde, Familien. Die Künstlerin und Kunstwissenschaftlerin Dr. Ying Lin-Sill und Andreas Weber als Experte für Kunst & Kommunikation hatten zum West-Ost-Dialog eingeladen. Und starten standesgemäß nach dem chinesischen Kalender das neue Jahr mit dem Motto: „Zeitenwende | Changing Times“.

 

Value New Years Event 2014 Key Visuals.002

Ein Feuerwerk an Kreativität und Sinnenfreude erwartete die Gästeschar aus vielen Ländern. So eindrücklich, das war die Meinung vieler, konnte man bislang nicht nachvollziehen, wie Ost und West zusammengehören:

  • Eine blutjunge Tänzerin verzauberte mit einem grandiosen Pfauentanz.
  • Dr.-Ing. Gert Kaster entführte in die Geschichte von Qingdao und der deutschen Marinestadt Tsingtau, die vor 100 Jahren erobert wurde. Und deren deutsche Baukunst aus dieser Zeit bis heute in China zum „Kult“ reifte.
  • Die Sopranistin Lingyuan Gao bezauberte uns mit ihrer Welt der Musik am Beispiel eines chinesischen Liebeslieds.
  • Dr. Dagmar Lorenz knüpfte an Lingyuan Gao lyrisch-gesangliche „Poesie“-Darbietung an und zeigte am Beispiel von Gustav Mahlers Lied „Von der Jugend“ wie ein Missverständnis, verursacht durch Übersetzungsabweichungen, wunderbares Neues hervorbringt.

Last but not least: Fernöstliche und gesundheitsfördernde Verpflegung sorgte für ein übriges. Begleitet von Tee, Wein (Relaunch F) sowie Sekt-Köstlichkeiten der Goldhand-Sektkellerei zu Mainz. Siehe http://www.goldhand.de/index_.html

Das Beste kommt unverhofft – und in diesem Fall als Überraschung ganz zum Schluss. In guter chinesischer Tradition wurde eine Verlosung durchgeführt. Den Hauptpreis, das Gemälde einer Flötenspielerin, gewann ein Gast aus Rheinhessen, selbst im Zeichen des Hölzernen Pferdes geboren, das wohl nur alle 60 Jahre im Tierzyklus erscheint. Er versprach, fortan das Jahr hindurch, das nunmehr sein Jahr ist, ein Tagebuch zu führen, und uns am nächsten Neujahrstag von seinem Jahr zu berichten.

Die wirklich schönen Geschehnisse im Leben kann man nicht erzwingen. Sie ergeben sich.

Weitere Fotos in unserem Facebook-Album:
https://www.facebook.com/YingLinSill/media_set?set=a.512424912206222&type=1

Und auf YouTube:
http://youtu.be/FCw9TF9DSMs

 

Value New Years Event 2014 Key Visuals.001

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